Briefmarken Atteste

Thema:

(?) (19) Alliierte Besetzung SBZ Ostsachsen Abklatsche (Makulatur)

Holzwuermlein Am: 10.06.2025 22:07:37 Gelesen: 3124 # 1
Ostsachsen Mi-nr. 63 Hallo, vielleicht kann mir jemand auf die Sprünge helfen. Das habe ich so noch nicht gesehen. Marke vom rechten Rand, aber Abklatsch auf der Vorderseite ? LG Jens
Holzwuermlein Am: 11.06.2025 18:57:27 Gelesen: 3073 # 2
Hhmmh, dann frage ich mal anders. Hat jemand schon ähnliches gesehen? LG Jens
spain01 Am: 11.06.2025 19:11:49 Gelesen: 3067 # 3
@ Holzwuermlein [#2] Hallo Jens, ich finde das auch absolut kurios und habe soetwas auch noch nie gesehen. Mein Tipp hier ist, dass du eine Mail plus Foto (besser mit einem Scan) an einen der beiden für dieses Gebiet zuständigen BPP (Dr. Jasch, Hr. Kunz) schickst, eventuell mit vorherigem Telefonat. Dürfte hier wohl der sinnvollste Weg sein. Gruß Michael
Holzwuermlein Am: 12.06.2025 05:03:41 Gelesen: 3031 # 4
Dr. Jasch wusste momentan auch nicht so recht, wie es einzuordnen wäre.
Ben 11 Am: 12.06.2025 09:25:49 Gelesen: 3002 # 5
@ Holzwuermlein [#1] "... aber Abklatsch auf der Vorderseite?" sieht aus, als hätte man die Druckplatte falsch belichtet :) und dann noch mal neu versucht. VG Ben
Holzwuermlein Am: 12.06.2025 23:07:23 Gelesen: 2928 # 6
Wenn es eine Fotografie wäre, würde ich mitgehen. Ich kann mir leider nicht vorstellen, wie ein versetzter Abklatsch auf die Vorderseite kommen kann. Mag auch nicht glauben, dass ich der einzige bin, der so etwas hat.
Ben 11 Am: 16.06.2025 14:03:38 Gelesen: 2827 # 7
@ Holzwuermlein [#6] Ich kann mir leider nicht vorstellen, wie ein versetzter Abklatsch auf die Vorderseite kommen kann. Vielleicht mal ein paar Anregungen dazu? Gedruckt wurde im Rakeltiefdruck. Das Druckprinzip dürfte klar sein, erste Briefmarken gab es schon vor dem 1. Weltkrieg von der Fa. Bruckmann. Die wurden von der Rolle gedruckt. Nach dem 2. Weltkrieg wird es keine großen Rotationsmaschinen gegeben haben. Es kommen also kleine Maschinen in Betracht, die vom Bogen gedruckt haben. Weit verbreitet in Deutschland waren hier die "Palatia"-Maschinen der Schnellpressenfabrik Albert & Cie. AG aus Frankenthal. Den Aufbau eines "Palatia-Automaten" von 1941 zeige ich links im Bild und den einer "Super-Palatia" rechts. Man findet die Beschreibungen im VDD Jahrbuch 2008 oder auch in der Patentschrift Nr.968274. Es gibt sicher weitere Literatur dazu. Folgt man dem Bogenlauf vom Anleger durch die Maschine zum ausgelegten Bogenstapel, erkennt man, dass ein spiegelbildlicher Abklatsch auf der Vorderseite eigentlich technisch nicht möglich ist. Bleiben also nur zwei Ursachen: vor dem Druck oder danach. Vor dem Druck bedeutet, bei der Herstellung der Druckplatte. Das zu druckende Bild wurde auf einer Kupferplatte tiefgeätzt. Zur Belichtung braucht man eine Vorlage, z.B. eine Fotoplatte. Wird diese spiegelbildlich eingebaut, wäre der Fehler da. Der Drucker dürfte das relativ schnell gemerkt haben. Es wurde eine neue Platte hergestellt und bereits fertige (falsche) Bögen als Einrichtebögen verwendet. In der Argumentation gibt es zwei Bedenken. Der Einbau einer Fotoplatte hat möglicherweise eine Sicherung (Poka Yoke), die das falsche Einsetzen verhindert. Und es erklärt nicht die schwächere Farbe. Dann wäre da noch nach dem Druck. Wenn der Drucker den obersten Bogen auf dem Stapel umdreht, bevor er diesen ins Lager fährt, wird durch die vielleicht noch feuchte Farbe ein schwächerer spiegelbildlicher Abklatsch auf den beiden obersten Bögen erzeugt. Auch hier gibt es einen Haken: wenn die Farbe noch feucht ist, gäbe es auf weiteren Bögen des Stapels einen rückseitigen Abklatsch. Letztendlich gilt für beide Varianten: es ist schön anzusehende Makulatur. Viele Grüße und weiter viel Spaß beim Forschen. Ben.
Holzwuermlein Am: 17.06.2025 23:01:03 Gelesen: 2735 # 8
Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Soweit ich dem technischen Teil folgen kann,klingt es plausibel. Ich dachte die Bögen wurden auf den Vorkriegsrotationsmaschinen im Verlag der sächsischen Volkszeitung gedruckt, bis zu deren Abtransport. Die Nr.62 gibt es mit Bogenbrücke, heißt doch eigentlich fortlaufend "vom Band", da wird es schwierig, mit dem verkehrtherum einlegen, oder irre ich ? LG Jens
Attila Am: 17.06.2025 23:54:41 Gelesen: 2726 # 9
@ Ben 11 [#7] Lieber Ben, Einige Informationen sind verwechselt. Im Offsetdruck werden keine tiefgeätzten Druckplatten verwendet. Der Offsetdruck basiert auf der Trennung von wasser- und fettliebenden Oberflächen. Ich kenne die beiden Druckmaschinen nicht, aber die Konstruktion lässt darauf schließen, dass es sich um Offsetdruck handelt. Diese wurden für Druckplatten verwendet (Fe-Cu-Cr), die um 1930 von James Graham Ballard entwickelt wurden. (Watford, Calico Printers' Association). Tiefergeätzte Platten können im Offsetdruck nicht verwendet werden. Bei tiefergeätzten Platten verbrennt die Farbe und bleibt nicht auf den Flachdruckplatten oder dem Gummizylinder haften. Die geätzten Platten haben direkten Kontakt mit dem Papier. Es handelt sich um Rastertiefdruck und Tiefdruck. Auch das Aquatinta-Verfahren funktioniert nach diesem Prinzip. Dieser Druck kann auch maschinenabklatsch oder bogenabklatsch sein. Dies lässt sich anhand dieses Bildes nicht genau bestimmen. Es kann durch einen persönlichen Versuch entschieden werden. Detaillierte Kenntnisse bestimmter Maschinen sind hierfür nicht erforderlich. Erforderlich sind lediglich Kenntnisse des Verfahrens. Grüß, Attila
Ben 11 Am: 18.06.2025 13:57:25 Gelesen: 2655 # 10
@ Attila [#9] Einige Informationen sind verwechselt. Lieber Attila, die im Beitrag [1] gezeigten Marken wurden im Rakeltiefdruck hergestellt. Dieser Druck kann auch Maschinenabklatsch oder Bogenabklatsch sein. Dies lässt sich anhand dieses Bildes nicht genau bestimmen. Es kann durch einen persönlichen Versuch entschieden werden. Detaillierte Kenntnisse bestimmter Maschinen sind hierfür nicht erforderlich. Erforderlich sind lediglich Kenntnisse des Verfahrens. Auf der in [1] gezeigten Marke ist der Abklatsch spiegelbildlich auf der Vorderseite. Über das Tiefdruckverfahren lässt sich die Entstehung nicht erklären, es sind daher Kenntnisse der Maschine erforderlich. Ich lasse mich gern durch Deine Versuche überzeugen. Viele Grüße Ben.
Ben 11 Am: 18.06.2025 14:36:06 Gelesen: 2645 # 11
@ Holzwuermlein [#8] Hallo Jens, Ich dachte die Bögen wurden auf den Vorkriegsrotationsmaschinen im Verlag der sächsischen Volkszeitung gedruckt, bis zu deren Abtransport. Es gab eine christliche (katholische) Wochenzeitung mit dem Titel "Sächsische Volkszeitung", die 1941 verboten und geschlossen wurde. Zu deren Maschinen kann ich nichts sagen. Es gab in Dresden eine "Dresdner Volkszeitung" der SPD, deren Druckerei Kaden & Comp. 1933 zerstört wurde. Der Ursprung der "Sächsischen Volkszeitung" liegt in Chemnitz, wo nach dem Krieg die KPD eine "Volkszeitung" herausgab. Hergestellt wurde diese erst in der Druckerei Seiffert & Co. Der Verlag wurde Mitte 1945 nach Dresden verlegt. Eine Rotations-Buchdruck-Maschine der Druckerei wurde aus "Trümmern und Einzelteilen" in dem ehemaligen Goehle-Werk, einem zerstörten Rüstungsbetrieb, aufgebaut. Die Zeitung heißt jetzt "Sächsische Volkszeitung". Mit Zusammenschluss von KPD und SPD wird der Name auf "Sächsische Zeitung" geändert. Die Herstellung der Briefmarken geht auf die Druckerei Welzel in Dresden-Lockwitz zurück (siehe auch "Potschta-Marken"). Die Druckerei besaß ab 1935 eine Kupfertiefdruck-Abteilung für Verpackungs-, Etiketten-, Dekor- und Zeitschriftendruck. Die Druckerei wurde 1945 enteignet und danach weiterbetrieben. Welche Maschinen genau die Druckerei betrieben hat, könnte man vielleicht beim Heimatverein Lockwitz erfragen. Vielleicht wissen die das noch. Zeitschriftendruck ist ja durchaus mehrfarbig, womit wieder eine Rotationsmaschine in Betracht käme. Die Druckerei gibt es heute nicht mehr. Die Nr.62 gibt es mit Bogenbrücke, heißt doch eigentlich fortlaufend "vom Band", da wird es schwierig, mit dem verkehrtherum einlegen, oder irre ich ? Der Begriff "Bogenbrücke" ist mir nicht bekannt. Vielleicht kannst Du ja mal ein Bild davon zeigen. Auf einen Druckbogen lassen sich bestimmt 4 Schalterbogen mit 10x10 Marken und zusätzlichen Reihenwertzählern unterbringen, sodass bei einem verschnitten Druckbogen durchaus Teile eines oberen und unteren Schalterbogens sichtbar sind. Du kannst das ja mal nachrechnen. Viele Grüße Ben
Attila Am: 19.06.2025 01:04:14 Gelesen: 2589 # 12
@ Ben 11 [#10] Lieber Ben, Ich habe es vielleicht nicht deutlich genug geschrieben. Um einen Druck zu erkennen, um den Prozess zu identifizieren, muss man die Maschine nicht kennen. Die Grundlagen aller Maschinen derselben Technologie sind gleich. Auf den Bildern ist ein Teil der Maschinen unklar. Ich sehe auf keiner der Zeichnungen die Rakel. Die Farbwanne ist sichtbar. Beim Rastertiefdruck taucht die Druckplatte direkt in die Farbwanne ein. Während der Rotation entfernt die Rakel die überschüssige Farbe. Anschließend überträgt der rotierende Zylinder (mit der Druckplatte) das Stempelbild direkt auf das Papier. Daher gibt es beim Rastertiefdruck keinen Maschinenabklatsch. Bogenabklatsch tritt nur bei Bogendruckmaschinen auf, nicht bei Rollendruckmaschinen. Beim Drucken auf Rollenpapier ist die Farbschicht bereits trocken, wenn sie mit dem davorliegenden Papier in Kontakt kommt. Deshalb ist auf den Bildern keine Rakel zu sehen. Die einzige Besonderheit im Diagramm der größeren Maschine ist die Farbwanne. Es gibt verschiedene technische Verfahren zum Einfärben. Demnach sind an der Maschine mehrere Zylinder zu erkennen, die sich berühren. Dem Papierverlauf folgend handelt es sich logischerweise um eine Offsetdruckmaschine. Um diese Briefmarke genau zu identifizieren, sind weitere Informationen erforderlich. Am wichtigsten ist ein geeignetes Bild, anhand dessen sich das Herstellungsverfahren bestimmen lässt. Kennt man die Technologie der Briefmarke anhand des Bildes, lässt sich die Druckmaschine leichter analysieren. Deshalb habe ich geschrieben, dass Kenntnisse über die spezifische Druckmaschine nicht erforderlich sind. Diese Briefmarke wurde entweder im Offsetverfahren oder im Rastertiefdruckverfahren auf Einzelbögen hergestellt. Bei Offsetdruckplatten wird kein Tiefdruckverfahren verwendet. ffsetdruckplatten werden mit einer Chromschicht von <0,02 mm geätzt. Bei Rastertiefdruckplatten beträgt die Ätztiefe <0,1–0,15 mm. Rastertiefdruckplatten sind in der Regel <0,3 mm tief. Der erste Schritt ist die Bestimmung des Druckverfahrens. Ohne diese können wir keine weiteren Schlussfolgerungen ziehen. Ich hoffe, dass es dadurch leichter wird zu verstehen, was ich meinte. Grüß, Attila
Attila Am: 19.06.2025 01:54:01 Gelesen: 2588 # 13
@ Ben 11 [#11] Lieber Ben, Wenn ich es von der anderen Seite betrachte und von Rastertiefdruck ausgehe, erhalte ich folgendes Bild: 5 - Druckplattenzylinder 8 - Rakel 6 - Farbwanne 25 - Druckplatte In diesem Fall liegen die bedruckten Bögen mit der Vorderseite nach oben im Papierturm 10. Die Rastertiefdruckfarben sind sehr dünnflüssig. Ihre Trocknungsmethode heißt Absorption. (Offsetfarben trocknen oberflächlich.) Die Rastertiefdruckfarbe wird vom Papier absorbiert, bevor der Bogen in den Papierturm (10) einläuft. Daher wird der Bogen vom vorherigen Druck nicht mehr auf der Rückseite des neuen Bogens bedruckt. Normalerweise kann das Spiegelbild nicht auf der Vorderseite platziert werden. Dieser Stempel befindet sich am Rand des Bogens. Aufgrund des Druckverfahrens kann der bedruckte Bogen nicht verkehrt herum eingelegt werden. Ich habe jedoch eine gute Theorie, die die Entstehung gut erklärt. Bitte haben Sie etwas Geduld, es gibt noch ein kleines Detail, das unklar ist. Ich werde die Erklärung in den nächsten Tagen schreiben. Grüß, Attila
Holzwuermlein Am: 19.06.2025 07:24:46 Gelesen: 2556 # 14
Moin, hergestellt wurden die Marken im Ra Tdr. Verfahren durch die sächsische Volkszeitung (in deren Räumlichkeiten). Aus welchen Teilen alles zusammengebastelt wurde, wird schwierig zu ergründen sein. Hier ein "schlechtes" Bild einer Bogenbrücke, welche die Schalterbögen wohl miteinander verbunden haben könnte.
Ben 11 Am: 19.06.2025 08:26:57 Gelesen: 2537 # 15
@ Holzwuermlein [#14] Guten Morgen, Danke für das Bild zur "Bogenbrücke" (ein eigenartiger Begriff :)), dass hatte ich mir auch so vorgestellt. durch die sächsische Volkszeitung ( in deren Räumlichkeiten). im Deutschland-Spezial Katalog wird für die Ausgaben #42-#50 die Druckerei Welzel mit dem Zusatz "ab 08. August im Besitz der Sächsischen Volkszeitung" genannt. Das passt also zur Enteignung und Weiterbetrieb. Unklar ist, ob die Maschinen abgebaut und andernorts wieder in Betrieb genommen wurden. Ich habe den Heimatverein Lockwitz mal angeschrieben. Mal sehen, was die antworten. VG Ben.
Ben 11 Am: 19.06.2025 08:39:07 Gelesen: 2534 # 16
@ Attila [#13] Die Rastertiefdruckfarben sind sehr dünnflüssig. Ihre Trocknungsmethode heißt Absorption. Lieber Attila, die dünnflüssigen Tiefdruckfarben trocknen durch Verdunstung. Der Farbe wird ein Lösemittel beigemischt, das leicht flüchtig ist, meist Toluol oder Benzol. Aus Erdöl dürfte man nach dem Krieg davon nichts mehr hergestellt haben können. Inwieweit die Steinkohlenkokereien in Sachsen noch funktionsfähig waren, kann ich nicht sagen. Toluol ist ein Nebenprodukt bei der Herstellung von Koks für Hochöfen. Es dürfte von den Lösemitteln wenig gegeben haben, was dazu führt, dass die Farbe vielleicht nicht ausreichend trocknen konnte. Einen Fehler in der Belichtung der Druckplatte halte ich mittlerweile nicht mehr für wahrscheinlich, das wäre u.U. zu kompliziert. Meine Überlegungen gehen mehr in Richtung der Stapelauslage. Hier könnte der Drucker auch nur den oberen Bogen eines Stapels zur Hälfte umgeschlagen haben, um den Stapel leichter aus der Maschine zu nehmen. Viele Grüße Ben.
Attila Am: 19.06.2025 22:14:18 Gelesen: 2471 # 17
@ Ben 11 [#16] Lieber Ben, Flüchtige Lösemittelfarben trocknen tatsächlich durch Verdunstung. Dies ist bei Substraten wie BOPP, PE und dergleichen möglich. Diese nehmen weder Farbe noch Lösemittel auf. Im Rastertiefdruck hat das Papier eine lockerere Struktur, sodass die dünne Farbe vom Papier aufgenommen werden kann. Später trocknet sie durch Verdunstung vom Papier. Tiefdruckpapier hat eine lockerere Struktur und weist keine kreidende Oberfläche auf. Im alltäglichen Druckprozess zieht Offsetfarbe nicht in das Papier ein. Zum einen ist sie viel dichter und hat einen geringeren Lösemittelgehalt. Ein weiteres Hindernis ist die üblicherweise kreidende Oberfläche von Offsetdruckpapier. In unserem Fall ist von Faltenbildung keine Rede. Sie wissen sicherlich, dass vor dem endgültigen Druck viele Eigenschaften angepasst werden müssen. Farbgenauigkeit, Druckkraft, Passerkreuz, Ausrichtung, Papiereinzug und vieles mehr. Dazu werden zu Beginn des Druckvorgangs einige Blätter durch die Maschine geführt. Diese können später für andere Einstellungen verwendet werden. Am Ende ist dies das Makulaturpapier. In unserem Fall könnte Folgendes passiert sein: 1. Maschinenstart ohne Papierzufuhr 2. Einrichten der Farbgebung 3. Drucken der ersten Papierbögen (Einstellbögen) 4. Einige Zylinderumdrehungen ohne Papier. Das Stempelbild wird auf den Gegendruckzylinder (4) gelegt. 5. Ein weiteres leeres Blatt Papier läuft durch die Maschine, dessen Rückseite das spiegelverkehrte Bild vom Zylinder (4) erhält. 6. Die durchlaufenden Testbögen werden wieder in den Papiereinzug (1) eingezogen. Darunter befindet sich auch das spiegelverkehrte Blatt. Es wird mit dem Bild nach oben eingelegt, d. h., es wird verkehrt herum zurückgegeben. 7. Drucken: Ein Druck (normale Bildausrichtung) wird auf das mit dem Rückseitenbild bedruckte Blatt aufgebracht. Aufgrund der Schnittgröße des Bogens sieht die Randmarke des umgekehrt zurückgegebenen Bogens wie folgt aus. Die Marke besteht die Prüfung und erhält eine ordnungsgemäße Gummierung. Der Bogen wird entweder an die Post geschickt oder als Altpapier an Sammler abgegeben. Ich vertraue darauf, dass Sie mit der Erklärung und Begründung einverstanden sind. Grüß, Attila
Ben 11 Am: 23.06.2025 10:45:11 Gelesen: 2272 # 18
@ Attila [#17] 4. Einige Zylinderumdrehungen ohne Papier. Das Stempelbild wird auf den Gegendruckzylinder (4) gelegt. 5. Ein weiteres leeres Blatt Papier läuft durch die Maschine, dessen Rückseite das spiegelverkehrte Bild vom Zylinder (4) erhält. Guten Morgen Attila, Einige Zylinderumdrehungen ohne Papier kann ich mir vorstellen, wenn der Bogeneinzug vom Stapel nicht richtig funktioniert hat. Die Farbe würde dann auf dem Gegendruckzylinder (Presseur) abgelegt. Auf dem glatten Stahlzylinder würde die dünnflüssige Farbe jedoch verlaufen, und damit kein sauberes Bild erzeugen. Beim nächsten Bogen würde man die Verschmutzung auf der Rückseite sehen. Absichtlich wird kein Drucker den Presseur einfärben, der Reinigungsaufwand ist viel zu groß. @ Ben 11 [#15] Der Heimatverein Lockwitz hat mir geantwortet. Leider haben die keine genaueren Kenntnisse zu den verwendeten Maschinen. Die Druckerei Welzel wurde nach der Enteignung von einem B.Schreiter aus Dresden übernommen. Mit seinem Enkel konnte ich telefonieren. Nach seinen Erinnerungen war das Gebäude leer, als Schreiter seine Maschinen aufgestellt hat. Die Druckerei musste später nach Dohna umziehen. Mit der Enteignung von Welzel wurden wohl die vorhanden Maschinen abgebaut und auf der Riesaer Straße in Dresden wieder zusammengesetzt. Hier befand sich 1945 auf dem Gelände des Goehle-Werkes die neu zu errichtende Druckerei der KPD-Führung, wo zuerst die Sächsische Volkszeitung gedruckt wurde. Die erste Maschine (Buchdruck für Zeitung) wurde der Geschichte nach aus Trümmern geborgen, gereinigt und repariert. Später wurde die Druckerei zum Grafischen Großbetrieb Völkerfreundschaft. Hierzu gibt es wohl ein Archiv, bei dem ich mal nachfragen werde, was es an anderen Maschinen gab. Viele Grüße Ben.
Fachgruppe DDR Plattenfehler Am: 23.06.2025 18:38:18 Gelesen: 2198 # 19
@Ben Hallo Ben, deine Aussage Dann wäre da noch nach dem Druck [#7] hat mich zu einem Experiment animiert. Beispielmarke DDR 1679 wurde dazu verwendet und manipuliert. Druck: RaTdr, Bedruckstoff: mit Aufstrich. Hier das Ergebnis: Druckverfahren zu Nr.63 passt. Papier unterscheidet sich jedoch (kein "Kreidepapier"). Das produzierte Ergebnis lässt erahnen was bei einem Papier ohne Aufstrich passieren kann. Der spiegelbildlich erzeugte "Abklatsch" ist auch bei dem Experiment farblich entsprechend anders als die Originalmarke. Kenne zwar die Eigenarten bei OPD Ost-Sachsen nicht, aber vielleicht liegt eine Empfindlichkeit gegen Lösungsmittel bei "dunkelrosarot" vor? Viele Grüße FG DDR Plattenfehler
Ben 11 Am: 04.07.2025 08:45:06 Gelesen: 1930 # 20
Guten Morgen, bei der Suche nach der Maschine von Welzel bin ich auf das Buch "Zur Technisch-Industriellen Entwicklung Dresdens", Kammer der Technik 1956, gestoßen. Das Buch, antiquarisch erhältlich, enthält ein Kapitel "Die Entwicklung der Druckerei der Sächsischen Zeitung zum grafischen Großbetrieb". Ausführlich wird hier natürlich die Aufstellung einer 96-seitigen Zeitungsmaschine beschrieben. Es wird aber auch eine Tiefdruck-Rotationsmaschine "Johannisberg" für 6 Farben genannt, die ebenfalls aus Trümmern geborgen wurde. Die "Johannisberg" ist eine Vorkriegsentwicklung aus den späten 1920er Jahren. Die Formulierung "aus Trümmern geborgen" lässt jetzt nicht auf Welzel schließen. @ Ben 11 [#18] Hierzu gibt es wohl ein Archiv, bei dem ich mal nachfragen werde, was es an anderen Maschinen gab. Der Artikel aus dem Buch ist ein verkürzter Auszug aus einer längeren Dokumentation "10 Jahre Sächsische Zeitung" des Verlages der Sächsischen Zeitung von 1955 den ich im Archiv der Zeitung mit Hilfe von Jens Jahn fand. Neben der "Johannisberg", die eine große Bedeutung für die Exportproduktion hatte, werden drei weitere Maschinen vom Typ "HET 6" genannt, die wohl neu waren. Die Typenbezeichnung ist mir unbekannt. Die Maschinen könnten aber schon aus DDR-Produktion gewesen sein und für die Produktion der Briefmarken nicht relevant sein. Interessant war ein Gespräch mit Wolfgang Schröder, der bis 1992 Betriebsleiter der Druckerei war. Er sprach von zwei Maschinen, die 1945 im Keller des neuen Gebäudes auf der Riesaer Straße standen, eine davon die "Johannisberg". Die zweite ist noch unbekannt. Im Ergebnis des Gespräches gibt es ein paar neue Ansprechpartner, die ich mal kontaktieren werde. Viele Grüße Ben.
Ben 11 Am: 04.07.2025 08:49:54 Gelesen: 1928 # 21
@ Fachgruppe DDR Plattenfehler [#19]

Den Gedanken und das Experiment des Anonymus der FG DDR Plattenfehler will ich mal aufgreifen.

Wenn sich das Entstehen der Marke mit dem Abklatsch während der Produktion nicht als plausibel erweist, ist auch eine Manipulation an Beständen von Marken möglich, die ja ausreichend erhältlich sind.

Ben.