Briefmarken Atteste

Thema:

Altdeutschland Helgoland Mi.-Nr. 15 / Die Robert Roesener Helgoland Briefe

Markus Pichl Am: 23.08.2017 09:43:08 Gelesen: 3569 # 1
Altdeutschland Helgoland: Michel-Nr. 15 Hallo, der am 15. Februar 1875 verausgabte Wert zu 25 Pfennig wurde gemäß den Angaben im Kohl-Handbuch innerhalb von nur einer Auflage zu 100.000 Stück (= 2000 Bogen) gedruckt und am 08. Februar 1875 an das Gouvernement Helgoland geliefert. Erst am 06. August 1890, also kurz vor Übergabe der Insel an das Deutsche Reich, wurden von der Gouvernementsregierung 55.000 Stück aus dieser Auflage an das Postamt Helgoland überwiesen. Der Restbestand betrug lt. Aufstellung am 09. August 1890 54.219 Stück. Soll heißen, einen besonders regen Absatz fand die Marke nicht. Hier ein vollständiger Bogen dieser Marke, Michel-Nr. 15, 25 Pfennig lilakarmin/grün Über Feld 5 und unter Feld 45 befindet sich jeweils eine rote Punktur sowie unter Feld 46 eine arabische Ziffer "6". Der Kammschlag wurde bei allen Bogen dieser Ausgabe von unten angesetzt, so dass die Unterränder nicht und die Oberränder durchgezähnt sind. Auf den Feldern 2 und 12 befinden sich die beiden im Michel-Katalog notierten Plattenfehler: Plattenfehler I (Feld 2): "schräge weiße Linie unter IG von HELIGOLAND" Plattenfehler II (Feld 12): "mehrere kleine weiße Flecken um die Wertziffer 3" Briefstück mit Rundstempel Type 5 "HELIGOLAND AU 9 1890" (letzter Verwendungstag dieses Stempels) Um 5 Pfg überfrankierter Sammlerbrief vom 24.Juli.1890 an bekannte Adresse "Rob. Roesner" nach Mainz. Portorichtig, mit MiNr. 15 und 18 g frankierter R-Brief vom 3.August.1890 an selbige Adresse (20 Pfg Briefporto, 25 Pfg Einschreibengebühr) Ob Robert Roesner selbst zu dieser Zeit auf der Insel war oder ob ihm jemand die vielen Briefe, die es an ihn nach Mainz gibt, u.a. großformatige Briefe mit Massenfrankaturen, in seinem Auftrag zusendete, entzieht sich im Moment meiner Kenntnis. In Themen zu anderen Helgoland-Marken, werden wir weitere Briefe an ihn sehen. Gemäß amtlicher Auskunft wurden im Jahre 1890, in einer Auflage von nur 200 Stück, amtliche Neudrucke gefertigt. Im Kohl-Handbuch wird angenommen, dass dies in den letzten Monaten des Jahres 1890 geschah, vermutlich zu Tauschzwecken. Wer aber diesen an und für sich unzulässigen Druckauftrag bei der Reichsdruckerei vergeben hatte, konnte niemals aufgeklärt werden. Ein Bogen der Neudrucke zu 25 Pfennig soll in Privatbesitz bzw. in den Handel gelangt sein, die restlichen schlummerten wohl zu Kohl's Zeiten im Reichspostmuseum. Der Kammschlag wurde bei den Neudruckbogen von oben statt wie bei den verausgabten Marken von unten angesetzt. Unter UV-Licht soll der Rotdruck von den Neudrucken in einem stumpfen rosa bis rosakarmin erscheinen, hingegen der Rotdruck der verausgabten Marken unter UV in einem karminlila bis stumpflilapurpur reagiert. Private Neudrucke gibt es von MiNr. 15 keine. Beste Grüße Markus
Richard Am: 24.07.2026 09:38:43 Gelesen: 731 # 2
@ [#1] Am 22.7. erhielt die Redaktion folgende Mail: Betreff Roesener Sehr geehrte Damen und Herren, der auch „Robert die Briefmarke“ genannte Helgoland-Freund hieß Roesener mit Nachnamen. Mit e nach dem s. Er hockte tatsächlich selbst auf Helgoland und „schrieb“ sich unzählige Briefe (Umschläge ohne Inhalt) in dem Wissen, dass aus geschichtlich/politischen Gründen die gestempelten Briefe bald einen steigenden finanziellen Wert besäßen. Ein Exemplar besitze ich noch. Mit freundlichen Grüßen, Gisela Graf Urenkelin von Robert Roesener
Oliver Estelmann Am: 24.07.2026 21:48:08 Gelesen: 635 # 3
Hallo Frau Graf, ich freue mich Sie hier zu lesen und kann Ihnen sagen, dass ich schon sehr viel Zeit mit der Familienkorrespondenz - ohne Inhalt - verbracht habe. Die Aufschlüsselung seiner privaten Briefnummern und den korrelierenden Einschreibnummern, decken sich zwar nicht immer, aber das ist auch egal. Seine Briefe haben fast ausnahmslos "Gesicht" und zählen in meinen Augen zu den besseren Helgoland-Briefchen ... von der Aufmachung her. Nur die schiere Masse macht mir Bauchweh, es muss ja tausende gegeben haben. Allein von Helgoland - und 1890 war ja noch nicht Schluß - ich habe auch noch spätere Belege. In meinem Archiv befinden sich dann auch noch sehr viele andere Briefchen z.B. aus den Kolonien (vom Robert). Ich habe schon viel über den Robert nachgedacht. Hat sich dieser Aufwand für ihn gelohnt? Wie lange hat er wohl gesessen um die Briefchen zu adressieren und zu frankieren? Hatte er am Ende Blasen auf der Zunge? Mir sei erlaubt zu fragen: Ist vielleicht noch so etwas wie ein Ausgabenbuch vorhanden, oder eine Aufschlüsselung wie viele Marken er von jeder Wertstufe kaufte? Hatte er Hilfe beim Briefeschreiben? Mir will nämlich scheinen, dass es Briefe an seine Adresse in Mainz gibt, welche nicht seine Handschrift tragen. Sie sehen, ich habe mehr Fragen als Antworten und ich freue mich wirklich Sie hier gelesen zu haben. Zufälle gibt's. Da staunst Du jahrelang über den Robert, da steht auf einmal die Verwandschaft vor der Türe. :) <-- deutliches freuen
Oliver Estelmann Am: 24.07.2026 22:20:19 Gelesen: 621 # 4
Hier, damit auch jeder weiss, was ich auszudrücken versuchte: JY 31 1890 = kein Tag der Langeweile !!! AU 3 1890, JY 24 1890 AU 1 1890 und hier einer meiner "schönsten" vom Robert Roesener, womit auch gleich die Schreibweise klargestellt wird: Eines ist jedenfalls sicher: Der Robert war der fleißigste Briefehersteller Helgolands. r war auch nicht zu faul, ganze Bogen auf seine Briefe zu kleben. Es gibt davon die Mi.-Nr. 13b, 14e usw., aber davon habe ich nur Abbildungen aus Auktionskatalogen, weil wie willst Du die ins Album kriegen? Finster erinnern kann ich mich (ohne mein Archiv zu bemühen), dass Auktionshaus Reinhard Fischer mal einen ganzen Sack voll verkauft hat und ich nicht zum Zug gekommen bin. (Viele Jahre her)
Oliver Estelmann Am: 24.07.2026 22:59:06 Gelesen: 605 # 5
15.07.1891 ick dürf nich weiter suchen tun, ab 23.00 Uhr ist Licht aus, ab jetzt gehts nur noch mit Taschenlampe unter der Bettdecke weiter. War die Paula die werte Frau Gemahlin? Naja, auf alle Fälle dürfte der Zusteller vom Robert damals seine helle Freude gehabt haben. Ich denke zwar, dass er sich informieren ließ (postseitig) und die Briefchen (wenn auch nicht selber) abholen ließ. Das hätte ja sonst wohl kein normaler Briefkasten ausgehalten. Man möge schließlich bedenken: Nicht alles waren Einschreiben und es gibt auch eine erhebliche Anzahl Briefe, die einfache Zustellung erlaubt hätten. Nicht so wie heute: Über'n Zaun gekippt und fertig. Sicher hat sich der Robert mit dieser über Wochen andauernden Aktion auch Feinde beim Zustellamt gemacht. Begeistert werden die mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit nicht gewesen sein.
saeckingen Am: 24.07.2026 23:39:43 Gelesen: 596 # 6
@ Oliver Estelmann [#3] In meinem Archiv befinden sich dann auch noch sehr viele andere Briefchen z.B. aus den Kolonien (vom Robert). Wie Oliver richtig anmerkt, war Robert Roesener auch bei den deutschen Kolonien und Auslandspostämtern sehr aktiv. Ich vermeide solche produzierten philatelitischen Belege in meiner Sammlung, allerdings habe ich einen Bedarfsbrief von Robert Roesener in meiner Lamu Samlung, der sein Vorgehen aufzeigt. Brief der 4. Gewichtsstufe (46-60 g) zum Auslandstarif von 80 Pf. als Einschreiben von Mainz 24.9.91 an Kaiserlich Deutsches Postamt in Lamu. Mit handschriftlichem Vermerk „There is no German Post Office in Lamu since March 1891“ und Weiterleitung an das D.L.O. (Dead Letter Office) in Bombay „for disposal“. Von dort Rücksendung nach Deutschland und amtlicher Öffnung zur Feststellung des Absenders bei der Postdirection Darmstadt. Rücksendung an Robert Roesener in Mainz. Transitstempel: Zanzibar 18 OC 91 (indisches Postamt) Sea Post Office A 7 NO 91 Aden NO 16 91 D.L.O. Bombay 28 NO 91 Sea Post Office B 26 DE 91 Mainz AUSG. No. 1 11.1.(92) Unbestellbar Mainz AUSG. No. 2 13.1.(92) Mit diesem Brief hat Robert Roesener sicherlich vorfrankierte Belege an das deutsche Postamt Lamu senden wollen, die dort gestempelt und an ihn zurückgeschickt werden sollten. Leider war das Postamt inzwischen geschlossen worden. Man kann an dem Umschlag ganz deutlich die Spuren sehen, dass sich ein etwas auftragender Inhalt darin befunden hatte. Für mich ist der Beleg ein guter Schlußpunkt meiner Lamu Sammlung, der die Schließung des Postamtes dokumentiert. Grüße Harald
Oliver Estelmann Am: 24.07.2026 23:44:48 Gelesen: 592 # 7
Very schick ! Danke für's zeigen, Harald. Nicht zu verwechseln mit dem Burschen hier:
Oliver Estelmann Am: 25.07.2026 02:55:56 Gelesen: 569 # 8
Erinnert sei hier auch noch an einen "schicken" Brief, im Thema: Hochseeinsel Helgoland: Briefe, Karten und Dokumente # 31. Auch dieser ist an Paula adressiert. Da in diesem Beitrag die Frage aufgeworfen wurde, was da wohl fehlen könnte, hier mal ein kompletter Brief aus "diesem Lauf". Leider fehlt mir zu diesem Beispiel die Herkunftsangabe des Bildes, ich werde sie bestimmt aber bald nachreichen können. Ich hab ja Zeit heute und deshalb ist hier die Abbildung aus dem oben beschriebenen Beitrag und bignell möge mir diese wilde Kopie verzeihen: Es sieht ganz so aus, als wäre dieser Brief mit 2 x 25 Pfennig, oder einer 50 Pfennig frankiert gewesen, die jetzt fehlt/en. Es wäre die einzig richtige Rechnung, um auf dieselbe Portohöhe zu kommen. Das auf dem unvollständigen Brief ordentlich randaliert wurde sieht man ja und deshalb nehme ich eher an, dass ihm jetzt 2 x Mi.-Nr. 15 fehlen. Ja und eigentlich wollte ich längst Bettchen sein, da fiel mir noch ein ganz schlechtes Bild in die Hände. Es verdeutlicht das den guten Robert tatsächlich eine Art Wahnsinn gepackt muss. Die Abbildung dürfte aus einem Gärtner - Katalog stammen. Genaueres könnte ich in ein paar Stunden in Erfahrung bringen, aber wozu? Das Bild spricht ja für sich.
Oliver Estelmann Am: 25.07.2026 04:20:19 Gelesen: 561 # 9
Schlußendlich sei noch festgestellt, dass wir dem Robert eigentlich sehr dankbar sein müssen. Bestimmte Wertstufen (z.B. Einzelfrankatur Mi.-Nr. 16b auf Brief) würden ohne ihn überhaupt nicht oder wenn, dann nur in fingerabzählbarer Anzahl vorkommen. Tja und dann hätte ich keinen der Belege, weil unbezahlbar. Von den kompletten Bogen auf Briefen habe ich ja schon erzählt und ich schaue in ein paar Stunden mal in mein Archiv, dann kann ich euch auch sowas zeigen. Bis jetzt war ich da nämlich noch nicht schmöckern und da kommt bestimmt noch das ein oder andere Schmankerl zum Vorschein. Und da es gerade hell wird, wünsche ich allen Lesern einen GUTEN MORGEN - huch so laut - wo noch alle schlafen ... oli
Oliver Estelmann Am: 26.07.2026 00:35:31 Gelesen: 426 # 10
@ saeckingen "Ich vermeide solche produzierten philatelistischen Belege in meiner Sammlung,..." Ich auch ... wie man sieht ... :) Aber wer kann dazu schon -nein- sagen? Im Ernst: Kaufst du eine Sammlung, ist soetwas mit dabei. Unweigerlich kommen dann kleine Stapel zusammen, die mit deinem eigentlichen Ziel nicht viel gemein haben. Was also tun mit dem Material? Man legt es beseite und so wie in meinem Fall, merkt man erst über die Jahre hinweg, dass anhand dieses Materials Zusammenhänge bestehen, welche man vorher nicht für möglich gehalten hätte. Neben dem Robert gab es ja auch noch andere fleißige Hände, die zusammengenommen eine solche Flut von Belegen herstellten, das die Postbeamten in den letzten Tagen (vor Übergabe der Insel an Deutschland) in 24 Stunden Schichten (!) die ganzen Belege abstempeln und ins Postbuch einschreiben mussten. Dazu hier ein alter Zeitungsartikel. Was da über den Ausverkauf bestimmter Werte geschrieben steht, ist aber nicht ganz die Wahrheit.