Hallo Forum,
die Germania-Marken (bitte entschuldigt mir meine undifferenzierte Bezeichnung, denn die Ausgaben der "Repräsentative Darstellungen des Deutschen Kaiserreichs" ordne ich mit bei den Germania-Marken ein) weisen nicht nur unglaublich viele Farben, Verwendungsgebiete und sonstige Besonderheiten auf, auch die Stempel des damals täglichen Bedarfs weisen so einige Besonderheiten auf, welche in meinen Augen hier im Forum bisher etwas zu kurz gekommen sind. So würde ich mir wünschen, dass hier in Zukunft "nicht alltägliche Stempel" gepostet werden und vielleicht auch so einige Fragen beantwortet werden können.
Ich möchte nun auch die ersten Germania mit, zumindest für mich besonderen Stempeln präsentieren.
Unlängst habe ich ein Album erstehen können und während meines sechsmonatigem Auslandsaufenthalts im fernen Norden ohne Internet, nur mit Lupe, Pinzette und Michel-Spezial 2023 Band 1 "bewaffnet", bearbeiten können. Leider war ein Album viel zu wenig und ich habe mich zwangsläufig mit Farben und Stempeln beschäftigen müssen.
Farben liegen mir so gar nicht und Stempel, die mussten für mich bisher nur sauber und lesbar sein, was da nun stand war mir gelinde gesagt egal. Das Album hat dies geändert. Der vorherige Besitzer muss wohl aus Baden-Württemberg, genauer gesagt aus "dem Ländle" stammen oder einen anderweitigen Bezug zu dieser Region haben, sonst wäre diese Fülle an Marken mit entsprechenden Stempeln nicht zu erklären.
Beginnen möchte ich mit zwei Exemplaren der 78Ab mit gleich zwei verschieden Telegrafenamt-Stempeln aus Stuttgart.

Die Schwaben gelten ja allgemein als sparsam, anders lässt es sich wohl nicht erklären, dass altdeutsche Stempel aus Württemberg auch nach 1900 verwendet wurden. So folgen hier nun je eine Mi.73, 75 und 76 mit Fächerstempel aus Tuttlingen.

Gefolgt von drei Exemplaren der Mi.75 mit einem Dreikreisstempel aus Owen. Vier Postämter nutzten ihre Dreikreisstempel sogar noch bis zur Bautenserie, also bis etwa 1950! (Siehe hierzu die Internetseite der ArGe Bautenserie) [1]).

Eine Marke, welche bei mir Fragen aufwirft, ist die folgende Mi.82B, geprüft Jäschke BPP, dem dem Bleistiftzusatz "Württemberg-O", gestempelt am 22.09. in Oehringen mit einem Nierenstempel, welcher wohl aus der Vorphila-Zeit stammte.

Nun zu dem, was ich bereits recherchieren konnte. Oehringen, heutige Schreibweise Öhringen, ist eine Ortschaft in Württemberg. Marken des Jahres 1856 wurden mit Steigbügelstempeln entwertet, welche bereits die heutige Schriftweise des Ortsnamens tragen.
Da mir Nierenstempel sonst nur aus Bremen, Hamburg und Preußen bekannt waren suchte ich im Internet nach weiteren Informationen. In einem anderen Forum [2] waren Nierenstempel aller Orte aus Preußen, sowie Bremen und Hamburg aufgelistet. Oehringen bzw. Öhringen war hier nicht enthalten, was Württemberg als Herkunft erhärtet.
Für mich wäre interessant zu wissen, wozu dieser Stempel verwendet wurde. Es gibt ja Nebenstempel, Bestellgangsstempel etc. oder wurde dieser Vorphila-Stempel einfach als Tagesstempel für die normal anfallende Post verwendet, knapp 60 Jahre nach der Einführung der Briefmarke in Württemberg.
[1]
https://bautenserie48.de
[2]
https://www.altpostgeschichte.de