Brauche Hilfe bei Portobestimmung Kopenhagen nach Messina
Hallo Leute,
heute habe ich einen Brief, der von Kopenhagen nach Messina in Italien lief. Er hat auf der Vorderseite den Vermerk Via Marseille. Der Brief ist vom 26 August 1862 und lief mit der Dänischen Eisenbahn Nr. Stempel 181 Sjælands Jernbahn Richtung Hamburg. Auf der Rückseite ist der Stempel KDOPA Hamburg 27.08 sowie der Hamburg T&T 27.08. Vorderseitig der Tourt Forbach Stempel in rot 29.08. sowie der TT 42 (Rayon DK 2 Transit Frankreich) in schwarz. Auf der Rückseite ist noch ein Marseille Stempel 30.08.62 und der Ankunftsstempel von Messina 2.September 62. Rückseitig Rötelvermerk 2 und Vorderseitig ist eine 6 angeschrieben.
Erste Frage: Warum der Vermerk Via Marseille?
Zweite Frage: Wie berechnet sich das Porto die 6 scheint mir etwas wenig oder? Es wäre schön Antworten zu bekommen.
Grüße DK Freund

Die 6 würde ich immer „französisch“ als Decimes [d.h. als Zehntel Franken) lesen. Da die italienische Lira über die lateinische Münzunion sich 1:1 in französische Franc umrechnete, brauchte der ital. Postler dass nicht wirklich umrechnen, obwohl er natürlich 60 centimes und nicht 6 decimes kassierte.
60 centesimi ist das, was ich auf nahezu jedem Brief der 1860er Jahre von Italien ins Ausland finde.
Eine Anmerkung. Wir sind im Jahr 1862, also ist das kein Vorphilabrief. Dänemark hat Marken ab 1851, Frankreich schon früher und selbst Sizilien ab 1859. Richtiger wäre markenloser Auslanddsbrief.
Zum Vermerk via Marseilles: Das hat mit den Schiffrouten im Mittelmeer zu tun. Die Schiffe von Marseilles nach Malta und Alexandria (Ägypten) waren italienisch und fuhren in Italien andere Häfen an, als die französischen Schiffe von Genua. Dazu kommt: Der Landweg in Italien dauerte wesentlich länger als der Seeweg - selbst Inlandspost von Turin oder Mailand nach Neapel oder Sizilien wurde über das Meer geleitet (Teil auch am Tarif erkennbar, da teurer).
Für die dänische Post war klar, ein Brief nach Süden geht nach Hamburg … aber dort stellt sich die Frage, wem gebe ich das. Gebe ich es t&t besteht die Gefahr, dass die das Richtung Österreich geben - dann geht der durch die Habsburger Zensur und auf jeden Fall über den italienischen Landweg … über die Schweiz? Auf der langen Strecke nicht wirklich ein Geschwindigkeitsvorteil. Also den Preussen, die ihn über Aachen nach Frankreich hätten bringen können. Aber: Sowohl der tt42 als auch der rote Grenzübergangsstempel deuten für mich auf Thurn und Taxis hin - und richtig, James van der Linden hat am tt42 eine Fußnote nach der diese Stempel zu einem Postvertrag zwischen Thurn und Taxis und Frankreich vom 1.4.1862 gehören.
Hallo zusammen,
der Brief war mit 2 Schilling teilfrankiert bis Hamburg, ist also ein Teilfrankobrief.
6 Decimi = 6 franz. Decimes war das Gesamtporto für TT, Frankreich und Italien. In den 1850er und vor allem 1860er Jahren wurden die Postsendungen immer günstiger, von wenigen Ausnahmen abgesehen.
Nachteil bei dieser Leitung: Briefe durfte, um im 1. Gewicht zu bleiben, nur 7,5 g wiegen, weil Frankreich in Viertelunzen rechnete. Vorteil bei der Leitung über die Schweiz und Österreich war, dass Briefe 1 Loth (über 1/2 Unze) wiegen durften, in Italien nur 10 g. Bei Briefen bis 7,5 g inklusive war die Leitung über Frankreich also immer schneller und günstiger.
Je weniger Postverwaltungen in einen Transport involviert waren, je sicherer war das Ganze. Jede Umkartierung barg Gefahren, dass der Brief fehlspediert werden konnte und dann später, oder erst gar nicht ankam. Ab Forbach war er praktisch nur im Briefbeutel nach Paris, dann nach Marseille und letztlich nach Messina.
LG von bayern klassisch
Hallo Stephan Juergens,
erst mal Danke für die Antwort. Es ist richtig, dass Dänemark ab 01.04.1851 Briefmarken hatte, aber fürs Ausland waren die erst ab 1854 zugelassen. Und da die Auslandstarife meist nur mit mehreren Marken zu erreichen waren war das für die Zeit selten. Also waren die meisten Brief bis ca. 1865 ins Ausland ohne Frankatur. Da es ja auch meistens Teil Franko Briefe (bis 1845) und danach Porto Briefe waren, heißt das der Empfänger bezahlte die Gebühr.
Hallo auch an Bayern Klassisch,
auch Dir Danke für die Antwort. Die 2 in rot war eigentlich der preussische Anteil denn ab 1845 entfiel die Pflicht die Briefe bis Hamburg frei zu Machen und somit ist es kein Teilfranco. Habe den Brief gewogen und er wiegt in der Tat nur 6,7 Gramm. Hätte nicht gedacht, dass zu der Zeit das Porto schon so günstig war.
Danke Euch Gruß DK Freund