@ Ben 11 [#21]
Das was die hintere Dame hier macht ist nicht typisch für Briefmarkendruck. Hier muss sie präzise die Rückseite bedrucken. Es sieht so aus, als ob sie, links von ihr, etwas anschaut was wie eine Markierung aussieht. Sie musste den Bogen präzise einfädeln in Bezug zu dieser Markierung.
Beim Briefmarkendruck sind diese Restriktionen nicht vorhanden, die Bögen sind ja unbedruckt. Welche Chance sie hatte, den Bogen noch zu verschieben wenn er falsch liegt weiss ich nicht, ist aber unwahrscheinlich. Es ist ja Farbe auf der Druckplatte, da kann man den (feuchten) Bogen ja nicht mehr rumschieben wenn er mal falsch auf der Druckplatte lag. Zeit dazu war auch nicht vorhanden. Die "Girls" waren alle hochspezialisiert (auch wenn sie kaum was verdienten). Meine Vermutung ist, ein nicht halbwegs korrekter Bogen wurde aussortiert von der zweiten Dame.
Die Matten, die die Dame ab und zu auf den Stapel legten, waren nicht gezählt. Die Stapel, wenn sie mal hoch genug waren, wurden nachher gepresst, die Bögen gummiert und perforiert. Der Ausschuss war nicht unbeträchtlich, weil Alles praktisch Handarbeit war. Am Schluss erst wurden dann die guten Bögen durchgezählt bis man auf die Anzahl Marken kam, die der US Postal Service bestellte. Es kann natürlich sein, dass die Dame so gut war, dass sie tatsächlich exakt nach jedem n.ten Bogen (n=50 glaube ich) die Matte hinlegte. Ich war mehrmals im BEP in den 80ern und da gab es auch kaum mehr "Oldtimer", die alte Verfahrenstechniken noch kannten.
Im alten BEP Gebäude befand sich die Dampfmaschine im Keller. Dort unten gab es noch andere unangenehme Arbeiten (Reinigung, Platten unbrauchbar machen, Bogenstapel pressen, etc). Die unangenehmsten Arbeiten wurden ausschliesslich von Schwarzen erledigt (Kurioser weise war das Härten/Chromen der Platten "weisse Arbeit", auch wenn es extrem ungesund aussieht auf alten Aufnahmen). Man sieht auf Fotos nie einen Schwarzen an einem Ort wo "Qualität gefragt war". Auch die Damen wurden despektierlich nur als "Girls" bezeichnet in Berichten. Latenter Rassismus halt wie er in den Staaten gang und gäbe war bis noch in die 1970-er.
In diesem Filmchen sieht man den Grund, warum der Scheffe stehen musste und wie die erste Dame Bögen auf die Platte legte (in einem Anlauf), ab ca 0:30: Die Stickney-Presse ist ebenfalls im Betrieb zu sehen. Sie ersetzte die 4ppp und man sieht auch, warum so die Produktionszahlen extrem gesteigert werden konnte.
https://www.youtube.com/watch?v=G7iAscgzEp4&t=11s