Briefmarken Atteste

Thema:

Oberschlesien: Termine der Gebietsübergabe an das Deutsche Reich und Polen

Stefan Am: 06.01.2019 11:59:30 Gelesen: 11367 # 1
Einigen Sammlern ist sicherlich bekannt, dass die Auflösung des Abstimmungsgebietes Oberschlesien Mitte 1922 nicht von einem Tag auf den anderen sondern etappenweise erfolgte. Der Michel Deutschland-Spezial (Ausgabe 2017) äußert sich auf der Seite 784 relativ pauschal dahingehend, dass die jeweilige Gebietsübergabe zwischen dem 18.06. und 10.07.1922 erfolgte und oberschlesische Briefmarken mit der Übernahme der Verwaltung durch polnische bzw. deutsche Behörden umgehend ihre Gültigkeit verloren (und Mischfrankaturen unzulässig waren). Verwendungen in diesem Zeitraum seien als Nachverwendungen zu betrachten (siehe Vorwort auf S. 771), was m.E. inhaltlicher Unsinn darstellt, da in dem Zeitraum keine anderen Marken gültig waren. Dank der Recherche über Google mittels gezielter Suchbegriffe war es mittlerweile überraschend einfach, das letzte Amtsblatt der interalliierten Kommission Oberschlesiens, das sog. « Journal officiel de Haute-Silésie » ausfindig zu machen (nachdem in den vergangenen Jahren gelegentliche Recherchen im Internet erfolglos verliefen). Diese letzte Veröffentlichung – Nr. 38 – enthält als Anlage auf der Seite 15 (von 16) eine Art Fahrplan, wann die Truppen der Kommission welche Stadt- und Landkreise zu verlassen und diese in deutsche bzw. polnische Verwaltung übergehen [1]. Dieser Fahrplan wird auch als inhaltliche Wiedergabe im « Handbuch vom Abstimmungsgebiet Oberschlesien » (Abteilung A, Seite 42/43) beschrieben, löste in meinen Augen beim erstmaligen Lesen vor 15 Jahren allerdings etwas Unverständnis bei der tagesgenauen Zuordnung der Stadt- bzw. Landkreise zu den einzelnen Etappen bzw. Terminen (Tagesdatum) aus, da in der textlichen Wiedergabe im Handbuch schlichtweg die geschweiften Klammern fehlen, welche im Original abgebildet sind. Im Punkt VII. "Post-, Telegraphen- und Fernsprechdienst“ des Kapitels III (Seite 12) im Journal Nr. 38 heißt es: „Postwertzeichen – Die oberschlesischen Postwertzeichen verlieren ihre Gültigkeit für die Freimachung von Briefen und Paketen in jedem Kreise mit dem Tage, an dem die allgemeine Verwaltung dieses Kreises an die Deutsche oder Polnische Regierung übergeben wird. Zu diesem Zeitpunkt werden die oberschlesischen Postwertzeichen, die noch im Besitze der Postanstalten des Kreises vorhanden sind, in dem sich diese Anstalten befinden, an die Oberpostdirektion in Oppeln unter Aufsicht des Vertreters der Regierungskommission übersandt. ...“ Nachfolgend sei dieser Fahrplan als bessere Übersicht wiedergegeben. Als Tag 1 wird in dem Fahrplan der 17.06.1922 definiert, in eckigen Klammern wurde zum besseren Verständnis das entsprechende Tagesdatum gesetzt. Da bereits Entwertungen auf polnischen Briefmarken aus dem Monat Juni 1922 bekannt sind, ist davon auszugehen, dass oberschlesische Briefmarken ebenfalls etappenweise ihre Gültigkeit verloren. Ich gehe davon aus, dass als letzter Verwendungstag jeweils der Tag gilt, an dem die alliierten Truppen den jeweiligen Kreis verließen und die offizielle Gebietsübergabe erfolgte. Die Briefmarken für das polnisch gewordene Ostoberschlesien kamen laut der Katalogisierung im Michel Deutschland-Spezial ab dem 19.06.1922 in den Verkehr. In Klammern wurde neben den Stadt- bzw. Landkreisen zur erleichternden Orientierung die seinerzeit zukünftige Staatszugehörigkeit gesetzt: (D) = Deutsches Reich und (P) Polnische Republik. Zu jeder Etappe werden, soweit möglich, Beispiele aus dem Zeitraum vom 18.06. - 31.07.1922 gezeigt. Etappe I - Stadt- und Landkreis Kattowitz (P), Kreuzburg (D), Oberglogau (D): Tag 2 [18.06.1922]: Ankunft der deutschen und polnischen Polizei in den Kreisen Tag 3 [19.06.1922]: Abfahrt der alliierten Truppen aus den Kreisen Tag 4 [20.06.1922]: Ankunft der polnischen und deutschen Truppen in den Kreisen -> Gebietsübergabe am Tag 3 [19.06.1922] weiterverwendeter Tagesstempel aus Kattowitz vom 25.06.1922 auf einer ostoberschlesien Briefmarke nach dem Übergang an Polen Etappe II - Königshütte (P) und Leobschütz (D): Tag 5 [21.06.1922]: Ankunft der deutschen und polnischen Polizei in den Kreisen Tag 6 [22.06.1922]: Abfahrt der alliierten Truppen aus den Kreisen Tag 7 [23.06.1922]: Ankunft der polnischen und deutschen Truppen in den Kreisen -> Gebietsübergabe am Tag 6 [22.06.1922] unzulässige Mischfrankatur von 2x 2 Mark in gültigen und ungültigen Briefmarken in Katscher (Kreis Leobschütz) vom 30.06.1922; an dem Tag waren bereits die Marken des Deutschen Reiches gültig; es galt noch bis zum diesem Tag das Porto von 2 Mark für einen Fernbrief bis 20g (am Tag darauf bereits ein Porto von 3 Mark) Etappe III - Rosenberg (D) und Lublinitz (D/P); östlich der neuen Grenze Tarnowitz (P), Beuthen Stadt (P), Beuthen Land (P), Gleiwitz Land (P), Groß-Strehlitz (P): Tag 8 [24.06.1922]: Ankunft der deutschen und polnischen Polizei in den Kreisen Tag 9 [25.06.1922]: Abfahrt der alliierten Truppen aus den Kreisen Tag 10 [26.06.1922]: Ankunft der polnischen und deutschen Truppen in den Kreisen -> Gebietsübergabe am Tag 9 [25.06.1922] Leider liegen bisher keine Belegexemplare in der eigenen Sammlung vor. Etappe IV - Cosel (D), Pleß (P); Zabrze (P) [=Hindenburg] (südöstlich der neuen Grenze): Tag 11 [27.06.1922]: Ankunft der deutschen und polnischen Polizei in den Kreisen Tag 12 [28.06.1922]: Abfahrt der alliierten Truppen aus den Kreisen Tag 13 [29.06.1922]: Ankunft der polnischen und deutschen Truppen in den Kreisen -> Gebietsübergabe am Tag 12 [28.06.1922] Handstempelabschlag aus Nikolai (Kreis Pless) vom 26.06.1922 Etappe V - Ratibor Stadt und Land (D), Rybnik (P), Gleiwitz Stadt und Land (D), Beuthen Stadt (D) sowie westlich der neuen Grenze Tarnowitz (D), Zabrze (D) [= Hindenburg] und Beuthen Land (D): Tag 14 [30.06.1922]: Abfahrt der alliierten Truppen aus den Kreisen Tag 15 [01.07.1922]: Abfahrt der alliierten Truppen aus den Kreisen Tag 16 [02.07.1922]: Ankunft der polnischen und deutschen Polizei in den Kreisen Tag 16 [02.07.1922]: Abfahrt der alliierten Truppen aus den Kreisen Tag 17 [03.07.1922]: Abfahrt der alliierten Truppen aus den Kreisen Tag 18 [04.07.1922]: Ankunft der polnischen und deutschen Truppen in den Kreisen -> Gebietsübergabe am Tag 17 [03.07.1922] Mit einer Dienstmarke frankierte Sendung aus Ratibor vom 23.06.1922 am 03.07.1922 galten in Gleiwitz noch oberschlesische Briefmarken (mutmaßlich Letzttag), einige Tage später (18.07.1922) bereits wieder deutsche Briefmarken am 03.07.1922 galten in Beuthen noch oberschlesische Briefmarken (mutmaßlich Letzttag), fünf Tage später bereits wieder deutsche Briefmarken am 03.07.1922 galten in Hindenburg (Zabrze) noch oberschlesische Briefmarken (mutmaßlich Letzttag) Etappe VI - Groß-Strehlitz (D), Oppeln Stadt (D) und Oppeln Land (D): Tag 19 [05.07.1922]: Abfahrt der alliierten Truppen aus den Kreisen Tag 20 [06.07.1922]: Abfahrt der alliierten Truppen aus den Kreisen Tag 21 [07.07.1922]: Ankunft der Polizei in Groß-Strehlitz Tag 21 [07.07.1922]: Abfahrt der alliierten Truppen aus den Kreisen Tag 22 [08.07.1922]: Ankunft der Polizei in Oppeln Tag 22 [08.07.1922]: Abfahrt der alliierten Truppen aus dem Kreise Groß-Strehlitz Tag 23 [09.07.1922]: Ankunft der deutschen Truppen in dem Kreise Groß-Strehlitz Tag 23 [09.07.1922]: Abfahrt der alliierten Truppen aus den Kreisen Oppeln Stadt und Oppeln Land Tag 24 [10.07.1922]: Ankunft der deutschen Truppen in den Kreisen Oppeln Stadt und Oppeln Land -> Gebietsübergabe am Tag 22 [08.07.1922] und 23 [09.07.1922] am 09.07.1922 galten in Oppeln noch oberschlesische Briefmarken (mutmaßlich Letzttag), dito am 30.06. bzw. 09.07.1922 (mutmaßlich Letzttag) im Landkreis Oppeln (Orte Carlsruhe und Przywor) am 28.06.1922 galten in Groß-Strehlitz noch oberschlesische Briefmarken Nachfolgend Screenshots der Originalveröffentlichung [1] zur Dokumentation: Gruß Pete [1] https://www.sbc.org.pl/dlibra/publication/25354/edition/22429/content?ref=desc
cihs Am: 06.01.2019 15:08:38 Gelesen: 11323 # 2
Hallo Pete, sehr gut, meinen Respekt. Gruß Gunnar Gruber BPP
cihs Am: 06.01.2019 16:55:06 Gelesen: 11293 # 3
Hallo, die abgebildete Postkarte ist die jüngste vom Abstimmungsgebiet. Bisher kenne ich keine weitere. Dies ist eine Letzttagspostkarte aus Gleiwitz. Die Deutschen hatten ab dem 3.7.1922 Gleiwitz - Stadt wieder übernommen. Die Bevölkerung durfte ihre Abstimmungsmarken höchstwahrscheinlich bis zum 14.7.22 weiter verkleben. Gruß cihs
Stefan Am: 13.01.2019 17:42:07 Gelesen: 11163 # 4
@ cihs [#3] und @ alle: Dies ist eine Letzttagspostkarte aus Gleiwitz. Die Deutschen hatten ab dem 3.7.1922 Gleiwitz - Stadt wieder übernommen. Die Bevölkerung durfte ihre Abstimmungsmarken höchstwahrscheinlich bis zum 14.7.22 weiter verkleben. Eine interessante Karte aus dem Bedarf! Die Anerkennung (Duldung) der Frankatur scheint allerdings der Anordnung der Interalliierten Kommission zu widersprechen (siehe auch Beitrag [#1]). Im Punkt VII. "Post-, Telegraphen- und Fernsprechdienst“ des Kapitels III (Seite 12) im Journal Nr. 38 heißt es: „Postwertzeichen – Die oberschlesischen Postwertzeichen verlieren ihre Gültigkeit für die Freimachung von Briefen und Paketen in jedem Kreise mit dem Tage, an dem die allgemeine Verwaltung dieses Kreises an die Deutsche oder Polnische Regierung übergeben wird." Aber bekanntlich gibt es im Sammelgebiet Oberschlesien (so gut wie) nichts, was es nicht gibt. Die Dienstmarken Oberschlesiens wurden nach der Auflösung des Abstimmungsgebietes in den an das Deutsche Reich angegliederten Stadt- und Landkreisen über Monate hinweg (bis in das Jahr 1923 hinein) aufgebraucht, dies - soweit bekannt - stillschweigend [1]. Daher schließe ich nicht aus, dass auch die gängigen Freimarken Oberschlesiens für eine begrenzte Zeit weiterhin zur Frankatur zulässig waren. Für andere Abstimmungsgebiete ist der Aufbrauch von Briefmarken nach Abzug der jeweiligen Kommission belegt: - Allenstein: Abzug der Kommission am 12.08.1920; Gültigkeitsende der Briefmarken am 20.08.1920 - Marienwerder: Abzug der Kommission am 16.08.1920; Gültigkeitsender der Briefmarken am 13.09.1920 - Schleswig: Abzug der Kommission am 16.06.1920 und Gültigkeitsende in der Zone 2 am 27.06.1920 Nachfolgend einige Ergänzungen zu den einzelnen Etappen aus Beitrag [#1]: Etappe I - Stadt- und Landkreis Kattowitz (P), Kreuzburg (D), Oberglogau (D): Tagesstempel aus Janow (Kreis Kattowitz) auf einer oberschlesischen Briefmarke vom 19.06.1922 - dem Tag der Gebietsübergabe an die Polnische Regierung weiterverwendeter Tagesstempel aus Chorzow (Kreis Kattowitz) vom 28.06.1922 auf einer ostoberschlesischen Briefmarke nach dem Übergang an Polen Etappe III - Rosenberg (D) und Lublinitz (D/P); östlich der neuen Grenze Tarnowitz (P), Beuthen Stadt (P), Beuthen Land (P), Gleiwitz Land (P), Groß-Strehlitz (P): weiterverwendeter Tagesstempel aus Lipine (Kreis Beuthen) vom 28.06.1922 auf einer ostoberschlesischen Briefmarke nach dem Übergang an Polen neuer polnischer Tagesstempel aus Lubliniec (dt. Lublinitz) vom 15.07.1922 auf einer ostoberschlesischen Briefmarke nach dem Übergang an Polen Gruß Pete [1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ME=8934#M9 Beiträge 9 bis 12
Stefan Am: 23.06.2019 19:32:31 Gelesen: 10739 # 5
Nachfolgend einige weitere Ergänzungen zum Ursprungsbeitrag [#1]: Etappe I - Stadt- und Landkreis Kattowitz (P), Kreuzburg (D), Oberglogau (D): Mit der Übernahme der Orte in die jeweilige Staatshoheit (deutsch bzw. polnisch) sollten die oberschlesischen Freimarken die Gültigkeit verlieren. Im nachfolgenden Fall war die Gebietsübergabe bereits vollzogen (19.06.1922). Es wurde dennoch eine Freimarke Oberschlesiens mittels seinerzeit neuem polnischem Tagesstempel entwertet. Stempelabschlag aus Szopienice (dt. Schoppinitz) vom 10.07.2[2] Etappe III - Rosenberg (D) und Lublinitz (D/P); östlich der neuen Grenze Tarnowitz (P), Beuthen Stadt (P), Beuthen Land (P), Gleiwitz Land (P), Groß-Strehlitz (P): Mit der Übernahme der Orte in die jeweilige Staatshoheit (deutsch bzw. polnisch) sollten die oberschlesischen Freimarken die Gültigkeit verlieren. Im nachfolgenden Fall war die Gebietsübergabe noch nicht vollzogen (25.06.1922), allerdings bereits der neue polnische Tagesstempel in Gebrauch: Stempelabschlag aus Świerklaniec (dt. Neudeck) vom 22.06.1922 Der Michel Deutschland-Spezial (Band 1) weist für polnische Tagesstempelabschläge auf Briefmarken Oberschlesiens pauschale separate Bewertungen für lose Marken und auf Belegen aus (siehe nach Mi-Nr. 29 im Katalog). Derartige Stücke sind zweifelsohne alles Andere als häufig. Etappe VI - Groß-Strehlitz (D), Oppeln Stadt (D) und Oppeln Land (D): Das nachfolgende Exemplar weist ein Stempeldatum vom 26.02.1923 auf. Zu diesem Zeitpunkt waren die Briefmarken des Abstimmungsgebietes Oberschlesien nicht mehr gültig (Ausnahme: Dienstmarken, welche stillschweigend aufgebraucht wurden). M.W. musste die Jahreszahl in dieser Stempeltype gesteckt werden, daher scheint ein Datumsfehler eher unwahrscheinlich. Ob die Nominale zu 80 Pfennig seinerzeit im Porto der Sendung berücksichtigt wurde, lässt sich bei diesem lose vorliegenden Exemplar leider nicht mehr klären. Gruß Pete
Silesia-Archiv Am: 16.10.2019 22:34:25 Gelesen: 10338 # 6
Gruß Michael
Silesia-Archiv Am: 17.10.2019 22:14:01 Gelesen: 10297 # 7
Auszug aus Schlesiens Geschichte II Beste Sammlergrüße Michael
Wijäki Am: 29.05.2021 17:33:26 Gelesen: 7937 # 8
Hallo, Letzttagsstempel der Abstimmungszeit 14.7.1922 Gruß Winfried
Stefan Am: 29.05.2021 19:58:09 Gelesen: 7911 # 9
@ Wijäki [#8] Letzttagsstempel der Abstimmungszeit 14.7.1922 Dieses Stück zählt zumindest unter dem Verweis auf den "Letzttagsstempel" nicht ganz im Sinne dieses Themas.+ ;-) Eine Letzttagsverwendung vom 14.07.1922 (unter Berücksichtigung der Gültigkeit der Briefmarken) wird in Beitrag [#3] gezeigt. Nach Beitrag [#1] würde die Stadt Königshütte am 22.06.1922 an die polnische Verwaltung übergeben. Es handelt sich demnach um eine Weiterverwendung des deutschen Tagesstempels KÖNIGSHÜTTE / *(OBERSCHL)2 auf einer Briefmarke des Nachfolgers Ostoberschlesien für die polnisch gewordenen Stadt- und Landkreise des früheren Abstimmungsgebietes Oberschlesien. Die Entwertung hat die Briefmarke allerdings sehr gut getroffen und ist trotz des kleinen Briefmarkenformates sauber und quasi vollständig lesbar. Die Verwendung deutscher Tagesstempel in Ostoberschlesien ist bis 1923 belegt, in mindestens einem Fall (Rybnik **c) bis Anfang der 1930er Jahre (auf polnischen Briefmarken). Etappe II - Königshütte (P) und Leobschütz (D): Tag 5 [21.06.1922]: Ankunft der deutschen und polnischen Polizei in den Kreisen Tag 6 [22.06.1922]: Abfahrt der alliierten Truppen aus den Kreisen Tag 7 [23.06.1922]: Ankunft der polnischen und deutschen Truppen in den Kreisen -> Gebietsübergabe am Tag 6 [22.06.1922] Gruß Pete
Stefan Am: 17.03.2025 21:22:29 Gelesen: 2574 # 10
Im Beitrag [#1] wurden die Termine für die Gebietsabgabe der Etappe I (u.a. Stadt Kattowitz) und Etappe V (u.a. Stadt Rybnik) vorgestellt. Deutsche Tagesstempel wurden durchaus noch in den ersten Monaten unter polnischer Verwaltung im neuen Gebiet "Ostoberschlesien" weiterverwendet. Daneben kamen sukzessive polnische Tagesstempel in Gebrauch, teils bereits ab dem Datum der jeweiligen Übergabe einer Etappe. Mit dem Ende des Briefmarkengebietes "Ostoberschlesien" (30.04.1923) waren nicht mehr allzu viele deutsche Stempel übrig geblieben. Bis vor kurzem war mir lediglich der Stempel RYBNIK **c bekannt, welcher zumindest bis 1924 noch nicht aptiert (Uhrzeitangabe) unverändert weiterverwendet wurde: Sendung vom 23.02.1924 aus Rybnik nach Berlin, rückseitig Ankunftstempel von Berlin-Schöneberg vom 24.02.1924, signiert Petriuk PZF Der Empfänger der Sendung in Berlin, die Firma Mix & Genest, ist als Hersteller von Maschinenstempeln (ab 1901, für wenige Jahre in der Ankunftsstempelung in Gebrauch gewesen) bekannt. Dieses Stempelgerät lässt sich von meiner Seite aktuell bis 1931 belegen. In der polnischen Sprache hatte sich der Ortsname nicht geändert. Dies mag auch der Grund gewesen sein, weshalb dieses Stempelgerät so lange weiterhin in Gebrauch war. Jahrelang fand ich lediglich Stempelabschläge dieses einen Stempelgerätes aus Rybnik, hatte allerdings angenommen, dass ebenfalls der ein oder andere Ortsstempel aus Oberschlesien bzw. später Ostoberschlesien ebenfalls ab Mai 1923 weiterhin in Gebrauch gewesen sein könnte. Auf der diesjährigen Philatelia in München (01./02.03.2025) fand ich in einer Belegekiste einen weiteren Vertreter - dieses Mal aus KATTOWITZ *(OBERSCHL) r: Sendung vom 09.05.1923 aus Kattowitz nach Königshütte (Królewska Huta), vorderseitig Ankunftsstempel von Królewska Huta taggleich vom 09.05.1923, signiert Petriuk BPP Letztes Wochenende viel bei der Durchsicht eines wild gesteckten Albums (Neuzugang) die nachfolgende lose Briefmarke auf: Handstempel KATTOWITZ *(OBERSCHL) r vom 17.05.1923 Damit lässt sich das aus deutscher Produktion stammende Stempelgerät aus Kattowitz (derzeit) bis Mitte Mai 1923 belegen. Aus Katowice und Królewska Huta sind etliche neue polnische Tagesstempel mit verschiedenen Unterscheidungsbuchstaben ab 1923 bekannt, welche von der Stempelform her an deutsche Bahnpoststempel erinnern (und vermutlich ursprünglich auch waren, entsprechend geschliffen und neu gelötet wurden). Jahrelang nur Vermutungen über weiteres existentes Material auf polnischen Briefmarken, nun binnen zwei Wochen gleich zwei Treffer für einen Stempel - was will man mehr? :-) Gruß Stefan
Stefan Am: 31.10.2025 18:55:31 Gelesen: 1513 # 11
Der nachfolgende Beleg lässt sich in keines der Themen mit Oberschlesien-Bezug so richtig einordnen und hat mehr mit der Geschichte zutun. Bislang handelt es sich im Forum um ein Einzelstück. Auf dem ersten Blick handelt es sich um eine schnöde Mehrfachfrankatur der Deutsches Reich Dienst Mi-Nr. 68 (a- oder b-Farbe ist nebensächlich), Stempeldatum vom 23.01.1923, Porto zu 50 Mk für einen Fernbrief bis 20 g. Die Sendung wurde in Ratibor gestempelt, eines der Kreisstädte, welche noch einige Monate zuvor Teil des Abstimmungsgebietes "Oberschlesien" gewesen waren und beim Deutschen Reich verblieben. Auch der Empfänger im ca. 90 km entfernten Neisse (außerhalb des damaligen Abstimmungsgebietes) ist unverdächtig: Der Absender des Briefes offenbart einen kleinen Einblick in die Organisation der Gebietsabgabe der polnisch gewordenen Orte in Ostoberschlesien: "Der Überleitungskommissar des Versorgungswesens für das Oberschlesische Abtretungsgebiet Ratibor" Mit dem Ausrücken der örtlichen deutschen Polizei kurz vor der Gebietsabgabe und Einrücken der polnischen Polizei (und Militärstreitkräfte) zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit nach der Gebietsabgabe und der Übergabe der bestehenden Verwaltungseinheiten zu dem in Beitrag [#1] jeweils genannten Stichtag war es offensichtlich nicht getan. Man könnte nun den Absender dieser Sendung so auffassen, dass die Klärung & Umsetzung anschließender (praktischer) Detailfragen der Überführung des Versorgungswesens (welcher öffentlicher Bereiche?) von Deutschland nach Polen einer für diesen Zweck neu geschaffenen Stelle auferlegt wurde. Der Vorbesitzer (vor dem verkaufenden Händler auf der diesjährigen Briefmarkenmesse in Ulm) hatte im Juni 2000 insgesamt 300,00 DM für diesen Beleg bezahlt (siehe Vermerk auf der Briefumschlagrückseite), der Grund ist spekulativ. Gruß Stefan