Teil 2
Währungssituation: die Umrechnung war durch den bis zum Kriegsausbruch herrschenden Goldstandard recht einfach.
1 Mark = BEF 1,25
Dies galt übrigens auch im Hinblick auf den französischen Franc. 1 (alter) französischer Franc = 1 BEF = 0,80 Mark.
Unterscheiden muss man das Generalgouvernement Belgien (praktisch die befriedeten, nicht für Militäroperationen relevanten Gebiete) und das Etappengebiet West (militäroperativ relevant, unter Verwaltung durch die Armee).
Die nicht kriegerischen Handlungen bzw. nicht der Armeeverwaltung unterliegenden Landesteile waren Teil des Generalgouvernements. Das waren in 1915: die Provinzen Antwerpen, Brabant, Hennegau (teilweise), Limburg, Lüttich, Luxemburg, Namur und Ostflandern (teilweise).
Hier beispielhaft eine Karte vom 19.12.1915 (mit freundlicher Genehmigung von Rolf Jehke, gezeigt auf seiner Website territorial.de)

Ein schönes Beispiel für eine Verwendung von Marken des Generalgouvernements Belgien in Frankreich als Teil des Generalgouvernements Belgien im Gebiet Givet / Fumay (Vireux-Molhain liegt in diesem Bogen) - siehe auch obige Karte - hat Regis hier vor kurzem im Forum gezeigt. Interessant finde ich dabei die Landesbezeichnung „Frankreich“ im Stempel.
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=349853
Die außerhalb der Grenzen des Generalgouvernements liegenden besetzten Gebiete (Belgiens und Frankreichs) gem. Karte standen unter Verwaltung des Armeekommandos des Etappengebietes West.
Bis zum 01.12.1916 wurden die Marken mit Aufdruck „Belgien“ auch im Etappengebiet eingesetzt und waren dort bis 14.12.16 gültig (am 01.12.16 erhielt das Etappengebiet West eigene Marken).
1916 wurden für das Generalgouvernement neue Marken mit abgekürzter Münzbezeichnung eingeführt. Ich zeige einige Beispiele.

Erstaunlich ist, in welcher Intensität sich aktive Briefmarkensammler umgehend der Ausgaben angenommen haben. Ich habe Einblick genommen in eine Publikation von Walter Richter aus dem Jahr 1919 „Die Deutschen Kriegsmarken in Ihren Spielarten und Abarten“ – einsehbar in der Philatelistische Bibliothek Wuppertal -, die eine detaillierte Tafel aller gemessenen Farben und Hausauftragsnummern enthält. Die Farbvarianten sind umfangreich – für die 3 cent.-Marke werden alleine 7 Varianten berichtet. Damit geht Richter über den Umfang der Darstellungen des Michel-Spezial hinaus.
Auch die Zwischenraumvermessungen haben seinerzeit bereits stattgefunden und werden erläutert.
Zum Schluss, zur Auflockerung einige Marken (die meine persönliche Selektion nach Farben überstanden haben)

(…wird fortgesetzt…)