Briefmarken Atteste

Thema:

Tschechoslowakei Portomarken bestimmen

Stefan Am: 11.03.2026 15:08:42 Gelesen: 525 # 1
Auf der diesjährigen Briefmarkenmesse in München (07./08.03.2026) kam am Stand von Philaseiten das Thema der tschechoslowakischen Portomarken zur Sprache, konkret die nichtkatalogisierten (lokalen) Aufdruckausgaben zu Beginn der Unabhängigkeit der Tschechoslowakei ab Ende 1918. Der Michel-Katalog Mitteleuropa schreibt im Vorwort zu dem Kapitel "Portomarken": "Wegen Mangel an Portomarken wurden in den ersten Monaten der Republik verschiedene Marken von Österreich und Ungarn sowie der Tschechoslowakei von einzelnen Postämtern mit Handstempelaufdruck T (= Taxe), D (doplatit = nachzahlen) oder P (= Porto) versehen als Portomarken verwendet. Sammlerwert besitzen nur nachweisbar gelaufene Ganzstücke, von denen einzelne gesucht sind." Dem Aspekt "Sammlerwert" möchte ich gern widersprechen. Grundsätzlich kann/darf/soll jeder sammeln, was und wie er/sie lustig ist. Oder möchte jemand das nachfolgende Beispiel einfach "von der Bettkante schubsen"? :-) Aufgrund der Größe zuerst als Foto, d.h. ein Schalterbogen zu 100 Briefmarken à 5 Heller, mittels Handstempelaufdruck umgewidmet als Portomarken ... ... und nachfolgend als Scan (Detailausschnitt): Die Einleitung im Michel-Katalog schreibt von einzelnen Buchstaben als Aufdruck. Im nachfolgenden Fall wurde die Angabe "Porto" ausgeschrieben. Ob es sich hier um eine philatelistische Spielerei (Mache) oder um Bedarf handelt, kann ich nicht beurteilen. 1. "Porto"-Aufdruck ohne Rahmen: 2. "Porto"-Aufdruck mit Rahmen: Mir liegen weitere verschiedene Aufdrucktexte auf Briefmarken der Tschechoslowakei vor. Dazu später mehr. Gruß Stefan
Detlev0405 Am: 11.03.2026 19:00:28 Gelesen: 486 # 2
@ Stefan [#1] Hallo Stefan, ich habe in einem tschechischen Katalog [1] zu Deiner Frage recherchiert und komme zu folgendem Ergebnis: Offiziell sind hier unter den Nummern DL 15-28 14 Werte Portomarken der ungezähnten Hradschin Ausgabe registriert. Und zwar in den Wertstufen von 10 - 200 Heller als Überdruck und darunter DOPLATIT. Hinzu kommen noch die Nummern DL 29N + 30N zweier nicht verausgabten Werte. Ab Februar 1919 wurde bereits die erste Ausgabe DL 1 - 14 an Portomarken herausgegeben und zwar als komplette tschechische Neuausgabe. Somit verblieben nur etwa 3 Monate für Provisorien. Michel verstehe ich schon, wenn sie nur derartige Marken auf kompletten Beleg als sammelwürdig ansehen, weil Du hier nur echt gelaufene Marken identifizieren kannst. Selbstverständlich bleibt es jedem überlassen, wie weit er sein Sammelgebiet ausdehnt. Den Porto Aufdruck auf der Hradschin Ausgabe halte ich für Mache. Richtig ist, das in den ersten Monaten ungarische und österreichische Marken auch als Portomarken verwendet wurden. Solche Belege habe ich schon selbst gesehen. Gruß Detlev [1] Spezialkatalog für tschechoslowakische Briefmarken und Ganzsachen, Autorenkollektiv, Prag 1988, Seite 371 + 382 - 386 (für ungarische und östereichische Marken)
Stefan Am: 14.03.2026 14:33:50 Gelesen: 403 # 3
@ Detlev0405 [#2] Somit verblieben nur etwa 3 Monate für Provisorien. Michel verstehe ich schon, wenn sie nur derartige Marken auf kompletten Beleg als sammelwürdig ansehen, weil Du hier nur echt gelaufene Marken identifizieren kannst. Selbstverständlich bleibt es jedem überlassen, wie weit er sein Sammelgebiet ausdehnt. Den Porto Aufdruck auf der Hradschin Ausgabe halte ich für Mache. Richtig ist, das in den ersten Monaten ungarische und österreichische Marken auch als Portomarken verwendet wurden. Solche Belege habe ich schon selbst gesehen. und Selbstverständlich bleibt es jedem überlassen, wie weit er sein Sammelgebiet ausdehnt. Danke für deine Recherchen, womit die Thematik dieser Provisorien klarer wird. Ich finde zusätzlich zur normalen Ausgaben für die eigene Sammlung auch Einheiten ganz nett, gern auch gelegentlich als Schalterbogen. ;-) Ich habe zwischenzeitlich selber im POFIS (Band 1, Zeitraum 1918-1939, Ausgabe von 2015) nachgesehen, allerdings zumindest anhand der Abbildungen nichts passendes gefunden, lediglich die Katalogisierung der normalen Portomarken. Demnach handelt es sich auch bei den nachfolgenden Stücken mehrheitlich um Murks. Das Material stammt teils aus verschiedenen Quellen, weshalb ich nicht zwingend von sammlerischer Mache ausgegangen war. I) Tschechoslowakei mit Aufdruck "Doplatit": II) Tschechoslowakei mit Aufdruck "Taxe": Diese Aufdrucke schauen bereits auf dem ersten Blick nach einer Spielerei eines Sammlers aus. III) Tschechoslowakei mit Aufdruck "VZOREC": "Vzorec" bedeutet auf deutsch "Formel" oder "Formblatt" [1]. Speziell diese Aufdrucke habe ich in den vergangenen Monaten in Alben aus unterschiedlichsten Quellen vorgefunden. Handelt es sich ggf. um etwas fiskalisches? IV) Tschechoslowakei mit Aufdruck "Franco": Das Stück befindet sich seit mehr als 20 Jahren in meiner Sammlung, versehen mit einem Fragezeichen. Ich nehme an, dass es sich hier eher um eine zufällige Stempelung im Rahmen einer postalischen Bearbeitung einer Sendung handelt. Gru0 Stefan [1] https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/tschechisch-deutsch/vzorec
Detlev0405 Am: 15.03.2026 04:42:45 Gelesen: 376 # 4
@ Stefan [#3] Hallo Stefan, eine Überdruckart bei Deinen Marken sticht hier im positiven Sinn hervor - Deine Marken mit dem Aufdruck Vzorec. Das ist hier die Bezeichnung für "Muster" oder Vorlage. Das sind, wenn sie nicht gefälscht sind, amtliche Aufdrucke. Diesen Aufdruck kann man nur geprüft anbieten, da zuviele Fälschungen und Manipulationen auf dem Markt sind. Was mich ein wenig misstrauisch macht ist die Tatsache, das alle Marken einen diagonalen Aufdruck haben bzw. diagonal kopfstehed. Ich kenne geprüfte Marken die echt sind nur mit waagerechtem Aufdruck, aber ich bin für derartige Marken nicht der Spezialist. Gruß Detlev