Thema:
Die unterschiedlichen Kalender (Übersicht über die Kalender siehe Beitrag 1)
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Hallo zusammen!
Bei der Beschäftigung mit ausländischen Belegen hatte ich immer wieder Probleme mit der genauen Datierung oder der Ermittlung der Laufzeiten. Das lag daran, dass im Ausland (Russland, China, Japan usw.) zum Teil andere Kalender benutzt werden oder benutzt wurden. Bei Wikipedia sind ca. 70 verschiedene Kalender aufgeführt (
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kalendersysteme ). Diese kommen natürlich längst nicht alle in der Philatelie vor, aber einige sind es schon.
Um Euch die Arbeit zu erleichtern, möchte ich an dieser Stelle die verschiedenen Kalender vorstellen, die in meiner Sammlung vorkommen. Vor allem geht es mir darum, zu erklären, wie man die verschiedenen Stempeldaten auf unser Datum umrechnen kann.
Der gregorianische Kalender
Hier in Deutschland wird – wie in den meisten Ländern der Erde – der gregorianische Kalender benutzt.

Wie man am Ersttagsblatt mit Briefmarke und Ersttagsstempel erkennt, wurde der gregorianischen Kalender im Jahre 1582 von Papst Gregor XIII eingeführt.
Vorher galt in Deutschland der julianische Kalender. Dieser hatte den Nachteil, dass er mit seinen durchschnittlich 365,25 Tagen um etwa elf Minuten länger als das Sonnenjahr war. Dadurch verschob sich der astronomische Frühlingsanfang etwa alle 130 Jahre um einen Tag auf ein früheres Kalenderdatum.
Diese Verschiebung wurde 1582 durch Auslassen von 10 Kalenderdaten korrigiert (auf Donnerstag, den 4. Oktober folgte Freitag, der 15. Oktober). Zusätzlich passte man die durchschnittliche Tageszahl an die tatsächliche Dauer eines Jahres an, indem man die Anzahl der Schaltjahre änderte. Genaueres findet ihr bei Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gregorianischer_Kalender.
Im nächsten Beitrag werde auf die unterschiedlichen Daten im gregorianischen und julianischen Kalender eingehen, der z.B. bis 1918 in Russland verwendet wurde.
Viele Grüße
Volkmar
Da denke ich passt die Info zu diesem Kalenderkonverter ganz gut hin:
http://calendarhome.com/calculate/convert-a-date/
@ volkimal [#1]
Hallo Volkmar und Kollegen,
das Thema mit den unterschiedlichen Kalendern kann wirklich zu besonderen Belegen führen, wie ich Euch an einem meines Erachtens sehr schönen Beispiel zeigen möchte.
"Auf dem Straßenweg beträgt die Distanz von Galați nach Wien 1187 Kilometer."
"Auf dem Straßenweg beträgt die Distanz von Wien nach Triest 480 Kilometer."
"Auf dem direkten Weg beträgt die Entfernung zwischen Triest und Κερκυρα 839 Kilometer."
Diese Info holte ich aus "
http://www.entfernung.org". Warum erzähle ich Euch das? Nun, der beiliegende Brief hat genau diese Reise hinter sich: Er wurde in Galatz (Rumänien) aufgegeben, ging über Wien und Triest auf's Schiff und wurde nach Korfu geschippert, wo er die 90 Lepta Nachfrankatur erhielt. Der Brief legte also rund 2500 Kilometer zurück.

Betrachten wir nun die Stempel: "GALATZ 17 / 2 / 69" steht da und "KERKYRA 17 FEBR 69".
Nanu? Zweimal dasselbe Datum? - Nun, nur scheinbar. Die Post in Galatz verwendete seit 1.1.1865 den gregorianischen Kalender (die österreichische Post sowieso - der Brief wurde von dem österr.-ungarischen Postamt in Galatz gestempelt). Griechenland (Corfu) verwendete aber noch den Julianischen Kalender, der um diese Zeit 12 Tage hinterherhinkte. Der 17.2.1869 (julianisch) entsprach also dem 1. März 1869 (gregorianisch).
So benötigte der Brief also 12 Tage vom Abgang zum Bestimmungsort. Hätte der Brief den Weg über das Schwarze Meer genommen, wäre es vermutlich schneller gegangen, aber der Brief lief eindeutig über Wien/Triest.
So spannend kann Philatelie sein!
Herzliche Grüsse - Heinz
@ 22028 [#2]
@ Heinz 7 [#3]
Hallo 22028,
dieser Link ist sehr hilfreich. Ich kannte ihn bisher nicht. Vielen Dank!
Aber er reicht natürlich nicht aus. Man muss noch etwas mehr Hintergrundwissen haben. Dieses wird am Beitrag von Heinz deutlich.
Hallo Heinz,
ein sehr schönes Beispiel! Aufgabe- und Ankunftsstempel mit demselben Datum, und das bei der Entfernung! Und vor allem aber ist es super, wie Du den Beleg beschrieben hast.
Du schreibst: "Die Post in Galatz verwendete seit 1.1.1865 den gregorianischen Kalender". Galt das nur für das österreichische Postamt oder auch für das rumänische? Nach Wikipedia wurde der gregorianischen Kalender im Königreich Rumänien erst 1918 eingeführt.
Solche Belege und solche Informationen sollen hier gezeigt werden.
Viele Grüße und vielen Dank.
Volkmar
Der julianische Kalender
Postkarte von Lodz nach Bernau bei Berlin aus dem Jahre 1902:

Aufgrund der wechselhaften Geschichte hat Lodz verschiedene Namen: Lodz (deutsch), Łódź (polnisch) oder Лодзь (russisch). Mit der zweiten Teilung Polens 1793 wurde die Stadt Teil Preußens. Nach dem Frieden von Tilsit 1807 kam der Ort Teil zum Herzogtum Warschau und wurde 1815 in Kongresspolen integriert, sodass die Stadt dem russischen Zaren unterstand.
Nun zu den Stempeln auf der Karte:
Aufgabestempel: Лодзь (Lodz) 15.01.1902
Ankunftsstempel: Bernau (Mark) 30.01.1902
Man könnte meinen, dass die Beförderungszeit 15 Tage betrug. Das stimmt aber nicht, denn es waren nur 2 Tage! Da Lodz zum russischen Reich gehörte, galt dort der julianische Kalender. In Bernau in Deutschland wurde dagegen der gregorianische Kalender benutzt. Der julianische Kalender und der gregorianische Kalender unterschieden sich 1902 um 13 Tage.
Aufgabedatum: 15.01.1902 (jul) + 13 => 28.01.1902 (greg.)
Man erkennt die unterschiedlichen Zeiten auch sehr schön, wenn man die Bildseite der Karte ansieht. Der Absender hat nämlich oben rechts das gregorianische Datum angegeben. Die Ansichtskarte zeigt übrigens den neuen Markt (= Nowy Rynek) in Lodz.
Umrechnung vom julianischen zum gregorianischen Kalender:
Vom 18.02.1800 (jul.) bis zum 16.02.1900 (jul.) muss man im Kalender 12 Tage nach vorne gehen, um das gregorianische Datum zu bekommen.
Vom 17.02.1900 (jul.) bis zum 31.01.1918 (jul.) muss man im Kalender 13 Tage nach vorne gehen, um das gregorianische Datum zu bekommen.
Im Jahre 1918 wurde in Russland der gregorianische Kalender eingeführt. Auf den 31. Januar 1918 (jul.) folgte in Russland der 14. Februar 1918 (greg.). Die Daten dazwischen gab es in Russland nicht.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo in die Runde,
dazu passt eine Postkarte, die am 20.1.1883 von Gotha nach Berditscheff (damals zu Russland gehörig) auf die Reise ging:

Laut Eingangsstempel erreichte die Karte ihr Ziel am 12. Jan. 1883, was natürlich nicht möglich war. Wie bereits erwähnt, galt in Russland noch der Julianische Kalender. Addiert man 12 Tage auf das Eingangsdatum, ergibt sich als Ankunfttag der 24. Januar 1883 (Gregorianisch). Damit ist die Welt also wieder in Ordnung und eine Zeitreise mit ungewissem Ausgang bleibt uns erspart.
Die Karte stammt aus der Sammlung einer guten Bekannten.
Informationen zu Berditscheff unter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Berdytschiw
Hübsche Grüße
Harald
@ volkimal [#4]
Hallo Leute,
das macht echt Spass mit Euch! Leider hatte ich heute einen grossen Datenverlust, weil ich wollte Euch einen grösseren Beitrag liefern zum Thema, und habe das Ganze offenbar etwas "überladen". Jedenfalls ging am Ende gar nichts mehr und ich flog raus. Alle Sicherungen waren weg - schade. Drei Stunden Arbeit sind vorerst mal weg. Nun portioniere ich die Beiträge in "verdaulichere" Happen und hoffe, so meine (Zeit-) Investitionen doch noch nutzen zu können. Immerhin die Scans habe ich noch alle auf dem Stick.
Vorweg eine konkrete Antwort: Ja, die rumänische Post stellte ihren Kalender um per 1.1.1865 auf den gregorianischen. Zuvor galt der julianische Kalender, sowohl in der Moldau, als auch in der Walachei und zu Beginn der Vereinigten Fürstentümer. Die Notiz im "Michel" stimmt also genau. Die Menschen verwendeten im 19. Jahrhundert in diesem Gebiet die Kalender munter nebeneinander, das sieht man auch an vielen Doppelnotierungen des Datums, z.B. 1./13. März 18xx.
Auf dem Gebiet der ehemaligen Fürstentümer Moldau und Walachei gab es auch fremde Postdienstleister. Dabei verwendete Österreich und Frankreich den gregorianischen, Russland und Griechenland hingegen den julianischen Kalender.
Ein ähnliches Beispiel zum obigen Brief (Beitrag 3) zeige ich Euch anbei: Brief von Ismail nach Corfu

Zwar hat der Brief einige Mängel (Stempel eher undeutlich, Marken z.T. angeschnitten, Rückseite mit Papier-Fehlstelle), aber für unsere Zwecke lässt sich alles zeigen: Ismail, eine ukrainische Stadt an der Donau, nahe bei der Mündung zum Schwarzen Meer, gehörte nur kurz, 1856-1877 zu Rumänien. Von 1812 bis 1856 und von 1877 bis 1917 gehörte die Stadt zum russischen Bessarabien.
Am 25.9.1871 wurde nun ein Brief von Ismail (Rumänien!) nach Corfu geschickt. Der Agraffen-Stempel gehört zur Gruppe A65 und ist ein rumänischer Stempel (fig. 401 Stempelbuch K. Dragomir 1990). Wiederum wurde die lange Route über Wien gewählt, wie deutlich vermerkt wurde. Der Brief erhielt auch alle Durchgangsstempel: GALATZ 26 / 9 - WIEN 30 / 9 / 71 - TRIEST (Datum fehlt) - KEPKYPA = KERKYRA 25 SEPT 71 (julianisch). Der Brief kostete 100 Lepta, die wurden bei Ankunft verklebt (griechische Frankatur) und entwertet: 25.9.1871 (julianisch). Also auch dieser Brief benötigte 12 Tage.

Die Briefrückseite ist, obwohl optisch alles andere als "Luxus", wichtig und wertvoll. Fortsetzung folgt
Heinz
@ volkimal [#4]
(Fortsetzung)
Nun zeige ich Euch einen Brief, als sich die Post noch nach dem alten julianischen Kalender ausrichtete.

Warum ist dieser Brief interessant? Auf dem obigen Bild seht Ihr eigentlich nur ca. 2/18 des gesamten Briefes. Früher wurden grosse Briefbogen gefaltet und aussen beschriftet, gesiegelt und verschickt.

Der Briefbogen wurde mehrfach gefaltet und so in 18 Felder unterteilt, die wie folgt verwendet wurden: Feld 10-18: Raum für Brieftext; Feld 1-9: "Verpackungsteil". In Feld 5 wurde die Adresse vermerkt, Feld 4 und 6 wurden ineinander geschoben und versiegelt und bildeten so die Briefrückseite. Auf dem ersten Bild seht Ihr also Feld 5 und 6 des Gesamtbogens. Der Fleck rechts aussen (auf Feld 6) ist normal, er stammt von der Versiegelung. In Feld 4 ist das Papier etwas aufgerissen, das geschah beim Öffnen des Briefes. Der oben gezeigte Bogen ist aber in hervorragender Erhaltung (er ist immerhin 154 Jahre alt!).
Wie wir aus dem Briefkopf ersehen (Teil-scan der Felder 12,15+18) notierte der Briefschreiber Abgangsort, das Datum und den Namen des Empfängers.

.
Schön ist jetzt, dass der Briefeschreiber den gregorianischen Kalender verwendete. Der 9. Februar (greg.) entsprach genau dem Poststempel-Datum "GALATZ / MOLDOVA 28 / 1 (jul.)". Der Brief an Herrn Wechsler kam zwei Tage später in Jassy (auch Moldau) an und erhielt auf der Briefrückseite den (roten) Ankunftsstempel "JASSY MOLDOVA 30 / 1" (jul.).
Ein Wort noch zum Porto: 1860 kostete so ein Brief 40 Parale. Der Absender verzichtete aber auf eine Frankierung, entweder, weil er keine Marke zur Hand hatte (schade, es wäre ein Ochsenkopf (2. Ausgabe, rechteckig, Michel Nr. 6) "fällig" gewesen), vielleicht aber auch weil sich der Briefeschreiber beim Adressaten beschwerte. Ich entziffere aus dem Schreiben: "...schon am 6t hier eintreffen, und ist bis heute nicht da." Möglich also, dass der Absender seine "Mahnung" quasi zur Strafe unfrankiert versandte.
Heinz
@ volkimal [#4]
@ Heinz 7 [#8]
Liebe Leser,
ich möchte meinen gestrigen "halben" Beitrag heute noch vervollständigen. Gestern habe ich Euch einen Brief gezeigt, bei dem der Schreiber den gregorianischen Kalender verwendete, die moldauische Post aber den julianischen.
Nun sind wir neun Jahre später. Herr Rosenthal aus Pitesci (Walachei) sandte einen Brief nach Bukarest, das ebenfalls in der Walachei lag. 1859 hatten sich die zwei Fürstentümer Moldau und Walachei, die beide unter der Oberhoheit des Osmanischen Reiches standen, zu einem gemeinsamen Staat (Vereinigte Fürstentümer) zusammengeschlossen. Ab Januar 1862 nahm das Gebiet den Namen Rumänien an. 1867/68 wurde eine neue Währung eingeführt; Bani ersetzten die alten Parale. Ein einfacher Inlandbrief kostete nicht mehr 40 Parale (wie 1860) bzw. 30 Parale (wie 1862) bzw. 20 Parale (wie 1865), sondern neu 18 Bani. Und die rumänische Post verwendete seit dem 1.1.1865 den Gregorianischen Kalender.
Auch Herr Rosenthal verwendete für seine Mitteilung einen Faltbrief.

Dieser wurde ähnlich verwendet wie der oben gezeigte Brief. Nach 5 Faltvorgängen hatte er das handliche Format von ca. 14 x 9 cm. Feld 5 des Briefbogens bildete die Briefvorder-, Feld 2 und 8 (ineinander gesteckt) die -Rückseite, die gesiegelt und somit verschlossen wurde. (Man vergleiche die Faltung des Briefes von 1860, die anders erfolgte; dort bilden Feld 4+6 die Briefrückseite). Der Brief wurde frankiert mit dem höchsten Wert der 6. Ausgabe von 1868 (der ersten mit Währung Bani, Michel Nr. 20) und der Post übergeben am 22. Februar 1869.

Drei Tage später kam der Brief in Bukarest an, wie der Stempel auf der Briefrückseite klar zeigt.

Brief, Marke und Stempel sind sehr sauber und natürlich gefällt mir dieser Brief sehr. Eine Besonderheit ist mir aber beim Öffnen des Briefes aufgefallen:

Klar ersichtlich hat der Rosenthal seinen Brief mit 10. Februar datiert. Er hat ihn dann aber nicht zwölf Tage später erst auf die Post gebracht, sondern am selben Tage. Herr Rosenthal arbeitete schlicht noch nach dem julianischen Kalender, wie so viele seiner Landsleute. Die Post aber verwendete nun schon eine Weile den Gregorianischen Kalender.
Diese Aussage lässt sich sogar beweisen. Der Empfänger machte sich nämlich fein säuberlich Notizen zu dem Brief (siehe Feld 7 des Briefbogens): Name des Senders - Datum des Versandes - Datum der Ankunft und ein weiteres Datum wurden vermerkt. Der Empfänger vermerkt also, dass die Stempeldaten 22/2 und 25/2 den Daten 10.Feb und 13.Feb (Julianischer Kalender) entsprachen. Er verwendete auch den Julianischen Kalender.

Schön, nicht wahr? Wir haben also einen ähnlichen Fall wie beim Brief 1860, nur genau umgekehrt!
Herzliche Grüsse - Heinz
@ Heinz 7 [#9]
Hallo Heinz,
einfach klasse die Belege, die Du zeigst und vor allem die Beschreibungen - genau so, wie ich sie bei diesem Thema haben möchte. Zusätzlich ist auch noch sehr schön, dass Du Belege aus einem Gebiet zeigst, das ich nicht belegen kann.
Danke fürs Zeigen
Volkmar
Ich hatte mal einen Beitrag bei
Air Mail / Luftpost - Aufkleber, Labels, Eindrucke, Vermerke über das Gengô (Nengô)-System, daß sich nach bestimmten Ereignissen untergliedert und in Ären eingeteilt ist.
http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=63566
Nengō bzw. Gengō bezeichnen in der japanischen Zeitrechnung „Jahresdevise“ oder „Äranamen“. Im weiteren Sinne ist damit das in Japan übliche kalendarische Schema gemeint, das seinen Ursprung in China hat. Mehrere Jahre werden dabei in Gruppen mit dem gleichen Namen, bzw. mit der gleichen „Devise“ zusammengefasst. Obwohl in Japan auch die westliche Zeitrechnung bekannt ist, gilt bei Behörden das nengō-System als verbindlich.
Hier eine Liste:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Neng%C5%8D
Wir leben zur Zeit im Heisei - übersetzt "Frieden geben". Den Namen dieser Ära hat Kaiser Akihito gegeben. Er bestieg am 7. Januar 1989 den japanischen Chrysanthementhron und wurde am 12. November 1990 offiziell zum 125. Tennō (himmlischer Herrscher) von Japan ausgerufen.
so jetzt aber wirklich Schluß für heute schöne Grüße
Marcel
@ Marcel [#11]
Hallo Marcel,
danke für den Hinweis. Da ich es nicht schaffe, alle Beiträge auf Philaseiten zu lesen, ist mir Dein Beitrag wohl entgangen. Über den japanischen Kalender habe ich auch schon in einem Beitrag geschrieben. Ich werde später auf den japanischen Kalender eingehen.
Heute von meiner Seite aus der letzte Beitrag zum
julianischen Kalender. Diesmal ist es ein Brief, der von Rybnik nach Lodz ging. Rybnik liegt in Schlesien und gehört heute zu Polen. Den Namen Rybnik hat die Stadt beim Wechsel des Landes behalten.

Der Brief wurde am 11.11.1898 (greg.) aufgegeben und kam am 31.10.1898 (jul.) in Lodz in Russisch-Polen an. Da der Brief vor 1900 verschickt wurde, muss man im julianischen Kalender 12 Tage nach vorne gehen (siehe [#5]. Der Brief erreichte den Empfänger also am 12.11.1898 (gregorianisch) und war nur einen Tag unterwegs.
Soweit meine Ausführungen zum julianischen Kalender. Aus den anderen Ländern, in denen er galt, habe ich leider keine Belege.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
heute geht es weiter mit der „faschistischen Zeitrechnung“, Italien 1922 bis 1944/45.
Mit Benito Mussolinis Marsch auf Rom am 28. Oktober 1922 hatte sich der Faschismus in Italien politisch durchgesetzt. Erstmals am 19. Oktober 1923 fügte Mussolini einem persönlichen Brief im Datum den Zusatz „Anno I dell’êra fascista“ hinzu. Durch einen internen Erlass vom 25.12.1926 machte er diesen Zusatz für die gesamte staatliche Verwaltung verbindlich. [1]
Wie macht sich die faschistische Zeitrechnung philatelistisch bemerkbar:

Beim ersten Stempel ist die Jahreszahl „1926“ noch vierstellig. Beim Stempel vom 24.7.1929 sind dagegen zwei Jahreszahlen angegeben: Die „29“ für „1929“ und die „VII“ für das siebte Jahr der faschistischen Zeitrechnung. Zum rechten Stempel siehe auch
http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=45655

Vergleicht man diese beiden Stempel aus dem Jahr 1937, so entdeckt man zwei verschiedene Jahreszahlen nach der faschistischen Zeitrechnung, die „XV“ und die „XVI“. Das liegt daran, dass die faschistische Zeitrechnung am 29.10.1922 begann. Für das Jahr 1937 bedeutet es, dass bis zum 28.10.1937 das Jahr „XV“ war, ab dem 29.10.1937 das Jahr „XVI“.
Entsprechend des Erlasses vom 25.12.1926 musste ab 1927 in neuen Stempeln auch das Jahr nach der faschistischen Zeitrechnung angegeben werden. Bisher habe ich bei Poststempeln als frühestes Datum die „VI“ für 1928 gesehen. Kann jemand einen Stempel aus dem Jahr 1927 mit der „V“ zeigen?
[1] Thomas Vogtherr: Zeitrechnung: von den Sumerern bis zur Swatch, C.H.Beck Wissen 2001
Soweit für heute. Ich würde mich freuen, wenn auch Ihr einige Beispiele zeigt.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
es geht weiter mit der
"faschistischen Zeitrechnung" aus Italien.

Dieser Stempel vom 9.5.1938 = XVI zeigt die Jahreszahl nicht nur im Stempelkopf sondern auch rechts oben im Werbeklischee. Das Wort rechts neben dem Liktorenbündel sieht fast wie eine römische Zahl aus, es ist aber das lateinische Wort "Dux" für Führer.
Es gibt auch Werbeklischees, bei denen nur die römische Zahl angegeben ist. Davon besitze ich aber kein Exemplar.
Von Stephan Jürgens bekam ich diesen Scan:

Hier sieht man schön, wie sich die Stempel nach dem Ende des Krieges verändert haben. In den Maschinenstempeln sind wieder vierstellige Jahreszahlen. Da man beim Tagesstempel das Datum nach der faschistischen Zeitrechnung nicht mehr zeigen wollte, hat man das entsprechende Typenrad auf den Block umgestellt.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
Die japanische Zeitrechnung
Nach Wikipedia existierten in Japan vier verschiedene Jahreszählweisen:
• das aus China stammende Gengō-System, das auf den Amtszeiten der Tennos (japanischen Kaiser) basiert,
• die westliche Zählweise, die mit der Geburt Jesu beginnt (Anno Domini),
• die davon abgeleitete Kōki, die die japanische Reichsgründung 660 v. Chr. als Epoche nimmt und
• das ebenfalls aus China stammende System der Tierkreiszeichen und Himmelsstämme, das sich periodisch alle sechzig Jahre wiederholt.
Aus der Philatelie kenne ich drei dieser Zeitrechnungen. Bei den japanischen Stempeln wird das Datum entweder nach dem Gengō-System oder nach der westlichen Zählweise angegeben. Näheres dazu im nächsten Beitrag. Zum Kōki-System habe ich bisher nichts Philatelistisches gefunden.
Das „System der Tierkreiszeichen“ findet man bei den Briefmarken. Zum Ende jeden Jahres gibt es in Japan entsprechende Ausgaben. Da es vom Zeitpunkt her gerade so gut passt, möchte ich mit dieser japanischen Zeitrechnung beginnen:
Das System der Tierkreiszeichen
Das System der Tierkreiszeichen basiert auf zehn Himmelsstämmen und zwölf Erdzweigen. Näheres dazu bei Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Chinesischer_Kalender#Der_60er-Zyklus Jedem Erdzweig ist ein Tier zugeordnet. Diese Tierzeichen werden für die Bezeichnung der Jahre in einem Zwölf-Jahre-Zyklus verwendet. Folgende Tierkreiszeichen gibt es: Ratte, Büffel, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Schaf, Affe, Hahn, Hund, Schwein.
Wenn ich beim Blättern im Katalog nichts übersehen habe gab es in Japan von Ende 1935 bis Ende 1937 und seit Ende 1948 jeweils zum neuen Jahr eine Briefmarkenausgabe. Seit 1950 gehört auch jeweils ein Block dazu. Später gab es zusätzlich passende Neujahrs-Ganzsachen (Postkarten). Am Anfang zeigten die Marken verschiedene Motive, später waren es fast immer die entsprechenden Tiere. Hier einige Beispiele, die ich bei mir im Album fand:

1938: Jahr des Tigers, Motiv: Shimekazari = Heiliges Stroh der Neujahrsdekoration (glücksbringendes Symbol)
1952: Jahr des Drachen, Motiv: Maske und Fächer aus einem No-Stück
1957: Jahr des Hahnes, Motiv: Wal Attrappe (Glückssymbol) auf einem Festwagen
1958: Jahr des Hundes, Motiv: Spielzeughund „Inuhariko“
1959: Jahr des Schweines, Motiv: „Tai-Ebisu“ = Schutzgott Ebisu mit dem Glückssack

1960: Jahr der Ratte, Motiv: Spielmaus
1961: Jahr des Stieres, Motiv: Puppentiere (Rinder)
1962: Jahr des Tigers, Motiv: Spielzeug-Tiger
1968: Jahr des Affen, Motiv: Noborizaru = kletternder Spielzeugaffe aus Papiermaché.
Eine entsprechende Blockausgabe besitze ich leider nicht. Vielleicht kann jemand von Euch einen Block der Neujahrsmarken oder eine Neujahrs-Ganzsache zeigen.
Viele Grüße
Volkmar
Die japanische Zeitrechnung nach dem Gengō-System:
Hallo zusammen,
passend zum heutigen Tag möchte ich die japanische Zeitrechnung nach dem Gengō-System mit Hilfe meiner Lieblings-Schnapszahl-Stempel vom 1. Januar erklären.

Bei japanischen Stempeln nach dem Gengō-System wird das Datum von rechts nach links gelesen. Ihr seht links den Sonderstempel zum 1.1.11 (= 1999) aus Akabira auf der Insel Hokkaido. Und was ist abgebildet – der Sonderstempel aus Akabira vom 1.1.11 (= 1936). Rechts ein weiteres Exemplar des Stempels von 1936 aus Fukuyama. Den Beleg mit dem rechten Stempel und die entsprechenden Erklärungen findet ihr auf
http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=42324.
Wie ist es möglich, dass beide Stempel dasselbe Datum zeigen, aber aus unterschiedlichen Jahren komme? Es liegt daran, dass die Jahreszählung beim Gengō-System mit dem Amtsantritt eines neuen Kaisers (Tennos) jeweils neu beginnt. Die Tage und Monate stimmen seit der Angleichung an den westlichen Kalender im Jahre 1873 mit unserem Kalender überein.
Der linke Stempel kommt aus dem 11-ten Jahr der Heisei-Zeit, das ist die Regierungszeit des Tennōs Akihito. Der rechte Stempel kommt dagegen aus dem 11-ten Jahr der Shōwa-Zeit, das ist die Regierungszeit des Tennōs Hirohito.
Seit der Einführung der Briefmarken in Japan (1871) gab es vier Tennōs und damit auch vier Zeitabschnitte bzw. Ären.

Zum Beispiel starb Tenno Yoshihito am 25. Dezember 1926 im 15-ten Jahr seiner Regentschaft, der sogenannten Taishō-Zeit. Am selben Tag begann die Shōwa-Zeit mit dem Amtsantritt des Tennos Hirohito. Der 25. Dezember 1926 ist also:
Westliche Zeit: 25.12.1926
Taishō-Zeit: 15.12.25
Shōwa-Zeit: 1.12.25
Das Jahr 1 der Shōwa-Zeit (1926) dauerte also nur eine Woche.
Die Japanische Zeit lässt sich wie rechts in der Tabelle umrechnen bzw. man schaut einfach auf die Seite:
http://www.meijigakuin.ac.jp/~watson/ref/mtsh.html .

Auf den meisten japanischen Briefmarken steht keine Jahreszahl. Eine Ausnahme bilden die Neujahrsmarken. 1999 war das Jahr des Hasen. Unten rechts auf der Marke steht dementsprechend die Jahreszahl nach dem Gengō-System und nach unserer Zeitrechnung:
平成11年 = Heisei 11 Jahr = 11-tes Jahr der Heisei-Zeit = 1999
Der Beiden Stempel kommen aus 札幌 中央 = Sapporo Zentral.
Der obere Text im Sonderstempel ist derselbe wie beim Sonderstempel aus Akabira (erstes Bild).
Es steht dort: „平成1並びの日“. Was es genau bedeutet, konnte ich bisher nicht feststellen. Je nachdem, in welcher Kombination ich die Zeichen in den Google-Übersetzer eingebe, erhalte ich verschiedene Übersetzungen. Die beiden ersten Zeichen bedeuten auf jeden Fall wieder Heisei.
Die „1“ bezieht sich nur auf die Ziffer „1“, denn 1999 ist ja das 11-te Jahr der Heisei-Zeit..
Dieselbe Inschrift steht übrigens auf Stempeln mit den Daten „11.1.1“, „11.11.1“ und „11.11.11“. Eine Auflistung der verschiedenen Stempel mit diesem Text findet ihr auf
http://www.geocities.jp/hokkaidokitte/kogata199911.html . Die Stempel vom 12.12.12 sind auf
http://www.geocities.jp/hokkaidokitte/kogata200012.html zu sehen.
Soweit für heute. Weitere Informationen zum Datum in den japanischen Stempeln werde ich beim nächsten Mal einstellen.
Viele Grüße und alles Gute für 2015
Volkmar
@ volkimal [#15]
Zum Kōki-System habe ich bisher nichts Philatelistisches gefunden.
Dann gebe ich dir ein bekanntes Exempel dazu. Die Annahme, dass die Mythologie der Reichsgründung bis in vorchristliche Zeiten hineinreiche, für bare Münze zu nehmen, ist wissenschaftlich ähnlich aussagekräftig wie die Erschaffung der Welt in 7 Tagen. Die Wissenschaft geht davon aus, dass das japanische Reich sich im 3. oder 4. nachchristlichen Jahrhundert zu etablieren begann. Die Mythologie, die Japan eine ähnlich glanzvolle Vergangenheit wie China verleihen sollte und in der die Lebenszeit der alten Kaiser auf mehrere hundert Jahre gedehnt wurde, wortwörtlich zu nehmen, das kommt nur in extrem nationalistischen Epochen in Frage.
Sehen wir uns also die Jahre an, als Japan in Ostasien zu expandieren versuchte. Dort finden wir auf den Nationalpark-Blocks ab 1938 (Michel Bl.2 bis 8) die seltsamen Jahreszahlen 2598 bis 2601, ab 1939 in Klammern durch die westlichen Jahreszahlen ergänzt. Außerdem wurde eine Sonderserie zur Feier des 2600. Jahrestages der Reichsgründung verausgabt (Mi-Nr. 288-291), und Richard Strauss gab sich dazu her, zu der nationalistischen Feier eine Festmusik zu komponieren. Diese Dinge stehen im Zusammenhang mit dem Kōki-System und verschwanden selbstverständlich ab 1946 wieder im Giftschrank des nationalistischen Kellers, wo sie herkamen.
@ ragiko [#17]
Hallo ragiko,
das finde ich ja toll, dass alle vier japanischen Kalender in der Philatelie vorkommen. In meiner Sammlung "Familiengeschichte und Philatelie" sind zwar einige Belege aus Japan - so etwas wie Dein Block ist aber natürlich nicht dabei. Danke fürs zeigen!
Kannst Du meine Frage aus dem letzten Beitrag eigentlich auch beantworten: Was bedeutet „平成1並びの日“?
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen!
Die japanische und die europäische Zeitrechnung:
Bei Briefen innerhalb Japans wird normalerweise die Zeitrechnung nach dem Gengō-System verwendet. Briefe ins Ausland erhalten dagegen Stempel nach der westlichen Zeitrechnung (beginnend mit der Geburt Jesu). Gelegentlich findet man beide Stempel auf einem Beleg.
Typische Beispiele sind Briefe mit Ersttags- oder Sonderstempeln ins Ausland. Hier zwei Beispiele:

Der Brief zum 50-jährigen Jubiläum der Luftfahrt trägt den Tagesstempel aus Tokio mit dem Datum 20.09.60 und den roten Ersttagsstempel mit dem Datum 20.09.35. Das japanische Datum ist wie üblich von rechts nach links geschrieben. Das Jahr „35“ ist das 35-te Jahr der Showa-Zeit und entspricht nach unserer Zeitrechnung dem Jahr 1960.
Auf der Marke und dem Stempel ist der Doppeldecker von Henri Farman abgebildet - das erste Flugzeug, das in Japan geflogen ist. Hier noch ein weiteres Beispiel:

Der Briefmarken zum „Tag des Briefeschreibens“ wurden am 27.07.1993 ausgegeben (Tagesstempel). Der Ersttagsstempel trägt wieder das Datum nach dem Gengō-System. In diesem Fall entspricht die 1993 dem 5-ten Jahr der Heisei-Zeit.
Soweit die ersten zwei Beispiele. Im nächsten Beitrag geht es weiter.
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#18]
Kannst Du meine Frage aus dem letzten Beitrag eigentlich auch beantworten: Was bedeutet „平成1並びの日“?
Ja, es bedeutet ganz einfach: Einserkombinationstag in der Heisei-Zeit. Solche Einser-Kombinationen im Poststempel gibt es ja bei jedem Kaiserwechsel wieder, man kann sie auch von Taisho und Showa sammeln und finden, und im Jahr 2011 gab es auch einen 1.1.11, 11.1.11, 1.11.11 und 11.11.11 in den Lateinschriftstempeln. Schnapszahlstempel sind in Japan recht beliebt, auch 1.2.3. und andere Kombinationen. Die Dauermarke zu 700 yen (Mi.-Nr. 2314) soll eigens für solche Zahlenfreaks verausgabt worden sein, wobei die Post darauf spekulierte, dass der 7.7.7 Stempel möglichst auch die dann am Schalter erhältlichen Werte zu 7, 70 und 700 yen entwerten möge, ein tolles Geschäft für die Post.
Herzliche Grüße !
Hallo ragiko,
herzlichen Dank. Ich habe die Stempel sofort in die Datenbank eingestellt. Jetzt müssen sie noch freigegeben werden.
Heute möchte ich den ersten von zwei Briefen vorstellen, bei denen sowohl die europäische Jahreszahl als auch die Jahreszahl nach dem Gengō-System vorkommt. Es handelt sich um zwei Briefe aus Berlin nach Japan.

Der Brief von der Firma Otto & Carl Philipp ging am 1.9.1910 nach Yokohama. Der Name des Empfängers „Lionel Philipp“ war eingedruckt. Zusätzlich stand bei der Anschrift das gedruckte Wort „Hotel“. Der Ortsname und der Name des Hotel mussten handschriftlich ergänzt werden. Entsprechen des Ankunftsstempels auf der Rückseite kam der Brief am 18.9.1910 in Yokohama an. Der Ankunftsstempel ist in lateinischer Schrift mit europäischem Datum.
Da der Brief unzustellbar ist, wird entsprechend der drei Aufkleber dreimal versucht ihn auszuliefern. Alle drei Zettel tragen einen Stempel vom 19.9.43 mit der Jahreszahl „43“ nach dem Gengō-System mit unterschiedlicher Uhrzeit. Das 43-te Jahr der Meiji-Zeit entspricht dem Jahr 1910.

Der erste Stempel zeigt die Zeit „前 11-12“, beim obersten (letzte) Stempel ist die Zeit „后 4-5“ eingestellt. „前“ ist das Zeichen für „vor“, „后“ das Zeichen für „nach“. Dieses entspricht dem „V“ für „vormittags“ bzw. „N“ für Nachmittags in deutschen Stempeln.
Der Brief trägt links den Bleistift-Vermerk „not here“, einen roten Stempel vom Imperial Hotel, den violetten Stempel „inconnu“ = unbekannt (franz.). Am 10. Oktober 1910 kommt noch der elliptische Stempel „advertised“ = jemanden suchen (engl.) dazu.

Vermutlich konnte der Brief schließlich doch zugestellt werden, denn er trägt keinen „Zurück“-Vermerk.
Über die Firma Otto & Carl Philipp habe ich im Internet nichts gefunden. Es gab allerdings eine jüdische Firma mit dem gleichen Namen. Allerdings wurde sie erst 1923 eingetragen und 1938 liquidiert. Ob dieser Brief von einer Vorläufer-Firma stammt weiß ich nicht, denn die Adressen stimmen nicht überein.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
normalerweise ist es in Japan so, dass Briefe innerhalb Japans das japanische Datum erhalten, Briefe ins Ausland dagegen das international übliche Datum nach der christlichen Zeitrechnung. Es gibt aber natürlich Ausnahmen wie z.B. diese:

Leider wurde bei dieser Luftpostganzsache an Großvater eine Briefmarke abgelöst. Der Absender war Hermann Hecker, der Vetter meines Großvaters. Er arbeitete als Dozent für Deutsch, Griechisch und Latein an der Universität in Sapporo.

Der Stempel kommt aus 札幌 北海道 = Sapporo Hokkaido. Wie man beim Vergleich der Daten auf der Rückseite des Briefes sieht, zeigt der Stempel das japanische Datum 5.1.25 (von rechts zu lesen). Das 25-te Jahr der Showa-Zeit entspricht dem Jahr 1950.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo Volkmar,
durch Zufall habe ich zu Deinem Italien den passenden Stempel aus Florenz in meinen Unterlagen gefunden - hier eine Kopie, dann ist der Unterschied der "faschistischen" Zeitrechnung noch besser zu sehen, dieser trägt die Jahreszahl XV. Ich habe ihn auch auf philastempel unter Stempelnummer 092090 zur Freischaltung eingegeben.

Gruss Olaf
@ DERMZ [#23]
Hallo Olaf,
schön, dass sich mal wieder jemand anders an diesem Thema beteiligt. Da der Stempel vor dem 29.10.1937 abgeschlagen wurde, trägt er die römische Jahreszahl "XV" (Siehe Beitrag [#13]).
Danke für die Ergänzung.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
als letztes komme ich zu der Frage, wie man mit Hilfe des Stempels eine japanische Briefmarke im Katalog schneller finden kann. Es ist nicht so einfach wie in anderen Ländern. Wie schon beschrieben gibt es zwei Möglichkeiten und das Datum ist wie folgt angegeben:
Japanischer Kalender: Jahr – Monat – Tag
Europäischer Kalender: Tag – Monat – Jahr
Da der Monat maximal 31 Tage hat, kann eine Zahl größer als 31 nur eine Jahreszahl sein. Steht die Zahl rechts, so muss er sich um den europäischen Kalender handeln. Steht die Zahl links, so ist es der japanische Kalender:
Europäischer Kalender:

Diese beiden Marken aus dem Satz „Darstellung aus Industrie und Wirtschaft“ sind 1948 bzw. 1949 erschienen.
Japanischer Kalender:

Zur Bestimmung des Jahres muss ich wieder auf die folgende Seite verweisen:
http://www.meijigakuin.ac.jp/~watson/ref/mtsh.html . Eine japanische Jahreszahl größer als 31 kommt in der Meiji-Zeit und in der Showa-Zeit vor. Folgende Jahre kommen in Frage:
Die japanische Jahreszahl „35“ entspricht 1902 oder 1960. Bei der „36“ muss man jeweils „1“ addieren.
Die japanische Jahreszahl „44“ entspricht 1911 oder 1969.
Die beiden ersten Marken sind offensichtlich neuer und müssen also aus spätestens 1960 bzw. 1961 erschienen sein. Man findet den Serau (ziegenartiges Säugetier) im Katalog als Nr. 588 (erschienen 1952). Die Mandarinente hat die Michel Nr. 643 und ist 1955 erschienen. Die letzte Marke ist alt und kann spätestens 1911 erschienen sein. Im Katalog findet man sie als Nr. 84 aus dem Jahr 1899. Wie man sieht, muss man aufgrund der langen Gültigkeit der Marken im Katalog mehrere Jahre zurückblättern.
Unklarer Kalender:

Bei diesen drei Marken ist nicht sofort zu erkennen, welcher Kalender zugrunde liegt. Die beiden ersten Marken werden wohl kaum aus dem Jahre 1904 sein. Es muss also das Jahr „26“ nach dem japanischen Kalender sein. Die „26“ entspricht 1893, 1951 oder 2014. Es ist Nr. 418 aus dem Jahr 1914. Die japanische Jahreszahl „9“ entspricht 1876, 1920, 1934 oder 1997. Es ist Nr. 176 aus dem Jahr 1930. Auch die dritte Marke entspricht dem japanischen Kalender. Es ist Nr. 414 aus dem Jahr 1949.

Wie ich im Michel-Katalog entdecket habe, trägt diese Marke keinen Poststempel. Um was für einen Stempel es sich handelt, ist aber nicht angegeben. Ich zeige ihn trotzdem, da das Datum gut zu erkennen ist und in einer ungewöhnlichen Reihenfolge steht. Der Stempel stammt vom 16.8.1897, dem dreißigsten Jahr der Meiji-Zeit.
Mit diesem Beitrag möchte ich das Kapitel der japanischen Zeitrechnung abschließen. Wenn einer von Euch noch etwas ergänzt würde ich mich aber freuen. Beim nächsten Mal mache ich weiter mit dem chinesischen Kalender. Als Übergang zeige ich als letztes den besten japanischen Stempel in meiner Sammlung.

Der japanische Stempel kommt aus China aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Das liegt daran, dass das Gebiet von Kiautschou nach der Kapitulation der deutschen Garnison im November 1914 unter die Verwaltung des Japanischen Kaiserreichs kam.
Es ist ein japanischer Bahnpoststempel von der Strecke Tsingtau – Tsinan (Qingdao – Jinan). Diese Strecke wurde zwischen 1899 und 1904 von den Deutschen gebaut und anschließend auch von den Deutschen betriebenen. Mit der Besetzung Kiautschous übernahmen die Japaner auch die Bahnpost. Es ist wieder ein japanisches Datum. Der Stempel kommt aus dem 5-ten Jahr der Taisho-Zeit und wurde am 28.10.1916 abgeschlagen.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
nach einiger Zeit Pause möchte ich die Reihe über die Kalender fortsetzen. In den nächsten Beiträgen geht es um:
Die chinesische Zeitrechnung.
Die chinesische und die japanische Zeitrechnung haben viele Gemeinsamkeiten. Das liegt daran, dass die Zeitrechnung in beiden Ländern zum Teil denselben Ursprung hat. So gibt es auch in China heute noch
das System der Tierkreiszeichen und Himmelsstämme, das sich periodisch alle sechzig Jahre wiederholt (siehe [#15] ).

Da mein Vater einige Jahre über die Welthilfssprache Esperanto einen chinesischen Tauschpartner hatte, sind auch ein paar Belege zu diesem Thema in meiner Sammlung.
1992 war das Jahr des Affen. Aus diesem Anlass gab es diesen Umschlag und die beiden Briefmarken oben rechts. Auf der rechten Marke ist das chinesische Schriftzeichen „Affe“.

Einen entsprechenden Umschlag für das Jahr des Schweines gab es 1995. Auch hier sind wieder oben rechts die beiden Briefmarken, ebenfalls mit dem entsprechenden Schriftzeichen „Schwein“. Auf der Rückseite des Umschlags sind Erklärungen zum Jahr des Schweines in Chinesisch und in Englisch.

Neben Briefmarken gibt es auch entsprechende Ganzsachen. Hier zum Beispiel eine Postkarte mit eingedruckter Briefmarke zum Jahr des Tigers 1986.
Soweit für heute. Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Volkmar
Hallo zusammen,
eigentlich wollte ich
das System der Tierkreiszeichen und Himmelsstämme in China mit dem letzten Beitrag abschließen. Inzwischen habe ich aber noch einen Brief und ein paar "Blöcke" gefunden, bei denen ich nicht weiß, worum es sich handelt. Zunächst der Brief an meinen Vater:

Was dieser Umschlag zum Weltpostverein (englisch UPU = Union postale universelle) mit den chinesischen Tierkreiszeichen zu tun hat weiß ich nicht. Es sind aber links bzw. unten die Marken zu allen 12 Tierkreiszeichen von 1980 (Jahr des Affen) bis 1991 (Jahr des Schafes) abgebildet. 1992 beginnt die Abfolge wieder mit dem Jahr es Affen, und genau diese 20 Fen Briefmarke wurde aufgeklebt. Daneben ist noch die 2 Yuan Marke mit der typischen Hausform aus der chinesischen Provinz Jianxi. Wie hoch das Porto sein musste weiß ich nicht.

Zwischen die Briefmarken, die der chinesische Tauschpartner meinem Vater geschickt hat, fand ich unter anderem diese drei "Blöcke" zum Jahr der Ratte (1984) bzw. zum Jahr des Ochsen (1985). Weiß einer von Euch, was des mit diesen "Blöcken" auf sich hat? Es sind zumindest keine regulären Briefmarken.
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#1]
Hallo Volkmar,
es gefällt mir sehr, dass bei Deinem Beitrag [#1] jetzt ein "Inhaltsverzeichnis" kommt. Hast Du das selber so veranlasst oder ging das in Absprache mit Richard?
Gute, interessante Beiträge! Kompliment!
Heinz
@ Heinz 7 [#28]
Hallo Heinz,
schön, dass Dir dieses Thema gefällt! Ich selbst kann frühere Beiträge nicht verändern. Das ist mit Richard so abgesprochen.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
endlich kann ich mit diesem Thema weitermachen. Ich hatte noch auf ein paar Belege gewartet. Heute:
Der traditionelle chinesische Kalender
Der chinesische Kalender, heute als „Bauernkalender“ bezeichnet, war der offizielle Kalender des Kaiserreichs China. Er ist eine Kombination aus einem Lunisolarkalender und einem Sonnenkalender. Das Prinzip ist relativ kompliziert. Näheres dazu bei Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Chinesischer_Kalender
Der traditionelle chinesische Kalender galt bis zum 31.12.1911. Mit der Gründung der Republik China wurde er durch den gregorianischen Kalender abgelöst, wobei aber innerhalb Chinas eine andere Jahreszahl galt. Dazu mehr in den nächsten Beiträgen. Leider besitze ich keinen Beleg aus der Zeit des traditionellen chinesischen Kalenders. Vielleicht kann einer von Euch solch einen Beleg zeigen.
Der chinesische Kalender wird heute noch im gesamten chinesischsprachigen Raum für die Berechnung traditioneller chinesischer Feiertage, verwendet. Darüber hinaus dient er Anhängern der chinesischen Astrologie als Berechnungsgrundlage für die Festlegung „günstiger“ Tage, um Feste und Feiern zu begehen, bzw. der Vermeidung besonderer Aktivitäten an „ungünstigen Tagen“.

Zu diesen traditionellen chinesischen Festen gibt es verschiedene Briefmarkenausgaben. Zum Beispiel diesen Satz aus Taiwan aus dem Jahr 2012. Die vier Marken zeigen Motive zu vier verschiedenen traditionellen Festen. Ich gebe dazu jeweils das Datum des Festes in diesem Jahr an:
Chinesischen Neujahrsfest (19.02.2015), Laternenfest (05.03.2015), Drachenbootfest (20.06.2015) und Mondfest (27.09.2015). Die Daten der Feste in den Jahren seit 2011 sind bei Wikipedia nachzulesen.
Zum Laternenfest gibt es in der Volksrepublik China diese Ausgabe aus dem Jahr 1985:

Es gibt noch weitere Ausgaben, die ich aber leider nicht zeigen kann. Soweit für heute.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo Volkmar,
ich bewundere es, dass du dir so viel Mühe mit dieser interessanten, aber komplizierten Materie machst. Ich kann dazu nur wenig beitragen, möchte aber darauf hinweisen, dass in den asiatischen Ländern der Jahresbeginn zugleich den Frühlingsanfang markiert. Ich habe einmal im Februar Hongkong besucht und fand in allen Hotels und Restaurants kleine Tischlein, die mit eingetroffenen Neujahrskarten, meist sehr prachtvoll in Rot und Gold, überhäuft waren, so ähnlich wie bei uns die Weihnachtskarten. Viele Schriftzeichen und Symbole waren nicht nur glückverheißend, sondern enthielten auch auffällig oft Wendungen, die "Frühlingsbeginn", "glücklicher Frühling", "den Frühling willkommen heißen" usw. bedeuten.
Es ist für diese Völker schon schwierig, jahrtausendelange Traditionen auf den Müll zu werfen und einen fremden Kalender zu akzeptieren. Mir scheint, dass die Leute ihr Leben weiterhin am traditionellen Kalender ausrichten, ihre Geschäfte und bürokratische Angelegenheiten aber nach dem westlichen Kalender vollziehen, ein Pragmatismus, der bei uns nahezu undenkbar wäre.
Danke für die Mühe und weiter so, ich freue mich auf weitere Beiträge.
Ragiko
@ ragiko [#31]
Hallo Ragiko,
eine interessante Ergänzung - vielen Dank!
Die Beschäftigung mit den verschiedenen Kalendern macht mir aber keine Mühe sondern sie macht Spaß. Das Interesse für dieses Thema entstammt meiner Sammlung "Familiengeschichte und Philatelie". Die Schwester und der Bruder von Großvater haben sehr lange in China gelebt. In dem Kapitel "Die Kontakte zu China" meiner Sammlung kommen der chinesische Kalender, der japanische Kalender und die faschistische Zeitrechnung Italiens vor.
Viele Grüße
Volkmar
Der Minguo-Kalender
Der traditionelle chinesische Kalender galt bis zum Ende des Jahres 1911. Am 1. Januar 1912, dem Datum der Gründung der Republik China, wurde er durch den gregorianischen Kalender abgelöst. Die Wirren in den Jahren nach der Republikgründung, der chinesische Bürgerkrieg und die teilweise Besetzung Chinas durch Japan verhinderten zunächst, dass sich das neue Kalendersystem im ganzen Land durchsetzte.
Während der Tag und der Monat an den westlichen Kalender angepasst war, gab es auch in China eine eigene Jahreszählung. Das Jahr der Gründung der Republik China (1912) wurde zum Jahr 1 ernannt. Dieses ist der sogenannte Minguo-Kalender. Will man ein Datum aus dem Minguo-Kalender in unseren Kalender umrechnen, so muss man zur Jahreszahl jeweils 1911 Jahre addieren.
Anhand dieses Briefes kann man die unterschiedlichen Daten gut erkennen:

Der Brief wurde auf dem Postamt „Canton S.O. No. 4“ aufgegeben. Die chinesischen Ortsangabe 廣州 ist auf dem Stempel von rechts nach links zu lesen. Zwischen den beiden Zeichen steht die chinesische 4 = 四 für das Postamt Nr. 4.

Das Aufgabedatum (8.9.27, 14 Uhr) ist nach dem Minguo-Kalender. Zur Jahreszahl 27 muss man einfach 1911 addieren. Damit stammt der Brief aus dem Jahr 1938. Eine Stunde später (um 15 Uhr) war der Brief beim Hauptpostamt in Canton. Da der Brief ins Ausland ging, zeigt der Stempel diesmal unser Datum und damit die Jahreszahl 38.

Einen Tag, am 9.9.1938, später verließ der Brief um 17.00 Uhr Canton in Richtung Hongkong. Dort war er erst 3 Tage später am 12.9.18 um 18 Uhr (6 PM). An der langen Zeit ist zu erkennen, dass der Brief bis Hongkong auf dem Landweg befördert wurde. Honkong ist keine 200 km von Canton entfernt. Von Hongkong aus ging es dann weiter per Luftpost. Irgendwo unterwegs wurden die beiden letzten Stempel abgeschlagen.
Weitere Informationen zum Minguo-Kalender folgen in den nächsten Beiträgen.
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#33]
Sehr informativ. Danke, Volkmar, fürs Zeigen
Heinz
Hallo zusammen,
auch anhand dieser Postkarte lassen sich die Unterschiede des gregorianischen Kalenders und Minguo-Kalender gut zeigen. Zusätzlich wird ein weiteres Problem deutlich. In chinesischen Stempeln ist das Datum nicht immer in lateinischen Zahlen angegeben sondern es wurden zum Teil auch chinesische Zahlzeichen verwendet.

Die Karte hat Onkel Hans (der Bruder von Großvater) an einen deutschen Bekannten bei der Berliner Mission in Canton geschickt. Onkel Hans selbst hatte von 1929 bis 1931 an der Missionsschule und an der chinesischen Universität in Canton gearbeitet. Später lebte er in Tsingtau und unterrichtete auch dort an der Missionsschule. 1936 kehrte Onkel Hans nach Deutschland zurück.
Onkel Hans hat die Karte in Berlin aufgegeben. Sie wurde mit der transsibirischen Eisenbahn befördert und kam vier Wochen später in Canton an. Die Karte konnte nicht zugestellt werden. Wie üblich bekam sie bei den weiteren Zustellversuchen einen oder mehrere Aufkleber mit den neuen Adressen. Diese Aufkleber wurden vor dem Zurücksenden leider abgerissen. Neben dem chinesischen Stempel mit lateinischen Zahlen trägt die Karte zwei Stempel mit chinesischen Zahlen. Schließlich ging die Karte als unzustellbar nach Deutschland zurück.

Der Berliner Stempel trägt das Datum nach unserer Zeitrechnung – er ist vom 9.5.1938.
Beim Ankunftsstempel aus Canton vom 4.6. ist die Jahreszahl 27 dagegen nach dem Minguo-Kalender. Der Stempel kommt natürlich aus dem Jahr 27 + 1911 = 1938.

Um die beiden anderen Stempel zu entziffern, muss man die chinesischen Zahlen und die Zeichen für Tag, Monat und Jahr kennen. Wie man der Tabelle entnehmen kann, gibt es für die Zahlen 20 bzw. 30 jeweils ein Zeichen, sie können aber auch mit zwei Zeichen geschrieben werden. Die Zahl 20 zum Beispiel als „2 x 10“.

Da die chinesischen Zeichen zum Teil nicht so gut zu erkennen sind, zunächst noch einmal die Datumszeile in chinesischer Schrift und anschließend die Übersetzung. Der Stempel stammt also vom 5.6.1938. Die Jahreszahl ist natürlich wieder nach dem Minguo-Kalender. Die „20“ links vom Strich entspricht der Uhrzeit. Wie ihr seht kommen in diesem Stempel beide Darstellungsmöglichkeiten der 20 vor.

Dieser Stempel in roter Farbe und ohne Uhrzeit wurde zwei Wochen später, wahrscheinlich vor dem Zurücksenden der Karte, abgeschlagen. Er stammt vom 20.6.1938. Wie man anhand dieser beiden Stempel erkennen kann, sind die Zeichen für Tag, Monat und Jahr nicht immer im Stempel enthalten.
Soviel für heute. Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
heute habe ich einmal ein Aufgabe für Euch. Ich habe aber eine Bitte:
Stellt die Lösungen auf die Fragen bitte nicht gleich ins Forum sondern wartet z.B. bis Mitte der Woche.
Mir würde die Aufgabe keinen Spaß machen, wenn die Lösung schon darunter angegeben ist.
Bei allen Stempeln geht es darum, die Stempeldaten abzulesen und die Jahreszahlen in unserer Jahreszählung anzugeben.

Beleg 1:
1) Wann wurde der Brief in Tsingtao aufgegeben?
2) Wann war er in Tientsin?
Kann mir eigentlich einer erklären, was das Zeichen "丁" oben im Stempel bedeutet?

Beleg 2:
Chinesischer Bahnpoststempel der Strecke Tsingtau-Tsinan. Diese Strecke wurde von Deutschland gebaut, als Tsingtau noch deutsches Pachtgebiet war.
3) Wann wurde der Brief im Zug aufgegeben?
Viele Grüße
Volkmar
Vatikan Mi.Block 4 und 811-813 zu "400 Jahre Gregorianischer Kalender."
Gruß
Manfred
@ volkimal [#36]
Hallo zusammen,
leider hat keiner auf meine Frage geantwortet. Vielleicht war die Aufgabe für die, die sich etwas damit auskennen, zu leicht. Daher gebe ich die Antwort selbst.
Beleg 1:
Tsingtao: Stempeldatum 27.6.25, 20 Uhr => 27.6.1936 nach unserer Zeitrechnung.
Auch hier wurden wieder die beiden verschiedenen Schreibweisen für die "20" benutzt.
Tientsin: Stempeldatum 28.6.25, 21 Uhr.
Beleg 2:
Der Brief wurde am 11.1.29 im Zug aufgegeben => 11.1.1940 nach unserer Zeitrechnung.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
hier ein weitere chinesische Karte an Hellmut Matzat.

Es ist die letzte Karte mit einem Stempeldatum nach dem Minguo-Kalender in meiner Familiensammlung.

Das Stempeldatum ist:
9 3 7 30
Tag Monat 7
Das Jahr 37 nach dem Minguo-Kalender entspricht dem Jahr 37 + 1911 = 1948. Mit der Gründung der Volksrepublik China im Jahre 1949 wurde der Minguo-Kalender dort abgeschafft.
Weitere Informationen zur Karte siehe: http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=98605 und http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=98622
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#25]
Wie ich im Michel-Katalog entdeckt habe, trägt diese Marke keinen Poststempel. Um was für einen Stempel es sich handelt, ist aber nicht angegeben. Ich zeige ihn trotzdem, da das Datum gut zu erkennen ist und in einer ungewöhnlichen Reihenfolge steht. Der Stempel stammt vom 16.8.1897, dem dreißigsten Jahr der Meiji-Zeit.
Es ist ein Postgirostempel. Die gibt es nur in senkrechter Schreibweise. Sie wurden 1885-1903 benutzt, zunächst nur auf Formularen, ab 1890 auch zur Entwertung der Briefmarken auf Postanweisungen bzw. ab 1900 auch auf Postsparkarten (nicht: Postsparbücher).
Selbstverständlich ist es ein Poststempel, aber ein "unpostalischer", d.h. nicht für Brief/Paketdienst, sondern für Geld-/Telegraphie-/Innendienste wie Gebühr bezahlt. Die Originalformulare blieben im Postamt und wurden nicht vom Absender zum Empfänger befördert.
Die meisten hohen Nennwerte (ab ca. 15 S. bis 1937, ab 40 S. 1937/45) wurden nicht für Briefpost, sondern für Telegramme usw. verwendet. Entsprechend sind reguläre Poststempel auf diesen höheren Nennwerten seltener. Die postfrisch-Metaxa (******) Sammler in Japan haben daraus einen regelrechten Kult gemacht: meinen Vollstempel auf höheren Nennwerten nur mit Uhrzeit bitterscheen.
Informationen über jap. Poststempel in deutscher Sprache bietet:
Amano, Yasuharu. Japans Poststempel. Leitfaden. Übers. Paul Schröder u. Frau.
Hrsg. Arge Japan 1971. 275 S., in 2 Bänden. Zweisprachig mit allen Abb. des Originals von 1968.
Wird immer mal wieder aus Nachlässen angeboten. Dann kann man sich das Raten sparen.
@ ligneN [#40]
Hallo ligneN,
herzlichen Dank für die Erklärungen und den Literaturhinweis. Der Leitfaden ist bestimmt interessant.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
mit der Gründung der Volksrepublik China im Jahre 1949 wurde der Minguo-Kalender abgeschafft und der gregorianische Kalender eingeführt. Dieses lässt sich nur mit Belegen zeigen, die innerhalb der Volksrepublik China gelaufen sind. Auf Auslandsbriefen wurde auch vorher schon zum Teil bei den Stempeln der gregorianische Kalender verwendet (siehe z.B. Beitrag [#33]). Dieses ist mein ältester Beleg, der innerhalb der Volksrepublik China verschickt wurde.

Der Brief stammt aus dem Jahr 1970 und damit aus der Zeit der Kulturrevolution (1966 – 1970). Leider ist das Datum in den Stempeln schlecht zu erkennen:

Beim Ankunftsstempel (rechts) ist als Datum angegeben: „1970 8 25 15“. Das Datum ist von rechts nach links zu lesen, ganz rechts steht die Uhrzeit. Der Stempel stammt also vom 25.08.1970, 15 Uhr. Der Aufgabestempel ist noch schlechter zu erkennen. Er ist vom 21.08.1970.
Da der Stempel nicht so gut zu erkennen ist ein zweites Beispiel:

Es handelt sich um einen nachgeschickten Einschreibebrief von der chinesischen Briefmarken-Versandstelle in Peking an den Tauschpartner meines Vaters in Nanjing. Da dieser umgezogen war, wurde der Brief mit einem entsprechenden Aufkleber vom Postamt 9 an das Postamt 13 weitergeleitet. Eine Übersetzung des Aufklebezettels seht ihr hier:
http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=75584
Obwohl der Brief von der Briefmarken-Versandstelle kommt ist er nicht frankiert sondern mit einem Stempel "Gebühr bezahlt" freigemacht.

Es ist der rote Achteckstempel, der vom Aufkleber fast verdeckt wird. Sowohl beim Gebühr bezahlt Stempel aus Peking als auch beim Stempel des Postamts 9 in Nanjing ist die Jahreszahl 1984 gut zu erkennen. Beide Stempel werde ich mit der entsprechenden Übersetzung in Philastempel einstellen.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
nachdem das Sonntagsrätsel um die Ersttagsstempel-Zwillinge gelöst ist, kann ich mit dem Thema Kalender fortfahren.
Während der Minguo-Kalender in der Volksrepublik China abgeschafft wurde, gilt er in der Republik China (Taiwan) bis heute. Die Republik Taiwan ist das einzige mir bekannte Land, in dem es zwei verschiedene Ersttagsstempel mit dem chinesischen und unserem Kalender gibt. Ich habe diese doppelten Stempel seit 2010 gesehen. Hier das erste Beispiel:

Das chinesische Datum nach dem Minguo-Kalender ist wie üblich von rechts nach links zu lesen. Wie man im Vergleich mit dem rechten Stempel (gregorianischer Kalender) leicht sehen kann, entspricht die Jahreszahl 100 dem Jahr 2011nach unserer Zeitrechnung. Als Ergänzung noch ein zweites Beispiel mit einem Ersttagsstempel-Zwilling:

Auch hier muss man zur chinesischen Jahreszahl 101 die Zahl 1911 addieren um auf unsere Jahreszahl 101 + 1911 = 2012 zu kommen.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
die Probleme beim Bestimmen der Briefmarken auf diesem Brief:

Die Marken haben keine Jahreszahl. Wenn ein Sammler die beiden Marken auf dem Brief im Katalog nachschlagen möchte, so schaut er vermutlich zunächst auf den Stempel. Demnach müssten die Marken aus dem Jahr 1990 oder aus der Zeit davor stammen. Im Katalog sind sie dort allerdings nicht zu finden.
Vielleicht entdeckt er dann unten auf dem Neujahrsumschlag den Hinweis „Issue of 1994“. Ein zweiter Versuch, die Marken im Jahr 1994 zu finden, wird aber auch nicht von Erfolg gekrönt.
Da der Sammler die Philaseiten kennt der nächste Versuch: Ist die Jahreszahl nach dem Minguo-Kalender angegeben, obwohl es ein Auslandsbrief ist? Dann wäre der Brief aus dem Jahr 90 + 1911 = 2001. Aber auch aus diesem Jahr stammen die Marken nicht.
Es bleibt also nichts anderes übrig, als den Katalog von 2001 an rückwärts zu durchblättern. Schließlich findet der Sammler, dass es sich um die Neujahrsmarken von 1993 handelt, erschienen am 07.01.1993.

Aus welchem Jahr stammt dann der Stempel? Wenn kein Fehler bei der Einstellung der Jahreszahl gemacht wurde kann es nur der Minguo-Kalender sein. Demnach wurde der Brief am 11.06.2001 in Chaozhou (Taiwan) = 潮州 aufgegeben. Die Stadt liegt im Süden Taiwans im Landkreis Pingtung.
辛1 = Unterscheidungszeichen; 920 = Postleitzahl.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
heute kommt der letzte Beitrag zum Thema "Chinesischer Kalender". Ich zeige noch einmal im Vergleich einen aktuellen Tagesstempel aus Taiwan nach dem Minguo-Kalender (Inlandsbrief) und nach unserem Kalender (Auslandsbrief):

Auf der Rückseite des Inlandsbriefes ist eine Aufstellung über die Postleitzahlen in Taiwan. Vergleiche:
http://twn.youbianku.com/de

Ein Brief an mich, mit den Automatenmarken zur Ausstellung Taipeh 2015 - Stamp Exhibition.

Der Stempel auf dem Inlandsbrief aus Hsinchu (新竹) zeigt das Datum 103.7.31 nach dem Minguo-Kalender. Der Brief wurde also am 31.07.2014 abgestempelt. (103 + 1911 = 2014). Der Stempel auf dem Auslandsbrief vom Wenshan Muxin Post Office aus Taipei (文山木新) ist dagegen vom 18.05.2015.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
nachdem das letzte Sonntagsrätsel gelöst wurde, kann ich bei diesem Thema weitermachen und das nächste Land und seine Kalender besprechen:
Die Koreanischen Kalender
Mit den Kalendern in Korea muss man gleichzeitig einen Einblick in die Geschichte des Landes geben. Die ersten Briefmarken Koreas erschienen 1884 im Königreich Joseon (Choson). Dieses stand unter der Vorherrschaft des Kaisserreichs China. Von 1897 bis 1910 existierte das Kaiserreich Korea. 1905 wurde es zu einem Protektorat des Japanischen Kaiserreichs, 1910 als Kolonie in dieses eingegliedert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurde Korea von Japan unabhängig. Zeitgleich kam es unter den konkurrierenden Besatzungsmächten Sowjetunion und USA zur Teilung Koreas in Nord-Korea und Süd-Korea.

Auf dieser Briefmarke des Kaiserreichs Korea aus dem Jahre 1903 ist die Jahreszahl im Stempel leider nicht zu erkennen. Die damaligen Stempel waren nach französischem Vorbild Kreis-Strichkreisstempel mit der europäischen Jahreszahl. Es gab aber auch Stempel in koreanischer Schrift. Leider besitze ich keine solchen Stempel und kann nicht sagen, welcher Kalender im Kaiserreich Korea auf den Stempeln mit koreanischer Schrift verwendet wurde. In der Zeit als Korea japanische Provinz war, wurde der japanische Kalender in Korea verwendet.
Der Kalender in Südkorea
Von 1945 bis 1961 beruht die koreanische Jahreszahl auf dem Gründungsdatum des ersten koreanischen Königreichs Go-Joseon. Der Legende nach wurde Go-Joseon im Jahr 2333 v. Chr. vom Halbgott Dangun Wanggeom gegründet. Dieses Jahr ist in Korea als Gründungsjahr weithin anerkannt. Um die Koreanische Jahreszahl zu berechnen muss man also zu unserer Jahreszahl 2333 Jahre dazu addieren. Tag und Monat stimmen mit unserem Kalender überein.

Auf dieser Briefmarke aus dem Jahr 1959 wird es sofort deutlich, denn dort sind beide Jahreszahlen angegeben. 1959 + 2333 = 4292 (koreanischer Kalender)

Bei den Stempeln gibt es wie in Japan oder China Stempel mit koreanischen und mit europäischen Jahreszahlen. Auf diesem Ersttagsbrief aus dem Jahre 1958 + 2333 = 4291 sind beide zu sehen. Bei dem Stempel mit der europäischen Jahreszahl ist das Datum von links nach rechts angegeben. Diese Stempel wurden vor allem bei der Auslandspost benutzt. Die Stempel mit der koreanischen Jahreszahl sind von rechts nach links zu lesen. Die Jahreszahl 4291 ist wie in diesem Fall vierstellig angegeben. Häufig sind die Stempel aber nur zweistellig, dann wäre es das Jahr „91“. Die Stempel mit der koreanischen Jahreszahl wurden in der Regel bei der Inlandspost verwendet.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
die großen Jahreszahlen aus Südkorea gefallen mir einfach gut. Deshalb heute auf die Schnelle ein zweites Beispiel:

Der Ersttagsbrief zum 60-ten Jubiläum der koreanischen Eisenbahn ist vom 18.09.4292.
4292 - 2333 = 1959
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
die höchste mögliche Jahreszahl auf einem Stempel ist die 4294 = 1961, denn ab 1962 wurde in Korea unser Kalender verwendet. Hier ein Beispiel:

Zum Vergleich ein Stempel aus dem Jahr 1962 mit unserer Jahreszahl:

Die 4294 ist nach meinem Wissen die höchste auf einem Stempel vorkommende komplett ausgeschriebene Jahreszahl. Beim jüdischen Kalender haben wir aktuell das Jahr 5776. Die 5000 wird aber auf Stempeln nicht angegeben, sondern dort steht nur die Zahl 776. Die Jahreszahl ist also nicht komplett ausgeschrieben.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen!
Korea: Die Unterscheidung der Kalender bei zweistelligen Jahreszahlen im Stempel
Die vierstelligen Jahreszahlen waren bei Tagesstempeln in Korea eher selten. In der Regel wurde das Jahr zweistellig angegeben. Das Datum im Stempel kommt in beide Leserichtungen vor, so dass die Jahreszahl entweder rechts oder links steht. Wie kann man also unterscheiden, ob das Datum nach dem koreanischen oder nach unserem Kalender angegeben ist? Zunächst eine Gegenüberstellung der Jahreszahlen:

Bis 1962 trugen die südkoreanischen Briefmarken nur die Inschrift „
대한민국 우표“.
Ab 1962 kam noch der Text „Republic of Korea“ dazu. Hier die beiden Fälle:

Bei diesem Block kommen beide Jahreszahlen vor:

Entsprechend der Inschrift auf dem Rand kommt der Block aus dem Jahr 4293 = 1960 (ohne „Republic of Korea“)
Als zweistellige Jahreszahlen kommen nach dem koreanischen Kalender aber nur die Zahlen von 78 bis 94 vor. => Der Block wurde erst 7 Jahre nach dem Erscheinen im Jahr 1967 abgestempelt.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
diese Postkarte wurde innerhalb von Südkorea verschickt:

Der Stempel ist von rechts nach links zu lesen. Er stammt vom 15.04.65. Der Werteindruck trägt zwar nicht die Inschrift „Republic of Korea“, ist also vor 1962 erschienen. Entsprechend der Tabelle im Beitrag [#49] kann es sich bei der Jahreszahl „65“ aber nur um unseren Kalender und das Jahr 1965 handeln.
So weit der Kalender aus Südkorea. Beim nächsten Mal folgt Nordkorea.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
im Gegensatz zu Südkorea wurde seit der Gründung der Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea) im Jahre 1948 unser Kalender benutzt. Man sieht es zum Beispiel an den Jahreszahlen auf den Briefmarken oder auf den Ersttagsstempeln:

Hier vier Beispiele aus den Jahren 1948, 1957, 1974 und 1989. Die Landesbezeichnung "조선.우표" setzt sich aus zwei Worten zusammen. "조선" sind die beiden ersten Zeichen von "Joseon". Joseon war ein koreanisches Königreich, das von 1392 bis 1897 bestand. Der Begriff "Joseon" als Bezeichnung des Landes wurde von 1910 bis 1945 wiederverwendet, als Korea eine Kolonie Japans war. Nordkorea hat diesen Brauch weitergeführt. "우표" bedeutet ganz einfach "Briefmarke".

FDC und Ersttagsstempel zum 70. Jahrestag der 1000-Li-Wanderung von Kim II Sung aus dem Jahr 1995.
1997 wurde in Nordkorea offiziell der Chuch’e-Kalender eingeführt. Dazu komme ich beim nächsten Mal.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
Der Chuch’e-Kalender (meist
Juche-Kalender geschrieben)
1997, drei Jahre nach Kim Il-sungs Tod, wurde in Nordkorea offiziell der Chuch’e-Kalender eingeführt. Er unterscheidet sich vom Gregorianischen Kalender durch die Jahreszählung, die mit dem Geburtsjahr Kims beginnt. Das Jahr 1912 gilt als „Chuch’e 1“ (gesprochen: Dschutsche 1).
Seit der Einführung des Chuch’e-Kalenders werden die Jahreszahlen auf den Briefmarken und den Ersttagsstempeln wie bei diesem Beispiel angegeben:

Reptilien-Ausgabe mit der Jahresangabe „주체 87 (1998)“. Die beiden koreanischen Schriftzeichen „주체“ bedeuten Chuch’e.

Aus Anlass des 100-ten Geburtstages von Kim Il-sungs erschienen im Jahre 주체 101 (2012) mehrere Briefmarken. Bei diesen wird Beginn des Chuch’e-Kalenders im Jahr 주체 1 (1912) besonders deutlich, denn der Block und die Briefmarke tragen im oberen Bereich die folgende Inschrift:

In der nordkoreanischen Propaganda wird Kim Il-sung als „Der Große Führer Genosse Kim Il-sung“ (위대한수령김일성동지) bezeichnet. Dieses ist auch der Text oberhalb der Jahreszahlen.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
heute einige weitere Beispiele zum Chuch’e-Kalender. Die Umrechnung vom Chuch’e-Kalender zu unserem Kalender ist sehr einfach. Man addiert einfach 1911 zum Chuch’e-Jahr und erhält unsere Jahreszahl.

Zwei Beispiele aus dem Jahr 주체 96 (2007). Rechts sieht man die Kimjongilia (Kimchŏngil hwa). Es ist eine Begonien-Hybride aus der Gruppe der Knollenbegonien. Sie wurde 1988 zum Anlass des 46. Geburtstags von Kim Jong-il von dem japanischen Botaniker Mototeru Kamo aus Kakegawa gezüchtet.

Blumen-Motive aus den Jahren 주체 97 (2008) und 주체 101 (2012)

Eine Ganzsache mit Abbildung eines Hais und einer Meeresschildkröte aus dem Jahr주체 102 (2013).
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
der Chuch’e-Kalender fängt mit dem Jahr 1912 an. Alle Jahreszahlen ab 1912 lassen sich also nach diesem Kalender angeben. Man sieht es an dem Block zum 100-ten Geburtstages von Kim Il-sung und an dieser Marke zum gleichen Anlass [#52]. Beide tragen den Text 주체 1 (1912) - 주체 101 (2012).

Die rechte Marke zeigt den 1000-Ri langen Weg von Kim Il-sung aus dem Jahre 1923. Sie trägt den Angabe 주체 12 (1923) - 주체 97 (2008).
Was macht man aber bei Daten, die vor dem Jahr 1912 liegen? Dazu habe ich zwei Möglichkeiten auf diesen beiden Briefmarken gefunden:

Die linke Marke erschien aus Anlass des 125. Jahrestages des ersten Japanisch-Chinesischer Krieges. Wegen Streitigkeiten um den politischen Status Koreas kam es 1894 zum Krieg. Die Marke trägt den Text 1894 -주체 103 (2014). Die erste Zahl ist nach unserem, die zweite nach dem Chuch’e-Kalender angegeben.
Auf der Marke zum Ulsa-5-Punkte-Vertrag wird der Zeitraum dagegen mit 1905 년 – 2005 년 angegeben. Das Zeichen „년“ bedeutet „Jahr“.
Dieses ist der letzte Beitrag zu den koreanischen Kalendern. Eine Frage konnte ich leider nicht klären:
Was für eine Jahreszahl steht in den Tagesstempeln, die innerhalb Nordkoreas verwendet werden?
Wird dort der Chuch’e-Kalender oder unser Kalender benutzt? Die wenigen Belege aus Nordkorea aus der Zeit nach 1997 gehen alle ins Ausland. Dort wird unsere Jahreszahl benutzt. Einen Inlandsbrief habe ich noch nicht gesehen.
Viele Grüße
Volkmar
Hier noch ein Maya-Kalender-Block [1]

Kirgistan Bl. 62 A **
Beste Grüße,
Phoenix
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Maya-Kalender
@ Phoenix [#55]
Hallo Phoenix,
eine schöne Ergänzung zu einem sehr alten Kalender. Danke fürs zeigen.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
wie angekündigt folgt jetzt eine Ergänzung zum
japanischen Kalender nach dem Kōki-System
Ich fasse noch einmal alles zusammen. Das Kōki-System beruht auf der japanischen Reichsgründung im Jahre 660 v. Christi.
Ragiko schreibt dazu im Beitrag [#17]:
Die Annahme, dass die Mythologie der Reichsgründung bis in vorchristliche Zeiten hineinreiche, für bare Münze zu nehmen, ist wissenschaftlich ähnlich aussagekräftig wie die Erschaffung der Welt in 7 Tagen. Die Wissenschaft geht davon aus, dass das japanische Reich sich im 3. oder 4. nachchristlichen Jahrhundert zu etablieren begann. Die Mythologie, die Japan eine ähnlich glanzvolle Vergangenheit wie China verleihen sollte und in der die Lebenszeit der alten Kaiser auf mehrere hundert Jahre gedehnt wurde, wortwörtlich zu nehmen, das kommt nur in extrem nationalistischen Epochen in Frage.
Sehen wir uns also die Jahre an, als Japan in Ostasien zu expandieren versuchte. Dort finden wir auf den Nationalpark-Blocks ab 1938 (Michel Bl.2 bis 8) die seltsamen Jahreszahlen 2598 bis 2601, ab 1939 in Klammern durch die westlichen Jahreszahlen ergänzt. /I]
[I]Außerdem wurde eine Sonderserie zur Feier des 2600. Jahrestages der Reichsgründung verausgabt (Mi-Nr. 288-291), und Richard Strauss gab sich dazu her, zu der nationalistischen Feier eine Festmusik zu komponieren. Diese Dinge stehen im Zusammenhang mit dem Kōki-System und verschwanden selbstverständlich ab 1946 wieder im Giftschrank des nationalistischen Kellers, wo sie herkamen.
Da diese Jahreszählung aber bei Stempeln aus Japan nicht benutzt wurde, ging ich davon aus, dass es überhaupt keine Stempel nach dem Kōki-System gibt. Durch Zufall entdeckte ich dann aber, dass das Kōki-System bei Stempeln in japanisch besetzten Gebieten benutzt wurde.

Die beiden ersten Marken gehören zur japanischen Besetzung von Java. Beide stammen aus dem Kōki-Jahr 2605 = 1945. Der Viererblock gehört zur japanischen Besetzung von Malaya. Er gefällt mir besonders, da die Jahreszahl im Stempel vierstellig angegeben ist.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
im Frühjahr 1942 begann die japanische Armee Niederländisch-Indien zu besetzen. Ihr Interesse galt kriegswichtigen Rohstoffreserven und der Verbesserung ihrer strategischen Position. Am 5. März 1942 eroberten sie Batavia, die Hauptstadt von Niederländisch-Indien und zwangen am 8. März die Niederländer zur Kapitulation. Die fast 350-jährige Zeit ihrer Kolonialherrschaft war vorüber. Am 8. August 1942 wurde Batavia in Djakarta umbenannt. Seit der Rechtschreibreform des Jahres 1972 wird die Stadt Jakarta geschrieben.

Postkarte aus Djakarta, geschrieben am 30.12.2604 (= 1944). Am 01.01.05 (= 1945) mit einem Maschinenstempel entwertet. Wie man sieht, wurden die Jahreszahlen nach dem Kōki-System von der Bevölkerung übernommen. Ob das freiwillig geschah oder ob sie dazu gezwungen wurden weiß ich nicht.
Die Form der Kreuze im Stempelkopf sind typisch niederländisch (siehe
http://www.philastempel.de/stempel/zeigen/121147 ). Der Ortsname Djakarta kommt allerdings aus der japanischen Besetzungszeit. Ich vermute, dass es ein neu angefertigter Stempel im niederländischen Stil ist.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
auch diese Karte gehört zu den japanischen Besetzungsausgaben von Niederländisch Indien (Java). Es ist eine Postkarte aus Surabaya, der zweitgrößten Stadt Indonesiens. Zunächst wuchs die Stadt nur langsam. Erst nachdem im Jahr 1926 Surabaya zur Hauptstadt der Provinz Ostjava wurde, entwickelte die Stadt sich zu einer modernen Großstadt.

Von 1942 bis 1945 stand Surabaya unter japanischer Herrschaft. Während dieser drei Jahre Besatzungszeit kam die Entwicklung der Stadt völlig zum Erliegen. Damals hieß die Stadt noch Soerabaja.
Im Jahre 1945 erhielt Surabaya den Beinamen „Heldenstadt“. Dies ist eine Anerkennung für den heldenhaften und zähen Kampf der Einwohner dieser Stadt gegen gleich drei Besatzungsmächte (Niederländer, Japaner und Engländer). Dieser Kampf kostete unzählige Opfer, führte aber letztendlich zur Befreiung Indonesiens von jahrhundertelanger Fremdherrschaft.

Der Stempel zeigt in diesem Fall die vollständige Jahreszahl 2604 = 1944. Der indonesische Stempeltext: „Alamat sempoerna dengan menjeboetkan nama djalan dan nomor roemah“ bedeutet frei übersetzt: „Die Adresse ist nur vollständig mit Straßennamen und Hausnummer“.
Mit dieser Karte möchte ich die Ergänzung zum japanischen Kalender nach dem Kōki-System abschließen.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
Die Thailändischen Kalender
In Thailand sind in der philatelistischen Zeit vier verschiedene Zeiträume zu unterscheiden. Der traditionelle thailändische Kalender (Chulasakarat, Julasakarat) galt bis zum Jahr 1889. Näheres siehe auf der Seite
http://www.faszination-asien.de/Kalender/seite501.htm. Diesen Kalender kann ich bisher nicht philatelistisch belegen.
1. Ratana Kosindra Sok (RS) auch Ratanakosinsok (1889 - 1912)
Im Jahr 1889 wurde von König Chulalongkorn (Rama V) der Ratana Kosindra Sok eingeführt. Er basiert auf dem Gregorianischen Kalender. Allerdings wurde der Zeitpunkt der Jahreszählung auf die Gründung der neuen Residenzstadt Bangkok verlegt: Am 1.4.1782 AD begann rückwirkend das Jahr 1 RS. Der Jahreswechsel ist also immer am 1. April (AD). Ratanakosin ist der Name für die zentrale Zone in Bangkok, in der die Königsstadt erbaut wurde, sozusagen der alte Name von Bangkok.

Ortspostkarte aus Bangkok (กรุงเทพ). Der Aufgabe- und der Ankunftsstempel stammen von verschiedenen Postämtern, sind aber am selben Tag abgeschlagen worden.

Entsprechend der thailändischen Zahlen in der Tabelle wurde die Postkarte am 12-3-26-3 (RS) beim Postamt Bangkok 5 aufgegeben aufgegeben und kam am selben Tag beim Postamt Bangkok 2 an. Von der Jahreszahl „126“ wurden nur die beiden letzten Zahlen „26“ angegeben.
Der Stempel kommt also aus dem Jahr Jahr 126 (RS) + 1781 = 1907 (AD).
Der Monat ist 3 (RS) + 3 = 6 (AD).
Der Stempel stammt also vom 12-3-126 (RS) = 12.06.1907 (AD).

Der Gummistempel der Bangkok manufacturing company auf der Rückseite bestätigt dieses Datum.

Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
wie schwierig es ist, ein Stempeldatum genau zu bestimmen zeigt diese Postkarte, die ich auf der Messe in Essen fand. Sie gibt mir noch einige Rätsel auf.

Der Stempel ist zwar sehr klar, dennoch ist es mir nicht gelungen, den Aufgabeort zu ermitteln. Ich kann zwar die meisten Zeichen finden, aber das hilft mir nicht weiter. Vermutlich steht im Stempel „?มทปภ??ร”
Auch das Stempeldatum gibt Rätsel auf. In der Postkarte ist die erste thailändische Briefmarke aus dem Jahr 1883 eingedruckt. Nach Michel war die Briefmarke nur bis 1887 gültig.

Bei Delcampe habe ich gesehen, dass diese Postkarte aber mindestens bis 1900 verwendet wurde. Danach gab es sie noch für ein paar Jahre mit einem Aufdruck. Beim Stempeldatum lese ich „12 1 14“. Die drei Zahlen „1“ sehen allerdings alle unterschiedlich aus. Jetzt sind drei Fälle denkbar:
1) Der Stempel stammt aus der Zeit von 1883 bis 1889 (Chula-Sakarat-Zählung)
2) Der Stempel stammt aus der Zeit nach 1889 (Ratana Kosindra Sok)
3) Der Stempel trägt unser Datum.
Bis 1889 galt in Thailand die Chula-Sakarat-Zählung (Abkürzung C.S.) auch kleine Zeitrechnung genannt. Um unsere Jahreszahl zu ermitteln muss man je nach Datum 638 oder 639 Jahre zu dem thailändischen Datum addieren. In dem Fall käme der Stempel aus dem Jahr 14 C.S. + 639 = 653 AD. Das kann nicht sein.
Ab 1889 gilt der der Ratana Kosindra Sok. In dem Fall wäre die Jahreszahl 14 RS + 1781 = 1795 AD. Auch das ist nicht möglich.
Wenn ich den Verwendungszeitraum der Postkarte (bis ca. 1900) ansehe, so passt unsere Zeitrechnung auch nicht.
In diesem Fall ist es mir also nicht möglich, dass Datum der Karte zu bestimmen.
Vielleicht kann mir einer von Euch helfen.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
weiter geht es mit den Thailändischen Kalendern:
2. Suriyakati-Kalender, buddhistische Zeitrechnung (BE)
Die Zeit von 1912 bis 1940 AD = 2455 bis 2483 BE
König Vajiravudh (Rama VI), der Sohn vom König Chulalongkorn (Rama V), schaffte nur 23 Jahre später den Kalender seines Vaters wieder ab. Er führte eine Jahreszählung basierend auf dem Tod Buddhas im Jahr 543 v. Chr. ein. Diese Zählung begann am 21.12.1912. Der Jahreswechsel ist weiterhin am 1. April (AD).
Ausgehend vom thailändischen Datum (BE) ergibt sich die folgende Umrechnung:
01.01. bis 30.09. (BE): Jahr BE - 543 = Jahr AD Monat BE + 3 = Monat AD
01.10. bis 31.12. (BE): Jahr BE - 542 = Jahr AD Monat BE – 9 = Monat AD
Umgekehrt ergibt sich ausgehend von unserem Datum (AD) die folgende Umrechnung:
1. Januar bis 31. März (AD): Jahr AD + 542 = Jahr BE Monat AD + 9 = Monat BE
1. April bis 31. Dezember (AD): Jahr AD + 543 = Jahr BE Monat AD – 3 = Monat BE
Dieser Brief kommt ebenfalls aus Bangkok (กรุงเทพ) und zwar vom Postamt 2 (๒). Bei diesem Stempeltyp sind die unterschiedlichen Kalender besonders gut zu erkennen, da das Datum gleich in beiden Kalendern angegeben wurde.
Der Stempel ist vom 23-7-66 (BE) bzw. 23.10.23 (AD).
Das passt zur oben aufgeführten Umrechnung:
Jahreszahl: 1923 (AD) + 543 = 2466 (BE). (Von den Jahreszahlen wurden also jeweils nur die beiden letzten Ziffern angegeben.)
Der Monat ist 10 (AD) – 3 = 7 (BE).
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
zum Suriyakati-Kalender in der Zeit von 1912 bis 1940 AD = 2455 bis 2483 BE kann ich keinen weiteren Beleg zeigen. Ich habe nur noch eine Briefmarke mit einem entsprechenden Stempel:

Diese Marke wurde beim Postamt 4 in Bangkok abgestempelt. Die thailändischen Zeichen im Stempel sind kaum zu erkennen, aber es muss ๘∙๙∙๖๑ = 8∙9∙61 (BE) heißen, denn das Datum entspricht dem 8.12.18 (AD).
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
der jetzt folgende Kalender gilt in Thailand bis heute.
3. Suriyakati-Kalender, buddhistische Zeitrechnung (BE)
Die Zeit seit 1941 AD = 2484 BE
Eine weitere Angeichung an den gregorianischen Kalender gab es im Jahre 2484 BE bzw. 1941 AD. Der Jahresbeginn wurde vom damaligen thailändischen Premierminister Phibul Songkhram auf den 1. Januar verlegt. Das wurde erreicht, indem das Jahr 2483 BE nur neun Monate lang war.
Es genügt also ab 1941 die Umrechnung:
Jahr BE – 543 = Jahr AD
Jahr AD + 543 = Jahr BE
Auf einigen Ersttagsstempeln sind gleichzeitig beide Daten angegeben. Leider wurden dabei die Monate als Name bzw, als Abkürzumg angegeben. Hier ein Beispiel vom 24. Oktober 1968 AD = 24. ตุลาคม 2511 BE:

Die Monate und ihre Abkürzungen in Thailand stammen von der Seite
http://www.phakinee.com/thailand-wochentage-monatsnamen/
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
diese Postkarte mit einer Briefmarke des Königs Bhumibol Adulyadej trägt gleich zwei Stempel mit drei unterschiedlichen Angaben des Datums. Ob es sich um einen Ersttagsstempel handelt oder wozu der Stempel herausgegeben wurde, weiß ich nicht.

Der erste Stempel zeigt das Datum nach dem Suriyakati-Kalender mit lateinischen Zahlen. Von der thailändischen Jahreszahl 1977 AD + 543 = 2520 BE wurden nur die zwei letzten Ziffern angegeben. Oben im Stempel ist kein Ortsname sondern die Angabe ไปรษณีย์กลาง = G.P.O. = General Post Office = Hauptpostamt.
Der zweite Stempel zeigt dasselbe Datum in thailändischer Schrift, diesmal mit abgekürzter Monatsangabe und das Datum nach unserem Kalender. Der Februar heißt in Thailand กุมภาพันธ์ und wird "ก.พ." abgekürzt (siehe letzter Beitrag).
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
bei den thailändischen Tagesstempeln gibt es keine so große Vielfalt. Als erstes eine Karte an meinen Onkel. Aufgrund dieser Karte habe ich seinerzeit entdeckt, dass es in Thailand einen eigenen Kalender gibt:

Die Jahreszahl im Stempel ist in diesem Fall vierstellig und nach dem Buddhistischen Kalender angegeben. Die Karte wurde am 2.7.2511 BE aufgegeben. Subtrahiert man von der Jahreszahl 543 Jahre so kommt man auf den 2.7.1968 AD. Wie bei diesem Beispiel werden die Jahreszahlen auch bei ausländischen Briefen überwiegend nach dem Buddhistischen Kalender angegeben.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
ein zweites Beispiel mit vierstelliger Jahresangabe nach dem Buddhistischen Kalender:

Dieser Brief nach Karatschi wurde am 26.6.2528 BE - 543 = 1985 AD im Rong Muang Post Office (รองเมือง) in Bangkok aufgegeben. Als Ziel wurde zunächst Indien angegeben. Wo der Fehler entdeckt und in Pakistan korrigiert wurde ist nicht zu erkennen.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
aus dem Jahr 1999 AD = 2542 BE kann ich gleich drei verschiedene Schreibweisen der Jahreszahl zeigen. Zunächst die Jahreszahl 2542 BE die als vierstellige Zahl:

Von der buddhistischen Jahreszahl 2542 genügen natürlich auch die beiden letzten Ziffern:

Daneben habe ich bei einem Maschinenstempel auch noch die Jahreszahl 1999 nach unserem Kalender gefunden:

Die Jahreszahl 1999 in diesem Stempel ist besonders ungewöhnlich, da es sich um einen Ortsbrief innerhalb von Bangkok handelt. Er geht von Bang Na nach Bang Nak. Dieses sind zwei der 50 Stadtbezirke Bangkoks.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
besonders häufig sind in Thailand die zweistelligen Jahreszahlen nach dem buddhistischen Kalender. Hier ein aktuelles Beispiel vom 01.01. 2559 BE – 543 = 2016 AD.

Nach dem Chinesischen Horoskop ist 2016 das Jahr des Affen. Ober auf dem Rand steht in thailändischer Schrift ๑ มกราคม ๒๕๕๙ = 1. Januar 2559.
Dieser Brief vom 24.01.2529 B= = 1986 AD sieht aus wie ein typischer Zurück-Beleg. Aufgegeben wurde der Einschreibebrief in Rangsit (รังสิต), einem nördlichen Vorort von Bangkok. Der Empfänger wohnte in Lak Si (หลักสี่), einem der 50 Bezirke von Bangkok.

Leider kann ich kein einziges Wort im violetten Pfeilstempel bzw. dem roten Rechteckstempel entziffern. Mir steht dazu nur der Google-Übersetzer zur Verfügung. Wenn ich dort „Zurück“ ins thailändische übersetzen lasse, so gibt es nur eine einzige Lösung: „กลับ". Dieses Wort finde ich aber nicht auf dem Brief. Bessere Übersetzungsprogramme liefern verschiedene Lösungen. Bei Leo.org gibt es bei der Übersetzung von „Zurück“ ins Englische 11 Adjektive, 9 Verben und 20 weitere Substantive, Phrasen und Beispiele. Leider übersetzt Leo nur in 8 verschiedene Sprachen.
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#57]
Zur japanischen Zeitrechnung. Die beiden zweistelligen Jahreszahlen auf den japanischen Stempeln (26.2.05 und 17.6.0?) sind wahrscheinlich eher nach der Shōwa-Zeit angegeben, den Regierungsjahren des Kaisers Hirohito, siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/Sh%C5%8Dwa-Zeit, Jahr 1 = 1926, Jahr 2 = 1927 usw. Jahr 26 = 1951. Ich bin darauf gekommen, weil ich vorgestern (1. September) in Tokyo einen Ubahn-Pass gekauft habe und auf dem Beleg den Stempel 28.9.01 gelesen habe (Das bezieht sich auf den aktuellen Kaiser).
@ Günter Rote [#71]
Hallo Günter,
schön, dass du dich mit den japanischen Stempeldaten befasst. Deiner Aussage, dass das Datum nach der Shōwa-Zeit angegeben ist, muss ich aber widersprechen.

Es sind die Briefmarken Michel Nr. 3 und 7 der japanischen Besetzung von Java. Sie sind 1943 erschienen und waren bis 1945 gültig. Wenn das Datum im Stempel der Shōwa-Zeit entsprechen sollte, so kämen nur die Jahreszahlen 18 = 1943, 19 = 1944 oder 20 = 1945 in Frage. Diese Zahlen kommen aber im Stempel nicht vor. Es muss sich also doch um den japanischen Kalender nach dem Kōki-System handeln. 05 = 2605 = 1945.
Bei Stempeln innerhalb Japans kenne ich übrigens auch nur die Jahreszählung nach dem Gengō-System, das mit jedem Tenno neu beginnt - siehe Beitrag [#16] und folgende. Zuerst dachte ich, dass es das Kōki-System gar nicht im Stempel gibt, bis ich es durch Zufall bei den japanisch besetzten Gebieten im Zweiten Weltkrieg fand.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
neben den bisher gezeigten Beispielen kann die Jahreszahl in thailändischen Stempel auch noch zweistellig nach unserem Kalender sein. Besonders deutlich wird das, wenn wie in diesem Beispiel, daneben noch weitere Stempel abgeschlagen sind.

Den Brief hat mein Vater am 1.3.1966 postlagernd an seinen Vetter nach Chiang Mai im Norden Thailands geschickt. Rückseitig ein Ankunftsstempel des G.P.O. = General Post Office aus Bangkok vom 3. März 1966. Da Willi Matzat den Brief nicht abgeholt hat, wurde er fast ein Jahr lang aufbewahrt.

Am 23.2. 67 bekam er den Stempel des „Dead letter office“ von Bangkok und wurde zurückgeschickt. Das Dead letter office ist bei der Post die Abteilung für unzustellbare Briefe. Die Jahreszahl ist einmal zweistellig und einmal vierstellig angegeben. Ungewöhnlich finde ich, dass keinerlei Vermerk aus Chiang Mai auf dem Brief ist. Vielleicht kam der Brief überhaupt nicht dort an, sondern ist im Postamt in Bangkok „hängengeblieben“.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
auch bei diesem Brief vom Erstflug zwischen Bangkok und München entspricht die Jahreszahl „95“ eindeutig unserem Kalender und damit dem Jahr 1995:

Der Brief wurde am 20.03.95 im Postamt Bangkok Airport aufgegeben. Entsprechend des Stempels auf der Rückseite kam er am 28.03.95 in München an.

Dieser Brief trägt nur den thailändischen Stempel vom 24.05.60. Dennoch ist es eindeutig klar, dass es sich nur um das Jahr 1960 handeln kann. Postfreistempel gibt es in Thailand erst seit 1952. Diese Form mit der weiten Zähnung ist die erste Art, die dort vorkam. Siehe auch
https://en.wikibooks.org/wiki/International_Postage_Meter_Stamp_Catalog/Thailand . Es handelt sich um eine Universal “MultiValue”-Stempelmaschine.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
diese Briefmarke zeigt das Bild von König Prajadhipok, der von 1925 bis 1935 in Thailand regierte. Im ersten Moment sieht es so aus, als ob die Marke (Michel Nr. 202) am 25.11.1979 abgestempelt wurde. Sie ist aber schon 50 Jahre vorher am 15.04.1928 erschienen.

Unter der Regentschaft von König Ananda Mahidol (1935 – 1946) wurde 1941 ein neuer Kalender eingeführt. In Wirklichkeit wurde die Marke daher viel früher abgestempelt, denn es handelt sich wieder um den Suriyakati-Kalender der bis 1940 galt, nur dass das Datum diesmal mit lateinischen Zahlen angegeben wurde.
Ausgehend vom thailändischen Datum (BE) ergibt sich die folgende Umrechnung:
01.01. bis 30.09. (BE): Jahr BE - 543 = Jahr AD Monat BE + 3 = Monat AD
01.10. bis 31.12. (BE): Jahr BE - 542 = Jahr AD Monat BE – 9 = Monat AD
Die Briefmarke wurde also im Jahr 2479 BE – 542 = 1937 AD abgestempelt. Bei der Monatsangabe muss 9 subtrahiert werden. Das tatsächliche Stempeldatum ist also der 25.02.1937 AD. Der Stempel kommt von der Inlands-Abteilung des General Post Office (G.P.O. Inland Section) in Thailändischer Schrift ป.ณ.ก. ฝาน. Damit dürfte der Stempel aus Bangkok stammen.
Mit diesem Beitrag bin ich mit den thailändischen Kalendern fertig. Mal sehen womit ich beim nächsten Mal weitermache.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
es geht weiter. Heute:
Die Buddhistische Zeitrechnung in weiteren Ländern
Die buddhistische Zeitrechnung (auch Buddhist Era = B.E.) wird vor allem in den Ländern des „südlichen Buddhismus“ benutzt. Dieses sind z.B. Kambodscha, Laos, Myanmar, Sri Lanka und Thailand. Stempel mit dem Datum nach der buddhistischen Zeitrechnung sind mir allerdings nur aus Thailand bekannt.
Dennoch lässt sich die buddhistische Zeitrechnung auch in den anderen Ländern philatelistisch nachweisen. In Sri Lanka erscheint seit 1978 jährlich eine Briefmarkenausgabe zum Vesak, dem höchsten buddhistischen Feiertag. Vor allem auf den Blöcken wird oft die christliche und die buddhistische Jahreszahl angegeben. Hier der Block aus dem Jahr 1987 AD = 2531 BE:

Wie man an den Ankunftsstempeln sehen kann, stammt dieser Brief aus Thailand ebenfalls aus dem Jahr 1987. Der Stempel auf den Briefmarken zeigt allerdings die Jahreszahl 30 = 2530 BE. Damit unterscheiden sich die buddhistischen Jahreszahlen aus Sri Lanka und Thailand um ein Jahr.
Es liegt daran, dass je nach Land bei der buddhistischen Zeitrechnung von zwei verschiedenen Zeitpunkten an gezählt wird. In Sri Lanka beginnt die Jahreszählung mit dem Todesjahr des indischen Religionsstifters Siddhartha Gautama, auch „Buddha“ genannt. Er starb im Jahr 544 vor Christi.
In Thailand geht man dagegen vom Parinirvana aus, dem Übergang Buddhas ins Nirvana. Damit beginnt die buddhistische Zeitrechnung in Thailand erst ein Jahr später nämlich 543 vor Christi.
Viele Grüße
Volkmar
Es heißt "Zeitreisen" wären unmöglich. Dabei ist es ganz einfach.
Am Abend des kommenden Sonntags beginnt das jüdische Jahr 5777. Die sind uns einige Zeit voraus, betrachten wir die nüchternen Zahlen.
Schana Towa 5777
10 Parale
@ 10Parale [#77]
Hallo 10 Parale,
schön, dass Du auf den Jahreswechsel im jüdischen Kalender hinweist. Diesen Kalender habe ich mir für später aufgehoben. Irgendwann werde ich auch ihn vorstellen.
Mit dem buddhistischen Kalender kann ich zur Zeit noch nicht weitermachen, da ich noch auf einen Beleg warte. Der Brief mit dem Beleg kommt übrigens aus Israel. Wenn der Stempel gut abgeschlagen ist habe ich dann vielleicht gleichzeitig etwas zum jüdischen Kalender.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
da der Brief aus Israel immer noch nicht angekommen ist, heute ein zweiter Block zum Vesak-Fest aus Sri Lanka:

Auch hier wird beträgt der Umrechnungsfaktor vom Buddhistischen Kalender zu unserem Kalender 544 Jahre (2525 BE - 1981 AD = 544). Wie schon beschrieben unterscheidet sich die Umrechnung des Buddhistischen Kalenders in Sri Lanka damit um ein Jahr zum Buddhistischen Kalender in Thailand. Dort ist der Umrechnungswert 543 Jahre.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen!
Der nepalesische Kalender: Vikram Sambat (VS) oder Bikram Sambat (BS)
Mit dem nepalesischen Kalender komme ich laut Wikipedia zum ersten Lunisolarkalender. Unser Kalender ist dagegen ein Solarkalender (Sonnenkalender). Er nimmt den Lauf der Erde um die Sonne als Basis für die Zeiteinteilung, ohne den Mond zu berücksichtigen. Das Jahr hat 365 Tage.
Die älteren Kalender waren Lunarkalender, weil sie sich an sicher beobachtbaren Himmelserscheinungen, nämlich den Mondphasen orientierten. Ein reiner Lunarkalender hat keinerlei Bindung an das Sonnenjahr und an die Jahreszeiten. In ihm werden zwölf Mondmonate zu einem Mondjahr (Lunarjahr), das etwa 11 Tage kürzer als ein Sonnenjahr zusammengefasst.
Ein Lunisolarkalender enthält wie jeder Lunarkalender als 12 Mond-Monate. Zur Annäherung an das Sonnen-Jahr wird durchschnittlich alle nicht ganz drei Jahre ein dreizehnter Mond-Monat eingeschaltet.
Beim Vikram Sambat hat das Jahr aber 12 Monate und 365 Tage. Die Information bei Wikipedia ist falsch und der Vikram Sambat kann nur ein Solarkalender sein. Der Fehler kommt vermutlich dadurch zustande, dass die religiösen Feiertage nach den Mondphasen festgelegt werden. Der Vikram Sambat basiert auf alter Hindu-Tradition. Der Kalender ist nach dem König Vikramaditya Samvat benannt. Vikram Sambat löste 1903 den bis dahin geltenden Nepal Sambat ab.

Die Briefmarke und der Ersttagsstempel dokumentieren sehr schön den Jahreswechsel im nepalesischen Kalender, der nach unserer Zeitrechnung immer Mitte April stattfindet:.

Die Briefmarke und der Ersttagsstempel dokumentieren sehr schön den Jahreswechsel im nepalesischen Kalender, der nach unserer Zeitrechnung immer Mitte April stattfindet:
१.१.०२२ = १.१.२०२२ = 1.1.2022 VS = 13.4.1965 AD Auch jeder andere Monat beginnt in der Mitte des christlichen Monats. Die Jahreszahl ist dem christlichen Kalender 56,7 Jahre voraus.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
wie ich schon schrieb, beruht die Verwechselung des Solarkalenders und des Lunisolarkalenders bei Wikipedia eventuell darauf, dass sich der Termin einiger der religiösen Feiertage nach den Mondphasen richtet. Hier drei Beispiele:
Rato Machhendranath
Das Fest beginnt immer am ersten Tag der dunklen Monatshälfte des Monats Chaitra. Es ist das größte Fest Patans. In einer Prozession wird der Rote Machhendranath, der Schutzgotte Patans in einem riesigen Wagen mit Seilen durch die Stadt gezogen. Auf der rechten Marke ist einer dieser Wagen zu sehen. Der Umzug dauert bis zu 3 Monaten. Machhendaranath gilt als Gott des Regens. Da der Monsun sich langsam nähert, dient dieses Fest der Bitte um guten Regen.
Gai Jatra
Gai Jatra beginnt am Tag nach dem Vollmond des Monats Bhadau. Das Fest ist zum Gedächtnis der verstorbenen Verwandten des letzten Jahres wird auch oft als Fest der Kühe bezeichnet. Die Kuh als heiliges Tier soll den Hindus den Weg zum Totengott Yama zeigen. Man glaubt, wenn man sich am Schwanz der Kuh festhält, gelingt das besser.
Am 1. Tag des Festes treiben Familien die im letzten Jahr Tote in ihrer Verwandtschaft hatten, Kühe durch die Altstadt Kathmandus. Als Ersatz springen oft junge Männer ein, die sich als Kuh verkleiden.
Shivaratri
Siivaratri wird am Neumond des Monats Falgun gefeiert. Man feiert dieGeburt Shivas. Es ist das bedeutendste Hindufest, an dem zahlreiche Pilger und Yogis von weit her nach Pashupatinath kommen. Auch der nepalesische König als Inkarnation Shivas erscheint zu diesem Fest. In der Morgendämmerung nehmen die Pilger ein heiliges Bad im Bagmati und verehren Shiva danach im Temple. Viele Pilger nehmen an diesem Tag Marihuana zu sich. Dies ist übrigens der einzige Tag des Jahres, an dem dies ohne Strafe geduldet wird.
Die Informationen zu diesen drei Festen stammen von der folgenden Seite:
http://www.reinold-online.de/Nepalinfos/feste_in_nepal.htm
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
noch einmal eine Ergänzung zu den nepalesischen Feiertagen. Einen Feiertag, der sich nach den Mondphasen richtet hatte ich vergessen:
Dashain = Durga Puja
Man feiert das Fest in der hellen Monatshälfte des Monats Ashwin. Es ist das größte und längste Fest des Jahres in Nepal, mit einer Dauer von 10 Tagen. Das Fest endet bei Vollmond. Vor Beginn des Festes werden die Häuser geschmückt und in vielen Orten werden Schaukeln für die Kinder errichtet, die während des ganzen Dashain-Festes stehen bleiben. Die ersten neun Tage sind zu Ehren der Göttin Durga. Sie soll durch Opfergaben besänftigt werden. Deshalb findet man zu dieser Zeit auf den Märkten unzählige Tiere, wie Schafe, Ziegen, Enten, Hühner und Wasserbüffel, die als Opfertiere gekauft werden. Die Hauptfeierlichkeiten beginnen am siebten Tag.
Andere Feste sind unabhängig von den Mondphasen. Hier ein Beispiel:

Das Stempeldatum ist nach dem nepalesischen Kalender und nach unserem Kalender angegeben:
२०३६-१०-१ = 2036-10-1 VS = 15.01.1980 AD
Samyak Pooja
Nach Angabe auf dem Ersttags-Faltblatt beginnt das Fest in Kathmandu immer am ersten Tag des 10-ten Monats Magh. Dort findet es alle 12 Jahre statt. In Lalitpur wird es alle fünf Jahre gefeiert und jährlich in Bhaktapur
Während der Zeremonie, die auf einem großen offenen Gelände stattfindet, werden Hunderte von Bildern von Dīpankara Buddha versammelt und Geschenke der verschiedenen Arten von Lebensmitteln an die Gottheiten und die buddhistische Gemeinschaft gemacht.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
Nepal gibt zwar nicht viele Briefmarken heraus, 1960 waren es nur 5 Marken. Dennoch ist Nepal vermutlich das einzige Land, bei dem man das Schaltjahr philatelistisch durch Briefmarken und ihre Ersttagsstempel dokumentieren kann. Von 1960 bis 1971 erschienen jeweils am Geburtstag König Mahendras dem 11. Juni A.D. Briefmarken. Von 1972 an war es jeweils am 28. Dezember A.D., dem Geburtstag von König Birendra. Am 28.12.2000 gab es die letzte Briefmarke zu König Birendra, denn er wurde am 1. Juni 2001 ermordet.
Ein Berliner Händler bot durch Zufall von fast allen Jahren Ersttagsbriefe bzw. Ersttags-Faltkarten sehr günstig an, so dass ich viele dieser Ersttagsstempel kaufen konnte.

Der 42-te Geburtstag König Mahendras am 29.02.2018 VS = 11.06.1961 AD
Wie bei diesem Beispiel wird bei Ersttagsstempeln das Datum fast immer nach dem Vikram Sambat und zusätzlich nach unserem Kalender angegeben. Man kann die Daten also gut erkennen.
Ein Vergleich der Stempeldaten in Nepal ist jedoch dadurch nicht ganz einfach, dass die nepalesischen Zahlen zum Teil sehr unterschiedlich geschrieben werden. Die folgende Tabelle enthält nur Zahlen, die ich aus Stempeln herauskopiert habe. Vor allem die Zahl „9“ kann sehr unterschiedlich geschrieben werden.

Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
wie schon angekündigt kann man in Nepal das Schaltjahr philatelistisch durch Briefmarken und ihre Ersttagsstempel dokumentieren. Hier ist die ersten Viererserie zum Geburtstag König Mahendras:

Leider hatte gerade der Stempel im Schaltjahr nur das Datum nach unserer Zeitrechnung.

Normalerweise entspricht der 11.06. A.D. immer dem 29.02. V.S. Alle vier Jahre ist es aber der 28.02. V.S. Somit gibt es auch in Nepal alle vier Jahre ein Schaltjahr.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
heute ein weiterer Beitrag zum Schaltjahr in Nepal. Diesmal mit Ersttagsstempeln zum Geburtstag König Birendras am 28. Dezember:

Auch hier ist erkennbar, dass alle 4 Jahre ein Schaltjahr ist. Allerdings fällt auf, dass im Gegensatz zum letzten Beitrag die Jahreszahlen der Schaltjahre diesmal nicht durch 4 teilbar sind. Es liegt daran, dass zwischen dem 28.02.VS und dem 13.09.VS der Jahreswechsel liegt. Wann das Schaltjahr wirklich ist, lässt sich so nicht feststellen.
Wenn man die Stempel vergleicht, so sieht man, dass das nepalesische Datum sehr unterschiedlich angegeben wird. Die Jahreszahl (drei- oder vierstellig) bzw. der Tag stehen manchmal rechts, manchmal links. Der Monat wird entweder als Zahl oder als Wort angegeben.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
beim nepalesischen Kalender fand ich zunächst keine Internetseite, mit deren Hilfe ich den nepalesischen Kalender in unseren Kalender umrechnen kann. Ich kannte aber die Marke mit dem nepalesischen Neujahr am 1.1.2022 VS = 13.4.1965 AD [#81]. Außerdem habe ich bei Wikipedia unter dem Thema "Vikram Sambat" folgende Tabelle gefunden:

Um weitere Stempeldaten bestimmen zu können, erstellte ich aufgrund der angegebenen Monatslängen eine Umrechnungstabelle vom nepalesischen zu unserem Datum. Da viele Ersttagsstempel in Nepal das Datum sowohl nach dem Vikram Sambat als auch nach unserem Kalender angeben ließ sich leicht überprüfen, ob meine Umrechnungstabelle richtig war. Sie versagte aber schon bei einem der ersten Ersttagsstempel.
Es hat lange gedauert, bis ich die Lösung gefunden hatte. Ich hatte die Idee, mir das Kapitel Vikram Sambat bei Wikipedia einmal in der nepalesischen Schrift anzusehen. Ich kann sie zwar nicht lesen, es gibt jedoch den Google Übersetzer. Hier sah die Monatstabelle folgendermaßen aus:

Damit man es besser verstehen kann, habe ich die Überschriften und die Anzahl der Tage in unserer Schrift ergänzt. Die Tabelle beim deutschen Wikipedia ist also falsch, denn die Anzahl der Tage kann bei jedem Monat unterschiedlich sein. Damit war natürlich auch meine Umrechnungstabelle hinfällig.

Mit Hilfe dieser Tabelle konnte ich zum Beispiel erkennen, dass dieser Stempel aus dem zweiten Monat जेठ = Jesth (Mai/Juni) stammt.
Soviel für heute, viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
im letzten Beitrag habe ich Euch meine Probleme mit dem nepalesischen Kalender geschildert. Später fand ich auch noch die umfangreichen und ausgezeichneten Internetseiten von Bernhard Peter zu verschiedenen Kalendersystemen aus Asien. Der Vikram Sambat wird auf dieser Seite beschrieben:
http://www.kultur-in-asien.de/Kalender/seite206.htm. Dabei ist auch eine Liste der Monatslängen aus den Jahren 2056 – 2060 VS (1999/2000 – 2003/2004 AD). Nach einer bestimmten Monatswechsel-Regel wird der Anfang eines neuen Monats astronomisch festgestellt.
Schließlich fand ich zwei Seiten, mit Hilfe derer man für jeden Tag seit 1936 das nepalesische Datum in unser Datum umrechnen kann. Die Links sind:
http://nepalicalendar.rat32.com/index.php bzw.
http://www.ashesh.com.np/nepali-date-converter.php.
Mit Hilfe dieser Seite konnte ich die folgenden Monatslängen und die Schaltjahre bestimmen. Das Ergebnis ist:

Jetzt ist es natürlich auch leicht möglich, nepalesische Stempeldaten zu lesen und zu in unseren Kalender zu übertragen.

Beim Stempeldatum ist die Jahreszahl dreistellig angegeben, die letzte Ziffer ist aber nicht erkennbar. Der Brief stammt nach der Angabe auf der Rückseite aus dem Jahr 1962. Der Stempel kommt aus dem 2. Monat des nepalesischen Jahres जेठ = Jesth.
Das Stempeldatum nach dem Vikram Sambat ist: 2019 जेठ 30 = 12.06.1962 AD
Aus welchem Ort der Stempel kommt bzw. was im Stempel steht habe ich dagegen bisher nicht herausbekommen.
Viele Grüße
Volkmar
Ich hätte auch noch etwas beizutragen:
im
Iran rechnet man
1.) NICHT im "Standard!-islamischen Kalender (gemäß dem der heutige
15. Januar 2017 gregorianischer Zeitrechnung der
16. 4. 1438 =
16. Rabi II 1438 wäre)
2.) aber offensichtlich auch noch in nicht nur landeseigener Zeitrechnung sondern auch noch in verschiedenen Systemen.
Nach dem Kalenderrechner
http://www.nabkal.de/kalrechiran.html wäre der heutige
15. Jan. 2017 je nach Gusto der
26. Dei 1395 (neuer iranischer Zeitrechnung), oder der
26. Dei 2575 ("schahi"-Zeitrechnung), oder der
2. Bahman 938 ("dschelali"-Zeitrechnung), oder ...
Viel Süpaß beim Weiterforschen!
EdgarR
@ EdgarR [#89]
Und hier gleich die praktische Anwendung:
Dieser Postfreistempel aus Teheran

gibt als Datum den "15.2.93" an.
In Langfassung wäre das also der 15. 02. 1393 oder "15. Ordibehescht 1393" der neuen iranischen Zeitrechnung.
Hey presto! Der schlaue Kalenderrechner macht daraus den 5. Mai 2014 gregorianischer Zeitrechnung. Easy - wenn man weiß, wie.
Aber die iranische Post hat auch noch einen kundenfreundlichen Service für die Briefe, die in den internationalen Postaustausch gehen: Sie schlägt besondere Handstempel ab, die die im Ausland ja wirklich wenig geläufige(n) iranische(n) Kalenderdaten in die entsprechenden gregorianischen Kalenderangaben umsetzten:

Sehr löblich!
@ EdgarR [#90]
Hallo EdgarR,
schön, dass Du auch einmal etwas zu diesem Thema beiträgst.
Die verschiedenen Kalender im arabischen Bereich werde ich auch irgendwann vorstellen. Dein Link wird mir dabei bestimmt helfen - sehr schön!
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
viele Stempel in Nepal werden sehr undeutlich abgeschlagen, so dass eine Bestimmung des Datums oft unmöglich ist. Bei diesem Brief ist zumindest einiges zu entziffern:

Ich kann die Schrift nicht lesen, aber der Brief ist entweder innerhalb Nepals oder nach Indien gegangen. Er trägt drei Stempel. Zu den Monaten siehe Tabelle im Beitrag [#87], Der Link für den Datumsrechner ist
http://nepalicalendar.rat32.com/index.php bzw.
http://www.ashesh.com.np/nepali-date-converter.php. :

Stempel mit europäischem Datum vom General Post Office (G.P.O.) in Kathmandu vom Juni 1963.

Der Ort ist unleserlich. Von der Jahreszahl 2020 sind nur drei Ziffern angegeben:
Das Datum ist 020 असार 3 o. 6 (?). असार = 3. Monat = Ashad. Damit stammt der Stempel entweder vom 17. oder 20.06.1963 AD.

Auch hier kann ich den Ort nicht erkennen. Das Datum ist 2020 आषाड 14. आषाड = 3. Monat (anderer Name). Der Stempel ist also vom 28.06.1963 AD.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
heute möchte ich mit einem neuen Kalender beginnen:
Der jüdische Kalender (Hebräische Kalender)
Der jüdische Kalender ist ein Lunisolarkalender. Das Jahr hat 12 Monate, die sich nach den Mondphasen richten. Neben den Normaljahren mit 12 Mondmonaten (ordentlich 354 Tage lang) gibt es Schaltjahre mit 13 Mondmonaten (ordentlich 384 Tage lang) zur Angleichung an das Sonnenjahr. Mehr dazu später.
Heute möchte ich erst einmal zeigen, wie das jüdische Datum in den Stempeln angegeben wird. In Israel ist in fast alle Stempeln das Datum sowohl nach dem jüdischen Kalender (in hebräischer Schrift) als auch nach unserem Kalender angegeben. Hier das erste Beispiel. Den Brief hat mein Cousin aus Metula mitgebracht hat, wo er einige Zeit in einem Kibbuz gearbeitet hat:

Die Texte in den israelischen Stempeln sind in der Regel dreisprachig und in drei Schriften angegeben – in Hebräisch, Englisch und Arabisch.
In der Mitte steht das Datum zunächst in Hebräisch (von rechts nach links zu lesen). Darunter ist das Datum nach unserer Zeitrechnung.
Nach dem Datumsumrechner
http://calendarhome.com/calculate/convert-a-date/ ist der 02.09.1977 (AD) = 19 Elul 5737 (AM) = זילשת לולא טי (von rechts nach links lesen).
Wie ist das Datum nun zu lesen. Hier die hebräischen Zahlen:

Von der Jahreszahl 5737 wird die 5000 einfach weggelassen.
737 = 400 + 300 + 30 + 7 = ת + ש + ל + ז (von rechts nach links). Zwischen der Einer- und Zehnerzahl ist noch ein Strich.
Der Monat wir ausgeschrieben Elul = לולא (von rechts nach links zu lesen).
Der Tag 19 = 10 + 9 = י + ט.
Soweit eine kurze Einführung, wie das jüdische Datum zu lesen ist.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
in Israel ist bis auf wenige Ausnahmen der Ortsname im Stempel in den drei Schriften Lateinisch, Hebräisch und Arabisch angegeben. Als Sprache entspricht dieses Englisch, Hebräisch bzw. Arabisch. Das Datum ist bei allen Stempelarten so gut wie immer nach dem jüdischen Kalender und nach unserem Kalender angegeben. Hier verschiedene Beispiele:
Tagesstempel aus Netanya ( נתניה bzw. نتانيا )
Stempeldatum: 19.05.1958 (AD) = 29 Iyyar 5718 (AM) = כט אייר תשיח
Die hebräischen Zeichen sind von rechts nach links zu lesen.

Tagesstempel aus Tel Aviv Yafo ( תל אביב יפו bzw. تل أبيب يافا )
Stempeldatum: 18.08.1957 (AD) = 21 Aw 5717 (AM) = בא בא תשיז
Bei der Jahreszahl 5717 wird die 5000 wieder weggelassen.
Die Zeichen im Stempel sind: ת + ש + י + ז = 400 + 300 + 10 + 7 = 517
Beim jüdischen Kalender ist “AM” ist die Abkürzung für „Annus Mundi“. Das bedeutet Weltjahr bzw. seit Erschaffung der Welt.
Zum besseren Verständnis für die hebräische Monatsangabe im Stempel hier noch eine Tabelle der jüdischen Monatsnamen.
Schiffspoststempel der SS Kedmah ( א/ק המדק bzw. من سطح السفينة )
Datum: 24.10.1949 = 1 Cheschwan 5710 = א ןוושח תשי
Links die Abbildung der SS Kedah. Weitere Informationen zum Schiff:
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:S.S._Kedmah1951.jpg
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
es geht weiter mit den
Maschinenstempeln:

Brief der israelischen Streitkräfte. Die 2328 im Dreieckstempel ist die Nummer der Armee-Einheit.
Der Brief trägt einen normalen Maschinenstempel aus Haifa, der drittgrößten Stadt Israels. In den israelischen Maschinenstempeln ist das jüdische Datum zweizeilig angegeben. Oben links steht der Monat, daunter Tag und Jahr. Oben rechts sind ein oder zwei Zeichen, deren Bedeutung ich nicht kenne. Da alle Zahlzeichen gleichzeitig auch Buchstaben sind, kann ich auch nicht sagen, ob es sich um Zahlen oder Buchstaben handelt.

jüdisches Datum:
Monat: אדר = Adar, Tag : ב = 2,
טיכשת (Jahr) = 400 + 300 + 20 + 9 = 729 => 5729
Insgesamt ergibt sich 2 Adar 5729 (AM) = 20.02.1969 (AD)
Unten im Stempel ist, wie bei Maschinenstempeln üblich, eine römische Zahl – hier die VII.
Zusätzliche Stempel auf dem Brief:

םוד ההצלחה שחירת םוד = Das Geheimnis des Erfolgs Vertraulichkeit
בשרות פעיל = Der aktive Dienst
Diese Übersetzungen kommen vom Google-Übersetzer.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
normalerweise werden die Zahlen in der hebräischen Schrift immer aus den höchsten möglichen Zahlen zusammengesetzt. Es gibt aber zwei Ausnahmen: Die Endziffern 15 und 16 werden grundsätzlich nicht als יה und יו für 10 + 5 und 10 + 6, sondern als טו und טז für 9 + 6 und 9 + 7 dargestellt, um Ähnlichkeiten mit dem Namen Gottes יהוה zu vermeiden.

Stempel aus Hurfeish einem Ort im Norden Israels vom 22.07.1986 (AD) = 15 Tammus 5746 (AM). Die 5746 ist wie üblich als 746 = 400 + 300 + 40 + 6 = ת + ש + מ + ו geschrieben (von rechts nach links zu lesen). Tammus = תמוז. Die 15 ist wie man gut sehen kann als 9 + 6 = ט + ו angegeben.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,

Einschreibebrief aus Nahariyya im Norden Israels vom 22.07.1959 (AD) = 16 Tammus 5719 (AM) nach Haarlem in den Niederlanden. Auf der Rückseite ein weiterer Stempel aus Haifa vom selben Tag.

Damit zeigen diese Stempel die zweite Ausnahme bei den Zahlen: 16 = 9 + 7 = ט + ז = טז anstelle von 10 + 6 = י + ו = יו. Die Stempel sind aber nicht sauber abgeschlagen und die 7 = ז innerhalb der 16 ist kaum von einer 6 = ו zu unterscheiden.

Bei diesem Ersttagsstempel vom Flughafen Ben Gurion ist die 16 = טז besser zu erkennen. Früher hatte der Flughafen, wie auf diesem Stempel, den Namen תעופה שדה לוד = Lod Flughafen (nach der benachbarten Stadt Lod).
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
Bei allen israelischen Stempelarten wird das Datum nach dem jüdischen Kalender (AM) und nach unserem Kalender (AD) angegeben. Die einzige Ausnahme sind die Post- und Absenderfreistempel.

Bei diesen Stempeln gibt es nur das Datum nur nach unserem Kalender. Weshalb das so ist, weiß ich nicht. Wenn man die israelischen Stempel auf der Seite mit den internationalen Freistempeln ansieht, so stellt man fest, dass das von Anfang an so war:
https://en.wikibooks.org/wiki/International_Postage_Meter_Stamp_Catalog/Israel
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
wie schon erwähnt, ist der jüdische Kalender ist ein Lunisolarkalender. Das Jahr hat 12 Monate, die sich nach den Mondphasen richten und 29 oder 30 Tage lang sind. Damit hat ein Jahr ca. 354 Tage. Damit sich der jüdische Kalender gegenüber dem Sonnenjahr (unser Kalender) nicht ständig verschiebt, gibt es Schaltjahre mit 13 Mondmonaten. Diese haben ca. 384 Tage.

Das Normaljahr und das Schaltjahr kann man im Stempel nur an der Monatsbezeichnung Adar (Normaljahr) oder Adar I bzw. II (Schaltjahr) erkennen. Hier die entsprechenden Beispiele:
Normaljahr: אדר = Adar

Schaltjahr - Adar I und Adar II:

In einem Zyklus von 19 Jahren wird die Differenz zwischen Mondjahr und Sonnenjahr durch Schaltmonate ausgeglichen. Der Schaltmonat wird in den Jahren 3, 6, 8, 11, 14, 17 und 19 innerhalb eines 19-Jahres-Zyklus geschaltet. Geschaltet wird immer dann, wenn die Differenz zwischen Sonnen- und Mondkalender am Jahresende mehr als einen Monat betragen würde, wobei von der Mitte des Zyklus ausgegangen wird.
So entstehen zwölf Gemeinjahre mit je zwölf Monaten und sieben Schaltjahre mit je 13 Monaten, die alle aufgrund von Schalttagen wiederum „regulär“, „übermäßig“ oder „vermindert“ sein können. Dadurch wird der Kalender so angepasst, dass er sich zum Lauf der Sonne und den Jahreszeiten nur geringfügig ändert.
Die Schalttage liegen entweder im Monat Cheschwan oder Kislew. Diese beiden Monate können entweder 29 oder durch einen Schalttag 30 Tage haben. Gibt es keinen Schalttag, so ist es ein vermindertes Jahr, gibt es zwei Schalttage, so ist es ein übermäßiges Jahr. Wenn das Jahr einen Schalttag hat, so ist es ein reguläres Jahr.

Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
das jüdische neue Jahr (mit der jeweils nächsthöheren Jahreszahl) beginnt im Herbst mit dem ersten Tag des siebten Monats Tischri, der Rosch ha-Schana („Haupt des Jahres“) genannt wird. Dieser Tag kann nur auf einen Montag, Dienstag, Donnerstag oder Sonnabend fallen.
Als erster Monat des Jahres wird hingegen der Frühlingsmonat Nisan nach biblischer Tradition mit dem Auszug der Israeliten aus Ägypten nummeriert. Nach Meinung von Historikern geht diese ungewöhnliche Anordnung auf die Übernahme der babylonischen Monatsnamen durch die Israeliten zurück.

Briefmarken zum jüdischen Neujahrsfest 5721 AM = 1961 AD. Die Briefmarken zum jüdischen Neujahrsfest erscheinen in Israel immer kurz vor Ende des Jahres im Monat לולא = Elul. In diesem Fall am 9. Elul 5721 (AM) = 21.08.1961 (AD). Den Stempel auf der Rückseite kann man besser erkennen. Er kommt also aus dem sechsten Monat, dem letzten Monat vor dem Wechsel der Jahreszahl am 1. Tischri (1. תשרי).

Stempel vom ersten Monat des Jahres, dem Nisan = ניסן.
Mit diesem Beitrag beende ich den jüdischen Kalender.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
ich möchte mit diesem Beitrag beginnen, Kalender vorzustellen, bei denen im Stempel arabische Zahlen vorkommen. Deshalb als erstes die entsprechende Tabelle:
Der Rumi-Kalender (Osmanisches Reich bzw. Türkei)
Der Rumi-Kalender ist ein auf dem julianischen Kalender basierender Sonnenkalender. Er wurde während der Tanzimat-Periode eingeführt und war von 1840 bis 1926 im Osmanischen Reich sowie der Republik Türkei gültig. Zur Geschichte des Rumi-Kalenders kann man einiges bei Wikipedia nachlesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Rumi-Kalender
Bei vielen Stempeln des osmanischen Reiches ist das Datum nach dem Rumi-Kalender in arabischen Zahlen und zusätzlich unser Datum in lateinischen Zahlen angegeben. Hier das erste Beispiel. Die Postkarte (P37) kommt aus Brousse = Bursa, der viertgrößten Stadt der Türkei:

Als Stempeldaten sind angegeben:
22 – 12 - 12 = 22.12.1912 (christlicher Kalender)
٩ - ١٠ - ٢٨ = 28 - 10 - 9 = 09.10.1328 (Rumi-Kalender)
Obwohl der Rumi-Kalender auf dem julianischen Kalender beruht, ist im Stempel das Datum nach dem gregorianischen Kalender angegeben. Auf der Rückseite wurde mit einem Gummistempel das Datum 27. 12.1912 abgeschlagen. Das muss das Ankunftsdatum der Karte in Berlin oder das Datum der Antwort sein.
An diesem Datum erkennt man leicht, dass das Datum im Stempel nur der gregorianische Kalender sein kann. Der 22.12.1912 (jul.) wäre der 04.01.1913 (greg.). Dann könnte die Karte aber am 27.12. noch nicht in Berlin gewesen sein.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
wie ich schrieb, basiert der Rumi-Kalender auf dem julianischen Kalender. Auf der englischen Wikipedia-Seite findet man die Umrechnung:
Zwischen dem 14. März 1900 und dem 28. Februar 1917 muss man 13 Tage und 584 Jahre vom Gregorianischen Kalender abziehen, um das Datum nach dem Rumi-Kalender zu erhalten. Davor waren es 12 Tage und 584 Jahre. Der Unterschied von 13 bzw. 12 Tagen entspricht dem Unterschied zwischen dem julianischen und dem gregorianischen Kalender. Die Geschichte des Kalenders ist recht kompliziert. Wieso der Unterschied gerade 584 Jahre beträgt, habe ich selbst nicht verstanden.

Ich nehme noch einmal den Stempel vom letzten Beitrag. Als Stempeldaten ist der 22.12.1912 angegeben:
Wenn man von diesem Datum 13 Tage und 584 Jahre abzieht, so erhält man den 09.12.1328. Das passt nicht zum Stempeldatum vom ٢٨ - ١٠ - ٩ = 09.10.1328. Die Ursache liegt darin, dass beim Rumi-Kalender der Jahreswechsel zwischen dem Februar und April ist. Dadurch werden die Monate im Rumi-Kalender anders gezählt. Hierzu die folgende Tabelle:

Bei der Umrechnung der Daten darf man also nicht von dem Monat in Form einer Zahl ausgehen, sondern man muss den Namen des Monats verwenden:
22. Dezember 1912 minus 13 Tage und 584 Jahre = 9. Dezember 1328. Nach der Zählung im Rumi-Kalender ist das, wie im Stempel angegeben, der 09.10.1328.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
es gibt zwar viele Stempel im osmanischen Reich, bei denen das Datum sowohl nach dem Rumi-Kalender als auch nach unserem Kalender angegeben ist. Gelegentlich findet man aber Stempel, die nur das Datum nach dem Rumi-Kalender enthalten. Auf dieser Postkarte (Michel P 42) sieht man gleich drei dieser Stempel:

Alle drei Stempel stammen vom selben Tag. Nur die Uhrzeit und der Ort sind unterschiedlich.
Als Datum ist jeweils angegeben: ٣٣٠ - ٢ – ٧ = 7 - 2 - 330 = 07.02.1330 (Rumi-Kalender).
Beim rechten Stempel ist die Jahreszahl nur zweistellig als ٣٠ = 30 angegeben.

Die Umrechnung zu unserem Kalender geschieht entsprechend des letzten Beitrages folgendermaßen:
Zur Jahreszahl nach dem Rumi-Kalender müssen 584 Jahre addiert werden: 1330 + 584 = 1914.
Beim Monat geht man am besten vom Namen aus. Der 2. Monat nach dem Rumi-Kalender ist der April (Tabelle im letzten Beitrag).
Zum Tag nach dem Rumi-Kalender muss man noch 13 Tage addieren: 7 + 13 = 20. Die drei Stempel sind also vom 20.04.1914 (AD).
Die arabischen Schriftzeichen in den Stempeln entsprechen den persischen Schriftzeichen.
1. Stempel: Fatih (فاتح) Uhrzeit: 5 – 6
2. Stempel: oben: ??? unten: Istanbul (استانبول) Uhrzeit: 6 – 5
3. Stempel: Eyoub-Sultan (ایوب سلطان) Uhrzeit: 7 – 8
Das Zeichen links neben der Uhrzeit habe ich bisher nicht herausbekommen. Es dürfte aber vermutlich unserem Vormittag oder Nachmittag in den 12 Stunden Stempeln entsprechen. Fatih und Eyoub = Eyüp sind heute Stadtteile Istanbuls auf der europäischen Seite.
Links neben der Marke befindet sich noch ein kleiner Kreisstempel mit der Nummer ١١٨ = 118:

Um was für eine Art von Stempel es sich hierbei handelt kann ich nicht sagen.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
noch ein paar Beispiele zum Rumi-Kalender. Mein frühester Stempel ist dieser:

In arabischen Ziffern erkennt man die Jahreszahl: ٣١٤ = 314 = 1314 (Rumi). 1314 + 584 = 1898 (AD).
Als Tag ist angegeben die ٣ = 3. Bis zum 13. März 1900 musste man 12 Tage zum Rumi-Tag addieren: 3 + 12 = 15.
Den Monat erkennt als Abkürzung NOV, also November nach unserem Datum.
Im Arabischen ist November تشرين ثاني =

im Rumi-Kalender „Teşrin-i Sânî”
Der Stempel kommt also vom 15.11.1898 (AD) = 3. Teşrin-i Sânî 1314 = 03.09.1314 (Rumi)

Im Stempel kann ich nur drei Zeichen der Jahreszahl lesen: ١٣٣ = 133. Die vierte Zahl ist nicht zu erkennen.
Briefmarken Mi. 229, 230 (1914) und Mi. 625, 626 (1917) => es können nur sein:
Arabisches Zahlen: ١٣٣٣ = 1333 Rumi = 1917 (AD) oder ١٣٣٤ = 1334 Rumi = 1918 (AD).
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
ein letztes Beispiel zur ersten Phase (bis 1917) des Rumi-Kalenders:

Wo die Postkarte aufgegeben wurde kann ich nicht sagen. Diesmal ist die Jahrezahl im Tagesstempel vierstellig. Dafür fehlt diesmal die Uhrzeit.
Arabisches Zahlen: ٢٤ - ٤ - ١٣٢٧ = 1327 - 4 - 24
1327 + 584 = 1911. Der vierte Monat im Rumi-Kalender ist der Juni. Wenn man vom 24. Juni dreizehn Tage weiterzählt kommt man auf das Datum 07.07.1911 (AD).
Dieses Datum zeigt der Stempel unten links vom Palais impérial = königlicher Palast (vermutlich Istanbul). Es ist wahrscheinlich der Dolmabahçe-Palast (Residenz des Sultans) oder der Topkapı-Palast (Wohn- und Regierungssitz der Sultane sowie das Verwaltungszentrum des Osmanischen Reiches).
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
diese Karte wurde zwar auch ins Ausland verschickt, das Datum im Stempel ist aber nur nach dem Rumi-Kalender. Der zweite Stempel (Depart) und der Zensurstempel (?) sind nicht zu erkennen.

Arabisches Zahlen: ٢٨ - ١ - ٣٤ = 34 - 1 - 28 = 1334 - 1 – 28. Statt des europäischen Datums ist diesmal die Uhrzeit ١١-١٢ = 12-11 angegeben. Die Postamtsnummer oder Unterscheidungszeichen sind diesmal die ٨ = 8.
Zur Umrechnung des Datums: Als Jahr ergibt sich 1334 + 584 = 1918 (AD). Damit kommt der Stempel aus der Zeit nach der Umstellung vom Rumi-Kalender auf den gregorianischen Kalender am 1. März 1917. Tag und Monat stimmen also mit unserem Datum überein. Die Postkarte wurde am 28.01.1918 in Pera aufgegeben.
Zum Text der Karte siehe
http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=159033
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
mit diesem Beitrag schließe ich den Rumi-Kalender ab. Im Rahmen der Reform von Atatürk wurde der Rumi-Kalender durch einen Gesetz vom 26. Dezember 1341 AH (1925 n.Chr.) aufgegeben. Anfang 1926 führte man den gregorianischen Kalender als sogenannten „Internationalen Kalender“ ein. Dabei wurden die Monatsnamen des Rumi-Kalenders übernommen. Anfang 1945 wurden anstelle der Monatsnamen des Rumi-Kalenders die türkischen Monatsnamen übernommen.

Bei diesem Brief vom 04.04.1927 wurde noch der alte Stempel mit doppeltem Datum abgeschlagen.

Arabisches Zahlen: ٤ - ٤ - ٢٧ = 27 - 4 - 4 = 1927 - 4 – 4. In dem Fall wurde also auch bei den arabischen Zahlen das Datum nach dem gregorianische Kalender angegeben.
Absender des Einschreibebriefes ist die „Banco di Roma“. Leider ist für mich keine Ortsangabe erkennbar. Die Bank hatte aber auf jeden Fall in Istanbul und Izmir eine Filiale. Diese Art des Einschreibestempels wurde zumindest in Istanbul verwendet. Oben steht UPU, darunter Turqui (= französisch Türkei). Ein Ort ist nicht angegeben. Frankiert wurde der Brief mit 5 Freimarken der Serie von 1926. Insgesamt sind es 28 ½ Ghrusch. Die Marke links unten ist eine Zwangszuschlagsmarke zu 2 ½ Ghrusch zugunsten des Roten Halbmondes.
Ich habe lange nach einen Umrechner vom Rumi-Kalender zum gregorianischen Kalender im Internet gesucht. Die folgende Seite habe ich erst gefunden, nachdem ich auf die Idee kam, die Suchbegriffe Rumi-Kalender und Umrechner auf Türkisch eingegeben.
http://www.ttk.gov.tr/genel/tarih-cevirme-kilavuzu/ Jetzt kann man jedes Stempeldatum nach dem Rumi-Kalender sehr leicht bestimmen. Man muss nur noch die arabischen Zahlen „übersetzen“.
Hallo zusammen,
heute möchte ich mit dem zweiten Kalender aus dem arabischen Bereich beginnen:
Der Iranische Kalender (Persische Kalender)
Der Iranische Kalender bzw. Persische Kalender wird in der heutigen Form seit dem 31. März 1925 auf Beschluss des iranischen Parlaments als amtlicher Kalender im Iran verwendet. In der Folge wurde er auch in Afghanistan eingeführt. Der iranische Kalender beruht auf dem Umlauf der Erde um die Sonne. Es handelt sich also um einen Sonnenkalender. Das Jahr ist ein Sonnenjahr mit einer festen Länge von 365 Tagen, in Schaltjahren 366 Tagen, und besteht aus 12 Monaten zu 31, 30 oder 29 Tagen.

Wenn man das iranische Datum 19.02.1389 und unser Datum 09.06.2010 vergleicht, so sieht man sofort, dass der Jahreswechsel im Iran nicht mit unserem Jahreswechsel übereinstimmen kann. Beim Iranischen Kalender ist der Jahresbeginn immer die Frühlingstagundnachtgleiche (20. oder 21. März nach unserer Zeitrechnung).

Besonders auffällig ist natürlich die Jahreszahl 1389. Die Zeitrechnung des iranischen Kalenders beginnt mit der Auswanderung (Flucht bzw. Hidschra) des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina. Somit dauert zum Beispiel das Jahr 1396 vom 21. März 2017 bis 20. März 2018 laut iranischem Kalender. Für Daten zwischen dem 1. Januar und dem 20. März müssen 622 Jahre, für Daten zwischen dem 21. März und dem 31. Dezember 621 Jahre von der westlichen Zeitrechnung abgezogen werden.
Eine Liste Anfangs- und Enddaten der Jahre 1354 (1975/76) bis 1419 (2040/41) findet man auf der Seite
https://en.wikipedia.org/wiki/Iranian_calendars
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
beim Rumi-Kalender habe ich schon die Zahlen vorgestellt, die in arabischen Ländern verwendet werden. Dabei habe ich mich allerdings falsch ausgedrückt. Wir in Europa verwenden arabische Ziffern. In arabischen Ländern werden dagegen indische Ziffern benutzt. Dabei ist noch zwischen Arabien und Ostarabien zu unterscheiden. Der Iran gehört zu Ostarabien.

Es unterscheiden sich allerdings nur die Ziffern 4, 5 und 6. Im Iran werden in der Regel die ostarabisch-indischen Ziffern verwendet. Wie man bei den Stempeln dieses Briefes sieht, kommen im Iran daneben aber auch die arabisch-indischen Ziffern vor.

Bei diesen beiden Stempeln sieht man alle drei Ziffern, bei denen es einen Unterschied gibt. Besonders deutlich ist es bei den beiden letzten Ziffern der Jahreszahl 64 = ۶۴ = ٦٤. Beim Monat ist die dritte unterschiedliche Ziffer die 5 = ۵ = ٥.

links ostarabisch-indische Ziffern: ۶۴-۰۵-۱۲ = 64.05.12 = 1364.05.12
rechts arabisch-indische Ziffern: ١٣٦٤-٥-١٣ = 1364.05.13
Die Jahreszahl nach unserem Datum lässt sich einfach berechnen: 1364 + 621 = 1985 AD. Zur Umrechnung des genauen Datums benutzt man am besten einen Umrechner aus dem Internet. Ich benutze vor allem diese beiden Seiten:
https://calendarhome.com/calculate/convert-a-date/ oder
http://www.nabkal.de/kalrech2.html.
Die Zählung beim Iranischen Kalender wird als hidschri schamsi (Sonnen-Hidschra = SH) bezeichnet. Die Jahreszählung nach dem islamischen Mondkalender dagegen als hidschri qamari (Mond-Hidschra = AH) bezeichnet.
Man sieht, dass der Brief am 12.05.1364 SH = 03.08.1985 AD aufgegeben wurde. Der Maschinenstempel wurde am 13.05.1364 SH = 04.08.1985 AD abgeschlagen. Leider kann ich die arabische Schrift nicht lesen und weiß nicht, aus welchem Ort die Stempel kommen.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,

Diese Briefmarke mit dem Bildnis vom Schah Mohammad Reza Pahlavi trägt einen sauber abgeschlagenen Bandstempel aus Teheran (تهران). Das Stempeldatum nach dem Iranischen Kalender ist ٣٩-١٠-٢٧ = 39-10-27 = 1339-10-27 HD. Der Kalender-Umrechner gibt als Datum nach dem gregorianischen Kalender den 17.01.1961 AD an.
Noch leichter ist das ganze bei Ersttagsstempeln, denn diese zeigen in der Regel das Datum sowohl nach dem Iranischen als auch nach unserem Kalender an. Man benötigt also keinen Umrechner. Hier ein Beispiel:

FDC zur Ausgabe Familienplanung vom 05.12.1972 AD. Oberhalb von unserem Datum steht der Tag nach dem Iranischen Kalender: ١٣۵١-۹-١۴ = 1351-9-14 HD. Wie bei den Ersttagsstempeln üblich, wird die Jahreszahl vierstellig angegeben.
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#105]
Das Zeichen links neben der Uhrzeit habe ich bisher nicht herausbekommen.
Das sieht mir wie das arabisch/persische Schriftzeichen ﺵ (Schin) in seiner isolierten Form aus, Lautwert "Sch" (wie in Schule). Das türkisch Wort für Vormittag lautet Sabah, nur ob das hier passen könnte, kann ich aber absolut nicht sagen.
Gruß
Thomas
@ DL8AAM [#114]
Hallo Thomas,
da wirst Du recht haben. Das arabische Zeichen im Stempel sieht ganz genauso aus wie ﺵ . Jetzt fehlt nur noch jemand, der die Bedeutung in diesem Fall (bei der Uhrzeitangabe) erklären kann.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
in Sindelfingen fand ich diesen iranischen Brief mit den Datumsangaben nach unserem und dem iranischen Kalender in lateinischen Ziffern. Es ist der erste Beleg mit beiden Datumsangaben in lateinischen Ziffern, den ich gefunden habe. Besonders schön war für mich, dass beide Stempel sehr klar abgeschlagen sind.

Der Brief wurde am 11.06.1932 AD in Schiras aufgegeben. In Teheran ist er vier Tage später am 25.03.1311 HD = 15.06.1932 AD angekommen. Laut Leitvermerk soll er über Pahlavi, Baku, die UdSSR nach Berlin transportiert werden. Leider sind keine weiteren Beförderungsvermerke vorhanden. Den arabischen Text oben rechts kann ich nicht lesen.
Mit Pahlavi dürfte das heutige Bandar Anzali gemeint sein. Die Stadt am Kaspischen Meer hatte früher den Namen Bandar Pahlawi oder Bandar-e Pahlavī. Von dort aus könnte der Brief über Land oder per Schiff nach Baku gelangt sein. Die Entfernung von Schiras nach Teheran beträgt ca. 920 km. Von Teheran bis Pahlavi sind es ca. 365 km.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
bei den Ersttagsstempeln im Iran ist das Datum häufig sowohl nach unserem Kalender als auch nach dem Iranischen Kalender angegeben. Daher kann ich eine Besonderheit des Iranischen Kalenders am besten mit mehreren Ersttagsstempeln zeigen.

Beim Stempel vom 26. Januar 1976 ist als iranische Jahreszahl die ١٣۵٤ = 1354 (HD) angegeben.
Am 6 Mai 1976 ändert sich die iranische Jahreszahl auf einmal zur ٢۵٣۵ = 2535. Was ist passiert?
Im März 1976 AD führte der Schah von Persien, Mohamed Reza Pahlavi, im Rahmen seiner Rückbesinnung auf die altiranische Größe eine neue Ära ein (Gesetz vom 24. Esfand 1354 Hidschri Schamsi = 14. März 1976 AD). Der neue Kalender wurde großspurig "kaiserlicher Kalender" oder "imperialer Kalender" genannt. Ausgangspunkt war die Gründung des Achmämenidenreiches unter König Cyrus I im Jahre 559 v. Chr.
Die neue Jahreszählung hat den Namen Persische Ära (PE). Der Beginn wurde auf den 28. März 559 v. Chr. (nach dem Julianischen Kalender) festgelegt. Das Jahr 559 v. Chr. entspricht dem Jahr 1 der persischen Ära bzw. Ära Shahanshahi, wie sie auch genannt wurde. Der 21.03.1976 AD war nicht mehr der 01.01.1355 HD sondern nach der neuen Zeitrechnung der 01.01.2535 PE.
Der iranische Kalender und die persische Ära unterscheiden sich um genau 1180 Jahre, ansonsten sind die Kalender genau gleich. Umrechnung:
Christliche Zeitrechnung (AD) in Persische Ära (PE),
Shahanshahi: 1. Januar bis Nouruz: PE = AD + 558 Nouruz bis 31. Dezember: PE = AD + 559
Persische Ära (PE) in christliche Zeitrechnung (AD):
1. Januar bis Nouruz: AD = PE - 558 Nouruz bis 31. Dezember: AD = PE - 559
Nouruz ist der Name des Neujahrs- und Frühlingsfestes, das am 20. oder 21. März vor allem im iranischen Kulturraum gefeiert wird.

Im August 1978 endete die Persische Ära und es wurde wieder der Iranische Kalender eingeführt. Dieser Stempel vom 06.03.1978 AD ist vom ١۵.١٢.٢۵٣٦ = 15.12.2536 PE. Das Datum liegt noch vor dem Jahreswechsel. Die höchste Jahreszahl, die bei der Persischen Ära vorkommt ist das Jahr 2537 PE.
Die neue Jahreszählung stieß nicht nur beim Klerus sondern auch in weiten Kreisen der Bevölkerung auf erheblichen Widerstand und konnte sich nicht richtig durchsetzen. Bereits am 05.06.1357 HD = 27.08.1978 AD, also noch geraume Zeit vor der eigentlichen islamischen Revolution, beschloss die Regierung, wieder zur alten Jahreszählung zurückzukehren.
Weitere Informationen zur Persischen Ära und zum Iranischen Kalender findet man auf den Seiten von Bernhard Peter:
http://www.kultur-in-asien.de/Kalender2/irankal7.htm
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
ich habe lange gesucht, bis ich einen Tagesstempel aus der Persischen Ära im Iran gefunden habe. Das Problem ist, dass in der Zeit 1976 bis 1978 fast immer Rollenstempel zum Einsatz kamen, bei denen häufig nur die Welle zu sehen ist. Stempel mit gut lesbarem Datum sind kaum vorhanden. Daher habe ich mich sehr über diesen Brief gefreut, den ich in Sindelfingen fand:

Zusätzlich zum Stempel zeige ich den persischen und den englischen Text der Briefmarke. Der Stempel trägt das Datum ۳۶-۱۲-۱۵ = 36 – 12 -15 = 15.12. 2536 PE = 06.03.1978 AD. Die beiden letzten Ziffern der Jahreszahl kann man gut im Vergleich mit der Jahreszahl auf der Briefmarke erkennen. Aufgegeben wurde der Brief in Teheran (تهران ). Der Ortsname steht ganz links. Was die restlichen Zeichen bedeuten, kann ich noch nicht sagen.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen!

Als ich diesen Brief bei Delcampe sah, wollte ich ihn sofort haben. Mir war etwas aufgefallen, das den Stempel für mich sehr interessant machte. Es war die Jahreszahl. Das iranische Jahr 1355 HD entspricht unserem Jahr 1977 AD. Damals galt im Iran die Persische Ära. Die Jahreszahl im Stempel hätte also 2535 PE sein müssen.

Wieso wurde bei einem Poststempel noch die veraltete Jahreszählung benutzt? Ich kann mir Vorstellen, dass bei diesem Stempel mit einer vierstelligen Jahreszahl an der ersten Stelle nur die „1“ und an der zweiten Stelle nur die „3“ existierte. Man konnte die Jahreszahl 2535 also überhaupt nicht einstellen.
Auch bei deutschen Typenradstempeln sind an der ersten Stelle des Tages, Monats bzw. des Jahres nur die erforderlichen Zahlen vorgesehen. Vergleiche hierzu den Beitrag von JohannesM:
http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=159077
Es gibt aber noch ein zweites Problem bei dem Stempel. Entsprechend der Umrechnung der Kalender ist der 16.10.1355 HD der 06.01.1977 AD. Die Briefmarke aus der Serie „Tag der Reformen“ wurde in Gedenken an die „Weiße Revolution“ vom 26. Januar 1963 herausgegeben. Das Ausgabedatum der verwendeten Briefmarke war der 26.01.1976 AD = 06.11.1355 HD.
Das Stempeldatum muss also falsch eingestellt sein. Welches Stempeldatum richtig gewesen wäre lässt sich nicht mehr feststellen. Der Luftpostbrief kam entsprechend des Stempels auf der Rückseite am 09.02.1977 an. (Bei den italienischen Maschinenstempeln mit dreizeiligem Datum wurde die Jahreszahl mit römischen Ziffern angegeben.)

Zusätzlich fällt beim Stempel aus Teheran auf, dass die Ortsbezeichnung auf dem Kopf steht. Beim Ortsnamen TEHRAN fehlt allerdings kein „E“. „Tehran“ ist die englische Bezeichnung von Teheran und ist inzwischen bei den Stempeln üblich.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
bei Wikipedia heißt es:
„1957 wurde der Iranische Kalender auch in Afghanistan als offizielle Zeitrechnung eingeführt. Jedoch werden in Afghanistan als Monatsnamen die Namen der Tierkreiszeichen auf Persisch und Paschto verwendet.“
Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/Iranischer_Kalender

Dieser Brief wurde am 10.05.1950 AD in Kabul aufgegeben. Im Stempel sind zum Glück die Daten nach unserem und nach dem in Afghanistan geltenden Kalender angegeben. Im Stempel steht rechts ٢٩.٢.٢٠ = 29.2.20. Wenn man das Datum 10.05.1950 umrechnen lässt, so findet man beim Afghanischen Kalender den 20.02.1329. Damit entspricht das Datum dem Iranischen Kalender. Obwohl der Iranische Kalender laut Wikipedia erst 1957 in Afghanistan eingeführt wurde galt er, wie der Stempel beweist, schon 1950. Bei Angabe bei Wikipedia kann nicht stimmen.
Beim Begriff „Afghanistan“ findet man bei Wikepedia weitere Informationen zum Kalender. Dort heißt es:
„Gesetzliche oder staatliche und landwirtschaftliche Feiertage und Feste wie Nouruz, Unabhängigkeitsfest sowie staatliche Gedenktage werden nach dem iranischen Sonnenkalender gefeiert. Religiöse Feste werden nach dem islamischen Mondkalender gefeiert.
Der Kalender nach dem Sonnenjahr ist Staatskalender, auch wenn er im Laufe der Geschichte auf dem Boden des heutigen Landes, aber auch seit der Namensgebung „Afghanistan“ im 19. Jahrhundert wiederholt außer Kraft gesetzt worden ist. Zuletzt wurde der Solarkalender im Jahre 1996 von den Taliban für ungültig erklärt. Der islamische Lunarkalender war der Kalender des „Islamischen Emirats Afghanistan“. Seit der Loja Dschirga von 2004 ist der auf dem Sonnenjahr beruhende Kalender abermals in der Verfassung verankert.“
Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/Afghanistan#Kalender
In Afghanistan gibt es bezüglich der Kalender für mich also noch einiges zu erforschen. Das ist aber nicht einfach, denn ich brauche dazu Belege, bei denen ich das Datum nach dem in Afghanistan geltenden Kalender und zusätzlich nach dem Gregorianischen Kalender erkennen kann.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
bei diesem Brief wurde zwar ein Ersttagsumschlag benutzt. Es ist aber kein Ersttagsbrief, denn die Marken sind schon 29.11.1962 erschienen.

Dieser Stempel ist der letzte Tagesstempel aus Afghanistan mit dem Datum nach zwei verschiedenen Kalendern in meiner Sammlung. Das Stempeldatum ist der 05.01.1963 AD = ٤١. ١٠.١٥ = 41.10.15 = 15.10.1341 HD nach dem iranischen Kalender.
Bis Mitte der 60-er Jahre gab es in Afghanistan Stempel (wie diesen) mit dem Datum nach dem gregorianischen Kalender und nach dem iranischen Kalender. Danach habe ich bei Bedarfspost bisher nur noch Stempel mit unserem Datum gesehen. Allerdings besitze ich keine Inlandspost und weiß nicht, welches Datum dort angegeben wurde. Anders als bei den Tagesstempeln ist es mit Ersttagsstempeln. Dort sind bis ins Jahr 1989 beide Kalender angegeben. Dadurch ist es mir möglich, auch in der Zeit die beiden Kalender miteinander zu vergleichen und Besonderheiten zu erkennen.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
im Gegensatz zu den 1960-er Jahren gab es insbesondere in der Zeit nach 1979 spezielle Ersttagsstempel passend zur Markenausgabe. Die Ersttagsstempel waren in der Regel violett. In diesen Stempeln war das Datum wieder nach dem iranischen und nach unserem Kalender angegeben:

Dieser Briefmarken erschienen aus Anlass der Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Moskau am 05.05.1985 AD. Im Stempel sieht man zusätzlich das Datum ١٣٦٤.٢.١٥ = 1364.02.15 nach dem Iranischen Kalender (HD).
Die Daten der Ersttagsstempel bis 1987 AD = 1366 HD stimmen mit den Daten bei den Kalender-Umrechnern überein. Wie die beiden folgenden Stempel zeigen, ist es ab 1988 etwas anders.

Das Stempeldaten im Stempel ist: 18.8.1988 bzw. ١٣٦٧-۵-٢٨ = 1367-5-
28.
Nach dem Umrechner ergibt sich: 18.08.1988 AD =
27.05.1367 HD

Das Stempeldaten im Stempel ist: 26.9.1988 bzw. ١٣٦٧-٧-۵ = 1367-7-
5
Nach dem Umrechner ergibt sich: 26.09.1988 AD =
04.07.1367 HD
Die Daten des Kalenderumrechners und die auf den Ersttagsstempeln unterscheiden sich also jeweils um einen Tag. Das gilt auch für die anderen Stempeldaten von Ersttagsstempeln aus den Jahren 1988 bzw. 1989, die mir zur Verfügung stehen bzw. die ich im Internet gesehen habe.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass das das Datum in allen Ersttagsstempeln falsch ist. Andererseits kann ich mir aber auch nicht vorstellen, dass der Kalender aus Afghanistan damals um einen Tag vom Kalender im Iran abgewichen ist. Was wirklich los war, konnte ich bisher auch mit Hilfe des Internets nicht feststellen.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
es folgt heute der letzte Beitrag zum Iranischen Kalender. Im Beitrag [#124] habe ich geschrieben "Die Daten des Kalenderumrechners und die auf den Ersttagsstempeln unterscheiden sich 1988/89 jeweils um einen Tag." Bei diesem Stempel ist es anders:

Während das Datum des Umrechners jeweils um einen Tag nach unten abweicht, ist es bei diesem Stempel anders. Das Stempeldatum ist der 03.08.1989 bzw. der ١٣٦٨-۵-٣ = 1367-5-
3. Nach dem Umrechner ist der
03.08.1989 AD aber der
12.05.1368 HD. Hier scheint beim iranischen Datum die „10“ beim Tag zu fehlen, denn dann ist wieder ein Tag Abweichung nach unten vorhanden.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
Der Islamische Kalender
Mit diesen Briefmarken aus Afghanistan bzw. dem Iran möchte ich zum Islamischen Kalender kommen. Bevor im Jahre 1925 der Iranische Kalender eingeführt wurde (Beiträge [#111] und folgende), galt in beiden Ländern der Islamische Kalender.

Bei dieser Briefmarke aus Afghanistan (Michel Nr. 1) steht an der rechten Seite die Jahreszahl ١٢٨٨ = 1288 AH = 1871 AD. Es sieht so aus, wie wenn die Briefmarke auf diesem Briefstück unten kaputt ist. Das ist aber normal, denn in Afghanistan erfolgte die Entwertung bis 1891 durch Abreißen oder Ausschneiden eines Teils der Marke.

Diesen beiden Briefmarken stammen aus dem Iran. Entsprechend des Aufdrucks kommen sie aus den Jahren 1319 AH = 1902 AD bzw. ١٣٢١ = 1321 AH = 1903 AD.

Schließlich noch zwei Marken aus Saudi Arabien. Diese sind aus den Jahren ١٤٠٥ = 1405 AH = 1985 AD bzw. ١٤٠٨ = 1408 AH = 1988 AD
Wenn man die islamische Jahreszahl von unserer Jahreszahl (gregorianischer Kalender) subtrahiert, so bekommt man folgende Ergebnisse:
1871 – 1288 = 583
1903 – 1321 = 582
1988 – 1408 = 580
Wie man sieht, ist es nicht möglich eine eindeutige Zahl anzugeben, mit deren Hilfe man die Jahreszahl umrechnen kann.
Es liegt daran, dass der Islamische Kalender ein echter Mondkalender (Lunarkalender) ist. Die Länge eines Jahres richtet sich nur nach den Mondphasen. Damit ist ein Jahr im Islamischen Kalender nur 354 Tage lang. Zur Anpassung an die astronomisch genaue Länge eines Mondjahrs mit 354,3671 Tagen ist das kalendarische Mondjahr etwa alle drei Jahre um einen Tag länger. Eine irgendwie geartete Schaltregel gibt es nicht, sie ist auch überflüssig, weil sich der Beginn jeden Mondmonats aus der Beobachtung, nicht einer Berechnung ergibt.
Der Islamische Kalender verschiebt sich gegenüber unserem Kalender jährlich um ca. 11 Tage.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
da ein reiner Mondkalender für die Landwirtschaft unbrauchbar ist, hatte sich bis zum frühen 20. Jahrhundert überall in der islamischen Welt auch der Gebrauch von Solarkalendern erhalten. Heute wird in fast allen islamischen Ländern im Alltags- und Wirtschaftsleben der gregorianische (Sonnen-) Kalender verwendet.
Der islamische Kalender und die islamische Zeitrechnung werden heute vorwiegend für religiöse Zwecke benutzt. Der Ramadan und die anderen insgesamt zwölf Mondmonate des Kalenders beginnen in vielen islamischen Ländern an demjenigen Tag, an dessen Abend erstmals nach Neumond eine dünne Mondsichel als Neulicht-Ereignis von einer religiösen Autoritätsperson beobachtet wird.
Das einzige Land, das über einen sehr langen Zeitraum den islamischen Kalender in seinen Stempeln verwendet hat ist Saudi-Arabien. In vielen Fällen ist es dort sehr einfach, das Stempeldatum nach dem islamischen Kalender zu übersetzen, da in vielen Stempeln auch das Datum nach dem gregorianischen Kalender angegeben ist.

30.09.65 = ٨٥/٦/-٥ = 85.06.05
Der 30.09.1965 AD entspricht also dem 05.06.1385 AH nach dem islamischen Kalender.
AL-Khobar, auch Khobar oder Al-Chubar (arabisch الخُبر), ist eine Stadt im östlichen Saudi-Arabien am Persischen Golf, etwa 400 km nordöstlich der Hauptstadt Riad.
Bei Bandstempeln war es in Saudi-Arabien üblich, dass der eine Kopf das islamische Datum und der andere Kopf das Datum nach dem gregorianischen Kalender enthält.

Linker Stempelkopf: 03.06.1978
Rechter Stempelkopf: ٢٧-٦-١٣٩٨ = 27.6.1398
Der Stempel wurde beim Postamt Riyadh A.P. = Riad Airport = مطار الرياض verwendet.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
es geht weiter mit dem islamischen Kalender. Damit ihr die Zahlen besser vergleichen könnt, füge ich die Tabelle noch einmal hinzu:

Wie man sieht ist der Stempel vom 21.08.1982 = ١١-٢-١٤٠٢ = 02.11.1402 und kommt aus der Hauptstadt Saudi-Arabiens Riyadh = الرياض (deutsch Riad). In Saudi-Arabien gibt es diese ungewöhnlichen Maschinenstempel mit einem sehr kleinen Abstand zwischen den beiden Stempelköpfen – er beträgt nur 1,45 cm. Im Zwischenraum sind drei steigende Wellen. Der Achsabstand von Mitte zu Mitte der beiden Stempelköpfe misst ca. 4 cm.

Dieser Stempel stammt aus Makkah = مكة. In Deutschland hat der zentrale Wallfahrtsort des Islam den Namen Mekka. Das Datum ist diesmal einzeilig und nicht so gut lesbar. Der Stempel ist vom 15.02.1999 = ١٤١٩-١٠-٢٩ = 1419.10.29.
Der Absender des Briefes kommt aus Al-Khobar am Persischen Golf. Um nach Mekka zu gelangen muss man einmal die Arabische Halbinsel durchqueren, eine Strecke von ca. 1300 km. Mein erster Gedanke war, ob er gerade auf einer Pilgerfahrt war. Die große Pilgerfahrt, der Haddsch, kann nur während bestimmter Tage im Jahr (8.–12. Dhu l-Hiddscha) durchgeführt werden; die kleine Pilgerfahrt, ʿUmra genannt, kann zu jeder beliebigen Zeit erfolgen. Im Jahr 1999 war die Haddsch vom 27. – 30. März. Der Brief wurde aber schon 1,5 Monate vorher aufgegeben.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
beim Versuch, den Stempel in die Datenbank einzugeben ist mir der arabische Text im Ortsstempel aufgefallen.
Aufgrund der großen religiösen Bedeutung, die die Stadt im Islam hat, wird sie im Arabischen üblicherweise mit einem ehrenden Beinamen versehen und als مكة المكرّمة Makka al-Mukarrama "Mekka, die Ehrwürdige" bezeichnet. So steht es auch im Ortsstempel.
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#127]
da ein reiner Mondkalender für die Landwirtschaft unbrauchbar ist
Hallo Volkmar,
vorab, ich schätze Deine Beiträge ganz ausserordentlich. Gleich mehrere meiner Lieblingsthemen hier sind auf Deinem "Mist gewachsen". Nicht zuletzt deshalb, hast Du auch diesmal wieder meine Stimme zum Mitglied des Monats bekommen.
Zu der obigen Aussage muss ich aber intervenieren. Mir ist selbstverständlich bewusst, dass es kaum eine Publikation zum Thema Kalender gibt, bei der nicht ihre Notwendigkeit für die Landwirtschaft hervorgehoben wird. Richtig wird die Aussage dadurch allerdings nicht.
Kein Landwirt, weder heute, noch vor tausenden von Jahren, benötigt/e einen Kalender für Aussaat und Ernte. Die Erfahrung aus der Beobachtung der Natur genügt dafür vollkommen. Aussaat und Ernte orientieren sich am erscheinen von bestimmten Pflanzen, Tieren, sowie Witterung und Sonnenstand.
Sonnenauf- und Untergänge strukturierten darüberhinaus das Jahr (Sonnenwenden, TagundNachtgleichen)und wurden in frühester Zeit mit Landmarken in Beziehungen gesetzt. Es dürften vielmehr religiöse Aspekte sein, die ursprünglich zur Entstehung von (verschiedenen) Kalendern führten.
Gruß,
Koban
@ Koban [#130]
Hallo Koban,
vielen Dank für die Lorbeeren! Bzgl. der Landwirtschaft habe ich einfach den Inhalt aus Wikipedia übernommen ohne groß darüber nachzudenken. Du hast natürlich recht! Der einfache Bauer brauchte keinen Kalender um seine Felder zu bestellen.
Die Entstehung von Kalendern hatte mit Sicherheit unterschiedliche Gründe. Neben der Religion gibt es weitere Gründe dafür. Einiges ist bei Wikipedia unter dem Thema "Kalender" zu lesen. Natürlich muss man bei Wikipedia immer vorsichtig sein, denn es stimmt nicht alles. Zum Beispiel sind beim nepalesischen Kalender (= Vikram Sambat) einige grobe Fehler bei Wikipedia. Ich muss mich einmal dort anmelden, damit ich die Fehler korrigieren kann.
Viele Grüße
Volkmar
Ich möchte hier einen meiner Lieblingsbelege zeigen. Die Postkarte wurde am 11.12.1911 in Hamburg aufgegeben und war 2 Tage später in Wladiwostok. Sie hat schon öfters an Vereinsabenden für Staunen gesorgt. Viele Sammler fühlten sich bestätigt, dass früher alles besser war: Das Wetter war besser, die Ochsen hatten grössere Köpfe und die Post war schneller.
@ johanneshoffner [#132]
Hallo Johannes,
so ein sehr schönes Beispiel zum gregorianischen/julianischen Kalender fehlt mir noch in meiner Sammlung. Danke fürs Zeigen!
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen!
Durch die Stempel aus Saudi-Arabien habe ich wahrscheinlich die Lösung meines Problems aus dem Beitrag [#124] gefunden. Dort hatte ich gezeigt, dass in Afghanistan die Stempeldaten der Ersttagsstempel ab 1988 um einen Tag vom Ergebnis des Kalender-Umrechners abweichen. Jetzt habe ich festgestellt, dass dasselbe Problem bei sehr vielen Stempeln aus Saudi-Arabien ebenfalls auftritt. Es sieht nach einem Fehler beim Umrechner aus. Wie komme ich darauf?
Als erstes habe ich mir einmal angesehen, wie man das islamische Datum ins gregorianische Datum umrechnen kann oder umgekehrt. Eine ausführliche Erklärung steht bei Wikipedia. Das Prinzip ist ausgesprochen umständlich und scheint auch nicht eindeutig zu sein.
https://de.wikipedia.org/wiki/Islamischer_Kalender
Ich habe nämlich anschließend verschiedene Umrechner im Internet herausgesucht und eine Reihe Daten von Ersttags- bzw. Tagesstempeln damit kontrolliert, wobei auf den Stempeln immer beide Daten angegeben waren. Hier ist das Ergebnis:

Die schwarzen Daten stammen von Ersttagsstempeln, die blauen von Tagesstempeln. „richtig“ bedeutet, dass das Stempeldatum und das Datum des Umrechners übereinstimmen. Bei „falsch“ weicht das Datum des Umrechners um einen Tag vom Stempeldatum ab. Bei „falsch falsch“ beträgt die Abweichung sogar zwei Tage. Folgende Umrechner habe ich verglichen:
https://calendarhome.com/calculate/convert-a-date/
http://www.islamicity.org/hijri-gregorian-converter/?AspxAutoDetectCookieSupport=1
https://www.islamicfinder.org/islamic-date-converter/
https://www.linktoislam.net/islamic-calendar/hijri-date-converter/
http://www.al-islam.com/Loader.aspx?pageid=918
http://www.iranchamber.com/calendar/converter/iranian_calendar_converter.php
http://www.assabile.com/convert-date-hijri-gregorian.htm
Wenn ihr das Ergebnis einmal vergleicht, sieht man, dass die Umrechner mit drei verschiedenen Algorithmen arbeiten, von denen aber keiner alle Daten richtig umrechnet. Bei der Tabelle liefern drei Umrechner die meisten richtigen Ergebnisse. Das bedeutet natürlich nicht, dass das immer so sein muss. Ich habe bisher nur Stempeldaten aus der Zeit von 1962 bis 2017 verglichen und weiß bisher nicht, wie es in der Zeit davor aussieht.

Der Tagesstempel vom ٨-٩-١٤٠٣ = 08.09.1403 AH = 19.06.1983 AD fällt in der Tabelle etwas aus dem Rahmen. Das kann an den Algorithmen oder natürlich auch daran liegen, dass eines der beiden Daten im Stempel falsch eingestellt ist. In diesem Fall glaube ich eher, dass der Stempel falsch eingestellt ist. Ich habe dazu extra mehrere Stempel aus dem Jahr 1983 herausgesucht und verglichen.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
das WLAN in der Ferienwohnung funktioniert und ich kann Beiträge einstellen. Ich muss nur zusehen, dass ich fertig bin, bevor die Enkel aufstehen.
Bei den Postfreistempeln aus Saudi-Arabien gibt es drei verschiedene Fälle, das Datum anzugeben. Gelegentlich sieht man Stempel mit dem Datum nach unserer Zeitrechnung. Solch ein Stempel fehlt mir aber noch in der Sammlung. Der zweite Fall sind Stempel, die ein Datum nach dem islamischen Kalender aber mit unseren (arabischen) Ziffern haben. Das Datum ist dann von links nach rechts zu lesen, die Jahreszahl ist dreistellig angegeben.

Hier ein Beispiel vom 07.09.1400 AH. Die Datumsumrechner liefern dazu das Ergebnis 20.07.1980 (Convert a date) oder 19.07.1980 AD (IslamiCity). Entsprechend der Tabelle im letzten Beitrag ist wahrscheinlich das letzte Datum zutreffend.
Die Stempel mit arabischen Ziffern werden nicht nur für Post verwendet, die z.B. nach Europa geht. Dieser Brief geht nach Pakistan. Wie man an der Anschrift sieht, wäre man dort ohne Probleme in der Lage, auch ein Datum mit arabisch-indischen Ziffern zu lesen.

Der Brief kommt aus Khamis Mushayt = Chamis Muschait = خميس مشيط, einer Stadt ganz im im Südwesten von Saudi-Arabien in der Provinz Asir. Das Stempeldatum 06.03.1404 AH entspricht wahrscheinlich dem 10.12.1983 AD.
Soweit für heute. Ich höre gerade Lukas rufen.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
der dritte Fall bei den Postfreistempeln aus Saudi-Arabien ist die Angabe des Datums in indisch-arabischen Ziffern. Das Datum ist in diesem Fall von rechts nach links zu lesen, die Jahreszahl wird dreistellig angegeben. Diese Datumsangabe wird vor allem bei den späteren Stempeln verwendet, die Datumsangabe mit unseren modernen arabischen Ziffern in der früheren Zeit (vor allem bis in die 80-er Jahre).

Ich zeige den frühesten und spätesten Stempel aus meiner Sammlung. Der erste Stempel aus Riad befindet auf einem Brief nach Pakistan vom ١٥. ١٠. ٤٠٩ = 409.10.15 = 15.10.1409 AH = 20.05.1989 AD.

Mein neuester Stempel kommt vom ١٧.٨.٤٢١ = 421.8.17 = 17.08.1421 AH = 14.11.2000 AD. Er befindet sich auf einem Brief nach Indonesien. Jubail ist eine Stadt im Osten Saudi-Arabiens am Persischen Golf.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
endlich funktioniert mein PC wieder und ich kann einen Beitrag einstellen.
Wie ich im Beitrag [#134] beschrieben habe, ist das Ergebnis beim Umrechnen der Daten nicht immer gleich. Das richtige Datum dürfte bei den Ersttagsstempeln zu erkennen sein, da diese vielfach das Datum nach dem islamischen und nach dem gregorianischen Kalender zeigen. Bei Tagesstempeln mit beiden Daten dürfte es in der Regel richtig sein, vielleicht ist das Datum aber auch gelegentlich falsch eingestellt. Hier einige der Ersttagsstempel:

Bei den Ersttagsstempeln gibt es einige, bei denen das Datum bei beiden Kalendern in unserer Schrift angegeben ist. Die Briefmarke zum Thema Energiesparen erschien am 01.08.1424 AH = 27.09.2003 AD.
Traditionell wird am 9. Oktober die Gründung des Weltpostvereins mit dem Weltposttag gefeiert. Aus diesem Anlass erschien am 13.08.1424 AH = 09.10.2003 AD die rechte Briefmarke. Bei diesen beiden Stempeln liefern z.B. die Datumsumrechner IslamiCity und Link to islam das richtige Datum.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
neben unseren lateinischen Zahlen wird das islamische Datum natürlich häufig auch in arabisch-indischen Zahlen angegeben. Auch hierzu zwei Beispiele:

In Riad gibt es das King Abdul Aziz Horse Center. Man sieht den Reitplatz auf der Briefmarke vom ٢٣-١٠-١٤٢٤ = 1424.10.23 AH = 17.12.2003 AD.
Für eine Pilgerfahrt nach Mekka nimmt man heutzutage gerne auch ein Flugzeug. Die Briefmarke vom ١-١١-١٤٢٤ = 1424.11.01 AH = 24.12.2003 AD erschien aus diesem Anlass.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
endlich komme ich dazu das Thema die unterschiedlichen Kalender fortzusetzen.
Als letzter Beleg aus Saudi-Arabien noch ein Tagesstempel auf einer Postkarte an meinen Vater:

Die Karte kommt von dem ehemaligen Schüler Bodo Grunewald. Er schreibt:
„… habe ich heute das außerordentliche Vergnügen, eines hier produzierten Landschaftsbilder, unter dem Künstlernamen – PINEP – in Saudi-Arabien veröffentlicht, Ihnen als Kartengruß zukommen zu lassen.“
Die Ortsangabe im Stempel ist „KH.MUSHAIT“. Die Postamtsnummer ist „6“. Oben ist der Ortsname in arabischer, unten in lateinischer Schrift angegeben.
Die Karte kommt also aus Khamis Mushayt = Chamis Muschait, einer Stadt im Südwesten von Saudi-Arabien in der Provinz Asir. 2004 hatte die Stadt 372.000 Einwohner.
Das Stempeldatum ist: ١٤٠٩-٩-١٩ = 1409-9-19 AH. Dieses entspricht vermutlich dem 25.04.1989 AD. Die Umrechner geben aber zum Teil den 24.04.1989 AD an.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
Obwohl der islamische Kalender in vielen islamischen Ländern gilt, ist es nicht einfach Stempel aus anderen Ländern nach dem islamischen Kalender zu finden. Im Iran galt z.B. bis 1925 der islamische Kalender. Alle Stempel die ich aus der Zeit davor gesehen habe, tragen aber unser Datum. Auch die Stempel aus fast allen anderen islamischen Ländern zeigen unser, also das gregorianische Datum.
In Afghanistan sowie in Hedschas und Nedschd, den Vorgängerstaaten von Saudi-Arabien habe ich Stempel nach dem islamischen Kalender gefunden. Komplette Stempelabschläge fehlen aber noch in meiner Sammlung. Hedschas ist der westliche Teil, Nedschd der zentrale Teil Saudi-Arabiens.

Die linke Marke kommt aus Hedschas. Sie ist 1924 AD = 1342 AH erschienen. Links sind noch die drei ersten Zahlen der Jahreszahl zu sehen: ١٣٤ = 134.
Die rechte Marke kommt aus Nedschd. Sie wurde am 03.04.1931 AD = 15.11.1349 AH in Dschidda = Djeddah abgestempelt. Leider fehlt der rechte Teil des Stempels mit dem islamischen Datum in arabisch-indischen Ziffern. Damit man den Stempel besser lesen kann, habe ich dieselbe Marke ein zweites Mal auf dem Kopf abgebildet.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
genauso wie in Saudi-Arabien gibt es in Syrien Bandstempel mit unterschiedlichen Stempelköpfen - siehe Beitrag [#128]. Im ersten Stempelkopf ist das Datum mit unseren (arabischen) Ziffern angegeben, im zweiten Stempelkopf dagegen mit arabisch-indischen Ziffern. Es ist ein zweisprachiger Stempel. Der Ortsname ist in beiden Stempelköpfen sowohl in Französisch als auch in Arabisch angegeben.

Das Stempeldatum in arabisch-indischer Schrift ist von rechts nach links, das andere von links nach rechts zu lesen. In beiden Stempelköpfen aus Damaskus ist das Datum nach unserem (gregorianischen) Kalender angegeben:

.
Damit man das Datum besser lesen kann, habe ich Striche bzw. Punkte eingesetzt, die im Stempel nicht vorhanden sind. Interessant finde ich auch die hochgestellte und unterstrichene Minutenangabe in beiden Stempelköpfen.
Auch die Posteigenwerbung ist sowohl Französisch als auch Arabisch. Es heißt dort: Expediez vos colis par la poste rapidite securite = Versenden Sie Ihre Pakete schnell und sicher mit der Post.
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#5]
Guten Tag,
was haben wir denn hier? Fangen wir doch mal ganz harmlos an:

Eine Alte Ansichtskarte aus dem Jahr 1899 aus Marburg, gezeigt ein Blick um den Lahnbogen auf die Stadt und über allem thront das Schloss. Es wird schlicht von der nächsten Fahrt nach Cassel und weiter über Berlin nach Neubabelsberg und Zeuthen berichtet. Damit sind wir von Hessen nach Brandenburg unterwegs - so weit, so gut.

Nun, die Zeit in Marburg war wohl etwas knapp, so hat der Absender die Karte erst in Kassel am 5.3.1899 in den Kasten geworfen. Auch bis hierhin noch nichts besonderes.

So, nun wird es etwas interessanter. Die Karte wurde nach Sankt Petersburg in Russland verschickt. Mit der Empfängeradresse tue ich mich noch etwas schwer, das braucht noch ein wenig bis ich es entziffert habe. Spannend finde ich den Ankunftsstempel, dieser datiert vom 24.2.1899. Dank Volkmars akribischer Recherche, kann ich nun das Datum vom julianischen auf den gregorianischen Kalender umrechnen, somit müsste die Karte am 8.März in St. Petersburg eingetroffen sein.
Spannend auch die Stempelform des Ankunftstempel, für mich ein Kreisstegstempel mit Bogen oben und unten und jeweils ein Segment oben und unten. Der Ortsname (russisch Санкт-Петербург) ist in kyrillisch, jedoch findet sich am Ende noch ein großes Härtezeichen "Ъ", dieses scheint heute verschwunden zu sein.
Letzter Punkt, die Karte ist über Eydtkuhnen geleitet, ehemalige Grenzstadt zwischen Deutschland und Russland. Leider kein Transitstempel vorhanden, ich zeige daher noch als Ergänzung eine Feldpostkarte aus dem Jahre 1915 aus Eydtkuhnen.

Beste Grüsse sagt Olaf
@ DERMZ [#143]
Mit der Empfängeradresse tue ich mich noch etwas schwer
Wenn ich mich als deutelnder Wessi nicht irre, ging die Karte an Herrn/Frau Olerich in der Kazaner Straße (Kazanskaya Ulitsa) Nr. 18, Wohnung 11 in Sankt Petersburg.
Das Haus dürfte sogar noch das "Original" von damals sein:

(Quelle: Google Maps)
Gruß
Thomas
@ DERMZ [#143]
@ DL8AAM [#144]
Hallo Olaf und Thomas,
schön, dass ihr auch einmal etwas zu diesem Thema beitragt. Dass die Adresse auf der Karte sofort übersetzt wird finde ich auch gut.
Vielen Dank und viele Grüße
Volkmar
@ DL8AAM [#144]
Danke Thomas,
so habe ich das kyrillische auch umgesetzt. Es ist halt doch zu lange her, als daß es mir flüssig von der Hand geht. Vielen Dank für das Photo, eine tolle Idee, die mir noch nicht in den Sinn kam.
Viele Grüße aus dem südlichen Süden
Olaf
Hallo zusammen,
ein Foto von Angelika und Hans-Joachim Förster von einem Friedhof aus Istanbul möchte ich euch nicht vorenthalten:

Die gute Nadide ist allerdings keine 666 Jahre alt geworden. Die Jahreszahl 1330 ist nach dem Rumi-Kalender, der bis 1925 in der Türkei bzw. dem Osmanischen Reich galt. 1330 Rumi + 584 = 1914 AD. Nadide ist also 82 Jahre alt geworden.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
im Beitrag [#141] habe ich mit unserem gregorianischen Kalender in arabischen Staaten begonnen. Ein letztes Beispiel aus Syrien mit der Datumsangabe in unseren (arabischen) Zahlen und zusätzlich in arabisch-indischen Zahlen:

Mit diesem zweisprachigen Stempel (Französisch/Arabisch) aus Aleppo habe ich Beispiele aus den drei größten Städten des Landes gezeigt.
Das Stempeldatum in arabischer Schrift ist 30-12-47 = 20.12.1947 AD. In arabisch-indischer Schrift ist angegeben ٤٧-١٢–٣٠ = 47-12-30. Es ist also dasselbe Datum, muss aber von rechts nach links gelesen werden.
Viele Grüße
Volkmar
Lieber Volkmar,
ich habe etwas überlegt bei welchem Thema ich diesen Beleg zeige, der speziell für dich gedacht ist, da er gleich mehrere deiner "philatelistischen Adern" trifft. ;-)
Hier erst mal die Anschriftenseite:

Im Text und bei verschiedenen anderen Angaben, z.B. Absender = Sendanto, oder das Zielland, Österreich = Austrujo, fällt die ungewöhnliche Sprache auf. Esperanto.
Noch viel interessanter und deswegen hier im Thema, die Bildseite dieser Postkarte, weitere Worte dazu erspare ich mir, das Bild dürfte alles dazu selbst sagen:

Amu salutojn,
Peter ;-)
@ filunski [#149]
Kara Peter,
multaj dankon!
Das ist wirklich eine interessante Karte. Einen Esperanto-Kalender habe ich noch nicht gesehen. Bisher habe ich Belege mit Kalendern noch nicht in diesem Thema gezeigt, aber sie passen natürlich auch dazu.
Was wohl der italienische Maschinenstempel "Arrivano i vichinghi" = "Die Wikinger kommen an" bedeutet? Bezieht er sich auf den US-amerikanischer Abenteuerfilm "Die Wikinger" des Regisseurs Richard Fleischer aus dem Jahr 1958?
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#150]
Hallo Volkmar,
dachte ich mir, dass dir der Kalender gefällt! ;-)
"I vichinghi" meint genau den von dir genannten Film. Werbung für den Kinostart des Films in Rom.
LG, Peter
Hallo zusammen,
die von 1958 bis 1961 bestehende Vereinigte Arabische Republik (VAR) war ein Zusammenschluss der arabischen Staaten Ägypten und Syrien. Die Union zerbrach mit dem Austritt Syriens am 28. September 1961. Ägypten behielt den Namen Vereinigte Arabische Republik nach deren Ende noch bis zum Jahr 1972 bei.

Auf diesem Einschreibebrief aus Kairo nach München ist einer der wenigen mir bekannten Stempel aus Ägypten, bei denen das Datum in arabisch-indischen Ziffern geschrieben ist.

Der Absender des Briefes wohnt in Kairo. Da aber der Aufgabestempel nur arabischen Text enthält, kann ich aber nicht sagen, wo der Brief aufgegeben wurde. Das Datum ist gut zu erkennen, nur die Uhrzeit ist unklar. ٦٤-٢-٢٦ = 64-2-26 = 26.02.1964. Einen Tag später erhält der Brief einen Stempel vom Postamt Cairo Airport.
Der Brief trägt keinen Einschreibezettel oder Einschreibestempel. Lediglich die Nummer des Einschreibens ist zweimal handschriftlich vermerkt. Unten steht die Zahl hinter einem „R“ in arabisch-indischen Ziffern: „R ١٩١“. Links von der Anschrift ist mir der Buchstabe unklar, die Ziffern sehen aber nach unseren arabischen Ziffern aus: „? 191“. Ob er in Deutschland als Einschreiben behandelt wurde ist nicht erkennbar. Auch die Bedeutung des kleinen elliptischen Stempels unterhalb der Marke ist mir nicht klar. Vielleicht kann ja einer von Euch etwas dazu sagen.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
als nächstes ein Einschreibebrief aus dem Irak:

Das Stempeldatum ist

= 1968 August 1 = 01.08.1968 AD. Es ist also nach unserem (gregorianischen) Kalender. Die beiden rechten Marken sind MiNr. 463 zur Eröffnung des neuen Irak-Museums in Bagdad. Links ist eine Zwangszuschlagsmarke zur Flutkatastrophe 1967 mit dem arabischen Aufdruck الدفاع الوطني = nationale Verteidigung (MiNr. 18). Was für ein Stempel links unten auf der Rückseite ist, weiß ich nicht.

Durch den Einschreibezettel ist es mir möglich, den Aufgabeort zu erkennen. Auf dem Einschreibezettel ist angegeben Al-Sadoon = السعدون. Damit kommt der Brief aus Bahdad. Im Rusafa-Distrikt östlich des Tigris gibt es den Al-Saadoon Park bzw. die Saadoun Street. Dort wohnt auch der Absender des Briefes. In der Nähe gibt es ein Postamt der Iraq telecom and post company = الشركة العامه للاتصالات والبريد. Evtl. hat der mittlere Teil „للاتصالات“ etwas mit dem arabischen Text unten im Stempel zu tun. Die Zeichen passen aber nicht genau.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen!
Der äthiopische Kalender
Wenn man diese Briefmarken aus Äthiopien zum Millennium genauer ansieht, so stellt man fest, dass sie erst 2007 erschienen sind.

Der äthiopische Kalender ist eine Variante des koptischen Kalenders. Die Jahreszählung läuft dem gregorianischen Kalender 7 Jahre und etwa 8 Monate hinterher.
Auf den neueren Briefmarken aus Äthiopien steht in der Regel unten links die Jahreszahl in der äthiopischen Schrift. Bei diesem Satz ist es nicht so, denn dort steht ፪ሺህ = 2. Jahrtausend. Die Briefmarken sind also im Jahr 2000 EE = 2007 AD erschienen. Die Abkürzung „EE“ steht in diesem Fall für „Ethiopian era“.
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#19]
Guten Abend,
heute hatte ich die folgende Karte im Briefkasten, ein schönes aktuelles Beispiel für die unterschiedlichen Kalender in Japan - doch um es nicht zu vergessen, ohne diese Forum und Volkmars spannende Zeitreisen, ich hätte nie niemals an unterschiedliche Kalender gedacht!

Der nette Kollege hat Tokio besucht, und dort im Stadtteil Shiba den Tokio-Tower besichtigt. Der Tokio Tower ist in der Form dem Eifelturm nachempfunden, allerdings in Rot und Weiss lackiert. Auf dem roten Handstempel ist das Datum in der Heisei-Zeit im Gengö-System angegeben, dabei steht die 30 am Anfang für das 30.Jahr seit Beginn der Heisei-Zeit am 8. Januar 1989. Tag und Monat sind in diesem Fall identisch mit unserem Kalender. Der zweite Stempel - ich nenne ihn mal "Exportstempel" - ist in dem uns geläufigen Kalender gehalten.
Beste Grüße aus dem südlichen Süden
wünscht Olaf
@ DERMZ [#156]
Hallo Olaf,
schön, dass ich bei diesem Thema nicht nur Alleinunterhalter bin und dass Du auch einmal einen Beleg zeigst. Danke!
Alle anderen können natürlich auch gerne mitmachen.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
zum „Übersetzen“ der äthiopischen Jahreszahlen genügt es nicht, die äthiopischen Ziffern zu kennen. Man muss zusätzlich wissen, wie die Jahreszahlen aufgebaut sind. Hier zunächst die äthiopischen Ziffern:

Auf dieser Briefmarke (MiNr 362) aus der Serie „alte Städte“ stehen gleich zwei Jahreszahlen nach dem äthiopischen Kalender in äthiopischen Ziffern und zusätzlich nach unserem Kalender:

Links stehen hintereinander die Zeichen für folgende Ziffern: ፱, ፻, ፺, ፪ = 9, 100, 90, 2
Rechts sind es die Ziffern ፲, ፪, ፻, ፺, ፪ = 10, 2, 100, 90, 2
Hinter den Jahreszahlen steht ዓ : ም : = C.E. = Christian era. Ich habe inzwischen festgestellt, dass häufiger CE anstelle von EE = Ethiopian era benutzt wird.
Die Jahreszahlen sind wie folgt zu lesen:
፱ ፻ ፺ ፪ ዓ : ም : = 9 x 100 + 90 + 2 = 992 CE = 1000 AD
፲ ፪ ፻ ፺ ፪ ዓ : ም : = (10 + 2) x 100 + 90 + 2 = 1292 CE = 1300 AD
Vor den Jahreszahlen steht noch ላሊበላ = Lalibela und ከ = von
Darunter heißt es ጥንታዊ : መናለሸ : ከተማ : = antike Hauptstadt
Lalibela ist weltweit bekannt für die elf monolithischen Kirchen, die überwiegend mehrgeschossig in rote Basaltlava gemeißelt sind. Die Briefmarke zeigt eine dieser Kirchen und zwar die Kirche Bet Emanuel oder Bet Amanuel
Viele Grüße
Volkmar
Danke, suchst ein japanischer roter Stempel mit Datum 3.3.12 - welches originale Datum ist auf einer Karte "verschlüsselt"? Das Datum wird evtl. aus dem Jahr 1991 stammen?
Meinen herzlichen vorab meinen Dank!
Glückauf!
Claus
@ mausbach1 [#160]
Hallo Claus,
es ist leichter, wenn du den Stempel zeigst. Wahrscheinlich steht die 3 links. Dann dürfte der Stempel aus dem Jahr Heisei 3 stammen. Damit wäre er vom 12.03.1991 AD.
Siehe
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=98953
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
Zauditu, die älteste Tochter von König Menelik II. wurde am 27. September 1916 zur äthiopischen Kaiserin erklärt. Ihr Cousin Tafari Makonnen wurde gleichzeitig der Kronprinz. Aus Anlass der Krönung der Kaiserin am 11. Februar 1917 gab es zwei Sätze mit einem entsprechenden Aufdruck.

Beim Aufdruck stehen oben der Name der Kaiserin Zauditu = ዘውዲቱ oder des Kronprinzen Tafari = ተፈሪ. In der Mitte ist das äthiopische Datum ፬ : የካቲት : ፲ ፱ ፻ ፱ und unten das Datum nach unserer Zeitrechnung, also der 11.2.1917 AD. Wie ist das äthiopische Datum zu lesen?
Die Jahreszahl ist so aufgebaut wie schon beschrieben: ፲ ፱ ፻ ፱ = (10+9)x100+9 = 1909 CE. የካቲት = Yäkatit = der 6-te Monat im Äthiopischen Kalender. Links steht eine ፬ = 4 für den Tag.
Beim äthiopischen Kalender gibt es 13 Monate. Die ersten 12 Monate haben jeweils 30 Tage, der 13. Monat hat 5 Tage bzw. im Schaltjahr 6 Tage.

Der Begriff „Beginn im Schaltjahr“ bezieht sich auf unsere Schaltjahre, also 1904 AD, 1908 AD, 1912 AD, 1916 AD usw. Die äthiopischen Schaltjahre sind 1903 CE, 1907 CE, 1911 CE, 1915 CE usw.
Entsprechen dieser Tabelle beginnt der Yäkatit am 8. Februar. Der 4. Yäkatit 1909 CE ist also der 11. Februar 1917 AD.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
zum Abschluss des Äthiopischen Kalenders komme ich noch zu einigen ungewöhnlichen Jahreszahlen. Die Schreibweise der Zahlen mit der Äthiopischen Schrift scheint auch im Land selbst nicht mehr sehr geläufig zu sein, denn in der Zeit von 2008 bis 2010 trugen die Briefmarken falsche äthiopische Jahreszahlen.

Die Übersetzung der äthiopischen Jahreszahlen ergibt:
፲ ፱ ፻ ፺ ፱ = (10 + 9) x 100 + 90 + 0 = 1999 CE
፪ ፻፻ = 2 x 10.000 = 20.000 CE
፪ ፻፻ ፩ = 2 x 10.000 + 1 = 20.001 CE

፪ ፻፻ ፪ = 2 x 10.000 + 2 = 20.002 CE
፳ ፻ ፪ = 20 x 100 + 2 = 2002 CE
Bei der Ausgabe vom 06.04.2010 AD war noch die falsche Jahreszahl. Dann hat man den Fehler wohl bemerkt, dann die nächste Ausgabe vom 06.10.2010 AD hatte die richtige Jahreszahl. Eine umfangreiche Zahlentabelle findet man auf der Seite
https://eotcmk.org/a/የግእዝ-ቁጥሮች-አጻጻፍ/
Einen Datumsumrechner für den Äthiopischen Kalender findet man auf der Seite
https://calendar.zoznam.sk/ethiopian_calendar-en.php?ly=1917&x=0&y=0
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
heute komme ich zu einem sehr ungewöhnlichen Kalender. Bei Wikipedia steht er auf der Seite "Kalendersysteme" unter der Überschrift "Neuzeitliche Kalenderentwürfe". Es ist aber ein eindeutiger Solarkalender, denn das Jahr hat 365 Tage und es gibt Schalttage zur Anpassung an das Sonnenjahr.
Der französische Revolutionskalender
Einen Tag nach Erstürmung der Bastille am 15. Juli 1789 wurde in Frankreich das „Jahr Eins der Freiheit“ (An 1 de la liberté) ausgerufen. Da der gregorianische Kalender beibehalten wurde, dauerte das Jahr 1 nur 5½ Monate.

Am 22. September 1792 schaffte der Nationalkonvent die Monarchie ab; zugleich beschloss er, mit diesem Stichtag das „Jahr 1 der Republik“ (An 1 de la République) beginnen zu lassen. Die staatlichen Institutionen waren verpflichtet, die neue, geänderte Jahreszahl zu verwenden.
Diese Ganzsache mit dem Sonderstempel erschien am 200-ten Geburtstag der Einführung des Französischen Revolutionskalenders (auch Republikanischer Kalender genannt) [1]. Oben im Stempel steht dementsprechend „An 1 de la République“.

Beim gregorianischen Kalender hat ein Tag 24 Stunden, eine Stunde 60 Minuten und eine Minute 60 Sekunden. Dieses geht auf die Babylonier zurück. Die Babylonier benutzten die Zahl 60 als Basis ihres sogenannten Sexagesimalsystems.
Am 5. Oktober 1793 entschied der Nationalkonvent, auch die Zählung der Tage und Monate zu erneuern. Der Französische Revolutionskalender basiert auf dem Dezimalsystem. Jeder Tag hatte 10 Stunden. Außerdem sollte jede Stunde 100 Minuten und jede Minute 100 Sekunden haben.
Die Umsetzung dieses Vorhabens hätte alle vorhandenen Uhren unbrauchbar gemacht. Neue Uhren waren jedoch sehr teuer. Daher beschloss der Konvent, das Gesetz zur dezimalen Tageseinteilung auszusetzen; es trat nie in Kraft.
Soviel fürs Erste, viele Grüße
Volkmar
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sischer_Revolutionskalender
Hallo zusammen,
auch die Jahreseinteilung wurde im Französischen Revolutionskalender neu geregelt. Das Jahr hatte 12 Monate mit jeweils 3 Wochen von 10 Tagen. Dies sind insgesamt nur 360 Tage. Zur Anpassung an das Sonnenjahr folgten am Ende des Jahres 5 bzw. in Schaltjahren 6 Übergangstage (Feiertage), die sogenannten „jour complémentaire“.
Durch die Zehntagewoche gab es nur noch alle zehn Tage einen freien Tag. Mit den Feiertagen am Jahresende waren es insgesamt nur noch 41 freie Tage im Jahr, was den Kalender nicht beliebt machte.
Der Jahresbeginn war während der gesamten Gültigkeitsdauer des Revolutionskalenders auf den Tag der Tag-und-Nacht-Gleiche im Herbst festgelegt. Dieser Tag konnte nicht berechnet werden sondern musste durch Himmelsbeobachtung bestimmt werden. In der Zeit des Französischen Revolutionskalenders war das des 22. bzw. der 23. September. Das Jahr 12 begann am 24. September.
Die 12 Monate des Revolutionskalenders wurden in vier jahreszeitliche Gruppen eingeteilt:

In der damaligen Zeit waren in Frankreich als Aufgabestempel die sogenannten Département-Stempel üblich. Diese hatten kein Datum. Brief aus Nizza im Département 85 Alpes-Maritimes nach Agde. Adge liegt ca. 4 km von der Küste des Mittelmeers entfernt.

Der Brief wurde am 29. Brumaire an 9 geschrieben. Für die Umrechnung findet man bei Wikipedia entsprechende Tabellen:

Der Brief ist also am 20.November 1800 geschrieben worden.
Viele Grüße
Volkmar
Quelle:
Auf den entsprechenden Monat klicken:
https://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sischer_Revolutionskalender
oder direkt auf
https://de.wikipedia.org/wiki/Brumaire
Hallo zusammen,
alle Frühlingsmonate endeten auf "-al". Es waren die Monate Germinal (Keim, Spross), Floréal (Blume) und Prairial (Wiese).Demt entsprechend endeten die abgekürzten Monatsnamen oben im Stempel auf "al":

Brief von Calais im Département 61 = Pas-de-Calais nach Paris. Heute hat Pas-de-Calais die Nummer 62. Entsprechend des Ankunftsstempels war der Brief am 23 Floréal an 12 in Paris. Dank Lulu kenne ich eine weitere Internetseite zum Umrechnen der Daten des Französischen Revolutionskalenders. Der Brief kam dementsprechend am 13.05.1804 in Paris an. Der Link ist:
http://archivesenligne.pasdecalais.fr/cg62v2/outils/calendrier/calendrier_rev_greg.php?annee=I
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
es fehlen als letztes noch die Sommermonate, die alle auf "-re" enden:

Der Brief kommt aus Châtellerault im Département 80 (Vienne). Der Département-Stempel oben auf dem Brief ist allerdings kaum zu erkennen. Der Brief kam am 25 Messidor an 12 in Paris an. Dieses Datum entspricht dem 14. Juli 1804.
Viele Grüße
Volkmar

Hallo Volkmar,
liege ich richtig, wenn ich diesen Stempel auf das Jahr 1906 datiere?
Ich gehe auf Grund der Briefmarke davon aus, daß der Stempel nicht aus 1939 sein kann.
Korrektur erbeten, wenn nötig!
Danke
Heinrich
@ Heinrich3 [#172]
Hallo Heinrich,
du hast das Datum richtig bestimmt. Die Jahreszahl 39 gibt es nur als Meiji 39 = 1906 oder als Showa 39 = 1964.
Von der Marke her kann es nur der 30.10.1906 sein.
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#173]
Hallo Volkmar,
heute wurde der Name für die Amtszeit der kommenden Tennogeneration verkündet. Der alte Herr will ja nicht mehr und soll noch in diesem Jahr durch seinen Ältesten abgelöst werden, weshalb die derzeitige Ära, die auf Amtsblättern noch existiert, mit dem Jahr 31 zu Ende geht. Für die Fans der japanischen Royals beginnt noch in diesem Jahr, sobald der neue Tenno sich auf seinem Thron niederlässt, alles wieder bei eins, Jahr 1 der Ära Reiwa.
Da die Inlands-Stempeltype und -farbe gleich ist wie beim letzten Jahr 1 (1989), kann jetzt, wem danach der Sinn steht, alle verpassten Ersttagsstempel der Ausgaben ab 1989 ff nachholen. :-)))
Grüßchen aus Tokyo,
ragiko
Hallo zusammen,
wie im Beitrag [#165] beschrieben, gab es am Ende des Jahres 5 „jour complémentaire“. Bis auf wenige Ausnahmen kann man diese Tage nur am Datum des Briefes erkennen.

Brief von Montpellier nach Agde vom 1 jour complémentaire an 8. Der letzte Tag im letzten Monat (fructidor) des Jahres an 8 ist der 17.09.1800. Der Brief wurde also einen Tag später am 18.09.1800 geschrieben.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
auch von den "jour complémentaire" gibt es die entsprechenden Pariser Ankunftsstempel. Diese Stempel sind natürlich deutlich seltener als die Stempel der anderen Tage.

Brief von Metz nach Paris, geschrieben am 3 jour complémentaire an 11. Entsprechend des Ankunftsstempels kam der Brief zwei Tage später, am 5 jour complémentaire an 11 in Paris an.

Das Jahr 11 = XI war ein Schaltjahr und hatte 6 jours complementaire. Schade, dass der Brief nicht einen Tag später angekommen ist. Ich weiß nicht, ob es den Stempel vom "6 jour complémentaire an 11" überhaupt gegeben hat. An 11 = 1803 ist das einzige Jahr, in dem der Stempel vorgekommen sein könnte.

Dieses sind die letzten Tage des Jahres 11:
30 fructidor an 11 = 17.09.1803
1 jours complémentaire an 11 = 18.09.1803
2 jours complémentaire an 11 = 19.09.1803
3 jours complémentaire an 11 = 20.09.1803
4 jours complémentaire an 11 = 21.09.1803
5 jours complémentaire an 11 = 22.09.1803
6 jours complémentaire an 11 = 23.09.1803
1 vendémiaire an 12 = 24.09.1803
Der Brief aus Metz ist also am 22. September 1803 in Paris eingetroffen.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
auch bei modernen Stempeln sieht man gelegentlich Daten nach dem französischen Revolutionskalender. Dieses sind Stempel, deren Ausgabeanlass im Zusammenhang mit der französischen Revolution stehen. Ein erstes Beispiel:

Der Stempel kommt aus La Roche-sur-Yon, einer französischen Stadt mit 53.578 Einwohnern (Stand 1. Januar 2015) im Département Vendée.

Die Stadt La Roche-sur-Yon in ihrer heutigen Gestalt wurde unter Napoleon erbaut. 1804 verlegte er den Sitz der Präfektur von Fontenay-le-Comte in die neu erstandene Stadt. Dementsprechend steht auf dem Stempel das Datum 25. Mai 1804 = 5 Prairial an XII.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
diesen Stempel habe ich gerade gefunden:

Hier ist nur ein Datum nach dem französischen Revolutionskalender angegeben: "22 frimaire an VIII". Entsprechend der Umrechnungstabelle [1] findet man das Datum 13. Dezember 1799.
Wenn man dann noch bei Wikipedia unter "Conseil d’État" nachliest [2] erfährt man:
Der Conseil d’État (deutsch: Staatsrat) ist eine französische Institution mit Sitz im Palais Royal in Paris...
Der Conseil d’État geht auf Napoleon zurück. Er wurde am 13. Dezember 1799 unmittelbar nach dem Staatsstreich durch den Ersten Konsul und späteren Kaiser gegründet.
Wie man sieht, ist das Datum im Stempel korrekt angegeben.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Frimaire
[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Conseil_d%E2%80%99%C3%89tat_(Frankreich)
Hallo zusammen,
mit dem letzten Beitrag hatte ich den Französischen Revolutionskalender beendet. Es folge ein Kalender, der aber auch etwas mit der Französischen Revolution zu tun hat.
Der Positivisten-Kalender [1]
Der Positivisten-Kalender (auch Comte-Kalender genannt) ist ein Solarkalender, der von Auguste Comte im Jahr 1849 zur Reform des Gregorianischen Kalenders vorgeschlagen wurde. Er erreichte jedoch, wie auch andere Entwürfe von Comte, niemals weitere Verbreitung.

Isidore Marie Auguste François Xavier Comte (1798 - 1857) war ein französischer Mathematiker, Philosoph und Religionskritiker. Vor allem ist er jedoch als Begründer des Positivismus und Mitbegründer der Soziologie bekannt - deren Benennung auf Comte zurückgeht.

Das System des Positivisten-Kalenders:
Der Kalender hat 13 Monate zu je 28 Tagen plus einen Festtag zu Ehren der Toten zum Jahresende. Dieser Extratag wird weder einem Monat noch einem Wochentag zugeordnet. Auf diese Weise können Woche und Monat synchronisiert werden, das heißt, jeder Monat beginnt grundsätzlich mit einem Montag.

Neben dem Gemeinjahr mit 365 Tagen sieht der Kalender ein Schaltjahr mit einem zusätzlichen Extratag am Jahresende vor, der dem Andenken an weibliche Heilige gewidmet sein soll. Die Jahresanfänge und die Schaltregel stimmen mit jenen des Gregorianischen Kalenders überein.
Allerdings sollte die christliche Jahreszählung durch eine positivistische ersetzt werden: Als Jahr 1 (Epoche) sollte das christliche Jahr 1789 gelten, in dem die Französische Revolution ihren Anfang nahm.
Die Monate des Positivisten-Kalenders wurden nach berühmten Persönlichkeiten benannt und gehen jährlich die Weltgeschichte unter fortlaufenden Themensetzungen durch – eine Weltgeschichte, die zur Verwissenschaftlichung führt:

Die Gegner des Kalenderentwurfs bemängeln u. a. seine ideologische Grundlage, die in den Monatsnamen zum Ausdruck kommt, und die Unteilbarkeit der Monatsanzahl 13. Dadurch ist es nicht möglich, das Jahr in statistisch sinnvolle Abschnitte wie Halbjahre oder Quartale aufzuteilen. Auch eine Integration der traditionellen Jahreszeiten in den Kalender ist schwierig.
Da der Positivisten-Kalender niemals weitere Verbreitung gefunden hat, gibt es natürlich auch keine Stempel mit dem Datum nach dem Positivisten-Kalender.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Positivisten-Kalender
Hallo zusammen!
Internationaler ewiger Kalender [1]
Außer in positivistischen Kreisen wurde der Kalender in der Praxis nie verwendet. In den 1930er Jahren erlebte er als leicht modifizierter Internationaler ewiger Kalender e vorübergehend größere Aufmerksamkeit. Damals wuchs weltweit die Forderung nach einem reformierten modernen Kalender, der den als zu kompliziert empfundenen gregorianischen Kalender ersetzen sollte.
Als Internationaler ewiger Kalender (engl. International Fixed Calendar, abgekürzt IFC) wird ein Kalenderentwurf von Moses Cotsworth (1859–1943) bezeichnet, den dieser 1923 vorgestellt hat.

Dieser Kalender teilte das Jahr in 13 Monate zu je 28 Tagen plus einen Extratag am Jahresende (im englischen auch als „a year and a day“ bezeichnet, für ein Mondjahr und einen Tag). Dieser Extratag wird weder einem Monat noch einem Wochentag zugeordnet. Auf diese Weise können Woche und Monat synchronisiert werden, das heißt jeder Monat beginnt grundsätzlich mit einem Sonntag und besteht jeweils aus vier vollständigen Wochen.
Die Monatsbezeichnungen entsprechen jenen des Gregorianischen Kalenders. Der zusätzliche dreizehnte Monat wird in die Jahresmitte zwischen Juni und Juli gelegt und erhält den Namen Sol („Sonne“) oder Midi („Mitte“).

* In Schaltjahren liegen diese Daten einen Tag früher. Der Schalttag wird als Extratag zwischen Samstag, den 28. Juni und Sonntag, den 1. Sol eingefügt. Genau wie der Extratag am Jahresende liegt er außerhalb des Wochenzyklus und gehört zu keinem Monat.
Ein wesentlicher Vorteil des Kalenders liegt darin, dass alle Monate gleich aufgebaut sind, sowohl was ihre Länge angeht, als auch die Zuordnung der Wochentage. Woche und Monat sind also in Phase. Der Kalender ist damit äußerst übersichtlich strukturiert. Darüber hinaus könnten monatliche Ereignisse – zum Beispiel die Auszahlung des Gehaltes – regelmäßig stattfinden.
Die Gegner des Kalenderentwurfs von Cotsworth bemängeln u. a. die Unteilbarkeit der Zahl 13. Dadurch ist es nicht möglich, das Jahr in statistisch sinnvolle Abschnitte wie Halbjahre oder Quartale aufzuteilen. Auch eine Integration der traditionellen Jahreszeiten in den Kalender ist schwierig. Die Unterbrechung des Wochenzyklus ist für Judentum, Christentum und Islam nicht akzeptabel.

Wie man im Michel lesen kann, handelt es sich bei dieser Darstellung um ein Detail des ewigen Kalenders. Diese Briefmarke hat allerdings nichts mit dem Internationalen ewigen Kalender zu tun. Diese Erklärung zur Briefmarke fand ich auf einem Ersttagsbrief:

Frei übersetzt steht dort:
Bild einer 200 Jahre alten Planke eines Ameland-Kapitäns, die im Fries-Museum in Leeuwarden aufbewahrt und als ewiger Kalender verwendet wird… Beim Kalender wird das Datum jeweils mit losen Holzklötzen angegeben. Diese Holzklötze werden auf der Briefmarke für die Jahre verwendet.
Das „ewig“ bezieht sich also nur darauf, dass das Datum mit Hilfe der losen Klötze für alle Zeit angegeben werden kann.
Viele Grüße
Volkmar
[1]:
https://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Ewiger_Kalender
Hallo zusammen!
Julianischer und gregorianischer Kalender
bei den ersten Beiträgen zu diesem Thema [#1] bis Beitrag 12 ging es um den Unterschied zwischen dem julianischen und gregorianischen Kalender. Damals habe ich nur sehr wenige Beispiele gezeigt. Daher möchte ich noch einmal auf diese Kalender eingehen.
Der julianische Kalender wurde in Ägypten entwickelt und von Julius Caesar im Jahre 45 v. Chr. im Römischen Reich eingeführt. Der julianische Kalender an sich war im gesamten Römischen Reich anerkannt, die Jahresanfänge jedoch wurden von Region zu Region verschieden gehandhabt. Auch die Jahreszählung war in den verschiedenen Teilen des Römischen Reiches verschieden. Details dazu siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/Julianischer_Kalender . Es gab mehrere Reformen des julianischen Kalenders. Eine davon kann ich philatelistisch belegen.

Aus
https://de.wikipedia.org/wiki/Edikt_von_Roussillon :
Das Edikt von Roussillon aus dem Jahr 1564 legte den Jahresbeginn in Frankreich auf den 1. Januar fest.
Auf einer seiner Reisen durch das Land stellte König Karl IX. fest, dass der Jahresbeginn in Frankreich je nach Diözese unterschiedlich festgelegt war: im Erzbistum Lyon war es Weihnachten, im Erzbistum Vienne – wenige Kilometer weiter – der 25. März. Andere Daten waren der bereits im Römischen Reich übliche 1. März und Ostern. Die abweichenden Regelungen erzeugten nicht nur in der damaligen Zeit Verwirrung; sie wirken als Unsicherheit zu historischen Jahreszahlen bis heute fort.
Nachdem er den Jahresbeginn für das gesamte Land vereinheitlicht hatte, fügte er einem Edikt, das er Anfang Januar 1563 in Paris erlassen hatte, vier Artikel (Nr. 39 bis 42) hinzu, die er am 9. August 1564 in Roussillon verkündete: der Jahresbeginn wurde im Artikel 39 nun auf den 1. Januar festgesetzt
Die Abbildung im Stempel zeigt das alte Schloss, in dem Karl IX. 1564 das Edikt unterzeichnete, das den 1. Januar Anfang des Jahres festlegte.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
das julianische Jahr ist gegenüber dem Sonnenjahr um 11 Minuten und 14 Sekunden zu lang. Dies führte zu einer zunehmenden Abweichung vom Sonnenlauf, die im 14. Jahrhundert schon mehr als sieben Tage betrug. Papst Gregor XIII. führte im Jahre 1582 den gregorianischen Kalender mit einer verbesserten Schaltregel ein.
Für den Übergang bestimmte Gregor XIII. weiterhin, dass auf Donnerstag, den 4. Oktober 1582 (julianisch) direkt Freitag, der 15. Oktober 1582 (gregorianisch) zu folgen hatte, womit 10 Tage übersprungen wurden (unter Beibehaltung der Wochentagfolge).

Da der neue Kalender vom Papst eingeführt wurde, benutzten ihn zunächst überwiegend die römisch-katholischen Staaten. Die meisten protestantischen Staaten behielten den julianischen Kalender bis ins 18. Jahrhundert bei, was vor allem in konfessionell gemischten Gebieten Deutschlands zu einem umständlichen Nebeneinander von „altem Stil“ neben „neuem Stil“ führte.
Zum Beispiel änderte das Herzogtum Preußen am 02.09.1612 (jul.) das Datum zum 23.08.1612 (greg.).
Die orthodoxen Länder Osteuropas, behielten den julianischen Kalender noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts bei. Hier muss der Philatelist aufpassen, wenn er das Datum eines Beleges angeben will. Dazu mehr in den nächsten Beiträgen.
Wann in den einzelnen Ländern der Übergang vom julianischen zum gregorianischen Kalender erfolgte ist bei Wikipedia nachzulesen [1]
Viele Grüße
Volkmar
https://de.wikipedia.org/wiki/Gregorianischer_Kalender#%C3%9Cbernahme_des_gregorianischen_Kalenders
Hallo zusammen,
beim julianischen Kalender gilt: Alle Jahre, bei denen die Jahreszahl durch 4 teilbar ist, sind Schaltjahre. Das julianische Jahr ist damit um etwa 11 Minuten länger als das tatsächliche Jahr.
Die von Papst Gregor eingeführte Schaltregelung war dagegen genauer. Beim gregorianischen Kalender gilt: Alle durch vier teilbaren Jahre sind Schaltjahre. Alle Jahreszahlen, die durch 100 teilbar sind, sind keine Schaltjahre. Ausnahme: Die durch 400 teilbaren Jahreszahlen sind Schaltjahre. Daraus folgt: 1600 und 2000 sind Schaltjahre, 1700, 1800, 1900, 2100 sind keine Schaltjahre.
Der 29. Februar 1900 (greg.), ein Tag den es bei uns nicht gibt:

Diese Postkarte wurde am 12.03.1900 (greg.) = 28.02.1900 (jul.) geschrieben und einen Tag später aufgegeben. Der Poststempel ist also vom 29.02.1900 (jul) = 13.03.1900 (greg.). Diesen Schalttag, den 29.02.1900, gab es bei unserem gregorianischen Kalender nicht. Es war gar nicht so einfach, einen Beleg von diesem besonderen Tag zu finden. Durch diesen Tag ergibt sich Folgendes:
Umrechnung vom julianischen zum gregorianischen Kalender:
18.02.1800 (jul.) = 01.03.1800 (greg) bis zum 16.02.1900 (jul.) = 28.02.1900 (greg):
julianisches Datum + 12 Tage = gregorianisches Datum
(1800 und 1900 ist der 29. Februar dabei mitzuzählen.)
Seit dem 17.02.1900 (jul.) = 01.03.1900 (greg.):
julianisches Datum + 13 Tage = gregorianisches Datum

Noch einmal zurück zum Stempel und der Postkarte. Interessant finde ich den Aufgabeort und den französischen Text der Karte. Im Stempel steht:
ШАБО БЕССАР. Г. = Шабо Бессар. г. = Шабо Бессарабская губе́рния = Schabo Gouvernement Bessarabien
ПОЧТ ТЕЛ.ОТД. = ПОЧТЫ И ТЕЛЕГРАФА ОТДЕЛ = Почты и телеграфа отдел = Post- und Telegraphenabteilung
Auf der Karte hat der Absender J.A. Grigorieff als Anschrift angegeben: „Chabag prés de Akkerman gouvern Beßarabie“.
Die Kolonie Chabag ist eine Kolonie, die 1822 von Schweizern aus dem Kanton Waadt am Ufer des Schwarzen Meeres gegründet wurde. Zar Alexander I. von Russland förderte zu dieser Zeit die Kolonialisierung der Region. Die Schweizer Siedler widmeten sich fortan hauptsächlich dem Weinbau. Alexanders Lehrer Frédéric-César de la Harpe stammte selbst aus dem Waadt und bewog den Zaren dazu, Schweizer Auswanderer als Kolonisten in die neu eroberten russischen Gebiete ziehen zu lassen.
Der Name der Siedlung geht auf die türkische Bezeichnung Ascha Abag (wörtl. „untere Gärten“, das heißt unterhalb der Festung Akkerman liegende Weinbau-Gebiete) zurück, wobei die Zusammenziehung Schabag später von den französisch-schweizerischen Siedlern zu Schabo umgeformt wurde, um französischer zu klingen.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Schabo
[2]
https://fr.wikipedia.org/wiki/Colonie_de_Chabag
Hallo zusammen,
diese Postkarte aus der bulgarischen Hauptstadt Sofia ist leider nicht gut erhalten.

Die Postkarte wurde am 14.08.1894 (jul.) + 12 Tage = 26.08.1894 (greg.) aufgegeben. Empfänger ist der deutsche Theologe, Slawist und Orientalist Rudolf Abicht in Breslau. Er arbeitete ab 1892 an der Breslauer Universität als Lektor für polnische und russische Werke. 1900 wurde er zum Professor ernannt und habilitierte sieben Jahre später für slawische Philologie. [1]

Die Postkarte kam nach zwei Tagen am 28.08.1894 (greg.) in Breslau an. Da die Karte in bulgarischer Sprache und kyrillischer Schrift geschrieben ist, kann ich den Text nicht lesen. Der Absender ist entsprechend des Stempels von der Buchhandlung (Librairie) J.B. Hasuroff.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Abicht
@ volkimal [#118]
Ich habe soeben einen Beleg mit einem Datum entdeckt, das es aus unterschiedlichen Gründen nicht geben dürfte: der 2.8.2538 war der 24.10.1979.

Wie ausgeführt, dürfte es als letzte Jahreszahl nach dem
Imperial Calendar noch 2537 geben. Das hier verwendete Datum liegt 14 Monate nach der Rücknahme der Kalenderänderung, 8 Monate nach Beginn der Revolution und 6 Monate nach Ausruf der Republik. Die Verwendung war beim Postamt Universität Teheran.
Die Verwendung der Sondermarken aus März 1979 war in Ordnung, da diese nicht für ungültig erklärt wurden; die Marke der Ds. Schah wurde offiziell überdruckt und die Zwangszuschlagsgmarken wurden bis zur Umwandlung von
Roter Löwe und Sonne Iran in
Roter Halbmond bis 30.6.1980 weiterhin verwendet.
@ wer.indja [#191]
Hallo Werner,
sehr interessant. Ich kenne zwar einen Stempel aus der Zeit der persischen Ära, bei denen der normale iranische Kalender benutzt wurde. Solch einen Stempel aus der Zeit des normalen iranischen Kalenders aber mit einem Datum nach der persischen Ära habe ich noch nicht gesehen. Danke fürs Zeigen.
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#193]
Kann es sein, das der Ankunftsstempel nicht der 16.5 sondern der 18.5. ist. Die Zahlen im Ankunftsstempel sind alle etwas unsauber. Bei einer Entfernung von ca. 400 km zwischen den Orten könnte ich mir vorstellen, das der Brief auch am nächsten Tag angekommen ist, da du ja auch die Eisenbahnverbindung zwischen beiden Orten aufgeführt hast. Die heutige Strassenverbindung ist eine ziemlich gerade Strecke.
Woran erkennst du, das die Karte am 8.5.1902 / 21.5.1902 geschrieben wurde? Für mich ist die Zahl vor der Jahresangabe 02 eine 6.
Gruss
Martin
@ Martin de Matin [#194]
Hallo Martin,
da habe ich wohl nicht richtig hingeschaut. Du hast recht, die Karte kam wahrscheinlich am 18.05.1902 (jul.) = 31.05.1902 (greg.) am Ziel an. Dank der Bahnstrecke des Orient-Express betrug die Beförderungszeit der Karte nur einen Tag.
Wenn man die Karte im Original ansieht, so scheint der Absender das handschriftliche Datum von 8.6.02 auf den 8.5.02 korrigiert zu haben.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo Zusammen,
momentan versuche ich, dabei eigentlich völlig überfordert, für einen Bekannten vom Philatelistenstammtisch in Nürnberg einen Brief aus der Zeit der ersten Französischen Republik zu transkribieren und zu übersetzen. Ich habe schon frustriert nahezu aufgegeben. Möchte aber meine Umrechnung des Briefdatums hier sehr gerne von Euch überprüfen lassen.
Im Brief ist folgendes Datum vermerkt:

Ich habe versucht mit der in wikipedia vorhandenen „Umrechnungstafel zwischen gregorianischem und republikanischem Kalender“ [1] das Datum umzurechnen:
- Das 4te republikanische Jahr entspricht dem Jahr 1795 -1796
- Alle Monate auf die Endung -idor sind die Sommermonate, damit handelt es sich hier um das Jahr 1796
Ich habe im Brief gelesen: Ehermidor diesen Begriff finde ich jedoch nicht in der Tabelle. Meine Vermutung ist, daß Thermidor gemeint ist. In diesem Fall wäre es dann der 15. Juli 1796
Liege ich völlig daneben?
Freue mich auf Eure Rückmeldungen.
Herzliche Grüße
Thomas
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Umrechnungstafel_zwischen_gregorianischem_und_republikanischem_Kalender
@ Thomas S. [#196]
Hallo Thomas,
mit dem 27. Thermidor an IV liegst du richtig. Bei der Umrechnung hast du dich aber vertan. Ich finde die Tabelle auf der angegebenen Seite relativ unübersichtlich. Du hättest die Zeile A benutzen müssen. Das richtige Datum nach unserem Kalender ist der 14. August 1796.
Ich selbst ziehe die Tabelle der einzelnen Monate vor [1]. Wie sie benutzt werden müssen findest du im Beispiel [#165].
Es gibt aber auch Seiten, die einzelne Tage direkt umrechnen wie zum Beispiel [2].
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Thermidor#Umrechnungstafel
[2]
http://pierre.collenot.pagesperso-orange.fr/Issards_fr/outils/calrepub.htm
@ volkimal [#197]
Hallo Volkmar,
vielen Dank. Die Tabelle ist tatsächlich verständlicher und das „Rechenprogramm“ natürlich perfekt. So bekommt mein Bekannter wenigstens das korrekte Datum des Briefes und ich habe wieder etwas dazu gelernt.
Herzliche Grüße
Thomas
Hallo zusammen,
die letzten beiden Karten aus Bulgarien haben eine eingedruckte Marke mit dem Bild des Fürsten Ferdinand I. Die Karten haben die Michel-Nummer P 26 I (Ganzsachen-Katalog Europa Ost1994/95).

Die erste Karte wurde vom Absender, Herrn Georges H. Janischeff am 03.10.1904 (greg.) = 20.09.1904 (jul.) in Varna = Варна geschrieben. Der Stempel aus Varna ist aber schon vom 19.09.1904 (jul.). Entweder hat sich der Absender vertan oder der Stempel ist falsch eingestellt.

Die Gebrüder Hagenmüller hatten in der Karthäuserstr. 14 in Erfurt ein Geschäft für Brauerei- und Kellereibedarf [1]. Herr Janischeff möchte ihren Katalog haben. Christian Hagenmüller, der Empfänger der Karte, ließ verschiedene Artikel patentieren. Diese Anzeige und mehrere Patentschriften sind zur Zeit bei Delcampe im Angebot [2].
Viele Grüße
Volkmar
[1]
http://www.familie-thurm.de/images/dokumente/adressErfurt/Seite_0230.jpg
[2] Delcampe.net, Suchbegriff „Hagenmüller“
Kalender der Azteken
Hier verewigt als Aztekischer Kalenderstein auf einem Stempel vom 25.10.1992 aus 1000 Berlin 12.
@ KaraBenNemsi [#203]
Hallo Carsten,
die historischen Kalender habe ich bisher noch nicht gezeigt. Da gibt es auch noch einige andere.
Irgenwann werde ich das Thema aber bearbeiten.
Danke fürs Zeigen
Volkmar
Hallo zusammen,
endlich komme ich wieder dazu, einen Beitrag zu den Kalendern zu schreiben. Heute ein weitere Postkarte aus Griechenland aus dem Jahr 1911:

Bei der Karte finde ich den Text sehr interessant. Es ist eine Korrespondenz zwischen den Briefmarkensammlerinnen Berta Foerg(?) aus Syros in Griechenland und Luise Sannemann in Weißenfels (Sachsen).
Berta schreibt:
Syra 7.6.11
Liebes Fräulein!
Von Ihren Marken konnte ich leider sehr wenig behalten. Im ganzen macht es 36 Pf. Deutschland fehlen mir nur noch die selteneren und die Groschenmarken. Ich schicke Ihnen diesmal auch nur für 46 Pf. Wenn Sie mir nächstesmal vielleicht Deutsche Kolonien oder überhaupt bessere Marken schicken wollen, so sende ich Ihnen auch wertvolleres. Für die Adressen besten Dank. Welche von den jungen Mädchen sind am weitesten fortgeschritten?
Mit besten Grüßen
Berta Foerg(?)

Als Deutsche benutzt die Absenderin unseren Kalender. Die Karte ist datiert vom 7.6.1911. Sie hat die Karte am selben Tag aufgegeben, denn der Stempel ist vom 25.05.1911 (jul.) + 13 Tage = 07.06.1911 (greg.).
Syros (griechisch Σύρος, auch Syra oder Siros) ist eine griechische Insel der Kykladen, fast mitten im Archipel gelegen, 84 km² groß. Die Hafenstadt Ermoupoli (griechisch Ερμούπολη) ist wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der Insel. Im Stempel ist also der Name der Insel und nicht der Name des Ortes angegeben.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
heute ein ungewöhnlicher Brief aus Griechenland:

Auf der Rückseite steht, dass er aus dem Balkan-Krieg 1912 stammt. Dank dieses Forums habe ich von Nicepm erfahren, dass der Brief von der Direktion des Etappendienstes hinter der Front stammt. Griechisch: "ΔΙΕΎΘΥΝΣΙΣ ΤΗΣ ΥΠΗΡΕΣΊΑΣ ΜΕΤΌΠΙΣΘΕΝ" bzw. "Διεύθυνσις τής Υπηρεσίας Μετόπισθεν", wobei der Artikel "ΤΗΣ" nicht auf dem Stempel abgedruckt werden musste.
Das Stempeldatum bei einem Brief innerhalb Griechenlands ist natürlich nach dem julianischen Kalender. 4. ΝΟΈΜΒΡΙΟΣ 1912 = 4. November 1912 (jul) = 17.11.1912 (greg.)
Die Anschrift in lateinischen Buchstaben ist: Stamos Delaporta / Argostolion / Kephallenia.
Naturgemäß sind bei Feldpostschreiben keine Hinweise über den Absendeort vorhanden. Angesichts des Datums 04.11.1912 kann jedoch der Absender entweder in Epirus (bei Ioannina) oder in Makedonien (bei Amindeo, Giannitsa, Thessaloniki oder Chalkidiki) gewesen sein. Es gab auch einen Hauptmann Spiridon G. Delaportas, welcher am 24.10.1912 in der Nähe von Amindeo fiel. Es könnte also ein Brief von ihm (Verzögerungen im Briefversand der Soldaten kam vor) oder über ihn gewesen sein. Aber das sind nur Vermutungen. Der Name Delaportas ist populär auf den ionischen Inseln und besonders auf der Insel Kefalonia, wohin dieser Brief verschickt wurde.
Viele Grüße
Volkmar
Ich zeige eine Postkarte aus St. Petersburg nach Neapel aus dem Jahr 1892 mit Nummernstempel 1 von St. Petersburg. Der St. Petersburger Aufgabestempel datiert vom 9.6.1892 (julianischer Kalender) und der Ankunkunftsstempel von Neapel vom 25. (Gregoranischer Kalender). Interessant finde ich das auf der Rückseite der Absender im Text die beiden unterschiedlichen Kalendertage 8/20 April vermerkt hatte.


Gruss
Martin
@ Martin de Matin [#207]
Hallo Martin,
eine schöne Karte! Das doppelte Datum im Text von Briefen oder Karten finde ich auch immer nett, da dadurch die unterschiedlichen Kalender besonders gut zu erkennen sind. Ein anderes Beispiel ist z.B. im Beitrag [#189] zu sehen.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
in Rumänien galt bis zum 31. März 1919 (jul.) = 13. April 1919 (greg.) der julianische Kalender. In der Zeit davor habe ich bei Auslandspost bisher nur unser Datum bei den Poststempeln registriert. Hier ein Beispiel:

Der deutsche Absender der Karte hat zum Glück das Datum nach beiden Kalendern angegeben. Er hat die Karte am 14.09.1911 (jul.) = 27.11.1911 (greg.) geschrieben. Abgestempelt wurde sie einen Tag später mit dem Datum nach unserem Kalender, also am 28.11.1911 (greg.). Der Absender arbeitet am Knabenpensionat der evangelischen Gemeinde in Bukarest. Der Text ist ganz interessant. Er schreibt:
Am 14. September wurde die Schule eröffnet. 80 Kinder waren im Internat von überall her eingetroffen. Am Vormittage wurden die Stundenpläne diktiert – und am Nachmittage kam der Befehl aus dem Ministerium, dass alle Schulen des Landes wegen der Choleragefahr noch weitere 14 Tage geschlossen bleiben müssten. Bei den Kindern große Freude, bei uns desto mehr Ärger. Nur wenige reisten ab, gegen 65 blieben im Internate, deren Beschäftigung und Beaufsichtigung in diesen 2 Wochen sehr schwierig war.
Das Datum im Text (14. September) kann nur unser Kalender sein. Er beschreibt die 2 Wochen danach und hat die Karte am 14. September (jul.) geschrieben.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo Volkmar, hallo zusammen,
kürzlich bekam ich ein kleines Brieflein, welches mich hauptsächlich wegen des mir völlig geheimnisvollen und nicht entzifferbaren Stempels faszinierte. Der Brief stammt aus Nepal und ist wohl innerhalb des Landes gelaufen:

Die nepalesische Herkunft erschloss sich mir nur durch die Briefmarken, das Jahr könnte 1956 oder etwas später sein (Briefmarke oben). Weder die Inschrift, Orts-, Landesangabe kann ich lesen (es ist wohl nicht Kathmandu?) und schon gar nicht das Datum. Mit Volkmars Buch bekam ich nur einzelne Ziffern heraus, aber weit entfernt davon ein bestimmtes Datum zu ermitteln. :-(

Volkmar kann da sicher weiter helfen! ;-)
Viele Grüße,
Peter
@ filunski [#211]
Hallo Peter,
ein sehr schöner klarer Stempel - zumindest was das Datum betrifft. Es ist ein Datumsformat, das ich bisher nicht gesehen habe. Jahr, Monat und Tag sind mit Ziffern angegeben und durch einen senkrechten Strich getrennt. Im Stempel steht:
०१३ / ५ / ३० = 013 / 5 / 30 = 30.05.2013 VS = 14.09.1956 AD mit Hilfe das Datumsumrechners [1]
Besonders die Ziffer १ = 1 kann sehr unterschiedlich aussehen. Siehe dazu die Tabelle auf Seite 121 im Band 196.
Inzwischen kann ich mit Hilfe das Unicodes [2] so einige Zeichen erzeugen. Den Ort kann ich dennoch leider nicht herausbekommen, da der Stempel dort zu sehr verschmiert ist.
Das erste Zeichen ist eine Kombination aus drei Unicodes: त + े + ो = तेो - das müsste stimmen.
Beim zweiten Zeichen habe ich verschiedenes probiert. Das Ergebnis sind (zusammen mit dem ersten Zeichen) diese Möglichkeiten: तेोलो, तेोऌो, तेोलॊ, तेोऌॊ, तेोलौ, तेोऌौ. Wenn ich sie bei Google eingebe finde ich aber nichts.
Das letzte Zeichen ist so verschmiert, dass ich gar nichts machen kann.
Unten im Stempel steht हुलाक = Postamt.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
http://www.ashesh.com.np/nepali-date-converter.php
[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Devanagari#Devanagari_in_Unicode
Hallo zusammen,
zu meiner Frage, welcher Kalender innerhalb Rumäniens benutzt wurde erhielt ich von 10parale den entscheidenden Tipp. Die Antwort findet sich im Beitrag 273 beim Thema „Rumänien für Sammler“
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ME=96699#M273
Heinz 7 schreibt dort: „In Rumänien galt weitherum noch bis 1919 der julianische Kalender, aber die Post verwendete ab 1.1.1865 den gregorianischen Kalender“. Auf der Suche nach einem entsprechenden Beleg fand ich bei Delcampe die folgende Karte. Den Preis von 6,- € halte ich aber bei der Erhaltung für übertrieben [1].

Die Postkarte wurde am 17. Oktober 1888 (jul.) in R. Sarat geschrieben und am selben Tag bei der Post aufgegeben. Der Unterschied der beiden Kalender betrug damals 12 Tage. Der Stempel entsprechend vom 29. Oktober 1888 (greg.).
Viele Grüße
Volkmar
[1] delcampe.net Suchwort: R.Sarat
Hallo zusammen,
das Großfürstentum Finnland war seit 1809 ein mit einer weitgehenden inneren Autonomie ausgestatteter Teil des Russischen Reiches. Es entstand, nachdem das seit Jahrhunderten zu Schweden gehörende Finnland infolge mehrerer russisch-schwedischer Kriege an Russland abgetreten werden musste, und endete 1917 infolge der russischen Revolutionen in der Unabhängigkeit Finnlands.

Da Finnland zum russischen Reich gehörte stellt sich mir natürlich die Frage, welcher Kalender in Finnland galt. Bis 1980 gehörten über 90 % der Bevölkerung Finnlands der Evangelisch-Lutherischen Kirche an. Zur orthodoxen Kirche Finnlands zählten nur 1-2 % der Bevölkerung. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in Finnland schon 1753 der gregorianische Kalender eingeführt wurde.
Diese Postkarte wurde am 28.12.1896 in Wyborg aufgegeben und erreichte das Ziel Helsinki am selben Tag. Das Datum ist natürlich nach dem gregorianischen Kalender, man kann es aber bei einer Inlandskarte nicht beweisen.

Wie man an der Postkarte sieht, gab es in Finnland drei offizielle Sprachen: Schwedisch (links), Finnisch (rechts) und Russisch (unten). Auch die Stempel aus der Zeit um 1900 waren dreisprachig. Die drei Ortsnamen beim Stempel sind in derselben Reihenfolge angegeben.
Weitere Informationen zu den Stempeln siehe [1].
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=170605
Hallo an alle,
ich bin mir nicht ganz sicher ob der folgende Scan hier am besten hinpasst, interessant ist aber die Schreibweise des Monats.

Dieser Stempelabschlag war auf einer Einschreibenpostsache aus Kirgisistan.
Viele Grüße Jürgen
@ Journalist [#215]
Hallo Jürgen,
natürlich passt der Stempel hierhin. Es ist zwar kein fremder Kalender sondern unser gregorianischer Kalender. Der gehört natürlich auch zu diesem Thema.
Die Monatsangabe ist in der kirgisischen Sprache angegeben aber abgekürzt. Der Stempel ist vom 01. НОЯБРДАН 2019 = 01. November 2019.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
es geht weiter mit dem Kalender in Finnland:

Auf dieser Karte aus Finnland erkennt man gut, dass beim Stempel das Datum nach dem gregorianischen Kalender eingestellt ist. Die Postkarte wurde in Helsingfors aufgegeben und über St. Petersburg = С. Петербург nach Berlin geleitet. Helsingfors ist der schwedische Name von Helsinki.

Helsingfors = Helsinki, 10.02.92 (greg.)

С. Петербургъ = St. Petersburg, 30.01.92 (jul.), 5 Зксп. = 5 Экспед = 5. Expedition

Berlin Bestellt vom Postamte 64, 13.02.92 (greg.)
Die beiden Stempel aus Helsingfors und Berlin haben ein Datum nach dem gregorianischen Kalender. Der Stempel aus St. Petersburg zeigt das Datum nach dem julianischen Kalender. Man musste 1892 um 12 Tage von dem julianischen Kalender aus weiterzählen, um das Datum nach unserem Kalender zu erhalten: 30.01.92 (jul.) = 11.01.92 (greg.)
In Russland verwendete man 1892 den julianischen Kalender. Finnland gehörte damals zwar zum russischen Kaiserreich, man benutzte aber dennoch den gregorianischen Kalender.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
2014 habe ich mit den unterschiedlichen Kalendern auf Philaseiten begonnen. Im Schaltjahr 2016 hat es nicht geklappt. Dieses Jahr habe ich zum Glück daran gedacht, mir am 29. Februar einen Brief zu schicken:

Gut, dass ich die Marken so aufgeklebt habe, dass 3 Stempel abgeschlagen werden mussten. So ist das Datum zumindest beim mittleren Stempel relativ gut zu erkennen.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
leider habe ich diese Karte von Delcampe nicht bekommen.

Es ist eine Postkarte aus С. Петербург = St. Petersburg nach Turku (finnisch) = Abo (schwedisch) vom 2. November 1896.
Der Absender wollte das Datum nach beiden Kalendern angegeben. Er schrieb 2./13. November 1896. Dabei hat er aber nicht aufgepasst, denn der Unterschied der beiden Kalender betrug 1896 genau 12 Tage. Richtig wäre gewesen 2.11. (jul.) = 13.11. (greg.).
An diesen beiden Daten kann man gut erkennen, dass das Datum des Ankunftsstempels aus Turku vom 5.XI.96 nach dem julianischen Kalender sein muss. Die Karte kam also am 05.11.1896 (jul.) = 17.11.1896 (greg.) an.
Dieses ist bisher der einzige finnische Stempel nach dem julianischen Kalender den ich gesehen habe.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
den julianischen Kalender beende ich vorerst einmal. Er galt zwar auch noch in anderen Gebieten z.B. in Serbien. Von dort habe ich aber bisher keine Belege. Heute möchte ich mit Folgendem beginnen:
Chinesische Gebiete unter japanischem Einfluss

Während des 2. Japanisch-Chinesischen Kriegs (1937 – 1945) besetzte Japan große Teile im Nordosten Chinas. Schon vorher kam es 1932 zur Bildung des japanischen Marionettenstaates Mandschukuo. Seit 1941 galt Mengjiang formal als autonomes Gebiet. In Mandschukuo und in Mengjiang gab es eigene Kalender. In den anderen besetzten chinesischen Gebieten wurde weiterhin der Minguo-Kalender benutzt. Bei Briefen ins Ausland kommt auch unser Kalender vor.

In den japanisch besetzten Gebieten wurden zunächst die chinesischen Marken weiterverwendet. Zum Beispiel bei dieser Postkarte aus Tsingtau (heute Qingdao) an Großvater von seiner Schwester Dora Matzat, die in Tsingtau als Missionarin arbeitete. Die Postkarte wurde mit der transsibirischen Eisenbahn transportiert und trägt einen Zensurstempel aus Berlin.

Der Stempel zeigt in diesem Fall das Datum nach dem Minguo-Kalender. Links vom Strich steht die Uhrzeit. Dann folgen Tag, Monat und Jahr. Man muss zur Jahreszahl nach dem Minguo-Kalender die Zahl 1911 addieren um unsere Jahreszahl zu erhalten. Der Stempel ist also vom 24.9.29 ROC = 24.09.1940 AD.
Zwischen dem Ortsnamen 青島 = Tsingtau in chinesischer Schrift steht oben noch das Zeichen „丁“ (ding). Es ist der vierte von zehn Himmelsstämmen und entspricht damit dem Unterscheidungsbuchstaben "d".

Erst 1941 gab es eigene Marken der japanischen Besatzer. Die linke Marke von 1941 hat den Aufdruck 山東 = Schantung (heute Shandong). Das ist die Provinz, in der Tsingtau liegt. Im Juni 1942 gab es dann gemeinsame Ausgaben für alle 5 japanisch besetzte Provinzen in China. Die rechte Marke hat dementsprechend den Aufdruck 華北 = Nordchina. Die Zeichen sind jeweils von rechts nach links zu lesen.
Nächstes Mal beginne ich dann mit einem schwierigen Kapitel: Die Kalender in Mandschukuo".
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
wie beim letzten Mal angekündigt beginne ich heute mit den Stempeln in Mandschukuo. Es ist schwierig und zum Teil unmöglich, die verschiedenen Kalender in Mandschukuo richtig zuzuordnen. Zur Erklärung eine Übersicht über die verschiedenen Kalender in Mandschukuo:

Es gibt zwei verschiedene Kalender aus Mandschukuo. Bei beiden gibt es die Jahreszahlen von 1 bis 3. Zumindest bei Sonderstempeln aus Mandschukuo wurde zusätzlich das japanische Gengō-System benutzt. Bei den Sonderstempeln kommen die Jahreszahlen 7 bis 12 doppelt vor. Sie gibt es beim Kalender aus Mandschukuo und beim Gengō-System. Zusätzlich wurde vor allem bei Post ins Ausland auch noch unser Kalender benutzt.
Eine sehr gute Übersicht über die Marken und Stempel aus Mandschukuo findet ihr hier [1]. Dadurch ist es zumindest möglich, den Kalender bei den Sonderstempeln eindeutig zu bestimmen [2]. Eine eindeutige Zuordnung des Kalenders bei Stempeln mit den Jahreszahlen 1 bis 3 nach den Kalendern aus Mandschukuo ist häufig nicht möglich. Hier ein Beispiel:

Am Anfang hatten die Stempel meistens noch chinesische Ziffern wie bei diesem Exemplar. Der Stempel ist vom 11.1.3 (mand.). Tag und Monat stimmen mit unserem Kalender überein. Entsprechend der Tabelle kann der Stempel vom 11.1.1934 AD oder vom 11.1.1936 AD sein.
Manchmal hilft die Briefmarke weiter. Diese Marke ist auf normalem Papier ohne Wasserzeichen gedruckt. Sie stammt vom 26.07.1932 AD. Daher hilft sie bei der exakten Bestimmung des Jahres nicht weiter. In diesem Fall kann ich das Jahr nicht genau bestimmen.
Um Stempel aus den Jahren 1 bis 3 der Republik Mandschukuo (1932 bis 1934) eindeutig zu bestimmen muss entweder z.B. unser Datum auf einer Postkarte notiert sein oder der Beleg geht ins Ausland und hat einen weiteren eindeutigen Stempel. Solch ein eindeutiger Beleg fehlt mir bisher.
Viele Grüße
Volkmar
[1] allgemein:
http://manchukuostamps.com/Postmarks.htm
[2] Sonderstempel:
http://manchukuostamps.com/CommemorativeCancellations.htm
Hallo zusammen,
am 01.03.1934 AD wurde der bisherige Staatspräsident Puyi zum „Kaiser von Mandschukuo“ gekrönt. Aus diesem Anlass erschienen in Mandschukuo vier Briefmarken. Sie zeigen den Kaiserpalast bzw. zwei Fenghuangs (Hôô-Vögel) vor Glückswolken. Der Fenghuang ist ein mythologischer Vogel und ein Glückssymbol in der chinesischen Kultur, das den südlichen Teil des Kaiser-Palastes beschützt. Unten auf der Marke sind zwei Sorghumhirsen abgebildet.
Das Zeichen in der Mitte des Ersttagsstempels steht für ein langes Leben. Rechts und links davon sind wieder zwei Fenghuangs zu sehen. Diesen Stempel gibt es aus ca. 180 Orten. Mein Exemplar kommt aus 哈爾濱 = Harbin. Oben im Stempel steht 登極紀念. Man kann es mit Gedenkfeier übersetzen. Sowohl dieser Text als auch der Ortsname sind von rechts nach links zu lesen.

Gleichzeitig mit der Kaiserkrönung begann in Mandschukuo eine neue Zeitrechnung. Als japanischer Marionettenstab hat man dieses typische japanische Prinzip auch in Mandschukuo übernommen. Als Stempeldatum ist angegeben „1.3.1.“. Links steht die Jahreszahl, in der Mitte der Monat und rechts der Tag. Die Tagesziffer war auswechselbar. Der Stempel kommt mit den Tagen 1, 2 und 3 vor.
Am Datum 1.3.1 (mand.) = 01.03.1934 AD erkennt man, dass sich das mandschurische Datum nur in der Jahreszahl von unserem Kalender unterscheidet. Tag und Monat stimmen mit unserem Kalender überein.
Viele Grüße
Volkmar
Bei den Sonderstempeln kommen sowohl der mandschurische als auch der japanische Kalender nach dem Gengō-System vor. Auch hier ist es teilweise nicht möglich, ohne weiteres festzustellen, um welchen Kalender es sich bei dem Stempel jeweils handelt. Zum Glück gibt es im Internet eine Auflistung der mandschurischen Stempel, in denen diese Angaben zu finden sind. [1]
Aus der Zeit der Republik Mandschukuo besitze (1932 bis 1934) besitze ich bisher keinen Sonderstempel. Den ersten Sonderstempel des Kaiserreiches Mandschukuo vom 1.3.1 (mand.) = 01.03.1934 AD habe ich schon im Beitrag [#222] vorgestellt.

Auch der zweite Stempel in meiner Sammlung ist nach dem mandschurischen Kalender. Der Stempel wurde vom 1.12.1 bis zum 3.12.1 (mand) = 1.12.1934 bis zum 3.12.1934 AD eingesetzt. Am häufigsten sind die Stempel vom ersten Tag, dem 1.3.1 (mand). Auch mein Stempel kommt von diesem Tag.

Der Sonderstempel wurde zum „Gedenken an die Reform des regionalen Verwaltungssystems“ = 改変地方行政行政紀念 (Mitte) herausgegeben. Die Tauben symbolisieren den Frieden und Sonnenstrahlen den Beginn des neuen Wohlstands.
Die elf Zeichen im unteren Bereich sind jeweils das erste Zeichen der Namen der einzelnen Verwaltungsregionen:
Heihe = 黑河
Sanjiang = 三江
Binjiang = 濱江
Jiandao =間島
Andong = 安東
Fengtian = 奉天
Jinzhou = 錦州
Rehe = 熱河
Jilin = 吉林
Longjiang = 龍江
West Xing’an = 興安
Den Stempel gab es in 16 verschiedenen Postämtern. Der Name steht in der Mitte. Mein Stempel kommt aus 安東 = Andong (heute Dandong =丹東 / 丹东). Man sieht, dass Andong dem heutigen Dandong entspricht, wenn man bei Wikipedia den Ort auf der chinesischen Landkarte ansieht [2]. Eine Karte der Provinzen in unserer Schrift ist auf der englischsprachigen Seite zu sehen [3]
Viele Grüße
Volkmar
[1]
http://manchukuostamps.com/CommemorativeCancellations.htm
[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Mandschukuo
[3]
https://en.wikipedia.org/wiki/Manchukuo
Hallo zusammen,
bei diesem Sonderstempel aus Mandschukuo ist das Datum mit chinesischen Ziffern angegeben:

Links steht: 一月二十六日 = 1 Monat 2 10 6 Tag = 1. Monat 26. Tag, rechts steht: 三年 = 3. Jahr. Der Stempel ist also vom 26.1.3. Damit kommen entsprechend der Tabelle beide mandschurische Kalender in Frage. Entsprechend der Liste der mandschurischen Sonderstempel [1] ist dieser Stempel aus dem Kaiserreich Mandschukuo und damit vom 26.1.1936 AD. Man kann es zusätzlich an den beiden Zeichen vor der Jahreszahl erkennen: 康德 = Kāngdé. Damit werden die Jahre des Kaiserreiches Mandschukuo gekennzeichnet.
Der Ausgabeanlass war: 満日郵便條約締結紀念 = Gedenken an den Abschluss des Postvertrags zwischen Mandschoukuo und Japan. Es gibt den Stempel in 46 verschiedenen Postämtern. Mein Exemplar kommt aus 新京 = Xinjing (heute Changchun). Die bekannten Farben sind violett, rot, zinnoberrot, blau und schwarz.
Das Bild in der Mitte zeigt eine Taube mit einem Brief im Schnabel. Auf dem Brief steht der Ortsname. Links und rechts die Flaggen von Japan und Mandschukuo.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
http://manchukuostamps.com/CommemorativeCancellations.htm
@ volkimal [#225]
Zur Ganzsachenkarte 2 f. grün; sie ist in japanisch verfasst und nach Japan gelaufen, Präfektur Gunma.
Der Stempel ist Mukden-Zentral.
Belege in mandschurischer Schrift sind selten, es finden sich fast immer nur solche in chinesischer oder japanischer Schrift.
@ ligneN [#228]
Hallo,
ganz herzlichen Dank für die Ergänzungen. Ich habe sie sofort in meine Sammlung eingearbeitet.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
es geht weiter mit zwei Stempeln, die beide aus dem Jahr 10 kommen. Ist es 10 (Mand.) = 1943 AD oder ist es das Jahr 10 (Shōwa) = 1935? Beim ersten Stempel sind unsere Ziffern, beim zweiten chinesische Ziffern verwendet worden.

Sowohl bei der Zeitrechnung aus Mandschukuo als auch bei der Zeitrechnung in Japan steht die Jahreszahl normalerweise links. Wieder ist das Datum ohne Hilfe nicht zu bestimmen. Auf der Seite [1] stehen die notwendigen Informationen.
In diesem Fall zeigt der Stempel die japanische Jahreszahl und kommt vom 01.10.1935 AD aus Dairen = 大連. Der Stempeltext ist 大連市政卄周年記念. Es bedeutet „Gedenken an das 20-jährige Bestehen der Stadtregierung von Dairen“. Das Emblem ist das Stadtemblem von Dairen.

Beim diesem Stempel ist das Datum mit chinesischen Zeichen angegeben. Im Stempel steht unten 日一月五年十 = Tag 1 Monat 5 Jahr 10. Diesmal steht die Jahreszahl rechts.
Bei diesem Stempel entspricht das Jahr 10 der Zeitrechnung aus Mandschukuo. Der Stempel wurde am 01.05.1943 AD in 新京 = Hsinking (heute Changchun), der neuen Hauptstadt abgeschlagen.
Der Sonderstempel erinnert an den zehnten Jahrestag der Einführung des Postsparens in Mandschukuo (郵政儲金創始十周年紀念). Der Baum ist das Wahrzeichen von Mandschukuos Postsparen.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
http://manchukuostamps.com/CommemorativeCancellations.htm
Hallo Volkmar,
bei Beschreiben eines Stempels aus Israel für die Stempeldatei möchte ich gerne auch als Zusatz-Info das Datum in der Originalschrift hebräisch eingeben.
Hast Du eine Quelle, bei der man nach der Konversion aus dem Gregorianischen Kalender dies direkt kopieren kann?
Danke im voraus
Heinrich
@ Heinrich3 [#231]
Hallo Heinrich,
schick mir einmal per Email einen Scan des Stempels. Ich schicke dir dann den Text.
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#232]
Hallo Volkmar,
danke für das Angebot! Doch ich würde Dich nicht gerne als Mit-Arbeiter ausnutzen. Wie ich bei einer Sichtung der 27 Stempel aus Israel gesehen habe,
wäre ich neben Dir der Einzige, der diese Zusatz-Info liefert. Ich verzichte also.
Falls Du aber die 3 Belege willst, ich überlasse sie Dir gerne und umsonst. Bei mir liegen sie nur rum.
Schöne Grüße
Heinrich
@ Heinrich3 [#233]
Hallo Heinrich,
du würdest mich nicht ausnutzen, bei so etwas helfe ich gerne mit. Ich habe gerade zwei Umrechner gefunden, die das Datum auch in hebräischer Schrift anzeigen. [#1] [#2]
Zum Teil sind allerdings noch Punkte usw. unter den Ziffern, die im Stempel nicht angegeben werden. Du kannst es ja einmal ausprobieren. Wundere Dich aber nicht, wenn beim Kopieren nach Word oder Philastempel die Zeichen auf einmal in einer anderen Reihenfolge angegeben werden. Manchmal gebe ich in Word bewusst eine andere Reihenfolge der Zeichen an, damit sie hinterher bei Philaseiten oder Philastempel so aussieht wie im Stempel.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://www.hebcal.com/converter/
[2]
https://www.calj.net/en/convert
Hallo zusammen,

zum Abschluss der Kalender in Mandschukuo noch ein weiterer Stempel aus dem Jahr 10. Auch in diesem Fall kann ich nur anhand der Literatur [1] sehen, dass es sich um die japanische Zeitrechnung handelt. Der Stempel ist vom 21.3. Showa 10 und damit vom 21.3.1935 AD.
In diesem Fall wurde eine japanische Postkarte in Mandschukuo benutzt. Der Stempel wurde zum 50. Jahrestag des Beitritts von Japan zum Austauschabkommen des Weltpostvereins herausgegeben. Es soll ihn in Mandschukuo, im Kwantung Pachtgebiet (KLT), der südmandschurische Eisenbahnzone (SMRZ) und in Japan gegeben haben [1]. Mein Exemplar kommt aus 新京 = Hsinking (heute Changchun) der Hauptstadt von Mandschukuo.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
http://manchukuostamps.com/CommemorativeCancellations.htm
Hallo zusammen,
als Nachtrag noch den Ausschnitt eines Einschreibebriefes, den ich von 10Parale bekommen habe:

Die beiden Briefmarken zur Mandschurisch-japanischen Freundschaft aus dem Jahr 1944 wurden zusammenhängend gedruckt. Die Inschrift der Marken lautet „Japans Wohlstand ist der Wohlstand der Mandschurei“ = 日本之興即滿洲之興 (chinesisch, obere Marke) = 日本の興は満洲の興 (japanisch, untere Marke). Je nachdem, wie ich den Text eingebe ergibt sich anstelle des Wortes Wohlstand auch die Übersetzungen Fortschritt, Erfolg bzw. Aufstieg.

Der Brief wurde am 9.10.11 (mand.) = 09.10.1944 AD in新京中央 = Hsinking-Zentral abgestempelt. Auf der Seite [1] habe ich gerade gesehen, dass die Briefmarken an diesem Tag erschienen sind. Die Angabe 1943 aus dem Michel dürfte falsch sein. Damit handelt es sich um einen Ersttagsstempel. Dazu passt auch der Druckvermerk eines FDC-Herstellers unten links.
Schade, dass es sich nur um einen Briefausschnitt handelt. Der Stempel oben rechts bedeutet Einschreiben. Ein zugehöriger R-Numeratoren-Stempel mit Amtsangabe ist aber auf dem Ausschnitt nicht zu sehen.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
http://manchukuostamps.com/1944.htm
@ volkimal [#236]
Ja, dieser Satz erschien erst 1944. Das Ausgabejahr im MICHEL sollte berichtigt werden.
Hallo zusammen,
auf Briefen oder Briefmarken aus Thailand sieht man relativ häufig Stempel mit einem Datum nach dem thailändischen Sonnenkalender (Suriyakati-Kalender). Daher will ich in den nächsten Beiträgen die verschiedenen Thailändischen Kalender noch einmal vorstellen und weitere Beispiele zeigen. Dabei sind drei verschiedene Zeiträume zu berücksichtigen.
Ich beginne mit dem
Ratana Kosindra Sok (RS), der von
1889 bis zum 20.12.1912 AD in Thailand galt. Nach dem Ratana Kosindra Sok ist das der Zeitraum vom Jahr 108 bis zum Jahr 131 RS. Thailand hatte damals allerdings noch den Namen Siam. Weitere Informationen zu diesem Kalender findet ihr im Beitrag [#60].
Beim Stempeldatum wurden damals häufig die thailändischen Ziffern verwendet. Vor allem bei Auslandspost kommen aber auch Stempel mit lateinischen Ziffern und dem Datum nach unserem Kalender vor. Hier zwei Beispiele:

Die linke Marke (MiNr. 13) erschien am 01.04.1887. Vom Stempel aus Bangkok sind leider nur der Tag und der Monat erkennbar. Die rechte Marke (MiNr. 36) erschien am 09.10.1899. Sie wurde am 22.10.1905 in Korat abgestempelt. Korat ist der Kurzname von Nakhon Ratchasima, der Hauptstadt der Provinz Nakhon Ratchasima in der Nordostregion von Thailand.
Als nächstes eine Briefmarke von derselben Freimarken-Ausgabe aus dem Jahr 1899 mit einem thailändischen Datum:

Das Stempeldatum ist ๗-๓-๒๓ = 7-3-23. Die Jahreszahl ist in diesem Fall zweistellig angegeben. Das Stempeldatum ist also der 07.03.123 RS.
Ausgehend vom thailändischen Datum (RS) ergibt sich die folgende Umrechnung:
01.01. bis 30.09. (RS): Jahr RS + 1781 = Jahr AD , Monat RS + 3 = Monat AD
01.10. bis 31.12. (RS): Jahr RS + 1782 = Jahr AD , Monat RS – 9 = Monat AD
Der Tag stimmt mit unserem Kalender überein.
Jahr: 123 RS + 1781 = 1904 AD, Monat: 3 RS + 3 = 6 AD.
Der Stempel ist also vom 07.03.123 RS = 07.06.1904 AD.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
bei diesem Stempel aus Bangkok ist das Datum gut lesbar.

๒๖-๑๑-๑๒๗ = 26-11-127 RS. Die Jahreszahl ist in diesem Fall dreistellig, also vollständig angegeben. Es gilt also die folgende Umrechnung:
01.10. bis 31.12. (RS): Jahr RS + 1782 = Jahr AD Monat RS – 9 = Monat AD
Jahr 127 + 1782 = 1909 AD, Monat 11 – 9 = 2 (Februar). Der Tag bleibt gleich.
Der Stempel ist also vom 26.02.1909 AD.
Wer Lust hat kann je einmal versuchen, das Datum dieses Stempels umzurechnen:

Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
der Stempel aus dem Beitrag [#239] ist vom ๑๘-๙-๑๒๘ = 18-9-128 RS. Auch bei diesem Stempel ist die Jahreszahl vollständig angegeben. Die Umrechnung zu unserem Kalender ist diesmal:
Jahr 128 + 1781 = 1909 AD, Monat 9 +3 = 12. Der Tag bleibt gleich.
Der Stempel ist also vom 18.12.1909 AD
Bei diesem Stempel vom Postamt กรุงเทพ ที่ ๒ = Bangkok 2 ist weder unser Datum noch das thailändische Datum vollständig zu erkennen. Dennoch lässt es sich ohne weiteres exakt bestimmen.

Man kann im Stempel lesen: -๑๒-๑๒๙ -7-3. Beim thailändischen Datum sind der Monat ๑๒ = 12 und das Jahr ๑๒๙ = 129 RS angegeben. Von unserem Datum sieht man den Tag = 7 und den Monat = 3. Da der Tag bei beiden Kalendern übereinstimmt, muss der Stempel vom ๗-๑๒-๑๒๙ = 7.12.129 RS sein. Bei der Jahreszahl ergibt sich 129 + 1782 = 1911 AD. Der Stempel ist also vom 07.03.1911 AD.
Viele Grüße
Volkmar
Guten Abend,
ich zeige heute eine Karte aus Myslowitz, heute Mysłowice in Polen. 1913 war Myslowitz noch in deutscher Hand und im Dreikaiserreichseck Deutschland, Österreich, Russland gelegen.

Die Empfängerin war eine begeisterte Ansichtskarten-Sammlerin und ihr Bekannter hat wohl diese Karte in Auftrag gegeben. Jedenfalls wurden eine Marke aus Österreich aufgeklebt und in Szczakowa am 18.9.1913 abgestempelt, danach ging die Reise nach Graniza in Russland, etwa 5 km nördlich gelegen. Auch dort wurde die Karte mit einer örtlichen Briefmarke beklebt und abgestempelt.

Sehr eindrücklich kann man hier zwei verschiedene Stempelformen, zwei verschiedene Kalender und zwei verschiedene Transkriptionen nebeneinander sehen. Österreich führt einen Rost-Ellipsenstempel, den gregoriansichen Kalender (18. September) und die lateinischen Buchstaben, Russland hingegen einen Kreisstempel, den julianischen Kalender (5. September) und die kyrillischen Buchstaben.
Volkmar war so nett und hat mir noch eine entsprechende Karte gefertigt, die die drei Ortschaften bestens darstellt. Herzlichen Dank dafür.

Auch wenn es ein "gemachter" Beleg ist, so finde ich diesen sehr bemerkenswert.
Mit besten Grüßen
Olaf
@ DERMZ [#241]
Hallo Olaf,
vielen Dank fürs Zeigen der Karte vom Dreikaisereck. Das sind schöne Beispiele zum julianischen bzw. gregorianischen Kalender. Schade, dass beim Stempel aus Myslowitz nur das Datum aber nicht der Ort zu erkennen ist.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
beim Thema "China: Schrift übersetzen" habe ich dank Koban die Technik kennengelernt, bei Google die Buchstaben als Handschrift einzugeben. Mit dieser Technik ist es mir jetzt gelungen, den Aufgabeort der Karte aus Thailand aus Beitrag [#61] herauszubekommen. Ich zeige sie hier noch einmal:

Das Stempeldatum ist ๑๒ ๑ ๑๔ = 12 1 14 = 12-1-114 RS = 12.04.1895 AD. Ungewöhnlich finde ich, dass die drei Ziffern ๑ = 1 alle unterschiedlich aussehen.
Die Karte kommt aus สมุทรปราการ = Samut Prakan. Das ist eine Großstadt in der gleichnamigen Provinz im Süden Thailands. Als Küstenstadt liegt Samut Prakan am Golf von Thailand. Ich habe den Namen der Stadt mit "สมทปภการ" zwar zuerst falsch geschrieben, die Google-Suche findet aber auch ähnliche Begriffe und bot sofort "Ergebnisse für สมุทรปราการ" an. Und schon war der Name der Stadt klar.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
am 23. Oktober 1910 starb König Chulalongkorn (Rama V.). Er war von 1968 bis zu seinem Tode, also 43 Jahr lang, König von Siam. Hier sieht man ihn auf zwei Marken aus den Jahren 1887 und 1909.

Zum Nachfolger wurde sein ältester Sohn Vajiravudh (RamaVI.) ernannt. Er ist am 1. Januar 1881 geboren. Die ersten Briefmarken mit seinem Bild erschienen am 15. Oktober 1912:

König Vajiravudh schaffte den Kalender seines Vaters nach nur 23 Jahren wieder ab. Ab 1912 galt ein neuer Kalender. Die neue Jahreszählung basierte auf dem Tod Buddhas im Jahr 543 v. Chr.. Der Jahreswechsel war weiterhin am 1. April (AD). Der neue Suriyakati Kalender (BE) begann mit dem 21.12.1912.
König Vajiravudh starb am 25.11.1925 AD = 25.08.2468 BE nach nur 13 Jahren im Amt. Sein Nachfolger wurde sein Bruder Prajadhipok (Rama VI). Diese Briefmarke aus dem Jahr 1928 zeigt den neuen König.

Umrechnung des Suriyakati-Kalenders:
01.01. bis 30.09. (BE): Jahr BE - 543 = Jahr AD Monat BE + 3 = Monat AD
01.10. bis 31.12. (BE): Jahr BE - 542 = Jahr AD Monat BE – 9 = Monat AD
Die Briefmarke wurde also im Jahr 2479 BE – 542 = 1937 AD abgestempelt. Bei der Monatsangabe muss 9 subtrahiert werden. Das Stempeldatum ist also der 25.11.2479 BE = 25.02.1937 AD.
Oben im Stempel steht ป. ณ. ก. = G.P.O. und ย่าน = Sektion/Bereich. Das passt zum Text im unteren Bereich: G.P.O. INLAND SECTION. Es ist anzunehmen, dass der Stempel aus der Hauptstadt Bangkok stammt.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
am 2. März 1935 dankte der kinderlose König Prajadhipok (Rama VII) ab. Sein Neffe Prinz Ananda Mahidol wurde im Alter von neun Jahren zum neuen König (Rama VIII) ernannt.

Ananda Mahidol ist 1925 in Heidelberg geboren. Diese Briefmarken mit dem Bild des kindlichen Königs erschienen im Jahr 1941. König Ananda Mahidol hielt sich die meiste Zeit seiner Herrschaft in der Schweiz auf, um seine Ausbildung abzuschließen. Ein Rat aus drei Regenten nahm seine Pflichten stellvertretend für ihn wahr.
Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte er nach Thailand zurück. Er unternahm zahlreiche Reisen durch das Land, auf denen er sich über die Landwirtschaft und die Rechtsprechung informierte und gelegentlich Einfluss nahm, um Härten zu mildern und Verbesserungen herbeizuführen.
Am 9. Juni 1946 starb er im Alter von 20 Jahren unter ungeklärten Umständen in seinem Schlafzimmer an Schussverletzungen. Es wird bis heute spekuliert, ob es sich dabei um einen Unfall beim Hantieren mit Handfeuerwaffen, einen Suizid oder einen Mordanschlag handelte.
Während der Regentschaft von Ananda Mahidol gab es eine weitere Angleichung an den gregorianischen Kalender. Im Jahre 2484 BE bzw. 1941 AD wurde der Jahresbeginn vom damaligen thailändischen Premierminister Plaek Phibunsongkhram auf den 1. Januar verlegt. Das wurde erreicht, indem das Jahr 2483 BE nur neun Monate lang war. Es genügt seitdem die Umrechnung Jahr BE -543 = Jahr AD. Tag und Monat sind mit unserem Kalender identisch.

Diese Umrechnung kann man häufiger gebrauchen, denn auch bei der Auslandspost wird häufig der thailändische Kalender bei den Stempeln benutzt. Bei diesem Brief kann man es gut erkennen. Der Brief wurde am 26.11.2517 BE - 543 = 26.11.1974 AD aufgegeben. Oben im Stempel steht ไปรษณีย์กลาง = Central post office, passend dazu die Angabe unten „BANGKOK C.P.O.“

Wie lange der Brief auf dem Seeweg bis zu seinem Ziel in Essen gebraucht hat ist nicht zu erkennen. In Essen angekommen wurde der Brief nach Seefeld in Österreich weitergeschickt. Mit den aufgeklebten Portomarken zu 50 Groschen wurde allerdings kein Nachporto erhoben sondern sie entsprechen der Lagergebühr für einen postlagernden Brief. Ich weiß nicht, ob die Lagergebühr in dem Moment aufgeklebt wurde, als der Brief am Postamt ankam oder dann, wenn als er abgeholt wurde. Der Stempel wurde am 15.4.1975 in Seefeld abgeschlagen, fast 5 Monate nach der Aufgabe des Briefes in Bangkok.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
bei den Maschinenstempeln habe ich schon mehrfach Stempel gefunden, bei denen die Jahreszahl vierstellig angegeben ist. Bei diesen Stempeln fällt natürlich sofort auf, dass es nicht unser Kalender sein kann.

Entsprechend der Frankatur ist der Brief zweimal durch die Stempelmaschine gelaufen. Der zweite Abschlag steht dabei auf dem Kopf. Beide Stempel sind vom 1. Juli 2525 BE, 7 AM (= at morning). Durch Subtraktion von 543 Jahren bei der Jahreszahl ergibt sich das Stempeldatum 01.07.1982 AD.
Der Stempel wurde beim ไปรษณีย์กลาง = Hauptpostamt abgeschlagen. Der Ortsname Bangkok = กรุงเทพมหานคร, kurz กรุงเทพฯ ist nur in lateinischer Schrift angegeben.
Die beiden Sondermarken gehören zu dem Satz „200 Jahre Regentschaft der Chakri-Dynastie“. Sie zeigen König Rama I (1782–1809) bzw. König Rama VII (1935–1946). Die Freimarke zeigt König Rama IX (1946–2016). Die Zahlen in Klammern geben die Zeit ihrer Regentschaft an.
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#247]
Ich würde beim Kauf von älteren Belegen aus Indien aufpassen. In Indien gibt es den Antiquities and Art Treasures Act von 1972, dieser verbietet den Export von Kulturgütern, die älter als 100 Jahre sind. Darunter fallen auch Briefmarken.
Sollte der indische Zoll das heraufinden kann es richtig Ärger geben. Es gibt den Fall eines bekannten indischen Händlers, der wegen dem Export billiger Victoriamarken, für ein deutsches Auktionshaus, drei Monate im Gefängnis war.
Grüße
Moritz
@ Wesi [#248]
Hallo Moritz,
das war mir bisher nicht bekannt. Ich will natürlich nicht, dass meinetwegen jemand Ärger bekommt.
Vielleicht ist es besser, wenn Richard die Bilder des Briefes mit dem Namen des Verkäufers aus Beitrag 247 entfernt oder den Namen des Absenders verdeckt.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
diesen Brief habe ich schon einmal beim Thema „Thailand: Echt gelaufene Belege“ vorgestellt. Damals fragte ich „Kann einer von Euch etwas zu dem Zettel auf der Rückseite sagen?“ Heute habe ich andere Möglichkeiten, den Text einzugeben und kann selbst schon etwas dazu sagen.

Der Brief wurde am 10.03.2535 BE – 543 Jahre = 10.03.1992 AD in Na Chaluai = นาจะหลวย aufgegeben. Einen Tag später war er am Ziel in Chanuman = ชานุมาน.

Amphoe Na Chaluai (PLZ 34280) ist ein Landkreis (Verwaltungs-Distrikt) im Süden der Provinz Ubon Ratchathani. Die Provinz Ubon Ratchathani liegt in der Nordostregion von Thailand, dem so genannten Isan.
Amphoe Chanuman (PLZ 34210)ist ein Landkreis (Verwaltungs-Distrikt) der Provinz Amnat Charoen. Die Provinz Amnat Charoen liegt im östlichen Teil der Nordostregion von Thailand, dem so genannten Isan.
Hier stimmt die heutige Postleitzahl (34210) nicht mit der Postleitzahl im Stempel und bei der Anschrift (37210) überein. Wie das kommt, weiß ich bisher noch nicht. Vielleicht hat sich die Postleitzahl geändert. Zumindest hatte die Church of God Prophecy im Sub District Pa Ko im District Chanuman im Jahr 1992 ebenfalls die Postleitzahl 34210.

Die thailändische Schrift hat mir früher sehr große Probleme bereitet. Durch die vielen Kringel, Häkchen usw. war es mir nicht möglich die Zeichen zu finden. Damals kannte ich die Eingabe als „Handschrift“ beim Google-Übersetzer noch nicht. Mit der Handschrift-Eingabe geht es jetzt viel besser.
Die Zeichen stellen in der Regel kein Problem dar, wenn sie klar zu erkennen sind. Die Übersetzung von Google lässt aber häufig zu wünschen übrig. Dieses sind die ersten drei Zeilen des Aufklebers von der Rückseite:
คืนซองนี้ให้แก่เจ้าหน้าที่ด้วย = Senden Sie diesen Umschlag an die Behörde/Mitarbeiter zurück.
บรรจุธนาณัติเลขที่ 023535 = Geben Sie die Zahlungsanweisungsnummer 023535 an
คําแนะนําสําหรับผัวรับเงิน = Hier kann die Google Übersetzung “Empfehlungen für bezahlte Manager“ nicht stimmen. Leider hat mir das Online Thai-Lexikon [1] in diesem Fall auch nicht weitergeholfen.
Zusätzlich habe ich versucht, den unteren Punkt 5. Zu übersetzen. Das Ergebnis ist:
หากสงสัยประการใด โปรดสอบถามเจ้าหน้าที่จ่ายเงิน หรือนายไปรษณีย์โทรเลขหัวหน้าที่ทําการ
In etwa ergibt sich: “Im Zweifelsfall fragen Sie bitte das Personal oder den Post- und Telegraphenchef.
Welche Bedeutung der Zettel ganz genau hat, ist mir zwar immer noch nicht klar. Um was es sich grundsätzlich handelt, ist aber erkennbar.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://www.clickthai-online.de/wbtde/woerterbuch.php
Postleitzahlen weltweit findet man z.B. hier:
https://postal-codes.cybo.com/
Österreich führt einen Rost-Ellipsenstempel, den gregoriansichen Kalender (18. September) und die lateinischen Buchstaben, Russland hingegen einen Kreisstempel, den julianischen Kalender (5. September) und die kyrillischen Buchstaben.
Guten Nachmittag,
die unterschiedlichen Kalender sind doch sehr interessant, vor einiger Zeit hätte ich diesen noch keinerlei Beachtung zukommen lassen, so ändern sich die Zeiten.
Nicht verwunderlich, die heutige Karte wurde in Marburg auf die Reise verschickt.

Am 14. Juni 1910 starte die Reise in Marburg, und schon am 4. Juni 1910 war sie in St. Petersburg, rechne ich den julianischen Kalender aus Petersburg in den "Marburger" gregorianischen um, dann ergibt sich ein Ankunftsdatum am 17. Juni 1910. Somit war die Karte innerhalb von 3 Tagen am Zielort.

Beste Grüße Olaf
@ Volikmal [#254]
Hallo zusammen,
noch zwei weitere Karten desselben Absenders August Bielefeld aus Bulgarien. Wie man dem Text der zweiten Karte entnehmen kann, arbeitete August Bielefeld in Sofia als Lehrer und gab auch Privatunterricht. Er lebte im Februar 1899 zusammen mit seiner Frau Hertha und der kleinen Tochter in Bulgarien. Im März 1900 war dann noch der kleine Sohn Kurt dabei.
August Bielefeld hat beide Karten noch an dem Tag bei der Post aufgegeben, an dem er sie geschrieben hat. Sie zeigen den Wechsel der Umrechnung von 12 zu 13 Tagen Unterschied zwischen dem julianischen und gregorianischen Kalender.

Karte vom 11.2.1899 (jul.) + 12 Tage = 23.2.1899 (greg.). Nach drei Tagen kam die Karte in Düsseldorf Oberbilk an.

Karte vom 12.3.1900 (jul.) + 13 Tage = 25.3.1900 (greg.). Auch diese Karte braucht für den Weg von Sofia nach Düsseldorf 3 Tage, denn sie erreichte ihr Ziel am 28.3.1900.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
auch in Griechenland galt der julianische Kalender. Hier eine Postkarte P 16 aus Athen an das Alexanderwerk in Remscheid.

Der Absender hat als Datum den 20.01.1903 angegeben. Der Aufgabestempel ist vom 07.01.1903 und damit nach dem julianischen Kalender. 07.01.1903 (jul.) + 13 Tage = 20.01.1903 (greg.). Nach 5 Tagen kam die Karte in Remscheid an.
Griechenland ist das letzte europäische Land, in dem der gregorianische Kalender übernommen wurde. Bei Wikipedia [1] ist zu lesen, dass im Königreich Griechenland (außer Athos) der erste Geltungstag des gregorianischen Kalenders der 16. Februar 1923 (jul.) = 1. März 1923 (greg.) war.

Die Ausnahme war also Athos, eine orthodoxe Mönchsrepublik mit autonomem Status unter griechischer Souveränität in Griechenland [2]. Die Mönche in Athos verwenden bis heute den julianischen Kalender. Von 2008 bis 2017 bestand eine vom griechischen Postdienst autonome Post mit eigenen Briefmarkenausgaben auf dem Athos. Hier der niedrigste Wert aus der letzten Ausgabe vom 08.11.2017.
Für mich stelle sich natürlich die Frage, welcher Kalender bei den Stempeln in Athos verwendet wurde. Zumindest für das Jahr 2019 und einen Brief nach Deutschland kann ich Frage jetzt beantworten. Ein verstorbenes Vereinsmitglied wollte für seine Sammlung eine Briefmarke aus Athos haben und hatte die Mönchsrepublik angeschrieben.

Zu seinem Erstaunen bekam er diesen großformatigen Brief mit vier Jahrbüchern aus Athos zugeschickt. Der Brief ist mit 70 Briefmarken zu 0,20 €, also mit 14,- € frankiert. Ich durfte den Brief und das Begleitschreiben zu meinem Glück mitnehmen.

Auf dem Brief sind zahlreiche Stempelabschläge von denen man aber nur die Kreise erkennt, wenn man den Brief schräg gegen das Licht hält. Zuerst dachte ich, dass überhaupt keiner der vielen Stempel lesbar ist. Dann habe ich aber auf der Vorderseite einen Abschlag mit lesbarem Datum gefunden. Der Stempel ist vom 21.06.2019. Im Text des Briefes das Datum nach beiden Kalendern angegeben: 7/20 Ιουνίου 2019 = 07.06.2019 (jul.) = 20.06.2019 (greg.). Damit steht fest, dass beim Stempeldatum der gregorianische Kalender benutzt wurde.
Der Stempel stammt aus ΚΑΡΥΑΙ = Καρυάι = Karyes, dem Hauptort des autonomen Mönchsstaates Athos [3]. Was außer dieser Ortsangabe noch im Stempel steht ist nicht zu erkennen.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Gregorianischer_Kalender
[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Athos
[3]
https://de.wikipedia.org/wiki/Karyes
Hallo zusammen,
in chinesischen oder japanischen Stempeln mit einem Datum mit chinesischen Zeichen werden oft die Symbole für Tag (日), Monat (月) und Jahr (年) verwendet. Siehe z.B. [#35]. Hier sieht man die drei Zeichen auch einmal bei einem Stempel mit unseren Ziffern:

Stempel aus 太原 = Taiyuan, der Hauptstadt der Provinz 山西 = Shanxi vom 05.01.1988. Die Briefmarke und der Stempel wurden aus Anlass des 戊辰年 = Jahr des Erde-Drachens herausgegeben [1].
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Erde-Drache
Hallo zusammen,
im Beitrag [#258] schrieb ich "In chinesischen oder japanischen Stempeln mit einem Datum mit chinesischen Zeichen werden oft die Symbole für Tag (日), Monat (月) und Jahr (年) verwendet." Hierzu ein Beispiel aus Ilan (Taiwan):

Unten seht ihr , welche Zeichen im Stempel stehen. Dabei ist zu bemerken, dass der Orts- und Landesname von rechts nach links zu lesen ist: 台灣 = Taiwan, 宜蘭 = Yilan = Ilan. Unten in der Mitte steht als Unterscheidungszeichen (辛). Dieses ist der 8-te der 10 Himmelsstämme.
In der Mitte steht links die Uhrzeit. Der Stempel ist also vom 十八-九日-五月-五四年 = 18 Uhr, 9. Tag, 5. Monat, 54. Jahr ROC
(+ 1911 Jahre) = 09.05.1965 AD. In Taiwan benutzt man bis heute den Minguo-Kalender (民國) engl. Rebublic of China calendar (ROC). Bei Post ins Ausland wird aber häufig unsere Schrift und unser Kalender benutzt.
Viele Grüße
Volkmar
Guten Morgen,
im Absenderfreistempel zwei Datumsangaben, einmal gregorianischer und einmal iranischer Kalender.

Viele Grüße
Angelika
@ volkimal [#262]
Familienangelegenheiten, wenn mein Bulgarisch mich nicht im Stich lässt.
In diesem Moment dein langer Brief, tausend Dank .... Ich breche morgen Donnerstag auf um 6 Uhr abends (passt zum Datum) ...nach guter Ankunft ein Brief ....das gibt schöne Ostern... ich umarme dich mit Vater
@ volkimal [#262]
@ Gauss [#263]
Guten Morgen Volkmar,
Der Text ist telegrammäßig geschrieben:
En ce moment ta longue lettre,
mille merci. Ce matin télé-
gramme m’accordantele(?) congé
demandé. Donc je pars demain
jeudi à 6 le soir /pour/ arriver
à Torbole Panedi à 3 heures.
De là, tous aurez une lettre. Ce
seront de beaux Pâques. Je t'em-
brasse avec père(?). (...) 7.4.09
—-
In mehr verständliches Französisch wäre es vermutlich sein:
A ce moment, je te mercie mille fois pour ta longue lettre.
Ce matin j'ai reçu le télégramme avec l'accord pour mon congé donc je
pars demain, jeudi à 6 heures le soir pour arriver à Torbole Panedi à
3 heures. De là, je t'envoie une lettre.
Ce seront de beaux Pâques
Je t'embrasse (...) 7.4.09
Die Übersetzung lautet (Gauss hat übrigens das Wichtigste schon erwähnt):
Tausendmal Danke fur Deinen langen Brief. Heute Morgen erhielt ich ein Telegramm mit meiner Urlaubsgenehmigung. Ich fahre morgen Abend (Donnerstag) um 6 Uhr ab und werde in Torbole Panedi um 3 Uhr ankommen. Von dort werde ich Euch einen Brief schreiben. Es wird ein schönes Osterfest sein. Ich umarme dich mit Vater. (...) 7.4.09
—-
Viele Grüße,
Emiel
@ Gauss [#263]
@ evwezel [#264]
Hallo ihr beiden,
ganz herzlichen Dank für die Übersetzung des Textes.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
der Stempel des Monats Februar 2024 zum Thema "Schaltjahr" darf natürlich bei diesem Thema nicht fehlen.

Gestern war der 29.02.2024. Heute kamen ich ein paar Stempel mit diesem Datum an. Ihr könnt sie beim Thema "Der 29. Februar ein Tag wie jeder andere ?" sehen [1].
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=337438
Hallo zusammen,
in Thailand gilt der Buddhistische Kalender. Auf diesen zwei Ansichtskarten sieht man gleich vier Möglichkeiten wie der Monat angegeben werden kann:

In den beiden Tagesstempeln hat man unsere Ziffern bzw. Schrift benutzt. Im linken Stempel ist der Monat abgekürzt „OCT“, rechts hat man den April als Ziffer „4“ angegeben.
Im Werbeklischee sieht man das Datum in der thailändischen Schrift. Links steht in der Mitte: „๔ - ๑๔ ต.ค. ๒๕๓๒" = 4 - 14 Okt. 2532. Für die Monate gibt es in Thailand spezielle Abkürzungen. Der Oktober = ตุลาคม hat die Abkürzung “ต.ค.“.
Im rechten Werbeklischee hat man dagegen den Monatsnamen ausgeschrieben. Dort steht: „๑ – ๓๐ เมษายน ๒๕๓๓” = 1.-30. April 2533.
Weitere Angaben zur Thailändischen Schrift und den Thailändischen Monaten findet ihr in [1] und beim Thema „Die unterschiedlichen Kalender“ ab Beitrag 60 [2].
Beim Buddhistischen Kalender stimmen seit 1941 der Tag und der Monat mit unserem Kalender überein. Von der thailändischen Jahreszahl muss man jeweils 543 Jahre subtrahieren. Die Stempel sind also vom:
04.10.2532 BE – 543 Jahre = 04.10.1989 AD bzw. vom 08.04.2533 BE – 543 Jahre = 08.04.1990.
In der Zeile über dem Datum ist links die Uhrzeit 8.30 AM und rechts die Postleitzahl 10200 angegeben.
Es ist übrigens das erste Mal, dass es mir gelungen ist den kompletten lesbaren Text in den Werbeklischees zu entziffern. Siehe [3] bzw. [4].
Viele Grüße
Volkmar
[1] Poststempelgilde Band 196: „Die unterschiedliche Kalender - Eine Anleitung zur Umrechnung der Daten in Poststempeln“ (Volkmar Werdermann)
[2]
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ME=126325#M60
[3]
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=345968
[4]
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=345861
@ volkimal [#270]
Guten Morgen Volkmar,
Du hast wieder einen interessanten Beitrag geschrieben!
Viele Grüße
Emiel
Hallo zusammen,
heute ein Beispiel aus dem nepalesischen Kalender:

Gut, dass auf dem Ersttagsumschlag das Datum nach beiden Kalendern angegeben ist. Die nepalesischen Ziffern werden sehr unterschiedlich geschrieben und sind daher nicht ganz einfach zu erkennen. Den Stempeltext konnte ich aufgrund von weiteren Exemplaren der Stempel bei Delcampe komplett entziffern.
Der linke Stempel hat folgenden Text: विश्व हुलाक संघ सप्ताह / U.P.U. / २०१६ / बैशाख / NEPAL / जी.पो.आ. (काठमाण्डु)
übersetzt steht dort: Weltpostverein Woche / U.P.U. / 2016 / Baisakh / NEPAL / = G.P.O. (Kathmandu)
Im rechten Stempel ist zu lesen:
नेपाल जनरल पो.आ. = Nepal General P.O.
०१६ बैशाख ४ = 016 Baisakh 4
काठमाण्डु = Kathmandu
Das Datum in den Stempeln ist nach dem nepalesischen Kalender (Vikram Sambat). Die Umrechnung des Datums zu unserem Kalender ist kompliziert, da es 12 Monate mit jeweils 29, 30 oder 31 Tagen gibt. Die Monatslänge ist von Jahr zu Jahr anders. Ungefähr gilt: Datum VS – 56 Jahre, 8 Monate und ca. 17 Tage = Datum AD. Das Jahr fängt mit dem Monat Baisakh an.
Leichter geht es mit dem Umrechner im Internet [1]. Dabei findet man (wie auf dem Umschlag angegeben): 016 Baisakh 4 = 04.01.2016 VS = 17.04.1959 AD
Weitere Informationen zum nepalesischen Kalender siehe [2] und die folgenden Beiträge bzw. [3].
Viele Grüße
Volkmar
[1] Umrechner:
http://nepalicalendar.rat32.com/index.php
[2]
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ME=137669#M81
[3] Poststempelgilde Band 196: Die unterschiedlichen Kalender - Eine Anleitung zur Umrechnung der Daten in Poststempeln, Volkmar Werdermann 2019
Hallo zusammen,
heute ein japanischer Stempel auf einer losen Marke:

Da ich mich intensiv mit den Kalendern befasse, ist das Datum (unterhalb des Striches) für mich kein Problem:
月五 年十四 / 日六 = Monat 5 Jahr 14 / Tag 6
Da die Jahreszählung innerhalb Japans mit jedem Tenno neu beginnt, kommen theoretisch folgende Daten in Frage:
06.05. Meiji 14 = 06.05.1881 AD
06.05. Taisho 14 = 06.05.1925 AD
06.05. Showa 14 = 06.05.1939 AD
06.05. Heisei 14 = 06.05.2002 AD
Welches Jahr es ist, kann über die Briefmarke ermittelt werden. Es ist MiNr. 84 vom 01.10.1899.
Der Stempel ist also vom 06.05. Taisho 14 = 06.05.1925 AD.
Etwas mehr Probleme hatte ich mit der genauen Zuordnung des Ortes (oberhalb des Strichs).
Dort stehen die Zeichen 清水 = Shimizu (von rechts nach links gelesen). Diesen Ort gibt es beim deutschen Wikipedia allein sechsmal.
In diesem Fall hat sich die Seite worldpostmarks [1] als sehr hilfreich erwiesen. Über diese Seite konnte ich den Namen der historischen Provinz zuordnen.
Es handelt sich um 清水 = Shimizu in der Provinz 駿河 = Suraga.
Später gehörte Shimizu zur Präfektur Shizuoka. Am 1. April 2003 schlossen sich Shimizu und Shizuoka zum neuen Shizuoka zusammen. Am 1. April 2005 wurde Shizuoka zu einer durch „Großstadt per Regierungserlass“ ernannt und der Stadtbezirk Shimizu-ku (清水区) eingerichtet. [2]
Viele Grüße
Volkmar
[1]
http://worldpostmarks.net/HTML%20Countries/Japan.htm
[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Shimizu_(Shizuoka)
@ volkimal [#273]
Hallo zusammen,
ich habe geschrieben "Da ich mich intensiv mit den Kalendern befasse, ist das Datum (unterhalb des Striches) für mich kein Problem"
Und dennoch habe ich mich geirrt. Koban hat mich freundlicherweise darauf hingewiesen.
Ich hätte auch das Datum im unteren Teil von rechts nach links lesen müssen:
四十年 五月 / 六日 = 40 Jahr 5 Monat / 6 Tag = 06.05. Meiji 40 = 06.05.1907 AD.
Wie Koban schreibt war der Stempeltyp nur bis 1909 (lt. Handbuch) in Gebrauch.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
Die Kalender in Mengjiang, der Dschingis-Khan-Kalender (Chengji-Ära)

Während des 2. Japanisch-Chinesischen Kriegs (1937 – 1945) besetzte Japan große Teile im Nordosten Chinas. Schon vorher kam es 1932 zur Bildung des japanischen Marionettenstaates Mandschukuo. Die Kalender in Mandschukuo habe ich im Beitrag [#220] und den folgenden vorgestellt [1].
Die ersten Anfänge von Mengjiang (蒙疆) gehen auf das Jahr 1936 zurück. Mengjiang wurde am 01.09.1939 im Osten der Inneren Mongolei gegründet. Seit 1941 galt Mengjiang formal als autonomes Gebiet [2]. Das Gebiet hat viele verschiedene Schreibweisen. Neben Mengjiang z.B. noch Mengchiang, Meng-Chiang, Mengkiang oder Menkiang. Die lange Form ist 蒙疆聯合自治政府 = Vereinigte Autonome Regierung Mongolei-Xinjiang.

1941 wurden die chinesischen Marken mit dem Aufdruck 蒙疆 = Mengjiang herausgegeben. Der Name ist von rechts nach links zu lesen. Ab 1942 gab es zusätzlich unten den Aufdruck einer neuen Wertangabe.

1943 gab Mengjiang außerdem sieben Sondermarken heraus.
Auch in Mengjiang gab es einen eigenen Kalender. Den Kalender habe ich entdeckt, als ich bei den japanischen Besetzungsgebieten im Zweiten Weltkrieg nach Beispielen zum Kōki-System suchte (Jahreszahlen 2597 – 2605). Dabei fiel mir dieser Stempel aus Mengjiang mit der Jahreszahl 737 auf:

Dieser Kalender war mir völlig unbekannt, und ich konnte absolut nichts dazu im Internet finden. Daher in den nächsten Beiträgen die Geschichte, wie ich alles herausgefunden habe.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ME=228486#M220
[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Mengjiang
Hallo zusammen,
ich hatte gehofft, dass beim Thema "China Stempel bestimmen" die letzten mir unbekannten Zeichen bei meinen Stempeln geklärt würden. Leider ist es bisher nicht der Fall. Daher geht es auch ohne die Zeichen mit dem Kalender in Mengjiang weiter. Siehe vorher den Beitrag [#276].
Ich habe zunächst bei Delcampe, Ebay und Philasearch nach weiteren Beispielen zu diesem Kalender gesucht. Dabei fand ich die Jahreszahlen von 733 bis 740. Wichtig war dabei vor allem dieser Ersttagsstempel zur Sondermarke „5. Jahrestag zur Aufnahme des Postbetriebes“:

Die Briefmarken sind am 16.04.1943 AD = 16.04.738 erschienen. Damit war klar, dass Monat und Tag übereinstimmen. Die Jahreszahl unterscheidet sich um 1943 – 738 = 1205 Jahre. Damit wäre das Jahr 1 in Mengjiang das Jahr 1 + 1205 Jahre = 1206 AD. Bei fast allen Kalendersystemen geht der Beginn der Jahreszählung auf besondere Ereignisse zurück. Ich habe daher nach einem Ereignis im Bereich der Mongolei gesucht, das mit der Jahreszahl 1206 zu tun hat. Dabei fand ich heraus, dass im Jahr 1206 Dschingis Khan zum ersten Großkhan der Mongolen ernannt wurde. Somit war mir klar, worauf sich der Kalender bezieht. Ein Nachweis in Form einer Veröffentlichung fehlte mir aber immer noch.
2017, als ich mich das erste Mal mit dem Kalender in Mengjiang befasste, kannte ich die Möglichkeit noch nicht, die der Google-Übersetzer heute bietet. In den letzten Tagen habe ich mich daran gemacht, die Texte in den beiden Stempeln zur entziffern. Ich war erstaunt, dass Google ein Ergebnis fand, denn die Zeichen in Mengjiang sehen zum Teil ganz anders aus als bei der normalen chinesischen Schrift.
Es ist zu beachten, dass die chinesische Schrift damals meistens von rechts nach links zu lesen war. Zu meinem Erstaunen stellte ich fest, dass der Ortsname (rechts vom Datum) und die beiden Zeichen (links vom Datum) von links nach rechts zu lesen sind. Der obere Text ist dagegen von rechts nach links zu lesen. Der obere Text stimmt weitgehend mit dem Text der Marken überein.

Es kam heraus:
Text oben: 蒙古郵電事業創始五周年紀念 = Der fünfte Jahrestag der Gründung des Post- und Telekommunikationsbetriebes der Mongolei
Ortsname: 包頭 (traditionell) = 包头 (vereinfacht) =Baotou. Baotou ist eine bezirksfreie Stadt in der Autonomen Region Innere Mongolei.
Zeichen unten links: 成紀 = Chengji.
Die Zeichen in der Mitte sind mir noch nicht klar.

Auch bei diesen beiden Stempeln, die ich die ich bei Ebay bzw. Delcampe fand, stehen die Zeichen 成紀 neben der Jahreszahl. Die Stempel waren leider nicht mehr im Angebot. Beide Stempel kommen aus 大同 = Datong. Der Ortsname ist einmal von links nach rechts und einmal von rechts nach links zu lesen.
Beim japanischen Kalender wird gelegentlich neben der Jahreszahl die Ära angegeben. Ich vermutete, dass es hier auch so war. Ich habe deshalb bei Google nach Seiten gesucht, die die beiden Begriffe „蒙疆 成紀“ = „Mengiang Chengji“ enthielten. Ich fand die Seite [1]. Auf dieser chinesischen Seite zu Kalendersystemen steht übersetzt (Google):
Der Dschingis-Khan-Kalender ist die Ära, die von der von Japan unterstützten „Vereinigten Autonomen Regierung Mongolei-Xinjiang“ verwendet wird. Das heißt, 1206, das Jahr, in dem Temujin Dschingis Khan ernannte, ist das erste Jahr der Chengji-Ära. Von 1936 bis 1945 wurde es als 731–740 n. Chr. aufgezeichnet.
Nach der Kapitulation Japans im Jahr 1945 wurde die mongolische Regierung aufgelöst. Diese Chronologie wurde jedoch bis 1949 (744 n. Chr.) verwendet, da Demuchuk Donglup (König De) weiterhin die Errichtung einer „autonomen mongolischen Regierung“ anstrebte.
Das war der lange gesuchte Nachweis zu meiner Vermutung, dass der Kalender aud Dschingis Khan zurückgeht. Ich werde den Dschingis-Khan-Kalender mit DK abkürzen. Also z.B. 738 DK = 1943 AD.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://zh.wikipedia.org/zh-hant/成吉思汗紀年
Hallo zusammen,
dieser Stempel und einige anderen Beispiele kommen in mehreren Orten vor:

Der Ortsname muss unten stehen, denn dort unterscheiden sich die Stempel. Mein Stempel (links) ist aus 宣化 = Xuanhua. Dieses ist heute ist ein Stadtbezirk der bezirksfreien Stadt Zhangjiakou in der Provinz Hebei. Aus 張家口 = Zhangjiakou kommt der rechte Stempel.
Der Stempel ist vom 03.03.737 DK + 1205 Jahre = 03.03.1942 AD.
Links und rechts des Datums steht 慶祝 = feiern. Oben ist der Text 滿多帝國十周紀念 = Der zehnte Jahrestag des Mando-Reiches. Die beiden Zeichen oben in der Mitte sind mir noch nicht klar. Das untere könnte 國 = Land sein.
Bei den Sonderstempeln wurde in Mengjiang meistens der Dschingis-Khan-Kalender benutzt. Bei Tagesstempeln habe ich ihn bisher nicht registriert.

Bei diesem Stempel aus Datong muss die 32 die Jahreszahl sein. Sie steht links. Entsprechend der Briefmarke aus dem Jahr 1943 kann beim Stempel nur der in China übliche Minguo-Kalender verwendet worden sein. Damit ist der Stempel vom 26.04.32 ROC + 1911 Jahre = 26.04.1943 AD.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
zum Schluss noch zwei frühe Sonderstempel aus 厚和:

Mit dem Ort 厚和 hatte ich zuerst Probleme, da er nicht bei Google-Maps zu finden war. Zum Glück gibt es auf der Wikipedia-Seite von Mengiang eine chinesische Landkarte des Gebietes ca. aus dem Jahr 1939 [1]. Dort konnte ich den Ort zuordnen. 厚和 = Hohhot. Heute hat Hohhot den Namen 呼和浩特. Es ist die Hauptstadt des Autonomen Gebietes Innere Mongolei in der Volksrepublik China.
Beim linken Stempel ist das Datum in chinesischen Ziffern angegeben: 年三三七紀成 / 日五十二月十 = Chengji 733 Jahr / 10 Monat 25 Tag (von rechts nach links gelesen). Der Stempel ist also vom 25.10.733 DK + 1205 Jahre = 25.10.1938 AD.
Beim rechten Stempel wurde der Minguo-Kalender benutzt. Der Stempel ist vom 22.11.27 ROC + 1911 Jahre = 22.11.1938 AD.
Damit bin ich mit dem Dschingis-Khan-Kalender (Chengji-Ära) fertig.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/3f/Mengjiang%2C_North_Shanxi%2C_South_Chahar_Map_-_Circa_1937-1939.png
**********************
Richard, kannst Du bitte auf der ersten Seite des Themas ergänzen:
Beiträge 276-279: Die Kalender in Mengjiang, der Dschingis-Khan-Kalender (Chengji-Ära)
Ein netter kleiner Gimmick, ein Fun Fact zum Thema "unterschiedliche Kalender":

Rückseite einer Ansichtskarte, die wir 1992 in die Heimat schickten (die Bildseite passt nicht ins Thema); entwertet per Handstempel
FOULA SHETLAND vom
10.08.1992 und einen zusätzlichen Universal-Maschinenstempel von
LERWICK SHETLAND vom
12.08.1992.
Auf den ersten Blick, stellt sich hier die Frage, nach dem 'unterschiedlichen Kalender' und auf den zweiten Blick wird man auf Grund der Doppelentwertung wird der Purist erst einmal verärgert sein. Aber nein, weder a noch b, denn:
Foula ist eine kleine Insel im äußersten Westen der Shetland Inseln, mit nur etwa 20-30 Bewohnern, die aber eine ganz besondere Eigenheit innerhalb des Vereinigten Königreichs aufweist:
Foula behielt ganz offiziell den julianischen Kalender bei, nachdem das Vereinigte Königreich 1752 den gregorianischen Kalender übernommen hatte. Aber auch hier gibt es noch eine kleine Falle zu beachten, denn "das Jahr 1800 erschien demnach als Schaltjahr, wohingegen das Jahr 1900 als Schaltjahr unberücksichtigt blieb. Im Ergebnis ist Foula damit heute dem julianischen Kalender einen Tag voraus, dem gregorianischen Kalender zwölf Tage nachlaufend" [1].
Da "wir" aber das Glück einer Doppelentwertung haben, ist ersichtlich, dass für die Post auf Foula nicht der "Foula-Kalender", sondern der der Royal Mail gilt (zumindest damals galt). Sozusagen ist das Inselpostamt, das sich übrigens im Hauptort Ham befindet (denn es gibt keinen "Ort" namens Foula, auch wenn der Stempel uns das suggerieren mag), eine Zeitexklave. ;-)
Wenn das Netz richtig liegt, haben die aktuell 28 Einwohner (Stand 2022) bis heute immer noch ein eigenes Postamt der Royal Mail, Mo./Mi./Fr. geöffnet von 9 bis 11 Uhr [2], Foto von [3].

Beste Grüße
Thomas
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Foula
[2]
https://www.royalmail.com/services-near-you/delivery-office/foula-delivery-office-ze2-9pn
[3]
https://www.wikidata.org/wiki/Q121811946
@ DL8AAM [#280]
Hallo Thomas,
toll was Du da ausgegraben hast. Vom Julianischen Kalender in Foula hatte ich noch nie gehört. Danke fürs Zeigen!
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
im Beitrag 141 habe ich mit „Arabischen Staaten, unser Kalender“ angefangen. Als erstes kamen einige Beispiele aus Syrien [1]. Inzwischen habe ich bei einem Stempel aus der Datenbank entdeckt, dass vorübergehend auch der Islamische Kalender in Syrien verwendet wurde. Deshalb eine kleine Übersicht wann in Syrien welcher Kalender benutzt wurde.
Vorher aber noch etwas zur Geschichte des Landes. Bis November 1918 gehörte das Gebiet des heutigen Syriens zum Osmanischen Reich. Danach wurde es von arabischen Truppen besetzt. 1920 wurde unter Faisal I. aus der Familie der Haschemiten ein kurzlebiges unabhängiges Königreich Syrien gegründet. Es bestand vom 8. März bis zum 24. Juli 1920. Nach der Schlacht von Maysalun besetzten französische Truppen Syrien. Das Land stand zunächst unter französischer Verwaltung danach wurde es französisches Mandatsgebiet.
So, jetzt aber zu den Kalendern, die in Syrien verwendet wurden Ich zeige es mit vier Stempeln aus Aleppo:
Bis 1918 wurde es in den Stempeln zusätzlich zu unserem Datum das Datum nach dem im Osmanischen Reich üblichen Rumi-Kalender angegeben [2]. Der Rumi-Kalender unterschied sich seit dem 14.03.1900 AD um 584 Jahre und 13 Tage von unserem Kalender.

Stempel von Wesi (Moritz Traub)
21.11.1914 AD = ٨-٩-٣٠ = 30.9.8 = 08.09.1330 Rumi
Bei der Kalenderreform, die seit dem 01.03.1917 AD galt, wurden die Tage und Monate an unseren Kalender angepasst. Der Rumi-Kalender unterschied sich seitdem genau um 584 Jahre von unserem Kalender.

16.04.1918 AD = ١٦-٤-٣٤ = 34.4.16 = 16.04.1334 Rumi (nach Kalenderreform)
Von 1919 bis 1921 kenne ich Stempel, in denen zusätzlich zu unserem Datum das Datum nach dem Islamischen Kalender (AH) angegeben ist [3].

02.07.1921 AD = ٢٦-١٠-٣٩ = 39.10.26 = 26.10.1339 AH
Von 1921 an ist in den Stempeln zusätzlich zu unserem Datum noch einmal dasselbe Datum mit arabisch-indischen Ziffern angegeben.

16.04.1922 AD = ١٦-٤-٢٢ = 22.4.16 = 16.04.1922 AD
Viele Grüße
Volkmar
[1] Ab Beitrag 141 ganz unten auf der Seite:
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?CP=0&ST=7318&F=1&page=14
[2] Ab Beitrag 103 auf Seite:
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?CP=0&ST=7318&F=1&page=11
[3] Ab Beitrag 126 auf Seite
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?CP=0&ST=7318&F=1&page=13
Hallo zusammen,
es ist schon einige Monate her, dass ich etwas bei diesem Thema geschrieben habe. Durch einen Umbau in der unteren Wohnung kann ich mir nicht so viel Zeit für die Philatelie nehmen, wie ich es gerne tun würde. Heute beginne ich mit einem neuen Kapitel bei diesem Thema:
Die Kalender in Indien
Indien ist in Bezug auf die Kalender für mich ein besonders schwieriges Land. Es liegt daran, dass Indien ein Vielvölkerstaat ist, mit sehr vielen Volksstämmen, Sprachen und Kalendern. Viele der Sprachen haben eigene Schriften und Ziffern.

Dieser Brief zeigt die Sprachen- und Schriftvielfalt in Indien sehr deutlich, denn es sind gleich vier Sprachen/Schriften zu sehen. Auf der Anschriftenseite sind oben zwei verschiedene indische Schriften, darunter ist eine arabische Schrift. Ob es jeweils derselbe Text ist kann ich nicht sagen. Der rote Vermerk ist der Zielort in lateinischer Schrift.

Der Brief aus dem Jahr 1890 kommt aus dem indischen Fürstenstaat Jhind und geht nach Cawnpore (heute Kanpur), einer Großstadt am Ganges. Im Ankunftsstempel ist das Datum nach unserem Kalender angegeben (gregorianischer Kalender). Ich vermute, dass man die beiden Buchstaben des Monats vertauscht hat und im Stempel eigentlich stehen sollte "JA." = "January".

Auf der Karte sind die wichtigsten Kalender aus Indien eingezeichnet. Zum Teil gibt es noch mehrere Varianten. Die Karte basiert auf den Unterlagen von Bernhard Peters [1].
Bernhard Peters schreibt dazu: „Diese Aufzählung erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Neben den "indischen" Zeitrechnungen gibt es natürlich auch alle Kalender, die den jeweiligen Religionen eigen sind wie z.B. den gregorianischen Kalender, den islamischen Kalender usw.“
Im Bereich des Kreises lag der indische Fürstenstaat Hyderabad. Das Datum in den Stempeln des Fürstenstaates wurde bis 1898/99 nach dem islamischen, anschließend nach dem Fasli-Kalender angegeben. Als britische Kolonie gab es natürlich in ganz Indien neben den lokalen Kalendern zusätzlich den gregorianischen Kalender.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
http://www.kultur-in-asien.de
Hallo zusammen,
zu den großen Religionen gibt es in Indien drei Briefmarken. Alle drei Religionen haben einen eigenen Kalender.

2000 Jahre Christentum (1999)

2500 Jahre Buddhismus (1956)

1400 Jahre islamische Zeitrechnung (1980). Der Sonderstempel wurde unabhängig vom Tagesstempel abgeschlagen.
Bezüglich der Kalender sind besonders die indischen Fürstenstaaten interessant. Hier einige Beispiele der entsprechenden Stempel. Ich habe unter den Marken jeweils nacheinander angegeben: Fürstenstaat, Schrift und Sprache.

links: Indore, Devanagari, Hindi
rechts: Hyderabad, Arabisch, Urdu

links: Morvi, Gujarati, Gujarati
rechts: Travancore, Malayalam, Malayalam
Bei den Stempeln der Fürstenstaaten findet man verschiedene lokale Kalender. Ich beginne beim nächsten Mal mit dem ersten Fürstenstaaten, bei dem man viele Belege findet.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
nach den Weltreligionen komme ich jetzt zu den lokalen ondischen Kalendern. Ich beginne mit den Kalendern, von zu denen man viele Belege findet.
Der Malayalam-Kalender (Travanacore und Cochin)
Das Datum der Stempel im indischen Fürstenstaat Malayalam (heute Bundesstaat Kerala) ist häufig nach dem Malayalam-Kalender angegeben. Da bei den Angaben im Internet nicht immer alles richtig sein konnte, versuchte ich die Angaben mit passenden Belegen zu überprüfen. Beim Malayalam-Kalender gelang es mir mit Hilfe dieser Postkarte:

Das Besondere an der Postkarte ist, dass der Absender ein deutscher Geistlicher war. Er hat auf der Rückseite das Datum 02.01.1896 nach unserem Kalender notiert.
Der Ort und das Datum in den Stempeln sind mit der Malayalam-Schrift bzw. mit Malayalam-Ziffern angegeben. Einige Zeichen, die in den Stempeln vorkommen, gibt es nicht bei den Schriften am PC:

Ich habe für diese Zeichen daher einen eigenen Font entwickelt (links). Wer Interesse an dem Font hat, kann es mir per Email mitteilen.
Zu "Übersetzten" der Stempeldaten muss man die Malayalam-Ziffern kennen.

Links ist der Aufgabestempel aus വരാപ്പുഴ = Varapuzha, rechts der Ankunftsstempel aus കൊട്ടയം = Kottayam. In der oberen Zeile steht der Ort, darunter das Datum. Anhand der unterschiedlichen Zahlen ist zu erkennen, dass der Tag rechts steht. Die Jahreszahl steht unten. Der Monat ist nicht als Ziffer sondern als Buchstabe angegeben.
Bei Wikipedia fand ich die Monatsnamen des Malayalam-Kalenders. Nachdem ich die Seite in Malayalam aufgerufen hatte, bekam ich die Namen in der Malayalam-Schrift. Eine Liste der Abkürzungen findet man im Beitrag von John Trowbridge in der India Post [1]. Vom Monatsnamen ധനു = Dhanu ist im Stempel nur der erste Buchstabe angegeben. Die Zeit, in denen es in Travancore eigene Briefmarken gab, dauerte von 1044 (Malay.) = 1869 AD bis zum Jahr 1125 (Malay.) = 1950 AD.
Umrechnung der Jahreszahlen:
Von Chingam bis ca. 16. Dhanu: Kollam-Jahr + 824 = Jahreszahl AD
Ca. ab dem17. Dhanu bis Karkidakam: Kollam-Jahr + 825 = Jahreszahl AD
Die Stempel sind also aus dem Jahr 71 = 1071 (Malay.) + 825 = 1896 AD.

Wie man anhand der Tabelle sehen kann, können sehr viele Monate eine unterschiedliche Anzahl von Tagen haben. Beim ersten und dritten Monat habe ich nur eine Länge gesehen – es ist aber nicht sicher, ob es immer so ist. Wie lang ein Monat ist, ändert sich von Jahr zu Jahr. Ein System habe ich nicht erkannt.
Daher kann ich keine Formel angeben, mit Hilfe derer man das Datum nach dem Malayalam-Kalender in unseren Kalender umrechnen kann. Im Internet gibt es aber einen Umrechner, mit Hilfe dessen man Daten ab 1901 genau bestimmen kann [2].
Durch einen Vergleich der Daten aus den Jahren 1901 bis 1910 habe ich festgestellt, dass der 2. Januar 1896 AD (handschriftliches Datum) immer der 18. oder 19. Dhanu ist. Damit ist klar, dass das Stempeldatum 19 Dhanu 1071 (Malay.) von der Postkarte in diesem Fall dem 2. Januar 1896 AD entsprechen muss.
Viele Grüße
Volkmar
[1] John Trowbridge, „Circular datestamps of Cochin state“ in India Post No 142 Vol 33 No 4, Seite 146-148
[2]
https://www.prokerala.com/general/calendar/en-calendar.php
Hallo zusammen,
ich merke gerade, dass ich im Beitrag [#285] vergessen habe, die Übersetzung der Stempel zu zeigen.



Ich denke, dass meine Ausführungen vom letzten Mal so noch etwas leichter verständlich sind.
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#287]
Hallo Volkmar,
ich finde es Klasse, wie Du dieses Thema immer so anspechend darstellst!
Viele Grüße
Emiel
Hallo zusammen,
bei unsauberen Abschlägen kann man den Monat ക = Kanni leicht mit dem Monat

= Kumbham verwechseln. Hier beide Monate im Vergleich:

In der zweiten Zeile steht links der Monat. Der erste Stempel ist vom Monat ക = കന്നി = Kanni, der zweite Stempel vom Monat

= കുംഭം =. Das Kurzzeichen für den Monat Kumbham =

gibt es nicht im Schriftfond. Daher muss ich es hier als Grafik einfügen. Ich selbst habe für mich dafür einen Schriftfond erstellt. Der erste Stempel kommt aus dem Beitrag [#287]. Hier ist der Beleg des zweiten Stempels:

Die Rost-Kreisstempel aus Travanacore hat in der Mitte wieder das Zeichen „തി“ = „TI“. Darunter kommt die Ziffer ൧൩ = 13. Diese Nummer gehört zum Postamt in Parassala. Parassala ist eine kleine Stadt in Neyyatinkara Thehsil nahe der Grenze zwischen Kerala und Tamil Nadu. Sie liegt 34 km südlich der Landeshauptstadt Thiruvananthapuram in Kerala.
Passend dazu steht im Tagesstempel oben der Ort പാറശ്ശാല = Parassala. Das Stempeldatum ist

൩(?) / ൬൮ = Kumbham 3(?) / 68 = 03.07.1068 (Malay.) = ca. 14.02.1893 AD.

Der Brief ging nach ചെത്തല = Chetala. Vermutlich ist damit der Ort Cherthala gemeint. Siehe Beitrag [#289]. Der Stempel ist vom =

൬ / ൬൮ = Kumbham 6 / 68 = 06.07.1068 (Malay.) = ca. 17.02.1893 AD.
So viel für heute.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
auch diesen Brief aus dem indischen Fürstenstaat Cochin habe ich aus Ulm mitgebracht. Ursprünglich war der Brief gefaltet. Auf der Vorderseite stand die Adresse und auf der Rückseite waren die Briefmarken.

Ein früherer Besitzer hat die Briefmarken oben abgelöst, so dass er den Brief auseinanderfalten konnte. Daher sieht er jetzt so wie auf der rechten Abbildung aus. Der unterste Teil war ursprünglich unter den Briefmarken.

Den Text des Briefes kann ich natürlich nicht lesen. Ich kann aber erkennen, dass in der zweitletzten Zeile das Datum steht. Das ist immer gut, um das Datum in den Stempeln zu überprüfen.

Vom handschriftlichen Datum nach dem Malayalam-Kalender sind das Jahr 1099 und der Tag 27 leicht zu erkennen.
Der Stempel Tagesstempel aus തൃശ്ശിവ പേരൂർ = Trichur (heute Thrissur). Der Ort im Stempel wurde allerdings etwas anders als es heute der Fall ist. Im Stempel steht തൃശ്ശിവ വെരൂർ. In der heutigen Schreibweise hat der Ort den Vokal പേ = langes 'e', im Stempel dagegen ein പെ = kurzes 'e'.
Vom Datum kann ich bei diesen Stempeln nur den Tag erkennen. Es ist ൨൭ = 27. Für den Monat musste ich die beiden anderen Stempel heranziehen:

Die Ortsnamen konnte ich mit Hilfe eines Beitrages von der ArGe Indien identifizieren [1]. Die beiden Stempel kommen aus ഊരകം = Oorakam und aus ഒല്ലൂർ = Ollur (heute Ortsteil von Thrissur). Oorakam liegt etwa 80 km nördlich von Trichur, Ollur ca. 6 km südlich von Trichur. Bei beiden Stempeln ist der Monat

= വൃശ്ചികം = Vrischikam gut zu erkennen. Da auch das Zeichen

nicht im normalen Schriftfont enthalten ist, muss ich es hier als Grafik einfügen.
Damit ist klar, an welchem Tag der Brief aufgegeben wurde. Es war der 27 Vrischikam 1099 = 27.04.1099 (Malay.) = 12.12.1923 AD. Der Ankunftsstempel aus ഊരകം = Oorakam ist vom

൨൮ / ൯൯ = Vrischikam 28 / 99 = 28.04.1099 (Malay.) = 13.12.1923 AD. Für die Umrechnung der Daten benutzte ich die Seite [2].
Der Stempel aus ഒല്ലൂർ = Ollur gab mir zunächst ein Rätsel auf, da er vom Postweg her in der falschen Richtung liegt. Vom Tag ist nur die erste Ziffer eindeutig zu erkennen. Es ist eine ൩ = 3. Der Monat Vrischikam hat entweder 29 oder 30 Tage. Damit muss der Stempel aus Ollur vom ൩൦ = 30. Vrischikam 1099 (Malay.) = 15.12.1923 AD sein.

Der Brief wurde von Oorakam aus über Trichur nach Ollur weitergeschickt worden. Dazu passt der Bleistiftvermerk auf der Vorderseite oberhalb des Einschreibestempels. Dort steht mit Tinte ഊരകം = Oorakam und daüber mit Bleistift „Ollur“.
Im Einschreibestempel steht oben രജിസ്റ്റർ ചെയ്ത = Eingetragen (Google). In der Mitte wird der Ort angegeben. Dieser ist natürlich തൃശ്ശിവ വെരൂർ = Trichur. Unten links steht die Nummer des Einschreibens, in dem Fall die 32. Was die Angabe 3/8 unten rechts bedeutet weiß ich nicht. Vielleicht ist es eine Gewichtsangabe.
Viele Grüße
Volkmar
[1] India Post No 142 Vol 33 No 4, Seite 146-148
[2]
https://www.prokerala.com/general/calendar/en-calendar.php
Hallo zusammen,
zum Abschluss des Malayalam-Kalenders noch drei Ganzsachen aus Cochin. Die drei Ganzsachen sehen auf den ersten Blick gleich aus, die Briefmarken zeigen aber drei verschiedene Maharadschas. Außerdem sind durch Zufall auf jeder Karte das Datum und die Ortsangabe im Stempel einmal mit Malayalam-Ziffern und Buchstaben und einmal mit unseren Ziffern bzw. Buchstaben. Zusätzlich kommt auf jeder der drei Karten eines der Malayalam-Monatszeichen vor, das es nicht im normalen Schriftsatz gibt. Egal wie die Daten geschrieben wurden, das Datum ist immer nach dem Malayalam-Kalender. Leider haben alle drei Karten eine Aktenlochung.

Postkarte mit einem Bild des Maharadscha Rama Varma XVI (reg. 1915 – 1932) [1]. Im Michel heißt der Maharadscha dagegen Rama Varma II. Obwohl Maharadscha Rama Varma XVI schon am 21.03.1932 starb, gab es die Marken mit dem Bildnis seines Nachfolgers erst ab 1933. Hier hat man aber noch die alte Karte verwendet.

Postkarte aus Kalletumkara vom 19 VRI / 09 = 19. Vrischikam 1109 = 19.04.1109 (Malay.)= 04.12.1933 AD. Der Ankunftsstempel aus ഒല്ലൂർ = Ollur ist vom selben Tag:

൧൯ / 09 = VRI 19 / 09 = = 19. Vrischikam 1109 = 04.12.1933 AD.

Seltsamerweise ist das handschriftliche Datum auf der Rückseite der Karte der 28-3-09 = 29.03.1109 (Malay.) = 13.11.1933 AD. Die Karte ist also erst drei Wochen nach dem Schreiben aufgegeben worden.

Postkarte mit einem Bild des Maharadscha Rama Varma XVII (reg. 25.03.1932 – 23.05.1941) [2].

Die Karte wurde am 12-7-117 = 12.07.1117 (Malay.) geschrieben.

Entsprechend des Tagesstempels wurde die Postkarte in Ernakulam aufgegeben. Der Stempel ist vom 13 KUM / 17 = 13. Kumbham 1117 = 13.07.1117 (Malay.) = 25.02.1942 AD. Der Ankunftsstempel aus ഒല്ലൂർ = Ollur ist vom selben Tag:

൧൩ / 17 = KUM 13 / 17 = 13. Kumbham 1117 = 25.02.1942 AD.
Eine Postkarte mit einem Bild des Maharadscha Kerala Varma VI (reg. 23.05.1941 – 23.10.1943) [3] fehlt mir leider.

Postkarte mit einem Bild des Maharadscha Ravi Varma V (reg. 1943 – 31.01.1946) [4].

Die Postkarte wurde in തത്തമംഗലം = Thathamangalam aufgegeben. Der Tagesstempel ist komplett in Malayalam geschrieben. Er ist vom ൨൫

/ ൨൧ = 25 THU / 21 = 25. Thulam 21 = 25.03.1121 (Malay.) = 10.11.1945 AD. Die Karte kam einen Tag später in Trichur an. Das Stempeldatum ist 26 THU 21 = 26. Thulam 21 = 26.03.1121 (Malay.) = 11.11.1945 AD.

Zum Umrechnen der Kalenderdaten habe ich den Umrechner [5] aus dem Internet benutzt. Bei dieser Karte sieht man, dass der Umrechner richtig arbeitet, denn auf der Rückseite der Karte ist das Datum nach dem Malayalam-Kalender und nach unserem Kalender angegeben. Die Karte wurde einen Tag vor dem Aufgeben geschrieben. Das handschriftliche Datum ist 24.3.21.= 24.03.1121 (Malay.) = 9.11.45 = 09.11.1945 AD.
Damit beende ich dem Malayalam-Kalender. Im nächsten Beitrag folgt einer der weiteren indischen Kalender.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://en.wikipedia.org/wiki/Rama_Varma_XVI
[2]
https://en.wikipedia.org/wiki/Rama_Varma_XVII
[3]
https://en.wikipedia.org/wiki/Kerala_Varma_VI
[4]
https://en.wikipedia.org/wiki/Ravi_Varma_V
[5] Umrechner der Kalenderdaten:
https://www.prokerala.com/general/calendar/#calendar
@ volkimal [#293]
Hallo zusammen,
von Christian Sperber erhielt ich die folgende Information: hier die Antworten nach dem Katalog von Higgins & Gage (Section 9, erschienen 1968):
Die obere Karte ist HG 11, erschien 1923 und zeigt den Maharadscha Sir Sri Rama Varma II.
Die mittlere Karte ist HG 14, erschien 1935 und zeigt den Maharadscha Sir Sri Rama Varma III.
Die untere Karte ist HG 18, erschien 1944 und zeigt den Maharadscha Sri Ravi Varma.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
ich komme jetzt zum nächsten Indischen Fürstenstaat:
Die Kalender in Hyderabad
Bei den Stempeln aus Hyderabad hatte ich ein besonderes Problem. Obwohl ich versuche, die Umrechnungen immer zu überprüfen, habe ich einige Stempeldaten zunächst falsch angegeben. Bei dieser Marke wird das Problem deutlich. Die Vergrößerung zeigt die Jahreszahl auf der Marke.

Die Marke erschien im Jahr ۱۳۲۲ = 1322, der Stempel aber schon aus dem Jahr ۱۳۱۶ = 1316. Ich ging von einem Fehler aus, denn ich hatte nicht damit gerechnet, dass bei der Post in Hyderabad zwei verschiedene Kalender benutzt wurden. Die Jahreszahl auf der Marke ist nach dem islamischen, der Stempel nach dem Fasli-Kalender.
Sprachen und Ziffern in Hyderabad
Der indische Fürstenstaat Hyderabad (deutsch auch Haidarabad), mit der gleichnamigen Hauptstadt, existierte zwischen 1724 und 1948/56. Er lag auf der Hochebene des Dekkan in Zentralindien. Das Persische als Amtssprache wurde bei Hofe 1884 und in der Verwaltung 1886 durch Urdu, das zehn Prozent der Hyderabader sprechen, ersetzt. Ein Großteil der hinduistischen Bevölkerung sprach jedoch Marathi oder Telugu. Daneben kommen auch die Sprachen Tamil, Kannada, Gujarati, Malayalam und Panjabi vor. Bei den Stempeln wurden in der Regel Urdu-Ziffern benutzt. Diese sind mit den in Persien üblichen ostarabisch-indischen Ziffern fast identisch. Nur die Ziffern 4, 6 und 7 unterscheiden sich deutlich. Bei den handschriftlichen Daten der Absender findet man zusätzlich die Devanagari-Ziffern.

Da es die Urdu-Ziffern nicht für den PC gibt, habe ich auch für sie einen eigenen Font erstellt, den ich auf Anfrage gerne weitergebe.
Soweit die Einführung. Beim nächsten Mal gehe ich auf den islamischen Kalender in Hyderabad ein.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
Der islamische Kalender in HyderabadDa Hyderabad von einer muslimischen Dynastie regiert wurde, galt zunächst der islamische Kalender. Es ist ein reiner Mondkalender und das Jahr ist ca. 354 Tage lang. Deshalb entsprechen 33 Jahre nach islamischer Zeitrechnung rund 32 Jahren nach unserer Zeitrechnung. Die Jahreszahlen des islamischen Kalenders verschieben sich gegenüber dem gregorianischen Kalender langsam. 1869 AD betrug der Unterschied 583 Jahre. 1989 AD betrug der Unterschied nur noch 580 Jahre.


Ich möchte mit diesem Ganzsachenumschlag beginnen, da der Aufgabestepel sehr sauber ist. Um das Datun noch besser erklären zu können, habe ich dennoch ein paar Ziffern nachgemalt. Links ist das Original, rechts der nachgemalte Stempel. Die letzte Ziffer der Jahreszahl ist beim Ankunftsstempel gut zu erkennen.
Der sehr klare Stempel auf der Vorderseite der Ganzsache ist ein typischer Halbmondstempel aus dem Fürstenstaat Hyderabad. Oben steht der Ort, darunter das Datum in drei Zeilen. Den Ort konnte ich bisher leider nicht feststellen. Das Datum ist:
Tag: ۲۹ = 29
Monat: ذیقعده = Dhu l-qaʿda
Jahr: ۱۳۰۶ = 1306
Insgesamt ergibt sich: 29 Dhu l-qaʿda 1306 = 29.11.1306 AH = 27.07.1889 AD.
Die letzte Ziffer der Jahreszahl im Stempel sieht etwas anders aus, als ich sie hier angegeben habe, da es eine Urdu-Ziffer ist. Siehe Beitrag [#295].
Für die Umrechnung habe ich [1] benutzt.

Der Ankunftsstempel ist vom selben Tag.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://calendarhome.com/calculate/convert-a-date
Hallo zusammen,
inzwischen hatte ich die Idee, im Internet eine Landkarte von Hyderabad in Urdu zu suchen. Sie war auf der Seite [1].

Links eine Name von der Karte, rechts der Ortsname im Stempel. Sicher bin ich mir nicht, aber das könnte passen.
Wenn es stimmt, kommt der Brief im Beitrag [#296] aus Bhupalpally = Urdu: بھوپل پلی.
Bhupalpally ist die Hauptstadt des Distrikts Jayashankar Bhupalpally.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://x.com/taemeer/status/1022024768013455362
Hallo zusammen,
heute eine Postkarte aus Hyderabad:

Die Karte trägt wieder einen klaren Halbmondstempel. Diesmal ist der Ort gut zu erkennen. Der Stempel kommt aus حیدر آباد = Hyderabad. Rechts sind die Monate des Islamischen Kalenders in Urdu.

Im inneren des Stempels stehen wieder der Tag, der Monat und das Jahr übereinander. Ein Vergleich mit der Tabelle zeigt, dass der Stempel aus dem 8. Monat, dem Schaʿbān kommt. Insgesamt steht im Stempel:
Tag: ۱۵ = 15
Monat: شعبان = Schaʿbān = 8. Monat
Jahr: ۱۳۰۹ = 1309
Der Stempel ist also vom 15.08.1309 AH = 15.03.1892 AD.
Zur Bestimmung des Datums benutzt man am besten einen der Umrechner aus dem Internet z.B. [1]. Ich kenne aber bisher kein Programm, das alle Daten vom islamischen zu unserem Kalender richtig umrechnet. Die Daten können um einen oder gelegentlich sogar um zwei Tage vom tatsächlichen Datum abweichen. Das erkennt man, wenn man unterschiedliche Umrechner benutzt. Außerdem gibt es in anderen Ländern Stempel, in denen das Datum nach dem islamischen und nach unserem Stempel steht. Die sind für mich wichtig zu Überprüfung der Umrechner.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://calendarhome.com/calculate/convert-a-date
Hallo zusammen,
Der Fasli-Kalender
Das Steueraufkommen in vorwiegend landwirtschaftlichen Staaten hängt überwiegend von der Ernte und damit von den Jahreszeiten ab. Der Großmogul Akbar führte schon im 16. Jahrhundert den Fasli-Kalender ein. Das arabische Wort faṣli = فصلی bedeutet Ernte.
Das Fasli-Jahr (= Erntejahr) ist ein Sonnenjahr von 365 (366) Tagen. Da die Schalttage in Hyderabad zum Teil ausgelassen wurden, hat sich auch das Fasli-Jahr verschoben. Diese Abweichung wurde 1884 behoben und 1906 wurde wieder ein Schalttag eingeführt. Von da war der erste Tag des Fasli-Jahres, der 1. Adar, bis 1946 immer am 6. oder 7. Oktober.
Eine ausführliche Beschreibung der Geschichte des Fasli-Kalenders hat Peter Röver 2018 in der India Post veröffentlicht [1].
Mit der Einführung des Fasli-Kalenders mussten natürlich auch neue Stempel beschafft werden. Die Monate des Fasli-Kalenders haben andere Namen als die Monate des islamischen Kalenders.

Die Post Hyderabads führte 1870 Datumsstempel ein und datierte zunächst nach dem islamischen Kalender. Im Jahre 1316 AH = 1898/99 AD stellte man dann auf den Fasli-Kalender um. Einige Stempel bekamen dazu den arabischen Buchstaben ف = "F". Er steht für den Fasli-Kalender.
Bei den ersten Stempeln fehlt das Zeichen „ف“ noch. Hier ein Ganzsachenumschlag verwendet im Jahr 1910:

Bei den Stempeln steht oben die Jahreszahl, darunter ist der Ort. In der dritten Zeile stehen der Monat (links) und der Tag (rechts). Unten ist jeweils ein Halbmond mit einem Stern. Beide Stempel sind vom selben Tag aber aus unterschiedlichen Orten. Der Brief wurde in تانڈور = Tandur aufgegeben. Obwohl der Ankunftsstempel sehr klar ist und der Google-Übersetzer ein Ergebnis liefert, konnte ich den Ort bisher nicht feststellen. Das Stempeldatum ist:
Jahr: ۱۳۱۹ = 1319
Monat: اسفند = Asphandiar
Tag: ۱۸ = 18
Insgesamt ergibt sich: 1319 Asphandiar 18 = 18.04.1319 Fasli = 20.01.1910 AD. Wie das Datum umgerechnet wird, erkläre ich später.

Bei beiden Stempeln der Karte kann ich den Ort nicht erkennen. Beim Aufgabestempel kann ich auch das Datum nicht erkennen. Der Ankunftsstempel ist dagegen sehr klar. Hier steht vor der Jahreszahl das Zeichen „ف“ = „F“ für „Fasli“.
Jahr: ١٣٢٧ ف = Fasli 1317
Monat: دے = Dae (vermutlich, da die Schreibweise in der Tabelle der Monate nicht vorkommt.
Tag: ١٢ = 12
Insgesamt ergibt sich: Fasli 1317 Dae 12 = 12.02.1317 Fasli = 16.11.1917 AD.
Die Zahl „٧“ = 7 im Stempel sieht anders aus als hier angegeben. Es ist eine Urdu-Ziffer, für die es keinen Schriftfont gibt. Siehe [#295].
Viele Grüße
Volkmar
[1] Peter Röver, The Fasli era as used in Hyderabad, India Post Vol. 52 (2018)
Hallo zusammen,
bei dem Versuch, die Stempeldaten des Fasli-Kalenders umzurechnen hatte ich zunächst große Probleme. Die Angaben bei Wikipedia und dem Beitrag von P. Haubner im Indien-Report [1] waren völlig unterschiedlich. Im Beitrag von Peter Röver in der India Post [2] fand ich wieder andere Angaben. Dieser Beitrag ist qualitativ sehr gut und wissenschaftlich aufgebaut. Daher vermutete ich, dass hier die Angaben richtig waren.
Mehrmals las ich, dass man zur Berechnung unserer Jahreszahl 590/591 Jahre zur Fasli-Jahreszahl addieren muss. Das Problem war aber, dass ich nicht wusste, mit welchem Monat das Fasli-Jahr beginnt. Hierzu gab es ebenfalls unterschiedliche Angaben. Doch diese Frage konnte ich durch den passenden Beleg klären.

Im Aufgabestempel ist die Ortsangabe sehr klar. Dennoch konnte ich den Ort bisher nicht zuordnen. Die arabische Schrift wird von rechts nach links geschrieben. Im Stempel steht als Datum:
٦ = 6 (Tag), آبان = Ava , ١٣٥٤ = 1354 (Jahr), „ف“ = „F“ für „Fasli“. Insgesamt ist das Datum also 6 Ava 1354 Fasli.
Da es Urdu-Ziffern sind, sieht vor allem die „4“ = „

“
anders aus als die angegebene „4“ = „٤“ vom arabisch-indischen Ziffernsatz.
Der Ankunftsstempel ist vom 8. Ava 1354, genau wie der Eingangsstempel der Hyderabad (Deccan) Company vom 8.12.54. Die Bergbaufirma baut Kohle, Mineralien und Edelstein ab.
Durch die Stempel auf den Karten war klar, dass der Monat Ava der 12. Monat ist. Damit begann das Jahr mit dem Monat Adar. Für das Jahr 1354 Fasli ergab sich diese Tabelle. Bei den Monatsnamen habe ich die englischen Bezeichnungen von Wikipedia [3] und die Namen von Peter Röver übernommen.

Bei dieser Karte ist handschriftlich das Datum 3-2-1946 nach unserem Kalender angegeben.

۲ = 2 (Tag), فرور = Farvadin (5. Monat), ۱۳۵۵ = 1355 (Jahr), „ف“ = „F“ für „Fasli“. Insgesamt ist das Datum also 2 Farvadin 1355 Fasli = 02.05.1355 Fasli = 03.02.1946 AD.
Mit diesen Daten war klar, dass die Angaben zu den Jahreszahlen im Beitrag von Peter Röver richtig waren. Die beiden Umrechner, die ich im Internet fand, haben das Datum nicht richtig umgerechnet.
Das Fasli-Jahr beginnt jeweils am 6. oder 7. Oktober. Die genaue Auflistung steht bei Peter Röver. Wenn man die Tabelle von Peter Röver nicht beachtet, können die mit Hilfe dieser Tabelle errechneten Daten um einen Tag vom tatsächlichen Datum abweichen. In den ersten drei Monaten bzw. genauer bis zum 28. Bahman (28.03.) muss man zur Fasli-Jahreszahl 590 Jahre addieren. Ab dem 29. Bahman (29.03.) sind es 591 Jahre.
Anhand der Stempel auf den beiden Karten möchte ich die Umrechnung der Daten erklären.

Linker Stempel:
In diesem Stempel steht das Datum 2 Farvadin 1355 Fasli = 02.05.1355 Fasli. Zur Jahreszahl müssen 591 Jahre addiert werden: 1355 Fasli + 591 = 1946 AD. Der Monat Farvadin beginnt am 2. Februar. Der 2. Farvadin 1355 Fasli ist also der 03.02.1946 AD.
Rechter Stempel:
Das Jahr 1354 Fasli begann laut Peter Röver ebenfalls am 6.Oktober. Das Stempeldatum des Aufgabestempels ist 6 Ava 1354 Fasli = 06.12.1354 Fasli. Der Monat Ava beginnt am 06.09. unseres Kalenders. Der 6. Ava ist fünf Tage später, also am 11. September. Die Jahreszahl ist 1354 Fasli + 591 = 1945 AD. Die Postkarte wurde also am 11.09.1945 AD aufgegeben.
Viele Grüße
Volkmar
[1] P. Haubner, Der Kalender, Indien-Report 10 (1972)
[2] Peter Röver, The Fasli era as used in Hyderabad, India Post Vol. 52 (2018)
[3]
https://en.wikipedia.org/wiki/Fasli_calendar
Hallo zusammen!
Der Fasli-Kalender seit 1356 Fasli = 1946/47 AD
1946 wurde der Fasli-Kalender grundlegend reformiert. Die letzten fünf Tage des Jahres 1355 Fasli wurden weggelassen. Somit entsprach der 01.01.1356 Fasli dem 01.10.1946 AD.
Außerdem hatten ab diesem Tag die Fasli-Monate immer dieselbe Länge wie die gregorianischen Monate. Daher kann man die Tage immer direkt umrechnen.

Der Aufdruck auf diesem Ersttagsumschlag weist auf die Kalenderreform hin. Demnach entspricht der 17. Farwardi 1356 Fasli jetzt dem 17. Februar 1947.

Der Aufgabe- und der Ankunftsstempel aus Hyderabad sind beide vom selben Tag. Im Stempel steht als Datum mit Urdu-Ziffern:

= Fasli 1356 Farwardi 17 = 17.05.1356 Fasli = 17.02.1947 AD. Wie man sieht, stimmen die Tage überein. Bei den Nummern der Monate ist es nicht so, da der Jahresanfang unterschiedlich ist.

Bei der Jahreszahl in der Briefmarke wird deutlich, dass die Post in Hyderabad weiterhin neben dem Fasli-Kalender noch den Islamischen Kalender benutzt. Die Jahreszahl der Marke ist ١٣٦٦ = 1366. Links von der Jahreszahl (hinter der Jahreszahl) steht das Zeichen „هــ”. Es ist das erste Zeichen von هجري = Hijri.
Das Jahr nach 1366 Hijri nach dem Islamischen Kalender ist natürlich ebenfalls das Jahr 1947 AD.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
mit dieser Postkarte möchte ich die Kalender in Hyderabad abschließen.

Die Postkarte ist oben abgerissen. Ich vermute, dass es sich um den Frageteil einer Postkarte mit Antwortkarte handelt. Einen Antwortteil habe ich im letzten Beitrag gezeigt. Oder gab es damals Postkartenblöcke zum Abreissen einzelner Karten?

Die Karte trägt zwei Ortsstempel. Der Stempel auf der Marke ist leider nicht zu erkennen. Der links abgebildete Stempel kommt aus حیدر آباد = Hyderabad.
Beide Stempel sind vom ۵۹ بہمن ۳۱ = Fasli 59 Bahman 31 = 31.03.1359 Fasli = 31.12.1949 AD. Im Vergleich zum Urdu-Datum (Mitte) hat das Programm Tag und Monat vertauscht.

Was das für ein Stempel ist, kann ich nicht sagen. Bei Delcampe sind aber auf vielen Stempeln aus Hyderabad aus dieser Zeit ähnliche Stempel.
Im September 1948 besetzte Indien in einer „Polizeiaktion“ das Land, das in Indien eingegliedert und mit Inkrafttreten der neuen indischen Verfassung am 26. Januar 1950 territorial unverändert zum Bundesstaat Hyderabad in der Indischen Union wurde. Kann es ein Zensurstempel sein?
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
eigentlich wollte ich die Kalender aus Hyderabad mit dem letzten Beitrag abschließen. Jetzt konnte ich aber gerade diesen Brief für meine Kalendersammlung erwerben. Daher gehe ich noch einmal in der Zeit zurück und zwar in die Zeit, in der in den Stempeln aus Hyderabad noch der islamische Kalender benutzt wurde (bis 1898/99).

Er gefiel mir dadurch, dass er auf der Vorderseite einen Nummernstempel trägt, was ich aus dem Fürstenstaat Hyderabad bisher nicht hatte. Vor allem aber gefielen mir die drei Stempel auf der Rückseite, die den Übergang von einem auf den anderen Monat zeigen.

Mir gefällt die Form der Nummernstempel aus dem Fürstenstaat Hyderabad. Sie haben eine Kreisform bestehend aus mehreren Karos und der Nummer in der Mitte. Rechts eine Zeichnung, bei der man die Form besser erkennt. Mein Stempel müsste die Nummer ١٣٢ = 132 haben.

Der erste der drei Tagesstempel dürfte aus نلگنڈہ = Nalgonda kommen. Ich kann es nicht nachprüfen, aber vielleicht ist das Ort, der zum Nummernstempel 132 gehört. In der Regel haben die Halbmondstempel unten einen Stern. Dieser Stern fehlt bei diesem Stempel.
Der Stempel aus Nalgonda ist vom

= 30. Radschab 13(07) = 30.07.1307 AH = 22.03.1890 AD.
Beim zweiten Stempel ist der Ort leider nicht zu erkennen. Das Datum ist der

= 1. Schaʿbān 1307 = 01.08.1307 AH = 23.03.1890 AD.

Der Ankunftsstempel aus حیدر آباد = Hyderabad ist vom

= 2. Schaʿbān 1307 = 02.08.1307 AH = 24.03.1890 AD. Die Ziffer des Tages ist nicht ganz klar abgeschlagen. Eventuell kann es auch eine ٣ = 3 sein.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
mit dem letzten Beitrag habe ich die Kalender in Hyderabad abgeschlossen. Jetzt kommt noch ein kurzer Nachtrag zum Malayalam-Kalender. Im Beitrag [#290] hatte ich diesen Stempel gezeigt:

Damals schrieb ich noch "Der Brief ging nach ചെത്തല = Chetala. Vermutlich ist damit der Ort Cherthala gemeint.". Auf unserer Indien-Reise hat unser Fahrer diese Vermutung bestätigt. Auch fast alle anderen Unklarheiten konnte er beseitigen. So zum Beispiel bei diesem Stempel:

Der Ortsname beginnt mit "വടക്കാര...". Das letzten beiden Zeichen waren unklar. Zu dem was ich entziffern konnte passt am besten വടക്കാഞ്ചേരി = Wadakkancherry. Auch das hat der Busfahrer bestätigt. Wadakkancherry ist eine größere Stadt im Bezirk Thrissur im Bundesstaat Kerala.
Bei diesem Stempel bereitet mir auch das Datum Probleme. Klar ist der Monat in der Mitte links. "ചി" ist die Abkürzung für den Monat ചിങ്ങം = Chingam. Es ist der erste Monat des Jahres. Rechts daneben steht der Tag ൧൭ = 17. Die Jahreszahl ist leider unvollständig. Normal werden die letzten beiden Ziffern des Jahres angegeben. Im Stempel steht aber nur eine ൨ = 2. Dazu würden die Jahren von 1020 bis 1029 (Malay.) + 824 Jahre = 1844 bis 1853 AD passen. Das kann aber nicht sein, denn die Briefmarke ist MiNr 1 (1892 AD = 1068 Malay.) oder MiNr 5 (1897 AD = 1073 Malay.). Sollte die Jahreszahl nur einstellig angegeben sein? Dann wäre es evtl. 1896 AD - 824 Jahre = 1072 Malay.

Ich habe mich früher schon mit verschiedenen Schriften befasst. In einem Album der Sammlung fand ich jetzt noch diesen Brief. Der Aufgabestempel ist schön sauber abgeschlagen und mit Hilfe des Google-Übersetzers konnte ich den Aufgabeort sofort bestimmen. Der Brief kommt aus ഇരിങ്ങാലക്കുട = Irinjalakuda. Der Ortsname im Ankunftsstempel ist leider so schwach abgeschlagen, dass ich ihn nicht herausbekommen habe. Die handschriftliche Anschrift hilft leider auch nicht weiter.
Das Aufgabedatum des Briefes ist der മ ൨൫ / ൬൮ = Makaram 25 / 68 = 25.06.1068 Malay. = ca. 06.02.1893 AD. Der Tag kann um einen Tag abweichen, da der Umrechner im Internet erst ab 1901 AD die Daten berechnet. Ich habe daher das 25. Makaram in verschieden Jahren angesehen. Der Brief kam nach einem Tag am Ziel an.
Damit will ich auch den Malayalam-Kalender abschließen. In Indien gibt es aber noch andere Kalender - siehe Beitrag [#283].
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
heute möchte ich mit einem weiteren der indischen Kalender beginnen:
Die Kalender in Kaschmir
Für mich ist dieses Kapitel viel schwieriger als die bisherigen indischen Kalender. Bei dem Malayalam-Kalender und den Kalendern in Hyderabad gibt es viel philatelistisches Material, von Kaschmir nur wenig. Dazu kommt die Schrift in Kaschmir, bei der ich zusätzlich viel mehr Probleme habe. Ich möchte das Kapitel mit dieser Postkarte beginnen:

Die Probleme fangen schon mit dem Text oben auf der Postkarte an. Ich habe bisher nicht herausbekommen, was auf der Karte steht und welche Sprache bzw. Schrift verwendet wurde. Die Karte kommt aus dem früheren Fürstenstaates „Jammu und Kaschmir“. Hierzu steht im Internet [1]:
Die Bevölkerung Kaschmirs ist vielfältig in Hinblick auf die Verbreitung von Religionen (Islam, Hinduismus und Buddhismus) und Sprachen (u.a. Hindi, Panjabi, Dogri, Kashmiri, Tibetisch und Balti). Bis auf Balti kennt der Google-Übersetzer diese Sprachen. Ich habe einmal einige Begriffe dort übersetzen lassen:

Den Text oben auf der Postkarte erkenne ich darin aber leider nicht.

Der Aufgabestempel aus Srinagar ist ein zweisprachiger Dreikreisstempel. Außen steht der Name des indischen Fürstenstaates „Jammu und Kaschmir“ in Englisch. Es folgen der Ortsname und das Datum in unserer Schrift und nach unserem Kalender. Leider fehlt wie so häufig bei diesen Stempeln die Jahreszahl. Man sieht nur, dass der Stempel vom 23. September ist.
Im inneren Kreis steht oben der Ortsname in einer der einheimischen Schriften, darunter Monat und Tag. In der dritten Zeile folgt – falls vorhanden - die Jahreszahl. Beim rechten Bild habe ich den Ortsnamen von drei Stempeln aus Srinagar übereinander dargestellt. Die beiden oberen Ortsnamen könnten gleich sein. Im unteren Stempel ist der Ortsname schon wieder anders geschrieben. Im unteren Stempel könnte der Ortsname in Hindi bzw. Dogri geschrieben sein. Welche Schrift beim Ortsnamen im Strempel auf meiner Karte verwendet wurde, weiß ich bisher nicht.

In dem Fall zeige ich zusätzlich den Ankunftsstempel aus Baramulla. Dieser Stempel ist vom 24. September. Von der Jahreszahl ist die erste Ziffer eine 9. Die zweite Ziffer ist nicht sicher erkennbar.
Das Datum in der Mitte müsste nach dem Kalender Vikram Sambat angegeben sein, der auch in Nepal üblich ist. Leider ist das Datum bei beiden Stempeln sehr unsauber abgeschlagen. Von den Ziffern her passen bei den Stempeln aus Jammu und Kaschmir am besten die Gumurki- oder die Holkar-Ziffern. Beim Aufgabestempel gehe ich davon aus, dass rechts die Ziffer ੯ = 9 steht. Beim Ankunftsstempel stehen links die Ziffern ੦੧ = 01, gemeint dürfte die 10 sein. Der Monat ist bei beiden Stempeln nicht zu erkennen. Die Jahreszahl fehlt leider bei beiden Stempeln.
Soweit das, was man bei den beiden Stempeln erkennen kann. Für den Vikram Sambat Kalender gibt es im Internet einen Umrechner [2]. Dort habe ich einmal die Daten vom 23.09. in den Jahren 1890 bis 1899 umrechnen lassen. Es ergeben sich die Daten 09.06.1947 VS bis 1956 VS. In den Schaltjahren ist es jeweils der 08.06. Damit bestätigt sich die Ziffer ੯ = 9 im Aufgabestempel. Der 6. Monat im Vikram Sambat hat den Namen अश्विन = Ashwin oder Ashad. Diesen Monat kann ich im Stempel aber nicht erkennen.
Interessant ist noch der Name der Empfängers „Adolf Fischer“. Bei Wikipedia finde ich zu dem Namen folgende Information [3]. Es kann gut sein, dass es sich um diesen Herren handelt.
Adolf Fischer (* 4. Mai 1856 in Wien; † 13. April 1914 in Meran) war ein österreichischer Kunstsammler, Schauspieler, Theaterintendant und Stifter des Museum für Ostasiatische Kunst in Köln.
Adolf Fischer zog sich 1887 von der Bühne zurück. Er zog sich als Privatier für zurück, widmete sich dem Studium der italienischen Kunst und ausgedehnten Reisen. Er lebte für mehrere Jahre in Italien, München und Berlin. Am 22. Juli 1892 ging er an Bord der Augusta Victoria und begann eine Weltreise, welche ihn erstmals nach Japan führte.
Am 1. März 1897 heiratete er die 18 Jahre jüngere Fabrikantentochter Frieda Bartdorff. Auf ihrer Hochzeitsreise bereisten sie ab September 1897 Wien, Ahmedabad, Hong Kong, Formosa und Japan. Im Mai 1899 kehrten die Fischers nach Berlin zurück.
Ich habe zwar im Internet keine Informationen dazu gefunden, ob er in Baramulla war. In Indien war er aber auf jeden Fall.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Kaschmir
[2]
http://www.ashesh.com.np/nepali-date-converter.php
[3]
https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Fischer_(Kunstsammler)
Hallo zusammen,
nachdem ich im letzten Beitrag vor allem auf die Probleme mit der Schrift eingegangen bin, folgt ein Stempel mit gut lesbarem Datum, dass mir aber dennoch Schwierigkeiten macht.

Von dieser Postkarte habe ich nur den oberen Abschnitt. Der Stempel kommt aus Jammu =

. Welche Schrift das ist, weiß ich nicht.
Beim Datum sind der Monat und der Tag nach unseren Kalender und nach dem Vikram Sambat Kalender angegeben. Die Jahreszahl fehlt wieder bei beiden Kalendern.
Im Stempel stehen die Daten 31.05. AD und ੨੦ जेठ = 20 Jesth = 20.02. VS (von rechts nach links gelesen).
Ich habe diese Daten mit dem Umrechner [1] in der Zeit von 1890 bis 1899 AD kontrolliert. Im Normaljahr ist 31.05. AD = 19.02. VS. Nur in den Schaltjahren passt das Datum 31.05. AD = 20.02. VS. Damit müsste der Stempel aus einem der Schaltjahre 1949 VS = 1892 AD bzw. 1953 VS = 1896 AD kommen.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://www.ashesh.com.np/nepali-date-converter.php