Briefmarken Atteste

Thema:

Druckarten und Überdruckprovisorien

Jensen Am: 31.08.2024 11:21:47 Gelesen: 920 # 1
Hallo an Alle, ich habe eine Frage an alle die sich mit Markendruck auskennen: es betrifft Überdrucke auf Serienmarken im Fall einer politischen Veränderung, Besetzung durch Militär. Also bspw. die Deutsche Besetzung Ukraine oder noch besser: die Sudetendeutschland Ausgaben die durch Überdruck von tschechischen Marken lokalen Druckereien hergestellt wurden. Wie lange dauert es, eine solche Überdruckplatte herzustellen? Im Falle des Einmarschs in ein Gebiet wurden ja oft sehr schnell danach die Überdruckmarken ausgegeben. Andererseits muss es doch Zeit beanspruchen, nach den politischen Ereignissen eine Druckplatte (keine Handstempel) anzufertigen, die das bewerkstelligt? Vielen Dank und viele Grüße Jensen
Vernian Am: 31.08.2024 12:07:50 Gelesen: 898 # 2
Hallo,

Du sprichst ja von drucktechnischen Zeiträumen, in denen das von-Hand-Setzen bspw. von Schriften noch üblich war.

D.h. bei Überdrucken, die nur mittels Buchstaben, Ziffern und Sonderzeichen gefertigt wurden, dürfte jeder Schriftsetzer einer Druckerei, sei es eine lokale Zeitung oder ein Privatbetrieb gewesen sein, in der Lage gewesen sein innerhalb von zwei, drei Stunden (oder schneller) mittels vorhandener Druckelemente eine derartige Druckplatte zu setzen / fertigen.

Sind besondere Formen, wie etwa Wappen, Symbole, Miniaturbildnisse o.ä. im Überdruck zur Verwendung gekommen, wird der Schriftsetzer nach Vorlage des "Motivs" vermutlich erst einmal entsprechende Druckstempelsätze fertigen haben müssen (i.d.R. Bleiguss o.ä.). Die Fertigung einer solchen Gussform hat sicher etwas mehr Zeit beansprucht, und die entsprechende Menge an Druckelementen musste auch erst mal noch damit hergestellt werden.

Aber auch hierbei kann man davon ausgehen, dass dies lediglich eine gewisse Anzahl an Stunden benötigte, also ebenfalls noch innerhalb des gleichen Tages entsprechende Drucke ausgeführt werden konnten. Erst recht, da vermutlich die meisten "Wunschmotive" beim Auftraggeber bereits bspw. in Form eines Stempels vorlagen, sodass hiervon lediglich Replikate angefertigt werden mussten.

Und selbst komplexerer Motive stellten zu jener Zeit bei größeren Druckereien wohl kaum ein Problem dar - fast jede Zeitung dürfte damals ihre eigenen Graveure und Stecher oder - da zu jener Zeit fotografische Druckverfahren schon umfangreich Einzug gehalten hatten - entsprechend damit vertrautes und beauftragtes Personal gehabt haben, das in der Lage war binnen kürzester Zeit entsprechende Duplikate zu fertigen.

Kurz gesagt: Derartiges sollte eigentlich damals überall binnen Stunden oder zumindest innerhalb eines Tages zu bewerkstelligen gewesen sein ...

Best

Vernian
Sherlock Am: 31.08.2024 12:10:19 Gelesen: 896 # 3
Hallo Jensen, aus technischer Sicht ist ein Ein- oder Aufdruck sehr schnell möglich, egal in welchem Druckverfahren. Dazu müssen die Marken nur in vollständigen Bögen vorliegen. Meist sind die Wertstufen zumindest vom Format her gleich. Diese lassen sich zusammenfassen, wenn ein identischer Ein- oder Aufdruck erfolgt. Steht der Text dafür fest, wird dieser im Bleisatz erstellt und in die Druckmaschine eingespannt. Anschließend laufen die Bögen in der gewünschten oder vorhandenen Anzahl durch die Maschine. Nach einer Trocknungsphase, die von der verwendeten Farbe abhängt, sind sie bereit für die Weiterverarbeitung und anschließende Auslieferung. Im Offsetdruck ist das Verfahren bei der Druckvorbereitung etwas aufwändiger, denn da muss erst eine Druckplatte hergestellt werden. Bei voneinander abweichenden Ein- oder Aufdrucken dauert der Vorbereitungsprozess etwas länger. Ebenso verlängert sich die Druckzeit, da die Maschinen für jedes neue "Motiv" wieder neu eingerichtet werden müssen. Eine Beschleunigung der Bereitstellung von veränderten Briefmarken lässt sich erreichen, indem zuerst nur eine Teilauflage für den dringendsten Bedarf gedruckt wird. Im Idealfall dauert es nur wenige Stunden, bis die ersten Drucke fertiggestellt sein können. Wie geschildert, bestimmen die erforderlichen Arbeiten bis zum Druck und die anschließende Weiterverarbeitung wie Verpackung und abschließend die Logistik den zeitlichen Rahmen. Das unter der Prämisse einer intakten Infrastruktur und fachlich qualifiziertem Personal. Die einzelnen Arbeitsschritte benötigen eine gewisse Routine bzw. Qualitätssicherung. Dies ist jedoch häufig nicht der Fall, was dann zu Varianten führt, wie beispielsweise einem kopfstehenden Aufdruck. Ich hoffe, somit Deine Frage(n) beantwortet zu haben, kann Dir aber gerne weitere Auskünfte dazu geben. Sherlock
Jensen Am: 31.08.2024 12:41:06 Gelesen: 880 # 4
@ Vernian und Sherlock Vielen Dank für die schnellen Antworten. Nochmal für mein Verständnis (auch wenn es vielleicht eine "blöde Frage" ist -ich habe halt wirklich keine Ahnung von der Drucktechnik...): Aufdruck im Buchdruck: wird aus Lettern und Symbolen mit irgendwelchen Abstandshaltern eine Platte -d.h. aus beweglichen Lettern- zusammengesetzt die dann einem ganzen Markenbogen entspricht? Oder: wird ein einzelnes Druckelement für 1 Marke gesetzt und dann mit irgendeinem Verfahren (?) zu einer Druckplatte im Bogenformat "vervielfältigt"? Vielen Dank und viele Grüße Jensen
Sherlock Am: 31.08.2024 13:42:52 Gelesen: 859 # 5
Hallo Jensen, zu Deiner neuen Frage: Beide Varianten sind möglich. Es existieren verschiedene Druckverfahren, die sich für unterschiedliche Zwecke einsetzen lassen. Nach diesen richtet sich, wie ein "Motiv" vervielfältigt wird. Auf Grund der Komplexität scheidet bei den Ein- und Aufdrucken der Tiefdruck aus. Es bleiben also Hoch- und Flachdruck, also Buch- oder Offsetdruck. Beim Buchdruck können Holz- und Bleielemente gemischt werden, also Text und Bildmotive zusammen verwendet werden. Diese werden in der Anzahl hergestellt, wie sie auf einem Papier-/Druckbogen erscheinen sollen. Es handelt sich um eine Art Stempel mit seitenverkehrtem Druckbild. Die Platzierung erfolgt in einem Rahmen, der zum Druck in die Maschine eingespannt wird. Hier gibt es technische Hilfsmittel wie Abstandshalter, die sie an ihrem genau festgelegten Platz halten, die allerdings während des laufenden Druckvorgangs manchmal verrutschen. Beim Offsetdruck, der ab ca. 1900 verfügbar war, erfolgt die Übertragung der Farbe von einer Platte über einen Gummizylinder oder ein Gummituch auf das zu bedruckende Material. Die Druckplatte wird fotochemisch erstellt. Dies mit einer Maske, auf der sich die zu druckenden "Motive" bereits in Anzahl und Positionierung befinden. Beide Druckverfahren decken üblicherweise den vollständigen Markenbogen ab. Es gibt allerdings Fälle, in denen es das Format der Druckmaschine nur zulässt, die Hälfte des Papierbogens zu bedrucken. In solch einem Fall wird er entweder halbiert oder gefaltet und absolviert einen zweiten Maschinendurchgang auf der bis dahin nicht bedruckten Fläche. Im Extremfall kann im Hoch- und Flachdruck jedes einzelne Druckelement von den anderen abweichen. Somit wäre eine Indentifizierung der Position, an welcher sich überdruckte Marke befand, eindeutig möglich. Wahrscheinlicher ist dies beim Bleisatz, unwahrscheinlicher im Flachdruck. Das angehängte Bild zeigt einen "Setzkasten", in dem die Buchstaben in Reihe stehen und durch Zwischenstege im Rahmen gehalten werden. Mit Spationierungen und Holzleisten lässt sich ihre Position eindeutig festlegen. Grüße, Sherlock
Jensen Am: 01.09.2024 08:52:04 Gelesen: 770 # 6
@ Sherlock Vielen Dank für die Antwort. Viele Grüße Jensen