Briefe aus Jerusalem
Hallo zusammen,
ich muss leider noch einmal nerven.
Ich habe einen Briefposten erworben, bei dem sich u.a. auch einige Briefe dieser Art befanden. Lt. rückseitigen Stempeln sind es Briefe aus einem Waisenhaus. Vorderseitig befinden sich als Adresse ausgeschnittene Papieraufkleber. Für mich sieht es so aus, als seien sie aus einem Anzeigenblatt ausgeschnitten.
Ich frage mich: Was hat der Absender mit diesen Briefen bezweckte. Die Briefe wurden wohl massenhaft versandt. Echt gelaufen scheinen sie wohl zu sein.
Kann mir bitte jemand die Zusammenhänge und was mir hier vorliegt erklären?


Gruß
Detlef
Aus dem Absender und dem Empfängern kann man sich schon einiges zusammenreimen. Ich vermute, dass das Waisenhaus in Jerusalem etliche Pfarrer in Deutschland mit der Bitte um Spendensammlungen angeschrieben hat, und das durchaus mehrfach, denn dann war es bequem, deren Adressen vorgedruckt auf Lager zu haben.
So ähnlich macht man es heute auch noch, nur dass man z.B. einen Satz e-mail-Adressen gespeichert hat, an die man dann gleichartige Nachrichten wiederholt versenden kann (z. B. den Philaseiten-Brief).
-jmh
@ jmh67 [#2]
Vielen Dank für die Antwort. Auch die rückseitigen Stempel sprechen gegen Dienstpost.
Gruß
Detlef
Hallo,
zusammen und allen ein frohes neues und besonders gesundes neues Jahr,
ich habe auch so einen schönen Umschlag bekommen. Abgestempelt Jerusalem. Wie schon vermutet wurde, waren in diesem Umschlag Drucksachen von einem syrischem Waisenhaus in Jerusalem laut Verkäufer.
Was ich persönlich nun nicht ganz verstehe: Es handelt sich doch hierbei um eine Briefmarke aus einem deutschen Auslandspostamt aus der Türkei die nun in in Jerusalem abgestempelt wurde bzw der Brief von dort verschickt wurde? Kann mir jemand den Zusammenhang erklären?
Nette Grüße
@ eswareinmal [#4]
Hallo,
1901 gab es das Land Türkei noch nicht, sondern das Gebiet der heutigen Türkei gehörte zum Osmanischen Reich. Das Osmanische Reich war viel größer als die heutige Türkei und erstreckte sich 1901 vom Balkan aus über das Gebiet der Türkei und Israel bis bis zum Jemen und Kuwait. Insofern ist der Name "Deutsche Post in der Türkei" irreführend.
Zur "Deutschen Post in der Türkei" gehörten u.a. Postämter in Jaffa (= Tel Aviv, Israel), Beirut (Libanon) und Jerusalem (Israel).
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#5]
Super, vielen Dank für die Aufklärung. Das ergibt dann alles einen Sinn. Der Brief muss ja rein theoretisch nach 1908 versendet worden sein. Ich hatte zwar gegoogelt nach Deutsche Kolonie in Jerusalem 1908 aber das war eine Sackgasse.
Ich bin sehr dankbar für Deine Hilfe. Vielen Dank.
@ eswareinmal [#6]
Hallo,
du hast recht, mit der Jahreszahl 1901 liege ich falsch. Da habe ich die Jahreszahl im Stempel falsch gelesen. Nach dem Borek-Ganzsachen-Katalog gibt es diesen Umschlag seit August 1908. Das ist aber egal, denn meine Aussage gilt zumindest ähnlich auch für das Jahr 1908 oder 1910. Wie kommst du auf diese Jahreszahl?
Die Grenzen des Osmanischen Reiches haben sich allerdings immer wieder verändert und ich kann im Moment nicht genau sagen, wie sie 1908 oder 1910 waren.
Viele Grüße
Volkmar
Das Syrische Waisenhaus in Jerusalem muss wohl einiges an Belegen produziert haben. Hier ein weiterer Beleg nach Marburg aus dem Jahr 1908.


Gruss
Martin
@ volkimal [#7]
Ich hatte mich auch daran orientiert wann die Marke verausgabt würde. Laut meiner Recherche war es wie Du es auch bestätigst 1908.
Das Jahr im Stempel konnte ich bis jetzt nicht entziffern.
Nette Grüße
Ich verstehe die Bezeichnung ehrlich gesagt nicht ganz. Richtig müsste es anstatt "Türkei" doch "Osmanisches Reich" bedeuten, wie volkimal in [#5] schon annähernd beschreibt. Die Türkei war ein Teilgebiet bzw eine der großen Ethnien des riesigen, mächtigen Osmanischen Reiches. Was ich auch nicht verstehe, ist die neue Währung 1 Franc = 100 Centimes, die dann plötzlich im Osmanischen Reich (Türkei) auftrat. In keinem Währungsrechner fand ich diese Währung im Osmanischen Reich. Wie kam es dazu, dass der Überdruck in französischer Währung gastierte?
Die folgende Ansichtskarte zeigt ein Blick auf die Dächer von Jerusalem in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die mit insgesamt 10 Centimes (Germania mit Audruck) freigemachte Karte bedeutete ein Ostergruß im Jahr 1913 in die Vereinigten Staaten von Amerika.
Liebe Grüße
10Parale

@ 10Parale [#10]
Hallo 10Parale,
eine Erklärung findest Du im Friedemann/Wittmann: Die Postwertzeichen und Entwertungen der deutschen Postanstalten in den Schutzgebieten und im Ausland.
In meiner 4 Auflage heißt es auf Seite 286:
Nachdem 1898 in Jaffa, 1900 auch in Jerusalem, Beirut und Smyrna deutsche Postämter eröffnet worden waren, zeigte sich bald, daß sie im Wettbewerb gegenüber den bereits länger bestehenden Postämtern anderer Großmächte erhebliche Schwierigkeiten hatten, da diese insbesondere in Smyrna den Auflieferern von Mustersendungen unerlaubte Vergünstigungen gewährten. In Jaffa und Jerusalem war besonders der Anfall von Drucksachen außerordentlich stark. Allein das deutsche Syrische Waisenhaus in Jerusalem gab für die Beförderung seiner Zeitschrift jahrlich 4000 bis 5000 Francs aus (Schmidt-Werner S. 413). Zahlreiche mehr oder weniger seriöse Unternehmen und Einzelpersonen befaßten sich mit dem Versand von Warenproben" aus dem Heiligen Land, die in alle Welt geschickt wurden und meist von gedruckten Bittschriften begleitet waren, um die Überweisung kleinerer Geldbeträge zu erreichen. Für die deutschen Postämter Beirut, Jaffa und Jeru- salem war ohnehin der französische Franc als Kassenwährung festgesetzt. Nachdem bereits 1903 die ersten Anregungen vom deutschen Postamt in Smyrna ausgegangen waren, entschloß sich das Reichspostamt im Jahre 1908 zur Ausgabe von 5 Werten mit Überdruck in französischer Währung, um gegenüber den anderen Postämtern konkurrenzfähig zu bleiben, die gleichfalls Postwertzeichen gegen französische Francs abgaben. Da hiermit ein kleiner Währungsvorteil verbunden war, konnte die Deutsche Post nunmehr wieder einen größeren Teil des Drucksachen- und Warenproben-Verkehrs auf sich ziehen. Für diese Sendungen boten die Marken in Franc-Währung einen Vorteil, während dies bei Einschreibsendungen und Paketen oder Postanweisungen nicht der Fall war.
Viele Grüße
Volkmar
@ 10Parale [#10]
Hallo 10Parale,
1908 kam es zum x-ten Staatsbankrott, die Schuldenverwaltung (von europäischen Banken kontrolliert) übernahm die Geschäfte.(1)
Meine Vermutung, da Frankreich der größte Geldgeber war, wurde der franz. Franc gewählt und der Piaster gestrichen.
grüsse Christof
(1)
https://de.book-info.com/isbn/3-933346-51-7.htm
Hallo Sammlerfreunde,
Drucksache vom 14.3.1908 vom Syrischen Waisenhaus in Jerusalem, spediert an das Evangelische Pfarramt Vohenstrauss in der Oberpfalz, einen Ankunftsstempel gibt es wie so oft bei Drucksachen nicht.
Für das Franko nahm man eine Mi.Nr.48 zu 5 Pfennig Germania mit Überdruck Centimes, Deutsche Auslandspostämter in der Türkei.
Gestempelt wurde mit Einkreisstempel von Jerusalem Deutsche Post, sowie auf der Rückseite der Rechteckstempel des Syrischen Waisenhauses.
Gruß Rainer

[Redaktipnell kopiert aus dem Thema "Altdeutschland Bayern Pfennigzeit (1876-1920) eingehende Post"]
Da klebt keine Mi.Nr.48, das ist ein Ganzsachenumschlag.