Thema:
Österreich-Ungarn Monarchie - Marken und Belege bis 1899
Im Februar 1867 wurde Ungarn als Köngreich vom Kaisertum Österreich getrennt. Als Folge entstand die
Österreichisch-Ungarische Monarchie.
Die Österreichisch-Ungarische Monarchie war eine Realunion in der letzten Phase des Habsburgerreiches in Mittel- und Südosteuropa für den Zeitraum zwischen 1867 und 1918. Sie bestand nach dem Umbau des Kaisertums Österreich zu einem Staatenverband auf der Grundlage des österreichisch-ungarischen Ausgleiches vom 8. Juni 1867 (in Österreich am 21. Dezember 1867 verfassungsmäßig implementiert), bis zum 31. Oktober 1918 (Austritt Ungarns aus der Realunion).
Das kaiserliche Österreich wurde bis 1915 offiziell meist "die im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder" genannt, inoffiziell hingegen in der Politiker- und Juristensprache nach dem Grenzfluss Leitha auch Cisleithanien. Das königliche Ungarn firmierte amtlich als "die Länder der heiligen ungarischen Stephanskrone" und dementsprechend auch als Transleithanien. Der Begriff Österreich als zusammenfassender Begriff für die cisleithanischen Länder wurde erst 1915 offiziell eingeführt.
Franz Joseph I. war formal das gemeinsame konstitutionelle Staatsoberhaupt (Personalunion), unter dessen Leitung sowohl die Außenpolitik, das gemeinsame Heer und die Kriegsmarine sowie die dazu nötigen Finanzen in den entsprechenden drei Reichs-, später k. u. k. Ministerien mit Sitz in Wien gemeinsam verwaltet wurden (Realunion):
K.u.k. Außenminister; Vorsitzender im gemeinsamen Ministerrat
k.u.k. Kriegsminister
Gemeinsamer Finanzminister
Alle anderen Angelegenheiten konnten Österreich und Ungarn von nun an getrennt regeln (es kam jedoch freiwillig zu einem gemeinsamen Währungs-, Wirtschafts- und Zollgebiet) [1].
Die Teilung in der Verwaltung des Postwesens erfolgte mit Übereinkommen vom 2.4.1867. Ab dem 1.Mai 1867 entstanden somit zwei getrennte Postverwaltungen, nämlich die österreichische und die ungarische, die fortan getrennte Postwertzeichen herausgaben. In der österreichischen Reichshälfte waren bis Ende November 1899 Briefmarken in Gebrauch, die weiterhin auf der Grundlage der Kreuzer-Währung herausgegeben worden waren. Die Michel-Redaktion fasst diesen Zeitraum unter den Katalognummern 35 bis 68 zusammen.
Im Jahr 1892 wurde der Gulden durch die Krone zu 100 Heller ersetzt. Der Umrechnungskurs lag bei zwei Kronen für einen Gulden Der Gulden durfte noch bis 1900 parallel zur Kronenwährung verwendet werden. Am 1.12.1899 erschienen erstmals Briefmarken in der neuen Währung.
Da es für die vorausgegangene rund zwanzigjährige Zeitspanne bis zur Herausgabe der ersten Marken in Heller-Währung noch reichlich Marken und Belege in Sammlerhand gibt, halte ich es für vertretbar, dafür ein eigenes Thema zu gründen und mit Leben zu erfüllen.
Parallel gab es natürich auch unterschiedlichste Ganzsachen, diese sollten aber getrennt vorgestellt werden, damit sie als Ganzsachen beschrieben und behandelt und nicht nur zur bloßen Darstellung irgendwelcher Portostufen oder lediglich als Untergrund irgendwelcher Abstemplungen missbraucht werden können. Passende Beispiele werden in Kürze von mir hochgeladen.
Heute zum Start nun ein Brief, der am 20.12.1875 vom Gemeindeamt von Hosterlitz, einem Ort in der südmährischen Region, über Misslitz nach Brünn geschickt worden war. Der Brief wurde rückseitig mit dem Stadtsiegel von Hosterlitz verschlossen. Als Frankatur diente eine Marke zu 5 Kreuzer der Ausgabe des Jahres 1867 in Form der Auflage von 1874 ff, feiner Druck, Mi. 37 II Type b.


Viele Grüße
Ingo
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich-Ungarn
In Ungarn wurde die erschienen mit sogenannten "Turul"-Ausgabe am 1.1.1900 die ersten Marken in der neuen Währung "Filler" und "Korona".
Die vorherigen Kreuzer-Marken konnten bis Ende September 1900 noch aufgebraucht werden. Die Umrechung betrug ebenfalls 1 Kreuzer = 2 Filler.
Mischfrankaturen aus diesem Zeitraum sind relativ selten, wenn man einmal von den einfacheren Belegen, wie Inlands-Postkarten, -Briefen und -Einschreiben absieht.
Zur Veanschaulichung aus meiner Sammlung eine Paketkarte für ein 2,1 kg schweres Wertpaket über 24 Korona von Szent Gotthard nach Milwaukee (USA). Die Gebühren in Höhe von 13K62 wurden durch 2 x 3 Forint (=12 Korona) + 1K + 60 Fi + 2 Fi abgegolten. Es handelt sich um die höchste bekannte Währungsmischfrankatur Kreuzer / Filler in das Ausland.
Vor einiger Zeit war mir von einem alten Sammler das abgebildete Stückchen Papier mit den beiden Marken darauf geschenkt worden. Auf der rechten Marke gibt es mittig eine zusätzliche Zähnung. Hat jemand von euch so etwas schon einmal auf einer offensichtlich gelaufenen Marke gesehen?


Viele Grüße
Ingo
@ Cantus [#3]
Hallo Ingo,
hier dürfte es sich um eine Tiller-Zähnung handeln (Ferchenbauer Band 2 Seite 154), eine private Firmendurchlochung. Auf Briefstück wertet Ferchenbauer diese + 25 €.
Lg, harald
Briefumschlag, RECO von Trautenau (TRUTNOV) nach Lausanne vom 18.5.1874

Vorderseite mit 2 Marken zu 5 Kreuzer und 1 Marke zu 10 Kreuzer
Kopfzeichnung von Kaiser Franz Josef

Rückseite mit 2 Marken zu 5 Kreuzer,
Siegel und Ankunftstempel LAUSANNE 27.V.74
Grüße
Henrique
Briefumschlag an den Gemeindevorsteher von Nied. Trianowitz

Frankatur 5 Kreuzer / Ausgabe Kaiser Franz Josef 1867/74 / Rückseite Stempel von TESCHEN und KARWIN 5.2.82
Grüße
Henrique
Hallo,
vermutlich ein Amtliches Schreiben der Administracya rzadowej "Gazety Lwowskiej" ODEZWA von 1872
Faltbrief mit 5 Kreuzer / Ausgabe Kaiser Franz Josef 1867/74 / nach KRAKOW

Vorderseite mit Frankatur / Inhalt
So wie jeder echter Wiener habe ich auch "Böhmische Vorfahren" aber trotzdem keine Ahnung, was ich hier eingestellt habe. Informationen wären interessant.
Henriqe
@ henrique [#7]
Hallo Henrique,
ein unechter Wiener sagt: Absender ist die Administration der Lemberger Regierungszeitung, und Odezwa heisst etwa Beschwerde. Frankiert mit 5 Kreuzer grober Bart, Fingerhutstempel Lemberg.
Lg, harald
@ bignell [#8]
Hallo Harald,
besten Dank für deine Infos.
Habe noch einen 2. Beleg mit Ankunftsstempel KRAKAU 27.4.1871

Möglicherweise sieht man den Aufgabestempel nun besser.
Grüße
Henrique
@ Cantus [#10]
Lieber Ingo,
könnte es ALBA in Siebenbürgen [1] heißen?
Liebe Grüsse,
Ralph
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/C%C3%A2lnic_(Alba)
@ Cantus [#10]
@ bayern klassisch [#11]
Hallo Ingo, hallo Ralph,
es handelt sich um Alba Regia / Stuhlweissenburg / Szekesfehervar. Der Stempel ALBA (Müller 2751b, 2 Punkte) ist häufig. Sehr interessant finde ich den Nebenstempel "ALBA | STADTBRIEFSAMMLUNG" (Müller 2752a), auf Marke hätte dieser 120 Punkte und wäre sehr selten. Der Brief lief nach Schaessburg / Sighisoara / Segesvar, somit sind 15 KR Franco korrekt. Die Buntfrankatur 5+10 KR bewertet Dr Ferchenbauer mit 35€. Das Siegel am Scan kann ich nicht erkennen.
Lg, harald
Hallo Harald, hallo Ralph,
vielen Dank für eure Ergänzungen und Hinweise. Ich habe eine ganze Reihe frankierter Poststücke von Österreich bekommen und soll diese auch bewerten, habe aber keine Ahnung von den klassischen Stempeln von Österreich. Ich werde sie deshalb so nach und nach hier zeigen und hoffe, dass ihr mir da weiterhelfen könnt.
Als Stempelliteratur stehen mir nur der Stohl und - in bruchstückhaften Auszügen - das Handbuch von Klein zur Verfügung; den Müller besitze ich nicht.
Viele Grüße
Ingo
@ Cantus [#13]
Hallo Ingo,
stell nur ein. Kein Müller ist ein Fehler der sich leicht beheben lässt, den findet man immer wieder mal ab 30 Euro aufwärts. Klein ist wesentlich teurer, aber auch erst notwendig, wenn der Müller "inhaliert" wurde.
Lg, harald
Dieser Brief, Format 11 x 9,5 mm, ging am 2.7.1893 von Lana/Südtirol ab und erreichte St.Marienkirchen bei Wels in Oberösterreich am 4.7. Der Handvermark an Stelle des Poststempels ist etwas rätselhaft, vielleicht kann mir jemand dazu mehr sagen.


Grüße
Ivo
Hallo Ivo!
Handschriftliche Entwertungen kommen in der Monarchie immer wieder einmal vor. Meist wenn der Stempel nicht greifbar (z.B. Reparatur oder Verlust) war dann wurden vom Postbeamten händisch Namen und Datum auf die Marke geschrieben. Diese Art der Entwertung ist meist, speziell von Heimatsammlern, sehr gesucht.
Liebe Grüße
Harald
@ BANANA60 [#16]
Dankeschön für diese Erläuterungen !
Faltbrief mit 5 Kreuzer - Ausgabe von 1883 "Doppeladler mit schwarzer Wertziffer" Nr 46
von SPALATO nach FIUME vom 20.1.1887

Grüße Henrique
Faltbrief mit 5 Kreuzer - Ausgabe von 1867 "Kaiser Franz Josef" Nr 37
von TRIEST nach WIEN am 23. März 1868


Absender: DAMPFSCHIFFAHRTS-GESELLSCHAFT DES ÖSTER:LLOYD
Ankunfts-Stempel: WIEN * 25.III.68
Frachtbestätigung / Fracht- und Spesen- Rechnung


Henrique
@ Cantus [#20]
Hallo Ingo,
das Siegel zeigt die Initialen des Absenders JMG (Joh. Martin Gruber wenn ich das recht lese).
Liebe Grüße,
harald
@ Cantus [#20]
Lieber Ingo,
da fehlt eine 10 Neukreuzermarke hinten für die Recommandation und vorne eine 15 Nkr. Marke für das Franko im Postverein über 20 Meilen unter 1 Loth. Schade!
Zum Inhaltlesen komme ich leider nicht, da sind meine Augen heute zu mies, leider!
Sütterlin gab es erst ab dem 1. Weltkrieg - hier sehen wir die aus dem späten 15. Jahrhundert mit Veränderungen geschriebene deutsche Currentschrift.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ Briefuhu [#23]
Hallo,
von Brief würde ich hier nicht sprechen - es war doch eine sehr schöne Drucksache und Drucksachen waren viel seltener, als gewöhnliche Briefe.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
@ bayern klassisch [#24]
Da hast du natürlich recht, das erklärt auch das Porto.
Schönen Gruß
Sepp
@ volkimal [#27]
Hallo Volkmar,
"k.k. Postamt in Görz | Eingetragen in Ausfuh(r) | Notizregister No " - hier hätte die Nummer eingetragen werden müssen, ist aber nicht erfolgt.
Liebe Grüße,
harald
@ bignell [#28]
Hallo Harald.
dankeschön! Der Abschlag ist zwar schwach, aber jetzt kann er dennoch in die Datenbank. Habe jetzt erst gesehen, dass es bei dem Dreizeiler am Ende der dritten Zeile "N
ro" heißt und nicht nur "N
o"
Es folgt die dritte Sprache bei den zweisprachigen österreichischen Paketkarten: Deutsch/Tschechisch (in Österreich Böhmisch genannt).

Theodor Hutter [1] aus Prag schickt ein Paket mit Büchern an die Hochlöbliche Deutsche Schillerstiftung in Weimar zu Händen Dr. Julius Grosse [3]. Sowohl der Absender als auch der Empfänger waren Schriftsteller.
Herr Hutter hat das Paket am 14.11.1890 in Prag-Königliche Weinberge aufgegeben. Es wurde über Dresden nach Weimar geschickt, wo es am 16.11.1890 ankam. Vinohrady (bis 1960 Královské Vinohrady, deutsch Königliche Weinberge) ist ein Stadtteil in der tschechischen Hauptstadt Prag, östlich der Neustadt gelegen.
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_H/Hutter_Theodor_1860_1932.xml
[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Grosse
Hallo zusammen,
eine ungarische Postkarte aus Kuczura vom 24.07.1899 nach Bückeburg:

Den Aufgabeort könnte ich mit Hilfe des Ritter, geographisch statistisches Lexikon von 1905 entziffern. Dort fand ich den Eintrag:
Kuczura, Dort in Ungarn, Komitat Bács-Bodrog, Bezirk und Gerichtsbezirk Kúla, 4090 Einwohner, Post- und Telegraphenstation
Heute liegt Kuczura im Norden Serbiens und hat den Namen Kucura (serbisch Куцура).
Die Karte geht an den Briefmarkenhändler H. Clabes jr. in Bückeburg. Der Absender schreibt:
Kuczura den 25.07.99
Herrn H. Clabes jr.
Bückeburg
Wenn Sie wollen mit mir Tausch-
verbindung machen, so senden Sie
mir Briefmarken Ich sende Ihnen
alde und neue Briefm. Von Rumänien
Serbien Montenegro Oest.-Ungarn.
Hochachtend
Zsilnik Janas
Bácska Kuczura Ungarn
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
zu den Ländern der heiligen ungarischen Stephanskrone (Transleithanien) gehörten das Königreich Ungarn und das Königreich Kroatien und Slawonien. Dort wurde natürlich überwiegend Kroatisch gesprochen. Dementsprechend gibt es in Ungarn zweisprachige Postkarten Ungarisch/Kroatisch. Bei Wikipedia wird bei den Amtssprachen in Österreich-Ungarn Serbokroatisch und nicht Kroatisch angegeben. Der Unterschied ist mir nicht ganz klar.

Zweisprachige Postkarte vom 14.09.1885 aus Eszék-Felsö Város (Ungarisch) = Osiek-Gornji grad (Kroatisch) = Essegg-Oberstadt (Deutsch). Auch der Stempel ist zweisprachig Ungarisch/Kroatisch.
Osijek (deutsch Esseg, Essegg oder Essek) ist die viertgrößte Stadt Kroatiens. Osijek liegt am Ufer der Drau im Osten von Slawonien, rund 20 Kilometer vor der Mündung der Drau in die Donau, und hatte 2021 bei der Volkszählung 75.916 Einwohner.
In Wien gab es einen österreichischen Mediziner, Antiquar und Historiker namens Ignaz Schwarz. Die Karte dürfte aber nicht an ihn gehen, denn die Absenderin schreibt:
Essegg den 14/9 85
Herrn Ignatz Schwarz, Wien
Nachstehende Comihsion wollen Sie gfe mit der Ihnen zukommend gemachten Beipackung von Herrn Kretsch & Mikolasch umgehend per Post an mich absenden,
Achtungsvoll
Thilij(?) Kaiser
Comihsion: ½ Dzt Lockenbrenner rundes Heizapart zum zusammenlegen wie schon ?? gehalten und die ?? dazu
Viele Grüße
Volkmar
@ volkimal [#29]
Hallo Volkmar,
du schreibst
bei den zweisprachigen österreichischen Paketkarten: Deutsch/Tschechisch (in Österreich Böhmisch genannt)..
Das stimmt nicht mit dem überein, was du zeigst, denn zu der Zeit, als diese Post-Begleitadresse (nicht Paketkarte, denn Paketkarten gab es damals überhaupt noch nicht [2]) verwendet wurde, hieß das Gebiet Königreich Böhmen und nicht Tschechien oder Tschechoslowakei; es wurde dort auch nicht Tschechisch gesprochen, sondern Böhmisch.
Die Tschechoslowakei oder auch Tschechoslowakische Republik wurde am 28. Oktober 1918 proklamiert [1], war aber niemals Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie. Du zeigst schöne Belege, bleibe aber doch bitte bei der Beschreibung auch beim korrekten Terminus und dichte nicht etwas hinzu. Wenn du unsicher bist, dann schaue dir die Belege genau an, die korrekten Bezeichnungen sind üblicherweise immer aufgedruckt.
Viele Grüße
Ingo
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Tschechoslowakei
[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Paketkarte (erst 1914 wurde in Deutschland die Bezeichnung "Paketkarte" eingeführt)
@ volkimal [#35]
Zsilnik János (Johann)
@ Cantus [#36]
Hallo Ingo,
deiner Aussage "Die Tschechoslowakei oder auch Tschechoslowakische Republik wurde am 28. Oktober 1918 proklamiert [1], war aber niemals Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie" stimme ich uneingeschränkt zu.
Beim Rest nicht ganz. Deine Aussage "erst 1914 wurde in Deutschland die Bezeichnung "Paketkarte" eingeführt" stimmt. Allerdings hieß es in Deutschland schon seit 1874 nicht Post-Begleitadresse sondern Post-Packetadresse. Die Post-Packetadresse wird im Sprachgebrauch im nachhinein oft auch schon als Paketkarte bezeichnet. Schau einmal in Auktionskataloge oder in den Häger. Selbst bei den österreichischen Post-Begleitadressen wird bei Auktionen häufiger die Bezeichnung Paketkarte als die korrekte Bezeichnung Post-Begleitadresse benutzt.
Du schreibst "hieß das Gebiet Königreich Böhmen und nicht Tschechien oder Tschechoslowakei" - das stimmt. Allerdings hat die Bezeichung Tschechoslowakei einen Grund. Der Landesname ist vom Namen des Volkes Tschechen abgeleitet. Da es sich um Belege aus dem 19ten Jahrhundert handelt nutze ich jetzt als Literatur das Meyer Konservationslexikon (15 Bände, Ausgabe 1874-1878). Dort steht: "Tschechen, Volksstamm der Nordslawen im ösaterreichisch-ungar. Staat, besonders in Böhmen und Mähren seßhaft, wohin sie im 6. Jahrh. n. Chr. aus dem Karpathenland ... einwanderten. In Böhmen erlangten sie bald ein solches Uebergewicht, daß ihr Name bereits im 9. Jahrh. die allgemeine Bezeichnung für sämmtliche im Land wohnenden Slawen ward und Böhmen selbst die Bezeichnung Tschechy erhielt." Ein Böhmisches Volk gibt es im Meyer nicht.
Beim Satz "es wurde dort auch nicht Tschechisch gesprochen, sondern Böhmisch" kommt es darauf an, ob ich als Deutscher oder Österreicher schreibe. In der heutigen Zeit wird in Tschechien (amtlich Tschechische Republik) eindeutig Tschechisch gesprochen. Welche Bezeichnung - Böhmisch oder Tschechisch - benutzte man aber im 19ten Jahrhundert in Deutschland? Hier greife ich wieder auf das Meyer Konservationslexikon (Band 15, 1878) zurück. Dort findest Du einen Beitrag über vier Seiten zur Tschechischen Sprache und Literatur. Einen Beitrag zur Böhmischen Sprache suchst du vergeblich. In besagtem Beitrag steht allerdings "Die tschechische oder böhmische Sprache ist ein Zweig des slawischen Sprahstammes, der besonders im inneren Böhmen und Mähren ... gesprochen wird."
Aus deutscher Sicht spricht nach meiner Meinung also nichts dagegen, dass ich von der Tschechischen Sprache rede.
Viele Grüße
Volkmar
Hallo zusammen,
aus Bosnien und Herzegowina sind hier bisher keine Belege gezeigt worden, obwohl es auch seit 1878 zum Kaiserreich Österreich-Ungarn gehörte. Vorher war Bosnien und Herzegowina ein Teil des Osmanischen Reiches. Hier die erste zweisprachige Postkarte. Es ist die erste Postkarte P 1 des Landes:

Es fällt auf, dass auf der Postkarte keine Landesbezeichnung vorhanden ist. Im Michel ist dazu zu lesen: Wegen der innerhalb der Österreichisch-Ungarischen Monarchie herrschenden Sprachenstreitigkeiten wurde auf den bosnischen Marken bis 1905 jede Inschrift vermieden, um keiner Sprache und damit keiner Völkerschaft einen Vorrang zu geben.

Im Stempel ist angegeben „K. und K. Milit. Post LXII“. Hierzu kann man im Michel-Ganzsachenkatalog lesen: Nach Beendigung des türkisch-russischen Krieges wurde Österreich die Verwaltung dieses ehemaligen türkischen Gebietes übertragen. Die ursprünglichen Feldpostämter im Sandschak Sarajewo wurden in KuK Militär-Postämter umgewandelt, verwendeten Stempel mit diesem Text und übernahmen mit 1. Juli 1879 auch den Postverkehr für den zivilen Bedarf.
Die Postkarte wurde am 5.10.1898 in Trnovo, einem Ort im Osten von Bosnien und Herzegowina aufgegeben. Sie erreichte ihr Ziel Karlsbad am 09.10.1898. Es ist eine private Postkarte von Carl Seemann an seinen Bruder Julius Seemann.
Über den Absender der Karte, Carl Seemann ist in den Annalen des KuK Naturhistorischen Hofmuseums (Wien 1886) zu lesen, dass Carl Seemann zu den Hausdienern in der zoologischen Abtheilung gehört. Vermutlich begleitete er Dr. G. Beck, auf einer mit Unterstützung des k. k. Unterrichtsministerium durchgeführten Reise zur botanischen Durchforschung Südbosniens und der angrenzenden Theile der Herzegowina. Er bestieg u.a. den mächtigen Gebirgsstock der Treskavica (2128 Meter) von Trnovo aus.
Viele Grüße
Volkmar
@ Briefuhu [#40]
Hallo Sepp,
es war kein Brief, sondern eine Drucksache. 2 Neukreuzer war der treffende Tarif dafür bis 50 g. Teilung je 1 Nkr. für Österreich und das Kgr. Italien.
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#41]
Hallo Ralph,
vielen Dank für die Hilfe, mich hat nur irritiert, das das Angebot handschriftlich erstellt war und ich ging deshalb von einem Brief aus.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#42]
Hallo Sepp,
das Schreiben war hektrographiert, also technisch vervielfältigt, nicht handgeschrieben. Schau da bitte noch mal genau hin.
Außerdem war das Poststück offen aufgeliefert worden - ein Brief würde ein Siegel zeigen (trocken, Lack oder ein Bapperl).
Liebe Grüsse,
Ralph
@ bayern klassisch [#43]
Hallo Ralph,
du hast natürlich recht, es handelt sich um keine Handschrift. Nochmals Danke.
Schönen Gruß
Sepp
Hallo Sammlerfreunde,
Brief vom 27.4.1879 aus Koszeg über Szombatheley nach Wien und dort Ausgabe in Mariahilf am 28.4.1879, in blau wurde "beantw 20/4" notiert.
Viel kann ich nicht vom Adressaten lesen und hoffe da auf Eure Hilfe: An Hochwohlgeboren den Herrn kk. Oberst .... im General .. Kongress Wilhelm .. von Hirsch.
Für das Franko verklebte man auf der Rückseite die Mi.Nr.44 zu 5 Kreuzer und die Mi.Nr.46 zu 10 Kreuzer, gestempelt wurde mit Einkreisstempel von Koszeg, dem Einkreisstempel von Szombatheley dann zur Ankunft den Einkreisstempel von Wien und zur Ausgabe dem Einkreisstempel von Mariahilf-Wien.
Gruß Rainer

@ Gernesammler [#45]
Hallo!
Schöner Beleg!
Allerdings lese ich "beantw 2 8/4" - was auch logischer ist; sonst hätte man sich ja fast ein Jahr Zeit für die Antwort gelassen.
MfG
Jörg
@ Gernesammler [#45]
Hallo Rainer,
ich lese "Oberstleutnant im Generalstab Korps Wilhelm Edler von Hirsch".
Schönen Gruß
Sepp
@ JoergH [#46]
@ Briefuhu [#47]
Hallo Jörg,
besten Dank für die Korrektur, da waren die Finger wohl zu voreilig, eigentlich wollte ich das auch schreiben.
Hallo Sepp,
besten Dank für die Aufdröselung des Herrn Oberstleutnant, mich würde hier auch der weitere Text interessieren wenn dieser von Interesse ist.
Danke schon mal vorab
Gruß Rainer
@ Gernesammler [#48]
Hallo Rainer,
ich lese:
Sr
Hochwohlgeboren
dem Herrn kk Oberst-
lieutnant im General-
stabs-Korps
Wilhelm Edlen von Hirsch
Lehrer am Stabsoffiziers- an
beiden höhern und am Vorbe-
reitungs-Kurse für Stabsoffiziers-
Aspiranten der Artillerie, Besitzer
des Mil. Verdienstkreuzes (R.S.) etc
zu
Wien
Mariahilf
Kriegschulgebäude
Beim "(R.S.)" bin ich mir nicht sicher.
Viele Grüße
Volkmar
Brief vom 26.09.1868 von St. Pölten nach Wien, dort Ankunft am 27.09.1868, Porto 4 Kreuzer. Empfänger war ein Franz Kraus Zwirnhändler in Vor Stadt Judengasse in Wien, Absender ein Aloys David(Wachssiegel AD).


Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#50]
Ich gehe davon aus, dass das Jahr nicht stimmt. Ich bin da eher bei 1838. Abgesehen davon, dass hier bereits genügend Briefmarken zur Verfügung standen, ist das Porto auch zu nieder.
Liebe Grüße
Harald
@ BANANA60 [#51]
Hallo Harald,
vielen Dank, Du kannst natürlich Recht haben es könnte auch 1838 sein, da würden auch die Stempel und das Porto besser passen. Habe das Datum nochmal in höherer Auflösung eingestellt.

Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#52]
Lieber Sepp,
Ich stimme Ihnen zu. Aufgrund der Ausrichtung stimme ich auch für 1838.
Grüß,
Attila
@ Attila [#53]
Hallo Attila,
vielen Dank für die Bestätigung. Ich denke es wurde noch mit der Feder geschrieben, dadurch kam es zu einem "Aufstrich" bei der 3.
Schönen Gruß
Sep
@ Briefuhu [#54]
Lieber Sepp,
Tauchstift mit geschliffener Spitze. Ich halte es für wahrscheinlich, dass es sich nicht um eine Feder, sondern um ein Schilfrohr handelte.
Schilfrohre wurden hergestellt, indem man sie zunächst schräg schnitt. Es wurde in der Länge etwas gekürzt. Danach wurde das abgeschnittene Ende wiederholt in heißen Sand gedrückt. Nach einer Weile wurde die Spitze flexibel. Wenn die Flexibilität ausreichend war, wurde die Spitze in ihre endgültige Form geschnitzt.
Sie können das Verfahren noch heute zu Hause ausprobieren. Es ist nicht kompliziert.
Grüß,
Attila
@ Attila [#55]
Hallo Attila,
vielen Dank für die wirklich sehr interessante Ausführung. Das mit dem Schilfrohr habe ich noch nie gehört.
Schönen Gruß und ein schönes Weihnachtsfest
Sepp
@ Briefuhu [#52]
Hallo Sepp,
1838 kann nicht sein, Franz Kraus hat das Haus in der Judengasse 3 erst 1844 gekauft und als Geschäft für seine Spinnerei genutzt. Sein Sohn, ebenfalls Franz Kraus (bekannt als Höhlenforscher) führte das Geschäft bis 1872.
Die letzten 2 Zeichen in der Datumsangabe fehlen ja noch, an anno Domini mag ich nicht glauben, zuviel jüdische Bezüge:
Judengasse, Aloys David und die Rechtschreibung im Text.
Auch eine zweistellige Jahresangabe ist nicht häufig, tippe auf eine Jahreszahl mit 3 Ziffern.
Lange Rede kurzer Sinn: Septb 8??
grüsse Christof
@ chris63 [#57]
Guten Morgen Christof,
vielen Dank für Deine Hilfe und Deine Erläuterungen. Wie kommst Du auf Judengasse 3? Ich lese keine Hausnummer. Vielleicht hat Herr Kraus zuvor in einem anderen Haus in der Judengasse gewohnt.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#58]
Hallo Sepp,
vielleicht kann man die Zeit üner den Verwendungszeitraum des Stempels aus St. Pölten etwas eingrenzen. Ich habe leider keine Literatur dazu.
Im Internet habe ich den Stempel auf die Schnelle zwischen 1840 und 1848 gefunden. Wie lange er tatsächlich im Einsatz war, weiß ich nicht.
Viele Grüße
Volkmar
@ Briefuhu [#58]
Hallo Sepp,
aus der Biographie von Franz Kraus [1] und Berichten zur Judengasse [2]
Dann sieht die vermeintliche 3 oder 6 exakt so aus wie das b in der Anrede Lieber. Und weiter ist über dem Datum ein Auslassungsstrich zu sehen, typisch beim Weglassen der 1 bei Jahresangaben.
grüsse Christof
[1]
https://www.zobodat.at/biografien/Kraus_Franz_Spelaeologisches-Jb_15-17_1936_0001-0012.pdf
[2]
https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Judengasse_3
@ chris63 [#60]
@ volkimal [#59]
Vielen Dank für Eure Bemühungen. Da werden wir das genaue Datum nicht mehr feststellen. Die Abkürzung Septb für September habe ich aber noch nicht gesehen
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#61]
Hallo Sepp,
so schnell geben wir nicht auf, eine erste Annäherung aus 1844, sieht doch schon ganz gut aus.
Gesucht wird noch 1846.

grüsse Christof
@ chris63 [#62]
Hallo Christof,
sieht nicht schlecht aus. Hätte da was von 1845. Mich stört immer noch die Abkürzung von September Septb.

Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu (#63)
Nochmal 1844 und einmal 1846


Ich leg mich fest 1846, die Rechtschreibung des Briefes ist ja gewöhnungsbedürftig, da ist das b das kleinste Übel.
1 Halbsatz:
Indem dienste freulein nicht so fill Geld
mit nehmen wolte,
grüsse Christof
@ chris63 [#64]
Super, dann bleiben wir bei 1846, so kommt es auch in meine Sammlung. Nochmals herzlichen Dank
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#63]
Hallo Sepp,
die Abkürzung "Septb" kommt durchaus vor. Da ich unterwegs bin, kann ich meine Vorhila-Belege nicht durchsehen. Aber schau einmal hier [1].
Viele Grüße
Volkmar
[1]
https://www.spkee-chronik.de/75-taler-fuer-den-seilermeister/
@ volkimal [#66]
@ Briefuhu [#65]
@ chris63 [#64]
Wäre schlüssig, wenn der Tarif nicht wäre.

Gruß Harald
@ BANANA60 [#67]
Hallo Harald,
dann wären wir ja doch wieder bei 1838. Bleibt dann doch ein ungeklärter Fall.
@ volkimal [#66]
Danke Volkmar,
dann gibt es diese Abkürzung tatsächlich.
Schönen Gruß
Sepp
@ Briefuhu [#68]
Also schwören würde ich nicht darauf. Nach meiner Erfahrung wäre es naheliegend.
Der Stempel ist bei Müller erst ab 1839 angeführt, ich hatte ihn aber auch schon von 1836. Leider habe ich mich von dem Beleg getrennt, habe nur mehr die Notiz dazu.
Mit Sicherheit ist es ein netter und offensichtlich interessanter Vorphilabeleg.
Gruß
Harald
@ BANANA60 [#69]
Hallo Harald,
so sehe ich es auch und damit ab in die Sammlung.
Schönen Gruß
Sepp
Ortsbrief Wien vom 02.01.1878 vom Postamt Alsergrund an das Postamt Favoriten. Als Anschrift lese ich "Anna Lang X, Bez. außerhalb der (den) favorier ?, Bürgerplatz 11/II", frankiert wurde mit 3 Kreuzer grün Michel Nr. 36/II.


Schönen Gruß
Sepp