Einen schönen guten Abend in die Runde,
diesmal zeige ich Euch eine (Auslands?)-Ganzsache mit einem Wertaufdruck zu 5 Stotinki im Design des bulgarischen Löwen von 1889. Die Karte ist am 30.07.1891 in Philippopoli/Plowdiw von der Firma Orosdi Back & Cie aufgegeben worden mit Ziel Constantinopel an die dortige Filiale von Orosdi Back. Auf der Vorderseite ist ein Ankunftsstempel von der Österreichischen Post Constantinopel vom 31.07.1891.
Auffällig finde ich noch den blauen Pentagramm-Stempel auf der Vorderseite, dessen Bedeutung mir nicht klar ist.
Die Beförderung der Karte erfolgte anscheinend mit der österreichischen Post, die ein eigenes Postwesen im osmanischen Reich unterhielt. Philippopoli war die Hauptstadt von Ostrumelien, das nach dem Berliner Vertrag von 1878-1885 eine autonome Provinz innerhalb des osmanischen Reiches darstellte und sich dann mit dem damaligen Fürstentum Bulgarien vereinigte, seinerzeit ebenfalls autonomer Teil des osmanischen Reiches und bereits seit 1878 mit eigenem Postwesen ausgestattet. Innerhalb des Gebietes vom ehemaligen Ostrumelien war das Postwesen noch stark österreichisch geprägt, und die österreichische Post galt als zuverlässiger als die des osmanischen Reiches. Wenn man genau hinschaut, sieht es so aus, als wenn neben dem bulgarischen Wertaufdruck noch eine weitere Briefmarke geklebt hat, wahrscheinlich eine Marke der österreichischen Post in der Levante.
Orosdi-Back, gegründet von den österreichisch-ungarischen Juden Adolf Orosdi und Hermann Back, die in Konstantinopel im Exil lebten, war ein Handelsunternehmen. Orosdi-Back hatte Ende des 19. Jahrhunderts über 60 Filialen im gesamten nahen Osten (u.a. in Beirut, Baghdad, Bukarest, Constantinopel/Istanbul, Kairo, Port Said, Alexandria, Tunis, Philippopoli/Plowdiw, Salonica, Smyrna/Izmir, ...) und betrieb moderne Kaufhäuser. Das erste Geschäft wurde 1855 im Stadtteil Galata in Istanbul eröffnet. An eben diese Filiale, die im Bild unten gezeigt wird, ist die Karte auch adressiert.
Ich freue mich über Anmerkungen und Kommentare, vielleicht auch zur Höhe des Portos für die österreichische Post (ich vermute 15 Paras, da diese Zahl darunter steht, aber ich kenne mich mit Portostufen nicht aus).
Beste Grüße von der Küste,
Bernhard
