Briefmarken Atteste

Thema:

Estland, Lettland, Litauen 1941: Landespost, Lokalausgaben & Vor-/Mitläufer

Stefan Am: 19.07.2026 12:45:33 Gelesen: 348 # 1
Ich dachte eigentlich, dass es im Forum bereits Thema geben würde, welches sich mit den sowjetischen Briefmarken im Baltikum in der Zeit der Landesposten der deutschen Besetzung (1941) beschäftigt, wo dann Ausgaben dann mit Aufdruck verausgabt bzw. Altbestände vorheriger Ausgaben ohne Aufdruck aufgebraucht wurden. Im Forum existieren verschiedene Themen, welche sich mit der deutschen Besetzung befassen, so bspw. Belege aus der Ostland-Zeit (1941-1944) [1]. Für lose Briefmarken fand ich nichts, obwohl speziell die Lokalausgaben im Katalog teils sehr hoch bewertet werden. Es handelt bei diesem Thema um den Zeitraum zwischen deutscher Besetzung ab 22.06.1941 mit der Errichtung des Reichskommissariats Ostland (25.06.1941) bis zum Zeitpunkt der Herausgabe eigener Ostland-Briefmarken ab Anfang November 1941. Die Landesposten umfassen die Staaten Estland, Lettland und Litauen, wobei es im Vergleich zu den heutigen Grenzen dieser drei Staaten seinerzeit territoriale Verschiebungen bzw. Abweichungen gegeben hat (Bsp. Memelgebiet in Litauen). Die deutsche Besetzung dieser Gebiete erfolgte im Rahmen des Unternehmens Barbarossa [2] ab dem 22.06.1941. Diese waren im Jahr zuvor (1940) durch die Sowjetunion besetzt worden. Somit ergibt sich ein buntes Gemengengelage, da neben den Briefmarken der bis 1940 eigenständigen Nationen und den Ausgaben der sowjetischen Besetzung bzw. sowjetische Briefmarken zusätzlich auch Ausgaben der drei Landesposten sowie Lokalausgaben in Gebrauch kamen. Im Michel Deutschland-Katalog werden die Briefmarken der Landesposten und Lokalausgaben ab dem jeweiligen Verausgabungszeitpunkt katalogisiert. Zur Verwendung älterer Briefmarken vor deren Verausgabung (Vorläufer) bzw. der Aufbrauch von Altbeständen parallel zu den Landespost-Ausgaben (Mitläufer) schweigt sich der Michel-Deutschland-Spezialkatalog (Band 1, Ausgabe 2025) aus. Die nachfolgenden Exemplare fanden sich gestern in einem Album Osteuropa im Länderteil Sowjetunion. Handstempelabschlag aus Berzpils (Lettland) [3] vom 03.07.1941 Handstempelabschlag aus Svedasai (Litauen) [4] vom 28.06.1941 In beiden Fällen handelt es sich hier um Dörfer mit weniger als 1000 Einwohnern. Ein Beispiel aus Estland wurde in [5] gezeigt: Handstempelabschlag aus Valga (Estland) vom 02.09.1941 Wenn man bedarfsgestempelte sowjetische Briefmarken aus jener Zeit nach Stempeln durchschaut, lohnt ein Blick auf das Stempeldatum, wenn man als Mitteleuropäer den Ortsnamen der Stempelentwertung ohne große Schwierigkeiten lesen kann, also der Ortsname in lateinischen und nicht in kyrillischen Buchstaben geschrieben wurde. Es dürfte sich im Regelfall um weiterverwendete Tagesstempel aus Estland, Lettland, Litauen oder Polen handeln, welche 1940 (Baltikum) bzw. 1939 (Ostpolen) sowjetisch besetzt wurden. Die deutsche Besetzung erfolgte dann ab Juni 1941. Der sowjetisch besetzte Teil Ostpolens wurde 1941 mit der deutschen Besetzung aufgeteilt und den Reichskommissariaten Ostland (Teile des heutigen Weißrusslands) und Ukraine (heutiger westlicher Landesteil der Ukraine) zugewiesen. Gruß Stefan [1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=6869&CP=0&F=1 [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Unternehmen_Barbarossa [3] https://lv.wikipedia.org/wiki/B%C4%93rzpils [4] https://lt.wikipedia.org/wiki/Sv%C4%97dasai [5] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=8471&CP=0&F=1
ArGe Baltikum Am: 21.07.2026 10:56:27 Gelesen: 239 # 2
Mit dieser Thematik befasst sich in vielfältiger Weise die ArGe Baltikum. Ich hatte erst angefangen, Artikel zu der Thematik herauszusuchen, aber nachdem da mehr als ein Dutzend standen, habe ich aufgehört, sie im Einzelnen aufzulisten. Am besten schaut ihr selbst mal in die Inhaltsverzeichnisse der BALTIKUM (von den neuesten Ausgaben, die nur für Mitglieder verfügbar sind, unter https://arge-baltikum.de/MTB-10-de.shtml und vom den älteren Ausgaben, die für jedermann frei verfügbar sind, unter https://arge-baltikum.de/MTB-20-de.shtml ). Auch könnten Artikel in den vor 2016 erschienenen Mitteilungsblättern der Vorläufern-ArGen, der ArGe Estland https://arge-baltikum.de/MTB-30-de.shtml, der ForGe Leitauen https://arge-baltikum.de/MTB-50-de.shtml oder – wer niederländisch kann – auch der HBG https://arge-baltikum.de/MTB-60-de.shtml interessant sein. Wer zu einem bestimmten Stichwort etwas sucht, wird auch über die in das Web integrierte Suche fündig: rechts oben auf die Lupe klicken und das Stichwort in die Eingabemaske eingeben. Nach einigen Ergebnissen im Internet (dafür stellt Google das Tool kostenlos zur Verfügung) kommen die Ergebnisse der Dokumente im Web der ArGe. Aktuell hat Vitaly Geyfman in der gerade erschienenen BALTIKUM Nr. 21 einen Artikel zum Thema "Die provisorischen Aufdrucke von Anykščiai und Pajūris vom Juli 1941 – Entstehung, Legitimität und historische Bedeutung" geschrieben, dessen Inhalt – bis 3 weitere Ausgaben erschienen sind – den ArGe-Mitgliedern vorbehalten sind. Aber den auf der Titelseite abgebildeten Beleg möchte ich doch auch mal hier zeigen: Ordnungsgemäß frankierter (30 Kopeken Porto + 30 Kopeken Einschreiben = 60 Kopeken) Einschreibebrief mit der 60-Kopeken-Marke mit Überdruck aus Pajūris. Versandt am 14. August 1941 aus Pajūris. Handgezeichnetes R-Etikett Nr. 1, unterzeichnet vom Postmeister von Pajūris, J(uozas) Gestautas. Zu den ab 1945 weiter verwendeten Stempeln gab des übrigens die Arbeitshilfe Nr. 3, die ebenfalls im Web zum freien Download erhältlich ist. https://arge-baltikum.de/arbeitshilfen-10-de.shtml. Obacht: die Erkenntnisse sind mittlerweile teilweise als veraltet anzusehen, mancher Stempel wird in einer Aktualisierung herausfallen und etliche werden dazukommen. Gruß Friedhelm