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**** Nigeria: Wertschätzung von Fiskalmarken

Scooter020 Am: 03.05.2018 23:22:12 Gelesen: 5652 # 1
Erbstück Hallo! Habe im Nachlass meines Großvaters eine Marke gefunden. Soll wohl relativ selten sein. Suche jetzt einen Kenner/Spezialisten, der diese bewerten könnte. Danke für eure Hilfe.
merkuria Am: 04.05.2018 00:02:12 Gelesen: 5634 # 2
@ Scooter020 [#1] Hallo! Die Marke stammt aus Nord-Nigeria, einem ehemaligen britischen Protektorat, welches am 1. Januar 1914 mit Süd-Nigeria zu Nigeria vereinigt wurde. Bei der Marke handelt es sich um die Michel Nr. 27 vom April 1904. In meinem Uralt-Michelkatalog von 1998 wird sie ungebraucht mit 75'000 DM bewertet. Eine entsprechende Bemerkung besagt, dass die Marke wahrscheinlich nur fiskalisch (für Gebühren oder Steuern) gebraucht wurde. Für die gestempelte Erhaltung liegt deshalb keine Bewertung vor. Ich denke, der Stempel auf Deinem Exemplar könnte ein Fiskalstempel sein, kenne mich da aber zu wenig aus. Da der Betrag von 25 GB£ im Jahre 1904 ein kleines Vermögen darstellte, kann ich mir auch keine postalische Verwendung dieses Nenwertes vorstellen. Grüsse aus der Schweiz Jacques
bignell Am: 04.05.2018 00:30:54 Gelesen: 5626 # 3
@ merkuria [#2] Bewertung im Scott 2009: 42.500 $ für ungebraucht, gebraucht ohne Bewertung mit analoger Bemerkung. Das kann dann wohl nur ein Prüfer beurteilen. Lg, harald
LK Am: 04.05.2018 00:59:42 Gelesen: 5619 # 4
@ Scooter020 [#1] Hallo, Jacques hat schon alles geschrieben, es dürfte sich um eine fiskalische Entwertung handeln, denn das Datum ist nur in Monat und Jahr angegeben. Wäre die Marke auf einem Wertpaket postalisch verwendet worden (und nur das käme bei der hohen Nominale in Frage), ist eine Angabe des Aufgabetages zwingend erforderlich gewesen. Absolute Sicherheit kann dir nur eine Prüfung beim Spezialisten geben. Eine Anfrage bei Karl Louis im Hause Köhler wäre ratsam. Ein Erlös mit fiskalischer Entwertung wird sich in engen Grenzen halten. Beispiel: Ich habe Ende der 90er Jahre Ostafrikanische Gemeinschaft Mi 19, 20, 28 und 30 mit fiskalischer Stempelentwertung versteigern lassen, der Reinerlös betrug knapp 6.000 DM bei einem damaligen Katalogwert für ungebraucht von über 300.000 DM. Also die Marken mit derartig hoher Nominale sind nicht an jeder Ecke zu finden, der Sammler, der diese mit fiskalischer Entwertung kauft allerdings auch nicht. Die Bewertung im neuesten Mi beträgt für ungebraucht 65.000 Euro und wie schon geschrieben gestempelt ohne Bewertung. Beste Grüße
saeckingen Am: 04.05.2018 06:22:54 Gelesen: 5582 # 5
Es bringt nichts für eine fiskalisch gebrauchte Marke die sehr hohen Katalogwerte von ungebrauchten Marken anzugeben. Es gab keinerlei postalische Verwendungsmöglichkeiten für Marken mit so hohem Nennwert. Die Marke ist wenn echt trotzdem eine Rarität und im Barefoot Katalog der Fiskalmarken des British Commonwealth mit £ 2.000 bewertet.
JanClauss Am: 25.11.2024 21:43:27 Gelesen: 1589 # 6
@ Scooter020 [#1] Leider sah ich erst heute und dann noch rein zufällig Deine Nordnigeria-Abbildung der 25-Pfund-Fiskalmarke. Wenn sie echt ist - was ich am Scan nicht beurteilen kann, obwohl das mein Prüfgebiet ist, dann ist sie richtig teuer! Gestempelt hat sie noch niemand gesehen, schon gar nicht mit Post- anstatt Fiskalstempel. Den Vorrednern stimme ich nicht zu, dass Fiskalstempel praktisch nichts Wert wären. Wer britische und kontinentaleuropäische Auktionskataloge für hohe Werte aus Westafrika (insbesondere Nigeria) durchschaut, erkennt schnell, dass sich die Marktlage verändert hat und es nicht (mehr) stimmt, das Fiskalstempel nur 15 % desselben Ertrages von Poststempeln bringen. Wenn die abgebildete Marke echt wäre, wäre es mir persönlich egal, ob Fiskal- oder Poststempel - das Ding ist so selten, dass es nicht einmal in der weltumfangreichsten Sammlung, dem Archiv für Philatelie in Bonn (in einem Riesentresor unter dem ehemaligen Postministerium) vorhanden ist. Und die Sammlung dort ist seit der Wende 1990 größer als die königliche in London. Aufgrund des relativ blassen Scans kann ich natürlich nichts Definitives sagen. Prima vista ist es wohl kein Madame-Joseph-Stempel - immerhin! Falls ich dieses edle Stück als Prüfauftrag bekäme, würde ich mir den Spaß leisten, wegen des 4-Augen-Prinzips extra nach England zu fliegen und es dort von Brandon, der B.P.A. oder auch der Royal (RPSL) nachbegutachten zu lassen, denn eine solche Marke bekommt man nicht alle Tage zu sehen. Dr.rer.pol. Jan Ulrich Clauss VPh-Verbandsprüfer für Britisch Afrika
JanClauss Am: 25.11.2024 22:40:59 Gelesen: 1570 # 7
Ich habe im Jahre 2019 eine statistische Auswertung von Auktionszuschlägen + Nebenkosten für fiskalische gestempelte Hochwertenominale aus dem British Commonwealth getätigt. Das Ergebnis war, dass John Barefoot´s Preisansätze (allerdings für meine Katalogausgabe 1996) nur ein Fünftel so hoch wie die Realität waren. Mit anderen Worten: Wenn Barefoot als Preis 500 Pfund angibt, habe ich in den meisten Fällen statistisch gesehen Zuschläge von 2.500-3.000 € brutto (Zuschlagpreis + 35 %) errechnet. Das ist der Beweis dafür, dass es Unsinn ist, Fiskalstempelungen wesentlich (wesentlich!) billiger als Poststempel anzusetzen, vor allem bei Hochnominalen, wo es niemals Poststempel geben könnte, es sei denn, man hätte schon damals einen Elefanten per Luftpostpaket nach Neuseeland fliegen können!