Thema:
Liechtenstein: Starke Preisänderungen
Am: 08.11.2015 16:04:35
Gelesen: 13211
# 1
Mit der Ausgabe des MICHEL Liechtenstein-Spezial 2015/2016, der in Zusammenarbeit zwischen der Liechtensteinischen Post AG und dem Schwaneberger Verlag entstand, haben die Preise der noch frankaturgültigen Marken ab 1996 stark angezogen. Das betrifft nicht nur die postfrischen Werte, auch die gestempelten Marken sind im Preis mitgestiegen.
Es wird dafür der Wechselkurs zwischen dem Schweizer Franken und dem Euro verantwortlich gemacht.
Aber auch vor 1996 sind einige Preise sehr stark angezogen, so Abarten und Besonderheiten, aber auch die FDC´s vor dem letzten Weltkrieg haben ordentlich zugelegt.
Ein Sammlerfreund sandte vor einigen Tagen postfrische Liechtenstein-Marken an mich mit der Auflistung über Katalog 2014 in Höhe von 60,30 Micheleuro. Nach dem neuen Katalog waren es aber tatsächlich 105,20 Micheleuro.
MfG
Klaus K.
Am: 08.11.2015 16:35:37
Gelesen: 13194
# 2
in Zusammenarbeit zwischen der Liechtensteinischen Post AG und dem Schwaneberger Verlag
Ein Schelm wer Böses dabei denkt? Oder folgen, zumindest in Bezug auf die Marken ab 1996, die Preisangaben tatsächlich dem Marktgeschehen?
V.
Am: 15.11.2015 09:17:30
Gelesen: 13035
# 3
@ Klaus K. [#1]
Ein Sammlerfreund sandte vor einigen Tagen postfrische Liechtenstein-Marken an mich mit der Auflistung über Katalog 2014 in Höhe von 60,30 Micheleuro
Hallo Klaus,
ich meine mich daran erinnern zu können, vor etwa einem Jahr einen Hinweis gelesen zu haben, dass es sich beim LBK-Michel Katalog und dem bisherigen (und künftigen ?) Michel Liechtenstein Katalog um zwei eigenständige Katalogreihen mit unterschiedlicher Datenbasis handelt.
Während der Michel Liechtenstein Katalog (oder dessen Auszug innerhalb der Europa Kataloge) die Katalogpeise auf der Basis von Händlerpreisen aus Deutschland ermittelt, verwendet der LBK-Michel Katalog als Basis die Händlerpreise in der Schweiz und Liechtenstein, die in der Regel sehr viel teurer sind. LBK stand/steht für Liechtenstein Briefmarken Katalog und hatte früher nichts mit Michel zu tun.
Ob diese Information der Wahrheit entspricht, kann ich nicht bestätigen, aber vielleicht kann einer der Liechtenstein Sammler, der über beide Katalogwerke aus den letzten 2-3 Jahren verfügt, die Preise vergleichen und dazu eine Aussage machen.
Schöne Grüsse, Richard
Am: 15.11.2015 10:19:00
Gelesen: 13004
# 4
@ Richard [#3]
Hallo,
der LBK von Michel (Abb. unten) gibt beide Preise an, sowohl EURO als auch SFR. (Abb. unten). Die Ausgabe erfolgt getrennt mit Schweiz, aber nur kpl. mit Liechtenstein bei Michel zu bestellen.
Die Preis von der Ausgabe "2010" und der Ausgabe "2013", welche mir vorliegen, gibt es eine Preissteigerung von ca. 20% (Abb unten). Da hat Klaus vollkommen recht. Interessant wäre nun die Preise von der "2015" Ausgabe. Wer hat diesen Katalog und kann die Preise hier einstellen.
LG, Meinhard
NS: Hoffe, ich verletze keine Bildrechte, ansonsten bitte löschen.


Am: 15.11.2015 11:39:30
Gelesen: 12984
# 5
Hallo!
Die Preise im Mitteleuropa, Band 1 von 2015 sind identisch mit dem Spezial 2013/2014.
Gruss Jürgen
Am: 16.11.2015 17:38:25
Gelesen: 12890
# 6
@ Meinhard [#4]
Im LBK MICHEL Liechtenstein-Spezial 2015/2016 sind die Preise nicht mehr identisch mit Deinem gezeigten Beispiel des Kataloges 2013/2014.
So steht die MiNr. 1x, postfrisch, bei 200 EUR
2x 450 EUR
3x 360 EUR
---------
Satzpreis 1000 EUR
1y 50 EUR
2y 360 EUR
3ya 3000 EUR
---------
Satzpreis 3400 EUR MfG Klaus K.
Am: 16.11.2015 19:20:06
Gelesen: 12872
# 7
@ Klaus K. [#6]
Hallo Klaus,
danke für die Info. Jetzt stellt sich mir die Frage: Gibt es so VIELE Liechtenstein Sammler bzw. ist die Nachfrage so groß oder hat das etwas mit den Prüfkosten zu tun? Höhere Katalogpreise = höhere Prüfkosten ?
Schöne Grüße, Meinhard
Am: 17.11.2015 03:11:24
Gelesen: 12814
# 8
Den Grund für die Preisänderungen hat Klaus K. [#1] doch schon gleich am Anfang mitgeteilt:
Am 15. Januar 2015 hat die Schweizer Nationalbank den Mindestkurs gegenüber dem Euro überraschend aufgegeben. Seitdem hat der Franken gegenüber dem Euro deutlich an Wert gewonnen. Also muss man für dieselbe Marke mit 100,-- Franken Katalogwert deutlich mehr Euro hinlegen. Es sollten also die Bewertungen in Franken mehr oder weniger stabil bleiben, aber die Eurobewertungen ansteigen. Das trifft natürlich insbesondere und ganz direkt alle frankaturgültigen Marken, da dieses "bares Geld" sind. Auch das Klaus K. [#1] ja schon dargestellt.
Am: 19.11.2015 09:29:18
Gelesen: 12693
# 9
@ Klaus K. [#6]
Hallo Klaus,
bitte schreibe noch die * Preise der von Dir gezeigten Nummern hier ins Forum.
Die im Michel Mitteleuropa 2015 genannten * Preise sind identisch mit denen im LBK Michel Liechtenstein Spezial 2013/2014 aus Beitrag [#4].
Schöne Grüsse, Richard
Am: 19.11.2015 17:53:31
Gelesen: 12627
# 10
@ Richard [#9]
Hallo, Richard!
Hier noch die Falzpreise:
1x* 50,-
2x* 95,-
3x* 95,-
------
240,-
1y* 12,-
2y* 70,-
3ya* 700,-
------
750,- Gruss Klaus K.
Am: 26.11.2015 09:30:41
Gelesen: 12510
# 11
@ Klaus K. [#10]
Hallo Klaus,
ich habe Deine Katalogpreise aus dem LBK MICHEL Liechtenstein-Spezial 2015/2016 (Erscheinungsdatum unbekannt) mit denen des mir vorliegenden Michel Mitteleuropa 2015 (Erfassung bis Michel Rundschau März 2015) verglichen.
Dabei gab es nur die zwei in der Tabelle von mir ergänzten Abweichungen. Der Satzpreis über 750 wurde im Michel Mitteleuropa 2015 überhaupt nicht genannt.
Hier noch die Falzpreise:
LBK Mi. Liecht. Mi. Mittel-
Spez. 2015/16: europa 2015:
1x* 50,-
2x* 95,-
3x* 95,- 80.--
------
240,- 220.--
1y* 12,-
2y* 70,-
3ya* 700,-
------
750,- ohne Im Mitteleuropa 2015 sind die Jahrgangspreise ** und o zu finden. Vielleicht kannst Du einige der Jahrgangspreise nennen von der Jahrgängen, die Du in Beitrag [#1] gemeint, aber nicht spezifiziert hast. Einige der Jahrgangspreise aus 1974 bis 2001, die in der PPA gehandelt wurden, findest Du hier: http://www.philawert.de/index/ref/cg/724 Für postfrische Jahrgänge wurden im Durchschnitt nur rund 13 % der Michel Preise 2015 gefordert und bezahlt. Schöne Grüsse, Richard
Am: 31.01.2019 17:32:53
Gelesen: 9008
# 12
Mittlerweilen sind über 3 Jahre vergangen und mir liegt nun der neue Michel-Liechtenstein 2018/19 vor.
Die Preise sind gegenüber der Ausgabe 2013/14 zwischen ca. 5 % bis ca. 25 % gestiegen. Die * (Falz) Bewertung ist nur unwesentlich gestiegen, die ** (postfrisch) hingegen sehr wohl kräftig. Also schaut es doch gut aus mit der Katalogbewertung (?) oder ist jemand anderer Meinung.
Zum Vergleichen die Preise von den 2 Ausgaben - die Jahre stehen über den Bildern.
Beste Grüße
Meinhard

@ Richard [#11]
Jahrgangswerte 1945 bis 2013.
Michel 2013/14 ** 5.505,50 2018/19 ** 6.512,50 = 15,46 % in 5 Jahren. (Die Jahre 2014 bis 2017 habe ich in Abzug gebracht, damit ein Vergleich möglich ist.)
gest. 2013/14 4.831,50 2018/19 5.923,70 = 18,43 % in 5 Jahren.

@ Richard [#11]
Jahrgangswerte 1945 bis 2013.
Michel 2013/14 ** 5.505,50 2018/19 ** 6.512,50 = 15,46 % in 5 Jahren. (Die Jahre 2014 bis 2017 habe ich in Abzug gebracht, damit ein Vergleich möglich ist.)
gest. 2013/14 4.831,50 2018/19 5.923,70 = 18,43 % in 5 Jahren.
Am: 31.01.2019 17:55:23
Gelesen: 9000
# 13
@ Meinhard [#12]
Nicht die Preise sind gestiegen sondern die Michel Notierungen. Preise macht der Markt.
Am: 31.01.2019 18:05:03
Gelesen: 8989
# 14
Hallo Meinhard,
ich bin da sehr skeptisch, dass die allgemeinen Preise für Liechtenstein am steigen sind. Ich sammle das Land nicht und immer wenn ich was über eine Sammlung bekomme, dann versuche ich es zu verkaufen. Die Nachfrage ist mehr als gering. Das zeigt, dass die ehemalige Popularität stark nachgelassen hat, auch bei den alten Ausgaben. Ich besitze den Satz aus deiner Michel-Abbildung gestempelt und ungestempelt. Irgendwo müsste auch noch ein postfrischer sein. Einen konnte ich nach langer Zeit bei eBay mal verkaufen. Aber alles was Liechtenstein an Briefmarken betrifft, scheint inzwischen so interessant wie das Liebesleben der Kieselsteine zu sein. Von daher sind steigende Notierungen im Katalog eher Makulatur. Vielleicht gibt es tatsächlich ein paar Postfrisch-Liebhaber, aber dass man viele von denen findet glaube ich nicht.
Grüße Oliver
Am: 31.01.2019 18:16:46
Gelesen: 8971
# 15
@ olli0816 [#14]
Der Michel ist nun einmal der Katalog der Reichrechner. Ab Mitte der fünfziger Jahre bis 2006 (Zeitpunkt der Ungültigkeit der Marken) bleibt Liechtenstein postfrisch im Groschenbuch liegen. Lediglich die hohen Werte finden Abnehmer (ich hatte auch zuletzt die 20 Franken Landespatrone für 5 Cent erworben), und vielleicht hin und wieder einmal ein schöner Motivsatz.
An der seriösen Ausgabepolitik kann es nicht liegen, sieht man einmal von den Ausgabe für das chinesische Neujahr ab. Aber es gab einfach zu viele Liechtensteinsammler und der Markt erstickt im Material.
Gestempelt, und ich spreche hier von Stempeln aus dem Postbetrieb, sind die liechtensteinischen Marken gar nicht so häufig. Auch Bedarfsbelege und Paketkarten sind nicht so reich gesät.
Am: 13.10.2024 16:53:32
Gelesen: 2561
# 16
Uli macht heute in [1] auf eine Drucksache (Nr. 45/2001) aufmerksam. Konkret handelt es sich um einen sehr lesenswerten Bericht (und Antrag) der Regierung von Liechtenstein an den dortigen Landtag von 2001 über das Thema der zum 01.01.2002 für ungültig zu erklärenden liechtensteinischen Briefmarken, welche vor dem 01.01.1996 erschienen sind. Ursächlich war die Übernahme der postalischen Tätigkkeiten in Liechtenstein von der Schweizer Post zurück nach Liechtenstein und die Überführung dieser Tätigkeiten in eine Aktiengesellschaft im Jahr 2000. Die liechtensteinische Post AG hatte als Privatunternehmen Dienstleistungen zu erbringen für mit Briefmarken frankierte Sendungen, welche aus Briefmarkenverkäufen des Staates (bis 1999) stammten. In den Jahren 2000 und 2001 erhielt die Post jeweils einen Zuschuss in Höhe von 4 Mio. CHF als Ausgleich. Nach [2] sollte u.a. dem Handel zwischen dem 01.01. und 31.03.2002 die Möglichkeit gegeben werden, ältere Bestände gegen aktuelle Dauerserienwertstufen umzutauschen. Die Regierung wollte diese Maßnahme mit einem Betrag von 5 Mio. CHF als Kompensation an die liechtensteinische Post AG subventionieren, da ihr für den Umtausch entsprechende Einnahmen durch die Abgabe aktueller Frankaturware entgehen würden, wofür allerdings eine Dienstleistung (Briefsortierung/-transport und -zustellung) bereitzustellen wäre.
In dem Bericht [2] werden Angaben zu den Abonnentenzahlen gemacht (auf Seite 6; 7 und 8):
1961: 5.265 Abonnenten
1982: 92.724 Abonnenten (Höchststand)
2000: 53.284 Abonnenten
Auf Seite 21 werden detaillierte Angaben zu den Abonnentenzahlen je Jahr aufgeführt. Dies mag ansatzweise einen Eindruck vermitteln, welche Mengen an liechtensteinischen Briefmarken in Sammlerhand gelangt sein mussten:
Zur Historie von 1961 - 2000 wird ebenfalls ein kurzer Abriss der aktuellen liechtensteinischen Philatelie gegeben, nachfolgend als Zitat (in [2] auf den Seiten 6-8):
I. BERICHT DER REGIERUNG
1. AUSGANGSLAGE
1.1 Die Entwicklung der liechtensteinischen Philatelie seit 1961
Im Jahre 1961 waren bei der damaligen Wertzeichenverschleissstelle 5'265 Abonnenten von Briefmarken registriert. Eine Belebung des Briefmarkengeschäfts brachten die von verschiedenen europäischen Postverwaltungen unter der Ägide der Europäischen Konferenz der Post und Fernmeldeverwaltungen (CEPT) gegen Ende der 50er Jahre herausgegebenen EUROPA-Marken, die eine aussergewöhnlich grosse Nachfrage verzeichneten. Liechtenstein schloss sich der Herausgabe von EUROPA-Marken 1960 ebenfalls an. Der Bedarf wurde aber unterschätzt. Schon am Erscheinungstag waren deshalb diese Marken vergriffen und wurden in der Folge zu horrenden Preisen gehandelt. Diese Tatsache löste im liechtensteinischen Briefmarkengeschäft einen Boom aus. Während mehr als 20 Jahren stieg die Zahl der Abonnenten stetig. Sie erreichte 1982 den Höchststand von 92'724.
Doch es war nicht nur das Briefmarkensammeln als Hobby, das mit einem Schlag so grosse Popularität gewonnen hatte. Vielmehr waren der Briefmarkenerwerb als Kapitalanlage und die Spekulation auf Gewinne im Falle unzureichender Auflagen wesentliche Gründe für das überdurchschnittliche Wachstum der Käuferzahlen und Erlöse. Dennoch war ein Rückgang dieser Entwicklung vorhersehbar. Ein erstes Mal wurde das Vorhandensein von Überbeständen an liechtensteinischen Briefmarken auf dem philatelistischen Markt 1970 deutlich, als in Inseraten Briefmarken zu Preisen unter dem Nominalwert für Frankierzwecke gesucht wurden. Die Regierung zog 1971 durch die Frankaturungültigerklärung nahezu aller vor 1967 herausgegebenen Briefmarken die Notbremse. Eine Verlangsamung des Wachstums des Briefmarkengeschäftes wurde dadurch aber nicht bewirkt. Die Abonnentenzahlen und Absätze stiegen weiter.
Zu Beginn der 80er Jahre kamen wiederum vermehrt Überbestände zu Dumpingpreisen auf den Markt, was nun die längst befürchtete und einem europäischen Trend entsprechende Wende auslöste. Am 16. Dezember 1986 beschloss die Regierung einen auf 30. Juni 1987 befristeten Umtausch noch frankaturgültiger Briefmarken mit einem Einschlag von 10 % auf den Nominalwert gegen gängige Dauermarken. Der Umtausch wurde jährlich verlängert und schliesslich am 31. Dezember 1994 beendet. Dabei wurden Marken im Wert von rund CHF 3,4 Mio. umgetauscht, die im übrigen der Post als Frankaturerlöse entgingen. Der Umtausch stabilisierte den Markt und milderte das Grundproblem grober Überbestände an alten Marken. Es ist davon auszugehen, dass vor allem die weniger gängigen Taxwerte nach laufendem Bedarf umgetauscht wurden, die gebräuchlichen Taxwerte aber direkt für Frankierzwecke angeboten und verwendet wurden, um den von der Regierung festgesetzten Umtauscheinschlag von 10 % zu umgehen. Der Gegenwert der direkt für Frankierzwecke abgesetzten Briefmarken und damit auch die Minderung der Frankaturerlöse der Post dürfte ein Mehrfaches der umgetauschten Marken im Wert von CHF 3,4 Mio. betragen haben.
In der Folge änderte sich das Verhalten der Briefmarkenkäufer. Immer mehreren von ihnen wurde bewusst, dass sie ihre Briefmarken oft nur zu Preisen weit unter dem Einstandswert für Frankaturzwecke absetzen können. Sie kündigten als erstes ihr Abonnement. Andere blieben zwar dabei, reduzierten aber die Bezüge auf ein Minimum. Seit 1983 sinken daher die Abonnentenzahlen und Erlöse mehr oder weniger kontinuierlich. Der Kundenbestand von 53'284 im Jahr 2000 liegt allerdings um das 10fache über jenem von 1961. Auf den einzelnen Käufer entfallen heute wesentlich weniger Marken als in den Boomzeiten. Eine breite Streuung kleiner Bestände ist zu begrüssen. Die Rarität der Sammelobjekte ist dadurch eher gegeben. Die Abwärtsentwicklung hat daher auch ihre positiven Seiten. Zudem gilt es grundsätzlich zu berücksichtigen, dass aufgrund des heutigen äusserst vielfältigen Freizeitangebots das Briefmarkensammeln insbesondere bei jungen Menschen nicht mehr im Trend liegt. Die Neuwerbung von Abonnenten auf die Briefmarken-Neuausgaben und damit die Stabilisierung des Kundenstandes ist sehr schwierig geworden.
Die Vorgehensweise der liechtensteinischen Post AG mag einige Parallelen zur Vorgehensweise der Deutsche Post AG aufwerfen, welche bundesdeutsche Briefmarken in reiner DM-Währung (1969-2000 und einige Ausgaben von 1964-1968) zum 01.07.2002 für ungültig erklären ließ. Die Deutsche Bundespost als Behörde wurde über die Postreform I [3] zum 01.07.1989 in drei Gesellschaften aufgespalten und als Postreform II per 1994 in drei privatisierte Aktiengesellschaften überführt (Deutsche Post AG, Deutsche Postbank AG und Deutsche Telekom AG). Auch hier dürfte sich die Frage nach der Verwendung von Briefmarken, verkauft unter der Ägide der Deutsche Bundespost und zunehmend aufgebraucht als Frankatur(ware) in der Zeit der privatisierten Deutsche Post AG (ab 1995) gestellt haben. Die Deutsche Bundespost konnte die Einnahmen verbuchen und die Deutsche Post AG hatte die Arbeit (Dienstleistung) - vermutlich - ohne finanziellen Ausgleich zu erbringen.
Gruß
Stefan
[1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=19845
[2] https://bua.regierung.li/BuA/pdfshow.aspx?nr=45&year=2001
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Postreform
Zur Historie von 1961 - 2000 wird ebenfalls ein kurzer Abriss der aktuellen liechtensteinischen Philatelie gegeben, nachfolgend als Zitat (in [2] auf den Seiten 6-8):
I. BERICHT DER REGIERUNG
1. AUSGANGSLAGE
1.1 Die Entwicklung der liechtensteinischen Philatelie seit 1961
Im Jahre 1961 waren bei der damaligen Wertzeichenverschleissstelle 5'265 Abonnenten von Briefmarken registriert. Eine Belebung des Briefmarkengeschäfts brachten die von verschiedenen europäischen Postverwaltungen unter der Ägide der Europäischen Konferenz der Post und Fernmeldeverwaltungen (CEPT) gegen Ende der 50er Jahre herausgegebenen EUROPA-Marken, die eine aussergewöhnlich grosse Nachfrage verzeichneten. Liechtenstein schloss sich der Herausgabe von EUROPA-Marken 1960 ebenfalls an. Der Bedarf wurde aber unterschätzt. Schon am Erscheinungstag waren deshalb diese Marken vergriffen und wurden in der Folge zu horrenden Preisen gehandelt. Diese Tatsache löste im liechtensteinischen Briefmarkengeschäft einen Boom aus. Während mehr als 20 Jahren stieg die Zahl der Abonnenten stetig. Sie erreichte 1982 den Höchststand von 92'724.
Doch es war nicht nur das Briefmarkensammeln als Hobby, das mit einem Schlag so grosse Popularität gewonnen hatte. Vielmehr waren der Briefmarkenerwerb als Kapitalanlage und die Spekulation auf Gewinne im Falle unzureichender Auflagen wesentliche Gründe für das überdurchschnittliche Wachstum der Käuferzahlen und Erlöse. Dennoch war ein Rückgang dieser Entwicklung vorhersehbar. Ein erstes Mal wurde das Vorhandensein von Überbeständen an liechtensteinischen Briefmarken auf dem philatelistischen Markt 1970 deutlich, als in Inseraten Briefmarken zu Preisen unter dem Nominalwert für Frankierzwecke gesucht wurden. Die Regierung zog 1971 durch die Frankaturungültigerklärung nahezu aller vor 1967 herausgegebenen Briefmarken die Notbremse. Eine Verlangsamung des Wachstums des Briefmarkengeschäftes wurde dadurch aber nicht bewirkt. Die Abonnentenzahlen und Absätze stiegen weiter.
Zu Beginn der 80er Jahre kamen wiederum vermehrt Überbestände zu Dumpingpreisen auf den Markt, was nun die längst befürchtete und einem europäischen Trend entsprechende Wende auslöste. Am 16. Dezember 1986 beschloss die Regierung einen auf 30. Juni 1987 befristeten Umtausch noch frankaturgültiger Briefmarken mit einem Einschlag von 10 % auf den Nominalwert gegen gängige Dauermarken. Der Umtausch wurde jährlich verlängert und schliesslich am 31. Dezember 1994 beendet. Dabei wurden Marken im Wert von rund CHF 3,4 Mio. umgetauscht, die im übrigen der Post als Frankaturerlöse entgingen. Der Umtausch stabilisierte den Markt und milderte das Grundproblem grober Überbestände an alten Marken. Es ist davon auszugehen, dass vor allem die weniger gängigen Taxwerte nach laufendem Bedarf umgetauscht wurden, die gebräuchlichen Taxwerte aber direkt für Frankierzwecke angeboten und verwendet wurden, um den von der Regierung festgesetzten Umtauscheinschlag von 10 % zu umgehen. Der Gegenwert der direkt für Frankierzwecke abgesetzten Briefmarken und damit auch die Minderung der Frankaturerlöse der Post dürfte ein Mehrfaches der umgetauschten Marken im Wert von CHF 3,4 Mio. betragen haben.
In der Folge änderte sich das Verhalten der Briefmarkenkäufer. Immer mehreren von ihnen wurde bewusst, dass sie ihre Briefmarken oft nur zu Preisen weit unter dem Einstandswert für Frankaturzwecke absetzen können. Sie kündigten als erstes ihr Abonnement. Andere blieben zwar dabei, reduzierten aber die Bezüge auf ein Minimum. Seit 1983 sinken daher die Abonnentenzahlen und Erlöse mehr oder weniger kontinuierlich. Der Kundenbestand von 53'284 im Jahr 2000 liegt allerdings um das 10fache über jenem von 1961. Auf den einzelnen Käufer entfallen heute wesentlich weniger Marken als in den Boomzeiten. Eine breite Streuung kleiner Bestände ist zu begrüssen. Die Rarität der Sammelobjekte ist dadurch eher gegeben. Die Abwärtsentwicklung hat daher auch ihre positiven Seiten. Zudem gilt es grundsätzlich zu berücksichtigen, dass aufgrund des heutigen äusserst vielfältigen Freizeitangebots das Briefmarkensammeln insbesondere bei jungen Menschen nicht mehr im Trend liegt. Die Neuwerbung von Abonnenten auf die Briefmarken-Neuausgaben und damit die Stabilisierung des Kundenstandes ist sehr schwierig geworden.
Die Vorgehensweise der liechtensteinischen Post AG mag einige Parallelen zur Vorgehensweise der Deutsche Post AG aufwerfen, welche bundesdeutsche Briefmarken in reiner DM-Währung (1969-2000 und einige Ausgaben von 1964-1968) zum 01.07.2002 für ungültig erklären ließ. Die Deutsche Bundespost als Behörde wurde über die Postreform I [3] zum 01.07.1989 in drei Gesellschaften aufgespalten und als Postreform II per 1994 in drei privatisierte Aktiengesellschaften überführt (Deutsche Post AG, Deutsche Postbank AG und Deutsche Telekom AG). Auch hier dürfte sich die Frage nach der Verwendung von Briefmarken, verkauft unter der Ägide der Deutsche Bundespost und zunehmend aufgebraucht als Frankatur(ware) in der Zeit der privatisierten Deutsche Post AG (ab 1995) gestellt haben. Die Deutsche Bundespost konnte die Einnahmen verbuchen und die Deutsche Post AG hatte die Arbeit (Dienstleistung) - vermutlich - ohne finanziellen Ausgleich zu erbringen.
Gruß
Stefan
[1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=19845
[2] https://bua.regierung.li/BuA/pdfshow.aspx?nr=45&year=2001
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Postreform