GruB
Baber
Thema:
Österreich: Briefzensur nach 1945
Am: 06.05.2016 10:26:07
Gelesen: 16506
# 1
In Österreich wurden Briefe und Postkarten nach dem 2. Weltkrieg noch lange, fast bis zur Unabhängigkeit Österreichs im Jahre 1955, zensiert. Böse Zungen behaupten, das war eine Beschäftigungsmaßnahme für die sonst arbeitslosen Beamten in der Zensurstelle.
Ich habe hier eine Postkarte aus der Schweiz mit Zensurstempel, datiert vom 3.3.1953. Kann jemand einen Beleg mit einem noch späteren Zensurdatum zeigen, vielleicht vom Letzttag der Zensur?
GruB
Baber
GruB
Baber
Am: 06.05.2016 12:05:40
Gelesen: 16487
# 2
Hallo Baber,
die Zensur der Auslandspost fand bis Mitte August 1953 statt. Für die Österreicher war sie eine unangenehme Pflicht, die mit Aufwand und Kosten verbunden war.
Näheres gibt es hier [1] als Zusammenstellung, dort findet man auch den besten Literaturtipp zum Thema. Ich würde gern hier mehr dazu schreiben, bin aber gerade etwas im Stress.
Viele Grüße aus Erding!
[1] http://altpostgeschichte.com/index.php?page=Thread&threadID=1538
Am: 12.01.2017 21:24:49
Gelesen: 15968
# 3
Brief von Wien 30.7.1948 nach Goslar mit Stempel der Österreichischen Zensurstelle. Ankunftstempel Goslar 16.9.48.
Gruß Dieter
Gruß Dieter
Am: 13.01.2017 17:45:22
Gelesen: 15919
# 4
Es gibt eine 20seitige Broschüre von Curt Paul, Sonderdruck aus: "Der Sammlerdienst" (Coburg, o.J.) zum Thema.
VG, hajo22
VG, hajo22
Am: 04.02.2017 19:02:02
Gelesen: 15834
# 5
Für die Bestimmung von ziviler Zensurpost nach 1945 arbeite ich mit "Richard A. Krueger (1997); Censorship of the Civil Mails in occupied Austria 1945-1953", bei der Feld- und Dienstpostzensur mit "Karl Majörg (1995); Die alliierte Besetzung Österreichs 1945-1955, Verlag BMSV Gmunden".
Krueger erwähnt, dass in der österreichischen 'Soviet Zone' die Zivilzensur am 12.8.1953 endete, in der russischen Besatzungszone in Wien am 15.8.1953.
Gruss, Arrows
Krueger erwähnt, dass in der österreichischen 'Soviet Zone' die Zivilzensur am 12.8.1953 endete, in der russischen Besatzungszone in Wien am 15.8.1953.
Gruss, Arrows
Am: 05.02.2017 07:16:03
Gelesen: 15804
# 6
Hier sind zwei Sammlerbriefe von der Briefmarkenmesse am 11.9.1947 in Wien, jeweils mit Doppelzensur nach Berlin gelaufen.
Blauer Rundstempel = österreichische Zensur, roter Bandstempel = US-Zensur.
Mi. 812, 813, 818, 819, 821
Mi. 814, 815, 816, 817, 820
Viele Grüße
Ingo
Mi. 812, 813, 818, 819, 821
Mi. 814, 815, 816, 817, 820
Viele Grüße
Ingo
Am: 03.07.2017 16:27:31
Gelesen: 15377
# 7
Ein Brief von 1949 aus meiner Heimatsammlung (Incoming Mail). Ob er portogerecht ist, müsste ich jetzt erst einmal nachschauen, das war aber für mich beim Kauf nebensächlich.
Interessant war er für mich, weil er zum einen illustriert, dass Philatelisten, schlechte Zeiten hin oder her, immer Sammler bleiben und schön frankieren, und zum anderen, weil er die österreichische Zensurpraxis illustriert. Während es in der deutschen US-Zone keine Zensur mehr gab, wurde bis August 1953 in Wien (gemeinsame alliierte Zone) alle Briefpost zensiert, die von und nach Deutschland oder Japan ging.
Viele Grüße aus Erding!
[Redaktionell kopiert aus dem Thema "Österreich: Marken und Belege in Schillingwährung 1946-2001"]
Am: 25.09.2017 10:11:31
Gelesen: 14987
# 8
Hier eine Postkarte mit Zensurstempel von der Schweiz nach Wien - Datum 22.VI.53
Am: 15.12.2019 22:35:31
Gelesen: 11506
# 9
Hallo und einen schönen Abend,
hier habe ich eine Sache aus Österreich mit zwei verschiedenen Stempeln.
Der rote Stempel könnte vorsichtig gemutmaßt ein Handroller sein?
Gruß Horst
Gruß Horst
Am: 15.12.2019 23:15:23
Gelesen: 11490
# 10
@ H.G.W. [#9]
Hallo Horst,
das ist ein Zensurstempel der US Besatzungsbehörden. Normalerweise waren das Maschinenstempel (Bandstempel mit zwei Stempelköpfen). Die Meinungen dazu, ob es diese Zensurstempel auch als Handroller gab, gehen auseinander. Ich habe bislang noch keinen solchen Stempel gesehen den man zweifelsfrei als Handrollstempel hätte einordnen können.
Viele Grüße,
Peter
[Redaktionell kopiert aus dem Thema "Handrollstempel, ungewöhnliche und seltene Beispiele" / 2 Links innerhalb des Ursprungsthemas nicht übernommen]
Am: 16.12.2019 10:22:57
Gelesen: 11453
# 11
Ein Spezialist für die österreichische Briefzensur nach 1945 hat mir einmal auf die Frage, warum die bis August 1953 beibehalten wurde, geantwortet: Man musste ja die 1946 dafür als unkündbare Beamte eingestellten Postler beschäftigen und so hätte man es einfach weiterlaufen lassen. Es erinnert an den Heizer auf der Elektro- oder Diesel-Lokomotive.
Gruß
Bernd
Am: 10.01.2020 16:31:57
Gelesen: 11299
# 12
Hallo zusammen,
bei der Bestimmung des Zensurstempels auf dem folgenden Beleg habe ich so meine Probleme:
Was bedeutet dabei "FREIGESTELLT"?
Bei Riemer "Die Postzensur der Alliierten im besetzten Deutschland nach dem II. Weltkrieg" werde ich nicht fündig.
Wer kann helfen?
Gruß
Guntram
Was bedeutet dabei "FREIGESTELLT"?
Bei Riemer "Die Postzensur der Alliierten im besetzten Deutschland nach dem II. Weltkrieg" werde ich nicht fündig.
Wer kann helfen?
Gruß
Guntram
Am: 10.01.2020 18:22:57
Gelesen: 11272
# 13
@ alemannia [#12]
Hallo Guntram,
dass Du bei Riemer wegen des Zensurstempels nicht fündig geworden bist, liegt vermutlich daran, dass es sich bei dem Zensurstempel auf Deinem Brief nicht um einen deutschen sondern um einen österreichischen Zensurstempel (vgl. Adressat in Salzburg) handelt. Schau mal hier im Forum den thread Österreich: Briefzensur nach 1945 und die dort genannte Literatur.
MfG Wolfgang
Am: 10.01.2020 18:34:07
Gelesen: 11268
# 14
@ alemannia [#12]
"Freigestellt": Amerikanische Besatzungszone in Österreich, Zensurstempel.
Bei Curt Paul: Zensurstempel usw. in Deutschland und Österreich ab 1945 ist neben dem gezeigten Einkreisstempel "Freigestellt" 25 mm, schwarz (ein-oder zweistellige Nummer) auch ein Kastenstempel mit "Freigestellt" (48x14 mm) in schwarz aufgeführt.
hajo22
[Beiträge [#12] bis [#14] redaktionell in das von saintex = Wolfgang verlinkte Thema verschoben]
Am: 07.04.2020 10:34:33
Gelesen: 10881
# 15
Iran
1949 von Teheran nach Wien - MiNr. 805 (3)
1950 von Teheran nach Wien - MiNr. 805 (3)
1950 von Teheran nach Wien - MiNr. 805 (3)
1951 von Teheran nach Wien - MiNr. 799 (2), 804 (2)
1951 von Teheran nach Wien - MiNr. 801, 806
Glückauf!
Claus
1949 von Teheran nach Wien - MiNr. 805 (3)
1950 von Teheran nach Wien - MiNr. 805 (3)
1950 von Teheran nach Wien - MiNr. 805 (3)
1951 von Teheran nach Wien - MiNr. 799 (2), 804 (2)
1951 von Teheran nach Wien - MiNr. 801, 806
Glückauf!
Claus
Am: 03.01.2024 08:28:16
Gelesen: 4736
# 16
Maschinenstempel "Gebt die Kriegsgefangenen frei!" (1) Berlin SW11 vom Juli 1951

[Redaktionell kopiert aus dem Thema "Die Poststempel Berlins"]

[Redaktionell kopiert aus dem Thema "Die Poststempel Berlins"]
Am: 10.02.2025 17:12:06
Gelesen: 3561
# 17
Hab hier zwei Briefe von Wien nach Ziemetshausen mit gleicher Anschrift und gleichem Absender, jeweils mit österreichischer und US- Zensur.
Der erste vom 16.06.1947 mit österreichischem Zensurstempel 764 uns US Zensur München vom 23.07.1947, frankiert mit 60 Groschen Michel Nr. 763

und der zweite vom 16.06.1947 mit österr. Zensur Nr. 650 und US Zensur München ohne Datum, frankiert mit Michel Nr. 762

Schönen Gruß
Sepp

und der zweite vom 16.06.1947 mit österr. Zensur Nr. 650 und US Zensur München ohne Datum, frankiert mit Michel Nr. 762

Schönen Gruß
Sepp
Am: 28.07.2025 21:30:26
Gelesen: 2658
# 18
Hallo am Abend.
Bei der Durchsicht meiner 55 Pfg-Gebührenstufen fand ich diese Belege.
Die Firma Gebauer & Möller, Hersteller von Kugellagern, sandte im Januar 1953 einen Firmenbrief per Luftpost in die Hauptstadt Wien, die Gesamtgebühr (30+25) entrichtet mit einem AFS des Typs E-23, der Beleg wurde in Österreich geöffnet, kontrolliert, wieder verschlossen und mit einem Zensurstempel versehen.
Die Berliner Bank mit Sitz in CHARLOTTENBURG gab im September 1952 einen LP-Brief in den Postverkehr, auch dieser wurde bei Ankunft in Österreich geöffnet und kontrolliert, auch er erhielt einen Stempel der Zensurstelle.
mit Sammlergruß
Werner
Die Firma Gebauer & Möller, Hersteller von Kugellagern, sandte im Januar 1953 einen Firmenbrief per Luftpost in die Hauptstadt Wien, die Gesamtgebühr (30+25) entrichtet mit einem AFS des Typs E-23, der Beleg wurde in Österreich geöffnet, kontrolliert, wieder verschlossen und mit einem Zensurstempel versehen.
Die Berliner Bank mit Sitz in CHARLOTTENBURG gab im September 1952 einen LP-Brief in den Postverkehr, auch dieser wurde bei Ankunft in Österreich geöffnet und kontrolliert, auch er erhielt einen Stempel der Zensurstelle.
mit Sammlergruß
Werner
Am: 01.03.2026 09:28:16
Gelesen: 1599
# 19
Brief vom 22.11.1951 von Hanna, Alberta, Kanada nach Wien, frankiert mit Michel Nr. 267. Österreichischer Zensurstempel Nr. 852 und rote Nummer P 9.V ?. Inhalt wurde ebenfalls mit Zensurstempel versehen.

Schönen Gruß
Sepp

Schönen Gruß
Sepp
Am: 01.03.2026 16:59:39
Gelesen: 1567
# 20
@ Briefuhu [#19]
Hallo Sepp,
diese Zensurnebenstempel im Rahmen des Zensurweges dienten zur Kennzeichnung der Übergabe/Übernahme/Besonderheit des Poststücks.
Quelle : Helmut Seebald / Katalog der Briefzensur der Alliierten in Österreich 1945 - 1953.
Grüße
Reini46
Am: 02.03.2026 06:31:48
Gelesen: 1496
# 21
Vielen Dank für Deine Hilfe und Erläuterung,
Schönen Gruß
Sepp
Am: 22.03.2026 13:32:03
Gelesen: 1213
# 22
Brief vom 06.12.1947 von Schladming nach Leipzig, frankiert mit 2x Michel Nr. 757, gesamt 80 Groschen. Zensurstempel ZZBZ und G, Zivile Zensurstelle Britische Zone Graz, diesen Stempel habe ich hier noch nicht gesehen. Kein Hinweis auf Öffnung des Briefes. Nach meiner Recherche hätte der Auslandsbrief mit 100 Groschen frankiert werden müssen.

Schönen Gruß
Sepp

Schönen Gruß
Sepp
Am: 22.03.2026 14:21:21
Gelesen: 1206
# 23
@ Briefuhu [#22]
Eine kleine Ergänzung zu dem Zensurstempel "ZZBZ G".
Im Buch "Nachrichtenzenzensur der Alliierten in Österreich 1945 - 1953" von Karl Majörg aus dem Jahr 2007 wird der Stempel unter britische Zensurstemel als Nummer BZS13 aufgeführt. Der Stempel wurde ab ca. Mai 1947 bis vermutlich Zensurende für nicht geöffnete Post verwendet. Dort ist ein Brief nach Deutschland (Graz nach München) von 20.12.1947 mit einer Fankatur (MiNr.842 und zweimal 844) von einem Schilling vom 20.12.1947 abgebildet.
Gruss
Martin
Am: 22.03.2026 14:43:45
Gelesen: 1196
# 24
@ Martin de Matin [#23]
Hallo Martin,
vielen Dank für Deine Ergänzung, die so in meine Sammlung kommt.
Schönen Gruß
Sepp