In Beitrag [#1] wurden Sendungen gezeigt, welche Ende Januar 2026 durch den BPD Aachen zugestellt worden sind.
Der heutige Brief- und Paketdienst Aachen (BPD) wurde Mitte Januar 2016 gegründet. Wayback hat die Internetseite der Euregio-Boten (= BPD Aachen) archiviert, u.a. zwei pdf-Dateien [1][2], welche drei lesenswerte Artikel, erschienen in der Zeitschrift "Postmarkt" 01/2016; 01/2017 und 02/2017, enthält.
Der Wortstamm "regio" bzw. "euregio" ("eu" für europäisch und "regio" für "Region") taucht hier regional in Firmennamen häufiger auf und bezieht sich aufgrund der Lage der Städteregion Aachen (Landkreis Aachen) im Dreiländereck Belgien-Niederlande-Deutschland auf ein tagtäglich gelebtes, grenzüberschreitendes Europa als Region im Herzen Europas, wo die eigentlichen Staatsgrenzen zunehmend verschwimmen bzw. verwischen und auch der eigene Wohnort & Lebensmittelpunkt nicht mehr durch Landesgrenzen beschränkt wird. Gelb-schwarze und rot-weiße Autokennzeichen gehören auf den Straßen im Großraum Aachen zum tagtäglichen Erscheinungsbild (inkl. mancher Fahrweise, aber das wäre ein anderes Thema).
Im Vorwort der "Postmarkt"-Ausgabe 01/2016 [1] wird der Anfang des heutigen BPD Aachen beschrieben:
Seit Anfang des Jahres engagiert sich das Medienhaus Aachen über seine Tochterfirma „Euregio MH Boten GmbH“ mit der Marke „Brief- und Paketdienst Aachen-Düren-Heinsberg“ auf dem hiesigen Postmarkt. Dieses Geschäftsfeld ist nicht neu für uns. Schließlich beliefern die Zusteller unserer Zeitungen seit über 70 Jahren sechs Mal pro Woche die Briefkästen in unserer Heimat. So lag es auf der Hand, dieses Know-How auch für die Brief- und Paketzustellung zu nutzen.
Wir sind deshalb zum 1. Januar mit dem seit gut 15 Jahren in unserer Region tätigen Unternehmen „BPD Andreas Vohn Brief- und Paketdienst Aachen-Düren“ eine strategische Partnerschaft eingegangen. Nahezu allen Mitarbeitern, die mit der Zustellung der Aufträge dieses Unternehmens beschäftigt waren, haben wir in unserer Firma eine neue Anstellung anbieten können.
Im Vorwort der "Postmarkt"-Ausgabe 01/2017 [1] werden einige Angaben zur Betriebsgröße des BPD Aachen gemacht:
Das Medienhaus Aachen, das Ihnen durch die Tageszeitungen „Aachener Zeitung“ und „Aachener Nachrichten“ sowie den Wochenblättern „Super Mittwoch“ und „Super Sonntag“ bekannt ist, stellt seit dem 1. Januar 2016 Briefe und Pakete in der Region zu. Die hundertprozentige Tochterfirma Euregio MH Boten GmbH stellt mit seiner Marke „Brief- und Paketdienst Aachen-Düren-Heinsberg“ täglich bis zu 80.000 Sendungen zu.
900 regionale Kunden vertrauen beim Versand von Tages- und Infopost auf uns. Und nicht nur beim Postversand möchten wir uns als zuverlässigen Dienstleister etablieren: als Medienhaus ist es unser Ziel, einen Full-Service anzubieten, der vom Druck einer Sendung über das Kuvertieren bis zur Zustellung reicht.
In der zweiten "Postmarkt"-Ausgabe 02/2017 wird die Fortsetzung der betrieblichen Entwicklung des BPD bekanntgegeben [2]:
Neben der bereits erwähnten personellen Neuerung, hatte der BPD auch räumliche Veränderungen. Zum 1. August 2017 sind die beiden ehemaligen Betriebsstätten in Erkelenz und Würselen zusammengelegt und in das Medienhaus Aachen integriert worden. Das Ziel des Umzugs ist eine Effizienzsteigerung mittels Zentralisierung. Durch eine übergreifende Steuerung der Arbeitsprozesse optimieren wir Strukturdefizite und Geschwindigkeitsverluste.
Maschine oder Mensch? Bei uns heißt es vielmehr Maschine und Mensch. Gleichzeitig zum Umzug in die Räumlichkeiten des Medienhauses haben wir eine maschinelle Sortieranlage in Betrieb genommen, die den Aufwand der manuellen Sortierung deutlich minimieren soll. Die Maschine kann automatisierte Sortierungsläufe durchführen, die nichtsdestotrotz menschlicher Bedienung bedürfen, um die Sendungen korrekt zu verarbeiten. Mehr zur Symbiose von Mensch und Maschine lesen Sie im Innenteil.
Die Verzahnung der vor- und nachgelagerten Arbeitsabläufe mit einer Maschine ist nicht ohne Herausforderungen behaftet gewesen. Aufgrund des täglich zu verarbeitenden Sendungsvolumens (ca. 80.000 Stück) und unvorhergesehenen Konfigurationsstörungen an der Anlage kam es in den ersten Wochen nach Inbetriebnahme zu Verzögerungen in der Produktion. Dies hatte unter anderem Auswirkungen auf unsere Qualität.
[...]
Bereits bei Inbetriebnahme der Maschine lässt sich der schlankere Produktionsablauf erkennen: Durchschnittlich 22.000 Sendungen pro Stunde kann die Anlage „Olympus II“, unabhängig von der Größe und Dicke des Briefes, verarbeiten. Zwei Maschinenführer bedienen jeweils in einer Früh- und in einer Spätschicht die Olympus II und koordinieren die Arbeitsabläufe rund um die Sortiermaschine.
Pakete und Sendungen, die das DIN A4 Format überschreiten, können nicht durch die Maschine laufen, sondern werden an separaten Arbeitsplätzen zugeordnet und anschließend mit einem Label versehen.
[...]
Der BPD beschäftigt derzeit rund 350 Mitarbeiter, die von den beiden Niederlassungen Erkelenz und Würselen ins Mutterhaus gezogen sind. Eine zentrale Abholung der circa 1.000 Geschäftskunden erfolgt nun von der Dresdener Straße aus. Eigene Briefboten oder auch hybride Zusteller der Tageszeitung, die zum einen Zeitung und Briefe verteilen, erhalten von Fahrern ihren Sendungen für den Bezirk. Bei Sendungen, die außerhalb unseres eigenen Postleitzahlgebiets „52“ und „41“ gehen, greifen wir auf unser bundesweites Zustellnetzwerk aus privaten Postdienstleistern zurück.
C6-Sendung vom 19.01.2023, innerhalb Aachens gelaufen - Spätdatum von Januar 2023 mit BPD-Firmenlogo in der Frankierung der Olympus II
Im ersten Quartal 2023 kam es (den vorliegenden Belegen nach) zu einer Neuausrichtung des Geschäftsbetriebs. Seit spätestens März 2023 werden lediglich Sendungen von Zustellpartnern zugestellt. Die Zustellung von Sendungen eigener Kunden konnte seither nicht mehr nachgewiesen werden, was dafür spricht, dass der BPD Aachen im Großen und Ganzen nicht mehr über eigene Kunden verfügt. Über welchen Briefdienst die Sendungen des Zeitungsverlags selbst zugestellt werden, ist mir nicht bekannt. Im Umkehrschluss gibt es seit spätestens März 2023 keine überregionalen Sendungen mehr, welche von Aachen aus an Zustellpartner bundesweit (P2 - die zweite Post und Mail Alliance) gegeben würden.

Sendung von PostModern Dresden = ma0111 nach ma5272, in Aachen am 21.03.2023 durch die Sortieranlage gelaufen
Die maschinelle Kennzeichnung der Sendungen erfolgt seither nicht mehr vorderseitig, sondern ausschließlich rückseitig, sofern es sich um maschinenlesbare C6-Sendungen bzw. Großbrife (C5- und C4-Format) handelt. Sendungen mit maschinell nicht lesbaren Empfängeranschriften (Bsp. handschriftlich notierte Empfängerangaben) werden ohne weitere Sendungskennzeichnung manuell absortiert.

C6-Sendung, maschinell erfasst und absortiert am 26.11.2025


Neben dem Kürzel des Firmennamens "BPD" enthält die dreizeilig gehaltene maschinelle Frankierung zusätzliche die Datumsangabe sowie die Postleitzahl des Empfängers (hier 52078 und 52074 in Aachen gelegen). Der Sinn und Zweck des Buchstaben "B" und der letzten zwei Ziffern in der dritten Zeile ist unbekannt. Neben den hier gezeigten Konstellationen B52XXX01 und B52XXX33 (XXX = Fortsetzung der Postleitzahl nach dem Postleitbereich 52) liegen zusätzlich die Nummern B52XXX05 und B52XXX23 vor, wobei die beiden Entziffern nach der Empfänger-PLZ unabhängig von der eigentlichen Postleitzahl auftreten. Auch die Überlegung, dass anhand der beiden Entziffern der aufliefernde Zustellpartner als BPD-interne Kundennummer durchnummeriert wird, scheint nicht zuzutreffen. Eventuell handelt es sich um die Nummer der Zustelltour.
Da sich die Frankierung des BPD Aachen auf der Briefumschlagrückseite befindet und die Vorderseite meist leer (unbeschriftet) bleibt, werden diese modernen Belege sicherlich oftmals von Sammlern übersehen und im Altpapier entsorgt.
Mit der Umstellung auf eine rückseitige Sendungskennzeichnung ab spätestens März 2023 entfällt nun auch der sonst rückseitig vorhandene orangefarbene & fluoreszierende Balkencode (ähnlich der Codierung der Deutschen Post AG) als zusätzliche Unterstützung zur maschinellen Sortierung, welcher sonst typisch für das Briefsortieranlagenmodell "Olympus II" des Herstellers Pitney Bowes ist.
Gemäß der Info eines Sammlerkollegen aus Aachen werden aktuell zugestellte, normalerweise maschinell lesbare Sendungen des BPD Aachen nicht mehr vorab rückseitig maschinell gekennzeichnet. Die Sendungen sind demnach lediglich als Solche anhand der Frankiervermerke des aufliefernden Briefdienstes (Zustellpartners) auf dem Umschlag bzw. an Frankiervermerken im Fenster oberhalb der Empfängeradresse erkennbar (z.B. Sendungen von dvs). Bei den beiden hier gezeigten Belegen der Sortanlage Olympus II handelt es sich um das aktuell vorliegende Frühdatum (21.03.2023) und Spätdatum (26.11.2025). Gut möglich, dass die hier vorgestellte Phase maschineller Sortiertechnik von 2023 bis 2025 mittlerweile Geschichte ist und eventuell als Kostensparmaßnahme ab sofort gänzlich auf eine manuelle Sortierung gesetzt wird.


C6-Sendung von Juni 2024 mit Freimachungsvermerk des aufliefernden Briefdienstleisters dvs oberhalb der Empfängerangabe, in Aachen maschinell sortiert am 05.06.2024 und zugestellt in 52477 Alsdorf am 17.06.2024
Diese Sendung zeigt exemplarisch die immer wieder vorkommende Laufzeitproblematik bei Sendungen auf, welche durch den BPD Aachen zugestellt werden.
Gruß
Stefan
[1]
https://web.archive.org/web/20240513014835/https://euregio-boten.de/wp-content/uploads/2017/04/Postmarkt-Magazin_zwei-Ausgaben.pdf (ab Seite 1 ff und Seite 49 ff)
[2]
https://web.archive.org/web/20240620214019/https://euregio-boten.de/wp-content/uploads/2017/11/Euregio_online.pdf