Nachfolgend zwei von wenigen Belegen zur Lokalausgabe Cottbus, welche man als Bedarfspost bezeichnen kann. Zwei Postkarten mit Absenderangabe „Postamt Cottbus“ vom 12.3. und 23.3.1946 an Marken-Interessenten. Anfangs ohne Dienstsiegel, später mit Dienstsiegel des Postamtes Cottbus. Die Marken, und sicher auch die gedruckten Postkarten dazu, wurden vermutlich von der Stadtverwaltung gestellt. Später gab es solche gedruckten Karten auch mit der Absenderangabe „Stadtverwaltung Cottbus“. Die Karten mit Cottbus-Marken dienten sicherlich gleichzeitig der Werbung. Philatelistische Bedarfspost wäre vielleicht zutreffender.

Cottbus 3 a, 12.3.1946

Cottbus 3, 23.3.1946
Hintergrund: Wegen leerer Stadtkasse und großer Aufgaben beschloss die Stadt Cottbus bereits im September 1945 Marken zugunsten des Wiederaufbaus herauszubringen. Der Oberlandrat von Cottbus und die Provinzialverwaltung der Mark Brandenburg genehmigen und unterstützten den Vorschlag. Anfang November 1945 beantragt die Stadt Cottbus bei der Zentralverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen in der SBZ (ZVPF) in Berlin, Sondermarken mit einem Aufbauzuschlag herausgeben zu dürfen, um den Notstand bei den städtischen Finanzen zu beheben. Am 9. November 1945 genehmigte die ZVPF diesen Antrag unter Bedingungen (Genehmigung Stadtkommandant; Vorsichtsmaßnahmen bei Druck der Marken; Vertrieb nur durch das PA Cottbus usw.).
Wegen Nichteinhaltens dieser Bedingungen seitens der Stadt Cottbus, zieht die ZVPF die Genehmigung wieder zurück und verbietet den Verkauf (21. Januar 1946). Der angelaufene Verkauf drohte nun für die Stadt Cottbus zum Fiasko zu werden. Welcher Händler und Sammler wollte schon nicht frankaturgültige Spendenmarken mit hohen Zuschlägen kaufen?
Es ging um Millionen. Der Oberlandrat und die Provinzialverwaltung schalteten sich mit ein, der Streit wurde politisch. Zudem wurde mit Tricks und Irreführungen gearbeitet. Unter dem Druck gab die ZPVW nach, die Verwendung der Aufbaumarken wurde am 15. Februar 1946 erlaubt. Die Wiederbauausgaben der Stadt Cottbus gelten somit offiziell als amtliche Postwertzeichen, obwohl das PA Cottbus die Marken laut W. Strobel nie am Schalter verkaufte. Es wird zwar ein geringer Teil der Auflage am 19.1.1946 an das Postamt Cottbus geliefert, doch die ZVPF verbietet am 21.1.1946 den Verkauf der Marken.
Literatur: Wolfgang Strobel: Neues zu „Cottbus“. DBZ 20 bis 22/1993
Viele Grüße
Bernhard