Thema:
Bewertungen im Michel Katalog
Am: 01.05.2025 16:20:04
Gelesen: 2317
# 1
Hallo liebe Sammlerkollegen,
ich weiß, ich spreche hier ein Thema an, das sicher schon oft diskutiert wurde. Aber ich habe in meinem Verein immer wieder Probleme mit den Michel-Bewertungen. Es heißt ja immer so schön, diese Bewertungen wären super geeignet als Basis für den Tausch. Ich finde, für aktuelle gestempelte Marken von Deutschland gilt das gar nicht. Hier mal ein Beispiel:
Mi 3274 "Mädchen mit dem Weinglas", naßklebend, Auflage 5,4 Mio., Nominale 70 ct, Michelwert 1,40 Euro
Mi 3280 "Mädchen mit dem Weinglas", selbstklebend, Auflage 267 Mio., Nominale 70 ct, Michelwert 1,40 Euro
Mi 3325 Jugend "Augsburger Puppenkiste", naßklebend, Auflage 1,8 Mio., Nominale 70+30 ct, Michelwert 2 Euro
Tauschpartner in Vereinen setzen als "Barausgleich" pauschal 20% Michelwert an. Das bedeutet, ich bekomme/verkaufe die Massenware Mi 3280 für 28 ct, die sehr seltene Mi 3325 für 40 ct. Das ist völliger Unsinn und geht absolut am Markt vorbei.
Die 3280 bekomme ich in Kiloware so oft, mit der kann ich buchstäblich die Wände in meinem Klo tapezieren. Selbst mit perfektem Stempel ist sie nichts wert und dümpelt jahrzehntelang in Massen in jedem Tauschalbum herum.
Die 3325 mit einwandfreiem Bedarfsstempel (Stufen 1 bis 2 nach Michel) bekomme ich praktisch nicht im Tausch. Beim Kauf muss ich mindestens den Michelwert, manchmal auch mehr hinlegen. Aber mein Sammlerkollege im Verein will sie von mir für 40 cent haben, weil so stehts ja im Michel (abzüglich der üblichen 80%).
Einzig die naßklebende 3274 ist meiner Meinung nach mit 28 cent (plus/minus) realistisch bewertet.
Konsequenz ist, dass ich die gesuchten Bund-Marken wie Zuschlagsmarken oder ungewöhnliche Wertstufen nicht mehr im normalen Tauschalbum anbiete, sondern nur noch an ausgewählte Kollegen im 1:1-Tausch.
Kann man diesen Missstand nicht beseitigen? Gibt es nicht irgendwo eine Liste mit realistischen Bewertungen?
Herzliche Grüße,
Thomas
P.S.: Ich weiß, die Michelbewertungen sind Einzelhändler-Verkaufspreise (siehe Vorwort, Absatz "Preisnotierungen" im Michelkatalog). Bei modernen Marken einfach die doppelte Nominale anzusetzen, ist dafür sicher nicht unrealistisch, denn von den 100% Aufschlag muss der Händler seinen ganzen Aufwand bezahlen - und leben muss er ja auch noch. Alles ok soweit.
Nur als Tauschbasis sind diese Preise eben absolut ungeeignet, siehe mein Beispiel oben. Und das wollen viele Sammler nicht akzeptieren. Deshalb wäre eine Preisliste, welche die Häufigkeit der Marken in die Bewertung mit einbezieht ein Segen für uns Sammler.
Am: 01.05.2025 23:32:17
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# 2
Hallo Thomas,
zunächst einmal hast Du völlig recht, dass es viele Selbstklebende gestempelt sehr viel öfter gibt, als Nassklebende. Michel machte es sich da wohl sehr einfach. Bei modernen Marken ist der Preisansatz immer der gleiche. Man nehme den doppelten Nennwert als Katalogwert und bewerte postfrisch wie gestempelt. Erst nachdem einige Jahre vergangen oder die Marken ungültig geworden sind, können sich realistischere Katalogpreise ergeben.
Beim Tausch gehören aber zwei dazu. Man muss ja nicht alle Tauschangebote akzeptieren. Einen "Rechtsanspruch" auf einen Prozentsatz vom Michel gibt es meines Erachtens hier nicht.
Viele Grüße
Thomas
Am: 02.05.2025 11:24:32
Gelesen: 2086
# 3
Hallo Thomas (opti53),
klar gehören zum Tauschen immer zwei. Nur findet sich kaum ein Tauschpartner, der andere Bewertungen akzeptiert, als die vom Michel. Das Ergebnis sind endlose Diskussionen. Um diese Diskussionen abzukürzen, hätte ich gerne realistische Briefmarkenbewertungen für den Tausch von neuen Bund-Marken, am besten im Michel.
Ich bereite mal was vor und frage bei der Michelredaktion an. Bin gespannt, was die sagen.
Herzliche Grüße,
Thomas (thezacke)
Am: 02.05.2025 11:39:39
Gelesen: 2071
# 4
@ thezacke [#3]
"Mi 3280 "Mädchen mit dem Weinglas", selbstklebend, Auflage 267 Mio., Nominale 70 ct, Michelwert 1,40 Euro"
Das zeigt, dass hier die Bewertung einfach nicht stimmt. Selbst mit perfektem Vollstempel (Handstempel) würde niemand das bezahlen, sondern 0,01 EUR aus dem Wühlhaufen nach Gramm.
Wichtiger ist im Michel, dass die Relation stimmt. Die dortigen Preise dienen mir schon lange nur für die Relation, ob eine Marke wertvoller ist oder nicht. Die Preise zahlt man eben nicht, nur als absoluter Liebhaberpreis bei Honorierung, dass man sich die Mühe machte, die Marke für einen mitzubringen.
Gruß
Andreas
Am: 02.05.2025 20:54:33
Gelesen: 1951
# 5
@ thezacke [#1]
"Kann man diesen Missstand nicht beseitigen? Gibt es nicht irgendwo eine Liste mit realistischen Bewertungen?"
Ich kenne das auch. Einige moderne gut gestempelte Bund Marken sind selten, denke das wissen alle. Schon Ende der 80er, als ich Kind war, haben mir alte Hasen gesagt, ich soll auf gut gestempelte Zuschlagsmarken achten. Greifvögel oder Blocks mit Stempeln aus dem Bedarf ... keine Groschenware. Wer behauptet es nicht zu wissen, den gucke ich fragend an. Ich wünsche mir dann so was wie Respekt und keine strategische Unwissenheit ... bei niedrigen Beträgen geht es mir beim Tausch um menschlichen Kontakt auf Augenhöhe, einen kleinen Plausch, Wissensaustausch und ein gutes Gefühl. Wenn das fehlt, dann lasse ich es bleiben, und wenn es passt, dann bin ich großzügig.
Mir ist aufgefallen, dass der Michel sich weltweit ungefähr an Preisen anderer Kataloge orientiert (Scott, YT, SG ..) und dabei nicht berücksichtigt, dass in den einzelnen Ländern, für die diese Kataloge massgeblich sind, ganz andere Qualitätskriterien gelten und auch prozentual ein ganz anderes Preisniveau im Verhältnis zum Katalogwert üblich ist. Mir flüstern immer noch Leute Sachen ins Ohr wie "Übersee ... wertlos ... aber für meinen Enkel würde ich gerne diese alten zentrisch gestempelten portugiesischen Kolonien mitbringen ..."
Als Weltweitsammler habe ich ein ungefähres Gefühl dafür entwickelt, wo Nachfrage (weltweit) liegt und wie das Preisniveau tatsächlich ist. Ich bin erst seit kurzem wieder etwas unterwegs, und ich habe mir überlegt eventuell vor jedes Gebiet auf einen Zettel eine Prozentzahl zu stecken ... wobei ich nicht sicher bin ob das Sinn macht. Tausch ist immer so mühsam, finde ich. Auch innerhalb der Gebiete gibt es Unterschiede. Ich weiss, dass die Tier/Vogelmotive sehr gesucht sind, viele Köpfe lokaler Helden eher nicht, ausser für andere Ländersammler*innen. Eigentlich müsste ich mir da was überlegen, und ahne schon, dass ich ab und an das Buch zuklappen muss, um Stress aus dem Weg zu gehen.
Viele Marken aus dem Bedarf aus den letzten zehn Jahren von bestimmten Überseeländern sind sehr sehr selten, die Preise im Michel passen überhaupt gar nicht zu dieser Seltenheit - die Nachfrage ist durchaus da, allerdings sind die Sammler*innen weltweit verstreut.
Ich denke ich werde bis zu gewissen Beträgen einfach ein Auge zudrücken, und wenn jemand, der sich für die teuren Fischsätze aus Thailand interessiert, mit "Übersee ist nichts wert" kommt, dann werde ich einmal höflich was sagen, und wenn das nicht klappt, meine Zeit mit anderen Menschen verbringen.
Aber in der Regel klappt das.
Am: 03.05.2025 10:29:55
Gelesen: 1793
# 6
Hallo zackensonne,
mit Gelassenheit zu reagieren ist sicher ein guter Tipp. Es soll beim Tauschen ja auch um nette zwischenmenschliche Kontakte gehen. Da schaue auch ich auch nicht auf den Cent.
Und bei den Sammlern, die nur Cherrypicking betreiben, muss man halt irgendwann das Tauschalbum höflich aber bestimmt zuklappen.
Soweit alles ok. Trotzdem halte ich fest an meinem Wunsch, eine bessere Wertermittlungsbasis als den Michel zu finden.
Und nochmal für alle, dass keine Missverständnisse aufkommen: Ich rede von den Michelwertangaben für Bund gestempelt von ca. 1990 bis heute. Davor stimmen die Preisrelationen meist sehr gut und man kann bedenkenlos nach Michel tauschen.
Herzliche Grüße,
Thomas, thezacke
Am: 03.05.2025 12:13:21
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# 7
@ thezacke [#1]
Ich weiß, die Michelbewertungen sind Einzelhändler-Verkaufspreise (siehe Vorwort, Absatz "Preisnotierungen" im Michelkatalog). Bei modernen Marken einfach die doppelte Nominale anzusetzen, ist dafür sicher nicht unrealistisch, denn von den 100% Aufschlag muss der Händler seinen ganzen Aufwand bezahlen - und leben muss er ja auch noch. Alles ok soweit.
Welche Händler kennst Du noch, die Neuheiten so handeln? Die Bewertungsgrundlage von Michel ist schon längst veraltet. Ebay und andere Platformen im Internet bieten eine bessere Bewertungsgrundlage, als die Redaktion vom Schwaneberger Verlag. Die Spezialisierung in der Philatelie schreitet immer weiter voran und da kann der Michel niemals mithalten.
Wer Deine Preise nicht bezahlen kann, wird die Marken auch nicht wirklich brauchen.
Gruß
wuerttemberger
Am: 03.05.2025 17:47:33
Gelesen: 1673
# 8
Hallo wuerttemberger,
hmm, mein letzter Besuch bei einem Händler (vor 5 Jahren, ich möchte keine Namen nennen) lief so ab: Ich wollte einen Satz Bund Sportmarken 2017 bedarfsgestempelt erwerben. Daraufhin blätterte der Händler sein Album auf, legte mir drei Marken mit Erstagsstempel vor und rief 100% Michel als Kaufpreis auf. Sollte sich das in den 5 Jahren so geändert haben? Dann muss ich dringend mal wieder einen Händler besuchen.
Im Internet jedenfalls werden genau diese drei Marken regelmäßig für 100% Michel oder mehr angeboten und zwar überwiegend von professionellen Händlern. Alle günstigeren Angebote haben Haken und Ösen (Doppelabstemplungen, Wellenstempel, Gefälligkeitsstempel, Zahnfehler...).
Mit freundlichen Grüßen,
Thomas Köhler