Briefmarken Atteste

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Äthiopien Basisinformationen

Bendix Gruenlich Am: 24.02.2026 21:45:31 Gelesen: 700 # 1
Äthiopien ist der älteste Staat Afrikas. Jahrtausendealtes Kaiserreich, ununterworfen durch Kolonialmächte. Außerhalb Äthiopiens auch als Abessinien bekannt. Internationale Einführung der Landesbezeichnung Äthiopien 1931. Der Gründungsmythos geht zurück auf König Salomon von Israel und Makeda, Königin von Saba, die nach Jerusalem gereist sein soll. Im Zuge des Aufenthalts soll Salomon mit der Königin einen Sohn gezeugt haben. Der Sohn war Menelik der I, Stammvater der äthiopischen Kaiser. Geschehen im 10. Jahrhundert vor Christus. Von 1964: Sondermarke Herscher von Äthiopien - Kaiser Fasilades (1632-1637) Mi-Nr. 487. Die Briefmarke wurde vom lokalen Künstler Afewerk Tekle gestaltet, der im Bereich der Briefmarkengestaltung in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts sehr aktiv war. Letzter Kaiser des Herrscherhauses war über lange Jahre Haile Selassie I (1930-1975 - Ermordung des greisen Kaisers durch die äthiopische linksgerichtete DERG-Offiziersjunta) Von 1962: Sondermarke 70. Geburtstag von Kaiser Haile Selassie. Äthiopische UN-Soldaten im Kongo, Mi-Nr. 431 Wegmarken der jüngeren Geschichte Äthiopiens: • 1874/1876 Versuch der Eroberung von äthiopischen Territorien durch Ägypten. Ägypten wurde geschlagen. • Ab 1881: Expansion Äthiopiens aus dem Hochland von Abessinien hinaus in südliche Nachbarregionen, Entstehung der Landgrenzen des heutigen Äthiopien • 1885-1890 kriegerische Auseinandersetzung mit dem mahdistischen Sudan. Sudan hatte Erfolge, konnte Äthiopien aber nicht erobern. • 1895/1896 Versuch der Eroberung Äthiopiens durch Italien, das sich in Eritrea (bis 1890 in Teilen Besitzung des osmanischen Reiches bzw. Ägyptens, andere Teile äthiopisch, andere mit lokalen Herscherstrukturen) festgesetzt hatte. Italien wurde geschlagen. Trotzdem konnte Italien sich in Eritrea etablieren, verpflichtete sich aber zu Waffenlieferungen. • 1935/1936 zweiter Abessinienkrieg mit Italien, das diesmal Äthiopien eroberte und daraus die Kolonie Italienisch-Ostafrika zusammen mit Eritrea und Somalia formte • 1941 Italien wird durch Kräfte unter Führung Großbritanniens geschlagen und vertrieben • 1941 Wiederetablierung lokaler äthiopischer Herrschaft • 1952 Vereinigung Eritreas mit Äthiopien, dadurch endlich Seezugang für Äthiopien sichergestellt • 1974 in Folge von Hungersnöten und Auswirkungen der Ölpreiskrise Militärputsch durch die Offiziersclique DERG. Linksruck, kommunistisches Einparteienregime. Intensive Zusammenarbeit mit der Sowjetunion und Kuba. • 1977/1978 Ogaden-Krieg mit Somalia (Somalia wollte den zu Äthiopien gehörenden Ogaden annektieren) • 1984-1985 Hungersnot in Äthiopien (sehr häufiges Phänomen in Äthiopien – diese eine Hungersnot auch deswegen in der westlichen Welt bekannt, da seinerzeit intensiv in der Medienlandschaft der westlichen Welt thematisiert) • 1991 Kollaps des kommunistischen Regimes - föderale Republik mit Bundesländern orientiert an der Volkszugehörigkeit • 1993 Eritrea wird nach 30jährigen Bürgerkrieg unabhängig und verlässt Äthiopien. Äthiopien ist wieder ein Binnenstaat ohne Zugang zum Meer • 1998-2000 Krieg mit Eritrea • 2020-22: Bürgerkrieg mit bewaffneten Gruppen aus dem Bundesstaat Tigray • Permanent: Spannungen und Bürgerkrieg zwischen den Völkergruppen des Vielvölkerstaats, dabei immer wieder herausstechend Oromo, Somalis aus dem Ogaden und den ethnisch Eritrea nahestehenden Tigray • Permanent: Hungerkatastrophen durch Dürren • Permanent: Konflikte mit und zwischen lokalen bewaffneten Gruppen / Banditen Als landwirtschaftlich geprägtes Land (63% der Menschen arbeiten in der Landwirtschaft und leben auch von dieser. 38% des Bruttoinlandsprodukts, 70% der Exporte stammen aus der Landwirtschaft) und im Hinblick auf die Produktion von Energie zu 90% aus Wasserkraft ist Wetter besonders wichtig. Von 2000: 50Jahre Weltorganisation für Meterorologie Mi-Nr. 1683, Auflage 100.000 (Angabe von Ethio Post, unklar ob die die Anzahl der Sätze meinen oder die Anzahl aller vier Marken des Satzes insgesamt). Die Anzahl kriegerischer bzw. gewaltsamer Konflikte ist beachtlich. Ein unruhiges Land, daher hohe Bedeutung von Hilfsorganisationen. Hier eine Marke zu Ehren des lokalen Roten Kreuzes. Von 2010: 75 Jahre Äthiopisches Rotes Kreuz Mi-Nr. 1884 Auflage 240.000 (Angabe von Ethio Post, unklar ob die die Anzahl der Sätze meinen oder die Anzahl aller vier Marken des Satzes insgesamt). Merkuria hat hier einen Beleg mit der aktuellen Landesflagge der föderalen Republik geteilt https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=136620 Postgeschichte: Erste Briefmarken von 1894 Eintritt in den Weltpostverein am 01.11.1908 Laut Michel für Äthiopien bis 2023 2.038 Michel-Nummern. Von 1969: Internationale Arbeitsorganisation, Mi-Nr. 609 Französische Postämter in Diredaua und Harar besorgten bis 31.10.1908 den größten Teil der äthiopischen Auslandspost, Verwendung von Marken der Französischen Somaliküste, Obock und Dschibuti, ferner frz. Post in der Levante und Port Said. Hier ein dazu passender Beleg den briefefan im Forum geteilt hat: https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=192670 Die äthiopische Post (Ethio Post) erläuterte anlässlich einer Ausgabe aus 2021 zum 125. Bestehen der Post: • Vor Etablierung der Post wurden Briefe mittels Boten, die „Melektegnas“ genannt wurden, transportiert. Diese Boten trugen ihre Briefe sichtbar an einem Stock geheftet. Dieses Zeichen ist bis heute Signet von Ethio Post. • Aufbau des Postdienstes durch den Schweizer Alfred Ilg. Alfred Ilg hatte erheblichen Einfluss in Äthiopien (auch mit Eisenbahnbau betraut, Außenminister für 10 Jahre, Beteiligung am Bau von Addis Abeba, Schaffung eines einheitlichen Münzsystems) • Postämter bestanden bis Mitte der 1920er Jahre nur in Addis Abeba, Harar und Dire Dawa. Daher waren „Melektegnas“ auch nach Begründung des Postdienstes weiter aktiv, bis in die 1930er Jahre hinein. Ethio Post verfügt über einen überzeugenden Internetauftritt. https://ethio.post/philately/ Die philatelistischen Seiten zeigen die Ausgaben von 1941-2021. Es werden häufig die Entwerfer genannt, bei den moderneren Ausgaben auch die Druckereien und die Auflagezahlen. Bei den jüngeren Ausgaben wurden Texte zum Hintergrund hinterlegt. Diese Präsentationsform endet mit einer Ausgabe vom 20.10.2021. (wird fortgesetzt)
Bendix Gruenlich Am: 24.03.2026 22:37:18 Gelesen: 481 # 2
Zuerst möchte ich heute auf hervorragendes Kartenmaterial, zu finden auf der website der Stiftung für politische Bildung, hinweisen. Es gibt eine sehr gute historische Karte zur Situation im 19. Jahrhundert. Hier wird die Expansion Äthiopiens deutlich, wie auch die territorialen Veränderungen durch die Auseinandersetzungen mit Ägypten und den europäischen Kolonialmächten. Ferner ist eine politische Karte mit den aktuellen Verhältnissen zu finden. Zu sehen sind die Bundesstaaten, deren Verhältnis untereinander fragil ist. https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/308197/karten/ Bevölkerung: • Vielvölkerstaat mit 90 ethnischen Gruppen (siehe historische Karte, diese benennt auch wichtige Volksgruppen) • Bevölkerungsreichster Binnenstaat der Welt • Addis Abeba ist die Hauptstadt und einer der größten Metropolen Afrikas (3,4 Mio. Einwohner) • Zweitbevölkerungsreichstes Land in Afrika nach Nigeria Äthiopien spielt eine wesentliche Rolle in Afrika. In 2026 fand dort die Versammlung der Organisation der afrikanischen Staaten statt. Hier eine Ausgabe zur Würdigung der panafrikanischen Postunion. Von 2010: 30 Jahre Panafrikanische Postunion, Mi-Nr. 1877 Auflage 240.000 (Angabe von Ethio Post, unklar ob die die Anzahl der Sätze meinen oder die Anzahl aller drei Marken des Satzes insgesamt) Sehr hohe Fertilitätsrate mit durchschnittlich bis zu 7 Kindern pro Frau, erst in 2022 auf 4 Kinder gesunken. Dadurch permanent wachsende Bevölkerung, was auch mit Ursache für die ständigen Unruhen darstellen sollte • 1900: 11 Mio. Einwohner • 1960: 22 Mio. Einwohner • 1987: 44 Mio. Einwohner • 2022: 123 Mio. Einwohner Geographie • Stark durch Hochland geprägt • Zugang zum Meer durch die Unabhängigkeit Eritreas 1993 verloren gegangen • Außengrenzen: 5.328 km • Ca. dreimal so groß wie Deutschland • Wesentlicher Zufluss des Nils (durch den blauen Nil, der dem Tanasee entspringt und sich durch das Hochland mäandert), 90% des Wassers des Nils stammen aus Äthiopien, 80% aus dem blauen Nil Von 1947: Freimarken Landschaften und Bauwerke, 30 cent Brücke über den Blauen Nil nach dem Ausfluss aus dem Tanasee, Mi-Nr. 248, Auflagen unbekannt Natur Mit Blick auf die schiere Größe Äthiopiens und dessen Topografie zwangsläufig umfangreich mit zahlreichen endemischen Arten ausgestattet, die auf Marken dargestellt wurden. 2002 Freimarke Menelik-Buschbock Mi-Nr. 1751, Auflage 46.000.000 25 Werte (Angabe von Ethio Post, mit Blick auf die Höhe nach Meinung des Autors satzbezogen) Von 2003: Endemische Pflanzen Crinum bambusetum Mi-Nr. 1792, Auflage 100.000 (Angabe von Ethio Post, unklar ob die die Anzahl der Sätze meinen oder die Anzahl aller vier Marken des Satzes insgesamt). Topografie • Geprägt durch Hochland (das Hochland Abessinien) • 50% des Landes sind höher als 1.200 Meter • 25% höher als 1800 Meter • 5% höher als 3.500 Meter • Fünf Viertausender Von 1965: Freimarke Fortschritt Mi-Nr. 487 Brücke im Niltal Immer wieder extreme Wetterereignisse (Starkregen, dann wieder Dürre, diese häufig vorkommend. Diese Ereignisse zusammen mit dem Bevölkerungswachstum lösen regelmäßig Hungernöte aus). Bevölkerung: • Kulturell und in der Führung durch Amharen dominiert (27% der Gesamtbevölkerung) - diese eher zur äthiopischen-Orthodoxie tendierend, also christlich geprägt. Diese Führung durch die Amharen – wohl auch auf die Eroberungen 1880-1890 Restäthiopiens durch die Amharen, begleitet von der Einführung von Feudalstrukturen, zurückzuführen - sorgt wohl auch immer wieder für Spannungen mit den anderen Volksgruppen • Weitere Volksgruppen: Oromo 34%. Tigray 6% (stets auch politisch wichtig in Äthiopien – häufig in Koalition mit den Amharen), Somali 6% • Religion: mit 63% christlich geprägt / Islam: 33% - die Zahlen werden aber durch Muslime bestritten. Dabei auch stets unter Druck durch Flüchtlingsbewegungen stehend. Aktuell 4 Mio. Binnenflüchtlinge und 1 Mio. aus dem Südsudan und Sudan. Schrift: Eigene Schriftzeichen, äthiopische Schrift (wird von links nach rechts geschrieben, südarabischen Ursprungs) Kultur Dem Autor fällt auf, dass die Kulturkreise Europas und Afrika sich selten überschneiden bzw. afrikanische Kulturtrends in der europäischen Medienlandschaft kaum erwähnt werden. Briefmarken können uns hier wieder einmal Hinweise auf das Kulturleben im Ausland geben. Die äthiopische Post hat einen Satz zur Würdigung von lokalen Literaten herausgegeben. Mir liegt eine Ausgabe vor. Von 2010: Schriftsteller, Tsegaye Gebrmedhin, Lyriker und Dramatiker, Auflage 240.000 (Angabe von Ethio Post, unklar ob die die Anzahl der Sätze meinen oder die Anzahl aller vier Marken des Satzes insgesamt) Überrascht wurde ich von folgender Ausgabe, die ich fälschlicherweise auf den sowjetischen Einfluss (1974-1993) zurückführte. Richtig ist, dass Puschkins Großvater Abram Gannibal Abessinier war und in Loggo Sarda (heute Eritrea) geboren wurde Er wurde von den Ottomanen gefangen genommen, versklavt und nach Russland verkauft. Äthiopier wie Eriträer haben Denkmäler zu Ehren Puschkins errichtet. Von 2000: 200. Geburtstag von Alexander Puschkin - Puschkin als Jugendlicher, vierteilige Serie, Mi-Nr. 1649 Währungssituation • Überwiegend Tauschhandel bis zum Vordringen des Maria Theresia-Talers (23,389 Gramm Feinsilber / 0,751974 Unzen Feinsilber) in Ostafrika, so auch in Äthiopien. • 1893 wurde die lokale Währung Birr (Birr ist amharisch und bedeutet Silber) per Dekret geschaffen, ohne sich in Anzahl oder Umlauf gegenüber dem Maria Theresia-Taler durchsetzen zu können • Vom äthiopischen Birr wurden bis 1915 1,3 Mio. Stück geprägt, wohingegen jährlich alleine 1,2 Mio. Maria Theresia-Taler importiert wurden. • Der Maria Theresia-Taler prägte den lokalen Zahlungsverkehr noch auf Jahrzehnte und wurde erst nach der italienischen Besetzung (1936-1941) zunehmend ersetzt. • Während der italienischen Okkupation war die italienische Lira ab 1936 gesetzliches Zahlungsmittel • 1941-1945 unter britischer Besetzung war der Ostafrikanische Schilling gesetzliches Zahlungsmittel • 1945 wurde der Birr (ISO-Code: ETB) wieder eingeführt. Anfänglich Ca. ETB 2,50 = USD 1,00 bis der Birr 1992 auf ETB 5,00 = USD 1,00 abgewertet wurde • Seit 2012 starke Inflation mit Inflationsraten zwischen 10 und 40% jährlich • 2026: Kurs ETB 130 ETB = USD 1,00 - Kurs der Zentralbank vom Februar / es soll auch einen informellen Kurs geben, der zu der Zeit um ETB 150 gelegen haben soll Die frühen Banknoten Äthiopiens benennen die Währung in lateinischer Schrift mit „Thaler“ oder „Talar“, nach Wiedereinführung des Birr 1945 auch „$“. Die amharische Bezeichnung in äthiopischen Lettern war aber stets mit Birr (ብር) angegeben. Zur Auflockerung ein Beleg den Manne im Forum hochgeladen hat (von 1954, von Asmara in Eritrea, damals Teil Äthiopiens, nach Deutschland zu ETB 0,60 – mittels der vorgenannten Informationen jetzt wirtschaftlich / hinsichtlich der Währungsperiode einwertbar). https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=136655 (wird fortgesetzt)
Bendix Gruenlich Am: 24.04.2026 22:07:58 Gelesen: 319 # 3
Wirtschaft Hier zuerst eine Ausgabe zu Ehren der National Commercial Bank of Ethopia. Diese Bank war Handels- und Zentralbank. In 1963 erfolgte eine Aufspaltung in die Zentralbank (National Bank of Ethopia) und eine Handelsbank (National Commercial Bank heute unter Commercial Bank of Ethopia firmierend). Die Briefmarkenausgabe von 1965 würdigt beide Institutionen. Die Commercial Bank of Ethopia war zeitweise die einzige Handelsbank Äthiopiens. Von 1965: National Commercial Bank Mi-Nr. 523 Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigt mit Raten von ca. 7% pro Jahr inflationsbereinigt kontinuierlich stark an. Das pro Kopf-BIP in Äthiopien betrug 2024/25 USD 1.100 (Deutschland: EUR 51.800) Landwirtschaft spielt mit einem Anteil von 38% am BIP eine entscheidende Rolle, zumal viele Menschen auch von den Früchten der Landwirtschaft ausschließlich leben (Subsistenzwirtschaft). Viehbestand und Fruchtstand bedeuten dort Leben. Daher besonders wichtig, dass die Tiere auch gesund bleiben. Hier eine Ausgabe zur Würdigung der Ausrottung der Rinderpest. Von 2009: Ausrottung der Rinderpest, Tote Rinder beim Ausbruch der Seuche in 1881 - Mi-Nr. 1873 Auch der Anteil der Bauwirtschaft am BIP ist mit ca. 20% beachtlich. Staatsfinanzen: Der Staat erzielt Einnahmen von ca. 8% des BIP (zum Vergleich Deutschland: 48%). Die Staatsverschuldung beträgt 35% des BIP (zum Vergleich Deutschland: 63%). Trotz der geringen Verschuldung sind die (fremdwährungsnominierten) Kredite Äthiopiens notleidend geworden und Äthiopien musste sich an den Internationalen Währungsfonds um Finanzhilfe wenden. Eine 2024 fällig gewordene Anleihe im Volumen von USD 1 Mrd. wurde nicht zurückgezahlt. Diverse überfällige Verbindlichkeiten bestehen insbesondere und vor allem auch gegenüber chinesischen Gläubigern und solchen aus den VAE. Die Ursache liegt darin, dass es dem äthiopischen Staat nicht gelingt, im ausreichenden Maß Steuern und Abgaben einzutreiben (geringes pro Kopf-Einkommen, permanente auch kriegerische inneräthiopische Konflikte und letztlich vermutlich auch keine Bereitschaft der Bevölkerung, die Abgaben zu leisten). Der Anteil der informellen Aktivitäten in der Wirtschaft und der informellen Exporte gilt als hoch. Auf der anderen Seite wurden hohe Subventionen gezahlt (z.B. durch den Verkauf von Treibstoffen an die Bevölkerung unter dem Importpreis, 2025 abgeschafft). Das exportiert Äthiopien (ca. USD 7 Mrd. pro Jahr) – in % der Exporte (2023-2025 vor Ausweitung der jüngsten Goldexporte): • 10% - Gold - von wirklich im Land geförderten Goldes (Destination: die Schweiz) • 30% - Kaffee (insbesondere in die Europäische Union mit hohen Anteilen Deutschlands) • 15% - Blumen (ebenfalls in die EU - vor allem in die Niederlande, die von dort den europäischen Markt bedienen) • 10% - Ölsaaten (nach China und Arabien) • 10% - Nahrungsmittel in die Nachbarstaaten • 5% - Sehr erfolgversprechend und intensiviert: zunehmende Elektrizitätsexporte in die Nachbarländer von aus Wasserkraft gewonnener Energie Das importiert Äthiopien (ca. USD 20 Mrd. pro Jahr) – in % der Importe: • 20% - Kraftstoffe • 5% - Dünger • 30% - Investitionsgüter incl. Kfz • 30% - Konsumgüter Hauptherkunftsländer: 66% Asien insbesondere China und die arabischen Staaten (letztere Öl), 15% Europa, 7% Amerika insbesondere USA Äthiopien importiert seit Jahren signifikant mehr, als es exportiert. Das wäre unproblematisch, wenn das überwiegend langlebige Industriegüter wären mit denen Exporterlöse zu erwirtschaften wären, aber das ist eben leider nicht der Fall. Daher ist das Land insbesondere auf Transferzahlungen angewiesen. Hilfszahlungen anderer Staaten machten zuletzt ca. USD 3 Mrd. aus. Wichtiger als diese sind die sehr stabil fließenden Überweisungen der äthiopischen Diaspora, beachtliche USD 6 Mrd. p.a. Aber auch das reicht nicht zur Deckung des chronischen Handelsbilanzdefizites. Und deswegen hat sich über die Jahre eine hohe Auslandsschuld angesammelt, die man nicht bezahlen kann. Die Gefahr besteht darin, dass irgendwann keine Lieferung von Importgütern mehr erfolgt, weil keine Währungsreserven mehr vorhanden sind. Gut für Äthiopien ist die Entwicklung des Goldpreises. In 2025 hat Äthiopien so viel Gold verkauft, dass es zum ersten Mal seit Jahrzehnten einen Handelsbilanzüberschuss erwirtschaften hat. Es stellt sich die Frage, wie nachhaltig das ist (also ob das wirklich die Menge war, die in einem Jahr geschürft werden konnte, oder ob man Goldreserven verkauft hat). Im Inland hat man den Wert der Währung Birr stark inflationiert (April 2026 ETB 157 = 1 USD, die höchste nominierte Banknote zum Zeitpunkt des Berichts hat einen Nennwert von ETB 200). Die Inflationsraten der letzten Jahre lagen von 2016-2025 zwischen 10 bis 40% pro Jahr (aktuell 14%). Im Moment wirken die ergriffenen Maßnahmen positiv, aber sie müssen natürlich auch dauerhaft durchgehalten werden. Als Kaufmann machen dem Autor die hohen Handelsdefizite Sorgen, die ja nicht nur Zahlen darstellen, sondern aus Ausdruck eines tiefen Strukturproblems sind (kurz und knapp: man konsumiert mehr, als man produziert). Wünschen wir dem Land an dieser Stelle viel Erfolg und das Beste. Verkehr Da Äthiopien ein Binnenstaat ist, ist es für den Zugang zum Meer auf seine Nachbarstaaten angewiesen. Abwicklung des Außenhandelsverkehrs insbesondere über Djibuti (dorthin besteht auch eine Eisenbahnverbindung), Port Sudan, Häfen in Eritrea (wenn mal gerade nicht Krieg mit denen geführt wird oder aus einem nichtigen Grund die Grenze gesperrt sein sollte) und Berbera (Somaliland). Sonstige StichwörterSchusswaffen sind weit und dicht verbreitet. Einem Artikel entnahm ich, dass das vor allem auf die Zeit des Zusammenbruchs des kommunistischen Regimes zurückzuführen sei. Laut Meinung des Autors zeigt aber die Geschichte des Landes und die Bedrohung der Individuen durch Raub, die Notwendigkeit sich zu bewaffnen. Der Autor hat einmal einen Bericht über Hirten im äthiopischen Afar-Gebiet und Ogaden gesehen. Die Hirten dort trugen selbstverständlich Gewehre (übrigens deutsche G3 - vermutlich aus der Türkei importiert). • Die Menschen Äthiopiens sind existenziellen Gefahren ausgesetzt. Hierzu ein Beispiel: vor ca. 8 Jahren las der Autor in der Zeitung einen Bericht über systematische Raubüberfälle von Südsudan aus auf Landwirte in Äthiopien. Das Ziel war der Diebstahl von Vieh und Frauen. Wenn solche Berichte einmal in westlichen Zeitungen auftauchen, kann man davon ausgehen, dass die Bedrohung heftig und institutionalisiert (organisierte Banden) war. Äthiopien drohte seinerzeit mit Krieg. • Kalender: Die äthiopische Jahreszählung liegt dem gregorianischen Kalender 7 Jahre und acht Monate hinter. Beispiel: ethiopost gibt auf Ihrer website das Erstausgabejahr für äthiopische Briefmarken mit 1886 (äthiopischer Kalender) an, Michel nennt 1894 (gregorgianischer Kalender). Hinter Angaben nach äthiopischen Kalender findet man häufig die Angabe „EC“ = ethiopian calender • Tourismus: in den letzten 10 Jahren in der westlichen Welt als Geheimtipp gehandelt (Berg- und Kulturtourismus – insbesondere wegen der jahrhundertealten christlicher Heiligtümer). Abruptes Ende mit Einsetzen des Tigray-Konfliktes. Viele westliche Bürger wollen bei Reisen Tierfotos schießen, Briefmarkensammler hingegen begnügen sich mit deren Ansichten auf Marke 2005 Freimarke Spitzmaulnashorn, Michel-Nrn. 1820, 1822, 1824 Staudämme / Blauer Nil: Äthiopien hat 2023 einen großen Staudamm fertiggestellt (Grand Ethiopian Renaissance Dam), der seit 2025 aufgestaut wird. Ägypten droht mit Krieg, wenn das Aufstauen dazu führen sollte, dass zu wenig Wasser nach Ägypten weitergeleitet wird. Das Ziel Äthiopiens ist die Produktion von Strom und die Deckung des gesamten Binnenstrombedarfs, aber auch der Export ins benachbarte Ausland. Hier berichtete der Weltwährungsfonds von ersten echten Erfolgen (Deckung aller Kosten + einsetzende Exporterlöse). Ich schließe meinen Bericht mit dem Hinweis, dass die Philatelistische Bibliothek Hamburg fünf Medien zum Thema vorhält. Viele Beispiele gelaufener Belege kann man hier im Forum entdecken: https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=9472&CP=0&F=1 Ende meines Berichtes