Briefmarken Atteste

Thema:

Prozess in Hamburg wegen Urkundenfälschung und Betrug über 5,70 Euro

Stefan Am: 21.07.2024 21:55:57 Gelesen: 2419 # 1
Mitglied Journalist hat erstmals vor vier Jahren (ab August 2020) über die Fälschung U-Bahnstation "Marienplatz München" zu 95 Cent nassklebend geschrieben und diese einer breiteren philatelistischen Öffentlichkeit vorgestellt. Dem Vernehmen nach wurde Frankaturwarehändlern bis zu 100.000 Stück zum Kauf angeboten. Prozess in Hamburg wegen Urkundenfälschung und Betrug Am vergangenen Freitag (19.07.2024) fand vor dem Amtsgericht in Hamburg-Wandsbek ein Prozess statt, wo es um den Vertrieb von gefälschten Briefmarken mit dem Motiv "Marienplatz München" ging. Es ist anzunehmen, dass es sich um eben jene Fälschung handelt, welche Journalist vorgestellt hatte. Der nachfolgende Link in [1] ist zwar unangemeldet nicht zu lesen (bezahlter Inhalt = Paywall), allerdings scheinbar vollständig zu hören. Die Sprachaufnahme (vermutlich vorgelesener Artikel von [1]) wurde oberhalb vom Foto dieses Artikels platziert und dauert 3 Minuten und 13 Sekunden an. Demnach war vor dem Amtsgericht Hamburg-Wandsbek ein 38jähriger (ehemaliger) Kioskbesitzer aus Hamburg-Jenfeld angeklagt worden, in sechs Fällen gefälschte Briefmarken verkauft und zur Frankatur verwendet zu haben. Der Schaden beläuft sich auf 5,70 Euro. Es wird nicht ganz deutlich, dennoch ist anzunehmen, dass es sich bei dem Kiosk seinerzeit um einen Post-Partnershop handelte. Der Angeklagte hatte zu jener Zeit einen Kiosk betrieben. Die Anklage vor Gericht lautete auf Urkundenfälschung und Betrug. Es ist anzunehmen, dass diese mit einer Nominale zu 0,95 Euro als Standardbrief zu 0,85 Euro für eine Sendung bis 20 g im Inland verwendet worden sind, weshalb die in einem anderen Artikel erwähnte Überfrankatur von 10 Cent zustande kam [2]. In einem Hamburger Briefzentrum fielen in der maschinellen Sortierung insgesamt 24 Sendungen mit gefälschten Briefmarken auf, welche dem Artikel nach nach Hamburg-Jenfeld zurückgeführt werden konnten. Vor Gericht wurden in dem einstündigen Verfahren insgesamt drei Zeugen vernommen, u.a. ein Mitarbeiter der Deutsche Post AG. Der Kioskbesitzer erzählte, dass er in seinem Kiosk im April 2020 ein Prepaidhandy im Wert von 35,00 Euro verkauft und dafür 100 Briefmarken zu je 0,95 Euro in Zahlung genommen hatte, welche vom Käufer als Ausgleich angeboten wurden. Der Kioskbesitzer wollte dem Interessenten des Handys mit diesem Tausch behilflich sein. Gemäß des Artikels [1] waren die gefälschten Briefmarken kleiner (?) und es fehle das Hologramm (?). Das Verfahren wurde von der Amtsrichterin gegen Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 300 Euro aufgrund von Geringfügigkeit eingestellt. Der Vorwurf des Betrugs konnte in dem einstündigen Verfahren (bis dato) nicht nachgewiesen werden. Der Angeklagte beteuerte, bezüglich der Fälschung unwissentlich tätig gewesen zu sein. Der Vollständigkeit halber wird in [3] ein weiterer Artikel aufgeführt, welcher am 14.07.2024 von dem bevorstehenden Prozess berichtet (ebenfalls Bezahlinhalt). Weitere Artikel wurden aktuell über Google News nicht gefunden. Gruß Stefan [1] https://www.shz.de/deutschland-welt/hamburg/artikel/prozess-wegen-570-euro-in-hamburg-verfahren-eingestellt-47452225 [2] https://www.abendblatt.de/hamburg/wandsbek/article406783811/nepp-mit-briefmarken-kioskbetreiber-wegen-570-euro-vor-gericht.html [3] https://www.shz.de/deutschland-welt/hamburg/artikel/strafprozess-in-hamburg-wegen-falscher-briefmarken-fuer-570-euro-47419536 [Beitrag redaktionell kopiert aus dem Thema "Fälschungen zum Schaden der Post in Deutschland seit der Euroeinführung", um es über die Überschrift leichter finden zu können. Hervorhebungen über die Redaktion Philaseiten. Ergänzende Informationen werden gerne veröffentlicht.]
TeeKay Am: 22.07.2024 16:01:11 Gelesen: 2646 # 2
Wenn die Post selbst nicht in der Lage ist, einen von Fälschern aufgedruckten Code mit einer Datenbank echter Codes abzugleichen, also die simpelstmögliche Echtheitsprüfung, dann sollten Gerichte nicht der Bevölkerung zumuten, die Echtheit von Frankaturware erkennen zu müssen. Offenbar ist der Emittent der Marken selbst nicht dazu in der Lage.
Vernian Am: 22.07.2024 21:35:56 Gelesen: 2559 # 3
@ TeeKay [#2] Ich wünsche mir hier so manches Mal den "Gefällt mir"-Button oder Emoji setzen zu können, wie er bspw. bei Facebook oder anderen multimedialen Plattformen zur Verfügung steht, um mein Gefallen (oder auch - nicht hierfür - Daumen runter, Missfallen) auszudrücken, ohne viele Worte dazu zu machen.
nagel.d Am: 22.07.2024 21:55:45 Gelesen: 2547 # 4
Mich hätte es als Kioskbetreiber schon stuzig gemacht, wenn jemand ein Prepaid-Handy mit Briefmarken bezahlen wollte. Das ist schon eine etwas unübliche Art.
Attila Am: 22.07.2024 22:28:00 Gelesen: 2531 # 5
@ Vernian [#3] Lieber Vernian, Es ist eine beliebte und zugleich kontraproduktive Methode. Menschen, die nicht über ausreichende Kenntnisse verfügen, um einen wertvollen Beitrag zu leisten, stimmen in der Regel gerne mit Zeichen ab. Wenn es Ihnen gefällt oder nicht, fassen Sie es in Worte! Und wenn Sie mit etwas nicht einverstanden sind, erklären Sie es professionell! Wenn mehrere Prüfer streiten, untermauern sie ihre Meinung stets ausführlich. Gruß, Attila
Meisterbetriebsmeister Am: 22.07.2024 22:53:22 Gelesen: 2516 # 6
@ TeeKay [#2] dann sollten Gerichte nicht der Bevölkerung zumuten, die Echtheit von Frankaturware erkennen zu müssen. Vor allem, wenn man die Fälschungen bei der Post selber verkauft.
filunski Am: 23.07.2024 00:53:22 Gelesen: 2491 # 7
@ Meisterbetriebsmeister [#6] "Vor allem, wenn man die Fälschungen bei der Post selber verkauft." Guten Abend, nur interessehalber, wo und wann hat denn "die Post" Fälschungen verkauft? Beste Grüße, Peter
Journalist Am: 23.07.2024 09:04:26 Gelesen: 2420 # 8
@ filunski [#7] Hallo Peter und an alle, sehr selten kam und kann es vorkommen, das ein Poststellenbetreiber seine normale minimale Provision (circa nur 5 %) für den Verkauf von Briefmarken etwas aufbessern will. Daher bestellt er dann nicht über den normalen Vertriebsweg der Deutschen Post die Postwertzeichen, sondern kauft diese im "freien Markt" an anderer Stelle. Dabei kann es und kam es auch vor, das aus Unwissenheit von solchen Poststellenbetreibern gefälschte Briefmarken erworben wurden. Diese wurden oder werden dann von einer "Poststelle (Postagentur) der Deutschen Post" an Kunden verkauft. Die Postkunden gehen natürlich davon aus, das alles ok ist und nicht, das Sie unwissentlich gefälschte Briefmarken bekommen haben. Wenn solche Fälle der Deutschen Post bekannt werden, ist diese darüber natürlich nicht besonders erfreut und in der Regel wird das Vertragsverhältnis als Poststellenbetreiber umgehend gekündigt. Solche Fälle werden natürlich nicht kommuniziert bzw. möglichst verschwiegen, denn dies ist der Deutschen Post natürlich peinlich. So etwas soll aber beispielsweise auch in anderen Ländern wie Großbritannien schon so passiert sein. Diese minimalen Provisionen dürften ja auch eine der Ursachen sein, weshalb die Postbank scheinbar immer weniger Postdienstleistungen anbieten wird, da man davon alleine nicht oder nur sehr schwierig leben kann, aber dies ist ein anderes Thema das hier nur am Rande angesprochen wurde und hier auch nicht weiter diskutiert werden sollte - danke. Bei den gefälschten Marken, um die es hier ging (95 Cent nassklebend Marienplatz) handelte es sich um eine der bisher besten Fälschungen auf diesen Sektor, die mit großer Wahrscheinlichkeit aus einer osteuropäischen (ehemaligen) Staatsdruckerei stammen dürfte. Aufgetaucht und angeboten wurden diese Marken schwerpunktmäßig aus dem Hamburger Raum, insofern ist alles passend. Da es sich damals um Mengen im Bereich von über 100.000 Marken handelte, die leider nicht schnell an Frankaturwarehändler abgesetzt werden konnten, verschwanden diese Bestände scheinbar erst einmal in einem "Lager" und wurden und werden nun schrittweise in kleinen Mengen doch noch an den gutgläubigen Kunden gebracht um die Herstellungskosten der Fälschung sowie einen Gewinn zu erwirtschaften. Soweit einige ergänzende Anmerkungen zu den letzten Beiträgen in diesem Thema - viele Grüße Jürgen
filunski Am: 23.07.2024 23:47:45 Gelesen: 2331 # 9
@ Journalist [#8] Hallo Jürgen, vielen Dank für deinen aufschlussreichen Beitrag und die Informationen! Das hört sich schon ganz anders an und hilft auch "Verschwörungstheorien" vorzubeugen. Es ist also nicht "die Post" (= DPAG), sondern Privatpersonen mit krimineller Energie. Bei aller, in vielen Bereichen gerechtfertigter Kritik am Betrieb der DPAG, sollte man hier doch sachlich bleiben. ;-) Viele Grüße, Peter
DL8AAM Am: 24.07.2024 21:15:46 Gelesen: 2202 # 10
@ filunski [#7] nur interessehalber, wo und wann hat denn "die Post" Fälschungen verkauft? Im vorgelesenen Text (der schriftliche Teil liegt ja hinter einer Paywall versteckt), hiess es ja, das der Angeklagte einen Postshop (d.h. "Postfiliale im Einzelhandel"?) betrieben hat. Aus dem Zusammenhang bedeutet das dann aber auch, dass er dort in seinem Postladen die eingetauschten Briefmarken an seine Kunden weiterverkauft hat. Für den "gutgläubigen" Postfilialkunden bedeutet das aber auch, dass in deren Augen "die Post selbst" (in dessen Namen der Postshopbetreiber ja nach Außen auch handelt) diese Briefmarken verkauft hat, und dass diese Kunden dann auch daran glauben dürfen, dass die "von der Post" verkauften Briefmarken echt sein müssen.
nagel.d Am: 24.07.2024 21:26:01 Gelesen: 2187 # 11
@ DL8AAM [#10] Mal eine organisatorische Frage zum Verständnis, wie hat der Kioskbetreiber die Marken bezahlt und anschließend den Erlös aus den Fälschungen verbucht? Buchhalterisch stellt sich für mich da ein Problem dar. Ich habe zwar einen weiteren Gedankengang den ich gerne für mich behalten würde.
DL8AAM Am: 25.07.2024 00:45:10 Gelesen: 2103 # 12
@ nagel.d [#11] Buchhalterisch stellt sich für mich da ein Problem dar. Nö, da gibt es kein Problem. Ganz einfach, die "Oma" kam, gab einen Standardbrief zu 85 Cent persönlich ab und zahlte brav die 85 Cent in bar, ganz ohne Beleg und Einbuchung ins System. Nun wurde eine 95 Cent-Marke aus Eigenbeständen verklebt, und gut ist es. Jeder ist glücklich. Nur so als Idee. Hast Du eigentlich je zu "Studentenzeiten" mal als Aushilfe mal "an der Tanke" (oder so) gejobbt? Früher war so etwas "ohne Einbuchung" nicht unüblich, das war eher der komplette Standard, auf Ansage des Chefs. Alleine um als Tankstellenpächter die überteuerten Zwangseinkäufe über Zwangslieferanten à la "Lekkerland" zu umgehen etc., um auf einen trockenen Ast zu kommen. Nur so als Idee. Nicht ohne Grund muss nun jeder kleine Mini-Shop ein extrem teures, finanzamtszertifiziertes Online-Kassenssystem nutzen und deshalb tragen nun auch alle Kassenbelege einen wichtigen QR-Code ;-) Katz und Maus ... Beste Grüße Thomas