Thema:
`**** (?) (12) Altdeutschland Baden 1851-1871 Eingehende Briefe
Liebe Freunde,
ein kleiner Knobler am Wochenende:


Neapel, 9.1.1867, nach Porto Lodovico (Ludwigshafen am Bodensee in Baden), bei dem nicht alles perfekt lief.
Bin mal gespannt, wer ihn beschreiben kann. Ich habe ihn in Kommission und darf ihn abgeben, wenn das richtige Angebot kommt.
Auch Schweiz - Sammler dürfen sich hier gerne äußern!
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#1]
Hallo Ralph,
wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen.
Dieser Brief hat eine schöne Reise hinter sich, eine Reise mit Umweg, möchte ich sogar behaupten. Auch wenn ich nur einen Teil der Reise erkenne, so kann ich doch mal mit dem Aufschlüsseln beginnen. Du darfst dann noch den Rest dazu geben und meine Beschreibung allenfalls korrigieren, ergänzen.
Der Brief beginnt die Reise in Neapel am 9. Jan. 1867. Der Brief ist unterfrankiert und erhält den Stempel „Francobollo insufficiente“ (ungenügende Frankatur) sowie den Stempelabdruck „Sopra…xxx…tassa, ital plus handschriftliche Taxe 20 (Centesimi).
Nun geht der Brief Richtung Norden, wahrscheinlich an den Langensee. Dort kommt am 12. Jan. ein Schiffstempel drauf, rückseitig schwacher Stempel "xxxx Lago Natante N 2". Nun geht es rassig durch die Schweiz, am 13. Jan. mit der Bahnlinie Chur – St. Gallen in Richtung Grossherzogtum Baden.
Jetzt kommt der unerklärliche Teil: Lief der Brief zürst über Basel, wo der Ovalstempel „Schweiz über Baden“ appliziert wurde? Dies mit der Begründung, dass die fehlende Taxe im Austauschbüro berechnet und notiert werden musste. Immerhin musste der Empfänger Geiselbrecht in Ludwigshafen noch 3 Kreuzer (notiert in rot von Basel?? und nochmals in blau vom badischen „Oberpostamt“) dazulegen.
Immerhin ist der Brief dann nicht nach Ludwigshafen am Rhein gelaufen, sondern ging am 14. Jan. via Constanz nach Ludwigshafen am Bodensee.
Nun bist Du mit korrigieren dran, Ralph. Immerhin bist Du die absolute Koryphäe im Beschreiben der Laufwege und Taxierungen, was ich auch neidlos so akzeptieren kann.
Ich wünsche Dir eine schöne Zeit
SH-Sammler
Hanspeter
@ SH-Sammler [#2]
Hallo Hanspeter,
zu viel der Ehre für eine bayerischen Feld-, Wald- und Wiesensammler. :-)
Ein voll frankierter Brief hätte m. E. 60 Centesimi (C.) gekostet, die 18 Kreuzern (Kr.) entsprochen hätten.
So hat Italien zwar Francobollo insufficiente gestempelt, aber auch den P.D. - Stempel abgeschlagen, was ja ein völliger Widerspruch war, denn das eine schloß das andere aus.
Aber Italien hatte seine 20 C. Inlandsfranko bekommen über die Marke, die Schweiz ihre 20 Rappen = 20 C. über die Marke, aber Basel (ja, da hattest du völlig Recht) hat als Manko bis zum Empfänger 3 Kreuzer (!) für Baden notiert, damit die das trotz P.D. - Stempel nicht übersehen.
Baden hat daher nur 3 Kreuzer in Ludwigshafen am Bodensee kassiert und war auch zufrieden.
Der italienische Taxstempel besagte, dass 20 C. zur Ganzfrankatur fehlten. Bei einer Leitung über Österreich wären aber nur 40 C. zu frankieren gewesen, das darf man auch nicht unterschlagen und eine Leitwegsvorgabe "via di Svizzera" fehlt auf dem Brief.
Liebe Grüsse,
Ralph
Liebe Sammelfreunde,
dank der Hilfe eines lieben Freundes, flog bei mir heute ein sehr netter Beleg ein:

Aufgegeben am 15.02.1867 in Magdeburg wurde er nach Heidelberg gesandt. Wie oben notiert waren "Anh(ängend) Muster ohne Wert".
Der Brief selbst wog unter einem Loth - mit den Mustern zusammen konnte er bis unter 4 Loth wiegen, was auch die 6 Sgr.-Frankatur erklären würde.
Siegelseitig erkennt man schwach und unvollständig auch die Ankunft in Heidelberg.
Mit freundlichem Sammlergruss
Ulf
@ Magdeburger [#4]
Lieber Magdeburger,
ein Klassebrief! Wie siehst du die Häufigkeit im Verhältnis von Briefen mit Muster ohne Wert inliegend zu anhängend?
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#5]
Lieber Bayern Klassisch,
über diese Frage habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.
So viele Belege mit anhängenden Mustern habe ich noch nicht. Selbst Briefe mit inliegenden Muster habe ich auch nicht in Mengen. Häufig wiegen diese nicht mal 1 Loth und damit sind es normal einfach schwere Briefe. Es gibt auch Briefe mit inliegenden Muster, ohne dass dies extra vermerkt wurde.
Grob würde ich bei mir schätzen, dass ich doppelt so viele Briefe mit inliegenden Muster habe, wo es auf dem Brief vermerkt wurde.
Mit freundlichem Sammlergruss
Ulf
@ Magdeburger [#6]
Lieber Magdeburger,
das deckt sich auch mit meinen Beobachtungen (Besitz bei mir derzeit ca. 80 Briefe mit Mustern innen und außen).
Vielen Dank und liebe Grüsse von bayern klassisch
Liebe Sammelfreunde,
einen netten Reko-Brief vom 10.01.1859 möchte ich euch zeigen:

Aufgegeben wurde er in Pesth und lief an "Herrn F.F. & Comp & Siedle (in) Gütenbach Badisch Schwarzwald.
Für den Brief waren 15 Neukreuzer Franco fällig und wie üblich wurde die Rekogebühr von 10 Neukreuzer siegelseitig verklebt, welche mit 2x 5 Neukreuzer dargestellt wurde.
Weiterhin befindet sich nur ein Stempel der badischen Bahnpost vom 13.01., was auf einen Laufweg über Prag - Bodenbach - Leipzig schliessen läßt.

Interessant ist auch der Inhalt, wo es um eine Bimesse auf Augsburg von 24 fl. 1309: 46xr geht.
Eine Bimesse ist ein verschickter Wechsel, welcher auch im Brief war. Damit ist es eigentlich ein Postbetrug, da dieser Wechsel eigentlich in einen Wertbrief gehörte.
Mit freundlichem Sammlergruss
Ulf
@ Magdeburger [#8]
Lieber Magdeburger,
es war eine Rimesse [1].
Feiner Brief und die Leitung über Bodenbach wird mit dem stetig besser ausgebauten Routen im Bereich der deutschen Südstaaten ab den 1860er Jahren obsolet.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
[1]
http://www.wirtschaftslexikon24.com/d/rimesse/rimesse.htm
@ bayern klassisch [#9]
Lieber Bayern Klassisch,
ich habe immer gerätselt, was eigentlich mit versendet wurde. Sicher war ich mir, dass es mit einem Wechsel zu tun hat.
Rimesse macht Sinn.
Mit freundlichem Sammlergruss
Ulf
Liebe Sammelfreunde,
ich zeige Euch hier einen Brief, der 1812 von Rotterdam nach Bad Mergentheim (Bad Württemberg) verschickt wurde:



Laut den Anweisungen des Kaiserlichen Französischen Postamts, wurde der Brief In Rotterdam mit dem Poststempel "119 Rotterdam" versehen (siehe "O.M Vellinga, The Postmarks of The Netherlands 1676 - 1915, page 9-12). Die Zahl "119" ist auf meinem Brief leider nicht leicht zu erkennen. Sie steht oben "ROTTERDAM".
Der Brief gehört natürlich nicht zu der Zeitperiode 1851-1871, aber hoffentlich darf ich ihn trotzdem in diesem Thema einstellen.
Anschrift
Stempel: ROTTERDAM[1]
Herrn Andris Hafener
Metzker[2] Meister und
gast Werd[3] in die goldene
Krohn in
Hollenbach
bey Mergenth(eim)[4] an der
Tauber
Absender
Georg Albrecht Friedrich
Metzker Meister
wohnhaftig an die Rotte[5]
vor das Hofspfordge[6]
in
Rotterdam
Für weitere Informationen, siehe auch
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=352314.
[1] Siehe
https://jdlkremer.angelfire.com/VELLINGA.1676-1915.KNBF.pdf
[2] Metzger
[3] Gastwirt
[4] Bad Mergentheim in Bad Württemberg, ca 10Km nördlich von Hollenbach.
[5] Siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/Rotte_(Fluss)
[6] Siehe (leider nur niederländisch)
https://nl.wikipedia.org/wiki/Hofpoort_(Rotterdam). Der Hofpoort war einer der zehn Stadttore Rotterdams und wurde 1833 abgerissen.
Und jetzt zu meinen Fragen:
1) Was könnte „Weck, Q38“ bedeuten?
2) Mit Rotstift wurde auf der Anschriftseite „5/36“ geschrieben und eventuell noch etwas gestrichen. Handelt es sich hier um die Taxierung? Weiß jemand ob hier Stüver, Groschen, Kreuzer oder Centimes notiert sind?
3) Könnte jemand etwas sagen zum möglichen Laufweg?
4) Im Papier wird ein Wasserzeichen abgebildet. Weiß jemand, wie ich das am besten scannen kann?
Viele Grüße
Emiel
@ evwezel [#12]
Altdeutschland Baden 1851-1871 Eingehende Briefe
Habe das eben erst gesehen. Du liegst geographisch knapp daneben. Hollenbach kam Anfang des 19. Jahrhunderts zum Königreich Württemberg (Mergentheim auch, widerwillig). Wenn Du unter einer Württemberg-Überschrift fragst, kommt vielleicht noch eine Antwort.
@ Briefuhu [#13]
Hallo Sepp,
dein Portobrief kostete den Empfänger in Baden 12 Kreuzer rheinisch. Die wurden auch sicherheitshalber noch unterstrichen. Der Brief lief im geschlossenen Briefpaket von Österreich über Bayern und Württemberg nach Baden.
Nachdem der Empfänger bezahlt hatte, bekam er den Brief. Die Abgabepost schrieb nun Österreich 12 Kreuzer rheinisch gut und Österreich hatte für die Transitdienste Bayerns 1 Kreuzer und für den Württembergs 1/2 Kreuzer intern zu zahlen, durfte also 10 1/2 Kreuzer selbst behalten. Das kann man aber nur wissen, weil es nie auf den Briefen steht.
Die Entfernung war über 20 Meilen a 7,45 km und das Gewicht unter einem Zoll-Loth (15,625 g).
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#15]
Hallo Ralph,
vielen Dank. Das mit dem digaonal Strich, bezahlt bis zur Grenze habe ich irgendwo mal gelesen, und die Zwölf nicht erkannt. Und das mit dem Briefpaket war mir auch neu, wieder dazu gelernt.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#16]
Hallo Sepp,
solo pro memoria: Im Deutsch-Österreichischen Postverein (DÖPV) gab es kein Teilfranko mehr. Alles, ob frankiert, oder unfrankiert, stand allein der Aufgabepost zu.
Ein Diagonalstrich bedeutete praktisch immer, dass nur ein Teil der Gebühren bezahlt worden waren. Bei Briefen aus Österreich nach Baden war ab 1843 damit Schluß, weil es den 1. und einzigen Gemeinschaftspostvertrag gab, der beide Postgebiete gebührentechnisch zu einem Postgebiet vereinte. Ab 1.7.1850 trat Österreich dem DÖPV als Gründungsmitglied bei, ab 1.5.1851 tat dies auch Baden.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ Briefuhu [#13]
Hallo Sepp,
danke für´s Abbilden. Das Symbol Kreis im Kreis (ähnlich dem gestempelt Zeichen) nach Curs III im Eisenbahnstempel zeigt die Fahrtrichtung an, hier nach Süden, Stern nach Norden (so zumindest gelesen), bedeutet der Brief kam aus Karlsruhe und weiter Richtung Basel?
Noch interessanter ist die teilweise Beschreibung des Reiseroute, München wegen der Cholera Epidemie meiden, um dann nach Wien zu fahren, wo 1854/55 ebenfalls ein Cholera Ausbruch mit ~ 5000 Toten herrschte.
Schön auch, in Donauwörth konnte er wegen Wassermangel nicht das Dampfboot nehmen sondern ich zitiere:
sondern mit den reizenden baierischen Eilwagen, diesen Folterkammern aller Reisenden abfahren mußte.
Nochmal danke für das Zeigen des Inhalts.
grüsse Christof
@ chris63 [#18]
Hallo Christof,
danke für Deine Erläuterung zum Eisenbahnstempel und dem Briefinhalt, den ich nicht lesen konnte.
@ bayern klassisch [#17]
Hallo Ralph,
danke für die Erläuterung zum Diagonalstrich.
Schönen Gruß
Sepp
@ Gauss [#14]
Guten Morgen Gauss,
vielen Dank für Deinen Kommentar! Ich hätte die Hoffnung schon aufgegeben, dass sich überhaupt jemand melden würde und jetzt ist mir auch deutlich geworden warum das so ist…
Richard, könntest Du vielleicht meinen Beitrag
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=352431 nach einem anderen Thema verschieben?
Viele Grüße
Emielhema