Thema:
Bezahlt Stempel zur Markenentwertung
Am: 08.02.2025 15:06:05
Gelesen: 2421
# 1
Ich habe hier einen Brief, der ganz normal mit 20 Pfennig freigemacht wurde, der aber dann gestempelt ist:
WEINGARTEN (WÜRTT) -7.9.59 BEZAHLT
UB = c
Hat jemand eine Erklärung?
Am: 08.02.2025 20:00:44
Gelesen: 2351
# 2
@ bovi11 [#1]
Postfreistempel wurden im normalen Gebrauch in roter Farbe abgeschlagen, nur in Notzeiten wie 1945/46 auch in schwarzer Farbe, meist jedoch als Barfrankaur.
Meine Theorie:
Das PA Weingarten hatte mehrere Postfreistempel, welche aber nicht mehr alle für diesen Job benötigt wurden. Der Bezahlt-Stempel wurde daher regulär am Schalter eingesetzt, z.B. am Geldschalter. Dort trat dieser Stempel für das Postpublikum kaum in Erscheinung. An diesem Geldschalter wurden dann durchaus auch mitgebrachte Briefe abgestempelt. Die nachstehenden Bilder zeigen dies bei anderen Postämtern.
Drei Postanweisungen (vom Rechner, vermutlich Online-Auktionen)
Zwei Posteinlieferungsbücher aus meinen Beständen, hier ebenfalls für die Bestätigung von Postanweisungen und Zahlkarten verwendet.
Es könnten noch ein paar weitere Belege gezeigt werden, hab aber jetzt nicht alles greifbar. Deinen gezeigten Beleg habe ich zufällig auch auf dem Rechner (Speicherdatum 03.05.2020). Ist aber eigentlich schon außerhalb der mich interessierenden Zeit; habe ich sicherlich auch nur wegen der Markenentwertung abgespeichert.
Viele Grüße
Bernhard
Drei Postanweisungen (vom Rechner, vermutlich Online-Auktionen)
Zwei Posteinlieferungsbücher aus meinen Beständen, hier ebenfalls für die Bestätigung von Postanweisungen und Zahlkarten verwendet.
Es könnten noch ein paar weitere Belege gezeigt werden, hab aber jetzt nicht alles greifbar. Deinen gezeigten Beleg habe ich zufällig auch auf dem Rechner (Speicherdatum 03.05.2020). Ist aber eigentlich schon außerhalb der mich interessierenden Zeit; habe ich sicherlich auch nur wegen der Markenentwertung abgespeichert.
Viele Grüße
Bernhard
Am: 08.02.2025 20:25:34
Gelesen: 2334
# 3
@ bernhard [#2]
Ich habe den Brief am 2.5.2020 eingescannt. Ich weiß aber nicht mehr, in welchem Forenbeitrag ich den verwendet habe.
Rote und auch schwarze Postfreistempel sind mir aus der Notopferzeit geläufig. Hier wurde aber eine normal freigemachte Sendung mit einem "Bezahlt"-Stempel entwertet.
Deine Darstellung könnte natürlich zutreffen.
Grüße
Dieter
Am: 08.02.2025 22:45:36
Gelesen: 2277
# 4
@ bovi11 [#3]
Ok, dann ist klar woher meine Kopie stammte.
Nachfolgend noch ein paar weitere Postämter.
Köln 10 und Köln-Nippes (Bilder vom Rechner)
Kaiserslautern 1 und 2, Kaiserslautern 2 auch mit GEBÜHR BEZAHLT (Sammlung)
und hier noch einer aus München 8 aus 1952 als Markenentwerter verwendet. Hier könnte es sich auch noch um eine aushilfsweise Verwendung des Stempels handeln. Möglicherweise kann ein Heimatsammler diesen Stempel durchgehend belegen? Aus 1954 habe ich einen Scan mit Verwendung als Posfreistempel.
München 8 w (aptierter Stempel, Bild vom Rechner)
Der Einsatz am Geldschalter erscheint mir als gesichert. Ich vermute, dass es ab 1959 eine Verfügung gab, die regelte das überzählige BEZAHLT-Stempel auch am Geldschalter eingesetzt werden können. Da der Stempel auf den internen Postanweisungen und Zahlkarten nicht auffallen musste, konnte er in schwarz abgeschlagen werden. Fehlt jetzt nur noch eine Erklärung warum der Einsatz als Postfreistempel zurückging? Vielleicht durch Nutzung von Stempelmaschinen (mit Freivermerk), zentralisiert bei anderen Postämtern?
Viele Grüße
Bernhard
Köln 10 und Köln-Nippes (Bilder vom Rechner)
Kaiserslautern 1 und 2, Kaiserslautern 2 auch mit GEBÜHR BEZAHLT (Sammlung)
und hier noch einer aus München 8 aus 1952 als Markenentwerter verwendet. Hier könnte es sich auch noch um eine aushilfsweise Verwendung des Stempels handeln. Möglicherweise kann ein Heimatsammler diesen Stempel durchgehend belegen? Aus 1954 habe ich einen Scan mit Verwendung als Posfreistempel.
München 8 w (aptierter Stempel, Bild vom Rechner)
Der Einsatz am Geldschalter erscheint mir als gesichert. Ich vermute, dass es ab 1959 eine Verfügung gab, die regelte das überzählige BEZAHLT-Stempel auch am Geldschalter eingesetzt werden können. Da der Stempel auf den internen Postanweisungen und Zahlkarten nicht auffallen musste, konnte er in schwarz abgeschlagen werden. Fehlt jetzt nur noch eine Erklärung warum der Einsatz als Postfreistempel zurückging? Vielleicht durch Nutzung von Stempelmaschinen (mit Freivermerk), zentralisiert bei anderen Postämtern?
Viele Grüße
Bernhard
Am: 09.02.2025 11:04:23
Gelesen: 2232
# 5
Hallo in die neue Runde:
Selbstbucher-Nachnahme-Paketsendung, (die Gebühr (90+20+15 Rpf) incl. Zustellgebühr) entrichtet im November 1943 durch das Mineralöl-Werk Stade.
mit Sammlergruß
Werner
Selbstbucher-Nachnahme-Paketsendung, (die Gebühr (90+20+15 Rpf) incl. Zustellgebühr) entrichtet im November 1943 durch das Mineralöl-Werk Stade.
mit Sammlergruß
Werner
Am: 09.02.2025 11:13:13
Gelesen: 2224
# 6
Jetzt bin in ich natürlich etwas angefixt.
Hier ein weiterer am Geldschalter verwendeter Postfreistempel aus Münster (Westf) 1, diesmal bereits im Jahre 1958 verwendet.
In den Katalogwerken Dürst/Glasewald (1959) und Dürst/Eich (1980) [1] gibt es keine Erkenntnisse für den Einsatz am Geldschalter oder als Markenentwerter.
[1] Dürst/Eich: Die deutschen Post- und Absender-Freistempel (Poststempelgilde Heft 99 / 1980)
In den Normen für die Tagesstempel-Herstellung lese ich letztmalig in der PTZ-Norm 1341.03 von 1957 etwas zur vorgeschriebenen roten Stempelfarbe dieser Postfreistempel. In späteren Normen lese ich nichts mehr darüber. Neuere Allg. Dienstanweisungen (ADA), also um 1960 herum, liegen mir nicht vor.
Aus PTZ-Norm 1341.03 vom Juni 1957
Viele Grüße
Bernhard
In den Katalogwerken Dürst/Glasewald (1959) und Dürst/Eich (1980) [1] gibt es keine Erkenntnisse für den Einsatz am Geldschalter oder als Markenentwerter.
[1] Dürst/Eich: Die deutschen Post- und Absender-Freistempel (Poststempelgilde Heft 99 / 1980)
In den Normen für die Tagesstempel-Herstellung lese ich letztmalig in der PTZ-Norm 1341.03 von 1957 etwas zur vorgeschriebenen roten Stempelfarbe dieser Postfreistempel. In späteren Normen lese ich nichts mehr darüber. Neuere Allg. Dienstanweisungen (ADA), also um 1960 herum, liegen mir nicht vor.
Aus PTZ-Norm 1341.03 vom Juni 1957
Viele Grüße
Bernhard
Am: 09.02.2025 19:24:16
Gelesen: 2176
# 7
@ Richard:
Noch besser wäre die Überschrift "Hand-Postfreistempel am Geldschalter für die Markenentwertung"
Hand-Postfreistempel wäre wichtig, da viele Maschinen-Postfreistempel in unterschiedlichen Zeiten auch für die Markenentwertung eingesetzt wurden (teils als Notmaßnahme). Diese Einsätze sind ganz anders geartet, siehe z.B. Gildebrief 272 S. 60-69.
Viele Grüße
Bernhard
Am: 09.02.2025 19:26:59
Gelesen: 2175
# 8
@ bernhard [#7]
Bernhard, das mag in der Sache zwar korrekt sein, aber verstehen tut es niemand.
Die jetzige Überschrift "Bezahlt Stempel zur Markenentwertung" sagt das, was man sieht und meint.
Am: 09.02.2025 22:15:10
Gelesen: 2134
# 9
@ bovi11 [#8]
"Die jetzige Überschrift "Bezahlt Stempel zur Markenentwertung" sagt das, was man sieht und meint."
Das mag schon so stimmen, ist aber weder ein Begriff von der Post, noch in der Philatelie verwendet. Bei der Post ist es ein POSTFREISTEMPEL (siehe Auszug bei [#6]) und in den meisten philatelistischen Katalogen und Fachartikeln wird er ebenso bezeichnet, z.B. in dem oben genannten Arikel im Gildebrief 227/2023.
Heute Nacht, bereits im Bett, hatte ich die Email von Richard wegen Benennung dieses Beitrages auf dem Handy gelesen und auf die Schnelle auch den jetzigen Titel vorgeschlagen. In einem Nachsatz habe ich aber bereits den Begriff Postfreistempel ins Spiel gebracht. Heute, (ausgeschlafen :-) ) denke ich man sollte eher die wirklichen Postbegriffe und auch in der Philatelie eingeführten Begriffe verwenden. Der Begriff "Bezahlt-Stempel" klingt zwar einleuchtender, wäre aber eigentlich ein ganz neuer Begriff. Zudem gibt es die gleiche Stempel-Ausführung auch mit der Inschrift "Gebühr bezahlt".
Ist nur meine Meinung.
Viele Grüße
Bernhard
Am: 23.02.2025 15:45:09
Gelesen: 1995
# 10
Maschinenstempel (24a) HAMBURG BEZAHLT
Zwar nicht zur Markenentwertung verwendet, trotzdem interessant:
Für mich - leider außerhalb der Notopferzeit.
Für mich - leider außerhalb der Notopferzeit.
Am: 23.02.2025 16:56:56
Gelesen: 1976
# 11
@ bovi11 [#10]
Maschinenstempel (24a) HAMBURG BEZAHLT
Zwar nicht zur Markenentwertung verwendet, trotzdem interessant:
Leider auch völlig außerhalb des Themas!
Schöne Grüße von
Ingo aus dem Norden
Am: 23.02.2025 20:15:46
Gelesen: 1942
# 12
@ bovi11 [#8]
@ bernhard [#9]
@ ginonadgolm [#11]
Hallo zusammen,
ich bin nicht der Fachmann für alle Gebiete der Philatelie, auch die vielen Stempelarten, die "amtlichen" Begriffe der Post, der Benennung durch die Poststempelgilde, die allgemeine Benennung durch viele Sammler und die Benennung durch eine zweite Datenbank korrekt zu sortieren und zu bestimmen. Mir fehlt die Zeit dazu, 6.579 Mitglieder müssen betreut werden ganz abgesehen von vielen weiteren Aufgaben (**).
Daher: Ist ein Beitrag im falschen Thema und ein Mitglied ist sich sicher, bitte im nächstfolgenden Beitrag schreiben: "Beitrag [#...] gehört in das Thema ... (mit genauer Angabe der Überschrift zum verschieben).
Schöne Grüsse an alle, die guten Willens sind, Richard
Am: 25.02.2025 08:10:12
Gelesen: 1880
# 13
Leider nur auf einem Briefausschnitt kann man einen irischen Bezahlt-Stempel auf einer Marke erkennen: Es handelt sich um einen Stempel des Postamts in Thurles (irisch: Dúrlas Éile), einer Stadt im County Tipperary, vom 21. Dezember 1971 auf einer irischen Freimarke (MiNr. 257 XA). Nicht besonders gut aber doch lesbar kann man im Stempel das irische Wort "ÍOCTHA" (ausgesprochen etwa 'Ikta') erkennen, was auf deutsch soviel heißt wie "BEZAHLT".
Gruß
Hans-Jürgen
Gruß
Hans-Jürgen
Am: 25.02.2025 18:21:21
Gelesen: 1837
# 14
Ein Beispiel, dass zur Themenstellung passt, kann ich aus Warstein zeigen. Das waagerechte Paar der MiNr. 183 x zu je 10 Pfg. aus der Dauerserie Heuss I, wurde am 16. Mai mit dem roten Stempel (21b) Warstein (Sauerland) a Bezahlt entwertet.
Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen