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Zeppelinpost: Sind Canada R 100 Zeppelin Belege selten ?

letimbre Am: 02.12.2024 18:36:29 Gelesen: 1303 # 1
Hallo, ich habe eine Frage zu einer PK des Zeppelin Airship R 100. Sind diese Belege selten und was wäre ein angemessener Preis ? Ich habe eine PK angeboten bekommen, mit Stempelabschlag des R 100, samt Tagesstempel; jedoch vor dem 13.8.30 (welches das Datum des Abfluges aus St Hubert / Montreal ist). Soweit meine Recherche. Die engebotene PK ist am 5.8.30 abgestempelt. Gilt dieses Luftschiff eigentlich als Zeppelinbeleg.? Ich habe nämlich noch nie etwas von diesem Luftschiff/Zeppelin gehört. Ich hoffe, es gibt einige Sachkundige hier. :-) Viele Grüsse Dirk
drkohler Am: 02.12.2024 19:36:31 Gelesen: 1282 # 2
So auf die Schnelle gefunden: The R100 departed for Canada on July 29, 1930, arriving in Saint-Hubert, Quebec 78 hours later, having flown 3,300 mi (5,300 km) at an average speed of 42 mph (68 km/h). The airship stayed in Montreal for 12 days and over 100,000 people visited the airship daily. She also made a 24-hour passenger flight to Ottawa, Toronto, and Niagara Falls. The airship departed for Cardington on August 13, completing the flight in less than 58 hours. [Die R100 startete am 29. Juli 1930 nach Kanada und kam 78 Stunden später in Saint-Hubert, Quebec, an, nachdem sie 5.300 km mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 68 km/h geflogen war. Das Luftschiff blieb 12 Tage lang in Montreal und wurde täglich von über 100.000 Menschen besucht. [Es unternahm auch einen 24-stündigen Passagierflug nach Ottawa, Toronto und zu den Niagarafällen[/B] Das Luftschiff fuhr am 13. August nach Cardington und beendete den Flug in weniger als 58 Stunden. DeepL] Also gab es einen (lokalen) Flug zwischen 1. August und 13. August. Das Datum war Nirgends zu finden.. Dieser Blog enthält eine detaillierte Beschreibung der ganzen Fahrt(en): http://horseformer.blogspot.com/2016/01/the-story-of-r100-and-r101-iv-big-day.html Aber 5. August scheint hier eher unwahrscheinlich: R100 also did a "local flight": both to give the press and VIPs an actual airship ride, and to show off the R100 via an overflight of Ontario down to Niagara falls. This happened near the end of R100's Canadian vacation, as it allowed to test that the cover fixes had stuck. [Die R100 führte auch einen "Lokalflug" durch: zum einen, um der Presse und den VIPs eine echte Luftschifffahrt zu ermöglichen, und zum anderen, um die R100 bei einem Überflug von Ontario zu den Niagarafällen zu präsentieren. Dies geschah gegen Ende des Kanada-Urlaubs der R100, um zu testen, ob die Korrekturen an der Verkleidung gehalten hatten. DeepL]
letimbre Am: 02.12.2024 21:05:09 Gelesen: 1247 # 3
@ drkohler [#2] Vielen Dank für die Antwort. Sehr interessant in dem Blog nachzulesen. Vielen Dank auch für den link. Sind die Belege des R 100 eigentlich im Sieger aufgeführt ? Gibt es eine Preisvorstellung. ? Viele Grüsse Dirk
drkohler Am: 02.12.2024 21:33:53 Gelesen: 1235 # 4
@ letimbre [#3] Doch noch gefunden: Ontario Local flight At 6.15pm on the evening of 10 August, the R.100 left with a number of senior military officers, government officials and one journalist, eighteen people in all. During the next twenty-six hours, it flew over Ottawa, southern Ontario, the Niagara Peninsula and most notably Toronto, where the R.100 caused horrendous traffic jams The route it covered Ottowa-Hull, Kingston, Peterborough, Oshawa, Toronto, Niagara Falls, St Catharines, Hamilton, Burlington, Garnanoque, Prescot, Cornwall and Montreal. https://www.airshipsonline.com/airships/r100/ [Ontario Lokalflug Am Abend des 10. August um 18.15 Uhr startete die R.100 mit einer Reihe von hochrangigen Militärs, Regierungsbeamten und einem Journalisten, insgesamt achtzehn Personen. In den folgenden sechsundzwanzig Stunden überflog sie Ottawa, den Süden Ontarios, die Niagara-Halbinsel und vor allem Toronto, wo die R.100 für horrende Verkehrsstaus sorgte. Die Route führte über Ottowa-Hull, Kingston, Peterborough, Oshawa, Toronto, Niagara Falls, St. Catharines, Hamilton, Burlington, Garnanoque, Prescot, Cornwall und Montreal. https://www.airshipsonline.com/airships/r100/ DeepL] Also fand am 5. August gar nichts statt (ausser Reparaturen, das dauerte offenbar etwa eine Woche).
aviator Am: 03.12.2024 19:12:54 Gelesen: 1155 # 5
Hallo letimbre, drkohler hat Dir schon wertvolle Links gegeben, wo Du Mengen an Infos zur R100 findest und Dich einlesen kannst. Die Belege von R100 sind nicht im Sieger aufgeführt und entsprechend gibt es da auch keine Katalogpreise. Katalogpreise sind auch kein Maßstab dafür, wie ein Beleg auf dem Sammlermarkt gehandelt wird. Besser sind da die erzielten Zuschlagpreise von Auktionen. In meinem Archiv habe ich auch eine Rubrik „Andere Luftschiffe“, wo ich auch Infos zur R100 gesammelt habe und das stelle ich Dir zur weiteren Info für Dich und eventuelle andere Interessenten hier ein. Die R100 hatte übrigens einen „Vorgänger“, die R34 und einen Nachfolger, die R101. Jetzt aber konkret zu den Fahrten von R100, Belegen und erzielten Preisen für R34, R100 und R101. R100 Fahrten 1. - 16. Dezember 1929, Dauer: 5 h 47 min, Strecke: 209 km, von Howden über York nach Cardington 2. - 17. Dezember 1929, Dauer: 6 h 29 min, Strecke: 280 km, Rundfahrt in der Gegend um Cardington, Nach diesen ersten Testfahrten wurde das Schiff in der Luftschiffhalle gründlich inspiziert. 3. - 16. Januar 1930, Dauer: 13 h 36 min, Strecke: 349 km, von Cardinton über Grantham und Spalding wieder zurück 4. - 20. Januar 1930, Dauer: 7 h 18 min, Strecke: 344 km, von Cardington über London, Croydon, Reading und zurück 5. - 29. Januar 1930, Dauer: 53 h 52 min, Strecke: 2865 km, von Cardington über Südwest-England, den Ärmelkanal, die Kanalinseln und zurück 6. - 21.-22. Mai 1930, Dauer: 22 h 50 min, Strecke: 1112 km, von Cardington und wieder zurück, es wurden Hüllentests durchgeführt, Danach musste die Spitze des Hecks repariert werden. 7. - 25.-26. Juli 1930, Dauer: 24 h 16min, Strecke: 1296 km, von Cardington über Midlands, Wales, Kanalinseln und zurück 8. - 29. Juli-1. August 1930, Dauer: 78 h 49 min, Strecke: 5414 km, von Cardington nach Montreal 9. - 10.-11. August 1930, Dauer: 25 h 57 min, Strecke: 1296 km, von Montreal nach Québec und zurück 10. - 13.-16. August 1930, Dauer: 57 h 56 min, Strecke: 4756 km, von Montreal nach Cardington Die Gesamtfahrzeit betrug 294 Stunden und 10 Minuten (etwas über 12 Tage); dabei wurden 17 920 km zurückgelegt. Hier noch der entsprechende Ausschnitt aus meinem Archiv „Andere Luftschiffe“ zu Preisen von Belegen R34, R100 und R101. Hoffe, dass ich Dir damit etwas helfen und einige Fragen beantworten konnte! Mit besten Grüßen, Aviator
drkohler Am: 03.12.2024 20:55:43 Gelesen: 1127 # 6
@ aviator [#5] Die R100 hatte übrigens... einen Nachfolger, die R101 Das Interessante beim Lesen der Quellen ist für mich die Geschichte die Rivalität zwischen R-100 und R-101. Das Erstere wurde von den Vickers-Werken geplant (Jahre später wichtiges Werk im 2. WK für englische Flugzeuge), das Zweite zeitgleich von der englischen Regierung in Auftrag gegeben. Offenbar eine einzige (politische) Intrigenschlacht ging da vor sich. Das R-101 bekam alle Daten vom R-100 zugespielt, die Vickers-Werke bekamen überhaupt nichts mitgeteilt vom R-101. Trotzdem war das R-100 weitaus besser gebaut als das R-101, das offenbar im Wesentlichen zu einer Fehlkonstruktion wurde. Beide Luftschiffe hatten enorme Probleme mit der Ausdauer, praktisch mussten sie nach jedem Flug generalüberholt werden was der britischen Regierung sehr schnell zu teuer wurde. Interessant auch, dass die Amis den Briten Helium angeboten hatten im Tausch für die vollständigen Pläne des R-100. Die Amis hinkten offenbar weit hinter den Deutschen und Engländern hinterher punkto Luftschiffbau.
letimbre Am: 03.12.2024 21:04:00 Gelesen: 1122 # 7
@ aviator [#5] Hallo Aviator, Wahnsinn !!!!!... vielen herzlichen Dank für deine ausführliche Antwort. Was für eine grosse Arbeit, alle diese Informationen zusammenzutragen. Wirklich beeindruckend. Das hilft mir ungemein ! Ich habe auch gelesen, dass das R-101 verunglückt ist, wobei viele Menschen umgekommen sind. Daher, so Info, wurde auch das Luftschiffprogramm zu den Akten gelegt. Es soll Belege geben, auf denen ein kleines Stück des verschrotteten R-100 befestigt wurden. Wohl auch nach dem Versand, das sie ja mit selbigem befördert wurden. Nochmals herzlichen Dank Viele Grüsse Dirk
aviator Am: 04.12.2024 16:52:29 Gelesen: 1066 # 8
Hallo Dirk und drkohler, danke für Deine Rückmeldung Dirk, dass ich Dir helfen konnte! Meine persönliche „Kurzfassung“ zu R101. Das Luftschiff R101 war ein englisches Prestigeobjekt und als Konkurrenz zu LZ127 gedacht, um eine Luftschiffverbindung von England nach Indien zu ermöglichen. Dazu auch Umbauten mit Verlängerung des Luftschiffes (ähnlich L57+L59), für mehr Nutzlast und Luxus für Fluggäste usw. usw. „Engländer eben“! Eine Beförderung von (Sammler)Post wurde jedoch unter keinen Umständen zugelassen (da hätten eventuell mehr Golfschläger daheim bleiben müssen?). Post im Gepäck der Passagiere? Am Tag der Abfahrt nach Karatschi überladen bis „zum Stehkragen“ konnten die Motoren selbst mit voller Leistung R101 bei schlechtem Wetter kurz vor der französischen Küste nicht mehr in die Höhe bringen (die man auch nicht genau kannte!) und „aus die Maus“. Mit einer Katastrophe größer als später die der LZ129 „Hindenburg“ war es das Aus für die englische Luftschifffahrt! Dr. Eckener wurde später zur Untersuchung der Katastrophe mit herangezogen, aber vielleicht hätten die Dr. Eckener schon mal 2-3 Jahre eher fragen sollen? Damals natürlich ein Ding der Unmöglichkeit! Die Sache mit dem Tausch der Pläne R100 gegen Helium kannte ich noch nicht. Danke für die Info! Von Briefen an denen ein kleines Stück des verschrotteten R100 befestigt wurde (Leinwand, bzw. Hülle?) habe ich bisher nichts registrieren können. Aber zur Post die R101 nicht befördern durfte, kann ich noch etwas konkretisieren und auch aus meiner Sammlung beitragen. übrigens: - Die versuchte Auflieferung eines Briefes aus England kann ich mit keiner Kopie dokumentieren und habe ich selbst noch nicht gesehen! Habe das aber unabhängig von Dr. Simon und Peter Hagedorn gehört, dass ein abgelehnter „Engländer“ existieren soll. Damit ist das für mich Fakt. Mit besten Grüßen und Euch viel Erfolg beim Sammeln! Aviator