Briefmarken Atteste

Thema:

Alliierte Besetzung Überroller Post nach dem 2. Weltkrieg

Jürgen Witkowski Am: 23.10.2008 17:32:36 Gelesen: 26711 # 1
Alfred Meschenmoser definiert in seinem Buch "Überroller-Post von 1945 - 1949 vom 'Dritten Reich' in das 'Nachkriegs-Deutschland'" diese postalischen Belege wie folgt: "Überroller sind postalische Belege, die noch im 'Dritten Reich', also vor der Besetzung durch die Alliierten, aufgegeben, aber erst nach der Besetzung, also im Nachkriegs-Deutschland, zugestellt bzw. zurückgegeben wurden." Die Karte stammt augenscheinlich aus dem Bereich, der das heutige Baden-Württemberg umfasst (Ansichtskarte von Stuttgart) und lief nach Metzingen (Württemberg). Die Besetzung durch die Alliierten erfolgte dort im Wesentlichen im Monat April 1945. Die Stadt Karlsruhe, wo die Karte am 27.04.1945 abgestempelt wurde, war ab dem 10. April 1945 besetzt. Nun waren die damaligen Verhältnisse in Baden-Württemberg recht kompliziert, da nach der Besetzung durch die Franzosen recht schnell die Amerikaner das Kommando übernahmen. Überliefert ist, dass die Franzosen die meiste Post, die in ihre Hände fiel, nach Stuttgart und Karlsruhe transportiert haben, diese jedoch in den Depots zurück gelassen haben, als die Amerikaner anrückten. Für einen Überroller-Beleg spricht: - Datum 27.4.45 - Postamt Karlsruhe (Baden) 2 - Handschriftlicher Vermerk 14.7.45 (Zustell- oder Bearbeitungsdatum?) - Schwärzung der Hitler-Marke Ein Zensurstempel oder eine sonstige Zensurkennzeichnung ist, gerade in der ersten Zeit nach der Besetzung, nicht immer erfolgt. Falls Spezialisten mitlesen, wäre ich an ihrer Meinung sehr interessiert. Mit besten Sammlergrüßen Jürgen
stampmix Am: 17.07.2015 14:30:54 Gelesen: 23290 # 2
Hallo zusammen, Überroller-Briefe aus 1945 sind nicht immer einfach zu erkennen, aber das hat hier freundlicherweise der Empfänger dokumentiert. Einschreibebrief vom 18.3. 1945 aus Büdingen nach Göppingen mit Ankunftstempel vom 31.3. 1946 und damit über 1 Jahr unterwegs. Keine Schwärzung der Hitlermarken oder Zensurvermerke erkennbar. Der Briefmarkenhändler erhielt den Brief am 1.4.1946 und hat ihn an den Absender, nebst Neuheitenliste, zurückgegeben. mit bestem Gruß stampmix
Totalo-Flauti Am: 14.05.2018 21:23:40 Gelesen: 20847 # 3
Liebe Sammlerfreunde, ich habe einen Beleg aus Leipzig vom 22.03.1945. Die Hitler-Marke ist im wahrsten Sinne des Wortes überrollt worden. Leider sind keine weiteren Hinweise auf dem Fensterbrief vermerkt. Auf der Rückseite ist nur ein Stempel einer Firma als Absender vorhanden. Mir liegt noch eine weiterer Fensterbrief aus Fürth mit selben "Überroller" vor. Ich gehe davon aus, dass die Briefe erst in der Empfängerstadt überrollt wurden. Mit lieben Sammlergrüßen Totalo-Flauti.
Mondorff Am: 14.05.2018 22:00:06 Gelesen: 20834 # 4
Guten Abend, hier ein Überroller aus dem Jahre 1944. Der 2. Weltkrieg war am 31.8.1944, dem Datum des Tagesstempels FELS (MOSELLAND) in Luxemburg noch nicht vorbei. Der Empfänger wohnte in Mühlenbach, luxemburgisch Millebaach - einem Vorort der Hauptstadt. Die Sendung war von den Kriegsereignissen "überrollt" und wurde vorerst nicht zugestellt. Der Brief wurde, mit Kontrollstempel CONTROLÉ PAR EXAMINATEUR , der am 6. Dezember 1944 eingerichteten Zensurstelle, (unter Aufsicht des amerikanischen CCI) versehen und erhielt den Verschluss-Streifen GRAND DUCHE DE LUXEMBOURG / CONTROLLE [U]DES COMMUNICATIONS [/U ER wurde, laut Ankunftstempel LUXEMBURG-DOMMELDINGEN, erst am 26.3.1945, dem ersten Tag der Zulassung des privaten Briefverkehrs, zugestellt. Schönen Gruß DiDi
volkimal Am: 08.04.2019 14:51:54 Gelesen: 19579 # 5
Hallo zusammen, diesen Brief habe ich am Freitag beim Vereinsabend bekommen. Auf der Rückseite gibt es nichts zu sehen. Auf den ersten Blick sieht man dem Umschlag nicht an, dass es ein Überroller sein muss. Wie kann man es erkennen? 1) Der eingeschriebene Feldpostbrief wurde am 27.03.1945 in Stettin-Grünhof aufgegeben. Herne liegt im Ruhrgebiet und wurde am 09.04.1945 von den Alliierten erobert. Am 01.04.1945 war die Gegend nördlich und östlich des Ruhrgebiets allerdings schon besetzt. Der Brief hätte also nur drei Tage Zeit gehabt um ins Ruhrgebiet zu kommen. Am Ende des Krieges völlig unmöglich. 2) Der Brief wurde nicht mehr an den Ortsgruppenleiter der NSDAP ausgeliefert sondern an den Bürgermeister der Stadt Herne. Auch das wäre im Dritten Reich nicht passiert. Viele Grüße Volkmar
wessi1111 Am: 10.10.2019 05:49:39 Gelesen: 19002 # 6
Hallo zusammen, es geht um folgende Paketkarte von Spremberg (genauer Bohsdorf Vorwerk über Spremberg) nach Leipzig: Ich habe diese Paketkarte mit der Angabe des Verkäufers "gestempelt 17.9.45" bekommen. Das kann aber so nicht stimmen. Auch mit sehr hellem Licht lässt sich vom oberen Stempel nicht mehr erkennen als die 17. Beim unteren Stempel ist die Monatsangabe so von den Zähnen durchzogen, dass ich nichts interpretieren kann. Eigentlich müsste der Monat ja März oder April sein, oder sehe ich das falsch. Gibt es noch eine Möglichkeit, den Stempel unter der Schwärzung sichtbar zu machen? Gruß Wessi
volkimal Am: 10.10.2019 06:39:24 Gelesen: 18991 # 7
@ wessi1111 [#6] Hallo Wessi, entweder handelt es sich um einen Überroller. Dann muss das Stempeldatum vor dem Ende des Krieges sein. Es könnte aber auch eine sogenannte Sächsische Schwärzung sein. Das sind nach dem Krieg verwendete geschwärzte Hitlermarken. Wenn ich mich richtig erinnere sind die aber nur bis August möglich gewesen. Auf jeden Fall Vorsicht - es gibt viele Fälschungen auf dem Markt. Im Michel Spezial findest du einiges dazu. Viele Grüße Volkmar
hajo22 Am: 10.10.2019 11:40:41 Gelesen: 18956 # 8
@ wessi1111 [#6] @ volkimal [#7] " Beim unteren Stempel ist die Monatsangabe so von den Zähnen durchzogen, dass ich nichts interpretieren kann." Das dürfte eine "8" sein, also August 1945. Das korrespondiert gut mit dem handschriftlichen Eingangsvermerk "20/9". Also: Sächsische Schwärzung und kein Überroller. hajo22
jmh67 Am: 10.10.2019 13:34:08 Gelesen: 18935 # 9
@ hajo22 [#8] Nur lag Spremberg auch in den 1940ern in Brandenburg, nicht in Sachsen, und die Jahreszahl in den Stempeln ist zumindest auf den Scans nicht lesbar, da gut zugekleckst. -jmh
hajo22 Am: 10.10.2019 18:37:09 Gelesen: 18897 # 10
@ jmh67 [#9] Asche über mein Haupt. Vor lauter Datumlesen habe ich nicht mehr auf den Absendeort geachtet, zumal Volkimal eine Sächsische Schwärzung in Betracht zog. Und das alles vor dem 11.11.! hajo22
wessi1111 Am: 10.10.2019 21:58:05 Gelesen: 18871 # 11
@ volkimal [#7] @ hajo22 [#8] @ jmh67 [#9] Danke für die Antworten. Für mich werfen eure Beiträge leider mehr Fragen auf als sie beantworten. Da Spremberg in Brandenburg liegt und ich auch keinen ähnlichen Beleg von Spremberg kenne, habe ich eine sächsische Schwärzung von vornherein ausgeschlossen und das deshalb auch in meinem Text nicht thematisiert. Wenn der handschriftliche Eingangsvermerk wirklich 20/9 bedeutet (vielleicht auch 2019, da der Empfänger wusste, dass ich den Beleg in diesem Jahr hier im Forum vorstelle - kleiner Scherz), könnte das Stempeldatum auch 17.9.45 sein, ich weiß aber nicht, ob zu der Zeit eine Paketlaufzeit von drei Tagen realistisch war oder eher von einem Monat. Es wäre aber schon sehr ungewöhnlich, dass im August oder September noch jemand Hitlermarken verklebt hat. Wobei ich auch nicht weiß, ob die Marken bei Paketkarten immer erst am Schalter aufgeklebt wurden oder ob diese auch vom Absender vorbereitet und frankiert werden konnten. Dann wäre der Beleg ja auch kein Überroller mehr. Kennt jemand ähnliche geschwärzte Belege mit Stempeldatum nach der Gültigkeit der sächsischen Schwärzungen? Gruß Wessi
jmh67 Am: 11.10.2019 11:31:02 Gelesen: 18814 # 12
@ wessi1111 [#11] Die Schwärzungen hinterlassen ein ungutes Gefühl, was die Authentizität angeht. Das Stempeldatum kann man nicht lesen, es kann genauso gut von 1943 oder 1944 sein, und die Kleckse wurden vielleicht irgendwann später angebracht. Besonders die Schwärzung auf der untersten Marke auf der Vorderseite sieht aus, als wäre sie extra lang gezogen, um die Jahreszahl im Stempel zu verdecken - jedenfalls merkwürdig. Besser Fachleute (Prüfer) zu Rate ziehen! -jmh
hajo22 Am: 13.10.2019 11:47:57 Gelesen: 18667 # 13
Geschäftsbrief aus Pfedelbach/Württ. vom 28.3.1945 nach Berlin-Köpenick. Amerikanische Militärzensur 11125 für Zivilpost (die ersten 2 Ziffern = 11 = Süddeutschland/Bayern/Teil von Württ., später Amerikanische Zone). Handschriftlicher Eingangsvermerk: "Zurück in Köpenick 7.1.46" (sowjetischer Sektor von Berlin). Auf der Couvertrückseite keine Vermerke. Marke 12 Pf. Hitler defekt. An "Überroller" sollte man keine allzu hohen "Qualitäts"-Ansprüche stellen. hajo22
Mondorff Am: 14.10.2019 11:06:59 Gelesen: 18602 # 14
Noch etwas zu den Überrollern aus Luxemburg - auch im Anschluss an [#4]. Absetzbewegungen des Beamtenapparats der Deutschen Reichspost sowie ihrer 150%igen volksdeutschen Helfer waren im besetzten Luxemburg (nach Berichten von Augenzeugen und in Kenntnis einer Beschwerde des Oberbefehlshabers der 1. Armee) schon seit Beginn des Monats September zu beobachten. Ein geregelter Postdienst fand nicht mehr statt. Vom Tag des Einrückens der amerikanischen Truppen in der Hauptstadt, dem 10. September 1944, stellte die Post auf Anweisung des Oberbefehlshabers der alliierten Armeen ihren Dienst vollständig ein. Aus Sicherheitsgründen ruhte jeglicher Brief- und Nachrichtenverkehr im Lande.Später in den Briefkästen vorgefundene Korrespondenz wurde, nach Zensurdurchlauf, erst mit Wiederaufnahme des zivilen Postverkehrs ab dem 26. März 1945 zugestellt. Doppelbrief (Inland 20g bis 250g) der Allgemeinen Orts-Krankenkasse Luxemburg, portogerecht mit 24 Rpf. frankiert, mit Tagesstempel LUXEMBURG 2 d vom 29.8.1944 nach Differdingen. Der Brief konnte nicht mehr zugestellt werden und erreichte den Empfänger erst im März 1945. Die Sendung wurde am 6. Dezember 1944, dem Datum der Einrichtung der Zensurstelle, geöffnet und mit einem Verschluss-Streifen sowie einem violettem Zensurstempel (Typ I) versehen. Der auf der Rückseite der Sendung angebrachte Ankunftstempel DIFFERDINGEN c datiert vom 26.3.1945. Freundlichen Gruß DiDi
Mondorff Am: 15.10.2019 21:27:01 Gelesen: 18510 # 15
Luxemburger Überroller III Brief eines Absenders aus Eschdorf mit Ortswerbestempel (22) ETTELBRÜCK vom 31. August 1944 nach Oberpallen bei Nördingen im Kanton Redange, innerhalb Luxemburgs also. Auch diese Sendung wurde von den Kriegsereignissen "überrollt" und konnte vorläufig nicht zugestellt werden. Der Brief erhielt dann am 6. Dezember 1944, dem ersten "Betriebstag" der (vom amerikanischem ICC geleiteten) Zensurstelle, den blauvioletten Zensurstempel (Typ I), wurde geöffnet und nach erfolgter Prüfung mit einem Verschluss-Streifen wieder verschlossen. Kein Ankunftstempel. In diesem Zusammenhang: Schon seit Jahrzehnten wird von Luxemburger Seite auf einen Fehler im MICHEL hingewiesen. Jetzt wieder im MICHEL Luxemburg 2019, Seite 191, nach der Nr. 41. "..... Danach war bis zur Herausgabe eigener Marken Barfreimachung angeordnet." In den Postinstruktionen dieser Zeit existiert diese generelle Behauptung nicht! Sie galt wohl für Paketkarten, die ja auch vom Postbeamten zu frankieren waren, jedoch nicht für die Briefpost. Wie auch sollte eine Barfrankierung funktionieren, wenn die Sendung in den Postbriefkasten eingelegt wurde? Schönen Gruß DiDi
Mondorff Am: 18.10.2019 20:20:30 Gelesen: 18424 # 16
Ein geregelter Postverkehr fand nicht mehr statt. Fernbrief, Inland, frankiert mit einer Vorkriegsmarke zu 30 C, einer 4 Rpf.-Hindenburg-Marke sowie einer Hitler-Freimarke zu 4 Rpf. Die Überdruck-Ausgabe war seit dem 1.1.1942 nicht mehr frankaturgültig. Der Stempel LUXEMBURG 1 f mit Datum vom 10.9.1944 ist echt. Dies ist ein (schlecht) gemachter Beleg, der hier nur zur Warnung vorgestellt ist. Der Brief wurde wahrscheinlich von einem Postmitarbeiter fabriziert und anschließend (wann?) in den Postlauf gegeben, wobei er auch die Zensurstelle durchlief und den Stempel (Typ II) des ersten Betriebstages (den 6.12.1944) dieser Kontrollstelle, erhielt. Verschlußstreifen und passende Ankunftstempel runden das fast perfekte Bild ab. Der Beleg wurde am 26.3.1945, dem ersten Tag der Zulassung des privatem Postverkehrs, vom Postamt DIFFERDINGEN zugestellt. Obercorn gehört zur Gemeinde Differdingen. Nur stimmt die Portoberechnung und der damit verbundene, handschriftlich mit 20 ausgewiesene Fehlbetrag nicht. Der korrekte Portosatz für einen Fernbrief wäre 12 Rpf. gewesen. In postgültigen Marken wurden nur 7 Rpf. verklebt. Die fehlenden 5 Rpf. erforderten ein Nachporto des 1½fachen des Fehlbetrags = 7½ Rpf. aufgerundet auf 8 Rpf. Das fällige Nachporto hätte 80 Centimes betragen müssen.* Verrechnet wurden jedoch nur 20 Centimes. Es existieren "einige" dieser Belege, in genau gleicher Machart. Schönen Gruß DiDi * offizieller Umrechnungskurs 1:10 / Eine Reichsmark = 10 Franc-Lux.
wessi1111 Am: 17.11.2020 00:41:18 Gelesen: 16498 # 17
Hallo zusammen, in [#6] bis [#12] habe ich eine Paketkarte vorgestellt, bei der das Absendedatum unklar war. In [#11] hab ich nun die Auflösung beschrieben. Gruß Wessi [1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=249915
Totalo-Flauti Am: 27.06.2021 12:29:02 Gelesen: 15193 # 18
Liebe Sammlerfreunde, ich möchte Euch einen Brief aus Leipzig vom 21.2.45 nach Dresden zeigen. Wegen der Zerstörung der Dresdner Innenstadt durch dem Bombenangriff vom 13.2.1945 wurde der Brief bis nach der Besetzung vermutlich beim Ausweichpostamt Dresden A 16 gelagert. Erst nach Wiederaufnahme des Postdienstes in Dresden am 22. Mai versuchte die Post den Brief zuzustellen. Die Marke wurde geschwärzt. Rückseitig ist ein handschriftlicher Vermerk "Nicht zustellbar 30.5." und auf der Vorderseite "Zurück 30.5.". Erst nach Wiederherstellung der Postverbindung mit Leipzig Ende Juli / Anfang August 1945 ging der Brief an den Absender zurück. Noch ein Wort zum Absender bzw. Adressaten. Die Deutschen Christen (DC) waren eine rassistische, antisemitische und am Führerprinzip orientierte Strömung im deutschen Protestantismus, die diesen von 1932 bis 1945 an die Ideologie des Nationalsozialismus angleichen wollte. Näheres findet Ihr hier [1]. Mit lieben Sammlergrüßen Totalo-Flauti. [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Christen
Thorn Am: 27.06.2021 13:26:00 Gelesen: 15179 # 19
@ wessi1111 [#17] Das erklärt aber nicht die seltsame Schwärzung, wer hat / soll diese veranlasst haben wenn das Paket eh liegenblieb ? Wie schon damals von anderen beschrieben tendiere ich eher zu einer Mache, auch wenn ich kein Experte bin. M.M. nach hat sich jemand viel Mühe gegeben das wahre Stempeldatum zu verschleiern. Sammlergrüsse Thorn
Jürgen Witkowski Am: 05.05.2023 20:19:16 Gelesen: 11470 # 20
Ein Dienstbrief des Essener Oberbürgermeister-Amtes an die Betriebskrankenkasse der Deutschen Eisenwerke AG in Gelsenkirchen vom 16.3.45 zeigt alle Überrollermerkmale. Er stammt aus der Zeit kurz vor Beginn der Ruhrkesselschlacht, in der die meiste Post nicht einmal im Nahverkehr befördert werden konnte. Es war 25 Tage vor dem Einmarsch der Alliierten. Der Zensurverschlußstreifen, der Zensurstempel und die Schwärzung der 12 Pf Hitlermarke deuten ziemlich sicher auf einen Überroller. Eingangsvermerke des Empfängers, die eine sichere zeitliche Zuordnung ermöglichen würden, sind nicht vorhanden. Mit besten Sammlergrüßen Jürgen
Dieter 66 Am: 28.01.2025 23:18:32 Gelesen: 7320 # 21
Hallo, hier ein interessanter Brief. Dieser Brief wurde am 28.3.1945 in Gerichtstetten abgestempelt. Am 30.03.1945 sind amerikanischen Einheiten in Hardheim friedlich einmarschiert. Hardheim liegt ca. 10 km nördlich von Gerichtstetten. Die am 28.03.1945 aufgegebene Post konnte nicht mehr zugestellt werden. Im laufe der Monate wurden alle nicht zugestellten Postsendungen an das Postamt Hardheim verbracht. Nach der Wiederaufnahme des Postverkehrs dann mit einer neuen Freimarke am 25.9.45 versehen und zugestellt. Eine Frage bleibt, warum wurde die 12 Pf. Hitlermarke nicht unkenntlich gemacht. Schönen Gruß Dieter.
Jürgen Witkowski Am: 12.02.2025 16:01:24 Gelesen: 7201 # 22
Am 27. April 1945 gab die Firma C. Plath [1] in Hamburg-Bahrenfeld ein Einschreiben an die Wickmann-Werke in Witten-Annen auf. Es konnte anscheinend vor der kampflosen Übergabe der Stadt Hamburg an die britische Armee am 3. Mai 1945 nicht mehr transportiert werden. So blieb es liegen, bis es einige Monate später die britische Zensur durchlaufen hatte und wurde am 21. November 1945 in Witten zugestellt. Mit besten Sammlergrüßen Jürgen [1] https://www.toplicht.de/c.plath/ [2] https://www.waz.de/staedte/witten/article9555758/vom-aufstieg-und-fall-von-wickmann-in-witten.html
Jürgen Witkowski Am: 07.03.2025 09:17:25 Gelesen: 7006 # 23
Von einem vermutlich kriegswichtigen Betrieb wurde am 26. April 1945 ein Brief mit Absenderfreistempel (AFS) freigemacht und verschickt. Nach Kempten (Allgäu) waren unter anderem die Firmen Helmuth Sachse KG, ein BMW-Zulieferer und Teile des Flugzeugherstellers Messerschmitt ausgelagert. Daher gab es im AFS und auch auf dem Briefumschlag keinen Hinweis auf den Verwender. Am 27. April 1945 wurde Kempten bereits von den Amerikanern eingenommen. So wurde der Brief nicht mehr befördert und blieb liegen, bis er nach amerikanischer Zensur dem Empfänger zugestellt wurde. Die Zensur muss nach August 1945 erfolgt sein, da der Verschlußstreifen den Druckvermerk 8.45. trägt. Mit besten Sammlergrüßen Jürgen
Stefan Am: 09.03.2025 21:25:39 Gelesen: 6947 # 24
Ich nehme an, dass es sich bei dem nachfolgenden Beleg ebenfalls um einen Überroler handelt, der unterwegs liegengeblieben war oder am Zielort nachbehandelt wurde. Sendung vom 17.04.1945 aus Reichenberg (Sudetenland) nach Halle (Saale) Vermutlich war die Postverbindung nach Halle bereits kriegsbedingt zum Erliegen gekommen. Eine heutige Autofahrt als Direktverbindung würde am ehesten über Dresden und Leipzig erfolgen. Am 01.05.1945 wurde Reichenberg als Liberec [1] wieder Teil der Tschechoslowakei. Gruß Stefan [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Liberec
Jürgen Witkowski Am: 10.03.2025 11:28:10 Gelesen: 6915 # 25
@ Stefan [#24] Es ist interessant, dass der Brief keinerlei Zensurmerkmale trägt. Gab es vielleicht zwischen der Tschechoslowakei und der sowjetischen Besatzungsmacht in Deutschland entsprechende Vereinbarungen? Aus dem mainfränkischen Brünnau über Wiesentheid stammt ein Brief, bei dem die Marke nicht überstempelt, sondern teilweise abgerissen wurde. Als Aufgabedatum sind als Tag eine 8 und als Monat Fragmente einer 3 zu erkennen. Daher ist das Aufgabedatum 8. März 1945 wahrscheinlich. Der Brief durchlief die amerikanische Zensur. Eine weitere zeitliche Zuordnung ist mir nicht möglich. Die handschriftliche Notiz auf der rechten Seite kann ich nicht deuten. Mit besten Sammlergrüßen Jürgen
Jürgen Witkowski Am: 16.03.2025 21:24:09 Gelesen: 6780 # 26
In Eningen unter Achalm (Württ) wurde am 11. April 1945 ein Brief abgeschickt, der zunächst nicht mehr weitergeleitet wurde. Nachdem er nach Kriegsende die amerikanische Zensur durchlaufen hatte, landete er wohl über Umwege in Geesthacht in der Nähe von Hamburg. Der Nummer im Zensurstempel nach, hat die Zensur gemäß einer Aufstellung im Riemer [1] in München oder eventuell in Nürnberg stattgefunden. Interessant an diesem Brief ist, dass zunächst eine Nachgebühr von 18 Rpf erhoben werden sollte, die aber wieder gestrichen wurde. Vermutlich wollte ein Postbediensteter die zum Zeitpunkt der Briefaufgabe noch gültige Frankatur nicht anerkennen, wurde aber wohl eines besseren belehrt. Mit besten Sammlergrüßen Jürgen [1] Karl-Heinz Riemer, Die Postzensur der Alliierten im besetzten Deutschland nach dem II. Weltkrieg, Neue Schriftenreihe der Poststempelgilde, Heft 73
Jürgen Witkowski Am: 09.04.2025 21:34:13 Gelesen: 6385 # 27
Die Postkarte von Göttingen nach Dortmund vom 22. März 1945 ist auf den ersten Blick unspektakulär. Dennoch ist sie für mich spannend, da sie einigen Interpretationsspielraum hinsichtlich ihrer Beförderung zum Empfänger bietet. Sowohl Göttingen, als auch Dortmund wurden am, bzw. ab dem 8. April 1945 von den Briten besetzt. Es wären also theoretisch noch mehr als zwei Wochen Zeit für die Zustellung gewesen. Das ist jedoch offensichtlich aufgrund der Kriegsereignisse nicht mehr gelungen und die Postsendung ist irgendwo liegen geblieben. Nun liegen beide Orte innerhalb der Britischen Besatzungszone. Da würde man im Rahmen der Weiterleitung nach der Wiederaufnahme des Postverkehrs auch eine britische Zensur erwarten. Bei dem Zensurstempel handelt es sich jedoch um einen amerikanischen Zensurstempel der Zensurstelle Offenbach (Main). Meschenmoser [1] schreibt, daß Überroller der 'ersten Welle' von den Amerikanern beschlagnahmt wurden und zwischen November 1945 und Januar 1946 nach Offenbach abtransportiert und dort bearbeitet wurden. Somit ist das Rätsel des amerikanischen Zensurstempels auf einem Überroller innerhalb der Britischen Zone gelöst. Mit besten Sammlergrüßen Jürgen [1] Alfred Meschenmoser, Überroller-Post 1945-1949 vom 'Dritten Reich' in das 'Nachkriegs-Deutschland'
Jürgen Witkowski Am: 14.06.2025 17:33:19 Gelesen: 5650 # 28
Aus Niederense über Werl (Kr Soest) wurde am 16.3.45 ein Einschreiben nach Essen-Steele aufgegeben. Aufgrund eines alliierten Bombenangriffes am 11. März 1945 kam es zu schwersten Zerstörungen der Verkehrswege und Bahnanlagen in Essen und vielen Bereichen des Ruhrgebietes. Daher war Essen als einer der Knotenpunkte im westdeutschen Postverkehr nicht mehr erreichbar. [1] Der Brief wurde überrollt und wurde nachdem er die englische Zensur durchlaufen hatte, am 18.11.45 zugestellt, wie der Ankunftstempel auf der Rückseite zeigt. Mit besten Sammlergrüßen Jürgen [1] Alfred Meschenmoser, Überroller-Post 1945-1949 vom 'Dritten Reich' in das 'Nachkriegs-Deutschland'
HWS-NRW Am: 04.11.2025 17:59:46 Gelesen: 4065 # 29
Hallo am Abend. Überroller-Fensterbrief, aufgeliefert am 10.4.1945 in SCHONGAU, laut Angabe des Verkäufers ein Spätdatum (da der Ort / die Gegend am 27.4. besetzt wurde), es soll ein US-Zensurstempel (Nr. 13151) sein, was der zweite, kleinere K1 "13b", bedeutet, weiß ich leider nicht, rückseitig ist nur der braune schmalen Klebestreifen nicht zu sehen. Hallo Jürgen, vielleicht kannst Du weiterhelfen ! mit Sammlergruß Werner
Jürgen Witkowski Am: 04.11.2025 20:31:36 Gelesen: 4042 # 30
@ HWS-NRW [#29] Hallo Werner, der Kreisstempel mit 13b zeigt die Postleitgebietszahl von Schongau. Wenn ich die Stempelfarbe sehe, so ist zu vermuten, dass der Stempel zusammen mit dem Absenderstempel am linken Rand aufgebracht wurde. Mit der Briefzensur hat er nichts zu tun. Im Sichtfenster des Umschlages wurde er noch einmal verwendet und handschriftlich für die Empfängeradresse auf 13a umgeändert. Gemäß [1] wurde Schongau in Oberbayern am 28.04.1945 von den Amerikanern besetzt worden. Der Zensurstempel wird in [2] dem Nummernkreis zugeordnet, der in Eßlingen verwendet wurde. Mit besten Sammlergrüßen Jürgen [1] Dr. Fritz G. Buro, Daten alliierter Besetzung deutscher Orte am Ende des Zweiten Weltkrieges [2] Alfred Meschenmoser, Überroller-Post 1945-1949 vom 'Dritten Reich' in das 'Nachkriegs-Deutschland'
HWS-NRW Am: 04.11.2025 22:51:53 Gelesen: 4022 # 31
@ Jürgen Witkowski [#30] Hallo Jürgen und... Danke für die Info, jetzt kann ich den Beleg optimal beschreiben. mit Sammlergruß Werner
TomWolf_de Am: 05.11.2025 22:49:45 Gelesen: 3953 # 32
@ Jürgen Witkowski [#30] Laut Riemer ist der Nummernkreis 13.000 bis 13.299 der Zensurstelle München zugeordnet. Ich denke, das passt auch besser zu dem Beleg, der innerhalb Bayerns befördert wurde. Gruß Thomas
Dieter 66 Am: 14.05.2026 22:51:19 Gelesen: 1620 # 33
Hier ein sehr schöner Überroller aus Stuttgart. Absender war die Fa. Eisen Fuchs GmbH. Empfänger die Fa. J. Walter / Söhne in Speyer-Dudenhofen. Das konnte ich aufgrund weitere Belege, die mir von der Fa. vorliegen ermitteln. Der Absenderfreistempel trägt das Datum 17.3.45. Der Hand-Kontrollstempel „STUTTGART 1v. 17.3.45 dokumentiert die Einlieferung. Stuttgart wurde am 22/23.4.45 von den Alliierten besetzt. Speyer bereits am 23.3.45. Da die Alliierten bereits schon am 21.3.45 vor Speyer standen, gab es wohl keine gesicherte Kraftpostlinie mehr. Fast 9 Monate später wurde das Einschreiben nach dem passieren der Zensurstelle über das Hauptpostamt „Speyer 7.12.45“ in „DUDENHOFEN 8.12.45“ zugestellt. Beste Grüße Dieter.
HWS-NRW Am: 29.06.2026 11:00:34 Gelesen: 876 # 34
Hallo in die Runde. Absendender dieses Fernbriefes war die "Deutsche Gasolin Aktiengesellschaft" in AUSSIG (Sudentenland), der Beleg wurde am 26.3.1945 aufgegeben, blieb dann liegen, später wurde er von der US-Zensurstelle (roter Einkreisstempel Nr. 11267) geöffnet und kontrolliert und ging dann in den Postbetrieb. Wann genau Aussig von den Alliierten eingenommen wurde, kann nicht bestätigt werden. mit Sammlergruß Werner
Reini46 Am: 29.06.2026 13:44:40 Gelesen: 835 # 35
Hallo, Brief vom 27.3.45 aus St. Gallen nach Wien. Der Brief wurde in München überprüft, Briefverschlußstempel nach Landsmann DBP1.4 wurde überrollt und in Steyr von den Amerikanern nochmals zensuriert. Brief vom 14.3.45 aus Wallisellen nach Wien. Der Brief wurde in München zensuriert, überrollt und in Steyr von den Amerikanern nochmals zensuriert. Vermutlich wurden beide Briefe im Oktober 45 dann zugestellt. Die Zensurstempel aus Steyr im Jahr 1945 sind selten. Grüße Reini46