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Thema:

Ersttagssonderstempel auf falscher Marke - mehr oder weniger wert ?

sammler70 Am: 15.08.2025 10:18:37 Gelesen: 1338 # 1
Einen schönen guten Morgen. In diesem Jahr habe ich einige Briefe von der Sonderstempelstelle in Weiden erhalten, bei denen ein Ersttagssonderstempel auf einer falschen Marke angebracht ist. Bevor jetzt wieder die Diskussion losgeht, dass Belege von der Sonderstempelstelle in Weiden wertlos sind, weil sie nur zu philatelistischen Zwecken hergestellt werden und es sich um Gefälligkeitsabstempelungen handelt, möchte ich vorab sagen, dass dies nicht Thema dieses Beitrags sein soll und dass mich dies im Übrigen auch nicht interessiert. Solche Belege sind für mich ebenfalls echt gelaufene Belege, da sie mit Porto versehen von einer offiziellen Stelle gestempelt und befördert wurden auf dem offiziellen Postweg. Wenn man sich auch noch Gedanken über den Zweck eines Briefes machen müsste, so könnte man überspitzt auch auf die Idee kommen, dass ein Kondolenzbrief weniger wert ist als ein Glückwunschbrief zu einer Hochzeit, weil es sich hier um eine traurige Angelegenheit handelt. Für mich ist ein gelaufener Brief ein ein gelaufener Brief, wenn er frankiert ist, mit einem echten Stempel versehen und offiziell befördert wurde. Andere mögen das anders sehen, mich persönlich tangiert das aber nicht. Mich interessiert hier speziell, wie die folgenden Briefe einzuordnen sind. Meines Erachtens handelt es sich hier um gelaufene FDC, da für einen FDC aus meiner Sicht entscheidend ist, dass er am Ausgabetag der Marke mit einem Stempel dieses Datums entwertet wurde. Aber wie soll ich den richtigen Stempel auf der falschen Marke einordnen. Meines Erachtens handelt es sich um ein Kuriosum, das durchaus Sammelns wert ist und sich von normalen FDC sogar noch positiv abhebt, da es seltener ist. Wie seht ihr das? Beispiele: Ersttagsstempel Bonn 8.5.25 Für den Sport (MiNr. 3904-3906) auf der Marke Europa- Nationale archäologische Funde (MiNr. 3907). Ersttagsstempel Berlin 8.5.25 Für den Sport (MiNr. 3904-3906) auf der Marke Europa- Nationale archäologische Funde (MiNr. 3907). Ersttagsstempel Bonn 10.6.21 "Junge Wildtiere Feldhamster" auf der Marke "Junge Wildtiere Steinbock" Ersttagsstempel Bonn 2.12.21 "Bibi & Tina" auf der Marke "Die Drei ???" Ersttagsstempel Berlin 7.10.21 "Die Heinzelmännchen" auf der Marke "Die Nibelungen"
drmoeller_neuss Am: 15.08.2025 13:01:44 Gelesen: 1294 # 2
@ sammler70 [#1] Ich kenne nicht die aktuellen Bestimmungen. Früher dürften die Ersttagsstempel nur auf der dazu passenden Ausgabe abgeschlagen werden, selbst eine notwendige Portoergänzung wurde nicht akzeptiert. Vielleicht sind es heute ganz normale Sonderstempel, die auf allen gültigen Marken abgeschlagen werden dürfen? Ansonsten sind das nette Kuriosiäten, wobei ich bei den Archäologie-Marken den Code auf dem Umschlag vermisse. Vielleicht kommt er im Scan nur nicht heraus, ansonsten kann man leider nicht nachweisen, dass die Briefe echt gelaufen sind. Ich habe einmal ein Ersttagsblatt gesehen, das mit dem falschen Stempel gestempelt war. Das ist eine schöne Kuriosität in der sonst eintönigen Ersttagsblattsuppe.
sammler70 Am: 15.08.2025 13:11:46 Gelesen: 1288 # 3
@ drmoeller_neuss [#2] Ja, den Code sieht man nur auf den Scan nicht. Ich glaube, dass die Stempel nach wie vor eigentlich nur auf der dafür vorgesehenen Marke abgeschlagen werden dürfen, weil auf Belegen mit Zusatzfrankatur ist diese Marke immer mit einem normalen Tagesstempel entwertet. LG Franz
Henry Am: 15.08.2025 15:39:45 Gelesen: 1243 # 4
@ sammler70 [#1] Generell muss man wohl zustimmen, dass diese Belegform durchaus sammelwürdig ist und auch entsprechende Liebhaber findet. Man darf aber halt nicht verkennen, dass diese von der Sonderstempelstelle abgeleiteten Ersttagsbriefe nur einen Dokumentationszweck erfüllen und nicht einen erkennbaren Bedarfszweck, der in der Sammlerschaft eben auch höher bewertet wird. Erstaunlich ist für mich nur die Vielzahl der falschen Abstempelungen. Die Stempel dürften eigentlich nur auf der zugehörigen Marke abgeschlagen werden. Entweder ist hier also ein völliger Stempel-Laie beschäftigt gewesen (oder ist es noch), oder es steckt schon Absicht dahinter(was ich nicht unterstellen will), denn das wäre schon bösartig. Immerhin wäre es wohl möglich (oder zumindest möglich gewesen), neue Belege einzureichen und richtig gestempelt zu erhalten. Natürlich mit Erstattung der "verstempelten" Nominalen. Wenn man das nicht einfordert, nimmt man es billigend in Kauf. Daraus resultiert aber leider kein höherer Wert des verstempelten Briefes. Es ist und bleibt eine Kuriosität. Nun ja, vielleicht ist es schon mal einem Sammler einen Aufschlag wert, dann gratuliere ich zu dem Glücksfall. Mit philatelisztischem Gruß Henry
TeeKay Am: 15.08.2025 20:58:41 Gelesen: 1179 # 5
@ Henry [#4] Ich vermute, dass die Stempel falsch beschriftet waren und die Mitarbeiter:in ihren Job nicht darin sah, das in zu prüfen. Dann müssten alle Belege, die an diesem Tag bearbeitet wurden, falsch gestempelt worden sein. Dass jemand konsequent versehentlich bei fünf Briefen zu fünf falschen Stempeln greift, halte ich für unwahrscheinlich und vorsätzliches Falschstempeln wäre mir als Arbeitgeber mindestens eine Abmahnung, wenn nicht gar fristlose Kündigung, wert.
sammler70 Am: 15.08.2025 21:23:30 Gelesen: 1177 # 6
Für mich war es einfach nur ein Versehen. Ich habe die Umschläge nicht selbst gefertigt, sondern sie von einem leider kürzlich verstorbenen Sammlerfreund erhalten, von dem ich alle Sonderstempel auf Belegen automatisch bekommen habe. Die anderen Belege zu dem entsprechenden Datum waren übrigens mit den richtigen Stempeln versehen. LG Franz
dietbeck Am: 16.08.2025 05:30:03 Gelesen: 1148 # 7
@ sammler70 [#1] Ob etwas sammelwürdig ist oder nicht ist Entscheidung des Sammlers. Da sollte man sich auch nicht von den "Puristen" beeinflussen lassen. die, um es überspitzt zu sagen, bei allem jenseits von Altdeutschland die Nase rümpfen. Und was Du zeigst, würde sicher in einige Sammlungen passen und dokumentiert eine nicht intendierte Praxis jenseits der Vorschriften, die eben vorkommt, wie so vieles andere auch jenseits der Regeln.
Henry Am: 16.08.2025 10:33:44 Gelesen: 1115 # 8
@ TeeKay [#5] Jedem Menschen kann mal ein Fehler unterlaufen. Wenn aber innerhalb eines Jahres an verschiedenen Ersttagen die Stempel falsch gekennzeichnet werden, ist das in meinen Augen schon erhebliche Schlamperei. Das lässt bei den vielen anderen negativen Meldungen in der Phila-Welt doch schnell Argwohn aufkommen. Mit philatelistischem Gruß Henry
Christoph 1 Am: 16.08.2025 13:56:02 Gelesen: 1075 # 9
@ sammler70 [#1] Eine der Fragen aus dem Ausgangsposting wurde bislang gar nicht aufgegriffen: Gilt ein mit dem falschen ESST gestempelter Brief trotzdem formal als FDC (Ersttagsbrief)? Ich würde klar sagen: Ja, so lange der Stempel tatsächlich das Erstverwendungsdatum der frankierten Briefmarke aufweist, ist es ein vollwertiger FDC, egal mit welcher Art von Stempel die Briefmarke entwertet wurde, Hauptsache der Tag ist der richtige Tag. In meinen Augen sind die hier gezeigten Belege interessante Kuriositäten, die jede FDC Sammlung bereichern. Viele Grüße Christoph
TeeKay Am: 16.08.2025 16:23:27 Gelesen: 1049 # 10
Die Definition eines FDC verlangt keinen Ersttagssonderstempel. Schon deshalb nicht, weil es die ersten Jahrzehnte in der Geschichte der Briefmarke gar keinen ESST gab. Nach der Michel Definition muss ein FDC im Gegensatz zu einem Brief nicht einmal gelaufen sein.
sammler70 Am: 16.08.2025 17:41:11 Gelesen: 1035 # 11
@ TeeKay [#10] Jetzt habe ich wieder etwas dazugelernt. Ich wusste nicht, dass der Michel bei seiner Bewertung von FDC nicht von gelaufenen Briefen ausgeht. Kannst du mir zufällig sagen, wo ich dabei Michel Spezial suchen muss? LG Franz
DL8AAM Am: 16.08.2025 18:28:25 Gelesen: 1014 # 12
@ sammler70 [#11] Steht in meinem normalen MICHEL-Deutschland von 2004/2005 (übrigens meine aktuellste Ausgabe) bereits in der allgemeinen Einführung. Heisst im Umkehrschluß, dass nicht echt gelaufene, d.h. "gemachte" Belege den Basispreis darstellen, echt gelaufene bedingen ja Aufschläge. ;-) Beste Grüße Thomas
Henry Am: 17.08.2025 12:00:38 Gelesen: 966 # 13
@ DL8AAM [#12] Na ja, das ist halt so eine Sache mit alten Katalogen. Die Sichtweisen werden von der Zeit überholt. In meinem Spezial von 2024 steht zu den FDC nur noch "Die FDC-Bewertungen gelten für Belege mit Abstempelung vom ersten Gültigkeitstag der aufgeklebten Marke(n), nicht aber für lose Marken mit Ersttagsstempeln.", weiter nichts mehr. Mit philatelistischem Gruß Henry