Thema:
Täglich sterben 100 Sammler - Ein traditionsreiches Hobby vor dem Niedergang
Am: 22.06.2025 09:56:54
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# 1
„Jeden Tag sterben hundert Briefmarkensammler“
Von Dr. h.c. Michael Kubenz FRPSL/UFU
So provokant formuliert das Maike von den Junge Briefmarkenfreunde Simeon-Hamm. Gestern fand wieder der Großtauschtag in der Wichern Kirche in Hamburg-Hamm statt. Über eintausendfünfhundert Alben waren aufgebaut, um neue Besitzer zu finden, zu einem Durchschnittspreis von 10-15 Euro das Album.
„Wir werden mit Briefmarken und Alben überschütte, besonders nachdem die Evangelische Stiftung Alsterdorf ihre Briefmarkenstelle zum Marz des Jahres 2025 geschlossen hat, da der Koordinator der Briefmarkenstelle, in den wohlverdienten Ruhestand gegangen ist“.
Der folgende Tag in Hamburg- Bergedorf. Wieder ein Großtauschtag. An den Tischen blättern ein Dutzend Herren mit grauem Haar durch Alben, fachsimpeln leise über Wasserzeichen und Fehldrucke. Doch so viele freie Stühle und Tische wie heute gab es früher nicht.
Briefmarkensammeln, einst das „Hobby der Millionen“, steckt in einer stillen Krise. Die jüngere Generation bleibt aus, die alten Sammler werden immer älter – und tonnenweise Alben aus Nachlässen suchen vergeblich neue Besitzer. So ging es auch Anja, ihr Vater verstarb unverhofft kurz nach Weihnachten, nun steht sie in der Wohnung, die aufgelöst werden muss und schaut auf drei Zimmer voll mit Alben und Schuhkartons.
Über zweihunderttausend Euro hat der Vater in die Sammelleidenschaft investiert, alles hat er akribisch aufgeführt 308,00 Euro für das Sieger-Abonnement im Monat und Borek darf natürlich auch nicht fehlen und nicht zu vergessen CEPT, Vatikan und UNO, Genf und New York. Vom Philatelie Service der Deutschen Post findet sich eine Urkunde für fünfzig Jahre treuer Kunde in der Dauer Belieferung mit Ersttagsbriefen und Briefmarken, gestempelt und postfrisch.
„Es war kein Geld für einen Urlaub da, aber für Briefmarken fand sich immer etwas“ berichtet Anja. Seine Frau hat ihn verlassen, obwohl er die unzähligen Briefe an sich selbst immer an sie adressierte. „Die Auktionatoren sind wir Furien durch die Alben gegangen, Schutzhüllen runter und niederschmetternde Kommentare. „Kein Altdeutschland oder wenigsten Kolonien?“ „Mist und Ramsch“ waren noch die nettesten Bezeichnungen.
Anja weint: „Ich hatte das Gefühl ich müsste mein Vater verteidigen, für das was er gutgläubig gekauft hat. Er glaubte wirklich bis zum Schluss, er vermacht uns, den Kindern ein Vermögen“. Das höchste Gebot eines Auktionators für die Deutschland Sammlung vor 1960 war zweitausend Euro. Die 4 Alben nahm er mit, die 60 Umzugskisten blieben zurück.
Ein traditionsreiches Hobby steht vor dem Niedergang.
Vor wenigen Jahrzehnten gehörte das Briefmarkensammeln zum Alltag: In den 1960-er und 1970-er Jahren erlebte die Philatelie einen Boom und wurde vom Zeitvertreib einiger Liebhaber zu einem echten Massenphänomen. Heute sieht die Lage gänzlich anders aus. Die großen philatelistischen Verbände im deutschsprachigen Raum verlieren seit Jahren kontinuierlich Mitglieder. In Deutschland zählte man 2023 nur noch etwa 22.500 organisierte Philatelisten in rund 760 Vereinen– deutlich weniger als zu den Boomzeiten.
Ähnlich düster ist das Bild in Österreich und der Schweiz: Verbandsberichte sprechen von „kontinuierlichem Mitgliederschwund“ und einer dramatischen Überalterung der Szene. Viele Traditionsvereine müssen sich von Jahr zu Jahr verkleinern; mancherorts haben sich bereits Klubs mangels Mitglieder aufgelöst.
Die Alterspyramide der Briefmarkenfreunde hat sich in den letzten Jahrzehnten drastisch verschoben. Das Durchschnittsalter der Sammler liegt Schätzungen zufolge inzwischen teils jenseits der 70 Jahre. Bei Vereinstreffen dominieren Senioren – „keine Jugendveranstaltung“, witzeln die Teilnehmer mit Galgenhumor. Einst gab es beinahe in jedem größeren Verein eine engagierte Jugendgruppe; heute bleiben die Stühle im Jugendraum meist leer. Der „Nachwuchsmangel“ ist allgegenwärtig. Selbst engagierte Alt-Sammler, die Kinder und Enkel mit kostenlosen Markenheftchen ködern wollen, kämpfen gegen Windmühlen.
Dass kaum noch frische Sammler nachrücken, hat auch mit äußeren Umständen zu tun. Briefmarken selbst sind im Alltag zur Rarität geworden. Wo früher jeder Brief bunte Marken trug, prangt heute oft nur ein öder Freistempel oder gar kein Postzeichen mehr. Die Deutsche Post ersetzt klassische Briefmarken zunehmend durch Labeldrucker und digitale Frankierung; der einstige einfache Einstieg ins Hobby – das Heraustrennen bunter Marken aus der Tagespost – existiert so gut wie nicht mehr. Zugleich schreiben E-Mails, Chats und Online-Portale der klassischen Briefpost den Abschiedsbrief. Den Jüngsten fehlt damit der natürliche Kontakt zur Briefmarke. Was man kaum noch sieht, weckt auch kein Interesse – die Folge: eine überalterte Sammlerschaft ohne „Nachwuchs von unten“.
Bunte Schätze, fallende Preise: Der Wertverfall der Standardware
Nicht nur die Vereine und Stammtische dünnen sich aus – auch der Markt für Briefmarken hat sich grundlegend gewandelt. Viele ältere Sammler, die ihre Kollektionen über Jahrzehnte mit Hingabe aufgebaut haben, erleben beim Blick auf heutige Preislisten eine bittere Ernüchterung.
Normale Sammelware, einst heiß begehrt, erzielt heute oft nur noch einen Bruchteil früherer Werte. So werden beispielsweise postfrische Marken aus gängigen Jahrgängen meist nur zu etwa 20 % des Katalogwertes verkauft, gestempelte Massenware gar nur zu rund 10 % des Katalogpreises. Was früher vielleicht einmal annähernd den halben Michel-Preis wert war, wandert heute oft zu Schleuderpreisen über den Ladentisch.
Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Ein eklatantes Missverhältnis von Angebot und Nachfrage drückt die Preise. In Deutschland, Österreich und der Schweiz treffen immer mehr Sammlungsauflösungen auf immer weniger Käufer. Wenn betagte Philatelisten sterben, hinterlassen sie ihren Erben oft ganze Zimmer voller Alben und Kartons – doch der Kreis potenzieller Interessenten dafür wird immer kleiner.
Die Folge ist ein Überangebot an durchschnittlicher Ware. Markenbestände aus Nachlässen überschwemmen den Markt, und bei einem solchen Überangebot „fallen die Preise in den Keller. Für Massenartikel, wie Ersttagsblätter und Standardserien gibt es kaum noch Abnehmer. Selbst schön gepflegte Sammlungen, auf die ein Sammlerleben lang stolz gewesen wurde, erzielen auf Auktionen heute mitunter nur Minimalgebote – falls sich überhaupt ein Käufer findet. Viele Katalogwerte haben ihren Bezug zur Realität verloren; letztlich ist eine Sache nur so viel wert, wie jemand bereit ist dafür zu zahlen. Und diese „jemanden“ muss man in der Philatelie inzwischen mit der Lupe suchen.
Die älteren Semester erinnern sich: Briefmarken galten einst als die sprichwörtlichen „Aktien des kleinen Mannes“, ein Hobby mit Werterhalt – ja sogar als Anlageform, mit der sich Werte sammeln ließen für schlechte Zeiten. Doch diese Zeiten sind vorbei. Heute sprechen selbst wohlmeinende Experten angesichts der Flut an unerwünschten Sammlungen vom „gigantischen Erbe, das niemand antreten will“. Die Millionen bunter Bildchen, die in Alben schlummern, haben für die nächsten Generationen kaum noch Bedeutung – und entsprechend gering ist ihr finanzieller Wert geworden.
Handel und Auktionen: Überangebot trifft auf fehlende Nachfrage
Für Briefmarkenhändler und Auktionshäuser ist die Entwicklung gleichermaßen besorgniserregend. Wo früher auf Tauschtagen und Börsen ein lebhaftes Gedränge herrschte, ziehen heute oft nur noch kleine Grüppchen ihre Runden zwischen den Händlertischen. Ein älterer Herr betrachtet das Schaufenster eines Briefmarken- und Ansichtskartenladens in München – junge Kunden sind hier selten geworden. Die großen Fachgeschäfte, die in den Innenstädten einst all das Zubehör und die neuesten Ausgaben anboten, sind rar geworden. Viele Traditionsläden mussten mangels Kundschaft schließen – übrig geblieben sind nur wenige Spezialisten, die ums Überleben kämpfen.
Die verbliebenen Händler klagen über volle Lager: Aus Aufkäufen und Nachlässen stapeln sich Berge solider Mittelware, für die sich immer schwerer Käufer finden. Auch die Auktionsszene hat sich gewandelt. Bei Versteigerungen erzielen absolute Spitzenraritäten zwar nach wie vor Rekordpreise – doch abseits dieser Top-Stücke bleibt der Bieterwettstreit meist aus. Durchschnittliche Sammlungsposten wechseln oft nur noch zum Ausruf oder gar nicht den Besitzer.
Immer öfter enden ganze Nachlass-Chargen als „Wunderkisten“ bei eBay, wo sie dann zu einem Bruchteil ihres einst geschätzten Wertes weggehen. Der Präsident eines großen Auktionshauses brachte es neulich auf den Punkt: „Uns laufen die Einlieferungen nicht weg – uns laufen die Käufer weg.“
Während also das Angebot an Briefmarken – speziell aus den Sammlungen der Verstorbenen – stetig zunimmt, bricht die Nachfrage immer weiter ein. Das Gleichgewicht des Marktes ist ins Wanken geraten. Früher konnte ein Sammler sicher sein, dass seine Sammlung später in gute Hände kommt oder zumindest zu einem ordentlichen Preis verkauft wird. Heute jedoch ist diese Aussicht ungewiss. So mancher Philatelist muss sich eingestehen, dass die materiellen Werte seiner Kollektion vor allem ideeller Natur sind. Die Freude am Sammeln selbst ist letztlich der größte Wert, den das Hobby noch zu bieten hat – einen finanziellen Gewinn erwartet kaum noch jemand.
Und hier folgt die Frage von Anja. „Warum hat unser Vater nicht mit und über seine Briefmarken geredet, sondern dass fast wie eine Geheimwissenschaft betrieben?“
Ein leises Ende mit Fragezeichen
Die geschilderten Entwicklungen zeichnen das Bild eines Hobbys auf dem Rückzug. Der klassische Briefmarkensammler ist eine aussterbende Spezies. Noch sorgen passionierte Senioren dafür, dass auf Tauschtagen die Lampen nicht ausgehen und Fachzeitschriften mit Leben gefüllt werden. Doch der Tag rückt näher, an dem auch diese letzte Generation von Albenhütern abtritt. Was dann? Werden Regalmeter an Alben unberührt auf Dachböden verstauben, weil niemand mehr etwas damit anzufangen weiß? Oder erlebt die Philatelie – vielleicht in neuer Form – doch noch einmal eine Wiederbelebung?
Eines steht fest: Leidenschaft und Wissen der heutigen Sammlergemeinde sind enorm – doch sie sind in Gefahr, mit ihr zu verschwinden. Hier leisten die philatelistischen Bibliotheken eine wichtige Arbeit dieses Wissen zu archivieren. Noch gibt es Lichtblicke, etwa wie hier in der Wichern- Kirche, wo Jugendliche den Reiz alter Marken entdecken oder innovative Ausstellungen versuchen, das Thema neu zu präsentieren. Die Deutsche Philatelisten-Jugend e.V. bemüht sich gemeinsam mit Partnern um zeitgemäße Projekte, um junge Menschen für die Welt der Marken zu interessieren. Ob diese zarten Pflänzchen jedoch ausreichen, um den Trend umzukehren, bleibt ungewiss.
Am Ende dieser Entwicklung steht möglicherweise ein stilles Verschwinden: Ein Hobby, das Generationen von Menschen Freude und Bildung bereitet hat, droht in der Versenkung zu verschwinden. Die letzten Aktiven sammeln weiter mit Herzblut – wohlwissend, dass ihre geliebten Schätze nach ihnen vielleicht niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Es ist ein leises, wehmütiges Ende einer Ära. Und während der letzte Vereinsvorsitzende irgendwann das Licht ausmacht, bleiben die Briefmarken selbst als stumme Zeugen zurück – kleine bunte Fenster in vergangene Zeiten, deren Faszination heute kaum noch jemanden erreicht.
So stirbt ein Hobby – langsam, leise und für viele unbemerkt. Für die verbliebenen Enthusiasten ist es schmerzlich mitanzusehen. Doch sie halten die Fahne hoch, solange sie können, in der Hoffnung, dass vielleicht doch noch einmal jemand kommt, der die Alben aufschlägt und sich verzaubern lässt von den Geschichten, die jede einzelne Briefmarke erzählt.
Wer die Junge Briefmarkenfreunde Simeon-Hamm besuchen will, hat die Möglichkeit vor dem Philatelistentag mit BDPh-Hauptversammlung in Hamburg am 3. Oktober 2025 dem Briefmarkenfest mit Großtauschtag von 9-15 Uhr im Gemeindezentrum Wichernkirche, Wichernsweg 16 in 20537 Hamburg beizuwohnen.
Am: 22.06.2025 10:40:20
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# 2
Ja, aber.
Die Beschreibung in diesem Text ist sicherlich nicht falsch. Aber ich finde, sie fokussiert sich viel zu sehr auf das Negative.
Ich selbst habe schon vor fast 40 Jahren im Auftrag einer Pfarrerswitwe eine Sammlung aufgelöst, die vor allem aus Sieger/Borek/Krüger und Sammlerstellen-Material bestand. Wollte damals schon keiner haben - und jeder, der etwas Ahnung von Philatelie hatte, wusste das (und ließ deshalb die Finger davon). Der Pfarrer hatte Tausende D-Mark in wertloses Papier investiert, das Werthaltige seiner Sammlung war die Frankaturware, sonst überhaupt nichts. Die Diana- und UPU-Alben habe ich stehen lassen und empfohlen, es den Enkeln zu geben oder einfach ins Bücherregal zu stellen. (Wir sprechen von 1986, da gab es potenziell noch Enkel, die vielleicht Briefmarken sammelten).
Ist es nicht vielmehr so, dass schon seit langem die Sammlerschaft aus verschiedenen Gruppen besteht, die nur scheinbar miteinander zu tun haben?
Die Abosammler, die einfach Geld investierten, vielleicht den Wertversprechungen von Sieger & Co. geglaubt haben und sich ansonsten an dem freuten, was ihnen da regelmäßig zugeschickt wurde.
Die Händler-Sammler, die mit oder ohne Gewerbeanmeldung von den Abosammlern profitierten und unter denen auch welche waren, die das Sieger-Lied nachsangen (obwohl sie wussten, dass es leere Versprechungen waren).
Die Philatelisten, die das Hobby betrieben (und betreiben), weil es ihnen einfach große Freude macht, selbst, eigeninitiativ, kreativ, forschend, neugierig und kommunikativ eigene Sammlungen jenseits der Vordruckalben aufzubauen.
Das waren (und sind) sicher keine homogenen Gruppen, vielmehr ist es so, dass viele von uns wohl mit Abos mal angefangen haben.
Die Zeit der Abosammler ist schon lange vorbei, keine Frage. Wer das noch tut, sollte wissen, dass er das nur für sich macht und dass er Geld ausgibt, nicht anlegt.
Die Händler-Sammler werden auch immer weniger, weil der Markt kleiner wird.
Aber die Philatelisten? Ich habe lange keine so lebendige Szene und keinen so umfassenden Austausch erlebt, wie in den vergangenen zehn oder zwanzig Jahren. Nicht mehr in rauchigen Kneipen und auf sonntäglichen Tauschtagen (wo ich ohnehin nur äußerst selten jemanden traf, der meine speziellen Sammelinteressen teilte). Dafür aber im Internet - und damit international.
Nein, die Analyse oben ist grundfalsch, weil sie ausblendet, was die Philatelie heute ausmacht. Das Hobby stirbt nicht, es stirbt die Lebenslüge von der Aktie des kleinen Mannes. Aber auch aus dem oft wertlosen Gerümpel, das dabei anfällt, lassen sich für kleines Geld und mit Kreativität neue Sammlungen erschaffen. Insofern würde ich es eher feiern, wenn so viel Material so billig verfügbar ist, als in Melancholie und Lethargie zu verfallen.
Am: 22.06.2025 11:34:58
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# 3
Ich hatte eine Antwort formuliert, dann Peters Antwort gelesen und festgestellt, dass er mehr oder weniger das gleiche wie ich schrieb. :)
Ende der 90er Jahre war nur ganz kurz nach der absoluten Hoch-Zeit der Philatelie. Der BDPh hatte nie mehr Mitglieder wie Mitte der 90er. Doch auch damals konnte ich die typischen Abosammlungen mit min. 30% Abschlag auf den Frankaturwert kaufen. Alben und Versandkosten waren gratis - ich zahlte All inclusive nie mehr als 70%. Ziel war der Umtausch in Euro-Marken, die dann mit nur 10% Abschlag verkaufbar waren. Die typischen Sieger- und Borek-Themensammlungen waren schon damals unverkäuflich. ETB, Jahressammlungen, FDC waren so günstig zu haben, dass man sich da 60er-90er komplett für ein paar dutzend Euro nebenbei aufbauen konnte. Warum war mir das möglich? Weil die Abosammlungen noch nie etwas wert waren.
Und Mitte der 90er bekam ich auf Suchanzeigen in den Zeitschriften ("Wer möchte Anfänger etwas schenken?") dutzende Briefe mit in Katalogen hoch bewerteten FDC u.ä. Material. Hatte mich gefreut, sie sahen schön aus und es fühlte sich wie ein echter Wert an. Aber warum hatten sich so viele bereitwillig von dieser Aboware getrennt? Weil ihnen bewusst war, dass sich Anfänger:innen darüber freuen, es aber eigentlich keinen Wert darstellte.
Als ich nach 20 Jahren Pause wieder mit dem Sammeln begann, waren die ersten Begegnungen mit Philatelisten ganz anders als in den 90ern die Begegnung mit Briefmarkensammlern. Jetzt kam das Thema mehr oder weniger sofort auf Bedarfsbelege. Dass die eine Geschichte offenbaren, die Briefmarken nicht zu bieten haben. Eine Geschichte, die der im Artikel beschriebene Vater über seine Sammlungen gar nicht hätte erzählen können, wie es sich die Tochter wünschte. Der Aspekt geht im Artikel völlig unter. Diese Art von Material ist selten, dabei aber nicht zwingend teuer. Es ist eine Art von Sammeln, die mit " das Heraustrennen bunter Marken aus der Tagespost" nichts zu tun hat. Darum sieht man diese Sammler:innen auch nicht auf den beschriebenen Großtauschtagen, weil dort erfahrungsgemäß das Gesuchte nicht angeboten wird.
Peters Fazit kann ich auch nur zustimmen: Was ich in den vergangenen 5 Jahren kaufte, hätte ich mir bei gleichem Einkommen vor 30 Jahren niemals leisten können. Meine gestempelt-Sammlung führe ich jetzt nur noch nebenbei, doch sie ist nach 5 Jahren qualitativ weitaus besser, als die meisten auf Auktionen angebotenen, über 50 Jahre aufgebauten Sammlungen. Das Falzlos-Vordruckalbum dafür, das Schaubek aktuell für 2765 Euro anbietet, gabs für 25 Euro mit und für 30 Euro ohne eingelegte Marken bei eBay.
Am: 22.06.2025 11:48:47
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# 4
Ich darf phornung [#2] und TeeKay [#3] nur Recht geben. Das Markenmaterial aus den bekannten ABOs von diversen Händlern ist meiner Meinung heute nur noch ein Bruchteil von dem wert was früher teuer bezahlt wurde. Dass Sammler, insbesondere Briefmarkensammler, sterben würde ich so nicht unterschreiben. Die heutigen Sammler sind nicht bereit sich zu organisieren, da sich die Informationsquellen auch geändert haben. Den Wechsel auf andere Informationsquellen haben die Vereine größtenteils selbst verschuldet, weil sie es verschlafen haben mit der Zeit zu gehen. Das ist das Grundlegende Problem, so meine Meinung.
Am: 22.06.2025 14:17:40
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# 5
Allen Autoren ein herzliches Dank für die kompetente Analyse und die klaren Worte!
Die Zukunft ist düster, aber ich sehe nicht schwarz. Ganz im Gegenteil!
Statt in Selbstmitleid zu versinken, sollten wir aus der Analyse die richtigen Lösungsansätze für ein Verbesserung der Situation oder wenigstens eine Stabilisierung zu finden. Die Jugend wird uns nicht retten, wohl aber die Generation der Ü-50! In dieser Generation hat jeder einmal mit dem Briefmarkensammeln begonnen. Darauf kann aufgebaut werden mit der Vielfalt der Angebote der Philatelie mit Bezug auf Geschichte und Postgeschichte, der Social Philatelie oder der Heimatphilatelie. Nie war es so einfach und auch günstig ein spannendes Gebiet aufzubauen als jetzt. Die Möglichkeit des Austausches an Fachwissen über Foren wie Philaseiten.de erleichtert jedem mit vielen Philatelisten in Kontakt zu treten. Das Internet ermöglicht eine umfangreiche Form der Recherche. Die ArGes im BdPh bieten sowohl Anfängern als auch den Spezialisten verschiedene Formen der Kommunikation an. Ob Mitteilungsblätter, Zoom-Konferenzen oder auch Jahrestreffen in lockerer Atmosphäre, die auch Treffpunkte für soziale Kontakte sind, zeigen, dass die Philatelie nicht tot ist sondern sehr lebendig. Wie Interesse geweckt werden kann zeigt Ron mit seinem YouTube Kanal oder seinen Auftritten auf Facebook.
Das Sammeln im Abo wird weiter zurückgehen, gerade auch, weil diese Sammler einen viel stärkeren Fokus auf Wertsteigerungen gelegt haben, den es heute nicht mehr gibt. Dagegen gibt die Philatelie eine erheblich tiefere Befriedigung durch die Beschäftigung mit z.B. Tarifen, Postwegen, Plattenfehlern, Geschichte oder Thematiken. Es bleibt nun uns überlassen den weiteren Niedergang zu kommentieren oder uns dagegen zu stemmen und die Philatelie wieder mehr in die Öffentlichkeit zu tragen, frühere Sammler zu reaktivieren oder neue Sammler für die Philatelie zu begeistern.
Peter
Am: 22.06.2025 15:06:00
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# 6
@ Droenix [#5]
Neue Sammler zu aktivieren und diese in die organisierte Philatelie zu bekommen wird eine Herkulesaufgabe bleiben. Grundlegend muß sich dann auch in der organisierten Philatelie etwas ändern.
Am: 22.06.2025 15:56:15
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# 7
@ Richard [#1]
Wo ist denn dieser Artikel erschienen?
Am: 22.06.2025 18:47:37
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# 8
@ mpstamps [#7]
@ Richard [#1]
Genau diese Frage würde mich auch sehr interessieren.
Unter dem Namen des Autors findet man nur eine absolut nichtssagende Homepage [1], dahinter steht das Kürzel RPSL, also die "Royals" [2] und dann noch ein UFU, was ich nicht einordnen kann.
Es wäre sehr hilfreich, mehr über den Hintergrund des Artikels zu wissen, um dessen Inhalt besser einordnen zu können.
@ phornung [#2]
@ TeeKay [#3]
Euren Ausführungen kann ich zu 100% zustimmen, danke für die Beiträge.
Gruß
Christoph
[1] https://www.kubenz.de/%C3%BCber-mich/
[2] https://www.rpsl.org.uk/language/en-US/Home
Am: 22.06.2025 19:31:58
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# 9
@ Christoph 1 [#8]
Der Artikel ist im APHV-Magazin erschienen.
Peter Kubenz ist ein sehr bekannter Philatelist. U.a. unterstützt er die philatelistische Bibliothek Hamburg und ist in der ArGe Kolonial aktiv.
Philatelistisch ist er international vernetzt.
Am: 22.06.2025 20:29:54
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# 10
@ Eric Scherer [#9]
Michael Kubenz, nicht Peter Kubenz, als ich vor einigen Jahren mal in Hamburg war gab er mir und meiner Frau eine schöne Private Stadtführung.
Am: 23.06.2025 20:39:22
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# 11
Liebe Diskussionsrunde,
ich möchte einige der Einwände gegen meinen Eröffnungsbeitrag („Täglich sterben 100 Sammler …“) Punkt für Punkt aufgreifen – nicht um recht zu behalten, sondern um die dort vorgebrachten Fakten zu verteidigen und Missverständnisse auszuräumen.
Zur Person mein Name ist Michael Kubenz, das FRPSL steht für Fellow Royal Philatelic Society London. Im Jahr 1921 gestattete König George V., selbst ein begeisterter Philatelist, der Society, ausgewählten Mitgliedern den Ehrenzusatz FRPSL („Fellow of the Royal Philatelic Society London“) zu verleihen. Seither gilt, kein Antrag gegen Geld, sondern Nominierung, der Fellow‑Titel ist also kein höheres Beitrags‑Level, sondern eine Auszeichnung – vergleichbar mit einer Ehrendoktorwürde innerhalb der Philatelie. Ehrendoktor ja muss in Deutschland mit dem Zusatz der Universität (die in Deutschland beheimatet sein muss) geführt werden daher Dr. h.c. / UFU "Ukranische Freie Universität", München.
Meine Website müsste dringend mal überarbeitet werden.
Ich bin 67 Jahre alt verheitatet zwei erwachsene Söhne, die nichts mit Briefmarken am Hut haben.
Ehrenamtlich bin ich Vorsitzender der gemeinnützigen philatelistischen Bibliothek in Hamburg e.V und im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der Sammler Deutscher Kolonialpostwertzeichen e.V. als Schatzmeister. Das ist auch mein Sammelgebiet, die Kolonien und Auslandspostämter.
Der Artikel ist entstanden ale Erfahrungsbericht, also aus eigener Anschauung. Er ist natürlich ein bischen als Weckruf zu verstehen und deshalb auch beim APHV-magazin erschienen. Der BDPh setzt sich ja schon mit dem Thema auseinander Stichwort "Zukunftskommision", der APHV zumindest öffentlich nicht (siehe unten "Marktbreite").
1. „Hundert Sammler pro Tag – maßlose Übertreibung!“
Deutschland verzeichnet rund 2800 Todesfälle täglich – das ist amtliche Statistik des Bundesamtes für Statistik ([dieversicherer.de][1]).
Wie viele davon sind Philatelisten? Verlässliche Register existieren nicht, wohl aber Näherungen:
Der BDPh (Bund Deutscher Philatelisten) hat von 53.000 Mitgliedern (1996) auf 19 000 (2025) abgenommen – ein Verlust von Ø 1170 Mitgliedern/Jahr bzw. gut 3 pro Tag allein in der organisierten Szene ([de.wikipedia.org][2]).
Schätzungen, die auch nicht‑organisierte Sammler berücksichtigen, lagen Mitte der 1990er bei 1–1,5 Mio. Personen. Nimmt man heute noch 750 000 an (eine Annahme, die kaum als zu hoch kritisiert wird) und setzt ein konservatives Sterberisiko von 5 % pro Jahr für die 70‑plus‑Kohorte an, kommt man bereits auf 37 500 Todesfälle/Jahr ≈ 100 pro Tag.
Die Zahl ist eine "Plausibilitätsrechnung", nicht Gottes Wort – sie illustriert, dass wir es mit einem Größenordnungsproblem zu tun haben, nicht mit einer rhetorischen Luftnummer.
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2. „Die Vereine schrumpfen, aber zuhause sammeln doch immer noch viele!“
Das stimmt – nur hilft es der Zukunft des Hobbys wenig, wenn diese Sammler unsichtbar bleiben:
Vereine betreiben Ausstellungen, Jugendarbeit, Forschung und Literaturpflege.
Händler und Auktionshäuser brauchen eine minimale Marktbreite, damit sich Aufarbeitung und Vermarktung von Nachlässen lohnen.
Wenn die organisierte Infrastruktur kollabiert, wird das private Sammeln zwar nicht sofort enden, aber es verliert wichtige Stützpfeiler. Ein Blick auf die Messen zeigt es: Die Briefmarkenmesse Essen (mit der IBRA die Leitmesse) wurde 2024 endgültig abgesagt – mangels wirtschaftlicher Basis ([bdph.de][3]).
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3. „Früher wurde auch ständig der Untergang beschworen.“
Richtig – aber diesmal sind die Kennzahlen eindeutig: kontinuierlicher Mitgliederschwund, Messesterben, Preisverfall bei Standardmaterial, Überangebote aus Nachlässen, Digitalisierung der Post. Historische Vergleiche hinken, wenn die Rahmenbedingungen strukturell andere sind (E‑Mail, Onlinehandel, bargeldlose Mikrotransaktionen, alles statt persönlicher Briefkommunikation).
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4. „Es fehlt an konstruktiven Vorschlägen.“
Im Ausgangsposting standen bereits Ansatzpunkte, die ich hier noch einmal zuspitze:
1. Jugendprogramme verschlanken: Weg von Sammelzwang kompletter Jahrgänge zum reinstecken, hin zu thematischen Einstiegspaketen (z.B.60 Marken + digitale Begleitapp).
2. Digitale Sichtbarkeit: Tausch- und Bewertungsplattformen, die so intuitiv sind wie moderne Sammler‑Apps bei Münzen oder Sneakers.
3. Nachlass‑Lotsen: Regionale „Philatelie‑Botschafter“, die Erben fair beraten. Das verhindert Altpapiercontainer und schafft positive Presse.
4. Kooperation mit Museen: Ausstellungen, bei denen Marken als Kulturgut inszeniert werden, nicht als Ramschware im Klemmbrett, in Hamburg gibt es sowas schon im Internationalen Maritimen Museum.
Vereinsarbeit heißt 2025, Social‑Media‑Kanäle zu bespielen, Hybrid‑Vorträge anzubieten und QR‑Codes auf jedem Exponat zu haben. Tradition schätzen heißt eben auch, sie in eine neue Form zu gießen.
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5. „Mir macht Sammeln immer noch Spaß – also ist alles halb so schlimm.“
Das soll es auch! Mein Beitrag will niemandem die Freude nehmen. Aber Freude entbindet nicht von Realitätssinn. Wer sich um den Fortbestand seines Steckenpferds sorgt, muss Unbequemes offen ansprechen dürfen. Darin liegt kein Defätismus, sondern Verantwortung.
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Schlusswort
Ich bleibe dabei: Die Philatelie steht an einem Wendepunkt. Die nackten Zahlen sprechen eine klare Sprache, und wer sie ignoriert, öffnet nur weiter die Schere zwischen Wunschbild und Ist‑Zustand. Dass täglich Sammler sterben, kann keiner verhindern – aber wir können vermeiden, dass mit ihnen ihr Wissen, ihre Sammlungen und ihr Enthusiasmus verloren gehen.
Lassen Sie uns daher nicht über den Ton des Weckrufs streiten, sondern darüber, wie wir gemeinsam handeln. Wer Ideen hat, nur zu – das Forum ist der richtige Ort dafür. Ich danke allen, die sachlich argumentieren, und hoffe, wir führen die Diskussion weiterhin respektvoll, faktenbasiert und mit Blick nach vorn.
[1]: https://www.dieversicherer.de/versicherer/altersvorsorge/news/haupttodesursachen-in-deutschland-164218?utm_source=chatgpt.com "Statistik: Daran sterben die meisten Menschen in Deutschland"
[2]: https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_Deutscher_Philatelisten?utm_source=chatgpt.com "Bund Deutscher Philatelisten"
[3]: https://www.bdph.de/index.php?"Aktuelle Meldungen - Bund Deutscher Philatelisten e.V. (BDPh)"
Am: 23.06.2025 21:56:47
Gelesen: 8520
# 12
@ mksuperplus [#11]
"Die Philatelie steht an einem Wendepunkt."
Mit großem Respekt lese ich Ihre Beiträge hier. Die Geschichte von "Anja" und ihrem "Vater" spielt sich hier und heute wohl tatsächlich x-Mal in Deutschland ab, aber auch in Frankreich, der Schweiz, Italien und wohl überall auf der Welt. Die Realität ist manchmal hart und drastisch.
"Der Wendepunkt" bedeutet auch einen Paradigmenwechsel. Doch was heißt das? Nehmen wir das kopernikanische Weltbild, welches sich ab 1543 langsam, aber stetig und mit großen Opfern verbunden durch setzte. Gehen wir einen Schritt weiter und schauen auf die Neuzeit. Jeder weiß, dass die Erde sich um die Sonne dreht und dennoch sagen wir morgens: "Die Sonne geht auf" und abends: "Die Sonne geht unter".
Eine gute Freundin hat mir kürzlich, - auf dieses Thema angesprochen -, geantwortet: "Stephan", schrieb sie, "wir leben unseren Alltag aus einer irdischen Perspektive - nicht als Astronomen, sondern als Menschen auf der Erde. Und aus dieser Sicht scheint die Sonne aufzustehen oder unterzugehen. Die Sprache beschreibt oft das, was wir subjektiv beobachten, nicht die objektiv-physikalische Realität."
Ich meine, das Schöne an der Philatelie ist, dass man ein wenig zum Astronom wird, der seine Welt ganz anders sieht wie ein Nichtsammler. Man hebt ein wenig ab und das Hobby verleiht Flügel. Es bilden sich Interessengruppen, Vereine und Dachverbände. Und es bilden sich so wunderbare Traditionsclubs wie die ROYAL PHILATELIC SOCIETY, deren Sonne schon ewig scheint und wohl auch nie untergehen wird.
Ich bin jetzt 63 Jahre alt und natürlich merke ich auch, dass die Philatelie nicht mehr dasselbe ist wie im Jahr 1996. Ich überlege auch oft, ob es meinen Erben nicht auch mal so gehen wird wie der Anja aus Nr. 1. Deshalb habe ich mir schon mal vor Jahren fest vorgenommen, aus meiner Sammlung was sehr Persönliches zu machen und ich möchte sie eines Tages jemandem vermachen, der meine Person auch liebte und schätzte, unabhängig davon, ob die Person nun sammelt oder nicht.
Prinzipiell bin ich aber sehr optimistisch, dass der Philatelie noch eine große Zukunft gewiss ist, doch eben erst nach dem Wendepunkt oder der Wendezeit.
Liebe Grüße
10Parale
Stephan
Am: 23.06.2025 22:16:32
Gelesen: 8490
# 13
@ mksuperplus [#11]
Bisher hat niemand hier im Thread behauptet, dass nicht 100 Sammler:innen täglich stürben. Der Widerspruch entzündete sich eher an der Annahme, dass das auch maßgeblich die Wissen (re-)produzierenden Philatelist:innen beträfe und nicht weitgehend die auch im Artikel beschriebenen Abosammler:innen. Ich sehe sehr viele sehr umfassende philatelistische Publikationen in immer besserer Qualität. Problem ist eher, dass die immer noch hauptsächlich gedruckt in Mini-Auflage erscheinen, statt unter Creative Commons Lizenz online.
4. stimme ich vollständig zu. QR-Codes zur Kontaktaufnahme mit den Aussteller:innen hatte ich dem BDPh-Präsidenten 2022 vorgeschlagen inkl. konkreter technischer Umsetzung. Antwort kam nie, auf Richards Nachfrage kam die Mail angeblich nie an.
Am: 24.06.2025 13:13:54
Gelesen: 8185
# 14
Hallo zusammen,
"Über zweihunderttausend Euro hat der Vater in die Sammelleidenschaft investiert, alles hat er akribisch aufgeführt 308,00 Euro für das Sieger-Abonnement im Monat und Borek darf natürlich auch nicht fehlen und nicht zu vergessen CEPT, Vatikan und UNO, Genf und New York. Vom Philatelie Service der Deutschen Post findet sich eine Urkunde für fünfzig Jahre treuer Kunde in der Dauer Belieferung mit Ersttagsbriefen und Briefmarken, gestempelt und postfrisch. …
Anja weint: „Er glaubte wirklich bis zum Schluss, er vermacht uns, den Kindern ein Vermögen“.
Dieser letzte Satz ist es vor allem, was mich fassungslos macht. Wie viele richtig gute und wertvolle Marken hätte der Mann für das Geld kaufen können?
Wer bitte investiert 200.000 € in Wertpapiere oder Aktien als Vermögensanlage, ohne sich vorher zu erkundigen, was er kaufen will/soll? Jeder vernünftige Mensch informiert sich doch bei einem solchen Betrag, spricht mit einem Bankberater oder einer sonstigen Vertrauensperson. Nur bei Briefmarken glauben seit mehr als 100 Jahren offensichtlich viele, das Kenntnisse und Sachverstand vom Himmel fallen.
Um nicht falsch verstanden zu werden: wer das bewusst macht, weil er Spaß an CEPT, Vatikan und UNO Genf und New York, Ersttagsbriefen und Bund gestempelt und postfrisch hat, soll das tun. So etwas aber als Vermögensanlage zu betrachten und der Familie dafür sogar noch Urlaube vorzuenthalten, ist in meinen Augen verantwortungslos.
Ich erlebe es immer wieder, dass auf Tauschtagen Witwen oder Kinder kommen, um sich über das Erbe beraten zu lassen. "Er hat ja so viel Geld dafür ausgegeben", heißt es. Ich stelle dann in aller Regel zunächst drei Fragen, bevor ich mir den Nachlass anschaue.
"War ihr Mann/Vater in einem Verein?"
"Hat ihr Mann/Vater eine Fachzeitschrift gelesen (nicht „Postfrisch“ oder eine Händlerzeitung)?"
"Hat ihr Mann/Vater Fachliteratur gelesen (nicht nur den neuesten MICHEL)?"
In der Regel werden alle Fragen mit einem verwunderten "Nein" beantwortet. Dann weiß ich meist schon, was mich erwartet. Lady Di, Disney oder Bund ab 1960 mehrfach, wobei man die gestempelten meistens am besten gleich entsorgt. Die vermeintlichen Erben sind dann (mit Recht) enttäuscht und wir Sammler stehen wieder als Deppen da, die Geld für wertlose Papierschnipsel ausgeben.
Leute wie Anjas Vater sind es leider in meinen Augen, die unser Hobby in Verruf bringen. Es wird ohne Sinn und Verstand irgendetwas gekauft, weil man ja der Überzeugung ist, Ahnung zu haben. Wenn man das 30 Jahre gemacht hat, hält man sich auch noch für einen gewieften Experten, obwohl man Buchdruck nicht von Stichtiefdruck unterscheiden kann und auf die primitivsten Stempelfälschungen hereinfällt.
Leider habe ich keine Ahnung, wie man hier gegensteuern kann, denn auch im Verein wird meine Aussage, dass ich Bücher über Briefmarken zu Hause habe, vielfach mit ungläubigem Staunen quittiert. Selbst der Bezug einer Fachzeitschrift wird von vielen für überflüssig gehalten. „Stehen ja nur Sachen drin, die mich nicht interessieren“, heißt es dann. Vielleicht wären für manche, die derzeit immer noch auf diese Art Briefmarken sammeln, Asterix-Klebebilder doch die bessere Alternative gewesen? Anjas Vater hat es ja bewiesen….
Meine Meinung zu diesem eigentlich tieftraurigen Thema...
Gruß an alle
Michael ullrich
Am: 24.06.2025 14:13:35
Gelesen: 8138
# 15
@ Hornblower [#14]
Hallo Michael,
ich stimme Dir voll zu. Genau diese „Sammler“, die jetzt 100fach täglich sterben, haben die Philatelie in Verruf gebracht. Und deren Erben setzen dies fort.
Es ist bereits von Peter Hornung und von TeeKay ganz richtig geschrieben worden: Das Ableben dieser „Sammler“ stellt für die Philatelie keine Gefahr dar.
Diese Leute, die - wie Du richtig schreibst „ohne Sinn und Verstand“ - irgendwelche Briefmarken anhäuften, haben nicht der Philatelie genutzt, sondern nur schlauen Geschäftemachern, die die Mär von der „Aktie des kleinen Mannes“ gnadenlos ausgenutzt haben.
Insofern kann man die Überschrift des Einstiegsbeitrags in zwei Teile aufgliedern:
1. Täglich sterben 100 Sammler. —- ja, mag sein. Besser wäre eine Formulierung wie: Es sterben leider mehr Philatelisten, als Neue hinzu kommen.
2. Ein traditionsreiches Hobby vor dem Niedergang. —- nein, mitnichten. Im Gegenteil, hier trennt sich doch jetzt die Spreu vom Weizen.
@ mksuperplus [#11]
Guten Tag Herr Kubenz,
Vielen Dank für die ausführliche Vorstellung und den erläuternden Beitrag. Habe ich mit Respekt und Wertschätzung gelesen. Ihren Ausführungen kann ich weitgehend zustimmen, insbesondere den unter Aufzählungspunkt 4 formulierten Vorschlägen. Aber Ihre Schlussfolgerung, dass aufgrund dieser Befunde ein „Niedergang der Philatelie“ kurz bevorsteht, teile ich absolut nicht. Alleine ein Blick in die täglichen Beiträge dieses Forums oder in unsere Stempeldatenbank beweist das Gegenteil. Es ist aber auf jeden Fall an der Zeit, das „Hobby Briefmarkensammeln“ anders zu definieren.
Ich selbst habe mich, außer in der Kinder- und Jugendzeit, nie als „Briefmarkensammler“ gesehen, sondern als jemand, der sich mit Philatelie und Postgeschichte beschäftigt. Ich habe zwar auch eine „Sammlung“ (unsortiert, das soll die Beschäftigung in 10-20 Jahren als Rentner sein, sofern ich denn dann das Privileg haben darf, Rentner sein zu dürfen), aber diese gesammelten Stücke sind nicht der Hauptzweck und -inhalt meines philatelistischen Hobbies.
Beste Grüße
Christoph
Am: 24.06.2025 15:28:43
Gelesen: 8076
# 16
Es wird immer nur diskutiert, dass die Sammler oder Philatelisten aussterben aber niemand erwähnt, dass das Sammelobjekt, die Briefmarke langsam ausstirbt und damit wird die Philatelie wahrscheinlich zur Geschichtswissenschaft für einige wenige Spezialisten.
War die Briefmarke vor nun bald 200 Jahren ein Rationalisierungsinstrument der Postanstalten, so wird sie heute eigentlich nicht mehr gebraucht. Für Private ist es rationeller, das Porto online zu zahlen und Firmen verkehren fast ausschließlich elektronisch.
Die zur Briefmarkenausgabe berechtigten privaten Postdienstleister in Europa produzieren Briefmarken und Dinge, die sie als solche bezeichnen, en masse und das wird scheinbar auch gekauft. Der Krug geht eben so lange zum Brunnen bis er bricht.
Mit dem Datamatrixcode wird auch bald die Stempelung überflüssig sein. Für Heimatsammler und Sammler von Postwegen fällt dann im modernen Postverkehr nichts mehr an.
Ich bin jetzt 82 Jahre und wenn ich die Besucherzahlen bei der Briefmarkenmesse in Ulm sehe, werde ich den Abgesang des Briefmarkensammelns als Massenphänomen nicht mehr erleben, aber es wird kommen.
Gruß
Bernd
Am: 24.06.2025 17:35:53
Gelesen: 7968
# 17
@ Baber [#16]
Alles eine Frage des Marketings. Webseiten wie Ancestry beweisen, dass Menschen in großer Anzahl Interesse an Geschichte haben. Inzwischen auch über die Kombination mit Genanalysen werden Verwandtschaftsverhältnisse recherchiert. An meiner Partnerin sehe ich, dass es von da weiter geht zur Beschäftigung mit den Orten, an denen die Vorfahren aufwuchsen, Recherche, woher der Name kommt. Es braucht keine monatlichen Neuausgaben, um Menschen nahezubringen, dass philatelistisches Material eine Geschichte zu erzählen hat, deren Erforschung interessant sein kann. Werden das Millionen Deutsche tun und tagelang Hallen mit zehntausenden kaufwilligen Sammler:innen füllen, wie es "früher"™ mal war? Vermutlich nicht. Braucht es aber nicht, um das Hobby am Leben zu erhalten.
Alles eine Frage des Marketings. Webseiten wie Ancestry beweisen, dass Menschen in großer Anzahl Interesse an Geschichte haben. Inzwischen auch über die Kombination mit Genanalysen werden Verwandtschaftsverhältnisse recherchiert. An meiner Partnerin sehe ich, dass es von da weiter geht zur Beschäftigung mit den Orten, an denen die Vorfahren aufwuchsen, Recherche, woher der Name kommt. Es braucht keine monatlichen Neuausgaben, um Menschen nahezubringen, dass philatelistisches Material eine Geschichte zu erzählen hat, deren Erforschung interessant sein kann. Werden das Millionen Deutsche tun und tagelang Hallen mit zehntausenden kaufwilligen Sammler:innen füllen, wie es "früher"™ mal war? Vermutlich nicht. Braucht es aber nicht, um das Hobby am Leben zu erhalten.
Am: 24.06.2025 18:29:13
Gelesen: 7919
# 18
Aus meiner Sicht sind die Messen auch ein "Auslaufmodell" im Zeitalter des Internet und Internethandels. Daß die Zahl der organisierten Sammler zurückgehen hat auch oft mit den Vereinen, ihren Zeiten der Zusammenkunft und die Art und Weise was man sammeln soll (nach der Auffassung einiger Funktionäre) zu tun. Sammler haben sich im Laufe der Zeit umorientiert und der Trend geht heute dazu was einem gefällt.
Daß die Erben enttäuscht sind hat aus meinen Augen eher was damit zu tun, daß die Erblasser sich auf Michelkatalog, Michelrundschau und sofern organisiert, auf die Philatelie verlassen. Die Realität, die oft in der Fachpresse beschrieben wurde, wurde aus Kostengründen nicht gekauft und somit ging diese an den Erblassern vorbei. Hier hat man dann beim Sammeln am falschen Ende gespart.
Am: 24.06.2025 19:07:28
Gelesen: 7874
# 19
@ mksuperplus [#11]
Hallo Michael,
Dein Artikel konterkariert die Bemühungen der nationalen und internationalen Verbände, die positiven und kulturellen Seiten des Briefmarkensammelns hervorzuheben. Die FSPL (der luxemburgische Verband für Briefmarkenvereine) bemüht sich, das Sammeln von Briefmarken aus der kommerziellen Ecke herauszuholen. Für das zuständige luxemburgische Ministerium ist Dein Artikel dagegen ein gefundenes Fressen: "Briefmarkensammler wollen bzw. wollten nur Geld verdienen! Jetzt heulen sie alle rum, weil ihre Geldanlage in die Hosen gegangen ist."
Entschuldige, aber Du hast uns allen einen Bärendienst erwiesen.
1. Jugendprogramme verschlanken: Weg von Sammelzwang kompletter Jahrgänge zum reinstecken, hin zu thematischen Einstiegspaketen (z.B. 60 Marken + digitale Begleitapp).
-> der Einstieg vieler Jugendlicher beginnt bzw. begann mit dem thematischen Sammeln (ich verweise hier auf die Aktion von Michael Burzan "Lasst Briefmarken regnen").
2. Digitale Sichtbarkeit: Tausch- und Bewertungsplattformen, die so intuitiv sind wie moderne Sammler‑Apps bei Münzen oder Sneakers.
-> konkretes Beispiel? Bewertungen sind vollkommen nichtssagend, da jeder Sammler nur den schnellen Versand bewertet (gut, besser wie nix...)
3. Nachlass‑Lotsen: Regionale „Philatelie‑Botschafter“, die Erben fair beraten. Das verhindert Altpapiercontainer und schafft positive Presse.
-> haben wir als LV Südwest so bei unserer Auswertung von 2024 vernommen; das Mobile Beratungsteam ist bei uns der Startpunkt
4. Kooperation mit Museen: Ausstellungen, bei denen Marken als Kulturgut inszeniert werden, nicht als Ramschware im Klemmbrett, in Hamburg gibt es sowas schon im Internationalen Maritimen Museum.
-> valider Punkt, aber... wir gehen zu den Leuten, wo sie sind. Wir fördern Aktionen finanziell, wie den "Tag der Briefmarke" im Südwesten. Der Trierer Verein hat für den Ort Wasserliesch einen Sonderstempel und einen Umschlag organisiert [1].
Briefmarkensammeln ist und bleibt das beste Hobby der Welt! Es ist doch toll, dass die Preise runter gehen! Ich kann mir viel mehr Marken leisten, als noch vor 20 oder 25 Jahren!
Wir müssen massiv an unserer Kommunikation arbeiten. Es gibt viele positive Beispiele, die m.E. aus Unkenntnis nicht erwähnt wurden.
Beste Grüsse!
Lars
[1] https://www.vdph.de/1050-jahre-wasserliesch/
Mitglied in der gemeinnützigen philatelistischen Bibliothek in Hamburg e.V
Am: 25.06.2025 12:54:01
Gelesen: 7531
# 20
Hallo zusammen,
einen persönlichen Nachtrag hätte ich noch, ich denke, dass den meisten hier wohl ähnlich ergangen ist.
Als 10-jähriger habe ich 1970 mit dem Sammeln der Neuheiten der damaligen Bundespost begonnen, bin aber schon 1975 in einen Mannheimer Verein eingetreten und hatte dabei das große Glück, in Kurt Wilk, dem leider schon vor vielen Jahren verstorbenen Rundschauer der DBZ meinen „philatelistischen Lehrmeister“ zu finden.
Ihm verdanke ich viel, denn er hat mir schon vor vielen Jahren geraten, mit Bund und Berlin abzuschließen. „Das ist rausgeschmissenes Geld“, höre ich ihn oft noch heute sagen, „sammle lieber was Wertbeständiges, wenn Du schon Geld ausgibst.“
Daher habe ich Baden gesammelt und bin damit gut gefahren. Gleichzeitig hat er mir geraten, Fachzeitschriften und vor allem Fachliteratur zu lesen. Heute umfasst meine philatelistische Bibliothek über 1.000 Bände und ich bin sehr froh, auf ihn gehört zu haben.
Dieses ganze Zeug, was heute von der Post ausgegeben wird, kommt mir nicht ins Haus. Ich brauche keine Neuheiten, Krypto-Marken oder Plusbriefe Individuell, das überlasse ich anderen. Mein Sammelgebiet ist „Deutschland 1849 bis 1949“ und als Dokumentarsammlung „100 Jahre Briefmarken 1940 weltweit“. Das eine ist ein Geschichtsbuch, das andere bringt mir die weite Welt ins Heim. Das muss ich alles selbst zusammensuchen, kein Händler kann hier ein Abonnement anbieten. Hier kann ich Lars nur zustimmen: ich kaufe heute Marken, z. B. "100 Jahre Briefmarken", die ich mir als Azubi 1978 niemals hätte leisten können, günstig wie nie. Aber eines weiß hier doch eigentlich auch jeder: die berühmte "Kuh mit fünf Beinen" kostet immer noch Geld.
Was das Finanzielle anbelangt, bin ich trotz allem Pragmatiker. Ich gebe nur soviel aus, wie ich mir leisten kann, auf Urlaub wird wegen Briefmarken nicht verzichtet. Ob ich eines Tages wieder Geld für meine Sammlungen bekomme, weiß ich nicht. Ich sammle nicht zum Vermögensaufbau, sondern aus Lust an der Freude, zum Wissensgewinn und als sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Trotzdem bin ich relativ sicher, dass meine Erben zumindest einige Euro bei einem hoffentlich noch lange ausstehenden Verkauf erlösen können.
Die Philatelie hat mir über viele Jahrzehnte hinweg viel Freude bereitet, ich wollte kein anderes Hobby haben. Auch wenn meine Kinder kein Interesse haben, spreche ich doch dann und wann darüber und merke dann, dass man bei entsprechenden Belegen eine gewisse Aufmerksamkeit erzielt. Gleiches gilt für den Kollegenkreis. „Das hätte ich nicht gedacht“, heißt es dann hin und wieder, wenn ich über ein besonderes Stück meiner Sammlung die dazugehörende Geschichte in der Kaffeepause erzähle. Das geht aber nur, wenn man nicht nur den MICHEL-Katalog, sondern Zeitschriften und Bücher hat, in denen man stöbern kann. Aber das wusste ja schon Kurt Wilk vor vielen Jahren….
Wie es weitergeht, weiß ich natürlich nicht, aber ich halte es mit Carl Lindenberg – die Philatelie wird weiterleben! In diesem Sinne weiterhin viel Spaß beim Sammeln,
Gruß
Michael
Am: 26.06.2025 13:06:45
Gelesen: 7202
# 21
Nach der dritten Testgruppe im Kindergarten mit weiteren 8 Kindern im Vorschulalter kann ich nur das Fazit ziehen, dass es völliger Quatsch ist, zu behaupten, man könne Kinder heutzutage nicht mehr für Briefmarken interessieren ! Man muss die Sache eben altersgerecht und interessant präsentieren.
Am: 26.06.2025 13:41:35
Gelesen: 7166
# 22
@ philamaxi
Wenn man den Kindern ein paar Telefonkarten hingelegt hätte und dazu Bildchen von Telefonkarten zum Ausmalen, ich bin sicher, die Begeisterung wäre die gleiche gewesen.
Am: 26.06.2025 13:59:44
Gelesen: 7135
# 23
@ Jensen
Das wage ich zu bezweifeln - was ihnen besonders Spaß gemacht hatte, war das Ablösen von Briefmarken und meine Geschichte von "Zampino der Zauberbär" zur Europamarke "Kinderbücher", Bund 2010.
Am: 26.06.2025 14:04:52
Gelesen: 7126
# 24
@ philamaxi [#21]
Hier in Deinem Foto gehts erst einmal um pure Ausmalen, nicht um Briefmarken, da hat Jensen vollkommen recht. Man könnte sogar Panzer- oder Bomberbilder hinlegen, die würden ebenso angenommen werden bzw. bei den Kindern 'altersgerecht' ankommen. Das hat aber nichts mit Interesse an Briefmarken 'als Briefmarken' wecken zu tun, auch nichts mit Philateliewerbung.
Aber, schaden kann es trotzdem nicht. Lieber Briefmarken ausmalen, als teure Malbücher! Und vielleicht bleibt ja doch "etwas" im Unterbewusstsein hängen, eine Art von positiver "Hintergrundstimmung" im Hinterkopf. Aber eben ohne den echten Inhalt. Trotzdem irgendwie "in den Kopf" reinkommen. Der erste Schritt. Indoktrination arbeitet ja auch so. Es wird uns zwar nicht wirklich viel weiterhelfen, aber wer weiß und schaden tut's ja wohl auch nicht. Es sei denn man lässt 6 Pfennig-Adolfbriefmarken ausmalen.
Also gerne weiter so!
Beste Grüße
Thomas
Am: 26.06.2025 14:40:33
Gelesen: 7090
# 25
@ philamaxi [#21]
Lieber Philamaxi,
super Idee - Faszination und Interesse sollte bei Kindern mit spielerischen Elementen geweckt werden - da die Berührungspunkte eben immer weniger werden, braucht es kreative Inhalte, als jemand, der hauptberuflich mit Kindern und Jugendlichen arbeitet möchte ich an dieser Stelle Jensen und Thomas widersprechen. Das ist wirklich ein guter Ansatz, mal ganz abgesehen davon: Wieso soll denn die Generation, die jetzt kommt, Briefmarken auf die gleiche Art und Weise sammeln oder pflegen wie das viele gelernt haben?
Kinder lernen extrem schnell und Begeisterung und Faszination einmal verknüpft kann immer wieder abgerufen werden. Zudem spielen Bindung und Spaß in dem Alter eine große Rolle.
Mein Vater war begeisterter Philatelist - ich selbst habe als Kind irgendeine bunte Sammlung gehabt, weil mich die Bilder und Farben fasziniert haben. Das Ablösen irgendwelcher Briefmarken habe ich nie gelernt und trotzdem ist nach dem Tod meines Vaters irgendwas hängen geblieben - mein Vater hat das gut gemacht, in dem er mich nicht dazu gezwungen hat, Briefmarken so zu sammeln, wie er das gemacht hat oder versucht hat, die "richtige" Betrachtungsweise beizubringen - dann hätte ich den Spaß schnell verloren und würde jetzt hier nicht den Text schreiben.
Ich habe einmal mit einem Briefmarkensammler älteren Semesters gesprochen, der ein Kind dafür ausgeschimpft hat, dass er die kleine Sammlung zum üben nicht richtig sortiert hatte "völlig durcheinander" und ihm wohl gesagt habe "so wird das nichts" - man sollte Kindern die Freiheit geben, sich irgendwie damit auseinanderzusetzen, egal wie Hauptsache Spaß dabei. Wenn sich das Interesse festigen sollte wird es ja automatisch ernsthafter.
Liebe Grüße
Michael
Am: 26.06.2025 18:49:28
Gelesen: 6923
# 26
Hallo,
was ich hier schreibe, ist nur meine Meinung, ich bitte das nicht falsch zu verstehen, schon garnicht als Angriff auf wen oder was auch immer:
Die Kindergartenkinder mit Briefmarken irgendwie zu bespaßen wirkt auf mich wie ein völlig verkrampfter (und noch dazu völlig hoffnungsloser) Versuch der "Indoktrination" (@ DL8AAM).
Die Aussagen von Herrn Kubenz sind ja eine Diagnose und Prognose, diese Diagnose/Prognose kann richtig oder falsch sein -ich denke, sie ist vollkommen richtig. Diese Aussagen können darum Versuche der Werbung für eine Art Wiederbelebung der Philatelie nicht konterkarieren. Ebenso stellen sie keinen Widerspruch dazu dar, dass die Philatelie für ihre Anhänger (und die meisten die hier lesen und schreiben sind ja Anhänger) vielleicht "das beste Hobby der Welt" ist.
Dass die Philatelie bzw. das Geldausgeben für Briefmarken eine Art Investment für zukünftige Werte war, haben wohl auch zu Hochzeiten der Philatelie nur ganz wenige geglaubt (und paar echte Spekulanten hat es natürlich auch gegeben oder gibt es noch was Ultra-Raritäten betrifft). Also "nur ums Geld" ging es nie. Trotzdem ist es ein Unterschied, ob jemand regelmäßig (Abo usw) über Jahrzehnte Geld ausgibt, aber nicht mit dem Ziel einer Rendite, nichtmal mit dem Ziel eines Inflationsausgleiches, sondern sogar im Bewusstsein dass ein Hobby Geld kostet, man also finanziell Verlust macht -aber eben nicht die weitgehende/völlige Wertvernichtung. Ein Sammler mag in dem Bewusstsein gelebt haben viel Geld in seine Sammlung gesteckt zu haben, die Sammlung aber zumindest einen gewissen Wert hat, wenn auch Verlust zum "investierten" Geld. Und dass die Sammlung aus Jahrzehnten Abo für die Erben nun nahezu wertlos (!) ist, praktisch unverkäuflich, das ist schon eine Enttäuschung die man nicht damit wegreden kann, dass ein Hobby ja schließlich Geld kostet und keine Rendite bringt.
Vieles (nicht alles) an der Philatelie war leider eine Blase (Neuheiten tonnenweise, Kartonphilatelie, zentnerweise bunte Ersttagsbriefe und und und...) die erstaunlich lange bestanden hat und jetzt und weiterhin in Zeitlupe platzt.
Tatsächlich sollten sich Philatelisten mal mit dem Tulpenwahn von Holland befassen (siehe Wikipedia). Da ging alles viel rasanter, aber es gibt Gemeinsamkeiten.
Jedenfalls die Diagnose und Prognose von Herrn Kubenz ist aus meiner Sicht vollkommen richtig.
Gruß
Jensen
Am: 26.06.2025 21:03:09
Gelesen: 6798
# 27
@ Jensen [#26]
" Vieles (nicht alles) an der Philatelie war leider eine Blase (Neuheiten tonnenweise, Kartonphilatelie, zentnerweise bunte Ersttagsbriefe und und und...) die erstaunlich lange bestanden hat und jetzt und weiterhin in Zeitlupe platzt."
Hatte da irgendetwas erstaunlich lange Bestand außer der Annahme der Käufer:innen, dass die gekaufte Aboware werthaltig wäre? Also gab es dafür jemals einen Sekundärmarkt, auf dem die Ware auch nur zum Neupreis abzusetzen gewesen wäre? Das bezweifle ich.
Auf der Abria vorvergangenes Wochenende kaufte ich mal wieder ein Phila-Weltuntergangs-Büchlein von der Hamburger Bibliothek. Thema war wie im Buch von [1] natürlich wieder die Schwierigkeiten, in denen die Philatelie angeblich steckte. Geschrieben wurde es 1948. Erstaunlich fand ich, dass schon damals vom bogenweisen Kauf von Briefmarken zu Spekulationszwecken durch gewöhnliche Sammler:innen berichtet wurde. Und schon damals war das Fazit, dass die Hortung durch Sammler:innen selbst verbunden mit den hohen Auflagen eine dauerhaften Wertzuwachs verunmöglicht. Als natürliches Preisziel wurde bei postfrischen Marken damals die Nominale angenommen, was ja auch solange richtig war, wie Briefmarken frankaturgültig waren. Es wurden Beispiele für erwartete aber nicht dauerhaft eingetretene Wertzuwächse ab dem 1. Weltkrieg genannt - es gab also schon vor 100 Jahren sich reich rechnende Sammler:innen, deren Markenbeständen keine echte Marktnachfrage gegenüberstand.
Und das hätten die Käufer:innen der Massenware seit 1948 wissen können, wenn sie Literatur statt Massenware gekauft hätten.
[1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=20738&CP=2&F=1
Am: 27.06.2025 23:25:58
Gelesen: 6357
# 28
Das aktuelle Youtube-Video von Ron Alexander gehört unbedingt auch in dieses Thema:
https://www.philaseiten.de/beitrag/369299
Danke an Ron für die gute Aufbereitung des Themas!
Viele Grüße
Christoph
Am: 28.06.2025 07:43:06
Gelesen: 6234
# 29
@ TeeKay [#27]
Hatte da irgendetwas erstaunlich lange Bestand außer der Annahme der Käufer:innen, dass die gekaufte Aboware werthaltig wäre? Also gab es dafür jemals einen Sekundärmarkt, auf dem die Ware auch nur zum Neupreis abzusetzen gewesen wäre? Das bezweifle ich.
Als ich 1977 mit der Philatelie begann war es ehernes Gesetz, dass auf Tauschtagen 50% vom Michelwert verlangt wurde. Den Greifvogelsatz von 1973 habe ich für 20.- DM erworben. Die Olympiablöcke von 1972 standen auch mit 40.- DM im Katalog. Die Aktie des kleinen Mannes hat eine Zeit lang ganz gut funktioniert, weil immer noch Sammlernachwuchs vorhanden war, der seine Sammlung rückwärts komplettiert hat. Ich erinnere mich noch lebhaft an die Ausgabe des Springreiters 1978, der schon nach kurzer Zeit ausverkauft war und dann ein Mehrfaches der Nominale kostete. Auch die Marke zum Tag der Briefmarke 1979 war als Kleinbogen sehr gesucht. Das lies aber mit der Zeit nach und auch mein Interesse an Bund postfrisch schwand. 1983 habe ich mich einem klassischen Sammelgebiet zugewandt und bin in eine ArGe eingetreten. Mein Bund-Abo bestand noch mis Anfang der 90er Jahre. 2002 habe ich alles umgetauscht - auch die Greifvögel! Viele haben mit der Einführung des Euro ihre Bundsammlung abgeschlossen. Das war schon ein deutlicher Wendepunkt, den man miterleben konnte. Die Preise zogen natürlich nicht an, wie manche spekuliert haben, sondern sind gefallen und das tun sie heute noch.
Am: 28.06.2025 10:48:41
Gelesen: 6127
# 30
Ich möchte zu dem Thema noch den Zeitgeist beifügen. Erben, welche 1960-1975 den Erlös der Briefmarkensammlung Ihres Verstorbenen als Scheck in der Hand hielten, waren durchaus zufrieden, sprachen lobend über den Verstorbenen, der ja von allen unerkannt sich als Fachgenie in seinem Hobby entpuppte. Dabei haben die meisten nur ihre Abosammlung gepflegt und teure Vordruckalben gekauft. Dazu naturgemäß die Bibel des Briefmarkensammlers, "Der Michel" Wie es dazu kam, kann man sehr schnell und deutlich mit Zahlen belegen.
Von 1949 ca. 12.000 organisierten Briefmarkensammlern zum zehnfachen hin auf weit über 100.000. Aber wer 1949 Aboware kaufte, wusste nichts von diesem Boom. Und da niemand davon wusste, ist es so gekommen wie es ist. Und heute? Wie Ron in seinem Video plausibel darlegt, ist der Briefmarkensammler weitergezogen, hat sich entwickelt. Endlich gibt es unter den meisten Sammlern das Wissen, dass ein Stempel eine wichtige Informationsquelle ist und man sie deshalb gerne auf einer Briefmarke als Vollstempel hat.
Heute ist der Zeitgeist für Aboware tot, die Briefmarkenindustrie am Boden, doch was hat das eigentlich mit dem Hobby Briefmarkensammeln zu tun? Ich persönlich bin froh, dass dieser Zeitgeist vorbei ist, denn es macht nun Platz für neues und vor allem mit Spaß sammeln. Gerne lese ich zum Beispiel Postgeschichte oder auch spannende Geschichten über die Reisen eines Briefes. Wer jetzt anfängt, hat vielleicht auch die Chance den nächsten Zeitgeist zu erwischen, vielleicht in 50 Jahren und das Gute daran ist: Niemand weiß es vorher! Ich lasse immer gerne den Spruch los. Im Zeitgeist zu kaufen, ist genau dasselbe Aktien mit KGV 50+ zu kaufen.
Viele Grüße
Briefmarkenburny62
Am: 28.06.2025 13:52:12
Gelesen: 5988
# 31
Trotzdem empfinde ich es als traurig, dass "traditionelles Sammeln", also das Bestreben, sich eine möglichst vollständige Sammlung eines bestimmten Gebietes zusammenzutragen, inzwischen "wertmäßig" so am Boden ist. Sammeln bedeutet für mich durchaus zum einen, Besonderes zu dokumentieren, wie eben besondere Briefbeförderungen oder eben historisch interessante Aspekte des Postwesens damit zu dokumentieren.
Zum anderen aber durchaus "Briefmarkenausgaben" zu komplettieren, dem suchen und jagen nach fehlenden Exemplaren. So habe ich meine Gebietssammlungen aufgebaut, BRD, DDR, Frankreich, TAAF, Mayotte u.a. Dabei ging und geht es mir nicht um Wertespekulation, sondern einfach nur um darum, Markenausgaben eines Gebiets in bestimmten, von mir selbst bestimmten Grenzen und Kategorien möglichst vollständig zusammenzutragen.
Also eben bspw. BRD postfrisch und gestempelt bis 2002. Und nicht Bogen- oder Viererblockweise in wertspekulativer Absicht, sondern einfach in Einzelwerten. Das eine solche "einfache" Sammlung, die nur (weitestgehend) vollständig und nicht besonders ist, trotzdem in der Wertigkeit inzwischen als "Ramschware" abgeurteilt und mangels Nachfrage schlecht bezahlt wird, dass ist zwar die Entwicklung und Ausrichtung der Sammlerinteressen und damit hinzunehmen - aber traurig ist es trotzdem. ICH erfreue mich trotzdem der Betrachtung meiner Sammlungen, und wo es sich ergibt, wird auch immer noch ergänzt und ersetzt, umsortiert, augengefällig re-arrangiert, was auch immer - so wie es mir Zeit und Spaß erlaubt. Dass dann irgendwann große Teile meiner Sammlungen finanziell kaum erfreuliches erbringen werden - schade, aber dann ist das so. Ich habe meinen Spaß und meine Freude daran, und bedaure nur die offenkundig wegfallende Wertschätzung einer solchen Freizeitbeschäftigung und solcher hingebungsvoll gepflegten Sammlungen.
Best
Vernian
Am: 28.06.2025 21:48:25
Gelesen: 5685
# 32
@ wuerttemberger [#29]
" Den Greifvogelsatz von 1973 habe ich für 20.- DM erworben. Die Olympiablöcke von 1972 standen auch mit 40.- DM im Katalog."
Faszinierend, denn die Auflagen waren ja bekannt und bei den Greifvögeln nicht niedriger als beim Vorjahres-Satz und beim Springreiter nicht signifikant niedriger als bei den Jugendmarken des gleichen Jahres. Und das Material lag ja auch vor, wie die noch heute erhältlichen Bogenbestände der Marken zeigen. Also hielt sich der Preis hoch, weil Dublettenbestandsbesitzer nicht verkauften Und zwar weder bei steigenden noch fallenden Preisen. Das ist doch Marktversagen. Das Material blieb einfach im Lageralbum und rottete unverkauft vor sich hin. Das ist ein Phänomen, das ich mir nicht erklären kann.
Ladenauflösungen sind ja inzwischen selten, kommen aber noch vor. Gern kaufe ich dann da die Kisten mit Hawid und Zubehör. Beim letzten Mal waren 20 oder 30 10er-Päckchen mit Hawid-Taschen für 70er Jahre Weihnachtsblöcke im Paket. Die passen nur für diese Blöcke und sonst nichts. Warum hat der Händler diese Taschen bis zur Auflösung des Ladens 50 Jahre behalten, statt den Preis drastisch zu reduzieren, den Bestand damit abzustoßen, Lagerplatz und vor allem Kapital freizumachen und besser nachgefragte Ware zu kaufen? Daraus spricht die gleiche Mentalität wie beim Horten von Marken, für die Nachfrage da ist, die man aber weder bei steigenden noch fallenden Preisen endlich mal verkauft.
@ Vernian [#31]
Wieso sollten Käufer:innen deiner Sammlung deine Freizeitbeschäftigung und Hingebung wertschätzen? Das ist doch dein Vergnügen, nicht ihres. Zum Zeitpunkt des Verkaufs reiht sich deine Sammlung ein in ganz viele genauso hingebungsvoll aufgebaute Sammlungen, die im Falle postfrischer Marken absolut identisch sind (sofern man nicht die Markenrückseite betrachtet und feststellt, dass in den meisten postfrischen Sammlungen vor allem Fingerabdrücke gesammelt wurden). Wertmaßgebend für den Käufer ist doch dann nicht der Spaß, den du hattest, sondern der Fakt, dass 100.000 andere den gleichen Spaß hatten, jetzt aber nur noch 10.000 da sind, die die Sammlungen kaufen wollen.
Am: 30.06.2025 14:20:00
Gelesen: 5253
# 33
Das ist eine traurige Nachricht und ja, sie passt zum Titel dieses Threads. Wolfgang Böhmer war auch ein leidenschaftlicher Philatelist - siehe Text aus "Südwest Aktuell" von 2011 [1]
Sachsen-Anhalt: Früherer Ministerpräsident Böhmer mit 89 Jahren gestorben
Sachsen-Anhalts früherer Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) ist tot. Böhmer starb am vergangenen Wochenende im Alter von 89 Jahren, wie der CDU-Landesverband am Montag in Magdeburg mitteilte. Der ausgebildete Arzt und CDU-Politiker war von 2002 bis 2011 Regierungschef in dem ostdeutschen Bundesland. CDU-Politiker würdigten Böhmer als "Garant für Stabilität und Zusammenhalt".
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) betonte, Böhmer habe sich "für die Bewahrung von Traditionen ebenso wie die Modernisierung unseres Landes" verdient gemacht. Er sei ein "Garant des Ausgleichs" gewesen. "Sein großes Verdienst bestand darin, durch die Authentizität seiner Persönlichkeit und eine Eigenwilligkeit und Beharrlichkeit, die aber niemals ohne Aufrichtigkeit daherkam, den Menschen weit über alle Parteigrenzen hinaus das Vertrauen in die Politik zu bewahren", erklärte Haseloff.
Sachsen-Anhalts CDU-Chef Sven Schulze erklärte, Böhmer "war nicht nur ein kluger Politiker, sondern auch ein Mensch mit Haltung und Format". Die SPD-Landesvorsitzenden Juliane Kleemann und Andreas Schmidt erklärten: "Wolfgang Böhmer war ein Politiker alten Zuschnitts: verlässlich im Wort, verbindlich im Ton und unerschütterlich in der Haltung."
Wie andere ostdeutsche Politiker war Böhmer ein politischer Quereinsteiger. Bis zur Wende widmete sich der in der Oberlausitz geborene Sohn eines Landwirts ausschließlich der Medizin. Nach Studium und Promotion arbeitete der Gynäkologe zunächst in der Frauenklinik Görlitz, bevor er als Chefarzt an das Krankenhaus Wittenberg wechselte.
Seine politische Laufbahn begann Böhmer 1990 als Landtagsabgeordneter. Dem Landesparlament in Magdeburg gehörte er mit Unterbrechungen bis 2011 an. Von 1991 bis 1993 gehörte Böhmer als Finanzminister der vom damaligen Ministerpräsidenten Werner Münch (CDU) geführten Landesregierung an. Nach dessen Rücktritt war er von 1993 bis 1994 Minister für Arbeit und Soziales in dem von Christoph Bergner (CDU) geleiteten Kabinett.
Nach der Regierungsübernahme der SPD blieb Böhmer Mitglied des Landtags. Zeitweise war er auch dessen Vizepräsident sowie von 2001 bis 2002 Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion. Von 1998 bis 2004 war er auch Landesvorsitzender der CDU Sachsen-Anhalt.
Nach dem Gewinn der Landtagswahl 2002 führte Böhmer zunächst eine Koalition aus CDU und FDP, ab 2006 dann eine schwarz-rote Koalition. Zur Landtagswahl 2011 trat der damals 75-Jährige nicht mehr an. Der damalige Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) wurde sein Nachfolger als Ministerpräsident und regiert bis heute.
[1] https://www.briefmarken-suedwest.de/SUEDWEST-AKTUELL/SWA-244-SuedwestAktuell-2011-12__www_Briefmarken-Suedwest_de.pdf
Am: 08.07.2025 12:43:52
Gelesen: 4496
# 34
Liebe Sammlerfreundinnen und ‑freunde,
nach den letzten Wortmeldungen scheint das Bild klarer denn je: Die großflächige, kataloggetriebene Sammelpraxis, die viele von uns über Jahrzehnte geprägt hat, verliert ihre einstige Anziehungskraft – nicht plötzlich, sondern leise und stetig. Gleichzeitig erleben kleine, inhaltlich scharf umrissene Sammelgebiete sowie forschungsorientierte Arbeitsgemeinschaften einen bemerkenswerten Zuspruch. Es ist, als ob sich die Philatelie von ihrer breit gestreuten Jugend in eine konzentrierte, reifere Form zurückzieht.
Mehrere Stimmen haben das in aller Deutlichkeit beschrieben: Das Überangebot an Nachlässen drückt die Preise, verunsichert Erben und entwertet in den Augen mancher das Lebenswerk ihrer Angehörigen. Zugleich zeigen Berichte aus Hamburg, Nordrhein‑Westfalen oder der Schweiz, dass philatelistische Projekte mit klarem Fokus – seien es digitale Stempelarchive, thematische Ausstellungen oder hybride Tauschformate – durchaus Resonanz finden. Das Hobby verschwindet also nicht; es verdichtet sich.
Diese Verdichtung hat zwei Seiten. Zum einen kann sie befreien: Ohne den Zwang, jeden Neuheitenjahrgang komplettieren zu müssen, rückt der Blick stärker auf Qualität, historische Tiefe und narrative Kraft einzelner Stücke. Zum anderen markiert sie das Ende einer Zeit, in der die Philatelie ein nahezu selbstverständlicher Teil des bürgerlichen Freizeitkanons war. Wer, wie viele von uns, noch die volle Blüte erlebt hat, empfindet den jetzigen Wandel zwangsläufig als Verlust.
Vielleicht lässt sich der gegenwärtige Moment am besten als notwendige Häutung verstehen. Was abfällt, ist die alte Vorstellung, Masse genüge schon, um Werte zu sichern. Was bleibt – oder neu entsteht – ist eine Philatelie, die ihr Gewicht aus Kontext, Forschung und persönlicher Beziehung zum Objekt bezieht. Für eine solch schlankere, inhaltlich tiefere Sammlergemeinschaft sprechen viele der Beispiele, die hier genannt wurden: von spezialisierten Luftpost‑Studien über postgeschichtliche Fallanalysen bis zu datenbankbasierten Stempelprojekten. Gerade diese kleinen Inseln lebendiger Neugier zeigen, dass die Marke als kulturelles Dokument nichts von ihrer Faszination verloren hat.
In diesem Sinne mag meine Grabrede auf die „alte Massenphilatelie“ zwar berechtigt sein; sie bedeutet jedoch nicht, dass das Hobby an sich beerdigt werden muss. Vielleicht wird es einfach leiser, konzentrierter und – in positivem Sinn – anspruchsvoller. Wer Gefallen an solchen Verdichtungen findet, dürfte auch künftig reichlich Stoff zum Jagen, Sammeln und Forschen haben. Und wer lieber an die goldene Zeit der Massenalben zurückdenkt, darf das ebenso: Schließlich lebt jedes Sammelgebiet auch von seiner Erinnerungskultur.
So betrachtet, liegt zwischen Endzeitstimmung und Zukunftsoptimismus gar kein Widerspruch. Wir erleben lediglich das natürliche Ausschwingen einer Epoche und den Beginn einer neuen, fokussierten Phase. Die Diskussion hier hat das eindrucksvoll spürbar gemacht – ein stimmiges Schlussbild, das sowohl Wehmut als auch leise Zuversicht enthält.
Beste Grüße
Dr. h.c. Michael Kubenz
Am: 08.07.2025 14:26:38
Gelesen: 4412
# 35
@ mksuperplus [#34]
Ein bemerkenswerter Beitrag, welcher von einer Meta-Ebene auf die Philatelie schaut. Ich maße mir mit meinem Spezialgebiet nicht an, ein Urteil über die Richtigkeit zu fällen; es deckt sich jedoch 1:1 mit den Beobachtungen in meinem Sammelgebiet (Altitalienische Staaten + Übergangsregierungen). Und da ich nun mal zur "neuen" Generation der jetzt kommenden Sammler gehöre und niemals die Philatelie so erlebt habe wie die meisten der Sammler auf diesem Portal kann ich nur unterstreichen, dass eine sehr fokussierte Herangehensweise an die Philatelie plus Literatur plus Unterstützung durch Prüfer sehr schnell auch eine gewisse Tiefe und große Freude mit sich bringen kann.
Mich stört deswegen auch der Titel dieses Threads - ich würde dringend dafür plädieren es zB so zu formulieren "Philatelie - ein traditionsreiches Hobby im Wandel der Zeit."
Das fokussiert auf das, was jetzt kommt, nicht auf einen Aspekt, der war.
Liebe Grüße
Michael
Am: 10.07.2025 03:48:10
Gelesen: 4048
# 36
Aus den obigen Beiträgen lässt sich wunderbar ein Abgesang auf das Briefmarkensammeln herauslesen, nicht aber auf die Philatelie.
In Kinderjahren wurde mir in einem Verein beigebracht, dass Briefmerken in ein Vordruckalbum gehören, schön vom Papier abgelöst, und Neuausgaben am Schalter abgestempelt werden müssen. In Anbetracht der Vernichtung des geringen Taschengelds unterließ ich Letzteres wohlweislich und konnte die Marken später immerhin zur Frankatur benutzen.
Aus jener Zeit überlebte ein Steckalbum "Großbritannien", das zwar nur Massenware enthielt, aber einen gewissen exotischen Charme besaß. Mit 40 Jahren wagte ich mich daran, via Internet ein paar Ergänzungen vorzunehmen. Dabei lernte ich schnell, wie viele Bereiche das Sammeln abseits der Vollständigkeit eigentlich bietet.
Enttäuschend waren Besuche auf lokalen Börsen. Massenware in schlechter Erhaltung zu mehr oder weniger Katalogpreisen, dazu wenig Bereitschaft, sein philatelistisches Wissen zu teilen. Der örtliche Verein ignorierte mein Gebiet und weitergehende Auskünfte über das Sammeln allgemein waren Fehlanzeige.
Erst über Flohmärkte und ähnliche Anlässe fand ich Sammler, die es als Selbstverständlichkeit empfanden, ihre Erfahrungen zu teilen, sowie Tagespost und Literatur weiter zu reichen. Eines hatten sie alle gemeinsam: Die Philatelie war nur eines von mehreren Themen, mit denen sie sich befassten. Dies dürften dann wohl die "unorganisierten" Sammler sein.
Für sie stand nicht Wertzuwachs und Vollständigkeit im Vordergrund, sondern die Beschäftigung mit der Materie. Viele dieser Philatelisten sind in der Lage, sich Wissen selbständig anzueignen, Quellen (online) ausfindig zu machen und können dabei ein beachtliches Niveau vorweisen. Genau das unterscheidet sie von jenen, die in den Vereinen Abo- und Kartonphilatelie betrieben.
Es gibt glücklicherweise Viele, die eigenständig ihr persönliches Thema fanden und verfolgen, das oft sogar ohne Katalog auskommt oder auskommen muss, weil sie unerforschtes Terrain betreten. Der Wert ihrer Sammlungen liegt weniger in pekuniären, sondern in ideellen Werten. Sie sind es, welche die Tradition der Philatelie weiter tragen und das wohl noch über lange Zeit und das macht Hoffnung, dass ein interessantes Hobby erhalten bleibt.
Am: 10.07.2025 08:59:08
Gelesen: 3930
# 37
@ Sherlock [#36]
In vielen Beiträgen wird das Sammeln von Briefmarken in Vordruckalben sehr negativ dargestellt. Warum eigentlich? Ich habe große Freude daran, nicht nur Briefe sondern auch Briefmarken in Vordruckalben durch Druck-, Platten-, Farbvarianten zu ergänzen und mich unabhängig davon immer tiefer mit der Materie der Geschichte der Druckplatten, Farbvarianten, wieso gab es z.B. weltweit nur in Sardinien und auch nur dort zwischen 1855 und 1862 diese extrem großen Farbabweichungen je nach Druckplatte und Stadt? Zum Teil haben die Farben nur wenig miteinander zu tun. Diese extreme Vielfalt an Farben ist weltweit einzigartig), aber auch in diese recht einmalige Historie von Politik und Religion einzutauchen.
Ich finde, dass das schöne an der Philatelie ist, dass wirklich jeder sich sein Gebiet und die Art der Herangehensweise völlig individuell aussuchen kann. Da gibt es mE kein "richtig" oder "falsch".
viele Grüße
Michael
Am: 10.07.2025 11:15:39
Gelesen: 3855
# 38
Vordruckalbensammler:in ist eine abgekürzte Form von
Sammler:in, die streng und ausschließlich Fehlstellen in Vordruckalben mit Marken oft zweifelhafter Qualität füllt, sich ansonsten aber nicht mit der Materie befasst, von Abarten, Besonderheiten und Postgeschichte nichts weiß und sich nach 30-50 Jahren wundert, dass das aktuell für 2500 Euro neu und leer angebotene Vordruckalbum mit Marken auf dem Gebrauchtmarkt 5 Euro weniger wert ist als leer, höchstens aber 100 Euro, sofern die Alben in neuwertigem Zustand sind und dann hier einen Thread im Forum eröffnet und über die böse Post schimpft.
Am: 10.07.2025 12:09:24
Gelesen: 3809
# 39
Hallo Michael,
wenn Du Vordruckalben magst, damit zurecht kommst und es als angemessen für Deine Sammeltätigkeit siehst, dann ist das in Ordnung. Erfreue Dich daran und arbeite damit.
Meine Erfahrung zeigt, dass es für viele Sammelgebiete nicht angemessen ist. Ein Album ist ein so etwas wie ein Museum, in dem Du als Hausherr Deine Schätze präsentierst. Vordrucke sind Formulare, die ausgefüllt werden sollen.
Leider gibt es Sammelgebiete, in denen bestimmte Stellen leer bleiben, und das zeitlebens. Brauche ich in einem Museum ein leeres Zimmer? An anderer Stelle wäre es angebracht, etwas tiefer einzusteigen, doch da ist der Raum dann komplett zugestellt.
Selbst Einsteckalben sind nicht flexibel genug, wenn die Sammlung wächst. Bestimmte Themenbereiche benötigen sehr bald Erweiterungen. Dann helfen nur Umstecken oder zusätzliche Albenseiten einfügen.
Meine Sammlung begann ich mit Steckkarten; sicher die flexibelste Variante. Während der Michel für eine "One Penny Red" gerade einmal drei Varianten listet, lassen sich ganze Alben ohne Dubletten mit diesem Motiv füllen.
Besonders auffällig werden die Nachteile von Vordruckalben beim Erwerb von Sammlung(steil)en. Da kleben an manchen Plätzen viele Marken dicht aufeinander, die meisten Stellen sind jedoch leer geblieben.
Ein paar der von Dir gesammelten Sardinien-Marken befinden sich auf Grund der schönen Prägung in einem Kuriositäten-Album, zusammen mit den österreichischen Corona-Marken auf Toilettenpapier, Schweizer Stickereimarken, holografischen Exemplaren und Krypto-Ausgaben. Jeder Neuzugang verändert die Struktur dieser Sammlung und wäre mit einem Vordruckalbum nicht realisierbar.
Um auf das Thema dieses Threads zurück zu kommen: Strikte Vorgaben für das Briefmarkensammeln, wie sie immer wieder in Diskussionen aufkommen, schrecken eher ab und sind Negativwerbung für die Philatelie. Das bloße Katalogisieren, Lückenfüllen oder die akribische Plattenfehlersuche brachten diesem interessanten Hobby das verstaubte Image ein, das Nachwuchs abschreckt.
Meine persönliche Erfahrung mit der Philatelie kommt zu diesen Schlüssen, nachdem ich mit langem Anlauf die Hürde der Vereinssammlerei überwunden habe und unnützen Ballast wie Abos, Ersttagsbriefe oder Sonderstempel abwarf.
Aber wie Du schreibst, "es gibt kein richtig oder falsch." Es gibt jedoch viele oder wenige Menschen, die sich für die Beschäftigung mit Briefmarken entscheiden.
Weiterhin frohes Sammeln,
Sherlock
Am: 10.07.2025 14:05:29
Gelesen: 3728
# 40
Ach ja, die Vordruckalbensammler:innen – diese geheimnisvolle Spezies, die angeblich Marken einsetzt, ohne sie jemals genau anzusehen, und dann Jahrzehnte später in Schockstarre verfällt, weil das gefüllte Album nicht für den Gegenwert eines Mittelklassewagens verkauft werden kann. Klingt schlimm. Wenn man’s so darstellt.
Aber mal ehrlich: Was ist falsch daran, Freude daran zu haben, Lücken zu schließen? Ob Vordruckalbum, Panini-Heft oder Pokédex – das Prinzip ist doch das gleiche: Bildchen einsortieren, Lücken füllen, Glück empfinden. Der eine freut sich über ein gestempeltes Heuss-Exemplar von 1956, der andere über ein neues Pokemon mit Glitzereffekt. Und keiner käme auf die Idee, einem Achtjährigen vorzuwerfen, dass er beim Fußballbildchen-Tauschen noch keine tiefen Kenntnisse der FIFA-Regeln hat.
Also, lasst uns doch nicht in "Elitesammler" und "Lückenfüller" spalten. Wir kleben alle im selben Boot – ob mit Hawid, Falz oder Klarsichtfolie. Und ganz egal, ob man den Unterschied zwischen einem Plattenfehler und einem Knick im Papier erkennt oder einfach nur ein schönes Markenbild liebt: Willkommen im Club!
In diesem Sinne: Weiter sammeln und freuen.
Beste Grüße
Peter Blum
Am: 10.07.2025 14:29:24
Gelesen: 3704
# 41
Keiner sagt, dass am Vordruckalbensammeln etwas falsch sei, sondern dass dieser Sammler:innen-Typ ausstirbt. Da der Typ Vordruckalbensammler:in ausstirbt und nicht die Philatelie im Allgemeinen, macht es Sinn, diesen Typ konkret zu beschreiben. Und dieser Typ Sammler:in stirbt nachweislich aus. Für manche Gebiete wie Japan gibt es schon seit mehr als einem Jahrzehnt gar keine Vordruckalben mehr (weil die bei der Ausgabenflut schon 2010 keiner mehr bezahlen konnte). Selbst für beliebte Sammelgebiete wie Bund sind die Preise für Nachträge inzwischen so hoch, das eine Einzelstückfertigung anzunehmen ist (2024 Lindner 43,70€, Safe 43,45€, Schaubek 57€). Schaubek schreibt das sogar genau so im Onlineshop, wobei das auch ein untauglicher und rechtlich nicht haltbarer Versuch sein kann, das Widerrufsrecht auszuschließen (Hoch standardisierte Ware unterliegt selbst dann nicht einem Widerrufsrechtsausschluss, wenn die Ware auftragsbezogen gefertigt wurde - das musste schon Tesla feststellen).
Ich selbst habe Bund/Berlin auch im Vordruckalbum. Allerdings als Basis für die Sammlung und nicht als Sammlung an sich, weil die Alben so günstig sind und ich die Marken gern zusätzlich zum Rest in Spitzenqualität zusammentrage. Aber schon bei diesem Basis-Einsatzzweck stelle ich fest, dass die Alben versagen. Für Bogenränder ist zuverlässig kein Platz.
Und dieses Versagen ist auch ein Grund für den hohen Wertverlust von Vordruckalbensammlungen: Sie sind alle gleich und enthalten keinerlei Besonderheiten. Im Ursprungsposting freute sich die Tochter des Verstorbenen übrigens nicht über die viele Freude, die der Sammler mit der Sammlung gehabt haben mag, sondern ärgerte sich über den hohen Wertverlust. Daher ist es auch angemessen, diesen Wertverlust hier zu diskutieren und in einen Zusammenhang mit dem Sammler- und Sammlungstyp zu stellen.
Am: 10.07.2025 14:38:14
Gelesen: 3697
# 42
Also ich muss gestehen seit ich aus allen Ecken alte Sammlungen übernehme (bzw. für ein Danke vor dem Altpapier rette) erfreue ich mich inziwschen sogar an FDCs, ETBs und Kartonphilatelie. Inzwischen habe ich sogar "volle" Vordruckalben (Bund) in meinen Bestand. ;-)
Und dabei habe ich vor Jahrzehnten das "klassische Briefmarkensammeln" (mit 1-Komma-5 kleinen Ausnahmen, nämlich USA und arabische Raubritterbilderbögen) ganz bewusst aufgegeben. Nun habe ich wieder jede Menge Alle Welt-Sammlungen, die ich nebenbei immer etwas weiter aufarbeite und zusammenführe, ohne jeden Anspruch, d.h. ich gehe nicht auf Katalogabhaken, sondern das sind/werden reine "wilde" (d.h. unsystematische) Ländersammlungen "ohne jeden Wert". Und ja, ich finde daran sogar inzwischen wieder Spass. Für Nebenbei.
Beste Grüße
Thomas
Am: 10.07.2025 14:54:32
Gelesen: 3672
# 43
Ich freue mich über die vielen Rückmeldungen und wollte das nur besser verstehen. :-) Mir macht es tatsächlich Freude, nach langer Jagd wieder eine Lücke zu schließen, ist bei meinem Gebiet alles in allem aber überschaubar, neue Werte kommen ja auch nicht hinzu. Meine Alben werden durch leere Bögen ergänzt, in welchen ich dann die Besonderheiten entsprechend unterbringe oder besonderen Briefen oder seltenen Probedrucken etc pp den gebührenden Platz gebe. Mein Ziel ist es, meine Sammlung auf maximal 4 Alben zu begrenzen und wirklich absolut fokussiert zu bleiben. Manche Lücken werde ich dann aber leider vermutlich nie füllen (Lira Tre Toskana in MH* dürfte vermutlich trotz Wertverlust in meinem ganzen Leben nicht bezahlbar sein, genauso wie manche nicht verausgabte Marken des Kirchenstaats oder Sizilien), aber damit kann ich leben.
Es ist einfach ein sehr schönes Hobby, man lernt viel.
In dem Sinne allen weiterhin viel Freude damit, egal wie und auf welche Weise.
Michael