Thema: Alliierte Besetzung Bizone Posthörnchen: Sekundärfehler bei Bandaufdrucken
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Am: 16.08.2026 16:24:16
Gelesen: 281
# 1
Ich versuche gerade an einigen Bögen mit Bandaufdrucken auf Arbeitern (Michel Nr. 36I, 40I, 47I) nach Ostermann (2011): "Währungsreform 1948 – Provisorien der Bizone. Teil 1: Der Bandaufdruck" die Aufdruckfehler nachzuvollziehen.
Bei den Sekundärfehlern kann ich je Bogen aber immer nur einzelne der Sekundärfehler nachvollziehen und es ist mir daher nicht möglich die Matritzentypen B1–-B4 sauber zu bestimmen.
Meine Frage ist daher: Müssten bei einem Druck mit beispielsweise Matrize 1 oben und Matritze 1 unten (also B1-B1) alle 19 bei Ostermann aufgeführten Sekundärmerkmale doppelt zu finden sein? Zumindest theoretisch?
Danke für alle Hinweise!
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Am: 16.08.2026 19:21:43
Gelesen: 250
# 2
@ Diptera [#1]
Begriffserklärung für alle:
Bei Aufdrucken auf Briefmarken (wie z. B. bei Währungsreformen, Besatzungsaufgaben oder Inflationsmarken) bezieht sich der Begriff Sekundärfehler (oft als sekundärer Plattenfehler des Aufdrucks bezeichnet) auf die Entstehungsgeschichte eines Fehlers in der Druckform.
Definition des sekundären Aufdruckfehlers
Ein sekundärer Aufdruckfehler ist ein Fehler, der nicht auf dem Urklischee (der Urmatrize) vorhanden war, sondern erst bei der Vervielfältigung, Zusammenstellung oder Montage der endgültigen Druckplatte (dem sogenannten Tochterklischee) entstanden ist.
(Auszüge aus https://www.briefmarkenmesse-essen.de/glossar/plattenfehler )
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Am: 16.08.2026 19:55:24
Gelesen: 232
# 3
@ Diptera [#1]
Welche Definition zum Begriff Sekundärfehler verwendet Ostermann selbst? Die im Post [#2] genannte Definition, ist die, die auch auf den Seiten des BPP zu lesen ist (siehe Plattenfehler). https://www.bpp.de/begriffsbestimmungen
Andere verwenden in der Literatur den Primärfehler als ersten Fehler auf einem Schalterbogen, um dessen Rekonstruktion zu ermöglichen. Also in einer Spalte alle Bogenfelder und alle Plattenauflagen. Der Sekundärfehler ist dann nach der Zählweise (Latein) der 2. nachfolgende Fehler. Auf einem Bogenfeld, aber auch alle Schalterbögen. Beide Fehlertypen entstehen bei der Erstellung der Druckform.
Wird z. B. so zum Primärfehler im Michel Deutschland Spezial 2026, Band 2, S. 116 informiert. Diese Beschreibung hat natürlich nichts mit den Begriffen des BPP zu tun. Denn von diesen werden Primärfehler werden nicht geprüft. Aber die Mi.-Nr. 2 A XVII - "Einbuchtung im g" ist ein Primärfehler in der Definition von Harnisch, Junck und Kerbs und wird geprüft. Also bitte nachschauen, wie Ostermann selbst diese Fehlerart beschreibt.
Grüße
KHV
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Am: 16.08.2026 23:05:11
Gelesen: 197
# 4
@ Diptera [#1]
Hallo Diptera,
die Sekundärmerkmale sind lt. Ostermann sekundäre Feldmerkmale, die bei der Herstellung der Druckmatrizen vom Urklischee entstanden sind.
Die Feldmerkmale, die du ansprichst sind keine Sekundärmerkmale, sondern Primärmerkmale, also lt. Ostermann primäre Feldmerkmale, die bereits beim Urklischee vorhanden sind, siehe Seite 34.
Und um deine Frage zu beantworten: ja, bei einem Bogen mit der Kombination B1-B1 sind alle 19 dem Aufdrucktyp B1 lt. Ostermann zuzuordnenden Primärmerkmale doppelt zu finden.
Grüße Karsten
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Am: 17.08.2026 06:53:23
Gelesen: 176
# 5
Tausend Dank schon mal soweit für die Anmerkungen, Ergänzungen und Kommentare!
Primärmerkmale sind laut Ostermann diejenigen, die auf der Urmatrize vorkommen, die also auf den Matrizen B1-B4 auftauchen. Das entspricht der Definition des BPP, wie es von KHV dargestellt ist. Das sind die im Michel als Primärfehler benannten I AF PI-PIII benannten. Tatsächlich habe ich den Begriff Sekundärmerkmal dann falsch verwendet (s. Anmerkung karrotil), weil auch die für die Matritzentypen B1-B4 charakteristischen Merkmale noch als Primärfehler bezeichnet werden. Danke für die Klarstellung, dass diese Merkmale wie angenommen auf z. B. B1-B1 doppelt vorkommen müssten.
Daran schließt sich natürlich die Frage an, warum ich einige dieser Feldmerkmale gut erkenne, einige nur auf einer Bogenhälfte ausmachen kann und andere überhaupt nicht. Vermutlich muss ich mehr Bögen durchsehen, um mich besser einzuschauen und die Variation in der Ausbildung besser zu verstehen.
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Am: 17.08.2026 10:11:32
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# 6
@ Diptera [#5]
Es ist bei einem Primärfehler nach BPP-Definition immer simpel, diesen einzuordnen. Weil der Fehler im sogenannten Urstöckel (manche Druckverfahren haben das nicht – also umgangssprachlich der abgenommene Basisentwurf) vorkommt, ist dieser Fehler i.d.R. immer auf allen Bogenfeldern aller Schalterbogentypen vorhanden. Eines der für mich krassesten Beispiele ist die DDR Mi.-Nr. 534. Diese zeigt Thomas Mann nur leider mit seitenverkehrtem Scheitel. Ist absolut falsch. Doch Fehler von Beginn an, somit auf jeder einzelnen Marke, damit marktüblich und keine Besonderheit. Natürlich außer der Tatsache an sich.
Grüße
KHV
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Am: 17.08.2026 11:46:12
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# 7
Das mit dem „sich einschauen“ kann ich mir gut vorstellen. Gerade wenn solche Merkmale nur schwach ausgeprägt sind, dürfte es am Anfang ziemlich leicht sein, etwas zu übersehen oder zu viel hineinzuinterpretieren.
Interessant wäre vielleicht auch, ob sich bestimmte Primärmerkmale bei manchen Bögen grundsätzlich deutlicher zeigen als andere. Wenn man mehrere B1-B1-Bögen nebeneinander hätte, könnte man wahrscheinlich recht schnell sehen, was wirklich konstant ist und was nur unterschiedlich stark ausgeprägt erscheint.