Thema:
Vorphilatelie 19. Jahrhundert: Belege vorgestellt
[#69]
Hallo Kevin,
einen schönen Packetbegleitbrief für 2 Packete zeigst du da von der Postexpedition Norderney die zu diesem Zeitpunkt nur während der Sommermonate geöffnet war. Zu einem anderen Zeitpunkt wäre der Brief im Postamt Norden gestempelt worden. Der Rahmenstempel Norderney (Sonderform) ist ab 1860 bekannt. Die Aufkleber sind Packetaufkleber - eingeführt in Hannover 1856 - für jedes Packet ein Aufkleber. Der Ankunftsstempel von Hannover wurde 1859 eingeführt. Verwendungszeitraum also 1859 bis 1866.
Oben links wurde für jedes Packet das Gewicht vermerkt, nämlich 20 Pfund 25 Loth und 24 Pfund 25 Loth. Die Sendung war als Dienstsache (DS) gebührenfrei.
Eine Anmerkung sei noch gestattet. Nicht jeder markenlose Brief gehört zur Vorphilatelie. Zu dieser Zeit gab es auch in Hannover Marken. Fahrpostbelege (das sind u. a. Packetbegleitbriefe) durften nicht mit Marken freigemacht werden von ganz seltenen Ausnahmen abgesehen.
Viele Grüße
Altdeutschland
@ Altdeutschland [#71]
Vielen Dank für deine schnelle Antwort und deinen sehr informativen Text. Es ist natürlich mein Fehler diesen Brief in die Rubrik Vorphilatelie zu setzten.
Liege ich mit der Inschrift richtig ("königlich) und was hat ein solcher Paketbegleitbrief für einen Wert?
MfG
Kevin
Hallo Kevin,
kein Packetbegleitbrief sondern ein Wertbrief und darum wurde siegelseitig 5x 1 Siegel angebracht. Der Verwendungzeitraum beträgt hier 1860/61, festgelegt durch den Ra2 Norderney und den Ankunftsstempel von Norden.
Viele Grüße
Altdeutschland
@ Altdeutschland [#5]
Dankeschön auch dieses Mal.
MfG
Kevin
@ briefmarkenwirbler24 [#6]
Hallo Kevin,
der Brief für 2 Packete Akten geht an die "Königliche Civil Administrätion - Department der Finanzen". Wäre heute das Finanzministerium und darum war der Brief portofrei. Der Wert ab 15 - 25 € mit Glück kann man 30 € bekommen. Diese Briefe wurden früher deutlich höher bezahlt.
Liebe Grüße
Altdeutschland
@ Altdeutschland [#7]
Vielen Dank, damit ist mir sehr weitergeholfen. Aus welchem Grund wurde damals mehr für diesen Brief bezahlt?
@ briefmarkenwirbler24 [#8]
Aus welchem Grund wurde damals mehr für diesen Brief bezahlt?
Weil es früher mehr Sammler dieses Gebietes gab.
Beste Grüsse von bayern klassisch
Hallo,
durch das Zusammenfügen von 2 Threads ist es jetzt etwas unübersichtlich geworden.
Der 2. Brief von Norderney nach Aurich (beides im Königreich Hannover liegend) ging an die Königlich hannoversche Landdrostei.
Für den Wertbrief mit einem Gewicht von 2 1/2 Loth (oben links) und einem Wert von 500 Thalern fiel anscheinend ein Briefporto von 2 Gr. und eine Versicherungsgebühr von 5 Gr. (1 Gr. / 100 Thaler) an. Die 5 Gr. wurden vom Absender bezahlt, "fr(ei)-Vermerk unten links.
Laut der normalen Brieftaxe hätte das Briefporto bei 3 Gr. liegen müssen (1. Entfernungs- und 3.Gewichtsstufe), vielleicht gab es einen Sondertarif für Norderney?
Gruß
Michael
NB: was Du als Jahr 89 vermutet hattest ist die Stundenangabe in dem Stempel 8-9 Uhr (vormittags)
Hallo zusammen,
es gibt keinen Sondertarif und ja das normale Briefporto wäre hier 3 Groschen gewesen. Da es sich um einen Wertbrief handelt ist der Fahrposttarif anzuwenden. Galt für Packetbegleitbriefe, Wertbriefe, überformatige Briefe, usw. Die 2 Groschen sind die zu diesem Zeitpunkt gültige Minimaltaxe.
Liebe Grüße
Altdeutschland
Hallo zusammen,
ich habe in einer Kiste mit Belegen diesen Brief gefunden. Das einzige, was ich lesen kann, dass es um einen Landgrafen geht, der Carl Friedrich hieß und die Orte Wurzen (Sachsen) bzw. Stargard (Pommern) sind. Für eine Info wäre ich dankbar.

@ zonen-andy [#12]
Der Brief ging an ein Landgericht, keinen Grafen, als Armensache nach Wurzen.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ zonen-andy [#12]
Hallo zusammen,
dann zeige ich mal einen ähnlichen Brief auch eine Armensache vom 2. 8. 1850 aus Aurich (Kgr. Hannover) nach Wien. Zu diesem Zeitpunkt bestand bereits der Deutsch Österreichische Postverein und Preußen und Österreich waren Mitglieder - Hannover jedoch nicht. Der Brief trägt vorderseitig das Francokreuz (= bezahlt) war im Kgr. Hannover als Armensache aber portofrei.

Oben links steht der Gewichtsvermerk 1 1/4 Loth = 2. Gewichtsstufe und rückseitig wurde die Briefgebühr in blau (6 Sgr.) für die Strecke im "Ausland" vermerkt.

Viele Grüße
Altdeutschland
@ Altdeutschland [#14]
Ich glaube, der Absender zahlte 6 Gutegroschen, keine Silbergroschen.
So recht ein Brief nach meinem Geschmack!
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ Altdeutschland [#14]
@ bayern klassisch [#13]
Vielen Dank für die schnellen Antworten, da lag ich ja voll daneben. Aber was bitte ist ein Armenbrief und wer oder wann schrieb so etwas?
Mit freundlichen Grüßen
Der planlose Andreas
@ zonen-andy [#16]
Hallo Andreas,
Armensachen waren Behördenbriefe, ein Privater (und wäre er noch so arm gewesen) hätte immer zahlen müssen, entweder als Absender (Frankobrief), oder als Empfänger (Portobrief).
Unter gewissen Umständen konnten Behörden bei festgestellter Mittellosigkeit von Petenten ihre Diensteskorrespondenzen mit dem Hinweis "Armensache", manchmal auch abgekürzt "A. S." verschicken, wobei der Staat auf die Erhebung eines Portos verzichtete.
Damit kein Schindluder mit dieser segensreichen Beförderungsart getrieben werden konnte, war diese Vergünstigung an verschiedene Bedingungen geknüpft, die es zu erfüllen galt. Eine missbräuchliche Verwendung dieser "Franchise" zog für den jeweiligen Beamten scharfe Strafen nach sich.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#17]
Hallo bayern klassisch,
vielen Dank nochmals für die Auskunft.
freundliche Grüße Andreas
@ briefmarkenwirbler24 [#19]
Hallo Kevin,
dein Brief vom K. Hann. Konsulat in London war portopflichtig, weil "deutsche" Konsulate im Ausland keine Portofreiheit genossen und deren Konsulate in "Deutschland" auch nicht.
Daher wurde der Brief unfrankiert versendet. Die Aufgabepost wog ihn und stellte ihn als Brief der 3. Gewichtsstufe (s. oben vorne) fest.
Einfache Briefe bis 1 Loth kosteten 3 1/2 Groschen für GB bis Küste und über Belgien und Preußen weitere 3 1/2 Groschen, so dass sie 7 Groschen kosteten. Als 3. Gewichtsstufe erklären sich so die 21 Groschen, die von Preußen in Aachen von der Bahnpost (1.4. Brigade) notiert wurden.
Die "deutsche" Gebühr von 10 1/2 Groschen kassierte Preußen, weil Aachen im Postverein als Aufgabepost fungierte und im Postverein immer die Aufgabepost das Franko bzw. hier das Porto kassierte.
Die Vormarkenzeit kann man immer sammeln - nur der Brief hier fällt nicht darunter, weil es ein markenloser Brief der Markenzeit war. Aber auch die haben ihren Reiz, wie ich finde ...
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ briefmarkenwirbler24 [#22]
Genau, PP = Port Paye und kennzeichnet die Entrichtung der Briefgebühr. Von den PP Stempeln gibt es viele verschiedene. Wenn man sich mit diesem Thema beschäftigen will sollte z. B. das Buch von James van der Linden zu den Postvertragsstempeln im Bücherschrank stehen. Dein Brief zeigt rechts unten noch einen handschriftlichen Vermerk " franco + fco dettination" was dasselbe aussagt.
Viele Grüße
Altdeutschland
@ briefmarkenwirbler24 [#22]
PP wie der Vorschreiber stimmt es Port Paye.
PD dagegen heist das Poststück wurde ganz bezahlt.
Auch findet man PF, Port Frontiere, heist bis zur Landesgrenze bezahlt, für die weitere Beförderung waren Landesgebühren zu erheben, die der Empfänger zu entrichten hatte.
Stempel die einen Brief unterwegs erhält nennt man "Transitstempel".
mfG
Nigel
@ briefmarkenwirbler24 [#22]
Hallo Kevin,
das sind alles interessante Briefe, die du zeigst - bitte gerne mehr davon. :-)
Die Adresse deines Briefes lautete "Staatsminister und Minister des Inneren H. v. v. Wison (oder Wihon)".
Unten linke notierte der Absender "franco". Später notierte man sicherheitshalber "fco destination".
Dass der Absender Geld bezahlen wollte, drückte er durch seinen Franko - Vermerk aus. Aber franko war nicht franko. Man konnte Teilstrecken frankieren.
Die 1. Teilstrecke war die bis zur Kantonalsgrenze. Dann kamen dazwischen liegende Postverwaltungen bzw. Postgebiete (hier die Fischerpost, welche Teile der Zentralschweiz gepachtet hatte). Als letztes konnte er über Basel (dann über Baden) oder Schaffhausen (dann auch über Baden) laufen.
Da der Absender aber für alle Postgebiete frankieren wollte, musste er 2 Francs bezahlen, das waren 60 Kreuzer rheinisch bzw. 17 Silbergroschen oder 15 Gutegroschen (Währung in Hannover bis 1858).
Kurzer Kaufkraftvergleich: Dafür hätte sich ein Mann eine Woche lang ernähren können, oder kochen zu müssen.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ briefmarkenwirbler24 [#26]
Hallo Kevin,
vielleicht nur ein Tippfehler, aber es muss Land - Drostei heißen.
Das ist ein Fahrpostbrief, zu dem ich leider nichts beitragen kann.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ briefmarkenwirbler24 [#26]
Bei dem Brief von Aurich nach Esens handelt es sich um einen sogenannten Postvorschußbrief. Der Vorschuß ist vorderseitig vermerkt (6 ggr.). Zugrunde lag dem Vorgang eine entsprechende Forderung an den Adressaten. Der Absender bekam - in der Regel - den Postvorschuß von der Aufgabepostanstalt ausgezahlt. Insgesamt hatte der Empfänger den Postvorschuß, die Briefgebühr und die Procuragebühr zu zahlen. In diesem Fall 8 ggr. 5 Pfg.
Liebe Grüße
Altdeutschland
@ briefmarkenwirbler24 [#28]
Hallo Kevin,
systematisch würde ich es nicht nennen - mal Briefpost, mal Fahrpost und jetzt wieder Briefpost.
Aber ein lustiges Briefchen hast du da mit schönen Vermerken! Da gute an dieser Art Briefe ist, dass man sie von beiden Seiten zeigen kann und kein Pendant für sie braucht, was sich eh schwer finden ließe.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ briefmarkenwirbler24 [#28]
Bei diesem Brief handelt es sich nicht um einen Fahrpostbeleg. Der Brief kam von der Land-Drostei (ähnlich den heutigen Landkreisen) und sollte den "Forstcandidaten" Rechtern in Eldagsen erreichen. Das schlug fehl und der Brief wurde mehrmals nachgesandt, ehe er wieder retour ging. Gebühren fielen in diesem Fall nicht an, da er von der Land-Drostei kam
Viele Grüße
Altdeutschland
@ briefmarkenwirbler24 [#32]
Morgen zusammen,
ich kann leider den Aufgabeort nicht entziffern. Der Brief weist aber einen diagonalen Francostrich auf. Diese Art teilfrankierte Briefe zu kennzeichnen war u. a. in Österreich üblich. Der handschriftliche Frankierungsvermerk links unten paßt auch dazu.
Der siegelseitige rote Ankunftsstempel datiert etwa aus der Zeit von 1814-1820.
Viele Grüße
Altdeutschland
@ Altdeutschland [#33]
Ich habe mir den Stempel noch mal genauer angeschaut und meine der Ort heißt "Groningen", also in den Niederlanden, passt das mit deinen Erkentnissen zusammmen?
@ briefmarkenwirbler24 [#34]
Wenn Groningen zutrifft hängt es vom Jahr der Aufgabe ab, ob es sich um einen Brief handelt der aus Holland kommt oder aus Frankreich.

Nach der Schlacht von Jena und Auerstädt 1806 mußte Preußen Ostfriesland an Frankreich abtreten, wurde 1808 holländisch um 1810 wieder dem französischen Kaiserreich zugeschlagen zu werden. Nopolonische Zeit eben.
Viele Grüße
@ briefmarkenwirbler24 [#36]
Hallo Kevin,
es war ein Teil der Briefpost - der Empfänger zahlte für den Portobrief 11 1/2 Gutegroschen. Hinter Ottendorf notierte die Aufgabepost das Datum mit dem 18/4, was immer eine schöne Sache ist.
Den Vermerk oben links kann ich nicht gut deuten: 1 Ggr. ??. Das wird nur einer unserer norddeutschen Experten lösen können.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#37]
Vielen Dank schon mal für deine erste Einschätzung!
@ briefmarkenwirbler24 [#36]
Hallo Kevin,
zu deinem letzten Brief. Für mich ist nur klar, dass es ein Beleg der Briefpost ist. Ich schätze den Zeitraum 1814 bis in die zwanziger Jahre. Otterndorf hat 4 Langstempel verwendet. Der Stempel auf deinem Brief sollte dann 46 mm lang sein.
Viele Grüße
Altdeutschland
@ briefmarkenwirbler24 [#36]
Würde gerne wissen was die letzten zwei Zeilen unten heissen.
Kann wer sie transskribieren?
mfG
Nigel
@ doktorstamp [#40]
Lieber Nigel,
ich lese: "Der Senator und Amtmann des Hamburgischen Amtes Ritzebüttel, Abuderth".
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#41]
Ich meine, der Mann heißt "Abendroth". Klingt auch weniger arabisch. :-)
Viele Grüße aus Erding!
@ bayern klassisch [#41]
Der Brief bereitet mir hinsichtlich der Taxierung "Kopfzerbrechen". Klar scheint zu sein das er aus Ritzebüttel - dem heutigen Cuxhafen -kommt. Ritzebüttel war Postgebiet von Hamburg. Erst 1852 wurde dort auch ein hannoversches Auslandspostamt eingerichtet. Von 1809 - 1821 war Amandus Augustus Abendroth dort Amtmann und damit Posthalter des hamburgischen Postamtes in Ritzebüttel.
Damit liegt die Datierung des Briefes in der von mir vermuteten Zeitspanne. Er wurde erst im rund 17 km entfernten Otterndorf (hannoversche Postspedition) der Post übergeben. Die hds. 11 1/2 sind sicher nicht Ggr. Es wäre die höchste Taxierung auf einen Brief der hannoverschen Inlandsbriefpost die ich je gesehen hätte. Außerdem können die 11 1/2 weder mit der hannoverschen Taxtabelle von 1818 oder der von 1814 in Übereinstimmung gebracht werden. Denkbar wäre ein vermerkter Botenlohn für die Strecke Ritzebüttel - Otterndorf in hamburgischer Schilling Währung. Das wären ca. 2 1/4 Ggr. und dann fehlt noch die Inlandstaxe.
Viele Grüße
Altdeutschland
@ Erdinger [#42]
Lieber Erdinger,
schade, das hätte dem schönen Brief ein morgenländisch - abendländisches "Flair" gegeben. :-)
@ Altdeutschland [#43]
Über die Höhe des Portos habe ich mich auch gewundert, wobei man nie weiß, wie schwer die Briefe wirklich damals waren, wenn kein Gewichtsvermerk zu sehen ist. Dann dürften es doch eher 11 1/2 Hamburgische Schillinge sein, was ja auch nicht eben wenig war.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#37]
@ Altdeutschland [#43]
@ briefmarkenwirbler24 [#38]
Hallo in die Runde,
was steht vor dem Ortststempel "1 Ggr bis" ? Ich bin auch sicher, dass 11 1/2 Ggr Taxe notiert worden ist. Möglicherweise ist auf dem Brief eine Gesamttaxe mehrerer Briefe notiert worden, was mir bei dem Empfänger plausibel erscheint.
Mit freundlichem Sammlergruss
Ulf
@ Magdeburger [#45]
Hallo Ulf und alle anderen,
was oben links steht könnte die entscheidende Frage sein, ich kann es nicht lesen. An 11 1/2 Ggr. glaube ich nicht. Man muß sich vor Augen führen das das ein Betrag ist der den Lohn mehrerer Monate von den meisten Leuten überstieg. Die süddeutschen Weber erhielten zu dieser Zeit ca. 2 fl im Monat! Knobeln wir halt weiter.
Viele Grüße
Altdeutschland
@ Altdeutschland [#46]
Hallo Altdeutschland,
kann es vielleicht 1 / 1/2 heissen? Der zweite Strich als Trennstrich?
Lg, harald
@ Altdeutschland [#46]
Ich habe eine Strecke von knapp 130 km heraus gefunden, wenn es das richtige Ottendorf ist.
Oben links heißt es meiner Meinung nach 1 Guter Groschen (GGr.) bis und dann kommt der Ortsstempel von Ottendorf, so dass der Brief von einem anderen Ort kommen musste, um 1 GGr.
Dass es ein Portobrief ist, steht außer Frage. Man hatte in der Währung der Abgabepost zu taxieren, demnach in Hannover Gute Groschen.
Ich lese 11 1/2 und damit sind es wohl 11 1/2 GGr.
Das arme Menschen damals (wie heute leider auch) ganz wenig verdienten, ist klar. Aber ein schwerer Brief, der schon 1 GGr. (das war ein Mittagessen um diese Zeit) bis zur Aufgabepost kostete, war halt nie günstig und Briefe mit 4 oder 5 Loth können auch so aussehen, wie der gezeigte und dann wären solche Porti problemlos möglich.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#48]
Mit der Übersetzung des handschriftlichen Textes oben rechts hast du recht. 1 Ggr. für die Strecke Ritzebüttel - Otterndorf ist nachvollziehbar. Klar ist auch das es sich um einen Brief nach 1814 handelt.
In Hannover galt grundsätzlich folgende Regelung für die Briefpost: Mit der Briefpost zu befördern waren grundsätzlich u. a. Briefe bis 4 Loth Gewicht es sei denn der Absender verlangt bei schwereren Briefen bis 8 Loth die Versendung mit der Briefpost. Dies Verlangen ist auf dem Brief zu notieren.
An km kam mein Routenplaner auf 138, aber das ist letztlich egal.

Gehen wir von einer Entfernung von 12 bis 16 Meilen aus ist das einfache Porto 2 Ggr. Vielleicht übersehe ich etwas aber die 11 1/2 sind mir schleierhaft.
Viele Grüße
Altdeutschland
@ bayern klassisch [#41]
@ Erdinger [#42]
Herzlichen Dank Euch beiden.
Die Geschichte Ostfrieslands um diese Zeit ist recht spannend. Den Begebenheiten nach vermute ich der Brief ist aus dem Jahre 1815 oder kurz danach. Preussen wurde auf Wünsch der Engländer des Landes verwiesen. Als Verbündeter wußte England Preussen zu schätzen, aber direkt an der Nordseeküste wollten sie sie auch nicht haben. Von daher kam das Land unter Verwaltung Englands was damals eng mit Hannover verknüpft war.
mfG
Nigel
@ doktorstamp [#50]
Lieber Nigel,
wie sähe es aus, wenn es statt 11 1/2 heißen sollte II 1/2? Dann wären es 2 1/2 GGr., nur in alter, römischer Schreibweise (die ich noch 50 Jahre später kenne).
Das wäre dann einfaches Gewicht plus 1/2 GGr. Bestellgeld und vielleicht hat der Absender den GGr. bezahlt?
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ Altdeutschland [#49]
Eventuell wurde auch noch in Mariengroschen, statt in Guten Groschen gerechnet? Diese waren ein Drittel weniger wert. Aber wissen tue ich es nicht.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
Guten Abend,
es freut mich, dass ihr euch so viel Kopfzerbrechen über den Brief von Otterndorf bereitet.
Da ich heute den ganzen Tag beschäftigt war, hatte ich keine Zeit zu Antworten. Wenn ich das richtig verstehe habt ihr noch keine Lösung zu dem Problem gefunden?
MfG
Kevin
@ bayern klassisch [#48]
Lieber Bayern Klassisch,
ich schliesse mich dieser Interpretation an. Ob der Brief nun schwerer, oder eine Gesamttaxe mehrerer Sendungen bzw. die Kombination beider hier vorliegt, wird sicher nicht mehr geklärt werden können.
Mit freundlichem Sammlergruss
Ulf
Ich bin nun endlich dazu gekommen den Otterndorf Stempel zu messen: Er hat eine Länge, wie von Rolf schon vermutet, von 46 mm.
MfG
Kevin
@ doktorstamp [#50]
Lieber Bayern Klassisch,
ich halte so etwas für denkbar, dennoch vertrete ich der Meinung, man habe hier für einen Briefbündel berappen müssen. Man wird es aber nie haargenau wissen können.
Um die Zahlen als römisch zu verdeutlichen mußte die Schreibweise so aussehen II.
Jedoch gibt es 11½ auch 11/12 geschrieben und bedeutet nach römischen Gebrauch "weniger als eine Unze", oder zu verstehen als elf zwölftel einer Unze.
Aber ob wer auf die Klassik zugriff ist eher unwahrscheinlich, wenn auch plausibel.
Die Römer bezeichneten eine ihrer Münzen "die Semis" mit 6/12, heute wurden wir daraus ½ oder 0.5 machen.
mfG
Nigel
@ doktorstamp [#56]
Lieber Nigel,
mit dem Gewicht hat die Angabe II 1/2 oder 11 1/2 nichts zu tun - Gewichtsangaben waren nicht mittig auf den Briefen zu notieren, sondern oben links.
Es gab mindestens 2 Währungsarten dort, eventuell konnte man auch noch mit Stuiver bezahlen, aber das halte ich für sehr unwahrscheinlich.
Es ist so, wie ich immer sage: Nicht jeden Brief, der über 150 oder 200 Jahre alt ist, wird man knacken können. Wir haben hier im Forum ganz gute Arbeit geleistet und dem Besitzer eine Reihe von Argumenten geliefert. Das ist schon eine ganze Menge und wenn sich Vergleichsbriefe finden lassen, kann man auf breiterer Basis in die ein oder andere Richtung argumentieren.
Abgesehen davon, haben unsere Altvorderen jeden Tag Fehler gemacht, Taxen falsch berechnet oder festgesetzt, vergessen, dass es neue Vorschriften gab oder die neuen zu früh angewendet - das kann man nie ganz ausschließen.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
Hallo zusammen,
es ist sicher richtig das nicht immer alle Briefe erklärt werden können und das scheint auch für den vorliegenden zu gelten.
Die Gründe liegen zunächst einmal in der Frage welche Währung zu Grunde zu legen ist. In Kurhannover galt 1813 als Landeswährung der Thaler, welcher in 24 Gutegroschen zu je zwölf Pfennigen oder
in 36 Mariengroschen zu je acht Pfennig unterteilt war. Das große Zwei-Drittel-Taler-Stück entsprach damit 16 Gutegroschen oder 24 Mariengroschen und da 18 dieser Gulden gleich 12 Taler waren nannte man ihn auch den '18-Gulden-Fuß.
Gutegroschen und Mariengroschen waren also zeitgleich im Umlauf. Hinzu kommt das - wie bereits erwähnt - in vielen Gebieten andere Währungen gab und mit ihnen auch gerechnet wurde. Das gilt auch für die holländische Währung im Grenzgebiet und in Ostfriesland. Diese fremden Währungen spielten im Kgr. Hannover auch noch Mitte des 19 Jahrhunderts eine Rolle wie nachstehender Briefinhalt von
1856 zeigt:

Er lief von Bentheim nach Heestrup bei Nordhorn mit diesem Inhalt: "Wilming in Hestrup restiert beim Fürstlichen Rentamt an Rente pro 1854 - 5 Gulden 10 Stüver holländisch, welche baldigst eingesandt werden müssen.
Den eigentlichen Brief werde ich gelegentlich in einem anderen Thread zeigen.
Viele Grüße
Altdeutschland
Hallo zusammen,
heute möchte ich einen - für mich sehr schönen - Brief zeigen zu dem ich eine Frage habe. Er geht - wohl 1850 - aus Hannover nach Wien und zeigt vorderseitig einen vorbildlichen Gebührenbaum. Mit Hilfe eines solchen Gebührenbaums werden die verschiedenen Gebühren der beteiligten Länder dokumentiert. Hier sind es 4 und darauf zielt meine Frage ab. Ad hoc sind es für mich: Hannover, Preußen, Taxis ? und Österreich

Viele Grüße
Altdeutschland
@ Altdeutschland [#59]
Taxis können wir vergessen - wenn Preußen den Brief in den Händen hatte, war Thurn und Taxis außen vor und umgekehrt. Da es einen Entlastet - Stempel von Berlin gibt, scheidet TT also aus.
Zeigt uns die Siegelseite etwas wissenswertes?
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#60]
Erst einmal danke für die Einschätzung. Siegelseitg gibt es nur den Ankunftsstempel.
Liebe Grüße
Altdeutschland
@ Altdeutschland [#61]
Danke für die Info. Die Aufgabepost hat ihn wohl portofrei an Preußen ausgeliefert, siehe Franchisevermerk unten links.
Preußen hätte ihn gar nicht "Entlastet" stempeln müssen, weil das nur Relevanz bei Loco - Briefen hatte, also Briefen, die am Ort (Berlin) hätten bleiben sollen, dann aber später weiter geschickt werden mussten, womit sich die Berliner Abgabepost entlasten sollte.
Bei Transitbriefen kenne ich diesen Abschlag so nicht.
Jedenfalls hat Preußen den Brief gewogen (oben links) und 3 1/2 Silbergroschen als Auslage notiert, die 9 Kreuzer Conventionsmünze entsprachen.
Warum man 3 mal 9 Kr. CM und ein mal 10 Kr. CM notierte, weiß ich aber nicht. Bei einer Progression mit dem Faktor 2 hätte man üblicherweise einfach 18 und 18 notiert, dazu 1 Kr. CM Bestellgeld. In summa zahlte der Empfänger 37 Kreuzer CM.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
Hallo Kevin,
der Brief ging wohl nach Bückebourg.
Gruß
Michael
@ briefmarkenwirbler24 [#63]
Hallo Kevin,
Michael D hat Recht - Bückeburg ist der Zielort.
Die Aufgabepost kassierte vom Absender 2 Gutegroschen und 6 Gutepfennige für Hannover und als Weiterfranko für Thurn und Taxis einen Gutengroschen.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
Ich möchte mich an diesem Thread beteiligen und einen Beleg vorstellen. Ich nutze dann auch gleich die Gelegenheit den Empfänger näher vorzustellen. Mir sind die Umstände der Briefe wichtig und soweit möglich arbeite ich dies auf. Diesen Einkauf tätigte ich für meine Luxemburg, Land und Leute Sammlung.
Der Brief ging ab
LUIK (Lüttig/Liège), roter Einzeiler auf der Vorderseite in Belgien nach Luxemburg an den Advokaten De La Fontaine. Eine durchaus gute Wahl denn das Schreiben aus dem Jahre 1828 bezieht sich auf einen Prozess einer Witwe Metz gegen meinen Lieblingsbankier Pescatore. Das Porto belief sich auf 25 cts, Portostufe laut Postverordnung vom 12.12.1826. Auf der Rückseite befindet sich lediglich ein roter Zweizeiler FRANCO LUXEMBOURG.

Hier nun einige Daten betreff dem Empfänger
Ignace de la Fontaine (6.1.1878 11.2.1871), 1807-1810 Jura Studium in Paris, 1810-1842 Jurist zu Gericht in Luxemburg, 1816 Mitglied des Provinzialrates, 1830-1831 treuer Anhänger während der belgischen Revolution von Guillaume I, König der Niederlande und Großherzog von Luxemburg, 1841-1848 Gouverneur von Luxemburg, 1.8.1848 – 2.12.1848 Vorsitzender der ersten Regierung Luxemburgs, 1849-1851 Mitglied des Gemeinderates von Luxemburg Stadt, 1857-1868 Vorsitzender des Staatsrates (conseil d’Etat).
Erwähnen sollte man noch dass er Gründungsmitglied des Chemin de Fer Guillaume Luxemburg war. Er wurde zeitlebens mehrmals geehrt: Kommandeur des belgischen Leopold Ordens, Träger des preussischen roten Adlerorden, Träger der „Grande Croix“ de l’ordre de Couronne de chêne, Orden der von Guillaume II 1841 ins Leben gerufen wurde.
Als altes Zeitdokument kann ich euch einen Urlaubspass des Königlich-Großherzoglich Luxemburgischen Bundes-Contingents, Jäger Bataillon 4 Kompagnie aus dem Jahre 1846 zeigen. Unterschrieben wurde der Pass vom Kommandanten und vom Gouverneur des Großherzogtums De La Fontaine. Und damit ihr alle eine Idee habt wie De La Fontaine aussah, noch eine Gedenkkarte aus dem Jahre 1956.


beste Sammlergrüße
Lulu
Dieser eher unscheinbare Beleg zeigt eine der großen Raritäten unter den Essener Stempeln. Der kleine Kreisstempel mit einem Durchmesser von 19 mm, ein sogenannter Fingerhutstempel, ist in Essen nur kurzzeitig und ausnahmsweise in den Jahren 1841 und 1842 verwendet worden und nur auf wenigen Belegen nachweisbar. In vielen Orten ist dieser preußische Stempel der Vormarkenzeit wesentlich häufiger zu finden.
Hier wurde er auf einem Insinuationsdokument von Essen nach Werden am 12. Mai 1841 abgeschlagen.
Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
@ Concordia CA
Lieber Jürgen,
ist es nicht ein ganz besonderer Reiz, gerade bei altpostgeschichtlichen Belegen, wenn man von großen Städten solch schöne und seltene Stücke bekommen kann? Wenn die meisten "Essen" hören, denken sie an eine Stadt weit über 600.000 Einwohner, womit einhergeht die vermeintliche Tatsache, dass es von dort keine seltenen Stempel oder gar Stempelformen geben kann.
Aber dank deines Briefes weiß man jetzt, dass es auch ganz anders sein kann, als heute zu vermuten wäre.
Ich glaube auch nicht, dass Essen für über 170 Jahren auch nur annähernd so bedeutend war, wie man heute meinen könnte. Von daher Chapeau zu dem Schuss. :-)
Liebe Grüsse von bayern klassisch
Ein Briefchen ganz anderer Art:


Grüße an alle Forumler - Rolf
@ roteratte48 [#69]
Lieber Rolf,
an dem verrückten Briefchen aus Frankreich in die Pfalz wäre ich als Pfälzer natürlich interessiert, da ich aus dieser Korrespondenz schon das ein oder andere Stück besitze. Es wäre schön, wenn ich es dir abkaufen könnte.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#70]
Über das "verrückte Briefchen" sollten wir hier in Verkaufshinsicht nicht sprechen, sonst landet der Beitrag zu Recht im Nirwana. Generell ja - ruf mich doch, wenn Du magst, gelegentlich an.
Immer schön, von Dir zu lesen oder zu hören - liebe Grüße nach GG!
Rolf
@ roteratte48 [#69]
Lieber Rolf,
nach unserem netten Telefonat von eben will ich deinen kleinen Brief aus Frankreich in die Pfalz dann doch "vorab" beschreiben.
Ursprünglich als französischer Portobrief von Besancon nach Strasbourg am 13.4.1847 abgeschickt, hatte ihn Besancon mit 5 Decimes taxiert. Der Brief wog 8g (oben links gewogen) und lag daher in der 2. französischen Gewichtsstufe.
Bei seiner Ankunft nach knapp 200 km am Folgetag konnte er jedoch nicht zugestellt werden. Jetzt saß die franz. Post auf einer Portoforderung von 5 Decimes (knapp 15 Kr.), die keiner zahlen konnte. Es fand sich jedoch jemand, der die neue Anschrift kannte und zwar "Gänsheim par Speiern". Orthographisch korrekt wäre Geinsheim bei Speyer gewesen, aber die Postler damals waren schlau und wussten in der Regel schon, wohin das Baby zu schicken war.
Nun war es aber ein Auslandsbrief geworden nach dem Postvertrag Bayerns mit Frankreich vom 1.1.1822 und Frankreich wollte nicht nur 5 Decimes dafür haben,sondern mehr! Ergo stempelte man in der Grenzstadt Strasbourg mit einem C.F.3.R. = Correspondance Francais 3sieme Rayon, also "französischer Brief aus dem 3. Entfernungsrayon" zur Pfalz. Jetzt wurden 18 Kr. angesetzt für den französischen Portoanteil, in denen die ursprünglichen 5 Decimes keine Rolle mehr spielten, denn sie waren obsolet geworden. 18 Kr. entsprachen 6 Decimes, so dass Frankreich noch ein kleines Geschäftchen machte und ihn einfach nach Wissembourg (deutsch: Weißenburg im Elsaß) leitete, wo er am 16.4. ankam.
Dort sandte man ihn nach Landau i.d.P. (= in der Pfalz) weiter, der Kartenschlußpostexpedition der Pfalz, wo er mit 6 Kr. für die pfälzische Strecke taxiert wurde (bei 8g wäre er in Bayern noch einfach gewesen, weil das halbe Münchener Loth galt und das war 17,5g schwer!). Korrekt wären 4x gewesen für einfache Briefe über 6 - 12 Meilen, aber was solls, wer solche Briefe bekam, zahlte sowieso alles und unübersichtlich war das Brieflein eh schon genug.
Die vorn notierten 9 Kr. machten noch weniger Sinn und wurden folgerichtig abgestrichen.
Über Neustadt an der Weinstraße (18.4.) ging es dann von Speyer aus (hier ohne Halbkreisstempel in rot, wie sonst bei dieser Korrespondenz) nach Geinsheim per Landboten, der dafür 3 Kr. verlangte. Folglich sehen wir vorne die Postgebühr von 24 Kr. für den Brief und siegelseitig 3 Kr. Landbotengebühr, so dass man für ihn total 27 Kr. zu bezahlen hatte.
Er wird, lieber Rolf, ganz sicher Eingang in meine kleine Bayern - Frankreich - Spezialitäten - Sammlung finden und dafür danke ich dir herzlichst.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
Liebe Sammlerfreunde,
heute zeige ich einen Brief aus London vom 31.12.1861, der auf griechisch (!) geschrieben wurde und nach Triest gerichtet war. Schon am 1.1.1862 war er "via Ostende" in Aachen, wo ihn die 1. Brigade der preußischen Bahnpost mit 35 Neukreuzer taxiert hatte. Grundlage bildete der Postvertrag Großbritannien - Preußen vom 1.7.1859 (Additionalvertrag zu dem alten Vertrag vom 1.8.1852).

4 Sgr. für Belgiens Transit, über die Nordsee und Großbritannien (14x rheinisch = 20 Nkr.) und 3 Sgr. für über 20 Meilen von der Vereinsaufgabepost Aachen gelegenen Postorte (9x rheinisch = 15 Nkr.).

Leider kann ich kein Griechisch - aber wer es lesen kann, ist hierzu gerne eingeladen.
Ich habe daher nur die Vermutung, dass der Empfänger in Triest gar nicht der eigentliche Empfänger war, sondern der Brief von dort aus nach Griechenland weiterlaufen sollte (per Schiff ohne Einschaltung der teuren Post).
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#73]
Hallo BK,
ein sehr schönes Stück, wenn geht bitte den dritten Scan nochmal flacher. Oben links könnte ein Ortsname stehen, dann würde klar ob es ein Forwarder ist oder nicht. Falls der Brief an ein Ziel mit österreichischer Postverwaltung gegangen ist, wäre das Porto dasselbe gewesen wie nach Triest.
Lg, harald
@ bignell [#74]
Hallo Harald,
besser bekomme ich das nicht hin. Es wäre schön zu erfahren, ob es griechisch ist und wer, was, wem geschrieben hat.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#75]
Hallo BK,
eindeutig griechisch, aber griechische Schreibschrift kann ich kaum lesen. Aber vielleicht gibt's ja jemand im Forum, der es kann. :)
Lg, harald
@ Vorphilatelisten,
möchte hier mal den ältesten Beleg mit Zeichen einer postalischen Beförderung in meiner Sammlung vorstellen.
Am 1. Juli 1819 verfasste diesen vollständig erhaltenen Geschäftsbrief ein gewisser Archibald Crawford im Landkreis Westmoreland auf Jamaica in englischer Sprache. Rückseitig befindet sich wohl ein halbkreisartiger Stempel von J A M A I C A (Insel der britischen Kolonie zu jener Zeit!).
Vorderseitig ein schön sichtbarer roter Einkreisstempel, wie ich ihn aus englischen Briefen kenne, also wohl der Ankunftsstempel von Edinburgh vom 19. August 1819.
Auffällig auch die Zahl 1/2 in einem Art Quadrat, was das wohl bedeutet? Eine schwarze Taxierung 9/8 hat wohl auch eine Bedeutung und die
"only Double"....nur doppelt? Da schwebt man also im Tal der Ahnungslosen.
Der Brief bringt es immerhin auf 10 gramm und dürfte in den letzten 196 Jahren wohl kaum an Gewicht verloren haben. In 4 Jahren feiert dieses sehr alte Brieflein sein 200. Beförderungjahr, wenn man bei Briefen von so etwas sprechen kann.
10Parale

@ 10Parale [#77]
Hallo 10 Parale,
nach meiner mir vorliegenden Literatur möchte ich Deinen Brief bestimmen.
Nach dem Vermerk links unten, Packet, wurde der Brief aus West Indien nach Europa mit einem Segelschiff mit Vertrag befördert und unterlag der Packet-Rate. Diese war höher als die Ship Letter Rate. Das Gewicht des Briefes betrug eine Unze. Das Gewicht für einen einfachen Brief war 1819 1/4 Oz.
Ankommende Segelschiffe liefen den Hafen Falmouth in England an und der Brief wurde danach wohl nach London gesandt. Die Rate für einen einfachen Brief betrug allgemein 2Shilling 2 Pence, 2/2d nach der Post Office Directory vom Januar 1813. Der Brief wurde mit vierfachem Porto belastet, also 8/8d. Hinzu kommt noch die Inlandgebühr London-Edinburgh von 1/1d (Entfernung 300-400 Meilen). Der Stempel 1/4d ist ein Zollstempel für Kutschen über 2 Achsen zwischen England und Schottland. In Jamaika wurde der Brief als Doppelbrief gekennzeichnet, Schottland berechnete aber die vierfache Rate. Als Gesamt Porto komme ich somit auf 9/9 d. Soweit meine Berechnung deines Briefes.
Gruß Dieter
@ Fips002 [#78]
Hallo,
sollte der 1/2 Stempel nicht ein Zuschlag für Sendungen über Grossbritannien nach Schottland darstellen?
Liebe Grüsse von bayern klassisch
Hallo,
der "Add!1/2" Stempel steht, wie Fips002 gesagt hat, für die Benutzung einer Kutsche mit mehr als 2 Achsen über Zollstraßen. Diese Straßen gab es in Schottland und in England. Dieser Betrag konnte als Stempel oder Handschriftlich vermerkt werden.
Der Begriff "only double" steht dafür, das es sich um einen 2 Seiten Brief handelt. In dieser Zeit wurde das Porto nach Meilen und Seiten Anzahl im Brief berechnet. Bei 3 Seiten wäre das Porto verdreifacht worden.
Beste Grüße
Mario
@ bayern klassisch [#79]
Hallo,
natürlich mussten die 1/2 d zusätzlich bezahlt werden für die Benutzung einer Kutsche mit mehr als 2 Achsen. Es war eine Steuer, die auch als Schlagbaum-Steuer bezeichnet wurde.
Gruß Dieter
@ Fips002 [#81]
Hallo Dieter,
dann wusste der Postmeister, der für die Taxierungen und Stempel zuständig war, dass die zu verwendenden Kutsche nach Schottland mehr als 2 Achsen hatte, wenn ich das recht verstehen.
Progressierten diese Gebühr wie das Porto, oder war es ein fixer Betrag, der vom Empfänger entrichtet werden musste?
Liebe Grüsse von bayern klassisch
P.S. Ich finde diese britischen Usancen hochinteressant!
@ Fips002 [#78]
@ bayern klassisch
@ mario0612
Vielen herzlichen Dank für diese wunderschönen, auch einleuchtenden Erklärungen und ff.-Diskussionen zu diesem Brief. "Britische Usancen" - was für eine wunderbare Wortschöpfung.
Tatsächlich hat der Brief 3 beschriftete Halbseiten (also 2 dicke Seiten) und wie immer bei diesen Briefen wurde das Kuvert sozusagen aus dem Brief selbst durch Faltung gebastelt und mit Taxierungen freigemacht.
Ich stelle die erste Seite hier mal zur Ansicht und ich halte weiter Ausschau nach solchen Schmankerln.
Vielen vielen Dank
10Parale
@ bayern klassisch [#82]
Hallo,
noch einige Erläuterungen zu den Additional Stempel, 1/2d-Stempel.
Differenzierte Zölle existierten ab 1663 bis in die Mitte des 19.Jahrhunderts. Diese Steuern wurden erhoben, um die Instandhaltung der Straßen sicherzustellen. Es erfolgte die Einführung einer Ausgleichsabgabe von 1/2d je Brief für die von der Post an die Trust zu zahlenden Zölle, sofern der Brief, wann auch immer auf seiner Beförderungsroute, mittels eines mehr als zweirädrigen Postfahrzeuges innerhalb Schottlands befördert wurde.
Am 8. Juni 1813 erließ der Präsident des Inland Office London folgende Dienstanweisung:
Alle für Schottland bestimmten Briefe sind zusätzlich zu den derzeit geltenden Posttarifen mit einem 1/2d Zuschlag zu belegen. bei Briefen von Schottland ist morgen früh in der gleichen Weise zu verfahren. Es wird darauf hingewiesen, dass ohne Rücksicht auf Gewicht der Zuschlag nur jeweils 1/2d pro Briefeinheit betragen darf. Die Ausgabe der "Add 1/2d" Stempel erfolgt zuerst an die Hauptämter in London, Edinburgh und Glasgow.
Die vollständige Gebühr für den Brief, einschließlich der 1/2d, hatte der Empfänger zu bezahlen.
Beste Grüße
Dieter
@ Fips002 [#84]
Hallo Dieter,
vielen Dank für diese hoch interessanten Infos. Da merkt man eben den Kenner.
Wenn du mal einen Brief von/nach Bayern mit diesem 1/2 Stempel finden solltest, würde ich mich über eine Mitteilung freuen.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
Hallo,
als kleiner Zusatz zur add! 1/2 mail tax. Den Zöllnern war es bei Strafe verboten, diese Postkutschen an- oder aufzuhalten.
Schönen Abend
Mario
@ mario0612 [#86]
Hallo Mario,
interessant - war weltweit zwischenzeitlich sehr ungewöhnlich, kommt aber (EU wir danken dir) wieder in Mode. In sofern waren die britischen Usancen (danke für dein Lob, 10Parale!) ihrer Zeit weit voraus.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
Hallo Sammlerfreunde,
ein Beleg des Herzögl.Sächsischen Post-Amtes. Ausgestellt am 18 November 1804 in Altenburg. Laut Text wurde etwas in die hiesige Expedition zur Bestellung übergeben. Leider kann ich die Handschrift nicht lesen. Was wurde hier übergeben? Wurde dieses Formular häufig verwendet? In welchem Gebiet wurde dieser Vordruck verwendet?
Bitte um Infos zu diesem Beleg.
Schöne Grüße
Franz
@ Franz88 [#88]
Hallo Franz,
es ging um einen Brief nach Cahla mit Wert, also ein Wertbrief.
Es gehörte zum Gebiet Sachsen.
Häufig sind solche Scheine prinzipiell - von Altenburg kenne ich sehr vieles.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ Franz88 [#90]
Hallo Franz,
du zeigst einen Portobrief, für den der Empfänger nicht 18, sondern 1 Shilling 8 Pence bezahlte. Er war einfachen Gewichts, wie aus dem Vermerk "Single" hervor geht. Den Leitweg hast du richtig erkannt.
Im Inhalt geht es um die Bestätigung des Erhalts von Briefen, der Bezahlung von Rechnungen usw., also das Übliche bei Handelsbriefen.
Ich hoffe, ich habe keine Frage zu beantworten vergessen.
Liebe Grüsse,
Ralph
Hallo Ralph,
super alle meine Fragen sind damit beantwortet. Ein ganz großes DANKESCHÖN dafür.
In meinen Fundus sind einige Vorphilabriefe aus verschiedenen europäischen Ländern. Die Briefe sind teilweise vom Vorbesitzer beschrieben. Falls Interesse besteht, würde ich diese Briefe gerne hier zeigen.
Ich beginne heute mit einen Brief von Rotterdam nach Amsterdam. Der Brief wurde am 18.3.1704 geschrieben.
Ich erlaube mir, die Beschreibung des Vorbesitzers als Bild einzufügen. Über die Richtigkeit der Beschreibungen kann ich nichts sagen.
Liebe Grüße
Franz
@ Franz88 [#92]
Hallo Franz,
klar würde ich gerne dein Altpapier sehen - damit bin ich sicher nicht der Einzige hier.
Zu dem Brief vermag ich aber nichts beizutragen - aber sehr schön ist er!
Liebe Grüsse,
Ralph
Hallo Sammlerfreunde,
heute ein Brief von Ariano (Italien) nach Loreo (Italien). Auf der Briefvorderseite ist ein schönes Wappen abgebildet ? (Gemeindewappen Ariano). Geschrieben wurde der Brief am 26. April 1849. Ich vermute bei diesem Schreiben handelt es sich um einen Amtsbrief (gebührenfrei).
Bitte um Infos zu den Brief (Briefinhalt, Taxvermerke …).
Liebe Grüße
Franz

Hallo Sammlerfreunde,
heute ein Brief aus meinem Heimatlande Österreich.
Amtsbrief (Ex Offo) vom Kaiserl.-Königl.Rentenamt Lienz (Tirol) gesendet an das Landgericht Welsberg (?Südtirol). Aufgegeben am 2 Juni 1845. Rechts oben ist ein gekrönter Doppeladler, mit Schwert und Reichsapfel und den Initialen "FI" von Kaiser Ferdinand V. von Österreich zu sehen.
Ich bitte euch, meine Fehler bei der Beschreibung des Briefes zu berichtigen.
Liebe Grüße
Franz
Hallo Sammlerfreunde,
heute zeige ich einen Brief, der unter die Rubrik italienische Kirchengeschichte fallen könnte.
Ein Amtsbrief von Kardinal Laute aus Bologna, geschrieben am 12.November 1816. Auf der Briefvorderseite ist der Wappenstempel des Kardinals zu sehen. Im Stempel sind ein Kardinalshut und 30 rote Quasten (15+15), die Insignien eines Kardinals, abgebildet.
Liebe Grüße
Franz

Hallo,
anbei einmal ein Brief ganz ohne Vermerke: Kein Empfänger, kein Absender, keine Taxen.

Kann so etwas ein Brief sein?
In diesem Fall meine ich ja, denn Schreiber des Briefes war der Briefbesteller Johann Friedrich Kanne selbst - er wußte ja, von wem der Brief war und wohin er zugestellt werden sollte und eine Bestellgebühr wird er sich selbst nicht abverlangt haben.

Interessant ist auch der Inhalt:
Der Briefbesteller Kanne bittet unterthänigst, dass seine Tochter sich des Sonntages dürfte Copullieren lassen.
Bevor falsche Eindrücke entstehen: Copullieren hatte damals die Bedeutung von Vermählen / Verheiraten.

Es handelt sich um einen Antrag auf Heiratserlaubnis. Der Antrag war kostenplichtig und mußte auf zuvor erworbenem Stempelpapier gestellt werden.
Die Höhe der Gebühr kann ich bei dem Stempel leider nicht erkennen.
Gruß Ralf
Hallo,
möchte hier einen alten Brief zeigen. Der Brief ging vom Justizamt Wsetin an das Justizamt Lukov. Beide Orte gehören heute zu Tschechien und früher zu Mähren.
Beim Datum bin ich mir nicht ganz sicher es dürfte aber der 24.11.1829 sein. Im innneren des Briefes ist ein entsprechender Vermerk aber bei der 29 bin ich mir nicht sicher.



Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#98]
Hallo,
ich lese 1839 - vlt. kommt man über den Stempel auf das richtige Jahr?
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#99]
Danke für die schnelle Antwort. 1839 könnte es natürlich auch sein. Vielleicht kommt ja tatsächlich jemand über den Stempel auf das Jahr.
Schöne Grüße
Sepp
Hallo,
da hätte ich noch einen Brief aus London vom 28.02.1851 nach Fouday über Boulogne (01.03.1851), Paris (02.03.1851) und Schirmeck (04.03.1851).


Schöne Grüße
Sepp
Hier ein ganz einfacher Brief aus Neuenbürg vom 11.10.1864 an das Königliche Stadtpfarramt dahier (Neuenbürg)

Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#105]
Damit die Beschreibung etwas üppiger wird:
D.S. = Dienst - Sache = portofrei.
1 Rötel = 1 Kreuzer Bestellgeld, trotz Postportofreiheit.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#106]
Vielen Dank für die Ergänzung. D.S. konnte ich nicht lesen und den "Rötel" habe ich nicht gesehen.
Schönen Gruß
Sepp
Da habe ich noch so einen Brief vom 07.06.1852 aus Vaihingen bei dem ich ausser Amt überhaupt nichts lesen bzw. entziffern kann. Aber die 6 Rötel habe ich erkannt.
Inhalt ist leider auch nicht dabei, es könnte sich aber auch um eine Kirchenangelegenheit handeln. Auf der Rückseite ist leider das Siegel abgefallen. Dann gibt es noch einen runden Stempel D4 darunter 7/6, da könnte es sich um einen Briefträgerstempel handeln.


Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#108]
Hallo Sepp,
gern geschehen.
Zu deinem neuen Brief:
Löbliches Schultheissen Amt ??? an der Enz
vom Schultheissen Amt ??? ???
Stempel D4 7/6 = Ankunftsstempel Distribution (Zustellung) Nr. 4 vom 7.6. (also ein Brief der 4. Zustellung an diesem Tag).
Leider kann ich diese Sauklaue kaum entziffern.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#109]
Hallo Ralph,
vielen Dank, Du hast mir sehr geholfen. Ich habe noch ein paar solche Briefe die ich in der nächsten Zeit zeigen werde. Hoffe dann wieder auf Deine Hilfe.
Schöne Grüße und nochmals herzlichen Dank
Sepp
@ Briefuhu [#110]
Hallo Sepp,
gerne doch - nur hoffe ich mehr lesen zu können.
Liebe Grüsse,
Ralph
Wie versprochen noch ein Brief. Er ging am 30.01.1811 (hoffe das Datum stimmt so) von Freudenstadt an das hochlöbige Schultheissenamt in Ehlenbogen. 6 Rötel sind angebracht. Was in der Anschrift unter Ehlenbogen steht konnte ich nicht entziffern.
Vielleicht kann das Ralph lesen.

Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#112]
Hallo Sepp,
das ging aber ratzfatz!
Zum Zielort Ehlenbogen [1].
Darunter steht: O(ber) A(mt) Oberndorf.
Liebe Grüsse,
Ralph
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Ehlenbogen
@ bayern klassisch [#113]
Hallo Ralph,
danke, Du bist aber noch schneller.
Und da hätte ich noch einen, dann ist aber für heute Schluß.
Ein Brief vom 14.12.1830 von Magdeburg nach Osterburg. Die sonstige Anschrift kann ich nicht entziffern.

Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#114]
Hallo Sepp,
sagen wir es so: Wir sind beide keine Tränen. :-)
Adresse: An den Herrn Superintendenten Wolterstorff
hochehrwürden
zu Osterburg
Herrschaftliche Oberaufseher - Sache (das nennt man eine "Franchise").
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#115]
Hallo Ralph,
danke. Sollte ich wieder etwas haben, werde ich mich wieder vertrauenvoll über das Forum an Dich wenden. Durch Dich lerne ich auch schön langsam die Schriften zu entziffern.
Schöne Grüße
Sepp
@ Briefuhu [#116]
Hallo Sepp,
lieben Dank für deine aufmunternden Worte - gerne wieder.
Liebe Grüsse,
Ralph
Und zum Abschluß etwas ganz Anderes.
Ein Brief vom 16.07.1863 nach Tekutsch bzw Tecuci (dieser Stempel mit Zusatz Moldova ist lesbar) den anderen oberen Stempel interpretiere ich als Balcea Moldova.
Der Brief dürfte somit aus Rumänien bzw. Fürstentum Moldau kommen.

Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#118]
Hallo Sepp,
1. Brief ging nach Barntrup,
2. Brief ging nach Alverdissen an Amtmann Preuß.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#120]
Wow, das ging wieder schnell. Vielen Dank.
Schönen Gruß
Sepp
Guten Morgen,
wegen des Namens des Auditors habe ich diesen Brief vm 25. April 1839 für "kleines Geld" gekauft.

Aber was die 5 auf der linken Seite angebrachten Vermerke in unterschiedlichen Farben bedeuten, entzieht sich völlig meiner Kenntnis.
Kann mir jemand helfen und mir den Sinn erklären ?
Vielen Dank!
MfG >Franz<
@ skribent [#122]
Hallo Franz,
es handelt sich um einen Postvorschußbrief. Unten links ist vermerkt: "Ausl(age) Ein Reichsthaler 19 Gute Groschen 1 Pfennige" - darunter p.c. = ProCura 2 Gute Groschen.
Damit ergibt sich der Betrag von 1 Reichsthaler 21 Gute Groschen 1 Pfennige darüber. Die "288" könnte eine Actennummer sein. Die Abkürzung darüber, "m.d.J." damit kann ich nichts anfangen. ".d.J." könnte "des Jahres" sein. Eventuell ergeben Inhalt und Rückseite noch weitere Erkenntnisse.
Mit freundlichem Sammlergruss
Ulf
@ Magdeburger [#123]
Guten Morgen Ulf,
vielen Dank für Deine Bemühungen und die Erklärungen.
Jetzt weiß ich wenigstens, worum es sich handelt.
Einen schönen Sontag wünsche ich Dir,
mfG >Franz<
Noch ein kleiner Nachtrag bzw. eine Nachfrage:
Sind dies die Hinweise für das erhobene Porto? Etwas anderes habe ich nicht gefunden.
@ Dorianus [#126]
Die Taxe befindet sich vorne mit 19 Decimes auf deinem Brief. Hinten rechts sollte eine Kartierungsnummer sein (links die Kartierung, rechts die laufende Nummer aus eben dieser).
2L könnte 2 Loth heißen, aber das glaube ich nicht, weil das Gewicht vorne oben links notiert wurde und 2 Loth viel zu schwer wären; dann hätte der Brief ein weitaus höheres Porto gekostet.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#127]
Es könnte sich auch um das Gesamtporto des Briefbündels handeln, das an dem Tag beim Postamt lag. Die Notierung links könnte "2 L." (2 Livres) bedeuten.
Beste Grüße!
Lars
@ Lars Boettger [#128]
Lieber Lars,
mit Livres hat man glaube ich nicht mehr gerechnet; das waren dann Francs und Decimes bzw. Centimes.
Diese Briefbündelabrechnungen tauchen nur in der alten Sekundärliteratur auf, in der Primärliteratur so weit mir bekannt ist, aber nirgendwo. Wenn man sich die damaligen, internen Abläufe vergegenwärtigt, so sie in Manipulationsverordnungen, Instruktionen und Ausführungsregistern überhaupt dargelegt wurden, so machten sie auch wenig bis keinen Sinn, weil für dergleichen Ver- und Abrechnungen die den Briefpaketen beifolgenden Briefkarten genutzt wurden und nicht Rückseiten beliebiger Briefe.
Liebe Grüsse,
Ralph
Danke Männer,
ich freue mich sehr über die Informationen. Vorphila ist zwar nicht mein Gebiet, aber als geborener Hamburger konnte ich die Finger nicht von diesem Brief lassen. Mit 10 Euro war es auch keine Großinvestition. Meine Phantasie schlägt Purzelbäume, wenn ich daran denke, das dieser 212 Jahre alte Brief sechs Jahre vor der Schlacht von Waterloo geschrieben und befördert wurde.
@ Dorianus [#130]
Und wäre die Post damals so langsam gewesen, wie heute, dann wäre er vor der Schlacht auch sicher nicht zugestellt worden ...
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ Dorianus [#125]
@ bayern klassisch [#127]
Hallo “dorianus”, hallo Ralph,
die Taxen in / nach Frankreich sind nicht immer einfach. Manchmal geht die Rechnung auf, manchmal nicht.
Aus den Büchern von R. Schäfer kann ich Tariftabellen zeigen und die Zahlen erklären. Und als letztes kann man versuchen, den Tarif von 19 décimes nachvollziehen zu können.
Briefe von Frankreich ins Ausland resp aus dem Ausland nach Frankreich wurden ab 1759 bis Okt 1828 gemäss Tariftabellen von 1759 taxiert. Die Taxen sind in SOLS angegeben und wurden bis 1828 auch so angewendet. Ab März 1800 wurden die Tarife für in Frankreich eingehende Briefe von der 1759-er Tabelle mit den sols zur neuen Währung décimes umgerechnet. 2 Sols entsprachen 1 décime.
Die Gesamttaxe wurde oft aus Teiltarifen zusammengesetzt. Beim Brief von Hamburg galt der Tarif von 24 sols bis Paris gemäss nachstehender Tabelle (Auszug aus Buch Schäfer) plus dem Teiltarif von Paris bis Bordeaux.

Zum Auslandtarif kommt der Teiltarif für die Strecke Paris – Bordeaux. Das sind ca. 580 km “dem Postweg entlang”. Diese 580 km entsprechen 127 lieu’s (1 Lieu = 4.55km).
Diese Teilstrecke bereitet mir oft Probleme. Bei Briefen nach Südfrankreich, welche nicht via Paris gingen, wurde oft der Tarif von 1759 angewendet. Nachstehend die “alte” Tabelle von 1759.

Ein einfacher Brief ab Paris mit Distanz von 120 – 150 lieu’s kostete 12 sols. Zu diesem innerfranzösischen Distanztarif kommt der “Auslandtarif” ab Hamburg, Lübeck und anderen deutschen Städten, gem. Tabelle oben von 24 sols. Zusammen 36 sols = 18 décimes. Die Rechnung geht nicht ganz auf.
Zweite Rechnung mit dem aktuellsten Inlandtarif in décimes, ab 24. April 1806, wobei auch dort auf den Tarif von 1759 hingewiesen wird.

Hamburg – Paris = 24 sols, umgerechnet, zu 12 décimes
Paris – Bordeaux, = kürzester Postweg, bis 600 km = 8 décimes
Total 20 décimes.
Auch diese Taxe entspricht nicht ganz den geschriebenen 19 décimes. Mehr geben die Tabellen nicht her. Wie eingangs gesagt, ist es manchmal nicht ganz einfach.
Grüsse
SH-Sammler
Hanspeter
@ SH-Sammler [#132]
Hallo Hanspeter,
vielen Dank für deine Mühewaltung - ja, die Briefe zeigten oft eine Taxe, die bezahlt war, aber sie wurde oft nicht so ermittelt, wie es die Vorschriften ersichtlich werden lassen, teils hat man sich auch verrechnet, bei welcher Postverwaltung dann auch immer. Dann waren die eingehenden Poststücke hinsichtlich ihrer Erstinstradierung in Frankreich zu berechnen, weil es dann andere Entfernungen im Inland gab, teils wurde nach der Anzahl der Poststationen gerechnet.
Wenn hier mal 18 und mal 20 Decimes heraus kommen, lag die Post mit 19 doch perfekt im arithmetischen Mittel ... :-) (kleiner Scherz).
Liebe Grüsse,
Ralph
Phantastisch, was Ihr Euch für Mühe macht. Und ebenso beeindruckend, was dabei heraus kommt. Die Grundlage jeder forschenden Wissenschaft ist eben Literatur. Vielleicht ist ja noch eine Zustellgebühr hinzugekommen, die regional separat erhoben wurde.
Aber man kann nicht alle Rätsel lösen.
Liebe Grüße
Ulrich / Dorianus
@ Dorianus [#134]
Hallo Ulrich,
eine lokale Gebühr für die Zustellung ist nicht zu ersehen - das wäre die "rurale Decime" = Landpostboten-Decime gewesen, aber das hätte einen eigenen Stempelabschlag der Abgabepost erfordert und den gibt es hier nicht.
Zum Zeitpunkt der Taxierung war auch nicht zu erkennen, ob bei der Zustellung noch eine Gebühr hätte dazu kommen können oder nicht, weil diese Taxe an der Grenze bzw. in Paris notiert wurde und es dort keine "lokalen" Erkenntnisse geben konnte.
Liebe Grüsse,
Ralph
Hier ein Brief von Berlin vom 13.03.1832 nach Ludwigslust (lese ich zumindest so). Die vermerkte Jahreszahl 1832 befindet sich im Inneren des Briefes. Außerdem kann ich noch unten link den Vermerk frei entziffern und dann gibt es noch die "Röteln". Mit gefällt vor allem der klare Berlinstempel. Auf der Rückseite befindet sich noch ein vermutliches preussisches Siegel.


Schönen Gruß
Sepp
Heute ein Wertbrief (?), der sich beim Öffnen als "Antwortbrief" bzw. Brief-im-Brief entpuppt:


Und hier geöffnet:

Leider kann ich auf der Vorderseite praktisch nichts lesen, wer also beim Dechiffrieren helfen kann, bitte gerne!
Schönes Wochenende,
Reinhard
@ iholymoses [#138]
Hallo Reinhard,
ja, man war sparsam damals - aber es kommt ja vlt. alles mal wieder!
Adresse 1. Seite:
An Herrn Rendant Keppler
Wohlgeboren
Droyssig
Links oben 2 Gewichtsangaben: 2 3/10 Loth und darunter 2 2/10 Loth mit unleserlicher Unterschrift des korrigierenden Beamten
Darunter:
Inliegend
2 Reichsthaler 27 Silbergroschen 1 Pfennig
Darunter:
Aus herrschafftlichen Kassen zu erstatten
Entschädigungsrenten
Mittig: CP 544, wohl eine Registernummer.
Die Adresse des 2. Briefes wirst du sicher lesen können.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#139]
ein Rendant ist ein Rechnungsführer in einer größeren Kirchengemeinde. Dieser Begriff war mir bis heute unbekannt. Die Herleitung kommt aus dem französischen Infinitiv von "se rendre compte" - sich Rechenschaft ablegen o.ä.
Immer gut wenn man ein wenig mitliest und mit staunen darf.
Liebe Grüße
10Parale
@ 10Parale [#140]
Hallo 10Parale,
ich weiß - der wundervolle und viel zu früh von uns gegangene Hanns Dieter Hüsch hat mal von seiner Jugend am Niederrhein erzählt - und dabei kam ein Verwandter vor, der sich um eine Rendantenstelle bewarb, sie aber nicht bekam. So klein ist die Welt, nicht wahr?
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#139]
Vielen Dank für das "Erlesen" des Textes!
Ein Datum ist nirgendwo angegeben und die damaligen Stempel waren ja "jahrlos", aber ich nehme mal an, von den Stempeltypen her dürfte der Brief so aus dem Zeitraum 1830-1850 stammen, oder?
Viele Grüße,
Reinhard
@ iholymoses [#142]
Ich denke nicht, dass er aus den 1830ern stammt - ich schätze ihn auf Anfang der 1840er bis Ende der 1850er Jahre. Aber ich bin kein Preussen-Kenner, nur ein Laie.
Schönes Wochenende und liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#143]
Hallo zusammen,
Ralph hat das schon gut eingegrenzt.
Der Zweiringstempel (allgemein, nicht der von Naumburg) taucht erst ab 1839 auf und die Rechteckstempel mit Beginn der 1850er Jahre.
Gruß
Michael
Hier ein Brief vom vom 17.02.1829 (Jahr ist mit Bleistift auf dem Brief vermerkt) von Stade an das Königliche Amt in Rotenburg (ich tippe mal auf an der Wümme).
Was links oben und links unten steht kann ich nicht entziffern, nur die Zahlen 14 und 13. Dann noch der Vermerk in rot 15 und ???. Irgendwie tippe ich auf Nachnahme oder so. Auf der Rückseite noch ein schwacher Stempel mit einem Pferd.


Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#145]
Hallo Sepp,
links oben steht: al 14 1/4.
links unten steht: postvsch. 13 Ggr.
Ausgeschrieben heißt das, dass links oben steht: Auslage 14 1/4 Gutegroschen.
Links unten dann: Postvorschuß 13 Gutegroschen.
Mittig in Rötel lese ich 15 Groschen 6 Pfennige, also 15 1/2 Gutengroschen. Die Differenz bekam die Post.
Hinten sollte es ein kgl. hannöversches Dienstsiegel sein.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#146]
Hallo Ralph,
vielen Dank, wieder einmal hast Du mir geholfen.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#148]
Hallo Sepp,
so, du bist also ein Kind der 3-Flüsse-Stadt! Da war ich auch schon - sehr schön, nur auf die Hochwassermarken habe ich mit Schaudern geschaut.
"An den Magistrat der k. k. Haupt- u. Residenzstadt Wien
KDS = Königliche Dienst Sache.
Postaufgabe in Passau am 6.8.1828 und vorne Präsentationsvermerk Wien vom 13. August 828 (man hat in vergangenen Jahrhunderten oft die "1" vorne im Jahr weggelassen, weil das eh jeder wusste).
Österreich schrieb links oben "offi(cieller) jud(icial Gegenstand).
In Bayern war der Brief als KDS portofrei und Österreich hatte ihn zuerst mit 28 Kreuzer Conventionsmünze taxiert ab der Grenze, dann diese aber gestrichen und das liegende X als Zeichen der Portofreiheit angebracht (Brief über 1/2 bis 1 Wiener Loth, also im 2. Gewicht).
Aber die Zustellung in Wien war kostenpflichtig - sie kostete im Nachhinein 6+3 = 9 Kreuzer CM, die man später, wem auch immer, in Rechnung stellte (hinten: "9x" für 9 Kreuzer CM).
Die Zustellgebühren für einfache Briefe in Wien waren 1, 2 oder 6 Kreuzer CM - warum das so schwankte, weiß ich leider nicht. Normalerweise progressierten die Zustellgebühren nicht, sondern schienen fix gewesen zu sein - hier komme ich aber nur auf 9x CM, wenn ich vom Gewicht des Briefes als 2. Gewichtsstufe auf die Zustellgebühr von 6x CM schließe.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#149]
Hallo Ralph,
ja ich bin ein echter Passauer auch wenn ich jetzt nicht mehr dort wohne, besuche ich Passau doch regelmäßig, genauso wie Wien. Aber lesen konnte ich Wien nicht.
Vielen Dank für Deine schnelle und ausführliche Hilfe, die zusammen mit dem Beleg in meine Sammlung kommt.
Schönen Gruß
Sepp
Hallo, hier einmal ein Vorphila-Brief aus "LUXEMBOURG" mit den Grenzübergangsstempel "TRIER" von 1844:

Viele Grüße
Enrico
@ Ameise [#151]
Hallo Enrico,
ein seltener Brief - aber der Stempel von Trier ist ein Transitstempel, kein Grenzübergangsstempel. Luxemburg gab seine Briefe in den DÖPV gebündelt an Preussen und die 1. preussische Post war die von Trier. Als Beleg dafür, dass er über Trier gelaufen war, schlug man dort seinen Ortsstempel ab und leitete den Brief nach Sachsen weiter.
Das Endporto betrug 108 Neupfennige (rechts daneben steht "a. Lpzg" für "aus Leipzig" - in der damaligen Zeit konnten Briefe unterschiedliche Porti aufweisen, wenn sie auf unterschiedlichen Wegen nach Sachsen instradierten.
Liebe Grüsse,
Ralph
Hallo Ralph,
vielen Dank wieder für Deine Erklärungen. Das werde ich mir merken, das mit dem Transitstempel.
Da mich Luxemburg nicht interessiert und ich den Brief vertauschen möchte, dachte ich, ich stelle den Brief hier mal ein. So bleibt er wenigstens für das Forum erhalten.
Viele Grüße
Enrico
Hallo,
heute einmal ein Brief von "GOTHA" mit einen Grenzübergangsstempel "PORTO V.NAUMBURG A-S" (Feuser/Münzberg: 457) aus dem Jahre 1847:

Nur eine Frage: Ist der Brief am Ende nach Berlin gegangen, obwohl ja Großröhrsdorf b. Pulsnitz (also Sachsen) als Adresse angegeben war?
Viele Grüße und schon einmal wieder danke für die Antworten.
Enrico
@ Ameise [#154]
Hallo Enrico,
ich glaube der wurde fehlspeditirt, weil in roter (preussischer Tinte damals) steht: Mit P(ost) Kurs Berlin 23.3. Namenskürzel.
Daher auch dann: "50 bis Leipzig", so dass zurück zu rechnen war.
Ganz sicher ist der Brief in Sachsen gelandet, wohin er ja auch gehörte.
Schönes Stück - Magdeburger wird sicher noch einiges zu ihm sagen können.
Liebe Grüsse,
Ralph
Hab hier einen Brief vom 05.04.1834, den ich folgendermaßen interpretiere:
Ortsbrief von Londons, von St. James nach Cannon Street. Blauer Stempel T.P. St. James s St., auf der Rückseite ein roter Stempel Night vom 5. Ap 1834.
Der Inhalt des Briefes enthält Fragen, über den Gesundheitszustand, eventuell für ein Ehefähigkeitszeugnis o.ä.


Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#156]
Hallo Sepp,
der Brief ist die "Auskunft eines Bekannten" (also kein Arztbericht) für einen Lebensversicherungsantrag. Wenn ich Zeit habe, suche ich mal ein komplettes Exemplar raus.
TP ist twopenny post.
@ Gauss [#157]
Vielen Dank für Deine Erklärung.
Schönen Gruß
Sepp
@ Gauss [#159]
Danke, sehr interessant was Du da zeigst.
Schönen Gruß
Sepp
Habe hier einen Brief von 12.Juni 1818 von Passau nach Klagenfurt. Absender war ein Kapeller, es könnte sich um den Maler Johann Domnikus Kapeller handeln. Empfänger kann ich nur eine "Inspektion" in Klagenfurt lesen. Auf der Vorder- und Rückseite sind "Röteln" zu erkenne , die ich aber nicht deuten kann.


Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#161]
Hallo Sepp,
der Absender in Hafnerzell gab seinen Brief auf der Post in Passau ab und bezahlte dort 3 Kreuzer rheinisch (hinten schwarze Tinte) bis zur österreichischen Grenze. Das n nannte man einen Teilfrankobrief, weil der Absender in Bayer nur bis zur österr. Grenze frankieren konnte.
Österreich setzte 14 Kreuzer Conventionsmünze ab der Grenze bis zum Empfänger an, die vorne in Rötel notiert wurde und der Empfänger hatte diese zu zahlen (Wert damals: 3 Mittagessen!).
Hinten lese ich 6 und 18, die sich mir nicht erschließen.
Adresse: An die Franz Graf von Eggerscher Güter- und Gewerks-Inspection.
Hinten: Hafnerzell 11/18 Juni beantwortet 20 Juni.
Herrn Kapeller avvisirt
Tiegelsendung.
Liebe Grüsse,Ralph
@ bayern klassisch [#162]
Lieber Bayern Klassisch,
vielleicht steht die 6 18 für Juni 18.
Mit freundlichem Sammlergruss
Ulf
@ bayern klassisch [#162]
Hallo Ralph,
Du hast mir wieder mal weiter geholfen, vielen Dank dafür. Das Obernzell früher einmal Hafnerzell geheißen hat war mir als geborener Passauer gänzlich unbekannt.
Schönen Gruß
Sepp
@ Magdeburger [#163]
Lieber Magdeburger,
das kann gut sein - es würde passen vom Datum her und kommt hin und wieder auf österreichischen Briefen vor, wohl wenn der Empfänger die Briefe auf der Post abholen sollte.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ Briefuhu [#164]
Hallo Sepp,
was glaubst du, wie lange ich bei einem Lokalbrief von Passau vor dem Internet nach einem Ort namens St. Nicola gesucht habe? :-)
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#166]
Hallo Ralph,
das hätte ich vielleicht eher gefunden, da ich die Nikolastraße in Passau kenne und erst gestern dort war. Nochmals herzlichen Dank, wird nicht das letzte mal sein, dass ich deine Hilfe benötige.
Schönen Gruß
Sepp
Hallo,
nachdem ich gestern den Einzeiler von Dürrheim, heute Bad Dürrheim, in die Stempeldatenbank eingestellt habe, zeige ich heuten den Brief dazu damit alles seine Richtigkeit hat.
Dürrheim-Einzeiler vom 18.11.1840, Datum nach Briefinhalt.

Nachdem der Brief aufgesetzt wurde ging dieser nach Schwenningen.

Nach der Bearbeitung in Schwenningen am 24.11.1840 zurück nach Dürrheim.

Hier noch der Brief als Ganzes, der die Doppelverwendung zeigt.

Gruß
Manne
@ Manne [#168]
Hallo Manne,
du schreibst: "Nachdem ich gestern den Einzeiler von Dürrheim, heute Bad Dürrheim, in die Stempeldatenbank eingestellt habe, zeige ich heute den Brief dazu damit alles seine Richtigkeit hat."
Ich mache es immer umgekehrt. Zuerst zeige ich den Brief auf Philaseiten und anschließend stelle ich den Stempel bei Philastempel ein. Dadurch kann ich in der Datenbank einen Link zum Beleg angeben. So kann jeder das Datum des Briefes sehen und liest nicht nur bei Philastempel "Das Datum geht aus dem Briefinhalt hervor."
Was hältst Du von dieser Reihenfolge?
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#169]
Das war mir so nicht bekannt.
Zukünftig kann ich so vorgehen, bei Bad Dürrheim geht das nicht mehr, weil ich schon zwei weitere Stempel eingestellt habe.
Gruß
Manne
@ Manne [#170]
Hallo Manne,
in der Stempeldatenbank ist es kein Problem, nachträglich einen Link auf den Brief einzugeben. Am besten klickst du bei Philaseiten auf das Druckersymbol oben beim Beitrag vom Brief. Den Link, den du dann bekommst kannst du bei Philastempel eingeben, indem du auf "Ändern" klickst.
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#171]
Danke für den Hinweis, werde es versuchen.
Habe den Link gesetzt.
Gruß
Manne
Hallo,
ein weiterer Amtsbrief als Doppelverwendung Bad Dürrheim-Schwenningen und zurück vom 13.06.1844. Im Schriftteil wurde der Gemeindestempel mit DÜRHEIM abgeschlagen.


Gruß
Manne
Hallo an alle,
diesem Thema möchte ich etwas hinzufügen und ich habe auch ein Paar Fragen.
Ein urkundliches Schreiben von 1850 und drei weiter zusammenhängende Urkunden mit 36 Seiten u.a. mit bekannten Persönlichkeiten.
Herr Ebner von Fiskalphilatelie schrieb:
Wie Sie aber richtig erkannt haben ist der Inhalt und der Notar nicht uninteressant. Richtig beschrieben kann so was in Ebay oder Delcampe deutlich mehr bringen, da es immer wieder Historiker und Heimatforscher gibt, die an so etwas direkt Interesse haben. Verblüfft bin ich etwas über das letzte Photo mit dem Rolandschlüssel. Das kannte ich so von der Hanse - vor allem Bremen nicht ?!?
Notarbrief:

Es geht um ein Grundstück und einige Regelungen - besonders macht diese Schreiben den Unterzeichner der Urkunde und die historisch bekannte Geschichte. z.B.
Diedrich Wilhelm Andreas Augspurg (* 2. Dezember 1818 in Bremervörde; † 29. Juni 1898 in Bremen) war ein deutscher Politiker der Nationalliberalen Partei und Mitglied des Reichstages. 1845 wurde Augspurg Teilhaber und 1849 bis 1864 Vorsteher des englisch-deutschen Geschäftshauses in Guadalajara in Mexiko. Am selben Ort war er nebenamtlich französischer Vizekonsul von 1855 bis 1864. Im Jahr 1864 kehrte er nach Bremen zurück. 1870 war Augspurg Mitglied der Kaiserdeputation in Versailles.
5 Kinder
Anita Augspurg wird am 22. September 1857 im niedersächsischen Verden an der Aller geboren. Sie ist das fünfte und mit Abstand jüngste Kind der liberalen Familie. Siehe Google Anita Augspurg Frauenrechte
Vater Wilhelm Augspurg ist Obergerichtsanwalt und war wegen seiner Beteiligung an der 1848er Revolution in Haft gewesen.
In den weiteren Urkunden finden wir "Caroline Turnau geb. von Uslar" ein sehr altes Adelsgeschlecht.

Weiter es geht um eine Mühle Meierbrief und Windgeld in Gold und eine Ehevertrag mit der Tochter von Harm Haake dem Grönlandfahrer.
Einiges konnte ich lesen und den Zusammenhang verstehen aber halt nicht alles.
Für eine Auktions-Beschreibung könnte ich etwas Unterstützung gebrauchen und welche Auktion ist empfehlenswert und welchen Mindestpreis würde Ihr denn für angemessen halten. Eine Drehbuchvorlage ist auch denkbar.
Fiskalphilatelie und Postgeschichte

Vielen Dank für eure Anregungen - ich habe nur diese Brief-Urkunden zu diesem Thema.
Mit besten Grüßen
Helmut
@ Zeitlos [#174]
Ich ergänze meinen Beitrag zur "Vorphilatelie" mit weiteren Informationen, die genau die bremische und hannoversche Postkurse Dez 1850 1851 betrifft. Wer hat die Postbeförderung durchgeführt ?
Ich habe mir die Seiten für Schreibweisen der Zeit Ausgedruckt und für einige kurze Sachen ist das wunderbar - für lange Texte braucht man eben Zeit und manchmal kann ich das nicht zuordnend lesen.
Der Zielort ist auf alten Karten zu finden. Mühle zu Marßel


Mit einem Teil der spannenden Einzelheiten aus dem Gesamtbild der Urkunden ergänze ich gern


seit 1845 auch noch die 1830 in Frankreich gebaute, 170 Lasten große Bark „Grönland“

Was denkt Ihr ist das für ein Wort vor ......brief?

Vielen Dank für eure Hinweise
Beste Grüße
Helmut aus
@ Zeitlos [#175]
Was denkt Ihr ist das für ein Wort vor ......brief?
Hallo Helmut,
ich würde das Wort "Erbenzinsbrief" [1] lesen.
Herzliche Sammlergrüße
Wachauer
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Erbzins
@ Zeitlos [#177]
Ich ergänze den Beleg mit der "Entstehungsgeschichte der Postadresse"
Die POSTADRESSE Windmühle Marßel - auf dem Burgdammer Berg
Die erste Windmühle in Marßel ließ der bremische Bürgermeister Diedrich Hoyer (1583 - 1625), der am 2. April 1618 das Gut Marßel erworben hatte, bauen. 1652 heißt es darüber, dass dieselbe „auf der Höhe des Geestlandes erbaut“ worden sei. Noch 1857 mußte der Müller an Gut Marßel jährlich 70 Thlr (Thaler) „Windgeld“ zahlen“.
Aus der beglaubigten Abschrift des alten, vom Erzbischof Friedrich von Bremen erteilten Mahlbriefes vom 27. März 1620 geht hervor, daß dem Bürgermeister D. Hoyer und seinen Erben feierlichst der Wind zum Mahlen „in Gnaden erstattet und verliehen“ und zugesichert, daß „Niemand anders auf eine halbe Meile Weges rund herum dergleichen aufstellen und haben mögte.“ Die um 1620 errichtete Windmühle war eine Bockmühle, die gewiß nach niederländischem Vorbild gebaut wurde.
Urkundlich erwähnt ist schließlich Johann Wilhelm Meyerholz (1762 - 1823) aus Embsen bei Achim, verheiratet mit Beke Voller (1779 - 1851), dessen „Meierbrief“, ausgestellt am 1. Januar 1794 vom Baron von Lilienburg, „Erb- und Gerichtsherr des Adlich freies Guts zu Marßel“, noch in Kopie vorhanden ist. Unter ihm vollzog sich im Betrieb der Windmühle ein rascher Aufschwung, der ihr Wesen grundsätzlich veränderte. 1796, so berichtet Heinrich Hopps „wurde dem Müller J. W. Meyerholz zu Marßel, die Anlegung eines Grütze-, Graupen- und Schell-Gersten-Ganges in seiner – an das dasige Gut gehörenden Mühle“ gestattet.
1804 wurde die fast 200 Jahre alte Bockmühle durch eine für die damalige Zeit moderne Holländermühle ersetzt.
Lüder Meyerholz hinterließ keine letztwillige Verfügung. Das Erbe fiel ungeteilt an den ledigen ältesten Sohn und letzten Windmüller Christian Meyerholz (1864 - 1917). Hier beginnt die Geschichte von Christian Meyerholz
Nach seinem Tod verkaufte die Erbengemeinschaft den gesamten Grundbesitz an den Müller Johann Röben in Aumund Lobbendorf. Die Motormühlen waren erfunden und war man nicht mehr vom Wind abhängig und vor allem entfiel die Nachtarbeit. 1926 wurden die Flügel der Mühle entfernt, und am 13.02.1964 genügten 5 kg Dynamit, um das einstige Burgdammer Wahrzeichen innerhalb von Sekunden in einen Trümmerhaufen zu verwandeln. (Heimatverein Lesum)
"Lord Varys" sagte mal: Der Inhalt eines Briefes kann mehr Wert sein als der Inhalt eines Geldbeutels"
Beste Grüße
Helmut
Zum besseren Verständnis der damaligen Verhältnisse empfehle ich noch folgende Literatur:

GLÄBE, FRIEDRICH [Bearbeiter]: Bremen Einst und Jetzt, 148 S., EILERS & SCHÜNEMANN VERLAGSGESELLSCHAFT MBH, BREMEN, 1962
und

GLÄBE, FRIEDRICH: Die Unterweser, 164 S, EILERS & SCHÜNEMANN VERLAGSGESELLSCHAFT MBH, BREMEN, 1963
Beste Grüße
Stephan
Hallo zusammen,
ein Aufgabe-Schein der Königl. Hannoverschen Post-Administration aus Neuhaus a. d. Oste. Der blaue Stempel ist zwar ohne Datum, aber der 18. März 1854 ist handschriftlich angegeben.

Mit dem Aufgabe-Schein wird bestätigt, dass ein P. (vermutlich Paket oder Päckchen) an Meyer & Co. in Norden aufgegeben wurde. Bei der Wertangabe kann ich zwei Ziffern und zwei Kürzel erkennen. Laut Michel gab es in Hannover bis 1858 folgende Währung: 1 Thaler = 24 Gutegroschen = 288 (gute Pfennige). Ich vermute, dass es sich bei der Angabe auf dem Aufgabe-Schein um 37 Gutegroschen und 20 (gute) Pfennige handelt. Kann das einer von euch bestätigen?
Viele Grüße
Volkmar
Eingeschriebener Brief vom Hauptpostamt Stuttgart vom 31.07.1824 An "Hochpreisliche General Direktion der königlich Würt. Posten in Frankfurt", so zumindest lese ich es.
Schwarzer Stuttgarter Zweizeiler und roter "Kaminstempel" Charge von Stuttgart. Die Stempel leider schlecht abgeschlagen. Auf der Rückseite ein Siegel des Hauptpostamtes Stuttgart, es dürfte sich um eine Postsache handeln da keinerlei Vermerk über Porto. Das die General Direktion der königlichen Württembergische Post (Posten) in Frankfurt war, hat etwas mit dem Postvertrag mit Thurn und Taxis zu tun.


Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#183]
Hallo Sepp,
da hast du einen nicht häufigen Brief geschossen. Der Chargé-Stempel zeigte postintern an, dass das Schreiben wichtig war. Ein Postschein wurde wohl aber nicht gezogen, denn es ist keine Reco-Nummer vergeben worden.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#184]
Hallo Ralph,
freut mich, daß der Brief nicht so häufig ist.
Schönen Gruß
Sepp
Was die Corona-Pandemie in den letzten Jahren für uns war, war zwischen 1830 und 1832 die erste Cholera-Welle, die Europa erreichte. Im Rahmen der Bekämpfungsmaßnahmen wurde in Preußen im Juni 1831 eine Verordnung für die Behandlung von Briefen und anderen Papieren erlassen. Die Briefe wurden in eigens eingerichteten Kontroll- und Desinfektionsstationen mittels einer Rastel perforiert und geräuchert oder auch mit Essig bespritzt. Detaillierte Hintergrundinformationen dazu kann man hier nachlesen [1].
Vor kurzem bin ich in den Besitz eines solchen „Cholera-Briefes“ gelangt, der dazu noch ideal in meine postgeschichtliche Heimatsammlung von Essen passt. Einige Vermerke auf der Briefhülle sind mir noch nicht ganz klar. Hier hoffe ich auf die Fachkompetenz der Forenmitglieder.

Zunächst eine Gesamtansicht des Briefes aus Berlin vom 21. Oktober 1831. Absender war ein Herr Goedeking von der Königlichen General Münz Direktion. Der Brief ist adressiert an den Gußstahlfabrikanten Friedrich Krupp zu Essen a.d. Ruhr.

Es handelt sich um einen Portobrief, der mit 1 ½ Silbergroschen taxiert ist.

Der Aufgabestempel vom 22.10, ein Fingerhutstempel mit 18 mm Durchmesser, stammt vom Hofpostamt Berlin und ist sowohl im Feuser, als auch im KBHW aufgeführt.

Den Vermerk unten links kann ich nicht entziffern.

Ebenso kann ich die Zeile unter dem Absender nicht komplett entziffern. Ich lese B. d. S. November 1831, kann mir aber keinen Reim auf die Abkürzungen machen.

Nun zu den außergewöhnlichen Aspekten des Briefes. Auf der Siegelseite kann man deutlich Perforationen erkennen, die auf der Vorderseite etwas weniger gut zu erkennen sind. Das deutet darauf hin, dass eine Rastelzange im Einsatz war, um eine Desinfektion durchführen zu können.

Die Desinfektion wurde durch den Stempel SAN.St. dokumentiert, der im Feuser aufgeführt ist.

Die letzte Unklarheit für mich stellt die Paraphe rechts auf der Siegelseite im Bereich der Perforationen dar.
Wer kann Hinweise zu den offenen Fragen geben ?
Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
[1]
https://blog-archiv.klassik-stiftung.de/geraeucherte-post/
Brief vom 04.04.1839 von Frankfurt nach München an die von Waldbott Bassenheimsche Hochlöbliche Vormundschaft. Der erste Teil der Anschrift ist unter dem Stempel nicht lesbar.
Die 18 dürfte das Porto sein.

Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#187]
An Eine Hochgräfliche ...
@ Gauss [#188]
Wieder hast Du mir geholfen, vielen Dank.
Schönen Gruß
Sepp
@ Jürgen Witkowski [#186]
Lieber Jürngen,
erstmal Glückwunsch zu dem Brief in deine Heimatstadt Essen, dazu an einen der prominentesten Essener seiner Zeit, den man ja sogar heute noch kennt.
Der Brief wog, oben links notiert, 1 1/2 Loth ("cölnische" Loth zu 14,2 g); er kostete KEIN Porto. Warum nicht? Weil der Absender offenbar portobefreit war (s. Franchise unten links "G M D S" = General - Münz - Dienst - Sache.
Dazu notierte man auch siegelseitig sicherheitshalber: "Berlin den 21. October 1831 Königl(iche) General Münz Direction, Unterschrift Goedeking, B(erlin) d(en) 5. November 1831".
Hinten lese ich ein großes "S", wohl eine Abkürzung bzw. Erklärung der Zuführung zur sanitären Überwachung.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#190]
Lieber Ralph,
Du hast es wunderbar erklärt und dabei gleich meine Irrtümer korrigiert. Eine Frage bleibt für mich offen. Warum wird oben der 21. Oktober notiert, mit Datum vom 22.10. abgestempelt und dann unten der 5. November 1831 notiert? Das verstehe ich nicht.
Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
@ Jürgen Witkowski [#191]
Lieber jürgen,
das mit dem November kann eine Aktennotiz sein, die mit dem Postlauf des Briefes gar nichts zu tun hatte - einfach ein Vermerk, der wie auch immer später notiert wurde.
Liebe Grüsse,
Ralph
Brief vom 05.02.1804 von Prag nach Linz, Steyregg, Oberösterreich. Bei Steyregg bin ich mir nicht sicher, kann auch etwas anderes heißen, bitte deshalb um Überprüfung und Bestätigung bzw. Berichtigung. Der Brief wurde mit 8 Rötel vesehen und auf der Rückseite ein Siegel angebracht.



Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#193]
Hallo Sepp,
bei deinem schönen Brief von Joseph Polt aus Prag vom 5.2.1804 muss ich die Beschreibung etwas optimieren:
Portobrief aus Prag (links oben) "p(er) Linz" nach Steyer (auch Steyr geschrieben) in Oberösterreich an Firma Johann Jacob Voith. Der Empfänger zahlte für ihn 8 Kreuzer Conventionsmünze - das waren 2 Mittagessen damals.
Er erhielt ihn am 8.2. und beantwortete ihn am 9.2..
Die Correspondenz an Voith bestand aus ca. 100.000 Briefen des 18., 19. und 20. Jahrhunderts und ist neben der von Menz in Bozen wohl die Umfrangreichste der ganzen k. u. k. Monarchie, die heute bekannt ist. Es dürfte aber sicher noch weit Umfangreichere gegeben haben.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#194]
Hallo Ralph,
wieder hast Du mir geholfen, vielen Dank für die Optimierung. Meine Frau und ich haben richtig Spaß mit dem Lesen von alten Schriften, aber wir kommen auch schnell mal an unsere Grenzen.
Schönen Gruß und ein schönes Pfingstfest
Sepp
@ Briefuhu [#195]
Hallo Sepp,
freut mich, wenn ich helfen konnte. Man muss halt, wie immer im Leben, üben, üben und üben, aber das wird dann immer besser mit dem Lesen und es ist auch noch kein Meister vom Himmel gefallen, nicht mal zu Pfingsten.
Euch auch ein frohes Pfingstfest und liebe Grüsse,
Ralph
Ich liebe sie einfach um des Datums Willen. Siegelbrief von Frankfurt nach Balingen vom
6. Mai 1843. Ob das Porto nun ein Mittagessen, 2 Mittagessen und 2 Halbe war, kann ich nicht sagen, sehe aber Taxierungen in rot und schwarz (16 und 8).
Der Frankfurter Stempel, der exakt 3 Jahre nach der Erstausgabe der One Penny Black kursierte, hat auch noch ne 6 im Doppelkreis (Postamt?).
Der kommt in meine Sammlung (rund um den 6. Mai). Kann jemand die Anschrift lesen? "....Hochwohlgeboren.....Kön.Württ. Herrn ...........??"
Liebe Grüße
10Parale
@ 10Parale [#197]
Hallo 10Parale,
der Stempel Frankfurt (am Main) 6. Mai 1843 5-6 zeigte an, dass er zwischen 5 und 6 Uhr eingeliefert und abgefertigt worden war. Die "Farbe" Schwarz weißt darauf hin, dass der Absender nichts frankieren wollte und der Brief also unfrei angenommen und versendet worden war. Hätte der Absender den Brief bezahlt, wäre der Stempel in roter Farbe abzuschlagen gewesen.
Frankfurt notierte für die Taxispost in der freien Reichsstadt bis zur württembergischen Landesgrenze 8 Kreuzer in typisch wässirg-blauer Tinte.
Württemberg war damals zwar ein eigenes Land (Königreich von Napoleons Gnaden), aber postalisch auch von Taxis versorgt worden. Daher kostete der Brief für die württembergische Strecke weitere 6 Kreuzer, die in Rötel vermerkt wurden. Der Strich in Rötel darüber war ein Grenz-Strich, damit man sah, wer bis wohin wie viel Geld gefordert hatte. Der Empfänger in Balingen durfte also total 14 Kreuzer berappen.
Das waren 3 mal Mittagstisch, für die Praktiker unter uns, denn ohne die Kosten für Beförderung alter Briefe zu kennen, weiß man ja eher wenig.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
Militärbrief vom 25.06.1818 von Seesen nach Blankenburg, Absender war ein Mayor von ???, Empfänger Hauptmann von Wattersdorf.


Inhalt ist die Erlaubnis zur Heirat eines Soldaten Namens Bischoff, den Dienstrang kann ich leider nicht lesen.

Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#199]
Hallo Sepp,
rechts oben: Herzoglicher Dienst, damit portofrei.
Adresse: Seiner Hochwohlgeboren dem Herrn Hauptmann von Wattersdorff, Blankenburg.
Unten links die Benennung des Absenders (für den Fall, dass er die Post betrog, hing er mit seiner Unterschrift dann juristisch voll im Seil): von Major von Koch.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#200]
Guten Morgen Ralph,
vielen Dank für die Hilfe und Ergänzung.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#202]
Hallo Sepp,
ein interessanter Brief, den ich auch genommen hätte!
Man zahlte 6 Kreuzer für Baden in Bruchsal (R.1. Bruchsal = Rayon 1 Bruchsal; dieser Stempel stammt noch aus der Zeit des Rheinbundes, also unter Napoleon, als dieser Deutschland in Rayons zu Frankreich einteilen ließ, wobei es bis zu 5 Rayons gab - die kleinste Zahl entsprach dem nähesten Rayon, die höchste Zahl dem entferntesten Rayon = Gebiet).
Und man zahlte 4 Kreuzer für Württemberg unter Thurn und Taxischer Lehenspost, wobei der Bote vor Ort auch noch einen Kreuzer bekam (jetzt aber vom Empfänger).
Korrekterweise hätte der Absender seinen Brief in Landau in der Pfalz aufgeben sollen, aber er schmuggelte ihn über den Rhein nach Baden, was eine klare Contravention war und von Landau bis Bruchsal waren und sind es immerhin 50 km per pedes, oder mit der Kutsche, also ca. 10 Stunden - gar nicht so wenig.
Danke fürs Zeigen dieses Postbetruges und liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#203]
Hallo Ralph,
vielen Dank für Deine Erläuterungen.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#206]
Hallo Sepp,
der rote Stempel lautet "Bo. VIZCAYA". Das "Bo." steht m.E. für die Stadt Bilbao, Vizcaya -> die Provinz Bizkaya.
Beste Grüsse!
Lars
@ Lars Boettger [#207]
Hallo Lars,
vielen Dank für Deine Hilfe, jetzt kann ich es auch lesen und es gibt ja auch Sinn.
Schönen Gruß
Sepp
Brief vom 02.08.1829 von Ludwigsburg nach Dahenfeld bei Neckarsulm, Porto 3 Kreuzer rot vermerkt.

Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#209]
Und bitte nicht vergessen, Sepp, noch 2 Kreuzer Bestellgeld in den Landbezirk, daher die schwarzen 5 Kreuzer daneben.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#210]
Guten Morgen Ralph,
viele Dank für die Ergänzung, die schwarze 5 habe ich leider übersehen.
Schönen Gruß
Sepp
Brief vom 05.01.1864 von Schleiz nach Würzburg (laut Stempeln) dort am 06.01.1864 angekommen. Bei der Anschrift habe ich so meine Probleme, ich lese Markt Einersheim und Possenheim, bin mir aber da nicht sicher. Ober der Kringel unten links eine Sechs sein soll und das Porto bedeutet kann ich auch nicht sagen.


Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#212]
Die liegen etwa 30 km von Würzburg entfernt, also wohl eher ein Durchgangs- als ein Ankunftsstempel ?
@ Briefuhu [#212]
Hallo Sepp,
da kein Frankovermerk zu sehen ist und kein Porto für den Empfänger notiert wurde, war der Brief gemäß der Portofreiheitsparaphe unten links vorne portobefreit. Der Absender war wohl ein hoher Adliger aus Schleitz, vermutlich einer der Fürsten von Reuss jüngerer Linie. Ich tippe dem Schriftduktus und Orthographie nach auf Heinrich den LXVII (den 67.), der von 1789 bis 1867 lebte.
Das konveniert auch gut zur Portofreiheit, denn als regierender Fürst war er im DÖPV portofrei gestellt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_LXVII._(Reu%C3%9F_j%C3%BCngere_Linie)
Die Anschrift lautet:
Seiner Wohlgebohren
dem Graf von Rechteren [1]
in
Markt-Einersheim
bey Possenheim.
Interessant: Ein Brief seiner Erlaucht, des Herrn Grafen von Rechteren, an den Fürsten wäre portopflichtig gewesen. Vlt. findest du mal einen solchen und hättest eine prima Seite.
Liebe Grüsse,
Ralph
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Rechteren-Limpurg
@ bayern klassisch [#214]
Hallo Ralph,
wieder einmal hast Du mir weiter geholfen, recht vielen herzlichen Dank. Das mit der Anschrift hatte ich tatsächlich richtig gelesen (zumindest die Ortschaften). Das mit der Portofreiheitsparaphe ist für mich neu, war halt nur ein Kringel für mich.
Wünsche dir ein schönes Wochenende. bei uns scheint die Sonne wie im Sommer.
Sepp
Brief vom 27.07.1848 (geschrieben) von Barcelona nach London. Spanische Stempel vom 29. und 30. Juli, französischer Durchgangsstempel vom 02.08.1848 und Ankunftstempel London vom 03.08.1848.


Was die zwei "Kringel" über der Anschrift bedeuten kann ich nicht sagen.


Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#216]
Hallo Sepp,
die 2 Kringel oben waren das Porto, dass man in England bezahlen musste für den Brief: 10 Pence (das waren 30 Kreuzer).
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#217]
Guten Morgen Ralph,
vielen Dank für die Hilfe.
Schönen Gruß
Sepp
Dieser Brief ging im Oktober 1805 von einer Ortschaft in Frankreich mit der Endung LA CHAPELLE an einen Adligen namens Baron de Kolff an das Haus Hameren (Wasserburg bei Billerbeck), dessen Besitzer mit vollem Namen Max Xaver von Kolff hieß, Leitvermerk per Dülmen.
Interessant die Taxierungen und ein mir unbekannter Stempel R.N 22 (?).
Liebe Grüße
10Parale

@ 10Parale [#219]
Guten Abend! Der Brief kommt aus Aachen (Aix-la-Chapelle). Der Stempel R No. 2 gibt an, dass er aus dem 2. Rayon kommt (für die Portoberechnung).
@ Manne [#221]
Hallo Manne,
ein interessanter Brief - heute wäre es ein Ortsbrief, früher war es ein badischer Brief nach Württemberg, der aber portofrei belassen wurde.
Der Vermerk "pressant" unten links hätte bei einem Privatbrief kein Expresszustellung nach sich gezogen (es sei denn, man könnte das individuell beweisen); bei Dienstbriefen aber konnte er eine Expresszustellung im Ort nach sich ziehen, aber mir sind die exakten Ausführungsbestimmungen bei der Dienstpost Baden-Württemberg leider nicht bekannt.
Wäre es so, wie ich es für möglich halte, wäre es schon eine Besonderheit.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#222]
Hallo Ralph,
vielen Dank für Deine Ausführungen und Ergänzungen.
Gruß
Manne
@ Briefuhu [#224]
Hallo Sepp,
das ist m.E. ein sogenannter "Wendebrief". Da Papier teuer war und wir in Schwaben sind, hat ein sparsamer Beamter den Brief aus Backnang nach Winnenden (taxiert mit 2 Kreuzer) genommen, den Inhalt entfernt und für seinen Brief aus Winnenden nach Reichenberg verwendet (taxiert mit 4 Kreuzer).
Beste Grüsse!
Lars
@ Lars Boettger [#225]
Hallo Lars,
danke für die Erklärung, darauf wäre ich nicht gekommen, deshalb die zwei verschiedenen Taxgebühren.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#224]
Der Brief ist ganz simpel erklärt, wenn man den Inhalt liest!
Das Amtsnotariat in Winnenden schickte am 25. Januar 1846 einen Auszug eines amtlichen Schriftstücks als Anlage mit diesem Brief an das Schultheißenamt in Reichenberg. Dies kostete 4 Kreuzer.
Dort wurde der Auszug entnommen und der Brief mit der Bestätigung des Empfangs an das Amtsnotariat in Winnenden am 30. Januar 1846 zurückgeschickt. Der Brief war nun leichter und kostete nur 2 Kreuzer.
Gruß
wuerttemberger
@ wuerttemberger [#227]
Guten Morgen Axel,
vielen Dank für die ausführliche Erklärung, die so zu meinem Beleg kommt. Wer (alte Schriften) lesen kann ist im Vorteil. ;-))
Schöne Grüße
Sepp
@ Manne [#229]
Hallo Manne,
dein Brief (Portobrief) kostete den Empfänger 10 Pence, wie mittig notiert. Er kam am 11. an, wie der Stempel von London in rot und der Empfänger-Eingangsvermerk belegen.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ Manne [#231]
Hallo Manne,
das war ein Portobrief für 2 Decimes innerhalb Frankreichs.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ Manne [#233]
Hallo Manne,
nicht so einfach. "vHbrnn" = Von Heilbronn ist klar, das hast du gut erkannt.
Hinten sehe ich 2- und diese Schreibweise deutet sehr auf 2 1/2 Batzen = 10 Kreuzer hin.
Vorne lese ich 1 / 10, aber ob Luzern damals in Kreuzern gerechnet hat, weiß ich aus der Lameng nicht, wäre aber möglich.
Die Leitung über Schaffhausen ist unstrittig.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#234]
Hallo Ralph,
vielen Dank für Deine Erklärung.
Ja, Heilbronn steht ja oben im Schreiben.
Die Briefe die ich heute zeige habe ich gestern beim Grosstauschtag in Spaichingen von einem ehemaligen Vereinskollegen erworben. Einfach um sie hier zu zeigen, ist nicht mein Sammelgebiet, das liegt ganz klar bei Schwenningen.
Gruß
Manne
@ bayern klassisch [#234]
Luzern?
@ Gauss [#236]
Sorry, Lausanne natürlich, nicht Luzern, denn Lausanne liegt ja in der welschen Schweiz, da hätte man auch mit Francs und Decimes zahlen können.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#237]
Jetzt passt es.
Noch ein für mich unbekannter Brief vom 16.03.1783:


Gruß
Manne
@ Manne [#238]
Hallo Manne,
16. Mai 1783 von Isny nach Weyller = Weiler im Allgäu. Da nicht allzu weit entfernt, dürfte das ein Privater besorgt haben, denn die Post hat sich auf dem Brief nicht verewigt.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#239]
Hallo Ralph,
vielen Dank für das Entziffern, werde ich so vermerken.
Dann war dieser Brief eventuell mit der sogenannten Schweinepost unterwegs.
Gruß
Manne
@ Manne [#240]
Hallo Manne,
wenn er mit der "Schweinepost" unterwegs war, wie riecht er denn heute ? :-)
Keine Ahnung - hieß ja eigentlich Metzgerpost, aber das wird sich kaum mehr sagen lassen. Offenbar lag dem Brief noch etwas bei, welches heute nicht mehr vorhanden ist. Damals haben zahllose Menschen "gütige Dienste" besorgt, nicht nur die herumreisenden Händler, Metzger und Kaufleute. Von daher würde ich nicht zuviel hinein interpretieren, wenn aus dem Inhalt dergleichen nicht hervor geht.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#241]
Ralph, wie recht Du hast, Entschuldigung, hätte Metzgerpost heißen sollen, war ja nur eine Vermutung.
Gruß
Manne
@ Manne [#243]
Hallo Manne,
ich denke, dein Brief stammt aus den späten 1850-er bis frühen 1860-er Jahren, wenn ich mir den Speyerer Stempel ansehe. Näheres wird sich evtl. über das Leben des Empfängers eruieren lassen.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ Manne [#243]
Hallo Manne,
der Halbkreisstempel von Speyer ist die Nr.13 und war in Verwendung von 1862-1871, so wie dieser aussieht sollte der Brief aus den späten 1860-er Jahren sein.
Gruß Rainer
@ Gernesammler [#245]
Hallo Rainer,
das späteste Datum für den Brief kannst Du anhand des Portos festmachen: 3. DÖPV-Rayon über 20 Meilen - 9 Kreuzer + 3 Kreuzer Zuschlag, da nicht frankiert - dieser Tarif galt bis zum 31.12.1867. Danach hätte der Brief noch 7 Kreuzer gekostet (Vertrag Bayern-NDP, Artikel 11 b).
Beste Grüsse!
Lars
Brief vom 23.04.1851 von Stuttgart an die Unterpfandbehörde in Neckartailfingen Oberamt Nürtingen. Auf der Rückseite Rötel die das Porto darstellen dürften. die ich aber nicht deuten kann.


Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#247]
Oben stehen 4 Kreuzer für den Brief und unten 1 Kreuzer für die Bestellung.
Gruß
wuerttemberger
@ wuerttemberger [#248]
Hallo Axel,
vielen Dank, jetzt sehe ich es auch.
Schönen Gruß
Sepp
@ bayern klassisch [#244]
@ Gernesammler [#245]
@ Lars Boettger [#246]
Hallo zusammen,
vielen Dank für Eure Mühe und Ergänzungen! Werde ich so auf dem Brief vermerken.
Gruß
Manne
@ Manne [#251]
Hallo Manne,
ein Brief nach meinem Geschmack. Heilbronn bis zur Grenze Friedrichshafen 10 Kreuzer mittig in Rötel.
Nach Abgabe durch das Dampfboot über den Bodensee bei Romanshorn für den Postbezirk Zürich kamen 14 weitere Kreuzer = 24 Kr. dazu. Für Graubünden dann noch 4 Kr. bis Ilanz = 28 Kr. vom Empfänger.
Sonderbarerweise hat man diese nicht in die lokale Währung Bluzger reduziert - diese kosteten den Faktor 1,5.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#252]
Hallo Ralph,
vielen vielen Dank für Deine sehr ausführliche Beschreibung der Laufwege und der Zuordnung des Portos.
Gruß
Manne
@ Manne [#255]
Hallo Manne,
es kann nur ein Brief bis 1850 sein, da danach keine Bruchgroschen mehr notiert wurden (hier 2 1/2 Silbergroschen Porto).
Da sollten die 1840-er Jahre schon passen.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#257]
Hallo Ralph,
danke für den Hinweis, das Datum steht handschriftlich auf dem Brief.
Hier der Ausschnitt:

Gruß
Manne
@ Manne [#258]
Sorry, hatte ich nicht gelesen vorher, passt aber perfekt.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ Manne [#260]
Hallo Manne,
der Empfänger zahlte 7 Decimes für den Brief - die anderen Zahlen scheinen nur durch und haben keine postalische Relevanz.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#261]
Guten Morgen Ralph,
vielen Dank für Deine Bemühung.
Gruß
Manne
@ Manne [#260]
Guten Morgen! Nach dem Empfängervermerk scheint der Brief ursprünglich aus Livorno (Livourne) zu kommen.
@ Gauss [#263]
Vielen Dank für Deine Ergänzung.
Gruß
Manne
@ Manne [#260]
Hallo Manne,
"Veuve Guerin" war ein bekanntes Bankhaus in Lyon. Es ist gut möglich, dass einer der Mitarbeiter ein paar Rechnungen auf dem Papier durchgeführt hat.
Beste Grüsse!
Lars
@ Lars Boettger [#265]
Hallo Lars,
auch Dir vielen Dank für diese zusätzliche Info.
Gruß
Manne
@ Lars Boettger [#265]
Hallo Lars!
Kannst Du auch den Absender bestimmen?
@ Gauss [#267]
Meinst Du die "FRATELLI DUPOUY" bzw. "Dupouy freres" aus Livorno?
Beste Grüße!
Lars
@ Lars Boettger [#268]
Danke! Ich habe, warum auch immer, Dupony gelesen und bin damit nicht weitergekommen.
Brief vom 19.01.1842 Von Calw nach Edlfingen bei Mergentheim, frankiert mit 6 Rötel Kreuzer, geschrieben am 17.01.1842 in Wildberg?


Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#270]
Hallo Sepp,
kleine Korrektur: Frankiert wurde hinten in bar durch Anschreibung des Frankos. Vorne wurde das Porto notiert, das der Empfänger zahlen musste, hier also 6 Kreuzer. Zumindest war das bei den Südstaaten so; in Österreich, Preußen usw. gab es andere Vorstellungen über diesen Modus operandi.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#271]
Hallo Ralph,
vielen Dank für die Korrektur, mit Franko und Porto habe ich immer noch Probleme.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#273]
Hallo Sepp,
alles richtig: Der Brief kostete 12 Kreuzer Franko im 3. Gewicht (97 km direkte Entfernung entsprachen 13 Meilen, die Meilenstaffelung war bis 6, bis 12, bis 18 Meilen; im 1. Gewicht bis 1/2 Münchener Loth (8,75g) waren die Kosten 3 Kr, 4 Kr. und 6 Kr., also hätte er 6 Kr. Franko bis 1/2 Loth gekostet. Demnach 9 Kr. für 1 Loth und wie hier 12 Kr. für 1 1/2 Loth.
Frei gegen Schein hieß damals Einschreiben, denn nur bei einem Einschreiben bekam man einen Postschein von der Post ausgefertigt. Dafür musste man weitere 4 Kreuzer hinlegen, die aber nicht in die bayer. Postkasse flossen, sondern dem annehmenden Postindividuum gehörten. Dafür war der Brief damals mit 25 Gulden versichert im Falle des Verlusts. Da könnte sich unsere Post mal eine Scheibe von Abschneiden.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#274]
Hallo Ralph,
vielen Dank für Deine Erläuterung, die so in meine Sammlung kommt. Dank Deiner Hilfe habe ich auch den Unterschied zwischen Porto und Franko verstanden. Das hoffe ich zumindest.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#275]
Hallo Sepp,
ja, das verstehen viele nicht, aus vielerlei Gründen. Ich versuche mich mal an eine Interpretation dessen, was es gab:
Portobrief: Absender bezahlt nichts, Empfänger bezahlt alles.
Frankobrief: Absender bezahlt alles, Empfänger bezahlt nichts.
Teilfrankobrief 1: Absender bezahlt bis zu einem gewissen Punkt (wo der Postaustausch an der Grenze stattfand); ab da bezahlt der Empfänger.
Teilfrankobrief 2: Absender ist portofrei im Land der Aufgabe. Ab dem Postaustausch wird der Brief portopflichtig und der Empfänger zahlt.
Teilfrankobrief 3: Absender ist portofrei im Land der Aufgabe. Empfänger ist nicht portofrei, daher bezahlt der Absender nur seinen Anteil.
Aktiver Postportofreiheitsbrief: Absender zahlt nichts im In- und Ausland. Der Empfänger zahlt auch nichts.
Passiver Postportofreiheitsbrief: Empfänger zahlt nichts im In- und Ausland, weil er weiß, dass wegen des Empfängers nicht zu zahlen ist.
Vollumfängliche Postportofreiheit: Alle Briefe und Sendungen des Absenders, wie auch alle Briefe und Sendungen an ihn, sind entweder komplett kostenlos, oder, wenn aus dem Ausland kommend und mit Porto belastet, geht dieses Porto zu Lasten der Staatskasse. Es fallen also u.U. Teilkosten an, aber die werden dem Empfänger aufgrund seiner Position oder einer Verordnung hierzu nicht belastet, sondern als "uneinbringliche Forderung" von der Postkasse getragen, z. B. Briefe an den bayerischen König.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#276]
Hallo Ralph,
vielen Dank für die ausführliche Erklärung.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#277]
Hallo,
wenn ein Brief freigemacht (bezahlt) war, dann findet man in der Regel links unten einen Vermerk, der darauf hinweist. Aus Gewohnheit haben viele Leute selbst dann noch einen solchen Vermerk angebracht, wenn der Betrag durch verklebte Briefmarken klar war.
viele Grüße
Dieter
@ Klesammler [#278]
Hallo Dieter,
vielen Dank für den Hinweis.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#279]
Hallo Sepp,
wenn du dich näher mit Vorphila-Briefen befassen möchtest, dann empfehle ich dir die Büchlein von Joachim Helbig zur Vorphilatelie, die im Michel-Verlag erschienen sind. Die gab es mal zu einem stark herabgesetzten Sonderpreis. Ansonsten mal im Internet umsehen oder die Fernleihe der bekannten Bibliotheken nutzen.
In diesen Büchern (110 bzw 140 Seiten) findest du fast alle Informationen, die man zur Interpretation von Vorphilabriefen braucht. Und dann ist da auch noch bayern klassisch, der sein Wissen gerne weitergibt und dir ja bereits einiges erklärt hat.
viele Grüße
Dieter
@ Klesammler [#280]
Hallo Dieter,
danke
Schönen Gruß
Sepp
Liebe Freunde,
dieser schöne Vordruck gibt einen kleinen Einblick in die Abläufe der damaligen Zeit betreffend Gesellenwanderung [1]


1840 Mürzzuschlag - Bruneck
Vom Magistrate Mürzzuschlag
An
Das löbliche k.k. Land= und
Kriminal=Untersuchungs=Gericht
Bruneck in Tyrol
Post Bruneck
Franco
Löbliches k.k. Landgericht!
Ueber hierorts gestelltest mündliches Anlangen des Georg Weiststeiner welcher unter dortiger Jurisdiction von Kematen gebürtig, und seiner Professions ein Webergeselle ist, und derzeit beym hiesigen ?? Maurermeister Schwallenberger in Arbeit steht, und dessen Wander=Termin bereits zu Ende (gestrichen: geht) war, wird das dienstfreundliche Ansuchen gestellt:
Ein löbliches k.k. Landgericht wolle dem oberwähnten dortigen Jurisdicenten eine fernere Wanderungs=Bewilligung (gestrichen: auf Ein Jahr) vom Auslauf der letzteren gerechnet ertheilen, und den gefertigten Bezirks=Magistrat zur Eintragung de4ren in das betreffende Wanderbuch bevollmächtigen, oder aber die dagegen dießfalls obwaltenden Anstände anher bekannt geben.
Bezirks=Commissariat Magistrat Mürzzuschlag in Steyermark Brucker Kreis am 23. März 1840
Liebe Grüße,
harald
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Wanderjahre
@ Briefuhu [#283]
Hallo Sepp,
beim 1. Brief gab es eine Nachnahme von 2 Kreuzern, dazu 2 Kreuzer Porto = 4 Kreuzer vom Empfänger.
Beim 2. Brief gab es keine Nachnahme, daher nur 2 Kr. Porto.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#284]
Hallo Ralph,
vielen Dank wieder einmal hast Du mir weiter geholfen, jetzt sehe ich das auch mit der Nachnahme.
Schönen Gruß
Sepp
Hallo zusammen,
dieser Brief, der beim letzten Gildetreffen in Soest vorgelegt wurde, wirft noch fragen auf:

Was ich lese (oder meine zu lesen):
An Den Königlichen Hauptmann im 29. Infanterie Regiment Herrn Herf Hochwohlgeboren zu Trier
Blaue Tinte: Wert der eingedruckten Marke ist durchgestrichen, darunter: Briefkasten Reicht nicht (mit Unterschtrift)
Oben könnte die Tinte des Absenders sein:
22 durchgestrichen, statt dessen 21
1?? 1/2 erf.(?) 3/2 antw.
Blauer Taxvermerk „3“
Rechteckstempel (2z) aus Düsseldorf vom 30.1., Ausgabestempel Trier vom 1.2.
Zusätzliche Information die ich bekam:
Preußische Ganzsache U 19 A vor. Im Münzberg - sowohl der der 2zeilige Rechteckstempel - liegt weder im Handbuch "Vorphilatelie" noch im Handbuch der "Nachverwendeten" vor.
Wer kann die Bedeutung der verschiedenen Vermerke erklären?
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#286]
Hallo Volkmar,
1/2 erh = am 1.2. erhalten
3/2 antw = am 3.2. beantwortet
Der Kringel links davon dürfte für 1 Loth stehen.
Liebe Grüße,
harald
@ volkimal [#286]
Hallo Volkmar
da der Brief mit 1 Loth in der zweiten Gewichtsstufe lag, wurde er mit 3 Sgr. Porto belastet. Innerhalb Preussen wurde kein Ergänzungsporto erhoben.
Mit freundlichem SAmmlergruss
Ulf
@ volkimal [#286]
Hallo Volkmar,
dein schöner Brief hatte als Empfänger Herrn Hauptmann Herf. Das Gewicht betrug 1 1/4 Loth = 2. Gewicht.
Darunter steht: "Briefkasten, reicht nicht. Gez. Unterschrift des Annahmebeamten".
Den Rest haben die Anderen schon richtig beschrieben.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#289]
@ bignell [#287]
@ Magdeburger [#288]
Hallo ihr drei,
herzlichen Dank für die Erklärungen. Dami ist mir der Brief schon etwas klarer.
Ralph, was ist mit "Briefkasten, reicht nicht" gemeint? Bedeutet es, dass die eingedruckten 3 Sgr. nicht ausreichen? Warum ist der Wert der Marke durchgestrichen?
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#290]
Die Entwertung von Wertstempeln bei preussischen Kuverts war mit dem Durchstreichen der Nominale vorgeschrieben. Der Brief hätte als Brief der 2. Gewichtsstufe 6 Silbergroschen erfordert, aber da nur 3 Sgr. bezahlt worden waren, fehlten jetzt 3 Sgr., die der Empfänger zu zahlen hatte.
Der Brief entstammte einer Briefkastenleerung, was bestätigt wurde in blauer Tinte, damit später niemand sagen konnte, er wäre am Postschalter falsch instruiert worden. Der Fehler der Unterfrankatur lag also klar beim Absender und die Aufgabepost exkulpierte sich mit diesem vorschriftsmäßig anzubringendem Vermerk.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#291]
Hallo Ralph,
dankeschön! Jetzt kann ich alles weitergeben.
Viele Grüße
Volkmar
Brief vom 27.09.1848 vom Königlichen Preußischen Generalpostamt (laut Wachssiegel) nach Tennstedt. Porto zunächst 7 durchgestrichen dann 8 Kreuer mit Rotstift vermerkt.
Soweit ich es lesen kann zum Inhalt:
Es dürfte sich hier um ein Post-Insinuations Dokument handeln, das später Behändigungschein genannt wurde und als Vorgänger der Postzustellungsurkunde zu sehen ist. Das Grundbuchamt o.ä. Tennstett sandte dem Schuhmachermeister Friedrich Pfeifer zu Erfurt einen Kaufkontrakt mit Hypothekenschein gegen Empfangsbestätigung. Dieser bestätigte den Empfang am 22.09.1848. Den Empfang mit Bestätigung beurkundete am gleichen Tag der Briefträger und der Brief ging am 27.09.1848 zurück nach Tennstett.


Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#293]
Hallo Sepp,
da steht f1 für Franco 1 Groschen, nicht 7 oder 8. In Preußen wurde das Franko mit roter Tinte unten links in kleinen Ziffern vermerkt.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#294]
Hallo Ralph,
vielen Dank für Deine Berichtigung, wieder was dazu gelernt.
Schönen Gruß
Sepp
Brief vom 20.02.1843 von Reuttlingen (Reutlingen) nach Langenau an einen Säcklermeister Fegel o.ä., dort Ankunft am 22.04.1843. 4 Kreuzer Porto in rot und mittig unten ein Kringel den ich nicht deuten kann. Unten links vermute ich den Absender, Dr. ??? Präsident ?

Schönen Gruß
Sepp
[Die Redaktion hat nachgeschlagen: Worte wie «Säckler» oder «Seckelmeister» sind keine abschätzigen Schimpfworte, sondern alte Berufsbezeichnungen. Der Säckler stellte Beutel her, der Seckelmeister war ein Geldverwalter.]
@ Briefuhu [#296]
Hallo Sepp,
da steht O. A. Ulm für Ober-Amt Ulm, Präsident.
4 Kreuzer Postporto, dazu 1 Kreuzer Bestllgeld, abgekürzt in 5x in sepia Tinte rechts unten. Alles nicht so einfach.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#297]
Hallo Ralph,
vielen Dank für Deine superschnelle Hilfe (wieder einmal). Immerhin habe ich schon einiges gelernt nur das mit den "Kringeln" die ich erst lesen kann, wenn Du sie erklärt hast, klappt noch nicht so richtig.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#298]
Hallo Sepp,
ich sammle erst seit gut 45 Jahren alte Briefe bis 1875 - daher weiß ich, dass alles seine Zeit dauert und was von heute auf morgen geht, taugt eh nichts. Gut Ding will Weile haben. Wir bekommen das schon hin und besser wirst du mit jedem einzelnen Beleg. Man muss nur dazulernen wollen, das kann dir keiner abnehmen.
Liebe Grüsse,
Ralph
Brief vom 03.01.1838 von Pisa nach Firenze (Florenz) dort laut einem Stempelfragment am 04.01.1838 angekommen.
Empfänger war eine Excellenz Fürst Neri Corsini der im Finanz- und Kriegsministerium saß.
Die Familie Corsini ist italienischer Hochadel aus der sogar ein Papst hervorging. Neri (1771–1845) war ein kluger Politiker und war sowohl unter Napoleon als auch während der Restauration Sekretär des Großherzogtums Toskana. Auf dem historischen Wiener Kongress wurde er zum Alleinunterhändler der Habsburger-Lorena (damals Großherzog der Toskana) ernannt.(Wikipedia)
Auf dem Brief keinerlei Hinweis auf Franco oder Porto, deshalb wird davon ausgegangen dass es sich um einen portofreinen Dienst- bzw. Adelsbrief handelt.


Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#300]
Ein weiterer Brief an die Adelsfamilie Corsini.
Teilfrancobrief vom 21.03.1840 von Wien an den Fürsten Thomaso Corsini in Firenze (Florenz) dort Ankunft am 27.03.1840 (Stempelfragment). Roter Stempel von Wien, Franco, Vermerk Franco bis zur Grenze und diagonaler Querstrich der bei Teilfranco verwendet wurde. Ob die schwarze 8 für das Teilfranco oder für das Porto ab Grenze ist mir nicht bekannt. Auf der Rückseite noch ein rotes Wachssiegel.
Tommaso Corsini (1767–1856) war mehrfach Botschafter und Senator des Großherzogtums Toscana.


Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#301]
Hallo Sepp,
das in Wien bezahlte Franko bis zur Grenze steht, leider ziemlich zerrupft, neben dem Siegel hinten. Ich kann das fragmentarische Franko leider nicht ermitteln.
Der Empfänger hatte 8 Soldi zu bezahlen.
Schöner Brief - gerne mehr davon!
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#302]
Hallo Ralph,
vielen Dank für die Hilfe. Das mit Porto und Franco habe ich fast schon kapiert. Porto vorne und Franko hinten. Zwei von den Briefen habe ich noch, die werde ich dann bei Gelegenheit auch zeigen.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#303]
Hallo Sepp,
da bist du schon weiter, als die meisten Sammler. Allerdings gab es auch in Österreich Franko vorne - das zu beurteilen ist aber eher Spezialistensache und betrifft die Zeit den 18. und frühen 19. Jahrhunderts.
Immer her mit deinen Briefen, denn jeder kann etwas vom Anderen lernen.
Liebe Grüsse,
Ralph
Heute ein Beleg bei dem ich mir die Zähne ausgebissen habe, da ich den Inhalt nicht lesen kann und auch die ganzen Zahlen nicht deuten kann.
Brief vom 22. Februar? 1813 vom Postamt Schkeuditz an das Königliche Regierungs Amt in Schkeuditz(zumindest lese ich das so). Es könnte sein, das im Brief der Erhalt von 20 Thaler und 22 Groschen bescheinigt wird.
Vorderseite oben rechts in Schwarz 15, dann mittig in rot 1/4 und links und rechts davon jeweils 10, unten weitere Zahlen. Ich werde nicht schlau daraus was hier das Porto sein könnte. Auf der Rückseite noch ein Wachssiegel.



Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#305]
Hallo Sepp,
dem wohllöb. Justiz Amte
zu Schkeudnitz
St?
2 Reichstaler 16 groschen
Umstehend avancierte Zeitungs Cassations
Gebühren, die Subhastation (Versteigerung) des ..aßi-
schen Guthes zu Burghausen betr.
an zwey Thaler 22 groschen, 3 pfennig dato
baar und richtig beim Justitzamt
allhier erhalten Postamt Schkeudnitz
den 22 febr. 1813 (1873?)
grüsse Christof
@ chris63 [#306]
Hallo Christof,
herzlichen Dank für die Hilfe, jetzt weiss ich an wen der Brief gesandt wurde und um was es ging. Vieleicht klärt sich auch noch was die roten bzw die scharze Zahl auf der Vorderseite bedeuten.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#307]
Hallo Sepp,
in der Mittagspause habe ich wohl die falsche Brille aufgehabt.
links nicht St? sondern ZtS Zeitungsache
Rote Tinte Links neben und unter der 4 vielleicht 12 procura, vielleicht gehört die rechte 10 dazu 10,.. procura.
Die Rötelangabe lässt sich auch als 70 1/4 lesen, unter der Annahme 1 Taler = 30 groschen, 1 groschen = 12 pfennig ergeben sich erstaunliche Zufälle?
mit den 2 Rt, 22 gr, 3 pf oder in groschen 82 1/4.
grüsse Christof
@ chris63 [#308]
Hallo Christof,
wow, was du alles siehst. Procura und die rechte 10 scheinen mit der gleichen Tinte geschrieben zu sein. Danke
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#309]
Hallo Sepp,
nach meinen erst jetzt zu Rate gezogenen Unterlagen kommt die Teilung 1 Rt = 30 gr = 360 pf. frühestens 1838 vor, meine mathematische Spielerei bitte vergessen.
Dann der erste Satz jetzt hoffentlich korrekt: Umstehend avancierte Zeitungs Insertion.
Weiter Schreibverbot für mich in der Mittagspause.
grüsse Christof
@ chris63 [#310]
Danke Christof für Deine Bemühungen.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#301]
Hier noch zwei weitere Briefe aus Wien an den Fürsten Tommaso Corsini in Firenze/Florenz bei denen ich wieder mal so meine Probleme mit Franco und Porto habe..
Der erste vom 16.07.1840, Ankunftsstempel vom 22.Juli 1840 auf der Rückseite. Roter Francostempel und schwarzer Diagonalstrich bedeutet frei bis zur Grenze. Dann oben links ein kurzer schwarzer senkrechter Strich und eine schwarze vermutlich 10 die das Porto darstellt das vom Empfänger zu entrichten war. Auf der Rückseite dann eine 9 oder 6 und ein S diese Zeichen kann ich nicht deuten.


Und der zweite vom 13.03.1845, Ankunftstempel 19.03.1845 auf der Rückseite. Roter Franco- und GRENZE Stempel, das heisst frei bis zur Grenze, wieder oben links der senkrechte schwarze Strich und eine 10 oder 20 Als Porto vom Empfänger. Auf der Rückseite der Ankunftstempel von Firenze und ein Zeichen das ich wieder nicht deuten kann.


Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#312]
Hallo Sepp,
wie ich es sehe:
1. Brief teilfrankiert mit 56 Kreuzern Conventionsmünze für das 4. Gewicht (4 mal 14 Kr. CM) bis zur Grenze. Dann 40 Soldi ab dort bis Florenz für den Empfänger zu zahlen. Häufig sind solch hohen Gewichte nicht (über 1,5 bis 2 Wiener Loth).
Die "1" oben links kann ich nicht interpretieren. Eigentlich sollte oben links, wenn überhaupt, das Gewicht notiert werden, aber 1 Loth kann es hier wohl nicht sein. Wenn du die Siegelseite drehst, wirst du die 56 besser erkennen können ...
2. Brief teilfrankiert mit 48 Kreuzern CM als 4. Gewicht bis bis zur Grenze (kopfstehend gezeigt). Ab dort mit 40 Soldi bis Florenz bis zum Empfänger zu zahlen. Auch hier kann ich die "1" oben links nicht erklären - vlt. nur ein Abhaken, dass man den Brief überprüft hat hinsichtlich seines hohen Gewichts?
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#313]
Guten Morgen Ralph,
vielen Dank für die superschnelle Antwort. So wie Du es erklärst sehe ich es dann auch.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#315]
Das Stempelfragment dürfte "1. Expedition" sein, also 1 Zustellung an dem Tag.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ Briefuhu [#315]
Hallo Sepp,
der obere Teil ist relativ gut zu lesen. Der untere Teil ist schwieriger. Das habe ich noch nicht versucht. Oben steht:
An
Das lobliche Oberamt
Jarmewitz
Znaimer Kreis
Man beehrt sich Wohlselbes zu ersuchen dem dortigen Hier
in Arbeit stehenden Juvisdignenten(?) und Schneidergesellen
Franz Karvan eine neuerliche Wanderbewilligung auf ein Jahr
gütigst zu ertheilen, da dessen Wanderkonsens mit Ende
d. M. ausläuft und Bittsteller noch nicht das militairpflichtige
Alter erreicht hat, auch demselben bei gegenwärtig strenger
Jahrzeit und schlechten Wege und bei dem Umstande als
derselbe erst kürzlich aus dem Spitale kam, die Heimreise
wohl gar unmöglich fallen würde.
Magistrat Frohnleiten am 14. Februar 1844
Viele Grüße
Volkmar
@ bayern klassisch [#316]
Hallo Ralph,
vielen Dank für die Erklärung.
Schönen Gruß
Sepp
Hallo Sepp,
den oberen Teil habe ich im Beitrag [#317] "übersetzt". Beim unteren Teil habe ich gerade aufgegeben. Wenn Dir der untere Teil wichtig ist, dann stell ihn doch beim Thema "Sütterlin ..." vor.
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#319]
Hallo Volkmar,
herzlichen Dank für die Übersetzung. Es geht im Antrag also um eine Verlängerung der Wanderbewilligung. Das reicht mir vollkommen.
Schönen Gruß
Sepp
@ volkimal [#317]
Jurisdizent. Sowas wie Untertan (einer Jurisdiktion unterstellt).
Brief vom 14.08.1849 von Braunschweig nach Berßel/Osterwieck. Keinerlei Porto oder Franco Notierung nur ein d.G., das ich "durch Güte"lese, d.h. der Brief wurde gefälligkeitshalber befördert. Der Brief ging an ein Fräulein Luise Koch (oder ähnlich) das Wort darunter kann ich nicht lesen, in Breßel. Auf der Rückseite ein rotes Wachssiegel. Inhalt dürfte soweit ich Bruckstücke entziffern konnte, ein Liebesbrief sein.


Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#322]
Hallo Sepp,
sehr gut beschrieben - bravo!
Wohlgeboren steht noch da zur Vervollständigung der Adresse.
LG,
Ralph
@ bayern klassisch [#323]
Hallo Ralph,
vielen Dank für die Ergänzung.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#325]
Hallo Sepp,
da liegst du richtig. Der Absender bezahlte für Preußens Strecke 1 1/3 Silbergroschen und für Braunschweig 3 1/2 Silbergroschen.
Bei der Kartierung nach Braunschweig rechnete Preußen diese 3 1/2 Silbergroschen in braunschweigische Gutegroschen um und notierte die 2 1/2 Gutegroschen (Ggr.) in roter Tinte vorne.
Zur Erklärung der Währungen:
1 Thaler = 30 preußische Silbergroschen.
1 Thaler = 24 braunschweigische Gutegroschen.
LG,
Ralph
@ bayern klassisch [#326]
Hallo Ralph,
vielen Dank für Deine Erläuterungen.
Schönen Gruß
Sepp
Obwohl ich wegen fehlendem Briefinhalt das Datum nicht habe, gehe ich davon aus, dass der Brief aus der markenlosen Zeit kommt.
Brief von Schw;Gmünd R:3 (Schwäbisch Gmünd Rayon 3) an den König Zum König. Kathol. Geistl. Rath
Schulsache
Vom K. Dekanat Gmünd nach Stuttgart (zumindest lese ich das so)
Die Unterschrift des Decan kann ich auch nicht entziffern.
Auf der Rückseite ein rotes Wachssiegel. Der schräge Rotstrich dürfte Portofreiheit bedeuten.


Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#328]
Hallo Sepp,
meine Vermutung für den Namen des Dekans wäre "Kratzer" [1]. Thomas Kratzer lebte von 1755 bis 1724 in Schwäbisch Gmünd.
Beste Grüsse!
Lars
[1]
https://www.deutsche-biographie.de/pnd1012281035.html
@ Lars Boettger [#329]
Hallo Lars,
vielen Dank für den Hinweis, jetzt kann ich den Namen auch lesen.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#328]
Hallo Sepp,
läßt sich durch den Empfänger Königlich Katholischer Geistlicher Rath auf 1806 - 1816 eingrenzen.
gruß Christof
@ chris63 [#331]
Hallo Christof,
vielen Dank für deinen Hinweis.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#328]
Hallo Sepp,
der Anschriftteil "An den König" war natürlich sinnlos. Es war eine "Schulsache", die im Kgr. Württemberg portofrei war, wie auch der Diagonalstrich in Rötel von der Aufgabepost bestätigte.
Hübsches Stück!
LG,
Ralph
@ bayern klassisch [#333]
Hallo Ralph,
vielen Dank für Deine Ergänzung, und schön dass dir der Beleg gefällt.
Schönen Gruß
Sepp
Brief vom 01.12.1841 von Waldsee Württemberg nach Rorschach am Bodensee in der Schweiz. Empfänger war der Gemeindeamman was dem Gemeindevorsteher bzw. Bürgermeister entspricht. Unten links der Vermerk Franco gegen Schein, also ein bezahlter Einschreibebrief. Vorne noch Klebereste evtl. von einem Einschreibeschein. Außerdem ein rotes Gitter, das evtl etwas überschrieben hat oder ein Hinweis auf das Einschreiben war. Auf der Rückseite Ankunftsstempel von Rorschach vom 02.12.1841 und eine rote 4 die die bezahlte Gebühr darstellen dürfte.



Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#335]
Hallo Sepp,
Unten links der Vermerk Franco gegen Schein, also ein bezahlter Einschreibebrief.
Richtig, der Absender zahlte 4 Kreuzer siegelseitig für das Franko und 6 Kreuzer für die Einschreibung.
Vorne noch Klebereste evtl. von einem Einschreibeschein.
Nein, das kam später auf den Brief und Postscheine bekam der Absender ausgehändigt; diese wurden nie auf den Brief geklebt. Hier sehen wir nur einen Falz von Sammlerhand appliziert.
Außerdem ein rotes Gitter, das evtl etwas überschrieben hat oder ein Hinweis auf das Einschreiben war.
Das rote Gitter war das international anerkannte Zeichen der Einschreibung. Da wurde nichts überschrieben.
Auf der Rückseite Ankunftsstempel von Rorschach vom 02.12.1841 und eine rote 4 die die bezahlte Gebühr darstellen dürfte.
Richtig - für die Schweiz fielen keine Gebühren an.
LG,
Ralph
@ bayern klassisch [#336]
Hallo Ralph,
vielen Dank für die Erläuterungen und Ergänzungen.
Schönen Gruß
Sepp
Brief von Temesvar (heute Timisoara – Rumänien) nach Karbitz (heute Chabařovice – Tschechien) vom 07.Juli 1843.

Der Absender des Briefes ist das 2. Garnisons Bataillon in Temesvar. Adressat ist das Bezirksgericht in Karbitz.
Der Brief wurde von Amtswegen (exoffo) verschickt. Offensichtlich gab es damals noch keine Portofreiheit für dienstliche Angelegenheiten, denn es wurden 18 Kreuzer Porto angezeigt. Dabei war Temesvar genauso wie Karbitz zu der Zeit Bestandteil von Österreich – Ungarn. Temesvar wurde am 04.06.1920 Bestandteil von Rumänien.

Über den Inhalt des Briefes vermag ich leider nichts zu sagen, genau sowenig wie zum Porto.
Gruß
Detlev
@ Briefuhu [#339]
Hallo Sepp,
der Brief ging an Christian Theodor von Meien.
gruß Christof
@ chris63 [#340]
Hallo Christof,
vielen Dank für Deinen Hinweis.
Schönen Gruß
Sepp
Briefhülle aus 1831, Datum nicht bekannt, von Nürtingen An die Redaktion der allgemeinen Anzeigen in Stuttgart. Unten links Vermerk Stekbrief betr. Armensache, dadurch frei. Der Brief wurde dann am 27.07.1831 an das Schultheisenamt Gomaringen O.A. (Oberamt) Reutlingen versandt. Franco zunächst 3, dann durchgestrichen und 4 Kreuzer vermerkt.


Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#342]
Hallo Sepp,
ich habe ja eine Mini-Sammlung "Armensachen" von etwas unter 100 Briefen mit bayer. Relevanz, aber einen Steckbrief habe ich noch nicht gesehen bei dieser Thematik. Glückwunsch zu dieser Rosine!
Einmal portofrei mit dieser Franchise verschickt, lief er dann portopflichtig für 3 Kreuzer, zu denen das Bestellgeld von einem weiteren Kreuzer = 4 Kreuzer für den Empfänger.
Steckbriefe wurden ganz früher an Weggabelungen und Kreuzungen an Bäumen "ausgesteckt" und sollten Reisende vor gefährlichen Menschen warnen. Später, also zu deiner Zeit, wurden sie auch in Dörfern und Städten ausgehängt (in Schaukästen), so dass die breite Bevölkerung sehen konnte, wem man auf den Fersen war.
LG,
Ralph
@ bayern klassisch [#343]
Hallo Ralph,
vielen Dank für Deine Erklärungen. Es freut mich, dass ich wieder mal etwas Besonderes zeigen konnte.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#346]
Hallo Sepp,
dein schöner Dienstbrief aus Münnerstadt war in Bayern als R.S. = Regierungs-Sache portofrei. Der Zusatz "Amtssache" war für Österreich nicht bindend.
Daher taxierte man ihn zuerst mit 28 Kreuzern Conventionsmünze (über "Wien") als Brief der 2. Gewichtsstufe (über 1/2 bis 1 Wiener Loth) ab der österreichischen Grenze bis Wien und wiederholte diese Notation später mit Rötel in Wien, damit man sie leichter erkennen konnte. Diesen Betrag zahlte der Empfänger.
Ausweislich der Rückseite gab es dann wohl noch einen Rückbrief nach Bayern aus dieser Korrespondenz, der natürlich ebenfalls 28 Kr. Conventionsmünze kostete (bis zur bayer. Grenze). Daher wurden beide Porti hinten zu 56 Kr. CM zusammen gefasst und später, wem auch immer, in Rechnung gestellt.
Postvertrag Bayern-Österreich vom 1.5.1819, gültig (mit wenigen Änderungen, die hier nicht relevant sind) bis 30.9.1842.
LG,
Ralph
@ bayern klassisch [#347]
Hallo Ralph,
vielen Dank für Deine ausführliche Erklärung.
Schönen Gruß
Sepp
Von mir ein einfacher Umschlagbrief, gelaufen an einem 12.Oktober, Jahr unbekannt, von Kakerbeck, seit dem 1.1.2010 ein Ortsteil der gleichnamigen Ortschaft der Stadt Kalbe (Milde) im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt [1]. Der Brief war an das Landratsamt in Gardelegen gerichtet. Die Hansestadt Gardelegen ist eine Mittelstadt im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt. Sie ist, nach den Stadtstaaten Berlin und Hamburg, die der Fläche nach drittgrößte Stadt Deutschlands. Nur die Kernstadt weist städtische Strukturen auf, die übrigen 48 Ortsteile und die zahlreichen Wohnplätze liegen verstreut im ländlichen Raum [2].

Viele Grüße
Ingo
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Kakerbeck_(Kalbe)
[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Gardelegen
@ Cantus [#349]
Hallo Ingo,
dein schöner Brief wurde vom Absender mit einem Groschen frankiert (immer in Rot, der Farbe des Frankos) und nach Beikassierung des Betrages mit Blau abgestrichen.
Ich tippe auf die 1860er Jahre.
LG,
Ralph
@ bayern klassisch [#350]
Ich tippe auf die 1860er Jahre.
@ Cantus [#349]
Und damit ist es kein Brief der "Vorphilatelie" (was für ein besch... Begriff).
@ Admins: Bitte setzt die markenlosen Briefe der Markenzeit in einen eigenen Thread.
Beste Grüße!
Lars
@ Lars Boettger [#351]
Lieber Lars,
Und damit ist es kein Brief der "Vorphilatelie" (was für ein besch... Begriff).
Welchen besseren Begriff gibt es? Den von Huber/Wessely verwendeten Begriff "Altbrief" finde ich auch nicht geeigneter.
Aber um beim Thema zu bleiben, diesen vor der Markenzeit geschriebenen Brief finde ich sehr interessant:


1829 von James Crooks [1] aus West Flamboro (Canada) an Charles H. Turner [2] nach Godstone (Surrey, England) [3] geschickt mit rückseitigen Stempeln „SHIP LETTER LIVERPOOL“ und "C | 9 NO 9 | 1829" (London, wenn ich nicht irre) und Taxe 1/9 (ein Shilling 9 Pence).
Den vorderseitigen Verweis auf Geo. Canning [4] kann ich nicht deuten.
Nachstehend meine Transkription und Versuch einer Übersetzung.
Liebe Grüße,
harald
Transkription:
Charles H. Turner Esq.
?Rochernut? Godstone
Surry
Geo Canning England
Mr. Turners Land in Oxford and North Dorchester
4770 acres for byears /1821.+1822. paid by R. Nichol, £54.18.11 1/2 (54 pound 18 shillings 11 pence and a half)
Ditto in Windham 4 years 1200 acres 18.4.9
West Flamboro 29. September 1829.
Dear Sir,
than extracted above an Amount of the Tax
upon your Land, as sent me in a Statement from the
Treasury of the District of London, by which it appears
that £54.18.11 1/2 is due upon the one Trait and £18.4.9 upon
the other. Their last I have paid in order to prevent a pait??ing
sold as the law does not allow more than Eight years to run
without payment, and I hope you will excuse my drawing
upon you to the Bank of Upper Canada for £20 9sg to
at 30 ??, to meet it: this rather more than the sum paid
but the Bank will not negociate a left sum. ?? ?? of
difference will be a??ented for by me.
With input to the larger sum, it will
be due next year, by which time you will no doubt ??
in
what way it is to be sent, no would thou drawn nor without
authority but to prevent the unpleasant circumstances of a Sale taking
plan, while I doubt not you will approve of.
I have yet made no Sale, but as the Country around
your Traits do rapidly settling, there can be no doubt they will
turn to good amount in long: I shall be happy to ?? any
instructions you may think pe?? to give - and remain -
Your very failthfully
Ja. Crooks
Übersetzung:
Sehr geehrter Herr,
anbei finden Sie die oben aufgeführte Steuer
auf Ihr Land, wie sie mir in einer Abrechnung des Schatzamtes des Bezirks London zugesandt wurde. Daraus geht hervor,
dass für das eine Grundstück 54 £ 18 s 11 d 1/2 und für das andere 18 £ 4 s 9 d zahlbar sind.
Letzteres habe ich bereits bezahlt, um eine Zwangsversteigerung zu verhindern,
da das Gesetz eine Zahlungsfrist von maximal acht Jahren setzt.
Ich hoffe, Sie entschuldigen, dass ich bei der Bank von Oberkanada einen Kredit über 20 £ 9 s bis zum 30. auf Sie aufgenommen habe, um die Steuer zu begleichen.
Dies ist etwas mehr als der bereits gezahlte Betrag,
aber die Bank will keinen Restbetrag aushandeln.
Die Differenz werde ich begleichen.
Der höhere Betrag wird im nächsten Jahr fällig, bis dahin werden Sie sicher keinen Zweifel mehr haben.
Wie auch immer es zu senden ist, Sie würden es nicht ohne Befugnis tun, außer um die unangenehmen Umstände eines Verkaufs zu vermeiden, der einen Verkaufsplan beinhaltet, den Sie sicherlich gutheißen werden.
Ich habe noch keinen Verkauf getätigt, aber da sich das Land um Ihre Grundstücke herum schnell besiedelt, besteht kein Zweifel daran, dass diese sich bald zu einem guten Ergebnis entwickeln werden. Ich werde gerne alle Anweisungen befolgen, die Sie für nötig halten. Ich bleibe Ihnen treu ergeben.
Ihr ergebener Ja. Crooks
[1]
https://en.wikipedia.org/wiki/James_Crooks
[2]
https://en.wikipedia.org/wiki/Charles_Turner_(merchant)
[3]
https://en.wikipedia.org/wiki/Godstone
[4]
https://www.wikidata.org/wiki/Q55013333
Der richtige Begriff für die Zeit vor der Einführung von Frei- und Portomarken eines Landes lautet VORMARKENZEIT.
Das ist schon seit 30 Jahren so.
LG von bayern klassisch
@ Briefuhu [#354]
Hallo Sepp,
nicht 4 Kreuzer Franko, sondern 4 Kreuzer Porto. Franko = Absender hatte bezahlt, fände man hinten, Porto = Empfänger bezahlt, findet man vorne.
LG,
Ralph
@ bayern klassisch [#355]
Hallo Ralph,
vielen Dank für die Berichtigung. Du hast mir das schon erklärt, ich habe es aber wieder durcheinander gebracht.
Schönen Gruß
Sepp
Brief vom 08.06.1849 von der Zieler Kaffee Verwaltung Stuttgart an die Unterpfandbehörde Laichingen Oberamt Münsingen. Inhalt ist eine Löschungsurkunde über die Abtragung von Schulden. Zu zahlendes Porto über 4 Kreuzer rot vermerkt.


Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#357]
Das ist wohl die Kasse-Verwaltung.
@ Gauss [#358]
Danke für den Hinweis, aber ich habe Kaffe gelesen, da darunter Kassier mit Unterstrich geschrieben wurde.
Aber ich habe da noch etwas gefunden, was auf Kasse hindeuten könnte.
Finanzwesen: Als Bezeichnung für Ratenzahlungen oder Zahlungstermine (oft im Plural „auf Zieler“). Historische Zeitungen aus dem 19. Jahrhundert erwähnen beispielsweise den Verkauf von Gütern in Blaubeuren gegen „verzinsliche Zieler“. (KI).
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#359]
In der Urkunde steht Erwerbskasse. Da lässt sich kaum ein Kaffeezusammenhang konstruieren.
@ Gauss [#360]
Es heisst tatsächlich Kasse. Vielen Dank nochmal.
Schönen Gruß
Sepp
Brief vom 24.05.1809 von Friedrichroda, gestempel R3 Gotha (Rayonstempel), nach Colmar, im Oberen Rheinischen Deparment, 16 Centimes oder Groschen als Porto vom Empfänger zu bezahlen, vermerkt in schwarzer Schrift.


Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#362]
Hallo Sepp,
dein Brief kostete den Empfänger 16 Decimes (= 1,6 Francs = 160 Centimes), die etwa 45 Kreuzern entsprachen, also 6 Mal Mittagstisch. So ein alter Brief war teuer damals.
LG,
Ralph
@ bayern klassisch [#363]
Hallo Ralph,
vielen Dank für die Berichtigung und Erklärung. Hatte noch was über Decimes gelesen und doch wieder vergessen.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#364]
Hallo Sepp,
wollte "also 6 Mal Mittagstisch" schreiben, kann es aber nicht mehr ändern. Bitte noch das "o" anfügen zu wollen, danke!
Evtl. wog der Brief 11g (s. links oben), wo man in Frankreich gerne das ermittelte Gewicht eintrug, aber das nur "cum grano salis".
LG,
Ralph
[fehlendes o redaktionell eingefügt um 20:40 Uhr]
@ bayern klassisch [#365]
Hallo Ralph,
nochmals danke, mir ist das fehlende "o" gar nicht aufgefallen.
Schönen Gruß
Sepp
Brief vom 21.11.1821 (laut Bleistiftnotiz) von Frankfurt Oder nach Spremberg an einen Herrn Superintendanten. 2 Groschen Porto mit Rotstift vermerkt. Auf der Rückseite ein rotes Wachsiegel, das ich leider nicht entziffern kann sowie handschriftlicher Vermerk evtl. bezahltes Franco.


Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#367]
Hallo Sepp,
der Brief wurde mit 2 Gutegroschen Porto für den Empfänger taxiert. Der Empfänger war "Superintendent".
Hinten sehen wir 2 Gutegroschen 3 Pfennige, womit sich das Bestellgeld von 3 Pfennigen erklärt.
LG,
Ralph
@ bayern klassisch [#368]
Hallo Ralph,
vielen Dank für die Erklärung.
Schönen Gruß
Sepp
Brief vom 08.05.1783 von Wien nach Pressburg (Bratislava) an einen Comte (Graf) Francois de Ballassa. Bei den französischen Titeln dürfte es sich um Kammerherr und wirklicher geheimer Hofrat oder ähnlich handeln. Da keinerlei Vermerke über Franco oder Porto vorhanden sind, gehe ich von einem portofreien Adelsbrief aus. Auf der Rückseite ein schwarzes Wachsiegel, das auf einen Trauerbrief hinweist, und ein roter Einzeiler 9.März.-+


Schönen Gruß
Sepp
Habe es leider jetzt erst bemerkt, der Brief kommt aus dem 18. Jahrhundert und nicht aus dem 19.
@ Briefuhu [#370]
erwähnenswert ist sicher der Titel "Commandeur de l`Ordre de St. Etienne.
Der Orden des Heiligen Stephanus geht zurück auf Kaiserin Maria Theresia (Ritterorden, 1764) zu Ehren von König Stephan I. von Ungarn.
In der Liste der Kommandanten habe ich den Namen Francois de Balassa nicht gefunden, jedoch bedeutet das nicht, dass er nicht doch Kommandant war. Der Brief lief nur 3 Jahre nach dem Tod der Kaiserin. Sehr interessant, da müsste man weiterforschen können.
Übrigens wurde der Orden im Jahr 2011 von dem ehemaligen Ministerpräsidenten Victor Orban wiederbelebt. Ob der neue Großmeister des Ordens, Péter Magyar, der neue Ministerpräsident, diese Tradition fortsetzt, wird man spätestens am 20. August erleben.
Liebe Grüße
10Parale
@ 10Parale [#371]
Das müsste der hier sein:
https://hu.wikipedia.org/wiki/Balassa_Ferenc_(b%C3%A1n,_1736%E2%80%931807)
Die mittlere Stufe des Stephansordens ist der Kommandeur. Davon gab's ursprünglich 30. (20 Großkreuz, 30 Kommandeur, 50 Kleinkreuz).
@ 10Parale [#371]
@ Gauss [#372]
Recht herzlichen Dank an Euch für die hochinteressanten Erklärungen.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#374]
Hallo Sepp,
ich kann nicht viel beitragen zur Klärung der Taxen - sicher war er nicht portofrei, denn es wurde für Sachsen und Thurn und Taxis vom Absender das Franko bezahlt (unten links "Ffrey").
LG,
Ralph
@ bayern klassisch [#375]
Hallo Ralph,
vielen Dank für Deine Hilfe.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#377]
Hallo Sepp,
wenn es das Ronneburg in Thüringen sein soll, wovon ich ausgehe, ist das Porto i. H. v. 18 Neupfennigen in Sachsen beim Empfänger kassiert worden. Das entsprach ca. 6 Kreuzern.
LG,
Ralph
@ bayern klassisch [#378]
Hallo Ralph,
vielen Dank für die Berichtigung, immer wieder bringe ich die Währungen durcheinander.
Schönen Gruß
Sepp