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Vorphilatelie: Brief eines Bergmanns aus Zorge im Harz aus 1794

carolinus Am: 22.12.2008 15:28:51 Gelesen: 7158 # 1
Von Sorgen und Nöten eines einfachen Menschen, in diesem Fall denen des Bergmanns Gottfried Bischoff jun. Ende des 18. Jhdts. im Harz, zeugt der Inhalt dieses Briefes aus Zorge an "die Hochfürstl. Braunschweig. Lüneb. Cammer des Fürstenthums Blankenburg" aus dem Jahr 1794. Zorge gehört heute zur Gemeinde Walkenried und hat etwa 1200 Einwohner. Zur damaligen Zeit gab es einen regen Hüttenbetrieb. Henri Bade berichtet, dass im Jahr 1846, also gut 50 Jahre nachdem dieser Brief geschrieben wurde, 2 Hochöfen, 3 Hammerhütten, 1 Blechschmiede und 1 Drahtzieherei existierten. Zu dieser Zeit gab es in diesem Dorf 1392 Einwohner, die vorwiegend in den Hüttenwerken arbeiteten oder durch sie ihren Erwerb fanden. Die Einwohnerzahl war Mitte des 19. Jahrhunderts also höher als heute. Denen Excell. Hochwohl und Wohlgebohren, Fest und hochgelahrten, Hochfürstl. Braunschweig. Lüneb. zur Cammer des Fürstenthums hochverordnete Herren Meinen Gnädigen und hochgebiethenden Herren Unterthänig Fr. Blankenburg Hochfürstliche Braunschweig. Lüneb. zur Cammer des Fürstenthums Blankenburg hochverordnete Herren, Würd. geheimter- Rath, Praesident, vice Director, und Räthe. Hochwohl- und Wohlgeborene, Vest und Hochgelahrte, Gnädige und hochgebiethende Herren! Bergmann Gottfried Bischoff jun: a. Zorge bittet demüthig, um ein geringes Blätzgen zu einen Küchen Gärtgen Ew. Exc. Hochwohl- und Wohlgeboren geruhen gnädig hoch denen se(l)ben unterthänig vortragen zu dürfen, wie ich vor ohngefähr 5 Monathen im öffentl. Anschlage ein Häusgen welches Neü angebauet ist erstanden, und welches dem verunglückten Bergmann Andreas Allewelt gehörte. Gnädige und Hochgebiethende Herren, ein Armer Bergmann hat von seiner Arbeit nichts als mit Kummer das Liebe Trocken Brodt, und wenn derselbe nicht etwa ein Blätzgen hat um ein bißgen Garten Gewächs zu Ernten, so muß derselbe sehr oft die größest Noth leiden, zu Ew. Exc. Hochwohlgeboren ertreiste mich daher um ein gantz geringes Blätzgen, welches hinter der Dauben Thals Wiese Liegt, und worauf nicht mehr als 2 Bäume und Dorn Strauche stehen demüthig zu flehen, welches ich zu einem Gärtgen zurecht machen kön(n)te. An Gnädigererhörender Willfahrung zweifeln um so weniger, da Serm. (Serenissima) unser Durchl. Landes Vater schon so vielen Unterthanen gnädigst, mehr beteütende Blätze geschenket, In erwartung gnädiger erhörung und resolution ersterbe ich in tiefster Ehrfurcht Ew. Excel. Hochwohl- und Wohlgeboren Zorge den 14ten Febr. 1794. unterthäniger Knecht Johann Gottfried Bischoff jun: