Ich hoffe, dass wir hier noch sehr interessante Belege sehen werden.
Von mir Katastrophenpost aus der Argentinischen Antarktis 1951.
Die beiden Briefe von der Decepcion Insel und der Marinebasis Melchior sollten ganz normal nach Deutschland befördert werden. Das Schiff mit dem sie befördert werden sollten erlitt Schiffsbruch und war in der Nähe der Inseln "Orcadas del Sur" (Süd Orkneys) gesunken. Die Post wurde erst später geborgen. Die geretteten Briefe wurden über die Malvinas (Falklandinseln) nach Buenos Aires gebracht. Von dort wurden die Briefe in einem amtlichen Brief des Ministeriums für Kommunikation und einem Begleitschreiben an den Adressaten nach Bremen-Hemelingen geschickt. Der Empfänger war aber nicht zu erreichen. er Brief wurde dann zum Empfänger in die Schweiz weitergeleitet, Ankunftstempel auf der Rückseite des Briefes-Fribourg/Schweiz 04.VI.51.

Decepcion-Antartida

Melchior-Antartida

Briefumschlag des Ministeriums für Kommunikation Schiff "John Biscoe"

Übersetzung des Begleitschreibens
Gruß Dieter
Bei dem Flug AF 109 von Paris nach Lima lief am 15. Juni 1961 nicht alles glatt; bei einer Zwischenlandung in Lissabon platzte ein Reifen und das Flugzeug fing Feuer. Zum Glück wurden nur 3 der 109 Passagiere leicht verletzt.
Die Fracht hat es härter getroffen; einige hundert Hühner, die auf dem Weg zu einer Hühnerfarm in Mittelamerika waren, überlebten das Unglück nicht. Auch die Post hat gelitten, wie dieser Brief zeigt. Die portugiesische Post hat die Reste mit Klebeband verschlossen und an den Empfänger zugestellt.
Wenn man den Briefumschlag gegen das Licht hält, kann man den Absenderfreistempel der Fa. Endres aus Altroggenrahmede im Sauerland erkennen.
Quelle:
http://www.flightglobal.com/pdfarchive/view/1961/1961%20-%200866.html (Seite 882, siehe unten, "Brevities")

Unfallpost (Katastrophenbelege)
Arrows
Leider fehlen mir Informationen zum Flugzeugunglück dieser beiden Belege.
Unfalldatum: August 1944, Unfallort: Deutschland, genauer Unfallort unbekannt.
Näheres zum Flugzeugunfall ist nicht bekannt. Vermutlich handelt es sich um den Unfall des Kursflugzeuges der Lufthansa Berlin-Lissabon. Briefe aus der Schweiz wurden nach Basel und Zürich zurückgesandt. Die Schweizerische Post brachte den Vermerkzettel
„Dieser Brief wurde bei einem Flugzeugunfall in Deutschland beschädigt. 3.X.44 Basel 2 Briefversand“ an.

Taxe für Briefe Schweiz - Ausland bis 20g = 30 Rp. (1.10.1924 – 28.2.1948) plus Luftpostzuschlag je 20g für Europa = 20 Rp. (1.3.1942 – 28.2.1948)

Taxe für Briefe Schweiz - Ausland bis 20g = 30 Rp. (1.10.1924 – 28.2.1948) plus Luftpostzuschlag je 20g für Europa = 20 Rp. (1.3.1942 – 28.2.1948). Brief mit Brieftaxe bis Lissabon freigemacht, obwohl nach Johannesburg adressiert (unter Vermerkzettel
„jusqu’à Lisbonne“ ersichtlich).
Kann jemand mit Details zum Flugzeugunglück weiterhelfen?
Besten Dank,
Arrows
Sieh mal hier:
http://www.wreckandcrash.org/Aircraft%20Accident%20Databases%20&%20Archives.htm
Einige Datenbanken zu Flugzeugunfällen von der "The Wreck & Crash Mail Society", da wird sich sicher etwas finden.
Gruß
Dirk
Die Bibel des Airmail Crash covers-Sammler ist der Nierinck-Katalog:

Die von Arrows vorgestellten 2 Belege sind im Katalog unter der Nr. 44080a gelistet. Eine Angabe über den Ort des Absturzes, Ursache und Art des Flugzeuges fehlen, ebenso Angaben über Opfer.
Es gibt noch weitere gerettete Post mit anderen Aufklebern und in französischer Sprache. Bei einem wird in deutscher Sprache darauf hingewiesen, dass
die Postverbindung mit England eingestellt und
über Schweden umgeleitet wurde, aber "anlässlich des Fluges nach Engelland (!) abgeschossen wurde"!
Gerade in den Kriegsjahren gab es einige Crash Post von Flugzeugabstürzen, von denen wenig Informationen existieren.
Die Belege werten nach Nierinck bei 420.-Sfr pro Beleg.
@ Arrows [#3]
Bist Du noch an weiteren Informationen zu den von Dir eingestellten Katastrophenbelegen aus dem August 1944 interessiert ? Ich habe mal was ausgearbeitet, das ich über das Wochenende hier im Forum einstellen könnte.
MfG saintex
@ saintex [#6]
Ja, sehr gerne.
Jeder philatelistische Beleg hat seine Historie, welche ich gerne beschreiben möchte. Ich bin nicht nur am postalischen Wert oder schönen Bild einer Briefmarke, einer Karte oder Briefes interessiert, sondern auch an dessen Geschichte. Hinter jedem Beleg als Kommunikationsmittel waren Menschen und deren Emotionen, Nachrichten, Schicksale, Freud und Trauer, Mitteilungsbedürfnisse etc. miteinander verbunden. Wenn man dies in einen historischen Kontext stellt, entstehen tolle lehr- und lernreiche Geschichten, welche unser Hobby doch wirklich spannend erscheinen lassen. Geographie, Geschichte, Thematik, Drucktechnik, Verwendungszwecke etc. Was gibt es Schöneres als die Philatelie?!
Liebe Grüsse, Arrows
Schönen guten Morgen,
wirklich sehr interessant, hatte ich bisher gar nicht auf dem Schirm diesen Bereich der Philatelie! Ich würde mich auch über weitere Informationen darüber freuen!
Grüße,
Ron
Lufthansa Absturz in Nairobi
Nachfolgend gezeigter Brief von Worms 17.11.74 nach Rhodesien befand sich an Bord der Lufthansa Boeing 747 "Hessen", die am 20. November 1974 von Frankfurt über Nairobi/Kenia nach Johannesburg/Südafrika fliegen sollte. Das Flugzeug stürtzte kurz nach dem Start in Nairobi mit 157 Personen an Bord ab, wobei 59 Menschen starben. Details zum Unglücksflug LH540 gibt es z.B. bei Wikipedia [1]
Aus den Trümmern konnten Teile der nach Südafrika und seltener einige südafrikanischen Nachbarländern gerichtete Post geborgen werden, die aber größtenteils deutliche Spuren des Unglückes davontrugen.

Die geborgene Post erhielt einen zweisprachigen roten Hinweisstempel in Englisch und Afrikaans, da der vorwiegende Teil der Post für Südafrika bestimmt war. Ob dieser Hinweisstempel in Nairobi oder in Südafrika angebracht wurde ist nicht bekannt. Der englische Text lautet:
RETRIEVED FROM AIRCRASH ON 20
November 1974 AT NAIROBI
[1]
http://de.wikipedia.org/wiki/Lufthansa-Flug_540
Ich brauch mal eure Hilfe
Wo kann man einen solchen Beleg ansiedeln (nach Rückschau im Internet habe ich in Erfahrung gebracht - das Do X damals in Passau das Seitenruder gebrochen hatte - es sind auch einige Postsäcke in Mitleidenschaft gekommen!) ?
Hier der Beleg:

Schöne Stempel - schöne Frankatur - nur leider sehr mitgenommen!
Gruß Martinus
@ Martinus [#10]
Hallo Martinus,
der Beleg zählt zur Kategorie Katrastrophenpost.
Mit besten Sammlergrüße
Jürgen
[Beiträge [#9] und [#10] in das von Jürgen genannte Thema verschoben]
Hier ein Beleg vom "Pan-Am-Flug 708" mit angehängter Information der Landespoststelle.


Am 15. November 1966 stürzte eine Postfrachtmaschine auf ihrem Weg von Frankfurt am Main nach Berlin ab. Alle 3 Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben, die Absturzursache ist bis heute nicht erklärt.
Dieser Absturz hatte wohl sehr schwierige Ermittlungen zufolge, da die Maschine über dem Gebiet der damaligen DDR abgestürzt ist und nur 50% der abgestürzten Maschinenteile an die ermittelnde Behörde übergeben wurden. Wichtige Teile, wie der Flugdatenschreiber blieben in der DDR.
Weitere Infos, inklusive Verschwörungstheorie zu einem möglichen Abschuss, kann man leicht ergoogeln - einfach nach "Pan-Am-Flug 708" schauen.
Der Umschlag wurde sehr stark in Mitleidenschaft gezogen, jedoch macht auch gerade dieses den "Reiz" an so einem geschichtsträchtigen Stück aus.
Beste Grüße vom Razlo!
Eine moderne Katastrophen/Unfallpost, wobei die Ursache nicht erkennbar ist.
Im Brief war ein Los von Delcampe, das der Verkäufer am 4.1. an mich abgeschickt hat. Der Brief kam bis heute nicht an. Ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben als der Brief heute mit dem Zusatzstempel DISASTER SUPPORT vom 24.1.22 mit dem Inhalt wohlbehalten im Briefkasten lag.
Was der Buchstabenkombination SWLF CFCP 462 bedeutet, kann ich nicht erklären.

Gruß
Bernd
@ Baber [#13]
Die "katastrophe" bei deinem Brief war, dass er einen kleinen Umweg über Australien genommen hat. "SWLF" steht für Sydney West Letter Facility und "CFCP" für Culler Facer Canceller Preparation. Sinngemäß sagt der Stempel, dass die Sendung in der Briefsortiermaschine Nummer 462 im "Briefzentrum" Sydney West bearbeitet wurde.
Viele Grüße
Josef
@ Ecksammler [#14]
Hallo Josef,
danke für die Erklärung. Da wurde also wieder einmal Austria bzw. Autriche mit Australia verwechselt. Langsam könnte ich eine eigene Sammlung dazu aufbauen. Aus USA sind auch schon einige Briefe zuerst nach Australien gelaufen.
Gruß
Bernd
Hallo,
habe gerade einen Katastrophen Brief gefunden.



Ein privater Raketenstart von 1963 der etwas aus dem Ruder lief mit interessanten
Stempeln und Unterschriften. Eigentlich sehr interessant.
Mit freundlichem Gruß
Philapit
Am Sonntag ist das Briefverteilzentrum, welches auch meine Post in Götzis zustellt, total abgebrannt. Ob es nun moderne Katastrophenpost gibt ist ungewiss, denn die dort gelagerte Post ist wahrscheinlich totel verbrannt.
Ich erwarte eine Briefmarkensendung aus Südafrika, aber die war warscheinlich am Sonntag noch nicht dort.

Gruß
Bernd
@ Baber [#13]
Und nur noch kurz zur Ergänzung: Der Beleg hat selbst nichts mit Katastrophen- bzw. Unfallpost zu tun. Das Zusatzklischee mit dem Text "DISASTER SUPPORT" ist nur eine Werbung für den Katastrophenschutz bzw. für Unterstützungsmassnahmen für Betroffene von Katastophenfällen.
Beste Grüße
Thomas
@ DL8AAM [#18]
Hallo Thomas,
ist schon klar. Den Brief hatte ich schon für verloren erklärt und der Absender hatte mir Ersatz für den Inhalt geschickt.
Als er nun plötzlich im Briefkasten lag und ich den großen Stempel "DISASTER" sah, tippte ich gleich auf Katastrophenpost ohne näher zu schauen, dass der Brief statt nach Österreich nach Australien gesendet worden war. Dies ist eingentlich ungewöhnlich Englisch Austria und Australia wird zwar oft verwechselt aber dass Französisch Autriche auch mit Australie verwechselt wird, war mir neu.
Gruß
Bernd
@ Baber [#19]
@DL8AAM
Vielleicht ein Brexit-Flüchtling. :-)
MphG
Gerhard
Katastrophenpost - das Zugunglück von Ottersberg
Bei einem befreundeten Händler befand sich in einem Nachlass eine recht gut besammelte Heimatsammlung Ottersberg [1], im Landkreis Verden gelegen. Diese Sammlung wird nicht (wie sonst häufig in einem Nachlass zur weiteren Verwertung) in Einzelteile zerlegt werden sondern in eine größere Heimatsammlung aufgehen. Mit Einverständnis des neuen Käufers sei nachfolgend auf Philaseiten das Kapitel zum Eisenbahnunfall von Ottersberg vorgestellt.
Wikipedia beschreibt dieses Unglück [2] und nimmt auch auf das Thema "Bahnpost" recht ausführlich Bezug. Daher sei nachfolgend der gesamte Text aus dem Wikipedia-Artikel kopiert, "garniert" um Belege aus der o.g. Heimatsammlung Ottersberg.
Bei dem Eisenbahnunfall von Ottersberg fuhr am 30. Dezember 1906 im Bahnhof Ottersberg, Königreich Preußen (heute: Niedersachsen), ein Schnellzug in einen Güterzug. Acht Menschen starben.
Ausgangslage
Der Eilgüterzug Nr. 5010, der überwiegend Schlachtvieh transportierte, war auf der Bahnstrecke Hamburg–Osnabrück in südwestlicher Richtung unterwegs. Im Bahnhof Ottersberg sollte er auf ein Ausweichgleis fahren, damit der folgende Nachtschnellzug D 96 von Hamburg nach Köln ihn überholen konnte. Der Schnellzug war stark besetzt und wurde von zwei Dampflokomotiven gezogen. Ihnen folgte ein Bahnpost- und ein Gepäckwagen. In dem Bahnpostwagen waren 14 Postbeamte mit dem Sortieren der Post beschäftigt. In dem Bahnpostwagen wurde auch eine große Menge von Geld und Wertpapieren transportiert, die zum Jahresende noch an den Börsen von London, Antwerpen, Brüssel und Paris in den Handel kommen sollten. Deren Wert wurde mit zehn bis zwanzig Millionen Mark veranschlagt. Es war sehr kalt, die Sicht war schlecht und es herrschte in weiten Teilen Deutschlands dichter Nebel, als der Schnellzug sich durch die Niederung der Wümme dem Bahnhof Ottersberg näherte.
Die Einfahrtsweiche in das Ausweichgleis am Stellwerk 1 war eingefroren, die Einfahrt dorthin aus Richtung Hamburg nicht möglich. Der Fahrdienstleiter gab daraufhin Anweisung, den Güterzug auf dem Durchfahrgleis bis ans andere Ende des Bahnhofs zu ziehen und von dort in das Ausweichgleis zurück zu drücken. Um diese Rangierfahrt sicher durchführen zu können, gebot das Einfahrsignal des Bahnhofs Ottersberg in Richtung Hamburg „Halt“ und das dazu gehörige Vorsignal „Halt erwarten“. Außerdem stand das Ausfahrsignal des Bahnhofs Ottersberg in Richtung Köln auf „Halt“. Der Güterzug führte, so gesichert, die Rangierfahrt durch.
Unfallhergang
Der Lokomotivführer der Vorspannlokomotive des Schnellzuges übersah alle Signale und fuhr mit unverminderter, hoher Geschwindigkeit. Er starb bei dem folgenden Unfall, so dass er nicht mehr befragt werden konnte. Der Lokomotivführer der zweiten Lokomotive nahm die Signale auch nicht wahr und sagte anschließend aus, dass er durch die schlechte Sicht desorientiert gewesen sei und nicht mehr wusste, wo er sich auf der Strecke befand. Der Schnellzug durchfuhr den Bahnhof Ottersberg und traf den Güterzug, der noch nicht vollständig in das Ausweichgleis hinein geschoben war, gegen 1 Uhr früh in der Flanke.


Folgen
Acht Menschen starben, 20 wurden darüber hinaus schwer verletzt. Bei den Opfern handelte es sich überwiegend um Postbeamte, die in dem Bahnpostwagen gearbeitet hatten. Die Verletzten wurden zunächst in örtlichen Gasthäusern versorgt, anschließend in das Krankenhaus St. Georg in Hamburg gebracht. Unter diesen Verletzten befanden sich auch zwei von der Hamburger Kriminalpolizei gesuchte Betrüger, die sich mit einer Beute von 200.000 Mark auf der Flucht befanden. Sie wurden noch im Krankenhaus von der Polizei festgenommen. Etwa 70 Tiere aus dem Güterzug waren sofort tot. Die zahlreich verletzten Tiere wurden von örtlichen Metzgern notgeschlachtet. Das Fleisch wurde noch an der Unfallstelle versteigert.
Beide Lokomotiven, der Gepäck- und der Bahnpostwagen wurden vollständig zerstört, fast alle übrigen Wagen des Schnellzuges beschädigt. Sie hatten sich zum Teil übereinander geschoben. Die Trümmer fingen an zu brennen, darunter auch die des Bahnpostwagens. Dabei verbrannten auch die transportierten Wertpapiere und ein Teil der Post. Über die vernichteten Wertpapiere wurde eine Sperrfrist verhängt, anschließend wurden sie neu ausgestellt. Hilfszüge aus Hamburg, Kiel und Bremen kamen für die Bergungsarbeiten zum Einsatz.


Beim Unfall beschädigte Postsendung aus Hamburg, adressiert nach Honnef
Die drei gezeigten Ansichtskarten wurden von einem Vorbesitzer abweichend auf den 29.12.1906 datiert.
In dem Nachlass fand sich auch ein Ausdruck vom 30.05.2005 auf eine Auktion von Harmers in London vom 22.10.2002 (?). Dort wurde zum Thema "Railway Crashes" verschiedene Lose aufgrufen, u.a. die Losnummer 2210 für 400 Pfund Ausruf mit folgender Beschreibung:
"1906 (Dec. 30), Ottesberg Rail Disaster, five envelopes and two postcards, six with "Beschadigt beim/Eisenbahnungluck/bei Ottersberg" cachets (3 types), the last with mineographed three line explanatory label"
Der Heimatsammlung Ottersberg lagen verschiedene Kopien weiterer Belege dieses Zugunfalls bei. Die dort aufgeführten Handstempel (Cachets) wurden von Typ 1 bis Typ 5 durchnummeriert.
Gruß
Stefan
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Ottersberg
[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Eisenbahnunfall_von_Ottersberg