Briefmarken Atteste

Thema:

Landpoststempel / Poststellenstempel Generalgouvernement

filunski Am: 05.02.2023 00:26:06 Gelesen: 3656 # 1
Hallo zusammen, heute mal ein Poststellenstempel aus einer anderen Ecke, Generalgouvernement, der sicherlich nicht ganz häufig zu finden sein dürfte: Rybna / über Krakau 2 vom 2.2.1942 Hier der Beleg dazu: Einschreibebrief nach Regensburg, mit Tagesstempel KRAKAU 2 / f, aus garantiert echtem Bedarf und ohne jegliche "philatelistische Beeinflußung". Der Brief ist zwar recht ramponiert, verfügt aber trotzdem, oder vielleicht auch gerade deswegen, über einen gewissen Charme (auch wenn wahrscheinlich nicht jeder diese Anschauung teilt ;-)), der ihn für mich zu einem durchaus sammelwürdigen Objekt macht. Nicht zuletzt auch, weil es nicht allzu viele solcher Bedarfsbelege aus Rybna geben dürfte. Viele Grüße, Peter [Redaktionell kopiert aus dem Thema "Landpoststempel / Poststellenstempel"]
Cantus Am: 06.02.2023 02:42:37 Gelesen: 3574 # 2
@ filunski [#1] Hallo Peter, hast du eine Übersicht, welche Leitpostämter zum Generalgouvernement gehörten? Bei den großen Orten wie Lemberg, Tarnopol, Stanislau, Lublin, Radom oder Krakau könnte ich bei mir nachschauen, aber es gibt da sicherlich noch viele kleinere Orte, die ebenfalls Leitpostämter waren. Viele Grüße Ingo
Cantus Am: 02.02.2026 03:09:06 Gelesen: 1680 # 3
Im Rahmen einer Rundsendung des DASV ist mir ein Posten zunächst recht unauffälliger Belege in die Finger geraten. Darauf finden sich Landpost- oder Poststellenstempel, oft ohne zusätzlichen Tagesstempel eines Leitpostamtes, was vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass ein solches noch gar nicht festgelegt war. Die Stempel tragen alle Ortsnamen, die nach meinem Eindruck alle aus dem Gebiet der heutigen Ukraine stammen. Mir drängt sich dabei der Verdacht auf, dass die durchziehenden deutschen Truppen immer dann, wenn sie einen Ort eingenommen hatten, dort eine vorübergehende Poststelle einrichteten, möglicherweise auch in Verbindung mit einem Feldpostamt, dafür mit ganz einfachen Mitteln einen entsprechenden Stempel anfertigten und, um die Abonnementswünsche von Sammlern des Deutschen Reiches zu befriedigen, diesen jeweils einen offensichtlich vorgefertigten Brief mit dem jeweiligen Ortsstempel zuschickten, bevor der Tross weiter gen Osten vorrückte. Da diese Stempel fast ausnahmslos alle im Stempel das Kürzel "über" tragen, fühlte ich mich davon angesprochen und habe deshalb einige wenige in mein Eigentum überführt. Mir fiel dazu aber auch ein, dass ich vor längerer Zeit schon einmal einen Stempel gezeigt hatte von einem Ort im Osten, der nur sehr vorübergehend unter deutscher Kontrolle gewesen war. Damals hatte ein Mitglied der Philaseiten starkes Interesse an dem Beleg gezeigt, weshalb ich hoffe, dass er oder sie zu meinen folgend gezeigten Belegen weitergehende Informationen liefern kann. Ich habe diesen Stempel wie auch alle folgenden hinsichtlich Helligkeit wie auch Kontrast deutlich verändert, da die Originalabschläge auf den Briefumschlägen kaum zu entziffern sind. Hier lautet der Ortsname auf Bialoboznica Hier ist als Leitpostamt Czortkow angegeben, das Stempeldatum dürfte der 5.2.1942 sein. Bei der Suche nach weiteren Informationen wurde ich von Wiki hierher [1] verwiesen. Der zweite Beleg datiert vom 17.2.1942 und trägt einen Kreisstempel mit dem Ortsnamen "JANOW über LEMBERG 2". Leider gibt es viele Orte mit dem Namen Janow, am wahrscvheinlichsten erscheint mir dazu dieser [2] Artikel bei Wikipedia. Mein nächster Brief zeigt einen Stempel von "Lawoczne über Stryl", aber keinen Datumsstempel. Wiki schreibt dazu: "Lawotschne (ukrainisch Лавочне; russisch Лавочное/Lawotschnoje, polnisch Ławoczne) ist ein Dorf im Rajon Skole in der Oblast Lemberg im Westen der Ukraine. Der Ort liegt 27 Kilometer südwestlich der Rajonshauptstadt Skole und 124 Kilometer südwestlich der Oblasthauptstadt Lemberg am Fluss Opir [3]." Der vierte Brief, wiederum ohne Datumstempel, hat mir hinsichtlich der Lesbarkeit des Ortsnamens große Probleme bereitet, zumal ich den Namen auch mit Google nicht finden konnte. Ich habe den Namen "Ruthyntcze" gelesen, vielleicht heißt er aber auch anders. Der letzte Brief wurde in Tucholka abgestempelt. Tucholka (ukrainisch Тухолька; russisch Тухолька Tucholka, polnisch Tucholka) ist ein Dorf im Süden der ukrainischen Oblast Lwiw mit etwa 950 Einwohnern. Tucholka ist ein Teil der Landgemeinde Kosjowa im Rajon Stryj, bis 2020 war sie die einzige Ortschaft der gleichnamigen, 3,926 km² großen Landratsgemeinde im Südwesten des ehemaligen Rajon Skole [4]. Insgesamt scheinen das alles kleine Orte zu sein, die sich im Westen der Ukraine im Großraum um Kiew befinden. Viele Grüße Ingo [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Woiwodschaft_Tarnopol [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Iwano-Frankowe [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Lawotschne [4] https://de.wikipedia.org/wiki/Tucholka_(Dorf)
Jürgen Zalaszewski Am: 11.02.2026 01:17:51 Gelesen: 1336 # 4
Hallo Ingo, ich bin zwar nicht derjenige, der vor einiger Zeit Interesse an einem deiner Belege mit ähnlichen Stempeln gezeigt hat, hoffe aber dir trotzdem einige Informationen geben zu können. Bei den Stempeln aus dem Generalgouvernement, die an Landpoststempel bzw. Poststellen-II-Stempel erinnern, handelt es sich nicht um solche, es sind Stempel von Postagenturen. Postalisch gesehen war das GG nicht so aufgestellt, wie man es aus dem Deutschen Reich her kennt. Die Deutsche Post Osten (DPO) war eine eigenständige Organisation, unterstand dem Generalgouverneur und nicht der Deutschen Reichspost. Das änderte sich erst im Laufe des Krieges, in dem die Reichspost größeren Einfluss auf das Wirken der DPO erhielt. Nach dem Krieg übernehmen junge Postbeamte die Führungspositionen bei der DPO und bauten eine Post auf, mit dem Leitgedanken zuerst der Wehrmacht und den anderen deutschen militärischen und zivilen Dienststellen Möglichkeiten zur Kommunikation und zum Postaustausch zu bieten, erst danach sollten zivile Nutzer die Post nutzen können. Um das schnell zu erreichen, wurden viele Grundsätze der Reichspost nicht übernommen, sondern man handelte nach vorhandener Lage um das Ziel zu erreichen. Die Einteilung des Landes erfolgte nicht in Oberpostdirektion usw. wie man es aus dem Reich her kannte, sondern richtet sich nach der politischen Einteilung, die von der „Regierung des GG“ vorgenommen wurde. So wurde das Land in Kreishauptmannschaften aufgeteilt mit einer Stadt als Mittelpunkt, die als Sitz des Kreishauptmann bestimmt wurde. In diesen Städte waren dann auch Postämter, die unter deutscher Leitung standen. Bei den vielen Dörfern und Gemeinden in einer Kreishauptmannschaft wurden dann Poststützpunkte, Posthilfsstellen, Postagenturen und Postbüros eingerichtet, die zum Großteil von polnischen Postangehörigen betreut und geführt wurden. Diese Einteilung wurde in den vier Distrikten des GG vorgenommen. Nach Beginn des Feldzuges gegen die Sowjetunion am 21. 6. 1941 kamen Teil der Ukraine unter Deutscher Besatzung, die zuvor russisch besetzt waren. Bereits am 1. 8. 1941 wurde dieses Gebiet als neuer Distrikt Galizien unter der Verwaltungshoheit des Generalgouvernement gestellt und auch das gesamte Post- und Fernmeldewesen wurde dem Leiter der DPO in der Regierung des GG übertragen. Natürlich wurden hier die Verwaltungseinteilungen auch so aufgebaut, wie es zuvor schon im GG geschehen war. Lemberg wurde Distriktshauptstadt, die Grenze zum Generalkommissariat Ukraine verlief ca.150 Kilometer weiter zw. Tarnopol-Czortkow-Skala und der Generalbezirk Kiew gehörte zum Generalpostkommissariat Ukraine. Deutsche Truppen hatten also nichts zu tun mit Einrichtungen von Postagenturen, Postämter usw., dafür war allein die zivile Verwaltung zuständig. Der Ort Bialoboznica über Czrotkow war eine Ortschaft mit 1360 Einwohnern und hatte während der gesamten Besatzungszeit eine Postagentur sowie einen ukrainischen Polizeistützpunkt. In der Kreishauptmannschaft Czortkow, Einwohner 19358, gab es vom 12.8.1941 bis 1944 ein Postamt, sowie eine Hauptkasse der Post, eine Landpoststelle und die Möglichkeit Telegramme aufzugeben und Telefongespräche zu führen. In der Abbildung ein lesbarer Stempel mit einem weiteren Agenturstempel der Gemeinde Jagielnica. Bei der Lokalisierung des Ortes Janow über Lemberg 2 bin ich mit dir einig, der Ort hatte vom 31.10.41 bis 1944 ein Postbüro, einen Stempel konnte die ArGe GG bisher nicht nachweisen. Jetzt gibt es einen. Dieser Ort hatte 1856 Einwohner, war Sitz einer Rayonsverwaltung sowie eines Krankenhauses. Das große Problem, das die DPO damals hatte, waren die vielen gleichlautenden Ortsnamen im gesamten Gebietes des GG, Janow war auch so ein Kandidat, der Name kam fast in allen Distrikten vor. Auch Lawoczne über Stryj ist richtig lokalisiert. Der Ort hatte 1037 Einwohner und verfügte über keine nennenswerte Industrie oder militärische Einrichtung. Von Oktober 1941 bis 1943 gab es eine Postagentur, im Jahre 1944 wurde ein Postbüro eingerichtet. Der Ort aus dem vierten Beispiel heißt Knihynicze über Stanislau und kommt auch als Knihynicze über Brzezany vor, Es gab ein Postbüro mit der Bezeichnung „über Brzezany“ von September 1941 bi 1944 und ein weiteres mit der Bezeichnung „über Stanislau“ aus den Jahren 1943 und 1944. Warum hier eine Zweiteilung vorgenommen wurde, kann ich nicht sagen. Zum letzten Stempel Tucholka über Stryi gibt es keine weiteren Ergänzungen von mir, eine Postagentur war auch hier von Oktober 1941 bis 1944 vorhanden. Alle Daten und sonstige Angaben habe ich dem „Erweitertes Ortsverzeichnis mit sämtlichen Postämtern und Postamtsstellen im Generalgouvernement 1939 – 1945“ entnommen, welches bei der ArGe GG erhältlich ist. Zum Empfänger der Brief, Prediger Reinhard Joop, Königsberg, kann man nur sagen, dass es sich hier um einen großen Stempelsammler der damaligen Zeit gehandelt haben muss, der gerade im Bereich des Generalgouvernements dafür gesorgt hat, dass ein Großteil der Stempel erhalten geblieben und durch ihn auch erst bekannt geworden sind. Bis heute sind noch nicht alle Ortschaften durch postalische Stempel belegt und man kann nur hoffen, dass viele Sammler hier ihre vorhandenen Belege einstellen, um die Lücken zu füllen. Das Joop nicht immer Glück hatte mit der Dokumentierung aller Ortschaften im GG zeigt der unten abgebildete Brief. Der angeschriebene Ort hatte keine postalische Einrichtung und eine Antwort wurde von einer benachbarten Postagentur, Jasienica Rosielna über Sanok zurückgeschickt. Richtigerweise müsste der Titel dieses Themas in „Postagenturstempel und Postbürostempel des Generalgouvernements“ umbenannt werden. Viele Grüße Jürgen