Er war Gründer einer grossen britischen Hotelkette (siehe: "Wikipedia (englisch)": "Maxwell Joseph"). Kurz nach seinem Tod (22.9.1982) wurde bei Sotheby's London seine vermutlich "unvergleichbare" Sammlung verkauft. Der Handbuch-ähnliche Auktionskatalog ist eine Zierde für jede Bibliothek.
Heinz
Thema:
Hervorragende Sammlungen - Kap der Guten Hoffnung
Er war Gründer einer grossen britischen Hotelkette (siehe: "Wikipedia (englisch)": "Maxwell Joseph"). Kurz nach seinem Tod (22.9.1982) wurde bei Sotheby's London seine vermutlich "unvergleichbare" Sammlung verkauft. Der Handbuch-ähnliche Auktionskatalog ist eine Zierde für jede Bibliothek.
Heinz
Auf 316 Seiten wurden in diesem festgebundenen Katalog 1333 Lose angeboten. Wir können das Angebot auf 5 Kapitel einteilen:
122 Lose Vorphilatelistische Zeit / Postal History (ab 1652)
33 Lose Versuchsdrucke der Triangular Stamps
11 Lose Nachdrucke der Triangular Stamps
1018 Lose Briefmarken: Triangulars & Rectangulars 1853-1904
149 Lose Mafeking Siege, 1900
Die Sammlung umfasst nicht weniger als 984 Lose "Triangulars", wobei zwei Lose (1068 und 1150) Sammellose waren. Los 1150 umfasste allein 740 "items" mit einem Katalogwert von GB£ 438'000 (1982!), die zu einem "Estimate" von GB£ 20'000-25'000 angeboten wurden. Von den berühmten "Woodblocks" (Holzschnitten) beinhaltete die Sammlung 323 Stück, wovon 250 als Einzellose angeboten wurden und 73 Stück in der "Restsammlung" (Los 1150).

Nicht weniger als 26 Farb-Fehldrucke waren enthalten und vier Fourpence black.
Heinz
1967.10: CHF 12.08 1967.12: CHF 10.392 1972.11: CHF 8.9237 1974.08: CHF 6.992 1976.03: CHF 4.9912 1977.12: CHF 3.8518 1978.10: CHF 3.0829 (Tiefpunkt, Wertverlust rund 74 % seit Oktober 1967)
Diese Zahlen werden die deutschen Leser vielleicht überraschen, weil meines Wissens die Entwicklung gegenüber der Deutschen Mark nicht so drastisch ausfiel. Diese Jahre gingen einher mit einem Höhenflug des Schweizer Frankens, der sich auch gegenüber dem Dollar stark aufwertete (in derselben Zeitperiode verlor der US$ = -65%). Die Situation beruhigte sich wieder etwas, doch eine Trendwende stellte sich nicht mehr ein. Im Februar 1995 sank das GB£ unter CHF 2.00. Heute steht es bei ca. CHF 1.20. Es ist darum wesentlich, ob eine Betrachtung aus Sicht von London oder aus Sicht von Zürich erfolgt. Ich studiere die Entwicklungen hauptsächlich aus der Perspektive der Schweiz. Heinz
Hier z.B. ein Auszug aus der Fototafel 133: Sechsmal wurde die SG.no. 21 angeboten: 4 x ungebraucht, zweimal ungebraucht im Paar. Die Lose hatten einen (unteren) Schätzpreis von (nur) £ 100, 100, 80, 40, 200 und 200, waren aber alle in wunderbarem Druck farbecht wiedergegeben.
Heinz
Los 634 = Williams Census No. IV = Estimate: GB£ 4'000; Hammer Price GB£ 5'750 + 10 % Aufgeld = GB£ 6'325.
Los 635 = Williams census No. V = Estimate: GB£ 4'000; Hammer Price GB£ 4'000 + 10 % Aufgeld = GB£ 4'400.
Los 636 = Williams census No. VIII = Estimate: GB£ 3'000; Hammer Price GB£ nicht ganz klar, ca. GB£ 3100+ Aufgeld = ca. GB£ 3'470 (nach Angabe L.N. Williams, 1997)
Los 637 = Williams census No. XI = Estimate nur GB£ 800 (Mängel); Hammer Price: GB£ 2'900 + 10 % Aufgeld = GB£ 3'190.
Das war sicherlich ein beeindruckender Leistungsausweis, gleich vier dieser enorm seltenen Marken vorweisen zu können. Die Ergbenisse dafür waren respektabel, aber nicht sensationell (meines Erachtens), da die Seltenheit dieser Werte ja auch extrem hoch ist.
Um auf einen Vergleichswert zu heutigen Werten zu kommen, sollte man das Ergebnis ca. mit Faktor 6.9 multiplizieren. Los 634 erreichte also (nach meiner Rechnung) einen Wert von CHF 43'670 (Vergleichs-Wert Ende 2019). Das ist für Marken dieser Seltenheit und bei der Beliebtheit des Gebietes Kap der Guten Hoffnung nicht übertrieben viel. Preisdämpfend ist sicherlich, dass man auch heute erst recht wenig Genaues über diese Marke weiss.
Heinz
Ich habe leider keine Liste der erzielten Preise, aber die Angaben der Schätzpreise sind ein guter Ersatz für diese Informationen. Wir sehen, dass die Joseph-Sammlung einen Gesamt-Schätzwert von ca. GB£ 472'645 aufwies; nach meiner Umrechnung entspricht dies etwa einem Wert von CHF 3'263'330 (per Ende 2019). Dies ist also eine sehr bedeutende Sammlung!
Ich habe bereits erwähnt, dass viele Lose nur geringe Schätzpreise hatten. Aber unter den vielen Stücken der Sammlung gab es auch viele Lose mit hohem Schätz-Wert. Nicht weniger als 46 Lose hatten einen (unteren) Schätzwert von GB£ 2'000 oder mehr (das entspricht einem Wert von ca. CHF 13'800 - 2019). 3 Lose habe ich bereits oben im Bild gezeigt (Lose 634-636).
11 Lose erreichten gar mindestens GB£ 5'000 (unterer Schätzpreis), was nach meiner Rechnung heute (Ende 2019) CHF 34'500 entspricht. Vielleicht interessieren sich die Leser für die am höchsten geschätzten Lose? Es handelt sich um 10 Einzellose und um das Sammellos 1150, von dem ich oben schon gesprochen habe, siehe [#2].
Platz 10 der Schätzpreise erreichte Los 1229:
Los 1229 ist ein Dreierstreifen auf Fragment, Siege of Mafeking, 1900, 1s. auf 4d. grün und violet-braun, Abart: doppelter Aufdruck, davon einer kopfstehend. Der untere Schätzpreis gemäss Auktionskatalog Sotheby's war: GB$ 5'000.
Auf Platz 7 kamen drei Lose mit je GB£ 6'000 unterem Schätzpreis.
Los 694 war ein Brief von 1861 von Südafrika nach London, frankiert mit Paar "Woodblock 1861" 1 Penny (S.G. 13) + 4 Pence (Ausgabe Perkins & Bacon, 1853).
Los 732 war der vielleicht beste Farbfehldruck "1 Penny, milky blue" (S.G. no. 13c)
Los 1272 war ein kompletter Bogen der Mafeking One Penny Bicycle Stamps (S.G. no. 18)
Dass zwei der zehn wertvollsten Einheiten den Ausgaben von Mafeking angehören, zeigt, dass dieses Gebiet grosse, hoch bewertete Raritäten enthält. Genau genommen sind es sogar drei von zehn. Doch davon mehr, morgen, wenn es mir möglich ist.
Heinz
Los 717 - Ein beeindruckender Sechserblock der Stanley Gibbons Nummer 13a = Woodblock, 1 Penny carmine. Das wäre nach Michel dann wohl eine Nr. 5b. Der Sechserblock ist gemäss Katalog "unique", also einmalig und er hat eine sehr interessante Provenienz (ex Burrus, 1962, und Maria de la Queillerie, 1970). Diese zwei Namen sollte sich der interessierte Leser merken, denn sie stehen für Besitzer von grossartigen Cape of Good Hope-Sammlungen.
Ich habe oben bereits erwähnt, dass die Marken des Siege of Mafeking 1900 eine beeindruckende Rolle einnehmen konnten in der Sammlung von Sir Maxwell Joseph. Am höchsten bewertet war dabei Los 1287, welches das Porträt von General Baden Powell zeigt, und dies gleich im Viererblock (Stanley Gibbons no. 19).
Das Los mit einem unteren Schätzpreis von GB£ 8'000 war:
Los 1149 ist ein sehr seltenes Exemplar (ein Paar) der S.G. no. 22 mit Wasserzeichen "Krone CC" liegend. Bei Michel ist die Marke katalogisiert nach der Nr. 4 II mit Nummer I (= römisch eins) "Vermutlich Probedruck" (gemäss Michel 1968/69, Übersee, Band 2). Das Paar war in der Sammlung D'Arcy Hall (= grosse Cape-Sammlung).
Heinz
Auf der Titelseite des Auktionskataloges ist ein optisch sehr schönes Stück abgebildet: ein Viererblock der Ausgabe "1861 Woodblocks, One Penny, vermilion, S.G. no. 13". Der Viererblock ist speziell geschnitten, sodass die Einheit wieder ein Dreieck bildet, was für die Dreiecksmarken natürlich sehr attraktiv ist.
Der Viererblock wurde als Los 696 angeboten. Der Schätzpreis dazu wurde von Sotheby's mit GB$ 3000-4000 angegeben. Es gab aber meines Wissens 18 Lose mit noch höheren Schätzpreisen (ich verwende jeweils den unteren Schätzpreis).
Dass die "Hitparade" aber doch geprägt wird von roten "Woodblocks" wird deutlich, wenn wir auch die am teuersten geschätzten Lose betrachten. Allerdings sind dies keine regulären "One Penny"-Marken mehr, sondern alles Farbfehldrucke: "Four Pence"-Marken in der Farbe vermilion.
Der dritthöchste Schätzpreis, GB£ 15'000, wurde Los 898 zugeteilt:
Wir sehen einen Dreierstreifen, ergänzt mit einer vierten Marke "One Penny vermilion". Die mittlere Marke des Dreierstreifens ist eine 4 Pence-Marke, also ein Fehldruck! Das Ganze als Brief von 1861 nach Grahams Town ist natürlich eine grossartige Sache.
Noch eine Stufe höher, bei GB£ 20'000 wurde Los 890 eingeschätzt
Dieser Farbfehldruck ist ungebraucht extrem selten. Gemäss Auktionskatalog gibt es nur zwei Exemplare davon.
Auf die gleiche Stufe setzte Sotheby's Los 897
ein wunderbarer Viererblock mit - wir ahnen es - einem Farbfehldruck (4 d.) in Kombination mit drei One-Penny-Marken.
Der Schätzpreis von GB£ 20'000 entspricht einem heutigen Wert von ca. CHF 138'088 (2019, nach meiner Bewertungsmethode).
Aufmerksame Leser meiner Beiträge erinnern sich, diesen Viererblock schon gesehen zu haben: Richtig! Siehe:
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=231453
Das Stück zierte die Sammlungen von
- Ferrary, Verkauf 1921
- Riesco
- Stevenson, Verkauf 1950
- D'Arcy Hall, Verkauf 1962
- Maria de la Queillerie, Verkauf 1970
* * * * * * * *
Damit habe ich die Sammlung von Sir Maxwell Joseph FRPSL sehr ausführlich besprochen. Wir können versuchen, die Sammlung mit anderen grossartigen Cape-Sammlungen zu vergleichen.
Bestimmt haben wir aber eine der besten Sammlungen mit ein paar Schlüsselstücken kennengelernt.
Heinz
Schätzpreis (unterer) ca. GB£ 472'645 Zuschlagpreis ca. GB£ 1'037'580 Endpreis ca. GB£ 1'141'338
Der Zuschlagpreis lag total bei 220 % des Schätzpreises.
Von den 46 am höchsten geschätzten Losen wurden 44 über dem Schätzpreis zugeschlagen, nur zwei darunter. Allein die 46 am höchsten geschätzten Lose totalisierten fast GB£ 200'000 mehr als Estimate (GB£ 418'250 Zuschlag statt GB£ 219'000 Estimate).
Los 898 erreichte den höchsten Preis. Bei Schätzpreis GB£ 15'000 fiel der Hammer erst bei GB£ 37'000. Ein wahrlich stolzer Preis für den Dreierstreifen mit dem Fehldruck (plus viertes Stück) auf Brief!
Wenn wir die Summe der Endpreise auf den Gegenwert in CHF auf Ende 2019 hochrechnen, kommen wir auf schwindelerregende CHF 7.88 Millionen. - Ich denke, wir werden keine Kap - Sammlung finden, die einen solchen Endpreis realisieren konnte. Vermutlich haben wir gleich "den grössten Fisch" an Land gezogen...
Heinz
Die Auktion startete schon mit zwei Paukenschlägen. Zuerst wurden zwei äusserst alte Vorphila-Briefe angeboten. Sie können zwar nicht genau datiert werden, können aber der Periode 1652-62 zugeteilt werden. Sie waren an Joan van Riebeeck/Joan van Riebeeq adressiert. Sie waren mit moderaten Schätzpreisen ausgepreist (GB£ 300 bzw. GB£ 200); aber sogleich entzündeten sich Bieterschlachten. Der Hammer fiel bei GB£ 1'500 bzw. sogar erst bei GB£ 2'600. Und - das ist auch nicht "falsch"! Ganz aussergewöhnliche Briefe klettern auch bei anderen Sammelgebieten durchaus in vergleichbare Höhen.
So spielte schon der erste Teil der Sammlung (Lose 1-122, "pre adhesive period" (=Vormarken-Zeit)) GB£ 16'095 ein, statt der geschätzten GB£ 4'440. Auch die "Proofs" (=Probedrucke), Lose 123-155, realisierten mehr als den doppelten Schätzpreis (GB£ 15'234 statt GB$ 6'770), und damit war der Start natürlich perfekt geglückt.
Heinz
AUCH ein Viererblock von Baden Powell! Aber - es gibt die Marke in zwei Formaten: Large Format (Stanley Gibbons no. 21) = Los 1309. Los 1287 hingegen war "Small format" (= Stanley Gibbons no. 19).
SORRY, HERR OBERST !
Nun, die Sammler 1982 kannten die Unterschiede genau, und sie wussten, dass die zwei Viererblocks sehr selten sind. Die Zuschläge waren dann sehr hoch.
Los 1309: Estimate £ 7'000 - Zuschlag £ 14'500
Los 1229: Estimate £ 5'000 - Zuschlag £ 9'500
Los 1272: Estimate £ 6'000 - Zuschlag £ 9'000
Los 1287 erreichte mit £ 4'400 das siebthöchste Resultat dieses letzten Teiles der Auktion.
- Los 1309 erreichte Platz 6 der teuersten Lose der GANZEN Maxwell Joseph-Sammlung.
- Fünfter wurde Los 694, der wunderbare Brief (Beitrag 7) mit stolzen £ 17'000 (Est. £ 6'000)
- Vierter: Los 890: £ 23'000 (Est. £ 20'000)
- Auf dem zweiten Platz zwei Lose: die Sammlung 1150 und Los 897: beide Est. 20'000, Zuschlag aber £ 36'000.
- Und Platz eins habe ich vor 12 Stunden ja bereits vorgestellt.
Heinz
Der Viererblock auf der Frontseite erreichte beeindruckende GB£ 11'000 als Zuschlagpreis (Startpreis: £ 3000), das war immerhin das achthöchste Ergebnis der Auktion (Los 696).
Das wirklich schöne Stück war denn auch auf der Titelseite der nächsten grossartigen "Cape" Sammlung: der Grand-Prix-Sammlung "Maximus" = Ronald Lee. Er gewann damit den GP International in Kopenhagen an der HAFNIA 87 (Oktober 1987). Ich freue mich schon, diese Sammlung zu analysieren. Aber ich möchte nicht damit beginnen, sondern mit der Sammlung 1950 von Stevenson.
D. Alan Stevenson gilt nicht nur für mich als einer der GANZ GROSSEN Kap-Sammler aller Zeiten. Zwar gab es schon vor ihm grossartige Sammler und auch gute Literatur zum Thema, aber sein Werk: "The Triangular Stamps of Cape of Good Hope" (1950) zeigt, dass er nicht nur ein Sammler, sondern auch ein Forscher und Enthusiast war. Das Buch gewann 1951 die Crawford Medaille.
Die Sammlung Stevenson wurde am 6./7.11.1950 in London verkauft, beim damals führenden Auktionshaus der Welt: H.R. Harmer Ltd. London.
Heinz
Die Sammlung war aufgeteilt in 382 Lose
Proofs, Reprints, etc.: Lots 1-23
Issued Stamps: S.G. 1-4: Lots 24-78
do. S.G. 5-7: Lots 79-173
Re-entries and constant marks: Lot 174
Woodblock Issues, S.G. 13-14: Lot 175-229
do. Errors of Colour, S.G. 15+16: Lots 230-237
The Retouched Corner, S.G. 17: Lots 238-241
Stamps De La Rue 1863-1864, S.G. 18-22: Lots 242-373
Collections, etc.: Lots 374-382
Immerhin 12 Fototafeln zierten den Katalog; das war für damalige Zeiten viel. Eine Seite (Plate I) war sogar in Farbe.
Die 382 hatten einen Schätzpreis von GB£ 17'559.
Die Auktion war sicher ein Erfolg, denn von den 382 Losen wurden 373 verkauft. Da aber drei der unverkauften Lose teuer eingeschätzt wurden, erreichte die Summe der Zuschläge die Summe der Schätzpreise nicht.
229 Lose wurden höher als Schätzpreis verkauft
24 Lose wurden zum Schätzpreis verkauft
120 Lose wurden unter Schätzpreis verkauft
9 Lose blieben unverkauft
Wenn wir einen Wertansatz der 9 Lose von 50% des Schätzpreises ansetzen, ergibt sich ein effektiver Verkaufspreis von
GB£ 17'276 und 7 Shilling. Ein Aufgeld verlangte H.R. Harmer 1950 nicht. Umgerechnet auf heute (Ende 2019) entspricht dieser Betrag nach meiner Rechnung einem Betrag von CHF 1'102'146.
Ich habe zwar keine offizielle gedruckte Liste der realisierten Preise, aber die Resultate der Auktion wurden im Katalog sauber aufgeschrieben und wurden stichprobenweise verifiziert. Bei zwei Losen wurde der notierte Preis sauber durchgestrichen (Los 251+253); ich betrachte diese Lose als "nicht verkauft" (Schätzpreise £7 und £10).
Heinz
Die Auktion wurde im Kapitel "London" in Abschnitt 5 besprochen. U.a. steht da:
"The final total of £ 16,800 is a world-record for a Cape Collection." Die Addition der handschriftlichen Preise hatte GB£ 16'862 und 7 Shilling ergeben. Auch die Info: "...with thirty-three lots reaching £100 or more and two "four figures"" stimmt mit unseren Aufzeichnungen überein.
Die Stevenson-Auktion bleibt in ihrem Wert also klar unter den Zahlen der Maxwell Joseph Sammlung 1982. Die Sammlung war aber auch klar kleiner und beschränkte sich auf die Dreiecksmarken (keine 1900-Ausgaben "Mafeking Siege", keine Vorphila-Briefe, etc.). Joseph hatte offensichtlich auch mehrere seltene Marken gleich mehrfach. Ich nehme an, ein paar Leser interessieren sich, wie ich, für die Spitzenstücke der Stevenson-Sammlung.
Herausragend war Los 174, eine Studiensammlung zu den "Re-Entries and constant marks".
Diese Studiensammlung mit 223 Briefmarken auf 20 Albumblättern war auf GB£ 1750 geschätzt und brachte einen Zuschlag von GB£ 1550. Es war das teuerste Los der Auktion.
Heinz
Aufmerksame Leser kennen das Stück schon! Es ist ein wunderbarer "1861 Woodblock"-Viererblock mit drei One Penny Marken zusammenhängend mit einem Farbfehldruck Four Pence, in der Farbe vermilion.
Dieses Los 233 erreichte bei einem Schätzpreis von GB£ 1500 einen Zuschlag von GB£ 1450. Umgerechnet auf Ende 2019 wären das CHF 92'503.
1982 hatte das Stück einen Schätzpreis von GB£ 20'000, realisierte aber 80% mehr, nämlich volle GB£ 36'000 plus 10%! Umgerechnet auf heute (Ende 2019) sind das CHF 138'088 (Schätzpreis) bzw. CHF 273'414 (Endpreis inkl. Provision).
Auf Platz drei der Stevenson-Auktion kommen drei Lose mit einem Zuschlag von GB£ 460
- Los 175: Woodblock 1861, ungebrauchtes Paar der Four Pence Marke (Schätzpreis GB£ 450)
- Los 188: Woodblock 1861, Viererblock der Four Pence Marke auf kleinem Fragment (Est. £600)
- Los 230: Woodblock 1861, Farbfehldruck der One Penny Marke hellblau ("pale blue"), sehr leicht gestempelt (Est. £400)
Alle drei Lose sind auf Plate 1 farbig abgebildet. Anbei zeige ich einen Teil der Farbtafel: Reihe 3-5.
Los 175: Reihe 3/ 1.Abbildung (Paar)
Los 188: Reihe 5/ 1.Abbildung (Viererblock auf kl. Fragment)
Los 230: Reihe 4/ 2.Abbildung (Einzelmarke auf kl. Fragment)
Reihe 5/2. Abbildung zeigt Los 233, das ich oben schon separat gezeigt habe.
Heinz
Aber unserem geübten Auge fällt auf, dass die Sammlung nicht "komplett" war.
Heinz
Die Stanley Gibbons no 22 gibt es nur ungebraucht. Sie ist sehr selten. Sir Maxwell Joseph hatte immerhin ein Paar, und zwei Einzelstücke davon (Lose 1147-1149); das Paar habe ich oben gezeigt
@ Heinz 7 [#8]
Das Schofield-Exemplar landete auch bei Sir Maxwell Joseph (= Los 1147)!
Es wird interessant sein, zu suchen, ob diese Marke auch später noch einen Wert (2019) von fast CHF 35'000 erreichte. Interessant ist auch die Bewertung im Michel 1968/69, da war sie immerhin mit DM 30'000 bewertet. (Michel Nr. I.; Notiz: "Nr. I gehört zu den grössten Seltenheiten. Vermutlich Probedruck").
Heinz
Der vielleicht schönste Farbfehldruck 1861 Woodblock 1 Penny "pale milky blue" wurde erst 1935 entdeckt und wurde vom Sammler Schofield gekauft. 16 Jahre später wurde er an der Harmer-Auktion auf satte GB£ 1'000 eingeschätzt!
Und diesen Schätzpreis übertraf unsere Marke sogar noch um 20%. Erst bei GB£ 1'200 fiel der Hammer. Das war ein sehr hohes Ergebnis. Es entspricht nach meiner Umrechnung einem Gegenwert von CHF 76'080 (31.12.2019). Das ist viel, für eine Briefmarke mit Katalogwert Euro 40'000 (Michel 2010), siehe Mi. 5F.
Im 26th Annual résumé wurde übrigens der Wert der Sammlung bestätigt: gemäss unserer Addition summiert sich der Gesamt-Zuschlag auf GB£ 9097 und 10 Shilling. Bei einigen wenigen Losen kann ich "Lesefehler" nicht ausschliessen (Handschrift nicht immer zweifelsfrei lesbar). Aber Harmer schrieb im Résumé: "Nearly 300 Cape lots in a single day made over £9,000." (=> Gegenwert 2019 immerhin mehr als CHF 570'600).
Von hier entnehmen wir auch die Info, dass Schofield 1935 die Marke für £ 500 von Harmer kaufen konnte.
Von unseren obigen Studien wissen wir bereits, dass es noch wertvollere Stücke von Kap gibt:
- ungebrauchte Stücke
- Stücke in Einheiten mit Normalmarken (Normalmarke/Fehldruck im Paar oder in noch grösseren Einheiten)
- ...und als "Krönung" das Ganze auf Brief...
... aber darauf werden wir später zurückkommen.
Ich wünsche allen einen guten Rest-Sonntag
Heinz

Im Umfang waren sich die Sammlungen sehr ähnlich: Die Sammlung von D'Arcy Hall umfasste 231 Lose, die von Maurice Burrus 248 Lose. Beide Sammlungen scheinen mehr oder weniger "komplett" zu sein; dennoch unterscheiden sich die Sammlungen doch etwas.
D'Arcy Hall beeindruckt mit vielen schönen Einheiten, bei Burrus findet der Interessent einige schöne Briefe, und auch Ausgaben nach 1864: The Rectangular Issues 1864-1904 und Mafeking Siege Stamps 1900 / Boer Occupation of Vryburg 1899 (total 31 Lose). Die Hauptwerte aber lagen bei beiden Sammlungen bei den Grossraritäten der Dreieck-Marken ("Triangulars").
Ich nehme an, wir können den Schätzpreisen der beiden Auktionshäusern, die damals zweifellos zu den besten der Welt gehörten, vertrauen und sie miteinander vergleichen. Es fällt dabei auf, dass die Sammlung D'Arcy Hall 113 Lose umfasste mit einem Schätzpreis von unter GB£ 20; also (zahlenmässig) immerhin 49 % der Lose. Bei Burrus sah das deutlich anders aus: nur 67 Lose (= 27 % der Gesamtzahl) hatte einen relativ tiefen Schätzpreis von unter GB£ 20. Der grosse Rest (73 %) waren höherpreisige Lose.
Um Vergleichwerte zu heute zu haben, empfehle ich folgende Umrechnung:
D'Arcy Hall = GB£ 100 = CHF 4290 (Ende 2019)
Burrus = GB£ 100 = CHF 4297 (Ende 2019)...
... also die genannten Werte mit (fast) Faktor 43 zu multiplizieren. GB£ 20 (1962/11) = ca. CHF 860 (2019/12).
Auch sonst ergeben sich einige Unterschiede beim Vergleich der beiden Auktionskataloge. Sehen wir uns die teuer geschätzten Lose an...
Heinz
Wie gesagt - "nur" ist hier sehr relativ. Es gibt nur wenige, privilegierte, Sammler, die eine solche Anzahl von teuren Grossraritäten ihr Eigen nennen dürfen.
Heinz
Heinz
Das Angebot fiel auf reges Interesse und der Hammer fiel erst bei GB£ 925. Dies entspricht CHF 39'747 (Wert 2019). Zwar kennen wir noch höhere Ergebnisse für diese Marke, aber bestimmt zählt dieses Ergebnis zu den bemerkenswerten! Die Marke ist regelmässig geschnitten und offenbar fehlerlos. Interessant ist sicher, dass das damalige Gutachten (1957) noch keine Aussage machte zur Echtheit oder zum Status dieser Marke! In der "Encyclopaedia" von Williams (Vol. 2, 1997) ist dies das Exemplar IX (neun). Die Marke wurde auch farbig abgebildet auf der Rückseite des Auktionskataloges [#23].
Auch Platz 2 wurde von einem Stück belegt, das keine "1861 Woodblock"-Ausgabe war. Los 230 hatte folgende Beschreibung:
Ein ungebrauchtes Paar der Stanley Gibbons Nr. 22 gehört zu den ganz grossen Raritäten. Es erzielte 1962 einen beeindruckenden Preis von GB£ 2'000 (Gegenwert 2019 ca. CHF 85'940).
Wir haben dieses Paar übrigens schon kennen gelernt. Ich habe es oben gezeigt, als ich die Sammlung Sir Maxwell Joseph vorstellte. Als Los 1149 erreichte dieses Stück 20 Jahre später Platz 7 in dessen Sammlung
Heinz
Ein Farbfehldruck Vermilion in einem Viererblock; bestehend aus drei One Penny Marken (normal) und einem Fehldruck Four Pence war das am höchsten geschätzte Los der Auktion (GB£ 2'000); aber bei diesem Preis blieb es nicht! Das Stück war hart umkämpft und der Hammer fiel erst bei GB£ 3400. Das entspricht einem Gegenwert (2019) von CHF 146'098!
Dieses Los war der Höhepunkt der Sammlung Stevenson 1950 und, später (1982), ein Spitzenstück der Sammlung Joseph. Wir haben es mehrfach schon in Farbe gesehen
@ Heinz 7 [#21]
@ Heinz 7 [#16]
@ Heinz 7 [#9]
Obwohl 18 Lose mit einem Estimate von GB£ 907 plus 10 Shillings unverkauft blieben, erreichte die Summe der Zuschläge GB£ 19'565 und 15 Shillings. Diesen Gegenwert Ende 2019 in Schweizer Franken errechne ich mit CHF 840'740.
Ich denke, wir können festhalten, dass die Sammlung von D'Arcy Hall eine sehr beeindruckende war und sich würdig einreiht in die besten und wertvollsten Sammlungen von Kap der Guten Hoffnung.
Heinz
Heinz
Die Six Pence Marke De La Rue in einem wunderbaren Eckrand-Achterblock
Heinz
Ein eher tiefes Ergebnis erzielte Los 109, immerhin ein Farbfehldruck "milky blue" (One Penny) im Paar mit Normalmarke (Four Pence), mit breiten Rändern, das - trotz einem Schätzpreis von GB£ 1'000 und extra-Abbildung farbig - nur GB£ 700 brachte. Die Qualitätsmängel ("two tears in the error") waren dafür wohl verantwortlich.
Heinz
Platz 4 haben wir in Beitrag [#28] schon kennengelernt (ein ungebrauchter One-Penny-Wert).
Platz 3 erreichte Los 97. Auch dieses ist auf Farb-Fototafel B abgebildet. Es ist ein einmaliger Sechserblock der 1861 Woodblock Ausgabe One Penny carmine. Das Los wurde eine Stufe über dem Schätzpreis von £ 1500 bei £ 1550 zugeschlagen.
Platz 2 schliesslich eroberte sich Los 127, einer der seltenen Farbfehldrucke "1861 Woodblocks". Normalerweise ist die Four Pence-Marke blau, hier ist sie vermilion. Das Stück realisierte GB£ 1700 und ist ebenfalls auf Farbfototafel B gezeigt.
Wir sehen also, dass die Sammlung Burrus kaum Wünsche offen liess.
Heinz
Los 148: Ausgabe 1863-64; De La Rue; Four Pence, greenish-blue; Eckrand-56er Block
Diese beiden Lose erreichten tolle Preise: 144 wurde von von £ 600 auf £ 950 hochgesteigert, Los 148 gar von £ 1000 auf ganze £ 2500. Damit erreichten die Lose in der "internen Rangliste" dieser Auktion die Plätze 6 und EINS! Das war bestimmt eine Überraschung, denn nach dem Schätzpreis lag Los 148 nur auf Platz fünf (bis neun), zusammen mit drei anderen Losen.
Führen wir uns vor Augen, dass dieser Preis von £ 2500 einem Wert von CHF 107'250 (Ende 2019) entspricht, dann gewinnt dieses Ergebnis noch mehr Gewicht.
So setzte auch die Burrus-Auktion ihre eigenen Glanzpunkte. Es war eine aussergewöhnlich schöne Sammlung, die Ende November 1962 aufgelöst wurde.
Heinz
[1] https://www.davidfeldman.com/2020/06/the-cover-of-hope/
[1] https://www.davidfeldman.com/dfsa-auctions/2020-spring-auctions/?soff_category=5987
Ich schreibe, dass der Brief "schön" sei. Das ist vielleicht eine "philatelistische Verklärung", denn wir könnten auch nüchtern feststellen, dass die Marken nicht vollrandig sind und - vor allem - dass der Brief fast vernichtet wurde! Wir erkennen einen mehrere Zentimeter langen Riss senkrechten neben dem Paar mit der Halbierung.
Also war da gerade irgendein Mensch daran eine ganz grosse Seltenheit zu zerstören. Wäre das ungleiche Paar ganz aus dem Brief herausgetrennt worden, hätten wir die äusserst seltene Verwendung als Halbierung nicht mehr zweifelsfrei verifizieren können. Dazu das notwendige Wissen aus der Sektion "Postal History":
Ein Einschreibe-Brief von Fraserburg nach Kapstadt kostete damals (1858) 10 Pence: 4 Pence für das normale Briefporto, 6 Pence für das Einschreiben. Dazu wäre eine Frankatur mit folgenden Marken vorgesehen gewesen:
Triangular 4 Pence, Ausgabe 1853, 4 P. blau, Michel Nr. 2
Triangular 6 Pence, Ausgabe 1853, 6 P. lila, Michel Nr. 3 I y
Soweit, so gut. Leider hatte unser Absender keine 6 d.-Marke zur Hand. Also nahm er ein Paar der 4 Pence Marke und schnitt eine Hälfte von einer Marke herunter. Die eineinhalb Mal 4 Pence verklebte er in der rechten oberen Ecke um somit die Einschreibegebühr zu bezahlen. Dass es ein "Einschreibe-Brief" war, sehen wir aus der handschriftlichen Notiz "Registered".
Ich weiss nicht, ob die Halbierung postalisch zulässig war (ich schätze: nein!) und ob der Postbeamte die Nachzahlung der 6 Pence verlangte (vielleicht beim Empfänger?), aber vermutlich liess der Postbeamte die ungewöhnliche Frankierung zu; immerhin wurde das Paar ja mit demselben Stempel entwertet wie die Marke links. Vielleicht war in Fraserburg damals auch keine 6 Pence-Briefmarke erhältlich, und der Postbeamte hat diese Lösung selber vorgeschlagen. Wir wissen es nicht.
Wir wissen aber, dass solche Frankierungen extrem selten sind.
Im Auktionskatalog von 1944 - mitten im zweiten Weltkrieg! - wurde darauf bereits hingewiesen "Bisected usage is very rare". Auch der Riss im Brief wurde beschrieben.
Dieser sehr seltene Brief war in der Charles Lathrop Pack-Sammlung. Diesen Sammler habe ich an anderem Orte bereits vorgestellt [1].
Die Cape-Sammlung von C.L. Pack vorzustellen, wäre eine edle Aufgabe, die uns schöne neue Erkenntnisse bringen würde. Aber das ist mit einiger "Arbeit" verbunden, oder sagen wir: Zeitaufwand! Wir könnten problemlos 20-30 Stunden dafür einsetzen um so diese märchenhafte Sammlung so erschliessen, wie sie es eigentlich verdient hätte. Da ich diese Zeit im Moment aber nicht aufbringen kann, möchte ich nun keine Versprechungen machen.
Aber eine Empfehlung: Wenn Sie das Sammelgebiet "Cape of Good Hope" lieben, dann konsultieren Sie unbedingt auch die Auktionskataloge von Harmer Rooke New York 1944 und 1945, als die Charles Lathrop Pack Sammlung angeboten wurde (in vermutlich drei Teilen). Es lohnt sich!
Heinz
[1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=181814
An dieser wunderbaren Auktion wurden verkauft
Grossbritannien
Cape of Good Hope
Ceylon
India
Mauritius
Transvaal
und einige weitere Länder. Total 948 Lose in drei Tagen.
Im Moment kümmern wir uns aber nur um Cape of Good Hope. Es war volumenmässig der fünftgrösste Teil der 12. Caspary-Auktion.
Heinz
Platz 3 und Platz 1 sind oben gezeigt: Lose 298 und 299. Es sind die bestens bekannten "Woodblock"-Ausgaben von 1861, One Penny karmin, in einem Paar und einem Viererblock.
Platz 2 war ein anderes Woodblock-Paar, eine Vierpence-Marke dunkelblau (Scott Nr. 9a).
Farbfehldrucke der Woodblocks oder eine Four Pence schwarz hatte Caspary offenbar nicht.
Heinz