Hier die Rückseite
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Belege aus der Geschichte der Familien Werdermann, Hentschel, Hecker usw.
Hier die Rückseite
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Rückseite:
Das älteste Stück ist diese Vorderseite eines Briefumschlages. Philatelistisch ist der Beleg nichts mehr wert: Er ist eingerissen, geknickt und voller Fettflecken. Der "Zettel" hat wohl nur dadurch überlebt, dass auf der Rückseite ein Rezept für eine Melissenlimonade notiert worden ist.
Trotzdem bin ich auf diesen "vergammelten" Brief besonders stolz. Er geht nämlich "An den königlichen Domainen Rentmeister Herrn Leps Wohlgeboren in Querfurt" - also an meinen Ur-ur-ur-Großvater. Ein königlicher Domänen Rentmeister ist der Verwalter eines großen königlichen Gutes.
Links unterhalb des Freivermerkes steht ist die Unterschrift eines Beamten namens Martini. Da der Berliner Stempel keine Jahreszeit trägt, kann man den Brief nicht genau datieren. Mein Ur-ur-ur-Großvater lebte von 1797 bis 1849. Nach der Papierstruktur ist das Papier nicht älter als aus dem Jahre 1842. Der Brief muss also aus der Zeit zwischen 1842 und 1849 stammen.
Viele Grüße
Volkmar
Ein besonders schönes Beispiel ist dieser Brief, denn er hat gleich zweimal etwas mit meiner Familie zu tun. Auf der Marke zu 70 Pfg. ist die Nicolaikirche abgebildet. Diese Kirche war von 1700 an die Arbeitsstätte meines 7-fachen Urgroßvaters dem Pfarrer Johann Rau. Von 1728 bis zu seinem Tode im Jahre 1733 war er dann sogar Probst von Berlin. Auf der 20 Pfg. Marke sieht man den ältesten Stadtplan von Berlin aus dem Jahre 1648. Dieser Stadtplan stammt von Johann Gregor Memhardt meinem 9-fachen Urgroßvater. Als kurfürstlicher Hofarchitekt und Bauingenieur stand er im Dienst von Friedrich Wilhelm dem sogenannten "Großen Kurfürsten". Für ihn baute er u.a. am Berliner Schloss und erweiterte den Lustgarten. 1656 erhielt er die Oberaufsicht über alle kurfürstlichen Gebäude, insbesondere über das Berliner Schloss.

Linke Marke: Das Berliner Schloss im Jahre 1703
Rechte Marke: Der Große Kurfürst mit seiner Familie im Garten des Berliner Schlosses
Mit diesem Ort möchte ich den Rückblick in meine Ahnentafel beenden, denn aus Bederkesa stammt der älteste meiner Vorfahren, der in unserer Ahnentafel vorkommt. Es handelt sich um meinen 25-fachen Urgroßvater "Margvard von Bederkesa", er wird im Jahre 1159 erwähnt.
Viele Grüße
Volkmar
Bei meiner ersten Antwort habe ich den Brief an meinen Ur-ur-ur-großvater gezeigt. Zu der darauffolgenden Generation gehören väterlicherseits acht Ur-ur-Großeltern. Von diesen kann ich immerhin sieben philatelistisch belegen. Ein Beispiel:
Wie man der Anschrift des Briefes "Frau Pastor Hecker geborene Leps" entnehmen kann, geht dieser Brief an die Tochter des Domainen Rentmeisters Leps, also an meine Ur-ur-Großmutter Clara Hecker. Wenn man das Datum des Poststempels, den 3.2.1906 beachtet, so finde ich es doch schon recht erstaunlich, dass die Absenderin noch den Zusatz "geborene Leps" dazugeschrieben hat. Als meine Ur-ur-Großmutter den Brief erhalten hat, war sie schon 83 Jahre alt und sie ist etwa eineinhalb Monate nach Erhalt des Briefes gestorben.
Viele Grüße nach Kanada
Volkmar
Wie man an meinem philatelistischen Stammbaum sehen kann, ist das inzwischen nicht mehr richtig. Jetzt kann ich alle 8 Ur-ur-Großeltern väterlicherseits belegen. Zum 92-ten Geburtstag meines Vaters, von dem ich das Hobby Philatelie "geerbt" habe, stelle ich gerade ein Heft über das Leben meines Großvaters zusammen. Dabei habe ich eine Karte gefunden, auf der die letzte fehlende 8-te Ur-ur-Großmutter Grüße bestellen lässt.
Diese Karte war schon immer in der Sammlung. Der Zusammenhang zu Ururgroßmutter Emilie Werdermann geb. Bischoff war mir bisher nicht aufgefallen, da die Karte weder an sie selbst ging, noch von ihr geschrieben ist. Ich hatte sie aber noch nicht durchgelesen. Die Grüße von Ururgroßmutter stehen oben links (über Kopf zu lesen).
Als Ergänzung der einzige Brief an ihren Mann, meinen Ur-ur-Großvater, den Bauern Herrn Gottfried Werdermann in Menz vom 29. Oktober 1890. Der Brief kommt vom königlichen Amtsgericht in Gransee und es geht darin um die Übertragung eines Grundstücks in Zernikow von meinem Ur-ur-Großvater an den Urgroßvater. Auf der Rückseite ist der Ankunftsstempel aus Menz vom 30. Oktober 1890.
Viele Grüße
Volkmar
Mein Ur-ur-Großvater, Hermann Hecker war Pastor in Schmarsow bei Hohenmocker (Pommern). Hier eine Karte an ihn aus dem Jahre 1875. Meine Urgroßmutter Hedwig Hecker d.h. also die Tochter von Hermann Hecker und Clara Leps hat in Ihren Lebenserinnerungen eine interessante Geschichte zu dem Pfarrhaus in Schmarsow und zu dem politischen Schriftsteller und Dichter Ernst Moritz Arndt erwähnt.
Von meinen Vorfahren lebte damals allerdings keiner in Schmarsow. Ich zitiere:
Auf der Flucht vor den Franzosen war Ernst Moritz Arndt im Pfarrhaus verborgen und in einer Heufuhre von dem ahnungslosen Knecht bei Demmin über die Grenze gebracht worden. Franzosen, die ihnen begegneten, stachen in das Heu ohne ihn zu treffen.
Ein kleiner Teil im Norden Pommerns im Bereich der Insel Rügen gehörte damals zu Schweden. Ernst Moritz Arndt gelang auf diese Weise die Flucht nach Schweden, wo er sich mehrere Jahre aufhielt, bis er schließlich 1810 nach Deutschland zurückkehrte.
Diese Postkarte schrieb Ur-ur-Großvater Hermann Hecker aus Schmarsow an seine Frau, als diese gerade bei der jüngsten Schwester von Hermann Hecker zu Besuch war. Da Schmarsow kein eigenes Postamt hatte wurde die Post in Hohenmocker aufgegeben. 1890 starb Hermann Hecker im Hause seines Schwiegersohnes Pastor Paul Markgraf in Verchen. Das Foto zeigt Ur-ur-Großmutter Clara Hecker am Grab ihres Mannes neben der Kirche in Verchen. Links stehen ihre Tochter Klara und deren Mann Pastor Markgraf.
Normal gehören solche Fotos nicht ins Forum, aber ich baue in meiner Sammlung "Familiengeschichte und Philatelie" immer wieder Fotos und Urkunden ein. Darum auch hier einmal ein Foto. Außerdem gibt es zu diesem Grab noch eine Geschichte, auf die ich das nächste mal eingehen möchte.
Viele Grüße
Volkmar
Die Marke sollte natürlich mit den Stempel aus Verchen entwertet werden. Es war das erste Mal, dass ich eine Poststelle in einem Supermarkt sah. Die Bedienstete fragte mich, ob sie „den anderen“ Stempel auch auf der Karte abschlagen soll, womit ich natürlich einverstanden war. Ich wusste damals noch nicht, was das für ein Rechteckstempel war. So kam der interne Stempel mit der Rechnungsnummer der Postagentur auf die Karte.
Zu Hause war die Überraschung dann noch größer. In meiner Sammlung fand ich mehrere schön frankierte und verzierte Briefe von Herr T. Er hatte sie in den 80 Jahren an den Selmer Pastor Herrn Sanß geschickt. Herr Sanß hatte uns die Briefe weitergegeben, da damals noch die Briefmarken-Jugendgruppe in Selm aktiv war.
Ich wünsche schöne Ostern aus dem leicht verschneiten Münsterland (und das Ende März!)
Volkmar
Mein Ur-ur-Großvater Louis Hentschel gründete 1860 zusammen mit seinen Brüdern Theodor und Oswald in Muskau ein Geschäft unter dem Namen „Gebrüder Hentschel“. Wie Großmutter Ilse Hentschel schreibt, war es in der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts in Muskau wohl das bestgehende und größte Geschäft und versorgte die ganze Umgebung mit. Die Fotoansichtskarte zeigt eines der später vorhandenen drei Geschäfte.
Inzwischen konnte ich diesen Firmenbrief für meine Sammlung erwerben. Nach dem Tod der drei Geschäftsgründer, die alle ziemlich schnell hintereinander etwa im Jahre 1902 starben, führten Oswald Hentschel (II) und Ludwig Borngräber die Geschäfte weiter. Der Firmenbrief stammt aus dieser Zeit.
Oswald Hentschel (II) war ebenfalls ein eifriger Sammler, seine Sammlung ist aber leider am Ende des Krieges verbrannt. Vermutlich hat er diesen Brief mit einem Zusammendruck, einer Marke vom Unterrand und einem 7-er Streifen Germania frankiert. Mit 91 Pfennig ist er um 1 Pfennig überfrankiert. Auf der Rückseite ist eine interessante Vignette aufgeklebt.
Diese Karte schrieb meine Ur-ur-Großmutter Anna Hentschel geb. Petermann an ihre Enkeltöchter. Die Anschrift lautet:
"Ilse und Clara Hentschel in dem Pangschonat von Fräulein Schulz Gramzow in der Uckermarg"
Mit der Rechtschreibung hatte meine Ur-ur-Großmutter offensichtlich Schwierigkeiten. Man beachte die Schreibweise der Worte "Pensionat" und "Uckermark".
Viele Grüße
Volkmar
Ur-ur-Großvater Friedrich Wilhelm Quinckardt wurde 1842 in Magdeburg geboren. Nach dem Besuch der Handels-Akademie in Gera war er als Handlungsreisender in Magdeburg tätig. 1867 gründete er zusammen mit seinen Bekannten Carl Köhler in Berlin eine Chemikalien-Engros-Handlung. Das Unternehmen vergrößerte sich zusehends und gewann überall einen guten Ruf. Der Krieg 1870/71 schadete dem Geschäft und sein Partner schied 1872 aus der Firma aus. 1875 verkaufte Friedrich Wilhelm Quinckardt aus gesundheitlichen Gründen die Firma und blieb nur stiller Teilhaber.
Aus demselben Grund zog er 1880 nach Charlottenburg in die Berliner Straße 41, an die auch diese Karte geschickt ist. Sein erstes eigenes Haus baute er 1884 in der Bismarckstraße. 1893 ließ er sich am Stuttgarter Platz in Charlottenburg ein herrschaftliches Wohn- und Geschäftshaus bauen. Dort lebte er bis zu seinem Tode im April 1904.
Von Fotoansichtskarte des Hauses habe ich leider nur dieses ungebrauchte Exemplar. Vor einigen Jahren gab ich einmal den Namen meines Urgroßvaters ins Internet ein. Ihr könnt Euch vorstellen, wie erstaunt ich war, einen ca. 30-seitigen Bericht über das Haus von Ururgroßvater und das Nachbarhaus zu finden. Daraus stammen die folgenden Zeilen:
1893 ließ F.W. Quinckardt durch den Bauunternehmer Otto Emil Alfred Schrobsdorff am Stuttgarter Platz 16 in Charlottenburg ein herrschaftlichen Wohn- und Geschäftshaus errichten. Zusammen mit dem Nachbarhaus bildete es eine imposante Doppelanlage. Die Wohnungszuschnitte und -größen des Vorderhauses entsprechen denen des Hauses Stuttgarter Platz 15, sind aber wie das gesamte Haus spiegelverkehrt angelegt. Friedrich Wilhelm Quinckardt wünschte für sein Haus ein höheres Dach als das des Nachbarhauses vom Baukönig Schrobsdorff, zwei hohe, getreppte Spitzgiebel sowie auf dem hohen Dach noch einen spitzen Turm.
Nach dem 2. Weltkrieg wird das Haus Stuttgarter Platz 16 bei der Behörde als "mittelschwer" zerstört registriert. Im Zuge des neuen Denkmalschutzgesetzes wird das Vestibül des Hauses im April 1995 auf die Liste der Baudenkmäler in Berlin gesetzt. Rechts ist das Haus im Jahre 2008 zu sehen.
Der Stuttgarter Platz war eine begehrte Wohnlage, standen die Häuser doch genau gegenüber dem Bahnhof, auf dem die kaiserliche Familie auf dem Weg zum und vom Schloss Charlottenburg Station machte. Der Pfeil deutet auf das Haus von Ur-ur-Großvater. Die vornehme Wohnlage hat sich inzwischen gründlich verändert. In vielen Städten, so auch in Charlottenburg, ist das Bahnhofsviertel zur Erotikmeile geworden. Wie in fast jedem Haus befindet sich im Haus Stuttgarter Platz 16 inzwischen unten rechts ein Nightclub. Die rechte Karte hat Urgroßvater Oswald Hentschel (der Schwiegersohn von F.W. Quinckardt) an seine Tochter geschickt. Sie besuchte gerade ihren Großvater F.W. Quinckardt in Berlin.
Die Berliner Privatpost und Spedition A.G. (Berlin G) nahm am 1. Oktober 1895 ihre Arbeit auf. Im Tarifheft von 1896 entdeckte ich, dass sich im Haus „Stuttgarter Platz 16“ eine Annahmestelle dieser Privatpostanstalt befand. Im Juni 1987 wurde die Berliner Privatpost und Spedition A.G. von der Packetfahrt (Berlin B) übernommen. Die Marken und Ganzsachen der Privatpost konnten aber ausnahmslos und zeitlich unbegrenzt weiter verwendet werden.
Soweit für heute. Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende
Volkmar
Bei einem Aufenthalt in Italien erreichte Ur-ur-Großmutter die Karte aus Hameln von ihrem Schwiegersohn Richard Busacker. Besonders gut gefällt mir aber die folgende Karte:
Eines der Kinder meiner Ur-ur-Großeltern war 1925 auf der Britischen Empire Ausstellung in Wembley. Von dort schickte es diese Sonderpostkarte an Elise Quinckardt. Die Karte trägt den Sonderstempel der Empire Ausstellung. Leider fehlt die Angabe des Vornamens. So weiß ich nicht, wer die Karte geschrieben hat.
Viele Grüße
Volkmar
Für alle, die die Schrift nicht lesen können die Übersetzung:
Lieber Coseng (= Cousin), bitte Dich herzlich mir umgehend Bescheid zu schreiben, wie wir mit Euen in Brandenburg verwandt sind, da Bruder und Schwester gestorben sind und ein Aufruf in der Bürger-Zeitung stand und alle Abkömmlinge erbberechtigt sind.
Lieber Coseng kannst du mir vielleicht mitteilen, wo unsere Großeltern geboren sind und was war ihr Beruf? Vielleicht kannst du mir darüber nähere Auskunft geben.
Adress. Frau Dora Wollschläger, geborene Quinckardt in Burg bei Magdeburg.
Die entsprechende Anzeige ist ebenfalls noch erhalten geblieben. Die Großeltern der verstorbenen Auguste Kuhlmay waren die Urgroßeltern von Friedrich Wilhelm Quinckardt. Bei der Erbschaft ging es um den damals immensen Betrag von 80.000 Mark. Die Schwester von F.W. Quinckardt hatte einen Juden geheiratet. Daraufhin war der Kontakt zur Familie abgebrochen.
F.W. Quinckardt hatte durch sie fünf bis dahin nicht bekannte Nichten und Neffen, von denen drei noch lebten. Zusätzlich meldeten sich überraschenderweise noch mehrere bisher unbekannte Verwandte aus Hamburg. Dadurch erbte F.W. Quinckardt am Ende anstelle der vom Gerichtssekretär in Aussicht gestellten 10.000 Mark „nur“ 3.333 Mark. Zu dieser Korrespondenz gehört auch noch diese „Testamentssache“ vom Sanatorium in Brandenburg die fast zeitgleich mit der Postkarte ankam. Als Drucksache ist sie mit 3 Pfg. frankiert.
Obwohl die Urgroßeltern 7 Kinder hatten gibt es den Namen Quinckardt bzw. Quinckhardt kaum noch. Im Telefonverzeichnis findet man diese Namen insgesamt nur noch 11-mal - vorwiegend im Bereich Hamburg bzw. Bremen.
Viele Grüße und einen schönen Sonntag.
Volkmar
Die Karte mit dem Stempel „Deutsche Seepost, Ostafrikanische Hauptlinie“ fand ich zufällig beim Durchblättern eines Auktionskataloges. Sie geht an Margarete Quinckardt, eine Tochter meiner Ururgroßeltern. Sie war das fünfte von sieben Kindern. Da ich immer nach Hentschel-Briefen suche, achte ich bei den Abbildungen von Belegen der Deutschen Kolonien immer auf die Anschriften. Der Name Quinckardt und die Adresse Stuttgarter Platz 16 fielen mir sofort ins Auge.
Die untere Karte schrieb Kurt Busacker im Alter von 12 Jahren an seine Tante. Er bedankt sich für den Kuchen, den Margarete Quinckardt zu Ostern geschickt hatte.
Viele Grüße
Volkmar
Anbei eine Fotokopie eines Hentschel-Briefes. Hier hat Hentschel Marken der Marschall-Inseln auf Deutsch-Neuguinea außerhalb der Postgültigkeit noch im April 1902 abgestempelt bekommen, sie waren aber nur bis zum September 1901 gültig. Dieser Brief ist ordnungsgemäß zugestellt worden aber natürlich als "Mache" wertlos. Wie es Hentschel geschafft hat seine Manipulationen durchzubekommen ist mir rätselhaft. Vielleicht hat eine Kiste Zigarren oder gute Beziehungen nachgeholfen. Ich weiß es nicht.
Hentschel in Muskau hat in großen Mengen "Machwerke" anfertigen lassen. Insbesondere hat er in unzähligen Mengen Briefe mit 2-Pfg.-Marken sich zuadressieren lassen. Er hat sich damals ein großes Geschäft davon versprochen, doch - wie so oft in der Spekulation - ging dieses Geschäft nicht auf und die vielen 2-Pfg.-Stücke werden als "gemacht" immer "schief" angesehen.
Obwohl ich immer darauf achte, habe ich bisher keinen Brief mit ungültigen Marken zu einem annehmbaren Preis gefunden. Hentschel-Briefe finde ich aber immer wieder, da ich bei Kolonialbelegen immer auf die Anschrift achte. Hierzu zwei Beispiele:
Die linke Karte war mein erster Hentschel-Beleg. Ich fand die Karte bei einem Tauschtag in Münster. Rechts eine der vielen typischen 2-Pfg.-Frankaturen, in diesem Fall von der deutschen Post in China.
Ein "Abfallprodukt" bei der Suche nach Hentschel-Belegen war die Karte an Margarethe Quinckardt, die ich im letzten Beitrag vorgestellt habe.
Soviel für heute
Volkmar
Inzwischen besitze ich auch einige Hentschel-Belege aus Deutsch-Neuguinea. Einer der berüchtigten Briefe mit ungültigen Marken ist (wie schon gesagt) allerdings nicht dabei.
Die 2 Pfg.-Ortspostkarte wurde mit einer 3 Pfg.-Germania als Zusatzfrankatur am 2.9.1901 in Matupi abgestempelt. Entsprechend des Ankunftsstempels hat die Post aus Deutsch-Neuguinea ca. 7 Wochen für den Transport nach Deutschland gebraucht. Ab dem 1.5.1899 galten in den Schutzgebieten deutsche Inlandsgebühren. Die Karte ist also portogerecht. Die rechte Karte aus Herbertshöhe ist mit 3 x 2 Pfg. um 1 Pfg. (20%) überfrankiert.
Im dritten Fall verwendete Theodor Hentschel eine 5 Pfg. Germania-Karte des Deutschen Reiches. Er ließ sie sich aus Berlinhafen zuschicken. Evtl. geht diese Karte an Theodor Hentschel Junior, den Sohn von Theodor Hentschel. Aus den erhaltenen Unterlagen geht hervor, dass alle drei Brüder (siehe [#14]) ziemlich kurz hintereinander ca. 1902 gestorben sind. "Theodor Hentschel Junior" hat auf jeden Fall auch gesammelt, denn ich fand seinen Namen im Mitgliederverzeichnis des Verbandes der Abstempelungs-Sammler aus dem Jahre 1907. Außerdem habe ich eine Karte aus dem Jahre 1903 mit der Anschrift "Theodor Hentschel Jun." gesehen.
Demnächst geht es weiter
Volkmar
Die Karte aus Tanga ist der einzige Hentschel-Beleg, den ich bisher aus Deutsch-Ostafrika gesehen habe. Diesmal wurden neben den Marken des Deutschen Reiches eine Bayrische 3 Pfg. Marke und eine Marke aus Deutsch-Ostafrika zu 2 Pesa verwendet. Deutsch-Ostafrika war 1901 die einzige Kolonie, in der nicht Mark und Pfennig eingeführt waren.
Die zweite Karte kommt aus Yap, der damaligen Hauptinsel der Inselgruppe der Karolinen im Pazifischen Ozean. Diesmal wurde neben der eingedruckten Marke eine 3 Pfg. Germania-Marke aufgeklebt. Wenn man die Anschriften der beiden Karten vergleicht, so erkennt man, dass sie dieselbe Handschrift tragen.
Der linke Brief kommt ebenfalls Deutsch-Südwestafrika. Bei dem 10 Pfg.-Ganzsachen-Umschlag (Adler) wurden zusätzlich eine 10 Pfg.-Germania und die 10 Pfg. Aufdruck-Ausgabe aus Deutsch-Südwestafrika aufgeklebt. Der Brief ist als Einschreiben frankiert, er wurde aber am 2.4.1901 in Grootfontein als gewöhnlicher Brief aufgegeben. Im April 1901 waren die Aufdruck-Ausgaben noch gültig.
Der rechte Brief wurde in Kamerun aufgegeben. Dort habe ich bisher nur zwei Briefe registriert, die beide aus Kribi kamen. Diesen Brief hat ein Bekannter von mir in meinem Auftrag ersteigert, denn als der Brief bei Ebay verkauft wurde, war ich gerade in Kamerun und besuchte dort unter anderem auch Kribi.
Insgesamt habe ich bis auf die Marschall-Inseln und Samoa aus allen Deutschen Kolonien Hentschel-Belege gefunden. Die Marken der Marschall-Inseln wurden allerdings auf Briefen aus Deutsch-Neuguinea verwendet. Leider konnte ich mir aufgrund der Preise (bis zu 5000,-€) nicht alle Belege leisten.
Viele Grüße
Volkmar
Vielleicht hatte der Absender versucht, diese Karte als Einschreiben aufzugeben und hat gehofft, dass die ungültigen Aufdruckmarken zu 10 Pfg. bzw. 20 Pfg. noch abgestempelt wurden. Dieses geschah aber nicht, sondern die Marken wurden als ungültig markiert. Der Absender schreibt am 5.3.1902:
Ich bedaure ihn mitteilen zu müßen daß auch die zweite Sendung zurückgekommen ist voraußsichtlich bringe ich dieselbe persönlich da ich im August in Deutschland bin bietet sich noch gelegenheit die zwei Sendungen zur Post zu geben so schicke ich sie noch vorher ab.
Unter herzl. Grüssen verbl. ich ihr Fr. Großmann
Viele Grüße
Volkmar
Diesen Brief habe ich bei Ebay entdeckt. Es ist der erste Beleg in meiner Sammlung an die Gebr. Hentschel. Meinen einzigen Firmenbrief von ihnen habe ich im Beitrag [#14] vorgestellt.
Viele Grüße
Volkmar
Diese Karte an einen Briefmarkenhändler in Berlin hat Theodor Hentschel persönlich geschrieben. Er fragt nach Kolonial-Belegen und gibt als Referenzen an, dass er Mitglied in folgenden Vereinen ist:
- Berliner Briefmarken Sammler Verein
- Alemania Berlin
- Mährisch Ostrau Verein etc etc.
Seine Leidenschaft für die 2-Pfg. Briefmarken sieht man auch an der Bitte:
"Briefe bitte mit 2 Pfennig Marken I. Em(ission) zu bekleben! Auch Einschreibebriefe!"
Anhand der Handschrift auf dieser kann ich erkennen, dass Theodor Hentschel einige der besonders ungewöhnlichen (aber leider auch sehr teuren) Kolonialbelege selbst geschrieben hat.
Die Bedeutung des lila Stempels „*142*“ und der handschriftlichen „9“ links unter dem Bestellt-Stempel habe ich erst bei einem Treffen der Poststempelgilde in Soest erfahren. Theodor Hentschel hatte als Adresse nur „Berlin, Potsdamer Straße“ angegeben. Die Potsdamer Straße ist aber so lang, dass verschiedene Postämter für die Zustellung der Karte in Frage kamen. Die Karte ging also zur Feststellung des zuständigen Postamtes zunächst zur Rückbriefstelle im Postamt Berlin C2. Dort hatten die Beamten nach ihrem normalen Dienst die Aufgabe, bei solchen sogenannten „faulen Karten“, das zuständige Postamt zu ermitteln.
Der zuständige Beamte stellte fest, dass es sich um das Postamt Berlin 9 handelt und hat diese Zahl links notiert. Zusätzlich schlug er seinen Nummernstempel „*142*“ auf der Karte ab. So konnte man feststellen, welcher Beamte die Karte bearbeitet hat und ob das Ergebnis seiner Suche richtig war. Von der Rückbriefstelle ging die Karte zum Postamt Berlin 9 und erhielt dort den entsprechenden Bestellt-Stempel.
Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Volkmar
Urgroßvater war Briefmarkensammler und hat zum Glück viele Ganzstücke aufgehoben. Zusätzlich hat Urgroßmutter Lebenserinnerungen geschrieben, so dass ich auch noch viele Informationen zum Leben meiner Urgroßeltern habe. Dadurch kann ich zu meinen Urgroßeltern nicht nur einzelne Belege zeigen, sondern ich kann ihren Lebenslauf in großen Teilen philatelistisch darstellen.
Hedwig Hecker kam am 14.2.1864 als Tochter von meinen Ururgroßeltern Hermann Hecker und Clara Leps zur Welt (siehe Beitrag [#12]).
Ferdinand Werdermann ist am 25.3.1857 als ältester Sohn des Bauern Gottfried Werdermann und seiner Frau Emilie in Menz (Kreis Ruppin) auf dem Werdermannschen Hof zur Welt gekommen. Er wollte gerne den Hof übernehmen, war aber in der Schule so begabt, dass er stattdessen studieren sollte. Statt Ferdinand bekam später sein Bruder den Hof und hat ihn dann schließlich verkauft, worunter Urgroßvater sehr gelitten hat. Die Bleistiftzeichnung des Werdermannschen Hofes in Menz stammt von meinem Vater. Er fertigte sie nach einem Ölgemälde an, das im Krieg leider zerstört wurde. Nach der Maueröffnung war ich mit meinen Eltern u.a. auch in Menz. Vom alten Hof stand nur noch das Gebäude ganz links.
Ferdinand Werdermann und Hedwig Hecker lernten sich 1880 in Königsmühl kennen, als er als Kandidat einige Wochen in Pommern eine Pfarrstelle suchte, um sich von dort aus zum zweiten Examen zu melden, welches er in Stettin ablegen wollte.
Bis heute Morgen ging ich davon aus, dass dieser Brief mit der Anschrift „F. Werdermann“ der älteste Brief an meinen Urgroßvater ist. Weiterhin dachte ich, dass er zuerst Jura studierte und dann zur Theologie wechselte. Beim Schreiben dieses Beitrags fiel mir aber auf, dass es nicht sein kann. Zuerst stutzte ich darüber, dass Urgroßvater 1885 schon 29 Jahre war. Da muss er mit dem Studium schon fertig gewesen sein, dann merkte ich zusätzlich, den letzten Absatz, in dem steht, dass er sich 1880 schon zum zweiten Examen zu melden wollte. Der Brief geht also eindeutig nicht an Urgroßvater Ferdinand Werdermann. Vielleicht geht der Brief an Friedrich Werdermann, den 7 Jahre jüngeren Bruder. Wenn ich Glück habe, kann mein Vater noch etwas dazu sagen.
Beim Empfänger des Briefes heißt es „stud. jur. et. cam“. Die Silbe „cam.“ bedeutet Kameralwissenschaft. Darunter verstand man im 18. und 19. Jahrhundert jene Wissenschaften, die den Kammerbeamten die notwendigen Kenntnisse für die Tätigkeit in der Verwaltung vermittelten. Der Brief wurde in Neuruppin mit dem alten preußischen Zweikreisstempel in Antiqua abgestempelt - es ist also ein "nachverwendeter" Preußenstempel.
Im nächsten Beitrag werde ich dann den tatsächlich ältesten Brief von Urgroßvater vorstellen.
Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende
Volkmar
Meine Frau Jutta und ich haben auf zwei Fahrradtouren 2007 und 2009 Deutschland vom südlichsten Punkt (Haldenwanger Eck in den Allgäuer Alpen nahe Oberstdorf) bis hin zum nördlichsten Punkt (Ellbogen auf Sylt) durchradelt. 2010 haben wir am östlichsten Punkt (an der Neiße) mit der Tour zum westlichsten Punkt begonnen. Auf dieser Tour kamen wir unter anderem durch Bad Muskau und nach Friedersdorf. Dort wurden wir sehr freundlich durch die Kirche und das von Urgroßvater erbaute Pfarrhaus geführt.
Jetzt aber der älteste Beleg, der von Urgroßvater erhalten geblieben ist. Urgroßvater war häufiger krank. Mitte März 1890 verschlimmerte sich ein Magenleiden von Urgroßvater, das er sich als Soldat zugezogen hatte. Der Arzt riet zu einer schleunigen Kur in Karlsbad, wohin er dann auch reiste. Von Dobrilugk ging ein Zug direkt dorthin, hielt aber nur so kurze Zeit, dass sich die Urgroßeltern ohne Abschied trennen mussten. Die linke Karte schickte er von dort an seine Frau. Karlsbad liegt heute in Tschechien und heißt Karlovy Vary. 1890 gab es die Tschechoslowakei noch nicht und das Gebiet gehörte zu Österreich.
Es war üblich, dass der Titel des Mannes auch bei der Frau angegeben wurde. Urgroßvater schrieb deshalb auf beiden Karten: "An Frau Pastor Werdermann in Friedersdorf bei Dobrilugk N.L.".
Rechts ist eine Sonderkarte zur Jahrhundertwende, die Urgroßvater am 10.6.1900 auf der Schneekoppe aufgegeben hat. Die Schneekoppe ist der höchste Berg im Riesengebirge (1603 m). Auf dem Gipfel befanden sich unter anderem ein Aussichtsturm, eine Wetterstation, eine kleine Holzkapelle aus dem 17. Jahrhundert und ein Postamt.
Soviel für heute. Demnächst geht es weiter.
Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende
Volkmar
Bei dieser Postkarte geht es allerdings nicht um den Bau des Pfarrhauses, sondern um die Untersuchung der Kirche in Gruhno, einer Filiale von Friedersdorf.
Auf der Postkarte an Urgroßvater von der königlich preußischen Kreis-Bau-Inspektion aus dem Jahre 1903 ist eine 5 Pfg. Zählmarke für Preußen. Wie der Rechteckstempel links mit dem Text "Frei laut Avers Nr. 21" besagt, hat Preußen das Porto pauschal mit der Post abgerechnet. Die Briefmarke stellt also kein Porto dar, sondern diente im Jahre 1903 zur Kontrolle, ob Preußen auch den richtigen Betrag an die Post gezahlt hat.
Auf dieser Ansichtskarte ist das neue Pfarrhaus in Friedersdorf zu sehen. Urgroßmutter schreibt:
1901 wurde mit dem Bau begonnen. Es war ein schöner Herbst und es kam noch trocken unter Dach. … Es wurde ein vollendet schönes Haus, in das wir am Kirmes-Sonntag 1902 zum ersten Mal die Bekannten einladen konnten.
Urgroßmutter schickte die Karte an ihren Neffen den Unteroffizier Hermann Markgraf nach Verchen. Er war später als Leutnant der Reserve bei der Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika.
Auf unserer Fahrradtour 2010 konnten wir natürlich auch das Pfarrhaus mit den schönen Jugendstil-Türen besichtigen.
Viele Grüße
Volkmar
Als Pastor war mein Urgroßvater nach damaliger Ordnung automatisch auch königlich preußischer Ortsschulinspektor für Friedersdorf und die Filialen Rückersdorf und Gruhno. Auch der Absender des Briefes, der königlich preußische Kreisschulinspektor war hauptberuflich ebenfalls Pastor, denn es war der Schlossprediger Schmidt aus Dobrilugk. Mein Großvater schreibt in seinen Lebenserinnerungen:
Im Allgemeinen stand sich Vater mit den Lehrern gut. Er ließ Ihnen vor allem möglichste Freiheit. Nur vor Ostern musste er Schülerprüfung halten. Da erkundigte er sich vorher bei Mutter nach Steppnaht, überwendlicher Naht u.a., um auch einige sachkundliche Fragen bei Vorlegung der Nadelarbeit der großen Mädchen zu tun. Einmal erzählte er uns, es sei gerade geglückt, den Nordpol zu erreichen, er habe es gerade heute früh in der Zeitung gelesen; bis herauskam: das war ein "Aprilscherz" der Zeitung vom 1. April gewesen.
Für die 100 Schüler der Dorfschule in Friedersdorf gab es damals übrigens nur einen Lehrer. Die Schüler wurden deshalb in zwei Abteilungen unterrichtet: von 6-9 Uhr die 10-14 jährigen und danach von 9-12 Uhr die Kleinen.
Diesen Brief, an die königliche Kreisschulinspektion war an den Schlossprediger Schmidt aus Dobrilugk gerichtet. Der Brief kommt von der königlichen Regierung aus Frankfurt (Oder). Auch hier wurde eine preußische Zählmarke verwendet, in diesem Fall die 10 Pfg.-Marke für Briefe im Fernverkehr. Urgroßvater hat ihn wohl als Briefmarkensammler von Herrn Schmidt geschenkt bekommen. Über den Schlossprediger Schmidt schreibt Großvater:
Zu unserer „Umwelt“ gehörten auch die benachbarten Pfarrfamilien. Es gab ein offiziöses „Pfarrkränzchen“. An dem beteiligten sich die Eltern nicht, weil ihnen zu umständliche und kostspielige Gastereien damit verbunden waren. Aber von Pfarrhaus zu Pfarrhaus wurde viel verkehrt. Bei Schlossprediger Schmidts in Dobrilugk waren wir nur selten; die Kinder waren schon erwachsen. Es mutete uns immer sehr „fein“ bei ihnen an. Uns imponierte, dass er oft zwei Brillen trug und uns dadurch streng prüfend anschaute.
Viele Grüße
Volkmar
Theodor Hentschel (II) schreibt:
Erlaube mir ganz ergebene
Anfrage wann Ihr neuer Catalog
für Briefmarken Übersee (Asien – Australien,
Afrika Amerika)
erscheint + was derselbe kostet. 1925
könnte zwei davon verkaufen.
vielleicht noch mehr + wie verkaufen Sie
diesen an Wiederverkäufer
Sehe Ihrer baldigen Offerte entgegen
Hochachtungsvoll
Th. Hentschel
Briefmarkenhändler
Ohne es bisher zu wissen, habe ich also einen zweiten Briefmarkenhändler in meiner Familie.
Viele Grüße
Volkmar
2 Pfg. als Frankatur kann verschiedene Ursachen haben:
1) Ortspostkarte
2) Nachbarortsverkehr
3) Drucksache
4) Fernpostkarte mit bis zu 5 Wörtern
zu 1) Die Postkarte ist von Dobrilugk nach Berlin geschickt worden. Es ist also keine Ortspostkarte.
zu 2) Nachbarortsverkehr scheidet aus, da Dobrilugk und Berlin 120 km voneinander entfernt sind
zu 3) Es fehlt der Vermerk "Drucksache" - aber das kommt häufiger vor
zu 4) hier hilft nur ein Blick auf die Rückseite:
Wenn man diese Postkarte betrachtet, so scheint es, dass Urgroßmutter sehr sparsam war. Sie hat diese Postkarte an ihren Mann mit ihrer kleinen Schrift sehr eng beschrieben. Als der Platz nicht ausreichte, hat sie zusätzlich noch einmal senkrecht dazu weitergeschrieben. Also etwas mehr als 5 Worte.
Die Karte ist also irrtümlich mit nur 2 Pfg. Porto durchgerutscht. Eigentlich waren 5 Pfg. für eine Fernpostkarte erforderlich. Urgroßvater hatte Glück, dass er keine Nachgebühr zahlen musste.
Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Volkmar
Die Urgroßeltern hatten fünf Kinder. Hilde, die jüngste Tochter starb 1908 im Alter von 13 Jahren. Die drei Brüder Hermann, Gottfried und Johannes besuchten 1909 auf einer Radtour ihre Schwester Dora, die in Gramzow im Pensionat war. Auf dieser Karte an die Eltern haben alle vier Geschwister, die Pensionatsleiterinnen und die anderen Schülerinnen des Pensionats unterschrieben.
Auf der Vorderseite der Karte schreibt die Tochter Dora Werdermann:
Liebe Eltern! Herzl. Sonntagsgrüße sende ich Euch mit Dank für den Brief. Im Ordnungsbuch hatte ich in allem "recht gut" und ein Lob. Ich freue mich sehr, daß die Brüder hier sind. Eure tr. Tochter D.W.
Der Gruß auf der Rückseite ist von meinem Großvater. Er schreibt:
Liebe Eltern! Auf Doras Platz in der Schule sitzend will ich Euch unsere Grüße senden. Nach einer großartigen Fahrt von Lychen nach Prenzlau u. von dort nach hier, wo uns nur zuletzt der Wind etwas hinderte, kamen wir gestern zum Kaffee hier an und wurden sehr nett aufgenommen... Viele hrzl. Grüße Euer tr. Sohn Hermann Werdermann
Darunter habe die beiden anderen Brüder Gottfried (Friedel) und Hans unterschrieben.
Viele Grüße
Volkmar Werdermann
Auf dieser Karte vom 1.1.11 schreibt Urgroßmutter kurz nach dem Umzug:
Ein gesegnetes glückliches neues Jahr wünschen wir Dir, liebe Trude, und Eurer ganzen Familie mit herzlichen Grüßen aus der neuen Heimat. Den Umzug, von gutem Wetter begünstigt haben wir glücklich hinter uns am 24. beendet. Das Haus ist bequem aber viel kleiner als in Friedersdorf, wir werden im Stall ein Zimmer im Sommer einrichten müssen, da wir kein Fremdenzimmer haben. Der dunkle Zaun, rechts auf dem Bilde, gehört zum Pfarrgehöft. Die Kirche hat Altertumswert ist außen und innen sehr sauber. Die Gemeinde zählt nicht 400 Seelen.
Diese Karte ist einer der wenigen Belege, die ich dazugekauft habe. Ich fand sie unter dem Stichwort "Kraatz" bei Ebay.
Viele Grüße
Volkmar
Etwa ein Jahr nach ihrem Umzug von Friedersdorf nach Kraatz bekam Urgroßmutter diese Ansichtskarte aus Friedersdorf. Sie hat einen traurigen Grund. Im Text geht es darum, dass ein kleiner Junge aus dem Dorf von einem Wagen überrollt und getötet wurde.
Friedersdorf (es gehört heute zu Rückersdorf) ist ein Straßendorf mit einer bis zu 40 Meter breiten "Straße" in der Mitte. Dieses ist auf der Fotokarte gut zu sehen. Als wir vor drei Jahren unsere Deutschland-Durchquerung mit dem Rad vom östlichen bis zum westlichsten Punkt begannen, waren wir auch in Friedersdorf und anderen Orte in der Oberlausitz. Dort sahen wir, dass diese breiten "Straßen" dort häufiger vorkamen.
Soweit für heute, viele Grüße
Volkmar
Während des Ersten Weltkrieges diente Koos Jooste als Kriegsfreiwilliger bei der Kaiserlichen Marine. Diese Fotokarte, die er am 21.12.1914 an meinen Urgroßvater schickte, trägt daher den Stempel „Sperrkommandant Borkum“. Alle deutschen Flussmündungen, also auch die Ems, wurden im Ersten Weltkrieg mit Sperrfahrzeugen gegen feindliches Eindringen gesichert.
Großvater schreibt über Herrn Jooste:
Besonders interessant war für uns der wiederholte Besuch des Burenkommandanten Koos Jooste. Vielerlei zog uns bei ihm an: Er kam aus dem fernen Burenland, dessen Freiheitskrieg wir mit Begeisterung und Anteilnahme miterlebt hatten. Er fuhr auf einem Fahrrad, an dem die Spuren von englischen Kugeln waren, Spuren der schweren Kämpfe dort unten. Und Herr Jooste war immer heiter, steckte voll lustiger Geschichten, die er noch dazu wirkungsvoll, in einem etwas gebrochenen Deutsch erzählte.
Viele Grüße
Volkmar
Auf dieser Karte aus dem Jahre 1907, die er nach Friedersdorf geschickt hat, geht es um einen Vortag, den Koos Jooste dort halten möchte. Bei diesen Vorträgen hat Herr Jooste zahlreiche Ansichtskarten verkauft. Im Internet findet man immer wieder solche Stücke:
Die untere Karte trägt den handschriftlichen Zusatz „Jooste hielt am Mittwoch, den 14.2.1917 in Oldenburg in der Union eine Rede über nationale Gegenwartsfragen“.
Zum Abschluss über Herrn Jooste noch ein paar Worte aus den Lebenserinnerungen von Großvater:
Jooste war durch Vermittlung eines Freundes nach Böhmen in ein altadeliges Haus zur Jagd eingeladen. Er folgte der Einladung gern, nur war es ihm sehr unbehaglich zumute, weil der Freund ihm erklärt hatte, er müsste der Dame des Hauses auf jeden Fall die Hand küssen. Dies erschien dem Buren eigenartig; er sagte: Bei uns küsst man die Damen auch gern, aber lieber an eine andere Stelle! ...
Als sie zum Schloss kamen ging Jooste stracks auf die gut angezogene Frau zu und küsste ihre Hand, ehe ihn sein Freund zurückhalten konnte – er hatte das Zimmermädchen geküsst.
Viele Grüße
Volkmar
Ihre Schwester Dora arbeitete während des Ersten Weltkrieges als Krankenschwester. Die Ansichtskarte mit vier Bildern aus Kraatz schickte Urgroßmutter 1915 an ihre Tochter, als diese in Magdeburg im Krankenhaus als Schwester tätig war.
Während des Ersten Weltkrieges schrieb Urgroßvater viele Karten an die Verwandten und Bekannten, die als Soldat im Felde waren. Besonders interessant finde ich diese Karte vom 3.10.1917. Auf ihr steht in 9 verschiedenen Sprachen: „Ich bin gesund und mir geht es gut“ und „Auf dieser Karte darf sonst nichts mitgeteilt werden“. Der Absender war bei der „Armee Fernsprech Abteilung 101 beim Kommando“.
Wer kann mir etwas zu dieser ungewöhnlichen Karte sagen?
Viele Grüße
Volkmar
Auffällig an dieser „Volkserzieherkarte“ vom 14.3.1918 sind die Hakenkreuze auf der Rückseite. Man sieht deutlich, dass das Hakenkreuz viel älter als das Dritte Reich ist. Die Karte trägt auf der Vorder- und Rückseite die Propaganda-Sprüche „Wer Gott vertraut, fest um sich haut, hat wohl gebaut“ und „Treu leben, Todtrotzend kämpfen, Lachend sterben“.
Urgroßvater erhielt die Karte von dem Spanier Ricardo Fages. Die Urgroßeltern hatten Ricardo in den großen Ferien bei sich in Kraatz aufgenommen, während er in Ducherow auf das Seminar ging. Während des Krieges war er beim Scheinwerfer-Zug des Niederschlesischen Pionier-Bataillons.
Wie die beiden Briefe zeigen, gab es gelegentlich Probleme mit den Adressen. Der erste Brief wurde mehrmals hin- und hergeschickt und kam schließlich wieder zu Urgroßvater zurück. Daneben eine weitere Karte mit einem interessanten Spruch.
Soweit die Zeit des Ersten Weltkriegs.
Viele Grüße
Volkmar
Er hat die Karte wohl unterwegs im Zug geschrieben, denn die Postbeamten konnten den Ortsnamen "Kraatz" nicht lesen ("?" hinter Kraatz). Die Karte ging zunächst nach Crivitz (unterste Zeile). Dort angekommen wird oben links vermerkt "Empf. in Crivitz unbekannt". Von Crivitz aus wird die Karte nach Kyritz weitergeschickt => senkrechter Vermerk "Kyritz Prignitz unbekannt".
Schließlich bekam die Karte den Hinweis "Zurück". Entweder konnte jemand den stenographierten Text auf der Rückseite lesen, oder die Karte ist doch noch in Kraatz angekommen - ich weiß es nicht.
Gibt es jemanden unter Euch, der Stenographie nach Stolze-Schrey lesen kann?
Viele Grüße
Volkmar
Die Postkarte vom 16.8.1921 geht noch nach Kraatz. Dort heißt es "... dass Ihr schon stark beim Zusammenräumen seid." (Portoperiode 6, 40 Pfg.)
Auf der Karte vom 14.2.1922 an die neue Adresse in Gramzow schreibt die Absenderin: "Meine liebe Hete! Es gefällt mir garnicht, daß ich nur eine Karte zu Deinem Geburtstag nehme, aber leider habe ich nicht genügend Marken besorgt." (Portoperiode 7, 1,25 Mark)
Postkarte vom 3.7.1922 von Urgroßvater an Urgroßmutter zum 35-ten Hochzeitstag. Urgroßvater war in Löwenberg bei seinem Sohn (meinem Großvater) zu Besuch. (Portoperiode 8, 1,50 Mark)
Postkarte von Onkel Hans an seine Mutter vom 9.12.1922. (Portoperiode 10, 6,00 Mark)
Viele Grüße
Volkmar
Postkarte aus Gransee an Urgroßvaters Adresse in Gramzow. Da er aber gerade bei seinem Sohn Hermann in Löwenberg zu Besuch war, wurde die Karte dorthin weitergeschickt. (Letzer Tag der Portoperiode 11, 15,- Mark)
Postkarte an Urgroßvater von seinem Schwager Dr. Hermann Hecker aus Gengenbach (Baden). Dieser hat die Zähne der Briefmarken abgeschnitten. Vielleicht wollte er, dass die Anschrift nicht verdeckt wird und das gesamte Markenbild sichtbar bleibt. (Portoperiode 16, 8.000,- Mark).
Postkarte aus Berlin Wilmersdorf mit einer Einzelfrankatur der Marke Nr. 284. (Portoperiode 17, 30.000,- Mark)
Wie man an dieser Postkarte mit Einzelfrankatur aus Nowawes (bei Potsdam) vom 26.9.1923 sieht, war das Porto bis September 1923 schon auf 100.000 Mark gestiegen. (Portoperiode 18)
Soweit die Inflationsbelege an die Urgroßeltern.
Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende
Volkmar
Ab dem 1.10.1923 wurde für neun Tage das achtfache Porto, also 800.000 Mark für eine Postkarte verlangt. Die letzte Karte trägt eine Mischfrankatur mit diesem Porto. (Portoperiode 19)
Für mich ist die Nachnahme natürlich vor allem dadurch interessant, dass die Todesanzeige aus dem Uckermärkischen Kurier auf die Rückseite aufgeklebt wurde. Was mir nicht klar ist, ist der blaue Vermerk auf der Anzeige. Weiß einer von Euch, was er bedeutet?
Als ich nach dem Mauerfall in Gramzow war, sah ich auf dem Friedhof noch das Grab meiner Urgroßeltern. Da Urgroßvater Pastor war, ist die Grabstätte nicht neu benutzt worden.
In der Anzeige heißt es: Der Entschlafene wünschte statt gekaufter Kranzspenden eine Gabe für die Berliner Mission. Die "Berliner Mission" ist das Stichwort für zwei weitere Kapitel aus meiner Sammlung "Familiengeschichte und Philatelie". Die Urgroßeltern waren mit einem Missionars-Ehepaar aus Deutsch-Ostafrika befreundet. Außerdem war ihre Tochter Dora mit dem Missionar Willy Matzat verheiratet. 1922 ging die Familie für die Berliner Mission nach China.
Bevor ich zum Ehepaar Hübner aus Deutsch-Ostafrika komme, zeige ich noch ein paar Belege zu Urgroßmutter, die ihren Mann um 17 Jahre überlebte.
Viele Grüße
Volkmar
Diese beiden Karten an Urgroßmutter gingen an die Adressen ihres Sohnes Hermann (mein Großvater) der nach Berlin in Hannover und Dortmund gelebt hat. Obwohl Urgroßmutter 1934 schon 70 Jahre alt war, steht auf beiden Karten noch "geb. Hecker".
In Berlin-Halensee wohnte ihre Schwester Klara, die mit Paul Markgraf verheiratet war. Zwischendurch war Urgroßmutter natürlich auch immer wieder einmal in Gramzow. Das Haus dort diente der ganzen Familie als Feriendomizil und Treffpunkt.
Viele Grüße
Volkmar
Urgroßmutter hat die Briefe von einer Bekannten erhalten. Wer die Absenderin ist, weiß ich nicht. In den Lebenserinnerungen habe ich den Namen noch nicht gefunden.
Viele Grüße
Volkmar
Im Stift musste sie zum zweiten Mal einen Weltkrieg miterleben. Die zweite Karte schickte sie am 29.10.1945 an Großvater. Es war der erste Tag nach dem Krieg, an dem Post von der sowjetischen in die britische Zone zugelassen war. Sie schreibt:
„Heute vor 6 Monaten war der letzte Brief von Dir lieber Hermann geschrieben, der uns Ende März erreichte vor dem großen Angriff…
Gestern hörte ich, daß jetzt man überall hin schreiben könne, da will ich Euch und Euern Mädeln innige Grüße senden und mitteilen, daß wir alle die schweren Monate mit Gottes Hilfe gut überstanden...“.
Viele Grüße
Volkmar
Diese Reisebescheinigung für Onkel Hans in deutscher und russischer Sprache ist am 20. Dezember 1945 vom Kreispolizeiamt Randow ausgestellt worden.
Die Fahrt nach Berlin verzögerte sich aber zunächst. Im Januar 1946 ist Onkel Hans dann doch nach Berlin gefahren. Kurz vor seiner Rückfahrt schickte er noch eine Karte an seine Mutter. Er benutzte dazu eine Ganzsache aus Mecklenburg-Vorpommern, die er am 13.1.1946 in Berlin-Charlottenburg aufgab.
Onkel Hans wohnte in Retzin bei Grambow. Die zweite Postkarte hat er im benachbarten Löcknitz aufgegeben. Sie trägt den Notstempel des Postamtes Löcknitz (aptiertes Amtssiegel) mit handschriftlich eingetragenem Datum.
Eigentlich gehören diese drei Belege zum Kapitel "Das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Zeit danach". Ein nach meiner Meinung hochinteressantes Kapitel, das ich später einmal zeigen werde.
Viele Grüße
Volkmar
Am 8. Juni 1946 ist Urgroßmutter schon so schwach, dass sie diese Karte an Onkel Hans diktieren musste.
Außer an Onkel Hans diktierte Urgroßmutter am selben Tag auch noch eine Karte an Großvater. Drei Tage später am 11.6.1946 ist Urgroßmutter dann im Alter von 82 Jahren gestorben.
Viele Grüße
Volkmar
Von seiner Sammelleidenschaft erfuhr ich, als ich die Lebenserinnerungen meines Großvaters las. Es heißt dort:
In der Steinstraße lebte Onkel Carl Hecker, mit Tante Maria und Vetter Gerhard. Es gefiel mir ihr großes Geschäft, und vor allem imponierte mir die große Markensammlung, die er hinten in seinem Kontor hatte. Wir Kinder sammelten auch die damals aufkommenden Ansichtskarten und fremde Briefmarken. Hier fielen nun allerlei Dubletten für mich ab.
Vermutlich sind auf diesem Weg auch das Streifband und die Postkarte, die an Carl Hecker adressiert sind in unsere Sammlung gekommen.
Viele Grüße
Volkmar
Ein netter bunt frankierter Beleg, doch mit 86 Pfennig etwas überfrankiert. Erforderlich waren: Postkarte 8 Pf. + Einschreiben 30 Pf. + Eilzustellung 40 Pf. = 78 Pfennig.
Viele Grüße
Volkmar
Im Beitrag [#18] schrieb ich: "Die untere Karte schrieb Kurt Busacker im Alter von 12 Jahren an seine Tante." Jürgen ist anhand der zweiten Karte aufgefallen, dass Kurt 1920 nicht 12 Jahre sondern nur 8 Jahre alt war. Darum an dieser Stelle die Rückseite und der linke Teil der Karte:
Die Rückseite und die Anschrift schrieb Kurt Busacker (geb. 1913) im Alter von 8 Jahren. Der linke Teil der Karte kommt von seinem 4 Jahre älteren Bruder Hans (geb. 1908).
Dank Jürgens Aufmerksamkeit konnte ich einen Fehler in meiner Sammlung korrigieren. Ein dickes Lob und vielen Dank dafür.
Viele Grüße
Volkmar
Diese Privatganzsache mit einem Jugendstil-Glückwunsch zur Jahreswende 1900/1901 schickte Carl Hecker am 31.12.1900 an Ernst Dittmer. Louise Hecker, die Ehefrau von Ernst Dittmer, war mit Carl Hecker über ihren gemeinsamen Ur-ur-großvater Andreas Peter Hecker verwandt.
Mit dieser Karte möchte auch ich Euch einen guten Rutsch und alles Gute für das kommende Jahr wünschen.
Viele Grüße
Volkmar
Wer die Karte aus Anklam an Urgroßmutter geschickt hat weiß ich nicht, da sie nicht unterschrieben ist. Es handelt sich um eine 2 Pfg. Ortspostkarte, bei der zusätzlich eine 3 Pfg. Marke eingedruckt wurde. Dadurch wurde sie zu einer normalen Postkarte für den Fernverkehr.
Viele Grüße
Volkmar
Missions Sache: „An das verehrliche Committé der Gesellschaft zur Beförderung der Evangelischen Missionen unter den Heiden“ in Berlin. Absender war der Pastor aus Zichow bei Gramzow.
Ururgroßvater war häufig in Zichow, denn dort arbeitete Superintendent Fritze, ein alter Freund seines Vaters. Leider ist der Brief ohne Inhalt und nicht datiert, so dass ich nicht sagen kann, ob er von Pastor Fritze selbst stammt.
An der benachbarten Pfarrstelle in Blankenburg bei Gramzow waren von 1694 an Vorfahren von mir als Pfarrer tätig. Der letzte war Gotthilf Hecker, mein Urururgroßvater († 1837). Wie Ururgroßvater Hermann Hecker in seinen Lebenserinnerungen schreibt [1], hatte er selbst aber auch nach dem Tod seines Vaters noch Kontakt zu Pastor Fritze.
[1] Hermann Hecker, Lebenserinnerungen (Ururgroßvater)
[2] Hedwig Werdermann, Lebenserinnerungen (Urgroßmutter)
Viele Grüße
Volkmar
Mit der Gründung der Missionsstation Gerlachshoop im Jahre 1860 begann die Erschließung des zweiten Missionsgebietes in Transvaal. Zu diesem Missionsgebiet gehört die Station Botschabelo in der Nähe von Middelburg. Dort lebte Reverent O. Papke, der 1937 diesen Brief an Großvater schickte.
Beim Jahresfest 1882 wurde beschlossen, ein neues Arbeitsfeld in China zu übernehmen. Zunächst arbeitete die Berliner Mission nur in Südchina in der Umgebung von Canton bzw. Hongkong. Nach der Gründung des Pachtgebiets Kiautschou entsendete die Berliner Mission ihre Missionare auch dorthin. Die Schwester meines Großvaters heiratete 1922 den Missionar Willy Matzat und ging mit ihm nach Tsimo in der Nähe von Tsingtau. "Die Kontakte zu China" sind ein weiteres sehr interessantes Kapitel meiner Sammlung "Familiengeschichte und Philatelie".
[3] Hellmut Lehmann: 150 Jahre Berliner Mission, Erlangen 1975
Viele Grüße
Volkmar
Ansichtskarte von Friedrich Berger, einem Schulfreund von meinem Großvater vom 9.6.1913 aus Viktoria in der deutschen Kolonie Kamerun. Die Abbildung zeigt die Basler Mission in Buea. Ob Friedrich Berger, der Absender dieser Karte, selbst Missionar war konnte ich bisher nicht feststellen. Großvater hat in seinen Lebenserinnerungen keine Angaben zum Beruf von Friedrich Berger gemacht. Soldat bei den Schutztruppen war er aber nicht, denn in den Namenslisten der deutschen Soldaten in Kamerun ist er nicht aufgeführt.
Viele Grüße
Volkmar
Diese Karte mit der Abbildung des Ehepaars Hübner mit ihrem Sohn Herbert hat der Gärtner Johannes Endemann auf der Missionsstation Wangemannshöhe geschrieben.
Viele Grüße
Volkmar
Schade, dass die Briefmarke entfernt wurde. Wer kann mir sagen, wieso die Karte über München gelaufen ist. Gera (Reuss) liegt in Thüringen.
Meine Urgroßeltern lernten die zukünftige Frau Hübner Ende August 1894 auf einem Missionsfest kennen. Urgroßmutter schreibt [2]:
Beim Abendbrot sagte der Hausherr, dass wir eine Missionsbraut unter uns hätten, die in der nächsten Zeit ihrem Verlobten nach Afrika folgen wolle. Es war Frau Missionar Hübner, denen wir in treuer Freundschaft verbunden wurden, als sie nach 15 Jahren auf Urlaub kamen.
Als ich bei einem Vortrag im Briefmarkenverein in Coesfeld über Familie Hübner berichtete, erlebte ich eine Überraschung. Dr. Braumann, der Billerbecker Pfarrer und Mitglied des Vereins sprach mich an. Er selbst hatte dafür gesorgt, dass die Lebenserinnerungen von Herbert Hübner, dem Sohn der Missionarin veröffentlicht wurden. Über Dr. Braumann bekam ich Kontakt zur Witwe von Herbert Hübner und habe auf diesem Wege einiges aus der Zeit in Afrika erfahren.
Viele Grüße
Volkmar
[2] Hedwig Werdermann, Lebenserinnerungen (Urgroßmutter)
Manow, die Station im Wanjakiussaland, ist vorerst versorgt durch ältere Missionare, die bereits im Jahre 1891 ins Land kamen. Der Missionar, von dem jetzt die Rede sein soll, war ein Jahr später, also 1892 seinen Amtsbrüdern gefolgt. Nun ist es an ihm, Neuland zu "erobern" und die eigene Gründerinitiative zu betätigen.
So unternimmt er es, seine junge Frau zunächst in Manow zurücklassend auf schmalen, durch das Dickicht des Urwaldes sich hindurchschlängelndem Pfade die mindestens 1500 Meter bis zur Höhe des Berglandes hinauf zu klimmen. Die Einheimischen, Glieder des Kingastammes, weichen ihm zunächst scheu aus. es wird sofort deutlich, sie haben eine andere Stammeseigenart als die stolzen Wanjakiussa im Unterland. Hier haben die Farbigen noch nie einen Weißen Menschen gesehen. Darum die Scheu.
[5] Herbert Hübner, Lebenserinnerungen, Billerbeck 1990
Viele Grüße
Volkmar
Ansichtskarte der Kapelle von Madehani. Die Innenwände sind von einem eingeborenen Maler mit Darstellungen aus der Heilsgeschichte geschmückt. Madehani ist die eben beschriebene Außenstation von Bulongwa mit einer Tischlerei und einer Handwerkerschule.
Viele Grüße
Volkmar
Die Missionsstation Bulongwa: Wohnhaus, dahinter das kleine Küchenhaus. Vorn die schlichte Notkirche mit den Lehmwänden.
Daneben lief der Taufunterricht derer, die sich dazu bereit gefunden hatten. Als Vater dann erst die massive Kirche auf dem Hügel gebaut hatte, formierten sich die Züge der weißgekleideten Gottesdienstbesucher. An den Festtagen war die Kirche mit feingliedrigen Palmzweigen geziert. Vater, der Freund der Jugend, hatte sogar einen Kindergottesdienst eingerichtet. Zu besonderen Anlässen, wie etwa zum Heiligen Abend, hatte er mit seiner Geige Weihnachtslieder mehrstimmig eingeübt. Die Eingeborenen waren sangesfreudige Menschen. In einer gewissen Anerkennung gaben sie meinem Vater den Namen "Mualuimbo", d.h. "der Sänger".
Wir wußten ja durch unsere Eltern von der fernen deutschen Heimat, zu der wir einmal, schon um unserer Weiterbildung willen, reisen würden. Dazu schien uns in unserer kindlichen Phantasie dort so etwas wie ein Paradies mit unvorstellbaren Schätzen zu sein. So waren wir Kinder in das hoffnungsvolle Warten der Eltern auf ihren ersten Heimaturlaub, der zudem aus verschiedenen Gründen länger auf sich warten ließ, als wohl ursprünglich von der Missionsleitung geplant war, in spannungsgeladener Vorfreude hineingezogen…
Endlich war die längst erwartete Nachricht da: Die Reise nach Deutschland konnte mit Zustimmung der Missionsleitung begonnen werden.
Die massive Kirche auf dem Hügel
Viele Grüße
Volkmar
Für meinen 60. Geburtstag hatte ich das Motto „Philatelie“ ausgewählt. Auch wenn über 90% meiner Gäste nichts mit der Philatelie zu tun haben, hat ihnen die Fete und das Motto gut gefallen. Das lag vielleicht daran, dass ich das Motto konsequent durchgesetzt habe. Hier z.B. die Vorderseite der Einladungskarte.
Eine kleine Auswahl dessen, was es alles zum Thema Philatelie bei der Fete gab:
• Die Tischdekoration mit Briefmarken
• Die Servietten mit Abbildung von Briefmarken
• Eine kleine Ausstellung: 2 Rahmen „Rekorde der Philatelie“
• Die Geschenkebox in Form eines gelben Briefkastens
• Vor der Box lagen einige meiner Hefte „Familiengeschichte und Philatelie“
Besonders schön fand ich, dass immer wieder Gäste vor der Sammlung standen oder sich meine Hefte angesehen haben, obwohl sie sonst nichts mit der Philatelie zu tun haben.
Nicht ganz einfach war es, das Essen passend zum Motto auszuwählen, aber auch das ist mir gelungen. Dazu werde ich einige Gerichte beim Thema „Lebensmittel auf Briefmarken und Poststempeln“ vorstellen.
Insgesamt hatte die Vorbereitung meines Geburtstages sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Daher hatte ich einige andere Dinge erst einmal liegen gelassen und musste sie anschließend nachholen. Daher die lange Pause hier im Forum. Aber ab jetzt werde ich mich wieder etwas häufiger melden.
Ich wünsche allen einen schönen 1. Mai
Volkmar
Die zehn Tage Wartezeit gehen langsam dahin; doch endlich ist das neue Schiff da, etwas über 3000 t groß, mit Namen "Kanzler". Ein Schiff dieser Größe ist ja für heutige Begriffe kaum seetüchtig zu nennen….
Wir aber verlassen in Genua das Schiff. Offenbar wollen die Eltern die nicht eingeplante Wartezeit am Indischen Ozean wieder einholen und noch vor dem Pfingstfest in der deutschen Heimat sein. Es geht also nun mit der Eisenbahn weiter.
Soweit die Ausführungen von Herbert Hübner. Zwei Jahre später reist die Familie wieder in das afrikanische Missionsgebiet zurück. Die drei ältesten Geschwister müssen in Deutschland im Internat zurückbleiben, damit sie eine ordentliche Schulausbildung erhalten.
Diese Karte an den Schüler Herbert Hübner in den Franckeschen Stiftungen in Halle an der Saale bekam er von seiner Mutter. Sie schrieb die Karte während des Heimaturlaubes am 16.1.1908 in Finsterwalde.
Viele Grüße
Volkmar
Ansichtskarte von der Missionsstation Bulongwa: "Missionar Hübner mit Familie und eingeborenen Kindern". Während eines Missionsfestes schickte der Festprediger Georg Hecker diese Karte an seine Schwester Hedwig - also an meine Urgroßmutter. Auf der Bildseite ist ein Gruß vom "Berichterstatter" Gustav Hübner.
Frau Hübner hat diese Karte an Urgroßmutter am 16.10.1910 in Bulongwa geschrieben. Sie ist allerdings erst am 30.10.1910 im ca. 300 km entfernten Iringa der Post übergeben worden. Im Stempel fehlt übrigens die Jahreszahl. Näher als Iringa waren nur die beiden Postämter in Neu-Langenburg und Muaja. Diese waren aber auch eine Tagesreise von Bulongwa entfernt. Daher hat man die Post vermutlich jemandem mitgegeben, der zu einem der Postämter kam. Am 11. 12.1910 kam die Karte dann in Friedersdorf an. Frau Hübner schreibt:
Herbert schrieb uns, dass sie sich (es sind die Geschwister gemeint) höchstwahrscheinlich in den Herbstferien in ihrem lieben Hause aufhalten werden, das wäre für uns eine große Freude.
Da meinem Urgroßvater die Arbeit in den drei Gemeinden der Pfarrstelle Friedersdorf zu viel wurde und ihm auch das feuchte Klima des Vorspreewaldes zu schaffen machte, hat er sich an die kleine Pfarrstelle in Kraatz bei Gransee versetzen lassen. Die Karte musste also noch nach Kraatz nachgesendet werden.
So ein Umzug war damals viel beschwerlicher als heute, denn es gab in der ganzen Gegend keine gepflasterten Straßen. Der schwere Möbelwagen wurde von 5 schweren Pferden gezogen. Das reichte aber nicht aus, denn er fuhr gleich am Anfang so tief in den Morast, dass der Wagen erst durch den Einsatz von 10 Pferden und 40 Menschen wieder flott gemacht werden konnte.
Viele Grüße
Volkmar
Inzwischen ist der Erste Weltkrieg ausgebrochen. Am 6.8.1915 schickt Frau Hübner eine weitere Karte an meine Urgroßmutter. Auch in diesem Stempel fehlt die Jahreszahl. Links ist ein roter Stempel "Zensur passiert Deutsch-Ostafrika". Sie schreibt:
Wir sehnen uns sehr nach einem Lebenszeichen von all den Lieben daheim. Wie mag es Ihnen und Ihrer lieben Familie ergehen? Ich glaube Karten lassen sich am besten befördern.
Darin hat sie sich aber getäuscht. Die Karte sollte dem Leitvermerk entsprechend über Portugal nach Deutschland gesendet werden. Sie hat ihr Ziel aber erst nach dem Ende des 1.Weltkrieges erreicht, da die Postverbindung schon unterbrochen war.
Für die Post zwischen dem Deutschen Reich und seinen Kolonien galt das Inlandsporto. Dennoch hat Frau Hübner in diesem Fall eine Auslandspostkarte zu 7½ Heller benutzt. Ob dieses aufgrund des Leitvermerkes notwendig war, konnte ich bisher noch nicht feststellen.
Im Mai 1916 rückten die englischen Truppen von Neu-Langenburg her nach Deutsch-Ostafrika vor. Da nur sehr schwache deutsche Truppen in dieser Region stationiert waren, wurden rasch Teile des südwestlichen Deutsch-Ostafrika besetzt. Die Missionare im Süden - soweit es Deutsche waren - wurden sofort gefangen genommen.
Was Familie Hübner in der Gefangenschaft erlebte und erlitt erfahrt ihr in den nächsten Beiträgen.
Viele Grüße
Volkmar
Nach solcher Vernachlässigung, ich möchte es lieber Drangsalierung nennen, waren wir froh, das Schiff am 25. Juni verlassen zu dürfen, an dem wir das Südende des Sees erreicht hatten. Ob es besser wurde? Ja und nein. Die furchtbare, Leib und Geist zermürbende Engigkeit lag hinter uns, aber vor uns schon – die erste Trennung von unseren Frauen und Kindern! Sie wurden bald nach unserer Ankunft in das etwa 15 km südlich gelegene, fieberreiche Fort Johnston gebracht, um hier in elenden Grasbuden ihren Weitertransport nach Blantyre abzuwarten, während wir Männer am Strande in einem langen Grasschuppen zurückbleiben mußten, bis auch unser Abtransport nach dem gleichen Ort 5 Wochen später erfolgte.
Brief von Herrn Hübner vom Gefangenenlager am Nyassasee an seine Frau im Lager Blantyre. Leider fehlt der Briefumschlag.
Im Brief schreibt Herr Hübner:
Lake Nyaßa, 16.07.1916
Heut am Sonntag eilen meine Gedanken besonders zu Dir und den Kindern, eine große Sehnsucht hat mich ergriffen und Sorge um die Zukunft – wann wird das Getrenntsein-Müssen ein Ende haben? Denke, gestern erhielten fast alle Herren von ihren Frauen, die in Blantyre sind, Briefe, nur von Dir bekam ich keinen, obwohl du schon eine Woche länger dort weilst…
Die letzten Frauen und Kinder sollen heute von F. Jonston abreisen, ob wir nun Aussicht haben werden euch zu folgen?...
Donnerstag den 20ten Eben sind wir in Zomba (?) angekommen....
Soweit der Anfang der Gefangenschaft. Familie Hübner kam nach und nach in viele verschiedene Lager. Näheres dazu beim nächsten Mal.
Viele Grüße
Volkmar
Es ist eine Karte vom Roten Kreuz in Genf an die Berliner Mission mit der Information, dass Gustav Hübner im Lager Blantyre interniert ist. Die folgenden Texte sind aus der Korrespondenz mit Direktor Axenfeld von der Berliner Mission. In einem Brief der Berliner Mission vom 11.10.1916 (Archiv Nr. 91) an Gustav Hübner heißt es:
Müssen wir mit der Möglichkeit rechnen, daß Euch nach einiger Zeit von Eurer Obrigkeit die Frage vorgelegt wird, ob Ihr nach Europa Euch zurückbringen lassen, oder ob Ihr dort verbleiben wollt… Eine weite Seefahrt ist z. Zt. Beschwerlich und wegen der Minen und des Unterseebootkrieges mit Gefahren verbunden…
Gustav Hübner schreibt am 17.10.1916 (Archiv Nr. 94) aus Blantyre an Direktor Axenfeld:
Unser Los hat sich nun auch entschieden, am 20. Oktober werden wir weiter transportiert und eskortiert nach Indien, die Familien bleiben dagegen hier, was aus ihnen wird, weiß man nicht, es heißt: sie sollen nach Deutschland gebracht werden. Kriegsgefangene werden gleich behandelt von den Briten, ganz gleich ob sie Soldaten waren oder nicht. Der Heimat entführt, verloren fast alle Sachen, trennt man nun auch die Familien ohne Rücksicht ob die Familie darunter zu Grunde geht oder nicht…
Brief von Gustav Hübner vom Schiff im Indischer Ozean vom 1.11.1916 (Archiv Nr. 95c):
Was ich in meinem vorigen Brief andeutete ist zur Tatsache geworden, seit dem 20.10. befinden wir uns auf der Reise nach Indien, morgen sollen wir nach Daressalam kommen, von da bringt uns das Schiff nach Mombasa und von dort soll ein ander Schiff uns in die asiatische Verbannung führen. Wir werden wie gefangene Soldaten angesehen und demgemäß verpflegt. – Für ältere Leute gerade nichts Angenehmes. – Mehr sorgen wir uns noch um die eigenen Familien, die nun allein die beschwerliche Reise machen müssen…
Brief von Herrn Hübner aus dem Lager Mombasa an seine Frau im Lager Blantyre vom 13.11.16. Der Brief wurde in Mombasa geöffnet und zensiert und erhielt dabei den Verschlusszettel und zwei Zensurstempel. Aus Blantyre stammen der runde Zensurstempel und der Ankunftsstempel.
Viele Grüße
Volkmar
Brief von Herrn Hübner aus dem Lager Kilindini vom 16.3.1917. Der rote Zensurstempel „No. 3333“ ist aus Mombasa. Zusätzlich ist ein südafrikanischer Zensurstempel abgeschlagen. Der Brief war am 25. 5.1917 in Pretoria (Duchgangsstempel) und wurde von dort aus nach Tempe weitergeschickt, wo er am 26.5.1917 ankam.
Neun Tage nachdem Herr Hübner den Brief aus Kilindini schrieb, ist er schon im nächsten Lager. Nach der Besetzung Tangas (Deutsch-Ostafrika) wurde dort ein Kriegsgefangenen- und Internierungslager eingerichtet, in das auch Herr Hübner verlegt wurde. In diesem Brief vom 17.05.1917 an seine Frau im Lager Pretoria schreibt er:
In dieser Woche erhielten wir keine Briefe aus Pretoria. Von all Deinen Blantyre Briefen habe ich nur zwei erhalten, den vom 21/10. und 27/12. Von Pretoria den vom 9/3. und 19/3. Alle anderen stehen noch aus. Wo mögt Ihr wohl jetzt sein?
Brief vom 17.5.1917 aus dem Lager Tanga. Der Brief wurde aber erst am 29.6.1917 in Tanga von der Zensur freigegeben (roter Zensurstempel der „C“ Sektion). Auf der Rückseite befindet sich der britische Feldpoststempel „304“ vom 18.5.1917 (vom 25.7.1916 bis zum 31.3.1918 in Tanga stationiert). Im Juni 1917 war Frau Hübner schon längst im Lager Tempe, dennoch trägt der Brief keinen Nachsendevermerk. Vermutlich ist die Post gebündelt nach Tempe nachgeschickt worden.
Viele Grüße
Volkmar
Die Berliner Missionare wurden nicht – wie ursprünglich vorgesehen – nach Indien verschifft. Stattdessen wurden sie nach Ägypten gebracht. Am 10. Januar 1918 erreichten sie das Lager Tura bei Kairo. Der Berliner Mission wurde die Ankunft in Kairo mit dieser Karte vom 10.8.1918 mitgeteilt. Zu diesem Zeitpunkt war Gustav Hübner allerdings schon nicht mehr in Kairo sondern hatte das Lager noch zweimal gewechselt.
Im Brief vom 10.5.1918 (Archiv Nr. 97) von der Berliner Mission an Gustav Hübner heißt es:
Wie mag es Ihnen gehen? Meine Gedanken sind sorgenvoll zu Ihnen und ich sehne mich nach Nachricht. Dysenterie ist eine üble Krankheit. Sie schwächt nicht nur den Körper, sondern macht auch den inwendigen Menschen müde und verzagt…
Kürzlich war ich in Tübingen und habe mir das im Anschluss an das „Institut für ärztliche Mission“ von Professor Olpp dort erbaute Tropen-Genesungsheim um Ihrer aller willen angesehen. Es sucht seinesgleichen als Erholungsstätte für Tropenkranke und ist in erster Linie für Missionare bestimmt…
So habe ich in Tübingen mir gesichert, dass, wenn Sie alle heimkehren sollten, auch Ihnen dort das Heim offen steht…
Komitee hat die Pflegekosten für alle, gleichviel wie lange es dauere, im voraus sichergestellt.
Vermutlich geht es bei der Erkrankung von Gustav Hübner um die Dysenterie (= Ruhr), die er sich im Lager Tanga zugezogen hatte. Herrn Hübner taten das Klima und die Bedingungen in Ägypten gut, denn er ist wieder genesen.
Gesundheitlich hatten nicht alle so viel Glück wie Herr Hübner. Er teilt der Berliner Mission in diesem Brief mit, dass der Missionar Gustav Pröck in Maadi an der Ruhr gestorben ist.
Wie man an der Ortsangabe sieht blieben die Missionare nicht lange im Lager Tura. Die Briefe vom Mai sind schon aus dem Lager Maadi bei Kairo. Aus den Lagern Tura bzw. Maadi sind bisher keine Umschlage von Herrn Hübner bekannt
Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Volkmar
Dieses Foto aus Sidi Bishr schickte Gustav Hübner im Dezember 1918 an seine Frau in Tempe.
Der Brief kam überraschend schnell in Berlin an. Schon am 2.10.1918 wurde er von der Berliner Mission beantwortet. Andere Briefe brauchten dagegen bedeutend länger. In einem Brief vom 25.11.1918 (Archiv Nr. 117a) an Gustav Hübner heißt es:
In den letzten Tagen erhielt ich plötzlich in 2 Strömen zahlreiche Briefe von Ihnen und den anderen Brüdern aus der Zeit von Juni bis in den Oktober, darunter die ihrigen vom 28.6., 14.7. und 9.10.18…
Ich hoffe, da jetzt die Waffen ruhen, daß Ihre Heimkehr endlich näherrückt. Ich schrieb Ihnen schob, daß es unser Wunsch ist, es möchten alle, die sich nicht ganz gesund fühlen, und das werden die meisten sein, wenn möglich über Tübingen heimkehren, um zunächst im Tropengenesungsheim bei Dr. Olpp anzusprechen und seinen ärztlichen Rat zu erhalten…
Auf Schloemanns Arbeitsfeld geht alles im Segen weiter, auch Kollekers blieb bewahrt. Für das Ihrige wie für Sie alle wird viel gebetet.
Brief von Herrn Hübner aus dem Lager Sidi Bishr an seine Frau vom 5.1.1919 mit rechteckigem Lagerstempel und ovalem Zensurstempel „N° 13“.
Viele Grüße
Volkmar
Nachdem ich bisher vor allem über Herrn Hübner berichtet habe, komme ich jetzt zu Frau Hübner und dabei unter anderem zu ihrer Korrespondenz mit meiner Urgroßmutter.
Diesen Brief schickte Gerhard Hübner, der jüngere Bruder von Herbert Hübner, an seine Mutter in das Internierungslager Blantyre in Britisch Nyassaland. Dort angekommen wurde der Brief in das Lager Tempe bei Bloemfontein weitergeschickt.
Viele Grüße
Volkmar Werdermann
Grüße
Marcel

Ich hoffe, jeder kann die Schrift meiner Oma lesen, ansonsten liefere ich eine Reinschrift nach.
Grüße
Marcel
Beim Besuch des Schlosses in Kastelholm sah ich auf einem Briefkasten den Hinweis, dass die Post mit einem Stempel des Schlosses abgestempelt würde. Erstaunt war ich, als ich denselben Stempel vom 31.12.1992 in der Datenbank fand (http://www.philastempel.de/stempel/zeigen/41405 ) mit dem Hinweis, dass es sich um den Letzttag handelt. Wie man sieht muss der Stempel wieder aus der "Versenkung" geholt worden sein. Wie lange er nicht benutzt wurde, kann ich natürlich nicht sagen.
Viele Grüße
Volkmar
Die Karte ist undatiert, sie muss aber im Frühjahr 1917 geschrieben worden sein, denn es ist die erste Karte aus dem Lager Tempe an Urgroßmutter. Es handelt sich um eine Britisch-Südafrikanische Ganzsache ohne Poststempel aus dem Lager Tempe bei Bloemfontein. Sie hat zwei südafrikanische Zensuren „41“ und „C 4“ und die deutsche Eingangszensur aus Cöln Deutz.
Das Lager Tempe war ein sehr kleines Lager in Südafrika, in das nur Frauen und Kinder gebracht worden sind. Im Lager waren 1917 insgesamt nur 54 deutsche Frauen mit 80 Kindern. Dementsprechend sind Belege aus dem Lager Tempe bei Bloemfontein relativ selten.
Die nächste Karte schrieb Frau Hübner am 14.07.1917. Auch hier hat Frau Hübner eine frankierte Postkarten aus Britisch-Südafrika benutzt – diesmal zu 1 Pence. Auch aus anderen Lagern gibt es frankierte Interniertensendungen 6. Ob die Frankatur erforderlich war und ob hierzu eine Vorschrift existierte ist bisher nicht bekannt.
Viele Grüße
Volkmar
Es folgen zwei weitere Briefe von Frau Hübner an Urgroßmutter. Sie tragen die Datumsstempel des Internierungslagers Tempe vom 19. Juli 1918 und vom 9. Dezember 1918 mit dem Text "Commandant's office refugee camp". Auf der Vorderseite sind beidemal die Südafrikanischen Zensuren "41" bzw. "C 4" abgeschlagen. Ein Brief trägt zusätzlich den Stempel „Freigegeben“ (vermutlich aus Cöln-Deutz).
Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag. Bei uns ist es mal wieder sehr schön und sonnig.
Viele Grüße
Volkmar
Es sind wohl nicht nur die Briefe der Männer zurückgehalten worden, sondern das galt vermutlich auch die Post von den Kindern und anderen Bekannten. Zusätzlich mussten die Kinder erst einmal wissen, dass die Eltern sich in verschiedenen Lagern befanden und sie an beide Elternteile getrennt schreiben mussten.
Man kann sich die Freude von Frau Hübner vorstellen, als sie endlich nach so langer Zeit wieder einen Brief von Herbert erhielt. Diesen Brief schickte Herbert Hübner am 14. Dezember 1918 aus Hildesheim an seine Mutter. Er schreibt u.a.:
Von Euch hatte ich wieder Nachrichten; habt vielen Dank dafür. Auch vom lieben Vater erhielt ich einen Brief. Gerhard geht es auch gut, er befindet sich in England.
Gerhard, der älteste Sohn von Hübners war Soldat und ist in englische Kriegsgefangenschaft geraten.
Soviel für heute. Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende
Volkmar


Ich nehme nicht an, dass Frau Hübner zwei Briefe an einem Tag geschrieben hat. Vermutlich ist die Post vor dem Zensieren einige Zeit liegengeblieben.
Der nächste Brief aus Tempe an meine Urgroßmutter ist mit einem Pergamin-Verschlusszettel von der Auslandpost-Überwachungsstelle in Cöln-Deutz verschlossen. Er trägt den Aufdruck "Unter Kriegsrecht geprüft und freigegeben. Überwachungsstelle VIII. Armeekorps Cöln-Deutz".
Der Brief von Frau Hübner trägt unten links den roten Text "Switzerland Bureau International de la paise Bern". Das internationale Friedensbüro des Roten Kreuzes. in Bern war für die nach Deutschland und Österreich gerichtete Kriegsgefangenenpost zuständig. Der Vermerk wurde aber durchgestrichen und der Brief ist wie üblich über Südafrika, London und Holland nach Deutschland gelangt.
Soweit für heute. Viele Grüße
Volkmar
Auch diese Karte ist im Archiv der Mission. Frau Hübner schreibt:
Sehr geehrter Herr Direktor!
Wir wurden heut des Gesprächs wegen abraten, nicht jetzt nach Berlin zu fahren. So habe ich mich enschlossen über Thüringen zu fahren. Es grüßt Sie und die Ihre
M. Hübner
Nach elfjähriger Trennung konnte sie endlich ihre drei älteren Kinder wieder in ihre Arme schließen. Auf ihren Mann musste sie noch etwa fünf Monate warten, bis auch er in Deutschland ankam. Insgesamt war sie drei Jahre von ihrem Mann getrennt.
Soweit es möglich war, ist der folgenden Tabelle angegeben, wann sich Herr bzw. Frau Hübner in den verschiedenen Lagern befand. Die Daten stammen aus den Brieftexten, Stempeln und den Missionsberichten.
Viele Grüße
Volkmar
Darüber, wie es in Bulongwa weitergegangen ist, weiß ich bisher kaum etwas. Mein einziger Beleg aus der Nachkriegszeit ist diese Karte mit der Szene „Morgenandacht in Bulongwa“ aus dem Missionsfilm „Andrea, der Sohn des Zauberers“ (1928). Ob der Film aber auch in Bulongwa gedreht wurde, ist mir nicht bekannt. Heute ist in Bulongwa eines der größten Krankenhäuser der Region.
Gerne würde ich einmal selbst nach Bulongwa fahren und mir ansehen, wie es heute dort aussieht. Mal sehen, ob es klappt.
Viele Grüße
Volkmar

Hochinteressant ist die Tatsache, dass mir kein weiterer Brief mit einem Halbporto aus der Pfalz vorlag.
Geschrieben wurde er am 28.5.1846 vom Friedensrichter in Speyer und am Folgetag zur Post gegeben. Da er mit R. S. für Regierungs - Sache bezeichnet war, auch sonst alle Merkmale eines portofreien Dienstbriefes zeigte, taxierte man ihn in Bayern nicht, auch wenn das prima vista durch die Taxen zweier verschiedener Hände anders aussehen mag. Aber R.S., wenn sie korrekt aufgeliefert wurden, durften niemals taxiert werden, daher unterstelle ich das hier auch nicht.
Wohl in Wien, der genaue Postenlauf ist nicht bekannt, notierte man 1/2 und 12, womit man andeuten wollte, dass er als Official - Sache nur mit dem hälftigen Porto von 12x CM zu belegen ist. Zuvor jedoch sah man ihn wohl auch als Dienstbrief ohne Portobelastung an, denn er zeigt den roten Wiener Ankunftsstempel, der aussagte, dass der Brief ohne Belastung akzeptiert worden war. Hier änderte also die Einteilung in FRANKO / PORTO auch die Farbe der Ankunftsstempelung.
Weil man neben den 12x CM Halbporto für Briefe über 1/2 bis 1 Wiener Loth (2. Gewicht) noch durch Rötel 3x CM Bestellgeld notierte, durfte die Wiener Behörde satte 15x CM zahlen, die sich sich später natürlich bei irgendeiner Partei wieder holte.
Schon das ist für mich als Pfälzer ein PO - Hammer und ein sehr starker Kaufgrund. Aber der Inhalt setzt dem Ganzen noch die Krone auf, denn das Schreiben betrifft das Ableben meines Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Onkels, der auch das Glück hatte, in Speyer geboren worden zu sein, der aber in Wien starb und nun gab es, damals wie heute, Probleme bei der fairen Verteilung des Erbes.
Wie die Erbschaftssache letztlich ausgegangen ist, weiß ich nicht, auch wenn das "schon" der 2. Brief zu dieser Thematik ist. Es gilt also Ausschau zu halten, denn weitere müssten noch existieren.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
Vor dem Ersten Weltkrieg gab es das Saarland noch nicht. Das Gebiet gehörte überwiegend zu Preußen, ein kleiner Teil im Südwesten des heutigen Saarlandes gehörte zu Bayern (Bayerische Pfalz). In diesem Bereich der Bayerischen Pfalz lag Limbach. Dementsprechend trägt der Brief auch eine bayerische Marke und diese wurde mit einem typischen bayerischen Stempel entwertet.
Limbach war ein langgestrecktes Straßendorf von ca. 1000 Einwohnern und hatte keine Altstadt. Bei LIMBACH-Altstadt handelt es sich vielmehr um ein gemeinsames Postamt der beiden benachbarten Gemeinden Limbach bei Homburg (Saar) und Altstadt (Saar). Dass es sich um ein gemeinsames Postamt handelt, erkennt man im Ritter Geographisch-statistisches Lexikon von 1905. Dort heißt es:
Limbach: Gemeinde u. Pfarrdorf in Bayern, Regierungsbezirk Pfalz, Bezirksamt und Post Homburg, Amtsgericht Waldmohr, a. d. Blies, 1184 Einwohner, Post und Telegraphenstation: Limbach-Altstadt.
Altstadt: Gemeinde in Bayern, Regierungsbezirk Pfalz, Bezirksamt Homburg, Amtsgericht Waldmohr, 576 Einwohner, Post: Limbach-Altstadt.
Dieses ist die einzige Karte in meiner Sammlung, die an meinen Uropa aus dem Saarland geht. Ludwig Gräßer wohnte 15 km von Limbach entfernt in Heiligenwald. Heiligenwald gehörte schon zu Preußen. Etwas mehr zur bayerisch-preußischen Grenze bei Limbach findet ihr im Beitrag http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=59317 .
Immer wenn meine Mutter zu ihrem Opa nach Heiligenwald kam sang er das Lied "Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben". Außerdem hat meine Mutter im 2. Weltkrieg ein Kleid bekommen, dass aus einer alten bayerischen Fahne genäht wurde. Leider gibt es kein Foto meiner Mutter mit diesem Kleid.
Soweit fürs Erste
Volkmar
Wie man dem Militärpass entnehmen kann, war der Bergmann Ludwig Leibrock verheiratet und hatte ein Kind. Der Erste Weltkrieg begann am 1.8.1914. Schon zwei Monate später, am 1.10.1914 begann Ludwig Leibrock seinen Dienst bei der Ersatz-Reserve beim Rekruten Depot, Landwehr Infanterie Regiment Nr. 8.
Soweit für heute. Beim nächsten Mal geht es mit der Feldpost weiter.
Viele Grüße
Volkmar
Der Cousin Albert schickte die Karte an Lui als er Offiziers-Anwärter beim bayerischen Militär war.
Der Erste Weltkrieg begann am 1. August 1914. Lui trat seinen Militärdienst zwei Monate später, am 1. Oktober 1914, an. 8 Tage später schickte ihm seine Frau Anna diese Ansichtskarte aus Limbach:
Die Anschrift von Lui lautet: "8. Landwehr Rekruten Depot Seysel (Exerzierplatz) Germersheim". Die Rechtschreibung der Worte "Depo" bzw. "Seysel" habe ich korrigiert. Die Ansichtskarte zeigt die Wirtschaft Deutscher Kaiser. Damals war Schmiddefritz (ein entfernter Verwandter) der Wirt. Man sieht ihn auf dem Foto.
Viele Grüße
Volkmar Werdermann
Sie schreibt: "Lieber Schwager! Habe Deine Karte erhalten - wofür besten Dank. Anna und ich werden Dich in 8-14 Tagen besuchen, da will ich Dich einmal als Soldat sehen, wie Du aussiehst."
Was die beiden zu sehen bekamen war zum Beispiele das hier. Lui sitzt auf dieser Fotokarte rechts:
Lui hat die Karte aus Germersheim an seine Frau Anna geschickt. Es war damals durchaus üblich, bei der Anschrift der Frau den Beruf des Mannes anzugeben. Ungewöhnlich finde ich es aber, dass Lui bei dieser Karte an seine Frau zusätzlich auch noch seinen eigenen Vornamen angibt: "Frau Ludwig E. (Emil) Leibrock, Bergmann, Limbach bei Homburg Pfalz".
Germersheim liegt am Rhein. Wie man am bayerischen Stempel sieht, gehörte auch dieser Ort zur bayerischen Pfalz.
Viele Grüße
Volkmar
Die weiteren Details kann man der Foto-Ansichtskarte entnehmen, die der Bruder Adolf im Februar 1915 an Lui geschickt hat. Er gibt zusätzlich an: 3 Division, 2. Bataillon, 2. bayerisches Armeekorps:
Ohne den Ersten Weltkrieg wären mit Sicherheit nicht so viele Ansichtskarten aus dem kleinen Limbach erhalten geblieben. Auf dem Bild sind die Mutter mit vier Schwestern vor dem Elternhaus von Lui zu sehen.
Viele Grüße
Volkmar
Wie man der Anschrift der Karte und dem Militärpass entnehmen kann, wurde Lui am 30.3.1915 vom Feldlazarett aus ins Kriegslazarett der Etappen Inspektion 6 ??? nach Tourcoing (Frankreich) verlegt. Diese Karte schickte sein Bruder Alois (Alis) aus dem Kaiserlichen Militärgenesungsheim aus Spa (Belgien) an Lui. Was können die Flecken sein - ist es Blut?
Von Tourcoing aus kam Lui am 16.5.1915 nach Elberfeld ins Vereins Lazarett III nach Elberfeld. Auf dieser Ansichtskarte sieht man ihn links im Bett.
Ein Schrapnell ist übrigens eine mit Bleikugeln gefüllte Sprenggranate. Auf dem mittleren Bild sind die Teile zu sehen, die bei der Explosion der Granate herumfliegen.
Die Schrapnellkugeln, die Lui in die Lunge bekam, wanderten im Körper abwärts und wurden später an der Hüfte herausoperiert. Sie wurden nach dem Krieg in die Vogelfüße eingefasst und Lui trug sie stolz am Revers.
Viele Grüße
Volkmar
Diese Karte hat wohl ein Kamerad geschickt, denn der Absender war wie Lui bei der Königlich Bayerischen 3. Infanterie-Division. Der SB-Stempel (Soldatenbrief) stammt vom 2. Bataillon des 23. bayerischen Infanterie-Regiments.
Ansichtskarte vom Bruder Alois (Alis) an Lui nach Elberfeld. Alois ist in dem Moment auf dem Truppenplatz Beverloo in Belgien. Die Karte trägt den entsprechenden deutschen Stempel. Alois hat in diesem Fall eine alte belgische Ansichtskarte verwendet.
Als letztes noch eine Ansichtskarte aus dem Lazarett in Elberfeld. Luis steht in der hinteren Reihe als zweiter von rechts.
Viele Grüße
Volkmar
Drei Tage bevor er von Elberfeld ins Reserve-Lazarett Homburg verlegt wurde schickte ihm sein Bruder Alois (Alis) diese Karte mit dem belgischen Stempel aus Neerpelt. Alis war bei der Grenzschutz Kompanie in Achel, Kreis Maeseyck (Maaseik). Achel liegt in Belgien an der niederländischen Grenze. Wer weiß, wieso diese Grenze von den Deuschen geschützt wurde? Die Front war viel weiter westlich.
Aus der Zeit, als er im Homburger Lazarett war habe ich keinen Beleg. Vermutlich hat es auch nicht viele gegeben, denn Homburg liegt direkt neben seinem Heimatort Limbach.
Am 30.5.1916 kam Lui wieder ins Feld. Seine Adresse lautet jetzt: „bayr. I. Armeekorps, I. Division, Bayr. Inftr. Reg. Nr. 24, I. Battaill. 4. Kompanie“. Die zweite Postkarte trägt einen klaren Abschlag des Feldpoststempels der Feld-Postexpedition der 3. Bayerischen Infanterie Division.
Laut Militärpass war er aber schon am 15.7.1916 wieder felddienstunfähig.
Viele Grüße
Volkmar
am 1.3.1917 kam Lui wieder ins Feld. Diesmal zur ersten Maschinen-Gewehr Kompanie (1.M.G.K.) beim 23. Infanterie Regiment. Diese Karte trägt den entsprechenden Absenderstempel.
Diese Karte trägt einen Stempel der königlich bayerischen Bahnpost mit der Streckenangabe „MÜNST – ST. INGB“. Es ist die Strecke Bad Münster am Stein bis St. Ingbert. Beide Orte waren Grenzstationen zwischen Preußen und der bayerischen Pfalz. Bad Münster am Stein lag in Preußen, St. Ingbert in Bayern.
Die Bahnstrecke hatte den Namen Glantalbahn und ist inzwischen größtenteils stillgelegt. Heute ist dort ein sehr schöner Bahntrassen-Radweg, dem wir letztes Jahr auf unserer Radtour von Limbach in Richtung Münsterland entlanggefahren sind.
Soviel für heute. Viele Grüße
Volkmar
Sie trägt wieder den neutralen Zweikreisstegstempel "Deutsche Feldpost" ohne weitere Angaben.
Laut Militärpass wurde Lui am 6.12.1917 zwecks Arbeitsaufnahme bei der Grube Dechen zum 23. Infanterie Regiment, Genesungs-Kompanie versetzt. Der Schacht Dechen gehörte zur Grube Heinitz in Neunkirchen (Saar), dem preußischen Nachbarort von Limbach.
Viele Grüße
Volkmar
Entsprechend des Zettels im Militärpass wurde Ludwig Leibrock am 26. November 1918 aus dem Militärdienst entlassen.
Schon im Waffenstillstand von Compiègne vom 11. November 1918 musste die provisorische Reichsregierung einwilligen, dass Truppen der Siegermächte die linksrheinischen Gebiete besetzten. Aus dieser Zeit stammt dieser Personalausweis von Ludwig Leibrock. Er wurde am 26.03.1919 in Limbach ausgestellt.
Am 28.06.1919 wird der Versailler Vertrag unterzeichnet, der am 10.01.1920 in Kraft tritt. Laut Versailler Vertrag untersteht das Saargebiet dem Völkerbund. Nach 15 Jahren soll es einen Volksentscheid über die Zugehörigkeit zu Deutschland oder Frankreich geben.
Das Saargebiet entstand aus einem kleinen Teil der bayerischen Pfalz und aus einem größeren preußischen Teil das Saargebiet. Oben sind die Marken für die preußischen bzw. die bayerischen Gebiete. Unten die Ausgabe für das gesamte Saarland. Da die Marken im gesamten Saargebiet gültig waren, tragen alle einen Homburger Stempel. Oben zwei verschiedene bayerische Typen, unten der neue Stempel des Saargebietes.
Soweit für heute. Ich wünsche Euch noch einen schönen Sonntag.
Volkmar
Dies ist die einzige Karte von Fritz. Am 21.10.1914 schreibt Fritz, dass er soeben in Köln angekommen ist. Im Laufe des Krieges ist Fritz leider gefallen.
Diese Karte vom 29.11.1914 hat Alis in Metz geschrieben. Die Karte hat nur den Briefstempel „S. B. / E. B. 4. Bay. I. R:“. Er war also beim „Ersatz-Bataillon des 4. bayerischen Infanterieregiments“. Der Feldpoststempel fehlt. Vielleicht war die Karte in einem Brief eingelegt. Nach einer Verwundung kam Alois in ein Militärgenesungsheim in Spa (siehe Beitrag [#94]).
Im August 1915 ist Alis bei der Grenzschutzkompanie in Achel, Kreis Maaseyk. Die Karte ist in Neerpelt abgestempelt. Es ist ein belgischer Ort an der Grenze zu den Niederlanden. Auch Alis ist im Laufe des Krieges gefallen. Ob der Bruder Adolf (Dolf) auch Soldat war, kann ich nicht sagen. Von ihm habe ich zumindest keinen Feldpostbeleg. Damit sind zwei der vier Jungen der Familie nicht aus dem Krieg heimgekehrt.
Viele Grüße
Volkmar
Die Karte aus dem Jahr 1922 geht wieder an Ludwig Leibrock (Lui). Damals musste der Eintrag als Genosse in die Liste bei der Spar- und Darlehenskasse noch vom Amtsgericht bestätigt werden. Ich weiß es nicht - ist das heute auch noch so?
Die Karte von 1929 bzgl. der Satzung des Reitervereins ging an einen Nachbarn. Wie sie sich ins Haus meines Onkels "verirrt" hat weiß ich nicht.
Bei dem dritten Beleg aus der Zeit wurden die Briefmarken leider abgelöst:
Ich finde es sehr schade, denn der Brief trägt einen für mich ungewöhnlichen Einschreibezettel in grüner Farbe. Durch den Ankunftsstempel sieht man, dass der Brief aus dem Jahr 1925 stammt. Wer weiß wo und wann solche grünen R-Zettel verwendet wurden?
Viele Grüße
Volkmar
Alle Hentschel-Belege stammen aus der Zeit nach 1900. Damit ist bewiesen, dass ich falsch lag. Bei Theodor Hentschel handelt es sich also eindeutig um den Neffen und nicht um den Bruder von Ur-ur-großvater. Die Namen der noch lebenden Personen habe ich aus der Übersicht der Familie gelöscht.
Einer der Gründe, weshalb ich mich geirrt habe, sind diese Beiden Karten, die der Briefmarkenhändler Theodor Hentschel 1900 bzw. 1925 schrieb:
Ich konnte mir beim Vergleich der Schriften nicht vorstellen, dass es dieselbe Person war, die die Karten geschrieben hat.
Viele Grüße
Volkmar
Helene Hentschel, die Schwester von Urgroßvater, heiratete Edmund Stein. Sie wohnten zusammen in Potsdam und hatten zwei Kinder. Die erste Karte haben meine Ururgroßeltern gemeinsam geschrieben und am 31.12.1899 an ihre Tochter Helene geschickt. Sie verwendeten die sogenannte Jahrhundertpostkarte, die zum Jahreswechsel 1900 erschienen ist. „Jägerkomunikation“ war ein Weg zwischen dem Jägertor und der heutigen Friedrich-Ebert-Straße, der heute ein Teil der Hegelalle wäre.
Die zweite Karte schickten Edmund und Helene Stein an ihre Enkeltochter Inge John. Sie befanden sich gerade auf einer Autotour durch die Dolomiten.
Edmund Stein war ein sehr leidenschaftlicher Briefmarkensammler und er hat die Sammlung meines Urgroßvaters Oswald Hentschel übernommen, die eigentlich meine Großmutter erben sollte. Seine Tochter Gertrud (Trude) hatte durch seine übertriebene Sammelleidenschaft eine Abneigung gegen die Philatelie.
Soweit die Informationen, die ich ursprünglich über Edmund Stein hatte. Beim nächsten Mal schreibe ich, was ich aus Potsdam alles über Edmund Stein erfahren habe.
Viele Grüße
Volkmar
Bisher habe ich im folgende Bücher aus dem Verlag von Edmund Stein registriert:
Abhandlung Nr. 1: "Die Marken der Warschauer Stadtpost" von M. Stein, Kammergerichtsreferendar (1919)
Abhandlung Nr. 2: "Altbrasilien" von Generalkonsul E. Heinze (1919)
Abhandlung Nr. 3: "Die deutschen Kriegsmarken und Kriegsganzsachen" von Dr. Erich Stenger (1919)
Abhandlung Nr. 4: "Die Bayerischen Feldpoststempel" von Karl Holzschuher, Postverwalter in Schwabach (1919)
"Geschichte der Luftpost" von Robert Paganini (1920)
Heft 5: "Die Postwertzeichen der Republik Chile" von Dr. Otto Krause und Dr. Artur Philippi (1920)
Heft 9: "Wie sammelt man Postwertzeichen" von Oberingenieur W. Klug (1922)
"Das Postwertzeichen als Kulturdokument" von Wilhelm Schlechtriem (1922)
Auf dem Foto sieht man Edmund Stein zusammen mit seiner Frau und der Tochter Gertrud.
Zum Schluss ein Beleg, den ich letztens aus Potsdam bekam. Edmund Stein war wohl Mitglied im Österreichischen Alpen-Verein.
Viele Grüße
Volkmar
Es war toll, wie viel Interesse die Ahnenforscher an meiner Sammlung gezeigt haben. Die Philatelie war ein Ansatz, den sie noch nie gesehen hatten.
Für die Interessierten, hier noch der Link zum Westfälischen Genealogentag: http://www.genealogy.net/vereine/wggf/?Die_WGGF:Westfaelischer_Genealogentag
Viele Grüße
Volkmat
Urgroßvater Oswald Hentschel studierte in Berlin Chemie. Er wollte sich ursprünglich der akademischen Laufbahn zuwenden, bis ihn ein Zufall in die Zuckerindustrie führte. Bereits nach kurzer Chemiker- und Assistentenzeit in Eisleben wurde ihm im Jahre 1889 die Leitung der Zuckerfabrik Ackendorf (bei Haldensleben) anvertraut, die er namentlich in Bezug auf die Verdampf- und Verkochstation mit Erfolg zeitgemäß umbaute.
Die Zuckerfabrik Ackendorf wurde 1864 gegründet. Nach anfänglichen Schwierigkeiten infolge des deutsch-österreichischen Krieges etablierte sich das junge Unternehmen. Moderne Technik (1870 wurde der erste Dampfpflug eingesetzt) und der vortreffliche Boden der Gutenswegener Feldflur brachten hohe Erträge und raschen Erfolg. Das Unternehmen trug maßgeblich zur Förderung des Straßen- und Wegebaus in der Feldmark bei.
Das 75jährige Bestehen der Poststempelgilde im Jahre 2003 wurde in Haldensleben gefeiert. In diesem Zusammenhang konnte ich den Nachbarort Ackendorf besuchen. Die Zuckerfabrik stand noch, der Betrieb war aber inzwischen stillgelegt. Aus Ackendorf sind von Urgroßvater leider keine Belege erhalten geblieben. Inzwischen konnte ich aber diese Ansichtskarten mit Abbildungen der Zuckerfabrik kaufen. Mit der Eröffnung der Kleinbahnstrecke Neuhaldensleben – Eilsleben (an der Bahnstrecke lagen insgesamt fünf Zuckerfabriken) wurde am 25.10.1887 in Ackendorf eine Postagentur eingerichtet. Dort wurde die Karte 1920 abgestempelt.
Viele Grüße
Volkmar
Dieser, immerhin Fürstlich Lippescher Hoflieferant, scheint sich im März 1920 wohl im Urlaub oder zur Kur im Harz befunden zu haben.
1923 gab es Post vom Finanzamt Potsdam, die Einkommenssteuer wurde gestundet.
Ein A. Stein firmierte zunächst unter gleicher Adresse in Potsdam (ein Sohn von Edmund ?), zog dann mit seiner Firma nach Berlin-Halensee, Katharinenstraße 20.
Auch ein Johannes Stein (der Bruder ?) war hier ansässig.
Ich habe vor ca. 30 Jahren einen Karton mit Briefen und Postkarten meist an die Firma A. Stein in Halensee gekauft, viele dieser Belege findest Du inzwischen in der Rubrik Inflabelege. Der Vorname des A. taucht leider nirgends auf. Bei J. weiß man wenigstens, dass es sich um Johannes handelt.
Hier haben wir noch eine Camilla Stein, aufgrund der kindlichen Schrift vielleicht von einer Freundin der Tochter des Hauses stammend. Obwohl, Frau Camilla klingt eher nach der Ehefrau.
Gruß Michael
Schon im Jahre 1892 wurde Urgroßvater nach Gommern berufen (15 km südöstlich von Magdeburg). Die dortige Zuckerfabrik befand sich in einer schlimmen Krise. Trotzdem wagte der kaum Dreißigjährige das große Werk der Sanierung, und es gelang ihm in überraschend kurzer Zeit. Die Fabrik wurde technisch gründlich rekonstruiert, und in einigen Jahren stand sie in jeder Hinsicht auf guter Grundlage. Vor allem aber war ihr ein großes Rübenareal für die Zukunft gesichert. Am 21.8.1893 heiratet Urgroßvater Elise Quinckardt. Etwa ein Jahr später kommt in Gommern meine Großmutter Ilse Hentschel zur Welt.
Aus Gommern selbst habe ich von Urgroßvater keinen Beleg mehr. Ich fand aber inzwischen diese drei Ansichtskarten bzw. den Brief von der Zuckerfabrik. So kann ich auch die Zeit in Gommern gut dokumentieren.
Viele Grüße
Volkmar
Leider fehlte hier ein geeignetes Rübenareal, denn die in Aussicht gestellte Nebeneisenbahn wurde nicht verwirklicht. In dieser Zeit betätigte sich Urgroßvater mit der Beschäftigung der Fabrik in der kampagnelosen Zeit. Unter anderen machte er Versuche mit Kaffee und Tee-Zucker-Tabletten für das Heer, die auch bei den militärischen Behörden mit großem Interesse verfolgt wurden. Die untere Postkarte schickte Urgroßvater aus Spanien an Dr. Zahn in Hünfeld.
Viele Grüße
Volkmar
Auf der Foto-Ansichtskarte vom 28. Dezember 1901 seht ihr Urgroßvater in den Straßen von Caniles. Mit dieser Karte schickte er einen Neujahrsgruß an meine Großmutter. Leider wurden bei vielen Karten die Briefmarken abgelöst.
Diese Postkarte mit Antwortkarte schickte Urgroßvater 1902 an seinen Freund Artur Schallehn. Während der Auslandsaufenthalte von Urgroßvater kümmerte sich Artur Schallehn um die beiden Töchter, die damals in Gramzow (Uckermark) in einem Pensionat lebten.
Der eingedruckte Wertstempel zeigt das Bild von König Alfons XII (1874 - 1885). Diese Marke war aber nur bis 1889 gültig. Urgroßvater frankierte die Karte deshalb zusätzlich mit vier Marken, die das Bild des König Alfons XIII als Kadett zeigen. Er ist der 1886 nachgeborene Sohn von Alfons XII.
Dieser Stempel ist allerdings nur auf einer einzigen Karte vom 14.1.1902 zusätzlich zum Carteria-Stempel abgeschlagen worden. Auf drei Karten wurden die Briefmarken mit einem Doppelellipsen-Stempel entwertet. Dieser Stempel ist aber immer so schwach, dass ich nur bei einem Beleg im unteren Bogen die Buchstaben „CANI“ erkennen kann.
Die Karte mit einem achteckigen Stempel trägt über der Marke eine Kontrollziffer. Seit 1901 waren für viele Jahre auf der Rückseite der spanischen Marken Kontrollziffern aufgedruckt. Die erste Karte mit einer Kontrollziffer war diese Karte, die 1901 ausgegeben wurde.
Der Stempel „Amb. Asc. Granada-Murcia“ ist ein Bahnpoststempel. Leider sind von diesem Stempel auf den verschiedenen Karten immer nur Teile klar zu erkennen. Daher habe ich diese Abbildung aus verschiedenen Fragmenten am PC zusammengesetzt.
„Ambulancia de Correos“ oder „Estafeta Ambulante“ bedeutet Bahnpost. „Trenes Ascendentes“ sind in Richtung Landesinneres/Madrid, „Trenes Descendentes“ aus dem Landesinneren zur Küste fahrende Züge (ascendente = aufsteigend, descendente = absteigend). Die Bahnlinie Granada-Murcia wurde in vielen Etappen gebaut. Das für Caniles wesentliche Stück von Serón nach Baza stammt aus dem Jahr 1894. Eine durchgehende Verbindung Granada-Baza-Lorca-Murcia gibt es seit 1907.
Viele Grüße
Volkmar
Von einem Bekannten aus Madrid erhielt er dort 1903 diese Ansichtskarte. Leider ist die Briefmarke auch bei dieser Karte abgelöst.
Zwischen 1903 und 1905 arbeitete Urgroßvater für die Maschinenfabrik Grevenbroich in Granada (Spanien) bzw. Lissabon (Portugal). Dort wurden Pläne für die Errichtung neuer Zuckerfabriken auf den Azoren und in Portugiesisch-Afrika bearbeitet. Aus Granada schickte Urgroßvater diese Ansichtskarten an einen Bekannten in Hünfeld.
Im Jahre 1905 benutzte er für einen Gruß an Großmutter in der Klosterschule in Gramzow eine Karte mit dem Vordruck der Gilbacher Zuckerfabrik in Wevelinghoven bei Grevenbroich. Diese muss er in einen Brief eingelegt haben, dann die Karte ist nicht frankiert. Statt dessen trägt sie einen Stempel der Klosterschule in Gramzow. Wieso dieser Stempel auf der Karte ist, ist mir unklar.
Soweit für heute. Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Volkmar
Entsprechend seiner Arbeitsstätten hat mein Urgroßvater eine sehr große Briefmarkensammlung der Länder Spanien und Portugal mit den Kolonien zusammengetragen. Eigentlich sollte meine Großmutter diese Sammlung erben. Ihr Vormund konnte sich aber nach dem Tode von ihrem Vater nicht gegen den sehr eifrigen Sammler Edmund Stein, den Schwager von Oswald Hentschel durchsetzen.
Urgroßvater hat an seine Töchter und an Arthur Schallehn sehr viele Ansichtskarten verschickt. Leider sind bei den meisten der Karten die Briefmarken abgerissen worden. 1904 schickte er viele kolorierte Postkarten dieser Art mit Abbildungen aus Sevilla und Umgebung.
Viele Grüße
Volkmar
Hier noch ein paar der vielen Ansichtskarten, bei denen die Marken leider alle abgerissen wurden:
Mit diesem Beitrag ist die Zeit von Urgroßvaters in Spanien beendet. Beim nächsten Mal ist er wieder in Deutschland
Viele Grüße aus dem heißen Münsterland - im Moment sind es 32°.
Volkmar
Im Buch „Hans Grade – Ein Leben in stürmischen Zeiten“ von Karl-Dieter Seifert habe ich gelesen, wie Urgroßvater den späteren Flugpionier Hans Grade in Köslin (Pommern) kennenlernte:
Im Spätherbst 1902 baut Hans wieder in der Werkstatt von Meister Dobenzig an seinem Motorzweirad. Ein Kunde des Meisters sieht es und zeigt Interesse. Der Ingenieur Oswald Hentschel aus Magdeburg weilt des öfteren beruflich in Köslin. »Wer baut denn das? « fragt er Dobenzig. »Meinen Sie, dass es etwas taugt? « Der alte Meister nickt. »Der Motor läuft großartig. Den hat der junge Mann allein gebaut. « »Wie heißt er, wie kann ich ihn erreichen?« fragt Hentschel höchst interessiert. »Hans Grade. Er müsste eigentlich bald hier sein. «
»Ein Ingenieurstudent, der hier in Köslin zu Hause ist«, antwortet der. Hentschel ist erstaunt. Einen Zweitakter, noch dazu in einem solchen Fahrzeug, hat er hier nicht erwartet. Außer dem Motor von Söhnlein kennt er keinen mit Kompression. Und der ist als stationärer Antrieb gedacht. Dieser Fahrzeugmotor ist eine eigenwillige Konstruktion, die auf einen ideenreichen Konstrukteur schließen lässt.
Nachdem Hans Grade in die Werkstatt gekommen ist, stellt sich Urgroßvater vor und beobachtet ihn anschließend bei der Arbeit. Urgroßvater verabredet sich mit Hans Grade am nächsten Abend im Ratskeller. Nach einem langen Gespräch bietet er Hans Grade an, dass er ihm nach dem Studium eine Stelle verschafft, die seinen Neigungen und Interesse entspricht. Voraussetzung ist, dass das Motorzweirad am Ende des Studiums seine Kinderkrankheiten abgestreift hat. Über die Zeit nach dem Abschluss des Studiums schreibt Karl-Dieter Seifert:
Kurz nach der Heimkehr erhält der junge Ingenieur in Köslin erneut eine Einladung von Hentschel, mit dem er die ganze Zeit über in Verbindung steht. Dieses Mal geht Hans im Ratskeller sofort in das Kleine Zimmer, in dem er neben dem Direktor einen zweiten Herrn vorfindet, einen in der Stadt bekannten Rechtsanwalt.
»Ich nehme an, Herr Grade, Sie haben keine Einwände, wenn wir heute Abend gleich einen Vertrag vorbereiten«, begründet Hentschel dessen Anwesenheit. »Ich biete Ihnen eine leitende Stelle in einer kleinen Kösliner Motorenwerkstatt. « Dann entwickelt er sein Projekt. Hentschel ist mit Meister Dobenzig übereingekommen, die Werkstatt zu kaufen. Er will das notwendige Anfangskapital zur Verfügung stellen, notwendige Maschinen anschaffen und die Zahl der Mitarbeiter vergrößern. Gebaut werden sollen Einzylinder-Zweitaktmotoren vor allem für eine stationäre Verwendung. Der Direktor bietet dem jungen Ingenieur als Gegenleistung für dessen Motorenkonstruktionen eine Beteiligung an der Werkstatt an, dazu ein entsprechendes Gehalt.
Hans schlägt Urgroßvater vor, auch Motorradmotoren zu fertigen. Der stimmt zu. Im Jahre 1905 wird ein Grade-Motorzweirad auf der Automobil-Ausstellung gezeigt. Die Burckhardtia Motorradbau AG in Magdeburg entschließt sie sich, den Zweitakter Grades als Standardantrieb ihrer leichten Motorräder zu wählen.
Viele Grüße
Volkmar
Über die Zusammenarbeit zwischen Herrn Grade und meinem Urgroßvater Oswald Hentschel schreibt meine Großmutter Ilse Hentschel:
Von den immer neuen Erfindungen von Herrn Grade wollte Vater nichts wissen. Besonders hatte er nichts übrig für die Flugzeugpläne, die im Jahre 1906/7 zunächst auch noch wenig Erfolg hatten. Er hatte mit seinem Flugzeug nur einen Kinderwagen umgerissen. Was würde er zu der weiteren Entwicklung des Flugwesens gesagt haben!
Am 28. Oktober 1908 gelingt Hans Grade in Magdeburg der erste Flug mit einem selbstgebauten Flugzeug. Die Briefmarke der biber-post zeigt den Dreidecker, das erste deutsche Flugzeug. Bekannter wurde Hans Grade aber mit seinem Eindecker, mit dem er ein Jahr später den mit 40.000 Mark dotierten Lanz-Preis der Lüfte gewann.
Unter Philatelisten ist Hans Grade vor allem durch die erste deutsche Luftpost und die ersten halbamtlichen deutschen Luftpostmarken bekannt. Am 18. Februar 1912 fand der erste Start mit Postbeförderung statt. Ein Sack mit etwa 400-500 Postsendungen wurde am Gestänge des Grade-Flugzeuges befestigt und von Bork zum 8 km entfernten Brück befördert.
Am 26. Februar 1912 erschien die erste halbamtliche Flugmarke in Deutschland für die Postbeförderung von Bork nach Brück. Auf diese Flugmarke musste noch eine Briefmarke des Deutschen Reichs aufgeklebt werden. Hier ein Brief mit dieser Marke als Block aus Ghana:
Viele Grüße
Volkmar
Er befand sich dabei an Bord des Fährschiffes "Pricess Elisabeth" zwischen Dover und Ostende. Da er die Karten auf dem Schiff einsteckte, tragen sie den entsprechenden Schiffspost-Stempel "Paquebots Belges; Ostende - Douvers" vom 22. April 1908.
In Belgien gab es zwischen 1900 und 1924 besondere Postkarten für Fährschiffe. Die Karten wurden auf den Schiffen und beim Postamt Ostende verkauft. Auf der Rückseite war jeweils die Abbildung des Dampfers mit der Angabe "A bord du paquebot ..." und der Name des Schiffes.
Viele Grüße
Volkmar
Nachdem zunächst portugiesische Marken gültig waren, wurden von 1868 bis 1892 auf den Azoren die Marken des Mutterlandes Portugal mit dem Aufdruck "Acores" verwendet. In der Zeit von 1892 bis 1905 gaben die Distrikte Angra, Horta (auf der Insel Faial) und Ponta Delgada auf den Azoren eigene Marken heraus. Seit 1906 gab es wieder gemeinsame Marken auf den Azoren. Diese Karte aus Ponta Delgada vom Juni 1908 hat Urgroßvater also verwendet, nachdem es schon zwei Jahre lang Marken für die gesamten Azoren gab.
Viele Grüße
Volkmar
Auf einer Reise im Jahre 1904 besuchte mein Großvater unter anderem die Insel Madeira mit der Hauptstadt Funchal. Vielleicht hat er von dort diese Postkarte mit dem Wertstempel aus Funchal mitgebracht, die er dann 1908 in Ponta Delgada verwendete.
Ich gehe aber davon aus, dass die Karte aus Funchal auf den Azoren nicht gültig war. Großvater hat nämlich das normale Auslandsporto von 20 Reis dazugeklebt.
Viele Grüße
Volkmar
Der See ist eine Caldera, also ein Kratersee. Näheres siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Sete_Cidades_%28Caldeira%29.
Der Beförderungsweg richtete sich danach, welches Schiff gerade die Post mitnahm. Eine andere Karte nahm zum Beispiel den Weg über Gibraltar:
Die nächste Karte hat Urgroßvater am 31.05.1908 in Ponta Delgada geschrieben. Abgestempelt wurde sie aber erst am 05.06.1908 obwohl er schreibt: "Heute geht der erste Dampfer welche Post mitnimmt und da will ich meinem lieben guten Mädchen in der Heimat zuerst einen herzlichen Gruß und Kuß senden..."
Leider ist mal wieder eine Marke abgelöst worden. Wie ich von Marcel erfuhr, steht auf dem Stempel: "CORR. E TEL. PAQUETE" (Correios e Telégrafos Paquete) Paquete = Schiff.
Paquete ist der Name alter Luxusschiffe mit Dampfantrieb und großer Geschwindigkeit. Die Herkunft des Namens bezieht sich auf die englische Bezeichnung des Postschiffs und das kann im portugiesischen als Schiffspakete übersetzt werden. Diese Schiffe hatten regelmäßige Post- und Paketbestellungen zusätzlich zu den Fahrgästen, und waren dadurch Fracht- und Fahrgastschiff gleichzeitig.
Viele Grüße
Volkmar
Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Volkmar
Im Juli und August 1908 nahmen unter anderem die SMS Wittelsbach und die SMS Mecklenburg an einer Trainingsfahrt zu den Azoren teil. Weitere Informationen zur SMS Wittelsbach siehe https://de.wikipedia.org/wiki/SMS_Wittelsbach
Urgroßvater Oswald Hentschel schreibt auf dieser Karte:
Meinem lieben Mädel!
Ganz innigen Gruß und Kuß auf einer Karte die auf deutschem Boden von den Azoren geschrieben ist denn es ist das Flagschiff des Admirals der Deutschen hier ??? ??? Flotte ??? habe ich ??? vom Admiral geschenkt bekommen als ich bei ihm zu ??? war.
Gruß und Kuß Väterchen
Kann jemand von Euch den Rest entziffern?
Die zweite Ansichtskarte zeigt den brasilianischen Kreuzer Benjamin Constant bei seinem Besuch auf den Azoren im Hafen von Ponta Delgada. Urgroßvater schickt diese Karte an seine Tochter Ilse (meine Großmutter), als diese gerade Edmund Stein in Potsdam besuchte (siehe [#104] bzw. [#105]). Weitere Informationen zu diesem Schiff siehe:
https://portogente.com.br/colunistas/laire-giraud/navio-escola-benjamin-constant-foi-o-verdadeiro-cisne-branco-5939
Viele Grüße
Volkmar
Viele Grüße
Volkmar
Urgroßvater schreibt:
Auf Höhe von Cap Ortegal, d. 10/4 1905
Meine liebe Ilse!
Heut bin ich nun auf der Höhe wo Frankreich und Spanien auf See sich die Hand reichen. Gestern fuhr ich mit dem Dampfer Augustine von Lissabon fort wir segelten die ganze Küste, an Oporto (= Porto), Vigo, C. Teneriffa, Coruna vorbei, geht es jetzt nach St. Nazaire, aber hoffentlich sehe ich Euch bald wieder. Gruß Dein Väterchen
Wie man am Stempel sieht, ist Urgroßvater erst in Paris dazugekommen, die Karte aufzugeben. Sie trägt den Stempel Paris 96 / Grande Hotel. Das Datum steht im Vergleich zum Stempeltext schräg. Leider wurde die Briefmarke auch hier abgelöst.
Viele Grüße
Volkmar
Diesmal habe ich es sogar geschafft, den Text komplett zu entziffern. An zwei Stellen bin ich mir aber nicht ganz sicher. Urgroßvater schreibt:
Lieber Artur,
da ist mir wieder eine Unannehmlichkeit passiert.
Habe einen Brief an dich geschickt, mit 350 (?) reis frankiert,
einige andere Briefe darin, an Hildebrandt und an
Seemann & Eissen(?). Nun hat der Bote den Brief einfach in den
Kasten gesteckt und die Post gab ihn nicht mehr heraus.
Ich bin gespannt, ob er ankommt oder unterschlagen
wird. In letzterem Falle kann man nichts dagegen machen,
dafür sind wir in Portugal. Gieb mir bitte sofort Bescheid, ob
du den Brief erhalten hast oder nicht, er geht gleichem
Dampfer. Gruß dein Oswald
Wenn ich das Porto von 350 Reis richtig gelesen habe, wollte Urgroßvater den Brief vermutlich als Einschreiben schicken.
Bei der Postkarte ist eine Briefmarke aus Ponta Delgada eingedruckt. Ponta Delgada ist die Hauptstadt der Insel São Miguel, der größten Insel der Azoren. Vom 1.6.1892 bis zum 19.7.1905 gaben auf den Azoren die drei Gebiete Angra, Horta und Ponta Delgada eigene Briefmarken heraus. Zum Postgebiet Ponta Delgada gehörten die Inseln São Miguel, Sãnta Maria und die Formigas Inseln.
1906 erschienen Freimarken für die gesamten Azoren. Mit den Eckbuchstaben A(ngra), H(orta) und P(onta) D(elgada). Leider ist kein Beleg mit Marken aus Angra oder Horta erhalten geblieben. Ich habe nur einige abgelöste Marken.
Viele Grüße
Volkmar

Er schrieb sie 11 Tage bevor er selbst seinem Leben ein Ende setzte. Den Grund für seinen Freitod erfuhren wir erst 1991. Damals war Heinz Dübgen, der Vetter meines Vaters in Ponta Delgada Er besuchte die alte, noch immer arbeitende Zuckerfabrik. Dort erfuhr er:
1909 ereignete sich mitten in der Zuckerkampagne ein schwerwiegender Betriebsunfall. Eines Tages war die gesamte Zuckerproduktion wertlos. Eine geregelte Produktion war nicht mehr in den Griff zu bekommen. Am 5. Tag fand man den Fehler. Statt des benötigten Frischwassers war Salzwasser eingeleitet worden, ein klarer Fall von Sabotage aus Konkurrenzgründen durch Angehörige der französischen Zuckerfabrik dicht daneben.
Diese Tat hat meinen Urgroßvater, als verantwortlichen technischen Direktor, in den Tod getrieben.
Soweit der Bericht über Urgroßvater Oswald Hentschel. Jetzt muss ich überlegen, wen von meinen Vorfahren ich als nächstes vorstelle.
Viele Grüße
Volkmar Werdermann
Urgroßvater war 22 Jahre Pastor in Friedersdorf und viel krank gewesen. Da war es oft sein Wunsch, eine leichtere Pfarrstelle zu bekommen. Fast jeden Tag war er unterwegs, oft in zwei Gemeinden, um Kranke und Alte zu besuchen. In allen drei Gemeinden, die zu Friedersdorf gehörten, hielt er Gottesdienste und Missionsstunden. So bewarb er sich schließlich nach Kraatz bei Gransee, da mit dieser Pfarrstelle nicht so viel Arbeit verbunden war. Urgroßvater fuhr nach Kraatz um sich vorzustellen und eine Predigt zu halten. Auf dieser Ansichtskarte teilt er seiner Frau das Ergebnis mit. Er schreibt:
Mein liebes Weib!
Heute alles glattgegangen, einstimmig gewählt. Gott sei Dank! Ich will hier jetzt noch einige Besuche machen und fahre um 7 Uhr nach Berlin. Von Golßen fuhr ich mit Willy Lenz‘ Braut und deren Mutter, die eine geborene Menzerin ist, von einer Menzer Försterei. Ist das nicht wunderbar?! Viele Grüße soll ich Dir bestellen von Frau Pastor … Herzliche Grüße!
Dein F.
Ich weiß nicht, wer von meinen Vorfahren diese Karte abgegeben hat. Es hat mich aber sehr gefreut, dass sie den Weg zurück in meine Familiensammlung gefunden hat. Obwohl ich zahlreiche Suchbegriffe bei Ebay habe, kommt es nur sehr selten vor, dass ich einen Beleg von meinen direkten Vorfahren finde. Es ist aber das erste Mal, dass auch noch der Text der Karte für mich sehr interessant war.
Viele Grüße
Volkmar
Von diesen waren aber nur drei verheiratet und nur zwei haben selbst wieder Kinder gehabt. Kurt und Hans Busacker waren nicht verheiratet und haben keine Nachfahren, so dass sich von den sieben Geschwistern nur eine Linie bis heute fortgesetzt hat. Nach dem Tode von Kurt Busacker hat mein Vater dessen Wohnung geerbt. Dort fanden wir unter anderem eine umfangreiche Briefmarkensammlung, aus der ich in der nächsten Zeit einige Belege vorstellen möchte.
Am 15. Mai 1906 heirateten Richard Busacker und Clara Quinckardt, die jüngste Tochter meiner Ururgroßeltern. Auf dem Foto sind sie zusammen mit ihrem Sohn, dem jungen Hans Busacker, zu sehen. In der Wohnung von seinem jüngeren Bruder Kurt fanden wir verschiedene Dinge zu dieser Hochzeit. Das interessanteste ist dieses schöne Jugendstil-Album Hochzeits-Depeschen mit insgesamt 50 Glückwunsch-Telegrammen zur Hochzeit.
Normalerweise wären 50 Telegramme aus demselben Ort am selben Tag nicht sehr interessant. Die große Ausnahme bildet aber die Stadt Berlin. Der Grund ist die Rohrpost. Daher möchte ich beim nächsten Beitrag zuerst auf die Berliner Rohrpost eingehen bevor ich zu den Telegrammen komme.
So viel für heute. Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende.
Viele Grüße
Volkmar
Die Rohrpost Berlin erreichte mit einer maximalen Streckenlänge von fast 400 km im Jahr 1940 ihre größte Ausdehnung. Im Folgenden möchte ich die Rohrpostbelege aus meiner Sammlung vorstellen.
Rohrpostbrief vom 08.10.1879 an Dr. Hermann Hecker, den Bruder von Urgroßmutter Hedwig Hecker und seine spätere Frau Anna Wölbling. Er war später Regierungs- und Medizinalrat in Straßburg. Dort war er Chefarzt im großen städtischen Garnisonslazarett. Am Anfang gab es noch keine typischen Rohrpoststempel. Wo der Brief aufgegeben wurde ist unklar. Er ist entsprechend dem Leitvermerk „R1“ an das Rohrpostamt Nr. 1 (Telegraphenamt I in Berlin W) geschickt worden. Dort wurde die Marke mit dem Stempel Berlin W.1 nachträglich entwertet.
Viele Grüße
Volkmar
Die "typischen" Rohrpoststempel in Form von Kreisstegstempeln wurden im März 1886 eingeführt. Jedes Postamt hatte zwei Bezeichnungen. Z.B. ist der Ankunftsstempel links vom Rohrpostamt R33 (laufende Nummer) im Postamt Berlin C 45 mit Zeitangabe 9 III V – d.h. 9.45 Uhr. Etwas ungewöhnlich ist der Stempel rechts: Das Rohrpostamt R2 war ursprünglich im Postamt C 53. Am 30.9.87 wechselte das Rohrpostamt R2 zum Postamt Berlin SW 19. Im alten Stempel veränderte man die ursprüngliche Nummer 53 in eine 19. Das C tauschte man aber nicht gegen SW aus, so dass der Stempel die Bezeichnung des nicht existieren Postamt „C 19“ trägt.
Rohrpostbrief an Ernst Dittmer vom 25.09.1891. Ernst Dittmer war mit Louise Hecker verheiratet - sie ist mit uns über den 5fachen Urgroßvater Andreas Peter Hecker verwandt. Ernst Dittmer arbeitete im Kaufhaus Hertzog. Durch ihn haben wir aber einige Belege an das Kaufhaus Hertzog (z.B. auch die Karte oben). Diese Karte wurde am Postamt R1 = H.T.A (Haupt-Telegraphen-Amt) um 7.35 Uhr nachmittags aufgegeben. Befördert zum Postamt R5 =W 41 – Ankunftsstempel auf der Rückseite. Der rote Leitvermerk „41“ gibt das Zielpostamt an.
Viele Grüße
Volkmar
Bis 1927 gab es feste Portosätze für Rohrpostsendungen, ab dem 1.8.1927 setzt sich die Gebühr aus den Gebühren von Orts-Postkarte (5 Pfg.), Eilsendung (40 Pfg.), Zuschlag für Rohrpost (10 Pfg.) zusammen => insgesamt ergaben sich 55 Pfg.
Viele Grüße
Volkmar
Besonders nett finde ich bei dieser Karte die Darstellung der Pferde-Straßenbahn.
Rudolph Hertzog begründete das unter seinem Namen über Berlin hinaus bekannt gewordene Kaufhaus (Warenhaus Rudolph Hertzog) und war einer der ersten, der in Berlin Festpreise einführte und Reklame-Anzeigen drucken ließ. 1912 erstreckte sich der Kaufhauskomplex fast über das gesamte Karree bis zur Brüderstraße zwischen Scharrenstrasse und Neumannsgasse.
Viele Grüße
Volkmar
Etwas ganz besonders ist dieses schöne Jugendstil-Album zur Hochzeit von Richard Busacker und Clara Quinckardt mit [#133] insgesamt 50 Telegrammen zur Hochzeit. Mindestens sechs Telegramme stammen von Verwandten: Urgroßeltern Hentschel (Magdeburg), Georg Busacker (Posen), Karl Busacker (Berlin 5), Karl Lehmann (Berlin 29, Bruder von Ur-ur-Großmutter) und Schwager Walter Quinckardt (Wiesbaden) und Oberleutnant Quinckardt (Charlottenburg).
Hier das Telegramm von meinem Urgroßvater Oswald und seiner Frau Elise. Urgroßvater hatte im Mai 1906 die Leitung der Grade-Werke in Magdeburg übernommen, siehe [#118].
An diesem Telegramm möchte ich den Beförderungsweg verdeutlichen:
Das Telegramm wurde in Magdeburg (1) um 4.10 Uhr (2) aufgegeben. Laut handschriftlichem Vermerk ist es um 4.26 Uhr (3) beim Haupt-Telegraphenamt aufgenommen worden. Entsprechend des roten Leitvermerkes "12" (oben links) wurde es mit der Rohrpost zum Postamt Berlin S.W.12 weitergeschickt. Dort kam es um 4.40 Uhr nachmittags an (4). Vom Postamt Postamt Berlin S.W.12 brachte ein Bote das Telegramm zum Hotel Prinz Albrecht in der Prinz Albrecht Straße, wo die Hochzeitsfeier stattfand.
Viele Grüße
Volkmar
Beim dritten Telegramm wurde der Text handschriftlich auf das Formular geschrieben (insgesamt bei 24 Telegrammen). Vor dem Telegrammtext steht der Vermerk „bf“. Es bedeutet, dass es sich um ein Brieftelegramm handelt. Brieftelegramme wurden mit der normalen Post und nicht per Eilboten zugestellt. Dementsprechend waren sie billiger als normale Telegramme. Dieses steht im Gegensatz zum Botenstempel „20“. Wer weiß – vielleicht musste der Telegrammbote sowieso schon ein Telegramm zum Hotel bringen und hat dieses gleich mitgenommen.
Es war kein Problem, das Telegramm mit der normalen Post zuzustellen, da die Post in Berlin 4-mal am Tag ausgetragen wurde.
Soviel für heute. Viele Grüße
Volkmar
Den Vermerk „Abschrift“ tragen bis auf eine Ausnahme alle Telegramme, die auf Telegrammformularen anderer Postämter als das HTA sind. Der Absender hat das Telegramm auf das Aufgabeformular geschrieben. Dann wurde es auf dem Postamt auf das Telegrammformular übertragen (=Abschrift). Die Telegramme wurden anschließend nicht über den Telegrafen sondern direkt mit der Rohrpost zum Postamt SW12 befördert. Dieses geht auch daraus hervor, dass bei den Telegrammen keine Leitungsnummer, keine Telegrammnummer und kein Vermerk „Aufgenommen von“ eingetragen wurde.
Hier ein weiteres Telegramm mit der eingedruckten Postamtsbezeichnung Charlottenburg 1. Das Telegramm aus Charlottenburg trägt den Druckvermerk "C 187 Rohrpost 05". Die letzte Zahl entspricht dem Druckdatum 1905.
Viele Grüße
Volkmar
Mehrere Postämter hatten keine eigenen Telegrammformulare sondern benutzten ein Blanko-Formular, in das die Postamtsbezeichnung mit Hilfe eines Gummistempels oder handschriftlich eingetragen wurde:
Bei den Postämtern Charlottenburg 5 und Berlin 43 wurden jeweils zwei entsprechende Gummistempel abgeschlagen.
Viele Grüße
Volkmar
Das Telegramm aus Berlin 29 kommt von Karl Lehmann, dem Bruder von Ur-ur-Großmutter Elise Quinckardt geb. Lehmann.
Viele Grüße
Volkmar
Das erste Telegramm trägt oben links einen R-Vermerk. Es wurde in Posen aufgegeben (aufgenommen von P) und ist nach Wilmersdorf, Uhlandstraße 118 adressiert (eines von zwei Telegrammen an die Privatanschrift). Beim HTA wurde der Streifen des Ferndruckers auf das Telegramm-Formular aufgeklebt. Vom HTA aus ist es dann per Rohrpost nach Wilmersdorf gegangen (roter Leitvermerk Wf, Ankunftsstempel von 6.40 N.). Weshalb der rote Vermerk „Fd“ durchgestrichen wurde weiß ich nicht.
Bei diesem Telegramm ist das rote „R“ besonders interessant. Es handelt sich hier um ein Telegramm mit Empfangsbestätigung ähnlich dem Rückschein zu einer Einschreibesendung.
Viele Grüße
Volkmar
Die Anschrift lautet: „Albrechtstraße 9“. Entsprechend dieser Anschrift wurde das Telegramm per Rohrpost zum Postamt Berlin NW 6 weitergeschickt, wo es um 7.50 Uhr ankam. Bei der Albrechtstraße 9 notierte der Bote auf der Rückseite: „Albrechtstraße 9 ist ein Steinplatz, dort Hochzeit Quinckardt nicht zu ermitteln. Vielleicht Prinz Albrechtstraße 9 anfragen“
Das Telegramm ging also zurück zum Rohrpostamt NW 6 und wurde zum Postamt SW 12 weitergeschickt, wo es um 8.20 Uhr ankam. Der rote Leitvermerk 6 wurde entsprechend durchgestrichen und durch eine 12 ersetzt.
Viele Grüße
Volkmar
Der Streifen des Druckers wurde auf ein Telegrammformular von Wilmersdorf geklebt. Es ist das einzige Telegramm, dass nicht per Rohrpost sondern direkt per Bote befördert wurde (normaler Stempel, kein roter Leitvermerk). Das Besondere ist hier aber eindeutig der gelbe Aufkleber oben rechts.
Obwohl alle Telegramme aus derselben Stadt Berlin kamen, waren es doch dank der Rohrpost sehr unterschiedliche Exemplare. Ich denke, dass es keine andere Stadt in Deutschland gibt, bei denen 50 Telegramme vom selben Tag so abwechselungsreich sind.
Viele Grüße
Volkmar
Ein Vorschlag war:
1. Potage printania
2. Steinbutt (=> Forelle)
3. Holsteiner Kalbsrücken, Rinderfilet
4. Timbal von Krebsen
5. Rehbraten
6. Frischer Stangenspargel
7. verschiedene Nachtische
8. Käsebrötchen und Chestersouffles
Das Hotel Prinz-Albrecht wurde 1887/88 erbaut. Den Namen Hotel Prinz Albrecht hat es seit der Jahrhundertwende. Im Dritten Reich erhielt es traurige Berühmtheit dadurch, dass im Hotel der Sitz der Reichsführung SS war. Rund um das Hotel befanden sich die Gebäude der Gestapo, das Reichssicherheitshauptamt usw.
Viele Grüße
Volkmar
Da die Texte der Hochzeitszeitschrift etwas blass waren habe ich sie am PC etwas verstärkt.
Das zweite war das Aussteuerverzeichnis:
Da es zum Teil schlecht lesbar war, habe ich zwei Seiten des Originals des Aussteuerverzeichnis abgeschrieben. Später wurden die Angaben korrigiert - wann das geschah ist aber nicht erkennbar. So weit meine Beiträge zur Hochzeit. Nächstes Mal geht es mit anderen Belegen zu Quinckardts weiter.
Viele Grüße
Volkmar
Diese Postkarte kommt aus Siedlinghausen (Kreis Brilon). Sie zeigt dass Neuerbaute Eisenbahnviadukt an der Bahnstrecke Nuttlar (Westfalen) – Frankenberg. Das erste Teilstück von Nuttlar bis Steinhelle war am 1. Mai 1902 betriebsfertig. Die Fortsetzung von Steinhelle bis Winterberg, an der auch Siedlinghausen liegt wurde am 1. Oktober 1906 eröffnet. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Nuttlar%E2%80%93Frankenberg )
Leider ist das Datum des Stempels auf der Karte nicht klar zu erkennen. Vermutlich wurde sie aber kurz nach der Eröffnung am 22.12.1906 aufgegeben. Vielleicht hatte der Absender etwas mit dem Bau der Strecke zu tun. Er schreibt "Herzlichen Glückwunsch. Ich bin noch bis 1.2.1907 in Siedlinghausen ???".
In der Wohnung von Kurt Busacker waren unter anderem einige Wagen und Zubehör (leider keine Lok) von Märklin aus der Zeit des 1. Weltkriegs. Zusätzlich fanden wir aber diese funktionsfähige Dampflokomotive „Vulkan“ der Firma Ernst Plank circa aus dem Jahr 1900. Zur Lokomotive gehören die „Urschienen“ aus gebogenem Blech, das außen einen Wulst hat.
Viele Grüße
Volkmar
Otto Pfeiffer stammt aus Diez an der Lahn. Diese Karte hat sein Bruder von dort geschickt. Diez liegt an der Bahnstrecke der Lahntalbahn, die von Koblenz nach Wetzlar führt. Die Lahntalbahn ist ein Teilstück der Bahnstrecke von Metz nach Gießen. Der Stempel ist zwar nicht gut lesbar, aber er trägt den entsprechenden Bahnpoststempel.
Ansichtskarte an Frau Reichsbahnoberrat Pfeiffer von der Reichsbahn-Ausstellung in Nürnberg 1935 „100 Jahre Deutsche Eisenbahnen“ mit dem entsprechenden Sonderstempel.
Als Abteilungspräsident und Regierungsbaumeister besuchte Otto Pfeiffer natürlich auch diese Ausstellung. Das Foto zeigt ihn auf einem Nachbau der ersten deutschen Lokomotive, der Adler, die 1835 den ersten Zug zwischen Nürnberg und Fürth zog.
Viele Grüße
Volkmar
Diese Karte aus Diez an der Lahn vom 28.4.1910 schickte sein Vater an Otto Pfeiffer. Sie zeigt das Luftschiff Zeppelin II vermutlich über Diez. Im Text heißt es:
Lieber Otto! Der bei Weilburg Webersberg verunglückte Zeppelin II stand am Sonntag (24.4) um ½ 2 Uhr nachmittags überm Wislet. Es wurde geglaubt, dort landen zu können, kam an zum Blumenröder Hof.
Der Z II war nachmittags südlich von Limburg beim Hof Blumenrod gelandet, um Gas nachzufüllen. An einem eingegrabenen Leiterwagen wurde der Zeppelin mit Stahlseilen verankert und sollte seinen Flug am nächsten Tag fortsetzen. Nach einer zeitweiligen Wetterbesserung nahm die Windstärke am 25. morgens wieder zu. Gegen 13.00 Uhr erfasste eine besonders heftige Böe den Z II und die Verankerung riss. Bei der Strandung am Webersberg war niemand zu Schaden gekommen, jedoch war der Z II so stark beschädigt, dass sofort mit Sicherungsarbeiten und der Demontierung begonnen wurde.
Viele Grüße
Volkmar
Dieses ist der älteste frankierte Beleg aus der Familie (wenn auch nur angeheiratet) und der einzige mit einer Marke aus dem Norddeutschen Postbezirk. Der Brief geht vermutlich an den Mühlenbesitzer Johann Jacob Pfeiffer (1815 – 1891), den Großvater von Otto Pfeiffer. Er trägt den Stempel „Berlin H.St.P.E.“ vom 4.8.1869. Am 1.1.1864 wurde die Central-Stadtpostexpedition aus dem Hofpostamt ausgegliedert und in Haupt-Stadt-Post-Expedition (H.St.P.E.) umbenannt, sie existierte bis 1871.
Der zweite Brief geht an den Mühlenbesitzer Jacob Hermann Pfeiffer (1844 – 1917), den Vater von Otto Pfeiffer. Der Einschreibebrief aus Schwerin aus dem Jahre 1877 hat einen ungewöhnlichen Stempel. Es ist eine besondere abweichende Stempelform für den Bereich Mecklenburg-Schwerin aus dem Norddeutschen Bund. In diesem Fall wurde der Stempel 1877 im Deutschen Reich nachverwendet (diese Stempel sind aus 12 Orten bekannt).
Viele Grüße
Volkmar
Die Foto-Ansichtskarte kommt aus Groß Kuhren (heute Primorje) im Samland. Das Samland ist die Halbinsel zwischen der Frischen Nehrung und der Kuhrischen Nehrung in Ostpreußen. Das Foto zeigt den Zipfelberg. Dazu aus Wikipedia:
Die Gründung des bis 1947 Groß Kuhren genannten Ortes liegt vor dem Jahre 1400. Das Dorf beeindruckt bis heute durch seine reizvolle landschaftliche Lage mit der im Westen gelegenen früheren Rosenschlucht und der mehr östlich gelegenen Morgenschlucht. Auffallend sind die Zinnen und Zacken der umliegenden Berge, unter ihnen der früher so genannte Zipfelberg und der Kahle Zipfelberg, der mit seinen 60 Metern die höchste Erhebung an der Küste ist. Der Sand am Strand ist gelbbraun gefärbt. Es handelt sich um eisenhaltigen Diluvialsandstein.
Nachdem Otto Pfeiffer die verwitwete Clara Busacker geheiratet hat, wohnten sie lange Zeit in Essen. Hier eine Postkarte aus Japan an Clara Pfeiffer:
Die Ansichtskarte vom 8.7.1934 kommt von ihrem Neffen Walter Dübgen. Im Auftrag der Hamburger Import/Export Firma Simon, Evers & Co führte ihn eine Geschäftsreise 1934/35 nach Japan und rund um die Welt.
Viele Grüße
Volkmar
Mit dieser Karte möchte ich die Familie Pfeiffer verlassen und noch einmal zu Clara und Richard Busacker zurückkommen. Beim Aufräumen der Unterlagen meines Vaters fand ich eine Reihe Foto-Ansichtskarten vorwiegend von Kindern aus der Familie. Hier die ersten Beispiele:
Die Karten sind an Tante Kläre (Clara Busacker) oder an ihre Mutter gerichtet. Fast alle wurden in Berlin Halensee aufgegeben. Unsere Ahnen- und Verwandtschaftstafel ist zwar sehr umfangreich, aber in diesem Fall versagt sie. Die Namen der Absender kann ich dort nicht finden. Es sind vermutlich Verwandte von der Busacker-Seite, denn dort fehlen mir die Informationen zu Verwandten.
Viele Grüße
Volkmar
Die beiden 8 Pfg. Ortspostkarten der Bautenserie wurden 1952 in Wiesbaden nachträglich entwertet.
Die zweite Karte der Posthornserie wurde zuerst innerhalb Wiesbaden versandt. Cläre Pfeiffer war aber damals im Eisenbahn-Erholungsheim Niederdollendorf in Königswinter. Die Karte wurde also dorthin nachgeschickt und die fehlenden 2 Pfg. für eine Fernpostkarte wurden als Nachgebühr eingezogen. Da die Karte ursprünglich ausreichend frankiert war, wurde keine Zusatzgebühr erhoben.
Viele Grüße
Volkmar
Dieses ist die älteste erhaltene Karte an Kurt Busacker. Sein Onkel - ebenfalls mit dem Namen Kurt schreibt am 20. Februar 1918: "Mein liebes Curtelchen, Zu Deinem Geburtstage gratuliere ich Dir recht herzlich, und wünsche Dir das Beste. Wenn Du auch selbst noch nicht lesen kannst, so wird Dir doch Dein Brüderchen diese Karte schon vorlesen können. Den Eltern und Euch Brüdern sendet viele Grüße. Euer Onkel Curt
Nach dem Tode von Richard Busacker im Jahre 1920 hat seine Frau in zweiter Ehe Otto Pfeiffer geheiratet. Die Kinder behielten aber den Namen des Vaters. Hier ein Brief an den Schüler Kurt Busacker aus dem Jahr 1927. Bei diesem und dem letzten Beleg wird der Name noch "Curt" geschreben. Später ist es immer "Kurt". Ob das eine offizielle Änderung war, weiß ich nicht. Nach dem Ende des Kaisserreichs wurde ab 1918 zum Beispiel auch die Stadt Cöln mit K - also Köln geschrieben.
Viele Grüße
Volkmar
Diese Karte zum 50-ten Jubiläum des Eiffelturms schickte er an sich selbst ins Hotel. Die Sondermarke aus diesem Anlass ist mit dem zugehörigen Sonderstempel entwertet.
Ich vermute, dass das "F" vom Wort "Flüchtling" kommt. Kann das jemand bestätigen? F-Ausweise gibt es in der Schweiz auch heute noch. Vorläufig aufgenommene Ausländerinnen und Ausländer erhalten den Ausweis F. Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Aufenthaltsstatus_(Schweiz)
Viele Grüße
Volkmar
Eineinhalb Monate später wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Er kam zur "2.Trg.Frqu.Kp.648 i./Na.Rgt.685" Kann mir einer die Abkürzung erklären?
Ob ich einen Feldpostbeleg von ihm habe weiß ich im Moment nicht. Ich muss noch danach suchen.
Viele Grüße
Volkmar
Mit dieser Postkarte wurde er darüber informiert, dass er vom Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus vom 5. März 1946 nicht betroffen ist. Auf der Rückseite steht ist der Stempel "Weihnachtsamnestie".
Die bereits 1946 angekündigte Weihnachtsamnestie wurde von der amerikanischen Militärregierung für Deutschland am 5. Februar 1947 erlassen. Sie nahm körperbehinderte und einkommensschwache Personen, die vom Kläger nicht in die Gruppen I–III eingestuft waren, von der Entnazifizierung aus.
"Durch zwei große Amnestien (Jugendamnestie 1946, Weihnachtsamnestie 1947) wurden von den oben genannten 1,8 Millionen vom Gesetz betroffenen 1,6 Millionen amnestiert" (Handbuch der bayerischen Geschichte Bd. IV,1: Das Neue Bayern: Von 1800 bis zur Gegenwart. Erster Teilband: Staat und Politik: Band IV,1).
Viele Grüße
Volkmar
Bei der alten Briefwaage fand ich die Waagschale interessant. Auf ihr waren einige aktuelle Portosätze angegeben. Unter anderem die Portosätze für die deutschen Schutzgebiete:
Daneben waren noch viele andere interessante Dinge in der Wohnung. Da sie aber nichts mit der Philatelie zu tun haben, will ich keine weiteren Stücke Zeigen.
Viele Grüße
Volkmar
Zunächst gibt es von ihm eine Reihe Ersttagsumschläge aus der DDR, die er in der Regel auch am Ersttag beim Postamt Cottbus 10 aufgegeben hat. Bis zum 30.06.1971 galt für Briefe in die Bundesrepublik das Inlandsporto (Postkarte 10 Pfg., Brief 20 Pfg., Einschreibegebühr 50 Pfg.). Da Hans Busacker immer den ganzen Satz aufgeklebt hat, sind die Briefe wie bei diesen beiden Beispielen normalerweise überfrankiert.
Vom 1.7.1971 bis zum 30.06.1990 galt die Bundesrepublik als Ausland. Das Porto erhöhte sich dadurch auf: Postkarte 25 Pfg., Brief 35 Pfg., Einschreibegebühr 50 Pfg., Eilzustellung 50 Pfg.. Diese Postkarte ist durch die beiden zugeklebten Marken also portogerecht.
Viele Grüße
Volkmar
Bei beiden Briefen wäre nur 85 Pfg. Porto erforderlich gewesen. Sie sind also deutlich überfrankiert. Als Absender hat Hans Busacker wie auch auf der Postkarte jeweils angegeben "PSF 123". Er hatte also ein Postschließfach.
Viele Grüße
Volkmar
Er schreibt: "Bei 30° im Schatten und fehlender Weihnachtsdekoration in den Geschäften fällt es schwer an Weihnachten zu denken." Die fehlende Weihnachtsdekoration wundert nicht, denn der Norden Kameruns ist überwiegend islamisch geprägt. Ob es in anderen Teilen Kameruns mit einem höheren Anteil an Christen anders ist weiß ich nicht.
Soviel für heute. Parallel dazu berichte ich beim Thema "Kamerun: Beiträge zur Geschichte des Landes" [1] über die Geschichte Garuas bzw. Kameruns. Im letzten Beitrag habe ich dort mit der deutschen Kolonialzeit angefangen.
Viele Grüße
Volkmar
[1] http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=9810&CP=0&F=1
Steffi ist aber sofort zu ihrem Schulleiter gegangen und hat sich zusätzlich die Woche vor den Herbstferien frei genommen. Ich stellte fest, dass gerade in dieser Woche die Klasse fehlte, die ich hauptsächlich unterrichte. Daraufhin bin auch ich mit einer offiziellen Einladung, die wir über die Vereinigte evangelische Mission erhalten haben, zu meinem Schulleiter gegangen. Die wenigen restlichen Stunden durfte ich umlegen, so dass ich zusammen eine Woche vor den Ferien zusammen mit Steffi nach Kamerun fliegen konnte.
Von Düsseldorf aus sind wir über Paris nach Douala geflogen. Die 100 F - Marke zeigt das Flughafengebäude von Douala. Wir wurden von einem Vertreter der Kirche abgeholt, der uns mitteilte, dass wir Glück hätten. Das Flugzeug, das uns am nächsten Tag nach Garoua bringen soll fliegt nicht um 16.00 Uhr sondern schon um 10.00 Uhr.
Am nächsten Morgen wurde dann der Abflug auf 18.00 Uhr und etwas später auf 20.00 Uhr verschoben. Als wir im Flughafen in der Warteschlange standen, blieb diese plötzlich stehen. Für ca. 2½ Stunden passierte gar nichts, dann kam die Lautsprecherdurchsage: "Der Flieger war voll, kommen Sie morgen wieder“. Über diese Vorgehensweise regte sich übrigens keiner auf.
Die geplante Maschine war entweder defekt oder der Präsident benötigte sie gerade für einen Staatsbesuch. Die Ersatzmaschine hatte nur etwa halb so viele Plätze wie das Flugzeug von Cameroon Airline. Diese Marke zeigt die gesamte Flugzeugflotte von Cameroon Airlines, bestehend aus drei Flugzeugen.
Am nächsten Tag machte dann der Jumbo (Boeing 747) von Cameroon Airlines, der eigentlich nonstop von Douala nach Paris fliegen sollte zunächst einen Zwischenstopp in Yaounde und dann in Garoua und brachte so alle „gestrandeten“ Passagiere an ihr Ziel.
Im Jumbo saßen wir neben einer Fluchttür. Direkt an der Tür ein Herr aus der Schweiz, dann meine Tochter und ich. Aus der Tür floss ein stetes Rinnsal von Wasser aus der Klimaanlage, so dass der Schweizer schon nach kurzer Zeit eine vollkommen nasse Hose hatte. Als unser Sohn mit meiner Frau eine Woche später nachkam, hatte er bei dem Flug mit Cameroon Airlines einen „Schaukelstuhl“. Sein Sitz war nicht richtig am Boden befestigt.
Soweit der Bericht über unsere Hinreise nach Garoua.
Viele Grüße
Volkmar
Mein Bruder war für die evangelische Kirche nach Kamerun gefahren, um dort die von Deutschland geförderten Projekte zu beobachten. Zusammen mit einem Pastor der „Église evangélique du Cameroun“ ging es deshalb gleich am nächsten Tag weiter nach Kaélé nahe der Grenze vom Tschad.
Ein Problem in Kamerun ist, dass es in dem Land viele verschiedene Sprachen gibt. Die Ethnologue-Datenbank listet aktuell 285 Sprachen auf, die in Kamerun gesprochen werden. Viele Menschen - vor allem Frauen - sprechen kein Französisch. Wenn sie zum Beispiel zum Arzt wollen, können Sie sich nicht mit ihm unterhalten. Ein anderes Beispiel: Der Pfarrer, der uns begleitete kam aus dem Süden Kameruns. Er hatte eine Gemeinde in Garoua, konnte sich aber mit den meisten Gemeindemitgliedern nicht unterhalten. Beim Gottesdienst am Sonntag predigte er auf Französisch, das dann sofort in die Sprache seiner Gemeinde übersetzt wurde.
Eine der Aufgaben der evangelischen Kirche waren Sprachkurse für Frauen, die sogenannten Alphabetisierungskurse. Dort sollten die Grundlagen der französischen Sprache geschaffen werden. In Kaélé wurden solche ein Sprachkurse durchgeführt. Als wir dort waren, traf man sich unter einem großen Baum. Wir bzw. die Kommission der Kirche bekamen Stühle, die anderen saßen auf dem Boden.
Neben den Sprachkursen ging es bei den anderen Projekten der Église evangélique du Cameroun vor allem um Schulen, Gesundheitsförderung und den Brunnenbau.
Viele Grüße
Volkmar
Eine Fahrt führte uns nach Maroua, der viertgrößten Stadt Kameruns. Dort wohnten wir auf dem Gelände der Baptisten. Hier ein Brief aus Maroua von der „Église evangelique mission unie du Soudan“.
In Maroua sollte mit Geldern der evangelischen Kirche eine Joghurt-Produktion aufgebaut werden. Dort sollten die Frauen Beschäftigung erhalten. Leider hat der Bruder des Pfarrers das Geld veruntreut, so dass von der Produktionsstätte (es wurde die Tür aufgebrochen) nicht viel zu sehen war.
Viele Grüße
Volkmar
Vorher schreibt Steffi: „Hier ist es wunderschön und man wird von allen herzlich empfangen. Heute waren wir auf einem Markt, wo es alles von Rindern bis Schuhen gab“. Hier zwei Fotos des Marktes:
Der Anblick des von Fliegen bedeckten Fisches ist gewöhnungsbedürftig, zudem er noch in der prallen Sonne lag. Der Fisch war aber so frisch, wie wir hier keinen Fisch kaufen können. Er kam unmittelbar vom Fluss Benue (Bénoué), der hinter dem Markt floss.
Weiter schreibt Steffi: „Durch die Arbeit der Kirche kommen wir auch auf die kleinen Dörfer wodurch man einen guten Einblick in das Leben der Menschen bekommt“. Nach meiner Meinung haben Jutta und Thomas leider die interessanteste Woche versäumt, aber auch die beiden nächsten Wochen waren noch ereignisreich.
Viele Grüße
Volkmar
Im Beitrag [#173] habe ich vom Milchprojekt in Maroua berichtet. Auf dieser Ansichtskarte schreibt mein Bruder, dass sie Anfang Dezember wieder dort waren um das Projekt endlich in Gang zu bringen.
Nett auch die Ansichtskarte mit den Kindern, die mit einem selbst gebauten Auto spielen. Es war für uns faszinierend, was für tolles Spielzeug sich die Kinder selbst gebaut haben. Hier noch ein anderes Beispiel aus einer alten Flasche:
Dieses Auto wurde einfach an einem Band hinterher gezogen. Andere Autos aus Flaschen waren mit Hilfe einer Stange lenkbar.
Soviel für heute
Viele Grüße
Volkmar
Auf diesem Brief von der sowjetischen Botschaft in Yaounde an das Kaufhaus Neckermann ist auf der rechten Marke unsere Reiseroute gut zu erkennen. Die Marke zur Transkamerunischen Eisenbahn von Yaoundé nach Ngaoundéré ist am Tag der Eröffnung, dem 10. Dezember 1974, mit dem entsprechenden Aufdruck erschienen. Hier noch einmal die Marke mit der Reiseroute in Vergrößerung:
Von Garoua aus ging es mit einem normalen Reisebus aus nach Ngaoundéré. Im Bus hatte jeder seinen eigenen Platz, was ich bis dahin in Garoua noch nicht gesehen hatte. Die Fahrt über Land war viel interessanter als der Flug. Man kam durch die verschiedenen Klimazonen Kameruns, dass auch Afrika im Kleinen genannt wird. Im Norden ist die Sahel-Zone, Garoua liegt im Bereich der Trockensavanne. Diese Landschaft ging über in die Feuchtsavanne, bis wir schließlich in der Nähe von Ngaoundéré den tropischen Regenwald erreichten.
Viele Grüße
Volkmar
Wir fuhren über Nacht durch den Regenwald. Man konnte zwar schlecht schlafen, es war aber dennoch interessant. Die Geräusche des Waldes konnte man aber nicht hören. Entweder ratterte der Zug und wenn er hielt waren sofort zahlreiche Händler am Gleis, die ihre Waren lauthals anpriesen.
Viele Grüße
Volkmar
Insgesamt kann man sagen, dass die Fahrt mit Bus und Bahn viel interessanter als der Flug gewesen ist. Wir kamen schließlich am Montag in Douala an. Das nächste Flugzeug nach Paris war auch schon ausgebucht, so dass wir noch eine Nacht auf dem Gelände der evangelischen Kirche in Douala verbringen mussten. Am Mittwoch waren wir dann mit drei Tagen Verspätung wieder zu Hause.
Ich hatte meinen Abteilungsleiter telefonisch über die Verspätung informiert. Der Vater meiner Frau hatte dem stellvertretenden Schulleiter eine Nachricht auf Band gesprochen. Da dieser aber umgezogen war kam die Nachricht nicht an. Meine Frau war für die Schule also drei Tage in Afrika verschollen.
Es ist kein Wunder, dass Cameroon Airlines am 16. September 2005 auf die „Schwarze Liste“ der französischen Aufsichtsbehörde für Zivilluftfahrt (DGAC) gesetzt wurde. Damit durfte die Fluggesellschaft keine Ziele in Frankreich mehr anfliegen. 2008 wurde der Flugbetrieb von Cameroon Airlines eingestellt. Nachfolger ist die neu gegründete Fluggesellschaft Camair-Co.
Soviel zu unserer ersten Reise nach Kamerun.
Viele Grüße
Volkmar
Wenn jemand von Kamerun nach Deutschland fährt, wird häufig Post mitgegeben, die dann in Deutschland eingesteckt wird. Auf diesem Weg ist dieser Brief von Gisela zu uns gelangt. Im Briefzentrum 18 (Rostock, Roggentin) bekam er gleich drei Stempel.
An meinem 50. Geburtstag im März 2004 veranstaltete ich deshalb eine große Afrika-Fete und sammelte Spenden für Kamerun. Es war in diesem Fall alles afrikanisch. Bevor die Gäste in den Festsaal kamen mussten sie durch einen Dschungel (aus Efeu), in dem ein Bekannter im Affenkostüm saß und sie etwas erschreckte. Zu Dekoration benutzte ich afrikanische Gegenstände und Stoffe. In Erinnerung an unsere Wohnung in Garoua war auf jedem Tisch ein kleiner Berg aus Zuckerstücken zu dem eine Ameisenstraße aus Kunststoff-Ameisen hinführte. Zusätzlich waren zur Freude/zum Schrecken zahlreiche große Kunststoff-Kakerlaken versteckt. Einige Gäste hatten allerdings etwas Probleme mit dem Essen, denn es gab ausschließlich afrikanisches Essen.
Wie bei uns üblich hatten die Gäste einige Spiele zum Thema Afrika vorbereitet. Dazu muss man nur im Olfener Karnevalsumzug heraussuchen, was man für ein Kostüm oder Gegenstand benötigt wird. Das ausgefallenste war ein großes Kamel, das eine Gruppe auf einem Anhänger mitgebracht hatte.
Die Hälfte des gesammelten Geldes (insgesamt 2400 €) bekam Gisela, die andere Hälfte ging an eine andere Schule, die von der evangelischen Kirche unterstützt wurde.
Viele Grüße
Volkmar
Diesen Brief hat die GEZ am 09.01.2004 zu meinem Bruder nach Garoua geschickt. Er ist zwar nicht gut erhalten, aber ich finde interessant, dass er nur mit 55 ct. freigemacht ist. Dieses war der Inlandstarif für Briefe innerhalb Deutschlands.
Wie der Ankunftsstempel GAROUA ARRIVEE zeigt, ist er am 22.01.2004 unbeanstandet in Garoua angekommen. Der Stempel ist wie viele Stempel aus der Zeit sehr schlecht abgeschlagen. Es ist aber der einzige Ankunftsstempel den ich aus Garoua habe.
Viele Grüße
Volkmar
Steffi ist zwar katholisch, wurde aber sowohl von der Vereinten evangelischen Mission als auch von der katholischen Kirche in Olfen unterstützt. Allerdings wurde das freiwillige soziale Jahr offiziell nicht anerkannt, da sie sich die Stelle selbst gesucht hatte. Giselas Schule gehört nicht zu den Institutionen, die für ein freiwilliges soziales Jahr anerkannt sind. Steffi ist also im Sommer 2005 für ein Jahr nach Douala. Einer der ersten Briefe, den sie in Douala erhielt ist dieser Brief der Stadt Olfen:
Da am 18. September die Bundestagswahlen anstanden, sorge ich dafür, dass die Wahlunterlagen nach Kamerun geschickt wurden. Der Brief wurde in Olfen am 31.08.2005 abgeschickt und kam am 09.09. in Douala an (Stempel auf der Rückseite). Der Ankunftsstempel ist schon sehr stark abgenutzt. Es müssen aber neue Zahlen für den Tag und den Monat eingesetzt worden sein, denn diese sind als einziges klar zu lesen.
Bei einer Beförderungszeit von ca. 10 Tagen war es für die Wahl schon fast zu spät. Es hat aber auch aus einem anderen Grund nicht geklappt. Unsere Tochter wusste am Anfang nicht, dass die Post nicht zugestellt wurde, sondern dass man sie beim Hauptpostamt aus dem Schließfach abholen musste. So hat sie den Brief erst kurz nach der Wahl erhalten.
Viele Grüße
Volkmar
Wie üblich hat sie als Adresse die Postfachnummer angegeben. Ihre Arbeitsstelle erkennt man besser auf diesem Brief, den mein Vater an Steffi geschickt hat:
Im Behindertenheim FEDEME la Caméléon Douala hat Steffi mit den Kindern unter anderem Spiele und Gegenstände für einen Basar hergestellt. Außerdem hat sie eine kleine Holzwerkstatt aufgebaut.
Wie in Frankreich üblich, tragen die Schüler auch in Kamerun eine Schuluniform. Auf dem zweiten Foto sieht man, dass das Haus von einem hohen Zaun umgeben ist. Das war in Kamerun so üblich. Die Kluft zwischen arm und reich ist extrem groß. Wenn jemand etwas mehr Geld hat schützt er sich und sein Haus durch einen Zaun und häufig auch durch Nachtwächter.
Viele Grüße
Volkmar
Kurz vor dem Ende schickten wir diese Ansichtskarte an meine Eltern. Wie man dem Text entnehmen kann, hatten wir diesmal ein mehr touristisches Programm. Wir waren in Nkongsamba und Bamenda im Südwesten. In der Nähe von Nkongsamba besuchten wir die eindrucksvollen Ekom-Wasserfälle. Nach dem Ende der Regenzeit führte der Fluss sehr viel Wasser. In der Trockenzeit kann man dagegen unten am Wasserfall schwimmen gehen.
In der Nähe des Wasserfalls entstand dieses Foto von mir vor einem Baum mit eindrucksvollen Brettwurzeln. Auf der Briefmarke wird deutlich, wie viel Mühe es früher war, einen solchen Baum zu Fällen.
Viele Grüße
Volkmar
In diesem Auto sind wir mit 22 Personen gefahren. 5 Reihen mit je vier Plätzen, zwei Kinder zusätzlich dazwischen gequetscht.
In Bamenda konnte ich mich endlich gut mit den Kamerunern unterhalten, denn Bamenda liegt im englischsprachigen Teil Kameruns, der zwischenzeitlich zu Nigeria gehört hat. Mein Französisch ist dagegen sehr dürftig. Da ich bisher keinen Beleg Bamenda habe, zeige ich diesen Brief aus dem Jahre 1961 von Baber. Er verdeutlicht sehr schön den Übergang des Gebietes von Nigeria zu Kamerun [1].
Viele Grüße
Volkmar
[1] http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=142541
Von Bamenda ging es zurück nach Douala und von dort für zwei Tage weiter nach Kribi. Kribi entstand als Ansiedlung deutscher Kaufleute an der Batanga-Küste und gehörte seit 1884 zu der deutschen Kolonie Kamerun. In den folgenden Jahren entwickelte es sich zum administrativen und wirtschaftlichen Zentrum des Südens der Kolonie. Kribi verfügt mit über die schönsten Strände Kameruns. Ein besonders sehenswertes Ziel ist der Lobé-Wasserfall (Chute de Lobé) unweit südlich von Kribi.
Gerade als wir in Kribi waren, wurde der erste Hentschel-Beleg den ich aus Kamerun gesehen habe bei Ebay verkauft. Er kam zufälligerweise gerade auch aus Kribi. Wie Theodor Hentschel mit mir verwandt ist, findet ihr ab Beitrag [#19]. Da wir in Kamerun kein Internet hatten, habe ich einen Bekannten gebeten, den Brief für mich zu kaufen. Wie ihr seht, ist es gelungen. Bisher habe ich nur einzigen weiteren Hentschel-Beleg aus Kamerun registriert. Er kam ebenfalls aus Kribi.
Auf der linken Marke sieht man die Kirche aus Kribi. Sie stammt noch aus der deutschen Kolonialzeit. Ein weiteres Bauwerk aus dieser Zeit ist der kleine Leuchtturm am Strand von Kribi. In der Nähe des Leuchtturms sind wir erst einmal im warmen Wasser des Atlantiks Baden gegangen. Von großem wirtschaftlich Interesse ist der Hafen von Kribi. Dort werden Holz und Kakao aus dem Binnenland Südkameruns exportiert.
Viele Grüße
Volkmar
Die portugiesischen Seefahrer, die als erste Europäer die Region erreichten, gaben dem heutigen Fluss Wouri den Namen Río dos Camarões nach den vielen Garnelen, die sie dort vorfanden. Später wurde der Name für die umliegenden Berge und von der deutschen Kolonialverwaltung zunächst für die heutige Stadt Douala und später für das ganze Land übernommen.
Auf der Rückfahrt hatten wir noch eine Autopanne und mussten abgeschleppt werden. Sehr verblüffend für uns war die Methode, wie das den anderen Autofahrern mitgeteilt wurde. Anstelle der Warnblinkanlage wurde rechts und links im Kofferraum ein Grasbüschel eingeklemmt. Wenn man bei einer Autofahrt ein Grasbüschel auf der Fahrbahn liegen sieht, sollte man sofort bremsen. Wahrscheinlich steht ein paar Meter weiter ein liegengebliebenes Auto auf der Straße. Im Dunkeln wäre das liegengebliebene Fahrzeug zudem unbeleuchtet. Also besser nur tagsüber mit dem Auto fahren.
Am 15.10.2005 flogen wir schließlich über Paris wieder nach Hause zurück. Einen Tag vorher schickten wir noch diese Ansichtskarte an meine Eltern. Vermutlich hat sie Steffi bei der Post aufgegeben, denn sie wurde erst zwei Tage nach unserem Abflug abgestempelt.
Beim Stempel fällt die Jahreszahl 2005 besonders auf. Die Ziffern – vor allem die „5“ sind deutlich größer als die Ziffern bei der Angabe von Tag und Monat.
Viele Grüße
Volkmar
kurz nach der Rückkehr erreichte uns die erste Ansichtskarte von Steffi aus dem „kalten“ Douala. Das ist natürlich ironisch gemeint, denn die Durchschnittstemperatur in Douala beträgt das ganze Jahr über ca. 30 °C tagsüber und ca. 23 °C nachts. Die Luftfeuchtigkeit beträgt dabei immer ca. 85 %. Es ist also ein äußerst schweißtreibendes Klima.
Wie Steffi schreibt, ist sie Ende Oktober aufs Dorf gefahren, weil dort eine „Finerei“ war. Sie kannte vermutlich das Wort funérailles = Trauerfeier nicht. Mit „Dorf“ ist der Ort gemeint, aus dem die Familie stammt. Auch wenn jemand in der Stadt wohnt, spielt das Dorf weiterhin eine wichtige Rolle.
Steffi schreibt: „… Wenn jemand gestorben ist gibt es erst die traurigen Tage und teils nach Monaten gibt es den freudigen Abschluss. Drei Tage wird nur gefeiert, Gottesdienste abgehalten und es sind die riesigen Familien zusammen. Für mich war es sehr interessant zu sehen wie am Samstag in den Winzigen Holzhütten auf dem Feuer gekocht wurde und abends alle tanzten. Zu den Feiern kommen viele hundert Leute …“ Ich finde es sehr interessant was Steffi schreibt.
Ob diese beiden Bilder von der Trauerfeier stammen kann ich im Moment nicht feststellen. Auf jeden Fall tragen viele der Besucher Kleidung aus den bunten einheimischen Stoffen. Ansonsten stellen die vielen abgelegten Kleidungsstücke von uns, die in Kamerun billig auf dem Markt verkauft werden, eine große Konkurrenz für den einheimischen Stoffmarkt dar.
Viele Grüße
Volkmar
Wir waren natürlich gespannt, was sie schreiben würde. Eine große Überraschung lieferte diese einliegende Karte mit der Aufgabe, nach draußen in den Garten zu gehen:
Im Garten fanden wir ein großes Paket von Steffi mit Weihnachtsgeschenken aus Kamerun. Steffi hatte das Paket Bekannten mitgegeben die nach Deutschland geflogen sind. Diese haben es dann an Steffis Freundin geschickt, die bei uns in der Nachbarschaft wohnte.
Für mich lagen mehrere Hemden im Paket. Wie bekommt man in Kamerun ein Hemd? Man geht zunächst auf den Markt und kauft dort eine Bahn Stoff. Mit dieser geht man wiederum zu einem Schneider, der einem dann ein maßgeschneidertes Hemd näht.
Da ich mir in Kamerun schon ein paar Hemden anfertigen ließ, ist Steffi zu dem Schneider gegangen, der meine Größe kannte und ließ von ihm weitere Hemden nähen. Diese Hemden sind neben den Sandalen, die ich fast immer trage mein „Markenzeichen“. Allerdings sind die Haare in der Regel etwas wilder und länger als auf dem Foto. Meine Naturkrause lässt sich kaum bändigen.
So viel von der gelungenen Weihnachtsüberraschung 2005.
Viele Grüße
Volkmar
Steffi war von der langen Wanderung durch die ursprüngliche Natur des Regenwaldes ganz begeistert. Man hört zwar viele Tiere (Vogelgezwitscher, Affengeschrei), sieht aber kaum. Auf der einen Karte schreibt sie „Heute konnte ich kurz einen Affen in den Baumgipfeln erkennen“.
Den Fluss auf dieser „Brücke“ zu überqueren ist nicht jedermanns Sache. Weitere Informationen über den Korup-Nationalpark findet man im Internet:
https://de.wikipedia.org/wiki/Korup-Nationalpark
Viele Grüße
Volkmar


Interessant ist der Inhalt des Briefes. Steffi schreibt: „Guilland, der Tischler aus Bamenda hat dir nochmal als Dankeschön einen kleinen Beistelltisch mit afrikanischer Verzierung gemacht. …“
Bei unserer Fahrt in den Herbstferien hatte ich in Bamenda den Tischler Guilland kennengelernt. Er stellte mit den einfachsten Mitteln Möbel her. Hier seht ihr ihn mit seiner selbstgebauten Werkbank. Er kaufte im Sägewerk gehobelte Bretter und stellte aus diesen in reiner Handarbeit stark verzierte Möbelstücke her. Das zweite Foto zeigt das Fußgestell eines Bettes, das er gerade fertiggestellt hatte.
Da er keine einzige Maschine besaß, habe ich ihm eine Stichsäge zukommen lassen. So musste er die Formen nicht mehr mühsam mit der Handstichsäge aussägen. Als Dank schenkte er mir diesen Tisch. Lustig ist die Schreibweise meines Namens, den er nur nach dem Gehör kannte.
Viele Grüße
Volkmar
In der Gegend von Roumsiki gibt es mehrere sehr eindrucksvolle Vulkanschlote, die aus der Landschaft herausragen. Wir haben die Karte zwar am Ende unserer Fahrt am 22.04.2006 geschrieben, sie ist dann aber bei Steffi liegengeblieben. Steffi hat die Karte erst kurz vor ihrer Rückfahrt Ende Juli aufgegeben. Die Karte tragen diesmal einen Postfreistempel aus Yaounde. Laut dem "International Postage Meter Stamp Catalog" ist es ein Postfreistempel der Firma Neopost. Hier findet ihr die Infrmationen zum Stempel: https://en.wikibooks.org/wiki/International_Postage_Meter_Stamp_Catalog/Cameroon
Viele Grüße
Volkmar
Die eindrucksvolle Natur mit den Vulkanschloten ist natürlich auch auf den Briefmarken Kameruns zu sehen:
Meine Frau war damals nicht mit auf der Reise. Ich würde ihr gerne die imposante Gegend einmal zeigen. Das ist zurzeit aber nicht möglich, denn Roumsiki liegt unmittelbar an der Grenze zu Nigeria.
Vom Auswärtigen Amt gibt es eine dringende Reisewarnung für viele Gebiete Kameruns. Unter anderem wird vor Reisen in die Grenzgebiete zu Nigeria und Tschad (jeweils auf der gesamten Länge der Grenzen) gewarnt. In den letzten Jahren wurden in der Region „Extrême-Nord“ mehr als 20 Ausländer entführt. Außerdem gab es dort Morde (auch an Einheimischen) durch die Boko Haram.
Viele Grüße
Volkmar
Der Waza-Nationalpark (franz. Parc national de Waza) ist ein 170.000 Hektar großes Biosphärenreservat. Das Reservat wurde 1934 gegründet und 1968 zum Nationalpark deklariert. Der Staat Kamerun hat beantragt, es in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes aufzunehmen. Bekannt ist der Waza-Nationalpark u.a. durch die letzte größeren Populationen der Giraffe innerhalb der Sahelzone.


Neben Giraffen haben wir aber auch Elefanten, Löwen, Antilopen, Warzenschweine und viele andere Tiere gesehen. Einige sieht man auch auf kamerunischen Briefmarken.
Viele Grüße
Volkmar
Wie man auf dem eingelegten Gruß lesen kann, wollte sie, dass der Brief den ich ihr von den Soester Gesprächen geschickt hatte eine „Weltreise“ macht. Sie hat einfach auf die Rückseite meine Adresse geschrieben und ihn dann aufgegeben.
Viele Grüße
Volkmar
Sie schreibt: „Dies wird vorerst die letzte Karte sein, die ich euch aus Kamerun schicke, denn in drei Tagen bin ich wieder bei euch in Deutschland.“ Sie hat die Karte nicht datiert, der Stempel ist aber vom 31.07.2006. Als die Karten ankamen, war sie schon längst in Deutschland. Schwiegervater hat das Ankunftsdatum notiert, es war der 10.08.2006. Der Stempel hat übrigens einen Fehler, auf den ich beim nächsten Mal eingehen werde.
Viele Grüße
Volkmar
Die beiden Briefe sind jeweils mit einem Postfreistempel zu 410 FCFA aus Douala freigemacht. Der CFA-Franc ist die zentralafrikanische Währung, die außer in Kamerun auch noch in den Ländern Äquatorialguinea, Gabun, Republik Kongo, Tschad und in der Zentralafrikanischen Republik gültig war. Als wir in Kamerun waren gab es neben den allgemeinen Münzen auch noch die alten Münzen der einzelnen Staaten.
Auf den ersten Blick sehen die beiden Stempel gleich aus, dennoch gibt es einen wesentlichen Unterschied. Beim linken Postfreistempel vom 01.02.2007 ist – wie auch schon bei den beiden Stempeln vom letzten Beitrag ein Fehler. Bei den drei Stempeln heißt es „RECETTE PRICIPALE“ anstelle von „RECETTE PRI NCIPALE“. Dieser Fehler wurde bemerkt und beim Stempel vom 29.03.2007 ist er korrigiert.
Ob der Stempel dazu aptiert wurde, oder ob es sich um eine Neuanschaffung handelt, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Beim rechten Stempel sind die beiden unteren Zeilen etwas höher als beim linken Stempel. Der Rest ist aber genau an derselben Stelle. Ich habe die Stempel am PC übereinander geschoben und die oberen Zeilen waren deckungsgleich. Das spricht für eine Aptierung. Der Stempel aus Yaounde ist dagegen nicht deckungsgleich.
Viele Grüße
Volkmar
Als ich im Internet nachsah, wo die Universität Bayreuth lag, las ich auf der Landkarte durch Zufall den Namen „Kamerun“. Neugierig geworden las ich sofort nach, was das war. Es handelte sich um ein früheres Forsthaus, dass dort 1848 erbaut wurde. Es war an einem Sommertage des Jahres 1884, als zwei junge Männer auf Hochrädern die Straße nach Neuenreuth hinausfuhren. Sie kamen durch Zufall zum Forsthaus.
Die Frau des Waldaufsehers trat aus der Tür und lud sie ein, am Tisch im Freien Platz zu nehmen; sie werde ihnen gerne eine Erfrischung bringen. Ganz dem Frieden und Zauber der Umgebung verfallen ließen sie sich nieder. „Eine richtige Entdeckung haben wir da gemacht“ rief Brandt aus. „Ja, wie der Nachtigall in Afrika!“ vollendete Kranich. Und mit diesen Worten schilderten sie auch abends nach der Rückkehr ihr Erlebnis. Und da gerade alle Zeitungen von der Hissung der deutschen Flagge in Kamerun berichteten, nannten die beiden Entdecker ihr Forsthaus „Neu-Kamerun“, - und diesen Namen hat es bis auf den heutigen Tag behalten.
Quelle des Textes, weitere Bilder und Informationen: https://www.restaurant-kamerun-bayreuth.de/forsthaus.php
2006 und auch heute noch ist in dem Forsthaus Kamerun ein italienisches Restaurant. Ich erzählte unserer Tochter schon unterwegs, dass ich sie abends zum Essen einladen würde und auch schon wüsste in welches Restaurant. Ihr könnt euch vorstellen, wie erstaunt Steffi war, als wir dann an diesem Verkehrsschild vorbei kamen.
Viele Grüße
Volkmar
Als Ausländer-Tutor organisierte sie unter anderem Freizeitangebote z.B. internationale Kochabende und Ausflüge in die Umgebung. Durch ihre Aufgabe hatte sie sehr viele Kontakte zu Studenten aus aller Welt.
Im Rahmen des Studiums „Kultur und Gesellschaft Afrikas“ musste Steffi eine Afrikanische Sprache erlernen. Sie entschied sich für Swahili auch Suaheli oder Kisuaheli genannt. Diese Sprache hatte unter den zur Auswahl stehenden Sprachen den Vorteil, dass sie die am weitesten verbreitete Verkehrssprache Ostafrikas ist.
Im Rahmen des Studiums und zum erlernen der Sprache reiste Steffi mehrmals nach Kenia bzw. Tansania. Dazu waren natürlich die entsprechenden Impfungen und Malaria Prophylaxe erforderlich.
Da es in Bayreuth viele Studenten gab, die nach Afrika reisten, hat sich der Arzt, von dem dieser Brief an Steffi stammt, unter anderem auf Tropen-, Arbeits-, Tauch- und Flugmedizin spezialisiert. Beim ersten Versuch konnte der Brief des privaten Briefdienstes „courissima“ nicht zugestellt werden, da die Hausnummer nicht richtig war. Im Bussardweg 43 stand zwar auch eines der Gebäude des Internationalen Studentenwohnheimes, aber nicht das Haus, in dem Steffi wohnte.
Viele Grüße
Volkmar
Wie Steffi auf der Vorderseite schreibt, hat sie keinen passenden Briefumschlag für die selbstgestaltete Klappkarte gefunden. So hat sie die Karte einfach zusammengeklammert und ohne Umschlag aufgegeben. Die Löcher der Klammer sind beim Original gut zu erkennen.
Aufgegeben hat sie die Karte am 2. April in Moshi (deutsch Moschi). Damit kam sie garantiert nicht mehr rechtzeitig zum Geburtstag meiner Tante an. Wie Steffi schreibt hat sie in Tansania verschiedene Reisen gemacht um das Land besser kennenzulernen und gleichzeitig die Sprache zu erlernen. 10 Tag nachdem sie die Karte aufgegeben hat ist sie wieder zurückgeflogen.
Viele Grüße
Volkmar
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Mikrokredit
Am Ende schreibt sie „Vielleicht findet diese Karte noch einen Platz in Deiner Sammlung.“ Natürlich hat sie dort Platz.
Viele Grüße
Volkmar
Am Ende des Aufenthalts in Kenia war sie im Kühlen Hochland und in Nairobi. In Molo gab sie diese Karte an uns auf. Sie ist gleichzeitig ein Geburtstagsglückwunsch an meine Frau: „Sherehe ya kuzaliwa kwa mama“. Wie sie schreibt, zeigt das selbst gezeichnete Bild ein Motiv von der Insel Lamu. Auch einige andere Zeilen sind in Swahili geschrieben. Zum Glück lässt sich so etwas heute durchs Internet übersetzen.
Die vierte Karte geht an meinen Vater. Sie ist ebenfalls ein Geburtstagsglückwunsch: „Sherehe ya kuzaliwa kwa babu“. Das Wort „babu“ bedeutet Großvater. Wie sie schreibt, sendet sie die Glückwünsche zusammen mit vielen Bewohnern Kenias. Auch diese hat sie selbst gezeichnet. So weit Steffis erste Reise nach Kenia.
Viele Grüße
Volkmar
Sie hatte diese alte Karte aus dem Jahr 1959 als Geburtstagsgeschenk gefunden. Die Karte ist zum Teil übermalt worden und wurde so als Souvenir verkauft. Steffi hat die alte Karte mit Tesafilm auf eine weiße Karte geklebt und wollte sie mir so zuschicken. Nachdem sie die Briefmarke aufgeklebt hatte, bekam sie wohl bedenken, ob die Karte den Transport nach Deutschland übersteht. Sie hat einfach einen Briefumschlag genommen und die Ecke oben rechts ausgeschnitten, damit die Marke sichtbar wurde. So hat sie den Brief dann beim Postamt Dashashwamedh in der Stadt Varanasi aufgegeben.
Varanasi (= Benares oder Kashi) liegt am Ganges und hat rund 1,2 Millionen Einwohner. Es ist eine der ältesten Städte Indiens und gilt als heiligste Stadt des Hinduismus.
Die alte Karte trägt einen Ankunftsstempel aus der Stadt Sardarshahar. Dieses ist eine Stadt im indischen Bundesstaat Rajasthan im Nordwesten Indiens.
Viele Grüße
Volkmar
Dieser Umschlag mit dem Sonderstempel erschien 1978, als Helmut Oeleker Leiter der Freizeit war. Das Jugendwaldheim Ringelstein ist das älteste von inzwischen fünf Jugendwaldheimen in Nordrhein-Westfalen und wurde 1953 eingeweiht.
Ringelstein gehört zu Ortschaft Harth und diese ist seit 1975 wiederum Stadtteil von Büren (Westfalen). Harth hat laut Wikipedia nur 919 Einwohner (Stand 2009) und davon gehören ca. 100 zu Ringelstein. Diesen Umschlag erhielt ich von Helmut Oeleker:
Er gehört zwar nicht zu meiner Familiensammlung, aber noch einen Ortsbrief aus Ringelstein zu finden dürfte ausgesprochen schwierig sein. Wie man sieht hatte Ringelstein damals noch eine eigene Poststelle. Als Drucksache ist der Faltbrief natürlich unterfrankiert, da zu viel Text hinzugefügt worden ist.
Viele Grüße
Volkmar
Dieser Brief vom 11.08.2009 ist der erste, den wir von ihr erhielten. im Absender hat sie das Postfach der Suza angegeben. Suza ist die Abkürzung der „State University of Zanzibar“. Dort gibt es das French Resource Center. Es bildet Französisch aus, und bietet Zeitschriften, Filme und Bücher für Interessierte innerhalb und außerhalb der Universität an. Steffi hat allerdings nicht auf dem Gelände der Universität gewohnt, sondern sie ist bei einer Familie privat untergekommen.

Diesen Brief schickte mein Vater am 27.08.2009 an Steffi. Der Brief ging per Luftpost über Daressalam nach Sansibar, wo er am 08.09.2009 eintraf.
Der Ankunftsstempel zeigt die neue Stempelform aus Tansania, die uns sehr vertraut ist. Lieferant dürfte die Firma Raab GmbH in Oberursel sein, die auch die Deutsche Post mit Stempeln beliefert. Weitere Informationen siehe [1].
Viele Grüße
Volkmar
[1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=112740.
direkt nachdem der Brief meines Vaters auf Sansibar angekommen ist, hat Steffi diesen Brief am 11.09.2009 an meine Eltern geschickt. Sie hat dabei gleich zwei Blocks aufgeklebt. Insgesamt beträgt das Porto 5.000 Tansanische Schillinge (TZS). Steffi hat den Brief beim Postamt Shangani aufgegeben. Shangani ist der westlichste Zipfel von Sansibar-Stadt. Der Stempel auf der Rückseite ist gut erkennbar.
Gleichzeitig hat Steffi diese Ansichtskarte an meine Schwiegereltern aufgegeben. Sie schreibt, dass der Sprachkurs in zwei Wochen vorbei ist und dass sie dann mit der Forschung beginnt. Für ihre Bachelor-Arbeit wollte Steffi über Mikrokredite forschen. Insbesondere wollte sie die Frauen befragen, die einen Mikrokredit erhalten hatten und sich damit eine Existenz aufgebaut hatten. Bei dieser Aufgabe lebte sie auf Tumbatu, einer Insel vor der Nordwestküste Sansibars. Dazu beim nächsten Mal mehr.
Viele Grüße
Volkmar
Diese Karte haben wir dort gekauft. Kurz vor Ende der Fahrt haben wir die Karte an meine Eltern geschrieben. Steffi hat sie noch etwas später abgeschickt.
Der Tarangire-Nationalpark ist vor allem für die vielen dort lebenden Elefanten bekannt. Als nächstes ging es zum Ngorongoro-Krater. In Lushoto, dem früheren deutschen Ort Wilhelmstal, starteten wir eine zweitägige Wanderung durch den Urwald der Usambara-Berge.
Von Daressalam aus ging es mit der Schnellfähre nach Sansibar. Dort stand unter anderem eine Spice Tour (Besichtigung einer Gewürzfarm) auf dem Programm. Diese Ansichtskarte hatte uns Steffi in einem Brief eingelegt.
Soviel für heute - viele Grüße
Volkmar
Zum Glück hatten wir nur sehr wenig Gepäck im Rucksack dabei. Um auf die Insel zu gelangen musste man erst einmal auf das Boot kommen. Es gab keinen Steg sondern man ging ins Wasser bis es ca. hüfthoch war. Dann konnte man ins Boot klettern. Vor Tumbatu angekommen war es umgekehrt – man stieg ins Wasser und ging zum Strand.
Auf Tumbatu war es selbstverständlich, sich bei der Kleidung anzupassen. Vor allem Steffi und meine Frau mussten ein Kopftuch tragen. Wir wohnten im Haus der Gasteltern von Steffi, die sich für uns vier sehr einschränken mussten. Die Wohnverhältnisse waren für uns relativ primitiv, für Tumbatu aber schon sehr gut.
Diese Ansichtskarte schickte Steffi am 10.11.2009 an meine Eltern. Über ihre Arbeit über die Mikrokredite schreibt sie: „Mir geht es gut und meine Forschung geht langsam vorwärts. Je mehr ich mich mit der Wirtschaft beschäftige, desto mehr beeindruckt mich die Überlebenskunst der Menschen und zugleich erschreckt mich die Armut. Viele wissen nicht, ob sie für den nächsten Tag das Essen für eine Mahlzeit aufbringen können und viele Familien leben von 3 – 7 € pro Tag (für ca. 8 Leute). Zugleich liegt das touristische Sansibar mit seinen Luxushotels und reichen Touristen in unmittelbarer Nähe – eine unwirklich scheinende Parallelwelt.“
Soviel für heute, viele Grüße
Volkmar
Steffi schreibt: „Als Urlaubserinnerung für meine Eltern sende ich Euch diese Postkarte mit der Chumbe Island, auf der wir einen traumhaften Schnorchelausflug hatten.“
Steffi bezieht sich damit auf unseren Besuch bei ihr. Nach dem Aufenthalt auf Tumbatu [#212] waren wir noch kurz in Sansibar-Town. Bevor wir zurückflogen verbrachten wir noch eine Nacht auf Chumbe Island. Dort konnten wir beim Schnorcheln wunderbar die Fische beobachten. Eine weitere Attraktion, die auf der Insel lebt, war der Kokosdieb. Das ist ein Krebs von bis zu 40 cm Größe und einem Gewicht von 3 bis 4 kg.
Steffi musste auf Sansibar und auch auf Chumbe Island als Besitzerin eine Langzeitvisums in Hotels deutlich weniger zahlen (wie auch die Einheimischen). Leider haben wir es nicht mehr geschafft einmal die Preise in einem Andenkenladen zu vergleichen. Eigentlich wollten wir uns einmal nach einem Preis bei einem vorher vereinbarten Stück erkundigen - zum einen Jutta und ich als Touristen (auf Englisch) und zum anderen Steffi (auf Swahili bzw. Suaheli).
Ganz zum Schluss schreibt Steffi auf der Karte noch „ich freue mich sehr auf zu Hause und die gem. Weihnachtszeit“. Nicht lange, nachdem sie diese Karte abgeschickt hat, kam Steffi wieder nach Deutschland zurück.
Viele Grüße
Volkmar
Mit dem Foto des Triebwagens der Almetalbahn und dem entsprechenden Bahnpoststempel möchte ich das Kapitel über unsere Tochter beenden.
Viele Grüße
Volkmar
Anfang der 90er Jahre habe ich, Gertrud John (genannt Trude), die Tochter von Edmund und Helene Stein besucht. Sie hat mir vieles über ihren Mann Victor John und die damalige Zeit erzählt. Die kursiv angezeigten Texte stammen aus diesem Bericht von Trude John. Inzwischen habe ich einige sehr interessante Belege von Victor John bekommen. Dafür muss ich vor allem den beiden Enkeltöchtern von Victor John vielmals danken.
Victor John, ging von Heilbronn aus, wo seine Eltern lebten, im Jahre 1911 für die deutsche Firma Ferd. Bornemann & Co nach Hongkong und hatte dort ein interessantes, angenehmes Leben. 1914, als der 1. Weltkrieg ausbrach, machte er sich wie viele Deutsche sofort auf den Weg nach Tsingtau. Dort meldete er sich als Kriegsfreiwilliger.
Die Unteroffiziere in der Festung Tsingtau schliffen die Kriegsfreiwilligen tüchtig, so dass sich Victor sehr bald "auf Vorposten" meldete. Das war ein mit wenigen Soldaten besetzter Bunker, ein Blockhaus an der Küste unter einem Erdnussfeld. Die Japaner beschossen den Bunker zunächst vom Chinesischen Meer aus. Als die Japaner den Posten nach erbittertem Widerstand erobert hatten, wunderten sie sich, wie wenige Soldaten einen solchen Widerstand leisten konnten.
Das Foto zeigt Victor John in seiner Heimatstadt Heilbronn einige Zeit bevor er von dort aus nach Hongkong ging.
Diese Fotokarte der Besatzung des Schulschiffs SMS Hertha hat Lothar John an seinen Bruder Victor nach Hongkong geschickt. Lothar steht in der oberen Reihe als dritter von rechts. Leider war die Karte in ein Fotoalbum eingeklebt und ließ sich nicht unbeschädigt heraustrennen. Lothar John kam mit seiner Truppe Anfang 1915 an die Flandrische Küste, wo ihn am 18. Oktober 1917 als Oberleutnant und Batterieführer eine feindliche Granate bei Westende-Bad tödlich traf.
So weit für heute.
Viele Grüße
Volkmar
Die Postkarte trägt oben rechts den kleinen roten Namensstempel „Motomiya“. Mit diesem Stempel übernimmt der Zensurbeamte die Verantwortung für deren unverfänglichen Inhalt. Auf der rechten Seite sind nebeneinander zwei orange Stempel abgeschlagen. Der Ellipsenstempel (links) ist ein Zensurstempel, der rechte Stempel bedeutet Kriegsgefangenenpost. Solche Einzelstempel gab es in allen schon 1914 gegründeten Lagern. Zusätzlich ist auf der Karte ein roter Stempel „Service des prisonniers de guerre“. Diesen Stempel erhielten fast alle ausgehenden Postsachen, soweit es keine amtlichen Vordrucke waren. Das handschriftliche Zeichen links von der Anschrift bedeutet Deutschland.
Victor John hat diese japanische Ansichtskarte an seine Schwester Anne-Marie John in Berlin geschickt.
Viele Grüße
Volkmar
Der Ortsstempel aus Matsuyama (松山) trägt das Datum 4.12.5. Das Datum ist von rechts nach links zu lesen. Der Stempel zeigt die Jahreszahl "4" nach dem Gengō-System. In diesem Fall entspricht die 4 dem 4-ten Jahr der Taisho –Zeit (Tenno Yoshihito). Man muss zu der japanischen Jahreszahl 1911 Jahre addieren. Der Stempel kommt also aus dem Jahr 1915. Tag und Monat stimmen immer mit unserem Kalender überein.
Unten ist die Uhrzeitangabe 后 2 – 4. Das Zeichen 后 steht für nachmittags.
Viele Grüße
Volkmar

Grüße
Ivo
Das violette Dienstsiegel unter dem Ortsstempel aus Matsuyama ist leider kaum zu erkennen. Da die Postkarte nach Shanghai ging, trägt sie den Postleitstempel „China“.
Viele Grüße
Volkmar
Neben dem Poststempel vom 02.02.1918 trägt diese Karte ein großes rotes Siegel (Ellipse) und den roten Leitstempel „Deutschland“ (rechts) der ursprünglich im Lager Tokushima eingesetzt wurde. Nach der Ankunft in Deutschland durchlief die Karte auch noch die Postüberwachungsstelle in Cöln-Deutz.
Berühmt wurde Bando durch zwei überaus leistungsfähige Lagerdruckereien, die Zeitungen, Bücher, Postkarten, Programme, die Lagerpostmarken, das Lagergeld und später die Bordzeitung auf dem Heimkehrerschiff „Hofuku Maru“ herstellte. Auch alle fünf Postkarten aus Bando, die ich hier zeigen kann stammen aus der Lagerdruckerei. Insgesamt gibt es aus den Lagerdruckereien in Bando 65 verschiedene Bild- und 10 Fotopostkarten.
Viele Grüße
Volkmar
Hierbei gelangten 7 verschiedene, in den Lagerdruckereien hergestellte farbige Bildpostkarten und ferner 6 verschiedene Fotopostkarten mit Festtagsstempel der Ausstellung zur Ausgabe. Dieses ist eine der Postkarten. Der Festtagsstempel (oben links) ist leider nicht sehr gut zu erkennen.
Die zweite Karte wurde bei Philasearch angeboten.
Viele Grüße
Volkmar
Viele Grüße
Moritz
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges am 11.11.1918 mussten die Gefangenen das Weihnachtsfest 1918 weiterhin im Lager verbringen. Auch diese schöne Weihnachtskarte stammt aus der Steindruckerei im Lager Bando. Neben dem großen Siegel und dem Leitstempel trägt diese Karte an Victors Schwester den britischen oder amerikanischen Zensurstempel „P.C.“ im Kreis.
Für das Lager war das Postamt in Tokushima-Bando (徳島-坂東) zuständig. Die Zeichen sind im Stempel von rechts nach links zu lesen. Unten ist die Uhrzeitangabe 后 0 – 3. Das Zeichen 后 steht für nachmittags.
Viele Grüße
Volkmar
Man sieht, dass ein Paket mit Ostereiern zerbrochen ist und die Ratten sich über den Inhalt hermachen. Einer der deutschen Gefangenen zeigt das Malheur dem japanischen Bewacher – erkennbar an der Armbinde.
Am selben Tag gab Victor auch noch eine Karte an seine Eltern auf - der Vater hieß ebenfalls Victor. Wie man an dem Motiv der Postkarte sieht, sitzen die Insassen des Lagers auf den gepackten Koffern und warten nur darauf entlassen zu werden.
Es hat aber noch 5 ½ Monate gedauert, bis das Schiff mit 944 Heimkehrern am 30.07.1919 von Kobe aus in See stach. Während der Fahrt gab die mitgereiste Druckerei 6 Bordzeitungen heraus. Am 24. Februar traf die Hofuku Maru (= Reichtum und Glück) schließlich in Wilhelmshaven ein.
Viele Grüße
Volkmar
Am 26. Februar 1920 wird Victor John in Wilhelmshaven aus dem Militärdienst entlassen. Am 4. März meldet er sich in Berlin. Vom Hilfsausschuss für die Kriegsgefangenenheimkehrer erhält er am 23. März 300 Mark bar ausgezahlt. Schließlich heißt es am 3. April aus Berlin-Schöneberg „Anmeldung hat erfolgt“.
Am 16. September 1920 wird dem Seesoldaten im III Seebataillon in Tsingtau Victor John schließlich noch das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen.
Trude John erzählte weiter:
Bald war Victor in Berlin bei den Seinen; das ganze Haus in der Innsbruckerstraße hatte geflaggt. Unterwegs predigte Victor John seinen Kameraden immer: Die deutschen Mädels gefallen uns bestimmt sehr gut - fallt bloß nicht auf die erste Beste rein. Dennoch war Victor der erste der Heimkehrer, der verlobt war.
14 Tage nach der Rückkehr von Victor John heiratete in Berlin meine Cousine Anneliese John, eine der 4 bildhübschen Töchter des Malers Eugen John, der die jüngste Schwester meines Vaters zur Frau hatte. (Ein paar Generationen vorher hatte es schon einmal eine Hochzeit Stein/John gegeben.) Der Polterabend wurde groß am Sonnabend, den 18.3.20, in der geräumigen Atelierwohnung meines Onkels gefeiert. Jeder musste etwas zu Essen mitbringen, denn Lebensmittel gab es noch nicht ausreichend. Aber wir waren glücklich, dass der Krieg beendet war und feierten fröhlich. Ich war mit meiner Mutter dabei (mein Vater war verreist) und Victor mit seinen Eltern und seinen beiden Schwestern.
Die Hochzeit fand am Montag, den 20.3. statt, in kleinerem Kreise. Dazu war ich eingeladen, Victor und ein paar Freunde und Verwandte. Aber o Schreck! Am 20.3. fand der Kapp-Putsch statt, und nach Berlin fuhren keine Züge. Ich war verzweifelt, zu gerne wollte ich doch die Hochzeit mitfeiern. Da kam mir der rettende Gedanke: Mein kürzlich neubereiftes Fahrrad. Schließlich willigte meine Mutter ein, und ich radelte in Begleitung eines Angestellten von uns hurtig nach Berlin und kam sogar noch rechtzeitig zu der Haustrauung.
Noch auf der Hochzeit haben wir uns verlobt. (22 Wochen nach der Rückkehr Victors aus der Gefangenschaft bzw. 3 Tage nachdem wir uns kennengelernt hatten.) Wir haben eine so harmonische und glückliche Ehe in guten und in schweren Zeiten geführt, dass ich meinem Schicksal nur dankbar sein kann.
Nach der Hochzeit hat Victor John für seine Frau ein Album zusammengestellt: „Erinnerungen an unsere Hochzeitsfeier am 16. Oktober 1920“. Es ist unwahrscheinlich sauber geschrieben und zum Teil farbig illustriert. Victor und Trude John hatten zwei Kinder. 1921 kam die Tochter Ingeborg, genannt Inge, zur Welt, Drei Jahre später folgte der Sohn Lothar.
Soweit die Geschichte von Victor John.
Viele Grüße
Volkmar
Er fand eine Anstellung bei der Ostasienfirma Hugo C.A. Fromm, in der auch sein Bruder Adolf arbeitete. Von 1903 bis 1913 war er für die Firma in Hongkong tätig. Aus dieser Zeit stammt dieser Brief an seine Mutter, den er am 12. August 1910 in Victoria (Hongkong) aufgegeben hat.
Er scheint häufig nach Hause geschrieben zu haben, denn er hat sich dazu Briefumschläge mit der Anschrift drucken lassen. Im eingedruckten Absender stehen die chinesischen Zeichen 富林洋行. Die beiden letzten Zeichen bedeuten "ausländische Firma". Welchen Sinn die beiden ersten Zeichen haben ist mir bisher nicht bekannt.
Ab 1913 arbeitete Walther Dübgen wieder in der Hamburger Stammfirma. Die Firma Hugo C.A. Fromm, Glockengießerwall 18 in Hamburg war eine Import/Export-Firma. Nach China wurden Maschinen, Textilwaren und Chemikalien exportiert. Im Gegenzug wurden Häute, Matte, Öle, Tee und Landesprodukte nach Deutschland importiert.
Soviel fürs Erste, viele Grüße
Volkmar
Ende 1919 fand er eine Anstellung bei der großen Hamburger Japan-Export-Firma Simon Evers u. Co. Dort wurde er 1920 zum Prokuristen ernannt. Am 21.12.1920 heirate er in Gramzow Kläre Hentschel, die Schwester meiner Großmutter. Diese Ansichtskarte von dem Schnelldampfer Europa schickten Walther und Kläre Dübgen an meine Großmutter.
Walther benutzte dabei eine Briefmarke mit einer Lochung seiner Firma. SECO = Simon Evers u. Co.
Viele Grüße
Volkmar
Diese Postkarte an ihre Eltern schrieb Christa am 12.05.1956. Sie besuchte gerade das UN-Gebäude. Sie schreibt: „Liebe Eltern! Zuvor habe ich gerade erst einen Brief an Euch abgeschickt, möchte Euch aber doch noch einen direkten Gruß von den U.N.-Gebäuden senden, die ich gerade besichtigte. Das war sehr interessant. Ich sitze hier im Postamt der UN, dessen Marken nur direkt von hier aus gültig sind. Später möchte ich ja gerne mal einer Versammlung beiwohnen, wofür man Karten bekommen kann. Auf den Zuhörerplätzen ist jeweils ein Kopfhörer, wo man auf Englisch, Französ., Spanisch, Chinesisch und Russisch einstellen kann…“
Die Karte trägt einen Maschinenstempel der Vereinten Nationen vom 14.05.1956.
Viele Grüße
Volkmar
Neben kleineren Geschäftsreisen führte ihn 1934/35 eine Firmenreise im Auftrag der Hamburger Japan-Export-Firma Simon Evers u. Co. nach Japan und rund um die Welt. Von der Reise stammt dieser Geburtstagsglückwunsch, den er an seine Tante Cläre Pfeiffer geschickt hat. Leider ist der Stempel nicht klar genug um den Aufgabeort zu erkennen. Die Ansichtskarte kommt aus Nikko, einer kleinen Stadt in den Bergen nördlich von Tokio.
Viele Grüße
Volkmar
An der Zahl "34" auf der rechten Seite ist eindeutig zu erkennen, dass es die Jahreszahl sein muss. Wenn die Jahreszahl rechts steht ist das Datum nach unserem Kalender. Der Stempel ist also vom 08.09.1934 AD = 08.09. Showa 9 nach dem japanischen Gengō-System.
Das Porto von 6 Sen passt von 1925 bis 1937 zu einer Auslandsdrucksache mit einem Gewicht bis 150 g.
Viele Grüße
Volkmar
Diese beiden grünen Eilnachrichtkarten hat Kläre Dübgen zusammen mit ihrer Tochter Christa 1944 aus Hamburg an ihren Mann geschickt. Eilnachrichtenkarten dienten dazu, Angehörigen nach Bombenangriffen schnell zu unterrichten. Voraussetzung für die portofreie Beförderung war es, dass der Ort im Wehrmachtsbericht genannt wurde. In der Regel erhielten sie keine Abstempelungen, da sie unmittelbar den Bahnposten zugeführt werden sollten.
Die Eilnachrichtenkarte mit grüner Umrandung und Beschriftung konnte nur an Soldaten, die in der Anschrift eine Feldpostnummer hatten, verschickt werden. Bei einigen Karten fehlt die grüne Umrandung auf der Mitteilungsseite. Die parteiamtliche Beglaubigung in dem auf der Anschriftenseite dafür vorgesehenem Feld war erforderlich, damit der Soldat Bombenurlaub beantragen konnte.
Walther Dübgen kehrte nach Kriegsende nach Hamburg zurück und nahm bei Simon Evers die Arbeit wieder auf. Die Firma war nach Ausbombung im Wiederaufbau. Erst mit dem späteren allgemeinen Wirtschaftsaufschwung begann auch hier ein neuerlicher Aufstieg der Firma.
Viele Grüße
Volkmar
Großmutter hat später auf der Karte notiert „Bitte Datum ansehen. Karte hat Vater nicht mehr erreicht“. Großvater ist am 09.08.1954 gestorben. Genau an dem Tag haben die Karte geschrieben wurde.
Diese Karte aus Japan ging an Walther Dübgen bei der Firma Simon Evers u. Co. Die Karte wurde am 07.11.1960 in Shinagawa, einem der 23 Bezirke von Tokio aufgegeben. Vermutlich ist die Karte überfrankiert.
Wann man das Datum mit seinem Geburtsdatum 26.03.1890 vergleicht, so sieht man, dass Walther Dübgen schon über 70 Jahre alt war immer noch für die Firma arbeitete. Und das obwohl er unter beginnender Parkinson-Krankheit litt.
Viele Grüße
Volkmar
Der Brief an ihn wurde am 18.12.1961 in Tokio aufgegeben. Die Postkarte wurde am 17.05.1964 geschrieben und kam ebenfalls aus Tokio.
Am 9. Juni 1965 ist Walther Dübgen im Alter von 75 Jahren in Hamburg gestorben.
Viele Grüße
Volkmar
Heinz ist verheiratet und hat fünf Kinder. Die Tochter Almuth wohnt mit ihrem Mann in den USA. Heinz ist daher öfter in den USA um sie zu besuchen. Im Jahr 2000 hielt er sich mehrere Monate in den USA auf oder er war zweimal dort. Am 22.06.2000 schreibt er an seine Schwester: "Liebe Christa, nun habe ich den westlichsten Punkt meiner Tour erreicht. ..." Die Ansichtskarte vom Grand Canyon hat er in Terrebonne, einem kleinen Ort in Oregon aufgegeben.
Drei Monate später, am 25.09.2000 schickt er diesen Glückwunsch zum 77. Geburtstag aus Jackson (Mississippi) an Christa. Auf der Karte schreibt er u.a. "Wie steht’s mit der neuen Wohnung?" Christa will in die Senioren-Wohnanlage Feddersen Stiftung umziehen. Die Ansichtskarte stammt aus Bloomfield (Ohio). Er hat sie aber erst in Natchez (Mississippi) geschrieben und in Jackson (Mississippi) aufgegeben. Er scheint weiterhin viel unterwegs gewesen zu sein.
Viele Grüße
Volkmar
Diese beiden Briefe aus Neuseeland gehen an die neue Adresse von Christa Dübgen. Die Absenderin wohnte in Hamilton im Waikato-Distrikt. Beide Briefe kommen aus dem Jahr 2001.
Im Jahr 2002 ist Christa Dübgen in Hamburg gestorben.
Viele Grüße
Volkmar

Auf der Rückseite der Karte heißt es: „Hear ye, hear ye! Almuth Koby becomes U.S. citizen!“ Almuth bekommt also die amerikanische Staatsangehörigkeit. Die entsprechende Zeremonie ist am 14. Juni 1990 im Bezirksgericht von Madison.
Viele Grüße
Volkmar
Mit dieser Postkarte vom 22. Juli 1991 gibt die Familie ihren Umzug von Madison (Wisconsin) nach Lexington (Kentucky) bekannt.
Etwa ein Jahr später wechselt er erneut die Universität. Von Lexington (Kentucky) geht es nach Ann Arbor (Michigan). Auf dieser Postkarte heißt es „XXX will be teaching at the University of Michigan“. Die Mitteilung mit der Anschriftenänderung ist vom 13.06.1992.
Die „University of Michigan“ ist eine der renommiertesten Universitäten der Welt und die älteste Hochschule des US-Bundesstaates Michigan. Sie wurde 1817 in Detroit gegründet und zog 1841 nach Ann Arbor um.
Unterhalb der Briefmarke ist der Tintenstrahl-Text: "Kentucky bicentennial 1792 – 1992 Lexington, Ky 405 #1 06/13/92". Dieser bezieht sich darauf, dass Kentucky 1792 als 15. Staat den Vereinigten Staaten beigetreten ist. Im Jahr 1992 erschien auch eine entsprechende Briefmarke.
Normalerweise sind diese einzeiligen Tintenstrahler aus den 1990ern als "Bearbeitungsbestätigungs-/Kontrollaufdrucke" der OCR-Leseeinheiten. Es war aber nicht unüblich, dass für besondere Anlässe ein zusätzlicher Text eingefügt wurde. [1]
Viele Grüße
Volkmar
[1] Beiträge 80 bis 82: https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ME=207355#M80
Inzwischen ist die Familie schon wieder umgezogen. Sie lebt jetzt in Kent (Ohio). Ihr Mann arbeitet jetzt an der Kent State University. Obwohl es auch in Kent (Ohio) ein Postamt gibt, tragen alle Briefe von Almuth einen Stempel des Postamtes Akron (Ohio), so auch dieser Brief an Christa vom 06.04.2002.
Während der Brief vom 1994 noch an die Adresse Winterhuder Kai geht, tragen die beiden anderen Briefe an die Adresse der Senioren-Wohnanlage Feddersen Stiftung, in der Christa seit Ende 2000 lebt.
Viele Grüße
Volkmar
Auf der Rückseite ist ein Tintenstrahl-Aufdruck mit einem Datum und einer 8-stelligen Nummer. Dieser Aufdruck dürfte aus Großbritannien stammen. Dort kommen diese Pfeile bei normalen Tintenstrahl-Entwertungen britischer Briefzentren vor, inklusive des Datumsformats und der 8-stelligen Nummer. Zum Vergleich ein Beispiel vom Swindon Mail Centre.
Hiermit schließe ich das Kapitel über die Familie Dübgen ab. Mal sehen wen ich als nächstes vorstellen werde.
Viele Grüße
Volkmar
Urgroßvater schreibt am 11.06.1897:
Beinahe hätte ich bei all dem vielen Schönen, das ich hier zu sehen bekomme Deinen Geburtstag vergessen. Ich Denke, diese Karte wirst Du morgen noch bekommen.
Onkel Willy läßt uns lange warten. Er sitzt mit seinem Dampfer in Brunshausen. Wir haben heute Nachmittag wieder stundenlang nach ihm ausgeschaut an der Elbe. Wenn er nicht die Nacht kommt, wenn die Fluth ist, hoffen wir, kommt er morgen Nachmittag zur Fluthzeit. Heute sahen wir, wie ein großer Dampfer festfuhr….
Wilhelm Werdermann war damals bei der kaiserlichen Marine als Maschinist tätig. Er wurde gerade von einer Fahrt zurückerwartet. Von Wilhelm sind noch ein paar Dokumente erhalten geblieben.
Am schönsten finde ich den Staatsangehörigkeits-Ausweis von ihm. Dem Marinesoldaten, Maschinisten Friedrich Wilhelm Werdermann wird bescheinigt, dass derselbe und zwar durch Geburt die Eigenschaft als Preuße besitzt.
Viele Grüße
Volkmar
Es scheint im Sommer heiß gewesen zu sein. Wilhelm schreibt:
„Mein liebes Frauchen! Dir und den Kindern die herzlichsten Grüße, habe soeben ein kühles Bad genommen.
Herzlich. Dein Manne“
1900, als der Staatsangehörigkeits-Ausweis für den Marinesoldaten Wilhelm Werdermann ausgestellt wurde war er immerhin schon 30 Jahre alt. Ob er 1910 noch bei der Marine war weiß ich nicht.
Wilhelm gab die Postkarte beim deutschen Auslandspostamt in Smyrna auf. Smyrna, das heutige Izmir, liegt ganz im Westen der Türkei an der Ägäisküste.
Viele Grüße
Volkmar
Wie man an diesem Briefumschlag sehen kann, besuchte Wilhelm Werdermann im Oktober 1911 den Firmensitz der Vacuum Oil Company in Philadelphia (USA). Von dort aus schickte er diesen Einschreibebrief an seine Frau. Schön, dass er dazu einen Firmenumschlag benutzte. Der Negativ-Einschreibestempel auf der Vorderseite ist zum Glück sauber abgeschlagen. Der Spruch oben links "the oil that lubricates most" heißt übersetzt "das Öl, das am meisten schmiert".
Auf der Rückseite sind zwei amerikanische Einschreibstempel. Einer ist vom Postamt Philadelphia Bourse Sta. (ich vermute Bourse station) vom 30.10.1911. Einen Tag später wurde ein amerikanischer Einschreib-Seepoststempel abgeschlagen. Am 7.11.1911 war der Brief dann in Hamburg.
Damit bin ich auch schon wieder mit dem kurzen Kapitel über Wilhelm Werdermann zu Ende.
Viele Grüße
Volkmar
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Socony-Vacuum_Oil
Weder der Name Susi Moraes noch Elise John sagte mir etwas. Dass sie doch zur Familie von Victor John gehören, habe ich erst entdeckt, als ich das Album zur Hochzeit von Victor John mit Gertrud Stein (genannt Trude) durchsah - siehe [#226]. Dort fand ich diese Seite:
Zur Taufe von Victor Edmund Lothar John am 17. Januar 1925 waren beide eingeladen und haben im Gästebuch unterschrieben. Hier konnte ich auch erkennen, dass Susi Moraes den Geburtsnamen John hatte. Bei ihrer Unterschrift Susi John und bei der Anschrift des Briefes fällt sofort das ungewöhnliche „J“ auf. Vermutlich hat Susi John einen Portugiesen geheiratet, denn Moraes ist die altertümliche Form des häufigen portugiesischen Familiennamens Morais.
Der Brief wurde am 21.03.1938 in Lisboa norte, 2ᴬ Secção = Lissabon Nord, 2. Sektion aufgegeben. Im Teilsegment ist noch angegeben „=1ᵃ EXP.“
Viele Grüße
Volkmar
Diese Karte an Großvater hat Onkel Hans am 16.2.1945 in Löcknitz (Pommern) abgeschickt. Großmutter ergänzte sie später durch den Vermerk: "Eine der letzten Nachrichten vor dem Zusammenbruch". Da der Text der Karte in Stenografie geschrieben ist, kann ich ihn leider nicht lesen.
Die Situation in Deutschland wurde im Frühjahr 1945 immer schwieriger. Die Alliierten rückten immer weiter vor und überquerten am 7. März 1945 bei Remagen den Rhein. Ende März 1945 war das Ruhrgebiet vollständig eingeschlossen, die Verbindung zwischen Großvater (Dortmund) und seinen Geschwistern (Pommern bzw. Brandenburg) war unterbrochen.
Am 3. April 1945 schickt Onkel Hans diese Postkarte mit Antwortkarte (nächste Seite) an Pastor Wolff, den Leiter des Stephanstiftes in Hannover. Der Text der Karte ist hochinteressant, denn er gibt einen Einblick in die letzten Tage des Krieges. Er schreibt:
Sehr geehrter Herr Pastor! Persönlich kennen wir uns zwar nicht. Aber ich bin in sich steigender Sorge um meinen Bruder in Dortmund (Rostock) und Familie, von denen der letzte Gruß vom 11. Februar war. Und jetzt überstürzen sich die Ereignisse dort. Mußten, durften, konnten sie noch raus?? Sprach er bei Ihnen vor, oder in Altenau? Falls Sie jüngere Nachricht von ihm haben, wäre ich Ihnen für kurzen Bescheid sehr dankbar. Wie wird diese Passionszeit des Deutschen Volkes enden? Gott allein weiß es. Sein Wille geschehe!
Auch um Mutter in Berlin-Zeuthen muß man sich sorgen, während wir 25 km hinter der Front noch jede Nacht ungestört schlafen können. Aber die Koffer sind seit 6 Wochen gepackt. Wo soll man noch hinfliehen? Aber wenn der Befehl kommt, muß man mit Dorftreck losziehen. Post gibt es nur noch sehr wenig, meist über 14 Tage bis 4 Wochen alt. Soldaten "an der Front" können einen persönlich besuchen! Wir hatten 6-9 Verwandte meiner Frau aus Ostpreußen aufgenommen, jetzt mußten sie und alle Evakuierten fort, um Quartiere für Soldaten frei zu machen. Ob und wo sie landeten, wissen wir noch nicht. Viele Familien wissen nichts voneinander, die Soldaten leiden auch sehr darunter. Und trotz allem möchte man immer noch hoffen! Dankbar sind wir, das Osterfest noch zu Hause erleben zu können. Viele Grüße sendet Ihnen und Ihrer Familie, auch von meiner Frau.
Ihr Johannes Werdermann
Wie der Eingangsstempel des Stephanstiftes zeigt erreichte die Karte ihr Ziel erst am 20. November 1945. Es handelt sich hier um einen sogenannten "stummen Überläufer", d.h. die Karte ist noch während des Krieges abgeschickt, aber erst nach dem Ende des Krieges zugestellt worden, sie trägt aber keinen Zensurvermerk oder sonstige postalische Vermerke hierzu. Das einzige ist der private Eingangsstempel des Stephanstifts. Hannover wurde zwar erst am 10. April besetzt, also eine Woche nachdem Onkel Hans diese Karte abschickte. Wenn man die Beförderungszeiten in den letzten Kriegswochen betrachtet, so kann man dennoch ohne weiteres davon ausgehen, dass der private Eingangsstempel echt ist. Alfred Meschenmoser schreibt in seinem Werk "Überroller-Post 1945-1949" (S.17):
Philatelistische Kenner jener Zeit wissen, daß April-Post nur noch innerhalb einer begrenzten Region gelaufen sein kann. Einen weiträumigen Postverkehr gab es nicht mehr, April-Post ist normalerweise Überroller-Post.
Auf dieser "Karte" an Großvater schreibt Onkel Hans:
Liebe Geschwister! Wir waren 14 Tage auf Dorftreck, viel erlebt und verloren. Seit 1.5. keine Zuteilung außer Brot und Kartoffeln, im Dorf keine Kuh kein Schwein! Ich war Ende August in Zeuthen, traf Mutter noch lebend an, trotz Ruhr. Am 29.9. ist sie ins Stift zurückgekehrt; ich will Ende Oktober wieder hinfahren, mir Traugotts Anzug zu holen. Tante Luise Dittmer starb, auch Rudolf Spindler am 30.6. Zeuthener und Markgrafs wohl auf, verloren nichts. Hildburg arbeitet in Friedersdorf für Kartoffeln. Berta überstand leichten Typhus. Ich unterrichte seit 1.9. in Ramin. P. Labs ist noch in Retzin, Familie in Greifswald. Hoffentlich seid ihr gesund und wohl. Herzliche Grüße auch von Berta Hans
Onkel Hans ist nach dem Dorftreck nach Hause zurückgekehrt, denn als Absender gibt er wieder Retzin bei Löcknitz an. Er lebte also in der sowjetischen Zone, während Großvater in Dortmund und damit in der britischen Zone wohnte. Der Briefverkehr zwischen den Zonen war zunächst verboten. Onkel Hans wollte aber nicht so lange warten, bis der Briefverkehr wieder freigegeben wurde. Er hat deshalb diesen einfachen Zettel einem Reisenden in die britische Zone mitgegeben. Dieser übergab ihn am 29.10.45 in Quakenbrück der Post allerdings ohne ihn zu frankieren. Der "Zettel" wurde als Postkarte behandelt und entsprechend mit 9 Pfg. Nachporto belegt (das Eineinhalbfache des fehlenden Portos).
Die "Karte" kam am 1. November in Dortmund an (Lebenserinnerungen Band 6, S.163). Es war der erste schriftliche Gruß von Hans, der Großvater nach dem Krieg erreichte. Es war aber nicht das erste Lebenszeichen, denn schon am 18. September notierte Großvater in seinem Tagebuch, dass er Nachricht von seiner Mutter und den Geschwistern habe.
Viele Grüße
Volkmar
Urgroßmutter schreibt:
Meine lieben Kinder! 27.X.45
Heute vor 6 Monaten war der letzte Brief von Dir, lieber Hermann geschrieben, der uns Ende März erreichte vor dem großen Angriff. Gestern hörte ich, daß jetzt man überall hin schreiben könne, da will ich Euch und Euern Mädeln innige Grüße senden und mitteilen, daß wir alle die schweren Monate mit Gottes Hilfe gut überstanden...
Mittelbar hörte Tante Clara von ihrem Hermann daß Friedburg in München gewesen sei, und Gerhard hatte an sie erwähnt, daß er von Euch Nachricht habe. Daraus schlossen wir, daß nichts Großes bei Euch geschehen sei, weil solches erwähnt worden sei. Gott sei Lob und Dank. Nun werdet Ihr sicher bald selbst schreiben.
Hans und Berta waren Ende April 10 Tage im Dorftreck. Er war am 19.X. ankommend über 4 Tage hier für sich und seine Frau Sachen zu holen, hoffentlich kam er gut heim. Wenn Ihr von Euren Söhnen nur bald gute Nachricht hättet...
Hans ist seit 1.Okt. im Nachbardorf als Lehrer. Berta kann vorläufig noch unterrichten. Er sagte, er habe mehrfach versucht, Euch zu schreiben. Wir hatten im Sommer alle die Ruhr, ich schwer. Dörte pflegte mich so gut es ging, ich fühle mich ganz wohl, wiege 92 Pfd. Nun seid innigst gegrüßt Ihr Lieben dort.
Gott befohlen Eure Mutter
Wie Urgroßmutter auf der Karte schrieb, hat Onkel Hans mehrfach versucht an Großvater zu schreiben. Von diesen Nachrichten sind außer der eben gezeigten "Karte" noch zwei weitere bei Großvater angekommen. Diesen Brief schrieb Onkel Hans am 23.9.1945 in Retzin. Er hat ihn dann einem Reisenden mitgegeben, der den Brief aber erst zwei Monate später am 29.11.1945 in Eckernförde aufgab.
Von einem Brief, den Onkel Hans am 14.10.1945 schrieb, kann ich nur den Text zeigen. Da ich nicht weiß, wo und wann der Brief aufgegeben wurde, kann ich nicht sagen, welcher Umschlag dazu gehört. In der Zeit, als die Post noch nicht zugelassen war, hat Onkel Hans in allen drei noch erhaltenen Karten bzw. Briefen in etwa dasselbe erzählt. In diesem vier Seiten langen Brief beschreibt er natürlich die Zeit nach dem Krieg am ausführlichsten.
Viele Grüße
Volkmar
Im November 1945 wurde das Datum noch handschriftlich eingesetzt. Bei dem Doppelbrief vom 8. Februar 1945 (letzte Seite) stand dagegen schon ein Gummistempel für das Datum zur Verfügung. Bei den 12 Pfg. Marken gab es vier verschiedene Farben. Diesmal verwendete Onkel Hans die lebhaftrote Marke.
Viele Grüße
Volkmar
Im Dezember 1945 wollte Onkel Hans wieder zu seiner Mutter nach Berlin fahren. Dazu benötigte man eine Reisebescheinigung. Die Landesverwaltung Mecklenburg-Vorpommerns hatte angeordnet, die Aushändigung einer Fahrkarte von der Vorlage eines Entlausungsscheines abhängig zu machen (Heinz Buchner: Beiträge zur Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns S.35). Diese Reisebescheinigung für Onkel Hans in deutscher und russischer Sprache ist am
20. Dezember 1945 vom Kreispolizeiamt Randow ausgestellt worden.
Die Fahrt nach Berlin verzögerte sich aber, denn auf dieser Ganzsachen-Postkarte aus Mecklenburg-Vorpommern vom 27.12.45 schreibt Onkel Hans:
Lieber Hermann! Da Berta so nervös ist, daß sie nicht vertragen kann, daß ich schreibe, kam ich gar nicht zum Schreiben. So weiß ich nicht, ob ich Dir schon den langen Brief vom 4.12. mit Familienbrief bestätigt habe. Von Herzen danke ich Dir dafür, er war das größte Weihnachtsgeschenk, kam am 23. an...
Sehr leid tut es mir, daß ich nun nicht nach Berlin zu Mutter fahren kann. Ich wage nicht, auf offener Karte zu stenographieren. Wir verlebten das Fest so still wie noch nie, ich fast dauernd mit Hausfrauenarbeit in Bewegung...
Zumeist kein Licht am Baum in ganz Retzin, aber seit 13.12. haben wir elektrisch Licht, so daß man sich fast wieder wie ein Kulturmensch fühlt...
Ich warte eben, nach Anklam zu fahren zu Lehrertagung, hoffe Dir von dort ausführlich zu antworten...
Die Karte ist mit dem Bahnpoststempel Stralsund-Rostock entwertet worden Auffällig ist, dass im Stempel alle beweglichen Teile also die Zugnummer und das Datum fehlen.
Im Januar 1946 ist Onkel Hans dann doch nach Berlin gefahren. Kurz vor seiner Rückfahrt schickte er noch eine Karte an seine Mutter. Er benutzte dazu wieder eine Ganzsache aus Mecklenburg-Vorpommern, die er am 13.1.1946 in Berlin-Charlottenburg aufgab (nächste Seite).
Es ist bisher nicht eindeutig geklärt, ob die Marken aus Mecklenburg-Vorpommern offiziell in Berlin erlaubt waren, oder ob sie nur geduldet wurden. Wie man an dieser Karte sieht, kommen aber anstandslos beförderte Stücke vor.
Viele Grüße
Volkmar
Entwertet mit dem Notstempel des Postamtes Löcknitz. Wie bei vielen Karten, die kurz nach dem Krieg verschickt wurden, sagt auch hier der Text wieder einiges über die Zeit aus. Am 14.1.1946 schreibt Onkel Hans an seine Mutter:
Gestern hat es viel geschneit und gestürmt, da habe ich mehrmals Schnee gefegt - aber wieder barfuß, da werden keine Strümpfe nass ... Gestern hat es "Rindfleisch" gegeben. Kuheuter, das wir als Sonntagsbraten assen.
Am 9.2.1946 wurde das Datum nicht mehr handschriftlich sondern mit Hilfe eines Gummistempels eingesetzt.
Viele Grüße
Volkmar
Es gab keine Einschreibezettel des Postamtes mehr. Man verwendete also R-Zettel des Postamtes 106, die man handschriftlich änderte. Desweiteren müssen die meisten Stempel des Postamtes im Krieg vernichtet worden sein. Diesen Stempel hatte man wohl noch in irgendeiner Schublade. Die Marken sind mit einem alten Sternchen-Stempel des Deutschen Reiches entwertet. Dieser Stempel ist lange Zeit nicht benutzt worden, denn das Sternchen ist noch im Stempel enthalten. Vor 1945 sind nur zwei Daten bekannt: 23.4.1927 und 08.01.1931. Bei allen Stempeln, die im Gebrauch waren, sind die Sternchen 1937 auf behördliche Anordnung aptiert d.h. herausgeschnitten worden.
Das Porto für einen Fernbrief bis 100 g betrug damals 24 Pfg., die Einschreibegebühr 30 Pfg, der Brief ist also portogerecht frankiert.
Im April 1946 besuchte Onkel Hans noch einmal seine Mutter in Berlin. Auf der Rückfahrt schrieb er diese Karte, die er unterwegs in Pasewalk einsteckte. Er schrieb:
L.M. Auf dem Bahnsteig stand 1 Polizist u. 1 Beamter, wenn ich mitfahren wollte, müßte ich 10 RM Zuschlag u. 4 RM für Dzug bezahlen. Das tat ich, nun stand ich bis Angermünde im Gang, von da an Sitzplatz. Wir nähern uns Pasewalk, wo ich diesen kurzen Gruß gleich in den Kasten werfen will.
Wie ist mein Herz voll Lob und Dank für diese schönen Tage (meist allerdings nur Abende, Morgen und Nächte) mit Dir zusammen. Ich werde noch lange von der Erinnerung leben. Gebe Gott, daß es nun stetig mit Dir zur Besserung geht. ...
Viele Grüße
Volkmar



Im März 1947 wohnt Onkel Hans in Ramrath bei Grevenbroich. Seine Frau Berta wohnte und arbeitete weiterhin in Retzin bei Grambow. Am 10.3.1947 schickt sie diesen Brief mit dem Plan ihres Zimmers an Onkel Hans (nächste Seite). Im Text werden die beengten Verhältnisse der Nachkriegszeit deutlich.
Sie schreibt:
Zwischen den Möbeln sind nur schmale Durchgänge von ca. 30cm. ... Die Matten habe ich nicht hingelegt, wegen des Durchgangs vieler fremder Füße. (Der Weg zur Küche führte durch ihr Zimmer)
Im Wäschekorb einige Briketts, darauf Korb mit Kartoffeln und Gemüse. (über der Skizze)
Unterm Flügel Kiste mit Blech. Erbsen und etwas Weizenkörner (links neben der Skizze)
Sehr viele Häuser waren zerstört und es gab viele Flüchtlinge, die ein Zimmer brauchten. Dadurch waren die noch vorhandenen Zimmer voll belegt. Berta hatte in ihrem Zimmer sogar ein Klavier und einen Flügel stehen. Auf dem Flügel konnte sie aber nicht spielen, denn er stand mit den Tasten zur Wand.
Viele Grüße
Volkmar
Als er die Karte in Koblenz einsteckt, hat Onkel Hans aber nicht bedacht, dass er sich in der französischen Zone befand. Die Marken der 2. Kontrollratsserie waren aber nur in den drei anderen Zonen gültig. Die Marke wurde also nicht abgestempelt und die Karte wurde mit Nachporto belegt.
1949 war Onkel Hans wieder in Koblenz. Diesmal schickte er eine Ganzsache aus Rheinland-Pfalz an Großvater.
Viele Grüße
Volkmar
Bei den Verfahren wurden die Betroffenen in eine von den folgenden fünf Kategorien eingestuft:Kategorie I Hauptschuldige Kategorie II Belastete Kategorie III Minderbelastete Kategorie IV Mitläufer Kategorie V Entlastete
Den Gruppen I bis III drohten Strafmaßnahmen (Einweisung in ein Arbeitslager, Einziehung des Vermögens und Pensionsverlust, Arbeitsbeschränkung, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte), für die Mitläufer waren Geldbußen vorgesehen. Hier ist der Einreihungsbescheid vom 17.10.1947. Onkel Hans wurde in die Kategorie "IV" (Mitläufer) eingestuft. Sein Vermögen und seine Konten wurden nicht gesperrt. Außerdem durfte er wieder als Lehrer arbeiten. Viele Grüße Volkmar
Die Karte ist als portopflichtige Dienstsache verschickt worden, Onkel Hans musste also das Postkartenporto von 10 Pfg. selber bezahlen - ein Zuschlag wurde von der Post nicht erhoben. Obwohl die Karte nicht frankiert war, musste dennoch die Notopfermarke aufgeklebt werden. Weil die Karte zunächst verkehrt herum in der Stempelmaschine lag, bekam sie in Düsseldorf zwei Stempel.
Das Entlastungszeugnis zu diesem Verfahren wurde am 13. Mai 1949 ausgestellt. Gleichzeitig erhielt Onkel Hans eine Rechnung über die Verfahrenskosten von 100,- DM, die auf seinen Antrag im Oktober auf 35,- DM herabgesetzt wurden.
Mit dieser portopflichtigen Dienstsache des Regierungspräsidenten in Düsseldorf vom 8.10.1949 wurde festgelegt, wie die 35,-DM zu zahlen sind.
Onkel Hans musste das Geld in drei Raten zu 10,- DM und einer Rate zu 5,- DM zahlen. Die Raten waren ab November 1949 jeweils am 10. eines Monats fällig.
Viele Grüße
Volkmar
Mit dieser portopflichtigen Dienstsache wurde Onkel Hans aufgefordert, eine Abschrift des Entscheids aus der britischen Zone zu schicken. Nach Eingang der Nachricht wurde das Verfahren in Karlsruhe eingestellt.
Einstellungsbescheid vom 4. Juli 1949. Onkel Hans bekommt hiermit ein Entlastungszeugnis.
Viele Grüße
Volkmar
In Berlin war es anders, denn die westlichen Besatzungsmächte versuchten alles, um die Einheit Groß-Berlins zu erhalten. Dennoch führten die, durch die sowjetische Währungsreform am 24. Juni eingeleiteten politischen Ereignisse zu einer Spaltung in einen West- und einen Ostteil der Stadt.
Am 25. Juni 1948 führten die Alliierten in Westberlin eine eigene Währungsreform durch, bei der die DM (West) als Zahlungsmittel eingeführt wurde. Die Ostmark blieb jedoch weiterhin gültiges Zahlungsmittel und daher blieben auch alle Postwertzeichen der sowjetischen Besatzungszone in West-Berlin frankaturgültig.
Mit einer zweiten Währungsreform am 20. März 1949 wurde die DM (West) zum alleinigen Zahlungsmittel in West-Berlin erklärt. Sämtliche Postwertzeichen in Ostmark wurden damit ungültig.
Für Berlin erging der Befehl, dass man die alten Marken vom 24. bis zum 28. Juni 1948 zu 1/10 ihres früheren Wertes weiterverwenden durfte. Dieser Zeitraum wurde stillschweigend bis zum 31. Juli verlängert, um sich der Regelung der sowjetischen Zone anzupassen.
Dieser Brief aus Berlin-Britz vom 30.6.1948 mit einer solchen Zehnfachfrankatur geht an Dr. Gottfried Werdermann und Frau Gemahlin in Zeuthen (Mark). Auf der Rückseite trägt er einen Zensurstempel mit der kyrillischen Inschrift "sowjetische Zone, Militär-Zensur". Dass der Brief an der rechten Seite geöffnet worden ist, fällt kaum auf. In der sowjetischen Zone gab es im Gegensatz zu den drei westlichen Zonen keine Verschlussstreifen. Der Brief wurde nach dem Öffnen mit Wasserglas als Klebemittel bestrichen und wieder verschlossen.
Viele Grüße
Volkmar
1948 studierte Hellmut in Erlangen. Diese Karte schickte er am 22.6.1948 von dort an Großvater. Nach der Währungsreform am 21.6.1948 war in den westlichen Zonen die Verwendung der alten Marken zu einem Zehntel ihres Nennwertes gestattet. Dieses galt aber nur am 21.6. und 22.6.1948, danach mussten die neuen Marken verwendet.
Hellmut hat hier eine alte 12 Pfg. Postkarte bei der Zehnfachfrankatur verwendet. Mit 122 Pfg. ist die Karte geringfügig überfrankiert.
Zwei Tage nach der Währungsreform schrieb mein Vater diese Karte an Willi Matzat. Mein Vater schrieb:
Bevor heute Abend nun auch die alten Marken ungültig werden, sollst Du von uns noch einen herzlichen Gruß bekommen...
Augenblicklich merke ich noch nicht viel von der Währungsreform. Bisher habe ich noch kein Geld auszugeben brauchen. Am Sonntag war unser Studienhaus geschlossen im Werratal, um unsere Tischkasse rechtzeitig zu verjubeln. Es war ein schöner Tag...
Auch bei dieser Karte handelt es sich um eine Zehnfachfrankatur. Wie in diesem Fall wurden aber auch die Briefe, die sich am 23.6.48 morgens in den Briefkästen befanden, anstandslos befördert. Im Stempel ist übrigens die Postleitzahl 20 nachträglich eingesetzt worden.
Das besondere an dieser Karte ist, dass mein Vater eine 45 Pfg. Auslandskarte für die Zehnfachfrankatur verwendete. Die Karte scheint mit 122 Pfg. etwas überfrankiert zu sein. In Wirklichkeit ist sie aber unterfrankiert. Aufgrund der Herabsetzung des Portos für Auslandskarten von 45 Pfg. auf 30 Pfg. am 15.09.1947 wurde die Postkarte am Schalter trotz 45 Pfg. Marke für 30 Pfg. verkauft. Deshalb durfte der 45 Pfg. Wertstempel nur mit 30 Pfg. verrechnet werden.
Den Brief mit einer bunten Zehnfachfrankatur schickte Großvater am 22.6.1948 an den Studenten Hellmut Matzat in Erlangen. Er ist mit alten Marken im Wert von 243 Pfennig frankiert, damit ist er um 3 Pfg. alter Währung überfrankiert. Großvater war in Göttingen und besuchte dort meinen Vater, der inzwischen in Göttingen studierte.
Soviel für heute - viele Grüße
Volkmar
Gottfried lebte in der sowjetischen Zone und schrieb diese Postkarte mit dem 12 Pfg. Wertstempel "Friedrich Engels" an meinen Großvater. Bei einem Besuch in West-Berlin schickte er die Karte am 6.1.1949 in Berlin-Britz ab.
Die Postkarte ist im November 1948 erschienen und konnte nur bis zum 20. März 1949 in West-Berlin verwendet werden. Entsprechend dieser sehr kurzen Zeitspanne sind solche Karten der sowjetischen Besatzungszone, in West-Berlin verwendet, ausgesprochen selten.
Viele Grüße
Volkmar
Dieser Brief an Onkel Hans mit 24 Pfg. Porto vom 10.6.1949 ist um 4 Pfg. überfrankiert. Der Absender hatte wohl noch nicht mitbekommen, dass das Porto für Fernbriefe in Berlin neun Tage vorher von 24 Pfg. auf 20 Pfg. herabgesetzt worden ist.
Im Jahre 1949 wechselten Gottfried und seine Frau Dörte den Wohnsitz und zogen von Zeuthen nach Berlin-Britz. Von dort schickte seine Frau am 27.1.1950 diese Sonderkarte zur 100-Jahrfeier der Oberpostdirektion Berlin an Großvater. Wie aus dem Text hervorgeht, konnte Gottfried zu diesem Zeitpunkt nicht selber schreiben. Es heißt dort:
"Wir haben leider auch wieder einen großen Kummer. Friedel bekam plötzlich beim Holzhacken vor 10 Tagen einen Bluterguß in seinem noch guten Auge und kann nicht mehr viel sehen, keine Uhr, kein Geld erkennen und vor allem gar nicht mehr lesen."
Mit diesen beiden Belegen möchte ich das Kapitel "Das Ende des Krieges und die Zeit danach" beschließen. Mal sehen, was ich als nächstes heraussuche.
Viele Grüße
Volkmar
Großvater schreibt:
Bei uns ist gestern ein gesundes Zwillingspärchen
Hartmut Oswald Ferdinand
Friedburg Helga Ilse
angelangt. Gott sei Dank geht es den beiden Kleinen (je 6 Pfd.)
u. der Mutter gut. Sehr freuen wir uns, daß Dora pflegen
kann. Zwillinge hat's lange nicht in der Familie gegeben!
Eure Hermann u. Ilse Werdermann
Hier noch ein passendes Foto der Zwillinge:
Viele Grüße
Volkmar
Der Brief geht an meinen Ur-ur-ur-Großvater, den "königlichen Domainen Rentmeister Herrn Leps Wohlgeboren in Querfurt". Er stammt aus der Zeit zwischen 1842 und 1849. Die folgende Karte geht an seine Enkeltochter Melanie Leps:
Urgroßmutter hat diese Karte an ihre Cousine Melanie Leps geschickt. Melanie hatte drei Geschwister. In den folgenden Beiträgen geht es um ihren Bruder Adolf Leps (1876-1914). Da Melanie keine Kinder hatte, musste mein Vater nach ihrem Tod die Wohnung auflösen. Dadurch kamen einige interessante Erbstücke von Adolf Leps in unsere Familie.
Adolf Leps war staatlich geprüfter Marineingenieur auf dem kleinen Kreuzer SMS Leipzig. Das Schiff gehörte zum Kreuzergeschwader in Ostasien. Am 8. September 1906 lief die SMS Leipzig von Wilhelmshaven nach Ostasien aus. Adolf Leps fuhr 1908 mit einem anderen Schiff nach Ostasien. Er war auf jeden Fall in der Zeit von 1908 bis 1910 an Bord der SMS Leipzig. Aus dieser Zeit stammen die Andenken von ihm.
Die SMS Leipzig blieb die gesamte Zeit bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Ostasien. Adolf Leps muss aber zwischendurch zu Hause gewesen sein, denn sonst wären seine Reiseandenken nicht in Deutschland angekommen. Was er so alles mitgebracht hat seht ihr beim nächsten Mal.
Viele Grüße
Volkmar
Anhand der Beschriftung der Fotos ist klar, dass es durch den Suez-Kanal, über Padang (West Sumatra), Batavia (heute Jakarta, Indonesien) nach Ostasien ging. Einige Fotos aus dem Album möchte ich hier zeigen:
linkes Bild: Dieses Foto zeigt den Hafen von Wladiwostok mit der SMS Leipzig. Vielleicht ist Adolf Leps dort an Bord des Schiffes gegangen.
rechtes Bild: Japanisches Flaggschiff
linkes Bild: Tsingtau, chinesischer Handelshafen.
rechtes Bild: Yamen von Shanghaikuan, von deutschen Truppen besetzt (1900 – 1901). Auf dem Schild oberhalb des Durchgangs steht „Fort Preussen“. Das Bild stammt also aus der Zeit der Besetzung.
So viel für heute. Viele Grüße
Volkmar
linkes Bild: Schlachten an Bord der SMS Kurfürst Friedrich Wilhelm
rechtes Bild: Im Hafen von Jap (Ostkarolinen)
Bemerkenswert sind die schmalen langen Bretter, über die die Einheimischen laufen um das Schiff zu versorgen.
linkes Bild: Neptuns Navigator und Astronom (Linientaufe). Die anderen Bilder der Äquatortaufe sind überfüllt und unübersichtlich.
rechtes Bild: Offiziere der SMS Leipzig in Tsingtau
Während ihrer Fahrten führte die SMS Leipzig den Marineschiffspost-Stempel Nr. 21 mit sich. Von Adolf Leps ist in meiner Sammlung leider kein MSP Beleg. Den Stempel kann ich aber dennoch zeigen.
Willy Hermann schickte diese Ansichtskarte mit den Königsgräbern von Nanking am 21.X.1908 an seine Mutter in Straßburg. Er schreibt:
„L.M. Habe heute beim chinesischen Vice Prinz Besuch gemacht. Schreibe darüber gelegentlich. Weihnachten sind wir in Tsingtau.
Herzl. Grüße Willy“.
Viele Grüße
Volkmar
Adolf Leps schreibt:
„Liebe Melanie! Die herzlichsten Grüße sende ich Dir und Mama wieder. Sind hier an den Samoainseln, der Hauptstadt Apia. Am 18. März sind wir mit der SMS Leipzig wohlbehalten im Hafen von Apia eingelaufen und nahe der Stadt vor Anker gegangen. Hier ist es großartig, die Vegetation üppig. Die Tropenhitze unter der wir auf der ganzen Reise schon mächtig zu leiden hatten ist ziemlich stark. Trotzdem fühle ich mich ganz wohl und hoffe auch von Euch das Gleiche. Morgen wird ein Postdampfer erwartet und Post direkt von Deutschland. Hoffe auch etwas dabei zu haben.
Nochmals viele herzliche Grüße. Adolf“
Die Ansichtskarte zeigt drei Mädchen bei der Zubereitung von Kava. Dieses ist ein traditionelles Getränk des westpazifischen Raumes, das vor allem als Zeremonialgetränk bei religiösen und kulturellen Anlässen konsumiert wird. Auch auf dieser Briefmarke aus Samoa ist eine Kava-Schale zu sehen.
Traditionell werden dazu frische oder getrocknete Bestandteile der Kava-Wurzel mit Wasser aufgegossen. Meist wird zur Gewinnung der Wurzelstock der Kava-Pflanze (Rauschpfeffer) zu einem feinen Pulver zerrieben oder in einem Mörser zerstoßen; manchmal werden auch Pflanzenteile gekaut und in ein Gefäß gespuckt. Auf Samoa verwendet man dazu eine Kava-Schale wie sie auf der Ansichtskarte zu sehen ist.
Adolf Leps hat aus Samoa eine solche Kava-Schale mitgebracht. Mein Vater fand sie, als er die Wohnung von Melanie Leps aufgelöst hat. Bei meinen Eltern stand immer eine Blume in der Kava-Schale.
Viele Grüße
Volkmar
Ein alter japanischer oder chinesischer Kompass.
Einen dreiteiligen japanischen Paravent hat mein Vater leider auseinandergenommen. Zwei der drei wunderschönen gestickten Bilder (ca. 50 x 120 cm) hat er verschenkt. Auf den Fotos kann man es nicht erkennen, aber es wurden so viele Fäden übereinandergelegt, dass das Gefider der Kraniche richtig räumlich ist.
Der Samurai-Helm aus Japan ist sehr schön gearbeitet. Nur tragen möchte ich ihn nicht. Er wiegt ca. 3,5 Kilogramm.
Viele Grüße
Volkmar

Den folgenden Zoll-Schein musste ich beim Kemser Schorsch unbedingt haben, hängt er doch mit meiner Familiengeschichte eng zusammen, auch wenn der genaue Verwandschaftsgrad des Zahlungspflichtigen Georg Bernatz aus Speyer noch nicht sicher ist. Aber meine Frau als Genealogin ist dran seit gestern Abend.
Für eine Ausfuhr von 2 Karren Eicheln im Gewicht von 7 Scheffel waren zu zahlen 1 Gulden und 27 Kreuzer am 10.12.1832, wobei die Ausfuhr und der Schein nur an diesem einen Tag gültig war "gültig bis heute Abends 6 Uhr", etwas, was man heute kaum glauben kann.
Unten lesen wir "Königliche Zollstation Otterstadt, gez. Eberhardt" [1].
Hier können wir ersehen, dass es ein Nebenzollamt 2. Klasse in Otterstadt, ca. 5 km von Speyer entfernt, gab und es war somit die kleinste Zollbehörde, die es gab, vlt. nur mit einem Beamten besetzt. In Folge der "Größe" dieser Station war das abfertigbare Warensortiment sicherlich sehr gering - wohl ausschließlich biologische Erzeugnisse.
Ich hätte nie gedacht, als ehemaliger Otterstadter Heimatsammler (20 Belege in 35 Jahren aus der Pfennigzeit, nichts aus der Kreuzerzeit und schon gar nichts aus der Vormarkenzeit) jemals solch ein Stück zu finden - und schon dreimal nicht von einem Vorfahren. Glück muss man haben, oder wars wegen Weihnachten?
Liebe Grüsse von einem sehr glücklichen bayern klassisch
[1] https://books.google.de/books?id=Ir5AAAAAcAAJ&pg=PA316&lpg=PA316&dq=zollstation+otterstadt&source=bl&ots=sYrakk4OTc&sig=ACfU3U1SlGZG4AWoSyiN0aRCxBfeEq1hdQ&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwiA14GF3ur0AhUiNOwKHWGPCmUQ6AF6BAhREAM#v=onepage&q=zollstation%20otterstadt&f=false
Am 1. November kommt es vor der Küste Chiles zu der Seeschlacht bei Coronel. Wie man auf der Ansichtskarte lesen kann, vernichten die deutschen Kreuzer Scharnhorst, Gneisenau, Nürnberg, Scharnhorst und Dresden die englischen Kreuzer Monmouth und Good Hope und beschädigen die Glasgow schwer.
Dazu schreibt der Absender am 26.11.1914 auf der Karte:
„Mein lieber Herr Hüttentrauch! Anbei sende ich Ihnen ein Kärtchen zur Erinnerung an die Sieg-reiche Seeschlacht von Coronel. Hoffentlich wiederholen sich derartige Schlachten noch recht oft…“
Die Karte wurde als Marine-Feldpost in Rüstringen (Oldenburg) aufgegeben. Sie trägt den Stempel der „6. Kompanie, II. Bau-Division“. Die Postkarte wurde nur drei Wochen nach der Seeschlacht verschickt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein echtes Foto der Seeschlacht so schnell nach Deutschland gelangt ist. Allerdings trägt die Ansichtskarte unten links das Monogramm NPG der Neuen Photographischen Gesellschaft.
Der Wunsch auf der Karte ist nicht in Erfüllung gegangen, denn am 8. Dezember 1914 kam es zum Seegefecht bei den Falklandinseln. Vier der fünf deutschen Schiffe wurden gestellt und versenkt. Über 2.000 deutsche Seeleute, unter ihnen Adolf Leps kam dabei ums Leben.
Von Hans Bohrdt stammt „das wohl berühmteste deutsche Marinebild“ Der letzte Mann: „Ein Signalgast soll sich, mit der Kriegsflagge in der Hand, auf den Kiel der gekenterten Leipzig gestellt haben und dann mit ihr untergegangen sein.
Mit diesem traurigen Ende ist das Kapitel über Adolf Leps natürlich auch beendet. Mal sehen, was ich als nächstes aussuche.
Viele Grüße
Volkmar
Als ich die Ahnentafel von meinem Vater übernommen habe und daraus meine "philatelistische Ahnentafel" erstellt habe, sah diese so aus:
Im Häger, Lexikon der Philatelie las ich 1983 zu meinem Erstaunen unter dem Stichwort Deutsch-Neuguinea etwas über einen Herrn Hentschel. Vom Prüfer Herrn Bothe erfuhr ich, dass es sich um Theodor Hentschel handelte. Es blieb die Frage, ob es der Bruder oder der Neffe meines Urgrußvaters war.
Das klärte sich 2008 als ich aus Muskau diese Todesanzeige bekam. Es konnte sich bei den Kolonial-Belegen nur um Theodor Hentschel Junior handeln. Durch die Todesanzeige konnte ich gleichzeitig das Geburts- und Sterbedatum von Theodor Hentschel Senior ergänzen. Heute möchte ich diese Postkarte vorstellen, die ich gestern gekauft habe.
Die Karte stammt von Isidora Hentschel, der Frau von Theodor Hentschel Senior. Die Karte hat eine Besonderheit, über Die ich mich besonders gefreut habe. Aufgrund der Karte kann ich meine Verwandtschaftstafel ergänzen. Durch diese Karte kenne ich jetzt auch den Geburtsnamen von Isidora, der mir bisher unbekannt war. Auf der Karte hat sie unterschrieben mit "Isidora Hentschel geb. Scvoboda".
Sehr interessant ist auch der Anfunftsstempel aus Wien. Ich vermute, dass unterhalb von Wien "Bestellt" steht. Wenn das stimmt, wäre es der erste Bestellt-Gelegenheitsstempel den ich sehe.
Viele Grüße
Volkmar
Der Brief kommt von der Chokoladen-, Zuckerwaaren und Caffeesurrogate-Fabrik Jordan & Timaeus aus Dresden. Surrogate sind Ersatzstoffe. Mit Caffeesurrogate dürfte der Zichorienkaffee gemeint sein, den Jordan & Timaeus auch hergestellt hat [2].
Aufgegeben wurde der Brief am 19.10.1867 beim Postamt Dresden VII. Am 20.10.1867 ist er über Görlitz nach Muskau gelangt und wurde mit der zweiten Ausgabe zugestellt.
Mit der Inhaltsangabe der Lieferung hatte ich zunächst so einige Probleme. Rechts seht ihr meine Übersetzung. Diesen Teil konnte ich aber größtenteils klären. Ich weiß allerdings noch nicht, was für eine Art Schokolade geliefert wurde. Bei der Preisberechnung muss man die sächsische Währung berücksichtigen:
1 Taler = 30 Neugroschen (Ngr), 1 Neugroschen = 10 Pfennig (Pf). Daraus ergibt sich:
53 x 7½ Neugroschen
= 397½ Neugroschen
= 13 Taler 7½ Neugroschen
= 13 Taler 7 Neugroschen 5 Pfennig.
Die drei Spalten beim Preis stehen also für Taler, Neugroschen und Pfennig.
Mit den Angaben beim Schokoladenmehl kann ich bisher nichts anfangen. Da kommen für mich Gewichte, Preise und das Volumen in Frage. Kann einer von Euch etwas dazu sagen?
Viele Grüße
Volkmar
[1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=64136
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Jordan_%26_Timaeus
Der Westfälischer Genealogentag 2015 in Altenberge stand unter dem Thema „Familienschätze“. Da ich sehr viel interessantes Material von unserer Familie besitze, schlug ein Bekannter vor, dass ich mich dort melden soll. So kam es, dass ich als einziger Privatmann einen Stand bei der Veranstaltung hatte. Beim Stand seht ihr rechts eine Schautafel mit meiner philatelistischen Ahnentafel. Diese Tafel ist an dem Tag unheimlich oft fotografiert worden.
Ich beginne mit den frühen Vorfahren (oben auf der Schautafel). Die Belege sind so natürlich nicht zu erkennen. Sie folgen in den nächsten Beiträgen.
Es kommen natürlich nur solche Vorfahren vor, zu denen ich etwas Philatelistisches zeigen kann. Da ich in den Beiträgen sehr weit in der Ahnentafel zurückgehe, sind es natürlich keine Belege an oder von meinen Vorfahren. Ich zeige stattdessen Belege, die irgendeinen Bezug zu ihnen haben.
Viele Grüße
Volkmar
Auf dem Foto ist das Pfarrhaus von Blankenburg (Uckermark) zu sehen. Von 1694 bis 1837 war die Pfarrstelle immer in unserer Familie.
Mein 7-facher Urgroßvater Johann Homann (1653 – 1722) war seit 1694 bis zu seinem Tode Pastor in Blankenburg.
Sein Sohn Daniel Jakob Homann (1691 – 1780) war seit 1715 Gehilfe seines Vaters und übernahm die Pfarrstelle nach dessen Tod.
1777 übernahm sein Enkel Philipp Nathaniel Hecker (1749 – 1815) die Pfarrstelle.
Sein Sohn Gotthilf Hecker (1785 – 1837) „erbte“ die Pfarrstelle im Jahre 1808.
Dessen Sohn, mein 3-facher Urgroßvater Gotthilf Hecker war damit der letzte Pfarrer aus der Familie in Blankenburg.
Ururgroßvater Hermann Hecker half zwar gelegentlich als Pastor in Blankenburg aus, er selbst übernahm aber 1845 die Pfarrstelle in Königsmühl (Kreis Cammin).
Blankenburg gehört heute zu Oberuckersee und ist ein kleiner Ortsteil mit nur 261 Einwohnern (2018) bzw. 389 Einwohnern (1905). Entsprechend schwer ist es Belege von dort zu finden. Dieser Brief steht stellvertretend für das Dorf Blankenburg.
Brief vom Königliches Domainen Rent Amt in Gramzow an das Schulzen Amt zu Blankenburg bei Gramzow vom 27.08.1861. In dem Brief geht es um eine Bekanntmachung über die Fischerei-Verpachtung auf der Ober-Ucker und den mit dieser in Verbindung stehenden Seen exklusive Möllensee.
Auf der Rückseite des Briefes ist ein Stempel vom“ Königl. Preuss. / ???? / Amt Gram- / zow“. Das Wort in der zweiten Zeile ist mir unklar. „Domainen“ heißt es nicht.
Innen hat der Blankenburger Schulze Millert am 1. September 1861 bestätigt, dass er die Bekanntmachung veröffentlicht hat. Daneben ist der Stempel vom „Dorf / Blankenburg“.
Das Innere des Briefes könnt ihr im Beitrag [1] sehen.
Viele Grüße
Volkmar
[1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=351495
Dem Herrn Prediger Gotthilf Georg Friedrich Hecker zu
Blankenburg sind von seiner Ehefrau, Frau Wilhelmine Dorothea
Amalie geb. Hecker, folgende Kinder geboren:
1. ein Sohn am 17ten (siebzehnten) April 1814 (1800 und vierzehn),
welcher am 1ten Juni y.a. in der heiligen Taufe die Namen:
„Hermann Friedrich Wilhelm Alexander“;
2. eine Tochter am 3ten (dritten) Juli 1820 (1800 und zwanzig),
welche am 9ten August y.a. in der heiligen Taufe die
Namen:
„Wilhelmine Dorothea Amalie“;
3. eine Tochter am 15ten (fünfzehnten) Februar 1925 (1800
funf und zwanzig), welche am 12ten April y.a. in der
heiligen Taufe die Namen:
„Wilhelmine Julie Agnes“
erhalten hat.
Dies wird hiermit auf Grund des Kirchenbuches von Blan-
kenburg amtlich bescheinigt.
Blankenburg d. 4. Juni 1856
Scheller(?) Pfarrer
Das Siegel auf dem Dokument hat die Inschrift „Kirchensiegel zu Blankenburg“
Von der Jahreszahl 1856 her könnte das erste genannte Kind, also mein Ururgroßvater Hermann Hecker, diese Urkunde angefordert haben.
Viele Grüße
Volkmar
Wie man an den Briefen sieht, sind zwei Schulen nach Johann Julius Hecker benannt:
1) Die Heckerschule in seiner Heimatstadt Essen-Werden (eine Grundschule).
2) Die Johann-Julius-Hecker-Oberschule in Berlin-Marzahn-Nord. Diese ist heute eine Integrierte Sekundarschule.
Als ich die Schule im März 2000 um einen Umschlag mit einem Schulstempel bat, hat man vergessen den Umschlag zu frankieren. Wieso der Brief keinen Poststempel trägt weiß ich nicht.
Zwei Monate später erhielt ich noch einmal Post von der Klasse 9e der Johann-Julius-Hecker-Schule. Diesmal war der Brief frankiert, hatte aber keinen Schulstempel. Den Brief habe ich natürlich gerne beantwortet.
Viele Grüße
Volkmar
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Julius_Hecker
A.H. Francke war der Gründer des Waisenhauses zu Halle und der damit verbundenen Anstalten. Dazu gehörte auch das Pädagogikum, an dem Johann Julius Hecker selbst im November 1729 als Lehrer angestellt wurde. Er unterrichtete in den Fächern Hebräisch, Latein, Griechisch, Geschichte und Anatomie. Die von Francke gegründeten Anstalten tragen heute den Namen „Franckesche Stiftungen“.
Aus Anlass des 250-jährigen Jubiläums im Jahre 1946 gab es in Halle diesen Werbestempel, 1998 erschien eine Sondermarke zum 300. Jahrestag.
König Friedrich Wilhelm I suchte für das neu errichtete Militär-Waisenhaus in Potsdam einen Prediger aus Halle. 1735 wurde Johann Julius Hecker dort als Lehrer, Schulinspektor und Prediger angestellt. Hier erregte er als pflichtgetreuer Lehrer, begabter Redner und frommer Seelsorger die Aufmerksamkeit des Königs, der ihn zugleich zum Erzieher seiner Söhne ernannte.
Unter Beteiligung des Hofmaurermeisters Christian August Naumann wurde ab 1737 die Dreifaltigkeitskirche in Berlin gebaut. Nachdem der König eine Predigt Heckers miterlebt hatte, die ihn sehr beeindruckte, gab er ihm mit auf den Weg:
Nun soll er der neugebauten Dreifaltigkeitskirche zu Berlin Prediger sein, er muß, wie er heute hier gethan, den Leuten auf der Friedrichstadt den Herrn Jesum predigen und sich der Jugend recht annehmen, denn daran ist das Meiste gelegen.[1]
Viele Grüße
Volkmar
[1] Rancke: Die Gründung der Dreifaltigkeitskirche zu Berlin ..., Berlin 1868
Doch blieb es mit der Realschule (rechts auf der Ansichtskarte) und der Mädchenschule (seit 1827 Elisabeth-Schule) unter einem gemeinsamen Rektor, zunächst dem Neffen des Gründers Andreas Jacob Hecker (mein vierfacher Urgroßvater) 1792 wurde Andreas Jacob Hecker Pastor an der Dreifaltigkeits-Kirche und zum Ober-Konsistorial-Rat ernannt. Ober-Schul-Rat wurde er 1794. Er behielt seine Ämter bis zu seinem Tod im Jahr 1819 [2].
Viele Grüße
Volkmar
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich-Wilhelms-Gymnasium_(Berlin) - Das unveränderte Bild der Ansichtskarte ist von dieser Seite.
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Jakob_Hecker
Der reformpädagogische Ansatz Heckers, in der Realschule erstmals schulische mit einer an der späteren Berufspraxis orientierten Ausbildung zu verbinden, hatte großen Einfluss auf die pädagogische Entwicklung in Preußen. Zudem erkannte Hecker, dass es für diesen neuen Schultypus besonders geschulter Lehrer bedurfte. Bereits 1748 gründete er ein Lehrerseminar, aus dem 1753 das Kurmärkische Landschullehrerseminar hervorging und das seit 1753 seinen Sitz auf Schloss Köpenick, damals noch bei Berlin, hatte. Zum 150-jährigen Jubiläum des Lehrerseminars gab es diese Postkarte.
Johann Julius Hecker wurde im Jahre 1898 mit einer Gedenkstele geehrt, die auch heute noch im Schlosspark steht. Das kleine Heft zur Feier der Enthüllung des Denkmals besitze ich auch noch. Als meine Frau und ich bei einer Fahrradtour durch Köpenick kamen, habe ich leider vergessen, das Denkmal anzusehen. So musste ich das Bild von Wikipedia [1] verwenden.
Johann Julius Hecker war maßgeblich am Zustandekommen des Generallandschulreglements [2] vom 12. August 1763 beteiligt. Dieses Regelwerk bildete die Grundlage für die Entwicklung des Volksschulwesens in Preußen. Ein Exemplar des ersten Druckes besitzen wir. Ursprünglich besaß es eine weit entfernte Verwandte aus der DDR. Diese hat das Generallandschulreglement einfach in einen Brief gesteckt und meinem Vater geschickt. Zum Glück wurde der Brief nicht kontrolliert, denn es sonst hätte man das Werk bestimmt einkassiert.
Viele Grüße
Volkmar
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Julius_Hecker
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Generallandschulreglement
Im Jahre 1604 verkaufte ein Gerd Hecker den Wilden Mann. Ob ich über meine Urgroßmutter Hedwig Werdermann geb. Hecker auch mit diesem Gerd Hecker verwandt bin, ist nicht festzustellen.
Es steht aber fest, dass die Familie Hecker ursprünglich aus Soest kommt. Mein ältester nachweisbarer Vorfahre in Soest ist mein 9facher Urgroßvater Peter Hecker. Er wird im Jahre 1606 bzw. 1627/28 urkundlich erwähnt, und zwar als "Diener der Gesellschaft zum Stern" - einer Genossenschaft von Salzsiedern.
Das Hecker-Wappen enthält das Zeichen "
", eine Variante des Zeichens für Salz. Das Foto zeigt das Heckersche Wappen auf der Tür im Burghofmuseum in Soest. Über dem Wappen ist eine Hand mit einer Hege. Das ist ein kleiner hölzerner Hammer, mit dem das Salz von den Salzpfannen abgeklopft wurde.
Viele Grüße
Volkmar
Auf der Marke zu 70 Pfg. ist die Nicolaikirche abgebildet. Diese Kirche war von 1700 an die Arbeitsstätte meines 7-fachen Urgroßvaters dem Pfarrer Johann Rau [1]. Auf der 20 Pfg. Marke sieht man den ältesten Stadtplan von Berlin aus dem Jahre 1648. Zu dem komme ich später.
Johann Rau wurde am 11. April 1673 in Perleberg als Sohn des Diakonen und späteren Superintendenten Joachim Rau (1642–1720) und seiner Frau Sabine geb. Pitzschky geboren. Er besuchte das Gymnasium in Halle und studierte an der Universität Halle Medizin und Theologie. Nach Abschluss des Studiums zog er nach Berlin.
In Berlin war er zunächst Hauslehrer. Nach einiger Zeit wurde er Prediger am Heilig-Geist-Spital und zugleich Seelsorger an der Dorfkirche Stralau und Vesperprediger am Georgenhospital am Königstor. Von den Gebäuden des Spitals ist allein die auf der Ansichtskarte abgebildete Kapelle erhalten geblieben. Der Turm der Dorfkirche Stralau ist auf dem Sonderstempel von 1936 zu sehen.
Nach zwei Jahren als Prediger wurde Rau am 9. Mai 1699 zum ersten Armenprediger Berlins berufen. Er erhielt seine erste Pfarrstelle im selben Jahr am alten Friedrichs-Waisenhaus an der Stralauer Straße in Berlin. In dieser Zeit gründete er mehrere Armen- und Freischulen nach dem Vorbild der Einrichtungen der Franckeschen Stiftungen in Halle. Am 12. August 1699 erhielt Rau von Friedrich III. das kurfürstliche Privileg zum Druck von Gesangbüchern und Neuen Testamenten, die, durch Spenden finanziert, kostenlos an die Armen verteilt wurden.
1700 wurde Rau als dritter Diakon an die Stadtkirche St. Nikolai in Berlin berufen. 1705 wurde Rau zum zweiten Diakon und 1721 zum Archidiakon an St. Nikolai ernannt. Ab 1723 diente er dort zugleich als adjungierter Propst an der Seite von Johann Porst, bis er nach dessen Tod 1728 seine Nachfolge als Propst antrat. Dieses Amt versah Rau bis zu seinem Tode 1733.
Viele Grüße
Volkmar
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Rau_(Propst)
Auf drei Seiten wird dramatisch der Brand im Hotel beschrieben, taucht in der Stadtchronik von Halberstadt aber nicht auf.


Am Ende wird der Vater noch mehrfach aufgefordert, eine Feuerversicherung abzuschließen.
grüsse Christof
Etwa seit 1638 diente er den Hohenzollern unter Kurfürst Georg Wilhelm als Baumeister. 1641 wurde er zum kurfürstlichen Ingenieur ernannt. 1650 berief ihn der „Große Kurfürst“ Friedrich Wilhelm zum Hofbaumeister in Berlin, wo Memhardt mit der Planung der höfischen Bauten beauftragt wurde.
Unter seiner Mitwirkung wurde das Residenzschloss (= Berliner Schloss) instand gesetzt und der Berliner Lustgarten umgestaltet. Linke Marke: Das Berliner Schloss um 1703. Rechte Marke: Der große Kurfürst mit seiner Familie im Garten des Berliner Schlosses
Das 1921 eingerichtete Schlossmuseum vereinte die Repräsentationsräume der untergegangenen Monarchie mit den Sammlungen des staatlichen Kunstgewerbemuseums. In der Weimarer Republik entwickelte sich das Schloss zu einem bedeutenden Kulturzentrum der Stadt. In dieser Zeit war das Schloss das meistbesuchte Museum Berlins.
Viele Grüße
Volkmar
Die brandenburgische Kurfürstin Luise Henriette von Oranien (die erste Frau des Großen Kurfürsten) stammte aus den Niederlanden. Bei einem Besuch des Amtes Bötzow fühlte sie sich sofort an ihre niederländische Heimat erinnert. Sie plante hier einen Landsitz im holländischen Stil zu errichten.
Johann Gregor Memhardt, der seine Ausbildung in den Niederlanden erhalten hatte, wurde mit der Ausführung des Bauvorhabens betraut. Der Bau war in seiner äußeren Gestalt klar an der zeitgenössischen Architektur des holländischen Klassizismus orientiert. 1652 wurde das Schloss durch den Großen Kurfürsten auf den Namen „die Oranienburg“ getauft. Ein Jahr später erhielt auch der Ort Bötzow den Namen „Oranienburg“.
In Potsdam begann um 1660 unter seiner Leitung der Neubau des Stadtschlosses. Der Kupferstich zeigt das Schloss um 1750, die Ansichtskarte in den 20er Jahren. Kurz vor Kriegsende 1945 fiel das Potsdamer Stadtschloss einem Bombenangriff zum Opfer. In den 90er Jahren kam es zu Überlegungen, das Potsdamer Stadtschloss wieder aufzubauen. Am 20. Mai 2005 fiel dann schließlich im Brandenburger Landtag die Entscheidung: Bis 2011 soll ein neuer Landtag in den Um- und Aufrissen des historischen Potsdamer Stadtschlosses errichtet werden.
Das Schloss wurde nach dem historischen Vorbild wiederaufgebaut. Am 24. November 2011 wurde Richtfest gefeiert, die Eröffnung des sogenannten Landtagsschlosses erfolgte am 21. Januar 2014 mit einer parlamentarischen Feierstunde, nachdem am vorangegangenen Wochenende der Landtagsneubau von rund 22.000 Besuchern besichtigt worden war.
Der Deutscher Brief Express (DEBEX) aus Potsdam hat 2007 mehrere Marken zur Unterstützung des Wiederaufbaus des Schlosses herausgegeben. Pro Block wurden 54 Cent gespendet. Die Briefmarke von dem Potsdamer Privatpostanbieter „Die Briefboten“ zeigt das 2001 wiedererrichtete Fortunaportal. Das Unternehmen „Die Briefboten“ ist inzwischen in der DEBEX aufgegangen.
Viele Grüße
Volkmar
Der sogenannte „Memhardt-Plan“, der älteste bekannte Stadtplan der Doppelstadt Berlin-Cölln beruht auf den Vermessungen Memhardts. Er wurde 1652 in der Zeillerischen Chronik erstmals veröffentlicht wurde. Die Bezeichnung Stadtplan für diesen Plan ist auch irreführend, da nur teilweise der damalige Istzustand und die vorgesehenen Baumaßnahmen beschrieben sind.
Im Jahr 1664 wurde Memhardt zum Lehrer des Kurprinzen und späteren Friedrich I. ernannt und 1669 wurde er erster, ehrenamtlicher Bürgermeister der seit 1662 zur dritten Residenzstadt Friedrichswerder ausgebauten Neustadt. Johann Gregor Memhardt starb1678.
Johannes Memhard (1546 – 1613), der Vater von Johann Gregor Memhardt (mein 10-facher Urgroßvater), war von 1576 bis 1597 Rektor der Linzer protestantischen Landschaftsschule. Er reorganisierte die Schule als fünfklassiges Gymnasium und verfasste eine ausführliche Schulordnung.
Von Johannes Memhard ist noch ein Brief an den Astronom Johann Kepler aus dem Jahre 1602 erhalten geblieben. Er gehört leider nicht zu unserer Sammlung. Weiterhin gibt es noch Briefe aus dem Jahr 1612 vom Philologen und Hochschullehrer Matthias Bernegger an Johann Memhard. Weiterhin wird Memhard in mehreren Briefen zwischen Bernegger und Kepler erwähnt. Die Briefe sind in den gesammelten Werken von Johannes Kepler digital zugänglich [2].
Dieser Brief ist aber noch nicht der älteste existierende Brief von meinen Vorfahren. Noch älter ist ein Brief von Martin Luther an Franz Grosse, meinen 12-fachen Urgroßvater. Dieser Brief stammt circa von 1540.
Viele Grüße
Volkmar
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gregor_Memhardt
[2] https://www.zobodat.at › pdf › Kepler-Gesammelte-Werke
Zu den Schweizer Einwanderern gehörten auch Nicolaus Lehmann und seine Frau Anna Rüfenacht, meine 8-fachen Urgroßeltern, die zwischen 1716 und 1723 ins Saarland kamen. Das Ehepaar hatte acht Kinder, die ersten sechs waren noch in Signau getauft worden, die beiden jüngsten in Limbach. Die Familie Lehmann lässt sich in der Schweiz noch fünf Generationen bis ins Jahr 1560 zurückverfolgen.
Neben Signau im Emmental kamen weitere Einwanderer aus den benachbarten Orten Eggiwil und Röthenbach sowie aus Saanen im Berner Oberland.
Viele Grüße
Volkmar
Der Brief ist adressiert an "Dem Würdigen und Hochgelehrtem unserem General-Superintendenten, Consistorial Rath und Abt des Closters Berge auch lieben getreuen ? Resewitz i. Kloster Berge beÿ Magdeburg". Friedrich Gabriel Resewitz [3] war also ebenfalls Abt des Klosters Berge bei Magdeburg. Resewitz hatte das Amt von 1775 bis 1805 inne.
Auf dem Vorschuss-Brief ist links ist der Vermerk: „22 ggr (gute Groschen) hat ein kgl (königliches) Hof Postamt bezahlet“. 23 ½ gute Groschen war die Summe des Postvorschusses einschließlich Procura. Zusätzlich kam noch die Taxe dazu, so dass insgesamt 29 gute Gr. zu zahlen waren.
Das Bild rechts zeigt das Kloster Berge um 1580. Damit zurück zu Peter Ulner [1]. Peter Ulner, mein 11-facher Urgroßvater, war von 1561 an ebenfalls Abt dieser Benediktinerabtei (Foto). Er führte 1565 im Kloster die Reformation ein und machte aus dem Kloster ein evangelisches Predigerseminar. Durch den Übertritt zum evangelischen Glauben ist es möglich, dass er heiratete und so ein Abt unter meinen Vorfahren ist. Später war im Kloster eine Internatsschule, in der u.a. Johann Homann, mein 7-facher Urgroßvater unterrichtete.
Viele Grüße
Volkmar
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Ulner
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Berge
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Gabriel_Resewitz
Heute mache ich weiter mit meiner Braunschweiger Seite. Diese Bildpostkarten mit der Abbildung des Braunschweiger Altstadtmarktes betreffen meine Vorfahren gleich zweimal. Rechts auf der Karte sieht man das Altstadtrathaus, eines der schönsten mittelalterlichen Baudenkmäler der Stadt. In Braunschweig hatte ich in der Zeit von ca. 1242 bis 1550 zahlreiche Vorfahren, darunter mehrere Ratsherren und mehrere große Bürgermeister. Der erste war Jordan Pawel, mein 17-facher Urgroßvater. Er war 1253-1256 Ratsherr und 1266 führender Ratsherr. Etwa um diese Zeit wurde mit dem Bau des Altstadtrathauses begonnen.
Gerke (V) Pawel (1469 - 1554) war mehrmals Bürgermeister von Braunschweig. Er spielt unter meinen Vorfahren eine besondere Rolle. Die Martinikirche ist links neben dem Rathaus zu sehen. Dort ist das älteste Grabdenkmal das Epitaph für den 1554 verstorbenen Bürgermeister Gerke (V) Pawel und seine Frau Anna von Windheim. Sie sind meine 11-fachen Urgroßeltern, und sie sind gleichzeitig die ältesten Vorfahren, von denen noch eine Abbildung existiert. Am Epitaph sind die Büsten der beiden, sowie die ihrer Söhne, den Stiftern des Epitaphs, zu sehen.
Viele Grüße
Volkmar
Die Familie Isenblas lebte in Wernigerode am Harz. Mein 14-facher Urgroßvater Claus I Isenblas war 1434 Stadtvogt und 1445 Bürgermeister. Sein Sohn Claus II Isenblas war mehrmals Ratsherr und Stadtvogt. 1455, 1474 und 1482 ist er als Bürgermeister erwähnt. Während mein 12-fachen Urgroßvaters Hans Isenblas Bürgermeister war (1494), wurde mit dem Bau des neuen Rathauses begonnen. Es ist der markante zum Marktplatz ausgerichtete heute noch erhaltene Fachwerkbau mit zwei schlanken den Eingang flankierenden Erkern.
Es ist zu bemerken, dass zeitweise in Wernigerode bis zu vier Bürgermeister gleichzeitig im Amt tätig waren. Jeder hatte dabei ein eigenes abgeschlossenes Ressort, so z.B. der Stadtkämmerer oder auch der Amtsschösser.
Den Absenderfreistempel habe ich mir bei Philastempel ausgeliehen.
Viele Grüße
Volkmar
Die Planung und der Baubeginn des Rathauses fallen demnach in die Amtszeit von Johann Brand IV, meinem 16-fachen Urgroßvater, der von 1364 bis 1390 Ratsherr und von 1390 bis 1405 Bürgermeister von Bremen war. Bei Wikipedia steht einiges über ihn [1].
Johann Brand heiratete die letzte Erbin der Ritter von Gröpelingen, womit deren Erbe an die Bremer Familie ging, später an die Stadt. Hier das Wappen der Familie [2].
Viele Grüße
Volkmar
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Brand_(Bürgermeister)
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Gröpelingen_(Adelsgeschlecht)#
Stellvertretend für die Familie von Bederkesa diese Bildpostkarte, die den Ort Bederkesa zeigt. Meine Tante hat sie an meinen Vater geschickt. Man sieht eine Luftaufnahme des Ortes (ca. 25 km südlich von Cuxhaven). Bederkesa wird in frühen Urkunden meist in Verbindung mit dem Rittergeschlecht gleichen Namens genannt. Die rechte Abbildung stammt aus der Urbis Bremae Typus et Chronicon aus dem Jahre 1603 [1] und zeigt die Burg Bederkesa.
Ihre erste Erwähnung finden die Herren von Bederkesa in einer erzbischöflichen Urkunde. 1159 erschien Marcward de Bederkesa als Zeuge unter einer von Erzbischof Hartwig I. von Stade (1148–1168) ausgestellten Urkunde. Fünf Herren von Bederkesa gehörten im 13. Jahrhundert zu den Domherren des Bremer Doms, beispielsweise war Erich von Bederkesa Archidiakon von Rüstringen oder Rudolf von Bederkesa war Dekan des bremischen Domkapitels.
Der rechte Text stammt aus dem Buch "Bremisch- und Verdischer Ritter-Sahl oder Denckmahl der hoch-adelichen Geschlechter, insonderheit der Ritterschaft in denen Hertzogthümern Bremen und Verden (etc.)" Mushard, Luneberg, Bremen, 1720. Man findet dieses Buch beim Göttinger Digitalisierungszentrum [2].
Mit diesem Beitrag möchte ich meine "philatelistische Ahnentafel" beenden.
Viele Grüße
Volkmar
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Bad_Bederkesa
[2] https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN543686442 (Seite 60)

Wohltätigkeits-Sonderausgabe zum 3. Todestag des Thronfolgerehepaares. Ermordet am 28. Juni 1914 in Sarajewo.
Ein Glück, dass des Dienstes gleichgestellte Uhr alltags und sonntags, wissenschaftlich und praktisch uns zur regelmäßigen Arbeit zwang, bis die Kunde kam: Österreich-Ungarn hat mobil gemacht! Unerträglich wuchs die Spannung, und ich war geradezu froh, dass ich nach Berlin fahren konnte. Professor Weber wollte am 1. August in der Wilmersdorfer Auenkirche heiraten und hatte mich dazu eingeladen. … Ganz Berlin glich in diesen Tagen einem aufgescheuchten Ameisenhaufen. Unsere Generation kannte den Krieg nicht aus eigener Erfahrung. Von ganzem Herzen wünschte man den Verständigungsversuchen der Herrscher und besonders dem deutschen Kaiser gutes Gelingen. Andererseits hatte man das unheimliche Gefühl, als sei eine Lawine im Anrollen, die sich nicht mehr aufhalten lasse, und oft hörte man die Worte: So kann es nicht lange mehr weitergehen! Hunderttausende waren auf den Straßen, besonders unter den Linden und vor dem Schloss!
Die Trauung wurde unter diesen Umständen vorverlegt. … Die Feier fand bei einem Onkel der Braut, dem damaligen Reichsjustizminister Dr. Lisko in der Voßstraße in den dekorativen Räumen des Justizsekretariats statt (später Hitlers Neue Reichskanzlei); nachher saßen wir auf der wunderbaren großen Veranda mit dem Blick auf den Garten der alten Reichskanzlei. Fortwährend ging das Geschehen vom Persönlichen zum weltgeschichtlichen Geschehen. Besonders interessant war es, dass Dr. Lisko an dem Nachmittag mehrmals zu einem Kronrat zum Kaiser gerufen wurde!
Karte vom 12.07.1914 aus Soest an die Urgroßeltern. Es geht unter anderem um die Übernachtungsmöglichkeiten in Berlin anlässlich der Hochzeit.
Viele Grüße
Volkmar
Sonderpostkarte mit der Abbildung von Kaiser Wilhelm und dem Zitat „Ich kenne keine Parteien mehr kenne nur noch Deutsche.“
Ganz erfüllt von allem Erlebten fuhr ich abends nach Hause nach Kraatz, in die nächtliche, ländliche Stille. Hier war noch alles auf, und ich musste viel berichten. Am nächsten Tag, Sonntag, predigte Vater vor stark bewegter Gemeinde; wie viele mussten schon am nächsten Tag abrücken! Am Montag nahmen wir Geschwister vorläufigen Abschied von den Eltern, die sehr gefasst, ja fröhlich waren. Vater war immer ein begeisterter Patriot gewesen. Nun zogen seine drei Söhne davon, um sich freiwillig zu melden, Hans und ich bei seinem alten Regiment, den Gardefüsilieren. Friedel ging nach Magdeburg zur schweren Artillerie, und Dora wollte in Magdeburg als Krankenschwester helfen.
Viele Grüße
Volkmar
Auf der Postkarte vom 04.08.1914 schreibt Großvater an seine Eltern:
„Liebe Eltern! Gestern sind wir 1. Klasse pünktlich hier angekommen. Bei den „Maikäfern“ war noch nichts zu machen. Ich habe ein schriftliches Gesuch für uns eingereicht.“
Im Kriegstagebuch heißt es dazu:
Täglich bemühten wir uns um Einstellung als Kriegsfreiwilliger, Aber bei allen Regimentern war Überandrang! Wenn man vor einer Kaserne erschien, der Posten fragte: „Was wollt ihr?“, dann wurde man schnellstens fortgeschickt. „Von der Gesellschaft haben wir schon übergenug!“ … Endlich nach viermaligen Versuchen und stundenlangem Stehen ist es Hans und mir gestern gelungen, einen Aufnahmeschein bei den „Maikäfern“ zu erhalten! Heute Vormittag war ich nochmal in Groß-Lichterfelde, machte erst einen weiten Fußweg, um meine neuen, in Gransee noch gekauften hohen Stiefel einzulaufen.
Nach dem Mittagessen mussten wir uns zur ersten Mal auf dem Kasernenhof in der Chausseestraße einfinden. … Wir traten in einer Ecke des Hofes, nicht weit von einem halb offenen Tor an, als viele wartende junge Männer das erspäht hatten und sich dazu gesellten, um auch angenommen zu werden. Aber der alte Feldwebel nahm nur die, die einen Schein hatten und auf seiner Liste standen. Uns ließ er antreten, setzte sich an die Spitze des Zuges, um uns vorläufig zur Untersuchung in eine Schule in der Müllerstraße zu bringen. …
Als wir in der Schule anlangten, traute unser Feldwebel seinen Augen nicht. Denn während er voranmarschiert war, hatten sich immer mehr „Freiwillige“ an unseren Zug angehängt, so dass er statt mit 50 mit mehreren hundert ankam! Auf dem Schulhof schimpfte er tüchtig, nahm seine Liste nochmal vor; aber während er einen Namen: Müller, Krause, Becker u.a. verlas, sprangen immer gleich fünf oder sechs auf die andere Seite, do dass er knurrend seine Versuche aufgab! Nun wurden wir untersucht, allerdings nicht allzu gründlich. Einer war als nicht tauglich befunden worden und war darüber sehr traurig. Er stand bei uns und klagte; da sagte so ein heller Berliner Junge: Mensch, komm doch mit uns noch einmal rein; vielleicht klappt es dieses Mal! Er trat wieder mit an und --- ward genommen!
Viele Grüße
Volkmar
In seinem Kriegstagebuch schreibt Großvater:
Nun sitze ich den ersten Abend in der Kaserne. Dass es ein anderes Leben sein würde, hatte ich mir ja gedacht; aber dass es eine so völlig andere und neue Welt sein würde, hatte ich nicht gewusst! Um 6 Uhr früh waren wir pünktlich in der Maikäferkaserne, wurden gleich eingeteilt und kamen zur 1. Korporalschaft der 3. Abteilung des 2. Rekrutendepots des Gardefüsilierregiments. Es ist mir aber sehr lieb, dass ich jetzt Soldat und Kriegsfreiwilliger bin. So hoffe ich dem Vaterland dienen zu können, und nun kann man erst jetzt ganz empfinden, dass Krieg ist! Es war ergreifend, als wir, eben angetreten, das 3. Aktive Bataillon blumengeschmückt mit klingender Musik ins Feld abrücken sahen.
Wir waren eigentlich auf nichts vorbereitet, und nun sollte man plötzlich alles haben, was an Kleinigkeiten zum Kommiss gehört! Aber beim Militär wird ja nie gefragt: wie ist dies möglich; es muss eben alles da sein! Zum Glück fanden wir in unseren Spinden allerlei nützliche Sachen vor, wie Bürsten, Putztuch, Drillichzeug u.a. mittags durften wir auch noch mal kurz in die Stadt gehen und vielerlei Besorgungen machen. … Hierauf folgte das Verpassen der Sachen, das zwei Stunden dauerte. In der Stube ging es gleich los mit Wasser holen, Flur auskehren, Petroleumlampen zurechtmachen, Schuhe putzen.
Als wir morgens in die Kasernenstube kamen, waren wir etwas entsetzt von der schmutzigen Beschaffenheit der Bettbezüge. Sie waren wohl schon lange in Gebrauch und nun hatten mehrere Reserveformationen die alten Bezüge weitergebraucht. Wir sagten gleich, wir würden sie nun wohl abziehen müssen! Aber den ganzen Tag über gab es so viel zu erledigen, dass für neue Bettwäsche keine Zeit geblieben war. So blieb uns abends nichts anderes übrig, als nochmals hineinzusteigen. Wir waren auch zu müde, um uns etwa darüber aufzuregen. Nur einem war es zu unangenehm, und er zog sich seine Unterwäsche nicht aus. Kaum hatte das der Unteroffizier vom Dienst, der gerade durch die Stube ging, erspäht, da fuhr er den Freiwilligen an: Untersteht sich der Kerl, mit seiner dreckigen Unterhose in seiner Majestät sauberes Bett zu kriechen; sofort raus und richtig ausgezogen.
Obwohl Großvater Soldat ist, sind bis Ende August alle Karten von ihm noch frankiert. Hier drei Beispiele.
Viele Grüße
Volkmar
Liebe Eltern! Heute komme ich nur zu einer Karte
da ich eine ganze Anzahl Briefsachen zu erledigen habe.
Väterchen danke ich vielmals für seinen Brief; er hat mich
aber übrigens in zweierlei Beziehung mißverstanden ZU-
nächst reise ich hier ja gerade möglichst viel umher, da es
mich nichts oder fast nichts koste. Meine Pfingsttour z.B. ist
völlig umsonst gewesen, da wir bei Vertretungen kon-
traktmäßig die Fahrt 2. Klasse ersetzt bekommen; u. ich bin
natürlich 3. Klasse oder meist gar mit dem Rad gefahren.
Unser ganzer Ausflug nach Herford, Bünde usw. war eine
Dienstreise u. wurde somit vom Oberkirchenrat bezahlt!
Nur nach Bonn mußte ich die Reisekosten selbst tragen, aber
alles andere hat mich natürlich auch garnichts gekostet. Dafür
haben Weber u. Schrader gesorgt. Sonst könnte ich mir all
so etwas garnicht erlauben; dazu reicht das Gehalt garnicht!
Und 2.) Ich selber dränge mich absolut nicht zu Militär und
mache mir auch keine Illusionen über dasselbe. Aber di-
rekt darum drücken mag u. kann ich mich nicht; ich sage nur:
wenn ich nun einmal genommen werde u. heran muß,
dann will ich mich wenigstens auf das Gute darab freuen.
An sich sparte ich das Geld um Euert-, u. die Zeit um meinet-
willen recht gern. Ich habe jetzt gerade wieder eine Stelle
angeboten bekomme, wie ich sie mir garnicht idealer den-
ken könnte (ich erzähle Euch mündlich davon!), aber es kann we-
ges des Dienens nichts werden. Daß die Konsistorien auf
die Militärbehörden gar keinen Einfluß haben, weiß Vä-
terchen ja auch wohl. Ich habe bisher noch keine Antwort vom
Regiment; vermute aber gerade deshalb, weil ich mich doch
hier untersuchen lassen kann. In der letzten Woche wurden
wir wieder durch die Kirchen geführt! Dazu hatte ich zwei Bü-
cherrezensionen zu schreiben; heute habe ich auch noch hier ge-
predigt. Wo kann ich wohl in Berlin während der Hochzeit
wohnen? Am nächsten wohnen wohl Sassos, aber bei dem geht
es wohl nicht? Schreibt mir doch bitte mal darüber. Nun
viele herzliche Grüße an Euch, samt allem Ferienbesuch.
Euer getreuer u. gehorsamer Sohn Hermann W.
Liebe Eltern! Gestern sind wir 1. Klasse pünktlich hier angekom-
men. Bei den Maikäfern war noch nichts zu machen; ich habe eine
schriftliches Gesuch für uns 3 eingereicht. Es ist hier mächtig viel los;
Scharen von Reservisten, fertige Truppenteile sind überall zu sehen u.
werden freudig begrüßt. Oft sieht man, wie Russen verhaftet wer-
den. Heute habe ich einen längeren Übungsmarsch in meinen
Stiefeln gemacht, der mir ganz gut bekommen ist. Es funktioniert
hier in Berlin bis jetzt alles famos. Walter hat sich noch öffent-
lich verlobt; er braucht mit seiner Abteilung erst Donnerstag
nach Ostern abzugehen. Es ist doch eine große Zeit, in der
wir leben! Herzliche Grüße Euer Hermann
Ist Hans angekommen?
Liebe Eltern! Wir gedenken Euer u. schicken Gruß als sichtbares
Zeichen diese Karte. Seit gestern ist durch England die Lage ja nun
noch ernster geworden; jetzt geht’s um die Existenz. Ivj hörte heute Keßler
in der Matthai-Kirche; es war sehr ernst u. erhebend. Text: Der 7. ???
Ist Dora denn nun fort? Unser Schicksal ist immer noch nicht entschieden.
Pauli kommt übermorgen mit Pferdetransport von Angermünde zu Fuß
hier an! Friedel haben wir für morgen hierher bestellt. Ich mache täg-
lich Übungsmärsche mit meinen Stiefeln; es geht schon ganz gut.
Herzliche Grüße Euer Hermann
Viele herzliche Grüße sendet Euer Hans.
Ich kam gestern um 9 Uhr hier gut mit Herrn
Reinholt an, war um 11 bei Markgrafs.
Die drei Karten aus dem letzten Beitrag folgen morgen.
Viele Grüße
Volkmar
11.VIII.14.
Liebe Eltern! Viel Zeit u. eigentlich viel Lust zum Schreiben
habe ich eigentlich nicht, u. doch möchte ich Euch nach dem ersten anstren-
genden Tag einen herzl. Gruß senden. Heute mußten wir um ¾ 5 auf-
stehen; ich hatte Flurdienst u. mußte den Flur fegen. Nachher haben wir
abwechselnd Instruktion, Exerzieren u. Turnen gehabt; bei der Hitze war
es nicht ganz einfac; wir haben aber einen ganz vorzüglichen, auch gu-
ten u. gutmütigen Feldwebel-Leutnant (davon sind jetzt sehr viel er-
nannt) Wir liegen im Revier der 10. Kompagnie, auf Stube 45. Auch
mit unserem Stuben-Ältesten u. Stubenkommandanten haben wir es gut
getroffen; von letzterem haben über die Hälfte das Einjährige. Nur et-
was schmutzig ist es noch, z.B. Bettwäsche, Handtücher (davon schickt uns
vielleicht einige bei Gelegenheit mit. Hans hält es ganz gut aus, es geht
ihm gut. Herzliche Grüße Euer tr. Sohn Hermann
Liebe Eltern! Mütterchens Briefsendung erfreute
uns sehr. Ihr nehmt die eingelegten Sachen wohl per-
sönlich mit. Friedel meldete sich auch gerade für Sonntag
an; das wird dann hoffentlich ein nettes Zusammen-
sein werden! Eben kam die Zeitung mit der Nach-
richt, daß die Deutschen Truppen in Brüssel eingerückt
seien; daß ist ja glänzend. Gestern Mittag besuchte uns
Theo Kamlah, gestern Abend Dittmers, Kants, Markgrafs
gemeinsam; wir haben es so gut in der Beziehung.
Auf Euch freuen wir uns besonders. Wir erwarten
Euch bei Markgrafs. Bringt doch bitte etwas Butter mit;
die Büchse ist sehr schön, doch haben wir an
einer genug. Sehr nützlich würden uns
Holzbrettchen sein; dann ist unsere Aus-
rüstung aber auch wohl vollkommen.
Leider haben wir unsern famosen Feldwe-
bel-Leutnant verloren; er ist Leutnant
geworden. Herzliche Grüße an Euch alle
Euer tr. U. dankb. Sohn Hermann
Viel Grüße u. auf frohes
Wiedersehen Euer treuer Hans
Liebe Eltern! Ehe ich eben auf Urlaub gehe, möchte ich Euch noch
einen herzlichen Gruß senden. Wie nett war es vor 8 Tagen, als wir
Euch erwarten durften. Heute geht’s zum Kaffee zu Markgrafs, abends
zu Sasses. In der letzten Woche hat sich für uns viel geändert, wie
wir Euch ja schon kurz schrieben. Das Exerzieren vollzieht sich jetzt meist
in Zug= oder Kompagnie-Formationen. Am Freitag gab es großes
Umziehen. Hans liegt auf Stube 89, ich wieder auf der alten Stube.
Es gab manche Verwirrung; so zog ich 3x um, kam schließlich auf
Stube 45 zurück; nur muß ich seither auf Strohsack schlafen. Es
geht schon ganz gut! Die großen Siege u. Erfolge haben uns den
Mut auch sehr gestärkt, bes. daß die Engländer ordentlich etwas
abgekriegt haben. Theo Kamlah ist noch ordiniert u. geht als Feldgeist-
licher am 5.IX. mit hinaus. Ich habe angefangen, etwas Russisch
zu lernen, da ich ziemlich wahrscheinlich damit
rechne, daß wir dorthin geschickt werden. Am
nächsten Sonntag will Tante Anna Zachariae
aus Halle herüberkommen. Vielleicht
könnt Ihr uns mal etwas Obst, Butter und
Schmalz schicken. Direktor Zänker hat die Ver-
tretung seiner früheren Pfarrstelle über-
nommen. Herzliche Grüße an Euch alle.
Euer getr. Sohn Hermann. Hans springt
über den Hof.
Viele Grüße
Volkmar
Großvater schreibt:
An
Frl. Anna Hecker
Anklam
Wollweberstr.
Liebe Tante! Zu langem Schreiben ist man bei
dem jetzigen Leben nicht aufgelegt; dafür sende
ich Dir mit herzlichem Gruß mein Bild. Über
unser hiesiges Leben habt Ihr wohl über Kraatz
gehört. Wir haben uns jetzt ganz daran gewöhnt
ja finden es recht nett u. interessant. Die Aus-
bildung schreitet schnell vorwärts; morgen schie-
ßen wir zum 2. Mal scharf. In ca.(?) 4 Wochen
sind wir fertig. Abends dürfen wir in die Stadt
gehen; daß ist sehr angenehm. Herzliche Grüße an
die Tante Else u. Tante Marie dein getr. U. dankb.
Neffe Hermann Werdermann
In den Lebenserinnerungen von Großvater folgt ein täglicher Bericht über die Ausbildung zum Soldaten mit Exerzieren, Sport, Instruktion, Marschieren usw. Abends war Freizeit. Häufig bekamen Großvater und sein Bruder Besuch von Verwandten oder den Eltern. Gelegentlich bekamen sie auch Urlaub und durften in die Stadt. Von jetzt an habe ich die Lebenserinnerungen nicht komplett abgeschrieben, sondern nur einige Stichpunkte notiert.
11.08.: Ersten richtigen Dienst gemacht; Instruktionsstunde, exerziert und geturnt; Nach dem Abendbrot frei, Bier mit Pauli, Annemie und Trude in der Kantine.
12.08.: Instruktionen über das Gewehr; Vor dem Abendbrot erhält jeder seine eigene „Knarre“; Erste Löhnung: ein blankes Fünfmarkstück (dies gilt für 20 Tage)
Wir hörten hier in der Militärkaserne nichts von dem Krieg da draußen. Alle anderen sind ausschließlich bei dem Kriegsgeschehen mit ihren Gedanken, nur wir Soldaten nicht.
13.08.: Regelmäßiger Tagesablauf: 5.15 Uhr aufstehen, nachher eine Stunde exerzieren, 2 Stunden Turnen, eine Stunde Instruktionen; Vorbeimarsch und Parademarsch üben.
15.08.: Sehnsüchtig erwarten wir ein Paket von zu Hause, wohin wir einen ganzen Wunschzettel geschickt haben.
16.08.: Sonntagmorgen, „ausschlafen“ bis 5.30 Uhr; Großes Reinemachen; Nach dem Mittagessen Stadturlaub; Soldaten dürfen alle Verkehrsmittel der Stadt frei benutzen.
17.08.: Vormittags begann das Gewehr exerzieren, nachher tat einem die Hand in allen Gelenken weh.
18.08.: Am Nachmittag wurde mit dem Bajonettieren begonnen.
19.08.: Zum ersten Mal wurde ein Ausmarsch ins Gelände unternommen und zwar vom ganzen Rekrutendepot.
21.08.: Jetzt sind bereits wieder neue Freiwillige eingerückt, denen gegenüber wir uns schon ganz erfahren vorkommen; Am Nachmittag Löhnungsappell. Wir bekommen jetzt täglich 33 Pfennig.
24.08.: Im Dienst wurden wir heute mit Gewehrfechten recht heiß gemacht. Aber der Nahkampf spielt ja auch jetzt noch draußen eine große Rolle.
25.08.: Um 6 Uhr losmarschiert zu den Schießständen. Dann schoss ich selbst, und zwar zum ersten Mal in meinem Lebe: 10, 8, 9; das war ein ganz günstiges Ergebnis. Hans hatte 2 Stunden später dasselbe Ergebnis.
26.08.: Am Nachmittag Mitteilung: Wir sind ab sofort nicht mehr Gardefüsiliere sondern die 11. Kompanie des Reserve-Infanterie-Regiments 201; Gerücht: „Es soll in den Osten gehen, wo die Nachrichten nicht günstig lauten“.
27.08.: Wir mussten unsere Betten, Schränke usw. räumen; wurden nacheinander auf die Stuben 125 und 88 geschickt – es war jeweils kein Platz frei. Am Ende kamen wir wieder auf unsere alte Stube (die sie morgens geräumt hatten). Dort war aber schon eine andere Korporalschaft, so dass wir auf Strohsäcken auf der Erde schlafen mussten.
01.09. Am Nachmittag durften Hans und ich in die Stadt. So sehr sonntags- und gardemäßig sahen unsere Uniformen leider nicht aus, da man uns sparsamerweise nur fünfte Garnitur verabfolgt hatte. Die Einjährigen von früher sahen anders aus. … Vater erzählte sehr erfreut und stolz, dass in dem kleinen Kraatz mit seinen 400 Einwohnern bei einer Sammlung für das Rote Kreuz über 1000 Mark eingekommen sind.
Viele Grüße
Volkmar
Die erste erhalten gebliebene Feldpostkarte ist vom 4. September 1914. Es ist die einzige Karte mit einem Stempel des Garde-Füsilier-Regiments. Die Karte hat allerdings nicht Großvater sondern sein Bruder Hans (Johannes) geschrieben. Auch das Bild zeigt dementsprechend Hans Werdermann. Er schreibt:
Fräulein
Else Hecker
Hochwohlgeboren
Anklam (Vorpommern)
Wollweberstr. 27
Berlin, den 4. IX. 14
Liebe Tante Else; Dir u. Tante Anna sende
ich zum Geburtstag die herzlichsten Glückwün-
sche von Hermann u. mir. Er erhielt eben
dankend die Karte. Heute wurden wir
vereidigt. Montag geht’s nach Döbritz.
Der Dienst ist recht interessant, besonders
Felddienstübungen u. Scharfschießen. Die
Vorgesetzten sehr nett. Sonntag kommt
vielleicht unsere Mutter wieder her.
Hoffentlich geht’s Euch u. Tante Minze
recht gut. Ich fühle mich sehr wohl.
Viele herzliche Grüße Euch beiden
Tante Minze u. Vetter Gerhard
von Deinem treuen Neffen
Hans Werdermann
Kommentar von Großmutter unter der Anschrift:
Sieht er hier nicht noch wie
ein halbes Kind aus?
In seinem Kriegstagebuch schreibt Großvater am 06.09.1914:
Am 2.9. wurde der Sedantag gefeiert, d.h. für uns bestand die Feier vor allem in der Freude über den großen Sieg im Osten, dessen Folgen sich als immer bedeutsamer herausstellten.
Dann fand unsere Vereidigung statt, die sehr feierlich war. Wir standen als ganzes Regiment auf dem Grützmacher. Die Glocken der nahen Gnadenkirche läuteten dazu. Ein Altar wurde aufgebaut. Ein Feldprediger hielt eine kurze, gute Ansprache: Habt die Brüder Lieb; fürchtet Gott; ehret den König! Nachher durften wir hinaus. Eigentlich sollten alle in Gruppen zum Schloss geführt werden, wo die ersten eroberten Geschütze aufgestellt waren, aber Hans und ich durften zu Markgrafs.
Gestern wurden wir geimpft, nicht angenehm, aber nötig. Einige wurden ohnmächtig, bei anderen schwollen die Pocken sehr an. Ich bin davongekommen.
Am 07.09.1914 schicken Großvater und sein Bruder zusammen diese Postkarte an ihre Eltern. Sie schreiben:
Liebe Eltern! An dem eben abgegessenen Abendbrottisch
sitzen wir u. denken an den schönen Tag gestern. Es war so
nett u. gemütlich. Was habt Ihr heute wohl angefangen?
Seid Ihr bei Poskes gewesen? Wir waren in Tegel u.
schossen scharf; ich traf nur 14 Ringe (15 sind Bedingung).
Das Wetter war wieder herrlich. Der gestrige Tag hat uns
für die ganze Woche erfrischt; Morgen Abend gehen wir ein
Stündchen zu Theo. Herzlichen Gruß an Euch alle. Euer Hermann
Liebe Eltern, wir haben einen ziemlich an-
strengenden Tag hinter uns. Meine Pocken sind
glücklicherweise etwas besser geworden. So daß
ich allen Dienst mitmachen konnte. Sehr
reichlich haben wir auch Staub geschluckt
Mittwoch ist Scharfschießen im Gelände.
Links auf der Vorderseite der Karte:
Herzlichen Dank nochmal für
Euren Besuch; wir dachten Ihr
würdet vielleicht heut noch kurz
heransehen(?) Viele herzliche
Grüße. Hoffentlich kommt Ihr
gut nach Hause
Euer treuer Hans
Als Ergänzung der Eintrag im Kriegstagebuch vom selben Tag:
Heute habend wir liegend freihändig auf 300 m geschossen; das war etwas schwierig, da ich etwas kurzsichtig bin. Ich will mir doch lieber eine Schießbrille verpassen lassen.
Auf dem Marsch gab es neue Zeitungen zu kaufen. Unser Kompanieführer teilte uns die gemeldeten Erfolge mit: Maubeuge gefallen, 20.000 Franzosen gefangen. Andererseits scheint in Frankreich eine Stockung eingetreten zu sein; es geht nur langsam voran. Täglich kommen Truppentransporte aus dem Westen nach dem Osten durch, wo die Österreicher leider sehr weit zurückgegangen sind.
Unsere Pocken wurden nachgesehen, und wir wurden noch mal genau auf Feldtauglichkeit untersucht.
Das Gerücht läuft um, dass wir bald nach Döberitz auf den Truppenübungsplatz des Gardekorps kommen sollen. Ob und wann? Das bleibt abzuwarten. Der Gerüchte gibt es in Kriegszeiten in der großen Welt und in den Kasernen überreichlich!
Viele Grüße
Volkmar
Zum Soldbuch heißt es bei Wikipedia:
Das Soldbuch war im deutschen Militärwesen der Ausweis des Soldaten und gleichzeitig der Nachweis für erhaltene Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenstände, Löhnung (Sold) und Verpflegung. Es galt gleichzeitig als Personalausweis gegenüber zivilen Polizeibeamten, nicht jedoch als Reisepass, und war auch der nach dem Kriegsvölkerrecht erforderliche Kombattantenausweis.
In dem Dokument wurden eingetragen
• Personendaten = Nationale auf Seite 1 und 2
• der Anspruch auf Sold auf Seiten 3–9
• Nachweisung behufs etwaiger Aufnahme in ein Lazarett einschließlich mitgegebener Waffen und Bekleidung Seiten 10–16
Der wichtigste Teil des Soldbuchs waren die im Rückdeckel eingeklebten Dekadenkupons, die nach der Zahlung der Löhnung abgeschnitten wurden.
Vom 16.09.1914 ist außerdem noch eine Postkarte von Großvater an seine Eltern vorhanden
Großvater schreibt:
Liebe Eltern! Ihr werdet Euch wohl sehr über unseren Gruß am Sonntag
gewundert haben. Wir entschlossen uns aber plötzlich ein Urlaubsgesuch zu ver-
suchen u. wir hatten Glück: wir durften Sonnabend ½ 1 nach Magdeburg fahren, wa-
ren um ½ 8 dort, wohnten bei Mertens, sahen Dora am Abend, suchten Sonntag Friedel
auf, aßen alle zusammen bei M. Mittag, blieben bis 5h 7‘ dort, waren [mit D-Zug]
um ½ 8 her, suchten schnell noch Markgrafs auf, waren um 10h zu Hause. Es war ganz
famos. Wir haben es gut getroffen; von jetzt an gibt es garkeinen Urlaub mehr. Aber da-
für kommt Ihr hoffentlich Sonntag manchmal zu uns u. zwar könnten wir uns
bei Sasses diesmal treffen, die uns sehr dringend einluden. Seit Donnerstag sind
wir mobil; unseren feldgrauen Uniformen sind auch angelangt; etwa am 26. Sollen
wir nun direkt hinausgesandt werden, worauf wir nun schon recht brennen. Gestern
sind wir unserem neuen Oberst (von Kuczkowski) vorgestellt worden. Heute
bin ich mit mehreren anderen ganz draußen in Tempelhof gewesen, wo uns
Brillen verpaßt wurden; wir sind ganz genau untersucht; nun werde ich wohl
gut sehen; neulich konnte ich die Schützen im Gelände garnicht entdecken. Wir
hörten heute in Tempelhof sehr interessante Schilderungen von in Ostpreußen ver-
wundeten Kriegern. Übrigens will Friedel ver-
suchen nächsten Sonntag hierher Urlaub zu bekom-
men. Durch Theo hörten wir, daß Kalchschmidt ge-
fallen ist. Waldemar Hecker ist auch schwer verwun-
det. An Wäsche u. Eßvorräten haben wir vorläufig
nichts nötig. Uns geht’s sehr gut, der Dienst macht
Freude u. ist nicht zu schwer. Herzliche Grüße an
Euch alle. Euer getr. Sohn Hermann
Wir gehen schon Sonnabend
nach Döberitz u. von dort ins Feld.
Kommt doch also schon am Freitag.
Abs. Werdermann 201. Res. Inf. Reg. 11. Komp.
Chausseestr.
Viele Grüße
Volkmar
Ansichtskarte des Truppen-Übungsplatzes Döberitz. Dort gab einen eigenen Poststempel. Von Großvater ist kein Beleg mit diesem Stempel erhalten geblieben. Daher eine zugekaufte Karte mit dem Übungsplatz-Stempel.
Auf der Karte steht:
An Familie Bielefeld
Berlin N 65
Liebenwalderstr. 44
Abs. Inf. W. Bielefeld
11 Comp. Res. Inf. Rgt. 201
z.Z. Döberitz Barack 9
Liebe Eltern es
geht mir gut und
hofe das ihr mor-
gen noch einmal
kommt. Denn wir
bekommen keine Ur-
laub mehr. Wenn
ihr könnt so bringt
mir Fußlappen mit
und 100 Ziegaretten
ich bezahle sie.
Es grüßt euch
euher Sohn
Mit der "11 Kompanie Reserve Infanterie Regiment 201" gehörte der Absender zur gleichen Kopanie wie Großvater und sein Bruder Hans. Großvater und sein Bruder waren aber in Baracke 7, W. Bielefeld in Baracke 9. Die drei haben sich aber mit Sicherheit gekannt.
Als Ergänzung noch eine Porzellan-Puppenstubenpuppe aus der Zeit des Ersten Weltkriegs:
Eine Porzellanpuppe mit einer Uniform aus dem ersten Weltkrieg. Sehr schön sind die vielen Details z.B. das Eiserne Kreuz oder die Pickelhaube mit dem abnehmbaren Helmüberzug. Diese Puppe habe ich seinerzeit von meiner Vermieterin gekauft ohne es zu wissen. Ich hatte ihr ein großes Puppenhaus für unsere Tochter abgekauft (von einem Schreiner gebaut). Als ich es später aufstellte, entdeckte ich eine Zigarrenkiste mit 10 Porzellenpuppen aus der Zeit von 1850 bis 1915.
Soviel für heute.
Viele Grüße
Volkmar
Diese Erkennungsmarke von Großvater. „Res. Inf. R. 201 / 11. Komp. / No 219“ gehörte mit zu Großvaters Feldausrüstung.
Weiter schreibt er:
Eines Tages hieß es: morgen rücken wir aus. Nachts 1 Uhr mussten wir feldmarschmäßig ausgerüstet am Güterzug stehen. Zu 40 Mann kletterten wir in einen Güterwagen und waren gespannt, nach welcher Seite der Zug uns führen würde. Es ging nach Rathenow-Hannover! Langsam fuhren wir westwärts, in allen Städten durch Winken und Liebesgaben freudig begrüßt. Nachts langten wir in Hamm an, wo es Verpflegung gab. Wir erlebten das Ruhrgebiet mit seinen Hochöfen, Zechen, in der Finsternis wunderbar anzusehen. Als eben die Sonne aufging, fuhren wir über den Rhein und sangen begeistert die „Wacht am Rhein“. Alle brannten wir darauf, voll eingesetzt zu werden.
Als wir hinter Aachen in Herbesthal über die belgische Grenze kamen, sahen wir die ersten Kriegsspuren: zerstörte Häuser, zersprengte Tunnel. Diese Bilder mehrten sich, als wir durch Lüttich und Löwen fuhren. In Aalst endete unser Bahntransport, da die Brücken vernichtet waren. So marschierten wir zu Fuß weiter. Mit voller Ausrüstung fiel uns das ziemlich schwer. Oft mussten wir Umwege machen; das ganze Gebiet war noch unsicher, durch Franktireurs.
Als wir durch Gent gezogen waren, gerieten wir zum ersten Mal in das Feuer einer feindlichen Batterie. Von jetzt an gab es täglich Gefechtsberührung. Der Vormarsch stockte, da starke feindliche Truppen sich in Flandern bis an das Meer geschoben hatten. Unser Weg führte weiter über Thourout und dann nach Eessen, unweit Dixmuiden. Als unsere Kompanie durch Eessen hindurch war, gab es plötzlich hinter uns eine gewaltige Schießerei. Unsere Truppen waren aus Häusern beschossen worden, es hieß auch: vom Kirchturm herab. In den Straßenkämpfen geriet die Kirche in Brand, und in der Nacht brannte der gewaltige Turm nieder. Die Glocken begannen noch einmal zu läuten in der Hitze, ehe sie schmolzen und herabstürzten.
Für unser Bataillon war die Lage unangenehm, da wir in Schützengräben westlich der Stadt lagen, vor uns den Feind, hinter uns die brennenden Häuser, so dass jede Bewegung in den nur notdürftig ausgeworfenen Schützengräben sich abhob. Dann folgten erbitterte Kampftage in ganz Flandern von Kortryk bis Ipern, von Dixmuiden bis zur Küste. Die deutschen Armeen waren hauptsächlich von den jungen kriegsfreiwilligen Regimentern, vor allem aus akademischen Kreisen gebildet. Unser Regiment 201 stürmte im Abschnitt Dixmuiden, das am 10. November nach blutigem Ringen in deutsche Hand fiel. Ich selber wurde dabei, im Kampf gegen stark befestigte Häuser, verwundet. Aus einem Fenster heraus traf mich ein Infanteriegeschoss in die linke Schulter und fuhr als Querschläger aus dem Rücken heraus. Ich stürzte beim Vorwärtsstürmen schwer zu Boden und verlor wohl für einige Zeit das Bewusstsein.
Ein Kamerad, der an mir vorbeistürmte, half mir dann, dass ich auf den Rücken zu liegen kam. Anfangs hoffte ich, dass mich bald Sanitäter holen würden. Aber der Schwerverwundeten lagen gar zu viele herum, und schließlich mussten unsere Truppen zurück! Es fing an zu regnen, und ich konnte meine Zeltbahn über mich ziehen. Mehrmals ging der Kampf noch über mich hinweg; durch die Zeltbahn fühlte ich zahlreiche Maschinengewehrschüsse, die ganz dicht über mich hinweggingen. Ich merkte, wie stark ich blutete; aber ich konnte mit meinem Verbandpäckchen nicht zur Ausschussstelle hingelangen; so presste ich mich fest auf die Erde. Schließlich wurde es dunkel.
Lange Stunden, zehn bis zwölf, muss ich so gelegen haben. Da plötzlich kam mir der Entschluss: du musst hier fort! Ich versuchte mich umzudrehen, mich aufzurichten; schmerzhaft und vergeblich! Endlich ist es mir doch gelungen, und ich wankte los. Wir hatten uns im Kampf oft gedreht, so dass ich kaum die Richtung fand. Überall lagen Tote und Verwundete. Endlich erreichte ich eine Chaussee. Freund und Feind schoss auf mich, die einsame Gestalt. Kaum konnte ich weiter, als ich plötzlich angerufen wurde: Halt, wer da? Wie atmete ich auf! Ich war bei deutschen Kameraden! Als ich fragte: Welches Regiment? Kam die Antwort: Reste von allen! Unser Korps hatte ungeheure Verluste gehabt (43. Res. Inf. Division). Ein Kamerad stützte mich und brachte mich zu einer Wache, wo ich eine Tasse Kaffee bekam. Man wies mich weiter zu einem Landsitz, wo ein Verbandplatz war. Als ich morgens gegen 5 dort ankam, waren alle Räume, alle Korridore, alle Fußböden belegt. Ein Arzt schnitt mir die Uniform herunter und legte einen Notverband an. Dann wurde ich in der Küche auf den Fußboden gepackt!
Bei dieser Feldpostsendung von Urgroßvater an Großvater vom 13.10.1914 wurden zwei Karten mit einem Faden „aneinandergenäht“. Eine Grund dafür sehe ich nicht, denn die zweite Karte ist gänzlich unbeschrieben. Die beschriebene Karte hat einen Anschriften-Vordruck für einen Marine Soldaten mit der Angabe „an Bord S.M. Schiff:“.
Meine Urgroßeltern haben bestimmt einen großen Schreck bekommen, als sie diese Karte vom 13.10.1914 an ihren Sohn (meinen Großvater) zurückbekamen.
Über der Anschrift steht mit Bleistift "Verwundet".
In blau ist vermerkt "Abs" = "Absender". Die Karte sollte also zurück an den Absender geschickt werden.
Bei der roten Abkürzung bin ich mir nicht sicher: "Kdm" könnte "Kommandeur" oder "Kommando" bedeuten.
Da die Karten aneinandergenäht sind, kann ich sie nicht auf den Scanner legen ohne sie zu knicken. Daher diesmal ein Foto. Urgroßvater schreibt:
Kraatz, Gransee, den 13.10.14
Liebe Kinder! Also endlich seid Ihr ausgerückt. Wie freuen wir uns, daß Ihr nach
dem Westen gekommen seid. Der schnelle Fall Antwerpens hat uns entschädigt für das lange
Warten. Wir sind der festen Hoffnung, daß die Entscheidung vor Paris sowie der gemeinsame Feld-
zug an der Weichsel bald zu unseren Gunsten fallen wird. Wohin werdet Ihr denn kommen? Nach
England, denke ich, hinüber müssen wir. Ehe der alte böse ???? nicht in seinem Insel???
selber ordentlich gepackt wird, gibt es keinen Frieden. Die englische Bank zu nehmen lohnt sich schon.
Unsere Gebete begleiten unser Heer, daß so außerordentlich tapfer sich schlägt. Lieb Vater-
land magst ruhig sein singen unseren mutigen Krieger nicht umsonst. Bei solch heldenmutigen Kämpfern können
wir tatsächlich ruhig sein. Von einem Pastor Klingenberg bei Schwerin fielen kürzlich 3 Söhne stud. resp. cand.
theol., alle 3 bei einer Kompanie. Wie lange werden wir Euch noch haben? Wir bringen dies schwere
Opfer für das Vaterland willig, wenn Ihr nur selig sterbt. Er gereicht in Jesu Christo das ewige Leben.
Wer an ihn glaubt, an sein Opfer auf Golgatha, der wird leben, ob er gleich stürbe. Eben ist Johannes Hecker ab-
gereist. Am Sonntag sind wir zur gemeinsamen Abendmahlsfeier in Germendorf. Werdins Sohn, Gefangener in Brügge,
hat seit seinen 1. Lebenszeichen noch nichts wieder von sich hören lassen. Mit was für Teufeln haben wir zu kämpfen!
Wenn nur nicht so viele Offiziere fielen! Die sind nicht zu ersetzen. Die Not mag draußen noch nicht groß sein,
die jüngsten Jahrgänge das Landsturms sind hier alle noch zu Hause. Solltet Ihr in Köln zunächst bleiben, besucht Pastor
Backey, früher in Anklam, ich besuchte sie von ??? aus, grüßt ev. Solltet Ihr noch irgend etwas gebrauchen (Geld?)
schreibt umgehend. Vom 19. - 26. Oktober sind Postpakete bis 5 kg zulässig. Gott mit Euch aus unserm ganzen Herrn
Viel herzliche Grüße von Verwandten u. Bekannten. besonders von uns allen hier. In Liebe Eure Eltern.
Dank für das Bild, wir fanden Euch heraus.
Zwei Wörter fehlen mir noch bei der Abschrift und an zwei weiteren Stellen bin ich mir nicht sicher. Hier die vier Ausschnitte dazu:
Ehe der alte böse ???? nicht in seinem Inselnest
Ergreift in Jesu Christo das ewige Leben.
ich besuchte sie von ??? aus
Gott mit Euch aus unserm ganzen Herrn
Was meint ihr?
Viele Grüße
Volkmar
Er schreibt:
Liebe Eltern! Da ich nicht weiß, ob die Karten aus Belgien
Euch erreicht haben, sende ich Euch mit herzl. Gruß die Kunde,
daß ich am 21.X. bei einem Sturmangriff durch einen Schuß
durch die linke Schulter verwundet bin. Zuerst lag ich 5 Tage in
belgischen Feldlazaretten, jetzt befinde ich mich seit 48 Stunden in einem
Güterwagen. Eben sind wir glücklich, warm auch ziemlich kaput in
Cöln angelangt. Wohin der Transport geht, wissen wir noch nicht;
wenn nach Münster, melde ich mich vorläufig nach Soest u. komme, so-
bald es geht, zu Euch zur Erholung. Geht’s nach Berlin, so sehen wir uns
hoffentlich bald wieder. Ich schreibe, sowie ich Bestimmtes weiß.
Euer tr. U. dankb. Sohn Hermann
Ergänzend dazu die Informationen aus seinem Kriegstagebuch:
Nachträglich war es mir wie ein reines Wunder, dass ich so herausgekommen bin. Erst nach zehn Tagen wurde der Kampfplatz wieder von unseren Truppen erobert. Zahllose Kameraden hatten so lange zwischen den Fronten gelegen und waren verschmachtet.
Ich wurde weiter zurückgebracht, erst mit einem Kastenwagen. Dann mussten wir zu Fuß wandern und langten endlich wieder in Thourout an, wo wir in einem Jesuitenkloster untergebracht wurden. Das Sanitätswesen war der Masse der Verluste nicht gewachsen. In fünf Tagen hat mich nur einmal ein Unterarzt vorgehabt!
Als es hieß: es geht ein Sammeltransport in die Heimat, wer bis zum Güterbahnhof gehen kann, darf mitfahren, da ließ ich mich auch anziehen und schleppte mich dorthin. Es waren gewöhnliche Güterwagen, sogar ohne Stroh! Nach stundenlangem Warten ging es endlich los. Erst hatten wir Sorge gehabt vor dem Fahren; nachher war das Aufreibende das Warten. Bald musste ein Truppentransport vorbeigelassen werden; bald war das Gleis von Fliegern zerstört! An einem Tag kamen wir nur 25 km vorwärts! Einmal während des Haltens holten einige leichtverwundete Kameraden von einer Strohmiete aus dem Felde einige Bund Stroh, so dass wir bequemer lagen.
So ging die Fahrt weiter bis zur Grenze. Es war ein wunderbares Gefühl, als wir in Herbesthal wieder in der „Heimat“ waren und deutsche Rote Kreuz-Schwestern uns Erfrischungen brachten.
Als wir in Köln hielten, nahmen wir alle an, dass wir entweder über Münster oder Dortmund oder Soest fahren würden und dort vielleicht ins Lazarett könnten. Aber als wir nachts aufwachten, waren wir zwischen Siegburg und Gießen. Unser Wagen wurde dann in Marburg abgehängt, und wir wurden nach Laasphe in das dortige Vereinslazarett überwiesen, wo wir nach 5 ½ tägiger Fahrt anlangten.
Nur zwei Tage nachdem er die Karte aus Köln abgeschickt hat, bekam er schon die erste Karte nach Laasphe:
Die Karte kommt von Anna Zachariae ("Tante Anna"). Dank der Mithilfe von Emiel konnte ich sie inzwischen fast vollständig entziffern. Tante Anna schreibt:
Herrn
Lic. Werdermann [1]
Kriegsfreiwilliger verwun-
det
Laasphe
bei Marburg a. Lahn
Res. Inf. Reg. 201. 11. Komp.
Halle a.S. 31.10.14.
Mein geliebter alter Junge,
deine beiden Karten haben mich
sehr erfreut, ich bin glücklich, daß
Du noch lebst. Jetzt wird jeder das
Wort des alten Jakob verstehen [2]: Ich
sehe genug, daß mein Sohn Joseph
noch lebt, mir wenigstens geht
es immer durch die Seele. Du hast
gewiß sehr gelitten, mein armer
Junge, hoffentlich heilt die Wunde
gut. Bald wünsche ich ???, ich bin
froh, daß Du wieder im Lande bist.
Ich schicke Dir heute Nachmittag eine
Freßkiste; was mag wohl alles be-
kommen haben, was ich Dir geschickt
habe? 2 große Freßkisten u. 2 kleine
Pakete mit Schok.[3] u. Strümpfen, außer-
dem an Hänschen noch eine Kiste. Sogar
eine kl. Sandtorte hatte ich Dir gebacken
Dir u. Paul u. statt dessen läßt Du Dich
erschießen. Ich bekam Deine Karte aus
dem belgischen Chausseegraben am 23.
u. habe Dir sehr oft geschrieben, Du hast
aber gewiß nichts bekommen. Uli ist auch
schon verwundet, er schrieb mir am 28.
aus Düsseldorf. Am rechten Bein, leicht
u. gefahrlos. Laasphe soll reizend sein, Frau
??? Schütz kennt es, sie sendet Dir viele
Grüße u. Wünsche. Sieh zu, daß Du hierher
überführt wirst, hier ist noch viel Platz,
einige kl. Lazarette stehn noch leer.
Waldi lebt noch, in Nanzy gefangen. [4]
Tausend Grüße D. tr. A. Z. [5]
[1] Lic. = Licensiat ≙ Dr. der Theologie
[2] Schlachter Bibel: "und Israel sprach: Für mich ist es genug, dass mein Sohn Joseph noch lebt! Ich will hingehen und ihn sehen, bevor ich sterbe!" (1Mo 32,28; 1Mo 35,10; 1Mo 46,30; Lk 2,26)
[3] Schokolade
[4] Mit Waldi ist Waldemar Hecker, der Vetter von Großvater gemeint. Als Anna Zachariae ("Tante Anna") die Karte geschrieben hat, war Waldemar Hecker schon über 2 Monate tot. Die Nachricht darüber war aber offensichtlich noch nicht angekommen:
[5] Anna Zachariae, eine entfernte Verwandte.
Das große Ölgemälde von Tante Anna hängt inzwischen bei meiner Schwester im Wohnzimmer.
Viele Grüße
Volkmar
Auf dieser Foto-Ansichtskarte sieht man die vielen Verwundeten, die in einem großen Turnsaal der Präparandenanstalt in Laasphe untergekommen waren. Eine Präparandenanstalt war vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein die untere Stufe der Volksschullehrerausbildung. Leider kann ich den Text nicht lesen, da er in Stenografie geschrieben ist. Ich habe Großvater durch einen Kreis markiert. Als Ergänzung noch das Foto, das die Grundlage für die Karte war:
Weiter schreibt Großvater:
Meine Wunde wurde täglich verbunden. Da wohl Fetzen von der Uniform in die Wunde gekommen waren, eiterte sie arg. Als es allmählich aufhörte, behielt er mich einmal zurück und sagte: Sie müssen mal zu mir in mein Privatsprechzimmer in meinem Hause kommen. Wo der Schuss bei Ihnen durchgegangen ist, da sind eigentlich lauter Knochen. Das müssen wir mal feststellen. Und als ich zu ihm kam, stellte er mich neben ein Skelett, wie es zu Lehrzwecken benutzt wird, und beklopfte bald dieses Skelett, bald meine linke Schulter. Und zum Schluss sagte er: Wissen Sie, nächstens müssen Sie und einige andere mal mit meiner Frau nach Marburg fahren! Da haben sie einen sogenannten Röntgenapparat; da müssen sie durchleuchtet werden! Und als das dann geschah, sagte der Marburger Spezialist: Warum sind sie nicht früher gekommen? Der Kopf des linken Schultergelenkes ist ganz zersplittert, so dass er nicht in die Gelenkpfanne passt. Jetzt ist alles bereits total verknorpelt.
Sonst hatte ich es in Laasphe gut getroffen. Ich war öfter in der Familie des netten Superintendenten mit drei lustigen Töchtern, den „drei Fräulein Oberpfarrer“. Als ein neuer Verwundetentransport gemeldet wurde, mussten mehrere in Privatquartiere. So kam ich in das Haus des 2. Pfarrers Bauer, der jung verheiratet war. Wie genoss ich das gemütliche Zimmer und das Familienleben, wenn wir abends zusammensaßen und erzählten.
Diese Karte vom 07.11.1914 trägt den Stempel des Vereinslazaretts, Laasphe i. Westf. Großvater schreibt an seine Eltern:
Liebe Eltern! Gersten kamen die Pakete; für sie u. die Briefsachen
vielen herzlichen Dank. Es geht mit meiner Wunde etwas besser, wenn
sie auch hinten noch ziemlich eitert. Übrigens ist der Geheimrat sehr tüchtig.
Der linke Arm ist vorläufig ganz schwach und kraftlos; nur die Finger kann
ich bewegen; die 13 Stunden auf dem Schlachtfeld lag ich ganz unverbun-
den. Als ich verwundet wurde, war es schon der 3. Tag des großen Kamp-
fes um Dixmuiden. Ich freue mich sehr, durch den Brief von Hans zu
hören; ich schicke ihn morgen an Dora weiter. Habt herzl. Dank für die
Blätter u. Bücher; ich habe viele ins Lesezimmer gelegt; wir hatten
auch durch den Oberpfarrer schon ähnliche bekommen. Seit gestern Abend
bin ich nun sehr nett ganz allein bei dem 2. Pfarrer Bauer unter-
gebracht. Das ist mir sehr lieb; bes. für die Nacht; wo ich an sich schon wenig
schlief störte auch in dem großen Schlafsaal das Stöhnen u. Phantasieren
u. Keuchen; das hört nun eben auf. Heute Abend singen die Präpa
randen und einige Kinder u. 3 von uns
darunter ich; erzähle etwas vom Kriege.
Montags u. Donnerstags um 6 wird stets
eine längere Andacht gehalten. Augenblicklich
lese ich dein Buch von M. Henning. Mit Rationen
sind wir gut versehen. Für etwas Geld wäre
ich Dir dankbar ( vielleicht 10 oder 15 Mark).
Herzliche Grüße u. nochmals vielen Dank; außerdem
Alfred u. Paul für ihre Briefe
Euer tr. Sohn Hermann
6.XI.14
Viele Grüße
Volkmar
Auf dieser Karte gibt Großvater als Absender noch an: "Abs. Werdermann 11/201 Laasphe i.W. Lazarett". Ein Kamerad von ihm hat die Karte am 28.11.1914 in Berlin aufgegeben. Großvater schreibt:
Liebe Eltern! Aus Cassel, wo ich eben auf der Heimreise über Halle,
Berlin (wann wird es heißen können: nach Kraatz) eine Stunde Auf-
enthalt habe, sende ich Euch einen herzlichen Gruß. Ich wußte in den letzten Ta-
gen selbst nicht, wann ich fahren könnte. Eigentlich sollen wir nur an Dekaden-
Ersten (also 1. XII.) entlassen werden. Nun erlaubte mir der Geheimrat plötzlich,
daß ich schon 1 ½ Tag eher reisen durfte u. muß erst Montag früh in Berlin zu-
stellen brauchte. So kann ich noch 1 Tag in Halle bleiben. Was in Berlin aus
mir wird, weiß ich noch garnicht. Ich bin an unser Ersatz-Bataillon über-
wiesen. Aber das kann ja nichts mit mir anfangen u. muß mich weiter-
„weisen“? Wohin? Weiß ich nicht; ich hoffe: nach Bethanien [1] den Schein [2], den
Väterchen mir schickte, habe ich noch. Übrigens muß da mal eine Karte von
mir verloren gegangen sein; ich habe Euch gleich dafür gedankt, aber außge-
sagt, daß ich ihn augenblicklich nicht gebrauchen könnte. Sobald ich in Berlin
etwas Genaues weiß, schreibe ich Euch natürlich. Erst hoffte ich ja, gleich etwas
„Erholungs-Urlaub“ zu Euch zu bekommen;
aber jetzt meine ich, daß der Arm wohl gleich in
Behandlung genommen wird. Auf Weihnachten
hoffe ich aber sicher! Die saubere Wäsche habe ich
mit mir genommen; alles andere schickt Frau P.
Bauer an Euch. In den letzten 2 Tagen schrieb ich noch
160 Adressen u. Begleitadressen für Weihnachtspa-
kete. Herzlich. Gruß an alle. Euer Hermann
28,XI.14
[1] Das Bethanien am Mariannenplatz im Berliner Ortsteil Kreuzberg war ein Diakonissen-Krankenhaus
[2] Um was für einen Schein kann es da gehen?
Auf dieser Karte vom 30.11.1914 gibt er als Absender an: "Werdermann 11/201. z.Z. verwundet in Berlin". Großvater schreibt an seine Eltern:
Liebe Eltern! Hoffentlich habt Ihr meine Karte vom Sonnabend
noch am Sonntag früh erhalten [1]; ein Kamerad wollte sie in Berlin
einstecken. Ich bin nun heute Vormittag hier angelangt. Die
Reise ist mir ganz gut bekommen. Zuerst musste ich zum 2. Garde-
Regiment z.F. [2], wo unser Ersatzbataillon liegt; von da wurde ich
in die Albrechtstrasse in eine Schule überwiesen wo jedoch kein
Mensch vorhanden war, der mir sagen konnte, was aus mir
würde. Ich muss nachher wieder hin, esse eben im Schultheiß.
Wie eigentümlich kommt es mir vor, daß ich wieder in Ber-
lin bin. Morgen früh soll mich ein Stabsarzt untersuchen; der
der über mein nächstes Schicksal entscheidet. Ich schreibe Euch dann
gleich u. hoffe, Ihr könnt dann bald mal herkommen.
Euer Hermann
30.XI.
[1] Damit ist die Karte vom 28.11.1914 gemeint
[2] z.F. = „zu Fuß“
Einen Tag später lautet die Absenderangabe "Werdermann 11/201 z.Z. Berlin, Lazarett". Großvater schreibt:
Liebe Eltern! Eben sitze ich im Revier-Krankenzimmer
des 3. Bataillons des 2. Garde-Reg. z.F. u. warte darauf, vom
Stabsarzt untersucht u. untergebracht zu werden, da aber ca. 50
Verwundete warten, will ich die Gelegenheit zu einem Gruß
an Euch benutzen. Ich kann dann nachher schnell noch eine
Adresse hinzufügen, damit Ihr bald wißt, wo ich stecke. Gestern
erledigte ich das Geschäftliche, besuchte unsere verwundete Kame-
raden, fuhr zu Markgrafs, wo ich die Nacht blieb, u. gegen Abend ein
Stündchen zu Sasses. Ich bin gespannt, ob ich nach Bethanien oder in
irgend ein mediko-mechanisches [1] Institut komme. Schickt oder
bringt mir doch bitte meine blaue Extra-Mütze mit. Habt
Ihr von Hans Nachricht? Ich glaube jetzt fast sicher,
daß die Post gesperrt ist aus Nordbelgien. Ich
bin so oft auf der Straße angehalten worden,
ob ich nichts weiß von unserm Regiment.
Herzliche Grüße; hoffentlich bald auf Wiedersehen.
Euer Hermann
Noch keinen Bescheid erhalten, muß nochmal
geröntgt werden, bleibe noch im Hause
bei Markgrafs
[1] Die medico-mechanische Therapie oder Mechanotherapie war die „vom Arzt geleitete, durch Apparate vermittelte Therapie“ nach Gustav Zander. Sie ist das Vorbild der heutigen apparategestützten Trainingstherapien, die seit etwa 40 Jahren boomen. Dazu gehören Fitnessstudios und die medizinische Trainingstherapie.
In seinen Lebenserinnerungen kann man aus dieser Zeit noch folgendes lesen:
In Berlin konnte ich die ersten Nächte bei Markgrafs schlafen, wo es auch ein Wiedersehen mit den Eltern gab, die aus Kraatz herübergekommen waren. Ich meldete mich beim Ersatz-Bataillon, in der Kaserne des 2. Garderegiments in der Karlstraße. Eigenartig ging es mir, dass ich dort – auch als Verwundete und Genesende – mehrere Kompaniekameraden traf, von denen ich gehört hatte, dass sie gefallen seien; und als ich verwundert auf sie zuging, sie nun ihrerseits große Augen machten und ausriefen: Mensch, du lebst noch? Alle haben doch gesagt, dass Du in Flandern geblieben wärest! Sehr viel Formalitäten und Kleinigkeiten gab es zu erledigen, da der Amtsschimmel noch gar nicht unter dem Krieg gelitten hatte. Schließlich sollte ich sogar entgegen den Abmachungen ins Garnisonslazarett! Aber Onkel Sasse eiste mich los, und ich wurde in das Reserve-Lazarett „Gesellschaftshaus des Westens“ in Schöneberg in der Hauptstraße aufgenommen. Es war ein großer Saal mit insgesamt 145 Betten unten, auf der Bühne und auf den Emporen.
Viele Grüße
Volkmar
Absender:
Lic. Werdermann, Berlin Schöneberg, Hauptstr. 30/31, Res. Lazarett
Liebe Eltern! Zwar habe ich Euch gestern schon schriftlich
meine Weihnachtsgrüße gesendet, aber höchst wahrscheinlich
darf ich am 25. vormittags noch selbst zu Euch kommen.
Es soll nämlich doch noch vom 25.-27. Urlaub geben;
das ist doch fein! Wie wir es nun mit Dora ma-
chen, weiß ich nicht recht; nach Kraatz kann sie ja kaum
kommen; aber ich denke, wir können ja am 27. wie-
der nach Berlin reinfahren. Heilig-Abend darf ich
nach unserer Feier zu Poskes. Auf Wiedersehen!
Euer Hermann
20.XII.14.
Karte vom 12.01.1915:
Absender:
Abs. Werdermann z.Z. Schöneberg Reservelazarett 2
Liebe Eltern! Über Friedels Besuch habt Ihr Euch gewiß sehr
gefreut; ich war auch so überrascht, als er hier plötzlich auftauchte.
Daran, daß ich von hier aus irgend welchen Urlaub bekäme
ist leider gar nicht zu denken. Mütterchen danke ich vielmals für
ihre große Mühe, die sie sich mit dem Suchen in meinen Kisten
gemacht hat. Das Konzept für meinen Weber Aufsatz lag in
Soest zwischen zwei größeren Löschblättern auf meinem Schreib-
tisch. Es war sehr nett, daß Ihr es mir schicken wolltet; aber
ich würde jetzt nicht im stande sein, daran weiter zu arbeiten.
Ich bin ja so ganz herausgekommen u. finde auch so schnell
nicht in die schwierige theologische Welt zurück; soviel wissenschaftli-
che Konzentration könnte ich noch nicht
aufbieten. Ich sitze augenblicklich an einem
kleinen Artikel, lese auch ziemlich viel
u. langweile mich garnicht so sehr. Wann
fährst Du denn mal wieder zum Arzt? Ich
bin gestern geröntgt worden bin sehr ge-
spannt auf das Bild. Herzliche Grüße an Euch
alle. Euer getr. u. dankb. Sohn Hermann
Die dritte Karte vom 22.01.1915 geht an den leicht behinderten Paul Mohrmann, der bei seinen Eltern wohnte. Auf dem Foto ist Großvater sitzend der zweite von links:
Lieber Paul! Diesmal will ich den Sonntagsgruß
für Euch alle an Dich schicken, damit Du eine Karte
für Dein Album bekommst. Ich wünsche vor allem
den Patienten gute Besserung. Mir geht es gut; ich
wandere jeden Tag ins mediko-mechanische Insti-
tut in der Lützowstr, wo ich an 5 Maschinen üben
muß. Gestern war ich bei Markgrafs; Walter ist zur
Infanterie versetzt u. geht bald ins Feld. Von Hans
bekam ich eine Karte. Herzl. Grüße an Dich und
alle Dein getr. Freund Hermann W.
20.I.15
Bildseite:
Schw. Doris Kuligk
Rösel Klockenhoff Kröner Konzack Schulz Mietusch
Viele Grüße
Volkmar
Großvater schreibt:
Liebes Väterchen! Auf Dein Kommen freue ich mich
schon sehr. Vielleicht können wir am Sonnabend mal nach
Potsdam hinausfahren oder sonst etwas unternehmen.
Ev. Besuchen wir dann am Sonntag Iohannesohns;
Sonnabend bin ich von ½ 1 – 9 u. Sonntag von ½ 1 – 6
oder hoffentlich auch bis 9 frei.
Auf Wiedersehen! Es freut mich, daß es Mütterchen
etwas besser geht; ich danke ihr sehr für ihren lieben Brief
Dein getr. u. dankb. Sohn
Hermann
Etwa eine Woche später schickt er diese Karte an seine Eltern:
Auf der Karte teilt er ihnen mit:
Liebe Eltern! Ich danke vielmals für die inhaltsreiche Briefsendung.
Daß Väterchen erkältet ankam, tut mir sehr leid; aber der Grund ist hof-
fentlich weniger unserer Grunewaldpartie, als der Schmutz u. die Nässe am
Sonntag. Ist er denn noch bei Frau Winter gewesen? Ich habe am Mittwoch
diesmal unsere Kriegs-Andacht gehalten; ich habe mich sehr gefreut, daß ich
meinen Beruf mal wieder direkthabe ausüben können; viel-
leicht läßt es sich öfter machen. Sonst bin ich täglich ins Institut gewandert,
habe wieder eine Übung an einem neuen Apparat dazu bekommen;
die noch sehr schmerzhaft u. ungewohnt ist. Aber ich bin doch sehr froh u. dankbar,
daß es so vorwärts geht. Wenn nur nachher die Kur, die Mütterchen nun
hoffentlich bald macht, ebenso erfolgreich ist. Es ist fein, daß das Fräulein wie-
derkommt. Ich kann jetzt sehr wenig Besuche machen, da ich durch die Massage
u. das Institut sehr besetzt bin; aber ich bin ja nun auch „Verwundeter“. Gar
zu gern wäre ich nur morgen u. übermorgen nach Magdeburg gefahren; ich
habe alles versucht, aber eben ist mir gesagt worden,
daß es ein für alle Mal keinen Urlaub nach auswärts
für Verwundete gibt. Na, dann hilft’s nichts. Ein Buch
aus Hamburg habe ich nicht bekommen. Für das Sonn-
tagsblatt vom nächsten Sonntag habe ich einen kleinen
Beitrag geschrieben. Der größere Aufsatz für die „Kirchl.
Rundschau“ erscheint am 1. März. So habe ich ein wenig
Beschäftigung. Herzliche Grüße an Euch alle. Euer
getr. u. dankb. Sohn Hermann
5.II.15.
Als Ergänzung zu dieser Karte ein Auszug aus den Lebenserinnerungen (S. 158):
Wöchentlich einmal sollte im Lazarett auch ein Gottesdienst gehalten werden und zwar von dem zuständigen Gemeindepfarrer R. von der Apostel-Paulus-Kirche. Er war zu alt und zu ungeschickt. … Pfarrer R. hielt Lazarett-Andachten, an denen anfangs alle teilnahmen. Da er wenig den richtigen Ton traf, verschwanden immer mehr Soldaten vorher. Daraufhin brachte er Pflaumenkuchen mit, der verteilt wurde; aber auch dies Lockmittel wirkte nicht lange! Schließlich fragte er mich, ob ich die Andachten nicht übernehmen wollte. Leicht war es für mich nicht, ohne jede Charge, wie man ja überhaupt in diesem ganzen Kreis nur einer unter den Vielen, ohne Titel und Beruf und Grad war. Aber das war auch wieder das Gute und Heilsame. Man stand mit allen auf Du und Du, und jeder gab sich unbefangen. Viel habe ich mich mit Kameraden, vor allem auch „Dissidenten“, d.h. aus der Kirche ausgetretenen unterhalten und gestritten. Ohne diese Erfahrungen hätte ich später meine Schrift: Ich weiß Bescheid! Ein Kampfbüchlein gegen die Freidenker nicht schreiben können! So wagte ich es mit den Lazarett-Andachten, obgleich es mir anfangs recht sauer wurde. Für die erste hatte ich den Text genommen: „Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“, für die zweite: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns betroffen haben“.
Sehr wertvoll war mir dabei, daß mir unsere Schwester Doris mit Rat und Kritik dabei zur Seite stand. Allmählich erwachten auch meine wissenschaftlichen und literarischen Interessen wieder. Ich schrieb einen Aufsatz: Das Problem der Langeweile in den Lazaretten, den der Reichsbote aufnahm, sogar als Leitartikel. Dann verfasste ich eine Abhandlung mit dem etwas langatmigen, aber charakteristischen Titel: Die religiöse Wiedergeburt unseres Volkes, nicht eine Gabe des Krieges, sondern eine Aufgabe in und nach demselben“. Sie erschien 1915 in der „Kirchlichen Rundschau für Rheinland und Westfalen“. Viele Pfarrer täuschten sich damals, als der Kriegsanfang eine scheinbare Wiederbelebung des religiösen und kirchlichen Lebens brachte; es war vieles nur oberflächlich und vieles nur ein Strohfeuer; der herabziehenden und zerstörenden Kräfte wurden immer mehr, je länger der Krieg dauerte. Auch gute Bücher konnte ich damals lesen, besonders in Erinnerung geblieben sind mir Anselms Feuerbachs Briefe.
Viele Grüße
Volkmar
Er schreibt:
Liebes Mütterchen! Habe herzl. Dank für das Paket u. heute
kam auch noch Väterchens Gruß nebst Drucksachen. Ich schicke
morgen meine schmutzige Wäsche ab, habe bis Ende nächster
Woche noch genügend saubere. Es geht mir weiter gut,
besondere Wünsche habe ich wirklich nicht Eben besuchte ich einen
Kameraden, der im Krankenhaus „Am Urban“ [1] operiert
ist, gestern war ich bei einem Leutnant d. R. Hermann u.
seiner jungen Frau zum Kaffee. Letzerer habe ich versprochen,
Dich zu fragen, ob es in Gransee ungeräucherten Speck(zum
Schmalz-Auslassen) gibt u. wie teuer er ist (hier 1,20 ℔); fer-
ner ob es irgend welches Dauerfleisch gibt; (ev. geräuchert); sie
möchte sich dann ev. ein 10 ℔
Paket schicken lassen. Erkundi-
ge Dich doch bitte u. schreibe
es mir dann.
Herzl. Grüße
Euer Hermann
7.II.15.
[1] Kreuzberg, Klinikum Am Urban
Diese Karte aus Berlin-Schöneberg vom 14.02.1915 konnte nicht zugestellt werden und ging an Großvater zurück. Die Ansichtskarte zeigt noch das Vereinslazarett in Laasphe. Sie geht an Herrn ??? ??? Dapprich, 39. Res. Armeekorps Res. Inf. Reg. 255, 77. Res. Division 2 Komp.
Die handschriftlichen Vermerke im Adressfeld sind:
Bleistift (unten): erkrankt
Blau (senkrecht): Lazarett Hauptstr. 30/31
Blau (waagerecht): Abs. Hauptstr. 30/31
Bleistift. Rot unterstrichen: Laasphe (Anmerkung von Großmutter, da das Bild noch aus Laasphe stammt)
Großvater schreibt auf der Karte:
Lieber Lbhr/Lbfr/Llfr! [1] Schade, daß meine Postsachen Dich nicht
erreicht haben, ich schrieb 2x nach Münster u. 1x, als ich
von Deiner Mutter die Adresse bekam, nach dem Reg.
Nun bist Du wieder im Feld, hast wohl gar an den
letzten Kämpfen u. Siegen teilgenommen? Hoffent-
lich bist Du bewahrt geblieben! Mir geht es langsam
besser; ich muß aber noch Wochen oder gar Monate
in Behandlung bleiben; vielleicht werde ich aber we-
nistens garnison-dienstfähig. Habe noch vielen Dank
für Dein Bild; diese Karte stammt noch aus Laaspe.
Meinen Brüdern geht’s noch gut. Gott behüte Dich
Dein getr. Lbb [2] Herm. Werdermann
14.II: 15.
Die beiden Abkürzungen beziehen sich sehr wahrscheinlich auf eine Studentenverbindung:
[1] Lbhr = evtl. Leibherr
[2] Lbb = Leibbursche
Viele Grüße
Volkmar
Großvater schreibt:
Liebe Eltern! Zwar gibt es seit vorgestern, wo ich Mütterchen
zuletzt sah, noch nicht viel zu erzählen, aber einen kurzen Sonn-
tagsgruß möchte ich Euch doch schicken. Am Donnerstag bin ich
wieder geritten; es macht mir viel Freude u. geht schon ganz
gut. Gestern besuchte ich Walter M.; er war recht lebhaft; man
hatte ihm schon Hoffnung auf baldiges, kurzes Aufstehen gemacht.
Zu Sonntag habe ich mich bei Poskes angemeldet; Neukrantz
besuchen mich dann 8 Tage später. Väterchen danke ich viel-
mals für seine vielerlei Sendungen; an die Diskontobank
habe ich wegen der 20,00 geschrieben; ich habe keine Ahnung,
worum es sich handeln kann. Das Hauptstr. 30/31 muß zu mei-
ner Adresse hinzugefügt werden. Nun viel herzl Grüße
Euer treuer u. dankb. Sohn Hermann
6.III.15.
Wie man lesen kann, hat Großvater verschiedene Bekannte bzw. Verwandte besucht. Passend hierzu ein Abschnitt aus seinen Lebenserinnerungen (S. 159):
Im Lazarett hatten wir verhältnismäßig viel Freiheit. Dazu stellte Berlin für alle Verwundeten großzügig alle Verkehrsmittel unentgeltlich zur Verfügung. Man konnte mit der Elektrischen, U-Bahn, den Autobussen fahren, so oft und so weit man wollte. Da bin ich oft in den Museen gewesen. Abends hatten wir öfter Gelegenheit, ins Theater zu kommen. Eine unserer Hilfsschwestern, Mary Dietrich, war damals eine der bekannteren Schauspielrinnen des Deutschen Theaters. So sah ich durch sie dort den Wallenstein, den Faust in vorzüglichen Aufführungen (Das Kino spielte noch gar keine Rolle; ich war nicht ein einziges Mal dort).
Gut hatte ich es dadurch, daß wir so viele Verwandte und Bekannte in Berlin hatten; die konnte ich besuchen und hatte dadurch ein Gegengewicht gegen das mitunter etwas „kommissige“ Lazarettleben! Oft war ich gemütlich bei Markgrafs, bei denen fast immer einige der zehn Kinder anwesend waren. Walter wurde verwundet; Hanni und Reini fielen leider später. Häufig besuchte ich Sasses in der Derfflingerstraße 25. Gastfrei wurde ich aufgenommen, und es gab interessante militärische und politische Gespräche, da Onkel Paul im Reichsversicherungsamt und durch private Beziehungen mancherlei erfuhr, was nicht in die Öffentlichkeit kam. Mehrmals war ich auch bei Poskes in Dahlem eingeladen, bei Dittmers in der Großen Hamburgerstraße. Ich besuchte Steinerts, Neukranz‘, Friedchen Werdermann (später: Meister) u.a.
Am 24.03.1915 schickt Großvater diesen Geburtstagsgruß an seinen Vater:
Liebes Väterchen! Viel zu schreiben habe ich ja noch nicht
wieder, aber meine recht herzlichen Geburtstagsglückwünsche
möchte ich Dir doch senden. Möchte Gott Dir ein gesegnetes
Jahr u. uns allen einen ehrenvollen Frieden schenken!
In Richard u. Pauls Auftrag habe ich Dir Wursters [1] „Abendsegen“
bestellt, hoffentlich kommt das Buch zur Zeit an. Hat Hans denn
was von sich hören lassen? Ist Mütterchen glücklich zurück-
gekehrt?
Herzl. Grüßt u. küßt Dich Dein dankb. u. gehorsamer
Sohn Hermann
24.III.15.
Der nächste Abschnitt aus den Lebrenserinnerungen hat zwar keinen Bezug zu dieser Karte, ich finde ihn aber dennoch sehr interessant (S. 159):
Natürlich wurde eifrig Zeitung gelesen. Aber nachträglich ist mir erst bewußt geworden, wie wenig wir das Wesentliche durchschauten, wohl auch: durchschauen konnten. Eine Krisis entstand, weil unsere Salpeter-Vorräte zu Ende gingen; glücklicherweise wurde das synthetische Verfahren erfunden und in den Leuna-Werken großartig praktisch verwirklicht. Im Westen war alles erstarrt; im Osten rollte die gewaltige russische Masse gegen uns und Österreich heran; und die Österreicher versagten weitgehend. Desto mehr erfreuten wir uns der Erfolge von Mackensen und Hindenburg, der in mehreren Winterschlachten die Russen zurückwarf und Ostpreußen endgültig befreite. Auch zahlreiche einzelne Heldentaten in der Luft (Immelmann und Bölke) und auf dem Wasser begeisterten uns.
Da wir am Dienstag für 14 Tage verreisen, gibt es jetzt eine kleine Pause bei meinen Beiträgen.
Viele Grüße
Volkmar
[1] Paul von Wurster (1860-1923), Ev. Theologe, Stiftsrepetent, Pfarrer in Heilbronn, Direktor des Predigerseminars Friedberg usw
https://www.leo-bw.de/detail/-/Detail/details/DOKUMENT/ubt_portraits/30552/Wurster+Paul
Am Freitag, den 26.03.1915 schickt Großvater diese Karte an seine Mutter. Er schreibt:
Liebes Mütterchen! Zwar habe ich im allgemeinen ja nicht bes. viel
zu tun, aber in den letzten Tagen häufte es sich, so daß ich es tatsächlich
fertig gebracht habe, das Wäschepaket ganz zu vergessen. Am Diens-
tag gab es mit dem Vortrag allerlei Schwierigkeiten; dann hatte ich
zweimal Reiten, war gestern den ganzen Nachmittag bei Markgrafs.
Dazu die Übungen im Institut u. die Massage. Auch im Lazarett
hatte ich mancherlei zu arrangieren u. zu helfen. Unsere Körb-
chen haben wir bald fertig. Die Eier erregten große Freude. Ich
holte gestern die letzten; ausgepackt haben wir sie noch nicht. 20 ℔
Buchsbaum sind etwas reichlich viel; hast Du sie noch nicht abgeschickt,
dann genügt ein 10 ℔ Paket. Hans ist nun also in Posen; hoffentlich
haben sie es dort besser! Sonntag gehe ich
zu Poskes.
Herzl. Grüße an Euch alle
Euer Hermann
26.II.15.
In der Untergrundbahn
Als Großvater diese Karte schrieb, wusste er noch nicht, dass er die Eltern eine Woche später besuchen durfte. In den Lebenserinnerungen heißt es (Seite 159):
Da Kraatz nicht allzu fern war, bekam ich zweimal einige Tage Urlaub dorthin, so auch Karfreitag. Ich wollte mit dem Personenzug 5,40 Uhr ab Stettiner Bahnhof fahren. Da die Verkehrsmittel noch ruhten, wanderte ich quer durch die Hauptstadt zu Fuß, über 1 1/2 Stunden. Vorher war ich schon mal bei den Eltern gewesen und hatte 100 Eier geholt, die sie als Ostereier für unser Lazarett gemalt hatten. Als Dank war mir jetzt ein großer Blumenstrauß vom Lazarett mitgegeben. Das Ende meiner Wanderung war, daß ich, als ich auf den Bahnhof kam, gerade noch die Schlußlichter des eben ausfahrenden Zuges sah! Dafür war es zu Haus desto schöner. Hier hörte ich immer von den Geschwistern. Friedel war Fußartillerist, Dora pflegte als Hilfsschwester im Lazarett, Hans war zu einem Offizierskursus nach dem Warthelager kommandiert. Wir hatten uns auf der Durchreise auch kurz in Berlin gesehen.
Diese Postkarte schickte Paul Sasse am 04.04.1915 an Großvater während er bei den Eltern in Kraatz war. Er schreibt:
An
den Herrn Kriegsfreiwilligen
Herm. Werdermann
Kraatz
bei Gransee
(Nordbahn)
Berlin W 35 4/4 15
Derfflingerstraße 25 I
L.H. Vielen Dank für deine Osterkarte.
Auch wir wünschen Euch Allen ein ge-
segnetes Osterfest. Gott schütze unsere
Lieben draußen auch fernerhin und führe
alles zu einem guten Ende. Von
Friedel heute eine lange Karte. Er schreibt
sehr tapfer u. vertrauensvoll. An ihn von
Hans gestern geschrieben. Ich hoffe, daß Du
Dich dort etwas erholst; Du hast es richtig
nötig. Wir sehen Dich wohl bald nach d. Rück-
kehr hier alles beim Alten. Ich bin gespannt, ob
der Chefarzt noch belohnt wird. ein zu unberechen-
barer Heiliger! Viele Grüße v. Haus zu Haus. Dein Onkel
P. Sasse
Soviel für heute.
Viele Grüße
Volkmar
Er schreibt:
Abs. Werdermann z.Z. Schöneberg, Hauptstr. 30, Res. Lazarett 2
Liebe Eltern! Noch immer kann ich Euch aus dem La-
zarett einen Gruß senden, da vom Sanitärsamt noch
keine Antwort eingetroffen ist; eingegeben bin ich schon
vor über 8 Tagen; hoffentlich wird’s was. Vorläufig
übe ich eifrig weiter. Meinen kl. Aufsatz im „Reichs-
boten“ (Sonntag – Montag) habt ihr wohl gefunden.
Heute habe ich die Andacht nochmal übernommen,
gestern haben wir einen Vortrag über den U-
bootskrieg. Nachher treffe ich mich mit Theo.
Wie ist Mütterchen diesmal die Kur bekommen?
Herzliche Grüße an Euch alle. Euer tr. Sohn
Hermann
14.IV.15
Als Ergänzung wieder einiges aus dem Kriegstagebuch von Großvater (Seite 160):
Mich beschäftigte die Frage: Was in Zukunft aus mir werden sollte. Als ich 10 Wochen Lazarettzeit hinter mir hatte, fragte ich mal den Arzt: ob ich nicht bald entlassen werden könnte; ich könnte es so nicht mehr lange aushalten. Darauf antwortete er: Sie werden genau so lange behandelt und Geduld haben, wie es nötig ist. Und das sind nachher im Ganzen zehn Monate geworden. Es kam bald heraus, daß ich als Soldat nicht wieder verwendet werden könnte. Da plante ich, mich als Theologe noch einmal zur Verfügung zu stellen, als Heerespfarrer, wenn möglich im Felde. Daraufhin erhielt ich vom Lazarett die Erlaubnis, einen Reitkursus am Kurfürstendamm zu nehmen, der mir große Freude machte. Ich nahm auch die Fühlung mit der Feldprobstei, bes. Div. Pfarrer Wallis, auf und wanderte öfter zu Besprechungen zur Alten Garnisonskirche. Dabei war mir nützlich, daß ich wöchentlich bei uns die Lazarettandachten übernommen hatte.
Vorläufig wanderte ich noch täglich ins Immelmannsche Institut zu mediko-mechanischen Übungen. Chefarzt in unserem Lazarett war ein Geheimrat Landau, insofern ein Kuriosum, als er 1) ein Berliner Frauenarzt und 2) ein Jude war. Er wußte, daß ich Theologe war und sein Witz mir gegenüber war der, daß er mich jedesmal mit einem höheren Titel belegte: Herr Oberpfarrer, Herr Superintendent, Herr Konsistorialrat usw. Und die Kameraden ulkten mich schon und sagten: Paß mal auf, wenn die Titel zu Ende sind, dann wird er dich entlassen; denn dann ist sein Witz ja auch zu Ende! Als ich nun eines Morgens vom Üben zurückkomme, treffe ich ihn im Korridor, gefolgt von Schwestern, Sanitätsfeldwebel usw. Er kommt auf mich zu und ruft: Nun Herr Generalsuperintendet, was macht denn Ihre Schulter? Ich antwortete: Danke, Herr Geheimrat, es ist besser, aber leider noch nicht gut! Da faßt er meinen rechten Arm, hebt ihn hoch und sagt: Das geht ja ausgezeichnet. Ich mußte ihm jedoch sagen: Ja Herr Geheimrat: verwundet bin ich auch am linken! Im selben Augenblick wurde er gerufen: Eilig ans Telefon! Und – am nächsten Morgen wurde ich entlassen! Wahrscheinlich war ihm aufgetragen worden, 50 Plätze für einen neuen Transport freizumachen. Da ich noch nicht zum Truppenteil konnte, wurde ich dem Genesungsheim des Gardekorps in Biesenthal überwiesen.
Dieser Gruß an Großvater nach Biesenthal kommt von den Kameraden des Reserve-Lazaretts in Schöneberg. Geschrieben hat die Karte Schwester Doris. Sie schreibt:
An
den Kriegsfreiwilligen
H. Werdermann
Biesenthal Mark
Genesungsheim
4.VI.15.
Lieber Werdermann
In Erinnerung an
unsere gemütliche Korb-
flecht??? senden wir
Ihnen die herzlichsten
Grüße. Vielen Dank für
Ihren Brief, dessen Beant-
wort. nun bald vor sich
gehen soll. Schwester Doris.
F. Klockenhoff. Röhm
Albert Tix(?) Schönen Gruß A. Kopahl
Herzlichsten Gruß
von W. Reichert
Auch hierzu noch eine Ergänzung aus den Lebenserinnerungen (Seite 157):
Nett war im Lazarett die Kameradschaft. … Ganz besonders nett waren die Schwestern in unserem Lazarett. Einige stammten aus der Schweiz, so die tüchtige, nüchterne Oberschwester Luise Probst, die mit einer Roten Kreuz-Delegation gekommen war. Am beliebtesten war Schwester Doris (von Horn), die Tochter eines Obersten, Nichte von Mackensen. Sie hatte gerade unsere Gruppe zu betreuen, der es gelang, in sieben Betten auf der Bühne unterzukommen und dadurch der „Masse“ etwas zu entrinnen. Schw. Doris hatte immer alles in bester Ordnung, verstand es, sich um jeden einzelnen zu kümmern, gerade auch um die schwierigeren. Sie bemühte sich auch für das ganze Lazarett, die Langeweile durch allerlei Beschäftigung zu vertreiben durch gemeinsames Arbeiten, vor Weihnachten und Ostern, vor Kaisergeburtstag und sonst. Ich verdankte ihr auch sehr, daß ich mich bald einlebte und wohl fühlte. Einmal wurden wir auch von ihr zu ihren Eltern eingeladen.
Dieses ist die einzige Karte, die den Stempel des Reservelazaretts trägt. Ich lese dort:
"Königlich Preußisches Reservelazarett / Gesellschaftshaus des ??? / Berlin-Schöneberg".
Wer kann das fehlende Wort ergänzen?
Viele Grüße
Volkmar
Das Bild ist eine schöne Ergänzung zu der Karte und den Lebenserinnerungen. Dort heißt es ja zu Schwester Doris: "Sie hatte gerade unsere Gruppe zu betreuen, der es gelang, in sieben Betten auf der Bühne unterzukommen und dadurch der „Masse“ etwas zu entrinnen."
Auf dem Bild ist wahrscheinlich die Bühne zu sehen, auf der Großvater mit seiner Gruppe untergekommen ist. Ich fand schon das Foto vom Beitrag [#327] und die Anzahl der dort liegenden enorm groß. Auf dem Foto aus Laasphe habe ich in 58 Verwundete und 32 Schwestern gezählt.
Wie muss es aber erst in Schöneberg gewesen sein, wenn der große Festsaal im Gesellschaftshaus des Westens 1400 Personen fasste.
Viele Grüße
Volkmar
Foto: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Sch%C3%B6neberg_Gesellschaftshaus_des_Westens_1914.jpg
Eine Karte vom 01.06.1915 von Großvater an seine Eltern. Stempel: "BIESENTHAL / 2 / * (BHF.) *"
Liebe Eltern! Ihr habt mir alle beide in letzter Zeit so fleißig geschrieben, dazu mir
noch die Briefe der Brüder, das Heft u. Wäsche geschickt, u. ich habe lange nichts Ausführliches
von mir hören lassen. Habt herzl. Dank für alles! Ich wollte gestern einen längeren Brief
an Euch aufsetzen, vorher jedoch zu Zechlins zum Kaffee gehen. Dort blieb ich aber bis ½ 11h
spät(?) da plötzlich ihr 2. Sohn, der Leutnant auf der Hessen ist, für 3 Tage auf Urlaub kam.
Er erzählte vielerlei Interessantes. Und heute schreibe ich Euch nun – vom Stettiner Bahnhof.
Ich bekam gestern vom Feldprobst eine Aufforderung heute oder morgen zu einer Besprech-
ung zu ihm zu kommen. Da ich nun morgen zur Kreissynode in Biesenthal geladen bin,
habe ich mich gleich aufgemacht, bin von 10 – ½ 12 in der Feldprobstei gewesen, habe bei Mark-
grafs Mittag gegessen u. bis 4 h gesessen u. bin dann zu Sasses gefahren. Ich habe also
ziemlich bestimmte Aussicht, etwa zum 1. Juli als Garnisonspfarrer nach Allenstein zu
kommen. Der Feldprobst will die Sache von sich aus in die Hand nehmen. Natürlich
sind erst noch Klippen zu überwinden. Entlassung durch den Chefarzt; Ordination u.s.w.
Ich wäre ja sehr froh und dankbar, wenn tatsächlich etwas daraus würde. Dann
dürfte ich vorher auch wohl nochmal auf Urlaub nach Kraatz kommen. Darauf freue
ich mich schon, bes. da nun leider aus einer Zusammen-
kunft am 11. Od. 12. Kaum etwas werden kann. Ich wer-
de nämlich nicht schon wieder Urlaub erhalten, da ich heute
u. morgen schon beurlaubt bin. Es ist zu schade, da der
Plan von Mütterchen so nett war. Zum Geburtstag muß
ich um etwas Geld bitten, da ich ziemlich abgebrannt
bin. Hoffentlich geht es Hans u. Friedel noch gut. Auf die
Briefe bin ich schon gespannt. Ich habe in B. jetzt ziem-
lich gearbeitet, viel in der Sonne u. im See geba-
det. Herzl. Grüße an Euch alle. Euer tr. Sohn
Hermann
7.II.15. 8h ab.
Die Karte vom 12.06.1915 kommt von den Patienten und Schwestern vom Lazarett in Berlin-Schöneberg. Einige von ihnen haben den Geburtstagsgruß unterschrieben. Ich lese:
12.VI.15
Zu ihrem Ge-
burtstage senden die
herzlichsten Glückwünsche
K. Böhm Schw. Louise
Schw. Lucie
Schw. Anna ??? (Das ist Schw. Eva!!!)
F. Klockenhoff
P. Socke Bressern
Ottowitz Reichart
Herzl. Glückwunsch als
ehemaliger Kaffeetisch
genosse I. Kuckenb??
Noch ein paar Anmerkungen aus den Lebenserinnerungen (Seite 161):
Im Genesungsheim hatten wir einen netten Tagesraum, 2 Treppen hoch. Dort saß sonst kaum jemand. So sah ich ihn fast wie „mein“ Arbeitszimmer an. Ich war täglich mehrere Stunden da und fing an, wieder richtig wissenschaftlich zu arbeiten. … Dann Griff ich einen Plan aus Soest auf: möglichst noch den Dr. Phil. zu machen und zwar in Pädagogik. … Ich hatte nämlich aus Biesenthal an Prof. Leser in Erlangen geschrieben, der sehr feine Bücher über Pestalozzi veröffentlicht hatte. Er erklärte sich bereit, eine Dissertation über die Religionspädagogik August Hermann Franckes annehmen zu wollen. So begann ich langsam mit den Vorarbeiten dazu.
Viele Grüße
Volkmar
Diese Karte vom 12.07.1915 hat er in Wandlitz (Mark) aufgegeben. Er schreibt:
Abs. Werdermann 11/201, Biesenthal i.M., Genesungsheim
Liebe Eltern! Einen herzl. Gruß sende ich Euch von
einem Wagen-Ausflug, den unser ganzes Heim
hierher gemacht hat. Die Biesenthaler haben uns dazu
eingeladen. Das Wetter ist zwar etwas trübe u. naß,
aber das schadet weiter nichts. Ich fahre nun nach Berlin,
statt nach Stettin. Herzliche Grüße von Euerm treuen
Sohn Hermann
14. Juli 1915
Zusätzlich haben auf der Karte mehrere Personen unterschrieben. Es sind:
Herzlichen Gruß Elisabeth Zechlin
Viele Grüße Ruth Zechlin
Viele Grüße Gertraud Zechlin
Karl Roßbach
Ernst Bornemban(?)
Als Ergänzung wieder einiges aus den Lebenserinnerungen (Seite 161/162):
Im Genesungsheim hatten wir einen netten Tagesraum, 2 Treppen hoch. Dort saß sonst kaum jemand. So sah ich ihn fast wie „mein“ Arbeitszimmer an. Ich war täglich mehrere Stunden da und fing an, wieder richtig wissenschaftlich zu arbeiten. ... Dann Griff ich einen Plan aus Soest auf: möglichst noch den Dr. Phil. zu machen und zwar in Pädagogik. ... Ich hatte nämlich aus Biesenthal an Prof. Leser in Erlangen geschrieben, der sehr feine Bücher über Pestalozzi veröffentlicht hatte. Er erklärte sich bereit, eine Dissertation über die Religionspädagogik August Hermann Franckes annehmen zu wollen. So begann ich langsam mit den Vorarbeiten dazu.
Eine wesentliche Hilfe war mir die Bücherei des Biesenthaler Konsistorialrates Zechlin. Ich war gleich am ersten Sonntag in den Gottesdienst gegangen und hatte ihn predigen hören, ihn dann auch bald persönlich aufgesucht. Von ihm und seiner Familie wurde ich sehr freundlich aufgenommen. Ich wurde öfter zum Kaffee oder Abendbrot eingeladen. Es war eine rechte deutsche und erbgesunde Vollfamilie mit acht Kindern. Herr K.R. Zechlin war als Militäroberpfarrer in Wiesbaden, Danzig und Magdeburg gewesen. In den beiden letzten Garnisonen war er zusammen mit Mackensen und Hindenburg gewesen und wußte von diesen persönlich viel Unterhaltendes zu erzählen.
Am liebsten war es mir, daß ich bei K.R. Zechlin bald eine mir interessante Arbeit fand. Er war zwar schon fast drei Jahre in Biesenthal; aber seine Bücherkisten hatte er erst zum kleineren Teil ausgepackt. So übernahm ich das Auspacken, Aufstellen und Einordnen in einem besonders kleinen Bibliothekszimmer neben seinem Arbeitszimmer. ...
Bald trat er mit einer neuen Bitte an mich heran. Die 2. Pfarrstelle im Ort, wozu auch die Betreuung von Daneberg und Rüdnitz gehörte, war unbesetzt. Nun sollte ich aushelfen, bzw. diese Stelle verwalten! Dr. Hirsch gab die Erlaubnis. So sagte ich zu. Von da an predigte ich sonntäglich in diesen beiden Orten… Nach einiger Zeit wurde Konsistorialrat Zechlin krank und musste vier Wochen nach Wiesbaden zur Kur. Da verwaltete ich, als verwundeter Kriegsfreiwilliger, die beiden Pfarrstellen, auch mit den vorfallenden Trauungen und Beerdigungen.
Es war gut, dass Großvater die Arbeit bezahlt bekam. Der Sold von 10 Reichspfennig war sehr wenig.
Im August 1915 ist Großvater in Wünsdorf b/ Zossen. Am 14.08.1915 schreibt er diese Karte an seine Eltern, die er in Berlin aufgibt.
Liebe Eltern! Recht bunt u. ungemütlich sind hier unsere Tage; aber
das hilft nichts, wenn man es nach dem stillen u. gemütlichen Bie-
senthal auch stark empfindet. Vielleicht oder hoffentlich werde ich jedoch bald
aus dem jetzigen Zustand befreit. Gestern kam nämlich von der Feld-
probstei der telegraphische Wunsch, mich für eine Lazarettpfarrstelle frei-
zu lassen. Potsdamer Bahnhof. Nach endlosem Umherlun-
gern u. Erledigen von Formalitäten bin ich glücklich zum Ersatz-
Bataillon überwiesen worden, das nun weiterhin über mich
entscheidet. Hoffentlich gelingt ein Los-gelassen-werden u. zwar
noch bald! Wenn ich etwas Genaueres weiß, schreibe ich Euch.
Herzl. Sonntagsgruß Euer Hermann
Demnächst erfahrt ihr, wie es mit Großvater weitergeht.
Viele Grüße
Volkmar
Wie man an der Anschrift dieser Karte von Urgroßvater an Großvater sieht, ist mein Großvater inzwischen in Gnesen angekommen und hat dort eine Stelle als Lazarettpfarrer angetreten. Urgroßvater schreibt:
An Herrn Lazarettpfarrer Liz. Werdermann
Hochehrw.
Gnesen
Poststraße 2
Menz, den 19.10.15.
Mein lieber Junge! Gestern Abend 6 Uhr gingen Mutter und ich von Gransee
wo ich Konferenz hatte, nach hier. Am Sonntag waren wir in Germendorf
zur Feier des h. Abendmahls, abends in Gransee, wo ich predigte. Das Wetter
ist noch recht günstig. Morgen gedenken wir nach Fürstenberg zu gehen, um nach
Lychen zu fahren, am Donnerstag zurück. Wir erwarten Gottfried u. Dora.
Deinen Brief erhielten wir gestern. Mutter wundert sich, daß die 3 Pakete,
die sie an Euch abschickte, noch nicht ankamen.
Der Jahrestag Deiner Verwundung ist übermorgen. Vergiß nicht,
was Dein Gott Dir Gutes getan hat, der sichtlich über Dein Leben
gewaltet hat. Er hat es Dir zum 2. Mal gegeben. Lebe seiner Gnade
Drei Deiner Freunde sind gefallen. „Himmelan geht unsere Bahn.“
Bruder Laue(?) ist in Oenhausen, es geht ihm sehr schlecht.
wie ernst siehts noch immer draußen aus. Wir müssen durchhalten u.
singen. Hoffentlich kommen Friedel u. Hans bald auf den Damm, daß sie
hinaus können. Das Vaterland braucht jeden Mann. Herbert Hübner ist seit
6 Wochen Kompanieführer 3. Komp. Res. Inf. Reg. 231. 25 Res, Armeekorps
80 Res. Division. Wie groß muß der Offiziersmangel sein. Hzl. Grüße Dir u. Hans von
uns ???. Gott befehle euch d. Liebe ??? Vater
Ergänzend dazu die Eintragungen aus dem Lebenserinnerungen (Seite 163/164):
Da an meiner Schulter nicht mehr viel zu ändern und zu bessern war, wurde ich schließlich Mitte August aus Biesenthal entlassen. Zunächst ging es nach Berlin in eine „Truppensammelstelle“, in Charlottenburg, in die frühere Militärtechnische Akademie. Es war ein ungemütlicher Massenbetrien. … Recht froh war ich, als ich schon nach kurzer Zeit auf die Schreibstube gerufen wurde, wo ein Telegramm des Feldprobstes eingegangen war: Der Kriegsfreiwillige Werdermann ist sofort zu seinem Ersatzbataillon zu entlassen, da er als Heerespfarrer verwendet werden soll. Mein Ersatzbataillon 201 war inzwischen nach Wünsdorf bei Zossen verlegt. … Erfreulicherweise traf ich unter den Soldaten einige Bekannte von den „Maikäfern“ her und den Schwager eines Freundes von Herrn Tutzke. Mit ihm machte ich in den nächsten Tagen mehrere Spaziergänge in die Umgebung der schönen märkischen Heimat mit ihren Wäldern und Seen. Wir gingen auch zum benachbarten mohammedanischen Gefangenenlager, wo gerade eine prachtvolle Moschee fertig geworden war.
Nach einigen Tagen wurde ich entlassen. Nett war es, dass ich wieder Unterkunft bei Markgrafs fand. Dorthin kam Mutter und brachte mir Zivilsachen. Wie eigenartig war das Gefühl, die Uniform und die „Knobelbecher“ abzulegen und wieder „Mensch“ zu sein! … Wehmütig war es mir, dass seit Kriegsbeginn mehrere Freunde und Bekannte gefallen waren. …
Verwundet wurden Pauli Markgraf und Walter Markgraf, Paul Gerhard Hecker. Sein Bruder, Waldy, fiel als Fähnrich schon im Herbst 1914 in Lothringen. Friedel war noch unversehrt bei seinem Fußartillerie-Regiment; Hans gagegen hatte bei dem Durchbruch in Galizien eine leichte Verwundung erhalten und war nun in Berlin im Lazarett.
Auf der Feldprobstei wurde mir mitgeteilt, dass ich zum Lazarettpfarrer in Gnesen ausersehen sei. Vorher müsste ich jedoch noch ordiniert werden und zwar in Magdeburg, wo ich meine 2. Prüfung gemacht hätte. Die Eltern begleiteten mich dorthin. Es freute mich, dass sie und Dora, die als Schwester dort arbeitete, bei der Ordination zugegen sein konnten, die der sehr freundlich gesonnene Generalsuperintendent D. Jakobi im Magdeburger Dom vornahm.
Viele Grüße
Volkmar
Auf der Postkarte vom 06.01.1916 an seine Eltern schreibt er:
Absender: Militärpfarrer Lic. Werdermann, Gnesen, Poststr. 2
Liebe Eltern! Ich dachte, nach der Fest- u. Neujahrsarbeit würde ich Euch mal
wieder in Ruhe schreiben können: aber nun ist gestern gleich wieder ein Trans-
port Schwer-Kranker gekommen; daß es sofort neue Arbeit gibt. Dazu hatte
ich gestern die 2. Allianz-Gebetstunde übernommen, morgen Abend gibt es
ein Konzert fürs Soldatenheim, wo ich als „Freund u. Gönner“ hin muß, u. so
geht es fort. Aber es macht alles große Freude u. es ist ja so schön, endlich mal
soviel Männer als Zuhörer zu haben. Man wird sie nicht alle ändern u. sie
werden nicht alle umlernen, aber etwas bleibt überall hängen. Kannst Du
mir nicht 3 oder 4 Abreißkalender mit Andachten schenken, wie wir sie
früher hatten; ja einen möchte ich gern für die schwer Nerven-, Lungen- und
Typhuskranken haben; ich kann mich nicht entsinnen, von welchem Ver-
lag sie waren. Nun ist Friedel also wieder draußen; die armen Truppen
bei dem abscheulichen Wetter! Hoffentlich hast Du, l. Väterchen, die Arbeit
gut überstanden. Ich bekam für meine Lazarette ein paar sehr schöne,
inhaltreiche Weihnachtspakete von Mertens, Willings,
Markgrafs (Bambergerstr. !). Sonst geht’s mir gut.
Heute mußte ich zum Zahnarzt, da ich mir einen Zahn
ausgebissen hatte. Hans arbeitet eifrig an seinem
Thema. Hattet Ihr über Dora gute Nachrichten?
Herzliche Grüße an Euch alle. Euer treuer und
dankbarer Sohn Hermann
5.I.16.
Auch die Karte vom 25.01.1916 geht an seine Eltern. Großvater schreibt:
Geschrieben den 25. Januar 1916
Liebe Eltern!
Ich habe wohl sehr lange nicht an Euch geschrieben; es gab aber einer-
seits viel zu tun (z.B. in den letzten 8 Tagen 3 Begräbnisse), andererseits größen
Ärger (durch Kleinlichkeit eines hiesigen „Amtsbruders“). Zu Kaisers Geburtstag habe
ich den Feldgottesdienst u. Nachmittags eine gemeinsame Feier für 2 Lazarette.
Wir haben jetzt viele Schwerkranke, bes. in der Neuen kath. Schule. Ist das Paket
für dort jetzt abgegangen? Es kann dort sehr gut gebraucht werden. Kann
ich meinen Wollärmel bald zurückbekommen? Macht mir doch bitte gele-
gentlich noch einen dritten. Mein Arm merkt die fortwährende Veränderung
des Wetters auch sehr. Stärkt mir bitte die Chemisetthemden [1] vorn u. am Kra-
gen auch nur ganz schwach. Neulich war Pfarrer Salzsieder, mein Vorgän-
ger hier. Eins meiner Lazarette hat Scharlach-, eines Typhussperre; da gehe ich
extra oft hin, da sonst keiner rein darf. Herzlich grüßt u. küßt Euch Euer
tr. u. dankb. Sohn Hermann
[1] Chemisette (auch Chemisett) ist ein aus dem Französischen übernommenes Fremdwort. Es bezeichnet ein Hemdchen oder kleines Hemd. In der Männermode bezeichnet es die gestärkte Hemdbrust an Frack- und Smokinghemden.
Noch ein Ausschnitt aus den Lebenserinnerungen (Seite 166):
Zu den Amtspflichten gehörte zunächst alle vierzehn Tage eine Predigt im Militärgottesdienst, der durchschnittlich von 300 400 Personen, Soldaten, Offiziersfamilien und Leuten aus der Stadt besucht war. Anfangs machte es mir Schwierigkeiten, auf welchen Teil der Gemeinde man sich einstellen sollte. Denn sonst war die Gefahr, sprach man zu hoch, schliefen die Soldaten; griff man zu tief, so langweilte man womöglich die Gebildeten! Da hat mir Frau Oberstleutnant Mannkopff einen großen Dienst erwiesen, daß sie mir auf meine Frage antwortete: "Wissen Sie, Herr Pfarrer, in religiösen Dingen stehen die Offiziere auch auf dem Mannschaftsstandpunkt. Sprechen Sie stets nur so einfach und klar wie möglich!"
Meine Haupttätigkeit spielte sich in den Lazaretten ab, deren es elf in Gnesen und zwei in der Umgebung gab. Darunter war das Garnison-Lazarett und daneben Reserve-Lazarette in Schulen, Sälen usw. Mein Anliegen war, wöchentlich in jedem Lazarett eine Andacht zu halten, aber daneben auch wöchentlich einen Unterhaltungsabend, und sei es in der einfachsten Form. Vor allem aber legte ich Wert auf persönliche Besuche, besonders wenn ein neuer Verwundetentransport ankam. Dabei kam mir sehr zustatten, daß ich auch als Soldat in Felde war und selbst lange als Verwundeter im Lazarett gelegen hatte. Einmal sprach ich mit einer Gruppe Neu-Angekommener im November im Lazarett. Da hörte ich einen Soldaten hinter mir sagen: Wenn ich so warm zu Hause säße, ließe ich mir auch gern von draußen erzählen! Ich wendete mich um und fragte: Wer hat hier eben die dumme Bemerkung gemacht? Allgemeines Schweigen. Da donnerte ich dazwischen : Jetzt verlange ich aber, daß der, der das gesagt hat, sich augenblicklich meldet! So feige ist kein deutscher Soldat, daß er nicht zu seinen Worten steht. Da meldete sich einer. Ich fragte ihn: Wo sind Sie verwundet? Da stotterte er etwas: Ruhrartige Darmbeschwerden! Da sagte ich: Aha, Kameraden, Ihr kennt ja die Brüder, die im Spätherbst plötzlich derartige Beschwerden zu bekommen pflegen! Und ihm sagte ich: "Wenn Sie, wie ich, an der Front verwundet waren und zehn Monate im Lazarett gelegen haben, dann dürfen Sie Ihren Mund wieder auftun! Ich habe nie wieder in diesem Lazarett Schwierigkeiten gehabt!
Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Volkmar
Gen. Kommando
22 Res. Korps
IIa 22014
9.3.1916
Abschrift
Auf Grund der unter dem 7. d. Mts. IIa 7129 einge-
reichten Vorschlagsliste, verleihe ich hierdurch im Namen Seiner
Majestät das Eiserne Kreuz II. Klasse:
dem Füsilier Hermann Werdermann 11/201
die Auszeichnung folgt anbei.
gez. Von Falkenhaÿn.
Ich spreche dem Beliehenen meinen Glück-
wunsch aus.
Westhofen
Leutnant u. Komp.-Führer
Im Moment komme ich aber gerade nicht an die Schachtel, in der es verwahrt wird. Daher kann ich es im Moment nicht zeigen.
Am 27.04.1916 schreibt Großvater diesen Brief, den er einen Tag später beim Postamt 2 in Gnesen aufgibt:
Großvater schreibt an seine Eltern:
Gnesen, Poststr. 2, den 27.IV.1916.
Liebe Eltern! Gern hätte ich Euch gestern als an Hildegards
Geburtstag einen Gruß geschickt; ich kam aber nicht mehr dazu, da ich
da ich noch zwei Osterfeiern hatte. Die kirchlichen habe ich natürlich in allen
Lazaretten an den beiden Festtagen abgehalten; aber soweit es sich
machen ließ, habe ich den Nicht-Beurlaubten auch noch einige Ostereier
u. Zigarren, z.T. auch Kaffee u. Kuchen zu verschaffen gesucht. Nun
ist endlich alles vorüber u. ich kann mich wieder etwas mehr an
meine pädagogischen Studien setzen, die ich in den letzten Wochen arg
vernachlässigt habe. Übrigens gehe ich nun vielleicht doch noch nach Bonn;
es ist wieder alles geändert worden. Wenn der Feldprobst es ge-
nehmigt, siedle ich dorthin über. Mir soll alles recht sein; tüchtig Arbeit
u. befriedigende Arbeit habe ich hier u. werde ich dort finden. Die
Entscheidung steht ja in einer noch höheren u. allweisen u. gnädigen
Hand! Heute hat mir Frau Rittmeister Wätjen als „Osterei“
100 Mark zur Verwendung u. Verteilung geschenkt; da habe ich
nun auch bares Geld zur Verfügung. Vorgestern Nachmittag hatte
ich Kinder-Gesellschaft mit Kaffee-Trinken, Eier suchen u. Ruderpartie.
Das war sehr nett. Wie geht es denn dem l. Väterchen? Hoffent-
lich erholt er sich bald soweit, daß er in Potsdam Nachtour machen
kann! An Mütterchen soll ich von Frau Tillgner noch vielen Dank
für den Speck u. vom Lazarett für die Eier bestellen, die alle
heil schon am Sonnabend anlangten. Hat Euch der Ditt aus Gran-
see meine Grüße überbracht? Herzliche Grüße an Euch u. alle l.
Hausbewohner Euer tr. u. dankb. Sohn Hermann
Als Ergänzung wieder etwas aus den Lebenserinnerungen (Seite 166 ff):
Bei den Unterhaltungsabenden hielt ich zunächst immer irgend einen Vortrag. Sehr oft gab ich eine Wochenübersicht über die militärischen und politischen Ereignisse, wofür ich mich sorgfältig vorbereitete durch Lesen mehrerer Zeitungen, Zeitschriften und Broschüren. Dann mußte immer Musik dabei sein. Oft half mir die Garnisonkapelle mit ihrer ganzen Besetzung oder einigen Mann. In unserem Haus wohnte ferner eine junge Lehrersfrau, deren Mann im Feld stand. Sie sang recht gut und begleitete sich selbst. Schließlich hatte ich den Eindruck, daß die Verwundeten, zumeist Familienväter, besondere Freude an Kindern hatten. So erbat ich die Mitarbeit der deutschen Schule, durch Chöre und Deklamationen. Einzelne Familien haben durch ihre Kinder sehr fein mitgeholfen, so Familie Thomas, wo die zweite Tochter ganz besonders eindrucksvoll Gedichte, moderne Kriegsgedichte aufsagen konnte. Und die kleine Helga Wätjen sagte in vielen Lazaretten in zwei Jahren die Weihnachtsgeschichte so unschuldsvoll kindlich auf, daß vielen Männern die Tränen in den Augen standen.
Chefarzt der Lazarette war bei meiner Ankunft ein Pole, Dr. Musiol, unter dem ein ziemlich lässiger Betrieb herrschte. Nach einem halben Jahr wurde er durch den Oberstabsarzt Dr. Gralow ersetzt, einen ausgezeichneten Verwaltungsbeamten, der nun seinerseits erst mal in das andere Extrem verfiel und mit den Friedensparagraphen der Vorkriegszeit für Garnisonlazarette zu regieren versuchte, was auch nicht paßte, da jetzt so viel ältere Soldaten, so viel Familienväter und Leichtverwundete die Reservelazaretten bevölkerten. Aus eigner Erfahrung wußte ich, wie sehr diese es liebten, wenn sie nicht allzu "kasernenmäßig" behandelt wurden. So suchte ich in diesem Sinn zu wirken, kam damit also öfter mit den Paragraphen und dem Oberstabsarzt in Kollision. Als zwei Zimmer bei Frau Tilgner frei wurden, zog er zu uns, und öfter hatten wir gewisse Auseinandersetzungen. Eines Abends sagte mir Frau T.: Herr Oberstabsarzt wollte Sie sprechen. Am nächsten Morgen sagte sie: Er hat noch mal nach Ihnen gefragt. Ich überlegte, was ich "verbrochen" haben konnte, war mir aber keiner Sache bewußt! Am Nachmittag trafen wir uns dann, und ich war gespannt, was vorlag. Zu meiner Überraschung fing Dr. G. eine ganz allgemeine Unterhaltung an. Und zum Schluß sagte er: Soviel ich weiß, sind Sie ja auch im Unterricht erfahren. Sehen Sie, meine Tochter besucht in Bromberg das Oberlyzeum. Da haben sie einen so schwierigen Aufsatz; sie hat mir das Thema geschickt. Aber ich kann auch nichts mit anfangen! Könnten Sie da nicht etwas helfen und vielleicht eine Disposition machen und in Stichworten etwas Stoff andeuten? Nichts war mir angenehmer als diese private Bitte! Denn das kam meiner Lazarett-Tätigkeit und den Verwundeten zugute! Ziemlich viel später, als ich ins Garnisonlazarett kam, hieß es: Herr Oberstabsarzt möchte Sie sprechen! Ich hatte immer ein etwas böses Gewissen, da ich mancherlei im Namen des Geistes gegen den Buchstaben sündigte! Schließlich trafen wir uns auf einem Korridor. Er nahm mich beiseite und flüsterte mir mit freundlichstem Gesicht zu : "Wir haben "Gut'"!!, nämlich im Aufsatz! Von da an hatte ich es noch angenehmer!
Viele Grüße
Volkmar
Eine Ansichtskarte aus Vilnius (deutsch Wilna), der Hauptstadt Litauens. Aufgegeben wurde die Karte am 14.07.1916 bei der Bahnpost auf der Strecke Eisenach - Frankfurt (Main). Der Briefstempel ist von der "Bauabteilung der Etappen-Telegraphen-Direktion 19 / * 10. Armee *". Wo sich diese Abteilung befand, kann ich nicht sagen. Die Karte geht an:
Fräulein
Ilse Hentschel
Burghauen (richtig wäre Burghaun)
Kr. Kassel
Oberförsterei
Oben (Bleistift):
Westend
Nach Charlottenburg
b. Frau Quinckardt
Ebereschenallee 30
Rehberg I
13/7
Blau:
13/7 Charlottenburg
Damit ist klar, dass meine Großmutter gerade bei ihrer Großmutter in Charlottenburg zu Besuch war.
Absender ist "Offz. Stellv. Ludwig 1. Fü. St./2" Es handelt sich dabei um Ludwig Hentschel, den Cousin meiner Großmutter. Er schreibt:
Liebe Ilse! Hoffentlich bist Du noch
nicht in Stralsund, sodaß Dich
die Karte noch erreicht, die Dir
unsere gemeinschaftlichen Grüße
vom Zusammensein mit Onkel
Oswald bringen. Dein Vetter Ludwig
??? herzl. Gruß
Onkel Oswald
Wer Onkel Oswald ist kann ich nicht sicher sagen. Einen direkten Onkel dieses Namens hatte Großmutter nicht.
Der Absender war Curt Quinckardt, ein Onkel von Großmutter mütterlicherseits:
Ldtn Curt Quinckardt
81 Arm. Batl. 4 Komp. Musikz(?)
XVII Armeekorps 35 Inf. Div.
Aufgabestempel: K.D. Feldpostexped. D. 35 Infanterie-Div. vom 18.07.1916
Briefstempel: Armierungs-Bataillon Nr. 81 / 4. Komp.
Armierungs-Bataillone waren im Ersten Weltkrieg pionierähnliche Truppenteile des deutschen Heeres. Sie dienten in erster Linie zum Bau von Verteidigungsanlagen und Stellungen, aber auch von Straßen und Grenzbefestigungen.
Auch diese Karte wurde nachgeschickt.
Fräulein
Ilse Hentschel
Oberförsterei Burghaun
bei Hersfeld (Hessen)
Blaue Tinte:
21/7 Charlottenburg Westend
Ebereschenallee 30
bei Frau Quinckardt
Mit Kopierstift durchgestrichen. Die neue Adresse stand wahrscheinlich auf einem Zettel der auf die Karte geklebt wurde (Reste unten links)
Der Onkel schreibt:
Liebe Ilse
Leider etwas verspätet sende ich Dir
meine herzlichsten Glückwünsche zum Geburts-
tage. Wir waren seit 3 Tagen nämlich ge-
rade auf einem Transport und befinden
uns jetzt in Nordfrankreich, während ich
vorher in der Gegend um St. M. lag
Viele herzliche Grüße Dein Onkel Curt
Curt Quinckardt ist am 31.05.1918 bei Tilleloy (Frankreich) gefallen.
Viele Grüße
Volkmar
Absender:
Garnisonspfarrer Werdermann, Gnesen, Poststr. 2
Liebe Eltern! Eben geht mein Bursch zur Post; ich hatte viel amtliche
Schreibereien. Da sollt Ihr wenigstens noch einen kurzen Gruß haben.
Von mir heißt es immer in gleicher Weise: es geht mir gut; ich fühle mich
wohl; viel Arbeit, aber auch fast ebensoviel Freude. Heute ist wieder ein
Transport von 200 Schwerverwundeten gekommen; Sonntag habe ich
eine Abschiedsfeier u. eine Beerdigung. Neulich habe ich im Reichsboten
auch mal wieder einen Artikel verbracht (vorige Sonntagsnummer)
Habt herzl. Dank für den heutigen langen Brief. Die Potsdamer
Geschichte ist wirklich haarsträubend! ??? tun mir auch am meisten
Leid. Bonn und Halle verhandeln augenblicklich mal wieder mit
mir, ob ich nicht zum 1.XI. hinkommen kann; na, abwarten. Mir
ist alles recht! Vorgestern hielt ??? hier einen sehr interessan-
ten Vortrag. Die neue kathol. Schule hat sich wieder sehr über Eure
Sendung gefreut; sie kam heute gerade mit dem neuen Transport
zusammmen, also tadellos paß-
recht. Ich freue mich sehr, daß
es den Rumänen so schlecht
geht! Nun dienen sie vielleicht
noch dazu, daß das Ende eher
herbeikommt. Herzliche Grüße
Euch allen; bes. auch Richard.
Euer tr. u. dankb. Söhne
Hermann u. Hans
23.IX.
Wie man am Text sieht war der Bruder Johannes (Hans) bei Großvater zu Besuch. Auch hier wieder eine Ergänzung aus den Lebenserinnerungen (Seite 168):
Schon bald wurde in Gnesen bei mir angefragt, ob ich nicht in der privaten Höheren Töchterschule der Frau Reißmann etwas Unterricht übernehmen wollte. Ich sagte gern zu und bekam Stunden in Religion, Deutsch, Geschichte und Erdkunde. An sich war es eine „deutsche“ Schule; aber neben einem Dutzend "Deutscher", d.h. dort zugleich: evangelischer Mädchen waren ein Dutzend Polinnen und ein Dutzend Jüdinnen in den Klassen! In Religion wurde natürlich aufgeteilt, wo dann der sehr nette deutsch-katholische Pfarrer und der Oberrabbiner erschienen! Schwierig war es in Deutsch, wo die Polinnen keine Rechtschreibung und die Jüdinnen keine Grammatik konnten! Ein heiteres Erlebnis ist mir noch in Erinnerung geblieben; bes. da es mir 1932 bei einer Eisenbahnfahrt wieder in Erinnerung gerufen wurde. Da fuhr ich von Magdeburg nach Braunschweig. Im D-Zug saß mir eine nett aussehende blonde Frau gegenüber. Sie schaute mich mehrmals etwas prüfend an und fragte schließlich: Sind Sie nicht Herr Dr. Werdermann? Und als ich bejahte, sagte sie: Dann habe ich 1917 bei Ihnen in Gnesen Unterricht gehabt. Und viele Erinnerungen wurden hervorgeholt. Am meisten hatte sich ihr eine Rückgabestunde eines Aufsatzes eingeprägt. Ich wollte gerade zur Schule gehen, da kam eine Familie, um wegen der Beerdigung ihres im Lazarett verstorbenen Sohnes mit mir zu sprechen. Ich rief also meinen damaligen "Burschen", der unter denen, die ich in jenen Jahren hatte, der originellste war („Wil-halm" sprach er selbst seinen Namen aus!) Ich trug ihm auf, den Packen Aufsätze mit in die Schule zu nehmen, in die erste Klasse unten rechts zu gehen und zu sagen: Die Mädchen möchten noch ein wenig warten; ich käme bald. Dabei sollte er bis zu meiner Ankunft warten, damit sie sich die Aufsatzhefte noch nicht nähmen! Als ich dann, acht Minuten später, kam, hörte ich schon in der Nähe der Schule einen großen Lärm, der aus meinem Klassenzimmer kam. Als ich eintrat, bot sich mir ein scherzhafter Anblick: Mein "Wilhalm" auf dem Katheder mit puterrotem Kopf die linke Hand auf dem Aufsatzberg, in der rechten den Rohrstock, mit dem er gegen das anstürmende Gros der Mädchen losschlug, die versuchten, ihm die Hefte zu entreißen!! Erleichtert atmete er auf, als ich nun kam. Als er abzog, brummte er : "Mit das Pack ist nichts anzufangen"! Mit den Russen war er fertig geworden, mit diesen wilden Mädeln nicht!
Viele Grüße
Volkmar
Absender (Kopfüber):
Abs. San. Gefr. Wilms
Haidar Pascha
bei Konstantinopel
durch Mar. Post B. Berlin C2
Konstantinopel d. 7.12.16
Lieber Herr Pfarrer!
In Konstantinopel gut ange-
kommen u. endlich Beschäftigung bekommen. Als Sanitäter auf
dem Badezug Haidar Pascha.
Sonst hier sehr schön u. auch alles
zu bekommen, bloß keine Zigarren
die langen von Herrn Pfarrer
vermiß ich besonders. Sonst gesund
u. munter. Mit vielen Grüßen
verbleibt Ihr H. Wilms. Einen
schönen Gruß Frau Ritmstr. Wedjen [1]
Oben drüber:
Grüß Herrn Obst??? Grahl?
[1] Frau Ritmstr. Wedjen = Frau Rittmeister Wätjen [#343]
Bevor ich mit meiner Sammlung "Familiengeschichte und Philatelie" begann, hatte ich diese Karte in meiner Sammlung "Alles über die Briefmarke -eine Lehrsammlung". Diese Sammlung hatte ich für unsere Briefmarken-Jugendgruppe zusammengestellt. Damals las ich in der DBZ einen Artikel von Werner Ahrens über die Feldpost aus Konstantinopel. Er beantwortete einige Fragen, die ich zu den beiden Karten hatte.
Zum Beispiel konnte ich mit dem Begriff "Badezug Haidar Pascha" anfangen. Dazu schrieb Herr Ahrens: Der "Badezug Haidar Pascha" war ein Bahndesinfektionswagen, als Entlausungsanstalt (im Soldatenjargon damals Lausoleum) für die aus Mesopotamien und Syrien Palästina zurückkommenden Soldaten. Diese kamen mit der Bagdadbahn bis Konia, dann mit der kleinasiatischen Bahn bis Ismid, von wo der Badezug sie nach Haidar Pascha, dem kleinasiatischen Stadtteil von Konstantinopel brachte, dem Anfangspunkt der Bahnlinie.
Ich hatte Glück, dass Herr Ahrens meinen Brief sofort beantwortet hat (08.01.1983), denn zwei Tage später ist er verstorben. Hier die Todesanzeige aus dem Heft der ArGe Deutsche Kolonien 77/78:
Außerdem wunderte ich mich über den Satz "In Konstantinopel gut angekommen u. endlich Beschäftigung bekommen". Es klingt so, als ob sich Herr Wilms um eine Arbeitsstelle bemühen musste. Hierzu schrieb Herr Ahrens: Ich vermute, daß der Absender der Karten, als von der Militärmission Krankenpfleger angefordert wurden, sich freiwillig meldete, bei Ankunft dieser aber nicht sofort festgelegt wurde, wer zu welcher Sanitätsformation abgeordnet werden sollte. Absender Sanitätsgefreiter, also ein bereits beförderter Soldat und kein Zivilist. In Konstantinopel lebende Damen der deutschen Gesellschaft wurden teils auch in den Lazaretten eingesetzt.
Die Karte trägt zwei Stempel. Dazu schreibt Herr Ahrens:
Der Stempel MIL.MISS. KONSTANTINOPEL xx ist belegt vom 7.2.1916 bis 23.9.1918.
Der Stempel des Etappensanitätsdepot Konstantinopel ist vom 8.5.16 bis 18.7.17 mit 9 Stück bekannt, ferner von diesem ein Rahmenstempel vom 23.2.16 bis 6.8.18, 8 Stück bekannt.
Soviel für heute. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende
Volkmar
Stempel: Erlangen, 13.12.1916
Absender:
Garnisonspfarrer Lic. Werdermann Gnesen, z.Z. Erlangen
13.XII.16.
Liebe Eltern! Einen herzl. Gruß aus Erlangen. Ich freute mich sehr, in Berlin
Mütterchen wenigstens noch telephonisch zu sprechen. Die Reise war z.Z. sehr hübsch,
an Halle, Naumburg, Jena vorüber, dann über den Thüringerwald. Ich wohne hier
im Bahnhofshotel sehr gut; mit der Verpflegung habe ich keine Schwierigkeit, aß
eben ein Schnitzel -,60 M. Als ich gestern Abend meinen Professor noch aufsuchen
wollte, hatte er gerade Nachtübung (ist als Landsturmmann eingezogen). Zu Mittag
aß ich auf dem Wingolfhaus, wo ich etwas Anschluß fand. Dann machte ich heute
bei Professor Leser, ferner beim Dekan u.s.w. Besuch. Dazwischen – muß ich noch
tüchtig arbeiten u. repetieren. Freitag Abend um 9h werde ich wohl fertig
sein. Am Montag gedenke ich in Berlin zu sein, fahre Dienstag früh weiter;
es wäre ja sehr nett, wenn jemand von Euch bei Markgrafs wäre. Diese
Wartezeit hier vor der Prüfung ist nicht sehr angenehm; ich mache sie mir aber
so gemütlich wie möglich. Was sagt Ihr denn zu dem Friedensangebot? [1]
Von Gnesen habe ich noch ein Paket geschickt. Das Album ist für all Eure
Kriegskarten. Die Fähnchen könnt Ihr vielleicht irgendwie verwenden. Ich
schickte auch ein Spiel an meinen
Patenjungen nach Celle. Ob Friedel
etwas wegen des Urlaubs schrieb? Es
wäre sehr nett, wenn er mich auch
in Gnesen besuchte. Zu Weihnachten wer-
de ich tüchtig zu tun haben. Aber die
Extraarbeit u. das Pauken fällt ja weg.
Herzliche Grüße an Euch u. alle Be-
kannten. Euer tr. u. dankb. Sohn
Hermann
Absender:
Abs. Garnisonspfarrer Lic. Dr. Werdermann, Gnesen z.Z. Erlangen
Vorne Kommentar von Großmutter:
Hier war mir interessant: Königreich Bayern (eine gewöhnliche Karte ohne Marke)
Ob die Karte irgendwo eingelegt wurde od. ungestempelt nach Kraatz kam, ist nicht ersichtlich. Doch liegt kein anderer Brief bei.
Liebe Eltern! Einen herzl. Gruß mit der Nachricht,
daß ich das Dr.-Examen glücklich hinter mir habe. Nun
habe ich wirklich genug davon; es ist jetzt schon die 4. (oder gar
5.) Prüfung! Nun geht’s auf einen Tag nach Halle, wo
ich gern mit Lütgert u. Frier sprechen möchte.
Herzl. Grüße Euer dankb. u. tr. Sohn
Hermann
16.XII.16
Dieses ist die erste Karte mit dem Absender Lic. Dr. Werdermann
Auch hierzu wieder die Informationen aus Großvaters Lebenserinnerungen (Seite 175/176):
So umfangreich die praktische Arbeit in Gnesen war, so hatte ich mir doch vorgenommen nach der Unterbrechung durch die Soldatenzeit , auch wieder zielbewußt zu arbeiten, und zwar hatte ich mir den Dr. phil. als Ziel vorgenommen. Schriftlich stand ich in ständigem brieflichen Austausch über mein Thema: Die Religionspädagogik A.H. Franckes. Ich las die Werke Franckes, die ausführliche Biographie über ihn von Kramer. Besondere Freude hatte ich an den Geschichten der Pädagogik von Theobald Ziegler und Friedrich Paulsen, bei letzter auch an dem glänzenden Stil. Viele Bücher schaffte ich mir selbst an. In Gnesen war eine gute Buchhandlung von Papst, die ein reichliches Lager hatte und gern alles Gewünschte besorgte. Oft fuhr ich nach Posen, wo eine große Öffentliche Bücherei war. Bei dieser Gelegenheit besuchte ich Fräulein Schober, die ehemalige Hausdame vom Tholuckkonvikt, die dort im Ruhestand lebte. Ich machte viel Exzerpte und Entwürfe, und allmählich kristallisierte sich mir ein Bild des Erziehers Francke und der ganzen pietistischen und aufklärerischen Pädagogik heraus, wobei ich überrascht war, wie ähnlich sich in vielem diese beiden Bewegungen waren: feindliche Brüder desselben Jahrhunderts! Daneben las und paukte ich für die mündliche Prüfung; neben Pädagogik hatte ich Philosophie und Geschichte gewählt. Mit großer Begeisterung las ich H.St. Chamberlains Buch über Immanuel Kant, durch das mir nach vielen philosophischen Studien, Kollegs und Büchern - in vielem erstmalig ein Verständnis der Philosophie und unseres größten deutschen Denkers aufging.
In Geschichte hatte ich mir das Mittelalter vorgenommen. Mit wirklichem Genuß las und arbeitete ich Hampes Kaisergeschichte der Sachsen, Franken und Staufen. Als ich noch mitten drin war, schrieb mir Prof. Leser, daß er zum Militär eingezogen sei, allerdings nur garnisondienstfähig! Da beeilte ich mich mit dem Abschluß meiner Dissertation, schrieb sie eigenhändig (150 Seiten) aus Stenographie in Kursivschrift um und schickte sie an die Erlanger Philosophische Fakultät. Zu meiner Freude erhielt ich bald die Nachricht, daß sie zur Promotion angenommen wäre. Das war mir doppelt wertvoll, als Prof. Leser mir plötzlich telegraphierte: K.v. geschrieben! Wenn er hin-auskam oder gar fiel, war alles in Frage gestellt. So entschloß ich mich schnell zum Handeln und fuhr am 2.XII. 1911 1916 einfach nach Erlangen los. Unterwegs machte ich kurz in Halle bei Zachariaes Station, fuhr dann an den gewaltigen neu errichteten Leuna-Werken vorbei und langte am 5. Dezember in Erlangen an. Am Bahnhof las ich dort eine Sondermeldung, daß Bukarest von den Deutschen erobert sei und daß der Kaiser ein neues Friedensangebot machte. Eine leise Hoffnung, daß bald Friede würde, was aber mit Kälte,
Hohn und scheinheiligen Phrasen von den Feinden zurückgewiesen wurde. Ich war in Erlangen gar nicht angemeldet, ein Examenstermin war für mich noch nicht festgesetzt worden. Auf meine Bitte hin wurde er nach drei Tagen anberaumt. Da machte ich meine Antrittsbesuche bei Prof. Stählin, dem Ordinarius für Pädagogik (und klassische Philologie), Prof. Beckmann, dem Historiker, Prof Falkenberg, dem Philosophen, und Prof. Leser.
Humorvoll verlief der Besuch bei dem alten Geheimrat Falkenberg. Er fragte mich: Womit ich mich hauptsächlich beschäftigt hätte? "Kant"! Er: "Wie sind Sie denn darauf gekommen?" Ich: "Nun, er ist doch nun einmal der Höhepunkt der Entwicklung; außerdem habe ich Chamberlains Buch über ihn gelesen, das mich begeistert hat". Er: "Ach, dies schreckliche ‘Puch‘ (Er sprach stark Dialekt!)? Haben Sie denn nichts Vernünftigeres gelesen?" Ich: "Natürlich, Herr Geheimrat, habe ich Ihre Geschichte der Neueren Philosophie durchgearbeitet"! Er: "Na,ta jeht's ja"!! Und am nächsten Tag hat er mich hauptsächlich Kants Praktische Philosophie gefragt und keinen Satz, der nicht in seinem Leitfaden stand!
Eigenartig war die Situation der Prüfung: Vorsitzender war Prof. Stählin, in Hauptmanns Uniform, der zugleich Kommandeur des Rekrutendepots war, in dem Prof. Leser als Rekrut Dienst tat; dazu ich als Divisionspfarrer! Da die Universität Lazarett war, wurde die Prüfung im Zoologischen Institut abgehalten. Und während ich gefragt wurde, schaute ich neben und hinter dem Prüfenden auf ausgestopfte Schimpansen und Schlangen!! Recht erleichtert war ich, als ich "Sum laude" bestanden und zum Dr. phil. promoviert war. Ich hatte nämlich an den letzten zwei Tagen arge Kopfschmerzen, wie ich sie gar nicht sonst kannte. Ich kaufte mir Aspirin - zum ersten Mal in meinem Leben! Fieber hatte ich auch; es war wohl eine regelrechte Grippe, die man damals noch nicht so kannte und erst recht noch nicht ganz ernst nahm. Das wurde anders, als nachher gefährliche große Grippe-Epidemien ausbrachen und viele dahinrafften, Ich nahm mehrere Aspirin-Tabletten, war am nächsten Morgen naß geschwitzt, stand jedoch um 6 Uhr auf, wartete auf dem Bahnhof in eisiger Kälte auf den D-Zug nach Nürnberg. Dort besah ich mir die Stadt, die Lorenzkirche und das Germanische Museum und fuhr über Berlin, wo ich die Eltern traf, nach Gnesen zurück.
Viele Grüße
Volkmar
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Friedensangebot_der_Mittelm%C3%A4chte