Thema:
Der Erste Weltkrieg als Motiv
Das allererste Mal mit dem Ersten Weltkrieg beschäftigt habe ich mich als etwa 10-jähriger Junge Mitte der Achtziger, denn damals erhielt ich in einer Apotheke im Nachbarort das Sammelbilder-Album
WELTKRIEGE WARUM? von Johannes Niemann, illustriert von Werner Schicke und verlegt beim Herba-Verlag. Obwohl es deutlich näher gelegene Apotheken gab, fuhr ich ab dem Moment stets mit jedem Rezept mit dem Fahrrad zu besagter Apotheke. Das Album hat mich fasziniert, und ich habe es sogar voll bekommen. Leider ging es später verloren, inzwischen konnte ich aber ein "neues" erwerben.
Zeitsprung nach vorne. Jahrzehnte später habe ich angefangen, Feldpost aus dem Ersten Weltkrieg zu sammeln. Ohne großes Konzept, einziges Ziel ist es, irgendwann einen Beleg von jedem Tag des Krieges zu haben. Sehr schnell kamen zu den üblichen Postkarten-Motiven (alle möglichen Orte, Patriotika, was auch immer) erste Postkarten, die mich zunächst etwas geschockt haben. Enthielten sie doch Bilder, die nicht etwa unzerstörte Städte zeigten oder einfache (Gruppen-) Fotos von Soldaten, sondern recht schonungslos den Kriegsalltag.
Soldatengräber, zerschossene Dörfer und verwüstete Wälder sind da noch vergleichsweise harmlos, andere Postkarten zeigten durchaus auch teils schwer Verwundete und sogar Tote. Die Bilder als solche haben mich dabei weniger schockiert, ich hatte bereits genug solcher Sachen in Büchern oder Dokumentationen gesehen, und das nicht nur aus dem Ersten Weltkrieg, sondern natürlich auch aus späteren Kriegen, also auch in Farbe und in besserer Qualität.
Schockierend und befremdlich fand ich, dass solche Motive völlig normal gewesen zu sein scheinen. Die Vorstellung, Soldat zu sein und meiner Frau, meinen Kindern solche Bilder zu schicken ist mir bis heute fremd. Damals aber scheint das normal gewesen zu sein, denn die meisten Karten mit dieser Art Motiv sind keine privaten, selbst gemachten, sondern von Verlagen gedruckte.
In diesem Thread möchte ich solche Karten aus meiner Sammlung zeigen, teils gelaufen, teils nicht. Neben diesen Motiven werde ich aber auch solche zeigen, die den Frontalltag illustrieren, also Bilder von Unterständen, Schützengräben und ähnlichem. Im Vordergrund steht hier also die Bildseite, nicht die Beförderung. Und freilich würde ich mir wünschen, dass jeder, der entsprechendes Material hat, dies auch hier zeigt.
Den Anfang mache ich mit einem vergleichsweise harmlosen Motiv. Es zeigt Reste des im Krieg fast völlig zerstörten Dorfes Parroy im Département Meurthe-et-Moselle, Frankreich. Der Ort muss recht klein gewesen sein, laut Wikipedia hatte er 1946 204, 2019 sogar nur noch 175 Einwohner. Die Karte wurde am 07.12.1916 von einem Rosenheimer Landsturmmann in die Heimat gesandt. Interessant finde ich, dass dieses Motiv laut Anschriftenseite
Vom stellv. Generalstab zur Veröffentlichung zugelassen war, eine Aussage, die wir hier noch öfter sehen werden. Andere, deutlich schlimmere Motive habe ich auch ohne diesen Zulassungsvermerk gefunden. Es ging dabei wohl mutmaßlich weniger um Pietät.
Hallo zusammen
Das Attentat von Sarajevo auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau durch einen nationalistischen Serben am 28. Juni 1914 gilt als Auslöser für den Ersten Weltkrieg. In Wien drängte das Militär auf einen schnellen Vergeltungsschlag gegen Serbien. Das Deutsche Reich sicherte Österreich-Ungarn die uneingeschränkte Bündnistreue gegenüber der Donaumonarchie zu. Am 28. Juli erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg, Russland machte ebenfalls teilmobil. Am 30. Juli waren sowohl Russland als auch Österreich-Ungarn im Kriegszustand. Am 1. August 1914 erklärte das Deutsche Reich dem russischen Zarenreich den Krieg. Mit dem Einmarsch deutscher Truppen am 2. August in Luxemburg und am 3. August in Belgien begann für die Deutschen der Erste Weltkrieg.[1]
Aus meinem Familienfundus eine Feldpost-Karte vom 29.9.1914 aus Breslau. Bemerkenswert, dass offenbar kurz nach Kriegseintritt bereits Karten (Serien?) zum Weltkrieg 1914 veröffentlicht und offenbar gerne benutzt wurden. Hier z.B. die Einnahme der Festung Longwy.

Die Schlacht bei Longwy vom 22. bis 25. August 1914 war eine der sogenannten Grenzschlachten des Ersten Weltkrieges. [2]
Mit nachdenklichen Grüßen
Edwin
[1]
https://www.lpb-bw.de/erster-weltkrieg-zusammenfassung#c22052
[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Longwy
@ epem7081 [#2]
Für das Deutsche Reich begann der Krieg ohne Kriegserklärung am 1. August 1914 mit dem Einmarsch russischer Truppen in Ostpreußen (Lyck). Erst am 3. August erklärten das Deutsche Reich, Frankreich und England im Abstand von 5 Minuten Kriegserklärungen.
Ich weiß nicht, warum derartige Märchen Bestand haben.
Regis
@ Regis [#3]
Bevor um Daten gestritten wird, hier [1] eine seriöse Quelle:
Da steht zum Beispiel:
15. August 1914: Zwei russische Armeen mit insgesamt 650.000 Mann dringen in Ostpreußen ein.
Habt alle einen schönen Wochenanfang
Günther
[1]
https://www.mdr.de/geschichte/weitere-epochen/erster-weltkrieg/verlauf-chronik-chronologie-100.html
@ Regis [#3]
Ich empfehle sehr, sich an gesicherte und extrem leicht nachvollziehbare Fakten zu halten. Alternative Geschichte gehört nicht in ein seriöses Forum. Und ich frage mich wirklich, warum ausgerechnet hier, wo doch einige historisch interessierte und versierte Menschen unterwegs sind, jemand versucht, eine so abstruse "Theorie" zu verbreiten.
_______________________________________________________________________________________________________________________
Heute zeige ich eine Karte, die am 11.02.1917 aus dem Feld in die Heimat (Rosenheim) geschickt wurde. Bildseitig sehen wir den
Ausblick vom ersten Schützengraben auf die letzten Reste eines Birkenwaldes an der Somme. An diesem Fluss fand ab dem 01.07.1916 eine der größten Schlachten des Krieges statt, die im November abgebrochen wurde, ohne dass sich die Lage nennenswert geändert hatte. Außer natürlich für die über eine Million Toten und die vielen Verwundeten. Vorbereitet wurde die Schlacht mit einem Trommelfeuer der Britten, dessen Ziel es war, die deutschen Linien sturmreif zu schießen. Dabei entstand die auf der Postkarte zu erahnende, völlig verwüstete Landschaft. Spuren dieser Schlacht findet man bis heute, zum Beispiel den gewaltigen Lochnagar-Krater bei La Boisselle, der von einer Mine herrührt.

Ab hier folgt eine persönliche Meinung, ohne jede historische oder politische Bedeutung, ohne Bezug zu heutigen Konflikten: Für mich ist es bis heute unbegreiflich, dass auf allen Seiten die Soldaten dieses Schlachten mitgemacht haben. Gerade an der Westfront, wo man sich teils in Rufweite vier Jahre lang gegenüber lag und Schlacht um Schlacht unfassbare Opferzahlen produzierte, sonst aber kaum etwas erreichte. Dass die einfachen Soldaten nicht einfach irgendwann ihre eigenen Offiziere erschossen haben und nach hause gingen, anstatt weiter in Gräben zu hocken, die zum Teil aus den Leichen der eigenen Kameraden bestanden. Dabei war ja durchaus vielen klar, dass man mit dem Soldaten gegenüber mehr gemeinsam hatte als mit denen, die die Befehle gaben. Ein Gespräch darüber findet sich z.B. in dem großartigen Roman
Im Westen nichts neues von Erich Maria Remarque. Natürlich weiß ich, dass die Meinungen zum Krieg auch unter den Soldaten alles andere als homogen waren, aber verstehen im Sinne von nachempfinden kann ich das nicht. Menschen sind seltsame Wesen. Mich selbst ausdrücklich eingeschlossen.
@ reichswolf [#1]
Hallo Christoph und alle Leser,
seht auch mal hier [1]
Habt eine erfolgreiche neue Woche
Günther
[1]
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?CP=0&F=1&ST=2365&full=1
Da ich in zwei Wochen für drei Tage in Ypern bin, um dort das Museum
In Flanders Fields, die Menenpoort und einen oder zwei der zahlreichen Soldatenfriedhöfe zu besuchen, möchte ich heute zwei ungelaufene (bzw. wahrscheinlich im Briefumschlag versandte) Karten aus dem Bezirk Ypern zeigen. Beide zeigen Ansichten des zerstörten Ortes St. Julien, heute ein Teil der Gemeinde Langemark-Poelkapelle. Wen die Geschichte des Ersten Weltkrieges auch nur ansatzweise interessiert, wird diese Ortsnamen alle schon gehört haben.
Die erste Karte zeigt das Dorf
St. Julien bei Ypern - vom feindlichen Feuer zerstört. Durch diese Beschriftung der Karte wird sie freilich von einem reinen Dokument der Zerstörung zu einem Mittel der Propaganda, denn unabhängig davon, wessen Granaten genau für die zu sehenden Schäden direkt verantwortlich sind, liegt doch die eigentliche Ursache dafür im völkerrechtswidrigen Überfall der Deutschen auf Belgien. Rückseitig schickt der Absender
Beste Grüße aus Feindesland und setzt dazu
Bitte Antwort ob Ihr diese Karte bekommen habt.

Für die zweite Karte mit dem Motiv
Kirche zu St. Julien von Engländern und Franzosen zerschossen gilt das gleiche, was ich zur ersten geschrieben habe. Diese allerdings ist rückseitig handschriftlich auf den 06.08.1916 datiert. Damit ist sie (bzw. ihre Verwendung) zeitlich nach der Zweiten Flandernschlacht einzuordnen, einer Schlacht in deren Verlauf der Ort von den Deutschen erobert wurde, wobei zum ersten Mal gesichert Chlorgas als Waffe eingesetzt wurde.
Allgemein wird dieser Einsatz am 22.04.1915 als Anfang des Gaskrieges bezeichnet. Da dieser Einsatz durch die Haager Landkriegsordnung eigentlich verboten war (Artikel 23) und somit ein weiteres deutsches Kriegsverbrechen darstellt, empfinde eine Karte vom Ort des Verbrechens, auf der den Verteidigern des Ortes dessen Zerstörung angelastet wird, als besonders zynisch.
Auf dieser Karte findet sich neben dem Datum nur noch ein
Gruß an Mutter!

Ich bin aktuell ziemlich eingeschränkt, was meine zeitlichen Ressourcen angeht, daher kann ich nicht versprechen, dass es hier von meiner Seite morgen weitergeht, aber auf jeden Fall werden auch meine nächsten Karten aus St. Julien kommen. Und auch danach werde ich die Umgebung von Ypern weiter thematisieren.
Die nächste Karte zeigt, ähnlich wie die letzte, die
Kirche und Umgebung St. Julien, von Engländern und Franzosen zerschossen. Sie wurde, auch das wie die obige, von der
Nordischen Kunstanstalt Ernst Schmidt & Co (Lübeck) herausgegeben, wie das kleine Logo
NK ESC oben rechts auf der Anschriftenseite zeigt. Auch meine Bewertung der Aussage auf der Bildseite ist natürlich die gleiche.
Auch diese Karte scheint im Umschlag versandt worden zu sein. Der Text des Absenders ist wieder nur ein
Gruß an Joseph und das dazugesetzte Datum 06.08.1916.

Die nächste Karte ist besonders im Vergleich zur letzten interessant, zeigt sie doch das gleiche Motiv, nur dass es diesmal Nacht zu sein scheint. Standort und Blickwinkel der Kamera sind nach meinem Empfinden so exakt übereinstimmend, dass ich davon ausgehe, dass wir hier ein Beispiel für die bereits damals völlig normale Bildbearbeitung vor uns haben (ich bin übrigens auch nicht sicher, dass die Wolken auf der ersten Karte echt sind). Vielleicht sollte die Dunkelheit das Dramatische der Aufnahme betonen.
Hier ist deutlich mehr Text auf der Anschriftenseite zu finden, allerdings tue ich mich noch schwer mit der "Übersetzung". Damit es hier weitergeht, habe ich mich entschlossen, die Karte trotzdem schon heute zu zeigen, da sie vom Motiv her so gut passt.
@ epem7081 [#2]
Mit dem Einmarsch deutscher Truppen am 2. August in Luxemburg und am 3. August in Belgien begann für die Deutschen der Erste Weltkrieg.
Hallo Edwin,
das stimmt für Luxemburg nicht ganz. Am 1. August 1914 zerstörten deutsche Truppen die Gleise in Richtung Belgien im Bahnhof Ulflingen. Etwas später kam ein Offizier in einem Automobil an, dass die Truppen wieder zurückrief [1]. Am 2. August 1914 wurde Luxemburg dann von deutschen Truppen besetzt.
Das Bild im Anhang stammt von einer Maxiumkarte zum 100. Jubiläum der "Gelle Fra", die zur Ehren der luxemburgischen Kämpfer auf französischer Seite im 1. Weltkrieg errichtet wurde.
Beste Grüsse!
Lars
[1] Neutralité du Grand-Duché Pendant La Guerre de 1914-1918, Luxemburg, Januar 1919, Druckerei Victor Buck, Annex Seite 1 - in dem Annex sind die Briefe, Verlautbarungen und Telegramme im Original wiedergegeben
@ reichswolf [#8]
Heute hatte ich ein wenig Zeit und habe diese genutzt, um weiter an der "Übersetzung" zu arbeiten. Einige Worte bekomme ich aber einfach nicht heraus. Hier mein bisheriges Ergebnis:
"Was macht ?
noch. Was macht ?
jetzt. Von der Unterstützung
könnt Ihr doch nicht
leben bei dieser ?
Zeit. Seid Ihr mit der
Wohnung zufrieden.
Ich warte schon immer
auf einen Brief von
Euch und schreibt mal
recht bald.
Solange wir noch ?
gesund sind und ? noch."
Dann folgt quer dazu wohl eine Beschreibung der Bildseite:
"Das ist ein Dorf das liegt 1 1/2 Kilo-
meter hinter der Front, und
ich bin sehr oft hingekom-
men. Was Ihr noch seht ist der
? (ich vermute Rest) von der Kirche. Morgen
früh fahr ich um 4 Uhr noch mit
? (ich vermute Munition) hin. Mit Gruß
Euer Sohn Hermann"
Über Hilfe beim Füllen der Lücken würde ich mich freuen. Als Dankeschön vorab eine Karte mit dem
Bahnhof Langemarck, von Engländern und Franzosen zerschossen. Auch sie wurde von der Nordischen Kunstanstalt Ernst Schmidt & Co (Lübeck) verlegt. Der Ort erlangte traurige Berühmtheit durch die deutsche Propaganda, die behauptete, dass dort kriegsfreiwillige Schüler und Studenten
Deutschland, Deutschland über alles singend über das Schlachtfeld gegen den Gegner angerannt seien und einen wichtigen Sieg errungen hätten, wobei viele der jungen Soldaten gefallen seien. Zumindest das letzte stimmt wohl.
Beschrieben wurde die Karte vom selben Hermann wie die vier Karte aus [#7] und [#8], denn es findet sich ein
Gruß an ? und ?, wobei die Namen den ersten zwei Lücken im Text oben in umgekehrter Reihenfolge entsprechen. Auch diese Karte ist auf den 06.08.1916 datiert.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mythos_von_Langemarck
@ reichswolf [#10]
Hallo reichswolf,
ich lese:
Was macht Madsetlchen
noch. Was macht Maria
jetzt. Von der Unterstützung
könnt Ihr doch nicht
leben bei dieser Teuern
Zeit. Seid Ihr mit der
Wohnung zufrieden.
Ich warte schon immer
auf einen Brief von
Euch und schreibt mal
recht bald.
Solange wir noch
Gesund sind und Munter
Dann jetzt
weg(?)
Dann folgt quer dazu wohl eine Beschreibung der Bildseite:
"Das ist ein Dorf das liegt 1 1/2 Kilo-
meter hinter der Front, und
ich bin sehr oft hingekom-
men. Was Ihr noch seht ist der
Überrest von der Kirche. Morgen
früh fahr ich um 4 Uhr noch mit
Munition hin. Mit Gruß
Euer Sohn Hermann"
Der Gruß auf der nächsten Karte geht wieder an Maria und Madsetlchen
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#11]
Vielen lieben Dank! Zu welchem Namen ist denn Madsetlchen der Diminutiv?
Ich sollte so spät nichts mehr schreiben. Sonst kommt sowas heraus wie die vier Karte [sic!] :-(
@ reichswolf [#12]
Hallo reichswolf,
auch ich sollte besser nach Mitternacht nichts mehr übersetzen. Ich hatte den fraglichen Namen so angegeben, wie ich ihn auf der vollgeschriebenen Karte gelesen habe. Beim kurzen Gruß ist er viel sauberer geschrieben. Der Absender zieht das "r" sehr hoch, so dass es wie ein "d" aussieht.
Es heißt nicht Madsetlchen sondern Marsellchen.
Ich zietiere aus [1]:
Marsell - ein ausgesprochen seltener Name!
Zumindest in Deutschland wird der Name Marsell nur sehr selten vergeben. Tatsächlich finden sich in den deutschen Standesämtern pro Jahr höchstens eine Handvoll Einträge mit diesem Namen. Nicht einmal einer von 100.000 Jungen wird Marsell genannt.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://vornamen.blog/Marsell
Hallo zusammen,
hier eine "Ansichtskarte" von der "Fahrt nach Rußland" (lt. handschriftlichem Text). Auf der Bildseite
erbeutete Geschütze in Kowno, auf der Anschriftseite ein Deutscher Feldpoststempel vom 25.10.1917 sowie ein Briefstempel "Feldrekrutendepot, 7 Kompanie".


Beste Grüße
Ulrich
@ Lars Boettger [#9]
@ GSFreak [#14]
Danke euch fürs Mitmachen!
Ich mache mal weiter mit Ansichten aus Langemark. Beide Karten sind anschriftenseitig nicht beschriftet, beide stammen aber vom selben Verlag: E. Sauwald, Esslingen. Beide sind vom Verlag als Feldpostkarten / Postkarte bezeichnet, wobei mir die Reihenfolge der Nennungen bereits einen Hinweis auf die hauptsächliche Verwendung zu geben scheint. Ich zeige nur eine Anschriftenseite, da sie nun mal identisch sind. Interessant finde ich, dass die beiden Karten unterschiedliche Schreibweisen der Ortsbezeichnung zeigen, obwohl sie vom selben Verlag stammen. Die Webseite des Ortes schreibt den Namen ohne "c", mit "c" scheint mir eine rein deutsche Variante zu sein.
Die erste Karte zeigt eine Ortsansicht. Die fast völlige Zerstörung des Straßenzuges macht mir eine genauere Lokalisation unmöglich.

Die zweite Karte erklärt dem Betrachter einmal mehr, wer nach deutscher Lesart für das Unheil verantwortlich war und nennt
Langemarck. Ein Opfer der engl. Granaten. Gezeigt werden hier ein Teil des Friedhofes und die Kirche.

Weitere Karten aus Langemark werden folgen.
Wie angekündigt zeige ich zwei weitere Karten aus Langemark. Beide haben auf der Anschriftenseite nur waagerechte Linien für die Adresse und eine senkrechte zur Abtrennung des Nachrichtenteils. Daher zeige ich diese nicht.
Karte [#1] zeigt noch einmal die Kirche, aber aus einer anderen Perspektive.

Die zweite Karte ist die bisher drastischste Karte dieses Threads. Sie zeigt einen
Englische(n) Schützengraben. Langemark. 23 April 1915. mit mindestens drei Toten. Damit dokumentiert sie die Folgen des ersten Tages der Zweiten Flandernschlacht. Dazu schreibt Wikipedia:
"Zwischen Steenstrate und Poelkapelle [Langemark liegt auf dieser Linie] ließ das deutsche Pionierregiment 35 am 22. April 1915 um 18 Uhr innerhalb von fünf Minuten 150 Tonnen Chlorgas aus 6000 Stahlflaschen ab. Eine weißgelbe Giftwolke zog sich auf 6 km Breite gegen die französischen Stellungen. Da Chlorgas schwerer als Luft ist, sank es in die alliierten Gräben und Stellungen. Die Reste des gegenüberliegenden französischen Korps de Mitry mit der 87. sowie der 45. (algerischen) Division flohen. Die Soldaten hatten keinerlei Gasschutz (z. B. Gasmasken); es gab dort mehrere tausend Mann Verluste, darunter wahrscheinlich mehr als tausend Todesopfer (die Zahl kann nur geschätzt werden). In der Folge gelang es dem deutschen XXIII. Reserve-Korps unter General von Kathen, die alliierte Stellung am Yserkanal ohne gegnerischen Widerstand einzunehmen und drei bis vier Kilometer tief vorzurücken. Die Deutschen hatten allerdings selbst keine Gasmasken, was den weiteren Vorstoß hemmen sollte. Der 51. Reserve-Division gelang die Einnahme von Langemarck [...]"
Diese Beschreibung steht allerdings im Widerspruch zur Kartenbeschriftung, denn Engländer sind nun einmal keine Franzosen. Vielleicht kann ja jemand diese Diskrepanz auflösen. Meine Vermutung ist, dass die Karte auf Grundlage eines privaten Fotos bei einer einfachen Druckerei (also keinem Verlag) in Auftrag gegeben wurde, da wie gesagt kein Hersteller erkennbar ist. Auch die Beschriftung der Karte deutet für mich darauf hin, sie ist ja handschriftlich, wahrscheinlich direkt auf das Foto, erfolgt. Ich gehe daher von einem Fehler des Soldaten aus, der das Foto gemacht hat. Aber über eine Bestätigung oder Korrektur würde ich mich sehr freuen.
Noch einmal die
Kirche in Langemarck, von Engländern und Franzosen zerschossen, wieder von der Nordischen Kunstanstalt Ernst Schmidt & Co (Lübeck) verlegt. Wie der Verlag mit seiner Standardbeschreibung ist uns der Soldat, der sie nutzte, bereits bekannt, es ist wieder Hermann, auch wenn er diesmal nicht unterschreibt. Er datierte auch diese Karte auf den 06.08.1916 (vgl. [#7], [#8] und [#10] und schreibt (wenn ich es richtig lese):
"Diese Karten gut
fort legen, weil
ich einmal in
(?) dieser Gegend
hier lebe"
Bei dem Wort in Klammern lese ich "dem", aber das ergibt ja keinen Sinn. Oder war das ein Fehler, den Hermann statt zu radieren oder durchzustreichen eingeklammert hat?

Eine Karte aus Langemark kommt noch, aber da verzweifle ich gerade an der Transkription, daher dauert das noch etwas.
@ reichswolf [#17]
Hallo Reichswolf,
Bei dem Wort in Klammern lese ich "dem", aber das ergibt ja keinen Sinn. Oder war das ein Fehler, den Hermann statt zu radieren oder durchzustreichen eingeklammert hat?
Ich denke, dass es genauso ist. Dort steht "(dem)".
Viele Grüße
Volkmar
Ich lese „immer“ statt „einmal“.
Das mit „dem“ könnte stimmen, wenn er erst „in dem Ort“ schreiben wollte, sich dann aber eines anderen besann und „in dieser Gegend“ schrieb. Klammern statt streichen gab’s in meiner Schulzeit in den 1960-ern noch.
@ fdoell [#19]
Ich lese auch "immer". Hatte das auf meinem Notizzettel aber nicht korrigiert und dann beim Posten die Fassung des ersten Transkriptionsversuchs eingestellt. Aber das ist noch das am wenigsten blöde, das mir heute passiert ist. Ist einfach nicht mein Tag. Beim Einkaufen, beim Kochen, überall lief es nicht.
In der
Lichtung von Compiègne [1] wurde am 11. November 1918 der
Waffenstillstand [2] zwischen Deutschland und Frankreich ausgehandelt. Siehe auch hier [3]

Ich wünsche ein schönes Wochenende
Günther
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Lichtung_von_Compi%C3%A8gne
[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Waffenstillstand_von_Compi%C3%A8gne_(1918)
[3]
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=281975
@ reichswolf [#1]
Ich finde das Thema sehr spannend und traurig realistisch. Unsere Urgroßväter hatten es echt nicht leicht. Karten wie in Beitrag [#16] erinnern mich an den Oscar gekrönten Film "Im Westen nichts Neues" (2022), der 4 Oscars bekam und die dritte Verfilmung des großartig traurigen Romans von Erich Maria Remarque darstellt.
Ich führe das Thema ein wenig in eine andere Richtung. Ich fand einen Neujahrsgruß aus Zell im Wiesental, welcher am 31.12.1917 mit einer üblichen Germania Marke zu 7 1/2 Pfennig frankiert wurde. Links davon ein Stempel der Überwachungsstelle Freiburg im Breisgau XIV. Armeekorps.
Interessant der Inhalt der guten Wünsche: "Ein glückliches neues
Friedensjahr wünscht Ihnen mit den herzl. Neujahrsgrüssen..Ihre Gretel..."
Wie wir aus [#21] von Günther erfahren, dauerte es noch bis zum 11. November 1918, bis der Waffenstillstand eintrat. Auf der Ansichtsseite sehen wir 2 Kinder in einer verschneiten Landschaft, am Bildrand 3 Rehe.
Friedlichen Sonntag wünscht
10Parale

Eine
Feldpostkarte aus dem Lazarett in Erlangen 1915 nach Essen an d. Ruhr. Von
Füsilier Fertl Toni an Babette
".... bin an Rippenfellentzündung erkrankt und mit dem Lazarettzug nach Erlangen gekommen". "Auf Wiedersehen".
Ob er sie jemals wieder gesehen hat ?
Ich wünsche einen friedlichen Sonntag
Günther
@ reichswolf [#1]
Schockierend und befremdlich fand ich, dass solche Motive völlig normal gewesen zu sein scheinen. Die Vorstellung, Soldat zu sein und meiner Frau, meinen Kindern solche Bilder zu schicken ist mir bis heute fremd. Damals aber scheint das normal gewesen zu sein, denn die meisten Karten mit dieser Art Motiv sind keine privaten, selbst gemachten, sondern von Verlagen gedruckte.
Mich hat es auch immer befremdet, dass solche Motive einfach akzeptiert wurden. Zur gleichen Zeit habe ich den Eindruck, dass Soldaten im Allgemeinen Unterschied machten zwischen Männern und Frauen in der Heimat. Das schöne Geschlecht sollte nicht beunruhigt werden.
Ich zeige Euch ein Beispiel aus meiner Sammlung. Leutnant Waters schrieb diese Karte an seinen Bruder Franz, aber er hätte dieselbe Feldpostkarte nie an seiner Frau verschickt.
Transkription
Lieber Franz! Bin heute
zur Augenuntersuchung im
Kriegslazarett hier in der
zerstörten Festung und
bekam 2 neue Brillen
verschrieben. Mache gleich
noch einige Aufnahmen u.
fahre dann in die Stellung
zurück. Hoffe Ende Juli
Urlaub zu bekommen,
etwa 14 Tagen u. vielleicht
8 Tage zum Rhein zu
fahren. Herzl. Gr. u. K.
Richard
Br.-Ltvk [1], 3.7.16
Absender
Abs. Lt. Waters, R.F.K. 49, 5 R.D.
Anschrift
Herrn
Oberlehrer
Franz Waters
Euskirchen
Rheinland
Feldpoststempel
K.D. Feldpoststation
3.7.16.5-6N
* NR 191 *
Feldpostvermerk
Feldpostkarte
[1] Brest-Litowsk
Viele Grüße
Emiel
@ [#23]
Zum Thema
Feldpostkarte noch folgendes:
Nachrichten von der fernen Front aus dem Museum für Kommunikation in Nürnberg
Spannende Quellen:
Feldpostbriefe aus dem Ersten Weltkrieg nun abrufbar - Etliche Stempel sind für unser Hobby auch dabei
Es war die einzige Möglichkeit, um miteinander in Kontakt bleiben zu können — wenn auch sehr spärlich. Während des Ersten Weltkriegs war die
Feldpost auch der einzige Trost zwischen Heimat und Front. Nun können 783 Briefe digital abgerufen werden und gewähren damit einen spannenden, aber traurigen Einblick in die deutsche Geschichte.
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/searchresults?query=&offset=0&rows=20&facetValues%5B%5D=provider_id%3DK7IKSC32MCY44PTK3FTXDITZ6IJFYKXJ&isThumbnailFiltered=false&viewType=list
Postkarte mit Motiv "Deutsche Landsturmmänner" am Place d'Armes in Luxemburg - um 1915. Einer der Soldaten ist mit einem "X" markiert - ich habe leider keine Information darüber, wer das ist.
Beste Grüsse!
Lars
@ Lars Boettger [#26]
Hallo Lars,
Es dürfte der Schreiber der Karte sein. Ist sie beschriftet?
Viele Grüße
Volkmar
@ Lars Boettger [#26]
Krieg war Männersache. Das hat sich geändert. Damit wird der Krieg nun auch nicht besser, aber auch Frauen finden sich ab und zu auf Postkarten, auch wenn ihre Rolle eine andere war.
Hier marschieren französische Soldaten durch ein durch Kampfhandlungen zerstörtes Dorf. Eine Bäuerin steht am Wegrand und scheint den Hungrigen etwas zu reichen.
Liebe Grüße
10Parale

Moin,
Hier für mich eine recht ungewöhnliche Karte aus WK I.
Ich sammle eher WK II Postkarten, diese Motivwahl hätte es da wohl nicht gegeben. Zerstörungen wurden häufig gezeigt, eigene Verluste eher selten.


Gruß Ulf
@ 10Parale [#28]
Motiv: Frauen beim "Kriegswintersport"
Falsch eingestellter Stempel (24.02.1929) auf Karte vom 24.01.1918.

Gruß Ulf
@ Dulfen1 [#29]
Hallo Ulf,
eine interessante Feldpostkarte! Auf die Schnelle lese ich folgendes:
Westen d. 25.7.16.
Meine Lieben!
Sende Euch hier eine Karte
wo im Anhang die 18 deutschen
Automobile überfallen worden
sind, könnt(?) Ihr Euch wie da
alles zertrümmert ist. Soeben be-
kam ich von Ewald eine Karte wo er
mir mitteilte daß er meinen Brief
u. Hans seine Karte erhalten hat.
Ich habe wieder sehr viele Markneu-
kirchner getroffen war eine sehr
große Freude. Auch(?) bestens(?) gegrüßt von
Euren lieben Vetter!
—-
Viele Grüße
Emiel
An alle, die hier mitmachen ein herzliches Dankeschön!
@ reichswolf [#10]
@ reichswolf [#15]
@ reichswolf [#16]
@ reichswolf [#17]
Ein letztes Mal Langemark, heute mit einer Karte mit der Ansicht des
Schloß Langemarck von feindl. Feuer zerstört. Datiert ist sie auf den 12.05.1916, und wieder stammt sie von Hermann, der schreibt:
"Ansicht von Langemark, das
Schloß ? von der ?
noch am besten erhalten
ist. Sonst viele Grüße
von hier an alle,
bis auf ein frohes
Wiedersehen.
Euer
Sohn Hermann"
Korrekturen und vor allem die zwei nötigen Ergänzungen würden mich sehr freuen.

Off topic: Ich bin mit meiner Frau in den letzten zwei Tagen in Ypern und Umgebung gewesen. Wir haben das
In Flanders Fields Museum [1] und das
Hooge Crater Museum [2] und die
Hooge Trenches besucht, waren im
Bayernwald [3] und am
Pool of Peace (Spanbroekmolencrater) [4], auf dem
Lone Tree Cemetery [5], dem
Wytschaete Military Cemetery [6] und dem
Voormezeele Enclosure No.3 [7], ebenfalls ein Kriegs-Friedhof. Für mehr hat die Zeit nicht gereicht.
Aber allein diese Orte vermitteln bis heute das Grauen des Ersten Weltkrieges auf eindrucksvolle Weise. Allein der Umstand, dass man gefühlt keine fünf Kilometer fahren kann, ohne auf einen Friedhof zu stoßen, ist in meinen Augen bedrückend. Und ganz besonders ergreifend war der seit 1928 allabendlich (außer während der Besetzung Belgiens im WK II) exerzierte
Last Post in der
Menenpoort [8] in Ypern, mit dem den alliierten Soldaten gedacht wird, die nie ein Grab gefunden haben. Für etwa eine Viertelstunde waren die vielen Menschen dort auf einen Schlag ruhig, während vier zivile Sänger und vier Bläser der Feuerwehr die Zeremonie durchführten.
Danny Boy habe ich nie bewegender gesungen gehört. Zum Abschluss wurden noch Kränze niedergelegt, von ganz unterschiedlichen Gruppen. Ehemalige Soldaten waren dabei, aber auch Schüler einer englischen Schule.
[1]
https://www.inflandersfields.be/
[2]
https://www.hoogecrater.com/en/
[3]
https://de.wikipedia.org/wiki/Bayernwald
[4]
https://www.toerismeheuvelland.be/de/pool-of-peace--8
[5]
https://www.ww1cemeteries.com/lone-tree-cemetery.html
[6]
https://www.cwgc.org/visit-us/find-cemeteries-memorials/cemetery-details/51700/wytschaete-military-cemetery/
[7]
https://www.cwgc.org/visit-us/find-cemeteries-memorials/cemetery-details/52600/voormezeele-enclosure-no-3/
[8]
https://de.wikipedia.org/wiki/Menenpoort
@ reichswolf [#32]
Hallo,
dort steht: "Ansicht von Langemark, das Schloß was von der Stadt noch am besten erhalten ist."
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#33]
Herzlichen Dank!
Liebe Grüße
Christoph
@ 10Parale [#28]
... aber auch Frauen finden sich ab und zu auf Postkarten, auch wenn ihre Rolle eine andere war.
Guten Morgen Stephan,
ja, meist findet man Frauen bei Ihrer wichtigen Arbeit der Truppen-Versorgung. Wie zum Beispiel hier [1]
Habt alle einen schönen Wochenanfang
Günther
[1]
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=281579
@ Dulfen1 [#29]
@ evwezel [#31]
Hallo Ulf und Emiel,
noch eine kleine Ergänzung zur "Übersetzung" der Karte durch Emiel. Ich lese:
Westen d. 25.7.16.
Meine lieben!
Sende Euch hier eine Karte
wo im anfang die 18 deutschen
Automobile überfallen worden
sind, könnt Ihr Euch (vorstellen) wie da
alles zertrümmert ist. Soeben be-
kam ich von Ewald eine Karte wo er
mir mitteilte daß er meinen Brief
u. Hans seine Karte erhalten hat.
Ich habe wieder sehr viele Markneu-
kirchner getroffen war eine sehr
große Freude. Seit bestens gegrüßt von
Eurem lieben Vetter!
In er vierten Zeile fehlt vom Satz her ein Wort. Ich habe zur besseren lesbarkeit das Wort "vorstellen" eingefügt.
Viele Grüße
Volkmar
Am Anfang war die Euphorie – August 1914 - hier war sich noch niemand bewusst, was auf die Menschen zukommen wird.
Die erste Truppenverlegung von Spittal an der Drau (Österreich) an die Front.

Ein Zitat aus der Chronik:
In allen Truppengattungen des III. Armeekorps stehen die Reservisten des Marktes. Der größte Teil der Reservemänner eilt schon am 26. Juli begeistert zu den Fahnen. Niemand erwartet einen langen, erschöpfenden Krieg. „Der Stand der heutigen Technik schließt das ja aus!“ dies war die allgemeine Meinung.
Übrigens fielen gleich in den ersten beiden Kriegsmonaten 34 Spittaler (der Ort hatte damals ca. 6000 Einwohner) und die in der kleinen Garnison stationierte „Gebirgs-Haubitzbatterie Nr. 4“ wurde ziemlich am Anfang in Galizien aufgerieben.
Nachdenkliche Grüße
Harald
Liebe Sammelfreunde,
die Zeichnung auf dieser Feldpostkarte aus meiner Sammlung zeigt die Kirchstraße in dem Vogesenort Bréménil mit seinem Zerstörungen. Dieses Dorf ist 3 km von Badonviller entfernt und lag im direkten Frontbereich des ersten Weltkriegs von 1914 bis 1918.
Die Karte wurde am 11. Mai 1915 von einem Soldaten an Herrn Reinhard Eifert(?) gesendet.
Viele Grüße
Emiel

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Bildseite
Molge
Bréménil am 20.März 15
Anschriftseite
Virée(?), 11 Mai 1915
Lieber Reinhard&Anna
Vielen Dank für Briefe(?).
Liegen hier 8 Tagen in Ruhe.
Am Donnerstag gehts wieder
vor in Stellung. Auf dieser K(ar)te
könnt Ihr sehen, wie’s in B‘iel[1]
aussieht. Selma hatte ich eine
photographische Aufnahme von
Bremenil gesandt. Hoffentlich
bleibt Italien ruhig, sonst
kann ich nicht garantieren
daß Du noch mit an die Front
mußt. Herzl. Grüße an Euch & die
Kinder von Eurem Paul.
Absender
"Paul"
Anschrift
Herrn
Reinhard Eifert(?)
Crimmitschau[2]
Herrengasse
„Consum“(?)
Feldpoststempel
FELDPOSTEXPEDITION
DER
* ERSATZ-DIVISION ?
12.5.15. 8-9N
Briefstempel
32. Ers.-Inft.-Rgt.III.Batl.9.Komp.
o 19.Ers. Div.A.A. Falkenhausen[3] o
Feldpostvermerk
Feldpostkarte
[1] Bréménil (siehe Vorderseite und
https://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%A9m%C3%A9nil ).
[2] Siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/Crimmitschau
[3] Die Armee-Abteilung Falkenhausen, später Armee-Abteilung A, wurde am 15. September 1914 durch kaiserlichen Befehl gebildet. Ihr wurden das I. Bayerische Reservekorps, die Divisionen des bisherigen Ersatzkorps, zwei Landwehr-Brigaden sowie das Korps Eberhardt zugewiesen und zusammen mit der Festung Straßburg dem General von Falkenhausen unterstellt. Primäre Aufgabe des neugebildeten Verbandes war es, den Schutz des Reichslandes Elsaß-Lothingen zwischen Metz und Straßburg zu gewährleisten und durch seine physische Präsenz Kräfte des Gegners zu binden. Im südlichen Anschluß an die Armee-Abteilung Falkenhausen war der Schutz des Oberelsaß sowie der Oberrheinbefestigungen dem stellvertretenden Kommandierenen General des XIV. Armeekorps, General Gaede, anvertraut, dem ebenfalls eine nach ihm benannte Armee-Abteilung zugwiesen wurde. Generaloberst Ludwig Alexander Freiherr von Falkenhausen (13.9.1844-4.5.1936) hatte sich zu Beginn des Ersten Weltkriegs als 70jähriger erneut der Heeresleitung zur Verfügung gestellt und am 2.9.1914 die Führung des bei der 6. Armee in Lothringen gebildeten Ersatzkorps übernommen. Nach der Marneschlacht wurde die Masse der 6. Armee an den rechten Heeresflügel verlegt; mit den zurückgebliebenen Kräften übernahm Falkenhausen, inzwischen zum Generalobersten befördert, die nach ihm benannte Armee-Abteilung als Oberbefehlshaber. Das Hauptquartier befand sich vom September bis Dezember 1914 in Mörchingen bzw. Metz, ab Dezember 1914 in Straßburg. Unmittelbarer Anlaß für die Verlegung des Hauptquartiers bildete die am 16. Dezember befohlene Unterstellung der Armee-Abteilung Gaede unter den Befehl des Generals von Falkenhausen (siehe
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/XUGXNHNLNYLNTLICQ3VJ75SONMEUBUSC )
@ volkimal [#36]
Hallo Volkmar,
vielen Dank für Deine Korrektur!
Einen schönen Abend wünscht Dir
Emiel
@ BANANA60 [#37]
Das sogenannte
Augusterlebnis hat es wohl tatsächlich gegeben, doch weiß man heute, dass die Begeisterung für den Krieg weit weniger allumfassend war, als es zeitgenössische Darstellungen vermuten lassen. Siehe dazu z.B. den Artikel
Allgemeine Kriegsbegeisterung ist eine Mär in der Süddeutschen Zeitung vom 06.08.2014 [1].
Derweil verlasse ich heute hier im Thread Langemark und zeige die Karte Nr. 133 aus der Reihe
Kriegsbilder aus dem Westen. des Verlages
E. Sauwald, Esslingen. Die Karte ist ungelaufen und unbeschriftet und zeigt das Motiv
Strasse Langemarck-Zonnebeke vor Ypern 1915., um die schon in der Ersten Flandernschlacht 1914 gerungen wurde.

[1]
https://www.sueddeutsche.de/politik/erster-weltkrieg-die-allgemeine-kriegsbegeisterung-ist-eine-maer-1.2075802
Schonungslos und befremdlich auch diese Karte, tote Pferde, nur noch Trümmer, Kommentar: "Von den Engändern zerschossen".

Gruß Ulf
@ Dulfen1 [#41]
Dazu fällt mir die Szene aus dem im Thread bereits erwähnten Roman Im Westen nichts Neues von Erich Maria Remarque ein, in der er das entsetzliche Schreien verwunderter Pferde schildert. Eine der vielen Stellen im Buch, die mich hart angefasst haben.
Mal wieder off topic: Die letzte Verfilmung des Romans ist mir zuwider, wohingegen die Verfilmungen von Lewis Milestone (1930) und Delbert Mann (1979) von mir sehr geschätzt werden. Zu Bergers Film (2022) schrieb ich an ganz anderer Stelle:
"Die dritte Verfilmung von Remarques Meisterwerk hat sich nun also auf die Fahnen geschrieben, eine deutsche Perspektive zu zeigen, die Berger daran festmacht, dass er auf Glorifizierung verzichtet. 'Unser Blick auf den Krieg ist geprägt von Gram und Scham, von Verwüstung und Schuld. Da bleibt nichts Positives, kein Funken Heldenhaftigkeit zurück. Unsere Geschichte, unseren Hintergrund und unsere Einstellung zum Krieg zur Triebfeder eines Films zu machen, empfand ich als eine große Herausforderung.' und 'Anders als bei amerikanischen oder britischen Werken kann es bei einem deutschen Kriegsfilm das Gefühl der Glorifizierung nicht geben.' postuliert Berger und vergisst dabei völlig, dass gerade der Erste Weltkrieg in den Filmen beider Länder durchaus nicht nur als großartiger Sieg porträtiert wird, sondern als die entmenschlichende Knochenmühle, die er war. Trotzdem, seinem Anliegen wird Bergers Film gerecht, glorifiziert der Krieg hier nicht. Stattdessen versucht Berger, den Krieg und seine Härte in entsprechenden Bildern zu zeigen. Das gelingt größtenteils, ist aber freilich kein Alleinstellungsmerkmal (1917 war darin nicht schlechter). Kritiker haben das als Realismus bezeichnet. Ich jedoch bestreite vehement, dass dem Zuschauer im Kino die Erfahrung eines Krieges überhaupt realistisch vermittelt werden kann. Der Realismus beschränkt sich maximal auf die Bilder. Wäre der Ton realistisch, wäre das Körperverletzung am Zuschauer, olfaktorisch, gustatorisch und haptisch ist gar keine Darstellung möglich. Gott sei Dank, möchte ich meinen. Außerdem dürfte in einem realistischen Film keine Musik geben, die nicht diegetisch ist. Berger dient die Musik unter anderem dazu, Spannung und Grusel zu erzeugen und so den Zuschauer emotional zu lenken. Spannung und Grusel sind aber die wohl oberflächlichsten Emotionen, mit denen man dem Geschehen begegnen kann.
Weiterhin macht Berger einen gewaltigen Fehler, wenn er in den zahlreichen Änderungen an der Buchvorlage etwas positives sieht. Das Weglassen fast aller Figuren und Szenen abseits der Front nimmt einiges von der Wucht des Romans, weil Remarque darin mehrere wichtige Dinge zum Ausdruck bringt. Erstens wird so nicht deutlich genug, wie militaristisch auch weite Teile der Zivilbevölkerung im späten Kaiserreich waren, und das bis weit in den Krieg hinein. Zweitens arbeitet Remarque hervorragend aus, in welchem Gegensatz sich Front und Heimat befanden, wie unterschiedlich nach einiger Zeit an der Front die Soldaten und die Menschen in der Heimat den Krieg sahen. Das schwierige Verhältnis zwischen Zivilisten und Soldaten wird in zahllosen Dokumenten deutlich, es auszublenden, obwohl es in der Romanvorlage enthalten war, ist in meinen Augen keine gute Entscheidung gewesen. Genauso wenig schätze ich die Änderung des Endes. Daran gibt es reichlich zu bemängeln. Erstens ist die gezeigte Offensive nicht historisch, und sie ist auch wenig glaubwürdig. Zwar wurde bis zum Ende gekämpft. Aber das waren aus deutscher Sicht Abwehrkämpfe. Eine Offensive wäre den Deutschen unmöglich gewesen und wahrscheinlich von den Soldaten auch verweigert worden. Zweitens gibt sie Pauls spätem Tod in gewisser Weise doch noch einen Sinn, wenn auch einen perversen, während er im Buch wirklich völlig sinnlos ist. Hier aber ist es ein Tod, den spätere Nationalisten gefeiert haben würden. Drittens macht das Ende den Titel nicht nur bezugslos, sondern sogar regelrecht sinnlos. Denn eine Offensive am 11.11. so gegen 10 Uhr wäre tatsächlich etwas neues im Westen gewesen.
Problematisch sehe ich auch die Darstellung der Franzosen. Schon die Wahl der im Einsatz gezeigten Waffen auf beiden Seiten ist fragwürdig. Gas und Flammenwerfer werden im Film nur von Franzosen eingesetzt, was historisch falsch ist und Zuschauern ohne Kenntnisse der wahren Verhältnisse (beides wurde von deutschen Truppen zuerst eingesetzt) falsche Vorstellungen vermitteln könnte. Ebenso fragwürdig ist es, bei völliger Ausblendung der politischen Vorgeschichte des Krieges und seines Verlaufes die Franzosen in Person von Foch so darzustellen, als seien sie die eigentlichen Kriegstreiber, während Erzberger als Vertreter des Deutschen Reiches geradezu heiliggesprochen wird. Ihm geht es im Film darum, das Sterben zu beenden, ein Sterben, das auch durch seine Politik erst möglich wurde. Dass Erzberger die kaiserliche Armee vor 1914 mit gestärkt hat, dass er zu Kriegsbeginn für das Reich chauvinistische Pläne entwickelte, nichts davon kommt im Film vor. Ich sehe keineswegs die Alleinschuld für den Krieg bei Deutschland, aber dieser Film stellt Deutschland fast schon als Opfer dar. Und das ist noch verrückter als die Alleinschuldthese.
Zusammenfassend möchte ich sagen, dass Bergers Film die schlechteste der drei Verfilmungen ist, die außer einer gelungenen Optik und guten Schauspielern wenig zu bieten hat. Und nicht nur das, sie ist auch ohne den Vergleich mit anderen Filmen einfach nicht gut. Und es ärgert mich gewaltig, dass dieser Film ins Rennen um den Oscar geschickt wird. Niemand ist bei den Kälbern von Sabrina Sarabi wäre eine bessere Wahl gewesen, wenn auch wahrscheinlich im Vergleich zu Bergers Film chancenlos."
Bayerischer Lazarettzug vor dem I. Weltkrieg, gemalt von Anton Hoffmann aus München. "Sammlung zu Gunsten der freiwilligen Krankenpflege im Kriege". Die Karte wurde im Mai 1914 versandt. Deutschland erklärte im August den Krieg gegen Russland und dann Frankreich. Da war man bereits im Mai auf Krieg eingestellt !


Ich wünsche einen schönen Tag
Günther
@ reichswolf [#40]
Heute komme ich vom Motiv her in Zonnebeke an und zeige die Karte Nr. 129 aus der Reihe
Kriegsbilder aus dem Westen. des Verlages
E. Sauwald, Esslingen. Auch diese Karte ist ungelaufen und unbeschriftet. Abgebildet ist
Zonnebeke. Durch engl. Granaten zerstört. Man sieht, dass an diesem Ort selbst die Toten keine Ruhe hatten, denn der Friedhof vor der Kirche wurde genau wie diese verwüstet. Das Motiv ist erstaunlich ähnlich wie bei der Karte in [#17], zerstörte Kirche mit Friedhof, und wieder steht da ein einzelner Soldat. Und natürlich fehlt auch die Schuldzuweisung nicht.
Diese Karte wurde von einem Obergefreiten der Westfront per Feldpost an Fräulein Maria Ehmann in Dornstadt geschickt.
Stempeldatum 27.03.1917; Zusatzstempel Bayer. Fußartillerie Bataillon ?
Also noch vor der III. Flandernschlacht (31.07. bis 06.11.1917), einem der größten Gemetzel im I. Weltkrieg mit geschätzten 325.000 Verlusten auf alliierter Seite, und 260.000 Soldaten auf deutscher Seite.
Ypern war schon in den Schlachten zuvor stark umkämpft und zerstört worden (1914 und 1915).

@ reichswolf [#44]
Auch die heutige Karte zeigt Zonnebeke. Rechts im Bild wieder die Kirche. Unter dieser Kirche haben britische Truppen einen Schutzraum [1] [2] in die Erde gegraben, nachdem die Kirche selbst spätestens in der Dritten Flandernschlacht völlig zerstört worden war. Damit bot weder sie noch sonst etwas in der Gegend, die die Alliierten in dieser Schlacht kurzzeitig von den Deutschen zurückerobert hatten, irgendeinen Schutz vor deutschem Feuer (vgl. drittes Bild von oben in [3]), was eben den Bau sogenannter Dugouts erforderlich machte.
Nach der Wiederentdeckung gab es einen Zeitraum im Jahr 2017, in dem dieser Dugout für die Öffentlichkeit zugänglich war. Leider ist das inzwischen nicht mehr der Fall.
Dem Grad der Zerstörung nach müsste die Aufnahme nach Mai 1915 und vor 1917 entstanden sein.
Die Rückseite der Karte ist bis auf die Linien für die Adresse und einem Rechteck für eine Marke komplett leer, daher zeige ich sie nicht. Bemerkenswert finde ich bei der Karte, die keinen Verlag angibt und eher selbstgemacht wirkt den Hinweis unten rechts im Bild
NACHAHMUNG VERBOTEN.

[1]
https://www.theypressalient.com/post/zonnebeke-church-dugout
[2]
https://thebignote.com/2017/10/05/zonnebeke-church-dugouts/
[3]
https://www.greatwarforum.org/topic/304737-zonnebeke-panorama/
@ reichswolf [#46]
Meine letzte Karte aus Zonnebeke zeigt ebenfalls die
Kirche zu Zonnebeke, von Engländern und Franzosen zerschossen., aber wieder aus einer anderen Perspektive. Sie stammt, wie schon einige andere hier im Thread, von der Nordischen Kunstanstalt Ernst Schmidt & Co (Lübeck) ist nicht offen versandt worden. Mit Datum 06.08.1916 schreibt erneut der schon bekannte Hermann:
"M. Lieben.
Erhielt Euren l.
Brief vom 1.8.16.
Sonst noch Gesund.
Gruß Hermann "

Zwei weitere Karten möchte ich heute noch zeigen. Dafür geht es geographisch wieder zurück in Richtung Langemark, in den heute dorthin eingemeindeten Ort Poelkapelle.
Die erste Karte stellt zum ersten Mal hier im Thread einen Toten in den Mittelpunkt des Bildes, während in [#16] die Leichen noch eher im Hintergrund waren. Dort hieß das Motiv auch noch etwas diskreter
Englische Schützengraben. Langemark. 23 April 1915. Hier aber ist der Text ganz direkt und unverblümt
Züave gef. am 22 April 1915. Poelkapelle.
"Zuaven nannten sich die Angehörigen historischer, ursprünglich orientalisch uniformierter Infanterieeinheiten. Der Name geht auf den kabylischen Stamm der Zuauas im Distrikt Zuaua (Zuavia) in der algerischen Provinz Constantine zurück, der bereits zu Zeiten des Osmanischen Reiches Söldnertruppen stellte, die für ihre Tapferkeit berühmt waren." [1] Es handelt sich bei dem Toten also um einen Angehörigen eines von Frankreich kolonialisierten Landes, der am zweiten Tag der Zweiten Flanderschlacht gefallen ist.
Die Rückseite ist bis auf Linien für die Anschrift blanko.

Karte Nr. 2 zeigt laut rückseitiger Notiz einen
Unterstand in Flandern, der auf dem Foto mit
Lieserl in Poelkapelle bezeichnet ist.

[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Zuaven
Ohne eine Möglichkeit der Lokalisation zeige ich heute eine Karte mit einem Soldatenfriedhof, die lapidar mit
Massengrab beschriftet wurde. Selbst wenn man über die Namen und Einheiten auf den Kreuzen herausfinden würde, wo ungefähr die Soldaten gefallen sind, wäre der Friedhof schwer zu finden, denn "Am Ende des Ersten Weltkrieges gab es in Belgien in 678 Gemeinden und Ortsteilen deutsche Soldatenfriedhöfe, 15 größere Anlagen befanden sich im Ortsbereich Langemark. [...]
Die Zahl der deutschen Friedhöfe wurde auf Wunsch der belgischen Regierung deutlich reduziert. 1919/20 bettete der belgische Gräberdienst deutsche Gefallene in Langemark zusammen und löste vorhandene Anlagen auf. Der deutsche Soldatenfriedhof Langemark wurde am 10. Juli 1932 offiziell eingeweiht. Zwischen 1956 und 1958 wurden die deutschen Gefallenen von den noch bestehenden 128 Friedhöfen auf die drei deutschen Soldatenfriedhöfe Langemark, Menen und Vladslo in Flandern zusammengebettet." [1]
Die Rückseite enthält nur kartenübliche Linien, wird von mir also nicht gezeigt.

[1]
https://kriegsgraeberstaetten.volksbund.de/friedhof/langemark
Heute geht es an die belgische Küste nach Nieuwpoort (französisch Nieuport), gelegen an der Yser-Mündung. Auch dieser Ort hatte im Ersten Weltkrieg eine besondere Bedeutung, denn hier gab es Seeschleusen, die eigentlich dazu gedacht waren, den Ort und sein Hinterland vor Überschwemmungen zu schützen.
Durch den Verlauf des Krieges kam es aber zum genauen Gegenteil. Die Front verlief nämlich im Herbst 1914 entlang der Yser zwischen Ypern und Nieuwpoort, und dort wollte die deutsche Armee durchbrechen. Die belgischen Truppen erlitten in den Abwehrkämpfen schwere Verluste. Den Deutschen gelang es am 24.10.1914 den Fluss zu überqueren.
In dieser großen Gefahr für die Belgier entschloss sich König Albert I., am 29.10. die Schleusen bei Flut zu öffnen und das Meerwasser ins Ysertal strömen zu lassen. Bei Ebbe wurden die Tore dann geschlossen, um das Wasser im Tal zu halten. Im Ergebnis verwandelte sich das Ysertal in eine Morastlandschaft, die für eine Armee nicht mehr zu durchqueren war. Die Deutschen mussten also am 2.11. zurück ans nördliche Ufer des Flusses, denn Nachschub war nicht mehr möglich. Die Kämpfe um Nieuport gingen noch bis zum 10.11. weiter, als Belgier und Franzosen schließlich die Stadt halten konnten.
Drei Jahre später war die Umgebung des Ortes die erste Region, an der Blaukreuz eingesetzt wurde, also Aerosole oder Pulver, die als Nasen- und Rachenkampfstoffe dienen. Die damaligen Gasmasken schützen davor nicht, und das Blaukreuz wirkte so stark reizend, dass die Opfer sich die Gasmasken vom Gesicht rissen (daher werden Blaukreuzkampfstoffe auch Maskenbrecher genannt). In der Folge wurden dann Lungenkampfstoffe (Grünkreuz) auf die Opfer verschossen, gegen die sie dann völlig ungeschützt waren. Dieses Vorgehen nannte man Buntschießen.
Die Karte von heute zeigt nun den
Anblick von Nieuport nach der letzten Beschiessung. Eine Datierung ist auch hier für mich nicht möglich. Verlegt wurde die Karte von Karl Voegels, Berlin O.27, Blumenstr. 75. Sie ist nicht gelaufen.
@ reichswolf [#48]
Noch einmal zurück nach Poelkapelle. Die erste Karte stammt mal wieder von der
Nordischen Kunstanstalt Ernst Schmidt & Co (Lübeck) und zeigt die
Von Engländern zerschossene Kirche in Poelkapelle. Die Kirche wurde in der Dritten Flandernschlacht 1917 dann weiter zerstört.
Beschrieben wurde sie von dem uns bereits bekannten Hermann (dessen Nachnamen und Einheit ich wirklich gerne wüsste, um mehr über sein Schicksal zu erfahren), der hier am 06.08.1916 einen
"Gruß an Pfilipp
[?] und
Margot"
sendet.

Die nächste Karte zeigt die
Kirche Poelkapelle im gleichen Zerstörungszustand, aber aus einem leicht anderen Blickwinkel. Im Vordergrund ist ein Gespann zu sehen, von dem ich zunächst dachte, es gehöre vielleicht flüchtenden Einwohnern des Ortes. Doch auf dem vorderen Wagen ist meiner Meinung nach ein Gewehr zu sehen. Nach all den Tötungen angeblicher belgischer Franktireurs durch deutsche Truppen gleich zu Beginn des Krieges kann ich mir nicht vorstellen, dass Zivilisten offen ein Gewehr mit ihren anderen Habseligkeiten transportierten. Dann erkannte ich, dass der zweite Wagen wohl eher eine Gulaschkanone ist und außerdem auf der Seite die Einheit bezeichnet zu sein scheint. Die Rückseite ist nicht beschrieben und enthält nur kartenübliche Linien.

Die letzte Karte zeigt einen
Ehrenfriedhof=Poelkapelle. Allein in Poelkapelle gab es mindestens drei deutsche Friedhöfe (Ehrenfriedhof Nr. 111 Poelkapelle II, Ehrenfriedhof Nr. 113 Poelkapelle IV, Ehrenfriedhof Nr. 124 Poelkapelle Dorf), von denen heute keiner mehr existiert. Leider kann ich nicht sagen, um welchen der Friedhöfe es sich auf der Karte handelt. Auch bei dieser Karte ist die Rückseite nicht beschrieben und enthält nur kartenübliche Linien.
Propaganda:
Wenn man so in die Geschichte schaut, so gab es in jedem Krieg auch Helden, die als Beispiel benutzt wurden um das unter Umständen kriegsmüde Volk bei der Stange zu halten.
Im Ersten Weltkrieg waren das auf deutscher Seite auch die erfolgreichen Flieger.
Der Verlag Sanke in Berlin hatte sich auf solche Flieger-Postkarten spezialisiert.
Aus meiner kleinen Sammlung einmal zwei Beispiele (jeweils ungebrauchte Originale):

Leutnant Böhme und Leutnant Allmenröder (letzterer mit dem Pour le Merite)
Viele Grüße
Thomas
Ergänzend möchte ich auch noch eine Webseite zu den Sanke-Karten verlinken [1]:
Hier findet man auch die Karten mit dem Bild des späteren Reichsluftmarschalls und Reichsjägermeisters Hermann Göring, welcher seinerzeit ein erfolgreicher Jagdflieger war.
Das ganze Trara um die Jagdflieger muss ihm wohl irgendwann zu Kopf gestiegen sein, was auch zu seinem Hang zu Orden in späteren Jahren führte (Spitzname "Lametta-Heini").
Mit dem Pour le Merite wurde auch der Flieger Leutnant Wilhelm Frankl ausgezeichnet. Wilhelm Frankl war Jude. Im "Dritten Reich" wurde er trotz seiner unbestreitbaren militärischen Leistungen totgeschwiegen.
Viele Grüße
Thomas
[1]
http://www.sanke-cards.com/page3.htm
@ angim [#52]
@ angim [#53]
Zu Fliegern kann ich auch etwas zeigen.
Die erste Karte zeigt laut Aufschrift ein
Abgeschossenes engl. Flugzeug b/ Beythem am 17.1.16. Drumherum eine Menge Schaulustiger deutscher Soldaten. Bisher konnte ich im Netz nichts genaueres zu diesem Flieger finden, aber bei der Menge an Verlusten des Royal Flying Corps 1914 - 18 (insgesamt 9.378 Tote oder Vermisste und 7.245 Verwundete [1]) ist das wohl auch kein Wunder.
Beythem ist gleich Beitem und und letzterem Namen leichter in Google zu finden.
Mit der Karte verschickte "unser" Hermann einen "Gruß aus Feindesland".


Die zweite Karte zeigt eine
Fliegerbombe, geworfen am 20.6.15 auf Jseghem. (Izegem). Sie ist die Karte Nr. 127 aus der Reihe
Kriegsbilder aus dem Westen. des Verlages E. Sauwald, Esslingen. Die Anschriftenseite sieht genauso aus wie die in [#40] gezeigte und ist nicht beschriftet.

[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Royal_Flying_Corps
@ reichswolf [#54]
Ja, die Fliegerei war damals noch Neuland für die Menschheit.
Das Militär erkannte schnell die Nützlichkeit von Fliegertruppen. Zunächst konnte man aus der Luft wunderbar aufklären, was dann zur Entstehung der Jagdverbände führte.
Dann erkannte man die Möglichkeit der Bombardierung von Feindverbänden und auch ansatzweise der Bombardierung der Städte im Feindesland.
Das erste bekannte Luftlande-Kommando-Unternehmen wurde von Maximilian von Cossel und Rudolf Windisch durchgeführt:
Mit Windisch als Flugzeugführer führte Cossel das erste bekannte Luftlande-Kommando-Unternehmen der Militärgeschichte aus: Windisch flog die dazu genutzte Roland Walfisch und setzte Cossel hinter der russischen Front in einem Waldstück ab. In der Nacht vom 2. auf 3. Oktober 1916 sprengte Cossel die Bahnlinie Rowno–Brody, 85 Kilometer hinter der Ostfront, gleich an mehreren Stellen. [1]
Die entsprechende Ansichtskarte habe ich auch. Hier aus Wikipedia:

Viele Grüße
Thomas
[1]
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Maximilian_von_Cossel
Von Russland zurück nach Flandern. Heute zeige ich zwei Karten aus Passendale (auch Passchendaele), einem Ortsteil von Zonnebeke. Der Ort ist bei Briten und Kanadiern zum Synonym für die Dritte Flandernschlacht geworden.
Die erste Karte zeigt ausnahmsweise kein Foto, sondern das Bild wurde
Auf Stein radiert von Willi Egler, Kriegsfreiwilliger im R. Feld Art. Rgt. 51 [1] und die Karte wurde herausgegeben
Zum Besten des Roten Kreuzes. Die Radierung heißt
- Vor Ypern - Passchendaele, vom Feind zusammengeschossen.
Hermann hat am 19.03.1916 lediglich angefangen, diese Karte zu schreiben, ist aber nicht weit gekommen.

Karte zwei zeigt das Motiv
Paschendaele. Durch engl. Granaten zerstörte Kirche., hier eine Innenansicht. Die Kirche ist auch auf der Radierung gut zu erkennen.
Hier haben wir die Karte Nr. 112 aus der Reihe
Kriegsbilder aus dem Westen. des Verlages E. Sauwald, Esslingen vor uns. Die Anschriftenseite sieht genauso aus wie die in [#40] gezeigte und ist nicht beschriftet.

[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Willi_Egler (hier wird er allerdings einer Fliegertruppe zugeordnet)
@ reichswolf [#56]
Eine weitere Karte aus der Gegend zeige ich heute. Ihr Motiv ist ein
Bei Paschendaele abgeschossenes feindl. Flugzeug. Um welchen Typ es sich dabei handelt, kann ich nicht ganz sicher sagen. Ich glaube allerdings, dass es eine Royal Aircraft Factory B.E.2 ist. Vielleicht kann das ja ein Kenner bestätigen oder widerlegen.
Die Karte ist datiert auf den 01.05.1916 und enthält folgenden Text:
"Die besten Grüße
von vor Ypern sende
ich Euch bei voller
Gesundheit
bis auf ein frohes Wiedersehen
Euer Sohn
Hermann"
Bevor es gleich mit meiner neuen Freundin Corona ins Bett geht, zeige ich noch schnell drei Ansichten aus Westrozebeke. Die erste davon gehört streng genommen nicht in diesen Thread, aber ich denke, man wird verstehen, warum ich sie dennoch zeige.
Karte eins zeigt
De Kerk (die Kirche) in
WEST-ROOSEKEKE, ist also eine belgische Karte mit dem noch intakten Gotteshaus. Die unbeschriebene Rückseite ist hier völlig irrelevant.

Auf der zweiten Karte hat sich der Zustand des Gebäudes durch den Krieg bereits geändert. Der Turm ist bereits beschädigt.
Rückseitig hat Hermann die Karte als
Andenken von Flandern Kirche Westrosebeke bezeichnet.


Auf der dritten Karte ist auch die Gebäudefront teilweise zerstört. Hier ist die Anschriftenseite wieder völlig aussagelos.

Im weiteren Verlauf des Krieges verschwanden der Ort und die Kirche völlig von der Landkarte, wie die niederländische Wikipedia schreibt.
@ reichswolf [#57]
"Vielleicht kann das ja ein Kenner bestätigen"
Hallo,
Glückwunsch, ja die Typenbezeichnung ist perfekt, passt genau! :-)
Viele Grüße,
Peter
@ filunski [#59]
Vielen Dank für die Bestätigung, Peter!
@ reichswolf [#58]
Noch eine Karte aus Westrozebeke, diesmal mit dem Motiv des ebenfalls nicht mehr existenten deutschen
Militärfriedhof Westrosebecke [sic!]. Im Hintergrund sind zwei Gebäude teilweise erkennbar, diese weisen scheinbar noch keine Kriegsschäden auf.
Auf dem Denkmal kann man gut den Spruch
In Treue fest [1] lesen, allerdings finde ich keine einzige bayerische Einheit auf dieser Tafel. Ich kann aber weder alle aufgeführten Einheiten identifizieren noch habe ich detaillierte Unterlagen zur Formationsgeschichte des Deutschen Heeres. Ich weiß aber auch um preußische Städte mit Denkmälern (auch schon zum Krieg von 1870/71) mit dieser Inschrift, und darüber hinaus kenne ich auch den Satz
In Treue fest - Deutsch Südwest. Das Motto war also keineswegs eines, dass nur in Bayern bedeutsam war.
Die Karte trägt die Nr. 18 und stammt vom bereit bekannten Verlag E. Sauwald, Esslingen. Sie ist aber (noch) nicht als Teil der Reihe
Kriegsbilder aus dem Westen. bezeichnet. Außerdem ist der Druck auf der Anschriftenseite in Schwarz, nicht wie bei den anderen Karten des Verlags hier Thread in Grün. Die Karte ist nicht datiert.

https://de.wikipedia.org/wiki/In_Treue_fest
Noch einmal Zonnebeke, diesmal das
Strassenkreuz Broodseinde vor Ypern 1915. Gemeint ist hier nicht etwa das im Hintergrund leicht rechts der Bildmitte zu sehende Kreuz, sondern einfach die Kreuzung selbst, die heutige Kreuzung der N332 und der N303. Das Kreuz dagegen ist Teil eines weiteren Soldatenfriedhofes.
An der Kreuzung Broodseinde fanden vom 21.10.1914 bis zum 22.04.1915 heftige Kämpfe statt, die in der
Geschichte des Königlich Sächsischen Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 241 recht detailliert beschrieben werden [1]. Und weil wir in Flandern sind, ist dieser Kampf natürlich keineswegs der letzte um die Kreuzung. Am 04.10.1917 gab es den Battle of Broodseinde [2] als Teil der Dritten Flandernschlacht.
Hermann schickte hier am 17.03.1916 mal wieder einen
Gruß aus Feindesland vor Ypern.


[1]
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/UDQZ6ULBMIQJXW7E5TNJPWNA6PUDPQZ5
[2]
https://en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_Broodseinde
Heute kann ich zeigen, dass ein Motiv durchaus auf Karten mehrerer Hersteller vorkommen konnte, und das anhand zweier Karten mit dem Motiv
Ypern. Die erste Karte wirkt durch das Fehlen jeder Verlagsangabe wie eine der typischen Foto-AK. Auf ihr hat Hermann am 02.05.1916 folgendes geschrieben:
M. Lieben!
Das ist eine Ansicht von dem
zerschossenen Ypern, sie ist
eine von unseren Fliegern
aufgenommen. Sonst ist für
mich alles beim alten
Bin noch gesund, was ihr
wohl auch noch seit. Nur
das eine ist, es kann sein, das
wir hier fort kommen. Und
zuerst in Deutschland zum
Truppenübungsplatz und dann
wieder fort nach Russland.
Aber ?, das wissen wir
ja nicht. Dann bekommt man
wieder mal waß neues zu
sehen. Zum Schluß seit alle
herzlich gegrüßt bis auf ein
frohes Wiedersehen von
Euer Sohn Hermann
Die Transkription enthält alle Fehler, die ich im Original gefunden habe, z.B.
seit statt
seid. Und ein Wort bekomme ich nicht gelesen. Da wäre ich für Hilfe dankbar, und wenn jemand einen Fehler findet, den ich beim Transkribieren gemacht habe, sage er ruhig ebenfalls Bescheid.
Zum Motiv hat Hermann ja schon etwas gesagt, ich möchte es aber um ein paar Details ergänzen. In der Bildmitte erkennt man (noch) die Kirche St. Martin, die im weiteren Verlauf des Krieges noch völlig zerstört, aber schon wenige Jahre danach wieder aufgebaut werden sollte. Darunter erkennt man die Tuchhallen mit dem Belfried. Auch diese wurden nach dem Krieg rekonstruiert, und heute befindet sich in dem Gebäude unter anderem das
In Flanders Fields Museum, dessen Besuch ich nur empfehlen kann. Den Belfried kann man auch besichtigen. Von oben hat man einen tollen Ausblick auf die Stadt und die Umgebung.
Die Tuchhallen heißen übrigens so, weil sie ein Lager für Tuch waren. Dieses wurde immer wieder von Mäusen angefressen, und in einer anderen Art von Krieg wurde gegen diese Tiere die beste Waffe eingesetzt: Katzen. Wenn diese sich dann zu stark vermehrten, wurden sie selbst aus dem Belfried geworfen. Katzen sind daher in Ypern als Motiv so häufig wie der Krieg.


Die zweite Karte zeigt das selbe Bild, hier aber deutlich professioneller dargestellt. Das ist wenig erstaunlich, denn die Karte ist die Nr. 258 Reihe
Kriegsbilder aus dem Westen. des Verlags E. Sauwald, Esslingen (Anschriftenseite ist wie in [#40]).
@ reichswolf [#62]
Ich denke da steht
wieder fort nach Russland.
oder Türkei, das wissen wir
ja nicht. Dann bekommt man
grüsse Christof
@ reichswolf [#62]
Hallo Christoph,
ich habe noch einige Kleinigkeiten gefunden. Die Interpretation wird dadurch nicht ändern und ich erwähne sie nur weil Du schreibst “Die Transkription enthält alle Fehler, die ich im Original gefunden habe”):
Dies ist eine Ansicht von dem
(…)
eine von unsern Fliegern
(…)
Bin noch gesund, was Ihr
(…)
sehen. Zum schluße seit alle
Viele Grüße
Emiel
@ chris63 [#63]
@ evwezel [#64]
Herzlichen Dank euch Beiden!
Aus Ypern selbst kann ich im Moment keine weiteren Ansichten zeigen, die zum Thread passen, aber ich möchte zwei Karten präsentieren, deren Motive vor Ypern aufgenommen wurden. Beide Karten stammen wieder von E. Sauwald, Esslingen, sind nummeriert, tragen aber nicht die Bezeichnung
Kriegbilder aus dem Westen. Beide Karten sind unbeschriftet.
Die erste Karte trägt die Nummer 130 und zeigt einen
Schützengraben vor Ypern. Einen ganz ähnlich konstruierten Graben, dass heißt, einem mit diesem Geflecht aus Ästen zur Stabilisierung der Wände versehenen und am Boden mit Brettern ausgelegten habe ich kürzlich im Bayernwald südlich Ypern besichtigen können. Schon diese Gräben sind sehr 'ungemütlich', besonders perfide fanden meine Frau und ich aber die Anlage der Bunker, die auf Befehl hin so niedrig gebaut wurden, dass ein Aufenthalt darin wirklich nur während eines Artillerieangriffes in Betracht kam. Ansonsten hatte man nicht vor, die Soldaten durch Annehmlichkeiten zu verweichlichen. Gut erkennbar auf dem Bild ist die Anlage in Zickzackform. Diese Form dient einerseits dem Schutz der Besatzung, da so Granatsplitter und Schrapnelle eine geringere räumliche Verteilung erreichen als in einem geraden Graben, zum zweiten ist eine Zickzackform auch sinnvoll bei der Abwehr eines Infanterieangriffes, da der anstürmende Gegner aus mehreren Winkeln unter Feuer genommen werden kann.

Die zweite Karte heute hat das Motiv
Durch Minen gesprengter Trichter, 8 m tief, vor Ypern 1915. Die Nummer der Karte ist 400. Es könnte dies einer der Minenkrater sein, die am 17.04.1915 beim Kampf um die Höhe 60 entstanden sind [1].
https://de.wikipedia.org/wiki/Kampf_um_H%C3%B6he_60_(Westfront)
Wieder einmal sandte Hermann
Viele Grüße aus Feindesland, diesmal auf einer Foto-AK mit dem Motiv
Englische Erdhöhlen im Walde vor Ypern. Es hat ein bisschen gedauert bis ich bemerkt habe, dass im Wald ein Soldat vor einer Leiche steht.

@ reichswolf [#66]
Die passende Karte zu Allerheiligen / Allerseelen = Totengedenktag der katholischen Gläubigen

Zerstörung des
Dannemarie-Viadukts über die Lagure am 26. August 1914 durch die 3. Kompanie des 28. Bataillons zu Belfort. Geschrieben am 14. Juni 1915.

Das wiederaufgebaute Eisenbahn-Viadukt auf der Strecke Belfort – Mülhausen [1], eine 493 m lange steinerne Bogenbrücke über die Largue, die 1862 erbaut und seither viermal zerstört und wiederaufgebaut wurde (1870, 1914, 1915 und 1944). Die Karte wurde im Februar 1919 versandt.
Ich wünsche einen schönen Sonntag
Günther
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Paris%E2%80%93Mulhouse
@ Seku [#67]
Kleine Ergänzung: Die Zerstörung des Viadukts bei Dammerkirch erfolgte durch die 3.Kompanie des frz. 28.Pionierbataillons, welches bei Kriegsausbruch in Belfort stationiert war. Ort und Umgebung waren bei Kriegsausbruch kurzzeitig von den Franzosen besetzt worden, die sich aber wieder zurückziehen mußten. Auf ihrem Rückzug zerstörten sie den Viadukt.
Gruß
charly999
Aus dem Fundus von Hermann werde ich noch einige weitere Karten vorstellen,die jedoch alle örtlich nicht mehr genau zu bestimmen sind. Zwar findet sich immer wieder auf der Anschriftenseite ein Hinweis auf (West-) Flandern, aber Ortschaften werden auf den folgenden Belegen nicht mehr genannt, soweit ich es bisher überblicken kann.
Heute möchte ich eine Karte mit einem Fesselballon zeigen. Diese Ballons bleiben stets durch eine Leine mit dem Boden verbunden und wurden vom Offizier und Militärhistoriker George Soldan [1] wie folgt charakterisiert:
Der Stellungskampf mit der Forderung ununterbrochener Beobachtung kleinster Ziele drängte dazu, die Erdbeobachtung nicht nur durch Flieger, sondern auch durch Ballone zu ergänzen. Die Ballonkamera trat an die Stelle des Auges und überbrückte Entfernungen über 25 km hinaus. So wurde der Fesselballon neben dem Flugzeug ein unentbehrliches Hilfsmittel für die Führung und die Artillerie. [2]
Auf dem Foto ist meiner Ansicht nach rechts im Bild dann auch folgerichtig Artillerie zu sehen, aber da bin ich unsicher wegen der unzureichenden Qualität des Fotos.
Die Anschriftenseite dieser Foto-AK ist bis auf die üblichen Linien leer.

[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/George_Soldan
[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Fesselballon
Heute zeige ich eine Karte, die nicht von Hermann stammt. Ihr Motiv ist
Der amtliche Tagesbericht im Felde, hier angeschlagen auf einer tafel an einem Baum und von mehreren Soldaten studiert.
Absender der Karte war ein Hans Hartmann. Der Truppenstempel lautet
Feldpostadresse des Absenders: Bayer. Res. Inf. Rgt. 21, 6. Komp. Feldpost 6. bayer. Res. Div., ein Tagesstempel ist nicht vorhanden. Datiert ist die Karte auf den 08.06.1916, versandt wurde sie aus Nordfrankreich nach Rosenheim. Hans schrieb:
Mein lieber Freund Ludwig!
Heute sind es 2 Monat daß ich im
Felde bin; habe dir schon einmal von
hieraus geschrieben habe aber keine
Antwort erhalten. Lieber Ludwig habe
schon viel gesehen, dieses Morden und
Brennen schade für die schönen Häuser
alles Trümmerhaufen jetzt. Hier wird
kräftiges Artilleriefeuer gemacht sowas
hast du noch nicht gehört. Wie geht
es dir alter Oberner (?). Mir geht es auch
gut, was ich von dir hoffe. Bitte laße
bald was hören und sei aufrichtig gegrüßt
von deinem treuen (?)
Den Text finde ich interessant. Erstens weil Hans zwar von Morden und Brennen schreibt, aber letztlich lediglich die schönen Häuser betrauert. Zweitens wegen der kurzen Beschreibung des Artilleriefeuers, das wir Nachgeborene uns wohl wirklich nicht einmal entfernt vorstellen können bezüglich seiner Wirkung auf die Soldaten.
Jetzt hätte ich beinahe vergessen, den 11.11. hier zu würdigen. Mag daran liegen, dass ich zwar Rheinländer, aber alles andere als ein Karnevalist bin. Egal, ich nutze das Datum und zeige ein paar Karten von Hermann, die illustrieren, dass man auch mitten im Krieg versuchte, sich mit Vergnügungen abzulenken.
Die erste Karte trägt den Titel
Kostümfest im Felde. Außerdem ist auf dem Foto ein Fass mit der Aufschrift
Hoch lebe Fasching 1916 vor Ypern zu sehen. Vielleicht interpretiere ich zu viel in das Bild hinein, aber mir scheinen die Kostüme zum Teil recht deutlich die Sehnsucht nach weiblicher Gesellschaft zu spiegeln.
Hermann schreibt:
So spielt man
Krieg im
Feindesland.
Euer Brief erhielt
ich auch gestern.
War Carl bei
Euch zu Haus.


Karte Nr. 2 ist beschriftet mit
Kindtaufe im Feld der II. Patr., wenn ich es richtig deute. Die Rückseite ist hier blanko.
Hochzeit unserer Feldgrauen in Flandern 1916 ist der Titel der dritten Karte, der meine Interpretation von Karte Nr. 1 ein wenig unterfüttert. Hier schreibt Hermann am 25.08.1916 mal wieder einen
Gruß aus Flandern.


Bei der nächsten Karte kann ich den Titel nicht ganz lesen.
Zum (?) im Felde 1915. ist klar, das zweite Wort fehlt mir. Auch diese Karte wurde von Hermann am 25.08.1916 mit einen
Gruß aus Flandern versehen.
@ reichswolf [#71]
Hallo,
auf der letzten Karte steht "Zum Standesamt im Felde".
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#72]
"Standesamt"! Macht Sinn, und jetzt kann ich es auch lesen.
Herzlichen Dank, Volkmar!
LG
Christoph
@ reichswolf [#62]
Im verlinkten Beitrag habe ich schon einmal zwei bildgleiche Karten gezeigt, die jedoch hinsichtlich der Qualität der Darstellung sehr unterschiedlich waren, weil die eine eine Foto-AK war, die andere aber von einem richtige Verlag herausgegeben wurde. Heute zeige ich erneut zwei Karten mit identischer Bildseite, die jedoch trotzdem beide zeigenswert sind, weil es eben doch deutliche Unterschiede gibt.
Beide Karten sind jeweils die Nr. 813 der
Kunst- und Verlagsanstalt Schaar & Dathe, K(omm).G(es). a. Akt., Trier. Die zuerst gezeigte Karte trägt zusätzlich den anschriftenseitigen Aufdruck
Militärisch zensiert und zum freien Verkehr zugelassen. Dieser Hinweis fehlt bei der zweiten Karte. Der in meinen Augen jedoch wesentlich bedeutsamere Unterschied (und damit der Grund, warum ich beide Exemplare zeige) findet sich auf der Bildseite, und zwar in der Betitelung der Karten.
Karte Nr. 1 trägt den Titel
Gaswolken vor dem Angriff. Wie gesagt, dies ist die militärisch zensierte Variante. Der Gaskrieg scheint also in den Augen des Militärs keineswegs anrüchig gewesen zu sein. Gelaufen ist sie am 06.11.1918 von
Coblenz * 2 c nach Sigmaringen. Der Truppenstempel lautet
Königl. Preuss. Nachrichten-Ersatz-Abteilung 8 * Brief- Stempel.

Karte Nr. 2 trägt den weniger krassen Titel
Französische Stellung in der Champagne. Rauchwolken vor dem Angriff. Natürlich ist auch rauch potentiell tödlich, doch dürfte der Betrachter hier von einem Nebeneffekt eines Artillerieangriffes in Vorbereitung eines Infanterieangriffes ausgehen. Gas dagegen stellt ja eine eigene Art des Angriffes dar und wurde als besonders schlimm erachtet.
Diese Karte ist nicht gelaufen.
Hallo zusammen,
wie wohl in jedem Krieg galt es auch hier Erfolge kundzutun. Da waren natürlich Postkarten ein probates Mittel. Auf dieser Feldpostkarte vom 29.1.1918 werden in Köln. a. Rh. auf dem Neumarkt eroberte französische Kanonen dem interessierten Publikum präsentiert.


Mit nachdenklichen Grüßen
Edwin
@ epem7081 [#75]
Nach der Vorlage greife ich das Artillerie-Thema deiner Karte auf und zeige zwei Foto-AK, die beide das gleiche Exemplar eines zerstörten Geschützes zeigen. Es steht auf einem Innenhof zusammen mit weiterem militärischen Gerät.
Karte Nr. 1 wurde rückseitig von Hermann beschriftet mit
Ein Rohrzerspringer
4 Batl.
Andenken von
Flandern.


Auf der zweiten Karte sehen wir zusätzlich noch vier Soldaten, die mit dem zerstörten Geschütz posieren. Hier hat Hermann auf der Bildseite
Rohrzerspringer 4 Batl. notiert und rückseitig
Andenken von Westflandern.

@ reichswolf [#71]
Guten Morgen Christoph.
Jetzt hätte ich beinahe vergessen, den 11.11. hier zu würdigen.
Ich dachte an diesem Tag eher an das Ende des 1. Weltkrieges am 11. Nov. 1918. [1]
Doch weiter mit einer Ansichtskarte aus meiner Sammlung
Deutsche Kriegsgefangene vor Segelkorvetten im Hafen von
Dunkerque (Dünkirchen) [2]. Der Stadt erhielt durch die
Schlacht von Dünkirchen [3] im II. Weltkrieg traurige Berühmtheit.
Ich wünsche einen schönen Sonntag
Günther
[1]
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=351487
[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Dunkerque
[3]
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_D%C3%BCnkirchen
Aus der 2. Kriegs-Wohlt.-Ausgabe (5 Werte) Waffengattungen
Österreich MiNr 162, 01.05.1915

Artillerie (Skoda-Mörser)
Nur so ein Gedanke - ohne die Verwendung des oben gezeigten Kriegsgerätes wäre viel weniger Wohltätigkeit nötig
MfG Jürgen -wajdz-
Deutsche Soldaten in
Marokko auf einem Transport ins Kriegsgefangenenlager.

Karte geschrieben 17. April 1918. Erwähnt wurde im französisch verfassten Text
Casablanca. Auf dem Stempel steht auch
Meknès
mehr dazu hier [1]
Günther
[1]
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=1560&full=1
@ Seku [#79]
Erwähnt wurde im französisch verfassten Text Casablanca. Auf dem Stempel steht auch Meknès
Meknès le 17 avril 1918
Chère Epouse et enfants,
Cette vue te présente le départ des prisoniers allemands
partant en chemin de fer de Casablance pour l'intérieur
par un petit chemin de fer dont je t'ai parlé sur
mes lettres. Embrasse Emile Augustine
ton toutou [?] chéri qui t'aime pour la vie
[Unterschrift]
Meknès den 17. April 1918
Liebste Frau und Kinder,
diese Ansicht zeigt dir die Abfahrt deutscher Gefangener, welche mit der Eisenbahnlinie von Casablanca ins Innere mit einer kleinen Eisenbahn fahren, von der ich dir in meinen Briefen erzählt habe. Küsse Emile Augstine
dein ... Liebster, der dich für sein Leben lieb hat
Gruß
Stefan
@ Stefan [#80]
Guten Abend Stefan,
vielen Dank für die Übersetzung. Wer kein französisch versteht, tut sich schon schwer mit dem Entziffern.
Und weiter geht es mit einer interessanten Karte aus der
Schweiz:

Post aus einem
Internierungslager in Interlaken (CH) im Jahr 1916
Offensichtlich schrieb ein französischer Soldat an seine Freundin Denise in Tusson im Département Charente.
Näheres zu Internierungen in der Schweiz [1].
Habt einen schönen Abend
Günther
[1]
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D8704.php
Post aus dem
Kriegsgefangenenlager Königsbrück in der Oberlausitz im Jahr 1917


Die Karte ging nach Orléans im Département Loiret (F) und stammt aus dem Osterzgebirge
Ich wünsche ein schönes Wochenende
Günther
Es wäre schön, wenn die Beiträge sich an das Thema halten würden. Und das tun die letzten zwei eindeutig nicht.
@ reichswolf [#83]
Guten Abend Christoph,
Kriegsgefangenenpost auf Motiven der Zeit zwischen 1914 - 1918 kannst noch mehr haben von mir.
Günther
@ Seku [#81]
Offensichtlich schrieb ein französischer Soldat an seine Freundin Denise in Tusson im Département Charente.
Als kleiner Korrekturhinweis: bei der Empfängerin Denise Torqerit handelt es sich um die (unverheiratete) Schwester des Absenders. Dieser unterzeichnet seine Nachricht mit "Bons baises de ton frère [Name]" ;-) Seinen Namen kann ich leider kaum lesen (Alfons?).
Im Kartentext wird zwei Mal der Name Louise genannt, die ihn verlassen hat. Seine Freundin oder Frau? Madeleine soll auch gegrüßt werden.
Gruß
Stefan
["Bons baises de ton frère" in deutsch etwa "Gute Küsse von deinem Bruder", DeepL]
Heute zeige ich eine Karte mit einem Motiv, das im Vergleich zu den Bildern aus Flandern quasi in meiner Nachbarschaft entstand (etwa 60 km von mir entfernt). Die Bildseite ist beschriftet mit
Originalaufnahme vom Kriegsschauplatz. Explosion des Pulvermagazins des Forts Loucin [sic!]
durch einen einzigen Schuss der 42 cm Ilorsers. [sic!] Außerdem wird sie bezeichnet als
Kr. 81. VERLAG VON GUSTAV LIERSCH & CO BERLIN S.W.
Tatsächlich heißt das Fort Loncin und war Teil des Festungsrings um Lüttich. Dieser galt zu Beginn des Ersten Weltkriegs als uneinnehmbar. "Am 14. August begannen schwere (30,5-cm-M.11-Mörser von Skoda) und schwerste (42-cm-Mörser vom Typ dicke Bertha) mit dem Beschuss der Forts. Bis zum Abend des 15. August kapitulierten zehn von ihnen; Fort Loncin erhielt um 17:20 Uhr den Volltreffer in die Munitionskammer (in der sich 12 Tonnen Sprengstoff befanden) und kapitulierte am 16. August." [1]


[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Fort_Loncin
Hallo Sammlerfreunde,
Postkarte vom 24.3.1917 aus dem Feld an die Eltern in Riechberg.
Die Postkarte ist eine von vielen Künstlerkarten dieser Zeit, diese ist die Nr.12 mit dem Namen "Sperrfeuer".
Gruß Rainer

@ [#67]
So sah die Zerstörung der Brücke im Detail aus. Versandt im November 1915.

Gruß
Günther
Während der
Marne-Schlacht [1] im September 1914 wurden beim Rückzug der Deutschen etliche Brücken zerstört.

Diese Eisenbahnbrücke bei
Vouziers wurde bald wieder notdürftig repariert, sie lag an der Strecke
Amagne-Lucquy–Revigny [2]

Keine der drei Karten war damals versandt worden.
Ich wünsche ein schönes Wochenende
Günther
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_an_der_Marne_(1914)
[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Amagne-Lucquy%E2%80%93Revigny
1. Weltkrieg · Jagdflieger Eddie Rickenbacker
USA MiNr 2642, 25.09.1995

Edward Vernon „Eddie“ Rickenbacker (* 8. Oktober 1890 in Columbus, Ohio; † 23. Juli 1973 in Zürich, Schweiz) war ein US-amerikanischer Automobilrennfahrer, Unternehmer und Jagdflieger im Ersten Weltkrieg.
Mit seinen insgesamt 26 Abschüssen, darunter vier Fesselballons, die er bis zum 30. Oktober erzielte, avancierte Rickenbacker zum besten amerikanischen Jagdflieger des Ersten Weltkriegs.
MfG Jürgen -wajdz-
https://de.wikipedia.org/wiki/Edward_Vernon_Rickenbacker
@ GSFreak [#14]
@ epem7081 [#75]
Ich bin im Moment mal wieder knapp mit meiner freien Zeit, daher heute nur etwas ganz einfaches, mit dem ich die verlinkten Beiträge aufgreife. Es handelt sich hier um eine nicht gelaufene Karte mit dem Motiv
Roulers Marktplatz, Engl. Geschütze erobert in Langemarck. Roulers ist der französische Name für Roeselare, einer Stadt in Westflandern nordöstlich von Ypern. Dort richteten deutsche Soldaten am 19.10.1914 ein Massaker an der Zivilbevölkerung an, weil sie glaubten, von dieser angegriffen worden zu sein. Dem Massaker fielen ca 240 Menschen zum Opfer, und es wurden zahlreiche Häuser zerstört. Die Deutschen machten die Stadt in der Folge zu einer Garnisonsstadt für den Ypernbogen, da sie frontnah gelegen war. Diese Umstände machten Roeselare zu einem häufigen Ziel für Artillerieangriffe der Entente.
Ich habe bisher nicht feststellen können, um welche Geschütze es sich auf dem Bild handelt.
Die Karte wurde verlegt von E. Sauwald, Esslingen, die Rückseite sieht aus wie die in [#15] gezeigte und ist nicht beschriftet.
Auch im Krieg hat der Mensch seine natürlichen Bedürfnisse. Eines davon ist die Nahrungsaufnahme. In den Gräben selbst war das Zubereiten von Speisen meistens unmöglich, und wenn gerade wieder einmal feindliches Vorbereitungsfeuer auf die eigene Stellung niederging, war es oftmals nicht einmal möglich, das Essen mittels Trägern von einer Feldküche in die Frontstellung zu bringen. Gelang es doch, war das Essen oftmals bereits kalt.
Die Feldküchen waren zeitweise auch eine Art sozialer Treffpunkt, allerdings kein ungefährlicher. Denn freilich war es aus logistischen Gründen geboten, mit der Küche so nah wie möglich an die Front heran zu fahren, das machte die Küche jedoch zu einem beliebten Ziel für die feindliche Artillerie.
Die Schwierigkeiten mit der Nahrungsversorgung ist auch immer wieder Thema in Feldpostbriefen (da wird oft nach Lebensmitteln gefragt oder sich für erhaltene bedankt), aber auch z.B. im schon mehrfach erwähnten Roman
Im Westen nichts Neues. Die Figur Katczinsky ist dort ein erfahrener Soldat, der sich unter anderem dadurch auszeichnet, das karge Armeeessen durch geschicktes "Organisieren" aufzubessern. Und schon auf den ersten Seiten gibt es eine Szene, die in einer Feldküche spielt. Dort werden die Schwierigkeiten der Versorgung thematisiert, es wird ein furchtsamer Koch dafür verantwortlich gemacht, dass die Rationen oft kalt zur Front kommen, weil der Koch nicht nah genug heran fährt. Auch der Treffpunktcharakter der Küche wird gut beschrieben, und es wird erwähnt, dass bei der Küche auch die Post verteilt wurde.
Meine Karte dazu ist die Nr. 4100 der
Sächsische(n) Verlags-Anstalt, G.m.b.H., Dresden-A. 19. Sie zeigt
Eine Feldküche mit Feldmetzgerei im Feindesland. Für heutige Verhältnisse ist die Feldmetzgerei ziemlich detailfreudig dargestellt, es sind sogar einzelne Innereien des geschlachteten Schweines gut erkennbar. Damals dürfte daran kaum jemand Anstoß genommen haben, die Soldaten waren sicherlich schlimmere Anblicke auch von menschlichen Körpern gewohnt (siehe dazu einige der Karten hier im Thread), und auch viele Zivilisten waren deutlich weniger von ihrem Essen entfremdet als heutige Menschen. Die Karte ist am 17.12.1916 von der Heimat in Richtung Westfront gelaufen.

@ reichswolf [#92]
Wenn oben etwas reingeht, muss unten früher oder später wieder etwas raus. Daher zeigt meine heutige Karte eine
Querbaum-Übung bzw. den gemeinschaftlichen Besuch einer sehr primitiven Latrine. Wer jetzt (wie ich) sofort denkt, die sanitären Umstände wären ein weiterer Grund, warum man nicht in den Krieg ziehen wollen würde, dem sei die gleiche Stelle in Remarques Roman empfohlen, die ich einen Beitrag weiter oben schon genannt habe. Denn unmittelbar nach dem Besuch der Feldküche beschreibt der Protagonist recht ausführlich den Besuch einer Latrine, allerdings einer im Vergleich zum heutigen Motiv sehr luxuriösen. Er schildert, wie die Scham bald verschwunden war und man nun stundenlang Skat spielend auf der Toilette sitzt. Man lernt, dass wenn die Umstände nur schlimm (um nicht, im Bilde bleibend, beschissen zu schreiben) genug sind, selbst Kleinigkeiten ein regelrechter Glücksmoment sein können, und sei es nur eine ordentliche Verdauung in freundlicher Runde.


Gelaufen ist die Karte am 02.03.1916. Verschickt hat sie ein Soldat der
Masch.=Gew.=Komp. Res.=Inf.=Regt. 118 bei der
K. D. Feldpostexp. der Großh. Hess. 25. Res. Div. * a an einen Maat auf der SMS München [1].
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/München_(Schiff,_1905)
Vor 110 Jahren ging diese
Kriegsgefangenen-Sendung von
Grafenwöhr in der Oberpfalz nach
Bourg-de-Péage, einer französischen Gemeinde im Département Drôme in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Ob die Karte, abgesandt am 18. Dezember 1914, noch rechtzeitig zum Weihnachtsfest ankam ?


Grafenwöhr war ursprünglich ein Schießplatz für das III. Korps der Bayerischen Armee [1]. Während des Krieges war es ein Gefangenenlager. Später ein Truppenübungplatz. Heute der größte US-Truppenübungsplatz in Europa.
Ich wünsche einen schönen Tag
Günther
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Truppen%C3%BCbungsplatz_Grafenw%C3%B6hr
@ wajdz [#78]
Aus der 2. Kriegs-Wohlt.-Ausgabe (5 Werte) Waffengattungen
Österreich MiNr 180, 01.05.1915

Infantrie im Schützengraben
MfG Jürgen -wajdz-
Krankentransportsammelstelle in
Chambley [1] an der
Bahnstrecke Longuyon–Pagny-sur-Moselle [2] in Lothringen. Karte ist nicht gelaufen und wurde in Metz gedruckt.

Ich wünsche ein schönes Advents-Wochenende
Günther
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Chambley-Bussi%C3%A8res
[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Longuyon%E2%80%93Pagny-sur-Moselle
@ wajdz [#78] und [#95]
Österreich 1915: Aus dem Satz "Kriegswitwen- und Waisen-Hilfe" hier eine weitere Marke:
Kavallerie

Mi.-Nr. 181
Habt alle einen schönen Tag
Günther
@ Seku [#97]
Die Kavallerie spielte im Ersten Weltkrieg zumindest im Westen fast keine Rolle mehr. Das hatte zwei Gründe. Erstens das Maschinengewehr, mit dem heranstürmende Kavallerie und Infanterie von nur sehr wenigen Soldaten effizient und effektiv aufgehalten werden konnte. Der zweite Grund ist auf den ersten Blick weniger spektakulär, aber mindestens genauso wirkmächtig. Es war die Erfindung des Stacheldrahtes.
Kavallerie braucht für einen wirkungsvollen Einsatz ein freies Feld. Schon die immer stärkere Be- bzw. Zersiedelung Europas war für ihren Einsatz hinderlich, während sie in den Weiten Amerikas oder Russlands viel länger eine sinnvolle Waffengattung darstellte. Doch auch in Amerika gab es ab den 1870er Jahren Hindernisse für Reiter, den Stacheldraht eben. Dieser wurde dort auch teils erbittert bekämpft, siehe dazu zum Beispiel den tollen Western
Mit stahlharter Faust (Man Without a Star, King Vidor, USA 1955).
Seit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert wurde Stacheldraht auch militärisch genutzt, und der Grabenkrieg des Ersten Weltkrieges wäre ohne die sogenannten Drahtverhaue kaum denkbar gewesen. Diese hielten Infanterie und theoretisch auch Kavallerie wirkungsvoll auf. Sich durch diese Verhaue zu kämpfen war schwierig, zeitaufwendig und daher sehr verlustreich. Selbst die sonst so zerstörerische Artillerie war gegen Stacheldraht nicht besonders wirkungsvoll. Wenn die Drahthindernisse tief genug waren, konnten sie auch nur äußerst schwierig überbrückt werden. Die enorme Verlangsamung des Angreifers machte es den Verteidigern mit den Maschinengewehren um so leichter, einen Angriff abzuwehren.
Erst der Panzer konnte dem Drahtverhau wirklich etwas entgegensetzen, war aber zumindest im ersten Weltkrieg selbst noch durch Draht aufhaltbar und noch lange nicht die mächtige Waffe, die er im Zweiten Weltkrieg werden sollte (angeblich kann man mit genug Draht aber selbst einen Leopard 2 aufhalten).
Doch auch das Errichten dieser Barrieren muss höllisch gewesen sein. Meistens erfolgte es bei Nacht, um dem Gegner kein sichtbares Ziel zu bieten. Es wurden Pfosten in die Erde gerammt oder gebohrt und diese dann mit Draht bestückt, der auch für den Verleger gefährlich war. Denn mit dem Draht, der heute zur Einzäunung von Weiden genutzt wird, hat der Stacheldraht im Krieg wenig zu tun. Dessen Stacheln sind deutlich länger, oft auch noch dichter gesetzt.
Dazu zeige ich heute zwei Karten. Die erste stammt von einem Soldaten, der in Russland kämpfte. Der Truppenstempel ist der Kreisstempel
III. BATL. INF.-REGTS 342 * Brief- stempel. Der Tagesstempel vom 02.11.1916 lautet
K.D. Feldpoststation * Nr. 118 a. Zu sehen ist ein umgestürzter Baum, voll besetzt mit Soldaten und ein Drahtverhau im Vordergrund. Der Stacheldraht ist sehr detailliert zu erkennen.


Die zweite Karte trägt den Titel
DRAHTVERHAUE und zeigt diese und einen Schützengraben. Die Karte wurde vom
Kriegspostkartenverlag Fritz W. Egger, München 19. als Karte
FEM Nr. 50 "m" verlegt. Gelaufen ist sie am 28.04.1917. Der Absender hatte die
Feldpostadresse. Feldart. Rekrutendepot 6 Deutsche Feldpost 411. Der Tagesstempel ist ein aptierter bayerischer Feldpoststempel, dessen Text nur noch
FELDPOST * * lautet. Diese Karte müsste von der Westfront stammen.


Selbst der tückische Stacheldraht war aber schon früh auch Gegenstand humoristischer Kriegsdarstellungen. In
Dick und Doof als Rekruten (Pack Up Your Troubles, George Marshall, USA 1932) nutzen Stan und Ollie unabsichtlich einen Panzer und eine Menge Stacheldraht zur Gefangennahme zahlreicher deutscher Soldaten. [1]
[1]
https://www.youtube.com/watch?v=IQthSO0DgrM etwa ab 23:30
@ reichswolf [#98]
Keine Ahnung, was da in meinem Kopf falsch gelaufen ist. Es muss natürlich heißen "Seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurde Stacheldraht auch militärisch genutzt [...]" nicht "[...] vom 18. zum 19. Jahrhundert [...]".
@ [#97]
Aus dem Satz "Kriegswitwen- und Waisen-Hilfe" hier die nächste Marke:
SMS Viribus Unitis (ein Schlachtschiff der k.u.k Kriegsmarine)

Mi.-Nr. 183
Ich wünsche einen schönen Abend
Günther
@ Seku [#100]
Es wäre wäre wirklich schön, wenn du beim Thema bleiben würdest. Um die letzte Marke als thematisch passend zu deklarieren muss man sich schon sehr verbiegen. Auch der Beitrag [#94] ist nur mit Mühe dem Thema zuzuordnen. Dabei kann es eigentlich nicht so schwer sein, Motive aus dem Ersten Weltkrieg zu finden. Nicht von irgendwelchen Orten oder Gegenständen, die auch zur Zeit des Krieges existierten, sondern konkrete Darstellungen des Krieges und seiner Folgen. Oder schreib wenigsten etwas dazu, warum das Motiv in deinen Augen passend ist.
@ reichswolf [#101]
Zitat:
Oder schreib wenigsten etwas dazu, warum das Motiv in deinen Augen passend ist.
Im Thema steht nichts von "nur" Ansichtskarten. Das auf der Marke gezeigte Schlachtschiff [1] wurde vor dem Krieg gebaut und wohl im 1. Weltkrieg eingesetzt. Ich sehe jedenfalls, dass es feuert. Für mich ist es ein Motiv aus dem Krieg. Im übrigen wurde der Marken-Satz von einem Kollegen begonnen, ich wollte diesen vervollständigen., was dann mit der nächsten Marke geschieht.
Aus dem Satz "Kriegswitwen- und Waisen-Hilfe" hier die letzte Marke:
Lohner-Pfeilflieger [2]

Mi.-Nr. 184
Ich wünsche allen einen geruhsamen Wintertag
Günther
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Viribus_Unitis_(Schiff)
[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Lohner-Werke#Flugzeugbau
@ reichswolf [#101]
Zitat:
Auch der Beitrag [#94] ist nur mit Mühe dem Thema zuzuordnen.
Nun, ein Krieg besteht nicht nur aus Kampfhandlungen mit Zerstörung, Toten und Verwundeten. Da gibt es auch ein Umfeld in Form von z.B. Gefangenenlagern, Lazaretten oder Truppenübungsplätzen, wie gezeigt.
Heute zeige ich einen zerstörten Lazarettzug bei Bras-sur-Meuse, etwa fünf Kilometer von Verdun entfernt.

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende
Günther
Veteranen des 1. Weltkriegs
USA MiNr 1765, 26.08.1985

Im Jahr 2011, am 27. Februar, (im Alter von 110 Jahren, 26 Tagen) starb der
letzte US-amerikanische Veteran des Ersten Weltkrieges, Frank Buckles *1. Februar 1901. Seine Beisetzung fand am 15. März 2011 auf dem Arlington National Cemetery statt.
1917 trat er im Alter von 16 Jahren in die US Army ein und diente in einem Detachement aus Fort Riley, wo er Krankenwagen und Motorräder in Frontnähe in Europa fuhr.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde er im Alter von 40 Jahren von japanischen Truppen gefangen genommen, als er in der Schifffahrtsbranche arbeitete, und verbrachte drei Jahre als Zivilgefangener auf den Philippinen.
Buckles erhielt nach Beendigung des Ersten Weltkriegs die Siegesmedaille des Ersten Weltkriegs und nachträglich die Medaille der deutschen Besatzungsarmee, nachdem diese 1941 geschaffen worden war. 1999 wurde ihm außerdem die französische Ehrenlegion verliehen.
MfG Jürgen -wajdz-
Was mir wie ein Soldatenfriedhof in einer völlig zerstörten Landschaft erscheint, ist für den damaligen Betrachter ein "Hüttenlager"
Gruß Ulf
Guten Morgen in die Runde,
zu dieser Feldpostkarte gab es vom Verkäufer aus Belgien folgende Information:
"METTERNICH russische Kriegsgefangene 1916 Landsturm Bahnpost Metz Coblenz Zug 408 Koblenz". Wie er jetzt auf Landsturm [1] kommt, kann ich leider nicht sagen. Metternich ist ein Stadtteil von Koblenz und da gab es offensichtlich ein Gefangenenlager.


Ich wünsche einen schönen Adventssonntag
Günther
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Landsturm#Deutsches_Reich_1875
@ Seku [#106]
In der Absenderangabe heißt es 'Landsturmmann' (abgekürzter Dienstgrad). Auf der Bildseite sind 3 Landsturmmänner als Bewachungsmannschaft für die Kgf zu sehen, eine typische Aufgabe des Landsturms.
Gruß
charly999
@ reichswolf [#101]
Spannend. Ich habe auch ein kleine Sammlung aus dem 1. Weltkrieg, und ein grosses Album voller Feldpost. Alle Briefe und Karten gingen an dieselbe Familie. Mein Ziel ist, die Nachrichten lesen zu können, was natürlich oft herausfordernd ist.
Daher interessiert mich: geht es bei dir auch um den Inhalt oder eher nebensächlich?
@ charly999 [#107]
Hallo Charly999,
Danke schön! Um das herauslesen zu können braucht man schon gute Kenntnisse.
Seku
Auf dieser unbeschriebenen Karte sehen wir einen
Lazarettzug mit britischen Sanitätssoldaten auf dem Weg zur Front.

Ich wünsche ein schönen Wochenbeginn
Günther
@ Heike [#108]
Ich finde alle Aspekte der Feldpost interessant. Allerdings beschränkt sich der Inhalt der Briefe und Karten aus mehreren Gründen meist auf Banalitäten. Erstens gab es ja die Zensur, man musste also durchaus ein wenig vorsichtig sein mit dem ,was man schrieb. Bestimmte Inhalte waren generell verboten. Zweitens gab es eine Selbstzensur, das heißt, die Soldaten haben auch zum Schutz der Seelen ihrer Verwandten und Freunde oftmals nicht geschildert, wie ihr Alltag wirklich aussah. Umgekehrt haben die Menschen in der Heimat die Soldaten an der Front ebenfalls oft nicht mit ihren Sorgen zusätzlich belasten wollen.
Man findet daher häufig Bitten um Tabak, Nahrung oder Kleidung oder eben Dankesschreiben dafür. Auch das hat aber eine gewisse Aussagekraft, finde ich.
@ reichswolf [#111]
Ja, das ist mir bewusst. Aber ich finde auch Kleinigkeiten spannend. In einem die Beschreibung der Krankheiten der Pferde. Da das alles keine Karten/Briefe zwischen Verheirateten sind (die meist wirklich eher vorhersehbar sind) sondern (ich weiss es eigentlich nicht) Karten und Briefe zwischen Chef und seinen vormals Angestellten evtl.
Bisher lese ich nur die, die sehr leserlich schrieben.
@ Heike [#112]
Den Brief bezüglich der Krankheiten der Pferde würde ich gerne sehen. Falls der wegen fehlendem oder falschem Motiv nicht hierher passt gerne auch im allgemeinen Feldpost des 1. Weltkrieg-Threads.
Bei der folgenden Karte fand ich den Text tatsächlich interessant, da hier Hermann mal wieder einen Einblick in sein persönliches Frontleben gibt und Motiv und Text miteinander verknüpft. Die Foto-AK trägt den Titel
Jagd im Schützengraben. Die Beute, die hier gemacht wird, sind die allgegenwärtigen Läuse. Diese Tiere hatten durch das relativ seltene Wechseln der Uniform im Frontsoldaten einen idealen Wirt, und trotz vieler verschiedener Techniken der Läusejagd wurden die Truppen die Quälgeister nie wirklich los. Zu Beginn des fünften Kapitels von
Im Westen nichts Neues beschreibt Remarque zwei der Möglichkeiten, die Tiere zu töten. Einerseits kann man sie mit den Fingernägeln knipsen, doch Tjaden bevorzugt es, sie in eine improvisierte Pfanne über einem Kerzenstumpf zu werfen "- es knackt, und sie sind erledigt."
Hermann schreibt:
"Das ist eine richtige Auf-
nahme aus unserem
Graben, könnt Ihr Euch
ein Bild machen
wie es da aussieht.
Mit Gruß Euer Sohn
Hermann"


Das Motiv wurde übrigens auch als Karte Nr. 399 beim schon bekannten Verlag E. Sauwald, Esslingen sowie als Nr. 1568 bei der Sächsischen Verlags-Anstalt, G.m.b.H., Dresden-A. 19 unter dem gleichen Titel aufgelegt*, von der ich in [#92] auch schon eine Karte gezeigt habe. Vielleicht hat da jemand aus Hermanns Einheit seinen Sold mit diesen Aufnahmen aufgebessert?
*leider kann ich davon keine Bilder zeigen, da ich die entsprechenden Karten nicht selbst besitze, sondern nur aus dem Netz kenne.
Moin,
interessante Karte. Zeigt doch, dass man neben den Erzfeinden noch viele kleine Feinde hatte, die einem das Leben zur Hölle machten.
Die Angst vor Seuchen war unter den schlechten hygienischen Bedingungen ebenfalls groß.
So wurde geimpft und darüber streng genau Buch geführt.

Gruß Ulf
@ reichswolf [#113]
@ Dulfen1 [#114]
Dazu werde ich in den nächsten Tagen noch etwas zeigen, ich habe anlassbezogen nämlich noch ein paar Karten zu dem Thema erworben, die noch zu mir unterwegs sind. Bis dahin zeige ich etwas anderes, damit die zeitliche Lücke zum letzten Beitrag nicht noch größer wird.
Die heutige Karte zeigt eine eine
Erdwohnung in den
Argonnen. Die Argonnen, auch Argonner Wald genannt, ist eine bewaldete Hügellandschaft zwischen der Champagne im Westen und dem Tal der Maas im Osten und waren im Ersten Weltkrieg ein wichtiger Kriegsschauplatz, bekannte Schlachten sind zum Beispiel der Minenkrieg von Vauquois und die Maas-Argonnen-Offensive.
Berühmt geworden ist in Deutschland das Argonnerwaldlied [1], in dem ein Pionier besungen wird. Pioniertruppen haben unter anderem die Aufgabe, die eigene Truppe durch Baumaßnahmen zu unterstützen. Zu diesen Bauten gehören z.B. Brücken, Gräben, Festungen und Unterstände. Dem Charakter des Stellungskrieges geschuldet war der Bau von Unterständen an der Westfront bedeutend. Diese Unterstände hatten weit weniger provisorischen Charakter als in anderen Kriegen, denn die Front verlief ja in weiten Teilen fast den ganzen Krieg über relativ stabil. Auf der heutigen Karte kann man gut erkennen, dass die gezeigte Erdwohnung nicht nur als kurzfristige Unterkunft gedacht war. Schließlich besitzt sie ein Wellblechdach, es führt ein "befestigter" Weg zu ihr und es gibt sogar ein Geländer links und rechts der Treppe, die zum Eingang hinab führt.
Die Karte wurde am 27.02.1918 von einem Soldaten der Landwehr nach Heilbronn versandt. Verlegt wurde die Karte bei E. Sauwald, Esslingen.


[1] Die Melodie wird bis heute von Fans verschiedener Fußballvereine als Fangesang genutzt.
@ reichswolf [#113]
Außer auf der bereits erwähnten Karte Nr. 399 hat der Verlag
E. Sauwald, Esslingen das in [#113] gezeigte Motiv auch auf der heutigen Feldpostkarte verwendet. Hier wurde zusätzlich zum Bild das folgende Gedicht zur Illustration der Läuseplage genutzt, welches den soldatischen (Galgen-) Humor mit Patriotismus verbindet:
"Die Läusejagd.
Geh' ich in finstrer Mitternacht So einsam auf die Läusejagd
So denk ich an die Drogerie. Ob sie nichts hat für Läusevieh,
Und wenn man oft des Nachts erwacht, Sitzt alles bei der Läusejagd.
Als ich zur Fahne fortgemußt, Hab' ich nichts von der Laus gewusst,
Auch fand man ihren Ursprung nicht In unserer Naturgeschicht.
Sie hauset hier an jedem Ort Und sicher auch bei Joffre [1] dort.
Sie ist uns treu, wir ihr nicht gut, Sie saugt so gern Soldatenblut.
Kaum liegen wir in süßer Ruh, Dann beißen schon die Läuse zu.
Wir stehen dann vom Schlafe auf Und machen Sturmangriff darauf.
Wie glücklich lebt Ihr doch daheim Da Ihr nichts wißt von dieser Pein,
Ihr schlafet ruhig in der Nacht, Wenn wir sind bei der Läusejagd.
Doch für uns ist das keine Schand, Denn wir sind hier fürs Vaterland."
Der Absender Felix Dinkel schrieb am 19.10.1916 auf das Gedicht Bezug nehmend aus Frankreich an seine Tochter Charlotte in Berlin:
"Liebes Lottchen!
Deinen lieben Brief
v. 15/10. habe [ich] soeben
erhalten und mich über
deine Mitteilungen
sehr gefreut. Über diese
Karte mit Gedicht werdet
Ihr Euch wohl amüsieren.
An Mama werde [ich] morgen
schreiben. Sei herzlich
gegrüßt und geküßt
von Deinem Papa"


Der lieben Vollständigkeit halber seien noch die beiden Stempel erwähnt. Der Truppenstempel ist zwar schwach abgeschlagen, aber es lässt sich der folgende Inhalt noch erkennen:
S.B. EISENB. BAU-COMP. 20. Der Tagesstempel vom 21.10.1916 lautet
K.D. FELDPOSTSTATION № 97.
Weitere Karten zu diesem Thema werden folgen.
[1] Joseph Jacques Césaire Joffre war während des Ersten Weltkriegs zeitweise Oberbefehlshaber der französischen Armee. Hier wird sein Name wohl als pars pro toto für die französische Armee genutzt.
In Beitrag [#113] habe ich schon zwei Methoden genannt, mit denen Soldaten den Läusen zu Laibe rückten. Mit der heutigen Karte kommen weitere dazu, allerdings keine realen, sondern nur dem Galgenhumor der Truppe geschuldete. Denn hier sieht man, wie die Soldaten die Viecher mit dem Fernglas suchen, um sie mit Messern und Pistolen zu bekämpfen.
Die Karte
Nr. 578 der
Kunst- und Verlagsanstalt Schaar & Dathe, K.-G. a. Akt. Trier war
Militärisch zensiert und zum freien Verkehr zugelassen, die Zustände an der Front wurden also keineswegs vollständig zu vertuschen versucht, was wohl auch sinnlos gewesen wäre. Aber ich kann mir vorstellen, dass der Ton der Karte, der eben nicht leidend ist, sondern den Humor und die damit auch die Duldsamkeit der Soldaten herausstellt, ganz gerne gesehen wurde bei den Zensurbehörden.
Ich suche schon seit einiger Zeit nach konkreten Anweisungen der Regierung oder der OHL bezüglich der Freigabe von Kartenmotiven. Es gibt wohl einen Katalog mit 26 Veröffentlichungsverboten von Reichskanzler Bethmann-Hollweg von 1914, den ich aber bisher im Netz nicht finden konnte. Was ich allerdings wiederholt gefunden habe sind Aussagen dazu, dass die Zensur der Motive eher uneinheitlich gehandhabt wurde. Außerdem finde ich folgende Stelle in
Heinz-Dietrich Fischer (Hg.), Pressekonzentration und Zensurpraxis im Ersten Weltkrieg. Berlin, 1973 aufschlussreich:
„Bei allen in den Handel kommenden Ansichtspostkarten muss der Ort der Herstellung und der Name des Verlegers deutlich zu erkennen sein, denn nur so ist eine Prüfung möglich. Siehe auch Bilder, Kriegspostkarten.“
und
„Kriegspostkarten: Karten oder Bilderbogen mit Darstellungen, die auf den gegenwärtigen Krieg Bezug haben unterliegen der Vorzensur. Die Entscheidung einer Zensurstelle ist für alle anderen bindend. Zuständig ist die Zensurstelle, in deren Bezirk der Verleger den geschäftlichen Wohnsitz hat. Jede Postkarte oder jeder Kriegsbilderbogen muss Namen und Wohnort des Verlegers enthalten. Stattdessen ist ein Firmenzeichen gestattet, wenn es bei der Zensurstelle angemeldet und als ausreichend anerkannt ist. Kriegspostkarten und Kriegsbilderbogen ohne Adresse oder Firmenzeichen unterliegen der Beschlagnahme an jedem Ort, an dem sie in Verkehr gebracht werden.“
Leider liegt mir das Buch nicht vor, daher kann ich die originale Quelle nicht benennen. Offenbar waren die Foto-AK (also privat in Auftrag gegebene Karten in kleiner Auflage), die hier im Thread schon zahlreich zu sehen waren, eine kleine Lücke im System.
Zurück zur Karte mit dem Titel
Auf der Jagd im Schützengraben. Diese lief am 24.08.1917 aus dem Feld nach Frauenstein (Erzgebirge).


PS: Wenn man genau hinsieht erkennt man nebenbei, dass den Soldaten der Schnaps näher war als die Milch. ;-)
Diese Karte ging an die Eltern eines Studenten der Universität Göttingen, der an der Front war. Die Universität erbat Feldpost von den Angehörigen:
"Sehr erwünscht wäre die Uebersendung von Mitteilungen aus dem Feld, die auch direkt ans Sekretariat gesandt werden können, an die hier militärisch zugelassene Sammelstalle. Alles rein Persönliche wird in diskreter Weise ausgeschaltet, nur das für die Geschichte Wissenswerte wird von sachkundiger Hand ausgezogen."

Schon während des Krieges wurden Zeitzeugnisse aufgenommen, ein durchaus moderner historischer Ansatz.
@ reichswolf [#117]
Eine Kombination aus gesundheitlichen Problemen und viel Stress auf der Arbeit hat mich leider gehindert, hier zuletzt aktiv zu sein. Aber immerhin, heute schaffe ich noch mal einen Beitrag zu meinem letzten Thema.
Die heutige Karte wurde am 31.07.1916 bei der
K. D. Feldpoststation * Nr. 88 * aufgegeben. Verlegt wurde sie bei P.M.S.M., einem Verlag, über den ich keine weiteren Informationen finden konnte. Das Kartenmotiv heißt hier
"Eine kritische Toilette" und zeigt wiederum eine Gruppe Soldaten beim gemeinsamen Lausen. Nachdem auf der letzten Karte zum Thema ein Soldat den Biestern mit einer Pistole drohte sehen wir hier, wie jemand eine von einem Kameraden festgehaltene Laus mit einer Axt töten will. Man gewinnt immer mehr den Eindruck, die kleinen Blutsauger wären fast noch verhasster als alle menschlichen Gegner.

@ reichswolf [#119]
Eigentlich hätte gerne eine weitere Karte zum Thema Ungeziefer gezeigt, aber bei dem fraglichen Beleg spielt auch der Text eine Rolle, da er sich auf das Motiv bezieht. Und an der Transkription arbeite ich noch. Also erst einmal etwas anderes, damit es weiter geht.
@ reichswolf [#115]
Den kleinen Ort Vauquois habe ich ja schon im verlinkten Beitrag erwähnt. Vor dem Krieg (1911) hatte der Ort 168 Einwohner, heute sind es nur 23. Er liegt 25 Kilometer nordwestlich von Verdun am Ostrand der Argonnen, und die Anhöhe von Vauquois (Butte de Vauquois) war im Krieg eine strategisch bedeutende Erhebung, denn sie überragte das ganze Gebiet und war daher ein wichtiger Beobachtungspunkt. In Folge dessen wurde um diese Höhe in der sogenannten Schlacht von Vauquois erbittert gekämpft. Die Kämpfe um diesen Hügel dauerten fast so lang wie der Krieg selbst. Ausgetragen wurden diese Kämpfe ab 1915 besonders durch den Einsatz von Minen. Insgesamt 519 davon wurden im Raum Vauquois gezündet. Ca 14.000 Soldaten verloren bei den Kämpfen ihr Leben. Dieses Leben spielte sich zu einem großen Teil im Hügel selbst ab, der durch Stollen in eine regelrechte Stadt verwandelt wurde. Dazu finden sich in
Adolf Buchner: Der Minenkrieg auf Vauquois, Deutenhausen 1982 wirklich beeindruckende Lagepläne.
Die Karte vom 27.01.1916 mit dem Tagesstempel
K.D. Feldpostexp. der 12. Res. Div. zeigt eine Zeichnung des zerstörten Vauquois und eine der Glocke von Vauquois. Ziemlich sicher war der Kirchturm des Ortes (in dem die Glocke einst hing) schon Ende 1914 vollständig zerstört. In der Silvesternacht 1914/15, in welcher Ansätze eines Waffenstillstandes erkennbar gewesen sein sollen (wohl ähnlich dem berühmten Weihnachtsfrieden), wurde die Glocke durch deutsche Soldaten ein letztes Mal provisorisch befestigt und zum Jahreswechsel geläutet. Zu dieser Glocke gibt es drei Gedichte, von denen sich eines ebenfalls auf der Karte findet. Ein weiteres werde ich ein anderes Mal zeigen.
Das sind die Trümmer vom blühenden Land
Sie wurden zerstört durch den Weltenbrand.
Nichts ist geblieben als Schutt u. Stein
Darunter begraben viel Schmerz und Pein;
Verloren das Gut, verloren das Glück,
Das einstens Sie suchen mit traurigem Blick,
Wenn Sie wiederkehren zum Heimatort,
Denn Sie mussten fliehen, ins weite fort.
Nur eins werden Sie finden von ehernem Klang,
Das einstens gerufen die Strassen entlang.
Hoch oben vom Kirchturm so hell und so rein,
Bis tief in das Herz der Menschen hinein;
Auf Trümmer gebettet erwartend die Stund,
Bis Sie wieder rufend auf weiter Rund,
Ins Kirchlein zum Beten die Völkerschaar,
Die friedliche Glocke von Vauquois.
(Humrich)


Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Vauquois
Jacqueline Katharina Reinisch: Die Konstruktion von Heimat an der Front. Eine Manifestation vertrauter Gewohnheiten im Minenkrieg von Verdun (2019)
@ reichswolf [#120]
Vom 05.04.1917 stammt die folgende Karte mit aptiertem Tagesstempel
K.D. Feldpost und Truppenstempel
Leichte Munitions-Kolonne 248 * Brief- Stempel. Die Karte hat wie die im Beitrag oben die Glocke von Vauquois zum Thema. Das Bild der Glocke ist identisch mit dem auf der letzten Karte, hier ist aber im oberen Teil der Bildseite eine Zeichnung des Butte de Vauquois zu sehen.
Hier kann man außerdem ein weiteres Gedicht mit dem Titel
Die Glocke von Vauquois lesen. Im Gegensatz zur letzten Version beginnt dieses hier noch wie ein Gedicht über die Natur, bevor dann schnell von der Beschreibung eines Herbsttages gewechselt wird zu einer einer des Krieges mit zerstörter Natur- und Kulturlandschaft. Die Glocke ist hier ein Symbol der Hoffnung, sowohl der begrabenen Hoffnung der Vergangenheit als auch der Hoffnung auf eine Zukunft.
Die Glocke von Vauquois
Durchbricht die Sonn‘ den grauen Nebelflor,
Der junge Herbsttag liegt auf Frankreichs Wäldern,
Weitab ragt dann ein schwarzer Berg empor,
Umrahmt von öden, blutgetränkten Feldern:
Vauquois, der „Berg des Todes“ – so bekannt
Den Helden an der Westfront zur Genüge
Der Ort zerstört, verheert ein blühend Land,
Als grausig Opfer in dem Weltenkriege. –
Geblieben ist auf jener Trümmerstätt‘
Nur eins in Stunden schwer und bang:
Des Kirchturms Glocke – liegt auf Schutt gebett‘.
Verstummt ist nun ihr rein metallner Klang.
Wohl ganze Berge Hoffnung sind zerfallen.
Zertrümmert ward ein Haufe Menschenglück.
Noch kann die Glocke Dankeslieder schallen,
wenn man dereinst kehrt in den Ort zurück,
Nicht deutsche Barbarei noch schnöde Beutegier
Hat sie entfernt von dem geweihten Ort;
Der Glaube ohne Spott, des deutschen Kriegers Zier,
Pflanzt‘ auch in Feindesland sich allzeit fort.
E. Siegel
Utffs. 12. L.J.R. 32.
Beide Karten scheinen vom gleichen Verlag zu stammen. Indizien dafür sind erstens der ähnliche gestalterische Aufbau der Bildseite, zweitens die bis auf die Farbe gleiche Gestaltung der Anschriftenseite (identische Beschriftung und Schrift, identische Linierung). Da diese Merkmale denen der bisher gezeigten Karten des Verlages
E. Sauwald, Esslingen entsprechen, gehe ich davon aus, dass die Karte in [#120] die Nummer 299 dieses Verlages und die aktuelle die Nummer 488 ist (die Nummern finden sich im Bild der Glocke rechts oben).

@ reichswolf [#120]
@ reichswolf [#121]
Die heutige Karte ist die Nr. 470 der
Kunst- und Verlagsanstalt Schaar & Dathe, Komm.Ges. a. Akt., Trier. Gelaufen ist die Karte am 19.08.1915 mit Tagesstempel
K. D. Feldpostexp. der 33. Infanterie-Div. und nicht eindeutig bestimmbaren Truppenstempel. Die Karte zeigt wieder das Motiv
Die Glocke von Vauquois mit einem weiteren Gedicht gleichen Titels. Diesmal ist die Glocke nicht gezeichnet, sondern die Karte zeigt ein Foto von ihr mit deutschen Soldaten im Hintergrund. Zu erkennen ist auch der Kettenzug, mit dem die Glocke provisorisch wieder aufgehangen wurde, nachdem der Kirchturm zerstört wurde. Die Bildseite enthält folgenden Text:
Aus schwerer Zeit.
Die Glocke von Vauquois
Glocke von Vauquois, du läutetest so rein,
Ludest so viele dereinst zum Beten ein.
Glocke von Vauquois, Du läutest nicht mehr,
Um Dich herum ist alles tot und leer.
Du bist nun getroffen aus ehernem Mund,
Stürztest aus Deiner Höh‘ selbst todeswund,
Dein Klang erstarb im Todesschmerz,
Wie um Dich manch tapferes Kriegerherz.
Ein Autor ist hier nicht bekannt. Interessant finde ich an dieser Karte, dass hier der Text des Gedichtes zum Teil als Beschreibung des Bildes gesehen werden kann. Denn am rechten Rand der Glocke sind Beschädigungen durch Ausbrüche und Spuren von Beschuss mit Handfeuerwaffen oder Maschinengewehr zu erkennen. Dies wird im Gedicht durch die Verse
Du bist nun getroffen aus ehernem Mund, Stürztest aus Deiner Höh‘ selbst todeswund beschrieben.


Ob es bewusst geschah, kann ich nicht sagen, aber die drei Karten scheinen mir fast so etwas wie eine Gegenpropaganda gegen die Darstellung der Deutschen in der Propaganda der Alliierten zu sein. Dort wurde von Belgiern, Franzosen und Engländern der Deutsche oft als hässlich, vergewaltigend und mordlüsternd beschrieben, als regelrechtes Monster. Die drei Karten zur Glocke von Vauquois dagegen stellen die Deutschen ganz anders da. Hier gibt es Mitgefühl für die französischen Opfer (siehe besonders das erste Gedicht), es wird sogar explizit deutsche Barbarei und Beutegier verneint (im zweiten Gedicht). Alle drei Gedichte deuten zudem eine gewisse Frömmigkeit der deutschen Soldaten an, eine Eigenschaft, die eher nicht dem Bild in der alliierten Greuelpropaganda (das ist nicht wertend gemeint) entspricht.
@ reichswolf [#1]
Kürzlich habe ich eine weitere Karte mit einer Ansicht der
Häuser-Ruinen des zerstörten
Parroy (Frankreich) bekommen. Über den Ort kann ich nicht viel mehr sagen als ich es bereits im ersten Posts dieses Threads tat. Einzige Ergänzung: in [#1] ist einer der Brunnen des Dorfes zu sehen, die es bis zum 1. Weltkrieg gab (mindestens zwei). Beim Wiederaufbau des Dorfes nach Kriegsende wurden diese Brunnen nicht wieder errichtet. Heute gibt es dort also keine mehr.
Die Karte stammt vom
Verlag: H. Senetik, Saarburg, L. und trägt zusätzlich zu dieser Angabe den Vermerk
Nachdruck verboten. Es ist die Karte mit der Nr
98b dieses Verlages, von dem es viele weitere Postkarten mit Motiven des Weltkrieges gibt.


Gelaufen ist die Karte am 03.10.1916 nach Kirchenlamitz. Der Tagesstempel lautet
K. D. Feldpostexped. der 33. Jnfanterie-Div., der Truppenstempel
bayer. L.J.R. № 10 11. Komp..
Oftmals wird vergessen, dass in Kriegen nicht nur der Mensch leidet, sondern auch Tiere. Das betrifft sowohl Wildtiere als auch Haustiere, von denen einige Arten ja sogar im Krieg eingesetzt wurden und werden. Im Ersten Weltkrieg wurden wohl mindestens 20 Millionen Pferde eingesetzt, von denen je nach Quelle etwa die Hälfte starben. Ein Artilleriepferd überlebte im Schnitt nur zehn Tage. Das klingt nach nicht viel, aber aber zum Vergleich sei gesagt, dass ein Soldat in der Schlacht von Verdun (21.02.1916 - 19.12.1916) auch nur durchschnittlich 14 Tage überlebte. Je länger der Krieg dauerte, um so schlimmer wurde die Situation für die Tiere.
Neben Pferden wurden noch viele weitere Arten zum Kriegsdienst gezwungen: Hunde, Tauben, Katzen, Elefanten, Kanarienvögel und sogar Schnecken (als Gasmelder) und Glühwürmchen (als Lichtquelle). Und natürlich auch Esel. Meine heutige Karte, eine
Originalaufnahme vom Oestlichen Kriegsschauplatz, zeigt die
Abfertigung der kleinen Post zur Front durch Esel.
Im Text bedankt sich der Absender der Karte u.a. für den erhaltenen Tabak, außerdem schreibt er, dass er einen Brief von Maria erhalten habe. Gut möglich, dass diese Dinge ihn auf ähnlichem Wege erreichten wie es das Kartenmotiv zeigt.


Gelaufen ist die Karte am 16.06.1915 nach Wiedenbrück (heute Rheda-Wiedenbrück). Der Tagesstempel der Feldpost lautet
K. D. Feldpostexp. Div. Wernitz a, der Truppenstempel
B. S. Fest.-Sanit.-Komp. 1.
Heute zeige ich eine Karte aus Frankreich, und zwar aus Saint-Mihiel im Département Meuse (Maas). Die Karte zeigt die
Zerstörte Maasbrücke (Pont de Saint-Mihiel sur la Meuse). Der Ortsname
St. Mihiel wurde unkenntlich gemacht, ich vermute darin eine (nicht sehr gelungene) Zensurmaßnahme, denn die genaue Lage und auch der Zustand von Brücken und anderer strategisch wichtiger Bauwerke waren ja durchaus sensible Informationen.
Die Stadt wurde 1914 durch deutsche Truppen erobert, das dortige Fort kapitulierte. Im Hintergrund sind auf dem Bild einige Häuser zu sehen, an denen man erkennen kann, dass das Bild noch aus einer relativ frühen Phase des Krieges stammt. Denn im weiteren Verlauf der Kämpfe um die strategisch wichtige Stadt wurden alle Häuser in Flussnähe durch französische Rückeroberungsversuche zerstört.


Die Karte stammt vom
Verlag Max Mendler, gen. Schock-Schock-Schock, Regensburg. Gelaufen ist sie am 29.12.1916 nach Kirchenlamitz. Der Tagesstempel lautet
FELD-POSTEXPED D. 1. BAYER. JNF. DIV., der Truppenstempel
Feldpostadresse des Absenders: Bayer. Mineurkomp. 1 Feldpoststation 102.
Heute zeige ich eine Karte aus dem Ort Éton (ebenfalls Département Meuse) in Frankreich. Das Dorf Éton wurde – wie viele andere Orte in der Region – durch schwere Granatenangriffe und militärische Auseinandersetzungen praktisch vollständig zerstört. Die Einwohner mussten fliehen oder lebten unter extrem schweren Bedingungen.
Das Bild zeigt eine Reihe von stark zerstörten Häusern entlang einer Straße. Die Gebäude sind größtenteils ausgebrannt, Dächer fehlen, und nur die Ruinen der Mauern stehen noch. Schutt und Trümmer liegen überall verstreut. Im Vordergrund erkennt man einen kaputten Wagen und andere Trümmerteile. Im Hintergrund sieht man einen kleinen Turm – wahrscheinlich den Kirchturm – der ebenfalls beschädigt, aber noch aufrecht steht.
Die starken Zerstörungen liegen nicht zuletzt an der Nähe zur Schlacht um Verdun (ca 30 km von Éton entfernt). Éton lag also mitten im Aufmarschgebiet für eine der brutalsten Schlachten der Weltgeschichte.
Nach dem Krieg wurde Éton wieder aufgebaut. Heute hat der Ort ca 200 Einwohner. Es gibt dort heute ein Kriegsdenkmal (monument aux morts), auf dem die Namen der gefallenen Soldaten und Zivilisten verzeichnet sind. Außerdem finden sich in der Umgebung immer noch Spuren alter Schützengräben, Granattrichter und zerstörte Mauerreste.

Die Karte ist die Nummer 71 der
Kunst- u. Verlagsanstalt Schaar & Dathe. Komm. Ges. a. Akt. Trier. Die Firma wurde 1895 gegründet, fusionierte 1932 mit der Graphischen Kunstanstalt Ernst Klein. Das Unternehmen wurde 1934 liqudiert.
Gelaufen ist die Karte am 19.06.1915 nach Heilbronn.
Die heutige Karte zeigt das Motiv
LILLE 1914/16 – Wachtparade auf dem großen Platz – La parade sur la Grande Place.
Lille wurde am 1. August 1914 zur offenen Stadt erklärt. "Die französische Armee verzichtete darauf, eine Stadt mit veralteten und seit 1910 deklassierten Festungsanlagen zu verteidigen. Deutsche und französische Soldaten zogen hier nacheinander durch, ohne dass es zu irgendwelchen Kampfhandlungen kam. Am 3. Oktober 1914 entschlossen die Franzosen sich dann aber doch zur Verteidigung von Lille. Daraufhin belagerten deutsche Truppen die Stadt und beschossen sie – insbesondere um das Bahnhofsviertel herum – so stark, dass sie am 13. Oktober kapitulierte." [1]
Die Stadt diente von da an als wichtiger logistischer Stützpunkt für die deutsche Armee. Wie in anderen besetzten Städten führte die deutsche Armee Wachtparaden und Aufmärsche durch – zur Demonstration ihrer Macht als auch zur Disziplinierung der besetzten Bevölkerung.
Auf der Karte sieht man eine große Parade auf einem belebten Platz. Zivilisten stehen am Rand und beobachten das Geschehen. Links steht eine hohe Säule mit einer Statue oben drauf – die Colonne de la Déesse ("Säule der Göttin"). Die Colonne de la Déesse erinnert an den Widerstand der Stadt während der Belagerung durch kaiserliche Truppen von 1792. Eine deutsche Parade auf dem zentralen Platz von Lille, direkt vor dieser Statue, hat symbolische Bedeutung. Im Hintergrund stehen prächtige Häuser im Stil der nordfranzösischen und flämischen Renaissance. Auf vielen der Gebäude sind Schriftzüge zu sehen, unter anderem
Oxo und
L'Action Française. Diese Werbeschriftzüge sind tatsächlich sehr interessant. So ist
OXO der Name einer Brühwürfelmarke in Großbritannien.
Persil dagegen ist, genau wie
Sinalco, ein deutsches Produkt. Zusammen mit den französische Werbeschildern zeigen diese Tafeln sehr deutlich, wie stark die europäischen Länder auch bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts miteinander wirtschaftlich verbunden waren. Das vermittelt einen kleinen Eindruck davon, was der Krieg neben dem Offensichtlichen noch alles zerstörte und veränderte. Selbst der Einkauf war ab dem 01.08.1914 nicht mehr der selbe.
Spannend ist auch die Werbung für die
Action Française, eine katholische, extrem nationalistische, monarchistische und antisemitische Bewegung in Frankreich. Da die Gruppe auch dem Deutschen Reich gegenüber feindlich gestimmt war, ist es für mich sehr überraschend, dass die Besatzer diese Propaganda duldeten.
Außerdem deutet diese Propagandatafel an, dass der Faschismus und verwandte Strömungen nicht etwa erst nach dem Krieg in Deutschland und Italien entstanden, sondern gesamteuropäische Wurzeln hatten, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen.


Die Karte ist aus der
Serie B die
Nr. 4 aus dem
Verlag Emil Richter, Buch- und Kunstdr., Oschatz i. S. Gelaufen ist die Karte am 03.12.1916 nach Chemnitz. Tagesstempel der Feldpost ist
FELDPOSTEXPEDITION DER 24. JNFANTERIE-DIVISION.
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Lille
Die heutige Karte trägt den Titel
Originalaufnahme vom östlichen Kriegsschauplatz – Beobachtungsposten der schweren Garde Artillerie und stammt vom
Hofphotogr. Kühlewindt* z. Zt. östl. Kriegsschauplatz. Die Aufnahme zeigt eine Gruppe deutscher Soldaten im Winter (kahle Bäume, Schnee) in einem befestigten Bereich mit Holzpalisade. Im Mittelpunkt steht ein hoher Beobachtungsturm, der einfach aus einer Leiter mit einem Sitz besteht. Oben sitzt ein Soldat mit einem großen Doppelfernrohr (wahrscheinlich ein Scherenfernrohr), unter ihm steht ein weiterer Soldat mit einem Feldstecher auf der Leiter. Mehrere Soldaten befinden sich am Boden, einige mit Schreibmaterialien, Karten oder Waffen. Sie wirken auf den ersten Blick beschäftigt, aber nicht in unmittelbarem Gefecht.
Solche Beobachtungsposten waren essenziell für den zielgerichteten Artilleriebeschuss, da sie feindliche Bewegungen oder Ziele an die Geschützstellungen weiterleiten konnten.
Während andere Karten oftmals den Tod und die Zerstörung zum Motiv haben und dann im beschreibenden Text auf den Feind als Ursache für das Chaos verweisen ("durch englische Granaten zerstört") zeigt diese Karte die deutsche militärische Organisation, ihre Technik und Professionalität. Man sieht Spezialisten bei der Arbeit, nicht die von der französischen, englischen und belgischen Propaganda stets beschworenen Hunnen-Monster. Das unterstreicht den elitären Charakter der dargestellten Truppe, der schweren Garde-Artillerie, die damit zum Bild zum Symbol für deutsche Überlegenheit und militärischen Fortschritt wird.
Die Bildunterschrift weist auf eine
Originalaufnahme hin, was Authentizität suggeriert, obwohl die Bildkomposition stark inszeniert erscheint. Die Szene wirkt wie ein Gruppenporträt. Aufgrund des technischen Entwicklungsstandes damaliger Kameras ist es sogar eher die Regel, dass Aufnahmen inszeniert wurden (ganz besonders gilt das für bewegte Aufnahmen), vor allem, wenn es um Bilder des eigentlichen Kampfgeschehens ging.


Postalisch gelaufen ist die Karte nicht oder im Umschlag, aber da sie beschrieben wurde, zeige ich auch die Rückseite. Diese ermöglicht auch eine Datierung des Bildes auf die Wintermonate vor dem Oktober 1915.
* Alfred Kühlewindt (1870–1945), deutscher Kriegs- und Hoffotograf aus Königsberg
Die nächsten Karten, die ich zeigen möchte, zeigen keine Fotos, sondern Bleistift-Zeichnungen, z.T. mit kleinen Highlights (© Bob Ross) in violett. Diese stammen vermutlich von einem Unteroffizier Emil Hartmann aus Bad Rappenau, ganz sicher kann ich das jedoch nicht sagen.
Die erste Karte zeigt eine provisorische Unterkunft, vermutlich eine Wellblechhütte (ähnlich der sogenannten „Nissen-Hut“ der Britten) in einem Wald. Da keine Blätter an den Bäumen sind, jedoch offenbar in der Hütte geheizt wird (es kommt Rauch aus dem Schornstein, vor der Hütte steht ein Hackklotz mit einer Axt), vermute ich, dass die Szene im Winter spielt.
Im Eingang der Hütte sieht man ein Paar Stiefel, an denen man erkennt, dass die Hütte zur Zeit belegt ist mit einem Soldaten, der gerade Ruhe hat. Der Krieg ist aber natürlich nie weit weg, sein Gewehr hat der Soldat an dem Baum ganz links griffbereit aufgehängt.
Der Fokus der Karte liegt also nicht auf Schlachten, Technik oder Waffen, sondern auf dem Alltag an der Front – konkret auf der Unterkunft, einem Ort der Ruhe und des Rückzugs. Das macht sie zu einem sehr persönlichen und intimen Zeitzeugnis und hebt sie stark von den professionell fotografierten und gedruckten Motiven ab, die oft neben dem dokumentarischen einen propagandistischen Zweck hatten.


Auf der Rückseite der nicht postalisch gelaufenen Karte schrieb der Künstler:
Lieber Fred (gemeint ist Alfred Hartmann aus Bad Rappenau)
damit du dir auch
einen Begriff machen
kannst, in was für (ordentlichen?)
Unterständen wir hier
liegen, will ich dir diese kleine,
der Natur entnommene Skizze
senden, die ich in 3 Minuten
schnell aufgenommen
habe. Herzliche
Grüße (...)
Die Unterschrift kann ich leider nicht lesen, und sie sieht nicht aus wie
Emil. Warum ich dennoch vermute, dass der Zeichner Emil hieß, klärt sich in den nächsten Beiträgen.
Die nächste Zeichnung ist ein schönes Beispiel für humorvolle Dokumentationen des Alltäglichen. Seinen Humor hat Emiel ja bereits in die letze Karte einfließen lassen, wenn er seine Zeichnung dort beschreibt.
Die heutige Karte zeigt scheinbar eine Innenansicht der Hütte vom letzten Mal, jedenfalls erkennt man auch hier gut die Rundung der Wand. Zentral im Bild liegt ein Soldat bäuchlings quer über einem Feldbett, offenbar erschöpft. Dafür spricht auch, dass er in Uniform schläft. Das spart Zeit und Mühe, sowohl beim Hinlegen als auch beim eventuell nötigen alarmmäßigen Wiederaufstehen. Ob aber seine Übermüdung ein Ausdruck totaler Erschöpfung durch die Kampfhandlungen ist oder nur eine Folge des Suffs, ist hier nicht ganz klar. Immerhin steht ja eine Flasche neben dem Bett, wobei die vielleicht auch leer ist und als Kerzenhalter dient.
Ansonsten sieht man allerlei Alltagsgegenstände, vom Stiefelknecht bis zu Socken. Und es sind zwei Ratten zu sehen, die keinerlei Scheu zeigen in der Nähe des Schlafenden. Zu den tierischen Quälgeistern gibt es ja weiter vorn schon Motive. Sie sind das Symbol für schlechte hygienische Zustände.
Und dennoch.
Emil hat Feiertag, so nennt der Zeichner sein Werk. Trotz Ratten im "eigenen" Bett, trotz Enge, trotz der Umgebung. Einfach, weil man nicht im Graben ist.
Ich gehe davon aus, dass Unteroffizier Hartmann hier ein Selbstporträt gefertigt hat. Denn "Beweis" dafür liefere ich dann mit der nächsten Karte.


Gelaufen ist die Karte am 04.01.1917 nach Bad Rappenau. Tagesstempel der Feldpost ist
K.D. Feldpostexp. 8. Landwehr Div. a, der Truppenstempel lautet
Landw. Jnf.-Regt. 109 * 8. Komp. * Brief- Stempel.