Briefmarken Atteste

Thema:

USA Maschinenstempel bestimmen

dithmarsia43 Am: 07.11.2019 15:12:36 Gelesen: 4924 # 1
Wer kann mir helfen? Meine vorhandene Literatur über Maschinenstempel listet zwar viele Hersteller auf, einen Doppelkreisstempel wie auf dem gezeigten Brief konnte ich bei denen nicht entdecken!
Holzinger Am: 07.11.2019 15:37:49 Gelesen: 4917 # 2
@ dithmarsia [#1] Interessant. Der Sachverhalt (eigene Postststelle der "Staatsreserve-Station" in Kansas City) dürfte klar sein. Doppelkreise gibt es - bei den sog. "Internationalen". In der mir vorliegenden Literatur habe ich diese Variante aber auch nicht gefunden. Scheint eine genutzte Kragmaschine zu sein (wegen dem Doppelkreis).
Wesi Am: 04.12.2020 20:07:51 Gelesen: 4453 # 3
Aus aktuellem Eingang eine doppelt gestempelte Blindensendung aus NEW YORK 100 vom 28.11.2020. Mir stellen sich hier zwei Fragen: Wofür steht New York 100 und weshalb wurden hier keine Wellen aufgedruckt? Ich freue mich über Antworten. Grüße Moritz
jmh67 Am: 05.12.2020 10:52:45 Gelesen: 4435 # 4
@ Wesi [#3] "100" ist der Beginn der ZIP-Codes (US-Äquivalent der Postleitzahlen) für New York, Bereich Main 1. Siehe auch https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_ZIP_Code_prefixes - sehr praktisch beim Registrieren von Maschinenstempeln aus den USA. -jmh
DL8AAM Am: 26.09.2024 16:44:29 Gelesen: 2503 # 5
@ Wesi [#3] weshalb wurden hier keine Wellen aufgedruckt? Da keine Briefmarken erkannt wurde, wurde das Element mit den Wellen nicht hinzugedruckt. Briefzentren der US Post besprühen oft auch Sendungen, die nicht entwertet werden müssen, trotzdem mit einem Tintenstrahler, zur Dokumentation der Bearbeitung. Das ist zum Beispiel grundsätzlich die Regel bei Automatenmarken und anderen Postwertzeichen, die einen Matrixkode tragen. Diese werden in den USA nicht mehr physisch entwertet, nur noch digital. Deshalb werden diese "Dokumentations-Sprays" auch links versetzt aufgegebracht, damit die Lesbarkeit des Matrixcodes nicht durch den Tintenstrahler behindert wird. Oft werden sogar auch mit Absenderfreistempel frankierte Sendungen im Briefzentrum so gekennzeichnet. Wofür steht New York 100 ... Nur zur Ergänzung zu @ jmh67 [#4]: Sendungen, die in Briefzentren gestempelt werden, erhalten grundsätzlich nur eine verkürzte, dreistellige Postleitzahl (ZIP-Code). Diese "reflektiert" die Sectional Center Facility (SCF)-Leitregion (3-Digit-ZIP Code) in der das Briefzentrum seinen Sitz hat. Analog zu unseren "BRIEFZENTRUM"-Stempeln, nur das die BZ-Stempel der USPS (i.d.R.) statt dem Wort "Briefzentrum", immer noch den (Haupt-) Ortsnamen angeben, wobei es auch hier Ausnahmen gab/gibt. Im Fall von "New York 100" ist die Sache etwas, aber nur etwas verwirrender. Das Briefzentrum, ein Processing & Distribution Center (P&DC), hat seinen Sitz in der "341 Ninth Avenue" in New York, NY 10199. Wobei die Postleitzahl 10199 aber nur postintern, fast nur 'fiktiv' existiert, denn die Postleitzahl 10199 in der offiziellen, postalischen Adresse beinhaltet nur drei zentrale Postgebäude innerhalb des 'echten', geographischen Postleitzahlengebiets 10001 in Midtown Manhattan, New York City. Das scheint generell für alle xxx99-Postleitzahlen zu gelten? Eine Art von unseren Großempfängerpostleitzahlen. Aus Google Maps - https://www.google.com/maps Beste Grüße Thomas
drkohler Am: 26.09.2024 18:04:00 Gelesen: 2482 # 6
@ Wesi [#3] Der AFCS 200 (Advanced Face Canceler System - Deutsche Wertarbeit!) schaut als Erstes, ob eine Adresse erkennbar ist. Wenn nein, wird der Brief aussortiert in eine "Problemkiste". Als Zweites wird der "Ortsstempel" gedruckt, hier NY 100. Als Drittes erkennt der AFCS anhand des Barcodes unten das keine weitere Stempelung benötigt wird (Blindenschrift ist gratis) also kein Wellenstempel gedruckt wird. Hier ein kurzes Filmchen des AFCS 200 [1]. Wie üblich in den Staaten hatte die Einführung einer neuen Maschine Ärger mit den Gewerkschaften (die sperren sich gegen Alles mit Allem falls es Jobs kosten könnte) mit sich gebracht, wie man hier [2] lesen kann. [2] https://www.youtube.com/watch?v=hwN99KLs0jY [2] https://m.npmhu.org/media/news/image/4361_001.pdf
DL8AAM Am: 14.04.2025 16:04:05 Gelesen: 2181 # 7
@ drkohler [#6] Neben der AFCS 200 (von Siemens) gibt es in einigen Briefzentren übrigens noch immer Geräte der alten 100er Serie. Meist in Briefzentren, für die die Zusammenlegung mit anderen Briefzentren vorgesehen sind. Im neuen "MSS Quarterly Bulletin" (aktuell leider nur für Mitglieder verfügbar) findet sich ein kurzer Artikel [1] dazu, nämlich dass die USPS seit etwa September 2024 bei einigen dieser Modell 100 Geräten neue bzw. größere Schriftsätze (Fonts) einsetzt (testet). Also falls mal jemand zufällig über "sowas" stolpern sollte, hier (nur) ein kurzer Screenshot (Scharzweiss, da das Bild aus der Sendungsvorausankündigung der USPS stammt) aus diesem Artikel: Der große Tintenstrahler stammt von einem Siemens AFCS 100-Gerät (für die 100er Serie überdurchschnittlich bzw. auffällig "zu gut" und sauber ausgeführt), der kleine Tintenstrahler darunter von einen neuen Siemens AFCS 200er Gerät. Beide vom Briefzentrum Fort Wayne, IN. Unwissentlich habe ich letzten Monat zufällig sogar einen entsprechenden Beleg in einem Papierkorb des Postamts in Presidio, TX gezogen. Weil das Ding so verstempelt daher kam, wollte ich den fast auch gleich wieder wegwerfen. Daheim war dann passgenau das neue Mitgliedermagazin im Emailpostfach, was für ein Zufall, oder? Zum Glück hatte ich den Umschlag dann doch aufgehoben und über den Teich gerettet. Glück, Zufall oder Bestimmung. ;-) Innertexanische Sendung aus Fort Davis, TX 79734 nach Presidio, TX 79854, freigemacht mit einer Forever-Briefmarke (d.h. aktuell im Wert von 73 Cent) für eine Standardsendung zu 1 Unze. Entwertet mit einem Sammelsurium aus mindestens drei Tintenstrahlern vom Briefzentrum El Paso, TX aus dem Februar 2025. Wie es ausschaut, spielen die dort wohl immer noch an den Einstellungen rum, mit der Folge, dass die Abdrücke mehr als 'schlecht' ausgeführt wurden. Ich kann mindestens drei verschiedene Tintenstrahler, in drei verschiedenen Größen identifizieren. Am einfachsten ist die Jahreszahl 2025 'abzuzählen'. Je größer, desto verschwommener, desto unlesbarer. Der Basisstempel - in Dunkel und Klein - mit dem (fast) klaren Text EL PASO TX 798 / RIO GRANDE DISTRICT / 3 FEB 2025 PM 2 L (wobei das Datum 3 unsicher ist, könnte auch eine fehlerhafte 18 sein), dann eine Nummer größer, irgendwas mit EL PASO TX / 798 ... / 18 FEB 2025 / P 1 L. Vom größten Tintenstrahler, der in der Größe und Form dem "neuen Standard" aus Fort Wayne (oben) entspricht, kann ich nur noch in Ansätzen etwas erahnen, EL PASO TX / ... / 1.. FEB 2025. Der mittelgroße Strahler passt dabei in kein (mir bekanntes) Schema? Der kleine Tintenstrahler sollte von einem neuen AFCS 200er Gerät stammen, so wie in der Abbildung aus dem Artikel auch. Und so sollte dieser übrigens in Gut aussehen [2] Interessant ist, dass die Einstellungen dieses Druckmoduls mit der Kennung 2 L sehr (bzw. zu) eng gewählt sind. Auch bei diesem Fund ist der Stempel so nah an den Rand des Umschlags gesetzt, dass genau die selben Anteile des Wellenentwerters oben nicht mehr drauf passen! Also, Unschönes und Häßliches nicht immer gleich entsorgen, vielleicht verpuppt sich das später ja in etwas Interessantes? ;-) Oder vielleicht stolpert man so sogar über einen (noch unbekannten) Feldversuch oder ... ;-) Beste Grüße Thomas [1] Otto E. Bergman: "Recent USPS Inkjet Cancellations and Letter Delivery"; MSS Quarterly Bulletin, Vol. 77 #347 (Spring 2025), Part 3/3, pp. 22-23 [.] https://www.meterstampsociety.com [2] https://philastempel.de/stempel/zeigen/655418
DL8AAM Am: 16.04.2025 17:00:25 Gelesen: 2129 # 8
@ DL8AAM [#7] Ich hatte meine Fühler in Richtung USA ausgestreckt und das Beispiel dort mal rumgezeigt, nun erhielt nun über die MSS-Gruppe eine erste Stellungnahme zu diesen großen Formen: Those large font cancels are experimental that the USPS is conducting as a future replacement for the current cancels. Only a handful of SCF's, mainly those still using the older AFCS 100 cancellers and are scheduled to shift operations to larger SCF's in the foreseeable future. The example that Thomas shows is interesting. The 4-line example is obviously El Paso and upon further examination, the larger 3-line example is from Midland TX. Heisst frei übersetzt: Es handelt sich um einen Feldtest in Rahmen der zukünftig geplanten Umstellung der aktuellen Tintenstrahlentwertungen. Nur eine Handvoll von Briefzentren, meist handelt es sich dabei um Briefzentren, die noch immer (auch) AFCS Geräte des Types 100 einsetzen und wo gepant ist, dass deren Tätigkeiten in absehbarer Zeit (zum Teil) auf andere Briefzentren übertragen werden sollen. Der Kollege hat auch einen Fehler von mir korrigiert, zwei der Stempel stammen aus El Paso, während der große Dreizeiler vom Briefzentrum Midland, TX kommt. Das Midland ist kaum zu erahnen, ich hatte nur TX sicher erkannt und fälschlich auf El Paso getippt. Sorry. Heisst, wie es sich darstellt, lauten die Texte also so (in von mir vermuteter zeitlicher Reihenfolge): a) MIDLAND TX / 769 P x L / xx FEB 2025, b) EL PASO TX / 798 / 18 FEB 2025 / P 1 L, c) EL PASO TX 798 / RIO GRANDE DISTRICT / xx FEB 2025 PM 2 L, wobei a) und b) aus dem aktuellen Feldversuch stammen. Die Variante c) ist die aktuelle Standardform der AFCS 200-er Geräte von Siemens. Möglicherweise bildet diese dann den Abschluß der Stempelfolge, bevor die Sendung in die Zustellung ging. Dem Autor waren bis dato die folgenden Beispiele bekannt: Quelle: Frank W. Sutera, über "meterstampsociety" bei "groups.io" (14.04.2025) Also "Augen auf"... ;-) Beste Grüße Thomas
Carolina Pegleg Am: 01.05.2025 05:20:11 Gelesen: 2042 # 9
@ dithmarsia43 [#1] Es kommt wohl nicht so oft vor, dass man nach mehr als fünf Jahren noch etwas zu einer Frage beitragen kann, aber der wirklich untypische Maschinenstempel stammt von einer modifizierten Absenderfreistempelmaschine der Firma Pitney-Bowes die in Kansas City, Missouri, im Postamt "Federal Reserve Station" zur Entwertung von Postsendungen eingesetzt wurde Der "Killer"-teil mit den sieben Wellen ist typisch für die Firma Universal. Pitney-Bowes und Universal haben in 1920 fusioniert. Wenn Du da mal suchst, findest Du garantiert jede Menge US Freistempel der Fa. Pitney-Bowes mit dem charakteristischen Doppelkreis-Stempelkopf von Ende 20er bis wohl in die 60er Jahre hinein. Aber eben nicht als Stempelköpfe zur Entwertung. Das ist hochgradig ungewöhnlich. Unikat! Ich habe genau diesen Stempel auch in der Literatur gefunden, verwendet von 1926 bis 1948, aber eben nur genau bei diesem einem Postamt. (In der Literatur besprochen im Zusammenhang mit den handbetriebenen Universal Maschinen "Model K". Ich sammele die Model K Stempel, das ist aber keiner, sondern eine umgebaute AFS Maschine). Dein Brief is ein Erinnerungsbeleg zum "leap year", also Schaltjahr, gestempelt am 29. Februar 1928. Später gab es auch ab und an mal Ausrutscher, als z.B kurzfristig Stempelmaschinen für die Feldpost gebraucht wurden, wurden in 1943 62 Pitney Bowes AFS Maschinen Model FS (ein schnelles, elektrisches Model) zu Stempelmaschinen umgebaut und davon dann einige auch mit dem Doppelkreis-Stempel ausgeliefert. Hier ein Beispiel eines Stempels des 7th Base Post Office, vom 4. Dezember 1943 (zu der Zeit auf der Insel Biak, Indonesien, oder besser damals: Niederländisch-Neuguinea).
dithmarsia43 Am: 01.05.2025 18:08:03 Gelesen: 2010 # 10
Hallo, bin natürlich total überrascht, nach so viel Jahren endlich eine Bestätigung für meine Vermutung - die ich hier nicht ausgesprochen hatte - zu erhalten. Dafür herzlichen Dank! Ich glaube mich erinnern zu können, daß ich vor etlicher Zeit in einem US-Auktionskatalog einen Pitney-Bowes Stempel sah; der preislich ziemlich hoch angesetzt war. Kannst Du mir evtl. einen ungefähren Preis für meinen Beleg nennen? Danke nochmals für Deine ausführliche Antwort. Beste Grüße, Uwe
Carolina Pegleg Am: 02.05.2025 03:13:03 Gelesen: 1976 # 11
@ dithmarsia43 [#10] Also mit meiner Bemerkung "Unikat" wollte ich ausdrücken, dass die Verwendung einer umgebauten AFS zur Briefstempelung sehr ungewöhnlich ist. Ich kenne genau so kein anderes Beispiel, d.h. der Stempel als solches ist so einzigartig. Allerdings ist Kansas City kein kleiner Ort, und das Zweigpostamt "Federal Reserve" wohl auch nicht ganz klein, so dass man schon von einigem Postaufkommen ausgehen kann, und der Stempel ist wie schon gesagt (wenigstens) 22 Jahre lang verwendet worden. Das Hauptproblem ist allerdings, dass es zumindest einen philatelistischen Beleghersteller gegeben haben muss, der seine "gemachten" Briefe genau bei diesem Postamt stempeln ließ. Ein Beispiel ist Dein Brief zum Schaltjahr 1928. Besondere Daten, Schnapszahlen usw. haben Sammler ja schon immer zur Dokumentation angeregt. Und so finden sich dann auch bei ebay USA eine gute Anzahl anderer gemachter Post, insbesondere patriotische Belege aus den 1940-er Jahren, die denselben Stempel haben. Ich füge einige Beispiele, die ich bei ebay gefunden habe, hier an. Da philatelistische Belege ja "zum Behalten" hergestellt worden sind, gibt es also wohl reichlich Stempelbelege. Bedarfsbelege dürften wohl seltener sein. Ich halte es aber durchaus auch für möglich, dass die Stempelmaschine nur dann herausgeholt wurde, wenn der Händler wieder mit seinen hunderten gleichförmigen Briefen kam. Und die Existenz des Händlers mag sogar der Grund sein, warum das Postamt überhaupt ein solches "sebstgestricktes" Stempelgerät besaß. Natürlich, alles Spekulation. So oder so, Wert Deines Briefes meiner Meinung nach ca. $10. Die gezeigten Briefe werden bei Ebay zwischen $12 und $30 angeboten, was ich für überzogen halte. Patriotische Belege aus dem 2. Weltkrieg sind allerdings ein eigenständiges Sammelgebiet und für Sammler solcher Propgandabelege mag es das wert sein. Der Stempel wurde hier mit grosser Sicherheit nicht bepreist.
10Parale Am: 01.10.2025 10:22:07 Gelesen: 1464 # 12
@ Carolina Pegleg [#11] in diesem Expertenkreis lese ich gerne mit, ohne wirklich davon Kenntnis zu haben. "Unikate" scheinen auch hier möglich, zumindest viele seltene Stücke. Heute zeige ich einen aktuellen Brief, den ich kürzlich aus den USA bekam, aus Clifton in New Jersey, einen Stadt mit über 90.000 Einwohner. Der Maschinenstempel mit dem Adler und den beiden Balken, der am 16. September abgeschlagen ist, ragt sehr schön in die "USA FOREVER" Briefmarke hineien, alles sieht aus wie ein einzelnes Radgelenk. DV DANIELS, eventuell ein "Distribution Center", also "Briefverteilzentrum"? Der Brief landet in meiner externen Sammlung, weil ich ihn einfach sehr schön abgestempelt finde. Liebe Grüße 10Parale
Holzinger Am: 01.10.2025 11:41:57 Gelesen: 1447 # 13
@ 10Parale [#12] Dann kannst Du froh über Deinen Fund sein. Auch so kommen Briefe an :-(.
DL8AAM Am: 01.10.2025 12:07:45 Gelesen: 1443 # 14
@ 10Parale [#12] Nein, das ist "nur" der Eigenname des Briefzentrums von Newark, in Kearny, NJ. Das heißt offiziell New Jersey "USPS Dominick V Daniels Processing & Distribution Center", benannt nach einem Politiker aus New Jersey. https://de.wikipedia.org/wiki/Dominick_V._Daniels