Thema:
Spezialausarbeitung Österreichischer Privatganzsachen bis 1938
Am: 13.06.2025 15:41:14
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# 1
Nachdem mein vor 2 Monaten fertiggestelltes Buch "Privatstreifbänder 1903-1938 des DÖAV" guten Anklang gefunden hat und auch seitens eines Buchverlages das Ansinnen an mich herangetragen wurde die FIRMENGANZSACHEN meines Heimatlandes Österreich zur Bearbeitung in Angriff zu nehmen habe ich mich entschlossen auch in dieser Hinsicht "schriftstellerisch" tätig zu werden.
Bearbeitet und gelistet werden ausdrücklich Ganzsachen aller Art (Streifbänder, Briefumschläge, Adresszettel, bedruckte Werbepostkarten) von Unternehmen der k.u.k.- Monarchie bis hin zur Anschlusszeit Österreichs 1938. Ich behandle dabei keine Anlass- und Gelegenheitsganzsachen, keine Philatelie- und Händlerkongresse, etc. die ohnedies bereits ursprünglich 1981 bei Schneiderbauer und im Katalog Rüdiger Soecknicks aus 2024 gelistet sind.
Vielmehr will ich jene Aufgabe übernehmen, soweit wie es bei diesem unüberschaubaren Gebiet der Firmenganzsachen überhaupt möglich ist, eine Art Ergänzung zu bringen die es bisher noch nicht gegeben hat. Warum hat es diese noch nicht gegeben? -Antwort: weil eine komplette Erfassung unmöglich scheint. Was mir auch bewusst ist.
Doch hat das Sammeln für mich nichts mit "Komplettsein" zu tun sondern vielmehr mit dem Gedanken eine bestimmte Form von Post- und Portobelegen einer gewissen Zeit in entsprechend großer Fülle zu dokumentieren bzw. deren Existenz überhaupt erst bekannt zu machen. Bereits bei der Erfassung des Spezialgebietes der DÖAV- bzw. Alpenvereins- Streifbänder war mir bereits von Anfang an klar dass trotz Auswertung von über 20.000 Streifbändern nicht alle Versanddaten, nicht alle Wertzeicheneindrucke, nicht alle Besonderheiten etc. erfasst werden können.
Da ich aber nach Fertigstellung und Bezugsmöglichkeit des DÖAV- Werkes über den Buch- und Fachhandel weitere Kontakte zu den großen Aficionados der Ganzsachenwelt knüpfen konnte bietet sich nunmehr die Möglichkeit der Ausweitung auf jene Ganzsachen die tatsächlich dem damalig echten postalischen Bedarf dienten. Nämlich Firmenkuverts die dem Versand von Werbung oder Rechnungen dienten, Postkarten die Vertreterbesuche ankündigten oder Faltkarten mit Ganzsachenwertstempeln deren Werbung für Marienbader Kräuterprodukte ewiges Leben versprachen.
Derartiger "Bedarf" ist bei sogenannten Gelegenheitsganzsachen, deren Funktion darin bestand die Kassen des Herausgebers zu füllen ohne und dabei eigentlich kaum "echtem" Postverkehr dienten nicht so recht gegeben. Diese Bemerkung sei an dieser Stelle erlaubt ohne das "private Ganzsachentum" abschätzig zu bewerten, vielmehr gibt es auch hier philatelistische Leckerbissen die ihresgleichen suchen!
Mir geht es es nun bei der Erfassung des "Neuen", der Firmenganzsachen, um das historische Aufarbeiten unterschiedlicher Kunst-, Stil- und Zeitepochen mitsamt deren philatelistischen Kunstwerken dero es ja allerhand gibt. Betrachten wir die kunstvollen Jugendstil- Kuverts so mancher Herausgeber, z.b. Spielwarenhändler oder Fabrikanten technischer Errungenschaften des beginnenden 20. Jahrhunderts, ist man beeindruckt mit welchem Aufwand damals Drucksorten produziert wurden die anno dazumal verwendet wurden als es noch keine E-Mails gab...
Somit lade ich Sammler über dieses Forum "zum Mitmachen" in welche Form auch immer ein. Und ja, ich weiß es eh- das Buch, sofern es meine Kraft und meine Zeit erlauben, wird dick, umfangreich, wahrscheinlich hunderte Seiten, bebildert, illustriert, informativ, aber niemals komplett sein können.
Zuspruch hilft, Kritik motiviert.
Michael Frank, Grüße aus A 2410 Hainburg aus der Donau
Am: 27.07.2025 04:00:36
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# 2
Hallo allerseits,
viel ist in den letzten Wochen bei mir in der Philatelie passiert und dazu gehört auch die Tatsache, dass Michael auf mich zugekommen ist und wir uns per Brief und Telefon zum Thema verständigt haben. Aufgrund meiner krankheitsbedingt immer knapper werdenden Zeit , die ich für die Philatelie aufwenden kann, bin ich von meinem Ziel abgerückt, selber einen Katalog der privaten Ganzsachenumschläge von Österreich zusammenstellen zu wollen. Das überlasse ich jetzt absprachegemäß Michael, statt dessen stelle ich ihm nach und nach die Abbildungen aller meiner entsprechenden Privatganzsachen zur Verfügung, allerdings mag ich es nicht, immer gleich mit einem scheinbar seltenen, auf jeden Fall aber auffallenden Umschlag wie dem oben gezeigten zu beginnen, denn das hat mit wissenschaftlicher Bearbeitung des Themas nichts zu tun.
In den wesentlichen Punkten zur Gliederung und zum Aufbau des Gesamtwerkes, wenn es denn irgendwann einmal zur Veröffentlichung gelangen sollte, haben wir uns weitgehend verständigt. Ich habe daher begonnen, meine gesamten privaten Ganzsachenumschläge von Österreich einzuscannen, vorzuformatieren und ihm zuzuschicken, damit er mit den Abbildungen sein eigenes Bildarchiv vervollständigen kann.
Mit Schneiderbauer PU 1 habe ich begonnen und inzwischen etwa 260 Scans gefertigt, alle Umschläge nach Breite und Höhe vermessen und, soweit mir das möglich war, dem Dateinamen das Datum der Verwendung hinzugefügt. Da jedoch das Formatieren recht zeitaufwändig ist, dürfte es sich noch etwas hinziehen. Sobald das erledigt ist, folgen die weiteren Katalognummern, also PU 2, PU 3, PU 4 usw., bis ich u.a. auch zu PU 147 komme, wie der oben gezeigte Umschlag im Schneiderbauer-Handbuch genannt wird. Ich selber habe auch so ein Exemplar, aber die Umschläge mit den Wertstempeln schmaler und breiter Wappenadler gehören zu den recht späten Ausgaben, zuvor gibt es noch so viel Anderes zu zeigen.
Falls jemand von euch will, dass ich die von mir gescannten Umschläge so nach und nach hier in einem eigenen Thema zeige, so bitte ich um entsprechende Wortmeldung. Unabhängig davon habe ich mich entschlossen, in meinem moderierten Thema zu PU 34 parallel weiterzumachen, was für mich aber viel zeitaufwändiger sein wird als die zu PU 1 gescannten Umschläge hier oder anderswo vorzustellen.
Viele Grüße
Ingo
Am: 28.07.2025 09:00:17
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# 3
Hallo Ingo,
danke für die löbliche und ausführliche Erwähnung dessen was geplant ist nämlich die so halbwegs (?) keinesfalls nicht vollständige sondern zumindest umfangreiche Auflistung der uns bekannten Ganzsachen. Was Du mir aktuell zukommen hast lassen (z.b. "Flugrad") ist bereits in meine Datensammlung eingearbeitet, ebenso ist dann auch von meiner Seite noch das eine oder andere Stück dazugekommen.
Auch mir geht es beim Auffinden verschiedener Spezialitäten nicht um das Auffinden und zusammentragen der "Raritäten", mit Geld kann man vieles kaufen sodass eine umfassende Raritätensammlung mehr über den Geldbeutel des Sammlers als über dessen Fachwissen aussagt. Nichts desto trotz, die schönen Belege sind mir natürlich lieber als die schiachen aber das liegt in unserer Natur.
Trotz des Auffindens und der mir damit möglichen Erfassung zahlreicher Ausgaben wird es zwar einmal neue Fachliteratur geben, jedoch mir dann Fehlstellen hinsichtlich der Komplettheit in der Erfassung vorzuhalten geht am Sinn der Sache vorbei. So seien an dieser Stelle erneut ALLE Österreich-Ganzsachensammler eingeladen und aufgefordert mir Belege vorzulegen (wohlgemerkt mit dem Hinweis dass ich diese dann auch abbilden darf). Was mir dabei interessant erscheint sei eventuelles Hintergrundwissen zu so mancher Firma die sich in den Jahren zwischen zb 1900-1925 auf deren Werbeganzsachen verewigt hat jedoch dann spurlos verschwunden ist. Einen Großteil der verschwundenen Firmen ist nicht wegen "Nazi hin und Nazi her" ab 1928 inaktiv sondern der damaligen Weltwirtschaftskrise wegen. So weit so schlecht- auf unser Thema zurückkommend, man findet von den meisten Emittenten damaliger Privatganzsachen wenig Datenmaterial vor.
Zur Ganzsachenerfassung ist ansonsten noch viel zu sagen und zu schreiben denn je ausführlicher die Kollektion wird desto mehr Fragen treten auf. Auf Fragen folgen Fragen, das nennt man dann letztendlich die "Freude am Sammeln".
Stets erwähnenswert erscheint mir das positiv Hervorzuhebende des Sammlers Ingo, dem "Cantus", der viel Zeit und Akribie investiert und mir vor allem nicht nur Abbildungen sondern Fachwissen zur Verfügung stellt. Dank'schön nochmals.
Am: 29.07.2025 20:57:47
Gelesen: 586
# 4
@ oldhainburg [#3]
Hallo Michael,
vielen Dank für deine weitergehenden Ausführungen. Natürlich hast du als Österreicher viel mehr Sammlerkontakte außen herum, die dir mit Abbildungen eigenen Materials weiterhelfen können als ich, der ich weit weg wohne, aber durch deine Kontaktaufnahme und meine grundsätzliche Begeisterung für dieses Thema habe ich endlich wieder ein lohnenswertes Ziel im Leben, das mir zuvor abhanden gekommen war.
Richard hat mich angeschrieben und hat den Wunsch geäußert, dass ich meine für dich gefertigten Scans hier so nach und nach im Bild vorstelle. Das werde ich tun, aber von meiner bisher unter PU 34 geübten Katalogisierung abweichen, um dir nicht an unnötiger Stelle Konkurrenz zu bieten. In den nächsten Tagen werde ich weitere Umschläge vorformatieren und dir zuschicken, damit dir nicht die Arbeit ausgeht.
Natürlich habe auch ich meine Freude an "bunten" Umschlägen wie an dem, den du gezeigt hast, wenn so ein Umschlag aber gar nicht so selten ist wie es anfangs den Anschein hatte, dann kann ich selber mich viel mehr für einen Umschlag begeistern, der zwar oberflächlich relativ "langweilig" erscheint, wenn ich aber vermutlich der Einzige bin, der noch ein echt gelaufenes Exemplar besitzt, so wird bei mir der Archivar angesprochen, was meine Bereitschaft erhöht, dafür auch das notwendige Geld für den Erwerb auszugeben. So ist das unter Anderem bei meiner Sammlung der Postbegleitadressen und Frachtbriefe, bei meiner Sammlung der amtlichen Kartenbriefe mit privaten Zudrucken oder eben auch bei den privaten Ganzsachenumschlägen. Es ist doch gut, wenn wir so unterschiedlich sind, sonst würde vielleicht extrem seltenes Material unwiderruflich verschwinden. Das fände ich sehr, sehr schade.
Viele Grüße
Ingo