Thema:
Österreich - Formulare der Post des 19. Jahrhunderts
Liebe Sammlerfreunde,
gerne würde ich hier die schönen Vordrucke der k. k. Monarchie sehen, seien sie frankiert, oder einfach nur so zustande gekommen.
Als Liebhaber postalischer Vordrucke hatte ich mich ja schon vor langem geoutet. Dass diese Besessenheit mal dazu führen würde, einen Beleg zu kaufen, der rein gar nichts mit Bayern zu tun haben würde, hätte ich bis vor kurzem allerdings noch nicht gedacht. Aber wir sind ja alle entwicklungsfähig ...


Ich zeige heute einen recommandirten Laufzettel aus Wien vom 22.6.1867 nach Bremen via Leipzig und Magdeburg, der portofrei transportiert wurde, weil es ein Dienst - Laufzettel war. Daher ist zu unterstellen, dass der Absender in Wien einst ein recommandirtes Schreiben nach Bremen abgelassen hatte, das aus seiner und der Sicht des Empfängers nicht angekommen war. Mit einem entsprechenden Schreiben des Empfängers in Händen war die kostenlose Absendung eines solchen Laufzettels möglich.
Der liebe @Magdeburger, im Gegensatz zu mir ein Computer - Könner vor dem Herrn, hat mir liebenswerter Weise den Riesenscan des Inhalts geschickt zusammen gesetzt, so dass man das Prachtstück im Forum A3 auch ganz sehen kann. Vielen Dank lieber Ulf für deine Mühewaltung.
Die Franchise P.S., Bayernsammler werden aufmerken, hieß hier natürlich nicht Partei - Sache, wie man meinen könnte, sondern Post - Sache und demonstrierte die Portofreiheit auf der Hin- und Rücksendung.
Warum Österreich keinen Reco - Stempel abgeschlagen hatte, weiß ich nicht. Sicherheitshalber hat das Preußen in Magdeburg wohl nachgeholt (vorne unten rechts).
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#1]
Hallo BK,
in Österreich wurde normalerweise ein RECOM (oder ähnlicher Stempel) auf Nachfrageschreiben abgeschlagen, aber hier offenbar vergessen.
Hier eine Militär-Retourrecipisse Verona - Treviso von 1852 - auch ohne Recom-Stempel.

Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, die Teile am PC zusammenzusetzen, man erkennt glaub ich auch so dass der zweite und dritte Scan zusammengehören.
Lg, harald
@ bignell [#2]
Hallo Harald,
auch ein sehr schönes Stück - immerhin portofrei gelaufen und ich kenne auch frankierte Retour - Recepissen und werde in ein paar Wochen auch eine zeigen können.
Vielen Dank für das klasse Stück.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#3]
Hallo BK,
das sieht dann so aus:


Hierbei handelt es sich um ein Fahrpost-Nachfrageschreiben, die Marke (10 Kreuzer Ausgabe 1860/61) ist viermal entwertet (2xPrag, Rakonitz, Bergreichenstein), oben rechts neben/über dem Prag-Stempel prangt der von Dir vermisste RECOM-Stempel (total verschmiert), links oben ist der RECOM besser lesbar.
Lg, harald
Hallo zusammen,
Aufgabescheine oder Abgabsrecepissen von Österreich habe ich reichlich, Recepissen jedoch, die als Empfangsbescheinigung wie ein heutiger Rückschein dienten, nur vereinzelt, da ich in dieser Richtung bisher nicht gezielt gesammelt habe. Hier nun ein erstes Exemplar vom 13.3.1818, bei dem ich leider den Ort des Postamtes nicht entziffern kann. Die Rückseite des Formulars schmückt nur ein einziges handschriftliches Wort, das ich ebenfalls nicht eindeutig lesen kann; möglicherweise ist es eine Notiz des Postbeamten und soll "angezeigt" bedeuten.

Viele Grüße
Ingo
@ bignell [#4]
Hallo Harald,
ein Traum, ohne Wenn und Aber. Kann mich gar nicht sattsehen.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#6]
Hallo Ingo,
Angezd. lese ich hinten und der Ort in der Retour - Recepisse war Sternberg.
Auch ein sehr schönes Stück aus früher Zeit.
Danke fürs Zeigen und liebe Grüsse von bayern klassisch
@ Cantus [#5]
Hallo Ingo,
die beiden Orte heissen Sternberg und Augezd [1], das Wort auf der Rückseite ebenso Augezd.
Lg, harald
[1]
http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Ajezd
Also, eine nähere Bestimmung des Abgangsortes dürfte wohl unmöglich sein. Was aber zu beachten ist, ist die Tatsache, dass es sich nicht um ein österreichisches, sondern um ein deutsches Formular handelt, denn Sternberg liegt rund 20 km östlich von Schwerin. Ich werde diese Recepisse deshalb entsprechend umsortieren.
Als Ersatz zeige ich heute eine Recepisse, die am 2.6.1886 in Wien ausgefertigt wurde. Die Vorderseite des Formulars hat dieselbe Farbe wie die Rückseite, aber mein Scanner weigert sich hartnäckig, das korrekt abzubilden.

Viele Grüße
Ingo
@ Cantus [#9]
Hallo Ingo,
nein es handelt sich um ein österreichisches Formular, mit Sternberg ist Šternberk [1] gemeint.
Lg, harald
[1]
http://de.wikipedia.org/wiki/%C5%A0ternberk
Šternberk (deutsch Sternberg auch Mährisch-Sternberg) ist eine Stadt im Okres Olomouc in Tschechien. Sie liegt 16 Kilometer nördlich von Olmütz im Tal der Sitka
@ bignell [#10]
Hallo Harald,
da hast du recht. Ich hatte das Wort "Ollmütz" links unten auf dem Vordruck übersehen.
Viele Grüße
Ingo
Hier eine Recepisse (Rückschein) aus Cologna aus 1855, Provinz Verona im Veneto, damals von Österreich besetzt:

Die 30 Centes-Marke wurde 15.3. in Cologna entwertet, am 16.3. in Legnano (ebenfalls Provinz Verona) nochmals entwertet - das war damals so vorgeschrieben bei Retourrecepissen, Einfachentwertungen sind seltener.
Der Empfänger hat den Erhalt des Poststückes rechts unten am 16.3. bestätigt, und rückseitig wurde die Recepisse am 17.3. bei Rückkunft in Cologna nochmals bestempelt.
Recepissen waren in der Monarchie lt Handbuch Ferchenbauer rein deutsch, rein italienisch oder zweisprachig: deutsch-latein, deutsch-ungarisch, deutsch-kroatisch, ab 1873 auch deutsch-böhmisch und deutsch-polnisch.
Lg, harald
Sensationell, was hier alles an Schmankerl gezeigt wird. :-)
Eine habe ich noch von Wien nach Bayer. Krumbach und Retour. Ich zeige das ganze Ausstellungsblatt, weil der Text recht umfangreich ist.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#13]
Hallo BK,
naja so selten sind Retourrecepissen nicht, und meist noch recht gut erhalten, weil sie direkt ins Archiv gewandert sind.
Hier ein Gerichtsempfangschein Wien - Wagstadt:


Süss finde ich vorderseitig den Aufdruck "Bezahlt Nichts" aber rückseitig eine 10 Kreuzer-Marke.
Lg, harald
@ bignell [#14]
Hallo Harald,
Süss finde ich vorderseitig den Aufdruck "Bezahlt Nichts" aber rückseitig eine 10 Kreuzer-Marke.
Bezahlt nichts hieß ja, dass der Empfänger der Retour - Recepisse nichts zu bezahlen hatte, eben weil der Absender schon 10 Nkr. dafür bezahlt hat.
Mit selten meinte ich natürlich Österreich - Bayern; in Österreich sind Retour - Recepisse häufig, aber finde mal eine nach Bayern. Das kann schon ein paar Jahre dauern, bis man da fündig wird.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bignell [#15]
Hallo Harald,
danke fürs zeigen dieser "Pseudohalbierungen" - wusste ich bislang nicht. In Altdeuschland wurden sie, wenn frankiert, separat gehalten und nur mit einem Bindfaden dem Brief angehängt, so dass es solche Halbierungen nicht geben konnte. Wieder was dazu gelernt ...
Liebe Grüsse von bayern klassisch
Also, völlig einschlafen sollte dieses Thema hier nun auch wieder nicht. Von mir daher heute eine Aufgabs-Recepisse über ein recommandiertes Schreiben (= Einschreiben), ausgefertigt am 18.3.1817 vom kaiserlich königlichen mährisch schlesischen Oberpostamte in Brünn. Leider kann ich - wie so oft - den Zielort nicht entziffern.

Viele Grüße
Ingo
Hallo,
hier ein Nachfrageschreiben zu einer Sendung von Prag nach Kozolupy [1] einer Stadt bei Plzen. Der einzige Eintrag hierzu erfolgte in Tachlovice [2] bei Prag, danach scheint das Schreiben versandet zu sein.


Lg, harald
[1]
http://en.wikipedia.org/wiki/Kozolupy_(Plze%C5%88-North_District)
[2]
http://en.wikipedia.org/wiki/Tachlovice
@ bignell [#19]
Hallo Harald,
ein wunderschöner Vordruck und das Phänomen, dass bei Laufzetteln/Nachfrageschreiben in den späten 1860er Jahren und danach sowieso immer weniger Eintragungen vorgenommen wurden, kenne ich nicht nur von Österreich her. Hier hat ja auch nur die Abgabepost den Erhalt bzw. die Auslieferung bestätigt. Auf der anderen Seite kam es ja halt auch nur darauf an und der immense Aufwand vorheriger Zeiten wäre wohl zu viel gewesen in einer Zeit, als das Postaufkommen rapide stieg.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#20]
Hallo Ralph,
Aufgabepostamt war Prag Altstadt, die erste Bestätigung Tachlovice, ca 19 Strassenkilometer entfernt. Die restlichen 85 km bis Kozolupy sind nicht mehr belegt - wozu dann eigentlich die 5 Kreuzer für die Nachforschung ausgeben, wenn man genaugenommen gar nichts erfährt? Da ist die Quote beim Lotto ja noch besser. ^^
Lg, harald
Dieses Thema ist irgendwie in Vergessenheit geraten. Ich besitze zwar nur eine Sammlung der Aufgabescheine / Abgabsrecepissen, aber auch davon ist einiges zeigenswert. Heute nun eine Aufgabe-Recepisse mit Stempel vom 20.10.1875 aus Laxenburg, einem Ort etwa 20 km südlich von Wien, für ein Einschreiben nach Schwechat, dem Ort, an dem sich heute der internationale Flughafen von Wien befindet.

Viele Grüße
Ingo
Hier eine Retour-Recepisse von 1876 Wien - Paris

Leider nicht sehr gut erhalten, aber Recepissen nach Frankreich sind nicht so häufig.
Lg, harald
@ bignell [#23]
... zumal sie erst ab 1863, wenn ich nicht irre, zulässig waren, daher sind auch RR der 1870er Jahre selten.
Danke fürs Zeigen dieser Granate und liebe Grüsse,
Ralph
Hier zeige ich frankierte Erlagscheine. Die Frankatur wurde notwendig, wenn man dem Kontoinhaber eine Nachricht zukommen lassen wollte.
1893 betrug die Gebühr noch zwei Kreuzer:


1903 waren es schon fünf Heller:


Lg, harald
Rückschein/Ricevuta di ritorno 2x5 Kreuzer San Zeno 28.2.1891 - Zwickau Sassonia 2.3.1891 - San Zeno 7.3.1891


Lg, harald
Von mir ein Rückschein in deutsch-böhmischer Sprache, ausgefertigt am 3.1.1892 in Reichenberg / Böhmen. Rückseitig findet sich ein Tagesstempel von Reichenberg, mit dem das Datum dokumentiert wird, an dem das zurückgekommene Einschreiben dem Einlieferer von der Post wieder ausgehändigt worden war.

Viele Grüße
Ingo
In den Formularen spiegelt sich auch die Geschichte wieder. Hier das "Ricevuta di ritorno" (Retourrecepisse) Formular Nummer 47 (nein nicht der Passierschein A38 aus "Asterix erobert Rom") auf Italienisch für das Königreich Lombardo-Venetien. [1]

Betrifft einen Recobrief vom 3.12.1850 von Venedig nach Triest. Das Formular ist aus den 1840er-Jahren, wie man am Vordruck sieht, das Jahrzehnt ist überschrieben. Rechts ist das Siegel des I.R. Economato Postale (Postschatzmeister) di Milano aufgedruckt. 1851 wurde das Königreich Lombardo-Venetien in zwei Kronländer aufgeteilt.

Dasselbe Formular aus den 1850er-Jahren zu einem Recobrief vom 27.8.1862 von Illasi mit Siegel von I.R. Economato Centrale delle Poste Lom-Ven. Zu dem Zeitpunkt war die Lombardei an Frankreich abgetreten, die diese mit Sardinien gegen Savoyen und Nizza tauschte [2].
Kleine Textänderungen (I.R.Ufficio postale => Ufficio postale).

Und nochmal Formular Nummer 47 zu einem Recobrief vom 16.2.1883 von Male nach Camposampiero, rückseitig Durchgangsstempel von Padova und Ankunftsstempel von Camposampiero vom 18.2.1883. Diesmal das Formular aus den 1870er-Jahren, hier fehlt das Siegel, da auch Venetien an Italien verloren gegangen war [3] und das italienischsprachige Recepisse nur in den bei Österreich verbliebenen italienischen Regionen noch Verwendung fand.
Liebe Grüße,
harald
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nigreich_Lombardo-Venetien
[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Sardinischer_Krieg,
https://de.wikipedia.org/wiki/Vorfrieden_von_Villafranca
[3]
https://de.wikipedia.org/wiki/Dritter_Italienischer_Unabh%C3%A4ngigkeitskrieg
@ bignell [#29]
Lieber Harald,
wie immer von dir schöne Stücke, die jeder gerne in seiner Sammlung hätte (eine Retour-Recepisse Lombardei-Venetiens nach Bayern wäre mir allerliebst), aber 1862 war die Lombardei nicht an Frankreich abgetreten gewesen, sondern als Teil des ehemaligen Königreichs Sardiniens und später als Teil des Königreichs Italien längst integriert.
Liebe Grüsse und ein schönes Wochenende wünscht dir herzlichst,
Ralph
@ bayern klassisch [#30]
Hallo Ralph,
ja sorry schlecht ausgedrückt, 1859 abgetreten und danach von Frankreich an Sardinien getauscht. Wollte damit eigentlich sagen, dass die Lombardei zum Zeitpunkt des Formulardrucks noch Teil des Kaiserreichs war, zum Zeitpunkt der Verwendung nicht mehr.
Auslandsrecepissen aus dem Kaiserreich sind recht selten, und wenn dann meist die üblichen Verdächtigen: L/V nach Italien.
Liebe Grüße,
Harald
Hallo Sammlerfreunde,
Retour Recepisse vom 11.1.1868 aus Ossech, die am 12.1.1868 in Brünn von Franz Schmitt dem Empfänger unterschrieben wurde, um was es sich handelt kann ich leider nicht entziffern. Am 14.1. war die Retour Recepisse wieder in Ossech und wurde dort Ankunft gestempelt, der Reco Stempel, war der für die Retoure. Auf der Vorderseite ist noch die Scheinnummer 73 vermerkt und die Manualnummer 28.

Gruß Rainer
@ Gernesammler [#32]
Hallo Rainer,
ich lese Brüx [1], nicht Brünn, und "Beschaid" (= Bescheid).
Liebe Grüße,
harald
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Most_(Tschechien)
@ bignell [#33]
Hallo Harald,
besten Dank erst einmal, Brüx (Nordböhmen) genau wie Ossech waren damals unter der Flagge von Österreich.
Gruß Rainer
Heute ein postinternes Formular, mit dem der Eingang eines angekündigten Briefes am 20.10.1862 in Weyer (Oberösterreich) dokumentiert wurde.

Viele Grüße
Ingo
@ Cantus [#35]
Lieber Ingo,
das war eine Briefkarte. Da gibt es, felix Austria, von Österreich 1.000 mal mehr aus dem 19. Jahrhundert, als von Bayern.
Liebe Grüsse,
Ralph
Liebe Freunde,
1881 Gerichts-Retourrecepisse 10 KR Wien - Oberlandshaag


Einen Weiterleitungsvermerk hab ich zuvor auf einer Recepisse noch nicht gesehen.
"Zurzeit angeblich in Hotel Kummer [1] Innere Stadt in Wien"
Erhalt bestätigt am 12.4.1881
Stempel:
HABSBURGGASSE | 29 | 3 | 6 A | 81 | WIEN
FELDKIRCHEN | 30 | 3 | 81 | A D DONAU
FELDKIRCHEN | 9 | 4 | 81 | A D DONAU
HABSBURGGASSE | 14 | 4 | 81 | WIEN
Liebe Grüße,
harald
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Hotel_Kummer
@ bignell [#37]
Lieber Harald,
Stücke wie dieses wird man weltweit mit der Lupe suchen dürfen - schön, so etwas mal gesehen zu haben. Wenn du da mal etwas von Bayern finden solltest, wäre ich entzückt!
Danke fürs Zeigen und liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#38]
Lieber Ralph,
vollkommen richtig, Weiterleitungen etc sind bei Recepissen nicht leicht zu finden, umso mehr hat es mich gefreut dieses Stück ersteigern zu können, auch wenn ich dafür das Doppelte berappen musste als eine frankierte Retourrecepisse der ersten Ausgabe normal kostet:


1852-07-06 Retour=Recepisse 6 KR Pozega - Kisvarda
Daß ich das, bei dem k.k. Postamte zu Pozega
am 6ten Juli 1852 rekommandirt aufgegebene Schreiben unter Adresse:
Herrn Herman Adler
nach Kisvarda
am untengesetzten Tage richtig erhalten habe, bezeuge ich mit meiner eigenhändigen Unterschrift.
Kisvarda den 15ten Juli. 1852.
Kivitte bisztasse ?molnav denativ?
Carollus GK:
Der ungarische Vermerk dürfte eine Weiterleitung begründen, falls das jemand übersetzen könnte wäre ich sehr dankbar. Carollus war wohl der Name des Postbeamten.
Stempel:
POSEGA | 6. JUL: | RECOM:
BERKESZ | 7 | 7
PESTH | 9 | 7
BERKESZ | 12 | 7
KIS VARDA | 15 | 7
BERKESZ | 17 | 7
Marburg | 22 JUL:
Liebe Grüße,
harald
Liebe Freunde,
heute zeige ich eine Retour-Recepisse = Rückschein aus Wien vom 14.12.1865, Absender war der k. k. Notar Dr. Ignaz Kaiser, an A. Merzbach in Frankfurt am Main. Der Vordruck war mit 10 Neukreuzern frankiert auf die Reise durch Bayern nach Hessen gegangen.

Eigentlich waren diese Vordrucke hinsichtlich der oberen Hälfte von der Aufgabepost, hier Wien, auszufertigen und nach Ankunft bei der Zielpost durch den Empfänger zu quittieren. Hier glaube ich aber, dass Wien nichts vermerkt hatte und nur jemand in Frankfurt am Main den Vordruck ausgefüllt hat, von der Unterschrift A. Merzbach abgesehen.
Noch sonderbarer wird es, wenn man den Text liest, der bei jedem Rückschein zu finden ist und in dem die Zielpost angewiesen wird, den ausgefertigten Schein mit dem ersten Posttage zurück zu senden, also möglichst sofort.

Eingetragen in Wien am 14.12.1865, ausgefertigt allerdings am 16., oder 17. oder 18.12.1865 und versehen mit einem Stempel von Frankfurt am Main vom 24.12.1865. Selbst wenn am 18.12. das Einschreibung mit Rückschein ausgehändigt worden wäre, was hätte dann die Frankfurter Post 6 Tage lang mit dem Rückschein gemacht? Dort war man doch froh, dergleichen möglichst schnell los zu werden und in Wien saß jemand auf heißen Kohlen.
Für Erklärungen bin ich offen - ich verstehe es nicht.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#41]
Lieber Ralph,
interessantes Stück. Ich stimme Dir zu, die Schrift im oberen Bereich stimmt mit der Schrift weiter unten überein, also wurde es erst in Frankfurt ausgefüllt, ich nehme mal an am 16.12., und man ist davon ausgegangen, dass der Hr Merzbach den Brief am 17.12. behebt, was vermutlich aber nicht erfolgt ist, sondern erst am 24.12., dann Stempel drauf und zurück nach Wien.
Liebe Grüße,
harald
@ bignell [#42]
Lieber Harald,
das ist eine plausible Erklärung, die ich auch für die Wahrscheinlichste halte.
Aber doch sonderbar, dass Wien den Vordruck "blanko" abgehen ließ, ganz im Gegensatz zu den Vorschriften und wie es üblich war.
Da ich ja eine Mini-Rückschein-Sammlung Bayern habe, passt er aber sehr gut, denn er transitierte Bayern ja gleich 2 mal, was man auch nicht jeden Tag sieht.
Liebe Grüsse,
Ralph
Liebe Freunde,
auch ich habe hier ein Formular das Fragen aufwirft:


Fahrpost-Nachfrageschreiben undatiert (also ca 1865) von Iglau [1] 22.6. nach Jaromeritz [2] 26.6., zurück am 27.6. und in Iglau angekommen 28.6., korrekt frankiert mit 5 Kreuzer
Allerdings keine weiteren Vermerke, Vordruck rückseitig nicht ausgefüllt, keine Begründung oder weitere Erklärungen.
Das Formular ist unten etwas beschnitten, aber dass gerade am unteren Rand ein Vermerk angebracht wurde bei all dem freien Platz klingt für mich unwahrscheinlich.
Mein - zugegebenermassen dünner - Erklärungsversuch: die betroffene Sendung wurde "zustandegebracht" wie es schön damals geheissen hat und mitsamt dem Nachfrageschreiben nach Iglau gesandt.
Vielleicht hat ja jemand eine bessere Erklärung.
Liebe Grüße,
harald
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Jihlava
[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Jarom%C4%9B%C5%99ice_nad_Rokytnou
@ bignell [#44]
Lieber Harald,
ein tolles Stück. Das Nachfragschreiben löste den Laufzettel ab, der Ende der 1860er Jahre als zu umständlich, zeitraubend und fehlerbehaftet galt. Der rechte Teil war für die unterschiedlichen Kartierungspoststellen vorgesehen.
Ich denke, dass ein Teil davon fehlt, auf dem der tatsächliche Laufweg, die protokollierte Übergabe bzw. das Abhandenkommen des bezüglichen Poststücks, vermerkt und quittiert worden war.
Am Ende lief der Vordruck ausgefüllt ja immer zur Aufgabepost retour, die ihn dem Absender gegen Rückgabe des Postscheins/der Recepisse aushändigte (auch gegen Unterschrift).
LG,
Ralph
@ bayern klassisch [#45]
Lieber Ralph,
hier scheint es anders gelaufen zu sein. Die Sendung lief von Jaromerice über Moravske Budejovice nach Jihlava (Iglau), das Nachfrageschreiben wurde jedoch in Iglau erstellt (offenbar auf Anfrage des Empfängers), nach Jaromeritz gesandt und dann nach Iglau retourniert.
Ein derartiger Ablauf war mir bisher nicht bekannt, aber vielleicht ist es ja bei der Fahrpost anders als bei der Briefpost.
Liebe Grüße,
harald
@ bignell [#46]
Lieber Harald,
danke für die Aufklärung (für mich sind die Orte spanische Dörfer). :-)
Prinzipiell lief es bei Fahr- und Briefpost gleich ab.
Vlt. war es ein Nachfragschreiben für ein Nachfragschreiben? Aber dann hätte es als Dienst-Nachfragschreiben eigentlich kostenlos sein müssen ... Schwierig für mich, zumal die Modalitäten innerösterreichisch durchaus andere gewesen sein konnten, als im Postverein bzw. in den Vertragsstaaten.
LG,
Ralph
@ bayern klassisch [#47]
Lieber Ralph,
eher böhmische und mährische als spanische Dörfer ;) Jihlava ist schön, Jaromerice und M.Budejovice habe ich noch nicht besucht.
Aber prinzipiell war es in Österreich schon so, dass das Nachfrageschreiben durch das Recepis (und somit vom Absender) ausgelöst wurde. Warum es hier umgekehrt war, wird man wohl nicht mehr herausfinden.
Liebe Grüße,
harald
@ bignell [#44]
Liebe Freunde,
hier ein Beispiel wie so ein Nachfrageschreiben eigentlich aussehen sollte:


Nachfrageschreiben über eine Fahrpostsendung von 1878 von Eggendorf, rückseitig sauber alle Stationen aufgeführt: Wien Südbahnhof, Wien Westbahnhof, St. Pölten, Obergrafendorf (und ein Transitstempel von Wiener Neustadt)
Begründung links Mitte: "Da der Empfang vom Adressaten in Abrede gestellt wird"
In Obergrafendorf wurde vermerkt: "lt hier inliegendes Abgb Recsse (Abgabs-Recepisse) No 293 richtig" - also wurde die Sendung jemandem übergeben
Vermerk links: "Es wird um eigenhändige Unterschrift ersucht".
Liebe Grüße,
harald
Liebe Freunde,
nachdem Ralph im Thema "Postverhältnisse Bayern - Österreich" ein wunderschönes literaturbekanntes Nachfrageschreiben gezeigt hat und ich dort Exoffo-Nachfrageschreiben erwähnt habe, möchte ich nun ein solches hier zeigen:


Nachfrageschreiben über ein beim Postamte in Zbirow aufgegebenes recommandirtes Schreiben an Frau Albine Prinetti Jicinowes (=Jicineves) p. Jicin
Abgefertigt nach Prag 321 Jicin
Mit der Auskunft zurück an das Aufgabspostamt in Kopidlno
Exoffo Nachfrageschreiben.
Ueber das vom Herrn Eduard Julius Schindler bei dem k.k. Postamte in Zbirow im Kronlande Böhmen am 25ten Juli aufgegebene An Frau Albine Prinetti in Jicinowes per Jicin lautende Schreiben, welches am 25ten 7. sub Recommandations=Protokolls=Nr. 1 über Prag an den Bestimmungsort abgesendet wurde. Da das Retour=Recepisse nicht zurückgelangt, keine Antwort einlangt, somit der Aufgeber an der richtigen Bestllung desselben zweifelt, so wolle die Nachforschung hierüber gepflogen, das Resultat auf diesem Blatte bemerkt, und von dem Abgabspostamte unmittelbar anher zurückgeleitet werden.
k.k. Postamt in Zbirow den (9)ten (9) 1865
Am 26ten Juli unter N: nach Gitschin weitergesendet worden. k.k.Postamt in Prag den 11ten Septbr 865
Am 26/7 unter N: 1 nach Kopidlno weitergesendet worden. k.k. Postamte in Prag den 14ten 9/1865
Amt 27ten Juli 1865 unter N: ??auschau?? per Kollin weitergesendet worden. k.k. Postamt in Kopidlno den 16ten Setb 1865
am 28/7 unter N: nach Prag Wien 4 weitergesendet worden. k.k. Postamt in (Kollin) den (18)ten (9)
Stempel:
ZBIROW | 9 | 9
RECOM:
WIEN | 11 | 9 | 5.A
PRAG | 14 | 9
KOPIDLNO | 16 | 9
KOLLIN. | 18 | 9
N.B.H. | 19 | 9 | WIEN.
WIEN | 20 | 9 | SÜDBAHNHOF
DESENZANO-MILANO | 24 | SET | 65 | ?? V.1
DA DESENZANO A MILANO | 24 | SET. | 65 | (2)
MILANO | 25 | SET. | 65
MILANO | 26 | SET. | 65 | *
MILANO | DISTRIBUZIONE | LETTERE
SMICHOW | 28 | 9
Vermerke:
P|39 Prag Wien 4
P569 Südbahn
Ambulanza Desenzano Milano
A Milano il 30 Luglio 1865
Passata all'ufficio dei Portalettere il 31 Luglio 1865 salto il N 32528
Conseguti contra regolure Ricevuta dalla Mitiente al Sub. N. 32528 li 31 Luglio 1865 Il Capo Portalettere Galli
31/7. Def Mil.
Es wird um die eigenhändige Unterschrift höflichst ersucht
Am 28/7 mit Amb. 9 nach Verona
Da Verona all'Ambulanza N1 Desenzano Milano 31 Lug. 1865 Verona 23 Settbre 1865
Liebe Grüße,
harald
@ bignell [#50]
Lieber Harald,
zu dieser Oberrosine kann man dir nur gratulieren.
Also weil der Rückschein nicht zurück gelaufen war, schichte man dieses dienstliche Nachfrageschreiben ab - ein Traum!
LG,
Ralph
@ bayern klassisch [#51]
Lieber Ralph,
jetzt sollte nur noch der Brief dazu auftauchen, der hat ja offenbar auch einige Stationen hinter sich gebracht, aber das wird ein Traum bleiben.
Liebe Grüße,
harald
@ bignell [#52]
Lieber Harald,
die Aufgabsrecepisse, die Retour-Recepisse, der Brief selbst - das wäre ein Quattro-Infernale der Postgeschichte. Aber wie sang schon Katja Ebstein: Wunder gibt es immer wieder.
LG,
Ralph
@ bayern klassisch [#53]
Lieber Ralph,
und die Abgabsrecepisse nicht zu vergessen. Weihnachten und Ostern auf einen Tag. ;)
Liebe Grüße,
harald
Hallo,

diese Rezipisse stammt zwar nicht aus dem 19 Jahrhundert ich zeige sie aber trotzdem hier.
Rezipisse über ein beschwertes Schreiben von dem Pflegegericht der Herrschaft St. Martin welches am 6. Feber 1829 in Ried richtig eingetroffen ist.
Grüße
Reini46
@ Reini46 [#55]
nicht aus dem 19. Jahrhundert,
bist du sicher?