Briefmarken Atteste

Thema:

Schweiz Kantonalmarken Belege

Heinz 7 Am: 22.05.2026 07:35:08 Gelesen: 485 # 1
@ bayern klassisch [#3] Guten Tag Ralph, 94 Beiträge hat Dein schönes Thema schon, darf ich darauf hinweisen, dass es eine Neuentdeckung gibt, in die andere Richtung? Ein Brief, frankiert mit einer Zürich 6 NACH Bayern? Das Auktionshaus Bach, Basel, bietet folgendes Los an: Losbeschreibung: "Type III, 93. Marke des Bogens, sehr farbfrisch, allseitig vollrandig, die Schnittlinien an allen 4 Seiten sichtbar, unten mit Bogenrand, ideale, schwarze ZÜRCHER-Rosette, auf Faltbrief mit grossem Doppelkreis-Aufgabestempel STÄFA 15 JUIN 1844, über ZÜRICH mit rückseitigem Transitstempel, im geschlossenen Postaustausch mit BAYERN, adressiert an den Ratsherr P. Jenny aus GLARUS, bei Herrn Dr. Balling in BAD KISSINGEN. 6 Rp.-Porto für einen Kantonsbrief freigemacht bis ZÜRICH, gemäss Tarif, gültig ab Einführung der Marken. Roter "AUSLAG VON ZÜRICH" (Winkler Nr. 694), gemäss Schäfer verwendet 1842/50. Der oben mit "Nr. 2" in roter Tinte nummerierte Brief wurde austaxiert mit "6" Kreuzer Auslag zu Gunsten von ZÜRICH, 14 Kr. bay. Porto gesamthaft 20 Kr. gemäss dem Postvertrag ZÜRICH-BAYERN von 1829, bay. Porto gemäss Tarif 1.12.1810, 36-42 Meilen. Die Marke ist besonders farbfrisch, mit besonders deutlichen Untergrundlinien, auf dem ausserordentlichen Auslandsbrief. Bisher war keine Frankatur einer ZÜRCHER Kantonalmarke ins Ausland bekannt. Der einmalige Brief ist in tadelloser Erhaltung. Attest Eichele" Ich nehme an, das Stück interessiert Dich und was ist Deine Meinung dazu? Los 639, Ausruf CHF 30'000. Freundliche Grüsse Heinz
bayern klassisch Am: 22.05.2026 08:32:40 Gelesen: 470 # 2
@ Heinz 7 [#1] Hallo Heinz, die Marke macht keinen Sinn auf einem solchen Brief, da man mit ihr nichts frankieren konnte, außer Ort- und Lokalbriefe. Ob sie auf diesen Brief gehört? Ein Brief ohne diese Marke kann man für 15-30 Euro heute noch kaufen. Eine lose Marke ist da schon teurer, aber wenn man beides verbindet, soll es 30k Franken kosten. Wenn also alles echt wäre, sich also der Absender hinsichtlich sämtlicher Modalitäten geirrt hätte, wäre es eine Kuriosität, weil die 6 Rappen wertlos verfallen wären. Zürich setzte immer 6 Kreuzer pro halbes Loth bei Portobriefen nach Bayern an und stempelte darauf mit seinem Zürcher Auslagestempel und über den Bodensee nach Lindau wurden 14 Kreuzer für Bayern fällig bis Kissingen. Das stimmt an der Beschreibung. LG, Ralph
Heinz 7 Am: 22.05.2026 09:31:50 Gelesen: 479 # 3
Es gibt wunderbare Bücher zu den Schweizer Kantonalmarken von

- Zürich (1.3.1843)
- Genf (30.9.1843)
- Basel (1.7.1845)

Zwei Beispiele seien hier genannt zur ersten Briefmarke der Schweiz (Zürich 4 und Zürich 6):



Jakob Gnägi, 1984



Jean-Pierre Senn, 2018

Besonders interessant für mich sind die Abschnitte, in denen die seltenen "speziellen" Briefe besprochen werden; Briefe mit seltenen Stempeln, Frankaturen, Destinationen, etc.

Altmeister und Freund Richard Schäfer schrieb dazu ein grossartiges Buch



Richard Schäfer, 2014

Auf über 300 Seiten werden hier die meisten der wertvollsten philatelistischen Stücke der Schweiz gezeigt.

Es ist immer wieder aufregend, wenn neue Erkenntnisse oder gar neue Briefe gefunden werden. So auch im Mai 2026. Im Auktionskatalog der Firma Jean-Paul Bach, Basel, finden wir eine bemerkenswerte Neuentdeckung.



Losbeschreibung (Los 639, 67. Auktion)

"Type III, 93. Marke des Bogens, sehr farbfrisch, allseitig vollrandig, die Schnittlinien an allen 4 Seiten sichtbar, unten mit Bogenrand, ideale, schwarze ZÜRCHER-Rosette, auf Faltbrief mit grossem Doppelkreis-Aufgabestempel STÄFA 15 JUIN 1844, über ZÜRICH mit rückseitigem Transitstempel, im geschlossenen Postaustausch mit BAYERN, adressiert an den Ratsherr P. Jenny aus GLARUS, bei Herrn Dr. Balling in BAD KISSINGEN. 6 Rp.-Porto für einen Kantonsbrief freigemacht bis ZÜRICH, gemäss Tarif, gültig ab Einführung der Marken. Roter "AUSLAG VON ZÜRICH" (Winkler Nr. 694), gemäss Schäfer verwendet 1842/50. Der oben mit "Nr. 2" in roter Tinte nummerierte Brief wurde austaxiert mit "6" Kreuzer Auslag zu Gunsten von ZÜRICH, 14 Kr. bay. Porto gesamthaft 20 Kr. gemäss dem Postvertrag ZÜRICH-BAYERN von 1829, bay. Porto gemäss Tarif 1.12.1810, 36-42 Meilen. Die Marke ist besonders farbfrisch, mit besonders deutlichen Untergrundlinien, auf dem ausserordentlichen Auslandsbrief. Bisher war keine Frankatur einer ZÜRCHER Kantonalmarke ins Ausland bekannt. Der einmalige Brief ist in tadelloser Erhaltung. Attest Eichele"

Der Ausruf ist CHF 30'000.

Ich bin sehr gespannt, was die Spezialisten zu diesem Brief zu sagen haben. Fast 182 Jahre sind seit der Verwendung des Briefes vergangen; es ist eigentlich unglaublich, dass es noch immer Neuentdeckungen gibt...

Schöne Grüsse

Heinz
Heinz 7 Am: 22.05.2026 09:55:32 Gelesen: 449 # 4
@ bayern klassisch [#2]

Hallo Ralph

Danke für Deine prompte Antwort.

Natürlich stellt sich jedem Sammler die Frage, ob das Stück echt ist.

Du hast daran Deine Zweifel. Das Attest dazu findest Du auf der Seite "bach-philatelie.ch".

Wie solch eine Neuentdeckung geprüft werden kann/soll/muss ist die Folge-Frage. Macht die Frankatur wirklich "keinen Sinn" wie Du schreibst? - vielleicht wurde der Brief damit bis zur Grenze des Gebietes Zürich teil-frankiert? Der Vermerk "frco Zürich" (= franco) unten links deutet darauf hin. Solche Teil-Zahlungen gibt es doch in vielen Ländern... oder weisst Du mehr?

Freundliche Grüsse

Heinz
bayern klassisch Am: 22.05.2026 10:25:15 Gelesen: 442 # 5
@ Heinz 7 [#4] Hallo Heinz, deine Gedanken sind nachvollziehbar, aber gehen hier am Kern der Sache vorbei. Eine Teilfrankatur war vom Postgebiet (nicht dem Kanton, das eine hatte mit dem anderen nicht viel zu tun) Zürich möglich, allerdings bis Lindau. Ergo hätte der Absender 6 Kreuzer bis dahin frankieren können (am Schalter), die siegelseitig zu notieren waren. Das nennt man einen Grenzfrankobrief und der war nach dem Postvertrag Bayern - Zürich von 1829 (mit geringfügigen Modalitäten später) möglich. Nicht möglich und daher auch nicht sinnvoll war die Verwendung einer Marke zu 4 oder 6 Rappen, das spielte keine Rolle. Von jedem Ort des Postgebiets von Zürich kosteten diese Briefe 6 Kreuzer, ob ohne Marke, mit 2 Marken oder mit 50 Marken. Nun muss man wissen, dass 6 Rappen ca. 2,5 Kreuzer wert waren - heute bekäme man eine Currywurst dafür oder einen Liter Bier. Korrespondenten der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts waren i. d. R. keine dummen, ungebildeten Menschen, sondern eher das Gegenteil. Sie musste Lesen und Schreiben können, über gewisse finanzielle Möglichkeiten verfügen (jeder Hinbrief generierte ja auch einen Rückbrief, für den auch 20 Kreuzer zu zahlen waren) und wenn sie nicht wußten, was sie tun sollten, gingen sie auf die Post und fragten nach, was möglich war und wieviel kostete. Kein Postler hätte einem Absender geraten, 6 Rappen aus dem Fenster zu schmeißen, ohne einen Vorteil zu erlangen. Also kann man eine Postaufgabe am Schalter und Verwendung der Marke ausschließen. Wäre der Postkunde aber doch am Schalter erschienen und hätte schon die Marke zuvor aufgeklebt in der Hoffnung, damit etwas Sinnvolles bewirkt zu haben, hätte ihn die Post vom Gegenteil überzeugt und er hätte die Marke abgenommen und sich 6 Rappen gespart. Wäre er mit dem Brief ohne Markenapplikation bei der Post erschienen, hätten die ihm keine Marke verkauft, sondern erklärt, welche Möglichkeiten des Versandes es gab: Ganz unfrankiert, frankiert bis zur Grenze / Lindau, oder ganz frankiert für Zürich und Bayern. Alternativen gab es keine. Du kannst ja gerne das Attest hier einstellen, damit es jeder lesen kann, dagegen spricht ja nichts. LG, Ralph
Lars Boettger Am: 22.05.2026 10:42:41 Gelesen: 451 # 6
@ Heinz 7 [#3] Hallo Heinz, der Absender hat unter der Adresse "p ffurt a / M." geschrieben - wurde der Brief über "Frankfurt am Main" geleitet? Beste Grüße! Lars
Heinz 7 Am: 22.05.2026 11:14:33 Gelesen: 445 # 7
@ Lars Boettger [#6] Hallo Lars, Ja, diese Notiz ist mir auch aufgefallen. Ich denke, Deine Interpretation ist richtig. Warum dieser Brief gemäss Auftrag einen Laufweg via Frankfurt am Main haben sollte, weiss ich nicht. Eine Verbindung Zürich - Lindau wäre meines Wissens das Naheliegende gewesen (und dann Übergabe an die Post in Bayern). Die Postverträge damals sind mir im Detail nicht bekannt. Ralph weiss da Bescheid. Warum der Absender Frankfurt als Leitweg wünschte und ob er eine "Zürich 6" als Teil-Frankatur aufklebte, weiss ich nicht. Er hatte vielleicht die Absicht, den "Interkantonal-Teil" schon zu bezahlen (Stäfa-Grenze)? Ob das Sinn machte, kann ich zur Zeit nicht abschliessend beurteilen. Ich habe den Brief auch im Thema "Altdeutschland Bayern: Belege in die Schweiz" eingestellt (obwohl dieser Brief ja in die entgegengesetzte Richtung lief) und Ralph Bernatz hat dazu bereits reagiert (siehe dort). Freundliche Grüsse Heinz
bayern klassisch Am: 22.05.2026 11:44:17 Gelesen: 437 # 8
Hallo, Bad Kissingen (Bayern) konnte von der Schweiz aus (nicht nur von Zürich aus) nie über Frankfurt am Main (Thurn und Taxis) erreicht werden, weil es dafür keinen Postvertrag bzw. keine Postverträge gab. Der Absender wollte damit nur andeuten, in welche Grobrichtung der Brief zu leiten war, wenn man nicht wußte, dass Bad Kissingen in Bayern lag. Es gäbe eine theoretische Alternative: Via Schaffhausen, belehnt mit der Thurn und Taxispost und dann im geschlossenen Transit durch das Großherzogtum Baden nach Frankfurt am Main, dann südöstlich weiter über Aschaffenburg nach Bad Kissingen. Aber das ist nur die Theorie in der Postgeschichte. Die Stempel und Taxen spiegeln die Realität wider, die ich anderswo schon ausführlich beschrieben habe und darin hat FFM keinen Platz. LG von bayern klassisch