Thema:
Deutsches Schutzgebiet in Ostafrika Suaheliland (Wituland / Witumarken)
Witumarken aus dem Suaheliland 1889
Hallo Leute,
ich bin neu hier, möchte gerne mitmachen, freue mich auf euer Wissen und möchte aber auch Kenntnisse aus meiner langjährigen Sammeltätigkeit weitergeben.
Ein etwas ausgefallenes Gebiet, das aber immerhin noch im Michelkatalog aufgeführt ist - obwohl manche Leute die postalische Sinnhaftigkeit anzweifeln - sind die Witu-Marken aus dem Suaheliland von 1889. („mwitu“ bedeutet in der Sprache der Suaheli „Wald“)
Immerhin erzielen die Marken aus diesem Gebiet auf Auktionen immer relativ konstante Preise, die größenordnungsmäßig bei den Katalogpreisen liegen.
Richard meinte, ich könnte darüber berichten, da wohl noch nicht allzu viele Beiträge darüber eingestellt wurden.
Ganz kurz (sehr kurz) zum geschichtlichen Hintergrund:
Die Herrscher dieses Sultanats in Ostafrika am indischen Ozean kamen aus Persien und waren seit vielen Jahrhunderten dort im Suaheliland ansässig.
Allerdings wurde das im wirtschaftlichen und militärischen Sinne kleine Sultanat von anderen Mächten (Großbritannien und Sultan von Sansibar) bedrängt.
So strebte einer von den Sultanen (Achmed) im Jahre 1867 an unter eine Art preußische Schutzherrschaft schlüpfen zu dürfen.
2 deutsche Kaufleute, die Brüder Gustav und Clemens Denhardt versuchten den Kontakt und diesen Wunsch zu vermitteln, der aber im deutschen Reich auf wenig Interesse stieß (damals war noch Frieden in Europa und das deutsche Kaiser- und das englische Königshaus waren eigentlich eng verwandt). Das Verhältnis zwischen den beiden Ländern Deutschland und Suaheli-Land blieb aber weiterhin freundschaftlich.
Im Jahre 1886 beauftragte Sultan Achmed die Denhardts ein Postwesen einzurichten.
Dabei herausgekommen sind 8 Sätze mit je 12 Wertstufen, davon 3 Sätze Dienstmarken, alle in landesüblicher Schrift, ohne Wertzeichenangaben, deren Nominalwert nur durch die Farbe bestimmt war.
Diese Marken gingen im Jahre 1889 an den Start.
Im Jahre 1890 wurden dann Helgoland von den Briten u.a. gegen die Ansprüche im Suaheli-Land eingetauscht.
Nachfolgend beschreibe ich die Echtheitsmerkmale, mit denen die echten Marken sehr gut identifiziert werden können und von Fälschungen unterschieden werden können.
1.Typische Papierstruktur mit kleinen „Löcherchen“, wie der Fachmann R. Lerche es in seinem Standardwerk über die PWZ des Suaheli-Sultanats beschreibt. Diese Struktur ist im hellen Gegenlicht sehr gut zu erkennen.
2.Deutlich sichtbare Quetschränder an den Markenbildrändern, da alle Marken per Hand mit Gummistempeln hergestellt wurden.
3.Bei entsprechendem Lichteinfall von schräg oben glänzen die schwarzen Farben des Markenbildes silbrig.
4. Fälschungen sind leicht erkennbar, denn sie haben nicht die oben beschriebene Eigenschaften, sondern:
Steindruck
Glatte, gleichmäßige, exakte Ränder des Drucks
Papier ohne die oben beschriebene Struktur
Am ehesten hat die schwarze Markenfarbe noch den silbrigen Glanz
Diese 3 Bilder zeigen deutlich die Merkmale der Suaheli-Marken:



Papierstruktur mit "Löcherchen"
Silbrig glänzendes Schwarz im Markenbild
Quetschränder der mit Gummistempeln handgefertigten Marken

Und hier noch ein Bild von den üblichen Fälschungen im Steindruck.
Abstempelungen
Ergänzend zu meinem bisherigen Beitrag Witu-Marken aus dem Suaheli-Schutzgebiet hier noch ein paar Informationen zu den Abstempelungen:
Es gibt nur 2 Arten:
Ein kreisrunder Stempel mit einem Durchmesser von knapp 20 mm. Da er in England hergestellt wurde trägt er die englische Bezeichnung Wito statt Witu + Datum + arabischer Schriftzug.
Und der Balkenstempel 18x24mm mit dem W im Stempelbild. Die Stempelfarbe ist „normal“ schwarz.
Ich habe aber auch einige Marken mit einem extrem rußig-schwarzen Abschlag, von dem ich selber auch nicht 100%-ig überzeugt bin, daß er echt ist.
Prüfen lassen kann man die Marken nicht, da sich offenbar keiner mehr so richtig damit auskennt. Der letzte Experte und frühere Prüfer dieser Marken war R. Lerche, der sein Büchlein über die Witu-Marken im Jahre 1930 verfaßt hatte.
Die Stempel zu fälschen macht aber auch nicht viel Sinn, da die gestempelten Marken auch nicht oder nicht viel teurer sind wie die ungestempelten.
Zu guter Letzt noch ein paar Beispiele für abgestempelte Witu-Marken.
In der oberen Reihe meiner Meinung nach echt gelaufene Marken. In der unteren Reihe die von mir beschriebenen rußig-schwarzen Abstempelungen.
@ Dreizack [#4]
Gibt es denn auch Bedarfsbriefe mit diesen Marken?
Viele Grüße
Thomas
Hallo Thomas,
ja, aber sehr wenige und dementsprechend teuer.
Ich habe mal bei den Auktionshäusern gesucht und nur einen Brief gefunden. Und der ging an einen Denhardt.
"DIENSTBRIEF DES WITU-SCHUTZGEBIETES: 8 Pesa schwarz auf dunkelblau, farbfrisch und allseits sehr breitrandig auf dekorativem Brief mit klarem Balkenstempel "W" an Clemens Denhardt mit handschriftlichem Eingangsvermerk "WITO 8. AUGUST 1889", leichte Knitterspuren im Kuvert, sowie eine fehlende rückseitige Oberklappe sind belanglos. Briefe des Witu-Schutzgebietes zählen generell zu den großen Raritäten der Deutschen Kolonien. Es sind nur wenige Exemplare hiervon bekannt geworden. Als Dienstmarken-Frankatur eine Top-Rarität dieses Gebietes! (Alter Ausruf: 8000,- €)
Da war doch vor einigen Jahren bei Rauhut eine Riesenauktion mit diesen Sachen, die Meinungen über die Marken gehen stark auseinander.
Im BDPh Forum gab es mal eine Diskussion darüber:
https://forum.bdph.de/showthread.php?17934-Witu-Schutzgebiet-neu-entdeckte-Briefe-(London-Philatelist-December-2018)/page2&highlight=witu
darüberhinaus gibt es hier einen Artikel, der auch in der Diskussion des BDPh Forum verlinked ist, zum runterladen:
http://f660b8feb5396b87e648727b5bf147a985cd65b2-customer-media.s3.amazonaws.com/Private%20-Treaty/Wituland_web.pdf
Meine Meinung ist:
Die Marken sind mit den beschriebenen Eigenschaften relativ sicher von jedermann prüfbar. Sie kosten meist irgendwas zwischen 50.- und 100.-€.
Aber Stempel und ganz besonders Briefe kann man auch leicht fälschen und montieren. Und selbst wenn ich es mir leisten könnte, ich würde für so etwas niemals so viel Geld ausgeben.
Für einen guten Fälscher dürfte obiger Brief mit etwas Aufwand leicht herzustellen sein, zumal bei der lockenden Gewinnspanne. Und Prüfungen durch einen kundigen Prüfer sind nicht möglich.
LG Alexander
Das Thema Witu ist "ein Minenfeld" ;-)
Ich bin da vor Jahren auf dem Weg nach Lamu öfters durchgekommen und es wirkt selbst heute nicht wie ein Briefmarkenland, was aber absolut nichts zu sagen hat ;-)
Einen interessanten Beitrag findet man in der aktuellen September-Ausgabe der "PhilaHistorica - Zeitschrift für Philateliegeschichte und Philatelistische Literatur" (Volume 3/2024), dort ab Seite 120:
"Witu-Schutzgebiet und die Suaheliland-Marken" vom
Wolfgang Maassen, er zeigt dort im Original eine 45seitige,
zeittypische Ausarbeitung namens
"Das ehemalige deutsche Schutzgebiet in Ostafrika SUAHELILAND" (vermutlich) aus den späten 1930er Jahren, eines unbekannten Autors (?). Diese sieht auf den ersten Blick, auch logisch-inhaltlich, "nicht schlecht" aus. Ich selbst werde hier aber besser nichts inhaltlich-wertend sagen, auch Mangels 'besseren Wissens'. Trotzdem ist dieses Dokument sehr lesenswert, wenn nicht sogar ein Muss, um bei Witu mitreden zu wollen, egal was man selbst von den "Witu-Ausgaben" auch halten mag, oder besser, was man meint zu wissen ;-)
Ich halte es da 'zur Sicherheit' mit Wolfgang Maassen, Zitat "Wir belassen es bei dieser Dokumentation, zumal wir in der Sache selbst zu wenig Kompetenz haben, um hier fundiert mitreden zu können. Ich persönlich halte dieses in seiner Art einmalige Exponat (...) philateliegeschichtlich für höchst interessant."

Die oben genannte Ausgabe kann man kostenlos im Netz als PDF herunterladen:
https://philahistorica.de/Dokumente/PhilaHistorica_2024_03.pdf
Beste Grüße
Thomas
@ angim [#6]
Nein, es gibt keine Bedarfsbriefe! Es gibt Briefe aus der Denhardt Korrespondenz, die in Ostafrika per Boten echt befördert wurden und nachträglich willkürlich mit irgendwelchen Marken beklebt und gestempelt wurden. Das erfolgte aber sicherlich schon in Deutschland. Es ist sehr wahrscheinlich, dass keine dieser Witu-Marken jemals im Wituland waren.
Grüße
Harald
Die Behauptung, die Marken des Witu-Sultanats wären reine Machwerke, ignoriert genauso die Tatsachen wie die Behauptung, dass die Marken über jeden Zweifel erhaben sind.
Die Ausarbeitung Das ehemalige deutsche Schutzgebiet in Ostafrika SUAHELILAND stammt von dem Braunschweiger Briefmarkenhändler Walter Behrens und erschien nach dem zweiten Suaheli-Prozess, vermutlich Ende 1938. Es ist offenbar das einzig noch existierende Dokument, das Unterlagen aus diesem Prozess enthält. Die Original-Prozessakten scheinen dagegen verloren gegangen zu sein, obwohl Schrey für seine Abhandlung über die Marken offenbar noch Zugang zu diesen Unterlagen hatte.
Im Jahr 1993 hatte Herr Jakubek in seinen für die Witu-Marken ausgestellten Attesten immer einen Zerbster Nachlass erwähnt. Leider konnte ich diesbezüglich weder im Internet noch in der Literatur irgendwelche Hinweise finden. Ich wollte daraufhin versuchen Herrn Jakubek zu kontaktieren, musste aber leider feststellen, dass er vor ein paar Monaten verstorben ist.
Hat vielleicht jemand hier im Forum darüber nähere Informationen oder könnte mir evtl. Hinweise auf die entsprechende Literatur geben? Das wäre nett.
@ Wituland [#13]
Um was ging es in dem "Suaheli-Prozess"?
Gruss
Martin
@ Martin de Matin [#15]
Es gab insgesamt zwei Prozesse.
Der erste von einem Sammler gegen den Briefmarkenhändler Behrens, weil dieser ihm „wertlose“ Witumarken verkauft hätte. In diesem Prozess traten die Händler Kosack, Friedemann und Grobe als Zeugen bzw. Sachverständige auf und sprachen sich gegen die Existenz der Witumarken aus.
Daraufhin verklagte sie Behrens in einem zweiten Prozess, der sich bis 1938 hinzog und mit einem Vergleich endete. Den ersten Prozess hatte Behrens, auch in anschließender Revision, gewonnen.
@ Dreizack [#1]
Die in dem Beitrag genannten Echtheitsmerkmale sind offenbar nicht bei allen Wertstufen so leicht erkennbar. So ist beispielsweise bei einigen Papierfarben die „Musterung“ nicht so schön zu erkennen wie in der Abbildung gezeigt.
Ich bin gerade dabei, die Postgeschichte des Witu-Schutzgebietes anhand der (noch) vorhandenen Akten, Schriften und Aufsätze neu zu beleuchten, da in den bisherigen Arbeiten z.T. Sachverhalte und Zitate falsch wiedergegeben oder ignoriert wurden. Wo die Reise hingeht, kann ich noch nicht sagen, auch denke ich nicht, anschließend alle Fragen beantwortet zu können, doch finde ich das Thema wahnsinnig spannend.
In diesem Zusammenhang bin ich auf der Suche nach „Mitstreitern“, die meine Arbeit durch entsprechende Quellen oder Marken-Material bereichern könnten. Bitte bei Interesse unbedingt bei mir melden.
Hallo Wituland,
ich bin gerne dabei!
Ich habe zwar außer dem kleinen Heftchen von R.Lerche von 1930 über das Schutzgebiet Suaheliland kaum Literatur, höchstens noch ein paar Forumsbeiträge oder kurze Einschätzungen von Sammlern, kann aber mit relativ vielen, offensichtlich echten Marken, die obiger Beschreibung entsprechen aufwarten. Auch ein paar Fälschungen kann ich einbringen.
Ansonsten vielen Dank - auch an die anderen, die sich hier schon beteiligt haben - für die sehr interessanten Beiträge und Einschätzungen.
Frohe Weihnachten an die ganze Community ... Dreizack
@ Dreizack [#18]
Hallo Dreizack,
ich wäre vor allem an Markenmaterial, besonders an vermeintlichen Fälschungen, interessiert. Könntest du mich bitte mal direkt per Mail kontaktieren? Umgekehrt kommen die Mails leider als unzustellbar zurück.
Viele Grüße und schönes Weihnachtsfest
Wituland
@ Dreizack [#18]
@ Wituland [#19]
Hallo Wituland,
eine an Dreizack gesendete Testmail wurde von ihm nach wenigen Minuten als eingegangen bestätigt.
Warum sie nicht zugestellt wird, kann viele Gründe haben, die von hier nicht festgestellt werden können. Dreizack kann aber leicht eine Philaseiten Mail anlegen (auf seiner Anmeldeseite ergänzen und freigeben) und veröffentlichen. Diese kann für Mails in alle Welt und aus aller Welt verwendet werden.
Hallo zusammen,
besser ist es die Forschungsarbeit, sofern technisch möglich, hier im Forum "live" zu dokumentieren. Dann ist die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass sich Dritte mit Material anschliessen werden.
Frohes Fest, Richard
Es wäre z.B. auch mal interessant zu wissen, in welchem Zeitraum der runde Stempel von Witu eingesetzt wurde. So sind mir beispielsweise bis lang keine Abstempelungen von 1890 bekannt. Als Ersttag nennt Lerche in seinem Werk den 11.7.89, doch auch von diesem Datum habe ich bis jetzt keine Abstempelungen gesehen.
In der neuen Ausgabe der Phila-Historica ist ein recht aufschlussreicher, kritisch-offener, Artikel zu diesem "Marken" zu finden.
https://www.phil-shop.de/index.php?cPath=42
@ 22028 [#22]
Vielen Dank für den Hinweis, bis jetzt einer der besten Artikel zu diesem Thema.
Dazu nur ein paar Anmerkungen von mir:
Im Gegensatz zu Katz bin ich überzeugt, dass nur einer der erhaltenen Briefe die Handschrift von Carl Peters zeigt. Ebenso sind auch andere Briefe mit Fragezeichen zu versehen.
Clemens Denhardt hat nicht nur die Briefe, sondern auch deren Inhalte mit Erh./Erl.-Vermerken versehen. Eine Zuordnung der Briefe zu ihren Inhalten war also nicht ganz so unmöglich.
Für die von Lerche angegebene Porto-Tabelle des Sultans gibt es keinen schriftlichen Beweis. Generell kam auch mir des Öfteren der Gedanke, dass mit Lerche mal die Pferde durchgegangen sind.
Die Witu-Marken werden bei den ab 1893 angestrebten Schadensersatzansprüchen kein einziges Mal erwähnt. Selbst in der detaillierten Kostenaufstellung werden sie nicht angegeben. Dagegen war die angestrebte Malakote-Post durchaus Gegenstand der Verhandlungen.
Ich bin zwar bei weitem noch nicht mit allen Akten und Unterlagen durch, aber ich bin tatsächlich davon überzeugt, dass es eine Suaheli-Post gegeben hat. Aber ich bin auch davon überzeugt, dass einige Briefe und Briefstücke gefälligkeitshalber bzw. nachträglich gestempelt bzw. hergestellt wurden und ich hoffe, dass dies durch eine weitere materialtechnische Analyse nachgewiesen werden kann. Daher bin ich z.Z. verstärkt auf der Suche nach vermeintlichen Fälschungen und Nachdrucken.
In diesem Sinne, Guten Rutsch
Letztendlich ist es ja auch eine Frage, die die Michel-Redaktion betrifft:
Inwiefern kann man die bestehende Katalogisierung noch beibehalten?
Viele Grüße
Thomas
@ Wituland [#23]
Die Witu-Marken werden bei den ab 1893 angestrebten Schadensersatzansprüchen kein einziges Mal erwähnt. Selbst in der detaillierten Kostenaufstellung werden sie nicht angegeben. Dagegen war die angestrebte Malakote-Post durchaus Gegenstand der Verhandlungen.
Wenn ... dann vermutlich, weil die Suahelilandpost offiziell ja vom lokalen Herrscher - und nicht von deutscher Seite - betrieben wurde, auch wurde (wenn) die Herstellung der Briefmarken ja von lokaler Seite beauftragt, da hätte es also auch keine Schadenersatzansprüche geben können, zumindest nicht von Seiten der deutschen Anspruchsteller. Die einheimische Seite wurde in Berlin ja sowieso ignoriert bzw. hintergangen, wenn nicht sogar bewusst "verraten".
Im Gegensatz zur Malakote-Post, hier ging die deutsche Seite im Vorfeld ja wohl bereits in "Vorkasse"?
Beste Grüße
Thomas
@ DL8AAM [#25]
Jein, die Marken stammten zwar offiziell vom Sultanat, die Denhardts waren aber an 90% der Einnahmen beteiligt. Es lag daher schon ein wirtschaftliches Interesse bzw. ein finanzieller Schaden vor.
In dem Artikel von Olaf Halle wird auch angedeutet, dass die Denhardts nach dem Verlust in Witu mittellos waren. Das ist aber nicht der Fall, da sie anschließend noch weitere Unternehmungen in Ostafrika aufgebaut haben. Erst durch den Weltkrieg und die anschließende Inflation geriet Clemens in finanzielle Schwierigkeiten.
Ebenso wird Lerches Narrativ übernommen, dass die DOAL alle vier Wochen die Hafenstadt Wange angelaufen habe. Das mag vielleicht geplant gewesen sein, doch in den Unterlagen findet sich kein Hinweis darauf, dass dies tatsächlich passiert wäre.. Es würde auch keinen Sinn machen, denn als die DOAL Mitte 1890 den Betrieb aufnahm, gehörte Witu nicht mehr zum deutschen Einflussbereich.
In der
230. Rauhut & Kruschel Auktion vom 25.01.2025 wird unter Los Nr. 3374 angeboten:
Deutsche Kolonien Witu Schutzgebiet, Dienstmarke D 34 zum Ausrufpreis von 4.000 Euro + Nebenkosten

Ende der Gebotsabgabe: Samstag 25.01.2025, 09:00
Beschreibung: Dienstmarke 1/2 R. braun, hervorragend breitrandiges Luxusstück auf Leinencouvert (dieses typische Gebrauchsspuren und leicht getönt) mit K1 "Wito", 4.8.89, an Clemens Denhardt in Lamu, vs. hs. vermerkt "Wito 7. Aug. 1889". Briefe mit Dienstmarken von Witu zählen zu den großen Seltenheiten, beim vorliegenden Stück ist der ausserordentlich breitrandige Schnitt sowie die völlig ursprüngliche Erhaltung hervorzuheben. Sign. Jakubek, Lerche, Richter, Foto siehe Katalog-Rückseite.
https://www.philasearch.com/de/i_9209_572299/255_Deutsche_Kolonien_Witu_Schutzgebiet/9209-A230-3374.html?set_sprache=de&treeparent=CO-255&pictureview=gallery&postype=auction&row_nr=0&breadcrumbId=1735674934.9861
Ich habe in der Zwischenzeit eine Aufstellung aller in den letzten Jahren auf Auktionen oder in der Literatur angebotenen bzw. erwähnten Witu-Briefe gemacht.
Es sind genau 40 Stück, wobei ich zwei von vornherein als falsch erachte. 13 Stück sind in der 1931 erschienenen Abhandlung „Bedarfs-Briefe, befördert durch die Post des Suaheli-Sultanats des ehemaligen Schutzgebietes in Ost-Afrika“ abgebildet, ein weiterer ist auf der Vorderseite von Lerches 1934 erschienener Monographie zu sehen und zusammen mit einem weiteren in dem vier Jahre zuvor herausgegebenen Heft beschrieben. Sechs weitere Briefe haben eine Altsignatur Lerche bzw. Richter. Ich gehe davon aus, dass diese 21 Briefe „zeitgenössisch“ sind und tatsächlich aus dem Nachlass von Clemens Denhardt stammen.
Hallo Wituland,
ein Grund warum ich die Witu Marken nicht vertraue ist das ich Sie eigentlich immer auf Briefstück sehe. Wie konnte es sein das man alle echten Marken alle Welt als lose Marke gestempelt findet aber beim sehr seltsame Witu Marken hat man sie immer auf ein Briefstück behalten. Wieso sind die aus Briefen geschnitten aber dann alle nicht abgelöst vom Papier?
Dazu sehen mir die Stempel immer nicht echt aus. Könnte es sein beim ablösen reagiert das mit Wasser?
Interessant was da beim untersuchen rauskommt.
Grusse,
Jean-Paul
@ jpvde [#30]
Hallo Jean-Paul,
einige Marken sind tatsächlich mit wasserlöslicher Farbe gestempelt. Die sind auf keinen Fall echt.
Ich denke mittlerweile, dass einige Marken tatsächlich auf Bedarfsbriefen waren und herausgetrennt wurden (warum auch immer). Andere wurden möglicherweise extra auf die Umschläge geklebt und entwertet. Beide „Sorten“ wurden so im Nachlass von Denhardt gefunden, anschließend geprüft und daher nicht vom Papier gelöst.
Die Wituland Briefe sind grundsätzlich echte Briefe, die per Kurier in Ostafrika befördert wurden. Viele davon übrigens aus dem Inland von British Ostafrika an Denhardt im Wituland. Keiner davon trug ursprünglich eine Marke oder einen Stempel - da es weder im Hinterland von British Ostafrika, noch im Wituland eine Post gab. Die Briefe stehen meistens im Zusammenhang mit der Emin Pascha Expedition von Carl Peters.
Nachträglich wurden diese Umschläge dann willkürlich mit Witulandmarken beklebt und gestempelt. Die angeblichen Nennwerte der Marken auf den Umschlägen stehen in keinerlei Zusammenhang mit einer logischen Portostufensystematik. Auch wurden Umschläge vom gleichen Schreiber an den gleichen Empfänger mal mit Dienstmarken, mal mit normalen Marken freigemacht. Auch das vollig sinnfrei.
Überall gab es damals Sammler - auch im entlegensten Afrika, aber niemand hat auch nur eine Briefmarke aus Wituland mitgebracht oder gar einen Brief produziert? Alle Marken stammen aus dem Denhardt Nachlass und vorher war nicht ein einziges Stück bekannt und wurde irgendwo in der damals sehr aktiven phialtelistischen Presse erwähnt? Was für ein Zufall! Im benachbarten Lamu, wo es nicht einmal eigene Marken gab, sondern nur deutsche mit dem Stempel Lamu, waren die Sammler aber gleichzeitig sehr aktiv.
Ich bin überzeugt, dass keine der Wituland Marken jemals im Wituland war und auch die Stempel Afrika nie gesehen haben.
Grüße
Harald
@ Wituland [#31]
Hallo Wituland,
gibt es auch Marken oder Belege (notfalls Briefstücke) aus Auktionen mit Attesten oder Befunden ?
Könntest Du diese bitte zeigen mit Angabe aus welcher Auktion diese stammen und falls Du hast einen Link auf die Auktion oder Quelle ?
In unserer Atteste Datenbank sind noch keine keine Witu Nachweise enthalten, was mich wundert.
Schöne Grüsse, Richard
@ saeckingen [#32]
Ich denke man muss unterscheiden zwischen Briefen, die primär 1929 im Nachlass gefunden wurden und Briefen, die Stück für Stück danach erschienen sind. Fast alle Briefe der ersten Kategorie sind "vernünftig" frankiert und haben auch nichts mit der irrwitzigen Portotabelle Lerches zu tun, sondern passen eher in das ursprünglich festgelegte Portoschema.
Auch ich bin der Meinung, dass Lerche in seinen Abhandlungen teilweise etwas zu sehr ausholt, um eine in sich stimmige Geschichte zu erzählen. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass seine Wiedergabe der vorgefundenen Korrespondenz von Clemens Denhardt und der Bericht über den Dachbodenfund absolut der Wahrheit entsprachen.
@ Wituland [#34]
Hallo Richard,
es gibt eigentlich nur Atteste von Richter aus dem Jahr 1930 und von Wolfgang Jakubek aus dem Jahr 1993.
Diese sind aber schon in der Attest-Datenbank vorhanden:
https://www.briefmarken-atteste.de/atteste/suchen/gebiet/usedby/233
@ saeckingen [#32]
Im Gegensatz zu Lamu war die Korrespondenz im Witugebiet sehr viel beschränkter. Übertrieben gesagt, gab es in diesem Gebiet, außer der "Denhardtschen Mission" und dem Emir wohl keinerlei Postbedarf.
Gab es überhaupt neben der "Denhardts Mission" damals Europäer, die dort aktiv bzw. ansäßig waren? Wohl eher weniger... Also wer würde dort sonst eine Post benutzen wollen, wohl eher nur das "Umfeld der Denhardts". Deshalb gibt es auch nichts anderes.
Der (Dorf-) Emir (sorry...) selbst wollte aber mit Großen in der Lamu- und Zanzibar-Klasse mitspielen, was sein Gebiet und die Kolonialmächte aber nicht hergaben. Und zur Lamu-/Zanzibarklasse gehört eben auch ein Postwesen, also "befahl" und beauftragte der Emir einfach eine. Inklusive einer Herstellung von Marken (vor Ort). Europäische Herstellungen (und irreguläre Machungen für Werbung und Philatelisten) sahen damals bekanntlich ganz anders aus. Bis zur Denhardtschen Archivauflösung waren die Marken auch eher noch kein wirkliches 'breites' Thema. Gab es denn überhaupt ein echtes Postamt? Ja wohl eher nein ;-) Und wollten die Denhardts damals damit Kasse machen, dann hätten sie zeitnah den Markt damit geflutet. Der Markt hätte das damals sicherlich auch begierig aufgenommen. Was aber eben nicht passierte. Eher sogar das Gegenteil, er hielt den Ball eher flach. Er versorgte nicht einmal "seine Kumpels" (nennenswert, falls überhaupt) mit Material. Und genau dieser Umstand läßt mich an die Echtheit glauben. Ganz unabhängig von der Frage, ob dieser emirsche Kurierläuferdienst für "zweidrei" (...) Briefe einem "echten" Postwesen entspricht, aber das ist ja auch nicht die Frage. Er hatte halt die territoriale Macht dazu und hat irgendein postähnliches System für sein Gebiet befohlen und in Ansätzen auch (eher dilletantisch) aufgesetzen lassen. Eine Art von eigenstaatlicher Kinderpost. Aber eben eine Post. Mit sicherlich mehr "Bedarf" dahinter, als bei vielen modernen Agenturausgaben ... und Cryptos aus Österreich... ;-)
Beste Grüße
Thomas
@ DL8AAM [#36]
Und wollten die Denhardts damals damit Kasse machen, dann hätten sie zeitnah den Markt damit geflutet. Der Markt hätte das damals sicherlich auch begierig aufgenommen. Was aber eben nicht passierte. Eher sogar das Gegenteil, er hielt den Ball eher flach. Er versorgte nicht einmal "seine Kumpels" (nennenswert, falls überhaupt) mit Material. Und genau dieser Umstand läßt mich an die Echtheit glauben. Ganz unabhängig von der Frage, ob dieser emirsche Kurierläuferdienst für "zweidrei" (...) Briefe einem "echten" Postwesen entspricht, aber das ist ja auch nicht die Frage. Er hatte halt die territoriale Macht dazu und hat irgendein postähnliches System für sein Gebiet befohlen und in Ansätzen auch (eher dilletantisch) aufgesetzen lassen. Eine Art von eigenstaatlicher Kinderpost. Aber eben eine Post. Mit sicherlich mehr "Bedarf" dahinter, als bei vielen modernen Agenturausgaben ... und Cryptos aus Österreich... ;-)
Hallo Thomas,
nach dem Tod von Denhardt fiel seine Korrespondenz in die Hände von Philoutelisten, die damit die ganzen "garantiert echten" Briefe fabrizierten. Irgendeine Lobby hat die Marken dann in den Michel-Katalog gebracht. Das wäre meine Theorie, die hervorragend erklärt, warum vorher keine Marken bekannt wurden. Da sind mir ehrlich gesagt alle Crypto-Marken lieber als Wituland.
@ Wituland [#35]
Es spricht für mich Bände, dass das Gebiet vom BPP nicht abgedeckt wird. Warum? Weil der ganze Zauber m.E. gefälscht ist. Lies Dir mal das uralte BPP-Attest von Bothe durch. Du merkst, wie er sich bei der Formulierung windet: "Die philatelistische Forschung [...] ist noch nicht abgeschlossen" (übersetzt: Ich habe noch keinen Bedarfsbrief gesehen, der mich auch nur annähernd von einer Posteinrichtung überzeugt hätte), "Der Michelkatalog hat jedoch diese Marken als vollwertig und ausgegeben aufgenommen" (übersetzt: Die Michel-Redaktion hat den Mist katalogisiert, also schreibe ich für diesen Humbug ein Attest). Nur weil der Michel-Katalog etwas aufgenommen hat, ist es nicht echt.
Bitte sammle und forsche auf jeden Fall weiter! Wir brauchen neugierige Philatelisten, die den Dingen auf den Grund gehen wollen. Aber aus meiner Sicht ist jede Minute Zeit für das Gebiet "Wituland" verschwendet.
Beste Grüsse!
Lars
@ Lars Boettger [#37]
Lars, im Prinzip hast Du damit ja fast die Echtheit der Marken selbst, aber selbst "bestätigt" ;-)
Auf das dünne Brett nach der Frage einer eventuellen Verwendung auf Briefen (auf welche, ob überhaupt) will ich mangels tieferer Erkenntnisse nicht gehen. Selbst falls, vermute ich, dann waren diese Verklebungen sicherlich nicht "postalisch notwendig", sondern erfolgten maximal nur so 'aus Spass', sicherlich nicht damit die Emirsche Post von den Denhardts Geld für Dienste kassierte. Des Emirs Boten hätten die Briefe von/für 'seine Freunde', den Denhardts sowieso verteilt. Der Emir wollte ja unters des Kaisers Schutz bzw. international anerkannt "Mitspielen" und die Denhardts waren das Werkzeug dafür.
Zumindest wären die Briefmarken selbst dann aber wohl echt. Wie gesagt, falls die Denhardts die nur aus kommerziell-philatelistischen Gründen in Deutschland hätte anfertigen lassen, wäre das a) irgendwann einmal rausgekommen (nichts bleibt ewig geheim) und wichtiger b) dann hätte die Denhardt (der ja am Ende sogar so ziemlich "ruiniert" war) versucht die lange vor seinem Tod zu Geld zu machen. Der Markt wurde aber erst nach seinem Tod damit versorgt. Auf die Frage, ob irgendwelche dubiosen Geschäftsmacher im Nachgang zur Erbmassenauflösung zusätzliches Material haben drucken lassen oder verfälscht bzw. aufgepeppt haben, will ich ebenfalls nicht eingehen. Das wäre eine Frage an etwaige forschende Prüfer.
Auch von der Logik her, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Emir (eigentlich Sultan...) , in seinem Bestreben "international anerkannt mitzuspielen" eine Post 'gegründet' hat [ein Land, eine Post bzw. ohne Post, kein Land] und erste - eher dilettantenhaft ausgeführte - Briefmarkenideen hat produzieren lassen. Ein echtes bzw. funktionierendes Postwesen (für wen auch?) hat er aber sicherlich wohl eher noch nicht installieren können. Also Briefmarken? Ja. Echte Belege? Hmmm.... da wäre ich zumindest sehr vorsichtig.
Wenn hinter den Ausgaben aber wirklich nur Europäer "für den Philamarkt" stecken würden, dann sähen die Marken ganz sicher ganz anders aus. Drucktechnisch, wie motivtechnisch. Die sind einfach viel zu schlecht, um ein Fake zu sein. ;-) Ich vermute auch mal, dass der Emirmit der "echten Post" der Europäer kaum bis wenig Erfahrung hatte und vielleicht selbst kein Kenner der "Briefmarkenszene" war. Witu war damals eher eine "abgelegene Dorflandschaft" und das "Emirtum" mit denen der omanisch geprägten Gebiete von Lamu und Zanzibar nicht einmal im Ansatz vergleichbar. Ein echtes hinteres "Hinterland", was sich bis heute, zumindest bis zu meinen Besuchen in den 1990-ern, kaum geändert hat, außer das Wellblech und Beton, Gras und Lehm ersetzt hat.
Beste Grüße
Thomas
Nur damit die Mitleser einen kleinen Eindruck bekommen, wie das deutsche Schutzgebiet Wituland mal aussah. Ein
Wimmelbild, wo mag da das Postamt gewesen sein? ;-)

Der "Palast des Sultans" (eigentlicher Titel "Haus des Sultans..."), vermutlich von Alfred Voeltzkow, gegen 1890 [1].
[1]
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Haus_des_Sultans_Achmed_Simba_mit_Flagge_von_Witu.jpg
@ alle
Wenn man sich die Marken einmal im Michel ansieht, dann kommt es einem schon seltsam vor, dass innerhalb von 1 1/2 Monaten 60 Freimarken und 36 Dienstmarken herausgegeben wurden.
Bis zum Zeitpunkt dieser Ausgaben hatte die Reichspost gerade mal 44 Marken verausgabt.
Auffallend ist auch, dass die Nominalen innerhalb der Sätze mehr oder weniger gleich bewertet sind.
Normalerweise sind die hohen Nominalen doch entsprechend des geringeren postalischen Gebrauchs seltener und entsprechend höher bewertet.
Mir erscheint es so, dass da mehr ganze Sätze produziert wurden und dass da kein tatsächlicher Postbetrieb mit diesen Marken gestützt werden sollte.
Viele Grüße
Thomas
@ DL8AAM [#38]
Hallo Thomas,
bitte entschuldige, ich hätte mich etwas klarer ausdrücken sollen. Meiner persönlichen Meinung wurden die Marken nach dem Tod Denhardts produziert, um seine Korrespondenz "aufzupeppen". Die Nachfrage nach "exotischen" Marken war da und man konnte dem einen Teil Lüge (Witu-Marken) noch zwei Teile Wahrheit mitgeben (Denhardt war in Witu und hat dort Briefe geschrieben, die per Boten transportiert wurden). Dann ist es einfach, die Marken zu verkaufen. Das erklärt auch, warum Denhardt zu Lebzeiten nix verkauft hat.
Wenn hinter den Ausgaben aber wirklich nur Europäer "für den Philamarkt" stecken würden, dann sähen die Marken ganz sicher ganz anders aus.
Es gab um 1930 eine Menge der sogenannten "Primitives" (1), die sehr gerne gesammelt wurden. Ein Beispiel für "Primitives" aus Afrika: Die Uganda "Schreibmaschinen-Marken" (2). Die Ausgabe von Witu erinnert mich frappierend an die Ausgaben der indischen Feudalstaaten (3) (Faridkot, Jammu & Kashmir). Diese Ausgaben werden philatelistisch nicht angezweifelt. Es gab einen Ausgabegrund und es gibt Bedarfspost. Wenn Du die Ausgaben der indischen Feudalstaaten ansiehst, dann wirken die Witu-Marken wie eine schlechte Imitation dagegen.
Beste Grüsse!
Lars
(1)
https://en.wikipedia.org/wiki/Primitive_(philately)#:~:text=In%20philately%2C%20primitives%2C%20also%20called,Kingdom%20or%20the%20United%20States.
(2)
https://www.linns.com/news/auctions/uganda-missionary-typewritten-and-typeset-issues-in-march-15-siegel-auction
(3)
https://postalmuseum.si.edu/exhibition/international-philately-asia-southern-asia-india/feudatory-states-f-k
@ Lars Boettger [#37]
wow, da komme ich ja gar nicht mehr nach…
Hallo Lars,
die Option, die Marken könnten nach dem Tod Denhardts nachträglich auf Briefe geklebt worden sein, ist absolut gerechtfertigt, ignoriert aber einige Tatsachen und wirft wiederum weitere Fragen bzw. Probleme auf.
Lerche hatte seinerzeit einen entscheidenden Vorteil: Er hatte Zugriff auf die gesamte Korrespondenz Denhardts, eine Leistung, die heute leider nicht mehr möglich ist. Ich bin auch weiterhin fest davon überzeugt, dass die in seinen Abhandlungen wiedergegeben Briefinhalte sowie die Ereignisse, an denen er persönlich beteiligt war, absolut wahrheitsgemäß wiedergegeben wurden (er hat diese Sachen auch vor Gericht unter Eid bezeugt).
Weiterhin bin ich durchaus der Meinung, dass man die Marken prüfen kann. Zumindest hinsichtlich der Tatsache, ob sie „zeitgemäß“ entstanden sind, oder erst später gestempelt oder nachgedruckt wurden. Einen Beweis, ob die Briefe bzw. Briefstücke tatsächlich in Witu in Gebrauch waren oder dort oder woanders nur gefälligkeitshalber gestempelt wurden, wird sich dagegen nicht finden lassen.
Und die Tatsache, dass so viele Marken in so kurzer Zeit entstanden sind, spricht meiner Meinung eher gegen die Denhardts. Man darf nicht vergessen: Diese Marken mussten (im Gegensatz zu den Malakote-Marken) alle einzeln per Hand auf verschiedenen Papieren hergestellt und anschließend ausgeschnitten werden. Dann mussten sie ggf. noch auf verschiedene Umschläge geklebt, gestempelt und wiederum ausgeschnitten bzw. herausgerissen werden. Und wir reden hier nicht von ein paar Duzend sondern eher von ein paar hundert oder tausend Marken. Warum hätte jemand einen solchen Aufwand treiben sollen? Wenn es nur zum Beleg einer Post für Gewährleistungsansprüche oder zu Dokumentationszwecken. gegangen wäre, hätten eine Handvoll Marken auch genügt.
Viele Grüße
@ Lars Boettger [#40]
Hallo Lars,
gegen die Annahme, dass alle Marken ausnahmslos erst nach dem Tod von Denhardts in Deutschland produziert worden sind, sprechen die arabischen "Suaheli-Urkunden" mit den "Postbefehlen" des Sultans, die in [1] gezeigt wurden, es sei denn selbst diese wurden erst Jahrzehnte später in Deutschland gekonnt und kunstvoll gefälscht. Das sollte aber ein "Ostafrika-Historiker" einfach aufdecken können, denn die "Ausdrucksweisen" solcher offiziellen Texte sind zwar 'standardisiert-genormt', haben aber alle immer noch orts- und zeitspezifische Eigenheiten, die Spezialisten leicht erkennen können. Das kann kaum ein Fälscher.
Dazu passen auch nicht die dort zusätzlich gezeigten eidesstattlichen Erklärungen von Zeitzeugen, die damals vor Ort waren, u.a. "der Bauer Trost", der in Wituland als Siedler gelebt hat oder die des Konteradmirals von Höhnel, der Witumarken vor Ort auf Lamu, aber bereits zu britischen Zeiten, persönlich gesehen hat. Falls diese Aussagen keine Meineide darstellen, belegen diese zumindest, dass es in 1890-er Jahren Witumarken in Ostafrika gab. Das Problem hier ist nur, dass von diesen eidesstattlichen Erklärungen wohl nur Zweit- bzw. Abschriften erhalten geblieben sind, die gesiegelten Originalurkunde bzw. "Notars-Urkundenrollen", wie die originalen Prozessakten den Krieg (?) wohl nicht überlebt haben?
Beste Grüße
Thomas
[1]
https://philahistorica.de/Dokumente/PhilaHistorica_2024_03.pdf
@ DL8AAM [#42]
Hallo Thomas,
genau das meinte ich mit „weiteren Fragen und Problemen“. Die ganzen Briefe hätten gefälscht werden müssen, die Briefstücke und Briefe hätten so gestempelt werden müssen, dass sie mit der Verwendungszeit der Marken bzw. der Laufzeit der Briefe übereinstimmen usw. Das ist nicht unmöglich aber doch ein unglaublich hoher Aufwand.
Die Prozessakten des ersten Prozesses mit den Aussagen des Admirals von Höhnel und von Carnap existieren noch und stimmen Wort für Wort mit der von dir verlinkten Kopie überein.
Viele Grüße
@ Wituland [#43]
Die Prozessakten des ersten Prozesses mit den Aussagen des Admirals von Höhnel und von Carnap existieren noch und stimmen Wort für Wort mit der von dir verlinkten Kopie überein.
Wenn diese Gerichtsakten mit den eidesstattlichen Aussagen doch noch vorhanden sind, dann ist zumindest die Frage, ob die (einige) Marken bereits zeitnah vor Ort im Wituland waren oder ob die gesamten Beständen doch erst nach dem Tod von Denhardt in Deutschland hergestellt wurden, ja wohl eindeutig vom Tisch. Es sei denn alle diese "briefmarken-marktfernen" Herren hätten seinerzeit vor Gericht einen Meineid geleistet, was eher kaum anzunehmen sein dürfte.
Besten Dank und Grüße
Thomas
Moin Lars,
es könnte so gewesen sein, wie Du vermutest, aber es war nicht so. Schon 1892 wurden die ersten Marken des Suaheli-Landes (wie das Wituland lange genannt wurde) in Philatelistenkreisen bekannt gemacht. Im Juni 1892 schrieb ein Leser des Illustrierten-Briefmarken-Journals der Gebrüder Senf, er habe zwei Umschläge mit insgesamt sechs Marken des Suaheli-Sultanats erhalten, die bislang unbekannt seien. Abgebildet wurden Marken der zweiten Freimarken-Ausgabe und der ersten Dienstmarken-Ausgabe, gelistet sechs Marken zu 1, 2, 3, 4 und 5 Pesa und 1 Rupie.
In dem Journal wurde zunächst mit Misstrauen reagiert, da diese Marken den Gebrüdern Senf (und somit wohl der damaligen philatelistischen Welt insgesamt) bislang nicht bekannt waren, obwohl sie doch schon zwischen 1885 und 1889 verwendet worden sein sollten. Nach einigem Hin und Her in verschiedenen Ausgaben in 1893 erschien im Journal vom 3. März 1894 ein langer Artikel eines Dr. M. Küppers, der sehr ausführlich den mit ihm befreundetes Clemens Denhardt zitiert. Der erzählt im Wesentlichen die Geschichte, die auch heute noch zugunsten dieser Marken vorgetragen wird. Dabei betont er, sich selbst nicht für Briefmarken zu interessieren und auch nicht damit handeln zu wollen.
Damit schien für die Gebrüder Senf die Angelegenheit zugunsten dieser Marken geklärt zu sein, und sie haben sie in ihren Katalog aufgenommen. So sind im Katalog von 1912 alle 96 Marken zu finden, alle ohne Preisangabe. Im Katalog von 1931 haben die meisten Marken einen Preis zwischen 325 und 1000 RM, einige sind noch ohne Preis. Dabei haben nicht unbedingt die hohen Werte auch den höchsten Preis. Man sieht, als Behrens die Nachlassbestände vermarktete, war damit richtig Geld zu machen.
Der Michel hat wohl nur vom Senf-Katalog abgeschrieben und die Marken z.B. 1922 etwas verkürzt katalogisiert, indem er jeweils die letzten beiden Freimarken- und Dienstmarkenausgaben zusammenfasste. Preise findet man nur für sechs Freimarken, immer für den niedrigsten und höchsten Wert.
In anderen deutschen Katalogen der damaligen Zeit findet man diese Marken nicht, im N.N.K. von 1914 wird für diese im Handel fast nie vorkommenden Marken auf das Kohl-Handbuch verwiesen. In ausländischen Katalogen waren und sind diese Marken nicht katalogisiert.
Das diese Marken von 1889 bis 1892 nicht bekannt waren und dann plötzlich (durch Schenkungen von Clemens Denhardt) auftauchten, könnte vielleicht damit zusammenhängen, dass Denhardt damals versuchte, für den Wegfall seine Pfründe im Suaheli-Land durch den Helgolandvertrag eine hohe Entschädigung zu erhalten. Bei der Darstellung seines Schadens könnte die Einrichtung der Post auf seine Kosten mit Zahlung von angeblich 10.000 Rupien an den Sultan für die "Konzession" ein kleiner Baustein gewesen sein. Dafür musste er die Existenz der Post natürlich nachweisen. Tatsächliche scheint mit die Summe von 10.000 Rupien völlig unrealistisch, da hätten mindestens 200.000 Briefe aufgegeben werden müssen, um einen kleinen Gewinn zu erzielen. Ein kluger Kaufmann wird wohl kaum so ein Geschäft eingehen.
Viele Grüße
Oswald
Guten Abend,
ohne Bezahlschranken findet sich hier eine Akte (1) mit über 100 Seiten des Auswärtigen Amtes zu dem Thema.
Nur kurz gesichtet und verworfen: noch Ende 1886 finden sich Aktennotizen über das weitere Vorgehen bezüglich des Gebietes Wito.
Wie der Herrschaftsbereich zwischen England, Deutschem Reich, Zansibar, Ostafrikagesellschaft, dem Sultan und den Denhardts aufgeteilt werden sollte, war noch nicht entschieden; die Behauptung von Behrens über die im Jahr 1885 erfolgte Unterschutzstellung nicht möglich.
Die oben abgebildeten Briefe zeigen einen Vermerk
Erh. und Erl. Datum und Ort, Namenskürzel und sollen m.E. einen Bearbeitungsvermerk von Denhardt vortäuschen, die Briefe Denhardts in der Akte zeigen eine andere Handschrift.
grüsse Christof
(1)
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/C6CMODALI56QNOYGEJ5FLKOPEQJP2VFA
Auch im Auktionshaus Gert Müller wird demnächst ein Witu Brief angeboten:
https://www.philasearch.com/de/i_9223_260524/255_Deutsche_Kolonien_Witu_Schutzgebiet/9223-A125-3984.html?set_sprache=de&suchtext=Witu&search_type=fulltext&pictureview=gallery&postype=auction&row_nr=3&breadcrumbId=
In der Beschreibung ist eine Buntfrankatur von 6 (grau) und 7 (hellblau) Pesa beschrieben. Mit dieser Frankatur wird der Brief auch schon auf der 368. Köhler-Auktion bzw. in der Abhandlung des Baron von Uexkull vorgestellt. Anscheinend ist niemandem aufgefallen, dass die linke Marke nicht grau ist sondern hellgrün. Und hätte man sich den Brief mal etwas genauer angesehen, so wäre auch aufgefallen, dass seinerzeit schon jemand die entsprechenden Michelnummern unter die Marken geschrieben hat. Demnach ist linke Marke eine 1 Pesa Marke, so dass sich ein Gesamtporto von 8 Pesa ergibt.
Viele Grüße
Ich möchte mich an dieser Stelle für diesen tollen, spannenden und informativen Thread bedanken. Dieser Thread liest sich wie ein Detektiv-Roman mit vielen Wendungen mit aktuell offenem Ende. Ich bin beeindruckt von der äußerst tiefen Kenntnis der Materie alle Beiträge in diesem Thread (damit sollen keinesfalls andere Threads in irgendeiner Form abgewertet werden, aufgrund der großen Spezifität dieses Themas kann man aber auch als völlig Unkundiger eintauchen in die Materie, was bei den meisten anderen Themen nicht so ohne weiteres möglich ist).
Liebe Grüße
Michael
@ Wituland [#47]
Bitte bei Auktionen immer die Beschreibung mit einfügen:
Los 3984 Deutsche Kolonien Witu Schutzgebiet, Michel 42/43
Beschreibung: DIE SPEKTAKULÄRE BUNTFRANKATUR: 6 P. schwarz auf grau und 7 P. schwarz auf hellblau, zwei farbfrische, allseits breitrandige Luxusstücke auf dekorativem Inlandsbrief, außerhalb der Frankatur gefaltet, sowie rechts ungefaltet, mit zwei klaren Balkenstempeln "W" von "MKONUMBI". Buntfrankaturen des WITU-Schutzgebietes sind extrem selten, eine weitere ähnliche Frankatur erzielte in unserer 94. Auktion einen Zuschlagspreis von 18.000,- €. Die hier angebotene Kombination ist einmalig und stellt eine der größten Raritäten dieses Gebietes dar! Geprüft Lerche
Ausruf 12.000 EUR, Saalauktion, Ende der Gebotsabgabe: Do. 13.02.2025, 13:00 Uhr
Zum Vergleich auch noch ein Brief, der ebenfalls seinerzeit auf der 368. Köhler-Auktion bzw. in der Abhandlung des Baron von Uexkull gezeigt wurde.
Es fällt deutlich auf, dass die Stempelfarbe viel dunkler ist als die schwarze Farbe der Marke. Außerdem besitzt die Marke keinerlei Quetschränder, das Druckbild ist tadellos. Dieser Brief ist meiner Meinung nach tatsächlich niemals in Witu frankiert worden.
Der gleiche Brief wurde auch schon mehrmals bei Cherrystone Auctions angeboten, so z.B. im May 2008. Damals waren die Bleistiftnotizen allerdings noch sichtbar.
Da kann man sehen, wie dumm manche "Restauratoren" sind. Die Bleistiftvermerke unten sind von irgendeinem Sammler aufgebracht worden und gehören natürlich entfernt. Der Vermerk oben ist der typische Ankunfts- und Bearbeitungsvermerk von Clemens Denhardt - inklusive seines Namenskürzels - der zum Brief gehörte!
Grüße
Harald
@ saeckingen [#52]
„Die Bleistiftvermerke unten sind von irgendeinem Sammler aufgebracht worden und gehören natürlich entfernt.“
Mit dem Entfernen solcher Notizen wäre ich vorsichtig.
Mir liegt ein Sachverhalt zu einem Rechtsstreit vor, in dem es um einen Brief
„Mahenge, 2.1.(17)“, ohne Jahreszahl „17“, auf Feldpostbrief nach Liwale“
ging, bei dem unter dem Stempel eine früher vorhandene Bleistiftnotiz entfernt worden war. Mit der Notiz auf dem Brief gab es einen Prüfbericht von Reinhold Siebentritt.
Ronald F. Steuer sollte ein aktuelles Attest für den Brief fertigen. Er hat das abgelehnt, weil im Bereich des wertbestimmenden Stempels radiert worden war. Die früher vorhandene Bleistiftnotiz war irgendwann entfernt worden.
Hinweis: Ich persönlich entferne derartige Notizen auch regelmäßig. Aber, wie der oben geschilderte Fall zeigt, kann das durchaus zu Problemen führen.
Eine Frage an die Ostafrika- und Schiffspost-Spezialisten:
In Lerches Abhandlung steht, dass die DOAL alle vier Wochen die Hafenstadt Wange angelaufen habe. Das mag vielleicht geplant gewesen sein, doch als die DOAL Mitte 1890 den Betrieb aufnahm, gehörte Witu schon nicht mehr zum deutschen Einflussbereich. Selbst Lamu wurde meines Wissens nur ein paar Mal angefahren.
Könnte mir jemand diesbezüglich nähere Informationen geben oder mich auf entsprechende Quellen verweisen?
@ Wituland [#54]
Hallo Wituland,
für genaue Antworten bzgl. Reiserouten, -termine, Passagierlisten stell die Frage im Thema Schiffspost, wer weiß ob die Experten hier mitlesen.
Ohne den Experten vorgreifen zu wollen, einige Bemerkungen:
- Dampfer der Wörmann Linie lagen teilweise vor Lamu auf Reede, die Dampfer wurden dann von der DOAL übernommen.
- Die Mandabay wurde von Kriegsschiffen als Reede genutzt, m.E. nicht von Handelsschiffen.
- Eine Hafenstadt Wange gab es nicht, Wange ist eine Halbinsel nördlich der Mandabay und nördlich von Lamu.
- Wange war kurzfristig 1890 Sitz der Tabakplantage von Emil Tost (verm. Zeuge im Behrens Schwindel) verwüstet im Zuge der Unruhen.
- Wange war Teil der behaupteten Besitzungen von Andreas Künzel (Genosse Denhardts) zur Erschleichung von Geldern der Kolonialvereine.
grüsse Christof
@ chris63 [#55]
Jetzt "wärmst" Du den persönlichen Kleinkrieg von Toppen (von der Witugesellschaft) und Künzel (übrigens kein "Genosse" der Deinhardts; Künzel wollte eher sein "eigenes Schutzgebiet" ergattern) auf. ;-)
Und einen Schwindel bezüglich der Kolonialvereine sehe ich hier auch nicht, er sammelte Gelder, stellte seine Expedition zusammen, die auch in Lamu noch ankam, doch leider wurde er vom "Helgoland-Vertrag" überholt. Er hat es halt versucht und ist gescheitert, aber eine "Erschleichung" sollte das nicht darstellen.
Ein "netter" Artikel aus der Zeitschrift "Frankenland" (Ausgabe 188 von 1974), zu diesem Thema findet Du im Archiv der Uni Würzburg unter [1].
[1]
http://frankenland.franconica.uni-wuerzburg.de/login/data/1974_188.pdf
Guten Abend,
kurz eine Warnung, wer nicht fließend auch unleserliche Kurrentschrift lesen kann, hat keinen Spaß. Aber muss auch niemand - dank des Glückskekszettelschreibers aus der Zeitschrift Frankenland wissen wir nun Originalakten gefälscht, zeitgenössische Zeitungsartikel (2) gefälscht.
Echte Historische Fakten aus Originalquellen beim Bundesarchiv (1) unter anderem Gefängnisstrafe Künzel wegen Betrug.
Informationen beim Bundesarchiv zu Witu sind in zig Akten zu Ostafrika verstreut, in abertausenden von Aktenseiten fehlt jeder Hinweis auf eine tatsächlich bewirtschaftete Plantage, eine Station, eine Mission und erst recht eine Post, ebenso in den Reiseberichten, Expeditionen die durch Witu gingen.
Akten zu den Gerichtsprozessen gegen Denhardts liegen beim Landesarchiv Württemberg und sind nicht online abrufbar. Hinfahren oder kopieren lassen.
grüsse Christof
(1)
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/MOUZHCJA2GTXNHSQ4RGTE5S5KQAKWBLN
(2)
@ chris63 [#57]
Akten zu den Gerichtsprozessen gegen Denhardts liegen beim Landesarchiv Württemberg und sind nicht online abrufbar. Hinfahren oder kopieren lassen.
Hallo Christof,
entweder bin ich schon zu alt oder ... ?
Welche Prozessakten gegen die Denhardts meinst du? Ich finde da nur Unterlagen zu ihren Entschädigungsansprüchen etc.
@ Wituland [#58]
Hallo Wituland,
mein Interesse für Ostafrika hat nur mit der Ahnensuche zu tun. Karte von meinen Urgroßonkel, der mit dem Reichspostdampfer König von Hamburg über Antwerpen, Neapel, Port Said, Suez, Aden nach Sansibar fuhr (Lamu nicht erwähnt), um einen anderen Urgroßonkel zu suchen, der lt. Erzählungen um 1889 nach Ostafrika ging, und seitdem verschollen.

Bei der Suche Kolonialzeitungen und Akten zu Ostafrika durchsucht und habe so auch häufig Akten zu/über Witu gelesen (spannend).
Nach meinen Notizen liegen noch Unterlagen zu Ostafrika/Denhardt/Witu Gesellschaft/Gerichtsprozesse im Landesarchiv, von mir nicht eingesehen. Ob da auch die Gerichtsakten zu den Forderungsabtretungen der angebotenen Entschädigung liegen oder woanders kann ich nicht sagen.
Im Bundesarchiv unter der Signatur BArch R 1001/426 Doppelseite 126:

Eben bei der Suche entdeckt: Signatur BArchiv R 1001/9801
Einige wenige Briefe von/an/über die ganze Bagage - Denhardt, Toeppen, Tost, Künzel, Penndorf, v. Karnapp, Tiede. Sehr verstörender Inhalt, man möchte erstmal Duschen.
grüsse Christof
Ich beschäftige mich z.Z. intensiv mit den in der Literatur erwähnten und auf Auktionen angebotenen Briefen. Vorausgesetzt diese sind alle „zeitgenössisch“ entstanden (was man nur am Original verbindlich prüfen könnte) ergeben sich in der Tat eine Reihe von Widersprüchen, die auch schon bei dem Material bestehen, welches Lerche seinerzeit zur Verfügung hatte.
Dabei muss Lerche schon mehr als die 15 im Jahr 1929 gefundenen Briefe zur Verfügung gehabt haben, denn die in seiner Abhandlung erwähnten Briefe von Friedrich und Rust sind nicht unter den in der 1931 erschienenen Broschüre Bedarfs-Briefe, befördert durch die Post des Suaheli-Sultanats des ehemaligen Schutzgebietes in Ost-Afrika abgebildet.
Von zentraler Bedeutung sind dabei auch die verwendeten Stempel. Der Rundstempel „Wito“ kam sicherlich am gleichnamigen Ort zum Einsatz, allerdings taucht er ab Oktober 1889 nicht mehr auf. Warum? Hatte Dörfer andere Aufgaben? Erhielt Denhardt als abgesetzter Vertreter des Sultans keine Post mehr von dort? Und der Balkenstempel, von dem Lerche vermutet, dass er („mindestens bis Herbst 1889“) in Mkonumbi verwendet wurde, kommt auch auf Post des Sultans von Witu vor. Wurde er vielleicht auch in Witu verwendet oder gab es evtl. mehrere Balkenstempel? Leider wird man diese Fragen nicht mehr klären können, aber ich finde es äußerst spannend darüber zu spekulieren.
@ chris63 [#59]
Hallo Christof,
es wäre mir neu, dass man die Dokumente ohne Genehmiung des Bundesarchives im Internet verwenden darf, auch wenn man diese dort einsehen/kopieren/herunterladen kann. Ich wäre da an deiner Stelle ein bischen vorsichtiger.
Viele Grüße
Bernhard
@ bernhard [#61]
Hallo Berhard,
was meinst Du?
- den Ausschnitt aus einer Kolonialzeitung von 1890, wer sollte daran noch Urheberrechte haben?
- Ausschnitt eines Verwaltungsbriefes vom 1915?
- die Postkarte ist in meinem Eigentum (nicht nur Besitz)
- meines Wissens erhebt das Archiv keine eigenen Urheberrechte, erwartet nur die Beachtung bei (von Fremden) zur Verfügung gestellten Archivalien.
- Persönlichkeitsrechte nach über 100 Jahren?
- viele der alten im Forum gezeigten Briefe sind aus Archiven entnommen (Umschreibung für gestohlen) Eigentumsrechte liegen noch bei den Archiven. Zur Beruhigung, nach über 30 Jahren kann nicht mehr auf Herausgabe geklagt werden. Es ist ja nicht so, das hier komplette Bücher als eigene Forschung gegen Bezahlung gezeigt werden.
- vor über 20 Jahren kam die Überzeugung auf: Archive sind wie Fallschirme - nur offen sind sie von Nutzen , das beinhaltet für mich auch das einzelne Zeigen?
- um mit gutem Beispiel voranzugehen, von mir in meinem Eigentum stehenden gezeigten Dokumente sind frei.
grüsse Christof
@ chris63 [#62]
Nur um Missverständnisse auszuräumen:
"- den Ausschnitt aus einer Kolonialzeitung von 1890, wer sollte daran noch Urheberrechte haben?
- Ausschnitt eines Verwaltungsbriefes vom 1915?"
Urheber ist vorliegend derjenige, der die jeweiligen Dokumente abgelichtet hat, nicht etwa der Verfasser des Zeitungsartikels oder des Briefes.
Wenn Du einen Brief von 1850 fotografierst, bis Du zwar nicht der Urheber des Briefes aber der Urheber der Ablichtung und hast die entsprechenden Rechte an der Abbildung.
Ob bei dem hier gegenständlichen Sachverhalt vom Urheber Rechte geltend gemacht werden, weiß ich nicht. Außerdem dürfte vorliegend wohl das Zitatrecht greifen.
@ chris63 [#62]
"was meinst Du?"
Hallo Christof,
ich meine selbstverständlich das abgebildete Dokument aus dem Bundesarchiv, Akte R 1001/9801, hier Blatt 113.
Von den Archiven in Deutschland wird die Nutzung von Archivgut sehr unterschiedlich gehandhabt. Bei manchen ist die Nutzung frei, andere verlangen dafür eine Nutzungsgebühr und/oder eine Belegabgabe des Artikels/Heftes/Buches in dem es genutzt wird. Manche Archive erteilen keine generelle Nutungserlaubnis, sondern wollen erst genau wissen in welchem Zusammenhang es verwendet wird. Selbst wenn das Bild mit der eigenen Kamera/Handy aufgenommen wurde ist es bei einigen Archiven kostenpflichtig. Die Kosten hängen dann auch von der Auflage und Kommerziellen Nutzung ab. Beim Bundesarchiv ist eine Nutzungserlaubis erforderlich. Man muss vorher einen Nutzungsantrag stellen. Bei der Nutzung im Internet ist sogar eine spezielle Genehmigung erforderlich.
Auszug aus der Internetseite des Bundesarchives:
"Jeder Besucher und jede Besucherin der Internetseite des Bundesarchivs ist gesetzlich verpflichtet, Urheberrechte und verwandte Schutzrechte zu beachten. Das beinhaltet, in eigener Verantwortung zu prüfen, ob es sich im Einzelfall um geschützte Werke im Sinne des Urheberrechts handelt und für ihn/sie bzw. seine/ihre Zwecke die sogenannten Schranken des Urheberrechts greifen bzw. ihm/ihr im Einzelfall die Nutzung erlaubt ist. Das Bundesarchiv übernimmt keine Haftung für die Nachnutzung von Archivgut. Das Haftungsrisiko ist jeweils von den Benutzern zu tragen."
Viele Grüße
Bernhard
@ bernhard [#64]
Hallo Bernhard,
in einem neuen Thema wäre ich bereit mich umfassend zu äußern, hier nur kurz zum zitierten.
"Jeder Besucher und jede Besucherin der Internetseite des Bundesarchivs ist gesetzlich verpflichtet, Urheberrechte und verwandte Schutzrechte zu beachten. Das beinhaltet, in eigener Verantwortung zu prüfen, ob es sich im Einzelfall um geschützte Werke im Sinne des Urheberrechts handelt und für ihn/sie bzw. seine/ihre Zwecke die sogenannten Schranken des Urheberrechts greifen bzw. ihm/ihr im Einzelfall die Nutzung erlaubt ist. Das Bundesarchiv übernimmt keine Haftung für die Nachnutzung von Archivgut. Das Haftungsrisiko ist jeweils von den Benutzern zu tragen."
Dieser Passus hat nur für einen speziellen Sonderfall Bedeutung. Generell gilt:
https://pro.deutsche-digitale-bibliothek.de/daten-liefern/teilnahmekriterien/rechtliches/lizenzen-und-rechtehinweise-der-lizenzkorb-der-deutschen-digitalen-bibliothek
grüsse Christof
ergänze mundgerecht:
@ chris63 [#65]
Hallo Christof,
dann eröffne das neue Thema und teile mir mit ob Beiträge aus dem Witu Thema in das neue Thema verschoben oder kopiert werden sollen und welche das sind.
Diese erscheinen dann dem Datum entsprechen VOR Deinen neuen Beiträgen.
Schöne Grüsse, Richard
In Los 1S der kommenden Gert Müller Auktion [1] ist eine Postkarte von 1897 aus Leipzig an den Briefmarkenhändler Moens in Brüssel enthalten, auf der Abbildungen von zwei der Witu-Serien aufgedruckt sind:

Kann einer den Text lesen und übersetzen?
Grüße
Harald
[1] Kurzlink:
https://www.philasearch.com/de/i_9223_261779/175
@ saeckingen [#67]
Auf die Schnelle, ohne Garantie für korrekte Lesung und Übersetzung:
je vous confirme votre lettre du 26. ? partant
la facture du votre envoi de cliches. ci dessous vous
trouverez l'illustration de deux cliches que j'ai aussi
recu avec votre dernier envoi et que je n'ai pas
desiré. veuillez me faire savoir que vous voulez que
je fasse avec eux.
bien a vous
Ich bestätige Ihr Schreiben vom 26. ? mit der Rechnungslegung von Ihrer Zusendung von Klischees. Nachfolgend finden Sie die Abbildung von zwei Klischees, die ich ebenfalls mit Ihrer letzten Lieferung erhalten habe und die ich nicht haben wollte. Bitte lassen Sie mich wissen, was ich damit machen soll.
Beste Grüße
Gruß,
Koban
@ saeckingen [#67]
Wow, ein interessanter Beleg. Hugo Krötzsch war ein Leipziger Verleger philatelistischer Literatur, Briefmarken-Prüfer und Briefmarkenhändler. Anscheinend konnte er aber mit den Suaheli-Marken nichts anfangen (die linke Marke steht auf dem Kopf), sonst hätte er sicher nicht bei Moens nachgefragt. Was mich immer wieder überrascht ist die Tatsache, mit welcher Selbstverständlichkeit man damals in fremden Sprachen korrespondiert hat.
@ Wituland [#69]
Ja wirklich sehr interessant! Es gib ja auch das Krötzsch-Handuch aus den Jahren 1994-96 (Loselattkatalog), welches mir aber nicht vorliegt. Wäre interessant was da so zu Wituland drinsteht. Kann jemand einen Auszug zeigen?
Viele Grüße
Bernhard
@ chris63 [#65]
Da kein neues Thema eröffnet ist, die Thematik aber wichtig ist, hier nochmals eine Antwort dazu:
Die Verwendung von Dokumenten aus dem Bundesarchiv - auch Digitalisaten - ist genehmigungspflichtig! Es muß ein Benutzungsantrag (mit Ausweiskopie) gestellt werden. Die Verwendung im Internet (Foren usw.) bedarf einer Sondergenehmigung! Missbräuchliche Benutzung wird geahndet.
Habe mich heute nochmals telefonisch rückversichert. Die Verwendung in kommerziellen Publikationen ist kostenpflichtig. Ein Belegexemplar muss eingereicht werden.
Viele Grüße
Bernhard
@ bernhard [#70]
Das Handbuch von Krötzsch enthält leider keine Einträge über die Witu-Marken. Eine Auswahl seiner Publikationen findet sich hier.
https://library.si.edu/digital-library/author/krotzsch-hugo
Mittlerweile bin ich durch alle Akten durch. Obwohl das Ergebnis der materialtechnischen Untersuchung noch aussteht und einige Fragen nicht geklärt werden konnten, werde ich schon mal anfangen, das ganze in einem längeren Artikel zusammenzufassen.
Hallo zusammen,
ein Problem/Frage hätte ich noch, bei dem ich Hilfe gebrauchen könnte: Als Erscheinungsdatum für die dritte Dienstmarkenausgabe nennt Lerche den 2. August. Dieses Datum muss von dem ihm verfügbaren Stempelmaterial stammen, da diese Ausgabe in der Korrespondenz des Sultans erst am 7. August erwähnt wird.
Unter dem heute noch vorhandenen Material konnte ich den 4. August als frühestes Datum ausmachen. Daher meine Frage: Hat jemand ein Stempeldatum auf der dritten Dienstmarkenausgabe vor dem 4. August in seiner Sammlung oder eine Abbildung davon? Jede Hilfe ist herzlich willkommen.
@ Wituland [#73]
An deiner Stelle würde ich die historischen Angaben/Quellen, Philatelie-Angaben in Katalogen und die am Markt vorhandenen "Bildchen" erstmal strikt trennen bzw. nebeneinander zusammen zu sammeln ohne sie schon zu vermischen oder zur Verifizierung zu nutzen.
Erst sollten die historischen Angaben glaubwürdig und nachvollziehbar sein. Hier sollte man dann auch wissen, wo, in welchem Auftrag und auf welche Rechnung diese Marken gedruckt wurden usw.
Die auf Auktionen angebotenen Marken kommen mir wie nachträglich für die Sammlerwelt bestimmte "Bildchen" vor. Sorry, da habe ich kein gutes Gefühl.
Viele Grüße
Bernhard
@ bernhard [#74
Hallo Bernhard,
vielen Dank für deinen Beitrag, aber ohne jetzt zu weit auszuholen, gehören die historischen Quellen und die von dir bezeichneten „Bildchen“ zusammen, denn diese waren es auch, die Lerche für seine Arbeit zur Verfügung standen. Mir geht es jetzt auch nur darum, ob Abstempelungen vom 2. August auf dieser Dienstmarkenausgabe existieren. Die Einordnung, wann diese entstanden sind, ist wieder eine ganz andere.
Die gezeigte Abstempelung vom 4. August sowie die Dienstmarke stammen auf jeden Fall so aus dem Denhardtschen Nachlass.
Hier noch eine Abbildung:
@ Wituland [#75]
Hallo Wituland,
sorry für meine Wortwahl, die ist eben meiner skeptischen Einstellung zu dieser Ausgabe geschuldet.
Ein Brief ins Deutsche Reich wäre sicher eher ein Dokument für einen Beweis. Die Denhardt-Briefe sind ja auch umstritten.
Die vielen Klischeetypen und die Postkarte in [#67] machen die Sache eben auch nicht gerade glaubwürdig.
Forsche weiter, aber bleibe dabei immer kritisch!
Viele Grüße
Bernhard
Ich werde ab nächster Woche mal anfangen, meine Ergebnisse bzgl. der strittigen Fragen vorzustellen, ohne dazu zu tief in die Details zu gehen. Diese werde ich dann in meiner Publikation näher behandeln.
@ bernhard [#76]
Ein Brief ins Deutsche Reich wäre sicher eher ein Dokument für einen Beweis. Die Denhardt-Briefe sind ja auch umstritten.
Warum sollte es sowas geben? Nach meinem Verständnis war das eine Inlandspost, heißt für Briefe innerhalb des Sultanats. Keine UPU-Anerkennung, heißt kein Postaustausch mit dem Ausland. Auch keine Anerkennung der Reichspost, das Deutsche Reich hat das Schutzgebiet Wituland auch nur wiederwillig und dann auch nur halbherzig angenommen. Und dann ja auch bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit seinen 'schutzbefohlenen' Partner, d.h. den Sultan, sofort verraten und verkauft ;-) Die Denhardts hatten in Berlin einfach eben keine Lobby "bei Hofe".
Beste Grüße
Thomas
@ DL8AAM [#78]
Hallo Thomas,
das steht halt in diesem ominösen Heft/Buch welches bei PhilaHistorica vorgestellt wurde. Dort berichtete der Zeuge Emil Trost von ein paar Briefen die er von Wituland nach Deutschland geschickt haben will. "Diese Briefe sind über Lamu gelaufen und müssen dort mit deutschen Marken nachfrankiert sein, da die Suahelimarken nur in Suahelilande selbst Gültigkeit hatten."
Ein anderer Zeuge spricht auch über gelaufene Sendungen nach Zansibar und Indien.
Viele Grüße
Bernhard
@ bernhard [#79]
Es ist halt die Frage inwiefern die Zeugen glaubwürdig waren.
Sind denn innerhalb von 136 Jahren seit der Ausgabe dieser Marken jemals Abbildungen solcher Briefe in der Literatur oder in Auktionskatalogen veröffentlicht worden?
Viele Grüße
Thomas
@ angim [#80]
Ja, leider kann man diese Zeugen nicht mehr befragen, doch alle haben vor Gericht unter Eid ausgesagt. Und keiner der Zeugen hatte von der Aussage einen Vorteil. Daher muss man das erstmal so akzeptieren.
@ Wituland [#81]
Es mag sein, dass es diese Marken gab und diese auch bedarfsmäßig verwendet wurden.
In diesem besagten Heft, welches die Witu-Marken verteidigt, gibt es aber kaum zu übersehene Widersprüche!
So hat Denhardt 1894 in Leipzig Suaheli-Marken im Steindruck-Verfahren herstellen lassen, welche er mutmaßlich als bildliche Darstellung im Endschädigungsverfahren mit der Reichsregierung benötigt hat.
Im Nachlass von Denhardt fand man aber tausende Handstempelmarken vor, in einem Geldschrank, in einem Banktresor und in mindestens einer Kiste.
Das passt hinten und vorne nicht zusammen!
Viele Grüße
Bernhard
@ bernhard [#82]
Ich hoffe, dass ich da in den nächsten Wochen etwas Licht ins Dunkle bringen bzw. ein paar Unwahrheiten gerade rücken kann. Aber tatsächlich bleiben einige Sachen rätselhaft.
@ Wituland [#83]
Hallo Wituland,
nachdem ich mich etwas eingelesen habe, nachfolgend meine Theorie zu dem Kistenfund und den Denhardt-Briefen:
Der ganze Kistenfund ist von Denhardt Junior eingefädelt worden. Die Kisten wurden ja schon von Friedemann durchsucht, ohne einen Fund. Dann tauchen angeblich doch noch 3 weitere Kisten auf, welche verabredet von gleich 3 Personen (Zeugen) durchsucht wurden. In der dritten Kiste dann der große Fund mit Marken und Bedarfsbriefen.
Kurz zuvor hatte Denhardt Junior bereits Markenbestände an Ph. Kossack verkauft und einem der Zeugen gebeten für ihn 300 Marken zu verkaufen. [Mit Kossack lief später ein Prozess, vielleicht könnten diese Akten, falls sie noch existieren, weiteren Aufschluss geben.]
Die echten Briefe seines Vaters wurden nachträglich mit den Marken beklebt und abgestempelt. Im Beitrag von Olaf Halle wird auch erwähnt, dass die Alterung der Marken nicht zu den gealterten Briefumschlägen passt.
Was spricht gegen diese Theorie?
Viele Grüße
Bernhard
@ bernhard [#84]
Hallo Bernhard,
bzgl. der Anzahl und Art der durchsuchten Kisten gehen die Meinungen auseinander. Laut Friedemann wäre alles durchsucht worden, laut Denhardt jun. waren es nur drei bzw. vier Kisten gewesen, bevor er Friedemann rausgeschmissen hat. Zumindest haben Lerche und der ebenfalls anwesende Erich Boden vor Gericht (ebenfalls unter Eid) ausgesagt, dass die verbliebenen Kisten unberührt gewesen wären. Und warum hätte der Junior die Marken noch in den Kisten verstecken sollen? Er hatte ja schon Marken im Bankschließfach gefunden. Die Anzahl der dort gefundenen Marken ist tatsächlich unbekannt. Von diesen hat Junior etwa 450 wegen eines bestehenden Vertrags an Kossack abgeben müssen (nicht verkauft). Kosack hat aus Kulanz aber 500 RM gezahlt. Lerche hat dann darauf gedrungen, dass alle Marken für 10.000 RM zurückgekauft wurden, weil darunter auch einige Nachdrucke waren, die im Geldschrank im Haus gewesen waren.
Denkbar wäre aber tatsächlich, dass Denhardt jun. noch die Entwertungsstempel im Bankschließfach gefunden hat und einige Briefstücke und Briefe „nachfrankiert“ hat. Das lasse ich gerade durch die materialtechnische Untersuchung prüfen. Ansonsten müsste man mal die Briefe im Original betrachten. Dass einige Briefe evtl. nachträglich manipuliert wurden, bedeutet aber nicht, dass das bei allen Briefen der Fall war.
Insgesamt gab es durch die Witu-Marken eine ganze Reihe von Prozessen, aber wie gesagt, haben sich nur zwei mit der Frage beschäftigt, ob es die Marken wirklich gab oder nicht. Die anderen drehten sich nur um finanzielle Aspekte.
@ Wituland [#85]
Hallo Wituland,
du scheint nicht genau verstanden zu haben worauf ich hinaus wollte. Der ganze Sensations-Fund wurde von Denhardt jr. inziniert. Erst daraufhin fing doch der ganze Rummel um diese Marken an.
Ja, selbstverständlich wurden alle Kisten durchsucht. Plötzlich tauchten dann aber doch noch 3 weitere auf (ist doch sehr vedächtig). Die lassen sich mit dem vohandenen Staub im Speicher auch gut präparieren. Dann die 3 Zeugen (auch sehr verdächtig), auch nicht ausgeschlossen das einer davon in der Sache involviert war.
Ich bin gespannt was bei dieser materialtechnischen Untersuchung herauskommt. Inzwischen konnten die verschiedenen Papiere ja schon 95 Jahre gemeinsam altern. Ich weiß nicht wie viel Aufwand in diese Untersuchung gesteckt wird. Wird sicherlich auch nicht billig werden.
Viele Grüße
Bernhard
@ bernhard [#86]
Nochmal: Er hatte keinen Grund, das zu "inszenieren". Er hätte die Marken einfach auf den Tisch legen können, oder sagen können, sie wären alle im Bankschließfach gewesen. Fertig. Gleicher Effekt. Er war nur an Geld interessiert und hatte sicherlich keinen Sinn für dramatische Inszenierungen à la Indiana Jones mit vorgetäuschten, präparierten Kisten.
Und die Marken an sich hat er sicherlich nicht hergestellt. Dazu hätte er technisch nicht die Möglichkeiten gehabt. Wie gesagt, über die Entwertungsstempel können wir diskutieren.
Wir sollten jetzt auch nicht anfangen, ganz wilde Verschwörungstheorien zu kreieren.
@ Wituland [#87]
Hallo Wituland,
du musst ja nicht meiner Meinung sein. Ich sehe da auf alle Fälle große Unterschiede.
- das Interesse und somit der Wert hätte sich nicht so entwickelt. Eine gute und glaubwürdige Geschichte trägt erst dazu bei. So hatte er Leute die Zeugnis ablegen konnten, die Geschichte selbst entdeckten und bestätigen konnten.
- es wäre der Verdacht aufgekommen, dass er diese Briefe selbst produziert/verändert hat. So brauchte er sich keiner Rechtfertigung stellen und vielleicht wollte er dies auch auf jeden Fall vermeiden. Er hat ja nichts gefunden, dass waren andere!
- niemand hätte diese nichtvorhandene Story veröffentlicht und so das Interesse geweckt. Es gäbe keine unabhängigen Zeugen dazu.
Viele Grüße
Bernhard
@ bernhard [#88]
@ Wituland [#87]
Eine "Geschichte" rund um solche Sachen macht sich immer gut und bringt den einen oder anderen Kritiker zum Schweigen. Natürlich hätten die Exponate einfach so auf den Tisch gelegt werden können, aber so mit drei weiteren Kisten, die noch aufgetaucht sind, klingt alles doch viel plausibler.
Nur um ein weiteres Bespiel zu nennen:
https://www.sueddeutsche.de/kultur/kunstfaelscherskandal-helene-singt-1.1153232
Auch die Beltracchis haben zu den erfundenen Kunstwerken jeweils eine Geschichte initiiert und hatten großen Erfolg damit. Ohne die Geschichten wären Sachverständige viel kritischer an eine Prüfung herangegangen.
Ich bin deshalb deutlich näher an der Darstellung von Bernhard.
@ bernhard [#88]
Nur, um das noch mal ins Gedächtnis zu rufen: Die Marken haben auch schon vor 1929 existiert, denn Denhardt hatte schon 1892 angefangen, diese zu verschenken. Und das waren nicht die Steindrucke! Die Geschichte war also schon da und die Nachfrage auch, eine so aufwändige Rahmengeschichte zu stricken, wäre also absolut nicht nötig gewesen. Kosack hat bereits versucht, ALLE Marken zu erwerben BEVOR der Dachbodenfund stattfand. Der Dachbodenfund hat die Geschichte bzw. die Preise auch nicht beeinflusst oder gesteigert.
1889: Das war auch die Zeit der Privatpost im Kaiserreich.
Auch dort wurden fleißig Marken produziert, die am tatsächlichen Postbedarf vorbeigingen. So zum Beispiel auch hohe Nominalen in Goldmark in Kleinstädten.
Angeblich dienten sie der Begleichung von Massenauflieferungen von Drucksachen. Ich persönlich sehe da eher eine kreative Form der Geldschöpfung.
Bei Witu nehme ich das auch an. Es gibt da zu viele Ungereimtheiten und Merkwürdigkeiten.
Viele Grüße
Thomas
@ bernhard [#71]
Hallo Bernhard,
ich habe auch nochmal konkret für die entsprechenden Akten beim Bundesarchiv nachgefragt: Man darf die Akten sogar in eigenen Publikationen als Abbildungen verwenden, muss allerdings eine entsprechende Quellenangabe angeben.
Hallo zusammen,
da sich längere Zeit nichts getan hat, ein kurzes Update von mir:
- das Ergebnis der Materialprüfung ist da
- ich konnte eine Kopie der Briefe bekommen, die Baron v. Uexküll in seinem Artikel erwähnt hat
- ich konnte die Kopie eines interessanten Briefes des Farmers Friedrich bekommen, den er im Juli 1889 geschrieben hat.
Demnächst mehr.
Eigentlich wäre ich mit meiner Arbeit soweit fertig gewesen, aber es hat sich eine weitere Quelle im Ausland aufgetan, die ich gerne noch mit einbeziehen würde.
Die Veröffentlichung wird sich daher leider noch etwas verzögern.
@ Wituland [#94]
Die Postkarte auf der Titelseite gefällt mir! ;-)
Grüße
Harald
@ saeckingen [#95]
Ja, ohne die wäre es ja gar nicht gegangen. ;-)
Ich bräuchte nochmals eine Expertise: Ich bin ich auf eine Reihe von Marken gestoßen, die ein mattes Druckbild aufweisen, ähnlich der von Lerche seinerzeit beschriebenen Nachdrucke im Steindruckverfahren. Da das verwendete Papier aber stimmt und unter dem Mikroskop an den Markenrändern zarte Quetschränder zu erkennen sind, weiß ich nicht, ob es wirklich Steindrucke sind.
Da ich allerdings bezgl. der Druckverfahren keinerlei Erfahrung habe, würde mich eure Meinung interessieren.
Der matte Druck links, der „normale“ rechts:


Vergrößerung der Marke mit dem matten Druck:

Zum Vergleich eine Vergrößerung des glänzenden Drucks:
Hallo zusammen,
da sich längere Zeit nichts getan hat und ich um ein paar sehr interessante Quellen reicher bin (darunter auch das von Schrey erwähnte Gutachten von Dr. Klemm und Informationen zur Entstehung der Malakote-Marken), kann ich sagen, dass die Suaheli-Marken nie Gegenstand von Schadensersatzansprüchen der Gebrüder Denhardt waren oder sein sollten. Dagegen sollten die Malakote-Marken nie Teil eines funktionierenden Postwesens sein, sondern Teil der Schadensersatzforderungen bzw. eine zusätzliche Einnahmequelle.
Woher die Idee dafür stammte, ob von den Gebr. Senf oder den Denhardts, ist allerdings widersprüchlich. Die Motive dahinter hatten aber nichts mit den Suaheli-Marken zu tun, so dass es hier keine Parallelen gibt.
@ Wituland [#98]
Hallo Witland,
kommst du auch auf ein abschließendes Ergebnis? Ich pesönlich bin da sehr skeptisch, die ganzen Bestände und Belege sprechen m.E. eher dagegen.
Natürlich hast du die größere Expertise für dieses Marken, doch glaube ich, dass du hier möglicherweise in diesem Thema befangen bist.
Viele Grüße
Bernhard
@ bernhard [#99]
Hallo Bernhard,
wenn du meinst, ob es ein Dokument gibt, das abschließend beweist, ob es die Suaheli-Post gegeben hat oder nicht, dann muss ich klar sagen: Nein, so ein Dokument gibt es nicht. Ich habe mich im letzten Jahr durch tausende Seiten Akten und Briefe gewühlt, und komme für mich auch zu einem abschließenden Ergebnis. Letztendlich kann ich nur die Fakten präsentieren (mit Quellenverweis) und muss es jedem selbst überlassen, sich ein Urteil zu bilden.
Und genau das ist das Problem in dem bisherigen Umgang mit diesem Thema, dass nämlich nur bestimmte Fakten in einem Artikel beschrieben werden und die gegenteilig lautenden weggelassen werden. Leider bildet da auch der Artikel von Schrey keine Ausnahme. So gibt es beispielsweise noch zwei weitere Gutachten von Druckfarben-Fachleuten, die im Rahmen des zweiten Suaheliprozesses die Marken untersucht haben und zu einem anderen Ergebnis wie Dr. Klemm kamen.
Hallo zusammen,
beim durchforsten von phil. Literatur gefunden:

Tribuna Filatelistu, 1938
Übersetzung von ChatGPT:
"SNAD ENDLICH WIRKLICH ZU ENDE
Über das Land Suahéland haben wir schon mehrmals geschrieben; wir hoffen, dass dies diesmal die letzte Notiz ist, die wir dieser fantastischen Kolonie widmen.
Der Streit, der sich seit vielen Jahren zwischen dem Brünner Handelshaus E. Behrens & Co. und den Kaufleuten Kossak und Friedmann über diese „Briefmarken“ hinzieht, ist nun beendet. Im Grunde ging es nur darum, ob die Erzeugnisse zur Denhardt-Ausgabe als echte Marken angesehen werden können. Für jeden Philatelisten, der einen gesunden Menschenverstand benutzt, war klar: nein. Zweifel wurden lediglich von Philatelisten ohne Fachkenntnis geweckt und unterstützt, deren offensichtliche Unkenntnis der Philatelie die Seriosität der Philatelie beschädigen konnte.
Nun hat die Mehrheit der Experten entschieden, dass die Marken des Landes Suahéland völlig wertlos sind. Bezeichnend für die ganze Geschichte ist, dass auch L. Senf aus Leipzig sich den Experten anschloss und die Existenz dieser Marken zugab, obwohl er in der Vergangenheit in einer ausführlichen Studie in allen Zeitschriften und in seinem Katalog ganze Seiten diesen Marken gewidmet hatte. Auch der Ankauf dieser Marken war eines seiner sehr interessanten Geschäfte.
Das nennt man in der Philatelie: Theorie und Praxis."
Noch meine persönliche Meinung zur Ausgabe: Mag sein, dass diese Ausgabe wirklich existiert hat. Doch die bei Denhardt gefunden Marken wurden allesamt erst spaeter erzeugt.
Viele Grüße
Bernhard
@ Richard [#102]
Für mich ist es ein weiterer Hinweis darauf, dass diese Marken nicht koscher sind. Durchweg alle dieser „bedarfsmäßigen“ Briefstücke auf weißem Papier, ohne jede Spur von tropischem Klima oder rauer Beförderung – auch wenn es sich nur um Fotografien handelt. Wie kamen diese vielen weißen Briefstücke allesamt in die Hände von Denhardt?
Viele Grüße
Bernhard
Hallo Wituland,
Hast du dieses Literatur im English:
The Witu Sultanate – a Response
Farley P Katz
THE LONDON PHILATELIST JANUARY–FEBRUARY 2019
Wituland Revisited
Farley P. Katz
THE LONDON PHILATELIST DECEMBER 2021
Ich habe diese im PDF kann es hier nicht im Beitrag hinzufugen, aber wohl mailen wenn interessant. Vor allem das zweite Document ist interessant.
Grusse,
Jean-Paul
@ Richard [#102]
@ jpvde [#104]
Hallo Richard,
vielen Dank für die Bilder. Die "Atteste" stammen von Lerche, Richter und Walter Behrens. Ich habe bis jetzt noch nie eine so frühe Sammlung gesehen. Wäre es möglich, diese Bilder in besserer Auflösung zu bekommen, so dass man die Stempeldaten erkennen kann?
Hallo Jean Paul,
auch dir vielen Dank für den Hinweis. Beide Dokumente sind irgendwo im Internet verfügbar, vielleicht würde ein Link dorthin genügen? Besonders das zweite Dokument ist sehr lesenswert, wobei auch da ein paar Sachverhalte nicht richtig dargestellt werden.
Viele Grüße
Wituland
@ Wituland [#105]
Hallo Wituland,
bessere Bilder waren nicht zu bekommen, ich bin froh, diese zeigen zu können.
Wenn Du mehr Informationen über die Prüfer hast (Vornamen, Prüfung welcher Marken und Gebiete, in welcher Prüfervereinigung und von wann bis wenn als Prüfer tätig) dann schreibe sie bitte hier ins Forum, sie sind für die Atteste Datenbank.
Schöne Grüsse, Richard
@ jpvde [#104]
@ Wituland [#105]
Die beiden Ausgaben des London Philatelist können hier zum Download als pdf bezogen werden:
https://www.rpsl.org.uk/The_London_Philatelist/LP_Digital_Edition
Für Nichtmitglieder der Royal Philatelic Society London kostet dies 4 GBP je Ausgabe.
@ Wituland [#109]
Ich würde ja gerne mal fragen, wie ist Dein Fazit?
350 Seiten zu diesem sehr engen Thema sind sehr beeindruckend.
Wann und wo wird das Buch erscheinen und wie ist es zu beziehen?
Beste Grüße
Harald
@ saeckingen [#110]
Hallo Harald,
in dem Buch wird ja nicht nur die Postgeschichte beleuchtet, sondern auch das Leben der Brüder Denhardt. Und das war ja alles andere als langweilig, ebenso wie die Diskussion um die Witu-Marken. Das Buch kann etwa ab nächste Woche über eBay oder Philabuch bezogen werden.
Was ist nun mein Fazit?
Genau wie Schrey seinerzeit denke ich, dass es tatsächlich eine Post in Witu gegeben hat, aber ... viele der heute angebotenen Briefstücke wurden nachträglich hergestellt.
Schreys These stützte sich im Wesentlichen auf zwei Behauptungen:
1. Clemens Denhardt war der Initiator des ersten Artikels im "Illustrierten Briefmarken Journal" von 1892
2. Die Handstempeldrucke wurden mit "geschönter Doppeltonfarbe" hergestellt, die erst ab etwa 1900 verfügbar war.
Beide Behauptungen sind aber falsch.
@ Wituland [#111]
Habe es soeben bei eBay [1] gekauft!
Bin gespannt, was Du da so alles zusammenbekommen hast.
Grüße
Harald
[1]
https://www.ebay.de/itm/336462674708
@ Wituland [#109]
Wow, spannend! Ich habe das Buch auch schon bestellt.
@ Wituland [#111]
Ich habe ein Exemplar eben hier im Philaseiten-Portal bei Philabuch bestellt [1] ;-)
Gruß
Stefan
[1]
https://philaseiten.de/philabuch/show/424
Beim Auktionshaus Cherrystone wird demnächst ein größerer Posten Witu-Marken versteigert, allerdings dürften die meisten dort angebotenen Marken moderne Fälschungen sein. Leider lässt sich das anhand der eingestellten Bilder nicht definitiv sagen.
https://www.philasearch.com/de/cat/12710_13/lots?treeparent=COGRP-1&postype=PH&page=3
Die Cherrystone-Auktion ist zwar noch nicht vorbei, doch ziemlich alle Witu-Marken wurden bereits verkauft. Hier ein paar meiner persönlichen Highlights:
Drei Briefe, versehen
mit neuzeitlich gefälschten Marken und Stempel, verkauft für 1.200 Dollar:
https://www.philasearch.com/de/cat/0/lot/13-A20260324-440?set_anbieter=0&suchid=319444

Ein weiterer Brief mit denselben Merkmalen, verkauft für 750 Dollar:
https://www.philasearch.com/de/cat/0/lot/13-A20260324-447?set_anbieter=0&suchid=319444

Eine Sammlung von ungebrauchten Witu-Marken, bei denen ich schon aufgrund der teilweise abweichenden Papierfarben sehr große Zweifel an der Echtheit habe, verkauft für 4.750 Dollar (!):
https://www.philasearch.com/de/cat/0/lot/13-A20260324-437?set_anbieter=0&suchid=319444


[Attest redaktionell eingefügt. Achtung, nicht jedes Attest hat eine gleich gute Qualität !]
Auf den Zetteln steht, Certificate Eichele. Also Prüfstelle Basel, wie anders.
Wenn man etwas falsches hat = schicken nach Prüfstelle Basel = groBe Chance etwas kommt als Echt zurück oder teure Variante etc.
Für mich sehen die Briefe aus als ob die Gestern produziert sind.
Ich habe mittlerweile Herrn Eichele mal mit diesem „Attest“ konfrontiert und wollte wissen, wie und anhand welcher Kriterien er die Marken seinerzeit geprüft hat. Leider ist er der Frage immer wieder ausgewichen, um schließlich sinngemäß die Gegenfrage zu stellen, ob Fälschungen von Phantasieprodukten auch wieder Fälschung seien bzw. ob man zwischen guten und schlechten Fälschungen unterscheiden müsse. Nach dem Motto: Minus mal Minus gibt auch Plus bzw. „echt und einwandfrei“.
@ Wituland [#118]
Eichele Atteste sind durchaus brauchbar. Die Rückseiten eignen sich bestens als Notizzettel.
Offenbar hat das Auktionshaus Götz einen Großteil der bei der Cherrystone-Auktion angebotenen Witu-Marken aufgekauft und bietet diese nun wiederum auf seiner nächsten Auktion an. Besonderes Highlight ist ein angeblich kompletter Satz gestempelter Witu-Marken, der bei Cherrystone für 4.750 $ verkauft wurde (Los 438) und jetzt mit einem Startgebot von 6.000€ angeboten wird (Los 4455):
https://www.philasearch.com/de/cat/0/lot/9383-A415-4455?set_anbieter=0&suchid=319444
Abgesehen von den falschen Stempelabschlägen fallen auch hier die abweichenden Papierfarben auf. So fehlen die unterschiedlichen Blautöne der 7 und 8 Pesa-Marken, das Grün der 3/4 und 1 Rupien-Marken und das Rosarot der 4 Pesa-Marke.
Hier ein Beispielbild der Cherrystone-Auktion:
Nachdem der oben erwähnte Posten nicht verkauft wurde, versucht es das Auktionshaus Götz in seiner nächsten Auktion erneut:
https://www.philasearch.com/de/cat/0/lot/9383-A416-4435?suchtext=Witu&search_type=fulltext&pictureview=gallery&postype=auction&set_anbieter=0
Ebenfalls im Angebot: Zwei Blöcke, leider ebenfalls moderne Fälschungen:


Einzig bei dem angebotenen Kehrdruckpaar wirken zumindest die Marken echt. Der Stempel erscheint mir aufgrund der Stempelfarbe dagegen ebenfalls fraglich:
https://www.philasearch.com/de/cat/0/lot/9383-A416-4437?suchtext=Witu&search_type=fulltext&pictureview=gallery&postype=auction&set_anbieter=0
@ Wituland [#121]
Die Redaktion ergänzt Informationen zum Angebot:
416. Götz Auktion, 24.-27.08.2026:
Los 4435 Deutsche Kolonien Witu Schutzgebiet, Michel 1/60, D1/36
Beschreibung
Witu-Schutzgebiet, komplette Sammlung aller 60 verschiedener Marken sowie 36 Dienstmarken, lediglich Nr. 14 (*), ansonsten sauber #, teils auf herrlichen Briefstücken mit oftmals unterschiedlichen Entwertungen, darunter Ortsstempel, stumme Stempel usw. Auf Grund der geringen Auflage von teils nur einigen Exemplaren sind komplette Sammlung in gebrauchter Erhaltung heutzutage nur noch schwer zusammenzutragen u. stellen auch geschlossen eine grosse Seltenheit der Kolonialzeit dar! Mi. über 20.000,- €
Ausruf 6.000 Euro, Gebotsabgabe bis 25.08.2027