Briefmarken Atteste

Thema:

Phosphoreszenz ? Fluoreszenz ?

GlenOakburn Am: 21.11.2025 10:41:42 Gelesen: 1072 # 1
Ich bin gerade daran, niederländische Briefmarken zu sortieren, und stoße dabei auf ein Problem, das mich schon ab und zu beschäftigt hat. Ein Beispiel: Die Freimarkenserie Königin Juliana von 1953 weist viele Werte auf. Der 15 Cents-Wert (als Beispiel, es gibt auch andere) existiert laut MICHEL auf normalem und auf phosphoreszierendem Papier. Vor mir liegen drei Exemplare der genannten Marke, die ich mit der Prinz-UV-Testlampe (Langwelle, 366 nm) anstrahle. Eine reagiert nicht, eine leuchtet bläulich-weiß auf, und die dritte gelb. Da dies bei einigen Werten vorkommt und alle Varianten nicht selten sind, gehe ich davon aus, dass es mindestens DREI verschiedene Papiersorten gibt. Eine andere Lösung: Einige Marken sind 'kontaminiert'. Wenn das so ist, wie unterscheide ich kontaminierte Marken von anderen? Wenn ich das nicht kann, macht eine Unterscheidung mittels UV-Lampe wenig Sinn. Dieses Problem tritt auch bei Marken anderer Länder auf, und ich bin bestimmt nicht der einzige, der es kennt. Kann mir jemand helfen?
drkohler Am: 21.11.2025 16:04:17 Gelesen: 1011 # 2
Ist ein schwieriges Gebiet mit vielen Fallstricken. Grundsätzlich sollte man um Phosphoreszenz nachzuweisen, eine kurzwellige Lampe benützen (254nm). Ich benütze dazu eine selbstgebaute Lampe, die noch ein Glasfilter enthält welches Anteile oberhalb ca 300nm vollständig blockiert. Kommerzielle 254nm strahlen oft auch ein bisschen bis in den blauen Wellenlängenbereich hinein. Was die 366nm Prinzlampe macht, weiss ich nicht. Ist das eine 254nm Röhre mit Beschichtung, die das Licht in 366nm umwandelt? Besonders ältere solche Lampen strahlen dann auch deutlich im 254nm (und in den sichtbaren blauen Bereich hinein) Bereich weil die Beschichtung zu gealtert ist. Ohne die phosphoreszierende Substanz zu kennen bei deiner Marke, würde ich mal sagen: Die Marke, die nicht reagiert, ist nicht phosphoreszierend. Die Marke die etwas blau leuchtet, ist ebenfalls nicht phosphoreszierend. Die bläuliche Farbe kommt von der Reflektion des blauen Lichtes, welche die 366nm Lampe abstrahlt. Speziell diese UV-Handheldlampen mit den 4 AA Batterien blockieren das blaue Licht nicht genügend und es kommt deshalb immer zu "bläulichen Bildern" durch das vom angestrahlten Gegenstand reflektierte blaue Licht. Das Papier kann auch optische Aufheller enthalten ("OMO wäscht weisser als Weiss") wenn es bläulich-weiss leuchtet. Besonders bei gebrauchten Marken kann es allerdings auch zu Kontamination kommen wenn sich im Wasserbad alles Mögliche tummelt beim Ablösen der Marken. Die Marke, die gelblich leuchtet, ist phosphoreszierend. Allerdings wahrscheinlich nicht allzu stark weil die falsche Wellenlänge benutzt wird. Aber wegen der Alterung der Röhre/Beschichtung trotzdem genügend 254nm Licht austritt. Halte einfach voll drauf (im Stockdunkeln) auf die Marke und schalte die Lampe aus. Es sollte ein Nachleuchten zu beobachten sein. Bei fluoreszierenden Marken ist keinerlei Nachleuchten zu sehen.
GlenOakburn Am: 21.11.2025 17:59:56 Gelesen: 974 # 3
Vielen Dank schon mal, DrKohler! Am Alter der Lampe kann's nicht liegen, die hab ich gestern fabrikneu erstanden. Mit der ebenfalls gleichentags erstandenen 254nm Lampe fallen jetzt die bläulich-weißen weg, das ist schon mal gut. Ein Nachleuchten konnte ich allerdings bei keiner einzigen Marke feststellen. Aber stockdunkel wird's bei uns eh nie, wir wohnen an der Hauptstraße, ganz abgesehen davon, dass ich gerne das Tageslicht nutze fürs Marken sortieren. Ich treffe bestimmt in den nächsten Tagen und Wochen auf Marken, die fluoreszieren sollten. Mal schauen, ob sich bei mir der Schleier etwas lüftet. :-) Nochmals vielen Dank!
drkohler Am: 21.11.2025 18:30:06 Gelesen: 964 # 4
Das Nachleuchten kann auch sehr kurz sein je nach gebrauchter Substanz und Konzentration. Die älteren Semester unter Uns können sich sicher noch an Zifferblätter auf Uhren erinnern, die recht lange nachleuchteten wenn man die Substanz aktiviert. Ziemlich ungesundes Zeug wurde da benutzt. Normaler Weise braucht man uv Lampen im Dunkeln oder zumindest in abgedunkelten Räumen. Da adaptiert sich das Auge an die Dunkelheit. Das Auge ist extrem sensitiv im Dunkeln. Wenige Photonen/Sekunde werden detektiert, allerdings übersättigt das Auge auch sehr schnell. Wie wenn man in die Sonne blickt, dann sieht man noch sekundenlang eine Sonne "nachleuchten". Anfangs hatte ich auch grosse Probleme das Nachleuchten zu sehen. Ich hatte jeweils die uv-Lampe weggedreht. Dauerndes Ein/Ausschalten ist nicht gesund für die Leuchtröhre. Aber das Wegdrehen/Restleuchten dauerte zu lang und hat das kurze Nachleuchten überdeckt. Erst mit wirklich Abschalten der Leuchte klappte es. Bei meinen amerikanischen Marken kann das Nachleuchten weniger als 1 Sekunde betragen bei geringen Konzentrationen der Substanz. Da braucht es etwas Übung und mindestens ein offenes Fenster. Meine Lampe ist stark (8W) und beginnt sofort Ozon zu erzeugen nach dem Einschalten.
Ben 11 Am: 21.11.2025 20:34:44 Gelesen: 928 # 5
@ GlenOakburn [#1] Königin Juliana [...] auf normalem und auf phosphoreszierendem Papier. [...] Eine reagiert nicht, eine leuchtet bläulich-weiß auf, und die dritte gelb. Guten Abend, ist eigentlich nicht so schwierig. Wird die Marke mit UV-Licht 365nm angeleuchtet: - "bläulich-weiß" ist eine Fluoreszenzreaktion der optischen Aufheller im Papier, damit dieses im Tageslicht "weißer" aussieht. - "gelb" ist eine Fluoreszenzreaktion auf einen Fluoreszenzstoff in der oberen Papierschicht (Strich). Üblicherweise dient das zum "Finden" der Marke auf dem Briefumschlag zum automatischen Stempeln. - bei "normalem" Papier passiert gar nichts, die Marke ist nur dunkel. Fluoreszenzstoffe sind flüchtig oder verblassen, d.h., sie verlieren mit der Zeit ihre Fluoreszenzantwort. Das kann durch falsches Ablösen oder Lagern im Steckalbum dann auch schneller gehen. Hier besteht durchaus Verwechslungsgefahr mit "normalem" Papier. Meist sind aber Reste mit Fluoreszenz zu erkennen. Für Fluoreszenzen verwendet ich eine herkömmliche Schwarzlichtlampe 365nm. Wird die Marke mit UV-Licht 254nm angeleuchtet: - ist erstmal kaum eine Änderung zu erkennen. Die Reaktion setzt mit Ausschalten der UV-Lampe ein (Nachglühen). Bei einigen meiner Marken der Juliana ist das ein helles Blau. Den Effekt des Nachglühens in verschiedenen Farben und Leuchtdauer kann man gut bei den britischen "Wilding"-Marken sehen. Für die Phosphoreszenzen verwende ich eine UV-Leuchte 254nm von Leuchtturm. Und immer schön mit Schutzbrille arbeiten! Viele Grüße Ben.
Holzinger Am: 22.11.2025 09:44:59 Gelesen: 829 # 6
[#5] @ Ben Kleine Ergänzung: Bei USA-Marken gibt es auch noch "ROT". Es dient zur Erkennung von "AIR MAIL"-Marken.
drkohler Am: 22.11.2025 10:00:38 Gelesen: 824 # 7
@ Ben 11 [#5] Wird die Marke mit UV-Licht 254nm angeleuchtet: - ist erstmal kaum eine Änderung zu erkennen. Die Reaktion setzt mit Ausschalten der UV-Lampe ein (Nachglühen). Bei einigen meiner Marken der Juliana ist das ein helles Blau. Das solltest du besser noch mal überarbeiten. Hier mal ein Beispiel unter 254nm in US-Markenheftchen: Links oben ein Heftchenblatt das den Leuchtstoff mit Hilfe von Matten erhielt, unten ein HBlatt das den Leuchtstoff mit Druckplatten erhielt. Beim Anstrahlen mit uv-Licht leuchten die Heftchenblätter sofort, da wird nicht abgewartet mit Leuchten. Es werden dauernd Atome angeregt und durch Phosphoreszenz wieder abgeregt über erlaubte und "verbotene" Übergänge. Weil nach kurzer Zeit eine Sättigung der Atome eintritt, besteht ein Gleichgewicht. Wenn die Leuchte abgeschaltet wird, dann strahlen die angeregten Atome (im Tripletzustand) noch eine Zeit lang bis sich alles beruhigt hat. Rechts im Bild sind zwei MH Deckel. Der Linke besitzt optischen Aufheller, der Rechte nicht. Der optische Aufheller reagiert auf die 254nm der Leuchte (das muss nicht unbedingt so sein je nach Aufheller) und strahlt ein helles Weiss aus (das nicht nachleuchtet). Das Bild zeigt ziemlich genau das was das Auge sieht (zumindest meine). Hier mal ein (furchtbares) Beispiel unter 366nm: Die langwelligen uv-Strahlen aktivieren ebenfalls ein weisses Leuchten auf dem Deckel mit optischem Aufheller. Der Deckel ohne Aufheller erscheint leicht violet. Allerdings hat das Bild einen blauen Farbstich, der so nicht wirklich zu sehen ist. Das hat mehrere Gründe und man sieht diesen Blaustich immer auch Handy-Fotos. Ein Grund ist der Blauanteil von uv-Leuchten, der immer vorhanden ist. Die strahlen auch etwas "ins Blaue" und das reflektierte blaue Licht wird detektiert. Der andere Grund ist die extreme Empfindlichkeit von Kamerasensoren auf uv-Licht. Nur wirklich gute Kameras/Linsensysteme blockieren uv-Licht (das Bild hier wurde mit einem Samsung-Tablet gemacht und bei Tablets/Handys ist der uv-Schutz oft ungenügend aus Platz/Preisgründen). Also lange Rede, kurzer Sinn (für US-Marken): Beim Bestrahlen mit 254nm leuchten Marken sofort grün/gelblich (oder rötlich bei Luftpostmarken) und leuchten nach beim Abschalten. Enthält das Papier/der Deckel optischen Aufheller, leuchtet es hellweiss. Wenn beides vorhanden ist, gewinnt die gelb/grüne Phosphoreszenz über die weisse Fluoreszenz (die wesentlich schwächer leuchtet). Für Fluoreszenz ist also immer eine 366nm Leuchte nötig. Beim Bestrahlen mit 366nm leuchten phosphoreszierende Marken nicht weil die ausgestrahlte Energie zu schwach ist. Weisses Leuchten erscheint bei fluoreszierenden Marken/Deckeln mit optischen Aufhellern. Das Objekt zeigt kein Nachleuchten. Bei nicht-US Marken kann es durchaus sein, dass die Regeln anders sind. Evtl. kann die 366nm Strahlung genügend Energie haben um Phosphoreszenz (neben möglicher Fluoreszenz) anzuregen. Dann bricht Chaos aus weil alle Effekte gleichzeitig auftreten können. Da fehlen mir einfach die Marken um das zu testen.