Im estnischen Meeres-/Seefahrtswiki fand ich den Hinweis, dass die „Eestimaa“ („Estland“) später unter dem Namen „Abruka“ lief (1). Zu diesem Namen gibt es mehr Informationen. Die estnische Enzyklopädie „Eesti Entsüklopeedia“ weiss dazu (2):
Abruka (Passagier- und Frachtschiff)
Abruka (ex Eestimaa (1922), ex Zasima (1903), ex Limpfjorden (1881)), Einhüllen-Passagierfrachtschiff, gebaut 1881 in Renfrew, England, Bruttoraumzahl 462, Nettoraumzahl 274, Länge 50,4 m, Breite 7,3 m, Tiefgang 3,66 m.
1917 wurden in Archangelsk Hilfsboote eingebaut, Maschinenleistung 500 PS. 1922-1937 unter dem Namen Eestimaa im Besitz der Baltischen Bergungsgesellschaft, 1923 Fahrtantritt mit Joh. Pitka & Söhne Estnische Küstenlinien auf der Route Tallinn-Rohuküla-Kuivastu-Kuressaare, 1933 erweitert bis Riga. 1938 wurde das Schiff von der Reederei Abruka gekauft, deren Anteilseigner Gustav Sergo und andere waren, in Abruka umbenannt und auf denselben Routen weitergeführt. Im Januar 1940 unternahm es Sonderfahrten nach Stockholm und brachte u. a. Seeleute von estnischen Schiffen, die im Krieg gefangen oder gefallen waren, nach Hause. Kapitän war Alfred Sergo, der bei der Versenkung des „G. Sergo & Ko“-Schiffs Kassar verletzt wurde. Im August 1940 verstaatlicht, 1941 zur Baltischen Flotte der UdSSR mobilisiert, 1947 als Ausbildungsschiff an die Marineschule Pärnu verlegt.
Zur Baltischen Bergungsgesellschaft weiss die Enzyklopädie u.a. (3):
Gegründet 1887 in Tallinn von baltisch-deutschen Geschäftsleuten, Statuten 1888 genehmigt. Die Baltische Bergungsgesellschaft, bis 1918 Russisch-Baltische Bergungsgesellschaft, war eine Aktiengesellschaft, die sich mit der Bergung von Schiffen und Ladungen, dem Schleppen, Wickeln, Reinigen und Ausbaggern von Flüssen und Hafenböden sowie der Beförderung von Gütern und Passagieren auf den Küstenrouten befasste.
1888 bis 1915 wurden 366 Schiffe geborgen, darunter Kriegsschiffe und die Jacht Standart des russischen Zaren, und 297 Ladungen aus sinkenden Schiffen. Das Flaggschiff war lange Zeit die Meteor (Baujahr 1877). Während des Ersten Weltkriegs wurden sowohl die Schiffe als auch die Besatzungen für die russische Ostseeflotte mobilisiert.
Im Jahr 1923 verfügte der Baltische Rettungsbootverband über 6 Rettungsboote. Es wurden auch verschiedene Vergnügungsfahrten in Auftrag gegeben.
Nach dem Unabhängigkeitskrieg wurde der Betrieb von Küstenlinien aufgenommen. Im Jahr 1921 wurde das Passagier- und Frachtschiff Grenen gekauft, 1922 die Eestimaa. 1924 übernahm die Baltische Rettungsbootgesellschaft die Küstenrouten, 1926 pachtete die Staatliche Schifffahrtsverwaltung die Schiffe Endla, Kungla und Traal, die zuvor für Verbindungen zu Inseln und Stränden eingesetzt worden waren, und kaufte das Passagierschiff Dagmar, die alle für den Küstendienst eingesetzt wurden. Die Gesellschaft hatte Transportverträge mit der Generalverwaltung für Seefahrt, der Eisenbahnverwaltung und dem Kriegsministerium für den Transport von Passagieren, Gepäck und Gütern. In den Jahren 1933/34 wurden die Küstenlinien gemeinsam mit dem Konkurrenten G. Sergo & Ko geteilt, 1938 wurde sie aufgegeben.
1937 fuhren die Schiffe der Baltischen Bergungsgesellschaft von Tallinn aus zu den Häfen Rohuküla, Kuressaare, Pärnu, Kuivastu, Kärdla, Laimjala, Orissaare, Taaliku, Triig, Sõru, Panga, Ninas, Vaigu und Kihelkonna, früher auch nach Tsitresse, Loksa, Käsmu und Võsu. Die Baltische Bergungsgesellschaft war Mitglied der Tallinner Börsenvereinigung.
Zu der Schiffahrtsgesellschaft G. Sergo & Ko schreibt die Enzyklopädie (4):
G. Sergo & Ko, eine estnische Schifffahrtsgesellschaft, deren Gesellschafter Gustav Sergo und seine nahen Verwandten und Partner waren, insgesamt 9 Personen; hauptsächlich in der Passagierschifffahrt tätig. Im Jahr 1929 kaufte G. Sergo den ersten Dampfer, der bald darauf Schiffbruch erlitt. 1930 wurden 2 kleinere Eisdampfer aus Dänemark gekauft, die auf den Namen Gustav und Rudolf getauft wurden und sich auf die Passagierschifffahrt im Ostteil der Ostsee spezialisierten. 1935 wurde die 60 Meter lange Seeadler aus Deutschland gekauft, der unter dem Namen Aegna die bis dahin von den Finnen beherrschte Route Tallinn-Helsinki befuhr. Im Jahr 1936 verfügte das Unternehmen bereits über 5 Linienschiffe und 2 Trampdampfer, und 1937 wurde eine Route nach Stockholm und später nach Kopenhagen eröffnet.
Im Jahr 1938 übernahm sie von der Baltischen Bergungsgesellschaft die Passagier- und Frachtschiffe Eestimaa (neuer Name Abruka), Grenen (Sõmeri), Dagmar (Vilsandi) und Endla (Kassari). Mit der Indienststellung dieser Schiffe wurden alle estnischen Passagier-, Küsten- und einige ausländische Linien von der Gesellschaft übernommen. Im Jahr 1940 wurde die Gesellschaft verstaatlicht und besaß zu diesem Zeitpunkt 17 Schiffe. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Sergo & Ko für kurze Zeit im Güterverkehr in Schweden tätig.
Gruß
Friedhelm
(1)
https://mereviki.vta.ee/mediawiki/index.php/ABRUKA_(kauba-reisiaurik)
(2)
http://entsyklopeedia.ee/artikkel/abruka-1938
(3)
http://entsyklopeedia.ee/artikkel/balti_p%C3%A4%C3%A4steselts2
(4)
http://entsyklopeedia.ee/artikkel/g._sergo_ja_ko