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BPP übernimmt 600 Kartons mit 500- bis 600.000 Stempelabschlägen

Richard Am: 07.05.2024 18:52:55 Gelesen: 5137 # 1
BPP übernimmt Poststempelarchiv des Postmuseums in Berlin (bpp-gg) - Es war eine echte Sensation, die Vorstandsmitglied Josef Bauer den rund achtzig anwesenden Verbandsprüfern und geladenen Gästen bei der Prüfertagung am 27. April 2024 in Nürnberg verkündete: Wenige Tage zuvor hatten die Berliner „Museumsstiftung Post und Telekommunikation“, besser bekannt als „Postmuseum“, und der BPP einen von ihm ausgehandelten Vertrag über den Kauf sämtlicher Stempelabschläge und Stempelunterlagen durch den Prüferverband unterzeichnet. In dem Zeitraum von 1875 bis heute wurden in Berlin und mehreren Außenstellen schätzungsweise 400.000 verschiedene Stempelabschläge nahezu aller deutschen Sammelgebiete zusammengetragen, die nun durch den BPP digitalisiert und in einer zentralen Datenbank aufbereitet werden sollen und dann den Mitgliedern des BPP ebenso wie der Museumsstiftung zu Forschungs- und Auskunftzwecken zur Verfügung stehen werden. 400.000 verschiedene Stempelabschläge übernommen BPP-Präsident Christian Geigle lobte das Verhandlungsergebnis als einen Meilenstein in der Geschichte des Verbandes, der nun neben einem umfangreichen Archiv von Auktionskatalogen aus den letzten 75 Jahren auch über das größte existierende Stempelarchiv verfügt. „Es wird noch viel Arbeit und auch finanziellen Einsatz erfordern, bis wir dieses Projekt abschließen können, aber der Stempelbestand ist von unschätzbarem Wert für die Philatelie und insbesondere das Prüfwesen“, so Geigle in einer Stellungnahme am Rande der Prüfertagung. Maxime J. Citerne und Christian Neumann als Prüfer aufgenommen Die neuen Mitglieder Maxime Citerne und Christian Neumann (Foto: Wilhelm van Loo) Prüfgebietserweiterung von Andreas Rolle (li., schwarzes Hemd) vor der Prüfungskommission ( Carsten Brekenfeld, Andreas Schlegel, Peter Sem) und den Vertretern der Verbände ( Konrad Krämer/BDPh, Harald Rauhut/BDB, Wolfgang Lang/APHV) (Foto: Rolf Tworek) Zunächst aber wurden zwei neue Mitglieder als Prüfer für Russland (Maxime J. Citerne) und Tschechoslowakei ( Christian Neumann) von der Versammlung willkommen geheißen, die tags zuvor ihre Aufnahmeprüfung vor den jeweils dreiköpfigen Prüfungskommissionen überzeugend bestanden hatten und nun das einstimmige Votum der Mitglieder erhielten. Blick in den Saal der Mitgliederversammlung (Foto: Wilhelm van Loo) Beschwerden über fehlende Kommunikation und überlange Prüfzeiten In seinem Tätigkeitsbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr ging Präsident Geigle auch kritisch auf immer wiederkehrende Beschwerdegründe ein: Überlange Prüfzeiten und in diesem Zusammenhang oft auftretende mangelnde Kommunikation mit den Auftraggebern werde man in Zukunft nicht mehr hinnehmen, sondern den betreffenden (wenigen) Kollegen klarmachen, dass derartige Verhaltensweisen nicht nur dem Einzelnen, sondern dem gesamten Prüferbund schadeten. Das Regelwerk sieht hier auch Sanktionsmöglichkeiten seitens des Vorstandes vor. Weitere drei Sonderprüfordnungen für bestimmte Gebiete wurden überarbeitet und einstimmig angenommen, des Weiteren eine Beitragssatzung beschlossen. Prüfgebietserweiterungen Schließlich gab es noch vier Prüfgebietserweiterungen von BPP-Mitgliedern, die nach dem positiven Votum der Prüfungskommissionen ebenfalls einstimmig genehmigt wurden (siehe am Ende des Beitrags). Dieter Mertens Vortrag: Verteidigung der eingetragenen und geschützten Marke BPP Im Vorfeld der Versammlung war ein „Special Guest“ angekündigt worden. Das Geheimnis wurde gegen Mittag gelüftet, als Dieter Mertens, aus den einschlägigen Philatelie-Foren bekannter Vollblutphilatelist und engagierter Fälschungsbekämpfer, ans Rednerpult trat. Unter der Überschrift „Verteidigung der eingetragenen und geschützten Marke BPP“ berichtete er der aufmerksam lauschenden Versammlung, wie er seit gut anderthalb Jahren im Auftrag und in Kooperation mit dem BPP gegen Markenrechtsverletzungen im Internet vorgeht. Der Focus liegt dabei auf den bekannten Verkaufsplattformen (ausdrücklich ohne „Philasearch“ des gleichnamigen APHV-Mitgliedes!) mit ihrer großen Fülle unseriöser, teilweise krimineller Angebote. Wo immer mit „geprüft BPP“ geworben wird, es sich aber tatsächlich um eine Prüfzeichenfälschung oder ein Nicht-BPP-Prüfzeichen handelt, liegt eine Markenrechtsverletzung vor, die bei gewerblichen Anbietern, soweit sie schon öfter negativ aufgefallen sind, zu einer Abmahnung mit zugehöriger strafbewehrter Unterlassungserklärung führt. 2.500 Euro Abmahnkosten und 10.000 Euro Vertragsstrafen für Stammkunden Aufgrund des hohen Bekanntheitsgrades der Marke BPP und dem damit verbundenen hohen Markenwert werden bereits beim ersten anwaltlichen Schreiben Kosten von über 2.500,00 Euro fällig. Im Wiederholungsfall kommen noch empfindliche Vertragsstrafen hinzu, so dass schnell Abmahnkosten von über 10.000,00 Euro entstehen. „Stammkunden“ von Herrn Mertens waren in dieser Zeit „Colonnaden-Fischer“ aus Hamburg oder auch Arnold Kemmerer aus Johannesberg, der kürzlich verstorben ist. Fazit von Dieter Mertens nach einer Stunde hochinteressanter Schilderungen: Das Markenrecht ist ein scharfes Schwert im Kampf gegen Fälscher und Betrüger und erwischt sie genau da, wo es ihnen weh tut: am Portemonnaie. Die Zuhörer vernahmen es mit Freude, fühlte man sich doch in der Vergangenheit allzu oft machtlos in der Fälschungsbekämpfung. Nun scheint aber ein guter Weg gefunden zu sein, zumal der APHV Ähnliches auf der Basis des Wettbewerbsrechts leistet. Dessen Präsident Wolfgang Lang bewertete denn auch die Kooperation von APHV und BPP als „vorbildlich“. Silberne Verdienstmedaille an BPP Geschäftsführer und Schatzmeister Gunnar Gruber aus den Händen von Lars Böttger Eine Überraschung gab es für den Schatzmeister und Geschäftsführer Gunnar Gruber, als ihm Lars Böttger die Silberne Verdienstmedaille des LV Südwest überreichte. So harmonisch, wie die Prüfertagung begonnen hatte, endete sie auch um 17 Uhr. Zwei Stunden später wartete der Festabend mit einem exzellenten italienischen Buffet auf die Teilnehmer. Zu nächtlicher Stunde traf man sich in der Hotelbar zum gemütlichen Plausch, am Sonntagmorgen war Verabschiedung angesagt. Vizepräsident Dr. Peter Provinsky zeigte sich hocherfreut über die ausschließlich positive, teils begeisterte Zustimmung der BPP-Mitglieder zum Erwerb der Stempelsammlung. „Ich hatte ein leicht mulmiges Gefühl, ohne vorherige Informierung unserer Mitglieder einen für unsere Verhältnisse großen Geldbetrag in die Hand zu nehmen. Die hundertprozentige Zustimmung zu diesem Projekt finde ich großartig, zeigt sie doch, dass wir alles richtig gemacht haben“, so Dr. Provinsky, „für mich war das das absolute Highlight unseres diesjährigen Treffens!“. --- Neue Prüfer im BPP: Christian Neumann Kurze Straße 6, 79618 Rheinfelden, Tel. 07623 62621, Email: kcneumann@gmx.de Prüfgebiet: Tschechoslowakei, 1. Republik 1919-1939, Mi.-Nr. 1 - 405 Maxime J. Citerne Borngasse 3, 61462 Königstein, Tel. 0176 6491 8136, Email: maxime@wahnam.fr Prüfgebiet: - Russland 1858-1875 (Mi.-Nr. 1 - 28) - Russland Zemstvo Gadiach 1884-1917 (Schmidt-Nr. 1 - 50, keine Mi.-Nr.) Erweiterungen der Prüfgebiete: Prof. Dr. Faycal El Majdoub Prüfgebiete: - Deutsche Besetzungsausgaben 1939/45 -- Albanien (Mi.-Nr. 1 - 21, I, Ganzsache K 1, P1 - 6, sämtliche Probedrucke) -- Dünkirchen (Mi.-Nr. 1 - 211, Ganzsache U 1 - 3) -- Festung Lorient (Mi.-Nr. 1 - 23, Ganzsache P 1) -- Saint Nazaire (Mi.-Nr. 1 - 2, sämtliche Probedrucke und Sonderbogen) -- Kotor (Mi.-Nr. 1 - 10, I - IX, Ganzsache P 1 - 2, sämtliche Probedrucke und Sonderbogen) -- Mazedonien (Mi.-Nr. 1 - 8, sämtliche Probedrucke) -- Montenegro (Mi.-Nr. 1 - 35, I - IX, Ganzsache P 1) -- Zante (Mi.-Nr. 1 - 3, I) - Spendenvignetten/Private Ausgaben -- Flämische Legion (Mi.-Nr. I - XXIV, sämtliche Probedrucke und Sonderbogen) -- Wallonische Legion (Mi.-Nr. I - IV, sämtliche Probedrucke und Sonderbogen) -- Insel Brač (Mi.-Nr. I - V) -- Dänemark (Mi.-Nr. I - V) -- Frankreich (LVF) (Mi.-Nr. I - X, sämtliche Probedrucke und Sonderbogen) -- Saint Nazaire (Mi.-Nr. I - III) -- Nationales Indien (Mi.-Nr. I - X, sämtliche Probedrucke und Sonderbogen) Dr. Johannes Hoffner Prüfgebiet: Schweiz ab 1907 (ab Mi.-Nr. 95), Flugpostbelege auf Anfrage Dr. Klaus Kalb Prüfgebiet: SBZ - Bezirkshandstempel-Aufdrucke Bezirk 36 (Mi.-Nr. 166 – 181 VII) Andreas Rolle Prüfgebiet: Bundesrepublik Deutschland mit Markenheftchen und Zusammendrucken Die Redaktion der Philaseiten gratuliert den neuen Prüfern zur Aufnahme, den bekannten Prüfern zur Gebietserweitertung, Gunnar Gruber zur Silbernen Verdienstmedaille und dem gesamten BPP für die erfolgreiche Mitgliederversammlung mit den vielen guten Neuigkeiten !
wuerttemberger Am: 07.05.2024 20:02:08 Gelesen: 5055 # 2
In dem Zeitraum von 1875 bis heute wurden in Berlin und mehreren Außenstellen schätzungsweise 400.000 verschiedene Stempelabschläge nahezu aller deutschen Sammelgebiete zusammengetragen, die nun durch den BPP digitalisiert und in einer zentralen Datenbank aufbereitet werden sollen und dann den Mitgliedern des BPP ebenso wie der Museumsstiftung zu Forschungs- und Auskunftzwecken zur Verfügung stehen werden. Ich hoffe doch sehr, dass diese Stempeldatenbank auch der Allgemeinheit zur Verfügung stehen wird.
muemmel (RIP) Am: 07.05.2024 20:53:07 Gelesen: 4989 # 3
@ wuerttemberger [#2] Hallöle, Du schriebst: Ich hoffe doch sehr, dass diese Stempeldatenbank auch der Allgemeinheit zur Verfügung stehen wird. ich fürchte gar sehr, dass genau dies nicht der Fall sein wird. Grüßle Mümmel
bovi11 Am: 07.05.2024 20:56:09 Gelesen: 4984 # 4
@ wuerttemberger [#2] @ muemmel [#3] Es wäre eine Fundgrube von Vorlagen für Stempelfälscher.
Hansi Am: 07.05.2024 21:04:04 Gelesen: 4973 # 5
@ bovi11 [#4] Dann dürfte niemand mehr ein Stempelhandbuch veröffentlichen, das ist nicht gerade logisch. Grüße
Jürgen Witkowski Am: 07.05.2024 21:05:33 Gelesen: 4970 # 6
@ bovi11 [#4] Es wäre allerdings auch bedauernswert, wenn das bisher über das Postmuseum und das Museumsarchiv für Forschungszwecke zugängliche Material, den Philatelisten, die sich mit Stempelforschung und Stempeldokumentation beschäftigen, nicht mehr zur Verfügung stünde. Ich denke, dass man dafür eine gemeinsame Lösung suchen und finden sollte. Mit besten Sammlergrüßen Jürgen
bovi11 Am: 07.05.2024 21:07:26 Gelesen: 4965 # 7
@ Hansi [#5] In einem Stempelhandbuch sind keine Originalabschläge.
bovi11 Am: 07.05.2024 21:09:21 Gelesen: 4964 # 8
@ Jürgen Witkowski [#6] Die Sachen sind weder katalogisiert noch digitalisiert. Damit sind die Sachen derzeit praktisch nicht nutzbar.
DL8AAM Am: 07.05.2024 21:30:26 Gelesen: 4941 # 9
@ muemmel [#3] Wenn der BPP diesen Bestand - gegen "gutes" Geld - gekauft hat, dann stellt das ein erhebliches Kapital für den BPP dar, der durch die Prüfgebühren refinanziert wird/werden muss. Da kann ich mir derzeit kaum vorstellen, dass sie diesen Bestand (zumal wenn sie ihn dann noch sehr kostenintensiv digitalisiert haben) so einfach frei verfügbar machen. Was eigentlich auch gut verständlich sein sollte. Was natürlich einen individuellen,"berechtigten" Zugang für die "anerkannte" Forschung nicht ausschließen dürfte.
bovi11 Am: 07.05.2024 21:36:52 Gelesen: 4931 # 10
@ DL8AAM [#9] @ alle Die Katalogisierung und Digitalisierung wird voraussichtlich mehr als 10 Jahre dauern. Derzeit ist das Archiv praktisch nicht nutzbar und es ist nicht einmal bekannt, was alles an den einzelnen Standorten des Museums in Kartons schlummert.
TeeKay Am: 07.05.2024 23:28:44 Gelesen: 4845 # 11
Dass im öffentlichen Eigentum befindliches Museumsgut privatisiert wird, find ich nicht gut. @ bovi11 [#4] Es wäre eine Fundgrube von Vorlagen für Stempelfälscher. Security by obscurity funktioniert schon bei Software nicht - und auch nicht bei Stempeln. Wenn auf Basis von Scans perfekte Fälschungen erstellbar wären, hätte der BPP ja nicht das Stempelarchiv gekauft, weil Vergleichsabschläge bei perfekten Kopien keine Hilfe wären. Dann wäre es sinnvoller gewesen, Originalstempel bei eBay zu erwerben.
Christoph 1 Am: 07.05.2024 23:41:43 Gelesen: 4837 # 12
@ bovi11 [#4] Es wäre eine Fundgrube von Vorlagen für Stempelfälscher. Wenn Du so argumentierst, dann müsste ja auch unsere eigene Stempeldatenbank philastempel.de sofort dicht gemacht werden, weil sie Vorlagen für Stempelfälscher liefert. Umgekehrt wird doch ein Schuh draus: Eine möglichst differenzierte Darstellung verschiedener Stempelabschläge in einer Datenbank ermöglicht es den Nutzern, Fälschungen besser zu erkennen. @ bovi11 [#10] Die Katalogisierung und Digitalisierung wird voraussichtlich mehr als 10 Jahre dauern. Im Beitrag [#1] ist von ca. 400.000 Stempelabschlägen die Rede. Um diese Menge zu digitalisieren, haben die ehrenamtlich tätigen Reporter und Redakteure von philastempel.de tatsächlich ca. 10 Jahre gebraucht (von 2011 bis 2021). Es wird spannend, ob das dem BPP auch in dieser Zeit gelingen wird. Meine Vermutung ist: Es wird länger dauern. Gruß Christoph
bovi11 Am: 08.05.2024 07:43:13 Gelesen: 4755 # 13
@ TeeKay [#11] Dass im öffentlichen Eigentum befindliches Museumsgut privatisiert wird, find ich nicht gut. Die Stempelkarten lagern seit vielen Jahren an 3 Orten vorwiegend in Kartons. Man weiß nicht einmal, was man alles hat. Es ist so gut wie ausgeschlossen, dass das Museum die Sache jemals aufgearbeitet hätte. Viel wahrscheinlicher ist es, dass die Sachen irgendwann im Reißwolf gelandet wären, weil allein die Lagerung erhebliche Flächen in Anspruch nimmt. Im Übrigen ist das Ganze nicht ansatzweise mit der philaseiten-Stempeldatenbank zu vergleichen.
drmoeller_neuss Am: 09.05.2024 12:48:23 Gelesen: 4476 # 14
Ich habe keine Probleme damit, wenn Stiftungen und Museen Archivbestände an Privatleute verkaufen. Nicht alles kann ausgestellt werden und Museen müssen auch im Interesse der Allgemeinheit wirtschaftlich arbeiten. Der normale Bürger dürfte an einem aufgearbeiteten Stempelarchiv wenig Interesse haben. Der Wert der Stempelsammlung sollte nicht überschätzt werden. Ich gehe davon aus, dass hier offizielle postamtliche Stempelkarten archiviert wurden, das heisst, der Zustand der Stempel bei Auslieferung und bei Ablieferung nach Ausserbetriebnahme wurde dokumentiert. Das ersetzt aber nicht die Vergleichssammlung eines Prüfers, die auch den Zustand der Stempel während der Betriebszeit dokumentiert. Das gleiche leisten auch die beiden grossen Stempeldatenbanken in Deutschland von stampsx und philastempel. stampsx hat bereits knapp eine halbe Million Geräte dokumentiert und übertrifft damit bei weitem die gekaufte Stempelkartei. Der BPP kann sich jetzt überlegen, ob er die Stempel in eine der vorhandenen Datenbanken einpflegen lässt, oder sein eigenes Süppchen kocht. Die gleichen Überlegungen sollten auch für das Archiv von Auktionskatalogen aus den letzten 75 Jahren getroffen werden. Hier bietet sich die Zusammenarbeit mit einer der philatelistischen Bibliotheken an. Letztlich spart das der organisierten Philatelie Kosten und bündelt Kräfte. Viel interessanter als der Kauf der Stempeldatenbank sind folgende Fragen: Fast schon wie ein Textbaustein taucht folgender Absatz in den Niederschriften der letzten Jahre auf: In seinem Tätigkeitsbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr ging Präsident Geigle auch kritisch auf immer wiederkehrende Beschwerdegründe ein: Überlange Prüfzeiten und in diesem Zusammenhang oft auftretende mangelnde Kommunikation mit den Auftraggebern werde man in Zukunft nicht mehr hinnehmen, sondern den betreffenden (wenigen) Kollegen klarmachen, dass derartige Verhaltensweisen nicht nur dem Einzelnen, sondern dem gesamten Prüferbund schadeten. Das Regelwerk sieht hier auch Sanktionsmöglichkeiten seitens des Vorstandes vor. Sicher könnte der ein oder andere Prüfer hier etwas ändern, vor allem, was die Kommunikation mit den Prüferkunden angeht. Aber für die Überlastung bestimmter Prüfgebiete können die betroffenen Prüfer nichts, und auch der Tag eines Prüfers hat nur 24 Stunden. Welche organisatorischen Veränderungen schlägt hier der Prüferverband vor? Der Focus liegt dabei auf den bekannten Verkaufsplattformen (ausdrücklich ohne „Philasearch“ des gleichnamigen APHV-Mitgliedes!) mit ihrer großen Fülle unseriöser, teilweise krimineller Angebote. Wo immer mit „geprüft BPP“ geworben wird, es sich aber tatsächlich um eine Prüfzeichenfälschung oder ein Nicht-BPP-Prüfzeichen handelt, liegt eine Markenrechtsverletzung vor, die bei gewerblichen Anbietern, soweit sie schon öfter negativ aufgefallen sind, zu einer Abmahnung mit zugehöriger strafbewehrter Unterlassungserklärung führt. Warum wird "Philasearch" ausgeklammert? Wie geht man mit Prüfzeichenfälschungen vor, die in Sammlungen schlummern, die auch von APHV-Mitgliedern und Auktionshäusern angeboten werden, teilweise mit recht unverblümten Beschreibungen?
bovi11 Am: 09.05.2024 15:00:24 Gelesen: 4410 # 15
@ drmoeller_neuss [#14]

Philasearch wird nicht ausgeklammert!

Nur tauchen die weitaus meisten Markenverletzungen bei eBay und bei Delcampe auf.
drmoeller_neuss Am: 10.05.2024 13:20:35 Gelesen: 4208 # 16
@ bovi11 [#15] Der in kursiv gesetzte Satz stammt nicht von mir, sondern offensichtlich aus den Kreisen um das BPP-Präsidium (Kürzel in der Pressemitteilung: "bpp-gg"). Dort schliesst man "Philasearch" ausdrücklich aus. Zitat: Der Focus liegt dabei auf den bekannten Verkaufsplattformen (ausdrücklich ohne „Philasearch“ des gleichnamigen APHV-Mitgliedes!) Zumindest diese Formulierung lässt den Eindruck erwecken, dass eine APHV-Krähe der anderen kein Auge aushackt.
Wolfgang Lang Am: 10.05.2024 13:53:30 Gelesen: 4189 # 17
Hallo Uli, zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass durch die philatelistischen Kenntnisse der Betreiber von Philasearch manche beklagenswerten Vorgänge auf dem kleinen Dienstweg beendet werden können, was bei den anderen Plattformen nur mit sehr viel Mühe möglich ist. Kooperatives Verhalten beim Entlarven von Fälschungen etc. sollte unterstützt werden und fordert Formulierungen wie "APHV-Krähe" nicht heraus. Wenn Du ernst genommen werden möchtest, kannst Du andere auch ernst nehmen und keinen Generalverdacht in dieser Art formulieren. Wolfgang
Richard Am: 09.08.2024 09:44:09 Gelesen: 3204 # 18
In der Einleitung des aktuellen Rundbriefs der Poststempelgilde,"Der Gildeleiter hat das Wort" war die Meinung des Gildeleiters Jürgen Witkowski zur Übernahme des Stempelarchivs des Postmuseums Berlin durch den BPP zu lesen. Wir geben diese mit Erlaubnis von Jürgen wider. Die Poststempelgilde - http://www.poststempelgilde.de - ist mit etwa 380 Mitgliedern die grösste Arbeitsgemeinschaft für alles rund um den Bereich Stempel aller Art. Mitglieder der Gilde sind in erheblichem Umfang an der Erfassung von Stempeln der Philastempel Datenbank beteiligt. Der Gildeleiter hat was Wort In philatelistischen Foren und auch in persönlichen Gesprächen mit mir, wurden Befürchtungen geäußert, dass das Archiv der Sammlerschaft entzogen würde und für Forschungszwecke nicht mehr zur Verfügung stehen könnte. Um Informationen aus erster Hand zu bekommen, nahm ich Kontakt zum Museum für Kommunikation in Berlin auf. Dr. Veit Didczuneit, Abteilungsleiter Sammlungen und Kustode Brief- und Sammlungskultur, der auf Seiten des Museums mit den Vorgängen befasst ist, erklärte mir, dass diese Befürchtungen grundlos sind. Nach der Digitalisierung durch den BPP, die natürlich bei der Riesenmenge an Objekten eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen wird, sollen die Daten auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Es ist geplant, eine nach verschiedenen Kriterien durchsuchbare Datei, allerdings ohne die Abbildungen, online zu stellen. Bei Nachweis eines berechtigten Informationsinteresses, werden dann die gesuchten Abbildungen kostenlos zugänglich gemacht. Das genaue Prozedere muss in der nächsten Zeit noch erarbeitet werden. Dr. Didczuneit betonte, dass es sich nicht um die Stempelgeräte selbst handelt, die weiterhin im Besitz des Museums verbleiben. Genau dieses wurde mir auch von Gunnar Gruber, dem Geschäftsführer des BPP bestätigt. Er merkte noch an, dass es sich nach neuesten Erkenntnissen vermutlich um mehr als 500.000 Stempelabschläge handeln wird. Die Erfassung und Digitalisierung soll bei den Stempelabschlägen vor 1945 beginnen. Das sind in meinen Augen gute Nachrichten. Es besteht kein Grund zur Sorge. Quelle: Gildebrief der Poststempelgilde
DL8AAM Am: 09.08.2024 13:20:35 Gelesen: 3122 # 19
@ Richard [#18] Dann wird diese Datenbank nichts für den "kleinen Sammler" sein, der einfach nur mal schnell seine Stücke gegen eine Datenbank online checken oder einfach nur mal "flach" recherchieren will. Dann wird diese Datenbank nur was für "echte" Forscher und eben die Prüfer selbst sein. Aber das ja auch vollkommen OK so! Die Digitalisierung kostet den BPP sicherlich ja auch eine Ganze-Stange-Geld, dessen Ergebnis man verständlicherweise nicht unbedingt gleich mal so einfach verramschen will. Es ist primär eben eine Investitition der Prüfer "für sich". Der Kleine Sammler stellt sich ja aber auch nicht schlechter, er fuhr ja auch nicht täglich ins Museum und stöberte stundenlang im Archiv, nur mal so. Der mit einem wirklichen bzw. berechtigten Interesse, der früher ja auch ins Archiv ging, bekommt seine Daten immer noch (kostenlos) und sogar einfacher, da online. Die Philatelie als Gesamtheit gewinnt etwas. Und unsere eigene Datenbank wird damit ja auch nicht "entwertet", wir dürfen und müssen weiter für unseren eigenen Input sorgen, damit der Output stimmt. ;-) Wichtig ist dabei nur die Datensicherheit für die ewige Zukunft, für die Öffentlichkeit, dass also irgendwie sichergestellt wird, dass selbst nach einem eventuellen Ende des BPP in ein paar 100 Jahren, die Datenbank weiter erhalten sein bleibt - zum Beispiel durch einen Passus, wie eine "garantierte Rückführung" der Belege und der Datenbank ins Museum, oder so. Oder bekommt das Museum jetzt schon ein Backup "der CD" zur Sicherheit (möglicherweise ohne aktuelles Nutzungsrecht) für sein "internes Archiv" als Rückfallebene? Hätte ich zumindest so in den Vertrag geschrieben. ;-) Beste Grüße Thomas
TeeKay Am: 10.08.2024 11:40:50 Gelesen: 2985 # 20
Wenn man sich eh schon den Aufwand der Erfassung macht, hätten sie auch die Zusammenarbeit mit Sammlern suchen können, um für alle zugängliche Archive mit Scans zu füttern - auch zur Reduktion der eigenen Kosten bei gleichzeitiger Beschleunigung des Erfassungszugangs. Ich dachte, es sei so super wichtig, dass in der Philatelie alle artig (und kostenpflichtig) organisiert sind. Wenn dann mal ein Projekt ansteht, bei dem diese Organisation in echten Mehrwert für die Allgemeinheit ummünzbar wäre, hält man es lieber unter Verschluss und macht es allein.
Lars Boettger Am: 10.08.2024 14:43:21 Gelesen: 2913 # 21
@ TeeKay [#20] Das Scannen wird an eine Profifirma ausgelagert. Das soll zumindest zwei Sachen gewährleisten: - Gleichmässige Qualität - Zügiges Abarbeiten der Scans Ich kann verstehen, wenn man den Standpunkt einnimmt, dass "private" Sammler die Arbeit ebenso gut machen könnten. Du hast hier mehrere Probleme: - Logistik: Wie verteilst Du die Kärtchen, wie kommen sie wieder zu Dir zurück? -> eine Firma, ein Weg hin, ein Weg zurück - Sterbefall: Wie bekommst Du im Todesfall Dein Material wieder zurück? -> eine Firma, der nächste Sachbearbeiter übernimmt die Aufgabe Ich verstehe Deinen Punkt, aber aus rein praktischer Sicht macht der gewählte Weg mehr Sinn. Beste Grüsse! Lars
Richard Am: 10.02.2025 09:00:23 Gelesen: 2366 # 22
BPP übernimmt 600 Kartons mit fast 500- bis 600.000 Stempelabschlägen (BPP) - Im April 2024 konnte der BPP das schätzungsweise 500.000 bis 600.000 Abschläge deutscher Poststempel umfassende Stempelarchiv erwerben, das in der Museumsstiftung „Post & Telekommunikation“ über Jahrzehnte zusammengetragen und von verschiedenen Lagerorten in ganz Deutschland nach Berlin gebracht worden war. Am 30. und 31. Januar 2025 halfen zwölf BPP-Mitglieder (und die Ehefrau des Vizepräsidenten) tatkräftig mit, diesen Schatz zu heben und für den Abtransport zu verpacken. Ein Blick auf die stetig voller werdenden Paletten Am Ende des zweiten Arbeitstages waren fast 600 Kartons auf insgesamt zwölf Europaletten gestapelt, nach Gebieten und Inhalt beschriftet und im Computer erfasst. Der Projektleiter, Vorstandsmitglied Josef Bauer, war sichtlich erleichtert, dass die Aktion reibungslos über die Bühne ging: „ Die Kollegen haben großartig und mit höchster Sorgfalt gearbeitet, es gab keinerlei Probleme. Darüber hinaus hatten alle größte Freude, einen ersten Einblick in diesen für das Prüfwesen einzigartigen Glücksfall zu bekommen.“ Fröhliche Gesichter beim Verpacken der Stempelbelege Ein großes Dankeschön geht an den zuständigen Mitarbeiter in der Stiftung, Herrn Thomas Kahlbom, der an beiden Tagen jederzeit mit Rat und Unterstützung geholfen hat. Auch der Leiter der Stiftung, Dr. Veit Didczuneit, war ein interessierter Beobachter des Treibens in seinem Depot und stärkte das Team mit einem nachmittäglichen Kaffee, den alle dankbar genossen. Das Team (v.l.n.r.): Andreas Schlegel, Michael Haslau, Michael Ehrig, Carsten Brekenfeld, Ariane Provinsky, Christian Geigle, Dr. Peter Provinsky, Dr. Michael Jasch, Thomas Kahlbom (Mitarbeiter der Stiftung), Oliver Estelmann, Josef Bauer, Hans-Dieter Schlegel, Dr. Karsten Ruscher (es fehlt Andreas Rolle) Der BPP hat damit den ersten Schritt auf der langen Reise hin zu einer kompletten Digitalisierung des Stempelbestandes gemacht. „Wir werden jetzt sorgfältig überlegen, mit welchem Teilbereich wir die Digitalisierung starten wollen. Mit Hilfe einer KI-basierten Individualsoftware hoffen wir, einen gangbaren und vor allem auch bezahlbaren Weg zu finden, die Stempel zu scannen, auszulesen und so in einer Datenbank unterzubringen, dass unsere Prüfer mühelos alle sie interessierenden Stempel finden und für ihre Arbeit nutzen können“, so Präsident Christian Geigle bei seiner Abschlussansprache an die dann doch etwas müden Helfer. Einig waren sich die Beteiligten in einem: Diese zwei gemeinsamen Tage haben Spaß gemacht. Auch wenn die Arme am Ende immer länger wurden.