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Thema:

Die kirchliche Mission in Deutsch Ostafrika

volkimal Am: 27.02.2025 20:25:14 Gelesen: 798 # 1
Hallo zusammen, im Kapitel "Belege aus der eigenen Familiengeschichte" habe ich in den Beiträgen 54 bis 83 das Kapitel "Familie Hübner - eine befreundete Missionarsfamilie" vorgestellt [1]. Durch Hübners kam ich dazu, mich allgemein mit der Missionsgeschichte aus Deutsch-Ostafrika auseinanderzusetzen. Dazu möchte ich einiges bei diesem Thema zeigen. Deutsch-Ostafrika war das größte und bevölkerungsreichste Kolonialgebiet Deutschlands. Das Gebiet umfasste die heutigen Länder Tansania (ohne Sansibar), Burundi und Ruanda sowie ein kleines Gebiet im heutigen Mosambik. Deutsch-Ostafrika war mit rund 7,75 Millionen Einwohnern die größte und bevölkerungsreichste Kolonie des Deutschen Reiches [2]. Auch diese Karte stammt von Wikipedia: Deutsch-Ostafrika hatte sie eine große Bedeutung für die Missionsgesellschaften. Als die Kolonie 1884 gegründet wurde, befand sich keine deutsche Missionsgesellschaft in dem Land. Es gab drei englische evangelische Missionsgesellschaften: die Universitätenmission (1869), die Kirchliche (1879) und die Londoner Missionsgesellschaft (1879) [3]. Daneben gab es zwei ursprünglich französische katholische Missionsgesellschaften: die Spiritaner = Väter vom Heiligen Geiste (1868) und die Missionaires d’Afrique d’Alger = Weiße Väter (1878). Zehn Jahre später waren neben den ausländischen auch schon fünf deutsche Missionsgesellschaften in Deutsch-Ostafrika tätig. Evangelisch waren die Berliner Mission = Gesellschaft zur Beförderung der evangelischen Missionen unter den Heiden (1891), die Evangelische Missionsgesellschaft für Deutsch-Ostafrika (1891), die Leipziger Missionsgesellschaft (1892) und die Herrnhuter Brüdergemeine (1891). Die katholische St. Benediktus-Mission von St. Ottilien begann die Missionsarbeit in Deutsch-Ostafrika 1887. Insgesamt gab es 1895 zehn Missionsgesellschaften mit 36 Missionsstationen [4]. Die Zahl der Missionsgesellschaften und Missionsstationen stieg weiter, so dass es zu Beginn des Ersten Weltkriegs schon ca. 120 Missionsstationen in dem Land gab. Aufgrund von Hübners interessiert mich besonders die Berliner Mission. Daher möchte ich mit ihr beginnen. Die Berliner Mission entsandte 1891 eine erste Missionsexpedition an den Nyassasee. Sie war zum Teil aus in Südafrika erprobten Missionaren, zum anderen aus Neuabgeordneten zusammengestellt. Einige Handwerkerbrüder sowie zwei Zulu-Christen aus Südafrika, die als Mittler und Dolmetscher dienen sollten, begleiteten sie. Am 2. Oktober wurde am Nordende die erste Station gegründet. Sie bekam zu Ehren des Missionsdirektors den Namen Wangemannshöhe. Nach einigen Jahren musste die Station aus Gründen des Klimas ein Stück weiter landeinwärts und höher in die Berge verlegt werden. Sie hieß zunächst Neu-Wangemannshöhe und hat heute den Namen Itete. Diese Ansichtskarte mit der Abbildung des Ehepaars Hübner mit ihrem Sohn Herbert hat der Gärtner Johannes Endemann am 20.08.1901 auf der Missionsstation Wangemannshöhe geschrieben. Zwei Tage später wurde sie in Langenburg (am Ufer des Njassasees) am 22.08.1901 der Post übergeben. Für den Transport quer durch Deutsch-Ostafrika hat die Karte einen Monat benötigt, denn am 22.09.1901 war sie in Daressalam. Von dort ging es mit dem Schiff weiter nach Europa. Am 17.10.1901 hat sie ihr Ziel Gera erreicht. Viele Grüße Volkmar [1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ME=78473#M54 [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Ostafrika [3] Deutsches Kolonial-Lexikon, Ausgabe 1920 (online verfügbar) [4] 12. Meyers-Konservationslexikon, Ausgabe 1895 [5] Lehmann, Hellmut: 150 Jahre Berliner Mission, Erlangen 1975
volkimal Am: 16.11.2025 11:49:26 Gelesen: 472 # 2
Hallo zusammen, es geht weiter mit der Berliner Mission. Bald folgten weitere Missionsstationen: Manow 1892, Mwakaleli im gleichen Jahr, 1893 Ikombe, das auf einer Halbinsel im Nyassasee gelegen, aber darum so fiebergefährdet war, dass kein Missionar dort auf die Dauer leben konnte und 1910 die Verlegung nach Matema am Nordufer des Sees nötig wurde. Weitere Stationsgründungen waren Bulongwa 1895 und Tandala 1897 im Kinga-Land und Magoye 1900 bei dem Volk der Wanji. Die Station Bulongwa wurde von Gustav Hübner gegründet. Eine etwas andere Karte mit diesem Bild „Ein auf der Station Bulongwa erlegter Löwe“ habe ich schon bei Hübners gezeigt. Durch den Text auf dieser Karte wird klar, dass Gustav Hübner den Löwen persönlich schoss. Gustav und Marie hatten fünf Kinder: Herbert (1895), Frieda (1897), Gerhard (1899), Johanna (1903) und Katharina (1905). Hinter dem Löwen sind drei der Kinder zu sehen. Welche es sind, weiß ich nicht. Wann Herr Hübner die auf der Ansichtskarte abgebildete Kirche bauen ließ ist mir nicht bekannt. In den ersten Jahren gab es eine Notkirche mit Lehmwänden. Wer mehr über Hübners erfahren möchte, kann dieses beim Thema " Belege aus der Geschichte der Familien Werdermann, Hentschel, Hecker usw." [1] lesen. Viele Grüße Volkmar [1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ME=78473#M54