Briefmarken Atteste

Thema:

Brasilien: Belege bestimmen

1 Pf Am: 04.09.2015 05:21:16 Gelesen: 5123 # 1
Hallo, habe hier einen Beleg / ein Dokument von 1953 aus Brasilien liegen. Leider nicht kpl. Sieht nach Gebührenmarken aus, was da verklebt wurde. Kann jemand portugisisch um mir zu erklären, was das ist ? Sieht mir nach einem Speditionspapier aus. Reedereidokument ? Schon mal Danke für die Mitarbeit. Gruß 1 Pf
Ermitage Am: 21.08.2020 09:21:16 Gelesen: 3356 # 2
Ganzsachen Karte von Sao Paulo nach Arlesheim (CH) Hallo Sammlerfreunde, 28.4.1904 Ganzsache von Sao Paulo nach Arlesheim (CH), Brasilianischer Wertstempel 100 Reis für Karte Ausland, Tarif gültig ab ? bis ? Kann mir ein Sammler dieses Datum zum Tarif übermitteln ? Ich Danke im voraus Gruss Eggflue
Jürgen Zalaszewski Am: 23.03.2026 21:26:03 Gelesen: 2459 # 3
Hallo zusammen, wer kann mir bei der Entzifferung und Einordnung dieser Stempel helfen. Es geht um die beiden Stempel links auf der Rückseite eines Beleges, der vom Generalgouvernement nach Natal, Brasilien gelaufen ist. Es soll sich um einen LATI-Brief handeln, der postlagernd versandt wurde. Rückseitig sieht man die verschiedenen Ankunftstempel, wobei die Stempel von Natal und Wien für mich erklärbar sind. Die beiden mit nicht bekannten Stempel sind in spanisch oder portugiesisch (?) und haben welche Bedeutung. Wer kann helfen? Viele Grüße Jürgen
Lars Boettger Am: 24.03.2026 20:30:56 Gelesen: 1977 # 4
@ Jürgen Zalaszewski [#3] Hallo Jürgen, kannst Du bitte auch die Vorderseite des Briefes zeigen? Das könnte wahrscheinlich zur Erklärung der Stempel beitragen. Wobei ich nicht glaube, dass hier ein Stempel von Natal auf der Rückseite zu finden ist. Natal war eine englische Kolonie und da wurde m.W. kein Portugiesisch gesprochen. Beste Grüsse! Lars
22028 Am: 24.03.2026 20:45:26 Gelesen: 1963 # 5
@ Jürgen Zalaszewski [#3] Der Stempel vom 29.1.40 ist Brasilianisch, "Pernambuco", Details muss ich morgen mal nachsehen.
JoergH Am: 24.03.2026 21:31:30 Gelesen: 1903 # 6
@ Jürgen Zalaszewski [#3]

Hallo Jürgen,

ich schließe mich Lars an - mich würde auch die Vorderseite interessieren.

Als Absender ist ein Herr Kosel aus Wien auf der Rückseite vermerkt. Wien gehörte meines Wissens nie zum Generalgouvernement, aus dem der Brief angeblich abgeschickt ist.

Zudem fällt mir auf, dass die fremdsprachigen Stempel (ich setze jetzt mal voraus, dass sie alle in Brasilien aufgebracht wurden) aus dem Januar 1940, die Wiener Stempel aber aus dem Juni 1940 stammen. Ein halbes Jahr Laufzeit für einen angeblichen Luftpostbrief? Und dann wäre er auch noch in der falschen Richtung gelaufen!

Geht aus der Vorderseite oder dem Inhalt vielleicht hervor, dass der Herr Kosel den Brief auf einer Reise im Generalgouvernement aufgegeben hat - und das selbiger dann aus Brasilien - warum auch immer - nach Wien an seinen Wohnort zurückging?

Ein wenig verwirrt grüßt
Jörg
Martin de Matin Am: 24.03.2026 22:08:22 Gelesen: 1883 # 7
@ Lars Boettger [#4] @ Jürgen Zalaszewski [#3] "Wobei ich nicht glaube, dass hier ein Stempel von Natal auf der Rückseite zu finden ist. Natal war eine englische Kolonie und da wurde m.W. kein Portugiesisch gesprochen." Es gibt auch ein Natal in Brasilien so wie es ein Florida in Uruguay gibt. Natal ist die Hauptstadt des Bundesstaats Rio Grande do Norte im Nordosten von Brasilien. Man sieht viele Zeppelinbriefe nach Südamerika, die über/nach Pernambuco in Brasilien gingen. Gruss Martin https://de.wikipedia.org/wiki/Natal_(Brasilien) https://de.wikipedia.org/wiki/Pernambuco
Lars Boettger Am: 24.03.2026 22:16:51 Gelesen: 1875 # 8
@ Martin de Matin [#7] Hallo Martin, vielen Dank für den Hinweis auf Natal in Brasilien! Wir haben einen Stempel von (vermutlich) Pernambuco vom 20. Januar 1940, einen Stempel von Natal vom 25. Januar 1940 und einen weiteren Stempel von Pernambuco vom 29. Januar 1940 - irgendwie ist der Brief wieder im Juni 1940 nach Wien zurückgekommen. Ich vermute, dass es sich bei Adolf Kosel um einen Briefmarkenhändler handelt [1]. Beste Grüsse! Lars [1] Adolf Kosel Inh. Gabriele Sander e.U. -> https://www.kosel.com/
Jürgen Zalaszewski Am: 25.03.2026 01:18:27 Gelesen: 1805 # 9
@ Lars Boettger [#4] @ 22028 [#5] @ JoergH [#6] @ Martin de Matin [#7] Hallo zusammen, es ist ja jetzt schon toll, was ich alles zu den mir nicht bekannten Stempeln erfahren habe, Danke schön. Ich hatte eigentlich bewusst darauf verzichtet die Vorderseite des Briefes einzustellen, denn ich will ihn bei meiner ArGe in einem Beitrag vorstellen, sehe aber ein, dass man den ganzen Brief sehen muss um Erklärungen zu bekommen. Einige Dinge sind ja schon nur anhand der Briefrückseite von euch gefunden worden, denn es gibt doch einige Ungereimtheiten, die mir auch erst aufgefallen sind, als ich mich länger damit befasst habe. Hier zunächst die Vorderseite des Beleges: Es handelt sich um eine R-Auslandsdrucksache mit Lp aus Myslenice, Generalgouvernement an eine Adresse (Empfänger und Absender stimmen überein) Postlagernd nach Natal - Brasilien. Das Porto betrug 3,20 Zloty, der Brief ist mit 2 Gr. überfrankiert. Es soll ein sehr früher LATI-Brief sein, der aus dem GG nach Brasilien versandt wurde. Der Brief wurde nicht abgeholt, die Anschrift wurde ausgestrichen und der Brief ging zurück an den Aufgabeort (a`procedencia). Was fällt auf: Der Brief wurde nicht zensiert. Warum? Der Aufgabeort war Myslenice (GG), Stempellage sagt aber 18/1 Wien 110 (Wohnort des Absenders. Warum keine Rücksendung nach dem GG? Adolf Kosel war ein Briefmarkenhändler und hatte einen Verlag, in dem nach dem Krieg (?) die Zeitschrift "Austria-Philatelist" erschien. Ich habe bei der jetzigen Besitzerin angefragt, ob sie etwas über die Tätigkeiten des Kosel im Krieg weiß. Sie ist die Enkelin, die das Geschäft weiter betreibt, sie hat aber leider keine Informationen über ihren Großvater aus dieser Zeit. Neben meinen Brief kenne ich noch zwei weitere, die von der Aufmachung, Frankatur, sogar gleicher Aufgabetag fast identisch aussehen. Ich kenne leider auch nicht die genaue Flugroute der LATI-Gesellschaft von Rom über Lissabon (?) nach Rio de Janeiro. Auf einer handgezeichneten Karte aus einer anderen Veröffentlichung sieht es so aus, als wenn Natal nicht unbedingt direkt an dieser Route liegt. Ich hoffe darauf, dass die mir nicht bekannten Stempel darüber Aufschluss geben können. Nach dem frühesten Datum auf der Rückseite müsste der Brief mit dem 5. LATI-Flug überhaut befördert worden sein, denke ich zumindest. Fragen über Fragen, aber vielleicht hat ja noch einer von euch weitere Informationen oder kennt sich bei LATI besser aus. Vielen Dank schon mal für die bisherige und weitere Hilfe und Meinungen. Viele Grüße Jürgen
Lars Boettger Am: 25.03.2026 07:51:35 Gelesen: 1590 # 10
@ Jürgen Zalaszewski [#9] Hallo Jürgen, kennst Du den folgenden Artikel (Zitat aus dem Mitteilungsblatt der ArGe BELUX): "Der Münchner Briefmarken-Club e.V. behandelt in seiner sehr lesenswerten Schriftenreihe im Heft Nr. 3 das Thema „Südamerika-Philatelie“. Herr Dr. Heinz Findeiss stellt darin in einem Artikel das Thema „Der Luftpostverkehr „via L.A.T.I.“ über Südamerika nach Nordamerika“ dar." Ich hatte damals, zusammen mit Dr. Findeiss und der Unterstützung von Luxemburg-Sammlern in mehreren Artikeln die bekannten LATI-Briefe aus und nach Luxemburg nach Südamerika vorgestellt. Zur Route gibt es eine schöne Briefrückseite, die u.a. auch Natal zeigt [1]. Beste Grüsse! Lars [1] http://www.postaesocieta.it/magazzino_totale/pagine_miscellanea/immagini_miscellanea/Imm_LATI/rotte_condor_lati.JPG
DL8AAM Am: 25.03.2026 11:16:58 Gelesen: 1522 # 11
@ Lars Boettger [#8] Wir haben einen Stempel von (vermutlich) Pernambuco vom 20. Januar 1940 Ja, das sind zwei Stempel aus Pernambuco a) SERVICIO AEREO-NOITE / ● PERNAMBUCO ● vom 28.01.1940 [oder 20.1.] (Luftpost-"Abteilung", Noite = Nacht-"Schicht") siehe https://www.philaseiten.de/beitrag/373089 b) 1ᴬ ...UNF.-5ᴬ SECÇÃO / ● PERNAMBUCO ● vom 29.01.1940 (1. ??? "Abteilung", 5. "Schicht") Beste Grüße Thomas [Beiträge [#3] bis [#11] redaktionell verschoben aus dem Thema "Stempel bestimmen: Wer kennt diesen Stempel ?"]
Jürgen Zalaszewski Am: 26.03.2026 12:38:21 Gelesen: 1165 # 12
@ Lars Boettger [#10] Hallo Lars, vielen Dank für den Hinweis auf Dr. Findeiss und seine Veröffentlichung, die ich bislang nicht kenne. Ich hatte ihn auf einer Messe in München kennengelernt in meiner Eigenschaft als Vorsitzender der Poststempelgilde, er suchte nach Literatur zu seinem Sammelgebiet LATI. Darüber kamen wir ins schwadronieren und schon war ich bei meinem Sammelgebiet Generalgouvernement. Er hatte nur einen Brief aus dem GG nach Brasilien in seiner Sammlung. Den wollte er natürlich nicht abgeben, aber immerhin hat er mir eine Kopie zugeschickt. Zwischenzeitlich ist der Brief bei einem Sammler aus der ArGe GG gelandet, scheinbar ist Herr Dr. Findeiss verstorben. Ich hatte damals schon den oben gezeigten Brief, habe aber aus Unkenntnis die L.A.T.I-Beförderung nicht erkannt. @ DL8AAM [#11] Hallo Thomas, danke für die Erläuterung zu den beiden Stempeln, das hätte ich ohne deine Hilfe und die der anderen nicht lösen können. Man könnte jetzt den Brief so deuten, dass er am 20.01.40 von / über Pernambuco nach Natal ging und dort nach kurzer Zeit zurückgeschickt wurde, Ankunft oder Durchgang Permanbuco am 29.01. bis er dann am 13.VI.40 in Wien wieder auftauchte. Wo war er in der Zwischenzeit? Viele Grüße Jürgen
saintex Am: 26.03.2026 19:06:37 Gelesen: 1123 # 13
@ Jürgen Zalaszewski [#12] Hallo Jürgen, zunächst eine zusätzliche Information zum Absender Deines Luftpostbriefes A. Kosel. A. Kosel war in den 1920er und 1930er Jahren ein bekannter österreichischer Luftpostsammler, dem wir zahlreiche von ihm kreierte Erst- und Sonderflugbriefe mit Bezug zu Österreich zu verdanken haben und der im Mai 1948 in seinem Verlag eine Publikation mit dem Titel „Geschichte der österreichischen Flugpost“ herausbrachte. Die Vorliebe von A. Kosel für das Sammelgebiet Luftpost ist auch der Hintergrund für Deinen Luftpostbrief. Es ging A. Kosel offensichtlich darum, für seine Sammlung eine „exotische“ Zuleitung aus dem Generalgouvernement zu der von der italienischen Fluggesellschaft LATI am 21.12.1939 eröffneten Luftpostlinie Rom – Rio de Janeiro zu schaffen. Es handelt sich also bei diesem Luftpostbrief nicht um einen Bedarfsbeleg sondern um einen für Sammlerzwecke kreierten Beleg. Dabei hat A. Kosel die Versendungsform Einschreiben mit Bedacht gewählt, da für viele Luftpostsammler Luftpostbriefe nur dann „vollwertig“ sind, wenn sich der Leitweg aufgrund der rückseitig angebrachten Transit -und Ankunftstempel nachvollziehen lässt. Die Verwendung einer Postlageradresse bot für A. Kosel den Vorteil, dass er seinen Sammlerbrief auf Kosten der brasilianischen Postverwaltung nach Ablauf der Lagerfrist zurück bekam, allerdings nur auf dem Seeweg, da für die Rückbeförderung kein Luftpostporto verklebt war. Aufgrund des Ankunftstempels von Recife (Pernambuco) vom 20.1.1940 kann der Luftpostbrief anhand der in der Spezialliteratur veröffentlichten Flugdaten der LATI der Beförderung auf der 5. Südatlantiküberquerung am 19./20.01.1940 zugeordnet werden. Die Streckenführung verlief von Rom über Sevilla,Villa Cisneros (Spanische Sahara heute Al-Dakhla), Insel Sal (Kapverdische Inseln), Recife nach Rio de Janeiro. Von Recife aus ging der Luftpostbrief – vermutlich auf dem See- oder Landweg - nach Natal, wo er ausweislich des rückseitig angebrachten Ankunftstempels am 25.01.1940 eintraf. Da A. Kosel seinen Luftpostbrief beim Postamt in Natal – wie von Anfang an beabsichtigt – nicht abholte ging der Brief an ihn als Absender nach Wien zurück. Allerdings erfolgte die Rücksendung - wie gesagt - nicht mit Luftpost sondern auf dem Seeweg. Aus diesem Grund lief der Luftpostbrief von Natal nach Recife zurück, da Recife nach meiner Kenntnis von vielen Frachtschiffen auf der Route Brasilien – Europa als letzter Hafen in Brasilien vor der Überquerung des Südatlantik noch angelaufen wurde. Aufgrund der Rückbeförderung des Luftpostbriefes auf dem Seeweg erklärt sich auch die lange Beförderungszeit von Recife/Natal nach Wien. Soll ich noch etwas zum Handelswert von Zuleitungen aus dem Generalgouvernement zu den Flügen der LATi nach Südamerika sagen? Quellennachweise Beith, Richard The Italian Souh Atlantic Air Mail Service 1939 – 1941, Chester (UK) 1993 Cosworth, Martyn The Italian South Atlantic Airline (L.A.T.I.), Teddington (UK) 2. Aufl. 2022 Proud, Edward B. Intercontinental Airmails Vol. 1: Transatlantic and Pacific, Heathfield (UK) 2008 Wolfgang
Jürgen Zalaszewski Am: 26.03.2026 22:17:03 Gelesen: 1107 # 14
@ saintex [#13] Hallo Wolfgang, das sind ja ganz interessante Informationen für mich. Das Kosel Sammler oder Händler war, der auf diesem Gebiet tätig war, habe ich schon vermutet. Leider waren meine Recherchen nicht so gehaltvoll trotz Internet und Enkelin des A., wie deine Informationen. Vielen Dank. Natürlich bin ich auch an den Handelswerten / Wertschätzungen solcher Belege aus dem GG und auch ins GG interessiert. Die LATI-Belege aus dem GG die ich bislang gesehen habe, bewegten sich alle im dreistelligen Bereich. Danke auch für die Angaben deiner Literaturquellen, ich werde mich auch da auf die Suche machen. Vielen Dank soweit und herzliche Grüße Jürgen
Richard Am: 01.05.2026 12:22:56 Gelesen: 704 # 15
@ Jürgen Zalaszewski [#12] Hallo Jürgen, Dr. Findeiss ist am 9.6.2023 verstorben. Grüsse aus dem sonnigen Allgäu, Richard
Jürgen Zalaszewski Am: 02.05.2026 13:13:51 Gelesen: 654 # 16
Hallo Richard, Danke für die Zusatzinfo, ich hatte mir das schon gedacht. Wenn tolle Belege bei Auktionen auftauchen und die dann noch ein spezielles Gebiet behandeln, kann man schnell daraus seine Schlüsse ziehen. Seine Belege aus dem GG mit LATI geflogen befinden sich jetzt bei GG-Sammlern (nicht bei mir) in den Sammlungen. Viele Grüße Jürgen
lupobrasilien Am: 18.05.2026 17:36:24 Gelesen: 429 # 17
@ Eggflue [#2] Das Porto für diesen Beleg galt vom 1.1.1898 (100 Réis) - 1.1.1922 (200 Réis)