Thema:
China Belege mit chinesischen Briefmarken mit Überdrucken aus der Mandschurei
Am: 18.06.2025 00:28:14
Gelesen: 964
# 1
Der Brief von Culver Gleysteen aus Dairen, 1949
Der Brief von Culver Gleysteen, im Januar 1949 aus Dairen verschickt, ist ein seltenes Zeugnis diplomatischer und postalischer Kommunikation in einer geopolitisch hochsensiblen Phase. Als amerikanischer Vizekonsul im sowjetisch kontrollierten Dairen gelang es Gleysteen, eine persönliche Nachricht über ein stark eingeschränktes Kommunikationsnetzwerk in die USA zu senden. Das Schreiben überwindet nicht nur weite physische Entfernungen, sondern auch die politische Unsicherheit jener Übergangszeit nach dem Zweiten Weltkrieg.
Dairen, einst Teil des japanischen Kwantung-Pachtgebiets, war nach 1945 unter sowjetischer Verwaltung. Obwohl es nominell chinesisches Territorium war, unterlag die Stadt faktisch bis 1950 der Kontrolle der UdSSR. In dieser Zwischenphase wurde sie zu einem Brennpunkt internationaler Interessen, in dem diplomatische Arbeit nur unter großen Einschränkungen möglich war.
Der Brief zeigt chinesische Briefmarken mit Überdrucken aus der Mandschurei und mehrere interessante postalische Merkmale. Ein ovaler Stempel mit der Ziffer 4 verweist vermutlich auf ein internes Bearbeitungszentrum für diplomatische Post. Ein auffälliger roter Aufdruck weist darauf hin, dass die Sendung zwar in China aufgegeben, aber in den USA weiterverarbeitet wurde. Diese Mischung macht den Brief zu einem philatelistischen Unikat mit hohem dokumentarischen Wert.
Adressiert ist der Umschlag an Mrs. William Henry Gleysteen in Jenkintown, Pennsylvania, vermutlich die Mutter des Absenders. Die Verwendung des Namens ihres verstorbenen Ehemanns entspricht der damaligen gesellschaftlichen Konvention. Die Familie Gleysteen war eng mit der US-Diplomatie verbunden, insbesondere durch Culvers Bruder William Henry Gleysteen Jr., der später Botschafter in Südkorea wurde.
Der Brief steht heute für die engen Verflechtungen von persönlicher Korrespondenz, diplomatischer Mission und globaler Umbruchzeit. Er erlaubt nicht nur einen Blick auf die postalische Praxis dieser Ära, sondern gibt auch Aufschluss über das Leben amerikanischer Diplomaten im Spannungsfeld von Isolation, Informationspflicht und geopolitischem Wandel.
Am: 18.06.2025 08:52:13
Gelesen: 924
# 2
@ Schwämmchen² [#1]
Ein toller Beleg, vielen Dank!
Mandschurei-Marken auf einem Brief von einem US-Konsulat habe ich noch nie gesehen.
Der Stempel "This Article Originally Mailed In Country Indicated By Postage" ist allerdings einer, der vom State Department über Jahrzehnte benutzt wurde (bis 1962). Die ausländischen Frankaturen wurden in dieser mit normalen Poststempeln von Washington DC entwertet. Ein reizvolles Sammelgebiet.
Hier ein Text, der noch etwas mehr Hintergrund liefert:
http://www.malariastamps.com/mpi/malaria-stamps-club-article-us-auxilary-markings-this-item-originally-mailed.asp
[Beiträge [#1] und [#2] redaktionell kopiert aus dem Thema "Botschaftspost, Diplomatenpost, Konsulatspost - echt gelaufene Belege"]
Am: 18.06.2025 14:10:44
Gelesen: 876
# 3
[Beiträge [#1] und [#2] redaktionell kopiert aus dem Thema "Botschaftspost, Diplomatenpost, Konsulatspost - echt gelaufene Belege"]
Der Brief ist Diplomatenpost, und eher zufällig mit chinesischen Briefmarken.
Am: 18.06.2025 22:07:43
Gelesen: 832
# 4
@ Schwämmchen² [#3]
Der Brief ist Diplomatenpost, und eher zufällig mit chinesischen Briefmarken.
Jein,
a) Ja, es ist "Diplomatenpost", die über diplomatische Kanäle aus China ins Heimatland, in die USA, befördert wurde - aber
b) Nein, er trägt nicht zufällig Briefmarken des Gastlandes. Es gab damals, bis in die 1960-er Jahre, die Bestimmung (zumindest für die diplomatischen Vertretungen der USA), dass Postsendungen von der diplomatischen Vertretung grundsätzlich mit Briefmarken des Gastlandes (in der Höhe der Gebührenstufe des jeweiligen normalen Auslandsbriefes aus eben diesem Land in die USA) frankiert werden. Das heisst man ersparte sich durch Nutzung der diplomatischen Postkanäle kein Porto, sondern man zahlte als Absender, der Post des Gastlandes soviel, wie ein normaler Brief gekostet hätte, wenn man ihm der Post des Gastlandes übergeben hätte. Die Entwertung der Briefmarken des Gastlandes fand dann nach der Einlieferung in den USA durch die US Post statt. Deshalb der Nebenstempel mit der Erklärung, weshalb ausländische Marken in Washington durch die US Post entwertet wurden. Das war damals das normale Prozedere.
Die entscheidende Frage ist nur, waren die verwendeten Briefmarken seinerzeit wirklich gültig im sowjetisch kontrollierten Dairen? Denn eigentlich hätten nur diese verklebt werden dürfen (natürlich nur, falls die Sendung bereits in Dairen dem offiziellen amerikanischen, diplomatischen "Postdienst" übergeben wurde und nicht erst irgendwo später in China).
Beste Grüße
Thomas