Briefmarken Atteste

Thema:

Poststreik Grossbritannien Rhodesien

dietbeck Am: 22.09.2018 07:53:47 Gelesen: 5900 # 1
Hallo, anbei ein Brief der aus Rhodesien nach Grossbritannien während des Poststreiks in Grossbritannien lief. Offensichtlich über die zu diesem Zeitpunkt übernehmenden privaten Diesntleister zugestellt (Emergency Mail Service) Was mich verwirrt ist das hohe Porto von 65 c. 15 c für einen einfachen Luftpostbrief bis ca 14 g (1/2 oz). 2 oz (ca 56 g) wären 60 c. Aber: 1. sind es ja 65 c, passt also nicht wirklich 2. Sieht der Brief absolut nicht danach aus, als hätte er mehr als 50gr Inhalt gehabt 3. Es sieht nach Bedarf aus, also ein philatelistischer Hintergurnd eher unwahrscheinlich. Hat jemand eine Idee ? dietbeck
Baber Am: 22.09.2018 10:11:41 Gelesen: 5889 # 2
@ dietbeck [#1] Hallo Dietbeck, die 50 Cent waren die Gebühr für den privaten Zustellservice in Grossbritannien. Wie diese Zusteller an das Geld gekommen sind kann ich nicht sagen denn es wurde ja in Rhodesien vorausbezahlt. Der Brief in der 1. Gewichtsstufe kostete 15 Cent. Gruss Bernd
Michael Mallien Am: 03.11.2018 16:20:41 Gelesen: 5734 # 3
Brief vom 23.4.1970 aus Gwelo, dem heutigen Gweru, nach London, Großbritannien. Für die Frankatur zu 15 Cent wurde die gleiche Marke, wie in Beitrag [#1] verwendet, nämlich die MiNr. 96 mit dem Motiv Karibastaudamm. Aufgrund des Poststreiks wurde die Sendung mit einem Aufkleber versehen, der den "illegalen" Charakter der Marke beschreibt. Der Brief wurde daraufhin mit 42 Pence nachtaxiert und die Marken auf der Rückseite verklebt. Viele Grüße Michael
doktorstamp Am: 03.11.2018 17:09:28 Gelesen: 5726 # 4
@ Michael Mallien [#3] Nehm es mir nicht übel aber mit dem Poststreik [1] hat die Nachtaxierung nichts am Hut. Wie aus dem aufgeklebtem Label leicht zu lesen ist, haben die Marken Rhodesiens [2] zu jener Zeit keine anerkannte Gültigkeit und von daher erfolgte die Nachtaxierung. Kleiner Exkurs in die damalige Englische Währung £1 = 20/-, 1/- 12d. Ein häufiger Fehler auf dieser und anderer philatelistischen Seiten geschweige denn renommierten Auktionshäuser ist wie folgt: Um die alte Währung zu verdeutlichen wird pence klein geschrieben. Erst nach Einführung der Dezimalwährung darf Pence großgeschrieben. 42d (pence) ergibt 3/6. 42 Pence dagegen umgerechnet ergibt 8/5 in der alten Sterling Währung. mfG Nigel [1]https://en.wikipedia.org/wiki/1971_United_Kingdom_postal_workers_strike [2]https://en.wikipedia.org/wiki/Rhodesia
Baber Am: 03.11.2018 17:48:17 Gelesen: 5713 # 5
@ Michael Mallien [#3] Hallo Michael, wenn Du den Poststempel des Briefes anschaust, so ist er am 23.4.1970 gelaufen. Der Poststreik in GB war aber fast 1 Jahr später vom 17.1.1971 bis 8.3.1971. Ich bin immer noch auf der Suche nach einer Erklärung, wie in diesem Zeitraum die privaten Zusteller an die Briefe gekommen sind und zu ihrem Geld, das ja die Absender vorausbezahlt hatten, siehe [#1]. Gruß Bernd
Michael Mallien Am: 04.11.2018 10:36:03 Gelesen: 5680 # 6
@ doktorstamp [#4] @ Baber [#5] Hallo Bernd, hallo Nigel, vielen Dank für eure aufklärenden und korrigierenden Beiträge. Ihr habt natürlich recht! Der Beleg hat gar nichts mit dem Poststreik zu tun. Ich habe mich vom Titel des Themas irritieren lassen und nicht genau gelesen. Ich nahm vielmehr an, es geht um die nicht anerkannten Marken Rhodesiens in England nach der Unabhängigkeitserklärung des Landes. Ich werde Richard bitten, meinen Beitrag in das Thema Rhodesien: Echt gelaufene Belege zu verschieben. Viele Grüße Michael
Baber Am: 06.01.2025 21:01:48 Gelesen: 2123 # 7
Während des Poststreiks in England vom 17.1.-8.3.1971 wurde abgehende internatonale Post von privaten Dienstleistern in die Niederlande transportiert und dort der Post zur Beförderung übergeben. Für diesen Brief vom 11.2.1971 verlangte Merseyside Mail Service 1/6 d für den Transport in die Niederlande und dort wurde der Luftpostbrief mit 45 Cent Briefgebühr und 60 Cent für 10 g Luftpostzuschlag nach Rhodesien befördert. Gruß Bernd [Redaktionell kopiert aus dem Thema "Niederlande Belege aus dem Nachbarland"]
JanClauss Am: 07.01.2025 00:42:59 Gelesen: 2100 # 8
@ doktorstamp [#4] Auch ich gehe davon aus, dass die meisten Belege dieser Art, die dem britischen Poststreik zugeordnet werden, nicht dahin gehören, denn doktorstamp hat recht: Es ging in erster Linie darum, dass sich Südrhodesien unter Premierminister Ian Smith in Rhodesien umbenannt und einseitig als unabhängig erklärt hatte, während die Kolonialmacht Britannien die drei späteren rhodesischen Länder Malawi (vormals Njassaland), Sambia (vormals Nordrhodesien) und eben Simbabwe (vormals Südrhodesien) in eine geregelte Unabhängigkeit unter afrikanischer Herrschaft führen wollte, dem sich der (weiße) Ian Smith widersetzte. Somit gab es einen Postkrieg zwischen der abtrünnigen Kolonie und Britannien. Rhodesien frarnkierte munter drauf los mit seinen neuen "unabhängigen" Marken, aber Britannien anerkannte weder das Land noch die Marken, und deshalb wurden (fast) alle rhodesischen Briefe in Britannien mit Strafporto belegt. Das Thema mit dem britischen Poststreik mag hinzugekommen sein; die wahre Ursache der meisten dieser strafportobewährten Belege ist aber der Postkrieg zwischen diesen beiden Ländern. In Europa gibt es dazu zwei Experten: Jan Heijs in den NL, der dazu sogar (mit Dedo Burhop) ein Buch schrieb, und Leo Maier aus Eggolsheim, der das Thema Postkrieg weltweit behandelt und eine umfängliche Sammlung dazu (auch zu Biafra, DDR, Tibet usw.) hat. Dr. Jan Ulrich Clauss European Representative des Rhodesia Study Circle (RSC) <britische ArGe mit 450 Mitgl.>
Baber Am: 30.06.2025 17:46:21 Gelesen: 1598 # 9
Während des Poststreiks in Großbritannien vom 20.1.1971 – 8.3.1971 wurde die Post aus Rhodesien in die Niederlande geflogen und dort von privaten Providern zur Zustellung in Großbritannien übernommen. Dafür musste der Absender zusätzlich zur Briefgebühr eine 50 Cent Marke verkleben. Luftpost-Brief der 2. G-Stufe (30 Cent) vom 1.3.1971 von Raylton nach England mit 50 Cent Zusatzfrankatur für den Emergency Service. Nach Ende des Poststreiks musste alle Post aus Rhodesien, die noch bei den Providern lagerte, der örtlichen Royal Mail zur Zustellung mit 3d Ortsgebühr übergeben werden. Solche Belege könnte man als moderne „Überroller“ bezeichnen. Luftpost-Brief der 1.G-Stufe (15 Cent) vom 22.2.1971 vom Chisipite nach England mit 50 Cent Zusatzfrankatur für den Emergency Service, zugestellt durch die Royal Mail 10. ? 1971 Gruß Bernd [Redaktionell kopiert aus dem Thema "Rhodesien Echt gelaufene Belege"]