Briefmarken Atteste

Thema:

Deutsche Lokalausgaben 1945 Hamburg, Kiel

Dieter 66 Am: 13.01.2025 13:33:03 Gelesen: 1339 # 1
Hallo, Zu den vielen Besonderheiten der deutschen Lokalausgaben ab 1945, zählen u.a. die Freimachungen der OPD Kiel und OPD Hamburg. Auf Grund von Markenmangel wurde zwischen Aug.45 – Okt.45 in Hamburg und Kiel sowie deren Bezirke, bei Einschreiben die zusätzliche Einschreibgebühr von 30 Pf, als Ersatz für eine 30 Pf-Marke, über den Einschreibnummernzettel bestätigt. Dieses war eine seltene Form der Freimachung. Belege hierzu werden auch im Michel Spezial aufgeführt. Dieses Einschreiben stammt allerdings vom 2.8.48, also weit nach 45 und kurz nach der Währungsreform 1948. Frei gemacht wurde das Einschreiben mit der überdruckten Kontrollratsausgabe Mi. Nr. 44I. zu 24 Pf und ein Einschreibnummernzettel. Jedoch weist der Brief alle Merkmale dieser Besonderheit auf. Barmstedt gehört zum RPD Bezirk Kiel und wird im Michel Spezial 1991 auch aufgeführt. Der Absender „Willi Zuther“ war 1948 an der Barmstedter Grundschule August-Christen-Straße Grundschullehrer. Die Debeka hatte bis 1955 ihren Sitz im Winterbeker Weg 1 in Kiel. Danach erfolgt der Neubau des Max Planck Gymnasium. Des Weiteren der Ankunftstempel Kiel. Daher gehe ich von einem zeitgemäßen nicht manipulierten Beleg aus. Es stellt sich zum Schluss die Frage, ob der Schalterbeamte tatsächlich aus Markenmangel das 45 angewendete Prozedere auch hier vorgenommen hat. Zumindest war es wohl allen Postbeamten in den Bezirken bekannt und es wurde keine Nachgebühr erhoben. In dem Rundbrief 50/1985 der Arge Loknot, der mir allerdings nicht vorliegt, gibt es wohl ein Forschungsbericht darüber. Evtl. klärt oder bestätigt der Bericht meine Ausführungen. Schönen Gruß Dieter
bernhard Am: 13.01.2025 16:31:39 Gelesen: 1305 # 2
@ Dieter 66 [#1] Hallo Dieter, der besagt Forschungsbericht bringt diesbezüglich keine Auflärung, nachfolgend die beiden Seiten aus dem LOKNOT-Rb.50/1985. Das dieses Verfahren 1948 nochmals verwendet wurde, würde ich eher ausschließen. Das Verfahren war für eine erwartbar kurze Einsatzdauer zu umständlich. Zudem hätten auch alle Postämter darüber informiert werden müssen um Nachgebühr-Erhebungen zu vermeiden. Die Barfrankatur wäre hier wesentlich einfacher gewesen. Vielleicht wurde hier einfach nur der Gebühr-bezahlt-Stempel vergessen. Auf jeden Fall ein schöner Beleg! Viele Grüße Bernhard
Dieter 66 Am: 13.01.2025 20:46:03 Gelesen: 1279 # 3
@ bernhard [#2] Hallo Bernhard, danke für die Bereitstellung des Berichtes. Eindeutig lässt sich das dann leider nicht klären. Ein vergessener Gebühr-Bezahlt Stempel, wie du bereits anführst, ist auch wahrscheinlicher. Allerdings bleibt die Frage offen, warum keine Nachgebühr. Spätestens in Kiel hätte einer darüber stolpern können. Das passt gut in meine Sammlung "ungeklärte Fälle". Schönen Gruß Dieter.
Dieter 66 Am: 14.12.2025 16:42:27 Gelesen: 715 # 4
Meine kleine Sammlung konnte ich um einen schönen Beleg erweitern. Lokalausgabe RPD-Bezirk Hamburg Tagesstempel v. 6.10.45 nach Winsen / Luhe, Ankunftstempel 8.10.45. Entgegen dem Verwendungszeitraum 1.9.45 – 30.10.45 der RPD-Kiel, galten die Einschreibenummernzettel zur Verrechnung der Einschreibegebühr in dem RPD-Bezirk Hamburg ab dem 1.9.45 nur bis zum 6.10.45. Der hier abgebildete Beleg ist in mehrere Hinsichten interessant. Am 6.10.45 war der letzte Tag an dem diese besondere Form der Freimachung noch möglich war. So steht in dem Schreiben vom 26. Sept 45 des Präsidenten der RPD-Hamburg. Da ein ausreichender Bestand an Freimarken zu 30 und 42 Rpf vorhanden und mit weiterer Lieferung dieser Werte ohne Stockungen zu rechnen ist, soll die Verwendung der Einschreibenummern als Wertzeichen mit Ablauf des 6.10. aufgehoben werden. Die Einschreibnummern sind am 6.10 nach Schalterschluss genau festzustellen, als Wertzeichen im Markenbuch und Bestellbogen für Postwertzeichen abzusetzen und weiterhin als Formblätter wie vor der britischen Besetzung zu behandeln. Obwohl alle Reichspostdirektionen der britischen Zone von der besonderen Verwendungsform der Einschreibezettel in Kenntnis gesetzt wurden, kam es immer wieder vor, dass aus Unkenntnis Postämter Nachgebühren erhoben. Um hier entgegen zu wirken, wurde von einigen Amtsstellen zusätzlich ein „Gebühr bezahlt“ Stempel, wie auf diesem Beleg zu sehen, abgeschlagen. Selbst wenn dieses Einschreiben das Prüfzeichen von „ZIERER BPP“ trägt, sollten diese Belege durchaus kritisch betrachtet werden. Dieser Brief weist allerdings alle Merkmale eines echt gelaufen Beleges auf. Der Absender ist übrigens ein damaliger Briefmarkenhändler in Hamburg. Karl Hennig, Hamburg 59, Winterhuderquai 16. Die Straße liegt im Hamburger Stadtteil Winterhude. Heute „Winterhuder Kai“ Schönen Gruß Dieter
bernhard Am: 14.12.2025 19:06:29 Gelesen: 693 # 5
@ Dieter 66 [#4] Hallo Dieter, die Hennig-Briefe wurden seinerzeit in großer Stückzahl hergestellt. Sie waren in der Literatur schon immer umstritten, zumindest Daten nach dem 6.10.45. Nachstehend eine kleine Ergänzung und etwas zum Rätseln für dich. Aus Hennings Postillion, Ausgabe I/1947 Viele Grüße Bernhard
Dieter 66 Am: 14.12.2025 20:31:11 Gelesen: 679 # 6
@ bernhard [#5] Hallo Bernhard, Herr Hennig scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben um ein Geschäft damit zu generieren. Beworben hat er die Briefe wohl irgendwann zwischen 46 – 48. Zumindest wollte er noch RM haben. Auch wenn philatelistisch beflügelt, bin ich der Meinung, dass der Beleg postalisch gesehen echt gelaufen sein muss. Für 1 Euro plus Versand war es dennoch kein schlechter Fang. Vielen Dank für den interessanten Artikel. Schönen Gruß Dieter.