Thema:
Sprechen wir mal das leidige Thema Prüfgebühren an
Am: 21.06.2026 09:55:07
Gelesen: 4635
# 1
Faszination Brustschilde - von Alexander Zill (BPP) - Facebook 16.06.2026
Sprechen wir mal das leidige Thema Prüfgebühren an
Ich höre immer wieder, dass die Prüfgebühren zu hoch sind im Verhältnis zum Wert der eingelieferten Marken oder Belege. Ich finde das leidig, weil die Prüfgebühren vorab klar sowohl in der Prüfordnung zu lesen sind und ich bisher immer auch offen kommuniziert habe, was ich verlange. Und im Regelfall kann man mit mir auch absprechen, ob man einen Befund bekommt oder auch nicht - ein wenig Bandbreite habe ich da schon.
Ich kann allerdings nicht Marken einfach nur signieren, wenn deren Michelwert 500.-- beträgt oder darüber. Und ich bitte auch zu respektieren, dass die Mindestprüfgebühr pro Marke bei 4.-- liegt. Dann wird mindestens ein Befund fällig, so steht es in der Prüfordnung. Wenn das jemandem zu teuer ist - ich will das weder kritisieren oder mich darüber auslassen, ich respektiere das - dann muss er auf die Prüfung eben verzichten. Ich fange auch beim Edeka an der Kasse nicht an, mit dem Kassierer die Preise zu verhandeln...
Im Gegenzug bitte ich die mit einer Prüfsendung verbundene Arbeit zu sehen: Ich scanne jede Marke, jeden Beleg ein, benenne ihn und prüfe ihn dann. Ich versuche möglichst jeden Stempel zu identifizieren und selbst wenn ich keine Befunde schreibe, notiere ich recht ausführlich, was die Marke für Mängel hat oder welche positiven Besonderheiten mir aufgefallen sind. Dann schreibe ich Befunde, Atteste, scanne diese zusätzlich ein, um den Prüfkollegen die Belege auch für deren Archiv zu schicken und schreibe die Rechnung.
Darüber hinaus kaufe ich relativ viel Literatur, kaufe die Befund- und Attestformulare, kaufe die Prüfstempel und natürlich jede Menge Papier und Büromaterial, ergänze meine Vergleichssammlung und suche fast jeden Katalog nach Archivmaterial durch, registriere Besonderheiten (aktuell arbeite ich an einer Liste aller Doppelprägungen, Ersttage und Letzttage, dazu Elbinger Postfälschungen, Plattenfehler aus Constantinopel, rote und violette sowie braunrote Stempel. Und ich beantworte nebenbei noch Fragen, bin nett und freundlich auf der Messe und jederzeit erreichbar.
Sprich: Ich sitze jedes Wochenende an meiner Prüferei. Aber nicht falsch verstehen: Ich mache das gerne. Aber ich erreiche bei der Arbeit nie auch nur annähernd den Stundenlohn, den ich in der Praxis habe oder den ein Facharbeiter bekommt. Das ist in Ordnung so, ich habe mit der Prüferei viel Freude, aber ab und an bekomme ich den Eindruck, dass es Sammler gibt, die davon ausgehen, dass ich vor jeder Prüfsendung erstmal ein ausgiebiges Bad in meinem Prüfungsgeldspeicher nehme, bevor ich mir aussuche, welche Sekretärin im Bikini mir leicht bekleidet zuarbeitet, wenn sie nicht gerade mit einer Latte Macchiato oder einem Aperol Spritz beschäftigt ist, mir mit dem Palmwedel Luft zufächelt oder meine gestreßten Schultern massiert.
Nicht vergessen: Ich mache es gerne, aber ärgert Euch nicht über hohe Prüfgebühren, sondern überlegt Euch vorher, was ihr vorlegt und was nicht. Ja - meine Arbeit kostet Geld, aber meine Kollegen und ich versuchen auch entsprechend zu liefern. Und ich freue mich nach wie vor sehr, wenn meine Arbeit abgerufen wird.
Anmerkung der Redaktion: Alexander Zill ist seit 16 Jahren Mitglied der Philaseiten. Er prüft Deutsches Reich Mi. 1 - 30, 1872-1916.
Es folgen noch zwei weitere Beiträge zum Thema.
Am: 21.06.2026 17:45:12
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# 2
Das leidige Thema scheint mir zu sein, dass die Prüfgebühren an den Michelpreis gekoppelt sind.
Ehrliche Arbeit muss fair entlohnt werden, ohne Zweifel. Aber doch immer auf Basis des Aufwands und nicht aufgrund einer willkürlichen Preisbasis bei der nicht wirklich transparent ist wie sie zustande kommt.
Am: 21.06.2026 18:36:50
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# 3
@ mark94 [#2]
Lieber Mark94,
haben Sie eine Idee, wie man die Prüfvergütung auf eine andere Art und Weise sinnvoll berechnen könnte?
Da der Michelpreis dem Prüfkunden und dem Prüfer bekannt sind, weiss der Prüfkunde, mit welcher Prüfvergütung er rechnen kann. Insofern ist die Transparenz hergestellt.
Gruss Johannes Hoffner
Mitglied BPP, SBPV
Hier nochmals für alle den Auszug aus der Prüfordnung des BPP.
10. Anspruch des Prüfers auf Vergütung
10.1. Der Prüfer berechnet für seine Tätigkeit, auch Neu- oder Nachprüfung, eine Vergütung.
10.2. Die Vergütung beträgt, wenn nichts anderes vereinbart ist, bis zu 4% vom jeweiligen MICHEL-Katalogwert oder, wenn ein solcher nicht feststellbar ist, bis zu 10 % vom Handelswert, den der Prüfer nach billigem Ermessen schätzen darf. In einem solchen Fall können die Parteien die Prüfvergütung auch auf Grundlage einer individuellen Absprache vor Abschluss der Prüftätigkeit einvernehmlich festlegen.
Die Mindestvergütung beträgt für jede Prüfsendung € 30,00. Die Mindestvergütung für jede einzelne vorgelegte Marke beträgt € 4,00, für jedes Briefstück oder Ganzstück € 5,00, auch wenn keine Signatur angebracht wird.
Bei Briefstücken oder Ganzstücken mit mehr als drei verschiedenen Marken kann für die Typisierung eine zusätzliche Vergütung von € 1,00 pro Marke berechnet werden.
10.3. Die Vergütung für als falsch oder verfälscht zu kennzeichnende Prüfgegenstände beträgt bis zu 1% des MICHEL-Katalogwertes gemäß Ziffer 10.2., oder wenn ein solcher nicht feststellbar ist, bis zu 2,5 % des
Handelswertes eines echten, gleichartigen Prüfgegenstandes, den der Prüfer nach billigem Ermessen schätzen darf. Die Höhe der Mindestvergütung für jede Prüfsendung und jeden einzelnen Prüfgegenstand gem. 10.2. bleibt unverändert.
Ist die Feststellung eines eindeutigen Prüfergebnisses für einen Prüfgegenstand nicht möglich, darf nur die Mindestvergütung gemäß Ziffer 10.2. in Anrechnung gebracht werden, es sei denn, der Prüfer macht höheren Aufwand geltend.
10.4. Für besonders zeitintensive und schwierige Prüfungen kann der Prüfer einen vorher schriftlich zu vereinbarenden Aufschlag verlangen. Dies gilt auch für das Einordnen von Prüfgegenständen nach Druckart, Type, Wasserzeichen, Trennungsart, Farbe, Lochung und Papier.
10.5. Die zusätzliche Vergütung für die Ausstellung eines Attestes beträgt € 20,00, für einen Befund € 10,00, für einen Kurzbefund im Großformat € 8,00 und für einen Kurzbefund im Kleinformat € 5,00. Die zusätzliche Vergütung entfällt bei einzelnen Prüfgegenständen, für die die abgerechnete Prüfvergütung ohne die Vergütung für die Ausstellung des Attestes über € 150,00 (ohne MwSt.) beträgt.
10.6. Die Vergütung wird mit Zugang der Prüfrechnung beim Auftraggeber fällig. Sie kann durch Nachnahme erhoben werden.
10.7. Neben der Vergütung berechnet der Prüfer seine Versand-, Versicherungs- und Verpackungskosten sowie gegebenenfalls, soweit er der Steuerpflicht unterliegt, die gesetzliche Mehrwertsteuer.
Am: 21.06.2026 19:25:00
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# 4
Man kann sich bei der Vergütung an dem in der Realwirtschaft üblichem orientieren. Lt. Google kostet eine Meisterstunde knapp 90 Euro brutto oder eine Ingenieursstunde etwas mehr wenn freiberuflich. Das wäre so in etwa was man für eine Auftragsarbeit als Endkunde erwarten kann. Stundenlöhne bei Festanstellung für die beiden willkürlich genannten natürlich niedriger, so um 30 Euro aufwärts. Alles sehr schnell über die Suchmaschine ermittelt.
Für die Prüfarbeit könnte ich mir sowas wie einen Stückakkord vorstellen. Ich denke jeder Prüfer hat so eine Vorstellung wie lange er für welche Schritte braucht. Sei es für Farbe, Zähnung, Gummi, Stempel usw.. Und natürlich kann man annehmen, dass bei höherwertigem mehr und ggf. auch intensivere Arbeitsschritte notwendig sind.
So ein System hätte die Folge, dass die Prüfung von Billigkram sehr teuer wird und die von höherwertigem günstiger. Am Ende bezahlt man doch die Arbeitszeit. Da ist es egal ob die Mauritius oder moderne Massenware auf dem Prüfertisch liegt.
Und noch ein Beispiel aus der Mottenkiste. Der ehemalige Danzigprüfer Schüler formuliert seine Probleme bei der Ermittlung der Berechnungsbasis für die Prüfgebühren. Hätte man gesagt Prüfung für Beleg x Minuten und Attestausfertigung y Minuten wären diese Verrenkungen unnötig gewesen.
Noch eine Anmerkung zu Herrn Zill. Ich weiß es sehr zu schätzen wenn die Prüfer ihr Wissen teilen. Und strenggenommen ist das unbezahlter Service.
Noch eine Anmerkung zu Herrn Zill. Ich weiß es sehr zu schätzen wenn die Prüfer ihr Wissen teilen. Und strenggenommen ist das unbezahlter Service.
Am: 21.06.2026 19:55:22
Gelesen: 4270
# 5
@ mark94 [#4]
Selbst für eine retournierte Prüfsendung sitze ich etwa 1 bis 2 Stunden -> das wären 90 bis 180 EUR + Versandkosten + ggfs. Mehrwertsteuer. Damit wäre das Prüfgeschäft sofort gestorben.
Ich erinnere an meinen "Kipppunkt"-Aufsatz [1] in der Südwest Aktuell. Wir brauchen mehr Sammler, damit die Preise nicht noch weiter abkippen und sich das Prüfen noch weniger lohnt. Dabei ist das Prüfen von Marken eine extrem wichtige Tätigkeit, damit Fälschungen und Manipulationen vom Markt genommen werden.
Generell haben sich meine Prüfeinnahmen in den letzten Jahren so entwickelt, dass ich noch die Kosten für BPP-Mitgliedschaft und Versicherung sowie den Aufenthalt in Nürnberg bei der Prüfertagung decke. Bei vielen Prüfkollegen ist das ähnlich.
Beste Grüsse!
Lars
[1] [Die Redaktion verlinkt auf den Kipppunkt Beitrag:
https://www.philaseiten.de/thema/21816
https://www.philaseiten.de/beitrag/387395 ]
Am: 21.06.2026 20:56:04
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# 6
An dieser Stelle ein ganz grosses Dankeschön an alle Prüfer. Die Prüfgebühren sind bestenfalls ein kleiner Zustupf. Trotzdem wird auf höchsten Niveau und hoch professionell gearbeitet.
Am: 21.06.2026 21:42:28
Gelesen: 4130
# 7
@ Lars Boettger [#5]
Ich habe unterschieden zwischen selbstständiger und nicht selbstständiger Arbeit. Einfach nur um den Gesamtkomplex zu zeigen. Bei einem Selbstständigen zahlt man alles irgendwie mit weil er sein eigener Unternehmer ist. Beim Unselbstständigen nur die reinen Lohnkosten. Und letzteres scheint mir für die Prüferei der preislich sinnvolle Ansatz zu sein.
Und spekulativ gräbt sich die Prüferei ihr eigenes Grab wenn man so weitermacht. Wenn die Entwicklung am Markt so weiter geht, werden irgendwann die Prüfkosten die Erträge selbst bei besseren Marken übersteigen. Wir haben hier in Hamburg ein Auktionshaus das seine Ausrufpreise für normales Markenmaterial stets nach Michel ausrichtet. Aktuell sind wir bei 20%. Ich kann mich erinnern (hoffentlich korrekt), lang ist es her, da waren es 40%. Das bedeutet, die Erträge sinken, die Prüfkosten bleiben konstant weil Michel konstant bleibt. Jeder kann für sich überlegen wenn man dort auf 15% und irgendwann mal auf 10% geht was das für Konsequenzen hat. In der Realwirtschaft geht es um Umsatz und nicht um Phantasiepreise (Katalogpreise!) Und auch die Prüferei kann sich diesen Effekten nicht entziehen. Ich kann verstehen, wenn man mit diesen Umständen aufgewachsen ist und sich daran gewöhnt hat, dass Kritik oder Aufzeigen einer möglichen Alternative erst mal auf Ablehnung stößt. Um das zukunftsfähig zu machen sollte man in viele Richtungen denken. Ich behaupte nicht, dass mein Ansatz der "richtige" ist.
Daher warte ich auf weitere Ideen. Natürlich kann man sich an dem abarbeiten der sich aus der Deckung gewagt und was gesagt hat. Aber noch besser wären eigene Vorschläge.
Und noch mal zu Michel. In einem anderen Strang wird die Kooperation mit einem Geschäftsmann weit unten im Süden kritisch beäugt. Wer kann denn bei so einer Konstellation garantieren, dass die Katalogpreise unbeeinflusst ermittelt werden? Und auch das was katalogisiert wird? Man könnte einen möglichen Interessenkonflikt vermuten.
Und noch ein Punkt der nicht unerheblich ist. Früher kam das Gros der Prüfer aus der Sammlerschaft. Mittlerweile ist die Anzahl derjenigen die davon leben (Gemeint ist Berufsphilatelie. Manch Prüfer ist auch Händler) deutlich höher. Damit ändert sich auch der Blickwinkel im Sinne von Selbsterhalt.
Und ganz zum Ende noch ein unangenehmer Gedanke. Sollte Michel irgendwann seine Preise dem Marktgeschehen anpassen, also reduzieren, dann sinken sofort die Prüfkosten für ein und denselben Arbeitsaufwand. Auch das kann dann nicht gewollt sein. Wie gesagt, faire Bezahlung für ehrliche Arbeit.
Am: 21.06.2026 22:43:31
Gelesen: 4058
# 8
@ Richard [#1]
Vielen Dank an Alexander Zill für seine ehrliche Darstellung.
@ Lars Boettger [#5]
Man sollte die Prüfgebühren überdenken. Kein Prüfer stellt den Anspruch, damit reich zu werden, aber reiner Idealismus reicht auch nicht aus, um Nachwuchs zu gewinnen.
Mein Vorschlag wäre, die Mindestprüfgebühr zu erhöhen, und dafür die Extragebühren für einen Befund oder Attest zu streichen. Der Prüfaufwand und die digitale Archivierung, wie von Axel Zillmann beschrieben, ist immer der gleiche. Früher waren Befunde und Atteste zusätzliche Tipp- und Schnippelarbeit, und eine extra Bezahlung war angemessen. Und Axel Zillmann macht für jedes Stück Notizen.
Früher war die Berechnung der Prüfgebühren als fester Prozentsatz des Katalogwertes gerechtfertigt. Standardmaterial, das schnell zu prüfen ist, hat eben die komplizierten Fälle mit mehr Rechercheauswand quersubventioniert.
Nun wird heute viel Standardmaterial von Bund, Berlin und vielen Westeuropäischen Ländern teilweise zu einstelligen Katalogprozenten gehandelt. Eine Prüfung macht da einfach betriebswirtschaftlich keinen Sinn, da der Käufer die zusätzlichen Prüfkosten nicht bereit ist zu zahlen.
@ Lars Boettger [#5] : Wieviel Luxemburg-Standardmaterial landet noch auf Deinem Schreibtisch? Ich denke nur an den Europa-CEPT-Satz von 1956. Das war einmal ein Traum, heute hat der Satz noch einen Handelswert von 10 Euro.
@ mark94 [#7]
Ich habe unterschieden zwischen selbstständiger und nicht selbstständiger Arbeit. Einfach nur um den Gesamtkomplex zu zeigen. Bei einem Selbstständigen zahlt man alles irgendwie mit weil er sein eigener Unternehmer ist. Beim Unselbstständigen nur die reinen Lohnkosten. Und letzteres scheint mir für die Prüferei der preislich sinnvolle Ansatz zu sein.
Ein Prüfer ist nun einmal ein selbstständiger Unternehmen. Wer finanziert denn dem Prüfer die Vergleichssammlung und die Literatur. Selbst die Prüfstempel gehen ins Geld. Und der ein oder andere Prüfer braucht auch einen Tresor für die Kundensendungen, oder willst Du jedesmal zum Bankschliessfach rennen?
Die Prüfgebühren könnten je nach Prüfgebiet gestaffelt sein.
P.s. ich habe gerade eine Handwerkerrechnung vor mir liegen. Ein Servicetechniker kostet netto 79 Euro die Stunde. Dazu kommt die Anfahrt mit 39 Euro. Das geht in Ordnung, aber das Geld hätte ich auch gerne von meiner Firma für die 20 Minuten Weg zur Arbeit. Eine "Werkzeugpauschale klein" schlägt mit 24 Euro zu Buche. Was das sein sollte, entschliesst sich mir nicht. Ausser einem Kreuzschlitzschraubenzieher und einem Papiertaschentuch waren keine weiteren Utensilien notwendig. Die Gesamtrechnung lautet auf 168,98 Euro, und der Zeitaufwand dürfte deutlich geringer als eine Prüfsendung gewesen sein.
Am: 21.06.2026 23:10:00
Gelesen: 4028
# 9
Bei Diskussionen über Prüfgebühren existiert ein grundsätzliches Problem, das meistens ausgeblendet wird:
Aus Sicht der Prüfkunden (Sammler) besteht vielfach ein Mißverhältnis zwischen Prüfkosten und Handelswert der Prüfstücke.
Aus Sicht der Prüfer erfordern die Investitionskosten für Prüfgeräte und Prüfsammlung sowie der zu Recht erhobene Anspruch an die Qualifikation der Prüftätigkeit Stundensätze, wie sie üblicherweise von gut ausgebildeten Freiberuflern erhoben werden, also im hohen zweistelligen bis zum dreistelligen €-Bereich. Die dürften allenfalls von den wenigen Prüfern erzielt werden, die in besonders "lukrativen" Gebieten tätig sind.
Bei den meisten Prüfern ist also eine "Selbstausbeutungskomponente" im Spiel. Man arbeitet, sei es aus Freude an der Tätigkeit, sei es aus Idealismus, unterhalb angemessener Stundensätze.
Für die Mindestprüfgebühr von 4 € kann man beispielsweise allenfalls im durchrationalisierten Massenbetrieb sorgfältige Stempelprüfungen so vornehmen, daß man mehr als 5 Stück pro Stunde schafft. Hinzu kommen noch Rückfragen und Beschwerden von Prüfkunden, deren Zeitaufwand nicht Bestandteil der Kalkulation ist.
Mich wundert es deshalb nicht, daß manche Prüfgebiete, selbst aus dem Bereich der Klassik, nach Ausscheiden eines Prüfers unbesetzt bleiben.
Auf Sicht wird man Lösungen finden müssen, die Prüfung geringwertiger Stücke in den ehrenamtlichen Bereich (Arbeitsgemeinschaften) zu verlagern und die Kapazität der spezialisierten Prüfer nur noch mit den schwierigen Fällen auszulasten.
Am: 21.06.2026 23:16:14
Gelesen: 4025
# 10
@ drmoeller_neuss [#8]
Nicht jeder Prüfer ist ein selbstständiger Unternehmer. Es gibt noch genug wo das eine Nebentätigkeit ist die natürlich trotzdem steuerlich bewertet werden muss.
Und die Frage wer Vergleichssammlung und Literatur finanziert ist sehr einfach. Derjenige dem das dann gehört. Im übrigen finanziert auch jeder Sammler seine Sammlung und Literatur selbst. Und man darf auch nicht vergessen, dass der Prüfer sein Wissen durch die Vorlagen der Sammler erweitern kann. Er bekommt auf den Schreibtisch was ansonsten nicht erreichbar wäre. Auch das ist ein Mehrwert wenngleich ein ideeller.
Und was noch nicht so rausgearbeitet wurde, es gibt Unterschiede bei den Prüfgebieten was den Ertrag angeht. Ich denke bei den exotischen Gebieten geht es nicht ohne Idealismus.
Nicht jeder Prüfer ist ein selbstständiger Unternehmer. Es gibt noch genug wo das eine Nebentätigkeit ist die natürlich trotzdem steuerlich bewertet werden muss.
Und die Frage wer Vergleichssammlung und Literatur finanziert ist sehr einfach. Derjenige dem das dann gehört. Im übrigen finanziert auch jeder Sammler seine Sammlung und Literatur selbst. Und man darf auch nicht vergessen, dass der Prüfer sein Wissen durch die Vorlagen der Sammler erweitern kann. Er bekommt auf den Schreibtisch was ansonsten nicht erreichbar wäre. Auch das ist ein Mehrwert wenngleich ein ideeller.
Und was noch nicht so rausgearbeitet wurde, es gibt Unterschiede bei den Prüfgebieten was den Ertrag angeht. Ich denke bei den exotischen Gebieten geht es nicht ohne Idealismus.
Am: 22.06.2026 07:24:25
Gelesen: 3917
# 11
Das Thema Prüfgebühren finde ich spannend und danke für das Einstellen des Beitrages [#1].
Ich selber bin gern mit den Prüfern meines Sammelgebietes zusammen. Finde es toll, dass sie auch etwas Zeit dafür haben, Dinge zu besprechen, oder sich auch eine Veröffentlichung vorab durchlesen.
Ich persönlich finde die Prüfgebühren transparent. Manchmal ist es eben nicht leicht, mit dem Prüfergebnis zu leben. Nicht jedes vermeintliche Ding, wie ein Stempel des Erstausgabetages eines Komplettsatzes, kann dann positiv beschieden werden. Doch dafür geht man ja zum Prüfer. Denn eine Abbildung in einem Handbuch zu besonderen Ausgaben sollte schon mit einem Prüfzeugnis erfolgen.
Bei zwei Dingen würde mich hier die Meinung der anderen interessieren:
[1] Wie ist mit Prüfungen früherer Prüfer umzugehen? Habe da Auktionen in 2026 im Blick, wo Atteste aus dem Jahr 2012 als Belege genutzt wurden. Oder wo im Michel steht, dass Altsignaturen nicht immer dem heutigen Stand der Forschung entsprechen, aber trotzdem als geprüft angeboten werden.
[2] Ist nicht eine Ursache für diese Diskussion auch darin zu suchen, dass der Erste, der ein Attest beauftragt (bezahlt), der „Dumme“ ist und auf den Prüfgebühren bei einem Verkauf sitzen bleibt?
Beste Grüße
KHV
Am: 22.06.2026 08:56:28
Gelesen: 3860
# 12
Arm dran sind auch die Besitzer alter Tütenware von Krone/Adler, Germania und Inflation.
Hier muss man als Einlieferer schon vorsortieren, welche Marken für eine Prüfung in Frage kommen, denn sonst wird es ein teures Vergnügen das ganze Material prüfen zu lassen.
Weiterhin gibt es dann ja auch kaum einen Markt für geprüfte und gleichzeitig häufige Marken.
Viele Grüße
Thomas
Am: 22.06.2026 09:00:17
Gelesen: 3857
# 13
Unser Mitglied Andreas Sicklinger antwortete auf Beitrag [#1]
Insgesamt ist es schon schief: man kauft die Marken, gibt dafür Geld aus (natürlich freut man sich wenn man gutes Material für kleines Geld bekommt, aber das ist nicht immer so)... aber dann will man alles wissen ohne einen weiteren Pfennig auszugeben: Literatur will man nicht kaufen, Prüfungen findet man zu teuer, und wenn man nicht 200% Gewinn beim Wiederverkauf macht, ist mal als Investor missverstanden. Bei vielen ist dieses Hobby wohl eher als "Arbeit" verstanden als Vergnügen.
Aber mach weiter so Alex, wenn ich mich je an einen Prüfer in meinem Leben rangetraut habe, dann ist es wegen Deiner Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.
Am: 22.06.2026 10:16:23
Gelesen: 3793
# 14
@ KHV [#11]
Hallo KHV,
ich möchte auf den Punkt 1 von Ihnen eingehen. Durchaus entwickeln sich Kenntnisse und damit die Perspektive auf einen Prüfgegenstand. Insbesondere bei Stempeln sehe ich das immer wieder. Altprüfungen (z.B. ohne Verbandszugehörigkeit) können durchaus ihre Berechtigung haben. Das sehe ich in meiner täglichen Arbeit. So habe ich bei manchen „Alt-Prüfern“ so gut wie gar keine Ausfälle und bei anderen ist die Quote wiederum sehr hoch. Es kommt nach meiner Einschätzung daher auf den Prüfer an sich an. Auch sind Fälschungen von Alt-Prüfzeichen wie z.B. bei „Richter“ oder „Dr. Dub“ möglich. Es lässt sich also nicht genau festmachen, ob Altprüfungen problematisch sein können. Wer sicher gehen will, sollte geprüfte Briefmarken von aktiven Prüfern erwerben und diese ggf. bei dem selben Prüfer nachprüfen lassen oder nachfragen, ob sich in der Zeit seit Prüfung neue Erkenntnisse ergeben haben. Bei weiteren Zweifeln kann man auch einen anderen Prüfer – ggf. eines anderen Prüferverbandes – kontaktieren.
Andersrum können aber auch relativ aktuelle Prüfungen voll daneben liegen. In einem anderen Beitrag hatte ich bereits geschrieben, dass mir ein Viererblock SBZ Provinz Sachsen Mi-Nr. 88 B b mit Attest aus 2024 vorliegt, bei dem meiner Beurteilung nach der Stempel mittels Tintenstrahldrucker aufkopiert wurde. Zwei weitere 4er Blocks dieser Serie (87 B und 89 B) mit selbiger „Tintenstrahldrucker-Entwertung“ wurden zudem signiert. Daher ist es immer mein Ratschlag, sich die Briefmarke genau anzusehen, ob man der Prüfung folgen kann und sich bei Zweifeln – sofern möglich – an den Prüfer zu wenden.
Beste Grüße
Thilo Nagler
Am: 22.06.2026 10:29:09
Gelesen: 3775
# 15
Auch finde die Preisgestaltung absolut fair, keine Frage.
Problematisch ist das Ganze bei Marken mit geringem Michelwert. Beim Sammelgebiet Infla ist lt. Michel der Preis nur für geprüfte Werte. Führt aber zu wirtschaftlichen Schwachsinn seitens des Auftraggebers. Beispiel: Der Satz 205/09 (Posthorn und Ziffer) steht mit 10,- M€ im Katalog. Lasse ich die fünf Marken prüfen, bin ich ca. 15,- € Prüfgebühren los. Bei einem realen Verkaufspreis von vielleicht 2,50 € (Ich habe mal einen Satz für 1,80 € gekauft). Ungeprüft will das Ganze niemand haben. Faktisch lohnt es sich kaum, Marken im Michelpreis von unter 20,- € zum prüfen zu schicken. Porto hin und zurück nicht einmal mit eingerechnet. Auf der einen Seite habe ich aber auch billigste Werte mit Falschstempel.
Ich habe mal eine Mi Nr. 245 (Arbeiter 50 M, Michel 150,- €) zum Prüfen geschickt, Prüfgebühr war ca. 9,- €. Die Marke bekomme ich schon für ca. 30,- € im Netz. Wenn ich einen Käufer / Tauschpartner finde, rechnet sich das vielleicht noch.
Vor längerer Zeit war im Michel mal der Hinweis, dass Preise ab 5,- DM nur für geprüfte Stücke gelten, eine Zeitlang waren diese Marken mit einem Stern gekennzeichnet.
Natürlich ist es für den Prüfer genau soviel Arbeit derartige Kleinwerte zu prüfen wie eine hochpreisige Marke.
Würde Michel die Preise auf ein realistisches Mass reduzieren, müssten die Prüfer natürlich von den 3% auf vielleicht 10% gehen. Hört sich brutal an, ändert aber nichts für den Auftraggeber.
Die Philatelic Experts (Jäschke Lantelme & Co) berechnen z.B. schon derartig, nach Handelswert.
Dass einem Fachliteratur da weiterhilft sollte jedem klar sein. Vieles brauche ich gar nicht erst einsenden. Siehe Krone / Adler. Ich habe etliche 47 d, 50 d als geprüfte Werte. Da haben sicherlich Leute ohne nachzudenken eingeschickt, viel bezahlt und nichts reales dafür bekommen.
Am: 22.06.2026 10:56:53
Gelesen: 3753
# 16
Das Thema Kritik an der Preisgestaltung des Prüfens ist vermutlich so alt wie das Prüfen selbst. Selbst der schon lange verstorben Kurt H. Danke, seinerseits Prüfer für Tibet, hatte sich in Schriftwechsel den wir damals hatten öfters über Prüfkunden beschwert die die damals üblichen DM 2 als Abzocke befanden und darin auch noch teilweise Klischee-/ Plattenbestimmung sowie farbprüfen beinhaltet wollten.
Mit seinen Kosten für Argen, Literatur, Versicherung hatte er damals auch schon argumentiert.
Service kostet halt Geld, man kann sich auch die Haare selbst schneiden, von Maniküre und Pedicure ganz zu schweigen, da wird aber nicht über die Preise gejammert.
Am: 22.06.2026 11:15:05
Gelesen: 3730
# 17
@ mark94 [#10]
Und die Frage wer Vergleichssammlung und Literatur finanziert ist sehr einfach. Derjenige dem das dann gehört. Im übrigen finanziert auch jeder Sammler seine Sammlung und Literatur selbst. Und man darf auch nicht vergessen, dass der Prüfer sein Wissen durch die Vorlagen der Sammler erweitern kann. Er bekommt auf den Schreibtisch was ansonsten nicht erreichbar wäre. Auch das ist ein Mehrwert wenngleich ein ideeller.
Schön, dass Du die Vergleichssammlung als Privatsache des Prüfers ansiehst. Warum zahlst Du dann überhaupt noch Prüfgebühren? Wie Du schreibst, hat der Prüfer Spass an Deiner Prüfsendung und einen ideellen Mehrwert. Da finde ich es nur gerecht, dass der Prüfer Dir einen Obolus für die Überlassung Deiner Pretiosen zahlt. <\IRONIE>
Spass beiseite, die eigene Sammlung ist sicher ein guter Grundstock für eine Prüfsammlung. Nun muss man in einem Prüfgebiet alle Facetten abdecken. Als eingefleischten Posthistoriker macht Dir die Prüfung von Belegen und Stempeln keine Probleme. Du träumst sogar in der Nacht davon. Leider gibt es aber auch die Farbsammler. Die interessieren sich einen Kehricht um Stempel, die nur den Farbeindruck stören. Für diese Klientel musst Du einige Farbreihen besorgen und über die entsprechenden Geräte verfügen, auch wenn Du Dich selbst für dieses Thema nicht besonders interessiert.
Viele Prüfer so wie Lars Böttger können am Küchentisch prüfen. Wenn Du bei einem klassischen Sammelgebiet plötzlich Großaufträge von Auktionshäusern bekommst, erwartet der Auftraggeber mindestens einen eigenen Schreibtisch, wo seine Ware getrennt von der anderer Kunden bearbeitet wird. Und das Thema Tresor habe ich schon genannt. Wer soll denn den Tresor bezahlen?
@ thomas4680 [#15]
Die meisten Fälle bewegen sich im Gegenwert von ein bis zwei Bier in der Kneipe. Solange es Hobby ist, gibt man das Geld aus, und freut sich an den geprüften Marken. Oder man lässt es bleiben.
Es ist die gleiche Entscheidung wie auf der Bergtour: entweder das Pils in Dosen beim Discounter kaufen und selbst auf den Berg schleppen, oder in der Hütte einkehren und für die Halbe 7,50 Euro bezahlen.
Anders sieht es für den Handel aus. Der muss kaufmännisch entscheiden und kann nicht vom darauflegen leben. Entweder Marken mit (Uralt-)Prüfungen einkaufen und verkaufen oder eben ungeprüft anbieten. Prüfen lohnt sich bei Standardmaterial nicht mehr.
Am: 22.06.2026 11:50:34
Gelesen: 3694
# 18
@ KHV [#11]
Zu Deiner Frage, wie mit Prüfungen früherer Prüfer umzugehen ist, kann keine eindeutige Antwort gegeben werden. Am besten ist es Experten zu fragen, welche Meinung sie von diesem früheren Prüfer haben. In der Branche ist bekannt, ob es sich um "schwache Prüfer" handelt oder um Prüfer, die im Laufe der Zeit nachgelassen haben. Von Bedeutung ist auch, ob sich für das Gebiet seit Ausscheiden des früheren Prüfers neue Erkenntnisse ergeben haben.
In der Diskussion zu wenig beachtet, wird das Thema Qualität. Ich habe ein Dutzend ältere Atteste zu Belegen meines Sammelgebiets. Bei der aktuelle Nachprüfung wurden in sechs Fällen erstmals Hinweise zu Reparaturen oder Mängeln angegeben, die in den alten Attesten fehlten. Mängel können auch erst nach der alten Prüfung aufgetreten sein (z.B. Oxidation von empfindlichen Marken). Hier waren die Reparaturen oder Mängel aber bereits bei der früheren Prüfung vorhanden und wurden nicht genannt. Da Qualität heute wichtiger als früher ist, sollte dies auch bei der Entscheidung eine Prüfung vornehmen zu lassen, berücksichtigt werden.
Bei einem aktuellen Fall habe ich die Nachprüfung für einen Beleg (15.000 € Michelwert) veranlasst. Das Altattest hat den Brief als einwandfrei bezeichnet. Die Prüfkosten von 400 € waren gut angelegt. Die Marke auf dem Brief war repariert. Die Rückabwicklung mit dem Auktionshaus und die Erstattung der Prüfkosten lief dann problemlos ab. Bei der nächsten Auktion wurde diese Reparatur angegeben und der Brief für die Hälfte des vorherigen Zuschlags verkauft. Jetzt ist der Brief bei einem anderen Auktionshaus im Angebot ohne das aktuelle Attest, nur mit dem alten Attest und zum dreifachen Zuschlagspreis als Ausruf.
Beste Grüße
Peter
Am: 22.06.2026 12:00:52
Gelesen: 3678
# 19
@ Droenix [#18]
Bei der nächsten Auktion wurde diese Reparatur angegeben und der Brief für die Hälfte des vorherigen Zuschlags verkauft. Jetzt ist der Brief bei einem anderen Auktionshaus im Angebot ohne das aktuelle Attest, nur mit dem alten Attest und zum dreifachen Zuschlagspreis als Ausruf.
Hier würde ich von Betrugsversuch sprechen. Entweder hat der Einlieferer dem Auktionshaus die Wahrheit verschwiegen, oder das Auktionshaus ist selbst auf die schiefe Bahn geraten.
Angesichts des Handelswertes kann ich das nicht als Versehen eines überlasteten Sachbearbeiters oder Einlieferers abtun.
Die "Nahrungskette" ist ja nachvollziehbar. Irgendwie passt dieser Vorfall nicht zur alljährlichen Jubelmeldung des Versteigererverbandes BDB, dass es keine Probleme gibt.
Am: 22.06.2026 13:06:18
Gelesen: 3615
# 20
@ drmoeller_neuss [#17]
Geld ausgeben für das Hobby, das liegt in der Natur der Sache. Geld verbraten eher nicht.
Alternativ könnte man so die Bergtour auch so finanzieren: Discounterbier in Mengen heraufschleppen, für dann "billig" 5,- € an durstige, "preisbewusste" Wanderer verkaufen.
@ Droenix [#18]
Altprüfungen sind immer ein latentes Problem, es gibt nicht nur im Inflabereich Stempel die nicht mehr "gut" gegeben werden. Bei einer blossen Signatur lässt sich vielfach noch nicht einmal die Dekade der Prüfung nachvollziehen. Auch hier ist jeder Euro gut investiert. Wegen der Haftung sind Prüfer generell vorsichtiger geworden.
Andererseits kann man ja auch nicht alle geprüften Marken in regelmässigen Abständen neu prüfen lassen, auch irgendwie überzogen.
Am: 22.06.2026 14:06:14
Gelesen: 3547
# 21
@ drmoeller_neuss [#19]
zumal ich das Auktionshaus bereits letztes Jahr darauf hingewiesen habe, als der Brief zum ersten Mal dort angeboten wurde.
Nun wird der Brief beschrieben: Der Oberrand der Marke scheint behandelt, jedoch Fotoattest E.Diena für fehlerfreie Qualität.
Am: 22.06.2026 14:13:57
Gelesen: 3528
# 22
@ Droenix [#18]
Bei einem aktuellen Fall habe ich die Nachprüfung für einen Beleg (15.000 € Michelwert) veranlasst (Das Altattest hat den Brief als einwandfrei bezeichnet). Die Prüfkosten von 400 € waren gut angelegt. Die Marke auf dem Brief war repariert. Die Rückabwicklung mit dem Auktionshaus und die Erstattung der Prüfkosten lief dann problemlos ab. Bei der nächsten Auktion wurde diese Reparatur angegeben und der Brief für die Hälfte des vorherigen Zuschlags verkauft. Jetzt ist der Brief bei einem anderen Auktionshaus im Angebot ohne das aktuelle Attest, nur mit dem alten Attest und zum dreifachen Zuschlagspreis als Ausruf.
Nenne doch bitte Ross und Reiter oder zumindest den Link zum Angebot damit man sich selbst ein Bild machen kann.
Am: 22.06.2026 14:15:01
Gelesen: 3527
# 23
@ drmoeller_neuss [#19]
Die "Nahrungskette" ist ja nachvollziehbar. Irgendwie passt dieser Vorfall nicht zur alljährlichen Jubelmeldung des Versteigererverbandes BDB, dass es keine Probleme gibt.
M.W. ist nicht jedes Auktionshaus Mitglied im BPP.
Am: 22.06.2026 14:44:07
Gelesen: 3487
# 24
Am: 22.06.2026 15:38:41
Gelesen: 3429
# 25
"Bei einem aktuellen Fall habe ich die Nachprüfung für einen Beleg (15.000 € Michelwert) veranlasst (Das Altattest hat den Brief als einwandfrei bezeichnet). Die Prüfkosten von 400 € waren gut angelegt. Die Marke auf dem Brief war repariert. Die Rückabwicklung mit dem Auktionshaus und die Erstattung der Prüfkosten lief dann problemlos ab. Bei der nächsten Auktion wurde diese Reparatur angegeben und der Brief für die Hälfte des vorherigen Zuschlags verkauft. Jetzt ist der Brief bei einem anderen Auktionshaus im Angebot ohne das aktuelle Attest, nur mit dem alten Attest und zum dreifachen Zuschlagspreis als Ausruf"
Bei manchen Auktionshäusern sind "Zweitverwertungen" Bestandteil des Geschäftsmodells. Soweit dabei von Kollegen Sammellots erworben werden, und man sich die Arbeit des Auflösens macht, ist dagegen nichts einzuwenden. Problematisch kann es werden, wenn gezielt als mängelbehaftet erkannte Lose gekauft und anschließend ohne explizite Hinweise in der Beschreibung angeboten werden.
Begünstigt wird der Erfolg solcher Maßnahmen durch Prüfer, die auf die Kennzeichnung unzulänglicher Altatteste verzichten. Wer den Auktionsmarkt gut beobachtet, findet schnell heraus, wo Vorsicht geboten ist.
Am: 22.06.2026 16:21:00
Gelesen: 3382
# 26
@ Altsax [#25]
Problematisch kann es werden, wenn gezielt als mängelbehaftet erkannte Lose gekauft und anschließend ohne explizite Hinweise in der Beschreibung angeboten werden.
Das ist nicht "problematisch", sondern grenzt in vielen Fällen an Betrug [1]. Auf jeden Fall ist es wettbewerbswidrig.
Im kleinen passiert das jeden Tag auf ebay. Auktionshäuser werfen nicht ganz koschere Sammlungen und Lots gerne in "Nachlasskartons" mit der Beschreibung "Erhaltung unterschiedlich - wie eingeliefert - bitte besichtigen". Ebay-Schwarzhändler lösen dann diese Sammlungen auf und geraten mit dem APHV und BPP zusammen, wenn zum Beispiel entfalzte Ware als postfrisch angeboten wird, oder gefälschte Prüfzeichen im Umlauf sind.
Ich würde mir wünschen, wenn man sich auch der hier beschriebenen Fälle annehmen würde. Da geht es auch um mehr Geld als beim kleinen ebay-Schwarzhändler.
Begünstigt wird der Erfolg solcher Maßnahmen durch Prüfer, die auf die Kennzeichnung unzulänglicher Altatteste verzichten.
Wie soll das in der Praxis funktionieren? Prüfer haben keinen Zugriff auf die im Umlauf befindlichen Atteste. Im übrigen kann es auch neue Forschungsergebnisse geben, nicht jedes falsche Attest ist auf die Unfähigkeit des Prüfers zurückzuführen. Und nach 32 Jahren liegt der ein oder andere Prüfer auch flach unter der Erde.
Im übrigen verjähren auch Prüfergebnisse, d.h. Atteste laufen aus der Haftung (in der Regel die gesetzliche Verjährungsfrist, d.h. drei Jahre).
[1] https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__263.html
Am: 22.06.2026 16:37:31
Gelesen: 3359
# 27
@ drmoeller_neuss [#26]
"Begünstigt wird der Erfolg solcher Maßnahmen durch Prüfer, die auf die Kennzeichnung unzulänglicher Altatteste verzichten.
Wie soll das in der Praxis funktionieren? Prüfer haben keinen Zugriff auf die im Umlauf befindlichen Atteste."
Von "im Umlauf befindlichen Attesten" war nicht die Rede. Es geht um die Einhaltung der BPP-Prüfordnung, die sowohl die Vorlagepflicht von Vorprüfungsdokumenten als auch deren Kennzeichnung bei Unzulänglichkeiten regelt:
"8.2. Der Auftraggeber ist verpflichtet, den Prüfer auf alle ihm bekannten Umstände aufmerksam zu machen, die zu einer Fehlbeurteilung führen können. Insbesondere sind dem Prüfer bereits bekannte Prüfungsurteile, Ergebnisse von Vorprüfungen, Fehler, Reparaturen, Nachzähnungen oder Nachgummierungen an dem
Prüfgegenstand bei der Vorlage mitzuteilen und bereits vorhandene Befunde und/oder Atteste vorzulegen.
[i]7.4. Der Prüfer ist zur gut sichtbaren und untilgbaren Kennzeichnung von Fälschungen berechtigt und verpflichtet. Auch vorhandene unzutreffende Atteste, Befunde oder Kurzbefunde werden entsprechend gekennzeichnet. Ausnahmen hiervon sind nur im Rahmen vom BPP veröffentlichter Sonderprüfordnungen zulässig."
Leider kommt es nicht selten vor, daß "Unzulänglichkeiten" in Altattesten nicht gekennzeichnet werden. Bei strikter Einhaltung dieser Bestimmung ließen sich viele Fälle wie der geschilderte vermeiden. Die Frage sei erlaubt, warum diese Bestimmung Eingang in die Prüfordnung des BPP gefunden hat, wenn dagegen nicht selten verstoßen wird.
Am: 23.06.2026 04:04:00
Gelesen: 3138
# 28
Ich darf mich vielleicht auch noch einmischen? Erzählt werden soll hier von Fällen, welche für einen Prüfer besonders brutal und ärgerlich sind, weil hier ganz deutlich zutage tritt, mit welcher Wertschätzung sich einige Menschen uns (BPP) gegenüber verhalten, bzw. wie unsere Arbeit und der damit verbundene Zeitaufwand gewürdigt wird, nur weil der schnöde Mammon lockt.
Ich bekomme eine Prüfsendung, regle die "Förmlichkeiten", überfliege das Material und sehe deutlich schicke und wertvolle Marken, aber keinerlei Atteste/Befunde/ Kurzbefunde dabei. Wenn ich dann den Einlieferer zu einem Gespräch am Telefon bitte, versichert mir dieser: Es lag nix dabei, so bekommen, oder: ist eine Erbschaft und mehr wurde nicht im Nachlass gefunden - die Liste ist lang. Ich weiß manchmal aber sicher (anhand eigener Registratur) dass diese "Zeugnisse" mal existierten. D.h. ich halte sogar den Beweis dafür, während eines solchen Gespräches als Fotokopie in den Händen und frage mich dann, erzählt mir das telefonische Gegenüber die Wahrheit, oder werde ich wissentlich angeschwindelt?
Dann werden solche Marken mit neuen Attesten/Befunden/ oder Kurzbefunden ausgestattet und an den Einlieferer zurückgesandt. Dieser entscheidet dann, welche Texte für den Wiederverkauf geeigneter erscheinen. Die auf den zurückbehaltenen Attesten/Befunden/Kurzbefunden, oder die Neuen von mir. Und das war es dann.
Oft muss man nicht lange warten, bis die so ausgestatteten Marken oder Belege bei Ebay oder wo auch immer auftauchen (und dann mit älterem Schriftgut versehen), ohne meine angefertigten Schriftstücke. Meine Arbeit war also für die Katz, meine dafür aufgebrachte Lebenszeit landete im Papierkorb. Übermässig verdient hat man auch nicht dran (nur ordentlich der Umwelt geschadet) und so bleibt mir nur: weinend in der Ecke zu sitzen und mich die Platze zu ärgern.
Dazu kommt: Gestern war der Großmeister der Kopieranstalt bei mir und hat sich meinen Kopierer angesehen (der macht seit einer Woche Zicken). Da gehen mindestens 300 Dinger den Bach runter ... die wollen erstmal verdienstlich gegengerechnet werden. Schöne Kopien des Prüfgutes zu haben ist ja Voraussetzung für schöne Atteste und das letztendlich für den Papierkorb des Prüfkunden. Das ist bitter!
Und noch letztendlicher: Es ist ja ganz normal, dass jemand z.B. "Das Attest" zum Verkauf anpreist, welches in seiner Aussagekraft den besseren Verkaufserlös verspricht. Das kann ich voll und ganz verstehen. Aber bei einigen Leuten hat man echt schon das Gefühl, das die Nichtvorlage alter A/B/KB System hat. Man schließt ganz einfach die Gefahr der "Unbrauchbarmachung durch Kennzeichnung" für diese Teile aus. Keine Ahnung ob das noch grob fahrlässig ist ...
Hiervon betroffen sind natürlich hauptsächlich Marken oder Belege, welche sehr gut repariert sind oder nur sehr unauffällige Mängel tragen, also die Chance sehr hoch ist, dass dem jeweiligen Prüfer (in dem Fall ja mir) ein solcher Mangel nicht auffällt und so die Verkaufsrendite eine viel höhere ist. Ist z.B. in einem älteren Attest keine Rede von einem vorhanden Mangel, wird in meinem aber erwähnt, tja dann ist das mit der Beerdigung für mein Attest gleichzusetzen. Bittere Wahrheit !
Besonders erquicklich ist es, wenn statt der originalen Beilagen (A/B/KB) gleich Fotokopien mit zur Prüfsendung eingesandt werden. Möglichst auch nur in s/w. Da kannste dir eigentlich gleich deine Arbeit ersparen. Denn was mit der eigenen Arbeit dann passiert (sollte sie vom alten Befund der Marke negativ abweichen), ist ja fast schon klar.
Oli Estelmann
der jetzt kurzbefundet ins Bettchen verschwindet
Am: 23.06.2026 05:58:06
Gelesen: 3111
# 29
@ Oliver Estelmann [#28]
Mit einer öffentlich zugänglichen Attestdatenbank seitens des BPP kann man den Gaunern das Handwerk legen.
Mit einer öffentlich zugänglichen Attestdatenbank seitens des BPP kann man den Gaunern das Handwerk legen.
Am: 23.06.2026 09:55:14
Gelesen: 2994
# 30
@ Oliver Estelmann [#28]
Danke für den guten Beitrag aus Sicht eines Prüfers.
Dann werden solche Marken mit neuen Attesten/Befunden/ oder Kurzbefunden ausgestattet und an den Einlieferer zurückgesandt. Dieser entscheidet dann, welche Texte für den Wiederverkauf geeigneter erscheinen. Die auf den zurückbehaltenen Attesten/Befunden/Kurzbefunden, oder die Neuen von mir. Und das war es dann.
Das ist nun einmal das Schicksal der meisten Werksverträge in Deutschland. Der Auftraggeber lässt nichts mehr von sich hören. Das ist das gleiche, wenn Du einen Handwerker bestellst, der Dir den Wasserhahn repariert. Du zahlst brav die Rechnung innerhalb der Frist und das war es. (obwohl manchmal Wortes des Dankes - sei es nur eine kurze Email - auch in Geschäftsbeziehungen Wunder bewirken können).
Vielleicht sitzt auch Dein Prüfkunde zu Hause und macht eine Flasche Sekt auf. "Der Estelmann hat mir mit der Prüfsendung die Woche gerettet". Und ich hoffe, dass sich auch für Oliver Estelmann sich die Prüftätigkeit lohnt und nicht nur als Selbstausbeutung gesehen wird. Sonst sind wir wieder beim Thema "Prüfgebühren".
Dann werden solche Marken mit neuen Attesten/Befunden/ oder Kurzbefunden ausgestattet und an den Einlieferer zurückgesandt. Dieser entscheidet dann, welche Texte für den Wiederverkauf geeigneter erscheinen. Die auf den zurückbehaltenen Attesten/Befunden/Kurzbefunden, oder die Neuen von mir. Und das war es dann.
Das ist auch in anderen Bereichen üblich, mehrere Gutachten einzuholen, und dann das beste für die Vermarktung zu verwenden. Und es gibt eben "wohlwollendere" und "ehrlichere" Prüfer. Der eine Prüfer spricht von einer "ausgabenüblichen Zähnung", und der andere listet jeden kurzen Zahn auf.
Grundsätzlich habe ich damit keine Probleme, vor allem nicht bei den Teilen, die man selbst erkennen und beurteilen kann (z.B. Zähnungsqualität).
In dem in von Droenix [#24] erwähnten Beispiel werden bewusst nicht sichtbare Mängel verschwiegen. Hier geht es nicht um eine "wohlwollende" Beschreibung eines anderen Prüfers, hier wird der Käufer hinter die Fichte geführt.
Besonders erquicklich ist es, wenn statt der originalen Beilagen (A/B/KB) gleich Fotokopien mit zur Prüfsendung eingesandt werden. Möglichst auch nur in s/w. Da kannste dir eigentlich gleich deine Arbeit ersparen. Denn was mit der eigenen Arbeit dann passiert (sollte sie vom alten Befund der Marke negativ abweichen), ist ja fast schon klar.
Leider verliert DHL schon einmal Prüfsendungen. Dann ist es besser, wenn ich als Prüfkunde noch die Original-Atteste habe.
Im übrigen erwarte ich von einem Prüfer, dass er unvoreingenommen den Prüfgegenstand begutachtet. Wenn er Mängel übersieht, die vor 20 Jahren mit bescheideneren Hilfsmittel schon erkennbar waren, begeht er einen handwerklichen Fehler.
Leider kommt es auch vor, dass die Atteste / Befunde wirklich nicht mehr auffindbar sind, sei es, dass die Erben die "wertlosen" Akten bereits entsorgt haben, oder der Entrümpler alles wahllos in Umzugskartons geworfen hat. Für diese Fälle ist eine Attestedatenbank, so wie sie von den Philaseiten bereitgestellt wird, eine große Hilfe.
Am: 23.06.2026 12:27:08
Gelesen: 2900
# 31
@ wuerttemberger [#29]
Hallo,
das stimmt wohl.
Wäre schon ein Träumchen, wenn man ein Foto von einer angebotenen Marke oder Brief machen könnte und nu Datenbank such mal schön. Dann gibt's das Ergebnis, das Stück wurde in 1968 attestiert einwandfrei, 1989 attestiert einwandfrei, 2010 attestiert mit der Aussage, dass eine Marke nicht zum Beleg gehört. Von so etwas sind wir wohl weit entfernt, auch wenn es aktuell schon Entwicklungen gibt die zu so etwas führen (Google Lens u.ä.). Leider ist das von hinreichender Zuverlässigkeit die man hier benötigen würde weit entfernt.
Leider führt die Datenbank zum Folgeproblem(en). Sie muss betrieben werden. Sie muss befüllt werden. Was somit zu mehr Aufwänden und damit Kosten führt. Die tausenden in früheren Zeiten erstellten Atteste/Befunde etc. müssten dann auch da rein.
Grüße
philast
Am: 23.06.2026 14:26:47
Gelesen: 2818
# 32
Das mit der Datenbank stelle ich mir nicht ganz so einfach vor. Besonders nicht für aktuelle A/B/KB. Für meinen Teil gebe ich die Schriftstücke an den Kunden weiter und damit mehr oder weniger auch den Inhalt meiner "Wortschöpfungen".
Bleiben sie aber deswegen weiterhin mein geistiges Eigentum? Wenn dem Eigentümer eines neuen Attestes es nicht gefällt, sein Eigentum (also die Hardware) im Internet in irgendwelchen Datenbanken zu finden, was dann?
Ich könnte (theoretisch) alles was ich bisher produziert habe in die Datenbank schieben, denn es liegt ja in ausgedruckter wie auch in elektronischer Form vor. Wie aber die rechtlichen Konsequenzen aussehen, für juristische Sachen, von denen ich bisher noch nie etwas gehört habe usw. usf.
Vor ca. 36 (!) Jahren hatte ich schon ein ganz kleines Archiv. Darin befanden sich alle Sachen derer ich habhaft werden konnte. Herr Schuhardt (DDR - Prüfer für Helgoland und wohnhaft in Berlin, quasi um die Ecke von mir) war mir in dieser Sache nicht behilflich. Er zog es vor, sein Archiv zu entsorgen, weil zu viele persönliche Aufzeichnungen enthalten waren. Ich dachte mich trifft der Hammer! So kurz nach der Wende für mich als Zoni also keine Kleinigkeit, wäre es gerade sein Archiv gewesen, welches die Prüfpraktiken fast aller DDR Prüfer (für H.) hinlänglich dokumentiert hätte. Herr Schuhardt beerbte schließlich mindestens 3 seiner Vorgänger in Sachen Dokumentation (manche auch nur teilweise) ... ... und Schüchen hat ja noch viele andere Archive gehabt. Alles weggeschmissen und verloren für die Welt.
Heute ist mein eigenes Archiv eine kleine Bibliothek geworden, die weit mehr Zeit in Anspruch nimmt, als mancher denken möge. Zumal z.B. die Auktionshäuser vor 1990 ja auch schon Kataloge herausgaben ... Die gilt es weiterhin aufzuarbeiten und einzupflegen. Meine Kartei ist auf 1000den Steckkarten untergebracht und ich will nicht wissen, was sie insgesamt wiegt.
Was das alles mit den Prüfgebühren zu tun hat? Da wollen wir mal nicht lange überlegen um laut auszurufen:
Na nüscht ...
und doch alles !!!
O.E.
noch ein kleiner Nachtrag:
Ich habe natürlich auch ein Archiv im Compi. Doch was ist, wenn man sich den Strom bald nicht mehr leisten kann, oder es ihn bald nur noch auf Zuteilung zu bestimmten Uhrzeiten gibt? Oder wenn Kupfer plötzlich den neuen Strom nicht mehr leitet --- ok ich schweife ab.
Eigene Erfahrungen und auch Berichte anderer Leute haben mich eines lernen lassen: Die Karteikarte in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach ... wenn auch nicht schneller! Deshalb führe ich ein ganz altmodisches Archiv zum Anfassen. Nicht zuletzt ist es ja auch nur noch eine kurze Frage der Zeit, bis mühsam angelegte Archive für neuere Compi-Generationen nicht mehr lesbar sein werden.
Mir geht es dabei nicht so sehr um Uralt-Informationen zur Beschaffenheit der Marken (obwohl die auch hilfreich sein können um mir langes Rumsuchen von vornherein zu ersparen), sondern um das Vorkommen an sich. Abzuwägen ob eine Ausgabe wirklich selten oder sehr selten, gar unikatösen Charakter hat, das ist für mich wichtig zu wissen. Zusammenhänge zu erkennen, welche an ein zwei oder drei Marken nicht ins Auge fallen, Stempeldaten usw. - das ist das Hauptanliegen meines kleinen (aber beachtlichen) Archives - immer gewesen - und wird es immer sein.
Gruß Spok an Kirk
Und doch noch ein Wort:
Mit Entsetzen und tiefer, ehrlicher Anteilnahme habe ich den Ausführungen des Herrn Pichl zuhören müssen, als er mir von seinem Festplattencrash erzählte und das die darauf befindlichen Daten z.Teil wohl für immer verloren wären. Das ist bitter, denn ich kann nachempfinden was da an Zeit den Bach runter gegangen ist. Kann dir und mir natürlich mit dem "die Bude brennt" auch passieren, aber das ist eher unwahrscheinlich.
Nu habe ich fertig ?
Lebt lang und in Frieden.
Am: 23.06.2026 16:56:34
Gelesen: 2720
# 33
@ Oliver Estelmann [#32]
Interessanter und zum Thema passender wäre statt der Schilderung von Problemen mit Archivierung und Kollegen eine Angabe über den durchschnittlichen Zeitaufwand für ein Prüfstück, selbstverständlich unter Einschluß aller administrativer Tätigkeiten.
Dann könnte jeder selbst einen "passenden" Stundensatz wählen und sich ein Bild davon machen, ob die vom BPP als "bis zu..." angesetzten Tarife angemessen sind.
Am: 23.06.2026 22:01:49
Gelesen: 2561
# 34
@ wuerttemberger [#29]
Mit einer öffentlich zugänglichen Attestedatenbank seitens des BPP kann man den Gaunern das Handwerk legen.
@ drmoeller_neuss [#30]
Für diese Fälle ist eine Attestedatenbank, so wie sie von den hilaseiten bereitgestellt wird, eine große Hilfe.
@ Oliver Estelmann [#32]
Bleiben sie aber deswegen weiterhin mein geistiges Eigentum? Wenn dem Eigentümer eines neuen Attestes es nicht gefällt, sein Eigentum (also die Hardware) im Internet in irgendwelchen Datenbanken zu finden, was dann?
Hallo Oliver,
seit den ersten Versuchen mit der Atteste Datenbank, die nach meinen Ideen aufgebaut wurde, sind schon mehrere Jahre vergangen. Die Suche in der aktuellen Version wurde weiter verbessert. Ein Beispiel:
Du gibst in der Datenbank drei Buchstaben ein (hier: EST), klickst das erscheinende Estelmann an und "suchen". Schon sind Deine 20 Attest zu finden, abgebildet, beschrieben und vielfach sortierbar, z.b. nach Datum oder Michelnummer.
Mit einem Klick lassen sie sich speichern und z.b. mit dem zweiten Klick auf irgendeiner Internetseite zeigen.
https://www.briefmarken-atteste.de/atteste/suchen/kombisuche/?auditors[0]=288&sort=catalogue
(bitte kompletten Link kopieren)
Insgesamt sind derzeit 26.500 Prüfmitteilungen aller Art erfasst.
Das ginge auch mit Deinen 200, 2.000 oder mehr Attesten, Befunden, Kurzbefunden usw.
Ausführliche Beschreibungen zur Eingabe von Attesten gibt es auch und [b]jedes Mitglied ist aufgerufen, sich zu beteiligen[/b).
Rechtliche Einwände zur Speicherung der Daten wurden geklärt (es gibt keine) und der Auktionatorenverband BDB hat soger im Namen aller seiner Mitglieder die Zustimmung erteilt Atteste aus den Auktionsangeboten in die Datenbank zu übernehmen.
Also, nicht diskutieren sondern im Sinn der Prüfer und der gesamten Philatelie mitmachen !
Grüsse aus dem Allgäu, Richard
Am: 23.06.2026 22:12:14
Gelesen: 2545
# 35
Danke an Richard!
und zum Altsax:
Tut mir leid, das kann ich nicht. Zuviele Faktoren sprechen dagegen. Angefangen damit: Ich habe keine Stechuhr :) und um mich nicht selber unter Druck zu setzen, werde ich mir auch keine hinstellen.
Du kannst das auch nicht an einer Einzelmarke festmachen. Ich lege schließlich nicht eine Marke auf den Scanner/Kopierer, sondern die ganze Prüfsendung (soweit sie denn drauf passt). Ich schnippel nicht eine Marke aus den angefertigten Kopien, sondern alle. Ich beschrifte nicht eine Kopie rückseitig, sondern alle gleichzeitig usw. usf. Da aber keine Prüfsendung der anderen gleicht, gibt es selbst für die Dauer der ganzen Sendungen keinen Durchschnitt für mich.
Am: 24.06.2026 09:22:55
Gelesen: 2343
# 36
@ [#1]
Guido Kuessner schreibt:
Ich empfinde die Prüfgebühren, insgesamt als angemessen, es macht natürlich Sinn sich vorher Gedanken zu machen was ich mit der Prüfung erreichen will. Mehrfach habe ich schon Marken in irgendeinem Sammelsurium gefunden, zu verschiedenen Prüfgebieten, aber immer nur wenn ich es wissen wollte, es um hochpreisige Werte ging oder ich bei mehreren ähnlichen Stücken eine sichere Vergleichsmarke haben wollte. Ich schätze die Arbeit der BPP Prüfer sehr. Und Zeit wird halt mit Geld vergütet, genau wie Expertenwissen. Das braucht nämlich auch Zeit, Fortbildungen, Fachliteratur und vieles mehr.
Also hier mein Dank an alle PrüferInnen und Arge Mitarbeitende für die vielen hilfreichen Forschungsarbeiten in den Sammelgebieten.
Und Dank an Alexander Zill, der hier ja oft schon mit viel Expertise Marken kommentiert hat, was manchmal einer kostenlosen Prüfung gleichkommt.
[Der Altdeutschland-Sammler Guido Kuessner ist seit knapp 2 Jahren bei Philaseiten Mitglied]
Am: 24.06.2026 09:45:28
Gelesen: 2323
# 37
@ Richard [#36]
Genauso sehe ich das auch.
Grüße
Dieter
Am: 26.06.2026 10:08:14
Gelesen: 1870
# 38
@ Oliver Estelmann [#32]
Festplattencrash? No backup. no cry.
Am: 26.06.2026 10:18:05
Gelesen: 1861
# 39
@ Altsax [#9]
Eine leistungsgerechte Vergütung verlangt Stundensätze für eine freiberufliche Tätigkeit, mit denen auch die Anschaffung seltenen und teuren Vergleichsmaterials oder Equipment sowie die geforderten Fortbildungen usw. bezahlt werden. Alles was günstiger ist, sollten Einlieferer als geschenktes Entgegenkommen ansehen, auch die Vergütungsregelungen von Verbänden.
Wer eine technische Anlage überprüfen lässt, erwartet doch auch nicht, dass das zu ein- bis niedrigen zweistelligen Beträgen erledigt wird. Der Aufwand für den philatelistischen Prüfer ist vergleichbar.
Am: 26.06.2026 13:29:21
Gelesen: 1721
# 40
@ fdoell [#39]
Der Bundesverband Personal Training schreibt dazu:
Kalkulations-Grundregel: Als Freiberufler musst du von deinem Stundensatz Krankenkasse, Altersvorsorge, Urlaubs- und Krankheitstage sowie Puffer für auftragsfreie Zeiten selbst finanzieren. Ein Stundensatz unter 60 € bis 70 € ist in Deutschland langfristig meist wirtschaftlich nicht tragbar.
Vor meiner Zeit für Philaseiten ging es mir bei anderen Projekten genauso - niedrigere Sätze als (umgerechnet auf die Zeit vor 15 und mehr Jahren) die heutigen 60 bis 70 Euro wurde von mir nicht akzeptiert.
Heisse Grüsse, Richard
Der Bundesverband Personal Training schreibt dazu:
Kalkulations-Grundregel: Als Freiberufler musst du von deinem Stundensatz Krankenkasse, Altersvorsorge, Urlaubs- und Krankheitstage sowie Puffer für auftragsfreie Zeiten selbst finanzieren. Ein Stundensatz unter 60 € bis 70 € ist in Deutschland langfristig meist wirtschaftlich nicht tragbar.
Vor meiner Zeit für Philaseiten ging es mir bei anderen Projekten genauso - niedrigere Sätze als (umgerechnet auf die Zeit vor 15 und mehr Jahren) die heutigen 60 bis 70 Euro wurde von mir nicht akzeptiert.
Heisse Grüsse, Richard
Am: 26.06.2026 15:16:18
Gelesen: 1644
# 41
@ Richard [#40]
"Kalkulations-Grundregel: Als Freiberufler musst du von deinem Stundensatz Krankenkasse, Altersvorsorge, Urlaubs- und Krankheitstage sowie Puffer für auftragsfreie Zeiten selbst finanzieren. Ein Stundensatz unter 60 € bis 70 € ist in Deutschland langfristig meist wirtschaftlich nicht tragbar."
Die weitaus meisten BPP-Mitglieder dürften so arbeiten wie in post [#35] von Oliver Estelmann geschildert: Ohne Stechuhr und ohne Zeitmanagement. Damit erspart man sich Gedanken über seinen Stundenerlös und kann sich der Illusion über einen "lukrativen" Nebenjob hingeben.
Nach meiner Überzeugung bleibt nach Abzug aller mit der Prüftätigkeit verbundenen Kosten bei den weitaus meisten Prüfern pro Stunde weniger als der Mindestlohn übrig.
Am: 26.06.2026 18:12:13
Gelesen: 1531
# 42
@ Altsax [#41]
Den letzten Satz kann ich unterstreichen. Ich habe mal (aus meinem Hauptberuf als Honorarsachverständiger) einen Vortrag für freiberufliche Sachverständige erarbeitet und mit ein paar typischen Zahlen gerechnet – und da kam raus, dass ein Stundensatz von 70-80 € netto (= 90-110 € incl. MWSt.) angesichts der "verkaufbaren Stunden" pro Jahr im 1-Personen-Büro etwa einem Angestellten-Brutto von 3.000 € pro Monat (x12/a) entspricht. Wer mag für das Geld arbeiten? Und wer für die weitaus niedrigeren Prüfgebühren, die pro Stunde im Mittel erzielbar sind?
Es ist doch offensichtlich, dass die Prüfgebühren eine reine Anerkennungsgebühr für ein "bezahltes Hobby" der Prüfer sind und kein Mensch davon leben könnte, es sei denn, es werden nur hochpreisige Stücke geprüft, wo dann anständige Stundensätze erwirtschaftet werden können.